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Erste Begegnung

Mein Atem ging stoßweise, meine Beine schmerzten und mein Herz schlug noch nie so stark wie zuvor. Kalter Schweiß lief mir übers Gesicht und ich schlitterte über den schon fast gefrorenen Asphalt unter meinen nackten Füßen. Ich stand in einer in Finsternis gefüllten Gasse an dessen kahlen Wänden Wasser in kleinen Rinnsalen hinunterlief und sich in kleinen Pfützen sammelte. Ich zitterte, das Gefühl in meinen Füßen hatte ich bereits verloren nur noch meine Angst trieb mich vorwärts und so rannte ich auch durch diese Gasse ohne zu wissen wohin ich denn sollte. Immer und immer wieder, wie ein nicht endender Film, lief das Geschehen vor meinem inneren Auge ab. Seine Hände auf meinem nackten Körper der Geruch nach Alkohol und Zigaretten. Ich schüttelte den Kopf, rannte weiter durch die Dunkelheit bis zur nächsten Straßenlaterne ehe ich, nach Luft japsend für einen kurzen Moment zum stehen kam. Es war kurz nach Mitternacht und meines Erachtens für einen nun anbrechenden Samstag ziemlich still. Ich war zwar schon lange nicht mehr so spät draußen gewesen aber ab heute begannen die Weihnachtsferien, wer wollte da schon nicht mal wenigstens das feiern? Ich sah mich um. Selbst das spärliche Licht ließ mich im ungewissen wo ich mich befand und mit um den Körper geschwungenen Armen tapste ich weiter durch die mir fremd erscheinende Stadt. Seit ich hier lebte hatte ich mich noch nie so einsam gefühlt wie in diesem Moment der Angst. Ein mir unbekanntes knacken und knistern und blinken einer schief hängenden Reklame weckte meine Aufmerksamkeit und ohne zu wissen was dahinter lag griff ich nach der Türklinke, spürte wie sie unter dem Druck nachgab, da wurde ich plötzlich nach hinten gerissen und ich bekam eine Faust mitten ins Gesicht. Ich wankte nach hinten, rutschte aus und knallte seitlich gegen ein Auto. Mein so schon geschundener Körper schrie förmlich und ich biss mir auf die Lippe, um es selbst nicht zu tun. „Du mieses Stück Dreck, was bildest du dir eigentlich ein?", schrie mein Ex der es nicht zu verkraften schien, dass ich ihn verlassen hatte. Sein schwarzes Haar war völlige verstrubelt und seine Klamotten nass vom eingesetzten Regen und sein Blick zum fürchten. Ich fragte mich was mich geritten hatte, das ich mich in diesen Menschen verliebte hatte. Denn umso mehr ich nachdachte umso weniger positive Aspekte vielen mir ein. Im Gegenteil ich erkannte nur die Nachteile dieser gescheiterten Beziehung von der ich mir doch so viel erhofft hatte.   Mein Blick heftete sich auf die im Wind baumelnde Reklame, wenn ich doch schneller gewesen wäre, wenn ich nicht gezögert hätte. Mir vielen so viele "wenn’s" ein, dass ich den nächsten Schlag nicht kommen sah. Meine Wange brannte vor Schmerz und ich wollte schreien, doch bei seinem Anblick blieben mir dir Worte im Hals stecken und das zittern wurde nur noch schlimmer. Konnte er es nicht endlich beenden? Seine Hand krallte sich in mein Haar, zerrte mich auf die Knie, zwang mich ihn anzusehen. Der Gestank von Alkohol lies mich würgen aber mein Magen war bereits leer und so kam nur ein husten zustande. „Was bildest du dir ein, mich verlassen zu wollen?" Er kam meinem Gesicht näher, seine Finger strichen über meine Wange, mein Kinn über meinen Hals bis hin zu meiner Brust. „Du bist so perfekt", flüsterte er in mein Ohr glitt mit seiner Hand unter mein durchgeweichtes Shirt. Ich zuckte vor Ekel unter seiner Berührung zusammen und packte sein Handgelenk, versuchte ihn von mir zu schieben, doch ich war zu schwach. Seine Hand wanderte höher und meine Fingernägel bohrten sich in sein Fleisch ohne eine Reaktion schob er den dünnen Stoff weiter nach oben entblößte meine Brust. Ich schloss die Augen verdrängte sein Gesicht aus meinem Kopf versuchte seine Berührungen zu verdrängen. Ich zwang mich, mich zu entspannen dem ganzen nachzugeben, in der Hoffnung er würde von mir ablassen.   Plötzlich schrie er auf, seine eine Hand ließ meine Haare los, die andere glitt unter meinem Shirt hervor. Ich wartete doch erst als der Druck auf mir nachließ wagte ich es meine Augen zu öffnen. Die Reklame war aus, die Tür geöffnet. Eisblaue Augen fixierten mich, schienen wie Saphire durch den Qualm der Zigarette zu leuchten. „Zieh das an!", befahl er warf mir eine dünne Jacke zu und erst da bemerkte ich, dass er mit mir sprach. Mein Ex lag neben ihm und regte sich nicht. Ich wusste nicht was passiert war, hab ich doch vor Angst die Augen nicht aufbekommen. Der Junge den ich wegen der Dunkelheit kaum erkennen konnte griff in seine Hosentasche. Automatisch zuckte ich zusammen, zog die Knie an und schlang meine Arme drum. Der Junge hielt in seiner Bewegung inne und hob beruhigend die Hand.  „Ich will nur einen Freund wegen diesem Deppen rufen." Er deutete auf meinen reglosen Ex am Boden und holte sein Handy aus der Tasche, wählte eine Nummer und wartete. Langsam zog ich mir dir dünne Jacke über, lehnte mich an das Auto und versuchte mich zu beruhigen. „Hey.....nein ich..... nun halt doch mal die Klappe Ricky!", sprach er ins Telefon ohne mich aus den Augen zu lassen. „Nein ich hab da nen betrunkenen Typen der ein Mädchen an die Wäsche wollte... nein ich rede nicht von mir." Er machte eine kurze Pause. „Ricky schwing verdammt nochmal deinen Arsch hierher!", damit legte er auf und schob das Handy zurück in die Tasche. „Wie lange willst du denn noch hier sitzen bleiben?" Er kam einen Schritt auf mich zu und panisch wich ich zurück. Wie ein scheues Reh das eingeengt nach einem Ausweg suchte. Der fremde Junge seufzte strich sich durch sein dunkles Haar und sah zu der Reklame auf. „Kommst du mit rein oder willst du hier draußen erfrieren?" Ich schwieg noch immer, versuchte meine Gedanken zu ordnen, zu registrieren was eben passiert war. Nur zögerlich raffte ich mich auf, stürzte mich am Auto ab, um wieder auf die Beine zu kommen und wankte nach vorne. Noch nie kam mir mein Körper so fremd vor wie jetzt. Alles schmerzte und am liebsten würde ich mich vom nächsten Hochhaus stürzen und allem ein Ende bereiten. Der fremde Junge kam mit entgegen und bot mir seine Hand an. Mein Körper sträubte sich dagegen sie zu ergreifen, wollte zurück weichen. Er schien es gemerkt zu haben, ließ die Hand sinken und ging in das heruntergekommene Gebäude. Zögerlich folgte ich ihm. Mein Freund hatte mich geschlagen, wollte mich vergewaltigen, es konnte also nicht mehr schlimmer werden. Die Diskothek, war nicht nur außen kahl und hässlich sondern auch drinnen. Eine Bar aus dunklem Holz, kahle Wände durchgesessene Hocker und schief hängende Bilder. Der Junge ging durch den Raum zu einer schwarzen Holztür mit roter Türklinke. Ich wusste nicht wohin sie führte und mittlerweile war es mir egal. Ich konnte aus Angst, mein Ex würde wieder auftauchen, nicht zurück Nachhause oder sonst wohin. Mir blieb also nichts anderes übrig als ihm zu folgen, wenn ich draußen nicht erfrieren wollte. Ich biss die Zähne zusammen und trat durch die Tür. Wirkte der Raum davor alt und hässlich, so war dieser das komplette Gegenteil. Die Wände erinnerten an ein knallbuntes Gemälde mit Strichen, Kreisen und undefinierbaren Mustern. Selbst die Bar, ein in sich selbst verschnörkelter Tresen mit bunten Hockern, ähnelte dem Chaos das hier zu herrschen schien. Bunter als bunt ging es wirklich nicht. Der Junge ging hinter den Tresen. Selbst er war ein buntes Chaos und passte perfekt hier rein. „Steh hier nicht dumm rum sondern setz dich.", befahl er aber ich blieb mitten im Raum stehen, gefesselt von dem Farbenspektrum in dem ich mich so fehl am Platz fühlte. Es schepperte und ich zuckte zusammen sah zum Tresen. „Misst!", fluchte er und bückte sich um das aufzuheben was ihm anscheinend runter gefallen war.   Ich beobachtete ihn dabei, wie er eine rote Tasche auf den Tresen stellte, den Blick hob und mich zu sich winkte. Innerlich schrie mein Körper ich solle verschwinden aber ich konnte es nicht. Im Gegenteil, ich ging zu ihm und setzte mich auf einen der bunten Hocker. „Zieh dich aus.", verlangte er und vor Schreck fiel ich beinahe runter. „Was?!", platzte es aus mir heraus und ich sah ein kurzes Lächeln über seine Lippen huschen. „Du kannst also doch noch sprechen.", stellte er zufrieden fest und drehte die Tasche damit ich das weiße Kreuz darauf sehen konnte. „Ich will nur nach deinen Wunden sehn, da du dich sicherlich nicht dazu überreden lässt ins Krankenhaus zu gehen." Ich nickte, machte aber keine Anstalten ihm die schmerzenden Stellen meines Körpers zu zeigen. Er seufzte, kam um den Tresen herum und setzte sich neben mich. „Ich werd dir nichts tun, also zeig mir wo er dich geschlagen hat.", versuchte er es erneut und ich zögerte kurz, aber sein Blick brachte mich dazu den Ärmel meines Shirts hochzuziehen. Darunter kamen mehrere blaue Flecke und einige Kratzer zum Vorschein. An sich nicht wirklich Schlimmes, denn das was weh tat konnte ich ihm schlecht zeigen. „Sag wenn es wehtut.", sagte er und machte sich dran meine oberflächlichen Wunden zu verarzten. „Willst du was trinken?", fragte er als er fertig war und die Tasche wieder weg räumte. Ich nickte, machten sich doch gerade Kopfschmerzen bemerkbar. Als schien er es zu wissen, schob er ein Aspirin über den Tresen in meine Richtung. „Wie heißt du eigentlich?"   Ich überlegte ob ich ihm antworten sollte, wusste ich doch selbst nicht wie er hieß. Die Entscheidung wurde mir abgenommen als plötzlich die Tür ausgestoßen wurde und ein abgedrehter Junge rein kam, der noch bunter als bunt zu seinen schien und locker jeden Clown in den Schatten stellte. „Simon bist du noch ganz bei Trost?", fuhr er den Jungen mir gegenüber an, ging schnellen Schrittes auf uns zu und baute sich vor ihm auf. „Ich helf dir gerne, aber ich lass mich nicht gern verarschen." Er deutete nach draußen. „Dort war keine Menschenseele." Für einen Moment herrschte Stille, die nur durch das geräuschvolle Atmen des fremden Neuankömmlings gestört wurde. „Hallo Ricky.", begrüßte ihn Simon der unbeeindruckt auf seinem Hocker saß und keine Anstalten machte die ganze Situation zu erklären. „Das nervt.", grummelte Ricky und schien nun das Interesse an mir gefunden zu haben, was mir so gar nicht gefiel. „Und das ist sie?", fragte er ohne mich aus den Augen zu lassen. „Ja.", kam die knappe Antwort meines Gegenübers. „Ohne die ganzen Wunden ist sie bestimmt eine wahre Schönheit.“ Simon boxte ihn in die Seite. „Vielleicht wäre es besser du würdest einfach wieder gehen.", schlug er vor und deutete zur Tür. „Du bestellst mich kurz nach Mitternacht hierher, um mich dann wieder fort zu schicken?" Simon zuckte mit den Schultern und nickte. „Ja ich glaub das trifft zu." Ricky schüttelte fassungslos den Kopf und wandte sich aber zum gehen. „Wir sehen uns morgen Abend.", verabschiedete sich dieser Clown und verließ vor sich hin grummelnd den Raum. „Dein Freund hat wohl noch rechtzeitig das Weite gesucht, wenn man diesem Trottel glauben mag." Der Junge sah mich mit seinen blauen Augen durchdringend an. „Weißt du wo du jetzt hin kannst, ohne dass der Typ da auftaucht?" Ich verneinte ohne groß darüber nachgedacht zu haben. „Okay." Er stand auf und bedeutete mir ihm zu folgen. Wir verließen den Raum durch eine Tür die hinter dem Tresen lag und woran ein "Privat"-Schild hing. Wir gelangten in einen spärlich beleuchteten Flur dessen Dielen bei jedem Schritt schrecklich knarrten. Simon führte mich eine Treppe hinauf, zu einer Tür am Ende des Ganges. „Hier ist das Bad." Er deutete an das andere Ende. „Wir haben kein Gästezimmer also musst du wohl oder übel in meinem Bett schlafen, außer du nimmst mit dem Boden vorlieb." Ich konnte wegen dem geringen Licht nicht sehen ob er es ernst meinte, aber in dem Moment war es mir eigentlich ziemlich egal. Ob er mein Nicken sah wusste ich auch nicht, also ging ich einfach ins Bad und schloss die Tür hinter mir. Im Dunkeln suchte ich nach dem Lichtschalter und blinzelte als es auf einmal hell wurde. Die weißen Fliesen machten den Raum noch heller und ich brauchte eine Weile bis sich meine Augen an das Licht gewöhnten. Das Bad war wesentlich kleiner als das bei mir Zuhause aber das spielte nun auch keine Rolle. Es besaß alles was man brauchte und das einzige was ich brauchte war eine heiße Dusche. Also zog ich mich ohne umschweifen aus und stieg in die Duschkabine. Sobald der erste Tropfen Wasser auf meine Haut fiel, konnte ich mich entspannen. Ich schloss für einen Moment die Augen, versuchte nur an das reinigende Gefühl zu denken, welches das Wasser auslöste. Dass mir jedoch die Wärme über den Kopf stieg, hatte ich nicht geplant und so ließ ich es zu das ich in die Dunkelheit der Bewusstlosigkeit fiel.  

Als ich die Augen aufschlug, musste ich zuerst feststellen, dass ich mich nicht mehr im Bad befand, denn dafür lag ich fiel zu weich. Außerdem war es stockfinster und es fiel mir schwer herauszufinden wo ich mich überhaupt befand. Nur langsam gewöhnten sich meine Augen ans dunkle und nach und nach erkannte ich die Umrisse eines Schrankes. Durch einen winzigen Spalt fiel Licht in den Raum und erhellte ein bisschen den kleinen Raum. Vorsichtig setzte ich mich auf. Was zu meiner Bewusstlosigkeit geführt hatte wusste ich nicht aber wie ich es in ein Bett geschafft hatte, welches ich als solches nun erkennen konnte, blieb mir ein Rätsel. Neben mir regte sich etwas und ich konnte mir einen Schrei gerade so verkneifen. Die Decke zog ich bis zum Kinn und rutschte ans andere Ende des Bettes. Ein Grummeln war zuhören und ich spürte wie jemand versuchte mir die Decke wegzuziehen. Innerhalb eines Herzschlages machten sich bei mir meine schlimmsten Befürchtungen breit bis plötzlich die Tür aufgerissen wurde, ein mir unbekanntes Mädchen eintrat und wir beide anfingen zu schreien. Mein Bettnachbar grummelte, setzte sich auf und schlug mir erst mal die restliche Decke ins Gesicht. „RUHE!“, schrie er und ich erkannte die Stimme von Simon der aus dem Bett sprang und das Licht einschaltete. „Sue wie oft hab ich gesagt, das du nicht einfach reinplatzen sollst und du…“, er drehte sich zu mir. „Noch so ne Aktion wie im Bad und ich lass dich das nächste Mal dort liegen, klar?“ Ich nickte, während ich diese Informationen zu verarbeiten versuchte, scheuchte er das kleine zierliche Mädchen mit den genauso blauen Augen aus dem Zimmer. Mit einem Krachen schlug er die Tür wieder zu und legte sich zurück ins Bett. Noch immer saß ich zusammen gekauert am anderen Ende und klammerte mich an die Decke. „Beanspruch nicht die ganze Decke für dich.“, raunte er, bekam einen Zipfel zu fassen und zog mit voller Wucht daran. Ungeschickt purzelte ich nach vorne und lag neben ihm auf dem Bauch. Seufzend breitete er die Decke über uns aus und drehte mir den Rücken zu. „Wenn du nochmal schreist schmeiß ich dich aus meinem Zimmer.“, drohte er und war in Sekundenschnelle wieder eingeschlafen. Ich starrte eine Weile das Kissen an und versuchte mir zu überlegen was ich von nun an tun sollte. Mein Ex war verschwunden und ich wollte nicht wissen wie lange er nun vor meiner Wohnung herum lungern würde. Hier bleiben konnte ich ja auch nicht, aber wohin sollte ich sonst? Ich drehte mich auf die Seite und starrte an die kahle Wand, doch auch das brachte mich nicht weiter. Seufzend vergrub ich das Gesicht im Kissen und schloss die Augen. „Wenn du so weiter machst, erstickst du.“, raunte eine Stimme neben mir und ich hob den Kopf. Seine blauen Augen schienen wahrhaftig im Dunkeln zu leuchten, was einerseits ziemlich gruselig aber andererseits auch sehr anziehend wirkte. „Wen kümmert’s?“, brummte ich ins Kissen in der Hoffnung er hätte mich nicht gehört, was er aber seines Blickes nach zu urteilen hatte. „Ich will keine Leiche im Bett.“, murmelte er und stützte sich mit dem Ellenbogen ab. „Ich will nicht, dass man schlecht von mir denkt.“ Ich musterte ihn skeptisch. „Tut das diese Sue nicht schon?“ „Oh das holde Fräulein kann also doch noch sprechen.“, spaßte er. „Welche Ehre.“ Seine Stimme triefte förmlich vor Sarkasmus. „Würden Sie mir nun auch noch Ihren Namen nennen?“ Als Antwort bohrte sich meine Faust in seinen nackten Bauch, was ihm nicht wirklich was ausmachte. Im Gegenteil, meine Hand fing an zu schmerzen und ich zog sie zurück. „Clarys.“, murmelte ich und zog die Decke wieder bis zum Kinn. „Aha.“, war das einzige was er dazu sagte, ehe er lauthals gähnte. „Also Clarys, mir ist es ja so ziemlich egal was du für Probleme hast und das du in meinem Bett schläfst verkrafte ich auch noch, aber wenn du noch einmal denkst du könntest mitten in der Nacht losschreien oder dich ersticken zu müssen, landest du auf der Straße und glaub mir, der kürzeste Weg durchs Fenster ist mir grad gut genug.“ Damit schnipste er mir gegen die Stirn drehte sich um und schlief weiter. Langsam zweifelte ich daran, dass es schlimmer kommen konnte, denn es wurde mit jeder Sekunde die ich Simon kannte, schlimmer.  

Einzelne Sonnenstrahlen weckten mich am nächsten Morgen und mit noch halb geschlossenen Augen setzte ich mich auf und streckte mich ausgiebig. Viel zu spät bemerkte ich warum mir plötzlich so kalt wurde. Das mir es nicht aufgefallen war, dass ich nackt neben Simon geschlafen hatte und das vielleicht auch ein Grund war warum diese Sue mich so fassungslos angestarrt hatte, war mir natürlich nicht in den Sinn gekommen. Dafür schien Simon, der vor dem Bett stand und sich anzog, der Anblick sichtlich zu gefallen. Es fehlte nur noch das er sabberte. „Was?“, blaffte ich und versuchte erst gar nicht mich zu bedecken. Was hätte das jetzt noch geändert. „Es überrascht mich, dass du mir bis jetzt noch keine gepfeffert hast.“, antwortete er und zog sich ein T-Shirt über. „Immerhin könntest du ja sonst was von mir denken.“ „Das tue ich bereits.“, zischte ich und verschränkte die Arme vor der Brust. „Wieso bin ich nackt?“ „Weil Gott dich so erschaffen hat?“ „Wie witzig.“ Er griff in seinen Schrank und warf mir ein Shirt zu. „Die Sachen meiner Schwester sind dir glaub zu klein und deine Sachen...“ „..will ich nicht anziehen.“, beendete ich seinen Satz und zog mir das Shirt über. Es war mir eindeutig zu groß und am liebsten würde ich einfach im Bett bleiben und weiterschlafen aber ich konnte mich ja nicht ewig hier aufhalten. „Noch ein paar kurze Anweisungen: 1. Wir zwei haben keine Beziehung, 2. Wir hatten keinen Sex, 3. Egal was du gefragt wirst, nur ein Wort gegen mich und du bist so was von fällig.“ Damit marschierte er aus dem Zimmer und ich nur mit seinem Shirt bekleidet folgte ihm. Wir gingen die Treppe hinunter in eine kleine Küche, wo bereits die kleine Sue am Tisch saß. „Morgen.", murmelte sie und ihr Blick blieb auf mir haften. Ob es daran lag, dass sie mich nackt im Bett ihres Bruders erwischt hatte oder weil ich nur in einem Shirt von ihm runter kam wusste ich nicht. „Ricky hat angerufen.", sagte sie als wir uns an den Tisch setzten. „Er will nachher vorbei kommen." Simon sah sie fragend an. „Warum?" Sie nippte an ihrem Glas Orangensaft. „Hat er nicht gesagt."  Seine Schwester sah mich weiter misstrauisch an, als hätte sie Angst sie könne etwas verpassen wenn sie mich aus dem Auge lies. „Hör auf sie so anzustarren, Sue.", mahnte ihr Bruder sie der in sein Brötchen biss. „Was macht sie überhaupt hier?", wollte sie stattdessen wissen und ich spürte bereits Simons bohrenden Blick, also schwieg ich. Zum Glück wurde uns das Antworten abgenommen als plötzlich dumpfe Schritte zu hören waren, die schnell näher kamen. Mit einem Ruck wurde die Tür der kleinen Küche aufgerissen und der bunte Clown namens Ricky trat ein. Bei meinem halbnackten Anblick fehlten ihm die Worte und er versuchte krampfhaft nicht zu sabbern. „Was...", begann er und wusste sogleich nicht weiter. Hilfesuchend sah er zu seinem Freund der gelassen am Tisch saß und frühstückte. Es schien ihn wenig zu interessieren das es Ricky nicht schaffte seine Frage zu formulieren, also ignorierte er ihn einfach. Auch das er mich angaffte brachte ihn nicht dazu die Situation zu erklären. Nein, er saß da und aß genüsslich sein Brötchen. „Wenn du was zu sagen hast, dann sag es jetzt.", meinte Sue die ihn keines Blickes würdigte sondern mich weiter aus zusammen gekniffenen Augen musterte. „Ähm ja.... wegen heut Abend.... ich kann nicht." Simon hielt in seiner Bewegung inne. „Wie du kannst nicht?" Ricky schien sich gerade mehr als unwohl zu fühlen, aber das war Simon egal. „Es gibt kein Ich-kann-nicht. Heute Abend ist Neueröffnung weißt du wie viele Gäste kommen werden?!" Ricky sah schuldbewusst  zu Boden. „Sorry, Kumpel aber es geht einfach ned." Simon knirschte unangenehm mit den Zähnen und lehnte sich auf seinem Stuhl zurück. „Clarys...", er wandte sich an mich und seine blauen Augen musterten mich nichtssagend. „Schon was vor heut Abend?"

Let's Party - oder doch nicht?

„Dafür das du ein Mädchen bist kannste absolut nicht putzen.", stellte Simon fest und beobachtete mich wie ich den Tresen wischte. Meine Begeisterung hielt sich beim Putzen eben in Grenzen und das lag nicht daran das ich es Zuhause nie musste. Ich hielt in meiner Bewegung inne und hob den Kopf um ihn anzusehen. Er stand mir gegenüber, der nun glänzende Holztresen zwischen uns, hatte er den Kopf in die Hände gestützt und brachte die Zigarette im Mund zum glühen. „Wieso soll ich dir eigentlich beim Putzen helfen?", fragte ich und warf den Lappen zurück in den Putzeimer. „Weil ich die Bar heut Abend wieder aufmache.", antwortete er und sein Blick wurde glasig. „Wieso? Wie lang war sie denn geschlossen?" Ich sah mich in der vorderen Bar um. Trotz, dass sie sehr schlicht und dunkel war, fühlte ich mich hier richtig wohl. Der Raum vermittelte mir eine gewisse Wärme die es bei mir Zuhause nie gegeben hatte und dort war ich aufgewachsen und nicht hier.

„Ned Träumen Blondchen, weiterarbeiten.", riss er mich aus meinen Gedanken, drückte den Glimmstängel aus und kam um den Tresen herum. Ich verzog das Gesicht zu einer Grimasse und wandte mich den Tischen zu, auf denen schon mindestens eine Daumendicke Staubschicht lag. „Die Bar gehörte vor einem Jahr noch meinem alten Herrn.", murmelte er vor sich hin und ich wusste nicht ob er mit mir redete oder nur mit sich selbst. „Er ist letztens Jahr ums Leben gekommen." Ich biss mir auf die Lippen, um nichts Falsches zu sagen und putze eifrig weiter. „Seitdem ist sie geschlossen."

Ich hörte das Glöckchen über der Eingangstür klingeln und hob den Kopf um nachzusehen wer die Bar betrat.

„Hier bist du ja.", freute sich der Besucher und mir blieb das Herz stehen. Warum war er hier? Der Lappen fiel mir aus der Hand und ich fing an zu zittern. 

„Wir haben noch geschlossen.", mischte sich Simon ein der sich zwischen uns stellte.

„Sie ist meine Freundin.", blaffte mein Ex und kam auf mich zu. Wie versteinert stand ich da. Innerlich schrie mein Körper ich solle das Weite suchen aber er gehorchte mir einfach nicht.

„Hat dir das gestern nicht gereicht?", lachte Simon und hob wissend eine Augenbraue.

Mein Ex verzog das Gesicht und ballte die Hände zu Fäusten. „Hau ab, wenn du noch heil hier raus kommen willst." Doch dieser reagierte nicht darauf sondern kam näher, fixierte mich und wollte an Simon vorbei, doch der packte ihm am Arm und zwang ihn stehen zu bleiben. „Noch ein Schritt und du kommst diesmal nicht so glimpflich davon.", knurrte Simon und verstärkte den Griff. „Sie ist meine Freundin, also misch dich ned ein." Er zog an seinen Arm und versuchte den Griff zu lockern, vergeblich. Ein Ruck ging durch seinen Körper als Simon an dessen Arm zog. Unbeholfen stolperte er nach vorn, rammte Simons Schulter, verlor das Gleichgewicht und fiel auf den bereits gewischten Boden. „Ich hab da gewischt.", kam es von der Hintertür und das beklemmende Gefühl war plötzlich verschwunden. Sue blieb neben mir stehen, sah mich kurz an und wandte sich dann an meinen Ex der am Boden lag. „Verschwinde lieber oder ich ruf nen Kumpel an und glaub mir der ist nicht so nett wie Simon.", zischte sie und innerlich musste ich irgendwie grinsen. Grummelnd erhob er sich und verließ widerwillig die Bar. „Lagst du deshalb nackt im Bett meines Bruders?" Sie sah mich skeptisch an. Ich nickte und biss mir auf die Lippe, bis sie blutete. „Mach was du willst aber halt uns da raus." Damit verließ sie die Bar durch den Haupteingang. „Das der sich getraut hat wieder hier aufzukreuzen..." Simon schien mich mit seinen blauen Augen zum Reden bringen zu wollen, doch ich schwieg. Sue hatte Recht ich durfte andere nicht mit meinen Problemen belasten. „Du kannst von mir aus solang bleiben wie du willst." Er streckte sich und gähnte. „Ich hab eindeutig zu wenig geschlafen." Dabei sah er mich grinsend an und ging hinter den Tresen. „Willst du irgendwas damit sagen?", fragte ich und er grinste nur noch mehr. „Hm eigentlich nicht, aber wenn du so sehr davon überzeugt bist, dass ein nacktes Mädchen in meinem Bett mir den Schlaf raubt, lass ich dich in dem Glauben." Ich spürte wie mir das Blut in den Kopf schoss und schüttelte hastig den Kopf. „Du bist doch daran selbst schuld. Du hättest mich ja im Bad liegen lassen können." Er sah mich mit hoch gezogenen Augenbrauen an. „Für wie Assi hältst du mich eigentlich?" Ehe ich antworten konnte klingelte sein Handy. „Ja? ... ja mach ich.... nein das hat keinen besonderen Grund... mach was du willst und Liz, hör auf mir ins Ohr zu schreien..." Er hob sein Handy eine Armeslänge von seinem Ohr weg und ich konnte fast jedes Wort verstehen was diese Liz von sich gab.  „Also kann ich heut Abend vorbei kommen?“ Simon verdrehte genervt die Augen. „Mach was du willst." Er legte das Handy auf den Tisch und bückte sich um etwas zu suchen. „Cool ich bring paar Freunde mit, ja?“ Es schepperte als wäre etwas auf den Boden gefallen und ich kam zum Tresen um nachzusehen was er dahinter tat. „Tu das.", antwortete er. Vor ihm lag ein Stapel alter Speisekarten verteilt. „Okay dann sehen wir uns heut Abend.“

„Was suchst du da?", fragte ich. Und beugte mich über die Holzplatte. „Ich will nur gucken was es hier noch rum liegt." Er legte die Karten neben mir auf die Platte. „Simon mit wem redest du da?“, kam Lizs Stimme aus dem Handy. „Bis heut Abend, Liz.", antwortete er bloß und drückte den roten Hörer. Ich nahm eine Speisekarte und schlug sie auf. Die Blätter in der Klarsichtfolie waren bereits leicht vergilbt und die Tinte klebte an der Innenseite. Nur schwer konnte man die Gerichte noch lesen und ich schlug sie wieder zu. „Wie alt sind die Karten?", fragte ich und beobachtete ihn wie er noch mehr Krimskrams zum Vorschein brachte. „Keine Ahnung mein Alter hat die Mal gemacht." Er stand wieder auf und strich über das bereits spröde Leder. „Ich glaub die können wir nicht mehr verwenden." Ich dachte an die ganzen noblen Restaurants der Stadt doch ich verkniff mir jeglichen Kommentar. „Hast du eigentlich einen Barkeeper?", fragte ich obwohl die Frage eigentlich überflüssig war. „Was denkst du denn wie ich sonst die Bar öffnen will wenn ich keinen hätte." Ich zuckte mit den Schultern. „Was machen wir jetzt?", fragte ich und fuhr mit dem Finger über den Einband. „Hm kein Plan. Geputzt ist alles, Getränke und alles kommt erst gegen vier...." Er gähnte und legte den Kopf auf seine verschränkten Arme. Ich sah auf die Uhr an seinem Handgelenk. Es war kurz nach eins und Sue war noch einkaufen. Wir waren also ganz allein. Bei dem Gedanken wurde ich leicht rot und zupfte an meine Ärmel. Sue hatte es irgendwie geschafft mir neue Klamotten zu besorgen, die mir passten. Meine alten waren im Müll gelandet, auch wenn sie der Meinung war das waschen gereicht hätte. „Essen wird‘s wohl nicht vor zwei geben.", meinte Simon, nahm dir Karten und kam hinterm Tresen wieder hervor. Er schloss die Tür zu und bedeutete mir ihn wieder ins Obergeschoss zu folgen. „Ich weiß ja ned was du machen willst..." Er breitete die Arme aus und ließ sich auf sein Bett fallen. „Aber ich penn erst mal ne Runde..." Seine Stimme wurde mit jedem Wort leiser und reglos blieb er auf seinem Bett liegen. Völlig planlos blieb ich mitten im Raum stehen und wusste nicht was ich jetzt machen sollte. „Du solltest auch schlafen, sonst pennst du mir heut Abend ein.", murmelte er ins Kissen  und klopfte leicht neben sich aufs Bett. Ich zögerte mich neben ihn aufs Bett zu legen, also setzte ich erst mal auf die Kante und zupfte nervös an meinem Ärmel rum. Müde war ich ja, okay das war bei mir eigentlich ein Dauerzustand, aber mit einem fremden Jungen in einem Bett? Ich schluckte schwer und wollte wieder aufstehen, als Simon plötzlich meinen Arm packte und mich zu sich zog. „Hey.", platzte es aus mir heraus doch er schlang bereits seinen Arm um meine Taille und zog mich eng an sich. „Lass mich los.", verlangte ich und stemmte mich gegen seine Brust, doch das brachte absolut nichts. Vielleicht lag es auch daran das mich in seinen Armen wohl fühlte auch wenn ich ihn nicht mal 24 Stunden kannte. Ich verdrängte den Gedanken in die hinterste Ecke meines Bewusstseins und versuchte mich noch einmal aus der Umarmung zu lösen. Er regte sich, murmelte etwas und zog mich noch enger an sich. „Schlaf jetzt." Legte beruhigend seine Hand auf meinen Rücken und schloss die Augen. „Ich tu dir schon nichts.", flüsterte er in mein Ohr strich sanft meinen Rücken rauf und runter. „Also entspann dich und..." der Rest ging in seinem genuschel unter und ich tat es, weil er es sagte.

Ein lautes „Essen", riss mich aus dem Schlaf. Ich wollte mich aufraffen, aber es ging nicht. Etwas lag auf meinem Bauch und drückte mich zurück aufs Bett. Ich vernahm ein Grummeln und schlug die Augen auf. Simons Arm lag quer über meinem Bauch, und sein schwarzes kurzes Haar kitzelte mich am Hals. Erneut hörte ich Sues Stimme aus der Küche und ich überlegte kurz einfach nochmal einzuschlafen, aber da wachte Simon auch schon auf. „Hab ich gut geschlafen.", sagte er, drehte sich auf den Rücken und streckte sich ausgiebig. „Sue ruft uns zum Essen.", meinte ich bloß und krabbelte schnell vom Bett. „Na hat ja au lang genug gedauert." Er stand auf und verließ das Zimmer. Ich folgte ihm in die Küche wo Sue bereits das Essen angerichtet hatte und mein Magen mir lauthals verkündete das ich seit heut morgen nichts mehr gegessen hatte.

„Wie heißt du eigentlich?", fragte Sue während sie den Abwasch machte.

„Clarys.", antwortete ich und trocknete die Teller ab die sie mir gab.

„Sorry wegen heut Morgen.", sagte sie und trocknete sich die Hände ab. „Ich war nur etwas überrascht." Ich stellte das trockne Geschirr in den Schrank und sah das Mädchen neben mir an. „Simon bringt nie Mädchen mit und schon gar nicht schläft er mit einem nackten Mädchen zusammen im Bett.“ Sie sah mich aus ihren klaren blauen Augen an. „Seit unser Vater tot ist hat er sich sehr zurück gezogen." Ich wusste nicht ob es mich interessierte, denn seit dem Fehlschlag mit meinem letzten Freund wollte ich keine Beziehung mehr. Weder jetzt, noch in naher Zukunft.

„Sue vergraul sie nicht, ich brauch sie nachher noch.", meinte Simon der frisch geduscht in die Küche kam. „Wenn sie schon hier wohnt kann sie auch helfen, als kleine Gegenleistung." Er grinste anzüglich und schnell wandte ich den Blick ab. „Das lenkt ab.", stimmte seine Schwester ihm zu und schob uns aus der Küche. „Dann kann ich mir ja heut Abend Frei nehmen.", lachte sie und ließ ihren Bruder gar nicht erst zu Wort kommen. „Ich übernachte heut bei Ricky, und komm erst morgen Abend wieder." Sie ließ und sprachlos zurück holte ihre bereits gepackte Tasche und schlenderte zur Tür. „Ach und Simon...." sie drehte sich an der Tür nochmal kurz zu uns um. „Bau ja keinen Mist den du später wieder bereust." Dann schlug die Tür hinter ihr zu und Simon brach in schallendes Gelächter aus. „Sie hat wirklich die Mutterrolle im Blut.", japste er und strich sich durch sein noch feuchtes Haar. Ich wusste nicht was ich sagen sollte also wartete ich einfach bis er sich beruhigt hatte. „Okay das Ricky deswegen keine Zeit hat ist echt mies.", meinte er aber ich hörte raus das er es nicht so meinte. Ich sah auf dir Uhr. Es war kurz vor vier und bald würden die Getränke kommen und ich wusste noch immer nicht was ich heute Abend machen sollte oder was ich jetzt überhaupt machen sollte. Jetzt war es den Geschwistern vielleicht egal, das ich hier war aber das konnte ich ja nicht ewig. Wenn ich wenigstens wüsste ob mein Ex mich nun in Ruhe lassen würde oder nicht. Dann könnte ich immerhin Nachhause gehen und bräuchte mich nicht hinter anderen zu verstecken. Das Klingeln an der Tür riss mich aus meinen Gedanken und ich folgte Simon durch die zwei Räume zur Eingangstür. Schon bevor die Tür überhaupt in Greifweite war hörte man lautes Stimmengewirr von draußen. Simon öffnete und schon fiel ihm ein Mädchen mit roten Locken, die sie versucht hatte zu glätten, um den Hals. „Hey Simon", begrüßte sie ihn mit zuckersüßer Stimme und löste sich wieder von ihm. Ihre mandelförmigen braunen Augen schienen nichts anderes mehr zu sehen als ihn. Irgendwoher kannte ich das zweite Mädchen, das neben ihr stand, aber mir fiel nicht ein woher. Als sie mich bemerkte schien es ihr genauso zu gehen, doch leider schien sie nicht sehr erfreut über meinen Anblick zu sein. Ihre schwarzen Haare hatte sie hoch gesteckt und sie spielte mit einer einzelnen Strähne die sich aus ihrer Frisur gelöst hatte. „Bist du nicht ein bisschen früh, Liz?", stellte Simon mit einem Blick auf seine Armbanduhr fest. Sie lachte und winkte ab. „Ist doch egal." Simon warf mir einen skeptischen Blick zu und wandte sich dann wieder an die zwei Freundinnen. „Hey, Cassi." Er schenkte dem anderen Mädchen ein Lächeln und jetzt wusste ich auch woher ich sie kannte. Casandra war damals mit mir in der Grundschule gewesen und in der vierten Klasse starben ihre Eltern, während eines Skiausflugs. Sie hatte mich noch nie leiden können, aber das war verständlich, denn ein nettes Mädchen war ich damals nicht. „Was macht denn das verwöhnte Gör hier?", zischte sie und am liebsten hätte ich mich in Luft aufgelöst. Simon sah mich Stirnrunzelnd an, doch ich wich seinem Blick aus. „Ihr kennt euch?", fragte er doch ich schwieg. Innerlich betete ich gen Himmel, dass sie nun nicht alles ausplauderte, doch wie immer wurde ich nicht erhört.

„Ja aus der Grundschule.", antwortete sie. „Miss-ich-hab-alles-und-bekomm-auch-alles.", fügte sie zuckersüß hinzu und klimperte unschuldig mit den Augen. Ich spürte Simons Blick der sich in meine Haut zu brennen schien, aber ich schaffte es einfach nicht ihn anzusehen. „Hat diese Phase nicht jedes Mädchen mal?", lachte Liz und sofort war sie mir sympathisch. „Ja aber-", begann Cassi, doch Liz quatschte einfach weiter. „Ich bin Lisbeth, aber alle nennen mich Liz.", stellte sie sich vor und gab mir erst mal eine kräftige Umarmung. „Clarys.", quetschte ich hervor und war froh als sie mich wieder los ließ. „Ich wusste gar nicht, dass du wieder eine Freundin hast." Sie stieß Simon spielerisch in die Seite, was ihm wenig ausmachte. „Wir sind nicht zusammen.", stellte er klar und ich nickte. Sie brauchten ja nicht wissen, dass ich nackt mit ihm im Bett gelegen hatte. „Ah ja das kommt mir irgendwie bekannt vor.", sie lächelte wissend. „Ach halt die Klappe, Liz.", sagte er und machte den Weg frei, dass die Beiden reinkommen konnten. „Wo ist dieser nutzlose Clown?", fragte Liz als Simon die Tür geschlossen hatte. „Sue ist bei ihm. Er kommt heute also nicht.", antwortete Simon und beide fingen an zu grinsen.

 

„Okay, da wir ja deiner Meinung nach zu früh da sind, was können wir euch helfen?", wollte Liz wissen und ließ sich auf einen der Hocker plumpsen. „Du könntest deinen Bruder dazu bringen mir mit den Getränken zu helfen.", schlug er vor und sah aus dem Fenster. „Wenn er schon auf dich nicht hört, tut er es bei mir erst recht nicht.", lachte sie. „Außerdem ist deine Schwester ja bei ihm." Er seufzte und stieß sich leicht von der Wand ab, an der er bis jetzt gelehnt hatte und ging zur Tür. Ich hörte wie ein Lastwagen vor fuhr, sich Simon mit jemandem unterhielt und dann lautes Geschepper folgte. Zwei Männer vom Getränkehandel schleppten Kisten jeglicher Getränkearten herein und stapelten sie mitten im Raum. Wir beobachteten sie und warteten geduldig auf unseren Hockern darauf, dass die Männer wieder gingen. „Hey Clarys..." Liz setzte sich neben mich und schmiss Cassi fast vom Hocker. „Was für eine Beziehung hast du eigentlich mit Simon?", fragte sie und ich hatte ein ungutes Gefühl auf was das ganze hinaus lief. „Er hat mich vor meinem Ex gerettet.", antwortete ich wahrheitsgemäß und beobachtete Simon beim Kästen schleppen. „Also ihr seid nicht zusammen oder so?", hakte sie nach und mir fielen die Anweisungen, die er mir heute Morgen gegeben hatte, wieder ein. „Nein." Ich spürte ihren Blick auf mir ruhen. „Na wenn du das sagst." Es kam mir vor wie in einem Kreuzverhör und musste innerlich schmunzeln, war es doch offensichtlich, dass sie etwas von ihm wollte. „Ist das nicht etwas ungerecht, was ihr da macht?", lachte eine mir unbekannte Stimme und ich sah zu dem Jungen der die Bar betrat. „Ty, ich dachte du kommst heute nicht.", begrüßte ihn Simon der ihm sofort eine Kiste in die Hand drückte und sich selbst neben mir auf einen Hocker fallen ließ. „Ehm ja..... aber nicht zum helfen." Ty stellte die Kiste ab und fuhr sich durch sein braunes Haar.

Simon lachte trocken und winkte ihn näher heran. „Hör mir mal zu du Knirps...", zischte er ihm ins Ohr und der Kleine bekam eine Gänsehaut. „Wenn du Party machen willst ohne eine Gegenleistung zu erbringen musst du entweder zahlen oder fliegst raus." Mit einem zufriedenen Lächeln lehnte er sich zurück und ich sah in Ty's aschfahles Gesicht. „Is ja gut, ich hab‘s ja kapiert.", murmelte der Neuankömmling und brachte die Kiste weg. „War das nicht ein bisschen gemein?", fragte ich und die beiden Mädchen fingen an zu lachen. „Hör mal Süße...", begann Liz und wartete bis Ty außer Hörweite war. „Entweder du bist derjenige der andere ausnutzt oder derjenige der sich ausnutzen lässt. In beiden Fällen gibt es einen Haken also hör auf mit solchen überflüssigen Fragen."

 

Sobald die letzte Kiste verstaut war und Simon bezahlt hatte sank er erschöpft auf einen Hocker. „Okay, jetzt haben wir es kurz nach halb sechs.", stellte Ty, mit einem kurzen Blick auf die Uhr, fest. „Wann willst du öffnen?"

„Gegen acht.", antwortete Simon und strich sich durch sein verstrubeltes Haar. „Cool, Clarys kommt mit mir.", jubelte Liz obwohl ich absolut keine Ahnung hatte was ihr gerade im Kopf rum spuckte. Die Jungs sahen uns nur fragend an. „Na hör mal, so kann sie doch nicht Party machen." Ich sah an mir herunter. T-Shirt und Hose, was wollte man mehr? Simon sah mich skeptisch an. „Vielleicht ist das keine so gute Idee.", murmelte er und ich biss mir auf die Lippe. „Ich werd schon auf sie aufpassen und so weit weg wohn ich ja auch wieder nicht.", sie lächelte und Simon lenkte ein. „Mach was du willst." Ty klopfte ihm auf die Schultern. „Unterschätzt unsere Lisbeth nicht."

„Hey, willst du damit sagen ich gehöre zu diesen...." sie schnippte mit den Fingern und suchte nach der passenden Bezeichnung.

„Jetzt haut schon ab.", verlangte Simon und zog Ty in die entgegengesetzte Richtung. Ohne lang rum zu fackeln wurde ich auch schon hinter Liz hergezogen. Cassi verdrehte bloß genervt die Augen und stakste hinter uns her. Liz wohnte nur zwei Querstraßen weiter und wohnte im 2. Stock eines kleinen Mehrfamilienhauses. Wir waren noch nicht mal vor ihrer Wohnungstür, als diese aufgerissen wurde und Sue Liz um den Hals fiel. „Hey, was freust du dich denn so?", lachte Liz und schob sie wieder von sich. Das es natürlich einen gewaltigen Unterschied gab, ob jemand lachte oder weinte, war Liz wohl nicht aufgefallen. Schlagartig wechselte ihre Stimmung und schnell nahm sie Simons Schwester wieder in den Arm. „Jetzt beruhig dich doch wieder und lass uns rein gehen.", behutsam schob sie Sue zurück in die Wohnung und schloss hinter uns die Tür. „Was hat Ricky diesmal verbrochen?", seufzte Liz und verdrehte bloß die Augen als ich sie fragend ansah. „Ihre Beziehung ist echt nervenaufreibend.", flüsterte sie. „Mal sind sie zusammen, dann wieder nicht und so weiter." „Natürlich mit Weltuntergang und allem drum und dran.", fügte Cassi kopfschüttelnd hinzu. Ich hörte nur ein schniefen und unverständliches Gemurmel, während Liz ihr beruhigend den Rücken tätschelte. „Ricky!", zitierte Liz ihren Bruder in den Flur der mit hängendem Kopf stehen blieb. „Entschuldige dich!", befahl sie ohne ihn anzuhören. „Für was?", nun sah er eher verwirrt aus und sah zwischen Liz und Sue hin und her. „Mach‘s einfach."

„Ne.", widersprach er und verschränkte die Arme vor der Brust. Liz seufzte. „Warum heult sie dann wie ein Schlosshund?"

„Weil ihr deine Lieblingstasse herunter gefallen ist.", antwortete er schulterzuckend.

Liz sah ihn sprachlos an, schob Sue von sich die ihr frech die Zunge raus streckte. „Sorry Liz."

„War das nicht ein bisschen übertrieben?", wollte Cassi wissen und stemmte die Hände in die Hüften. „Schon okay.", winkte Liz ab und zog mich weiter bis in ihr Zimmer. Cassi schloss die Tür und setzte sich auf den Schreibtischstuhl. Planlos blieb ich einfach mitten im Raum stehen und beobachtete Liz. Diese ging zu ihrem Kleiderschrank, riss ihn auf und sah mich an. „Such dir raus was du willst."

„Aber-", wollte ich schon protestieren aber sie brauchte mich mit einer Handbewegung zum Schweigen. „Na na na, Süße..." Sie schmiss einige Klamotten aufs Bett. „Let's Party!"

 

„Nun sei doch nicht so zimperlich und sieh in den Spiegel!", verlangte Cassi die ungeduldig an der Tür stand. Mein Blick fiel auf die Wanduhr in Liz' Zimmer. Es war kurz nach halb acht. In einer Stunde würde Simon die Bar offiziell wieder öffnen und ich stand da und traute mich nicht mal im Spiegel zu betrachten. „Jetzt komm schon...", bat Liz die mich davor schob. „Du siehst wunderschön aus."

„Wieso tust du das überhaupt?", fragte ich stattdessen und sah sie an. „Ich bin doch eine wildfremde, was wenn ich-"

Sie unterbrach mich erneut indem sie mir einen Finger auf die Lippen legte und mein Gesicht dem Spiegel zuwandte.

Mir verschlug es beinahe die Sprache. Ich hatte mich schon oft angesehen, mein blondes schulterlanges Haar, hoch gesteckt bis auf paar einzelne Strähnen, die mein Gesicht umrahmten. Es gelang mir nicht nur ein einzelnes Wort zu sagen. Noch nie hatte ich mich so schön gefunden wie jetzt.

Ich trug ein blaues Cocktailkleid, das im Nacken zusammen gehalten wurde.

„Wir sollten jetzt gehen wenn wir noch vor der ganzen Masse rein wollen.", schlug Cassi vor und zog uns beide aus der Wohnung. Als wir in Sichtweite der Bar kamen standen bereits einige Schlange und Ty kassierte ordnungsgemäß ein. „Ty!", rief Liz dem Jungen zu, flüsterte ihm was ins Ohr und schob sich mit uns im Schlepptau in die bereits gefüllte Bar. Meine Augen suchten Simon, den ich hinter dem Tresen in schwarz gekleidet fand. Als er mich sah hielt er kurz in seiner Bewegung inne und mustere mich von oben bis unten. „Was sagst du?" Liz setzte sich an die Bar und sah ihn grinsend an. „Gefällt dir was du siehst?"

Er zuckte bloß mit den Schultern und machte mit seiner Arbeit weiter. Ich setzte mich zu Liz und war ein bisschen enttäuscht, über Simons Reaktion, aber was hatte ich erwartet? Was ihn nicht zu interessieren schien fiel anderen anscheinend umso mehr auf. Jeden der mich ansprach bestrafte ich mit patzigen Antworten, bis sie abhauten. „Wie lange willst du das noch durchziehen?", fragte Simon und trocknete Gläser. Mittlerweile war die Bar brechend voll, viele betrunken und trotzdem war ich die einzige die sich nicht amüsierte. „Was?", fragte ich bissig und ließ die Eiswürfel in meiner Cola klimpern. „Du sitzt schon die ganze Zeit hier und jeder der dich anspricht bekommt eine Abfuhr.", antwortete er. Ich verdrehte die Augen und suchte das Klo auf. Als ich wieder kam unterhielt sich Simon mit einem Jungen der auf meinem Platz saß. „Hey!", sprach ich ihn an, mehr patzig als freundlich.  Als der Fremde mich ansah, deutete ich auf meine Glas und schnell erhob er sich und machte einen Abgang. „Du vergraulst auch jeden.", murmelte Simon kopfschüttelnd und bediente eine Blondine die wie eine Barbiepuppe aussah. Sie versuchte ihr Glück und flirtete mit ihm doch das schien ihn wenig zu interessieren. Genervt trank ich den letzten Rest auf Ex, was ich gleich darauf bereute. Meine Welt fing an sich zu drehen wie ein Karussell und ich fühlte mich als hätte ich getrunken. Die Musik und das Stimmengewirr wurde mit jeder Sekunde leiser und meine Augen umso schwerer. Jemand schrie meinen Namen und dann spürte ich nur noch den dumpfen Schmerz des Aufpralls und dann war alles schwarz.

Unerwarteter Besuch

Ich schrie, das war das erste was ich festgestellte. Das zweite, das ich in Simons Bett lag und das dritte....

„Willst du wirklich, dass ich dich aus dem Bett schmeiß?", fuhr Simon mich an und raufte sich das Haar. „Was?" Ich sah ihn fragend an, nur langsam erinnerte ich mich daran was passiert war. Ich hatte meine Cola leer getrunken und dann war ich... ja was war ich? Was war danach passiert?

„Wenn du unbedingt einen Babysitter brauchst dann such dir nen Freund oder sowas, aber mach mir nicht noch mehr Ärger." Er rieb sich die Augen und gähnte. „Noch so eine Aktion und ich setz dich wirklich vor die Tür."

Ich sah ihn an. „Was ist passiert?", fragte ich.

„Willst du mich verarschen?", schrie er und wurde schlagartig wieder still. Er schien eine Weile zu überlegen und suchte nach den passenden Worten ehe er sich wieder an mich wandte. „Du hast das nicht absichtlich gemacht?" Ich schüttelte den Kopf, auch wenn ich nicht wusste wovon er redete. Simon wandte den Blick erneut ab und starrte auf die Decke. Nach einer Weile sah er mich von der Seite her an. „Wie geht's dir?"

Völlig verwirrt versuchte ich in seinen Augen Antworten zu finden, aber ich fand nichts. „Was ist passiert?", fragte ich ihn erneut und Seufzend raufte er sich das Haar. „Jemand hat dir K.O.-Tropfen verabreicht.", antwortete er und seine Stimme war nicht mehr als ein Flüstern. „Du bist vom Hocker gefallen und hast dir den Kopf angeschlagen. Danach hab ich dich ins Bett gebracht und Sue hat auf dich aufgepasst."

Ich fing an trocken zu lachen, bis mir die Tränen kamen und sich plötzlich zwei Arme um mich legten. „Das passiert jedem Mal.", versuchte er mich zu trösten und strich mir über den Rücken. Ich biss mir auf die Lippen um ein Schluchzten zu unterdrücken und krallte mich in sein Shirt. „Hey, jetzt beruhig dich, es ist ja nichts weiter Schlimmes passiert." Ich ließ mich in seinen Armen wieder zurück auf die Matratze sinken und schloss die Augen. „Alles okay?", fragte er und ich nickte, versuchte mich nur auf seine Hand zu konzentrieren die meinen Rücken langsam auf und ab strich. Nach und nach beruhigte ich mich, kuschelte mich näher an ihn, genoss seine Wärme. Er schob mich behutsam von sich, sah mich an. Seine blauen Augen fixierten mich, baten um Erlaubnis. Erlaubnis für was? Vorsichtig strich er am Rande meines Shirts entlang. Seine Wärme drang durch den dünnen Stoff, beschleunigte meinen Atem. Vorsichtig, als würde ich unter seiner Berührung zerbrechen können, glitt seine Hand darunter, streichelte mich. Fuhr meinen Rücken entlang bis vor auf meinen Bauch. Wanderte an meiner Seite weiter nach oben, bis zum Rand meines BHs und wieder nach unten. Ich wusste nicht wohin das führte, ob es richtig war, was wir da machten, ob ich es beenden sollte oder nicht. Mir gingen so viele Fragen durch den Kopf ob richtig oder falsch, ich wusste es nicht. „Soll ich aufhören?", fragte er und hielt in seiner Bewegung inne. Ich murmelte etwas wie ein Nein und seine Hand wanderte weiter. Immer ein kleines Stück höher. Mein Shirt verdeckte kaum noch meinen BH, aber das störte mich nicht mehr, genoss ich doch seine Hand auf meiner nackten Haut. Er gab mir einen Kuss auf die Stirn, wartete wie ich darauf reagierte. Ich schlang meine Arme um ihn drückte mich eng an seinen warmen Körper. Er tat es mir gleich, streichelte mich, drehte mich sanft auf den Rücken und sah von oben auf mich herab. Seine Augen erinnerten mich an Seen, in denen ich zu versinken drohte und mit jedem Augenblick näher kamen. Er beugte sich weiter runter und ich spürte seinen Atem im Gesicht. Sein Blick fesselte mich, ließ nichts anderes zu als darauf zu warten was passierte. Ich hob meine Hand und legte sie an seine Wange, konnte meinen Atem nicht mehr kontrollieren. „Und wehe du schreist.", flüsterte er und küsste mich. Ich schloss meine Augen und grinste in den Kuss hinein. Meine Hand krallte sich in sein Haar während seine unter meinen BH wanderte. Er löste sich von mir, sah mich an und schien auf eine bestimmte Reaktion zu warten. Sein Blick wanderte meinen Körper hinab und er zupfte behutsam an meinem BH. „Darf ich?"

„Willst du?", kam meine Gegenfrage.

„Darf ich?", wiederholte er und strich mir eine Strähne aus dem Gesicht. Ich nickte ließ zu, dass er ihn öffnete und ihn mir samt Shirt auszog. Seine Lippen senkten sich auf meine und seine Hand erkundete meine nackte Haut. Sein Kuss wurde intensiver, seine Berührungen brannten und ich wandt mich unter ihm, wollte mehr. Er schien es zu wissen und kam meiner unausgesprochenen Bitte nach. Je weiter seine Hand runter wanderte umso mehr krallte ich mich in sein Shirt, zerrte förmlich daran. Er unterbrach den Kuss und zog es sich das über den Kopf. Sofort fiel mir die blasse Narbe an seinem Schlüsselbein auf. Meine Finger glitten darüber, bis zu seiner Schulter über Brust und Bauch. Er nahm meine Hand, führte sie und ich ließ es ohne Widerstand zu.

Ungeschickt öffnete ich seine Hose, zögerte kurz ob ich das wirklich wollte oder nicht. „Berühr mich.", hauchte er mir verlangend ins Ohr und ich tat es. Ich nahm ihn in die Hand, während er anfing mich mit seinen forschen Fingern zu erkunden. Ich zuckte und als Antwort auf meine Reaktion, gab er etwas Druck drauf. „Gut?", fragte er auch noch und ich nickte nur, biss ich mir doch auf die Lippen um kein Laut von mir zu geben. Er machte weiter, küsste mich, bis er mich komplett auszog. Jeder Kuss, jede Berührung löste etwas in mir aus das ich nicht zuordnen konnte. Ich drückte mich an ihn, versuchte meinen nahenden Höhepunkt zu unterdrücken. „Genieß es, unterdrück es nicht.", flüsterte er, während ich es ihm ansah, dass er auch nicht mehr lange durchhielt und ich ließ es zu.

Erschöpft sank ich zurück ins Kissen und lauschte meinem laut schlagendem Herzen. Simon zog mich an sich und zog die Decke über uns, auch wenn mir schon warm genug war. Müde kuschelte ich mich an ihn, schloss die Augen und war im Nu eingeschlafen.

„Hey....", murmelte eine Stimme nah an meinem Ohr und ich drehte mich auf die andere Seite. Weg von der Stimme. „Aufwachen...." Ich grummelte vor mich hin und versuchte weiter zu schlafen. „Clarys es gibt Frühstück." Jemand rüttelte an meiner Schulter. Widerwillig schlug ich die Augen auf und drehte mich Simons Stimme entgegen. Er saß über mich gebeugt da und sah mich an. „Es ist gleich um eins.", flüsterte er. „Und da willst du noch frühstücken?", fragte ich und war wieder kurz vorm Einschlafen. „Es ist Sonntag .... hey, nicht wieder einschlafen!"

„Bin wach.", entgegnete ich auch wenn das nicht wirklich glaubwürdig klang.

„Dann steh auf.", verlangte er, aber ich schüttelte den Kopf. Er beugte sich grinsend zu mir herunter. „Doch!", hauchte er und küsste mich kurz. Ich schüttelte erneut den Kopf. Noch einmal küsste er mich, aber diesmal legte ich meine Hand in seinen Nacken und verhinderte, dass er sich mir entzog. „Wolltest du nicht aufstehen...", murmelte ich an seinen Lippen und merkte wie er anfing zu grinsen. Aber statt zu antworten küsste er mich nur noch intensiver und seine Hand fing an über meinen Körper nach unten zu wandern. „Shh…", zischte er und biss mir spielerisch ins Ohrläppchen.

„Ich bin wieder da!", rief Sue von unten und Seufzend zog sich Simon zurück. „Komm lass uns frühstücken."

Wir gingen angezogen nach unten. Sue hatte bereits den Tisch gedeckt und strahlte über das ganze Gesicht. Simon ignorierte es einfach und wollte sich setzten, als es an der Tür klingelte.

„Wenn das Ricky ist, erschieß ich ihn.", knurrte er und ging zur Tür. „Wie geht es dir?", fragte mich Sue. Ich machte bereits den Mund auf, wollte aussprechen was ich antworten wollte, da hörte ich meinen Namen. Es war nicht Simon der mich rief, auch nicht mein Ex, aber jemand den ich nur allzu gut kannte.

Ich schluckte, alles bloß das nicht. Innerlich bereitete ich mich drauf vor, eine Erklärung für alles abzugeben. „Clarys?" Sue wirkte besorgter als zuvor. Mein Mund war trocken und ich betete gen Himmel, dass ich mich irrte, doch da stand sie schon in der Küche. Ihr Gesicht wutverzerrt.

„Clarys...", sagte sie mit zittriger Stimme.

„Ihnen ist bewusst das ich sie nicht herein gebeten habe.", mischte sich Simon ein, der hinter ihr auftauchte.

„Clarys..." ihre Stimme klang fester und ich bereitete innerlich meinen Untergang vor, während ich nervös auf dem Stuhl hin und her rutschte. „Ich hab dich gefunden." Sie klang erleichtert, auch wenn es nur gespielt war. „Wir haben uns Sorgen gemacht." Wieder eine Lüge. Ich konnte sie nicht ansehen, ein wandelnder Schminkkoffer der mit Geld um sich warf als wachse es auf Bäumen. „Komm, wir müssen los ich hab in zehn Minuten ein Termin und wir müssen noch paar Einkäufe tätigen." Sie packte mein Handgelenk, zog daran, doch ich widerstand der Versuchung ihr einfach zu folgen. „Nun komm schon, der Termin ist wichtig.", zischte sie und langsam kam ihre wahre Persönlichkeit zum Vorschein. „Clarys wer ist das?", wollte Simon nun wissen und schob sich an der Frau vorbei. „Das ist ihre Mutter...", antwortete Sue an meiner Stelle. „Das sieht doch ein Blinder."

Ich spürte Simons prüfenden Blick auf mir, aber ich konnte ihn einfach nicht ansehen. Wie hatte sie mich bloß gefunden? Wahrscheinlich mal wieder mein Ex, der seine Klappe nicht halten konnte und mir mein Leben zur Hölle machte.

„Clarys mein Termin!", wiederholte der Schminkkoffer und gehorsam stand ich auf. Es hatte doch keinen Sinn sich zu weigern. Sie bekam immer was sie wollte, egal wie und egal wann. Sie bekam es.

„Clarys...", murmelte Sue, aber ich schaltete alle Gefühle ab und wurde zur willenlosen Puppe meiner eigenen Mutter. Mit zügigen Schritten steuerte sie zur Haustür. Sie ließ mich nicht mal meine Schuhe anziehen, sondern zerrte mich zum Auto, bedeutete mir einzusteigen und nahm selbst in dem schwarzen Mercedes Platz. Simon war mir gefolgt, ich spürte seine unverwechselbare Präsenz im Rücken. Was er in diesem Moment dachte, bereitete mir Übelkeit und ich nahm allen Mut zusammen um ihn ein letztes Mal anzusehen. Sein Blick war ausdruckslos und das überraschte mich. Weder Enttäuschung noch überrascht sah er mich an. Mir blieben die Worte im Hals stecken, also drehte ich mich um und stieg ein. Sobald die Tür zuschlug brauste der Wagen davon. Ich ließ mich in den Sitz sinken und sah aus dem Fenster, wie die Landschaft an uns vorbei sauste. Meine Mutter hing bereits an ihrem Handy und redete auf einen ihrer Angestellten ein und ich fragte mich wie derjenige das nur aushalten konnte. Ich die kaum ein vernünftiges Gespräch mit ihr zustande brachte, hielt es schon nicht aus.

Der Wagen hielt an und wir stiegen aus. Überfüllte Straßen waren in dem teuersten Viertel der Stadt purer Alltag, auch wenn nur eine Handvoll davon auch wirklich hier einkaufte. Leider musste ich meine Familie dazu zählen. Ja, jeder würde jetzt denken: Mädchen du hast das perfekte Leben! aber "perfekt" existierte nicht in meinem Wortschatz. Mein Vater, der mit 20 schon in der Wirtschaftspolitik tätig war und meine Mutter, eine Architektin mit weltbesten Ruf, sie waren das genaue Gegenteil von Perfektion. Sie besaßen keinen Makel über den es sich zu sprechen lohnt und doch beneidete ich sie. Immerhin hatten sie es an die Spitze geschafft und ich war der kleine schwarze Fleck auf ihrer weißen Weste. Egal was man tat, er ging nicht weg und ich musste trocken lachen wenn ich an diesen Vergleich dachte. Weder hübsch noch klug und dennoch akzeptierten sie meine Anwesenheit, man musste einfach das Beste daraus machen. Meine Meinung spielte dabei keine Rolle. Nun stand ich also mit dem Schminkkoffer in einem Brautkleid-Geschäft und spielte die gehorsame Puppe.

„Clarys, nun lächel doch mal.", bat der Schminkkoffer und ich setzte brav mein gekünsteltes Lächeln auf. Ich hatte gelernt, wenn ich das tat was man von mir verlangte, ging die Zeit schneller rum, als wenn ich rebellierte. Obwohl ich das bei jedem weiteren Kleid getan hätte. Wer wollte schon Zwangsverheiratet werden und das mit 18? Dabei wollte ich nur ein stinklangweiliges Leben führen, wie jeder andere. Also lächelte ich für einige Fotos aus denen der Schminkkoffer dann das perfekte auswählte, egal was ich davon hielt. Kaum waren wir damit fertig schleppte sie mich in die nächsten Läden, Boutiquen, Patisserien, alles was das Viertel eben hergab. Warum sie mich trotzallem nach meiner Meinung fragte um sogleich selbst zu entscheiden was ihr gefiel, blieb mir ein Rätsel. Draußen wurde es schon dunkel als sie dem Fahrer sagte er solle nach Hause fahren. Morgen würde er wohl sämtliche Bestellungen abholen müssen und schlussendlich würde meiner Mutter nichts mehr davon gefallen. Natürlich war das nur mein Wunsch, den hatte sie einmal eine Entscheidung gefällt, brauchte es große Überzeugungskraft wenn man sie umstimmen wollte. Unser Haus, ein großes weißes Gebäude, das fast als Villa durchging und der Schminkkoffer entworfen hatte, befand sich am anderen Ende der Stadt. Umringt von großen Grünflächen, Rosensträuchern, Kirschbäumen und einem Brunnen in der Mitte, lag das protzige Gelände am Rande des Waldes. Der Fahrer lenkte den Wagen durch das sich bereits öffnende Tor, den gepflasterten Weg entlang, bis vor die Haustür. Er wartete bis wir ausgestiegen waren und fuhr dann den Wagen weg. Unschlüssig stand ich vor der weißen Doppeltür und kam mir so völlig fehl am Platz vor. Meine Mutter rauschte an mir vorbei und stieß förmlich die Tür auf. Es musste ja auch jeder wissen, dass sie wieder da war. Zögerlich trat ich in die Eingangshalle und ja es war eindeutig eine Villa und am liebsten hätte ich wieder kehrt gemacht und wäre aufs Neue wegerannt. Tja nur hätte ich es gleich umsetzen sollen, weil sich bereits zwei Arme von hinten um mich schlingen, die mich davon abhielten.

„Ich wusste das du zu mir zurück kommst.", hauchte mir mein Ex ins Ohr und mir wurde schlecht. Was konnte denn ich dafür, dass ich hier wohnte? Das hieß aber noch lange nicht, dass ich zu ihm zurück kam. „Ich hab dich vermisst." Er küsste mich hinterm Ohr und ich riss mich aus seiner Umarmung los. Es war nicht dasselbe berauschende Gefühl, wie das bei Simon und ich fragte mich erneut, wie hatte ich mich damals in ihn verlieben können? Er sah nicht schlecht aus, das stand außer Frage, aber das war auch schon alles. Zügig suchte ich mein Zimmer auf, welches im oberen Stock lag und konnte es nicht vermeiden, dass mein Ex mir folgte. Ich beschleunigte meine Schritte aber er hielt problemlos mit und als ich schon ihm die Tür vor seiner Nase zu knallen wollte, waren seine Hände bereits wieder auf meinem Körper.

„Lass mich los!", zischte ich und stemmte mich gegen ihn. Allein bei seinem Anblick, drehte sich bei mir der Magen um. Statt meinem Verlangen nachzukommen welches nicht darin bestand, mich in Richtung Bett zu dirigieren, machte er Anstalten mich auszuziehen. Immer wieder wollte er seine Lippen auf meine pressen und ich drehte meinen Kopf, dass das ja nicht passierte.

„Zieh dich aus.", verlangte er und biss mir ins Ohr. Für einen kurzen Moment flackerte das Bild von Simon vor meinem inneren Auge auf und mein Ex nutzte die Chance um mir das Shirt auszuziehen. Sofort verschränkte ich die Arme vor der Brust, versuchte somit eine Grenze zu schaffen, die ihre Wirkung leider verfehlte. Ich wollte es schon zulassen da hörte ich unten aufgebrachtes Stimmengewirr und Schritte die sich meinem Zimmer näherten.

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Tag der Veröffentlichung: 23.03.2014

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