Cover




Das Spiel
ist die höchste Form
der Forschung.

Albert Einstein


Vertraute Wesen, gefährliche Liebe…

Band II - Vertrauen


Von Corinne Gerigk


Kleine Anmerkung: Da dieses Buch im Herbst auf dem Markt erscheinen wird, stelle ich bei Booktrix die Version ein die nicht lektoriert ist. Also seht einfach über die Fehler hinweg ;-)


Prolog


Man wird nachdenklich, wenn man im Begriff ist, sein ganzes bisheriges Leben hinter sich zu lassen, um neu anzufangen.
Das bisherige, ruhige, behütete Leben geht einem nochmals durch den Kopf. Es lässt sich wie ein Film abspielen. Man fragt sich, ob man wirklich das richtige tut. Was spricht dafür
und was dagegen. Pro und Kontra.
Doch ich kann es drehen, wie ich will, ich hatte ja doch keine wirkliche Wahl. Und hätte ich die Wahl gehabt, hätte ich wohl genauso gehandelt. Der absurden Legende hätte ich mich sicherlich entziehen können. Doch nicht der einen, großen, etwas klischeehaften Liebe. Niemals…
Doch wo sind meine Wurzeln und wie kam ich tatsächlich nach Alaska? Bis anhin lebte ich in einer behüteten Umgebung, in Zürich, in der Schweiz. Nie war ich ein auffälliges Kind, oder Teenager. Ich war das einfache, normale Mädchen von nebenan…


Vergangenes


Jetzt sitze ich in Alaska und grüble über meine Zukunft nach. Das schwierigste für mich wird sein meiner Familie zu erzählen dass ich mich hier in Alaska niederlassen möchte. Beim letzten Treffen erwähnte ich dass ich nach London zu Kiran ziehe. Doch die Pläne haben sich eben geändert. Aus meinem Husky Erlebnis Trip ist wohl etwas mehr daraus geworden.
Kiran hat mich schlussendlich in Alaska gefunden. Ein außerordentlicher Mann. Er bringt mein Blut wirklich zum kochen wenn er mich mit seinen grünen Augen fixiert. Er sieht verdammt gut aus. Er ist Groß und von sportlicher, stattlicher Postur. Mittlerweile trägt er sein braunes Haar wieder halblang. Das ihn irgendwie mystisch mit einem Quäntchen Gefahr aussehen lässt. Dazu noch seine grünen Augen. Er ist definitiv ein Blickfang. Ich bin eher klein, habe rotblondes stecken gerades langes Haar und graublaue Augen. Kiran gefallen meine Sommersprossen. Wenn er sie beginnt zu zählen muss ich kichern. Denn das nimmt sprichwörtlich kein Ende. Mein richtiger Name ist Elisabeth, doch alle nennen mich einfach nur Lis. Und das ist gut so. Denn Elisabeth finde ich persönlich etwas altmodisch und nicht der Zeit angepasst.
Dass mein liebster Kiran tatsächlich ein Werwolf sein kann wenn er muss habe ich natürlich meiner Familie verschwiegen. Auch dass der Rest der Familie Faller im Husky Camp Vampire oder Damphire (Halbvampire) sind wissen sie nicht. Wie soll meine Familie verstehen dass aus ihrem liebenswerten Mädchen das bei ihnen in der Bäckerei gearbeitet hat eine Hexe geworden ist. Dass ich auf seltsame Art und weise einer Legende gefolgt bin und sozusagen meine Berufung gefunden habe… Dazu noch im abgelegenen Alaska. Wer zieht schon freiwillig nach Alaska? New York oder Melbourne würde man wohl eher verstehen. Aber in die Pampas von Alaska…
Dass es da noch einen Teil in Alaska gibt der von Elfen und Zwergen bewohnt wird kann ich meiner Familie wohl auch nicht zu muten. In meiner Welt hier in Alaska scheint es uns logisch zu sein was wir sind und dass wir für einander einstehen. Wir hüten unser Geheimnis so lange es uns möglich sein wird. Wir sind die Hüter des sonderbaren. Wir sind hier eine Familie geworden.
So wie die Dinge stehen werde ich wohl meiner Familie nie die Wahrheit sagen können. Die sind in der Lage und sperren mich in eine Klinik! So unwirklich hört sich das alles an. Und das bin ich mir vollends bewusst. Vielleicht möchte ich auch die Behütete Welt von meiner Mutter, und ihrem Lebenspartner Robert, mit ihrer Bäckerei so in Erinnerung behalten. Meine kleine Wohnung oberhalb der Bäckerei aufzugeben fällt mir außerordentlich schwer. Diese Dinge schiebe ich noch vor mich hin.
Auch die Ferien in Norwegen mit meinem Vater und seiner Marit hatten mein Bruder Tino (Martin) und ich immer genossen. Marit hat uns immer Märchen erzählt von Elfen, Zwergen und anderen Fabelwesen. Daher stammte wohl meine große Fantasie vom weißen Pferd das nur mir alleine gehört. Von diesem Pferd träumte ich ein Leben lang. Doch dass so etwas tatsächlich existieren konnte hatte ich nicht erwartet. Ja, vielleicht sollten meine Familie und ich diese schönen Erinnerungen weiterhin in unseren Herzen tragen. Sie müssen nicht wissen was aus mir geworden ist. Sie müssen nicht wissen dass sich durch mich die verschiedenen Kreaturen zusammen finden und friedlich mit einander leben.
Kiran hat mir mal gesagt: „Kleines, sie müssen nicht begreifen was du in Alaska suchst. Sie müssen nur akzeptieren dass es dein Wunsch ist hier mit mir zusammen zu leben.“
Na ja, der kann einfach reden. Seine Familie teilt ja sein Geheimnis. Auch sein Vater ist ein Werwolf. Obwohl Kiran eher davon spricht dass er einem Wolfsmensch ähnlicher sieht. Das hat schon etwas, er sieht nicht wie ein richtiger Wolf aus. Seine Verwandlung ist irgendwie anders. Aber eines ist sicher: Er ist ein Leitwolf! Zu beginn war es für mich irgendwie unwirklich und gruselig. Doch mittlerweile ist es für mich der ganz alltägliche Wahnsinn geworden dass ich um seltsame Wesen umgeben bin die ihre Fähigkeiten haben. Doch irgendwie hatte Kiran recht mit seiner Aussage. Wenn mich meine Familie liebt werden sie es akzeptieren. Heute nehme ich es etwas lockerer und freue mich auf den nächsten, vielleicht abschließenden, Besuch in der Schweiz. Mein Bruder hat beschlossen seine Michaela zu heiraten. Die beiden passen einfach perfekt zusammen. Ich bin Stolz auf meinen Bruder der ein erfolgreicher Designer geworden ist. Sein Label nennt sich Tino Design und Michaela ist eines seiner Models. Es fügt sich zusammen was zusammen gehört.
Nun sitze ich hier in unserer sehr kleinen Blockhütte und trage meine Prioritäten Liste zusammen. Darauf schreibe ich Dinge die mir wichtig sind und Dinge die noch zu erledigen sind. Da gibt es die Aufenthaltsbewilligung einzuholen und vieles mehr. Kiran ist damit beschäftigt, eine Zweigniederlassung ihres Eventbüros in London nun hier in Fairbanks zu eröffnen. Darin getarnt ist ein Detektivbüro. Heute verstehe ich die Notwendigkeit für so etwas. Vielleicht wird dieses Detektivbüro uns mal eine Hilfe sein können. Eine Hexe zu sein ist für mich absolut neu. Mir wurde die Gabe mit dem Tod von Marius übergeben. Wenn ich an Marius denke wird es mir schwer ums Herz. Er hat mich ein Leben lang gesucht da er mir in einem früheren Leben auf brutalste Weise mein Leben genommen hat. Und das nur um an meine Gabe zu kommen. Was ich damit alles anstellen kann weis ich noch nicht. Der unangenehme Teil ist, dass ich ab und an Stimmen in meinem Kopf wahrnehmen kann. Doch ich habe gelernt mich zu verschließen und nicht mehr alles zu zulassen. Das angenehme daran ist, dass wir verrückten Wesen uns per Gedanken miteinander unterhalten können. Je nach Situation ist das eine durchaus praktische Sache. Also wenn sich zwei Wesen durch liebe finden erkennen sie ihre Namen der Sele oder des Geistes. Wie auch immer man es eben nennen wollte. Mein Kiran trägt den zweiten Namen Leon und ich bin seine Eve.


Das Camp


Also lebe ich hier in Alaska, im Husky Camp. mit Joe Faller dem Halbvampir und seiner Familie. Die Familie bestand aus Jo (dem Menschen) und seiner Partnerin Mona (der Vampirin) und den restlichen der Truppe. Ihr äusserst attraktiver Sohn Joe war die Gabe hinterlegt worden mich zu beschützen. Was für ein attraktiver Beschützer. Nicht ganz so gross wie Kiran aber doch ein adretter Bursche. Er trägt langes braunes Haar dass er meistens hinten zusammen bindet. Er ist eher der dunkle Typ Mensch. Aus diesem Grund fallen auch seine stahl blauen Augen so ins Gewicht. Joe ist gutaussehend und nett. Eigentlich konnte ich mich in dieser Hinsicht nicht beklagen. Er wurde ein wahrer, treuer Freund.
Ausserdem gab es im Camp noch Ben (Vampir und Bruder von Mona) mit seinen Söhnen. Sein Sohn Cameron (Halbvampir), ist im Gegensatz zu seinem Vater, nicht geduldig und sehr aufbrausend. Sein langes schwarzes Haar passt zu seiner ungestümen Art. Er raucht bei jeder Gelegenheit, wobei sein Vater nur ab und an mal aus Genuss eine Zigarre anzündete. Camerons Frau Sandra und ist auch ein Halbvampir mit Kräften die bei Verletzungen Linderung schaffen. Sie trägt ihr Haar kurz und blond.
Bens zweiter Sohn heisst Steven und ist ebenfalls ein Halbvampir. Steven hat kurzes braunes Haar und ist ein sehr ruhiger Typ. Er denkt immer zuerst nach bevor er handelt. Das pure Gegenteil von Cameron. Seine grosse Liebe gehört der Halbvampirin Julia. Julia ist keine Heilerin, doch sie kann anhand von Steinen Linderung verschaffen oder Unheil fernhalten.
Die Vampire und Halbvampire hatten alle sehr blaue, klare Augen. Ich selbst sah sie nie weinen. Doch wenn sie von Traurigkeit oder ärger heimgesucht wurden, wurden die Augen dunkelblau bis grau. Aber als Vampir oder ähnliches hätte ich sie nicht eingestuft. Sie waren alle so unheimlich menschlich. Sie zeigten mehr Menschlichkeit als manch anderen Menschen der meinen Weg gekreuzt hatte. Tatsächlich verbrannten sie nicht an der Sonne. Den Halbvampiren macht die Sonne überhaupt nichts aus. Doch Mona und Ben trugen meistens eine Sonnenbrille und Kleider mit langen Ärmeln. Auch sie verbrannen nicht, können sich aber bei sehr sonnigem Wetter Brandblasen einfangen. Die natürlich rasch heilen. Ich nehme aber an, das Ganze war schmerzhaft.
Ausser den Vampiren und dem Wolfsmensch gab es da noch die Form/Gestaltwandler Geschwister Paula und Tori. Die beiden waren halb Eskimo und halb Indianer. Daher hatten sie wohl das exotische aber sehr hübsche Aussehen. Paula begegnete ich schon in der Schweiz. Durch eine Kontaktanzeige hatte sie geglaubt ihren Mann fürs Leben gefunden zu haben. Aber kaum in der Schweiz angekommen war die Liebe schon wieder vorbei. Trotzdem blieb sie in der Schweiz und bekam die Stelle bei uns in der Bäckerei. Durch sie kam ich auf die Idee mit meiner langen Reise in Alaska zu beginnen. Sie kam damals mit Tom meinem besten Freund her. Und wie der Zufall es wollte passte Paula perfekt zu Joe und Tom zu Tori. Ob sie wollten oder nicht.


Zukunft

Ich sass gerade im kleinen Wohnzimmer an meiner Prioritäten Liste als Kiran ganz nah an mich heran trat und über die Schulter sah.
„Uh…, das ist aber eine lange Liste. Hat fast etwas Tagebuch mässiges.“
Klar sah ich seinen Schalk in den Augen. Aber so unrecht hat er nicht. Darauf stehen auch Dinge die mir wichtig sind wie: Die Schwangerschaft von Sandra und Julia. Weiter mahnt Kiran mich: „Wo steht denn das Datum von der Hochzeit des Wolfes und der Hexenbraut.“
Ich legte meinen Stift bei Seite und stand auf. Natürlich nahm mich Kiran lächelnd in seine Arme. Das bezweckte er wohl mit seinem gestänkere. Denn er weiss genau dass unsere Hochzeit noch warten kann. Wann wir genau heiraten steht sozusagen noch in den Sternen. Da wir vorerst andere Dinge zu erledigen haben, hat unsere Hochzeit echt keine Priorität. Unsere Herzen sind ja so oder so miteinander verbunden.
Ich sprach ruhig lächelnd: „Frühstück bei Mona?“
Es war üblich geworden, dass wir uns zum Frühstück, bei Mona und Jo zu trafen. Dabei wurde das aktuelle Tagesprogramm aufgestellt. Zurzeit nahmen sie im Camp keine Gäste mehr auf. Die Welt wäre sicherlich noch nicht offen genug um solch seltsamen Wesen zu begegnen. Wir wollten uns verdeckt halten. Mona und ihre Familie hatte ja schon Jahrelange Erfahrung darin. Jo, unser Arzt, ging nach dem Frühstück weiterhin zur Arbeit in seine Klinik in Fairbanks. Das ist gut so denn die Vampire brauchten ihr Blut. Nicht täglich aber in regelmässigen Abständen. Ab und zu entnahm Jo auch mal Blut von einem der Huskys oder Pferde die hier im Camp lebten. Nicht zu viel aber damit konnte man sehr gut in der Not überbrücken. Kiran und ich bewohnten immer noch die kleine Blockhütte in der Nähe des Aufenthaltsraumes. Das war wirklich Zentral und praktisch.
Nun sah mich Kiran schuldbewusst an und gab mir einen sanften Kuss auf die Stirn als er danach sprach: „Kleines, geh du mal voraus, ich treffe mich zuerst noch mit Joe.“
Dabei grinst er über sein ganzes Gesicht. Ich rollte meine Augen.
„Müsst ihr euch denn jeden Tag raufen?“
„Was heisst hier raufe! Uns geht es hier um die Ausdauer. Wir trainieren doch nur, sozusagen…Etwa so wie Krafttraining.“
„Ausdauer…, trainieren…“, da musste selbst ich kichern, und meinte immer noch lächelnd, „hau schon ab, mein grosser!“ Mit einem Grinsen das über sein Gesicht strahlte hob er mit seiner rechten Hand mein Kinn an, küsste mich und sprach zärtlich: „Danke für dein Verständnis kleines, bis später. Ach ja, sieh mal genau auf deine Prio-Liste. Gaaanz unten.“ Danach war er so rasch aus der Blockhütte gerauscht dass ich gar nichts mehr dazu kam etwas zu erwidern.
Der ganz normale Alltagswahnsinn!
Neugierig sah ich auf meine Liste und sah dass er etwas rein geschrieben hatte: Priorität und sehr Wichtig: Zeit freischaufeln für Zweisamkeiten! Ich schmunzelte. Irgendwie unmöglich und süss zugleich. Danach schlenderte ich gemütlich zu Mona und Jo hinüber. Da ich heute Morgen die Erste zu sein schien half ich ihnen beim Frühstück richten. Eigentlich ein ziemlich normales Frühstück wenn man vom „Tomatensaft“, das natürlich Blut war, absah. Doch mit der Vorstellung von Tomatensaft konnte man es besser ertragen, sie es trinken zu sehen. Mona tat irgendetwas aus ihrem Kräutergarten, den sie in ihrer Küche hatte, hinein damit es nicht so stark nach Blut roch. Es hatte jetzt einen eigenen sehr blumigen Geruch. Dafür war ich ihr, wirklich sehr dankbar. Ich war mit meinen Gedanken etwas abwesend. Meine Gedanken schweiften über das Einte oder Andere Problem das mir noch bevor stand in Bezug auf meine Eltern.
„Lis, ist alles in Ordnung“, war Mona neugierig und besorgt.
„Ja, eigentlich schon.“ Ich zuckte mit der Schulter auf.
„Eigentlich?“, sah sich mich eingehend und fragend an.
Ich seufzte auf. „Ich muss bald in die Schweiz, unter anderem, um mich für die Aufnahme Bestimmungen für Alaska zu kümmern. Meine Familie darüber informieren…“
„Aha, daher weht der Wind“, unterbrach mich Jo der mich von der Seite liebevoll an stupste. Ich stupste ihn zurück und wir lächelten einander an. Im nächsten Moment ging die Türe auf und wir hörten die warme Stimme von Tom.
„Einen wunderschönen guten Morgen.“ Er war gut gelaunt und strahlte mich an.
„Wo ist Tori?“, war meine Frage direkt an ihn gerichtet.
„Nehme an dort wo sich auch dein Kiran rum treibt.“ Ich hörte genau den Spott in Toms Stimme. Ich sah ihn direkt an und konnte noch sehen wie er seine Augen rollte. Dann kam er auf mich zu und nahm mich kurz in die Arme. Unweigerlich lächelte ich ihn an und Mona kicherte im Hintergrund. Dann schnappte er sich ein Stück Brot und setzte sich an den Tisch. Ab und an hatte ich noch Bedauern mit meinem langjährigen Freund. Eigentlich kam er nur nach Alaska um mich zu besuchen. Und dabei hat er sich in Tori eine Form/Gestaltwandlerin verliebt. Sie ist der Schwarzbär und er der Mensch. Was für eine ungewöhnliche Verbindung. Da Tori nicht gerne die Gestallt wechselt und Tom nicht viel von Alaska hält werden sie wohl in Zukunft ihr Leben nicht hier mit uns teilen.
Kurze Zeit danach gesellten sich die Schwangeren Sandi und Julia zu uns. Die Schwangerschaft stand den beiden Halbvampiren wirklich sehr gut. Sie blühten richtig auf. Sandi sah meinen Fragenden Blick bezüglich ihrer Männer und erklärte: „Zur Abwechslung mischen Cam und Steven auch mit.“
„Oh…“, staunte Jo und sprach zu seiner Frau: „Mona, bitte stell eine extra Portion Tomatensaft auf den Tisch. Unsere Kämpfer werden es brauchen.“ Das kam so trocken aus Jo’s Mund dass wir alle laut lachen mussten.
„Ben kämpft auch?“, fragte Mona neugierig in die Runde. Sie konnte sich nicht vorstellen dass ihr Bruder freiwillig kämpfen sollte. Gerade in diesem Moment kam Ben zur Türe hinein und antwortete sogleich: “Bin ja schon da, wollte nur mal sehen wie sie sich der wilde Haufen so macht. Mit Haufen meinte er wohl unsere Kämpfer. Er sprach mit seiner rauen, dunklen Stimme:
„Sie sind eine gute Mischung und ein gutes Team. Ich bin zuversichtlich. Sie werden immer besser.“
Natürlich waren wir alle gespannt wie sie nach dem kämpfen wieder aussahen. Meistens sahen wir ihre Wunden direkt vor unseren Augen heilen. Mittlerweilen habe ich mich daran gewöhnt. Aber ich werde wohl nie verstehen wie man sich so etwas aus freiem Willen antut. Sie konnten sich glücklich
schätzen dass ihre Wunden so rasch heilten. Trotzdem fand ich diese Rauferei zu übertrieben. Paula und Steven waren die ersten die sich von der kämpfenden Gruppe ablösten und zu uns Frühstücken kamen. Steven, der Halbvampir, ging sofort zu seiner Julia und gab ihr einen Kuss auf den Kopf. Sie schüttelte nur verständnislos ihren Kopf als sie seine Verletzung am Kinn sah die schon fast wieder verheilt war.
„Hey, im Gegensatz zu den anderen sehe ich wirklich gut aus!“, war sein Protest.
Paula lachte auf: „Ja das stimmt wirklich!“ Und nahm neben mir Platz. Paula hatte keine Schramme, sie muss wirklich schnell gewesen sein. Die restlichen vier kamen alle gleichzeitig. Die Hitze in Tori sah man ihr noch gut an. Sie hatte ganz rote Wangen und ein zwei blaue Flecken im Gesicht die sofort verblassten. Die Jungs hatten sich, wohl auch bei ihr, zurückgehalten. Was sich meiner Meinung nach, auch so gehört! Schon schlimm genug dass sich die Mädchen mit prügelten. Cam, Stevens Bruder, hatte ein geschwollenes Auge und eine klaffende Wunde am linken Oberarm. Sandi nahm sich diesem sofort an. Joe wies eine grosse Schramme am Oberschenkel auf, die man sehen konnte da seine Hosen zerrissen waren. Im Prinzip sah er ja so sogar noch recht sexy aus. Doch Paula schüttelte ihren Kopf leicht als sie ihren liebsten so sah. Joes Gesicht schien bereits wieder abzuschwellen. Man sah noch etwas Blut im Gesicht, dass er sich aber bereits routiniert abwischte. Wir hörten Knochen knacken als Kiran sich streckte und reckte. Es schien ihm durchaus etwas peinlich zu sein.
„Entschuldigt bitte, aber ich musste mich wieder herstellen.“
Auch ich schüttelte nur den Kopf als ich seine klaffende Wunde an der Schulter sah die gerade heilte. Danach war es für einen Moment, relativ Ruhig da wir, fast alle, mit Essen beschäftigt waren. Cam hatte seinen Tomatensaft im nu leer und fragte ungeduldig in die Runde: „Na…, wie geht’s jetzt weiter? Was ist unser Tagesprogramm?“
„Wir gehen noch heute nach Fairbanks und erledigen Toris Angelegenheiten. In etwa einer Woche fliegen wir dann weiter in die Schweiz“, erklärte uns Tom ruhig und ziemlich gelassen. Natürlich war Toms Blick auf mich gerichtet. Er wusste nur zu gut dass ich ihn vermissen würde. Er fehlte mir gewissermassen jetzt schon. Ich hoffte ja immer noch dass er sich ebenfalls in Alaska niederlassen würde. Doch es sah nicht danach aus. Ich riss mich zusammen und nickte ihm zu als ich sprach: „Mein Visum läuft auch ab. Sollte also auch schnellst möglich zurück in die Schweiz.“
Kiran war etwas erstaunt über meine Worte und sah jetzt etwas nachdenklich aus. Ich hatte ihm ja noch nichts davon erzählt dass mein Visum abläuft. Er hasste es wenn ich ihm nicht alles erzählte. Heute liess er sich aber nichts anmerken. Kiran sprach mit ruhiger Stimme: „Ich fahr heute mit Tom und Tori nach Fairbanks, ich hab da diverse Liegenschaften die ich ansehen muss für die Zweigniederlassung. Werde den ganzen Tag dort beschäftigt sein.“ Dann sah er zu Jo hinüber und fragte ihn beiläufig: „Jo, kann ich am Abend mit dir zurückfahren?“ Jo nickte und Kiran fuhr weiter: „Mein Vater wird sich in etwa 3 Wochen hier einfinden. Ihr werdet es spüren da ihr automatisch in Alarmbereitschaft geratet, wenn er in eure Nähe kommt. Ich sag ihm er soll euch, aus Sicherheit, zuerst anrufen.“
Ich seufzte gedankenversunken und faste zusammen: „Also dann werden wir uns von Tori und Tom heute noch verabschieden müssen.“ Ich kniff mein Gesicht zusammen und sah Tom in die Augen als ich anfügte, „aber ich sehe euch dann bei der Hochzeit meines Bruders wieder. Vielleicht wisst ihr dann mehr wo ihr in Zukunft lebt. Ich und Kiran werden auch längere Zeit weg sein, bis alles geklärt ist mit den Behörden und meinen Eltern. Kiran hat bestimmt auch vieles zu erledigen in London. Also werden wir noch nach London reisen müssen. Könnte ich mir vorstellen.“ Räusperte ich mich als ich zu Kiran hinüber sah.
Nun sahen alle in Kirans Richtung, er lächelte zufrieden und erklärte: „Jupp. Kleines das werden wir schon richten. Eines nach dem anderen.“
Ich war froh dass Kiran heute so gut gelaunt war. Kiran machte eine kurze Pause, trank einen Schluck und sah zu Mona und Jo rüber: „Mona, Jo, besteht die Möglichkeit dass wir eines der grösseren Blockhäuser erwerben können? Wir würden gerne hier im Camp leben.“
Diesmal machte ich grosse Augen und verschluckte mich an meinem Getränk. Zwangsläufig musste ich husten. Kiran und ich hatten mal ganz kurz darüber gesprochen. Wir sind aber nie ins Detail gegangen. Er war mir wohl wieder eine Spur voraus. Kein Wunder hatte er so gute Laune, ging es mir durch den Kopf. Mona lächelte zufrieden als sie Kiran antwortete: „Ja, wir haben da schon eines das ich euch gerne zeigen wollte.“
Julia und Sandi kicherten ganz leise und Julia sprach dann leise zu mir und Kiran: „Ähm…, Sandi und ich sind ja bereits unsere Babyzimmer am einrichten und es macht uns so riesigen Spass. Da wollten wir euch beide fragen ob wir euer Blockhaus auch einrichten dürfen. So, dass es bereit sein wird wenn ihr wieder zurück kommt. Natürlich helfen uns Steven und Cam.“
Wir hörten Steven und Cam leise seufzen. Natürlich lächelten und nickten sie, wie auf Kommando, uns zu. Wie hätten sie ihren bezaubernden Frauen widerstehen können.
„Ja das ist wirklich eine wundervolle Idee. Eine Sorge weniger. Dann wäre das ja auch schon geklärt!“ Ich lächelte Kiran, über den Tisch, liebevoll an. Und er nickte mir zustimmend zu.
Nachdem das wichtigste gesagt war ging Jo zur Arbeit. Nicht so lautlos und geräuschlos wie die Vampire. Darüber war ich froh. Es war nicht immer leicht diese Wesen so lautlos um sich zu haben. Manchmal kam es einem vor als hätte man kein Privatleben mehr weil man immer damit rechnen musste gleich steht wieder einer neben einem. Kirans Augen leuchteten, er schien belustigt zu sein. Warum auch immer. Joe hingegen sass die ganze Zeit neben Paula und rutschte nervös hin und her. Er sah aus als würde ihn etwas belasten. Joe schien irgendwie genervt zu sein. Ich spürte dass er es aussprechen musste also sprach ich ihn direkt an: „Joe? Was ist mit dir los?“
Seine Stimme grollte leicht und es hörte sich bedrohlicher an als es war.
„Ich weiss nicht. Ich meine,…Paula zieht zu mir,…ich hab ja genügend Platz. Das wünsche ich mir auch. Aber,…Scheisse ich meine,… die Sache ist so, am Anfang war es meine Aufgabe Lis zu beschützen und zu lehren. Jetzt hat Lis ja Kiran das weiss ich ja auch. Doch ich bekomm das mit dem Beschützer Instinkt zu Lis nicht weg und Kiran ist mein Freund geworden.“ Jetzt stöhnte Joe kurz aber tief auf. „Also kurz gesagt, …Ich muss mit euch mit in die Schweiz.“
Jetzt wurde es laut am Tisch. Sogar Mona war ausser sich und gab ein grollen von sich und ich sah ihre spitzen Eckzähne. Ich hatte sie so, noch nie gesehen. Tatsächlich erschrak ich vor dieser Gestalt etwas. Ich war über so viele Emotionen überrascht. Obwohl sie ein reiner Vampir war hab ich sie als extrem menschlich empfunden. Für mich war sie nie wirklich wie ein Vampir. Wenn man Mal davon absieht dass sie den ganzen Tag, mit langen Kleidern und Sonnenbrille, herum läuft. Joe war immer noch aufgebracht. Er sah aus als hätte er sich gleich nicht mehr so im Griff. Joe war wütend dass ihn niemand verstand und alle dagegen sprachen. Joes Augen funkelten wild und auch seine Eckzähne wurden sichtbar. Ein leichter Schauer lief mir den Rücken hinunter. Er sah sehr gefährlich aus. Ohne Vorwarnung, ganz plötzlich sprang Joe lautlos, quer über den Tisch und stürmte zur Tür hinaus. Ich war erstaunt darüber wie lautlos Joe selbst in dieser Situation war. Kiran flitzte, nicht genau so lautlos, ihm nach. Automatisch seufzte ich laut auf. Am Tisch wurde es ruhig und ich sah zu Paula als ich ihr meine Gedanken mitteilte: - *Wusstest du davon.* -Ich war neugierig. Sie nahm meine Gedanken auf und seufzte, als ihre ehrliche Antwort kam: -* Ich habe so etwas geahnt. Gewusst nicht, er hat mir nie etwas darüber erzählt*-
Die Stimmung war jetzt nicht gerade auf dem Höhepunkt des Morgens. Ben versuchte die anderen zu beruhigen. Wir beschlossen das Ganze erst mal setzen zu lassen um später in Ruhe darüber sprechen zu können. Im Grunde genommen war es ja gut dass Joe den Mut fand um darüber zu sprechen. Es war für ihn wirklich nicht einfach mich ganz Kiran zu überlassen. Irgendetwas in ihm gab ihm den Impuls mich zu beschützen und er wurde das Gefühl einfach nicht los. Jetzt da Joe es laut ausgesprochen hatte bemerkte ich die Zeichen auch. Joe war immer schneller bei mir als alle anderen. Und er wusste immer wo ich war. Ich nahm nur nie wirklich Notiz davon dass es ihn so Belastet. Nach diesem eigenartigen Zusammenstoss gingen wir unseren Verpflichtungen nach. Ich und Paula schlenderten in unsere Blockhütten zurück um auf unsere Männer zu warten. Es blieb uns ja nichts anderes übrig. Doch sie waren noch nicht zurück. Ich stöhnte kurz auf weil ich wusste das konnte durchaus dauern. Paula ging dann doch alleine nach Hause. Ich sah ihr nach und fand es erstaunlich wo sich meine Freundin und ich uns jetzt befanden. Ich lernte sie bei uns in der Bäckerei kennen. Ihr exotisches Aussehen (halb Eskimo und halb Indianerin) nahm mich damals sprichwörtlich in den Bann. Wir wurden gute, nein beste Freundinnen. Sie war auch diejenige die mir diese Adresse für ein Husky Erlebnis gegeben hat. Damals hat sie auch noch nicht gewusst was aus uns wird. Als sie später mit Tom auf einen Besuch angereist kam verliebte sie sich in Joe. Dabei entdeckte sie dass auch sie eine Form/Gestalltwandlerin war. Sie ist das Pony zur raschen Flucht. Ein attraktiver Halbvampir und eine exotische Form/Gestaltwandlerin fanden zusammen. Auch diese Verbindung verblüfft mich jeden Tag aufs Neue. Sie sagen ohne meine Bestimmung zur Legende wären sie nie zusammen gekommen. Wer weiss!
Nach einer Weile begann ich mit meinen Gedanken nach meinem liebsten zu suchen.
- *Leon, wo steckst du. Ist alles in Ordnung.* -
Prompt bekam ich seine Antwort. - *Geht schon, kleines. Gib mir noch einen Moment. Bin gleich bei dir*-
Ich fand seine Antwort seltsam. Irgendetwas schien er mir verheimlichen zu wollen. Ich beschloss nicht hier in der Hütte auf ihn zu warten. Entschlossen ging ich hinaus um ihn zu suchen. Weit musste ich allerdings nicht gehen. Draussen, auf der kleinen Veranda, sass Kiran. Zuerst sah ich nur seinen Rücken. Also ging ich geradewegs auf ihn zu. Als ich ihn vor mir sah erschrak ich etwas. Er war ziemlich übel zugerichtet. Kein schönes Bild das er mir bot. Ich schwankte zwischen Mitleid und Wut. Ich stemmte meine Arme in meine Hüfte und schüttelte meinen Kopf fassungslos hin und her. Ich beruhigte mich ein wenig.
„Komm hinein ich helfe dir. Musste das den wirklich sein?“
„Jupp“, war seine knappe Antwort. Er stöhnte auf als er aufstand. Wir gingen hinein und er legte sich aufs Bett. Er sah mich schuldbewusst an.
„Keine Angst kleines, die Wunden werden heilen, es braucht nur etwas länger als auch schon.“ Wollte Kiran mich wohl mit seiner Aussage beschwichtigen. Netter Versuch! Dass seine Wunden heilen dessen war ich mir bewusst doch er sah echt schlimm aus. Etwas mürrisch fragte ich: „Sieht Joe genauso aus?“
„Nein, ich hab nicht zu geschlagen.“
„Ich versteh dich nicht. Was meinst du…“
Er stöhnte kurz auf: „Kleines, Joe musste Dampf ablassen. Versteh doch, er war so wütend auf die ganze Situation. Es hätte ihm nicht geholfen wenn ich genau so zurückgeschlagen hätte. Es ist in Ordnung so wie es ist. Joe hat sicherlich auch schon ein schlechtes Gewissen. Nehme an er hat Sandi bereits informiert. Sie wird sicher gleich da sein um mir ein wenig Linderung zu verschaffen.“ Er sah meinen vorwurfsvollen Blick und stänkerte: Ach komm, dafür sind Freunde da. Jetzt schau mich nicht so vorwurfsvoll an. Bitte!“
„Normale Freundschaften verlaufen anders“, motzte ich und schmollte vor mich hin. Kiran lächelte mich an und ich konnte seine Augen belustigt aufblitzen sehen. In meinen Augen hätte es nicht so weit zu kommen brauchen. Das war nun wirklich nicht nötig. Freundschaft hin oder her. Ich musste Kiran zudecken, er begann am ganzen Körper zu zittern.
Vor Schmerz!
Idioten!
Ich war enttäuscht darüber dass Joe meinen liebsten derart hergerichtet hat. Sie waren Freunde geworden. In meinen Augen tut man das einem Freund aber nicht an. Verrückte Wesen hin oder her. Irgendwie war ich auch darüber enttäuscht dass Kiran das mitgemacht hat.
Männer!
Als Sandi kam ging ich hinaus. Unsere Halbvampirin mit Heilkräften kann ihm mit Sicherheit Linderung verschaffen. Doch hat er die verdient? Im Wohnzimmer traf ich auf Joe der auch mitgekommen war. Schuldbewusst sass Joe auf dem Sofa im kleinen Wohnzimmer.
„Hey Schweiz, komm leg los. Les mir die Leviten.“
Ich setzte mich seufzend zu ihm hin.
„Das hat doch keinen Sinn. Weißt ja selber wie doof ihr beiden seid. In meinen Augen tut man das keinem Freund an.“
„Ja, da hast du deine Prinzipien. Und ich gebe dir Recht.“
„Du scheinst nicht zu verstehen.“ Ich sah ihm direkt in die Augen: “Genau das ist der Punkt, der uns Schwierigkeiten bereitet in Bezug auf dich und die Schweiz.“
„Wie meinst du das?“
„Ihr hättet keinen Platz um eure Kräfte zu messen denn die Schweiz ist sehr klein. Ich zeig es dir bei Gelegenheit auf einer Karte.“
Joe grinste übers ganze Gesicht und stupste mich an.
„Kein Problem, geht auch ohne Kräfte messen.“
Ich seufzte und schüttelte meinen Kopf.
„Wohl Wunschdenken. Dann wären da ausserdem sehr viele Menschen die duften für dich sicherlich unheimlich gut und wir haben keinen an der Hand der uns Blut liefern kann.“
Er runzelte die Stirn. Nun sah er nachdenklich aus.
„Oh, ja, daran habe ich noch gar nicht gedacht. Das ist wirklich ein grösseres Problem. Aber hey, ich bin nur ein Halbvampir…“
„Eben, auch ein halber Vampir braucht ab und an mal Blut“, meinte ich wieder seufzend und Joe küsste mich auf meine Stirn. Darauf hin funkelte ich ihn so wütend wie möglich an da er die Situation abschwächt: „Du Idiot!“
„Ist das jetzt ein Kompliment?“, scherzte Joe bereits wieder.
„Deine Reue ist ja rasch verflogen…“
„Ich war wohl ein bisschen zu Impulsiv. Es tut mir wirklich Leid. Das weißt du ganz genau. Bin aber immer noch der Meinung ich sollte mit euch mit... Wie weiss ich jetzt auch noch nicht. Mache mir ein Paar Gedanken und spreche mal mit Paula in Ruhe darüber. Ich will und kann dich nicht alleine lassen. Das geht einfach nicht.“
Kaum hatte er ausgesprochen war er einen Augenaufschlag später schon wieder weg. Wohlwissend dass ich auf seinen letzten Satz reagiert hätte. Ich schüttelte meinen Kopf und verzog mein Gesicht. Werde mich wohl nie ganz daran gewöhnen wie schnell und lautlos die Vampire sein können wenn sie wollen. Kiran war auch leise, aber nie so lautlos. Das war wohl der Wolf in ihm. Nun ging ich zurück ins Schlafzimmer. Kiran sah schon viel besser aus und Sandi ging wieder. Doch meine Laune war immer noch auf dem absoluten Null Punkt. Ich stand immer noch fassungslos bei Kiran. Kiran sah zu mir hoch und klopfte, mit der Hand, neben sich auf das Bett. Ein Zeichen dafür dass ich mich zu ihm hin setzen sollte. Mit einem lauten Brummen sass ich dann endlich ab.
„Immer noch schlechte Laune wegen mir und Joe?“
Ich nickte ihm zu.
„Ach komm, das ist noch nicht alles. Ich kenne dich doch. Was liegt dir sonst noch auf dem Herzen? Erzähl es mir, kleines…“
Kiran kannte mich zu gut um nicht zu bemerken dass da noch mehr war. Ich schnaubte ein wenig vor mich hin bevor ich Antwort gab.
„Es geht um Joe. Einerseits wäre es wirklich schön wenn er und Paula mitkommen könnten. Paula hat sicherlich auch noch ein Paar Dinge in der Schweiz zu erledigen. Doch Joe war noch nie weg von hier. Ich glaube er überschätzt sich. Und ich frage mich ob ich ihn irgendwie von der Verpflichtung mich zu beschützen entbinden kann.“
Ich machte eine kleine Pause und sah Kiran direkt in seine hübschen grünen Augen. Kiran wollte mir etwas erklären.
„Ich denke, Joe wird sich immer dazu verpflichtet fühlen dich beschützen zu müssen. Im Grunde genommen ist das seine Aufgabe. Er dient wie ich der Einen, der Legende.“
Ich zuckte mit den Augenbrauen als Kiran mir das so ins Gesicht sagte. Nachdenklich sah ich zu Kiran der mir liebevoll die Haare aus dem Gesicht strich. Ich musste weiter ausholen:
„Angenommen Joe käme mit uns mit in den Ausgang oder ins Kino, da sind viele Menschen die ihn verrückt machen. Da bin ich mir ganz sicher. Und dann wäre da wirklich noch das Problem mit dem Blut. Ich kenne niemand der mir so nebenbei einwenig Menschliches- oder eben mal Tierblut geben könnte. Einfach mal so, ganz nebenbei ohne irgendwelche Fragen. Als könnte man es in einem Warenhaus einkaufen. Und ich stelle mich nicht zur Verfügung.“
„Und diese Dinge stehen tatsächlich nicht auf deiner Prio-Liste?“ Nahm mich Kiran jetzt hoch.
„Nicht sehr witzig“, war meine Antwort.
Kiran lächelte immer noch und nahm jetzt meine Hand in die seine als er versuchte mir zu erklären: „Wir haben noch etwas Zeit um gemeinsam eine Lösung zu finden. Zerbrich dir jetzt nicht unnötig den hübschen Kopf darüber. Lass das lieber meine Sorge sein.“
Nun zog er mich zu sich hinunter und gab mir einen sanften Kuss auf meine Lippen. Es ging ihm schon bedeutend besser denn sein Kuss wurde fordernd. Meine haut begann zu kribbeln. Auch ich musste wieder lächeln und löste mich lächelnd aus seinem Griff. Was gar nicht so einfach war. Eigentlich hatte er ja Recht. Vielleicht hatte es sich ja bereits von selbst geklärt. Kiran zog mich wieder näher an sich und sein Kuss wurde noch leidenschaftlicher. Er wollte mich hier und jetzt nackt und leidenschaftlich neben sich. Unweigerlich musste ich jetzt laut kichern.
„Ich denke du bist wieder bei deinen vollen Kräften.“
Tatsächlich sah man nur noch ein, zwei Kratzer aber ansonsten war alles so als wäre nichts gewesen. Er strich mit seiner Hand über mein Gesicht.
„Ja, aber leider habe ich keine Zeit um mich meiner Leidenschaft jetzt und hier mit dir hinzugeben.“
Diesmal lachte ich auf. „Na dann begib dich mal leidenschaftlich hinaus. Denke Tori und Tom warten sicher schon auf dich.“
Er stand auf, hielt mich fest umschlungen und sah mir direkt in die Augen: „Egal was auf uns zukommt. Ich bin an deiner Seite und versuche stets mein bestes zu geben. Ich liebe dich.“
Er sagte das mit so viel Gefühl dass meine Knie drohten nachzugeben. Und als er seine Worte auch noch mit einem Leidenschaftlichen Kuss bestätigte war ich nur noch Wachs in seinen Armen. Das belustigte ihn wieder denn seine Mundwinkel zuckten amüsiert auf. Ich hingegen wurde etwas verlegen. Dann nahm er mich bei der Hand und wir gingen hinaus.
Ich hatte recht behalten, Tori und Tom hatten gepackt und waren reisefertig. Ich verabschiedete mich kurz. Keine grosse Verabschiedung da ich sie ja bald wieder sehen würde an der Hochzeit meines Bruders. Für Paula war es doch viel schwieriger. Sie würde ihre Schwester für lange Zeit nicht mehr zu Gesicht bekommen. Ausnahmsweise waren es nicht meine Tränen die da flossen. Und ich war ja wirklich nah am Wasser gebaut. Ich zog mich in die kleine Blockhütte zurück und zuckte zusammen als Kiran meinen Seelenname benutzte um mir seine Gedanken mitzuteilen: - *Eve, schau dir doch in der Zwischenzeit das Haus an von dem Mona gesprochen hat. Sehen uns bald* -
Ob ich wohl mein ganzes Leben lang zusammen zucken werde wenn er diesen Namen gebrauchte? Eigentlich war es sogar sehr angenehm. Jedes Mal wenn er meinen Seelennamen - Eve - benutzte bekam ich ein kribbeln im Bauch. Es fühlt sich an wie ganz frisch verliebt. Das war eigentlich die schöne angenehme Seite am teleportieren der Gedanken. Ich beschloss ihm zu Antworten. -*Leon, mache ich. Beeil dich*-
Die Idee das Haus mal anzuschauen fand ich sehr gut. Denn sonst wäre ich im Aufenthaltsraum nur wieder vor den Computer gehockt und hätte gegoogelt was das Zeug hält. Aber weitergekommen wäre ich wahrscheinlich nicht. Also machte ich mich auf, um Mona zu suchen. Zu meiner Überraschung stand sie schon draussen und schien mich zu erwarten.
„Wartest du etwa auf mich, Mona?“
Sie lächelte mich liebevoll an und setzte sich ihre Sonnenbrille auf. Ihr blondes langes Haar hatte sie wie üblich hübsch hoch gesteckt.
„Ja, Kiran meint es sei eine Gute Idee das Haus anzusehen und ich stimme ihm zu. Wollen wir?“
Es war ein herrlicher sonniger Tag. Mona genoss es auf Ihre Art und Weise auch.
„Mona, sag ehrlich, wie findest du Joes Plan?“
Sie stürzte ihre Lippen. „Tja ich muss ihn endlich los lassen. Ich bin wie eine Glucke die ihr Kind nicht los lassen kann. Er ist mein kleiner Junge. Mittlerweile ist er schon zwanzig. Er braucht mich nicht mehr. Weißt du…, er war noch nie weg. Weg von mir… Er hat noch nichts gesehen von der Welt!“
„Ja, das dachte ich mir schon. Hier ist es doch für euch am sichersten.“
„Da sprichst du wahre Worte. Wer weiss wie er reagieren wird in einem Raum mit lauter Menschen. Ich selbst brauchte lange um mich zu konzertieren.“
„Hast du viele Menschen getötet?“, war ich neugierig.
„Hm…, ja einige. Es war nicht schön sich wie ein Tier zu verhalten. Doch der Hunger war so stark. Es gab eine Zeit da haben wir die Menschen nur als Nahrung gesehen und nicht als Lebewesen. Als Ben und ich feststellten dass unser Hunger, ersatzweise, auch mit Tierblut gestillt werden konnte waren wir froh über diese alternative. Und wenn wir uns von Menschen ernährten brachten wir sie nicht mehr um. Wir liessen sie am Leben. Mitunter war das ein Grund dass wir uns schlussendlich von den anderen abgelöst haben. Wir wurden anders… wieder menschlicher.“
Mona seufzte und wirkte sehr nachdenklich. Es muss eine schwere Zeit für sie gewesen sein. Da Mona gerade so von sich erzählte, wollte ich es wagen und fragte sie weiter nach ihrer Geschichte von der ich noch nichts wusste: „Wie hast du eigentlich Jo kennen gelernt?“
In Erinnerungen schwelgend lachte Mona kurz auf.
„Ach Lis, du fragst Sachen. Er war gerade in der Ausbildung als ich auf ihn traf. Es war in der Zeit als ich kurz rückfällig wurde und wieder begann Menschen zu töten. Ich lauerte einem Mann in einem Park auf. Als ich ihn mir schnappte sah ich ihn zuerst in die Augen. Augen die mich ruhig und mitfühlend anblickten. In den Augen lass ich keine Panik, nur Verwunderung. Also liess ich ihn los, ich konnte ihn einfach nicht töten. Es ging einfach nicht.“ Mona blieb stehen und sah mich direkt an: „Es war ein absolut merkwürdiger Moment! Der Mann, also Jo, stand einfach da und sah mich an. Er hatte keine Panik und rannte nicht davon. Stell dir vor, er wollte tatsächlich wissen ob es mir gut ginge. Da platzte es aus mir heraus und ich erzählte ihm meine Geschichte. Eigentlich hatte ich damit gerechnet er würde schreiend los rennen. Dann hätte ich ihn eben getötet. Doch Jo hörte mir weiter geduldig zu und hatte immer noch keine Angst vor mir. Im Gegenteil er hatte bedauern. Sein Mitgefühl war wirklich echt. Also nahm er mich bei der Hand und mit in seine Wohnung. Von da an waren wir unzertrennlich. Jo versorgte mich regelmässig mit Blut. Und als Jo von der Gemeinschaftspraxis in Alaska hörte war für ihn klar, dass das unser sicherster Weg sein wird. Also nahmen wir den weiten Weg nach Alaska in kauf. Als auch Ben mit seiner Familie nach kam, begannen wir mit den Huskies und Pferden. Lis, ohne ihn würde ich, …nein wir, heute nicht hier stehen und ein friedliches Leben führen. Du kannst dir nicht vorstellen wie ich diesen liebevollen Menschen liebe. Jo gibt meiner Seele Frieden. Aus unserer Liebe entstand dann auch Joe. Was schon an ein Wunder grenzt. Wir bekamen etwas wovon wir nicht wagten zu hoffen. Ein riesen Geschenk. Durch meine Familie fühle ich mich menschlich.“
Ich hörte die Wärme in ihrer Stimme als sie mir grob einen Einblick gewährte. Selbst mir wurde es warm ums Herz. Was für eine hübsche Liebesgeschichte.
„Mona, du bist ein Mensch.“
Sie atmete schwer ein: „Nein, ich bin vor langer langer Zeit bereits gestorben. Ich lebe nur noch für meine Familie.“
„Jo ist ein Mensch, er wird älter. Wie geht ihr damit um?“
Mona lächelte zufrieden: „Ja da hast du wohl Recht. Aber in der heutigen Zeit ist das nicht wirklich ein Problem.“
„Willst du ihn eines Tages in einen Vampir verwandeln?“
„Gott bewahre! Meine Seele wird auch älter. Nur mein äusseres noch nicht. Und eines Tages möchte ich auch nicht mehr existieren. Nicht ohne Jo!“
Ich sah sie, quasi mit einem Fragezeichen im Gesicht an und sie erklärte lächelnd weiter: „Jetzt schau mich nicht so an. Dafür gibt es Schönheitschirurgen! Aber lassen wir das Thema für heute.“
Ich verstand einigermassen und lenkte das Thema wieder auf Joe: „Wenn wir also genügend Blut hätten würde es Joe sehr wahrscheinlich schaffen mit uns zu reisen. Was denkst du?“
„Schwierig zu Sagen.“ Zuckte sie mit ihrer Schulter kurz auf.
„Es gibt noch einiges zu überdenken. Weißt du, wieso er sich nicht vom Beschützer Instinkt lösen kann?“
„Er liebt dich!“ Grinste Mona heiter.
„Ja klar, …doch nicht so wie Paula.“
So langsam lief diese Unterhaltung in eine Richtung die mir gar nicht so gefiel. Mona sah mich seltsam musternd an.
„Er ist sehr glücklich mit Paula, sie haben einander gefunden. Wen du nicht Kiran hättest, wäre ich mir nicht sicher ob er sich nicht für dich entschieden hätte! Eventuell hätte er sogar um deine Liebe gekämpft.“
„Du denkst er hätte die Namen die unsere Seele trägt verleugnet! Mona…, niemals! So stark ist er auch wieder nicht.“
„Hm, ich weiss nicht…“, hörte ich nun Mona in Gedanken versunken. Das war definitiv nicht das Gespräch das ich suchte. Ich rümpfte meine Nase.
„Na dann sind wir doch froh, ist es nicht so gekommen. Wäre schade wenn ich sein Herz gebrochen hätte“, sprach ich so beiläufig wie möglich.
Mona blieb stehen und sah mich bestimmend an.
„Lis, es ist seine Bestimmung dich zu beschützen. Er kann nicht anders. Einer Bestimmung nicht mehr folgen zu können kann auch sehr schmerzhaft sein.“
„Das wusste ich nicht. Ich liebe ihn auch, wie einen Bruder.“
„Aber ja doch, das weiss ich.“
Nun lächelte sie mich geheimnisvoll an. Ihre Augen strahlten mich förmlich durch die Sonnenbrille an. Ich konnte sie kurz aufblitzen sehen. Was das wohl wieder zu bedeuten hatte.
„Lis, wir sind da, hier der Schlüssel.“
Da ich mit meinen Gedanken noch bei Joe war, war mir gar nicht aufgefallen dass wir bereits vor dem grossen Blockhaus standen. Gerne nahm ich den Schlüssel an mich, schloss auf und wir gingen hinein.
„Das Haus ist ja noch leer! Wieso sind da keine Möbel drin? Ich verstehe nicht…“, erstaunt drehte ich mich zu Mona, die immer noch lächelte. Ich verstand nicht weil alle anderen Hütten ja möbliert waren für die Gäste.
„Wir bauten dieses Haus aus einem Gefühl heraus. Wir glaubten an die Legende. Und hofften das derjenige oder diejenige hier bleiben werde. Du siehst, das ist euer Haus. Schon von Anfang an.“
Als Mona fertig gesprochen hatte viel mir erst auf dass mein Mund offen stand. Ich begann ihn zu schliessen. Eines führte also zum anderen. Es kommt wie es kommen musste. Jetzt verstand ich auch wieso Sandi und Julia das Haus gerne einrichten wollten. Es war ja noch leer!
„Geh schon und schau dich um“, sagte Mona immer noch leicht lächelnd und sichtlich stolz dass ihr die Überraschung gelungen war. Mit weit aufgerissenen Augen ging ich los. Der Eingang war grosszugig. Dann gab es auf dieser Etage noch ein WC mit Dusche, eine Küche mit offenem grossem Essplatz. Ein eher kleines Wohnzimmer und ein kleines Gästezimmer. Oben befanden sich nochmals drei kleine Zimmer und ein Bad/WC. Die Holzbalken an der Decke in den Oberen Zimmern gefielen mir sehr gut. Das Haus war gut genützt und die schönen grossen Fenster gaben viel Licht hinein. Als ich wieder nach unten ging traf ich Mona im Wohnzimmer an. Sie stand am grossen Fenster und sah nach draussen in die Weite.
„Es ist wunderschön, fühle mich geehrt hier wohnen zu dürfen. Ich bin überzeugt dass es Kiran auch gefallen wird, keine Frage.“
Mona blickte immer noch nach draussen.
„Das freut mich zu hören“, sagte sie sichtlich abwesend.
„Mona ist alles in Ordnung? Du siehst besorgt aus.“
„Hm…, da draussen ist etwas. Ich sehe sehr gut und sehr weit. Ich habe etwas Kleines wahrgenommen und im nächsten Moment war es wieder weg. So als wäre da nie etwas gewesen.“
Ich versuchte mich zu konzentrieren, sah aber beim besten Willen noch nichts. Meine Augen sahen natürlich längst nicht so weit wie die der Vampire oder Werwölfe. Dafür konnte ich jetzt Joe riechen. Was macht denn dieser schon wieder hier, ging es mir durch den Kopf. „Joe schleicht sich hier auch herum“, gab ich beiläufig von mir. War jetzt aber auch etwas angespannt. Denn wenn Joe das Gefühl hatte er müsse mich beschützen ist das irgendwie nicht so gut. Denke ich.
„Seid ihr in Alarmbereitschaft?“, wollte ich nun genauer wissen.
„Ja!“, gab mir Joe zur Antwort der gerade lautlos zur Türe hereinkam, die ja immer noch offen stand. Joe sprach weiter:
„Konnte nichts Ungewöhnliches entdecken. Es scheint als wäre alles in Ordnung. Es riecht bloss etwas seltsam…“
Joe zuckte mit der Schulter. Plötzlich hörten wir ein Glucksen. Ich drehte mich um und konnte ihn sofort sehen. Die Vampire waren sofort angespannt, begannen zu grollen, ihre Augen verdunkelten sich und sie zeigten ihre Zähne. Dabei verdunkelten ihre Augen beängstigend. Auch sonst sah ihr Gesicht anders aus. Ihre Venen traten hervor. Bei Joe sah ich dass sogar an seiner Hand und seinem Arm die Venen hervor standen. Dabei schien er jetzt bleicher wie sonst. Er sah fast so aus wie eine Wachsfigur im Gruselkabinett. Mona und Joe standen automatisch vor mich hin um mich zu schützen. Das gehörte mitunter ja zu ihren Aufgaben. Ich hielt meine Hand vor meinen Mund und begann zu kichern. Für mich war das gerade Situationskomik. Gleichzeitig war das Glucksen auch wieder zu hören. Joe’s grollen wurde lauter, er war ausser sich.
„Lis, was gibt es da zu kichern!“
Schrie er mich lauter an als er wollte. Es lag nun an mir die Sachlage aufzuklären.
„Entschuldigt…, bitte…, beruhigt euch es ist Suck der Zwerg.“
Die beiden verstanden so ganz und gar nicht wovon ich gerade sprach. Die Verwirrung war in Ihren Gesichtern zu lesen. Suck war einer der Elfen die verborgen im Wald lebte. Ich lernte ihn damals mit Marius kennen. Suck bot mir an aus dem ehemaligen Heim von Marius eine Zufluchtsstätte für mich zu schaffen. Denn einen schöneren, entspannteren Ort wie diesen kann ich mir nicht vorstellen. Dort spürt man die Friedlichkeit wie Elfen, Zwerge und die Tiere miteinander leben. Ein Ort des Friedens wurde dort erschaffen. Ich löste mich von Mona und Joe ab und ging in die Mitte des Raumes. Dann kniete ich mich hin. Ich konnte den neckischen Zwerg, im Gegensatz zu den anderen, ja sehen. Ich lächelte für die anderen sozusagen in die Leere hinein.
„Suck bitte zeig dich. Es wird dir nichts passieren. Sie lassen dich in Ruhe. Das verspreche ich dir.“
Prüfend sah ich zu Mona und Joe hinüber. Die beiden waren noch immer sehr verwirrt. Es amüsierte mich einwenig dass ich die einzige in diesem Raum war die Suck sehen konnte. Ich sah ihn sogar dann wenn er für andere Unsichtbar war. Das musste wohl zu meiner Gabe gehören. Nun sah ich nochmals zu Mona und Joe hinüber um mich zu vergewissern dass sie mich verstanden hatten Suck nichts zu leide zu tun. Beide standen noch ziemlich Ratlos dort aber nickten mir vertrauensvoll zu. Sie vertrauten mir. Und sie beruhigten sich.
Plötzlich stand er da, direkt vor uns. Suck der Zwerg zeigte sich den anderen. Sein rundes Gesicht begann zu strahlen und man sah seine Zahnlücke die er zwischen den Schaufeln hatte. Sein rotes kurzes Haar war immer noch ganz wild gelockt. Er sah wirklich witzig aus. Wie ein Kind das nie erwachsen wurde und doch alterte. Schon wenn man in ansah musste man automatisch lächeln. Ich war in der Hocke etwa gleich gross wie er und sah ihm direkt in seine braunen grossen Augen.
Ich fragte ihn: „Was machst du denn hier?“
„Nach dir schauen. Schauen wie es dir so geht.“ Sprach er in seiner eigenen Art und Weise.
„Suck, mir geht es ausgezeichnet. Muss für längere Zeit verreisen komme aber zurück und werde mit Kiran in diesem Haus hier leben. Das wird unser zu Hause sein.“
Nun kniff Suck sein Gesicht zusammen.
„Aha, das ist gut so. Gute Neuigkeit. Ich bin fertig. Kommst du schauen. Ob dir das Häuschen gefällt?“
So langsam verstand ich warum er uns besuchen gekommen war.
„Ja, bevor wir gehen kommen wir vorbei und schauen uns das Häuschen im Wald an. Das ging ja wirklich schnell.“ Ich legte ihm eine Hand auf die Schulter um meiner Aussage an Gewicht zu verleihen: „Das verspreche ich dir.“
Sein Gesicht hellte sich auf. „Gut so. Wir freuen uns.“
„Ich mich auch. Übrigens dass sind Mona und Joe, meine Freunde.“
Suck begann laut zu Lachen, dass sich wieder wie ein glucksen anhörte. Als er sich beruhigte kam sein Kommentar:
„Elisabeth, ich sie kennen. Sie haben mich nie gesehen. Können wahnsinnig gefährlich sein. Besser sie sind deine Freunde.“
„Da hast du bestimmt Recht. Damit du es weißt, du hast von ihnen nichts zu befürchten. Du bist auch mein Freund, also bist du auch ihr Freund.“
„Gut. Du erklärst ihnen alles. Ich jetzt einfach gehe. Ich erwarte euch.“
So lautlos und unsichtbar wie er gekommen war ging er wieder. Ich stand auf und wendete mich Mona und Joe zu. Beide starrten mich mit grossen weiten Augen an.
„Ich fühle ihn nicht mehr. Er ist tatsächlich gegangen“, sprach Joe mit einem Gesichtsaudruck aus Verwirrung und Staunen.
„Das war Suck der Zwerg den ich bei Marius im Wald angetroffen habe. Da mir Marius diese Gabe zurückgab, bin ich irgendwie in Verbindung mit den Zwergen und Waldelfen getreten. Sie leben an diesem wunderschönen Ort im Wald in Harmonie. An diesem schönen Flecken steht Marius kleines Häuschen das Suck für mich und Kiran umgestaltet hat. Sodass wir jeder Zeit ein Zufluchtsort haben. Anscheinend ist er jetzt damit fertig. Er wollte mir nur bescheid sagen.“
Joe wendete sich mir zu: „Das hast du uns ja mal erzählt ich weiss. Aber ich konnte mir kein Bild machen und ihn jetzt hier stehen zu sehen war – speziell trifft es wohl am besten.“
Ich lächelte Joe an und er kam ganz nah auf mich zu. Ich sah in seine hellblauen Augen die bei seinem dunklen Typ schon sehr auffällig sind. Sein braunes langes Haar hat er hinten zusammen gebunden. Ein hübscher junger Mann der mir sehr, sehr viel bedeutete. Er sah mir ebenfalls direkt in die Augen und schloss mich dann in seine Arme. Mona stand hinter Joe und ich konnte ihr direkt in die Augen blicken. Ihr Blick sagte alles. Darin stand: Siehst du ich habe dir ja gesagt er liebt dich. Ich verdrehte meine Augen und sie begann verstohlen zu schmunzeln.
„So, ich geh dann mal wieder und ihr könnt eure Frauen Gespräche weiter führen.“
Er liess mich los und strich mir sanft übers Haar. Beim nächsten Augenaufschlag war er auch schon wieder lautlos verschwunden. Ich seufzte auf.
„Lis, ich bin froh Suck mal gesehen zu haben.“ Sprach Mona ehrlich.
Erstaunt sah ich Mona an: „Wie meinst du das?“
„Manchmal steht bei mir in der Küche ein neues Gewürz oder ein Kraut. Manchmal habe ich gerochen dass da noch jemand in der Küche steht. Habe – es, also ihn – aber nie gesehen.“
„Du denkst es war Suck?“
„Nicht ich denke. Meine Liebe, ich weiss dass er es war, er riecht gleich. Ich konnte ihn jedes Mal riechen, aber er schien mir nie gefährlich. Ich habe ausgezeichnete Riechorgane. Das nächste Mal werde ich ihn wohl zu sehen bekommen wenn ich ihn fühle. Hoffe ich doch.“
Der kleine Suck war wohl ein sehr neugieriges Kerlchen. Das konnte ich mir nur zu gut vorstellen. Danach gingen wir in Richtung Aufenthaltsraum. Mona ging zurück in ihre Küche und ich wollte mich auch noch einwenig hinlegen. Also machte ich mich auf in die kleine Blockhütte. Doch diese leere in einem wenn der Partner weg war, fühlte sich schon etwas seltsam an. Daran musste man sich zuerst gewöhnen. Wie gross meine Liebe zu Kiran war konnte ich nicht in Worte fassen. In Gedanke an meinen Kiran schlief ich wohl ein. Ich schief sehr unruhig und wälzte mich hin und her. Seit geraumer Zeit gab es da eine Stimme die nach mir suchte. Ich verschloss mich so gut wie möglich. Doch diese eine Stimme schien mich immer und immer wieder zu finden. Noch nie hatte ich Kiran davon erzählt. Was sollte ich auch erzählen. Ich konnte ja selbst noch nicht deuten wer oder was diese Person ist oder will. Plötzlich war da wieder einmal diese seltsame, beunruhigende Stimme in meinem Kopf zu hören: – *Ich suche nach dir. Gib mir einen Hinweis wo du bist. Ich werde dich sowieso finden. Die Zeit arbeitet für mich. Wehre dich nicht…Du gehörst zu mir. Nur mir* –
Ich wollte diese Stimme nicht hören. Die Stimme war zuckersüss und sehr verlockend aber ich wusste nicht was oder wer es ist. Ich verdrängte diese Stimme wieder und bekam die Ruhe die ich brauchte. Doch mein Traum holte mich weiter ein: wieder wurde ich im Traum verfolgt. Ich rannte so rasch mich meine Beine trugen. Schreiend erwachte ich! Ich öffnete ruckartig meine Augen. Ich war aufgewacht… Mein Blick viel sofort auf Kiran der im Türrahmen stand. Die Arme verschränkt mit einem Gesicht das sein Unbehagen wieder spiegelte stand er da vor mir.
„Wie lange stehst du schon da?“, fragte ich neugierig und noch etwas verwirrt. Ich rieb mich in den Augen und sass auf.
„Lange genug um zu sehen dass da etwas mit dir nicht in Ordnung ist. In letzter Zeit hast du diese Alpträume und sprichst nicht darüber. Ich weiss davon. Habe gehofft du erzählst es mir aus freien Stücken. Ich mache mir Sorgen. Erzähl mir davon.“
Wieder mal ein Gespräch das ich nicht führen wollte. Ich seufzte auf. Natürlich versuchte ich abzulenken, denn ich wusste genau von was er sprach. Ich wollte ihn beruhigen und weichte etwas ab: „Glaub mir es sieht schlimmer aus als es ist. Ich habe mit Mona das Haus angesehen, es ist wundervoll.“
„Du lenkst ab.“
Himmel, er sah sogar gut aus wenn er sich sorgen machte. Da war er wieder, der stechende Blick von Kiran. Wen er mich mit seinen schönen grünen Augen so ansah. Ich konnte ihm nicht ausweichen. Keine Chance! Mein Magen zog sich zusammen. Ich fühlte mich wie ein Kleinkind das gerade bei einem Unsinn ertappt wurde. Ich stürzte meine Lippen und seufzte. Also stand ich auf als ich weiter zu erklären versuchte: „Wenn ich aber noch nicht so weit bin um darüber zu sprechen?“
„Weshalb solltest du mir etwas verschweigen wollen?“
Tusche! Eins zu null für ihn.
„Es gibt Dinge die begreife ich einfach noch nicht. Insofern sehe ich nicht ein dass ich es irgendjemandem erzählen sollte. Darum warte ich lieber noch etwas ab. Je nachdem erledigt es sich von selbst, ohne dass sich irgendjemand Gedanken darüber machen musste.“
Kiran wurde lauter und seine Augen funkelten etwas wild.
„Wann lernst du endlich dass ich nicht irgendjemand bin.“
Er drehte sich abrupt um und ging aus dem Schlafzimmer. Das nächste was ich hörte war eine Eingangstür die zugedonnert wurde. Ich seufzte etwas auf und ging ins Wohnzimmer. Durfte ich denn gar keine Geheimnisse mehr haben. Eine normale Beziehung zwischen Mann und Frau war ja schon schwierig. Doch mit einem Wesen das ungeheure Kraft besitzt und deine Seele kennt … Also ging auch nach draussen um nachzusehen wo Kiran steckt. Ich hatte mir schon gedacht dass er auf unserer kleinen Veranda sass. Wenn er über etwas nachdachte ging er immer nach draussen. Er brauchte dann mehr Raum und Luft. In Räumen fühlte er sich zu sehr eingeengt. Das war wohl eindeutig der Wolf in ihm. Also setzte ich mich einfach kommentarlos neben ihn hin. Liebevoll wandte er den Kopf zu mir und sah mich an. Küsste mich schliesslich auf den Kopf.
„Entschuldige dass ich laut wurde. Alles was mit dir zu tun hat belastet mich. Marius, der mir kurz vor seinem Tod erklärte ich müsse immer auf dich aufpassen. Und Joe, der auch immer in Alarmbereitschaft steht wenn es um dich geht. Ein Wunder dass er nicht schon da steht.“ Kiran rollte seine Augen. „Wenn du Alpträume hast bedeuten die sicherlich etwas. Da brauchen wir und nichts vorzumachen. Keine Frage, die haben immer ihre Bedeutung. Versteh doch…“
„Ja, sicher bedeuten sie etwas. Aber ich habe noch keine Ahnung was es bedeuten soll.“
„Ach liebes, du musst doch noch gar nicht wissen was sie zu bedeuten haben. Wichtig ist nur, dass du mir davon erzählst. Unsere Beziehung ist seltsam ich weiss das ja auch. Um so wichtiger erscheint es mir dass wir einander völlig Vertrauen. Du solltest nichts für dich behalten. Setzt doch mal so etwas auf deine Prio-Liste.“ Jetzt musste ich etwas lächeln und er fuhr weiter: „Bitte erzähl…, was sind es den für Träume?“
Er strich mir sanft übers Haar. Ich lehnte mich an ihm an und er hielt mich mit einem Arm fest. Also beschloss ich es zu erklären so gut es eben ging.
„Ich höre eine Stimme, sie lockt mich, sie ist zuckersüss. Die Stimme wirkt vertraut und so nett. Die Stimme sucht nach mir, … vielleicht. Doch ich gebe dieser Stimme keine Antwort. So lange ich sie verdrängen kann mache ich das. Es ist irgendwie unheimlich. Dann gibt es da noch diesen unwirklichen Traum. Im Traum bin ich am wegrennen. Ich renne weg aus Angst, … nehme ich an. Aber ich weiss es nicht genau. Mehr ist da wirklich noch nicht.“
Kiran kniff die Augen eng zusammen als er mich dann eingehend ansah.
„Liebes, das ist schon relativ viel. Das bedeutet wohl dass dich jemand sucht. Egal ob gut oder böse. Früher oder später wird es dich finden. Wir müssen solche Dinge wissen damit wir nicht überrascht werden. Verstehst du dass den nicht?“
„Nein, ich finde es zu übertrieben. Ihr müsst nicht immer in Alarmbereitschaft sein. Einwenig kann ich mich ja auch wehren. Das weißt du ganz genau. Ich kann euch schmerzen durch Gedanken zufügen. Auch dich kann ich notfalls auf Distanz halten. Zumindest für einen kurzen Moment.“
Kiran wusste es nur zu genau und nickte mir zustimmend zu.
„Manchmal verstehen wir einander einfach nicht. Wir sprechen nicht immer dieselbe Sprache“, seufzte er.
„Da hast du Recht. Eben typisch Mann und Frau, wir denken definitiv anders. Ich hab da mal ein Buch gelesen Frauen sind vom Venus und Männer vom Mars. Oder war das umgekehrt…“
Ich musste laut lachen und Kiran nahm mit seiner Hand mein Kinn und hob es an. Dann bekam ich einen liebevollen zärtlichen Kuss. Ich lehnte mich wieder an ihm an und erzählte ihm von meinem ereignisreichen Tag. Erzählte ihm vom Haus das mir Maria gezeigt hatte und von Suck. Auch davon dass wir Suck noch besuchen sollten bevor wir in die Schweiz zurück reisen. Ich hatte etwas Angst dass Kiran es wieder verneinen würde. Wie beim letzten Mal als ich darum bat. Damals war ich in einer schwierigen Situation und er hatte Recht mir damals nicht zuzustimmen. Um ein Haar hätte ich mich nach Marius Tod von Kiran abgewandt. Damals war ich so durch den Wind. Um ein Haar hätte ich mich ins Unheil gestürzt. Damals wollte ich diese Magie nicht annehmen und war einfach überfordert mit der neuen Situation. Im Grunde war ich das heute auch noch etwas. Es kam damals einfach zu viel auf einmal auf mich zu. Doch diesmal wurde ich von Kiran sehr überrascht als er beiläufig aussprach: „Das ist eine wirklich gute Idee. Ich denke du bist so weit.“
„Ehrlich? Wir besuchen Suck… Du sagst nicht nein und kommst mit?“
„Jupp.“
Dankbar lächelte ich ihn an. Ein Stein viel mir vom Herzen.
„Kleines, da gibt es etwas dass ich dir gerne erzählen würde“, er sah mir direkt in die Augen. Er sah mich so eindringlich an dass es mir fast etwas unwohl war. Was hatte dieser Blick denn zu bedeuten? Angst machte sich in mir breit. Doch Kiran sprach langsam und deutlich damit ich ihm genau zu hörte: „Wir beide fliegen zusammen mit Tom und Tori zurück in die Schweiz. Genau in einer Woche sitzen wir gemeinsam im Flugzeug.“
Ich staunte nicht schlecht und sah ihn mit grossen Augen an. Automatisch begann ich zu lächeln. Was für eine wunderbare Überraschung!
Er erklärte aber noch weiter: „Ich habe bereits eine Liegenschaft gefunden für die Zweig- Niederlassung. Den Rest regelt mein Vater wenn er hier vor Ort ist. Unsere Aufenthaltsbestimmungen für Alaska sind auch schon in Abklärung, darüber musst du dich nicht mehr kümmern. Das kannst du von deiner Prio – Liste streichen.“
„Wie hast du…“, ich kam aus dem staunen nicht mehr raus und machte grosse Augen. Was dieser Kerl alles in so kurzer Zeit erledigen konnte. Schon etwas unheimlich, wenn man genau darüber nachdachte. Er hatte wohl meine Prio-Liste doch genauer unter die Lupe genommen als ich annahm.
„Vertrau mir einfach“, er strich mir übers Haar, „für Joe und Paula habe ich auch einen Flug gebucht, sie kommen auch mit. Sie wissen zwar noch nicht bescheid…“
„Aber wie? Ich meine, wie kommen wir an das Blut für Joe?“ Platzte es aus mir heraus und ich unterbrach Kiran. Kiran schien über meine Aufregung amüsiert zu sein. Er grinste breit. Natürlich konnte er mein Herzklopfen hören. Er legte seine Hand sanft auf die Stelle wo mein Herz schlug. Meine Aufregung amüsierte ihn also ein wenig.
„Kleines, mein Vater hat Beziehungen. Jo hat beim ausführen des gemeinsamen Plans geholfen. Joe wurde von Jo, in der Schweiz, im nächstgelegenen Spital angemeldet mit einer seltenen Krankheit. Frag mich bloss nicht wie die genau heisst. Dieses Fachchinesisch verstehe selbst ich nicht. Diese Krankheit setzt eine regelmässige Bluttransfusion vor. Er muss dafür nicht ins Spital, die Transfusion wird zu Hause gemacht. Da Joe, angeblich, von einer Pflegerin betreut wird. Und ich bin berechtigt jederzeit dieses Blut ein zu fordern.“
„Du bekommst wirklich Menschenblut? Einfach so?“
„Ich hätte auch Tierblut genommen, aber diese Lösung gefällt mir besser. Ein genialer Plan. Musst auch du zugeben.“
Kiran grinste wieder breit und ich nickte zustimmend: „Du bist einfach unglaublich.“
„Damit ist es allerdings noch nicht erledigt. Ich möchte mindestens 3 Tage, bevor wir abfliegen, in Fairbanks verbringen. Mit Joe und Paula zusammen. Wir müssen unter die Menschen gehen, damit wir sehen wie Joe sich verhält. Damit wir Notfalls ihren Flug noch stornieren können. Wir wissen noch nicht was uns mit Joe erwartet. Deshalb bin ich lieber vorsichtig.“
„Gute Idee! Du arbeitest wirklich gewissenhaft. Gegenüber meinen Träumen ist das doch wesentlich wichtiger. Finde ich.“
Ich stupste ihn mit meinen Ellenbogen an. Er stupste zurück. Vergass aber seine Kräfte zu zügeln. Und ich fand mich auf der anderen Seite der Veranda wieder. Na, das würde wieder mal ein zwei blaue Flecken mehr geben. Kiran war natürlich sofort bei mir und half mir auf.
„Bitte entschuldige, ich wollte nicht…“
Er sah mich natürlich schuldbewusst an.
„Grosser, das weiss ich doch.“
„Bereit für das gemeinsame Nachtessen bei Mona und Jo?“
Ich nickte ihm zu. Ausnahmsweise landete ich mal nicht über seinen Schultern. Denn meistens warf er mich einfach über seine Schulter und im nächsten Moment hatten wir das Ziel bereits erreicht. Heute hob er mich sanft hoch und küsste mich. In seinen Blick konnte ich lesen dass er lieber mit mir zurück in die Hütte gegangen wäre. Sein Sinn stand wohl nach etwas anderem. Ich lachte kurz auf und strubelte ihm durch sein halblanges Haar und er trug mich zu Mona und Jo hinüber. Oh ja, ich genoss diese Art von Zuwendung doch sehr. So auf Händen getragen zu werden hat schon was für sich. Und für ihn war es noch nicht mal anstrengend. Wir waren jedoch, wie so oft, wieder die letzten.
Kiran erzählte allen ausführlich was er heute alles erreicht hatte. Joe war sprachlos vor Freude als er die Nachricht erhielt mit uns mitgehen zu können. Monas Augen verdunkelten sich. Also hatte Jo bis jetzt dicht gehalten und ihr nichts davon erzählt. Ben, ihr Bruder, spürte Ihren Kummer und legte seine Hand auf ihre Schulter. Joe umarmte seine Paula und schwelgte im Glück. Als sein Blick auf seine Mutter viel, verstand er. Sofort stand er auf und ging zu ihr hin um sie zu trösten.
Es war ein sehr bewegender Moment.
Mona wusste wie gefährlich die Welt da draussen sein konnte. Joe nicht und das gab Mona dieses Unbehagen. Meine Gedanken schweiften automatisch zu meiner Familie. Wie ging es wohl meiner Mam? Auch sie war ständig in Sorge um mich. Mutter ist man wohl ein ganzes Leben lang.
Kiran bedankte sich noch für das Haus und wollte sich noch um das Finanzielle kümmern. Da Steven unser EDV Spezialist war bat Kiran, Steven im Haus noch einen separaten Computer Anschluss zu installieren. Dann fachsimpelten sie etwas über Computer und anderes Zeugs das noch installiert werden musste. Reine Männersache!
Etwas später erzählte Kiran allen von meinen Träumen. Dafür kassierte Kiran einen bösen Blick von mir. Er wusste genau dass ich es nicht erzählt hätte. Joe war sich jetzt sicher dass es eine gute Idee ist dass er mit uns reist.
Schlussendlich waren alle mit Kirans Plan einverstanden. Sie fanden es eine ausgezeichnete Idee einige Tage früher nach Fairbanks zu reisen um Joe zu testen. Im Notfall würden wir die Not-Bremse ziehen, dass wussten alle genau. Ein gutes Gefühl kam auf. Es gab uns irgendwie so etwas wie Sicherheit. Später wollten Julia und Sandi unseren Geschmack der Einrichtung ganz genau wissen. Ich erinnerte mich an Kirans Wohnung in London und fand er soll es regeln. Sein Geschmack gefiel mir besser als mein Durcheinander bei mir zu Hause. Ich bin doch etwas Chaotischer veranlagt als Kiran. Bei mir war alles wild und irgendwie bunt zusammengewürfelt. Kirans Einrichtung war modisch und klassisch, das gefiel mir sehr gut. Chaotisch würde es durch mich sowieso mit der Zeit.
Der nächste Tag begann sehr ruhig. Seit langem war es zwar wieder etwas bewölkt. Doch Mona und Ben würde dieses Wetter sehr entgegenkommen. Das wusste ich mittlerweile. Natürlich nützten die Jungs die Zeit um ihre Kräfte zu messen. In dieser Zeit des Trainings half ich etwas im Stall aus. Ausser Huskys hatten sie auch ein paar Pferde die zu versorgen waren. Ich Striegelte die Pferde sehr gerne. Es waren wirklich hübsche Pferde. Ein brauner Wallach gefiel mir ganz besonders. Er war nicht nur seine Farbe, auch der Charakter des Wallachs war sehr ausgeglichen. Wenn ich mal nicht so gute Laune hatte konnte ich zu ihm hingehen und mich trösten lassen. Ich wusste dass Kiran die Natur brauchte um gewisse Dinge besser verarbeiten zu können. Bei mir waren es die Pferde. Kiran wusste genau wann er mich dort antraf. Nun gut, eigentlich konnte ich mich ja nie wirklich verstecken. Kiran roch mich überall… Fast so als wäre ich eine läufige Hündin. Das war nicht immer Angenehm. Auch ich brauchte meine Zeit für mich.
Cam erzählte mir mal dass es eine Zeit gab da haben sie auch mal ein Pferd oder Husky gerissen. Es brauchte wohl seine Zeit dass sie so geworden sind wie sie heute waren. Bei dem Gedanken bekam ich Gänsehaut. Manchmal fragte ich mich was es für ein Gefühl sein musste diesen Drang nach Blut in sich zu spüren. Da nur die reinen Vampire, also Ben und Mona, sich nur von Blut ernähren mussten, müsste ich wohl diese beiden danach fragen. Die Halbvampire nahmen ja auch normales Essen zu sich. Wie sie mir erklärten schmeckt es ihnen einigermassen und sie assen das Fleisch vorzugsweise ziemlich blutig. Eigentlich wäre es nicht notwendig das Fleisch zu braten aber wenn man unter Menschen lebt, tut man gut daran sich wie ein Mensch zu verhalten. Blut sei für sie so etwas wie eine Delikatesse! Was für reiche Leute der Kaviar oder Trüffel sei, war für sie das Blut. Dementsprechend genossen sie ihre Delikatesse den sogenannten Tomatensaft. Der Tomantensaft wurde nicht als Selbstverständlichkeit angesehen. Ein schöner Zug, wie ich fand. Wenn sie mal längere Zeit ohne Blut auskommen mussten sah man es ihnen allerdings an. Sie wurden etwas bleicher um die Nase. Auch ihre Geduld hielt sich dann in Grenzen und sie waren etwas ungestümer als sonst. Dann war es wohl an der Zeit etwas Blut zu sich zu nehmen. Cam war dann vor allem etwas jähzornig und noch ungeduldiger als er sonst schon war. Dann hing er sprichwörtlich an seinen Zigaretten und schien förmlich an seinem Glimmstängel zu kleben. Cams Vampir Anteil war wohl grösser als der von seinem Bruder Steven. Steven war viel ruhiger und durchdachter.
Kiran kam ganz gut aus ohne Blut. Er war mehr der Jäger der ab und an mal „Frischfleisch“ brauchte. Er liebt rohes Fleisch. Es gab schon Zeiten da wurde er nur so zum Wolfsmensch um sich auf die Jagt nach frischem Fleisch zu machen. Er brauchte die Jagt mehr als alle anderen. Er musste einfach auf die Jagt. Das lag wohl an seinem Bewegungsdrang und dem Bedürfnis nach Freiheit. Wenn Kiran auf der Jagt war taten die anderen gut daran nicht in den nahen Wald zu gehen. In seinem Wolfzustand war Kiran nicht immer berechenbar. Es gab mal einen unschönen Zusammenstoss mit Paula. Doch Paula verwandelte sich Blitzschnell in ihr Ponywesen und war schnell genug. Klar hätte Kiran sie sehr wahrscheinlich eingeholt. Damals blieb er bei seinem gerissenen Wild. Eigentlich hat er nur seine Beute verteidigt. Trotzdem war es ein Zusammenstoss der anderen Art. Kiran war es im Nachhinein etwas peinlich. Und wir waren froh dass nichts geschehen war. Wir wussten nur dass wir vorsichtig sein mussten. Jedes Mal wenn Kiran von einer solchen Jagt zurückkam musste ich ihm sein Fell sprichwörtlich abziehen. Er sah bei seiner Rückkehr jeweils etwas verfetzt aus da sich nur ein Teil des Felles von selbst ablöste. Eigentlich verwandelte er sich nicht so gerne in das Wolfwesen, zumal er nicht ein reiner Wolf war. Doch wenn ich ihn vom restlichen Fell befreite genoss er meine Fürsorge doch sehr. Danach noch eine lange ausgedehnte Dusche und er roch wieder nach Mensch. Als wäre er nie etwas anderes gewesen.
Etwas später hing ich mit meinen Gedanken bei Sandi und Julia. Ihre Schwangerschaften waren anders. Sie tranken, seltsamer weise, nicht mehr so viel Blut. Assen dafür mehr blutiges Fleisch. Ähnlich wie Kiran. Ich habe schon von Übelkeit während einer Schwangerschaft gehört. Bei normalen Menschen versteht sich. Bei den beiden war es irgendwie…, anders. Sandi ging es sehr gut, sie blühte förmlich auf. Ihre Haut schien nicht mehr blass eher leicht rosa. Sie war noch menschlicher wie sonst. Julia war auch glücklich das konnte man sehen. Auch ihre Hautfarbe wurde menschlicher. Aber sie stiess Steven immer mehr zurück. Eigentlich zeigte sie Steven gegenüber grosse Aggression. Darüber machte ich mir gerade Sorgen als ich das Pferd fütterte und aus der Pferdebox trat. Plötzlich stand Steven vor mir. Ich erschrak und liess den Kessel fallen. Steven war ein ruhiger, sehr führsorglicher Halbvampir. Ich denke er war ein guter Lebenspartner, ein richtiger Familienmensch. Eigentlich spürte man ihn nicht wirklich, Steven war einfach da. Wie in guten so auch in schlechten Zeiten. Doch heute sah er mich verzweifelt an und drückte mich etwas unsanft an die Wand. Ich war sehr irritiert. Ich zog meine Augenbrauen zusammen. Automatisch bekam meine Stirn Falten. Stevens Kehle begann zu grollen und er sprach leise: „Hast du eigentlich bemerkt wie gut du riechst? Du riechst immer verführerischer. Es ist wirklich schwer dir zu widerstehen. Gabe hin oder her. Du bist und bleibst ein Mensch.“
„Steven…, bitte…, WAS!?“
Mehr brachte ich nicht mehr aus mir raus. Ich hatte tatsächlich einen kleinen Anflug von Panik. Er legte eine Hand auf meinen Brustkorb um meinen Puls zu fühlen. Dabei schloss er seine Augen und fuhr seine Reisszähne aus. Ich empfand die Situation überaus seltsam und unwirklich. Wusste nicht was ich davon halten sollte. Ich versuchte ihn anzulächeln und wollte wissen:
„Steven, was ist denn bloss los?“
„Julia ist schwanger und verweigert mir ihre Liebe. Egal was ich tue, ich komme nicht an sie heran. Wenn sie mir wenigsten erklären würde,…sie stösst mich weg. Und du bist hier, du riechst so gut.“
Ich konnte sehen wie er leidet. Stevens Gesicht war schmerzerfüllt als er weiter erklärte: „Lis, ich bin ein Vampir. Ich könnte dich hier und jetzt einfach beissen. Ich könnte dich verführen, dich töten, dein Blut aus dir saugen…All das würde mir vergnügen bereiten. Es würde mir hier und jetzt Erleichterung bringen…“
Seine Worte hinterliessen bei mir einen Schauer des Unbehagens. Er benutzte die Worte eigentlich so als würde er mehr zu sich als zu mir sprechen. Er schien einfach verzweifelt. Oder?
In meinen Augenwinkeln sah ich Cam am Eingang. Und im nächsten Moment stand er schon neben Steven. Cam grollte jetzt leise, nur so dass Steven ihn bemerkte.
„Bruder, lass sie los, das ist nicht die Lösung deines Problems“, sprach Cam warnend auf seinen Bruder ein.
Was für eine bizarre Situation. Cam wollte mich beschützen. Wobei ich auch für ihn ein Festmahl sein könnte. Ich wusste genau dass bei Joe die Alarmglocke läuten musste. Ich versuchte ja keine Angst zu zeigen damit wir das Problem vielleicht so aus der Welt schaffen würden. Doch beim leisesten Hauch von Angst war Joe schon unterwegs. Das wusste ich ganz genau. Und wenn Joe unterwegs war, war es Kiran bestimmt auch schon. Ich musste mich beeilen um die Situation hier zu entspannen. Ansonsten konnte es sehr unangenehm werden. Also sprach ich ruhig und bestimmt auf Steven ein:
„Steven lass mich los, die anderen kommen. Sie sind gleich hier.“
Er sah mich an lies mich aber immer noch nicht los. Ich musste reagieren bevor die anderen da waren und sendete mit meinen Gedanken ein scharfes und lautes: - *LASS MICH JETZT LOS!* –, aus. Dass auch sofort seine Wirkung auf Steven hatte. Er liess von mir ab und hielt seinen Kopf fest. Eigentlich hätte er es wissen müssen dass ich nicht einfach so, zu überwältigen war. Auch ich konnte schmerzen zufügen wenn es die Situation erforderte. Und diese hier erforderte sie wohl oder übel. Ja, ich war und bin Mensch. Ein Mensch mit aussergewöhnlichen Fähigkeiten. Durchaus ein Mensch der nicht zu unterschätzen war.
„Danke Lis, ich habe es verstanden. Bitte entschuldige“, stöhnte Steven auf.
Von Cam kamen die bewundernden Worte: „Wow, das ist ja cool. Du bist nicht so zerbrechlich und wehrlos wie du aussiehst, kleine Hexe.“
Dann grinste mich Cam weiter frech an während er sich um Steven kümmerte. Joe und Kiran fanden uns so vor. Sie versuchten die Situation zu deuten. Ihnen schien klar zu sein dass ich Steven zu Recht gewiesen hatte. Da der immer noch mit einer Hand seinen Kopf hielt. Sein Kopf würde bestimmt noch ein zwei Stunden schmerzen. Ich fand das hatte er verdient. Ausserdem waren da noch Sandi und Julia die ihm Linderung bieten konnten. Kiran kam direkt auf mich zu, sah mir dabei fragend in die Augen. Er schien in meinen Augen nach Antworten zu suchen: „Alles in Ordnung?“
„Ja, bestens. Ist etwas?“, neckt ich.
Kiran hielt seinen Kopf schief und schüttelte ihn leicht amüsiert hin und her. Er wusste genau ich würde nichts erzählen. Nicht jetzt und nicht hier. Cam nahm seinen Bruder und meinte Sandi würde sich bei Gelegenheit um Julia kümmern. Ich lächelte die beiden an und gab Steven einen Kuss auf die Wange. Endlich lächelte er auch wieder.
„Danke“, hörte ich ihn nochmal sagen bevor sie ganz weg waren. Joe und Kiran standen etwas ratlos da. Zwei grosse stattliche Männer mit fragendem Gesichtsausdruck. Was für ein Bild. Ich fühlte mich eigenartigerweise so stark und überlegen wie schon lange nicht mehr. Heute war ich im Vorteil. Ein wirklich gutes Gefühl. Ja, es fühlt sich sogar sexy an so Machtvoll zu sein.
Joe scherzte: „Hey Schweiz, würdest du uns vielleicht aufklären? Nur damit wir wissen warum wir ihn bei Gelegenheit in den Arsch treten sollten.“
Nun lachte ich laut auf und gab Joe einen leichten Klaps auf seinen Oberarm. Natürlich bekamen sie keine Antwort. Also legte Kiran seinen Arm auf meiner Schulter ab und schlenderte mit mir zurück in die Blockhütte. Joe war auch schon wieder weg. Kiran versuchte trotzdem sein Glück und fragte zwangslos:
„Erzählst du es mir?“
„Es gibt nichts zu erzählen“, schüttelte ich den Kopf.
„So was in der Art dachte ich mir schon. Du scheinst durchaus eine talentierte Hexe zu sein…“
„Soll ich dir zeigen was eine Hexe sonst noch so alles kann“, zwinkerte ich ihm verführerisch zu. Das brachte Kiran zum Lachen und er grinste mich an.
„Langsam bekomme ich Angst, liebes.“
„Versprochen?“
„Niemals…“, hörte ich ihn noch sagen bevor er seine Hände an meinen Kopf hielt und mich zu ihm zog. Der darauf folgende Kuss zog mich sprichwörtlich aus den Socken. Zufrieden lächelte er mich an. Und ich war dankbar dass er nicht weiter Fragen stellte. Den Rest der Zeit verbrachten wir dann doch mit packen.


Bei Suck


Am nächsten Tag wollten wir noch kurz Suck besuchen gehen. Ich hatte da so eine Idee was den Besuch bei Suck betraf. Ich hätte gerne Mona, Julia und Sandi mitgenommen. Mein Gefühl sagte mir es wäre richtig sie mitzunehmen. Deswegen wollte ich noch mit Suck in Verbindung treten. Also schickte ich Kiran alleine los zum Frühstück. Ich musste mich konzentrieren um mit Suck in Kontakt zu treten. Dabei sass ich aufs Bett. Dachte intensiv an Suck, an die Hütte im Wald und begann:
- *Suck, kannst du mich hören. Ich bin es Elisabeth. *-
Ich wartete und suchte ob ich ihn wahrnehmen konnte.
Prompt kam seine Antwort: - *Hallo Elisabeth. Ich freue mich. Ihr kommt bald* -
Jetzt musste ich lächeln, ja das war Suck der da antwortete: - *Ja, freue mich auch. Ja wie kommen heute vorbei.*-
Ich hatte schon Angst ihn verloren zu haben. Doch nach einer längeren Pause, meldete er sich wieder. - *Das geht. Bringst du jemanden mit.* -
Ich musste ihm wohl nichts vormachen. Er konnte es tatsächlich auch spüren. Oder meine Gedanken richtig interpretieren. Wie auch immer ich war froh über Sucks Antwort. Also gab ich Antwort auf seine Frage: - *Eventuell. Wir sehen uns. Bis später.* -
Jetzt brach ich die Verbindung ab und war etwas geschwächt. Das senden der Gedanken war schon recht anspruchsvoll. Ich passte einen Moment nicht auf und da war – ES – wieder in meinem Kopf zu hören. - *Wohin gehst du. Wo bist du. Und jetzt bist du schwach. Komm mein Liebling erzähl es mir. Bist du denn noch in Alaska. Warte dort auf mich. Ich bin bald bei dir. Mach dir keine Sorgen, ich werde dich finden und verführen…, meine Liebe.* -
Ich riss die Augen auf und taumelte etwas. Woher konnte ES wissen das ich in Alaska bin oder war. Wieso nannte ES mich Liebling. Mir wurde übel und ich musste mich kurz hinsetzten.
Hatte ES etwas vom Gespräch mit Suck mitbekommen. Jetzt musste ich wirklich aufpassen, das wurde mir schlagartig bewusst. Die Angst war mir buchstäblich anzusehen. Mein Körper zitterte ganz leicht, so als wäre ich unterkühlt. Ich riss mich so gut wie möglich zusammen und wollte nun zu den anderen in den Aufenthaltsraum. Leider vergass ich Joe. Ich zuckte kurz zusammen da Joe plötzlich und unerwartet vor mir stand. Er sah mich direkt an.
„Was ist passiert? Ich spürte und sehe deine Angst.“
Erst jetzt bemerkte ich, dass ich immer noch, am ganzen Körper zitterte. Kiran stand nun auch schon da. Besorgt umarmte er mich. Seine wärme floss in mich über. Diese wärme tat mir gut. Ich bekam Kraft und wieder Farbe im Gesicht. Joe stand immer noch vor mir und wollte wissen was geschehen war. Da war er wohl nicht der einzige der wissen wollte warum ich so blass um die Nase war. Von Kiran bekam ich einen vorwurfsvollen Blick. Er schien ganz genau zu wissen was vorgefallen war. Ich wusste genau dass ich eine Erklärung abgeben musste. Aber ich wollte es allen zusammen erzählen. Aus diesem Grund gingen wir alle drei zu den anderen. Kiran wich nicht von meiner Seite. Als ich die besorgen Gesichter sah, holte ich nun doch etwas weiter aus als ich ursprünglich vorhatte: „Habe soeben mit Suck Kontakt aufgenommen. Und ihm erzählt das Mona, Julia und Sandi uns Morgen zu ihnen begleiten werden.“ Die Gesichter der drei Frauen hellten sich auf. Langsam sprach ich weiter: „Danach war ich geschwächt und – ES – hat mich gefunden. ES hat gefragt ob ich noch in Alaska sei. Die Stimme hat mir versprochen mich zu finden und für mich zu sorgen. Danach konnte ich den Kontakt abbrechen.“
Meine Augen wurden glasig. Alle wurden still und nachdenklich. Wir wussten keinen Rat, gemeinsam beschlossen wir aber aufmerksam zu bleiben. Alle waren informiert und würden die Augen offen halten. Der Gedankenaustausch wurde ab sofort eingestellt und durfte nur noch im äussersten Notfall eingesetzt werden. Wir wollten diesem Unbekannten keine Angriffs-Möglichkeit mehr bieten. ES schien mein Senden abzufangen. Irgendjemand suchte gezielt nach mir. Jemand mit aussergewöhnlich starken Fähigkeiten. Es wusste das ich in Alaska bin oder war. Alle mussten auf der Hut sein. Das war uns nun klar. Auch mir war es jetzt klar dass alle davon erfahren mussten. Ein Schauer lief mir den Rücken hinunter. Nun verstand ich auch Kiran dass er sich um mich sorgte. Wieder einmal hatte er Recht damit dass es etwas zu bedeuten hatte wenn es um meine Peron ging. In diesem Moment spürte ich die Wichtigkeit dass die anderen von diesem Suchenden erfuhren. Mein Instinkt sagte mir dass dieser Jemand nichts Gutes im Schilde führte. Das machte mir die grösste Angst. Aufgewühlt gingen wir zu Bett.
Wir freuten uns am nächsten Tag auf Suck. Ich war froh dass Kiran sich den Weg, zu Marius Hütte im Wald, so gut eingeprägt hatte. Ich alleine hätte den Weg nicht mehr gefunden. Mein Orientierungssinn war noch nie der beste. Doch Kirans Orientierungssinn, egal ob als Mensch oder Wesen, war sehr gut ausgeprägt. Mit den drei Schneemobilen kamen wir auch gut voran. Wir taten gut daran dieses Fortbewegungsmittel gewählt zu haben. Doch der Weg war, oder schien, weiter weg als ich ihn in Erinnerung hatte. Irgendwann wurden wir eingehüllt von dichtem Nebel. Durch den dichten Nebel, sahen wir plötzlich nicht wohin wir fahren mussten. Etwas ungewöhnlich und mystisch. Also liessen wir die Schneemobile einfach stehen. Wir hielten uns an Kiran. Ihm schien der Nebel nichts auszumachen und schritt Zielsicher voran. Nach etwa 30 Schritten hellte sich der Nebel leicht auf und ich konnte das kleine Holz Häuschen bereits sehen. Der Nebel wich immer mehr zurück. Wie er gekommen war so ging er auch wieder. Von den Zwergen und Elfen war weit und breit noch nichts zu sehen. Kiran nahm meine Hand und drückte sie leicht. Als ich über meine Schulter zurück sah, sah ich die staunenden Gesichter von den anderen Vampiren. Wir gingen langsam in die kleine Hütte hinein. Ich gestehe, mir war es etwas unwohl. Ein seltsames Gefühl hier hin zurück zu kehren. Zurück in Marius Hütte. Ich konnte ihn, oder seine Magie, noch irgendwie fühlen. Suck der Zwerg bot uns das letzte Mal an die Hütte umzugestalten. Es sollte unser zukünftiger Zufluchtsort werden. Suck hatte sich wirklich Mühe gegeben. Alles war in hellen Tönen dekoriert. Es hatte jetzt was Romantisches an sich. Marius hatte das Häuschen eher zweckmässig und chaotisch eingerichtet da er nicht mehr oft Gebrauch davon machte weil er mehrheitlich als Pferd herum lief. Ihm lag das Leben als Pferd wohl besser als das eines Menschen. Ich seufzte auf. Ich suchte nach Marius. Hier in diesem Raum kam es mir noch gar nicht so lange vor als ich Marius begegnet war. Mein Herz wurde schwer wenn ich an die Liebe zu ihm dachte. Eine grosse Liebe aus einem anderen Leben. Keine Liebe wie die zu Kiran. Keine Seelen die sich begegneten. Eine alte Verbundenheit die mit Macht und Magie zusammen hängte. Marius eignete sich meine damalige Macht auf brutalste Art und weise an. Seine schwarze Magie wich durch meine stärkere weisse Magie und er wurde sich aufs schmerzlichste bewusst was er angerichtet hatte. Bevor er an seinem Schmerz zerbrach schmied er seinen Plan um nach mir zu suchen. Wie viele Jahre oder Jahrzehnte eventuell sogar Jahrhunderte er brauchte wusste ich nicht. Marius plante seinen Tod ausführlich. Für ihn war es die Erfüllung seines langen Lebens. In mir liess er eine mächtige Magie und viele Fragen zurück. Auf eine seltsame Art und weise konnte ich sagen er fehlt mir ohne dass ich ihn in diesem Leben wirklich gekannt hatte. Doch ein Leben neben Kiran gab es für Marius nicht.
Ich suchte hier im Häuschen automatisch nach irgendetwas das mich an Marius erinnern lies. Kiran wusste es ganz genau. Er lächelte mich verständnisvoll an.
„Er fehlt dir also immer noch.“
„Durchaus.“
Darauf sagte Kiran nichts mehr. Er nahm einfach meine Hand und hielt sie fest. Nun atmete ich laut ein und aus. Die Anspannung wich.
„Hier. Uraltes Foto von Marius. Sonst alles weg“, sprach Suck, der jetzt am Eingang stand. Suck stemmte seine Hände stolz in seine Hüften. Und tatsächlich, am Eingang hatte er ein Photo von Marius aufgehängt. Das mir das zu beginn nicht aufgefallen war. Merkwürdig. Mir stand das Wasser in den Augen. Kiran drückte liebevoll nochmal meine Hand. Ich wandte mich dem Zwerg zu.
„Hallo Suck, Mona kennst du ja bereits. Das hier sind Julia und Sandi.“
Bei Julia und Sandi standen die Augen weit offen. Auch sie brauchten einen Moment um zu begreifen was sie denn da vor sich stehen sahen. Suck ging, belustigt auf die beiden zu und meinte beiläufig.
„Tragen Babies. Schön. Aber schwierig.“
„Kommt, gehen wir hinaus ins Freie“, hörten wir Kirans dunkle Stimme.
Draussen standen jetzt plötzlich Baumstümpfe für uns bereit. Gerne nahmen wir auf ihnen Platz. Das war eine sehr nette und aufmerksame Geste. Suck stand in die Mitte und musterte uns einwenig. Dann sprach er leise: „Alles gut. Keine Gefahr. Könnt alle heraus kommen.“
Langsam kamen die Tiere zurück. Auch die Zwerge und Elfen kamen um uns zu begrüssen. Mir fiel auf das Suck schmaler als die anderen Zwerge war. Auch seine Augen waren grösser als die der anderen Zwerge. Ich war zu neugierig und fragte nach:
„Suck, wieso bist du anders als sie anderen Zwerge?“
Nun hörten wir wieder sein glucksendes lachen.
„Mein Vater Elf. Meine Mutter Zwerg. Trage stolz beides, in mir. Bin etwas Besonderes hier. Beide gute Eigenschaften in einem vereint.“
Hätte ich ja auch von alleine darauf kommen können.
Suck wandte sich Mona zu: „Mona, haben die Kräuter geschmeckt. Die Letzten. Ich habe sie dir gebracht.“
Mona lächelte über das ganze Gesicht. Sie hatte also Recht behalten.
„Danke Suck, wirklich ausgezeichnet. Das nächste Mal zeigst du dich mir. Ich glaube du kannst mir da noch ein paar gute Tipps geben.“
Suck war sichtlich stolz auf sich. Seine Augen begannen zu leuchten. Er und Mona begannen sich sofort über irgendwelche Kräuter zu unterhalten. Da hatten sich wohl zwei gleichgesinnte gefunden. Julia und Sandi staunten immer noch. In der Zwischenzeit lächelten auch sie wieder. Sandi sprach staunend:
„Wie du es bereits erklärt hattest. Es ist wunderschön. Man muss es selbst gesehen haben um zu versstehen.“
Ich nickte und lächelte Sandi zurück. Diesen Ort muss man selbst vor Augen haben um nachzuempfinden was hier vor sich geht. Eigentlich kann man das hier gar nicht in Worte fassen. Diese Geborgenheit, dieser Einklang mit Mutter Erde und den Tieren. Endlich kamen die Elfen und Zwerge näher. Nicht alle waren so zart und feingliedrig. Eine stämmigere Elfe war neugieriger als die anderen und stand nun direkt vor Julia und Sandi. Sie war etwas kleiner und rundlicher als die anderen Elfen. Sie hatte Wunderschöne grosse blaue Augen. Ihre braunen gelockten Haare hatte sie hinten hübsch zusammen geflochten. An ihren spitzen Ohren trug sie wunderschönen abstrakten Ohrschmuck.
Liebevoll sprach sie Sandi und Julia an: „Mein Name ist Linde. Ich sehe ihr tragt Barbies in euch. Eure Schwangerschaft ist anders als bei normalen Menschen. Macht euch keine Sorgen, es wird alles gut gehen. Wenn ihr Hilfe braucht kommt bitte her. Wir können euch helfen. Wenn ihr mal Ruhe braucht bringt ihr eure Babies hier hin. Wir passen schon auf sie auf.“
Sandi war sichtlich begeistert auf jemanden zu treffen der auch mit Esoterik zu tun hatte. Julia war sehr berührt von dem Angebot und begann Linde leise etwas zu erzählen. Linde überlegte kurz. Dann nahm sie Julia und Sandi an der Hand und führte sie von uns weg. Linde sah kurz zu Kiran und mir und zwinkerte uns zu:
„Ich bringe sie später zurück. Versprochen.“
Kiran stand lächelnd auf und nahm dann meine Hand. Wir gingen ein Stück. Dann setzte er sich, etwas abseits beim Bach, an einen Baum und ich nahm zwischen seinen Beinen Platz.
„Wie fühlst du dich?“, wollte er wissen.
„Gut danke. Es ist so schön hier. So ungeheuer friedlich und harmonisch. So fühlen sich Ferien an.“
„Ich bin froh dass du das alles hier so gut aufnimmst.“
„Hattest du denn Bedenken?“
Kiran strich sich selbst übers Gesicht.
„Ja, ein wenig schon. Ich wusste nicht genau was die Erinnerung an Marius mit dir auslöst.“
„Oh“, war ich erstaunt darüber dass sich Kiran solche Gedanken machte. Kiran küsste mich auf die Schulter und strich mir über das Haar. Wir sahen rechts von uns einen hübschen Kojoten der uns frech ansah. Dieser kam neugierig in unsere Richtung und nahm bei uns Platz. Langsam beschnupperte er uns. Kiran und ich kicherten belustigt. Im selben Moment hüpfte ein Hase an uns vorbei. Die Tiere waren hier so nah. So greifbar nah. Für einen kleinen Moment hielt ich die Luft an. Die Harmonie und die Ruhe an diesem Ort nahmen uns sprichwörtlich in Beschlag. Über uns baumelte plötzlich ein Seil herunter. Daran hing jetzt kopfüber und neugierig ein hübscher kleiner Elf. Ein Junge mit blonden wirren Locken. Seine grossen grünen Augen bestaunten uns. Nein er musterte uns regelrecht.
„Hallo, ich bin Neck. Der Kojote da unten ist meiner. Mit ihm durchstreife ich die Wälder und sie nach ob alles noch in Ordnung ist. Hab euch schon seit einer Weile kommen sehen. Nettes Fortbewegungsmittel das ihr da habt.“
„Hallo Neck. Ich bin Kiran und das ist Lis. Wo lebt ihr denn?“, fragte Kiran nun auch neugierig.
„Wir leben oben in den Bäumen oder unten in Höhlen.“, er strahlte stolz übers ganze Gesicht, „einige haben die Gabe die Natur zu gestalten. Sie machen unsere Lager. Da sich die Bäume ständig weiter entwickeln, haben die Baummeister einiges zu tun. Sie müssen die Bäume so gestalten das sie eins mit der Natur werden. Sonst geht der Baum ein. Und das wollen wir ja nicht. Dann hätten wir einen tragischen Fehler gemacht.“
Da fast keine Zwerge mehr anwesend waren musste ich den jungen Elf fragen: „Wo sind denn die Zwerge zu Hause?“
„Die Zwerge sind von Natur aus sehr scheu. Sie leben wie wir in Höhlen oder auf den Bäumen. Die kommen aber ganz selten raus. War schon eine Sensation dass sie heute kurz anwesend waren um euch willkommen zu heissen. Sie sind Handwerklich sehr geschickt und machen eigentlich alle Gebrauchs Gegenstände. Auch den Schmuck den wir tragen ist von ihnen. Wenn du sie draussen siehst sind sie sicherlich auf der Suche nach Material das sie bearbeiten wollen. Wir ergänzen uns sozusagen. Wir brauchen einander wie die Erde das Wasser.“
„Sprechen alle Zwerge so wie Suck?“, diese Frage kam wieder von Kiran.
Wir sahen und hörten Neck kichern. Es ist zu niedlich. Er hängt kopfüber am Seil, hält sich nur mit den Füssen fest. Als er begann zu kichern hielt er sich, mit seinen Armen umschlungen, den Bauch fest. Er baumelt so Kopfüber. Kurze Zeit später hatte er sich wieder gefasst.
„Ja, die Zwerge haben ihre eigene Sprache. Sie sprechen immer in kurzen Sätzen und manchmal muss man sich den Rest dazu denken. Es gibt welche die sprechen in Rätseln oder in Reimen. Zum Glück spricht Suck, relativ verständlich. Wir Elfen hingegen singen viel und gerne. Ich schwatze sowieso den ganzen, liebelangen Tag lang. Manch einer findet ich schwatze zu viel.“
Das konnte ich mir wirklich bildlich vorstellen. Ich wollte so gerne mehr über die Elfen wissen.
„Was habt ihr denn so für Gaben?“
„Och…, dies und das. Wir sind wie wir sind. Ich bin eigentlich ständig mit dem Kojoten unterwegs weil ich nicht ruhig bleiben kann. Mir gefällt es die Veränderungen in der Natur zu beobachten.“
Wieder strahlte er stolz über das ganze Gesicht.
„Oh, das ist wirklich interessant. Danke dir für deine ausführlichen und ehrlichen Antworten, Neck“, bedankte ich mich und Kiran schloss sich meinen Worten an.
„Gern geschehen. Ich gehe dann mal weiter. Bis zum nächsten Mal“, er grinste uns nochmals an und glitt elegant vom Seil herunter. Keine Ahnung wie Alt Neck sein konnte. Er war kleiner wie die anderen und daher sehr schwer einzuschätzen. Er schwang sich unheimlich elegant auf seinen grossen Kojoten und jagte davon.
„Kiran, ist das nicht ein unglaublicher Moment den wir hier erleben? Kneif mich mal. Ich meine das alles hier ist so unglaublich…“
Kiran strich mit seinen Händen meine Arme auf und ab als er sprach: „Ja, ich geniesse jede Sekunde. Ein niedlicher Knabe dieser Neck. Ich glaube wir haben gerade Freundschaft mit ihm geschlossen.“
„Wenn du diese Tiere hier siehst, willst du sie dann nicht jagen?“
„Ich bin doch kein Monster! Nein, auch wenn ich noch so sehr wollte. Hier ist das nicht möglich. Es entsteht nicht der leiseste Hauch eines Verlangens. Dieser Ort ist wirklich magisch.“
Da konnte ich nur zustimmen und nickte. Dieser Ort schien sehr magisch zu sein. Alles was böse oder gefährlich sein konnte, hatte keine Chance an diesem Ort auszubrechen. An diesem wunderbaren Ort war die Natur mit den Wesen im Einklang. Entspannung machte sich in uns breit. Alle schienen es zu geniessen und tankten auf ihre Art und Weise wieder auf. Man vergass automatisch seine Sorgen. Ich lehnte mich an Kiran an und schloss meine Augen. Ich nahm die verschiedenen wundervollen Gerüche in mich auf. Hörte die Tiere und die Elfen. Ich fühlte mich geborgen und schlief tatsächlich ein. Ich weiss nicht wie lange ich so bei Kiran schlief. Als ich Kiran meinen Namen senden hörte wachte ich lächelnd auf. Ich drehte mein Gesicht zu ihm hin und sah wie er breit über sein Gesicht grinste.
„Habe ich lange geschlafen?“, fragte ich gähnend nach.
„Nein, aber tief und ruhig. So wie lange nicht mehr.“
„Oh…“
Kiran küsste mich auf meinen Kopf. Langsam spielten wir doch mit dem Gedanken uns auf den Rückweg zu machen. Suck schien es zu spüren. Er löste sich von Mona und suchte uns, dann setzte sich zu uns auf den Boden. Er musterte uns kurz.
„Wir haben keine Zeit. Ihr bald geht. Das ist sehr schade, aber verstehe dass notwendig. Bitte aufpassen. Etwas liegt in Luft. Kommt bald wieder zurück. Ihr findet hier Ruhe, jederzeit.“
Ich verstand nicht genau und hackte nach: „Wie meinst du das es liegt in der Luft?“
„Keine Antwort darauf. Spüre Gefahr im Nacken für dich. Kiran wird aufpassen müssen.“
Erstaunt sah Kiran zu Suck und wollte auch Antworten.
„Was für Gefahr? Was genau spürst du denn?“
„Unbehagen, mehr nicht.“
„Ist das schon alles“, war Kiran ungeduldig.
„Ja leider. Doch mein Unbehagen muss nichts zu bedeuten haben. Nicht zu viele Gedanken machen, bloss achtsam sein.“
Kiran stänkerte: „Na toll.“
Ich sprach dankbar: „Danke Suck, ich komme gerne wieder hier hin um aufzutanken. Es ist ein wundervoller Ort. Übrigens ist das Häuschen wirklich schön geworden.“
Kiran musterte Suck nochmals: „Suck, sag mir doch was deine Aufgabe an diesem Ort ist.“
„Oh, das sein ganz einfach. Ich wache über Ort hier. Da Elf und Zwerg in mir vereint ich sehr vielseitig.“
Suck strahlte über sein ganzes Gesicht. Seine Zahnlücke kam wieder zum Vorschein. Er sah irgendwie drollig aus. Suck wandte sich nochmals Kiran zu. „Kiran, du hast viel Tier in dir. Lerne Geduld zu haben. Viel, viel Geduld.“
Kiran zog die Augenbraue hoch, ich sah dass er nicht verstand was Suck damit sagen wollte. Auch ich verstand es nicht wirklich. Dieses Rätselraten war irgendwie sehr anstrengend.
„Suck, wie meinst du das? Ich bin sehr Geduldig.“ Entgegnete Kiran.
Suck strahlte immer noch: „Dann ist ja gut. Ihr seid schönes Paar. Gebt aufeinander Acht.“
Bevor Suck sich entfernte sprach ich ihn nochmals an: „Suck ich habe Fragen über Marius und was er mir gegeben hat.“
„Ich kann mir denken. Marius war gut. Ich kann dir nicht sagen was du kannst. Das musst du selbst herausfinden. Habe aber nicht das Gefühl es sei unmöglich. In deinem Fall ist das unmögliche möglich. Finde deinen Mut.“
„Oh“, war das einzige was aus mir raus kam. Denn ich verstand nur Bahnhof. Jetzt fühlte ich mich so wie Kiran sich zuvor gefühlt haben muss. Als ich Kiran ansah zuckte er mit seinen Schultern auf. Auch er hatte keine Ahnung wovon Suck da sprach. Wir beteuerten nochmals dass wir auf uns acht geben werden und bedankten uns nochmals für die Nette Gastfreundschaft. Nun erschien auch die anderen wieder auf der kleinen Lichtung mit Linde. Alle drei waren von einem zarten violetten Licht umhüllt. Die drei lächelten und sahen erholt aus. Julia wirkte viel gelassener als zuvor. Sie schien endlich wieder einmal glücklich zu sein. Auch sie hatte hier aufgetankt. Wir hatten keine Ahnung was Linde mit ihnen gemacht oder gesagt hatte. Es war uns egal, sie hat ihnen auf ihre Art und Weise geholfen. Das war alles was zählte. Die Verabschiedung war herzlich und wir wussten alle, wir würden uns wieder sehen. Früher oder später. Mona war glücklich über ihre neue kleine Pflanze die sie von Suck bekommen hatte. Im Moment fanden wir noch keine Worte um das auszudrücken was wir hier erlebt hatten. Glücklich aber schweigend fuhren wir zurück ins Camp. Kiran brachte uns sicher zurück.
Cam und Steven erwarteten uns bereits. Julia strahlte ihren Steven endlich wieder an. Sie stieg ab und sprang direkt auf ihn zu. Als sie ihn erreichte begann sie ihn leidenschaftlich zu küssen. Steven warf uns einen fragenden Blick zu und wir zuckten mit den Schultern auf. Wir hatten wirklich keine Ahnung was Linde mit ihr angestellt hatte. Es war einfach schön Julia so glücklich, entspannt und fröhlich zu sehen. Es sah aus als hätte jemand ihr eine grosse Last abgenommen. Ihre Angst war weg. Sandi kicherte, wohl wissend, in sich hinein und verschwand mit Cam ebenfalls glücklich. Ich denke sie hatten sich einiges zu erzählen. Mona verabschiedete sich auch. Sie wollte die Pflanze umtopfen und die Tipps rasch aufschreiben die ihr Suck gegeben hatte. So blieben nur noch Kiran und ich zurück. Irgendwie schien dieses Erlebnis uns mehr zusammen zu führen. Es tat gut mal schöne Erlebnisse zusammen zu erleben. Seltsames hatten wir bereits genug erlebt. Wir fühlten uns erholt als kämen wir gerade aus den Ferien zurück. Wunderschöne lange, erholsame Ferien. Kiran sah mich an: „Kleines, morgen geht’s ab nach Fairbanks.“
Ich sah seine Sorgenfalte im Gesicht. Mit einer Hand fuhr er sich über seine Stirn. Er machte sich also doch noch Gedanken darüber Joe mitzunehmen.
„Machst du dir Sorgen wegen Joe?“
Er seufzte auf und nickte zustimmend: „Ja ein wenig, ich hoffe wir kriegen ihn in den Griff. So ganz genau weiss ich auch nicht wie er sich verhalten wird.“
„Das weiss wohl niemand. Es wird schon schief gehen.“
Kiran verdrehte seine Augen: „Blödes Sprichwort, wirklich.“
Ich lachte kurz auf, doch er hatte Recht es war eigentlich unpassend.
„Grosser, spuck es schon aus. An was denkst du gerade?“
Also sprach er weiter: „Ich weiss nicht wie wir uns verhalten sollen falls Joe austickt.“
„Wie meinst du das?“
„Wenn er sich daneben benimmt kann ich ihn stoppen. Keine Frage. Aber wie sieht dass denn für den Rest der Menschheit aus? Ich kann nicht einfach ich sein. Aber dann ist es vielleicht schon zu spät.“
„Oh…, ja da hast du Recht. Wenn du dich, in einer Menschenmenge, als Wolfsmensch verwandeln würdest und ich dich danach von deinem Fell ablösen müsste phu…Igitt.“ Kiran lachte kurz laut auf und ich erklärte ihm weiter: „Sei zuversichtlich, Paula und ich sind ja auch dabei. Jemand von uns wird sicherlich wissen was in diesem Moment zu tun ist. Gemeinsam werden wir es meistern. Als Gemeinschaft.“
Versuchte ich ihn und auch mich einwenig zu beschwichtigen. Die Wahrheit aber war: Ich hatte auch keine Ahnung! Überhaupt keine Ahnung! Keinen blassen Schimmer!
War mir überhaupt nicht sicher ob es überhaupt klug war dass Joe mitkommen wollte und sollte. Doch ich wollte Kiran einwenig beruhigen. Er sah mich zwar etwas ungläubig an, schien es aber damit auf sich beruhen zu lassen. Das war gut so. Denn es war wohl ein Thema über dass wir Stunden Diskutieren könnten und immer noch keine Lösung im Sack parat hätten.
An diesem Abend verstauten wir bereits unser Gepäck im Auto. Wir wollten Morgen früh genügend Zeit haben um uns zu verabschieden. Im Camp war Ruhe eingekehrt. Nach dem Nachtessen hielt ich mich noch eine Weile im Aufenthaltsraum vor dem Computer auf da ich noch einige E-Mails zu schreiben hatte. Ich schrieb meinen Eltern und meinem Bruder dass wir Morgen unterwegs zurück in die Schweiz sein würden.
Zurück in die Schweiz. Ein seltsames Gefühl. Ich wusste dass es mein letzter Aufenthalt in der Schweiz, für längere Zeit, sein würde. Klar konnte ich meine Eltern ab und zu mal besuchen. Aber Alaska und die Schweiz lagen nicht gerade nah nebeneinander. Und meine Mutter war immer noch auf dem letzten Stand dass ich nach London zu Kiran ziehen würde. So hatte ich ihr das im letzten Jahr durch gegeben. Damals war sie darüber auch nicht gerade begeistert. Doch London - Schweiz war immerhin machbar. Umständlich aber realisierbar um einander in regelmässigen Abständen zu sehen. Wenn ich ihr jetzt erzählte dass ich nach Alaska auswandern wollte flippte sie bestimmt aus. Das machte mir tatsächlich ein wenig Angst. Ich wollte sie nicht traurig in Erinnerung behalten. Eigentlich wünschte ich mir dass sie sich für mich freuen könnte. Notfalls musste ich mit ihrer Abneigung leben, ob ich wollte oder nicht. Ich empfand meine Ganze Lebenssituation etwas schwierig und unbehaglich. Das nächste worüber ich mir Gedanken machte war der Teil mit dem älter werden. Irgendwann wird meine Familie wohl oder übel mitbekommen dass ich nicht so altere wie sie. Ob das bedeutete, dass der Kontakt irgendwann mal abgebrochen werden musste? Musste ich irgendwann einmal meinen Tod vortäuschen? Autsch! An diesen Gedanken geheftet holte ich tief Luft und stiess die Luft laut wieder raus. Ich schüttelte meinen Kopf um diesen Gedanken zu verdrängen.
„Hey Schweiz, hast du Sorgen?“
Ich schreckte auf! Es war wirklich schwer sich daran zu gewöhnen wie lautlos Joe sich anschleichen konnte.
„Hey Vamp, könntest du das nächste Mal mit etwas mehr Geräuschkulisse hereinkommen! Danke!“
Lächelnd ging er hinter die Theke und begann zu senden: - *weißt du noch, den ersten Abend hier, ich hatte dich etwas erschreckt mit der Unterhaltung durch Gedanken*-
Jetzt drehte ich mich zu ihm um, lächelte und sendete zurück:
- *Machst du mir einen Kaffee wie damals*. -
- *Mein Herz, für dich immer und jederzeit*-
-*Süssholz raspler *-
Das löste bei Joe ein lautes raues Lachen aus. Ja seine dunkle Stimme hörte sich sehr angenehm an. Als er sich umdrehte, sass ich bereits an der Theke und ich sah seinen Schalk im Gesicht. Seine blauen Augen leuchteten. Wir sassen uns gegenüber wie an unserem ersten Abend. Wieder sah ich in seine hellen blauen Augen. Damals fand ich seine Augen viel zu hell, da er eher der dunkle Typ war. Er sah mir jetzt ebenfalls direkt und tief in die Augen.
„Ich bin froh Morgen mit euch mitzugehen. Danke.“
„Vamp, das wird schwierig für dich. Wir bringen dich unter die normal Sterblichen. Du wirst das Blut rauschen hören und ihren Puls fühlen. Wir bringen dich ans Limit.“
Er verdrehte die Augen.
„Ich weiss. Weißt du, ich habe nie behauptet dass es einfach sein wird. Aber ich bin froh diese Erfahrung machen zu dürfen und bin mir sicher dass ich bei euch richtig aufgehoben bin. Ich bin sicher dass du ein Auge auf mich haben wirst.“
„Du vertraust uns.“
„Dir. Ich bin dir ergeben“, sprach er die Worte aus und sah mir dabei tief in die Augen.
Verlegen kam meine Frage: „Habt ihr schon gepackt?“
„Logo, wir haben soeben alles ins Auto geladen. Kiran half uns dabei.“
„Gut. Joe sei mal ganz ehrlich. Etwas nervös?“
Jetzt runzelte er die Stirn und hielt den Kopf leicht schief.
„Wie meinst du das?“
„Jetzt sei doch kein Spielverderber. Du weißt ganz genau wie ich es meine. Die vielen Menschen, das Erste Mal fliegen. Ich nehm dir deine Ruhige Art nicht ganz ab. Du musst einfach Nervös sein.“
„Aha, du möchtest ein Mann zu Mann Gespräch mit mir führen!“, sagte er so trocken dass ich unweigerlich laut auflachen musste. Er war immer für einen Spass zu haben. Doch nun wurde er kurz ernst.
„Ganz ehrlich, ich freue mich. Vor allem bin ich sehr neugierig. Den Flughafen kenne ich ja schon. Aber mal in ein richtiges Flugzeug sitzen zu können. Das hat was…, prickelndes. Angst habe ich keine. Wirklich keine. Vielleicht überschätze ich mich. Gut möglich, aber dafür sind wir ja drei Tage zuvor da um es zu prüfen.“
„Dann ist ja gut“, sagte ich beruhigt.
Er seufzte kurz laut auf. „Hast du dir eigentlich schon mal überlegt was aus uns zwei hätte werden können wenn der Wolf nicht aufgetaucht wäre?“
Wieder ging ein Gespräch in eine Richtung dass ich, eigentlich, so nicht führen wollte. Aber nun gut, ich antwortete ihm ehrlich:
„Am Anfang ja. Damals schien Kiran für mich unerreichbar zu sein. Doch jetzt weiss ich es wäre mit uns nicht gut gegangen. Niemals. Weshalb fragst du?“
„Niemals…Aha. Das weißt du doch gar nicht. Zum einen ist es die Bestimmung dich zu schützen, die mich an dich bindet. Zum anderen hatten wir nie Sex zusammen was ein Teil in mir gerne gehabt hätte. Doch ich wollte auch kein Lückenbüsser sein. Im Nachhinein wäre ich vielleicht doch gerne der Lückenbüsser gewesen. Wir standen kurz davor etwas zusammen zu beginnen.“
„Oh komm…, wir haben uns doch geküsst. Da sind keine Funken gesprungen. Das weißt du ganz genau.“
Jetzt biss er sich leicht auf seine Unterlippe.
„Wenn doch? Wenn du dir nur etwas einredest? Wenn da doch etwas war und ich dich angelogen habe?“
Bitte nicht, ging es mir durch den Kopf. Ich machte grosse Augen und wurde einwenig lauter beim sprechen: „Was heisst hier wenn doch! Ich liebe dich wie meinen Bruder! Du bedeutest mir ungeheuer viel. Warum das so ist kann ich dir auch nicht sagen. Aber ich will nicht mit dir ins Bett.“
Mit einem Satz sprang Joe über die Theke drehte mich gleichzeitig um und stand jetzt direkt vor mir. Er nahm mein Kinn in seine Hand und ich sah seine Eckzähne kurz aufblitzen Seine hellen blauen Augen schienen mich zu beschwören und er knirschte mit den Zähnen bevor er sprach:
„Was…, wenn du dir das selbst nur einredest. Wie kannst du es genau wissen. Wir hatten es nie wirklich probiert. Gefühle waren da. Das kannst du nicht leugnen. Warum gibst du uns nicht hier und jetzt eine faire Chance?“
Dann begann er meinen Hals zu küssen. Und mein Puls begann zu rasen. Ich konnte seine Eckzähne spüren und es hatte etwas gefährlich Erotisierendes. War ich jetzt im Begriff meinen Freund zu verlieren? Joe liess von mir ab und sah mich weiterhin fragend an. Ich sah die grossen Gefühle die er für mich hatte. Ich für meinen Teil war irritiert.
In diesem Moment ging laut die Türe auf und ich wusste sofort dass es sich um Kiran handelte. Joe und ich blickten nicht in seine Richtung, wir waren immer noch in der gleichen Stellung.
Kiran blieb abrupt und mit genügend Abstand von uns stehen.
„Joe! Lass deine Finger von ihr!“, dann kam ein dunkles grollen aus seiner Kehle. Ich konnte spüren wie angespannt Kiran war. Er stand kurz davor sich in einen Wolfsmenschen zu verwandeln. Das durfte nicht passieren. Doch ich konnte meinen Blick noch nicht von Joe nehmen. Ich war immer noch wie gebannt. Joe seufzte, zog seine Augenbraue hoch, sah mich an und meinte: „Siehst du was ich meine. Wir werden dauernd gestört.“
Endlich liess er mich los und strich mir liebevoll über meine Wange. Endlich konnte ich meinen Blick von Joe abwenden und sah Kiran an. Joe wich auf die Seite und Kiran kam mit fragendem Blick auf mich zu. Joe schlenderte ganz gemächlich in Richtung Türe. Dann drehte Joe sich nochmals zu Kiran und neckte: „Beruhige dich, Freund. Nichts passiert. Noch nicht. Vielleicht nur eine Frage der Zeit.“
Kiran schüttelte leicht seinen Kopf und verstand nicht genau was hier vor sich ging. Er konnte meine Erregung natürlich spüren. Und ich wurde so langsam richtig wütend auf den Halbvampir.
„Was ist mit diesem Halbling los?“, zischte Kiran.
Ich war inzwischen wieder bei vollem Verstand. Eigentlich begriff ich jetzt schlagartig was in Joe vor ging. So viel zum Thema nicht nervös. Ich ging an Kiran vorbei und direkt auf Joe zu. Ich meinte beiläufig zu Kiran: „Unser Vamp ist nervös. Mir hat er zwar beteuert es sei nicht so, doch ich glaube ihm jetzt nicht so Recht! Da macht sich unser kleiner was vor.“
Der letzte Satz: unser kleiner. War dann doch zu viel für Joe. Jetzt blieb Joe stehen und sah mich leicht erregt an als ich langsam aber zielstrebig weiter auf ihn zuging. Vor Joe blieb ich stehen, sah rasch zu Kiran rüber und sprach ernst: „Liebster, entschuldige bitte. Das was ich jetzt mache muss sein. Denke an Suck und übe dich in Geduld. Viel Geduld.“
Kiran riss seine Augen gross auf. Langsam zog ich, mit meinen Händen, Joe zu mir runter und neckte ihn liebevoll.
„Na süsser dann zeig mal was du so drauf hast.“
Dann küsste ich ihn. So leidenschaftlich es mir irgendwie möglich war. Joe stöhnte kurz auf und zog mich ganz nah an sich heran. Unsere Lippen trafen hart aufeinander. Wir schmolzen nicht miteinander. Es waren harte Küsse. Es war schön aber nicht Leidenschaftlich. Es fühlte sich nicht richtig an. Ich hoffte es würde das Problem, von Joe, lösen. Wobei der Schuss durchaus nach hinten los gehen könnte. Das war ich mir vollends bewusst. Als ich mit ihm fertig war sah ich ihn fragend an. Joe blieb stehen und sah von mir zu Kiran. Dann grinste Joe schief und sprach: „Mh…, ich muss nochmals. So kann ich das noch nicht wirklich beurteilen.“
Dann zog er mich abermals an sich heran und wir küssten uns erneut. Der Kuss war Leidenschaftlicher und weicher als der erste. Tatsächlich war es diesmal sehr angenehm. Was mir nicht entging war, das Joe während diesem Kuss Kiran ganz bewusst ansah. Dieser Kuss war also nur noch so um Kiran eines auszuwischen. Erleichterung machte sich in mir breit. Anschliessend hielt er mich eine Armlänge von sich weg. Er sah mich belustigt an und sprach mit zusammen gekniffenen Augen.
„Nett wirklich! Sehr interessant. Aber wenn du so schlecht im Bett bist wie du küsst, wird das mit uns wirklich nichts. Tut mir leid Schweiz, wirklich.“
Ich lachte laut und erleichtert auf. Automatisch umarmte ich ihn und hauchte in sein Ohr: „Du weißt ich liebe dich.“
„Ich dich auch. Und wer weiss was aus uns geworden wäre wenn es keinen Kiran und keine Paula gäbe… Ich werde dich immer lieben…, Schwester.“ Dann küsste er mich auf die Stirn und meinte liebevoll und ganz leise: „Danke. Du hast Recht ich bin, öhm, … sozusagen sehr nervös. Stehe wohl etwas neben mir. Es tut mir aber nicht Leid dich geküsst zu haben. Ich wollte schon immer wissen wie es sich anfühlt.“
Dann liess Joe mich los und ich sah zu Kiran hinüber der mit verschränkten Armen versuchte gelassen da zu stehen. Er beobachtete das Ganze jedoch mit einem mürrischen Gesichtsausdruck. Nicht mehr lange und er wäre explodiert. Es schien ihm nicht zu passen. Nein, es gefiel ihm überhaupt nicht. Das musste es ja auch nicht. Ich fand er sah zu süss aus in seinem Frust. Als ich ihn so mürrisch da stehen sah machte mein Magen einen Satz. Verliebt sein fühlt sich gut an, fand ich. Kirans Geduld hatte wohl seine Grenze erreicht.
„Joe, kommst du mit mir mal vor die Tür, ich möchte dir gern mal den Hintern versohlen! Jetzt!“
Wir konnten den Spott in seinen Worten ganz genau hören. Joe machte grosse Augen und stürzte seine Unterlippe. Machte dazu noch einen nachdenklichen Gesichtsausdruck und lächelte leicht.
„Nö, danke kein Bedarf“, hörten wir ihn noch sagen bevor er bereits schon wieder raus war. Wieder lautlos und schnell war er verschwunden. Kiran sah mich mit zusammengekniffenen Augen an. Er versuchte ganz ernst zu bleiben und kam langsam auf mich zu. Kiran sah gefährlich und verführerisch zu gleich aus. Ich war seltsam erregt ihn so aufgewühlt zu sehen.
„Möchtest du mich wirklich eifersüchtig machen, kleines?“
Ich lief dabei immer noch Rückwärts und kicherte.
„Hat es denn geklappt?“
Doch ich kam nicht mehr weiter mit Rückwärtsgehen, da stand ich schon mit dem Rücken an der Wand. Kiran hatte mich jetzt auch erreicht und meinte Kopfschüttelnd: „Liebes, dass hättest du wohl gerne. Du bist meine Geliebte für sehr lange, lange Zeit. Daran ist nicht mehr zu rütteln.“
Hitze stieg in mir auf als ich seinen Blick sah. Nun bückte er sich runter zu mir und fuhr mit seinen Lippen meinen Hals herunter. Ein Schauer der Erregung lief mir den Rücken hinunter. Ich bekam Gänsehaut. Ich krallte mich an seinem Shirt fest. Er hob mich hoch und ich umklammerte mit meinen Beinen sein Gesäss. Doch wir wurden jäh unterbrochen als, ausnahmsweise mal laut, die Tür aufging und Joe kichernd seinen Kopf hinein streckte: „Hey Wolfi, schmusen kannst du bei dir zu Hause, bitte nicht hier in öffentlichen Räumen. Man weiss nie wer da so reinplatzt... Ehrlich das geht nun gar nicht!“
Kiran lies von mir ab und kniff seine Augen eng zusammen.
„Liebes, bitte entschuldige mich für einen Moment. Habe noch etwas Dringendes zu erledigen.“
Kaum hatte er den Satz fertig gesprochen war er auch schon hinter Joe her. Ich musste lachen und wusste dass die zwei Freunde für etwas länger unterwegs sein würden. Sie liebten die Rauferei. Und heute hatte Joe allen Grund dafür geliefert. Also schrieb ich die begonnenen E-Mails fertig. Danach ging ich in unser kleines Blockhaus und legte mich einwenig hin. Ein sehr ereignisreicher Tag.


Fairbanks


Keine Ahnung wann Kiran zurückkam denn ich musste vorher eingeschlafen sein. Als ich am Morgen erwachte war es bereits 8 Uhr. Kiran war entweder noch nicht zurück oder bereits schon wieder unterwegs. Ich rieb mir die Augen, ich hatte lange geschlafen, für meine Verhältnisse. Doch nun musste ich mich beeilen da wir ja bereits heute Morgen nach Fairbanks aufbrechen wollten. Ich zog mich ab und ging unter die Dusche. Der gestrige Abend ging mir nochmals durch den Kopf. Ich dachte an Joe und Kiran und musste unweigerlich grinsen. Als ich gerade das Wasser laufen lies schreckte ich kurz auf. Kiran stand, natürlich auch nackt, hinter mir und hielt mich fest. Langsam drehte ich mich zu ihm um, um ihn anzusehen. Seufzend wollte ich wissen: „Muss dieses anschleichen denn wirklich sein? Etwas Geräuschekulisse würde niemandem Schaden zufügen. Im Gegenteil…“
Er rümpfte seine Nase: „Muss nicht, aber dann ist es keine Überraschung mehr. Ausserdem hatte ich nur Glück dass die Dusche bereits rauscht. Sonst hättest du mich gehört.“
Aber da hatte er gewissermassen Recht. So leise wie die Vampire war Kiran nie. Aber fast so lautlos! Ich versuchte ihm klar zu machen: „Kiran, bitte, ich bin jetzt nicht in Stimmung. Ausserdem haben wir gar keine Zeit mehr.“
Kiran schien da anderer Meinung zu sein. Da war wieder dieser stechende Blick von ihm.
„Sie sind es gewohnt dass wir zu spät kommen. Also lass uns doch mal dort fortfahren, wo wir gestern so unsanft gestört wurden. Und dann erklär mir dass mit der Stimmung nochmals…“
„Unmöglicher Kerl!“, seufzte ich.
Kiran lies sich nicht beeindrucken und fuhr mit seinen Lippen meinen Hals herab. Ich stöhnte kurz auf. Er knabberte weiter an meinem Ohr, kam danach an meinen Mund und unsere Lippen schmolzen ineinander. Die Hitze in mir begann zu brennen und ich hielt ihn fest. Ich liebte seine Berührungen und wollte mehr von ihm. Die Leidenschaft hatte uns eingefangen. Ich konnte ihn noch wahrnehmen wie er ein leises: „Ich liebe dich“, hauchte. Dann stöhnte ich auf und verschwand im Meer der Gefühle.
Schlussendlich waren wir, wieder einmal mehr, etwas spät dran. Wir verabschiedeten uns alle von einander. Wir waren nicht traurig, wir wussten wir sehen uns bei gegebener Zeit wieder. Es war Abschied auf Zeit und nicht für immer. Mona und Jo viel der Abschied von ihrem Jungen schwer. Es war das erste Mal dass sie ihren kleinen von ihrem gemeinsamen zu Hause gehen lassen mussten. Sie wussten wir würden gut auf ihn aufpassen. Trotzdem war es für sie gar nicht so einfach. Es tat mir leid nicht mehr Zeit mit Sandi und Julia verbringen zu können. Ich hätte gerne gewusst wie eine Schwangerschaft, als halb Vampir, sich weiter entwickelt. Ich wusste die Schwangerschaft verläuft anders. Aber was heisst anders. Ich hatte ja keine Vergleichs Möglichkeiten. Woher auch. Und Bücher darüber gab es ja auch keine. Und bis jetzt ging es den beiden ausserordentlich gut. Ich hoffte inständig wir würden vor der Geburt der Babies zurück sein.
In Fairbanks angekommen, fuhr Kiran uns zu einem Hotel. Das sollte nun unser zu Hause sein für die nächsten 3 Tage. Wenn ich den heutigen Tag noch dazuzählen konnte. Paula und ich entschlossen uns nach dem Einchecken, im Hotel zu bleiben. Währenddessen brachten Kiran und Joe das Gepäck bereits zum Flughafen. Bereits ein kleiner Test für Joe.
„Wollen wir, unten in der Lobby, etwas zusammen trinken?“, fragte Paula.
Das schien mir eine gute Idee zu sein und ich sagte ihr sehr gerne zu.
„Es ist einiges passiert Lis. Als ich dir in der Schweiz von der Legende erzählte hast du sicher gedacht DIE spinnt. Stimmt’s? Schätze ich es richtig ein?“
„Ich hielt das Ganze schon für sehr speziell. Damals dachte ich wirklich in Alaska hätte ich Ruhe vor euren Hirngespinsten. Aber du siehst es kam alles ganz anders. Auch ich bin noch lernfähig.“ Paula kicherte, aber ich war neugierig und wollte noch etwas von ihr wissen: „Paula, stört es dich nicht das Joe ständig bemüht ist mich zu beschützen?“
„Klar ist es ungewöhnlich. Aber es ist seine Aufgabe. Das ist wohl seine Bürde die er tragen muss.“
„Ja, er ist ein sehr lieber Mensch. Ähm ich meine…“, wir lachten beide auf.
„Er hat mir von gestern Abend erzählt.“ Erwähnte Paula.
„Du sprichst den Kuss an?“ War es mir jetzt doch etwas unangenehm eine solche Diskussion mit meiner besten Freundin zu haben.
Paula lächelte: „Ja.“
„Paula, das hatte wirklich nichts zu bedeuten.“
„Ich denke wäre ich nicht gekommen und Kiran nicht aufgetaucht hättet ihr vermutlich eine Affäre miteinander gehabt. Denkst du nicht auch?“
„Vielleicht, vielleicht aber auch nicht. Es tut mir leid wenn es dich gekränkt hat. Bitte entschuldige.“
„Nein, im Gegenteil ich bin froh ist das zwischen euch geklärt.“
Ich sah Paula an und spürte dass sie es genau so meinte wie sie es mir gerade sagte. Sie hegte keinen Groll. Wir sassen noch eine Weile unten in der Lobby und tranken etwas. Einige Zeit später hörten wir unsere Jungs kommen. Ungewöhnlich dass wir sie hören konnten, aber endlich verhielten sie sich wie richtige Menschen. Auch sie konnten, mussten sich anpassen. Geräuschvoll sassen sie zu uns hin. Kiran und Joe erklärten uns dass es am Flughafen keine Schwierigkeiten gab.
„Ladies, heute Abend gehen wir gemeinsam mit Tori und Tom essen“, erklärte Kiran mit dem wissen ich würde mich riesig freuen die beiden, vor allem Tom, wieder zu sehen. Die Freude teilte auch Paula mit mir. Wie üblich plante Kiran die Zeit der verbleibenden drei Tage. Nach Möglichkeit plante immer er, das tat er wirklich gut und gerne. Kiran mochte wohl seinen Job als Eventplaner. Er sprach nie viel über die Zweigniederlassung. Doch ich wusste er freute sich auf die neue Herausforderung.
Ein zwei Drinks später gingen wir auf unsere Zimmer um uns auf den Abend vorzubereiten.
Die Freude war gross Tori und Tom wieder zu sehen. Ich sprang Tom förmlich in die Arme. Natürlich wusste ich dass Tori dabei ihr Gesicht verzog. Es war mir sozusagen egal was sie davon hielt. Irgendwie gehörte das Getue einfach zu Tori. So war Tori einfach. Tom hielt mich fest und küsste mich auf die Stirn und sprach dann: „Schatz, du siehst heute Abend einfach blendend aus.“
„Danke du auch“, erwiderte ich.
Paula war sehr glücklich ihre Schwester wieder in die Arme schliessen zu können. Als Tori auf Kiran und Joe traf, stöhnte sie jedoch mürrisch auf: „Na wie schön, da sind wir also alle wieder vereint. Kaum haben wir euch Tieren den Rücken gekehrt steht ihr auch schon wieder da.“
Danach stiess Tori, Kiran ihren Ellenbogen in dem Magen. Er klappte zwar nicht zusammen aber ein kleines „Ah“, war doch zu hören. Sie konnte kräftig zuschlagen, wenn sie wollte.
„Wofür habe ich so viel Zuneigung von dir verdient?“, war Kirans berechtigte Frage.
„Wir tragen beide ab und an Pelz, das verbindet“, war ihre kurze freche Antwort.
Hätten sie hier Platz zum raufen wären sie bestimmt schon weg gewesen. Doch hier mussten sie sich wie ‚normale’ Menschen benehmen. Das amüsierte mich einwenig. Der Abend verlief ruhig. Joe hatte keine Probleme damit in einem Raum zu sitzen und sich wie ein normaler Mensch zu benehmen. Er ass zwar nicht gerade viel, das machte aber nichts. Uns war es wichtiger zu sehen wie er damit umging in einem Restaurant zu sitzen. Es waren etwa an die 40 Personen im Raum. Wir fanden Joe hat den ersten Test erfolgreich bestanden. Natürlich fand er, wir alle übertrieben masslos.
„Leute ehrlich, das soll ein Test sein. Also bei uns im Camp waren in den Spitzenzeiten auch schon mal um die 20 Nasen zusammen gekommen. Und diese Menschen standen im näheren Kontakt zu mir als hier im Restaurant. Ihr könnt euch ja vorstellen wie ich auf fremde Frauen wirke. No Problem!“
Er verzog das Gesicht zu einer Grimasse. Danach strich er Paula liebevoll den Rücken hinunter und gab ihr dabei einen Kuss auf ihre rechte Wange. Ich musste lächeln. Doch Joe hatte nicht mal so Unrecht mit seiner Aussage. In diesem Raum zu sitzen mit uns und den anderen Menschen war wirklich keine besondere Herausforderung. Ich sah kurz Kiran an und las in seinem Gesicht dasselbe wie ich wohl gerade dachte. Nun war ich mir sicher dass der nächste Tag nicht ganz so einfach für Joe laufen würde.
Ab und an fühlte ich mich, hier im Restaurant, ein wenig beobachtet. Manchmal hatte ich das Gefühl als würde mich jemand anstarren. Ich hatte keinen Beweis, das war nur so eine Art Gefühl. Auch Joe und Kiran waren nicht mal ansatzweise in Alarmbereitschaft. Das war an sich wirklich beruhigend. Wäre etwas Auffälliges gewesen hätten sie etwas bemerkt. Trotzdem suchte ich, unauffällig mit meinen Augen den Raum ab. Einmal beobachtete mich ein Mann am gegenüber liegenden Tisch. Er war nicht sehr auffällig. Er hatte braune kurze Haare dafür sehr auffallend schöne braune Augen mit langen Wimpern. Die Augen fielen mir auf weil es ein sehr helles braun war. Ansonsten eher ein null acht fünfzehn Typ. Der Mann bemerkte dass ich ihn auch an sah, er nickte mir zu und lächelte mich nett an. Das war mir jetzt doch einwenig peinlich. Ich lächelte verlegen zurück und wendete meinen Blick wieder von ihm ab. Fast wäre ich rot angelaufen. Die anderen bemerkten nichts davon. An diesem Abend wurde wirklich viel Diskutiert. Über vergangenes und über zukünftiges. Tori war immer noch sehr spritzig in ihren Antworten. Doch ich wusste genau sie mag Kiran gut leiden. Wie sie zu mir stand war mir nicht ganz klar. Aber es war so in Ordnung wie es war. Ich für meinen Teil, genoss einfach unser gemeinsames zusammentreffen. Es war schön mit ihnen hier zu sitzen. Ich verdrängte das Gefühl dass Tom und Tori nicht in Alaska bleiben werden. Im Grossen und Ganzen ein gelungener, schöner Abend im engen Freundeskreis. So etwas Normales hatten wir schon lange nicht mehr gemacht.
In dieser Nacht schlief ich leider wieder einmal schlecht. Ich träumte wieder einmal einen seltsamen Traum. Diesmal rannte ich nicht mehr davon. Ich war umgeben von Gefühlen, von Erotisierenden Gefühlen. Da war ein Mann. Er war so undeutlich und deutlich genug um zu spüren dass es sich dabei nicht um Kiran handelte. Der ganze Traum war so verschwommen. Darin wurde ich von einer anderen Person angezogen und schien mich von Kiran lösen zu wollen. Mein Herz begann zu schmerzen. Es riss mich fast auseinander. In diesem Moment löste sich der Traum im weissen Schleier auf…Als ich erwachte war mir der Traum nicht mehr genau präsent. Ich schwieg also darüber und hoffte Kiran hatte es nicht bemerkt. Dem Alkohol sei Dank.
Der nächste Morgen begann sehr gemütlich mit einem gemeinsamen Frühstück. Danach zogen Tom und Tori nochmals los um die restlichen Dinge in der Stadt zu klären. Soviel ich verstanden hatte ging es um die Wohnungsabgabe von Tori. Später werden sie auch ins Hotel kommen, für die letzte Nacht, bevor die Reise in die Schweiz los ging. Kiran musste noch etwas Geschäftliches erledigen und nahm Joe wieder mit. Er fühlte sich für Joe offensichtlich verantwortlich. Paula und ich beschlossen ein Paar Kleinigkeiten für meine Familie zu suchen. Wir waren überzeugt davon dass sie sich über ein zwei Souvenirs freuen würden. Schliesslich war ich eine lange Zeit weit weg von der Familie. Während wir so Arm in Arm dahin schlenderten, beschloss ich die Zeit zu nutzen um Paula, von meiner Idee für den heutigen Abend zu erzählen.
„Heute Abend könnte Joe schon ins schwitzen kommen. Das weißt du ja.“
Paula seufzte: „Ja ich weiss, ich hoffe wir kommen heil aus der Sache raus.“
„Ich habe etwas darüber nachgedacht. Ich denke du wirst diejenige sein die ihm helfen kann. Falls es so weit kommen sollte und wir eingreifen müssen. Was wir ja alle nicht hoffen…“
Paula blieb stehen und runzelte die Stirn: „Wie meinst du das?“
„Wenn der absolute Notfall eintreffen wird und Joe durchstarten will. Dann musst du mit ihm in Kontakt treten. Du musst ihn mit seinem Namen der Seele ansprechen und auf dich und eure Liebe lenken. Ich denke dass würde ihn am ehesten wieder runter holen. Dieses Band ist tief und die verbindet euch für alle Zeit.“
Jetzt schien Paula zu überlegen.
„Ja, hat was. Wobei ich dich bitten möchte mir zu helfen. Ich denke du kennst alle unsere verborgenen Namen. Zusammen wären wir stärker.“ Sie machte eine Pause. Sah mich an und ich nickte ihr erstaunt zu.
„Ein Versuch wird es wert sein.“ Lächelte ich.
Paula sprach weiter: „Eben, daher musst du mir helfen. Versprochen?“
Ich lächelte wieder: „Versprochen. Aber woher weiss du, dass ich eure Namen…“
„Ich war mir nicht sicher. Aber irgendwie erschien es mir logisch zu sein.“
„Oh…“
„Übrigens machst du deine Sache gut.“
„Welche Sache?“ Stand ich mir selbst auf der Leitung.
„Na das mit der EINEN. Du zwingst uns nichts auf. Du bist einfach du geblieben.“
„Oh… War das gerade ein Kompliment?“
„Ja und jetzt argumentiere nicht dafür und dagegen. Lass es einfach so stehen.“
„O.K.“
Das wäre also geklärt. Nun hackte ich meinen Arm wieder bei ihr ein und wir schlenderten weiter durch Fairbanks. Einige Zeit später traf mich Kiran im Hotelzimmer vor dem Fernseher an. Er erzählte mir dass es mit Joe überhaupt kein Problem gab und er seine Angelegenheiten unter Dach und Fach bringen konnte. Als mir Kiran dann noch erzählte, dass wir heute Abend alle zusammen, an ein Country Saloon gingen hellte sich meine Laune noch mehr auf. Ich wollte schon immer mal bei einem Line Dance mitmachen und freute mich riesig einmal dabei sein zu können. Schlussendlich trafen wir uns alle wieder unten in der Lobby des Hotels wieder und gingen gemeinsam los. Die vor Freude war gross.
Im Laufe des Abends wurde das Lokal sogar richtig voll. Die Musik gefiel mir sehr gut und die Stimmung war hinreissend. Das Essen war super und ich genehmigte mir zwei drei, oder waren es vier(?) Drinks. Also war ich rasch „leicht“ beschwippst. Kiran amüsierte sich dabei, er sah mich selten so ausgelassen. Genau genommen hat er mich so noch nie erlebt. Seiner Meinung nach schien ich sehr glücklich aus zu sehen, würde das auch so ausstrahlen. Na wenn er meint. Auch gut.
Nach einiger Zeit und einigen Drinks später, fühlte ich mich bereit dazu mich auch mal unter die Line Dance zu mischen. Schliesslich hatte ich lange zugesehen und mir versucht die Schrittkombinationen zu merken. Tori erklärte mir etwas von: Bump, Kick, Heel doch mir schien nur der Cha Cha Stepp einigermassen etwas zu sagen. Tori schien früher öfters Line Dance mitgemacht zu haben. Das sei aber schon lange her. Und Paula gab mir zu verstehen dass sie zwei absolute linke Beine besass. Nichts desto trotz wollten wir Weiber es wagen. Ich hatte wirklich grosse Mühe mit den Schritten. Sich die Schritte zu merken war ja die eine Sache. Aber alle aneinander anzuhängen die Andere! Tori machte ihre Sache soweit ich das beurteilen kann, ganz gut. Ich denke das war definitiv ihr Heim Vorteil. Paula und ich waren schier hoffnungslose Fälle. Doch wir hatten trotzdem riesen Spass. Wir kicherten viel. Ob das wohl am Alkohol lag? Meine Tanz Nachbarin, rechts von mir, hatte bedauern und nahm sich etwas Zeit für mich und Paula. Ihr Name war Jacky und sie war eine ausgesprochene Schönheit. Jacky hatte blondes langes Haar. Eine wirklich ausgesprochen perfekte Figur. Betonung auf perfekte (90-60-90) Figur und schöne hellbraune Augen. Eine Augenweide für alle ob Mann oder Frau. Bei ihr konnte man einfach nicht wegsehen. Selbst ich nicht. Die Männer schmachtend und die Frauen platzten vor Neid und Eifersucht. Das Schöne an Jacky war, dass sie sehr nett und natürlich herüber kam. Gewissermassen machte sie das sehr Sympathisch. Ihre Augen waren der Hammer. Zu ihren blonden Haaren waren die hellen braunen Augen eine Wucht. Was Alkohol alles so auslösen kann! Dank ihrer Hilfe und Führsorge fand ich endlich meinen Rhythmus zur Musik. Es machte Irrsinnigen Spass. In der Pause bedankte ich mich bei Ihr für die Hilfe. Sie kam kurzerhand noch mit an unseren Tisch und ich stellte sie den anderen vor. Ich musste kichern als ich die Blicke unserer Männer sah. Sie schienen sie förmlich mit ihren Blicken abzuziehen. Jacky wurde durchaus auch von ihnen bewundert. Sie wirkte also auch auf unsere Mannsbilder. Unsere Vampir und Wolf Männer waren also auch nur Männer! Hätte ich weniger Alkohol gehabt wäre ich vielleicht eifersüchtig geworden. Doch in diesem Zustand war es mir wirklich Egal. Auch Tori und Paula reagierten nicht eifersüchtig, wohl auch zu tief ins Glas geschaut. Da Jacky jetzt bei uns sass hatten wir vermehrten Männern Besuch am Tisch. Uns Mädels kam das sehr entgegen und wir hatten unseren Spass dabei. Für Joe hingegen war es eine echte Herausforderung. Nicht nur die vielen Menschen hier an diesem Ort, nein auch noch Paula die fleissig flirtete. Einmal beobachtete ich Joe eingehend. Er sah ziemlich mürrisch aus als er Paula beim flirten zu sah. Sein Kiefer war fest geschlossen. Im Grunde genommen war Joe ja noch nie im Ausgang gewesen. Für ihn war das alles Fremd und unnatürlich. Hatte er überhaupt schon mal eine Freundin? Ich wusste definitiv noch nicht alles von Joe. Unser Joe atmete etwas schneller wie auch schon und seine Augen waren dunkler geworden. Trotzdem hatte er sich aber sehr gut unter Kontrolle. Wenn er mal angerempelt wurde sah man kurz seine Augen rollen und er hielt seine Paula fester am Arm. Wie ich vermutete, Paula war sein Ruhe Pol. Sie beruhigte ihn. Ab und an konnte ich Joe auch leise grollen hören. Dank der Musik nahm aber ansonsten niemand davon Notiz.
Ja es schien eine lustige gelungene Nacht zu werden. Ich lächelte Joe an und sendete ihm meine Gedanken: -*Joe…, alles klar.*-
Er zog die Augenbrauen hoch als er mich ansah und mir lächelnd seine Gedanken sendete: - *Ich könnte jetzt einen Witz bringen wegen Jacky wie lecker sie…… Doch die Sache hier ist ernst. Also ich muss gestehen es ist nicht ganz so einfach wie ich es mir vorgestellt hatte. Doch ich halte durch. Hab keinen Appetit, wobei, wie gesagt diese Jacky riecht lecker…*-
Jetzt huschte ein Lächeln über mein Gesicht und Kiran sah mich dabei einwenig merkwürdig an. Er hatte ja nichts von der Diskussion zwischen mir und Joe mitbekommen. Flüchtig küsste ich Kiran. Sozusagen zur Beruhigung dass alles in Ordnung war. Jacky machte sich plötzlich einwenig an unseren Joe ran. Sie kam ihm verdammt nah. Joe versuchte Jackys Spiel so gut wie möglich mitzuspielen. Auf den Kopf war Joe ja durchaus nicht gefallen. Und ein attraktiver Kerl war er auf jeden Fall. Schlagfertig gab er Antworten auf ihr Bezirze. Hielt sie aber gekonnt auf Abstand. Einmal wurde Jacky von einem Mann unbeabsichtigt von hinten angerempelt. Der Mann machte das natürlich nicht absichtlich doch Jacky landete in Joes Armen. Für einen kleinen Moment schienen selbst wir die Luft anzuhalten weil wir nicht wussten wie Joe reagieren würde. Frech begann Joe zu grinsen und übergab Jacky seinem Freund Kiran mit den Worten: „Vielleicht kannst du mehr mit ihr anfangen als ich. Sie ist nicht mein Typ.“
Jacky sah Joe herausfordernd an und wandte sich dann Kiran zu: „Na hübscher, wie wäre es denn mit uns beiden?“
Kiran nahm Jacky ganz nah an sich heran. Er genoss es umworben zu werden. Ich sah wie Kiran ihren Duft in sich aufnahm und sie dann noch ein Stück näher an sich heran lies. Irgendetwas flüsterte er ihr ins Ohr und sie begann herzlich zu lachen. Das wurmte mich natürlich. Zu gerne hätte ich gewusst was Kiran ihr da gerade erzählte. Eigentlich gefiel es mir doch nicht so recht wenn er diese Jacky so nah an sich heran liess. Als würde Kiran meine Gedanken lesen sah er mich an. Ich konnte durchaus den Schalk in seinen Augen sehen. Er wusste genau dass ich diese Situation nicht so rosig fand. Sein Blick war so eindringlich dass Hitze in mir aufstieg. Ich schüttelte kurz meinen Kopf. Und Kiran lachte laut auf. Am liebsten hätte ich ihn gepackt und… Das weitere hätte sich dann schon ergeben.
Doch plötzlich ging alles ganz schnell. Jacky stiess ihr Glas mit Joe etwas heftig an. Nicht das Joe etwas trank, dafür war er heute zu nervös, er hielt einfach ein Bier in der nähe stehen. So als Alibi. Das machte sich doch gut. In diesem Moment, als die Gläser aufeinander trafen, ging Jacky’s Glas in die Brüche und sie verletzte sich an ihrer Hand. Tatsächlich hatte sie sich geschnitten! Sie begann zu bluten!
Nicht schlimm, aber sie blutete! Sofort reagierte Joe mit einem Grollen und fletschte leicht seine Zähne. Dass zu unserem Glück, wieder niemand von den Gästen richtig wahrnehmen konnte. Seine Augen wurden noch dunkler und glasig. Paula stellte sich sofort vor Joe hin und begann mit dem Gedankenaustausch. Schlussendlich standen Joe und Paula nun Stirn an Stirn da. Er hielt sich krampfhaft an ihr fest und versuchte sich zu beruhigen. Kiran blieb ruhig und gelassen. Tom und Tori bekamen von Kiran den Auftrag Jacky wegzubringen und zu versorgen. Ein sehr gefährlicher Moment für alle hier im Raum. Für alle Menschen hier.
Alle wurden plötzlich zur absoluten Speisekarte für Joe. Für einen kurzen Moment hatte ich das Gefühl Jacky verschmitzt lächeln zu sehen. Ihre Augen blitzten förmlich auf. So als wäre sie belustigt über diese Situation. Als sie bemerkte dass ich sie beobachtete lächelte sie mir kurz zu. Ich lächelte zurück und wandte mich dann zu Joe und Paula. Ich stellte mich zu Paula und Joe hin und berührte sie beide beim Gedankenaustausch: - *Joe du bist Mel, alles was du bist ist Mel. Denk an deine liebe zu Tia. Du lebst für sie. Sie ist dein Seelenpartner. Eure Band der Liebe ist sehr stark. Mel, konzentrier dich auf T-i-a.*-
Ich machte eine Pause, und sah dass bei Paula Tränen in den Augen standen. Sie hatte Angst um ihren liebsten. Ich musste rasch weiter machen: -*Mel. Du kennst deine Partnerin. Erinnere dich an deine Liebe zu ihr. Du und Tia, ihr seit eine Einheit. Lebe und kämpfe für diese Liebe. Bitte beruhige dich. JETZT*-
Endlich verstummte Joes grollen und er sank Paula in die Arme. Sein Gesicht war voller Schmerz. Sie hielten einander fest. Sie stützten einander. Endlich wurden seine Augen wieder klar und hell. Paula gab ihm Kraft und er schöpfte sie dementsprechend aus. Auch ich war erschöpft und wurde von Kirans Armen empfangen. Wir hatten die Situation hier also im Griff. Es konnte nichts mehr geschehen.
„Guter Plan, kleines“, hauchte Kiran mir liebevoll ins Ohr und küsste mich auf die Stirn.
„Woher wusstest du von meinem Plan?“
„Ich wusste es nicht. Doch ich nahm an dass du bereits eine Idee hattest für den Fall dass…“
Ich lächelte ihn an und war glücklich dass die Sache so gut gelaufen war. Als Joe sich wieder endgültig unter Kontrolle hatte, kam er auf mich zu und umarmte mich.
„Scheisse Schweiz, dass wahr knapp!“, sprach er ganz leise. Ja dass wahr wieder unser Joe wie er leibt und lebt. Unweigerlich musste ich lächeln. Es ging ihm wieder deutlich besser. Ich fühlte seine Dankbarkeit und seine Erleichterung. Irgendwie konnte ich nicht anders und musste ihn necken: „Willst du mich etwa wieder küssen?“
Joe kicherte und hielt mich jetzt auf Armlänge in Abstand. Grinsend kam seine Antwort: „Ich weiss ich bin gut in dem was ich mache. Meinen Kuss vergisst man nicht so schnell. Frau, reagiert leicht süchtig danach.“
Jetzt musste auch ich lachen und Kiran schob sich zwischen uns und begann mich provokativ zu küssen. Joe grinste. Wir blieben noch bis Tori und Tom zurückkamen. Sie meinten Jacky wurde gut versorgt und sei nun doch auch nach Hause gegangen. Die Wunde sei nicht tief es habe nur heftig geblutet. Jacky liess uns Grüsse ausrichten und würde sich freuen uns bald wieder zu sehen. Besser nicht, ging es mir durch den Kopf.
Dass wahr dann wohl auch unser Stichwort für unseren Rückzug ins Hotel. Denn Morgen war der grosse Tag der Reise in die Schweiz. Joe hatte seinen Test mit Bravour bestanden.
In dieser Nacht konnte ich nicht direkt einschlafen und erinnerte mich an das seltsame lächeln von Jacky. Bildete ich mir das alles nur ein oder hatte sie wirklich gelächelt? Diese Frage würde wohl vorerst unbeantwortet bleiben. Ich hatte wohl, für meine Verhältnisse, einiges zu viel an Alkohol konsumiert. Es würde mir hoffentlich eine Lehre sein.


Rückreise…


Der nächste Tag begann wieder mit einem gemeinsamen Frühstück. Wir waren sichtlich stolz auf uns wie der gestrige Abend geendet hatte. Wir waren richtig euphorisch. Vor allem Joe fand sich einfach sagenhaft. Er gab vor, nichts und nimmer würde ihn mehr aus der Bahn werfen können. Natürlich wussten wir, und auch er, dass es nicht so sein würde. Doch wir wollten ihm diesen Spass gönnen. Es war gut zu wissen dass unsere Namen die unsere Seele trägt so grossen Einfluss auf uns hatten. Doch sie konnten durchaus auch unsere Schwachpunkte sein wenn sie missbraucht wurden. Wie Paula zu Recht vermutete, kannte ich tatsächlich alle Namen. Ich habe es den anderen nie gesagt da ich davon ausging dass es ihnen nicht recht sein würde. Es war ja auch nicht nötig. Dass es für die anderen einfach nur Logisch war, darauf wäre ich nie gekommen. Sie wussten ich würde die Namen nicht missbrauchen. Sie hatten einfach grosses Vertrauen und dafür war ich sehr dankbar.
Ich sah in die Runde und sah meine neue Familie. Es ging mir ausgezeichnet. Ich liebte meine Familien.
Joe machte natürlich seine Witze betreffend seinem Aussetzer. Wäre ja nicht Joe wen er nicht aus allem etwas Spassiges ziehen könnte. Kiran boxte ihn in dem Oberarm und ich wusste genau, sie hätten wieder mal Lust auf eine Rauferei. Tori hielt sich sehr zurück mit ihren Aussagen. Sie fand wahrscheinlich dass Joe sich daneben benahm. Doch ihrer Schwester zu liebe sagte sie mal zur Abwechslung nichts. Musste sie auch nicht. Ihr Gesichtsausdruck sprach für sich selbst.
Fünf Stunden später sassen wir auch schon im Flugzeug. Kiran hatte etwas Kräuter von Mona mitgenommen, für den Fall das wir Joe besser schlafend durchbringen müssten. Doch es war nicht nötig. Nie im Leben wollte ich Joes staunen während den ersten Minuten beim Flugzeugstart verpassen. Natürlich war er fasziniert und sofort ein grosser Fan der Fliegerei! Es war ja sein erstes Mal.
„Wie fühlt sich unsere Jungfrau beim ersten Flug?“, neckte Kiran seinen Freund.
„Das ist wie beim ersten Mal Sex. Einfach grossartig.“
Wir kicherten. Er benahm sich „fast“ wie ein kleines Kind. Bei mir dauerte es leider nicht allzu lange und ich begann doch einzuschlafen. In meinem Schlafzustand begann ich zu träumen. Da war die schöne Hochzeitsfeier meines Bruders. Kiran und ich tanzten geschlossen zur Musik. Es war einfach herrlich. Es gab nur Kiran und mich, wir sahen uns tief in die Augen. Wir freuten uns auf unsere eigene Hochzeit. Nur Kiran und ich für immer und ewig. Mein schöner Traum wurde jäh unterbrochen von der Stimme die ich noch keinem Gesicht zu Ordnen konnte.
-*Elisabeth, ich war dir nah. So unglaublich nah. Du bist wirklich ein hübsches kleines Ding. Ich werde wohl meine Freude an dir haben. Es wird dir bei mir an nichts mangeln. Sei brav und komm freiwillig zu mir. Du gehörst zu mir.*-
Es kannte nun auch schon meinen Namen. Es wusste schon relativ viel von mir. Meinen Namen und das ich in Alaska war. Unbehaben schlich sich bei mir ein. Da Es schon von mir wusste konnte ich jetzt auch antworten: -*Ich weiss noch nicht warum. Aber du ekelst mich an. Und NEIN ich komm nicht zu dir. Lass mich in Ruhe und dir wird nichts geschehen*-
Jetzt war ich gespannt auf die Antwort. Es war mir absolut klar dass Es mir antworten würde. Ich denke Es verstand die Drohung die ich versuchte mitzuteilen: -*Nett, du drohst mir. Das gefällt mir. Du wirst gut beschütz von deinen Freunden, wohl wahr. Aber früher oder später bekomme ich dich. Keine Sorge. Ich habe alle Zeit der Welt. Und ich lasse mir die Zeit die ich brauchen werde. Versprochen*-
Ich schreckte auf und war hellwach. Kiran drehte meinen Kopf zu sich und hielt ihn mit beiden Händen ganz fest. Ich sah seinen fragenden Blick. Im Moment war ich unfähig zu sprechen, das wusste er nur zu gut. Kiran legte seine Stirn auf meine und ich sendete ihm das Geschehene zwischen mir und diesem Jemand zu. Danach sah ich die Sorgenfalte auf seinem Gesicht. Liebevoll strich er mit seiner Hand über mein Gesicht. Ich konnte genau sehen dass er sich um mich sorgte.
„Liebes, ich beschütze dich“, er schüttelte den Kopf, „nein, wir beschützen dich. Auch wir haben alle Zeit der Welt. Wir werden achtsam sein, versprochen. “
Das wusste ich nur zu gut. Seine Worte beruhigten einwenig. Ich versuchte zu lächeln. Mir war trotzdem unwohl und schlecht. Dieses Etwas wusste jetzt meinen Namen, behauptet ich sei hübsch. Es musste mich bereits gesehen haben. Uns war nichts Aussergewöhnliches aufgefallen. Niemand war irgendwann mal in Alarmbereitschaft geraten. Mein Magen begann zu rebellieren und ich war nicht sicher ob ich mich übergeben müsste. Sicherheitshalber wollte ich die Toilette im Flugzeug aufsuchen. Kiran wollte mich natürlich begleiten doch ich wehrte ab. Was sollte mir denn bitte hier oben im Flugzeug geschehen! Ich brauchte einfach einen Moment für mich alleine. Also lies Kiran mich gewähren. Die Toilette war natürlich besetzt. Ich beschloss einen Moment zu warten. Die Türe ging auf und ein Mann kam raus. Ich starrte ihn förmlich an. Konnte nicht anders. Er sah aus wie mein Marius. Einfach mit dunklen Haaren, denn Marius hatte blondes Haar und braune Augen. Dieser Mann vor mir hatte das ähnliche Gesicht, braune kurze Haare und braune Augen. Mir blieb quasi die Luft weg! Es war etwas eng und wir kamen deswegen aneinander an. Er lächelte mich an und ich war seltsamerweise sehr angetan von ihm. Ich bekam richtig Gänsehaut. Für ihn musste die Situation recht seltsam ausgesehen haben denn er fragte: „Entschuldigen sie, ist mit ihnen alles in Ordnung? Sie sehen mich - etwas - merkwürdig an.“
Gott wie peinlich! Seine Stimme war warm und sehr freundlich. Und was für ein nettes, sympathisches lächelnd er hatte. Eine sehr angenehme Erscheinung. Er sah wirklich aus wie Marius. Auch dieselben braunen Augen. Ich versuchte mich zusammen zu reissen und erklärte: „Ja danke. Sie haben Recht ich starre sie wirklich an. Sie sehen jemandem sehr ähnlich den ich mal kannte. Haben sie vielleicht einen Bruder?“
Er lächelte mich wieder nett an und meinte schmunzelnd:
„Leider nein! Sonst hätte ich sie sehr wahrscheinlich bereits früher kennen gelernt. Schade. Aber es ist nie zu Spät.“
Jetzt sah er mich herausfordernd an. Doch da tauchte Kiran an meiner Seite auf. Unmissverständlich gab er mir einen Kuss auf die Stirn. Dabei sah er den fremden Mann höflich nickend an. Dieser Verstand nur zu gut. Er schmunzelte uns an und sah mir direkt in die Augen.
„Vielleicht trifft man sich ja wieder einmal unverhofft. Wünsche ihnen beiden weiterhin einen guten Flug.“
Wir nickten ihm zustimmend zu und er ging zurück an seinen Platz. Kiran sah mich fragend an. Ich kicherte und ging auf die Toilette. Irgendwie amüsierte mich Kiran. Meine Übelkeit war auf jeden Fall wie weggeblasen.
Der Flug war sehr gut. Anstrengend, lang aber gut. Wir landeten sicher in der Schweiz, in Zürich. Unser Joe war wie elektrisiert.
„Hey Leute, ich hab noch nie so viele Filme gesehen wie bei diesem Flug. Mir gefällt das hier. Ich muss nun wohl Pilot werden!“
Ich kicherte, er hörte sich an wie ein richtiges Landei. Irgendwie war er es ja auch. Als wir durch die Passkontrolle waren und unser Gepäck entgegengenommen hatten, trennten sich unsere Wege. Paula hatte Ihre Wohnung zwar schon gekündigt, hatte aber noch gut drei Monate Zeit um Ihre Sachen zu packen. Wir hatten denselben Weg und beschlossen gemeinsam ein Taxi zu nehmen.
Tori und Tom gingen direkt zu Tom nach Hause. Wir verabschiedeten uns. Ich wusste dass Tom meine Gedanken hören konnte, selbst aber keine zurücksenden konnte. Menschen die in unserer Verbindung stehen können unsere Gedanken entgegen nehmen. Selbst aber können sie keine Gedanken Aussenden. Warum das so ist haben wir noch nicht herausgefunden. Ich hatte ihm noch nie meine Gedanken gesendet, doch heute wollte ich es einmal ausprobieren: - *Bitte ruf mich bei Gelegenheit an. Ich möchte euch bald wieder sehen.*-
Tom lächelte mich an und antwortete auf mein senden: „Schatz, keine Bange ich rufe dich bestimmt an und wir sehen uns der Tage.“
Danach bekam ich einen Kuss auf meine Wange und natürlich einen verächtlichen Blick von Tori. Dann suchten wir uns ein Taxi und ich war froh endlich vor meiner bescheidenen Wohnung angekommen zu sein. Wir verabschiedeten uns von Paula und Joe. Doch einfach so konnten wir Joe noch nicht alleine lassen und vereinbarten dass wir uns am nächsten Tag zum Brunch treffen wollten. Der Brunch sollte bei mir stattfinden.
Nun waren wir in meiner Wohnung angekommen. Das Ganze kam mir so seltsam vor. Hier im Jetzt zu sein und zu wissen das ich nicht mehr hier bleiben werde. Dieses Kapitel meines Lebens schien sich zu schliessen. Wie ein Buch das nächstens zusammen geklappt wird. Aus und vorbei! Gedanken versunken stand ich da. Mitten in der Wohnung. Etwas verloren.
„Kleines, weißt du noch das erste Mal als ich bei dir geklingelt habe“, schwelgte wohl auch Kiran jetzt in den Erinnerungen. Ich begann zu lächeln und drehte mich zu ihm um. Er stand in der Türe und hatte seine Arme oben am Türrahmen abgestützt. Ja, wie damals.
Ich seufzte auf: „Ja, du hast mich damals tierisch genervt. Dabei hast du beteuert dass du das Wort - kleines - in Zukunft sein lassen würdest.“
Kiran lachte laut auf und schloss die Türe hinter sich. Er rümpfte seine Nase. „Ich habe echt versagt.“
„Definitiv.“
„Kleines, ist bis heute geblieben. Schatz ist mir zu einfach und auf Maus, Hase und co. steh ich einfach nicht“, war Kirans grinsende Erklärung dazu. Jetzt lachte ich auch laut auf. Ich sah seinen stechenden Blick. Heute blitzten seine Augen mich keck an, ich wusste nur zu gut was er im Schilde führte. Wie gewöhnlich würde er mich rasch überzeugt haben um mich ihm hinzugeben. Also warum sich lange dagegen wehren. Ich sprang auf ihn zu, er hob mich hoch und ich schlang meine Beine um seine Hüfte. (So gut es ging.)
„Damals hattest du noch längere Haare“, bemängelte ich. Dann begann ich ihn zu küssen. Er genoss es. Nach einer wilden Knutscherei landeten wir in meinem Bett. Heute würde es kein langes, einfühlsames Vorspiel geben. Die Lust und die Leidenschaft holten uns rasch ein. Wir nahmen und gaben was wir konnten bis wir beide den Höhepunkt erreichten. Verschwitzt und eng umschlungen schliefen wir eng bei einander ein. In dieser Nacht schlief ich ruhig und hatte keinen Traum oder irgendwelche Stimmen im Kopf. Es herrschte sozusagen Frieden in meinem Kopf. Das tat zur Abwechslung mal wirklich gut.
Als ich erwachte lag ein Zettel im Bett wo eigentlich Kiran liegen müsste. Erstaunt las ich die Zeilen: Guten Morgen kleines, bin früh los um den Brunch zu organisieren. Lasse dich ungern alleine und bin schnellstmöglich zurück. Bitte mache niemanden die Tür auf in meiner Abwesenheit. Nur eine kleine Vorsichtsmassnahme. Danke. Küsse für dich.
Ich fand seine Fürsorge für übertrieben. Natürlich würde ich niemanden die Tür aufmachen den ich nicht kenne. Danach entschloss ich mich eine Dusche zu nehmen. Nach der Dusche wickelte ich mich in ein Handtuch und wollte ins Schlafzimmer um mich anzuziehen. Als ich die Tür von der Dusche ins Schlafzimmer öffnete hatte ich einen Zusammenstoss mit Kiran. Ich erschrak und lies das Handtuch fallen. Kiran hob seine Augenbaue und meinte: „Soll das jetzt so eine Art Einladung für mich sein?“
Ich boxte ihn in seinen Magen und schüttelte lächelnd meinen Kopf. „Schau mal auf die Uhr! Wir bekommen gleich Besuch.“
Kaum hatte ich meinen Satz fertig gesprochen klingelte es an der Tür. Kiran zog seine Stirn hoch und meckerte: „Schade! Echt schlechtes Timing.“
„Geh schon.“ Grinste ich.
Doch zuerst zog er mich noch an sich und küsste mich eingehend. So viel Zeit musste wohl noch sein. Es ging nicht lange und es klingelte ein weiteres Mal. Kiran rollte seine Augen und ging los. Dabei verpasste er mir noch einen kleinen Klaps auf meinen Hintern. Ich grinste bloss. Da ich noch nicht angezogen war übernahm Kiran den Gastgeber Teil. Als ich herauskam begrüsste ich Paula und Joe herzlich. Zu meiner grossen Überraschung stand auf dem Küchentisch ein Glas
mit – Blut!
„Kiran hast du? Heute Morgen?“, fragte ich jetzt neugierig.
„Jupp, darum ging ich auch schon ganz früh am Morgen los. Ich hoffe die mitgebrachte Ration reicht eine Weile.“
Ich rümpfte die Nase, weil ich so eine Ahnung hatte dass das ganze Zeug in meinem Kühlschrank lagerte. Also machte ich langsam meinen Kühlschrank auf und: Tatsächlich da wurde das Blut gelagert. – *Igitt!* – Ging es mir durch den Kopf und die anderen begannen zu lachen. Ich hatte meine Gedanken wohl nicht für mich alleine behalten. Joe trank belustigt einen Schluck:
„Uh..., Kiran was hast du denn da bekommen. Das Blut schmeckt grässlich…“
Kiran zuckte die Schulter und nahm auch einen Schluck.
„Findest du? Ich schmeck nichts Besonderes darin.“
„Tja, du bist und bleibst eben nur ein Tier das sozusagen alles frisst…“
Kiran war belustigt über Joe und warf ihm einen Zähne fletschenden Blick zu bevor er weiter trank. Wir versuchten einen Plan für den heutigen Tag zusammen zu stellen. Ich wusste dass wir am Abend bei meiner Mutter und Robert zum Essen eingeladen waren. Das würde ein äusserst wichtiger Abend werden. Meine Mutter hatte mich ja schon eine Weile nicht mehr gesehen. Hatte ihnen so viel zu erzählen, war mir aber noch nicht sicher ob der heutige Abend bereits richtig dafür war. Also wären Kiran und ich heute Abend nicht abkömmlich für Paula und Joe.
Wie ich heute aus meinem E-Mail lesen konnte wurde die Hochzeit meines Bruders vorverlegt. Sie fand bereits in eineinhalb Wochen statt. Paula war diesmal nicht eingeladen. Doch Tom war dabei und natürlich würde er seine Tori mitbringen. Auch William war auf der Gästeliste und mit ihm zwangsläufig auch Regula. Ich hatte sie schon sehr lange nicht mehr gesehen und freute mich sehr auf unser Zusammentreffen. Wie es ihr wohl so ging? Ob sie mit dem Surfprofi William überhaupt noch zusammen war? An Regula meine Reitkameradin in der Schweiz dachte ich kaum noch. Sie lernte William (Surfprofi) am selben Abend kennen wie ich Kiran. Das war die grosse Geburtstagsfeier meines Bruders. Tino kannte Kiran und William von seinen Reisen. Es muss Regula ebenfalls schwer erwischt haben. Denn auch sie hat die Schweiz verlassen und reisst sozusagen von Welle zur Welle. Doch ich freute mich sie wieder mal zu sehen.
Kiran hatte am Nachmittag, noch einiges an persönlichen Dingen zu erledigen und wollte Joe mitnehmen. Paula freute sich darauf mit mir einen Frauen Nachmittag zu geniessen. Sozusagen wie in alten Zeiten. Wir wollten uns auf die Suche nach einem passenden Kleid machen dass ich an der Hochzeit meines Bruders tragen konnte. Ein neuer Haarschnitt wäre auch nicht schlecht. Da mir die Familie Faller die Haare abgeschnitten hatte während eines Zusammenstosses mit Cam im Camp. Eigentlich war es ja eher ein Unfall. Cam war wütend und ich unvorsichtig. Ich hätte mich nicht von hinten an ihn ran schleichen sollten. Er machte nur eine kleine Handbewegung. Doch die reichte aus um mich an die nächste Wand zu schleudern. Starker Blutverlust und eine starke Hirnerschütterung wahren die Folgen davon. Daher stammt auch meine Narbe hinten am Haaransatz. Um die Wunde besser säubern zu können hatten sie mir die Haare etwas gestutzt. Daher wäre wohl ein Friseur Besuch auch nicht verkehrt. Mir fehlte definitiv ein richtiger Haarschnitt. Eigentlich sah ich richtig zerzaust aus mit meinen Haaren. Und Paulas Haare waren auch nachgewachsen, also beschlossen wir mit einem Coiffeur Termin zu starten. Wir hatten Glück und fanden gleichzeitig einen Termin in der Stadt. Während wir so da sassen fragte mich Paula: „Freust du dich auf die Hochzeit?“
„Von Tino? Ja sehr.“ War meine Antwort.
„Natürlich meinte ich Tino’s Hochzeit, welche denn sonst“, schaute sie mich fragend an. Ich lächelte sie warm an. Sie riss die Augen auf: „Nein, du auch? Wann hat er? Wann wollt ihr? Ich meine wann, wie wo…“, kamen alle Fragen fast alle gleichzeitig aus ihr raus.
„Kiran hat mich in Alaska gefragt. Nachdem schlecht inszenierten Trennungsdilemma. Du weißt schon damals als ich euch alle irgendwie verlassen wollte. Kurz nach dem Tod von Marius.“
„Oh ja, daran erinnere ich mich noch gut! Du bist schon etwas eigenwillig. Hm…vielleicht passt störrisch besser.“
Ich biss mir auf die Unterlippe: „Ja ich weiss. Aber Kiran kennt mich zu gut und weiss was er da heiraten will.“
Paula kicherte. „Ich freue mich für euch. Wisst ihr schon wann?“
„Nein, zuerst kommt Tino dran. Dann muss ich hier noch alles klären mit meiner Familie. Wenn wir wieder in Alaska sind, haben die Babies von Sandi und Julia Vorrang. Danach sehen wir weiter. Deswegen haben wir nichts gesagt. Wir haben Zeit, sehr viel Zeit. Es eilt ja nicht.“
„Pass nur auf das du deine Meinung nicht noch änderst.“
„Nie im Leben. Dann fliegen wir eben mal so husch, husch nach Vegas“, motzte ich sie lächelnd an. Wieder mussten wir kichern. Vegas wäre ja wirklich auch eine Alternative. Ich hatte keine Ahnung wie meine eigene Hochzeit aussehen sollte. Eine Hochzeit mit verschiedenen Wesen und Menschen zusammen. Würde das wohl so einfach über die Bühne gehen? Doch wie ich Paula bereits erklärt hatte, dieser Punkt stand nicht zu Oberst auf unserer, nein meiner, Prioritäten Liste. Also hatte ich noch genügend Zeit, mir zur gegebenen Zeit, den Kopf darüber zu zerbrechen.
Paula bekam wieder einen rassigen Kurzhaarschnitt verpasst. Meine Haare wurden super schön an mein Gesicht angepasst. Sehr modisch und feminin zugleich. Ich staunte was so ein Friseuer aus einem heraus holen kann. Danach schlenderten wir gemütlich von Laden zu Laden. Heute schienen wir kein passendes Kleid für mich zu finden. Das machte aber überhaupt nichts aus. Wir tranken Kaffee. Kauften ein paar bequeme Schuhe und hatten einfach wieder einmal richtig Spass. Heute waren wir nicht die Landeier mit schlabbrigen bequemen Klamotten. Heute waren wir wieder mal Ladies. Es tat gut wieder einmal ungezwungen Schoppen zu gehen mit einer Freundin. Vor allem in einem Gebiet in dem man sich gut auskennt. Hier kannten wir unsere Lieblingsladen. Doch auch hier hatte sich in der kurzen Zeit bereits einiges verändert. Kleine Läden gingen ein und wurden durch neue ersetzt.
„Paula, ich bin so froh dass wir zusammen im Camp leben werden. Es ist wirklich schön meine Freundin in der nähe zu haben“, sprach ich laut aus was ich gerade dachte.
Paula gab mir einen kleinen Stoss und antwortete: „Ach Lis, es ist doch eh meine Heimat. Die Zeit in der Schweiz war wirklich sehr schön. Ich habe hier viele Annehmlichkeiten genossen die wir in Alaska nicht haben werden. Aber ich komme gerne wieder in mein Heimatland zurück. Mir geht es wie dir. Ich bin froh dich in der Nähe zu wissen und dass ich dann noch meine grosse Liebe gefunden habe. Was will man mehr.“
„Schön, also bist du wirklich glücklich ohne wenn und aber.“
Paula lächelte: „Natürlich, mach dir nicht dauernd so schwere Gedanken über uns. Wir würden es dir schon sagen wenn etwas nicht in Ordnung wäre. Hab Vertrauen in uns.“
„Ja, ich verstehe was du meinst. Werde mich zukünftig etwas bemühen“, lächelte ich Paula an.
Als wir bei mir zu Hause ankamen waren wir schon einwenig erledigt von dem „strengen“ Nachmittag. Joe und Kiran waren vor uns zurück. Zuerst wurden natürlich unsere neuen Frisuren begutachtet: „Wau kleines, du siehst sehr… weiblich und hübsch aus. Steht dir wirklich gut.“
Meinte Kiran so wie er es sagte. Es gefiel ihm wirklich. Joe nickte mir zustimmend zu und strubbelte dabei über Paulas kurze Haare. Sie kicherte. Joe hingegen trug die Haare immer noch lang.
„Joe, deine Haare würden auch einen Schnitt vertragen. Paula sieht definitiv besser aus als du“, scherzte Kiran.
„Nö, ich trenne mich nicht von meiner Mähne. Und Frauen sehen immer besser aus als wir Männer“, grinste Joe uns alle an. Da zog Paula an seinen Haaren um ihn zu küssen. Sie sind ein hübsches Paar, fand ich. Danach tranken wir zusammen einen Kaffee und tauschten uns aus. Da sich Paula und Joe noch mit Tori und Tom treffen wollten, machten sie sich auf den Weg. Das war gut so! Wir machten uns auch bereit für den Abend bei meiner Mutter und Robert. Während der Fahrt sprach ich kein Wort also ergriff Kiran das Erste: „Machst du dir grosse Sorgen?“
Ich nickte während ich sprach: „Mh…Ja, ich weiss es wird schwierig für meine Mam. Ich bin mir nicht sicher ob sie es verstehen wird.“
„Ich wiederhole mich: Verstehen muss sie es auch nicht. Akzeptieren würde schon reichen.“
Ich seufzte: „Ja das wäre wirklich schön. Weiss gar nicht womit ich zuerst beginnen soll: Heirat oder Alaska?“
„Mach dir nicht so viele Gedanken. Es wird sich einfach ergeben. Lass es auf dich zukommen. Versuch den Abend so gut wie möglich zu geniessen.“
Wenn es doch bloss so einfach wäre. Schlussendlich versprach ich es ihm. Die Begrüssung war wirklich sehr herzlich. Wir hatten einander mehr vermisst als ich mir zugestand. Meiner Mutter stand das Wasser in den Augen als sie mich sah. Ja, Kiran hatte Recht. Sie liebte mich. Sie sah gut aus, wie immer. Robert war auch da und freute sich ebenfalls uns zu sehen. Meine Mutter wollte wissen wie es mir in Alaska gefallen hat und was ich alles so erlebt hatte. Natürlich wollte sie wissen wie es Paula und Tom erging in Alaska. Ich erzählte ihr von der Familie die ich im Camp kennen gelernt habe und den tollen Huskies und Pferden. Es freute sie zu hören dass ich viel Spass hatte und es mir so gut ging. Sie spürte, aus meinen Erzählungen heraus, dass es mir an nichts fehlte da in Alaska. Ich zeigte ihr die Fotos auf meiner Kamera. Somit konnte sie sich ein besseres Bild machen von der Familie Faller und Alaska. Kiran hielt sich dezent im Hintergrund und hörte uns aufmerksam zu.
Im Laufe des Abends sah meine Mutter zu Kiran und sprach:
„Tja Kiran, ich will ehrlich zu dir sein. Am Anfang war ich nicht froh darüber dass du wieder in ihr Leben getreten bist. Sie hat sehr gelitten als du weg warst. Ich verstand nicht wieso sie dir verziehen hat.“
„Esther, ich weiss. Es tut mir leid. Das war nie meine Absicht. Es waren einige Missverständnisse zu klären. Doch sie hat mir verziehen und ich hoffe ihr könnt es auch. Denn ich liebe deine Tochter über die Massen. Ich verspreche dir ich werde sie nie mehr verlassen.“
„Pass auf mit deinen Versprechungen. Ich habe dir längst verziehen. In erster Linie ist es Lis Entscheidung mit wem sie ihr Leben teilt. Auch wenn es für mich als Mutter nicht immer einfach ist. Wir Mütter würden uns sehr wahrscheinlich für unsere Kinder anders entscheiden. Mutter zu sein ist ein harter Job“, dabei lächelte sie jetzt liebevoll in meine Richtung.
Kiran nahm meine Hand in seine. Er sah zu Ester und begann:
„Esther, da ist noch etwas was ich dir sagen will. Ich möchte bei dir persönlich um die Hand deiner Tochter anhalten. Wir möchten gerne heiraten und es wäre schön deine Zustimmung zu haben.“
Meine Mam, Robert und ich machten grosse Augen. Klar hatten wir darüber gesprochen aber dass er meine Mutter so ganz formell fragen würde? Davon wusste und ahnte ich nichts.
Esther sah zu Robert und dieser strahlte meine Mam an. Robert hielt ihre Hand fest. Als sie sich gefangen hatte erwiderte sie:
„Aber Kiran, du brauchst mich doch nicht zu fragen.“
„Schon klar, aber es wäre schön eure Zustimmung zu haben. Natürlich könntet ihr auch nein sagen, das würde die ganze Sache jedoch etwas erschweren…“
Meine Mam und Robert lachten laut auf: „Kiran, natürlich bekommt ihr unsere Zustimmung. Wenn es das ist was meine Tochter sich wünscht stehe ich da nicht im Weg.“ Sprach Esther freundlich und schien sich wirklich für mich zu freuen. Kiran nahm einen Ring hervor, den ich ebenfalls zuvor noch nie gesehen hatte und steckte mir diesen an meinen Finger. Natürlich passte er wie angegossen. Kiran küsste mich auf die Wange uns sprach: „Liebes, wir sind jetzt offenbar ganz offiziell verlobt.“
Röte stieg in meine Wangen. Es war mir schon einwenig peinlich so formell vor Mam und Robert. Aber auch für die beiden war das eine nicht alltägliche Situation. Sie gratulierten uns. Ich war trotzdem irgendwie stolz. Einen kurzen Moment lang brachte ich keinen Ton heraus, ich war hin und weg. Die Überraschung war ihm durchaus gelungen. Als ich langsam meine Stimme wieder fand, fand ich es an der Zeit Mam reinen Wein einzuschenken.
Langsam begann ich: „Ähm Mam, da gibt es noch mehr das du wissen musst“, holte ich etwas aus.
„Bist du schwanger?“, fragten Mam und Robert gleichzeitig.
„Nein, aber ich habe euch doch erzählt dass wir in London leben werden?“
„Ja das hast du uns mal in einem E-Mail geschrieben“, erwähnte Robert.
Meine Mam hörte gespannt zu als ich weiter sprach: „Nun, unsere Pläne haben sich geändert. Unsere Heimat wird Alaska werden.“
So jetzt hatte ich es geschafft. Die zwei brachten vorläufig kein Wort mehr heraus. Robert drückte die Hand meiner Mutter ganz fest. Er wollte ihr Kraft spenden. Die Stille war bedrückend für uns alle. Esther schloss ihre Augen und als sie, sie wieder öffnete sprach sie zu uns allen: „Nun ja, London war ja schon etwas woran ich mich gewöhnen musste. Aber Alaska… Um Himmelswillen warum denn Alaska?“
Sie sah so besorgt aus. In meinem Hals bildete sich ein richtiger Klumpen der sich alles andere als gut anfühlte. Schuldbewusst versuchte ich zu erklären: „Mam ich kann dir nicht sagen warum, weshalb oder wieso wir uns für diesen Weg entschieden haben. Es gibt so unglaublich viele Gründe die dafür sprechen und genau so viele Gründe die dagegen sprechen. Diese Wahl haben wir gemeinsam getroffen. Wir wollen es wirklich beide. Auch wenn ihr euch das kaum vorstellen könnt.“
Kiran nickte um meine Worte zu bestätigen und sprach: „In Fairbanks wird eine Zweigniederlassung eröffnet die mit dem Eventbüro meines Vaters zusammenhängt. Leben werden wir im Camp, dort haben wir ein eigenes geeignetes Heim.“
Ester seufzte laut auf. Als sie sich etwas gesammelt hatte sprach sie im ruhigen Ton zu uns: „Zum Glück geht es nicht mehr ganz so lange bis wir pensioniert werden. Und wenn wir das Geschäft mit Gewinn verkaufen können, machen wir wohl mal einen längeren Aufenthalt bei euch.“
Robert seufzte auf. „Tja, Esther ich glaube deine Tochter übernimmt das Geschäft jetzt definitiv nicht“, damit hatte Robert das Eis gebrochen und wir konnten wieder lachen. Die Anspannung wich. Es ging besser als ich dachte.
„Ach Elisabeth, ich liebe dich. Du bist meine Tochter und ich wünsche euch dass ihr glücklich werdet. Wo auch immer das sein mag. Es kommt im Leben nicht immer alles so wie man es sich wünscht. Daran muss man sich als Mutter zuerst gewöhnen. Es ist nicht immer einfach mit euch. Wir müssen unbedingt in Zukunft Skypen.“
„Du hast Skyp?“, platzte es aus mir raus.
„Klar, man muss sich der Zeit anpassen“, protzte meine Mam und wir lächelten einander an. Ja, das war eine gute Idee.
Robert erwähnte: „Übrigens lassen wir deine Wohnung so wie sie jetzt ist. Wir waren ja darauf vorbereitet dass du weggehst. Ob jetzt London oder Alaska, deine Wohnung wird bleiben. Damit habt ihr jederzeit ein Zuhause in der Schweiz. Ihr könnt kommen und gehen wie ihr wollt. Behalte den Schlüssel. Es ist deine Wohnung.“
Sie hatten mich endlich soweit, mir lief eine träne die Wange hinunter. Das Ganze rührte mich doch sehr. Der restliche Abend verlief ebenfalls sehr angenehm. Robert und Kiran unterhielten sich über ein Paar geschäftliche Dinge. Mam und ich tauschten uns aus betreffend Tino’s Hochzeit. Sie zeigte mir ihr hübsches Kleid und ich musste ihr gestehen dass ich noch keines gefunden hatte. Ich musste ihr hoch und heilig versprechen gemeinsam mit ihr eines auszusuchen. Wir wollten in den nächsten Tagen einen Mutter, Tochter Nachmittag zusammen verbringen. Ja, das war eine gute Idee. Ich freute mich jetzt schon darauf. So etwas war schon eine Weile her. Auf dem Rückweg schlief ich glücklich im Auto ein.
Am nächsten Morgen erwachte ich natürlich, noch angezogen, in meinem Bett. Kiran muss mich wohl hoch getragen haben. Für ihn eine Leichtigkeit. Ich hörte die Kaffeemaschine in der Küche und machte mich sogleich auf den Weg dahin. Auf dem Weg streifte ich mir die Kleider noch etwas glatt. Kiran war heute also wieder früh aufgestanden. Ich fand ihn dann vor dem Laptop sitzend vor.
„Morgen, was machst du?“, interessierte es mich.
„Mh…, bin am organisieren. Mein Vater ist bei den Faller’s angekommen und hat die Immobilie für die Zweigniederlassung als gut befunden.“
„Oh, das ist gut oder?“
„Ja, läuft besser und schneller als wir dachten. Die Behörden sind nicht gegen, sondern für uns. Eigentlich eine positive Überraschung womit wir nicht gerechnet hatten. Aber das erleichtert uns vieles.“
Neben dem Laptop stand ein Glas. Anfangs dachte ich es sei ein Kaffee da ich ja die Maschine gehört hatte. Doch es roch eindeutig nach Blut. Automatisch runzelte ich meine Stirn als ich beunruhigt fragte:„Kiran, weshalb trinkst du heute Morgen wieder ein Glas Blut statt Kaffee?“
„Oh…, Einfach so. Dafür gibt es keinen speziellen Grund ich hatte einfach Lust dazu“, sagte er währenddem er mich ansah und lächelte. Ich fand es durchaus etwas seltsam. Normalerweise brauchte er das Blut nicht. Aber na gut, ich kannte mich ja nicht wirklich aus. Vielleicht war er einfach etwas nervös wegen allem was uns noch bevor stand. Und das war seine Art der Ablenkung. Wer weiss.
Den Rest der Woche verbrachten wir damit uns mit Behörden herum zu schlagen. Eine Auswanderung war gar nicht so einfach wie ich es mir eigentlich vorgestellt hatte. Das grösste Problem war das Geld. Meine Eltern halfen mir grosszügig damit aus. Es war mir gar nicht Recht. Doch sie beschwichtigten mich damit dass ich es als vor Erbe anschauen sollte. Für Kiran war es logisch dass mir meine Eltern unter die Arme greifen wollten. Auch er musste Geld für Alaska investieren. Wo er so viel Geld her bekommen hatte wollte ich ihn bei Gelegenheit mal fragen. Doch im Moment war unsere Beziehung – irgendwie anders. Deshalb lies ich die Geld Sache vorerst ruhen. Im Gegensatz zu Joe trank Kiran mittlerweile sehr viel Blut. Sollte das eigentlich nicht umgekehrt laufen? Joe benahm sich sehr souverän und Kiran wurde angespannter. Kiran wurde zunehmend nervöser. Das war so gar nicht seine Art. So langsam musste ich mir irgendwoher Rat suchen. Eines Abends machten wir mit Paula und Joe bei mir zu hause ab. Wir assen Pizza. Sogar Joe ass ein Stück der Pizza und erklärte dabei: „Ehrlich Kiran, das Blut aus eurem Krankenhaus ist seltsam. Es schmeckt scheusslich. Kiran es muss eine Möglichkeit geben dass wir uns mal abkapseln und ein Tier reissen. Sonst dreh ich durch und schnapp mir einen Menschen glaub es mir.“
Das war wirklich ehrlich von Joe. Durchaus eine Stärke wenn man eine Schwäche zugeben kann.
„Bin dabei“, antwortete Kiran, „wollen wir heute Nacht los ziehen?“
„Um Himmelswillen Kiran“, platze es aus mir raus.
„Warum nicht, jede Nacht ist so gut wie jede andere“, fügte Joe an.
Paula war auch nicht der gleichen Meinung wie Kiran und Joe: „Hey Jungs, dass müsste zuerst gut geplant werden.“
Kiran schnellte auf und warf seinen Stuhl an die nächste Wand. Dieser ging natürlich in die Brüche. Dann Warens nur noch drei Stühle. Ich verstand ihn nicht, was ging bloss in ihm vor? Weshalb so aggressiv? Paula und ich hatten keine Chance sie umzustimmen. Die beiden gerieten in eine Art Euphorie. Sie waren so sehr davon überzeugt und schon halb wahnsinnig vor Freude. Sie hatten beide so einen irren Blick. Ich klappte mein Bettsofa im Wohnzimmer auf und bestand darauf dass Kiran, Joe wieder hier her bringen müsse. Denn Paula und er würden hier übernachten. Das schien für ihn kein Problem dar zu stellen und als dass geklärt war, waren sie schneller weg als es uns lieb war. Sie hörten uns nicht mehr zu. Ziemlich Ratlos standen wir nun da in meiner Wohnung.
Fragend sah mich Paula an: „Was ist denn mit Kiran los? Seit wann ist er denn so aufbrausend?“
„Nenn es ruhig aggressiv! Seit er das Blut trinkt ist er anders geworden. Aggressiv! Nur scheint es bei Kiran etwas intensiver. Vor allem versteh ich nicht wieso er überhaupt Blut trinkt. Das sie mal auf die Jagt müssen oder mal einen Abend brauchen um zu raufen versteh ich ja aber gerade heute…So unvorbereitet“, ich wusste nicht was ich davon halten sollte. „Paula ich will ehrlich zu dir sein. Ich weiss nicht ob Kiran noch lange hier bleiben sollte.“
„Ich mache mir dieselben Sorgen um Joe. Er wird auch zunehmender unkontrollierbarer.“
„Im Moment wäre es mir am liebsten Du würdest mit ihnen zurück nach Alaska fliegen. Ich würde dann rasch möglichst nachkommen. Joes Vater sollte in Alaska das Blut mal testen um zu schauen was da drin steckt. Ihr müsstet eine Probe mitnehmen…“
Paula sah mir direkt in die Augen: „Du hast Recht. Das wäre eine durchaus vernünftige Idee. Bevor sie uns aus der Hand gleiten aber ich glaube nicht dass ich Kiran von dir weg bringen kann. Joe wohl eher auch nicht freiwillig“, sie seufzte als sie anfügte, „Lis wir müssen noch etwas abwarten. Ich spreche bei Gelegenheit mal in Ruhe mit Joe. Soweit es möglich sein wird. Vielleicht ist er ja einsichtiger.“
Wir blieben noch eine Weile auf und schalteten das Fernsehprogramm rauf und runter. Als uns fast die Augen zu vielen gingen wir vernünftiger Weise zu Bett. Ich ins Schlafzimmer und Paula machte es sich auf dem Bettsofa gemütlich. Am nächsten Morgen lag Kiran immer noch nicht neben mir. Als ich im Wohnzimmer bei Paula stand sah sie mich genau so fragend an. Wo waren sie denn nur? Wir versuchten sie per Gedanken zu erreichen: -*Leon, wo bist du. Kommt bitte zurück*-
Ich wartete, aber bekam keine Antwort. Fragend sah ich zu Paula die mir erklärte: „Joe konnte ich erreichen, er ist auf dem Weg, aber ohne Kiran. Kiran wird später kommen. Lis was bedeutet das?“
Ich war sprachlos und konnte ihr keine Antwort darauf geben. Es beunruhigte mich sehr. Jetzt zuckte ich zusammen da mein Seelenname benutzt wurde: -*Eve, kleines, mir geht es nicht besonders. Brauche etwas länger Zeit. Joe ist auf dem Weg zu euch. Bitte mach dir keine Sorgen, es wird schon wieder.“-
Sofort erzählte ich Paula von Kirans Mitteilung. Logisch machte ich mir Sorgen. Wirklich grosse Sorgen. Mein Magen zog sich zusammen. War so gespannt auf Joes Bericht. Also blieb uns nichts anderes übrig als abzuwarten. Ich trank einen Kaffee nach dem anderen. Endlich tauchte Joe auf. Er sah eigentlich gut aus. Man sah ihm an dass sie ihre Kräfte gemessen hatten. Ich versuchte so Ruhig wie möglich zu bleiben. Joe sah mir die Anspannung jedoch an und bat uns hinzusetzen. Er wollte uns alles erzählen: „Also wir zogen los, recht unvernünftig, wie ihr ja gestern bereits erwähnt hattet. Wir nahmen das Auto und fuhren weit hinaus. Keine Ahnung wo wir gelandet sind. Kiran fuhr wie üblich sehr schnell. Danach gingen wir zu Fuss weiter, wieder sehr schnell. Wir trafen auf weidende Kühe die wir rissen. Ich der hungrige Vampir und Kiran als Gestalt vom Wolfsmensch oder Werwolf. Wie auch immer! Ich hatte ihn noch nie in dieser Gestallt gesehen. Er jagte selbst mir etwas Angst ein. Kiran war von Sinnen und jagte auch mich. Er kriegte mich nicht zu fassen, ich war geschickt. Aber ehrlich er war echt etwas unkontrolliert. Ich konnte ihn anfangs nicht mit meinen Gedanken erreichen. Als er davonjagte versuchte ich mich an seine Versen zu heften. Doch ihr wisst selber wie schnell er sein kann wenn er will. Ich hatte keine Chance. Da beschloss ich noch eine Weile da zu bleiben um ihn auf zu spüren. Schlussendlich fand ich ihn. Er war ruhiger, aber immer noch in dieser scheusslichen Gestalt. Lis bitte entschuldige diesen Ausdruck“, er sah mich an und fuhr weiter, „diesmal konnten ihn meine Gedanken erreichen. Er hat Schwierigkeiten sich zurück zu verwandeln. Warum weiss er nicht. Zumindest ist er wieder kontrollierbar und wird herkommen sobald er sich zurück verwandeln kann. Da die Kuhweide etwas grässlich von uns hingerichtet wurde ist er Momentan auf der Flucht. Sie suchen das Tier dass die Kühe getötet haben. Das könnt ihr sicherlich verstehen. Ja, wir wissen es war ein Fehler, haltet jetzt keine Predigt.“
Ich nickte, war aber sprachlos. Ich war wütend auf die ganze Situation stand auf und schlug auf Joe ein: „Scheisse Joe, was ist bloss los mit euch beiden?“
Joe hielt meine Arme fest und erklärte weiter: „Lis…, Paula, ich habe nachgedacht. Es muss an diesem Blut liegen. Es ist fremdartig. Irgendetwas stimmt damit nicht. Am besten werden Paula und ich das Blut mitnehmen und lagern damit wir Kiran besser unter Kontrolle haben.“
Paula stimmte Joe sofort und ohne Widerrede zu. Joe lies mich los und er nahm Paula in den Arm. Ich überlegte kurz und antwortete: „Ja, das ist in Ordnung. Es kann nicht sein dass er täglich Blut braucht. Das habe ich noch nie erlebt. Im Moment ist er mehr Tier als Mensch. Joe, du musst zurück nach Alaska mit Paula und Kiran. In diesem Zustand bist du der einzige der ihn, kräftemässig, halten kann. Ich habe noch Dinge zu erledigen und kann nicht gleich weg. Dann ist da noch die bevorstehende Hochzeit…“
„Lis, ich lass dich doch nicht alleine. Du weißt doch…“
Bestimmend unterbrach ich ihn: „Ja ich weiss du möchtest mich beschützen. Aber jetzt muss Kiran, vor sich selbst, beschützt werden. Und dass so schnell wie möglich. Ich habe heute Nachmittag einen Termin mit meiner Mutter. Wir suchen zusammen ein Kleid das ich in zwei Tagen tragen sollte. Bitte bleibt ihr hier und wartet auf Kiran.“
Joe und Paula sahen sich an.
„Das geht in Ordnung, wir warten hier. Bitte mach dir nicht zu viele Gedanken. Deine Überlegung dass Kiran beschützt werden muss nehme ich mir zu herzen. Ich werde es mir gründlich überlegen. Das kann ich dir im Moment anbieten.“ Sprach Joe.
Ja das reichte mir für den Moment aus. Also machte ich mich auf den Weg. Ich traf mich mit meiner Mutter bereits zum Mittagessen. Ich war nicht ganz bei der Sache, versuchte es mir aber nicht anmerken zu lassen. Als wir in einem Kleiderladen ankamen und ich in ein Kleid schlüpfen sollte, wollte ich Kiran per Gedanken in der Umkleidekabine erreichen und konzentriert mich kurz: -*Leon, wie geht es dir.*-, ich watete ab. Zwängte mich in das Kleid und bekam endlich die ersehnte Antwort: -*Liebes, es wird, ich bin zuversichtlich. Verwische gerade meine spuren. Melde mich später wieder. Deine Gedanken geben mir Kraft.*-
Tränen stiegen mir ins Gesicht und als meine Mam den Vorhang aufmachte und meine tränen sah meinte sie: „Aber Schatz, so schlimm ist dieses Kleid gar nicht.“
Ich hatte es noch gar nicht angesehen, und würde es wohl auch nicht wirklich tun. Ich war nicht wirklich anwesend. Wir besuchten noch zwei weitere Kleider Läden bis meine Mam bei einem Kleid förmlich vor Begeisterung hüpfte. Ich war einfachshalber derselben Meinung wie sie. Ich war auch begeistert. Hätte mich aber jemand danach gefragt wie dieses Kleid aussah, ich hätte keine Antwort dazu geben können. Ich hatte andere Sorgen. Mam bedankte sich für den schönen Nachmittag und beteuerte wie sehr sie es genossen hatte. Ich machte es genau so. Als ich unterwegs in meine Wohnung war bekam ich ein schlechtes Gewissen meiner Mutter gegenüber. Eigentlich war es ihr gegenüber nicht Fair. Als ich oben ankam sassen Paula und Joe in der Küche vor dem Laptop.
„Ich habe mir Gedanken darüber gemacht was du gesagt hast. Denke du hast Recht. Ich bin mitgekommen um dich zu beschützen aber die Lage hat sich eben geändert. Also werde ich mit Paula und Kiran zurück fliegen. Da wir nicht genau wissen wann er zurück sein wird haben wir gedacht wir buchen den Flug nach der Hochzeit deines Bruders. Falls Kiran vorher auftaucht. Wovon wir eigentlich ausgehen, kann er noch dabei sein. Für den Flug werden wir ihm von dem Kraut geben das wir noch von Mona mitgenommen haben. Was hältst du davon?“ Erklärte mir Joe ziemlich sachlich. Paula kam auf mich zu und nahm mich in den Arm. Endlich konnte ich meiner Anspannung nachgeben und meinen tränen freien Lauf lassen. Im Moment fand ich keine Worte. Es war so schön dass Paula und Joe da waren. Ich war so froh solche Freunde zu besitzen. Wir mussten keine Geheimnisse vor einander haben. Wir konnten so sein wie wir wirklich waren. Wir halfen uns gegenseitig.
Später am Abend bedankte ich mich bei ihnen und gab endlich Antwort auf Joes Frage was ich von ihrer Idee hielt: „Paula, Joe, ihr habt gut gewählt. Ich bin froh dass ihr mit Kiran zurück geht. Weiss dein Vater schon darüber bescheid?“
Joe nickte: „Ja ich habe mit meinem Vater telefoniert. Patrick, habe ich auch darüber informiert. Er findet das Ganze mehr als nur seltsam. Kiran dürfte nie im Leben so viel Blut zu sich nehmen. Du hattest das richtige Gespür. So einen Vorfall hat er selber nie erlebt. Er macht sich Sorgen und bat uns so schnell zurück zu kommen wie möglich. Wir tun das Richtige.“
Ja dessen war ich mir absolut sicher. In dieser Nacht blieben die beiden wieder bei mir in der Wohnung und machten es sich im Wohnzimmer gemütlich. Bevor wir zu Bett gingen umarmten wir uns noch und sie wünschten mir viel Kraft. Ich ging ins Schlafzimmer und setzte mich auf das Bett und suchte Kiran:
-*Grosser, bist du noch wach. Geht es dir gut.*-
Wieder hoffte und wartete ich auf Antwort. Ich wartete eine Weile, begann mich zu konzentrieren und bekam eine Antwort:
-*Hey liebes, ja mir geht es gut. Schlafe gleich ein, dieses versteck Spiel schlaucht mich. Sehe schon fast wieder menschlich aus. Trage meine Kleider zwar noch nach. Bin froh dass Joe sie mir hingelegt hat. Bitte endschuldige ich muss schlafen. Mein Herz gehört dir. Ich vermisse dich. Gute Nacht.*-
Ich fühlte mich als würde ein Stein von meinem Herzen herunter fallen und sendete zurück: -*Ja ich bin auch müde. Vermisse dich auch und freue mich dich wieder in meine Arme schliessen zu können. Gute Nacht.*-
Natürlich spürte ich eine seltsame Leere in mir. Doch ich wusste er würde wieder kommen. Er würde es schaffen da war ich mir sicher. So etwas würde er wohl nicht mehr so schnell machen. Etwas ruhiger wie zuvor schlief ich dann ein. In dieser Nacht träumte ich wieder von der Hochzeit meines Bruders. Wieder sah ich Kiran und mich auf der Tanzfläche. Wir waren glücklich. Doch ich spürte dass wir beobachtet wurden. ES würde an der Hochzeit auch anwesend sein. Im Traum suchte ich nach ihm oder ihr. Alles schien so verschwommen zu sein. Egal in welche Richtung ich mich drehte, überall waren vertraute Gesichter. Nichts beunruhigendes, auch Kiran war nicht in Alarmbereitschaft. Aber ich spürte es so deutlich dass ich es fast nicht aushielt. Wieder begann ich zu suchen und Kiran begann zu lachen. Schrecklich fies zu lachen, seine Augen glühten. Sein Gesicht verzerrte sich zu einer Fratze…In diesem Moment erwachte ich schweiss gebadet. Ich versuchte mich zu sammeln und zu verstehen was dieser Traum zu bedeuten hatte. Doch ich bewegte mich im Kreis. Ich wusste ja noch nicht einmal wonach ich suchen sollte. Fand keinen Hinweis. Schlussendlich kam ich zu der Erkenntnis dass mein Traum mit der jetzigen Situation zu tun haben musste. Jetzt war Kiran das Monster, was er im Normalfall nicht war. Das Ganze schien mich unheimlich stark zu beeinflussen. Zum Glück fand ich rasch meinen schlaf wieder. Paula und Joe liessen mich lange liegen. Ich erwachte als es an der Haustüre klingelte. Ich riss die Augen auf und schaute auf die Uhr. Meine Güte es war schon 14 Uhr. Anscheinend hatte ich etwas Schlaf nötig. Rasch zog ich mir einen Trainings Anzug über und gesellte mich zu Paula und Joe. Zu meiner Freude waren es Tori und Tom die bei mir an der Haustüre standen. Sie brachten etwas Süsses mit dass sie unten in der Bäckerei geholt hatten. Wir begrüssten uns herzlich. Tom sah mich an und knallte mir eine Zeitung auf den Tisch mit der Überschrift:
Bauer verlor seine Kühe an ein unbekanntes wildes Tier! Reissen Wölfe ganze Herden?
Es wurde darüber berichtet wie schlimm die Kühe zugerichtet waren. Teilweise wurden sie fast ganz gegessen und teilweise wurde ihnen das Blut entzogen. Es wurde nach einem Bären oder Wolf gesucht der ev. in Frage kommen könnte. Es gab keine eindeutigen Beweisen was es für ein Tier es gewesen sei. Doch man war sich einstimmig darüber im Klaren es müsse ein Tier gewesen sein. Kein Mensch würde so etwas zu Stande bringen…Weiterlesen musste ich nicht, mir lief es so schon kalt den Rücken herunter.
„Da Joe hier ist, frage ich dich wo ist Kiran? Könnt ihr mir erklären wie so etwas geschehen konnte?“, sprach Tom etwas vorwurfsvoll. Meine Augen füllten sich schon wieder mit Wasser. Joe nahm mich auf die Seite und übergab mich Paula.
„Lis…, Joe wird es ihnen erklären“, sprach Paula im ruhigen Tonfall zu mir. Kaum hatte sie es ausgesprochen knallte die Türe auf und Kiran stolperte herein. Er sah recht zerzaust aus. Seine Kleidung war nicht unbedingt dass was man für vollständig nennen würde. Er war noch etwas neben sich. Er schien mich zu suchen und als er mich mit seinen Blicken gefunden hatte, vielen wir uns in die Arme. Ich spürte Toms fragenden Blick und Joe nahm Tom auf die Seite und begann es ihm ausführlich zu erzählen. So wie er es mir und Paula zuvor schon erklärte. Ich nahm Kiran mit ins Schlafzimmer und platzierte ihn auf das Bett.
„Liebes ich bin so schrecklich müde. Darf ich mich einwenig hinlegen?“
„Was für eine dumme Frage“, antwortete ich ihm und gab ihm einen flüchtigen Kuss auf die Stirn. Dabei begann er zu lächeln. Es beruhigte mich ihn lächeln zu sehen. Danach schlief er tatsächlich gleich ein. Ich stand auf und betrachtete ihn. Es schien als wäre er krank. Dass er so erschöpft sein konnte? Irgendetwas stimmte definitiv nicht mit ihm. Morgen würde er noch die Hochzeit meines Bruders durchstehen müssen, danach konnte er zurück um sich zu erholen. Natürlich würden wie uns leer fühlen und nicht als ganzes. Aber es wäre nur für eine kurze Zeit. Eine Zeit lang stand ich da und verfolgte Kirans regelmässigen aber raschen Atem. Schliesslich konnte ich mich losreissen und ging zu den anderen die jetzt alle im Bild darüber waren was es mit dem Zeitungsbericht auf sich hatte.
„Wie geht es jetzt weiter?“, fragte Tom berechtigt.
Joe erklärte ihm: „Morgen wird er hoffentlich erholt sein und mit euch zur Hochzeit mitkommen können. Wir haben einen Flug bekommen für nächsten Mittwoch. Paula, ich und Kiran werden zurück fliegen. Lis wird uns folgen sobald sie ihre Sachen hier erledigt hat. Mein Vater wird unser Blut untersuchen. Ich werde versuchen etwas von diesem hier“, er zeigte auf den Kühlschrank, „mitzunehmen damit mein Vater es analysieren kann. Somit erhoffen wir uns einwenig Klarheit.“
„Weiss unser Wolfi auch schon von diesem netten Plan“, wollten Tori von uns wissen.
Paula antwortete mit einem: „Nein“, und erklärte weiter, „aber nach diesem Vorfall wird Kiran wohl oder übel zu überzeugen sein dass es das Beste für Ihn ist. Er hat keine Wahl. Er ist überstimmt.“
Kurze Zeit später verabschiedeten sich Tori und Tom von uns. Ich sah sie ja morgen bei der Hochzeit wieder. An diesen Gedanken geheftet hellte sich meine Mine etwas auf. Ja, ich freute mich riesig meinen Bruder und seine Michaela wieder zu sehen. Auch sie würden mir fehlen. Alle würden mir fehlen wenn ich in Alaska sein werde.
In dieser Nacht schlief Kiran sehr unruhig und ich etwas wenig. Doch irgendwann muss ich dann tief eingeschlafen sein. Ich erwachte durch stimmen die aus meinem Wohnzimmer drangen. Also stand ich auf und gesellte mich zu meinen lieben. Kiran lächelte mich an kam auf mich zu und schloss mich in seine Arme. Es tat so unheimlich gut ihn zu spüren. Zu spüren dass es ihm gut zu gehen scheint. Er küsste mich auf meine Haare und sagte ganz leise: „Hab dich vermisst.“
Ich seufzte tief und sah ihm direkt in die Augen.
„Ich unterbreche eure Romanze ja wirklich ungern. Solltet ihr euch nicht langsam beeilen?“, hörten wir Joe sagen und Paula kichern. Aber ja, sie hatten natürlich Recht. Doch bevor ich in mein Kleid schlüpfte wollte ich von Joe wissen: „Hast du Kiran, – hast du ihm bereits davon erzählt? Ich meine wegen dem Flug…, dass ihr 3 zurück…“
Ich stotterte etwas ungeschickt. Kiran nahm mein Kinn in die Hand und hob es an. Ich sah seinen liebevollen Blick als er mir erwiderte: „Liebes, Paula und Joe haben mir bereits alles erzählt. Die Zeitschrift die Tom gebracht hat war allerdings auch sehr aufschlussreich. Ich will nicht dieses Monster sein oder werden. Das weisst du ganz genau. Ich füge mich, nicht gerne, aber ich füge mich. Wir müssen herausfinden was mit mir los ist.“
Danach küsste er mich kurz.
Joe kicherte: „Die Zeit läuft euch davon…! Ticktack, ticktack…“
Also lösten wir uns von einander. Kiran schnappte seinen Anzug und zog sich im Wohnzimmer an. Paula half mir im Schlafzimmer mit meinem eleganten Kleid. Als ich fertig angezogen, frisiert und geschminkt da stand staunte ich selbst über mich. Es sah wirklich wunderschön aus. War das etwa ich? Meine Mutter hatte es gut getroffen mit dem Kleid. Als ich ins Wohnzimmer trat staunten unsere Jungs nicht schlecht mich so aufgedonnert zu sehen.
„Mensch liebes, wenn du jetzt schon so hübsch aussiehst, wie wird das denn bei unserer eigenen Hochzeit?“, sprach Kiran mehr zu sich selbst als zu uns.
„Ihr heiratet!“, rief Joe und sah automatisch zu Paula hinüber. Diese hatte jetzt einen schuldigen Blick. „Du wusstest davon? Ihr seit unmöglich.“
Ich zeigte ihm kurz meinen Finger mit dem Ring daran. Anscheinend hat er nach diesem Trouble nicht darauf geachtet. Er schüttelte seinen Kopf lies es aber damit ruhen da wir eh schon etwas spät dran waren. Sie brachten uns zum Treffpunkt wo wir von einem Car aufgesammelt wurden. In unserem Car war meine gesamte Verwandtschaft anzutreffen. Auf diese Weise lernte Kiran gleich den restlichen Teil meiner Familie kennen. Eigentlich gar nicht mal schlecht, fand ich. Diese Gelegenheit würde sich nicht mehr so schnell bieten. Meine Tante Rosa, Mütterlicher Seite, war sichtlich von Kiran angetan. Sie fand ihn überaus attraktiv. Das verkündete sie natürlich auch laut. Sie behielt es nicht für sich, so wie man es eben tun würde. Mir war es eher peinlich dass meine Tante sich so DIREKT benahm. Aber so war sie eben. Dafür hatte man in ihrer Gegenwart öfter mal was zu lachen. Eigentlich waren alle Verwandten zur Hochzeit gekommen. Meine Tante Rosa ist die Schwester meiner Mutter. Rosas Mann war leider bereits verstorben. Hatte vor 3 Jahren einen Herzinfarkt. War sicherlich eine schwere Zeit. Rosa hat zwei Söhne, Michel und Dominik. Auch sie waren mit ihren Frauen und Kindern gekommen. Die Grosseltern lebten leider nicht mehr. Ich hatte aber schöne und gute Erinnerungen an sie.
Die Familie von meinem Vater, Matthias, war auch nicht gross. Seine Schwester Diane ist mit Fabio verheiratet. Leider blieben die beiden kinderlos.
Dann war da noch ein Teil von Roberts Familie und Marits Familie anwesend. Diese kannte ich allerdings auch nicht so gut.
Da die Reise im Car etwas länger andauern sollte liessen sie einen Film laufen. Die Hauptrollen in diesem Film waren natürlich das Brautpaar. Nette Idee fand ich. Ich sah meinen Ring an und wollte von Kiran wissen: „Wie stellst du dir den unsere Hochzeit vor? Im kleinen Kreis oder eher das volle Programm?“
„Ich bin etwas altmodisch. Was du sicherlich schon bemerkt hast als ich bei deiner Mutter um deine Hand angehalten habe. Ich würde dir gerne in der Kirche das Ja Wort geben. Doch momentan gibt es mehr dass dagegen spricht…“
Er weckte meine Neugierde und ich fragte: „Was spricht denn dagegen?“
„Nun…, erstens hatten wir bereits Sex vor dem Ja Wort. Zweitens bin ich keine reine Seele. Ich bin kein richtiger Mensch. Ein Wesen meiner Art wäre von der Kirche hingerichtet worden, wenn du verstehst was ich meine.“
„Oh, so hatte ich es noch gar nicht gesehen“, ich machte eine Pause bevor ich weiter sprach, „aber Kiran, du hast eine Seele. Ich kenne sie und deren Namen. Und diese Seele ist sehr menschlich.“
Kiran sah mich erstaunt an: „Ja da hast du Recht. Aber ich kann zum Monster werden. Ein Monster dass Dinge tun die nicht mit der Kirche zusammen passen. Nimm mal den letzten Vorfall.“
„Du meinst also ein Monster das menschliche Züge hat, nein mehr Mensch als Tier ist, darf nicht in der Kirche heiraten? Du kannst ja nichts dafür dass du so bist wie du bist. Es wird schon einen guten Grund dafür geben dass es solche Wesen wie dich gibt.“
Er zuckte mit seiner Schulter: „Ja, hat was. Geht das für dich in Ordnung wenn ich mir diesen Teil noch offen lasse? Es ist kein definitives Nein, es muss überlegt sein. Was wünscht du dir denn?“
„Ich hatte bereits einmal die Gelegenheit mir Gedanken zum Thema heiraten zu machen. Damals war ich Verlobt mit Andi, da wollte ich unbedingt kirchlich heiraten. Doch heute erscheint es mir nicht mehr so wichtig. Viel wichtiger ist es mir heute, wie die liebe zu einander steht. Doch bei uns ist das wieder etwas anders“, ich machte eine Pause, seufzte und fuhr weiter, „wir sind durch unsere Namen der Seele verbunden. Werden also unweigerlich ein langes Leben miteinander verbunden sein. Da du mein definitiv letzter Partner sein wirst scheint es mir doch irgendwie logisch dass wir das in der Kirche bestätigen. Und wie gesagt für mich bist du kein Monster, du hast eine gute reine Seele. Ein grosser Teil in dir ist Mensch. Du bist viel mehr Mensch als Tier.“
„Lassen wir es mal auf uns wirken. O.K?“, fragte er mich und ich nickte ihm zu. Danach lehnte ich mich an seiner Schulter an und döste ein wenig. Obwohl die letzten zwei Tage etwas turbulent waren, war ich in diesem Moment sehr glücklich. Als der Car zum stehen gekommen war erwachte ich wieder. Wir waren bei der Kirche angekommen. Ich wusste nicht genau wo wir waren es sah aber wunderhübsch aus. Eine schöne grosse Kirche. Überall waren schöne Blumen und Gestecke. Vor der Kirche blieb ich stehen und schaute Kiran an.
„Monster, darfst du denn überhaupt einen Schritt hier rein wagen? Oder verbrennst du vielleicht direkt vor meinen Augen?“
Kiran verdrehte die Augen und zog mich hinter sich rein. Ich für meinen Teil amüsierte mich auf seine Kosten. Die direkten Verwandten, also darunter auch ich, sassen in den ersten Reihen. Als die Kirche so gut wie gefüllt war, sah ich Tino wie er vor dem Traualtar wartete. Er sah so unglaublich gut aus. Da wir alle noch einen Moment warten mussten kam er rasch zu mir hin und umarmte mich kurz. Tino meinte noch er habe mich vermisst und freue sich so sehr dass ich mit dabei sein konnte. Natürlich begrüsste er auch Kiran. Ich war überaus gerührt. Sein Frack war sehr raffiniert und stand ihm ausgezeichnet. Als die Musik zu spielen begann und die Braut, Michaela, von ihrem Vater rein geführt wurde bekam ich richtig Gänsehaut. Zur Sicherheit kramte ich in meiner Handtasche nach einem Taschentuch. Meine Mutter war schneller und reichte mir bereits eines. Wir lächelten einander warm an. Was für eine hübsche Braut. Sie trug ein sehr traditionelles weisses Hochzeitskleid das wunderschön aussah. Sie trug einen Schleier. Wie in einem Sissi Film, ging es mir durch den Kopf. Kiran der meine Hand hielt drückte sie jetzt. Der Rest der Trauung war genau so schön. Beim Ehe versprechen lief mir wieder eine Träne herunter ich war dermassen gerührt. Schlussendlich hat mein Taschentuch seinen Dienst gemacht.
Nach der Trauung war vor der Kirche ein Apero her gerichtet worden. Am Apero wurde gratuliert, getrunken und etwas Kleines gegessen. Ich unterhielt mich mit diversen Menschen die ich kannte oder schon einmal gesehen hatte. Es waren so unglaublich viele Menschen hier. Es dauerte eine Weile bis ich Tori und Tom zu Gesicht bekam. Etwas später viel mein Blick auf Regula. In diesem Moment sah auch sie mich und wir machten beide grosse Augen. Ich löste mich kurz von Kiran. Wir liefen aufeinander zu und umarmten uns. Ich lächelte sie an und sie gackerte einwenig. Ja, dieses Lachen kannte ich, es war unverkennbar Regula. Ihr Lachen hörte sich immer noch an wie Hühner die gackern. Hinter Regula stand William der bereits Kiran begrüsste.
„Mensch Regula, du siehst so gut aus. So braun gebrannt, ich erkenne ich dich ja gar nicht wieder.“
Sie gackerte wieder: „Ja, wir sind eben viel an der Sonne und der frischen Luft. Die meiste Zeit wohnen wir aber in Hawaii.“
„Also immer schön der Sonne entgegen“, versuchte ich zu begreifen.
„Nein, eher den Wellen entlang. Wir sind stets auf Reisen. Es gefällt mir sehr gut. Manchmal vermisse ich die alten Zeiten, habe aber selten Zeit mich dabei zu verweilen. Wie geht es dir? Immer noch mit Kiran zusammen. Schön.“
„Mir geht es ausgezeichnet danke. Kiran und ich werden heiraten und wohnen dann auch nicht mehr in der Schweiz.“
„Aha, du gehst zu ihm nach London. Stimmt’s?“
Ich stöhnte auf: „Nicht ganz, unsere Wahl Heimat wird Alaska sein.“
„Bitte…..! Das ist nicht euer Ernst?“, war sie sichtlich schockiert.
„Doch, Alaska ist wunderschön. Die Landschaft, die Menschen und die Tiere, es ist wirklich einzigartig.“
Regula kniff ihr Gesicht zusammen und meinte verkniffen: „Tja, jedem dass seine. Wir haben einander soooo viel zu erzählen.“
„Dafür ist heute Abend vielleicht etwas Zeit. Sonst schreib mir mal ein E-Mail. Die Adresse ist immer noch dieselbe geblieben.“
„Versprochen.“ Und sie strahlte über ihr Gesicht. Wir um-armten uns nochmals.
Etwas später fühlte ich mich seltsam als ob mich jemand beobachten würde. Ich schaute in die Runde sah aber niemanden der mich beobachtete. Geschweige denn überhaupt in meine Richtung sah. Aber ich spürte dass da jemand war. Ein Schauer lief mir meinen Rücken hinunter. Ich erinnerte mich kurz an meine Träume… Aber Kiran war wieder mal überhaupt nicht in Alarm Bereitschaft. Konnte ich mich überhaupt, in seinem Zustand, auf seine Sinne verlassen. Es war mir unwohl und ich war froh als wir mit dem Car weiter fuhren. Wir fuhren zu einem Schloss und verbrachten den weiteren Abend in diesen wunderschönen Räumlichkeiten. Alles war mit dunkelroten Blumen übersät. Alles war so unglaublich romantisch Gestaltet. So wie ich es höchstens mal in einem Film zu Gesicht bekam. Mir gefiel es wirklich sehr gut. Wobei es sicherlich nicht jedermanns Sache war. Tino verstand etwas von Feiern. Zu meinem Glück sassen wir nicht bei meiner Verwandtschaft. Mein Bruder und Michaela platzierten uns bei unseren Freunden. Dafür war ich ihnen sehr dankbar. Natürlich wurden diverse Reden gehalten zum Wohle des Brautpaares. Sogar mein Vater fand den Mut um vor den vielen Leuten ein paar Zeilen vor zu lesen. Ich war froh dass ich mich beim Geschenk fürs Brautpaar bei meiner Mutter anschliessen konnte. Sie bekamen ein neues Geschirr-Service, das sie sich vorgängig, gewünscht hatten. Am weiteren Abend gab es lustige Spiele und einen Sketch der von dem Tino Design Team kam. Ich staunte wie viele Angestellte Tino bereits besass. Er war wirklich sehr Erfolgreich.
Das Essen war vorzüglich, man konnte nicht meckern es hatte für jeden Geschmack etwas dabei. Ich ass zu viel da das Essen so gut schmeckte. Das Service Personal war sehr aufmerksam. Kaum war ein Glas leer wurde es wieder aufgefüllt. Die Dame die an unserem Tisch servierte war sehr hübsch. Eine zierliche brünette. Eine junge Frau mit wunderschönen Augen die mich an die Augen von Jacky erinnerten. Sie lächelte mich freundlich an als sie bemerkte dass ich sie musterte. Ich lächelte natürlich zurück. Aber es war mir doch einwenig peinlich dabei erwischt zu werden dass ich sie gemustert hatte. Am späten Abend spielte vorwiegend nur noch die Musik. Natürlich wurde der klassische Hochzeitswalzer getanzt. Ich musste gestehen das machten die beiden ganz gut. Sie tanzten sehr schön zusammen. Überhaupt waren sie ein tolles Paar. Sie passten perfekt zusammen.
Danach war die Tanzfläche für die Gäste frei. Kiran sah mich an und sprach: „Kleines, kannst du tanzen?“
Ich lachte laut auf. „Auch wenn du es nicht für Möglich hältst, aber auch ich war schon mal in einem Tanzkurs mit einem Ex.“
Er wusste genau worauf ich anspielte. Anfangs unserer Beziehung musste ich seinen Erklärungen was seine Ex-Freundinnen betrifft etwas bremsen. Jetzt lächelte auch er und nahm mich einfach bei der Hand. Obwohl ich ein gutes Stück kleiner war als mein liebster fanden wir uns gut ein. Gott sei Dank gab es ja die hohen Absätze. Und ich konnte sogar aufrecht damit gehen. Kiran führte ausgezeichnet und ich lies mich nur zu gerne führen. Es war wunderschön so harmonisch. Eigentlich tanzte ich sehr gerne doch ich hatte selten Gelegenheit dazu. Ich erinnerte mich wieder an meinen Traum, genau so fühlte es sich an. Kiran und ich im hier und jetzt. Wir sahen einander tief in die Augen und schienen von den restlichen Menschen keine Notiz mehr zu nehmen. Nur Kiran und ich im hier und jetzt.
Kiran blieb plötzlich abrupt stehen und führte mich zurück an unseren Platz. Er war wirklich sehr galant. Er hielt mir sogar den Stuhl hin zum absitzen. Warum wir allerdings unseren Tanz abbrachen verstand ich allerdings nicht. Fand nur ich es so unglaublich schön?
„Ist etwas nicht in Ordnung?“, fragte ich dementsprechend erstaunt als dass er mich zurück brachte.
„Liebes, mir geht es im Moment nicht besonders. Eine Übelkeit macht sich breit. Bitte entschuldige mich für einen kurzen Moment. Bin gleich wieder da.“
„Natürlich…“ Im nächsten Moment war er dann auch unterwegs Richtung Ausgang. Ich sah ihm hinter her bis sich die Tür hinter ihm schloss. Seltsam! Kiran und Übelkeit, davon hörte ich zum ersten Mal. Hoffentlich ging es ihm bald wieder besser. Ich sah auf die Tanzfläche und beobachtete Tom und Tori. Sie schienen sich näher zu sein als auch schon. Aber ich glaubte nicht dass ihre Namen der Seele bereits gefunden hatten. Nein, ich wusste sie hatten ihn noch nicht gefunden. Tori schien immer noch Recht zickig zu sein. Es schien als waren sie noch nicht aus Liebe mit einander Verbunden. Manchmal hatte man das Gefühl es sei so eine Art Hassliebe. Aber Tom brauchte dass. Einfache Frauen lagen ihm eigentlich nicht besonders. Bei den einfachen Mädchen reichte es meistens nur bis zu einem On Night Stand. Ich erinnerte mich noch an die gemeinsame Wohngemeinschaft die wir in Genf hatten. Tom blieb nie lange alleine, aber für länger reichte es auch nie aus. Eine herrliche Zeit die wir in Genf hatten. Dort lernten wir uns kennen und auf unsere Art und Weise lieben. Für mich war es klar dass Tom die Welt nach der Ausbildung als Journalist offen stand. Er ist so unglaublich begabt die Worte gewählt auszudrücken. Sein Gespür was gerade angesagt- oder wer gerade Inn war, war auch beneidenswert. Ich las seine Artikel immer wieder gerne. Bei diesem Gedanken lächelte ich. Als ich wieder in die Richtung der Tür sah, kam mir Kiran bereits wieder entgegen. Er streckte mir die Hand hin und führte mich wieder auf die Tanzfläche. Ich staunte dass er jetzt seine Haare zusammen gebunden hatte. Mir gefiel es besser wenn er sein halblanges Haar offen trug.
„Geht es dir wieder besser?“, er nickte. Trotzdem wirkte er auf mich noch etwas angespannt. Diesmal waren wir keine Einheit auf der Tanzfläche. Er führte anders als zuvor. Anscheinend ging es ihm immer noch nicht wirklich besser. Ich sah ihn an und sein Blick war starr. Er war nicht weich, so wie er mich sonst immer ansah. Nein, er sah mich starr an. Er schien etwas unter Strom zu stehen. Ich konnte gar kein Gefühl darin erkennen. Er musste doch nicht mit mir tanzen. In meinen Augen sollte er sich eine Auszeit nehmen.
„Grosser, bist du sicher dass wirklich alles in Ordnung mit dir ist? Lass uns doch hinsetzten.“
Endlich lächelte er liebevoll: „Süsse, mir geht es den Umständen entsprechend gut.“
Er nannte mich Süsse? Hatte ich das richtig gehört. Nun fuhr er mit seiner linken Hand meine Schulter herunter und wieder herauf. Danach strich er über mein Gesicht: „Du bist sehr hübsch.“
Ich lächelte ihn Unbehagen an. War aber froh dass er sich so wieder gefunden hatte. Langsam war der Schalk in seinen Augen wieder zu sehen. Er fragte mich: „Würdest du jetzt in diesem Moment alles stehen und liegen lassen um mit mir durchzubrennen?“
Ich lachte laut auf: „Nein!“
„Wirklich zu schade.“
Seltsamerweise lächelte er nicht bei seinen Worten. Ich verstand nicht was er damit sagen wollte. Jetzt war seine Heiterkeit wieder weg. Er sah bereits wieder sehr angespannt aus. Was um Himmelswillen war denn bloss los mit ihm? Ich versuchte ihn zu mustern. Hinter Kiran, leicht neben uns sah ich Tori wie sie uns zu sah. Sie hatte einen merkwürdigen Gesichtsausdruck. Sie stand auf und kam auf uns. Dann fragte sie mich mit zuckersüsser Stimme: „Lis, würdest du mir mal einen Tanz mit Kiran gewähren?“
Bevor ich ihr Antwort geben konnte grollte Kiran Tori leicht an und sprach in ruhigem aber bestimmten Ton: „Der Bär will mit dem Wolf. Lassen wir das lieber. Wer weiss wohin das führen würde. Ich will nur Lis.“
Erstaunt liess ich ihn los und starrte ihn an. War das eine Drohung! Hatte er irgendwoher Blut zu sich genommen? Hat er heimlich eine Dosis mitgenommen? Diverse Fragen gingen bei mir gerade quer durch meinen Kopf. „Was soll das?“, wollte ich lediglich wissen. Für einen kurzen Moment blitzten seine Augen auf und es sah aus als würden seine Augen hin und her schlingern. Das mussten ja starke Drogen sein die er da eingenommen hatte. So etwas hatte ich noch nie gesehen. Es sah merkwürdig aus. Ging es ihm denn so schlecht. Lächelnd nahm er meine Hand, küsste sie und ging wortlos wieder zur Tür hinaus. War es ihm etwa schon wieder schlecht? Hallo, spricht da mal jemand mit mir! Tori stand immer noch mit verschränkten Armen da und sah ihm auch nach. Als er weg war nahm sie mich etwas unsanft zur Seite.
„Elisabeth, entweder geht es Kiran verdammt schlecht. Wirklich schlecht, oder es war nicht Kiran!“
Nicht Kiran! Bei diesem Gedanken erschauerte ich.
„Tori, wollen wir ihn suchen?“
„Gute Idee.“ Sprach Tori und wir liessen Tom einfach so stehen. Zur selben Zeit konnte ich Joes senden vernehmen:
-*Ich spüre deine Angst. Alles in Ordnung*-
Aber klar, er war in Alarmbereitschaft. Ich antwortete ihm dass so weit alles in Ordnung war und er sich keine Sorgen zu machen bräuchte. Ich würde ihn auf dem Laufenden halten. Eigentlich hatte ich ja noch Glück dass Joe nicht einfach los rannte um mich zu suchen. Dass er selbst auf die Distanz mein Unbehagen bemerkte war schon allerhand. Danach waren wir bereits unterwegs um Kiran zu suchen. Wir fanden ihn draussen, er lehnte an der Wand an und sah ziemlich blass aus. Als er uns sah lächelte er uns beide liebevoll an. Ich machte mir langsam wirklich grosse Sorgen. Er strich mir übers Haar als ich vor ihm stand.
„Kleines, es geht gleich wieder. Ich steh nur etwas neben mir. In ein zwei Minuten bin ich wieder fitt.“
Ja das traf wohl zu. Er nannte mich wieder kleines und hatte diesen liebevollen Blick und trug die Haare wieder offen. Mein Hals begann sich zu zuschnüren. Ich verstand jetzt auch was da vorhin gerade vor sich ging. Toris Augen verengten sich: „Scheisse…, er riecht anders!“
Kiran verstand nicht ganz doch mir war es Glasklar was Tori damit zum Ausdruck brachte. Ich sah Tori warnend an und sendete meine Gedanken: -*lass es sein, sag ihm nichts davon *-
Tori zog ihre Augenbraue hoch und sprach mit lauter vorwurfsvoller Stimme: „Spinnst du jetzt ganz. Wir haben Alarmstufe rot! Leuchtend rot!“
„Oh wie nett. Danke für deine Unterstützung Tori“, fauchte ich sie an. Kiran sah mir direkt in die Augen. Wieder dieser stechende Blick. Jetzt wusste ich genau dass ich nicht darum herum kam um Kiran alles ganz genau zu erzählen. Doch es liess sich nicht so einfach in Worte fassen. Ich ging zu ihm hin und wir standen Stirn an Stirn. Ich sendete ihm die Bilder von meinem Erlebnis auf der Tanzfläche. Er sah genau das was sich gerade abgespielt hat. Er sah es mit meinen Augen. Danach hörten wir sein tiefes, dunkles Grollen, sein wirklich furchteinflössendes Grollen. Zum Glück war sonst niemand in der Nähe der uns hören konnte.
„Alarmstufe Rot trifft es nicht schlecht. Danke Tori dass du auf sie aufgepasst hast in meiner Abwesenheit. Wie bist du darauf gekommen?“
„Kein Problem. Es war der seltsame Geruch den du plötzlich trugst. Das machte mich stutzig und ich wollte dich testen. Doch dazu liess er es nicht kommen. Ich würde seinen Geruch wieder erkennen. Er wird keine Chance haben. Das verspreche ich euch.“
„Wieso sah er so aus wie du? Du hast doch keinen Bruder. Oder?“, fragte ich etwas aufgelöst.
„Nein ich habe keinen Bruder. Liebes erinnere dich nochmals zurück und schau die Bilder an als du ihm nachsiehst als er zur Tür raus geht…“
Ich begann mich zu konzentrieren. Ich rief die Bilder in meinem Inneren Auge nochmals auf, dabei schloss ich die Augen. Tatsächlich, weshalb ist es mir nicht gleich aufgefallen.
„Er trägt keine Tätowierung am Hinterkopf beim Haaransatz. Sie sind eigentlich sehr gut sichtbar. Du trägst sie ja auch mit Würde.“ Lächelte ich etwas verlegen.
„Hm, zeig mal her“, sagte Tori und sah sich die Tätowierung bei Kiran am Haaransatz an, „ja stimmt, dein Doppelgänger trägt keine. Das vereinfacht es uns. Sobald die Tätowierung fehlt wissen wir woran wir sind. Kiran deine Haare müssen wieder ab.“
Nun lächelten wir etwas. Wir würden für den Rest des Abends auf der Hut sein. Das war wohl jedem klar. Für uns war die Hochzeit sozusagen gelaufen. Diese Anspannung wurden wir heute wohl nicht mehr los. Kiran schien es langsam wieder besser zu gehen und wir gingen wieder hinein. Tori berichtete Tom von unserem Zusammenstoss mit Kiran’s Doppelgänger. Das liess auch Tom nachdenklich werden. Manchmal wünschte er sich wohl, nicht in diese ganze Geschichte hineingezogen worden zu sein. Doch es war, wie es war. Kurze Zeit später wurde die Hochzeitstorte präsentiert und wir bekamen auch ein kleines Stück davon. Unsere Bedienung war nicht mehr dieselbe, war aber auch ganz nett und freundlich. Gut geschultes Personal. Doch Kiran fand an diesem Abend nicht ganz zu seiner Form zurück. Er konnte sich einigermassen zusammenreissen. Meine Hand liess er nicht mehr los wenn es nicht anders ging. Höchstens wenn ich von meinem Bruder oder Vater zum tanzen geholt wurde. Ich wechselte leider nicht viele Worte mit meinem Bruder. Doch die wenige Zeit die wir zusammen waren genossen wir sehr. Für den heutigen Tag würde man sein lächeln wohl nicht mehr aus dem Gesicht bekommen. Tino war einfach nur glücklich und es stand ihm ausgezeichnet. Als nur Tori, Tom, Kiran und ich an unserem Tisch sassen sprach Kiran in die Runde: „Ich kann nicht nach Alaska, ich kann Lis nicht alleine lassen. Bitte verlangt es nicht von mir. Nicht nach diesem Vorfall.“
Sein Gesicht war voller schmerz. Das sahen wir alle ganz genau.
„Kiran, du bist ihr hier keine grosse Hilfe. Bitte verstehe mich nicht falsch. Aber es scheint so, als würde es dir schlechter statt besser gehen. Du gehst nach Alaska ob du willst oder nicht. Lis wird bei mir und Tori wohnen. Meine Wohnung ist gross genug dafür. Tori scheint eh unzufrieden und unterbelastet, dann hat sie was zu tun“, sprach Tom und grinste jetzt seine Tori an. Er wusste genau dass sie den Teil mit unzufrieden und unterbelastet nicht gern hören würde. Geschweige denn dass ich zu ihr ziehen sollte. Natürlich verzog sie das Gesicht.
„Na toll, jetzt spiele ich auch noch den Babysitter für Erwachsene Kinder!“
Ich musste kichern. Tori spielte immer die beleidigte, dabei meinte sie es gar nicht so. Tori war eben Tori.
Kiran stänkerte weiter: „Nein, ich gehe nicht. Ich bin nicht fitt aber stark genug euch von mir fern zu halten.“
Tom sah mich eindringlich an. Also sass ich ganz nah an Kiran heran als ich ihm erklärte: „Kiran. Du wirst gehen. Ich bin die Eine. Falls es nötig sein muss werde ich es dir befehlen. Deinetwillen hoffe ich dass du einsichtig wirst und die Vernunft wallten lässt.“
Ich hatte zwar nur geblufft. Denn ich hatte keine Ahnung wie ich Kiran dazu zwingen könnte. Anscheinend hinterliess es aber die gewünschte Wirkung auf Kiran.
„Es fällt mir schwer dich zurück zu lassen. Bitte komm so rasch als möglich nach, ja?“, sprach Kiran voller Sorge um mich. Ich küsste ihn und schmiegte mich an ihn. Er schien sehr erschöpft. Damit war dieses Thema vorläufig vom Tisch und wir widmeten uns der Hochzeitsveranstaltung zu. Grundsätzlich war es eine sehr schöne Hochzeit. Das was wir davon mitbekommen hatten zumindest. Wir hatten viele nette Gespräche. Ich tanzte ziemlich viel. Mal tanzte ich mit meinem Vater, meinem Bruder, Tom und natürlich Kiran. Doch ich war froh als wir wieder im Car sassen und die Rückreise antraten. Es war bereits früh morgens als wir beim Sammelplatz ankamen.
Paula und Joe warteten schon auf uns und brachten uns in meine Wohnung. Joe sah sofort dass Kiran nicht in Höchstform war. Wir erzählten ihnen von den Geschehnissen. Joe hatte es ja bereits gespürt das etwas nicht so war wie es sein sollte. Nach den Erklärungen war es für die beiden klar, dass sie auch diese Nacht bei uns übernachten würden.
„Na toll. Ihr könnt ja gleich ganz einziehen…“ Protestierte Kiran. Als Kiran dann noch etwas Blut zu sich nehmen wollte, wurde es für einen Moment etwas heikel da kein Blut mehr vorhanden war. Paula und Joe hatten es bereits bei Seite geschafft. Kiran nahm meinen zweiten Stuhl und schmiss ihn wütend an die nächste Wand. Der natürlich so wieder in Brüche ging. Da Warens nur noch zwei Stühle. Damit konnte ich allerdings leben, ich hatte ja noch mein Sofa. Ich war dankbar dass das Blut bereits weg war. Ich sagte kein Wort und Kiran verzog sich mürrisch ins Schlafzimmer.
In dieser Nacht schlief ich schlecht. Wirklich schlecht. Wieder einer dieser seltsamen Träume. Ich war am tanzen mit Kiran und dann hörte ich die Stimme in meinem Kopf: -*Ihr habt es heraus gefunden. Kompliment. Du machst es mir nicht einfach. Ja, es war nicht Kiran. Doch ich war sehr glaubwürdig, nicht. Es ist unglaublich wie du beschützt wirst. Aber keine Sorge ich lass mir genug Zeit. Meine Zeit wird eines Tages kommen.*-
Wofür wollte er sich denn Zeit lassen? Von mir aus konnte er sich ruhig stellen und gegen uns antreten. Nie im Leben hätte er wahrscheinlich eine Chance. Ich vermutete das zumindest. Oder es war einfach für mich die beste Erklärung?
Mein Traum ging aber noch weiter. Ich sah Wölfe, grosse graue Wölfe. Sie waren sehr wild. Ich war in einem Wald und irrte umher. Egal in welche Richtung ich ging, überall sah es gleich aus. Der Himmel war voll mit grauen Wolken bezogen. Darin kreisten viele schwarze Vögel die kreischten. Ich rannte weiter bis ich nicht mehr konnte. Ein Wolf erwischte mich mit seiner Pranke, es schmerzte und Blut lief herunter. Ich konnte das Blut förmlich riechen. Von überall her war das laute heulen der Wölfe zu hören. Die Wölfe sahen seltsam aus. Anders als Kiran. Ich sah sie nicht wirklich sie waren so schemenhaft. Wieder erwischte mich einer der Wölfe an meinem Bein. Mein ganzer Körper brannte vor Schmerz. Einer erwischte mich mit seinem Körper und ich flog mit voller Wucht an einen Baum und rutschte schlaff hinunter... Ich wurde wach und öffnete jetzt meine Augen.
„Ah…“, stöhnte ich auf.
Schmerzend erwachte ich. Wie seltsam. Es war gar kein Traum es war Kiran. Er war der Wolf der mich an die Wand warf. Beim genauen hinsehen konnte ich erkennen das Kiran nicht ganz als Wolfmensch verwandelt war. Er sah so seltsam aus als hätte er vergessen sich entweder als Mensch oder Tier zu verwandeln. Er war weder das einte noch das andere. Ich war noch benommen und hatte keine Kraft, alles tat weh. Und wenn ich mich nicht irrte hatte ich gebrochene Stellen an meinem Körper. Kiran kam auf mich zu und knurrte mich an, mit einer Leichtigkeit packte er mich am Hals und hob mich einfach so hoch. Ich schnappe nach Luft. Mit seiner Zunge fuhr er über eine meiner blutigen stellen. Ich sah seine Augen, sie waren von einem seltsamen Schleier überzogen. Er war nicht sich selbst. Wer war er? Mein Blut schien ihn zu reizen. Er wollte mich. Wenn ich nicht bald handelte würde er mich töten. Wo ist Joe? Ich versuchte Kiran zu erreichen: -*Leon*- Jetzt heulte er auf aber lies mich trotzdem nicht los. Gleichzeitig ging die Tür zum Schlafzimmer auf und Joe stand im Rahmen. Alles an Joe war angespannt. Er schien grösser als sonst und seine Eckzähne sahen gefährlich aus. Kiran fühlte sich gestört und warf mich an die gegenüberliegende Wand. Ich krachte in meinen Kleiderschrank und sank zu Boden. Ich war unfähig mich zu rühren. Ich versuchte Kiran nochmals zu erreichen: -*Leon, bitte, sieh mich an. Ich bin es Eve.*- Wieder heulte Kiran auf und sah mich an. Er schüttelte sich. Er hielt seinen Kopf mit seinen Pranken. Seine Augen schienen sich zu klären, der Schleier verschwand zunehmend. Paula sass zu mir hin und Joe sprang in einem günstigen Moment auf Kiran zu. Kiran lies sich nicht ganz freiwillig überwältigen. Schlussendlich glich mein Schlafzimmer einem Schlachtfeld. Zum Glück sah mich Kiran plötzlich an wie ich da am Boden lag. Er sah meine schmerzen. Das brachte ihn dann endgültig zu Fall. Er begann sich langsam wieder in einen Menschen zu verwandeln. Glücklicherweise bedeckte das restliche Fell seine wichtigsten Stellen am Körper. Sonst wäre er wohl ganz nackt Paula gegenüber gestanden. Er viel, sprichwörtlich, zu mir runter und wollte mich hoch heben. Ich kreischte auf und er lies es bleiben. Seine Augen füllten sich mit Wasser. Er brachte keinen Ton heraus. Nun sprach Joe mit ernster Stimme: „Kiran, zieh dich an. Paula, du holst die restlichen Kräuter von Mona. Es wird ihr einwenig Linderung verschaffen damit wir sie ins Krankenhaus transportieren können.“
Gesagt getan. Ich lag immer noch so da wie ich geflogen war. Wenn man mich nicht bewegte oder berührte war es, im Moment, auszuhalten. Paula flösste mir das Getränk ein und in mir stieg etwas wärme hoch. Das Mittel von Mona half wirklich. Kiran war angezogen und strich mir über die Haare. Dabei sprach er immer noch kein Wort. Seine Schuldgefühle konnte man deutlich sehen. Dafür brauchte es keine Worte. Ich wurde schläfrig. Kiran stand auf und wollte hinaus da rief ihm Joe wütend nach: „Was hast du vor?“
„Ich brauche ein Glas Blut!“, stöhnte Kiran
„Das lässt du schön bleiben! Du kriegst keines mehr! Du bist im Blutrausch komm runter hörst du? Verdammt Kiran, Lis liegt hier am Boden und braucht dich! Komm jetzt her!“
Kiran ging auf Joe zu. Sie standen sozusagen Auge um Auge bei einander. Ich spürte die Anspannung zwischen ihnen und hatte wirklich Angst dass sie wieder aufeinander los gingen.
„Bitte nicht schon wieder. Ich liebe euch“, stöhnte ich leise.
Mir schossen die Tränen in die Augen aber ich konnte jetzt weder sprechen noch senden. Ich war so was von erledigt. Die beiden standen eine Weile so da bis Kiran nachgab und Joe zu nickte. Er legte seine Hand auf Joes Schulter ab: „Danke für alles. Ich werde mich fügen. Sag mir was ich jetzt tun soll.“
Ich wusste genau dass es Kiran nicht leicht viel. Kiran gab seine Führungsposition als Leitwolf ungern ab. Doch er hatte es anscheinend begriffen. Für den Moment zumindest. Sie entschieden, mich ins Krankenhaus zu bringen. Kiran wollte mich tragen. Als er mich hoch hob kreischte ich wieder auf und viel in Ohnmacht. Das erleichterte ihnen schlussendlich den Transport.
Einige Zeit später erwachte ich wieder, im Spital. So wie es aussah wurde ich bereits untersucht. Ich lag im Bett und hatte mein linkes Bein geschient bekommen. Auch mein linker Arm war in einer Schiene. Natürlich war da noch eine Infusion oder so was Ähnliches an mir angehängt. In meiner Nase hatte ich Sauerstoff, diesen Schlauch nahm ich einfach weg. Das brauchte ich jetzt wirklich nicht mehr. Wo waren denn die anderen? Panik stieg in mir hoch da sendete ich meine Gedanken: -*Kiran wo bist du.*-, wollte ich wissen.
Es war seltsam dass er nicht bei mir war. Ich musste nicht lange auf Antwort warten: -*Ich darf nicht auf die Intensivstation, warte unten bis du verlegt wirst. Ich geh nicht weg. Ich warte hier. Ruh dich aus.*-
Es beruhigte mich dass er doch noch hier war. Denn nach diesem Vorfall wusste ich nicht ob ich ihn nochmals zu Gesicht bekam. Ich war nicht gerne im Spital es hatte so etwas Seltsames Bedrohliches und es roch nie gut. Da ich noch sehr müde war nahm ich gerade noch wahr dass eine Schwester kam die mir meine Medikamente brachte. Ein Oberarzt der dazu kam und beschloss ich könne hoch gebracht werden. Danach schlief ich wohl wieder ein.
Viel später erwachte ich. Im Zimmer war es dunkel und als ich aus dem Fenster sah war mir klar dass es bereits wieder Nacht war. Ich drehte meinen Kopf auf die andere Seite. Wobei auch diese Bewegung etwas schmerzte. Da sass Kiran, direkt neben mir. Er strich mir ganz sanft über das Haar.
„Kriege ich keinen Kuss?“, fragte ich.
„Willst du das denn? Ich war mir nicht sicher was du von mir hältst! Nach diesem…“
„Dummkopf. Hast du mich absichtlich so zugerichtet?“, schnaubte ich.
„Nein, natürlich nicht! Es tut mir so leid. Nie hätte so etwas geschehen dürfen. Ich habe deiner Mutter versprochen dir NIE weh zu tun…“
Ich seufzte: „Das weiss ich doch. Kiran dass warst nicht du. Du stehst unter irgendwelchem Einfluss, deswegen gehst du ja nach Alaska zurück um es heraus zu finden. Im Moment ist alles so seltsam. Und ehrlich, ich weiss auch nicht weshalb, aber ich liebe dich.“
Er lächelte wieder und gab mir einen sanften Kuss.
„Trotzdem ist es unverzeihlich. Es macht mir Angst. Wie kannst du mir bloss verzeihen“, sprach Kiran ruhig und gequält. Natürlich wusste ich dass diese Sache nicht ganz so einfach vom Tisch war. Kiran war sehr Kopflastig. Da er ein sehr gradliniger Mensch mit guten und ehrlichen Prinzipien war wird ihn dieser Vorfall noch lange beschäftigen. Das wusste ich ganz genau. In meinen Augen musste ich ihm nicht auch noch einen Vorwurf machen, er tat es schon selbst.
„Kiran, wie geht es mir. Ich meine wie ist die Diagnose?“
Kiran sah immer noch sehr bedrückt aus: „Dein linker Oberschenkel ist gebrochen. Dann hat es noch deinen linken Unterarm erwischt. Natürlich hast du eine gute Gehirnerschütterung und zwei angeknackste Rippen. Von den vielen Blauen flecken mal abgesehen.“
„Da hatte ich ja noch richtig Glück“, ich versuchte zu lachen, doch der schmerz…Ich lies es doch lieber bleiben. Kiran fand meinen Witz eh nicht komisch.
„Was ist diesmal die offizielle Version der Geschichte?“, wollte ich wissen damit sich unsere Aussagen deckten. Ging automatisch davon aus dass sie eine Geschichte zu diesem Vorfall erfunden hatten. Kiran fuhr sich mit der Hand durch sein Gesicht und erklärte: „Wir wurden von Paula und Joe, nach der Hochzeit, abgeholt. Ich fuhr gegen einen Baum und da du die einzige warst die nicht angeschnallt war flogst du vorne aus der Frontscheibe und bist gegen den Baum und dann auf den Boden geknallt.“
„Ich war nicht angeschnallt…“, wieder versuchte ich ein Lachen zu unterdrücken aber nun gut es war so wie es war. Ich wurde wieder Müde und meine Augen wurden schwer.
„Liebes, schlaf ruhig ein“, sprach Kiran.
„Bleibst du denn hier, hier bei mir?“
„Ich bleibe solange ich kann.“
„Wie meinst dass?“
„Joe und Paula holen mich später ab. Ich weiss nicht ob du bei mir in Sicherheit bist…“
„Glaubst du das wirklich?“
Kiran stöhnte auf: „Ich habe keine Ahnung was ich noch glauben soll. Doch ich bleibe hier bis du einschläfst. Versprochen.“
Das war gut, das beruhigte mich. Er hielt meine Hand und ich schlief wieder ein. Der nächste Morgen begann früh. Schwestern die einen aus dem schlaf holten um zu schauen ob man „normal“ reagierte und mir wieder irgendwelche Medikamente verabreichten. Danach tauchte mein Arzt auf. Er war gross und schlank. Ein sehr junger Arzt. Er erklärte mir meine Verletzungen. Er sprach zwar sein Fachchinesisch aber im Grossen und Ganzen war es dasselbe was Kiran mir erzählt hatte. Kiran war tatsächlich nicht mehr da. Meine Medikamente wirkten wie eine Droge ich war irgendwie neben mir. Ich bekam etwas gegen die heftigen schmerzen und dann noch Entzündungshemmende Tabletten. Einmal das Ganze Paket. So kam es mir zumindest vor. So voll mit Medikamenten war ich nicht wirklich hundertprozentig da. Ein Teil meines Gehirns schien noch zu schlafen. Heute hätte ich alles unterschrieben, egal was man mir hingelegt hätte. Als die Polizei mich fragte wie es denn zum Unfall kam konnte ich mit guten Gewissen sagen ich würde mich an nichts mehr erinnern. Ich wurde gefragt ob ich angeschnallt war.
„Nein, ich glaube nicht. Obwohl ich bin mir nicht ganz sicher“, gab ich so ehrlich wie möglich zur Antwort. Mehr konnte ich wirklich nicht Preis geben. Ich kam mir blöd vor. Damit schien der Fall abgeklärt zu sein.
Nun freute ich mich auf das Mittagessen. Denn in der Zwischenzeit hatte ich richtig Hunger bekommen. Mein Magen knurrte auf jeden Fall kräftig.
Ich bekam heute viel Besuch. Meine Mam und Robert die sich natürlich sorgten. Meine Mam sah vorwurfsvoll zu Kiran rüber der auch wieder anwesend war. Natürlich meinte sie es nicht so, doch ich war eben ihr Kind. Kiran hielt es nicht aus, stand auf und ging raus mit dem Vorwand einen Kaffee trinken zu wollen. Ich wusste genau er konnte meiner Mutter nicht mehr unter die Augen treten. Marit und mein Vater tauchten auch kurz auf und brachten mir wunderschöne Blumen mit. Danach schlief ich wieder etwas. Der Besuch schwächte mich sehr. Als ich erwachte stand Kiran beim Fenster und sah hinaus. Seine Arme verweilten auf seinem Kopf, er war stark in Gedanken versunken. - *Leon,*-
Dabei zuckte er zusammen und drehte sich abrupt um. Seine Augen waren wässerig. Er wischte sich kurz mit dem Ärmel über seine Augen. Hatte er geweint?
„Kiran bitte, mach dir doch nicht so grosse Vorwürfe. Es ist so wie es ist.“
Er setzte sich endlich neben mich hin und strich sanft durch mein Haar.
„Kleines, wir fliegen los diese Nacht. Uns beiden bleibt nicht mehr so viel Zeit…“
Sein Blick war traurig. Ich verstand, die Alaska Reise. Auch mein Herz zog sich zusammen aber ich lies es mir nicht anmerken. Ich musste stark sein – für ihn.
„Du rufst mich an wenn ihr angekommen seit, ja?“
Er lächelte: „Natürlich, so oft ich kann und wenn Jo das Blut getestet hat wissen wir mehr.“
„Hast du nochmals Blut getrunken?“
„Ja“, gestand er mir, „ich kann es nicht lassen. Aber es war dosiert, Paula und Joe passen auf mich auf.“
„Wie geht es Joe? Braucht er noch Blut?“
„Er hat, an unserem Kuh Desaster so viel getrunken dass es für eine Weile reicht. Er ist klar im Kopf. Wer hätte gedacht dass Joe auf mich aufpasst statt umgekehrt.“
Kaum hatten wir ihre Namen ausgesprochen kamen sie schon zur Tür rein.
„Hallo ihr beiden“, sagte ich so fröhlich wie möglich. Es war schön sie nochmals zu sehen bevor sie abreisten. Joe sah irgendwie verändert aus, reifer. Er nahm seine Pflicht sehr ernst und musste jetzt auf Kiran aufpassen. Zum Glück war Kiran vernünftig genug um sich von Joe führen zu lassen. Was ja eigentlich auch nicht selbstverständlich war. Zu lange würde der Wolf seine Führungsposition nicht abgeben. Das war klar. Ich hoffte inständig dass Kirans menschlicher Teil stärker war als der des Wolfes. Auch ich machte mir Sorgen.
„Hey Schweiz, bist du hier in guten Händen?“, scherzte Joe. Ich lächelte ihn an und er gab mir einen Kuss auf meine Stirn. Auch er würde mir fehlen. Danach stand Joe zu Kiran und sprach über den bevorstehenden Flug mit ihm. Paula sass zu meiner rechten Seite und hielt meine Hand fest: „Wie geht es dir? Hast du noch starke schmerzen?“
„Nein, ich bekomme starke Medikamente und ich habe nichts was nicht von alleine heilen wird. Ich glaube ich muss noch etwas hier bleiben wegen meiner Gehirnerschütterung. Sozusagen zur Beobachtung. Sobald ich hier raus kann geh ich zu Tom und Tori. Versprochen.“
„Ja das wissen wir und sind froh über diese Lösung. Keine Angst meine Schwester kann auch ganz lieb sein...“
Unweigerlich musste ich lächeln als ich an Tori dachte.
Paula meinte weiter: „Lis…, ich werde dich vermissen.“ Tränen stiegen ihr in die Augen.
Ich seufzte: „Ich euch auch. Es wird mir fast das Herz zerreisen von Kiran und euch getrennt zu sein. Ihm wird es auch so gehen. Bitte schau zu dass Sandi …“
Paula unterbrach mich: „Ja ich weiss. Keine Sorge. Die restlichen Kräuter die wir haben werden wir vor dem Flug Kiran verabreichen. Es wird schon schief gehen.“
„Ich sag’s ja, doofes Sprichwort“, meldete sich Kiran der uns natürlich etwas zugehört hatte. Wir lächelten. Paula und Joe mussten wieder los sie würden erst wieder kommen um Kiran abzuholen. Daher verabschiedeten wir uns schon richtig von einander. Ein wirklich seltsames Gefühl. Ich war mir nicht sicher wie schnell ich sie wieder sehen würde. Da gingen sie hin meine Freunde,- meine Familie.
„Kiran, könntest du dich etwas zu mir hinlegen? An meine Rechte Seite?“
Kiran lächelte mich an: „Nicht ganz einfach ich werde dich einwenig rüber rutschen müssen, beiss auf deine Zähne.“
Gesagt getan. Er war stark und sanft zugleich. Ich hatte keine schmerzen. Danach zog er seine Schuhe aus und legte sich zu mir hin. Er lag auf seiner linken Seite und sah mich an. Es sah nicht wirklich bequem aus da er eindeutig zu gross für dieses Bett war. Ich hätte gerne laut heraus gelacht beliess es aber bei einem lächeln. „Grosser, es sieht nicht bequem aus.“
„Egal, dein Wunsch ist mir befehl.“
Wieder wollte ich laut lachen aber mein schmerz hielt mich davon zurück. Nun drehte er mein Gesicht zu seinem und begann mich zu küssen. So sanft wie möglich. Als er von mir abliess sprach er: „Werde rasch gesund und komme nach. Ja?“
„Versprochen.“
Wir hatten nicht mehr viel Zeit, er würde bald gehen müssen. Er knurrte ganz leise, kaum hörbar. Es war ein Zeichen dafür dass sein Schmerz von mir wegzugehen von enormer Grösse war. Ich fühlte mich wohl und schlief wieder etwas ein. Wieder wurde ich von einer Krankenschwester geweckt die nach mir schauen musste. Als sie raus ging sah ich dass es draussen bereits wieder dunkel wurde. Es war Zeit für Kiran.
„Liebes, Paula und Joe rufen nach mir. Ich muss los. Oder soll ich lieber bleiben?“
„Netter Versuch. Nein, natürlich nicht. Du gehst. Aber komm her ich möchte dir etwas geben. Leg deine Stirn bitte auf die meine“, sprach ich im ruhigen sachlichem Ton. Ich begann mich zu konzentrieren und zeigte Kiran Bilder. Zeigte ihm wie viel Freude wir bereits zusammen hatten. Bilder von Marius Hütte, wie friedlich und hübsch es dort war. Öffnete mein Herz, damit er fühlen konnte wie unendlich gross meine Liebe zu ihm war. Wie viel mir unsere Liebe bedeutete. Bilder die Wärme ausstrahlten. Als ich damit fertig war. Machte Kiran grosse Augen.
„Danke. Kleine Hexe du erstaunst mich immer wieder aufs Neue.“
Ich nickte ihm zu. Wir küssten uns und dann ging er, schweren Herzens, raus. In der Türe drehte er sich nochmals zu mir um:
-*wir sehen uns bald*-
Das war das letzte was ich von ihm für längere Zeit zu sehen bekam, das wusste ich genau. Am liebsten hätte ich laut aufgeschrien. Doch ich wusste ich durfte nicht da er sonst gleich wieder hier stehen würde. Also schluckte ich meinen Kummer runter. Ich hatte einen riesigen Kloss im Hals stecken. Ich schlug lediglich mit meiner rechten Faust auf das Bett ein. Das brachte etwas Erleichterung. Wenigstens hatte ich hier im Spital keine Träume und wurde nicht von dieser seltsamen Stimme verfolgt. Ich war ruhig, was sicherlich auch mit den Medikamenten zu tun hatte. Dem Morphium war dank!
Unerwartet ging die Türe auf und Joe trat an mein Bett: „Ich musste dich rasch sehen. Ich werde alles versuchen was in meiner Macht steht um Kiran zu helfen. Ich lasse euch nicht im Stich.“
Dann trat er zu mir hin und küsste meine Stirn. Ich war nicht fähig gross darauf zu reagieren. Mit einem: „Danke“, reagierte ich erstaunt aber dankbar. Dann ging er wieder und meine Tränen liefen mir hinunter. Erschöpft schlief ich wieder ein.
Ich schlief die Nacht durch und erwachte wieder weil die Krankenschwester auftauchte. Sie machten nur ihre Arbeit aber es war sehr lästig. Etwas später kam der Junge sympathische Arzt vorbei: „Na wie geht es uns heute?“
„Gut danke, die Medikamente wirken.“
Jetzt lächelte er symphytisch.
„Sie machen gute Fortschritte. Zum Glück ist ihr Arm nur angerissen und nicht ganz gebrochen. Wir werden ihnen heute Nachmittag eine andere Schiene verpassen. Mit ihrem Bein müssen sie jedoch noch etwas Geduld haben. Eine Therapie wird nötig sein um Ihre Muskulatur zu stärken. Es ist nur eine Rippe angebrochen und mit ihrem Kopf ist auch alles im Norm Bereich.“
Zum Glück sprach er so dass ich ihn verstand. Es war also gar nicht so schlimm? Der arme Kiran er machte sich solch grosse Sorgen doch ich würde rascher genesen und konnte schneller bei ihm sein als er dachte. Ich fragte meinen Arzt, dessen Namen ich mir nicht merken konnte: „Wann kann ich hier raus?“
„Haben sie noch etwas Geduld mit sich. Wir behalten sie noch sicher 2 Tage hier“, sprach er höflich und lächelte mich wieder nett an. Dann berührte er mit seiner Hand meinen Arm und meinte: „Glauben sie mir es wird das Beste für sie sein.“
Ich nickte ihm zu. Er versprach später noch mal rein zu schauen.
Auch dieser Tag ging rasch vorüber. Irgendwann in der Nacht zuckte ich zusammen und erwachte. Ich riss die Augen auf und horchte: -*Liebes, wir sind gut angekommen. Uns geht es gut und ich bin noch nicht ausgeflippt. Mein Herz ist noch voll von deiner grossen Liebe*- Ich lächelte vor mich hin und begann mich zu konzentrieren was mir dann gelang. Konnten wir wirklich auf so grosse Distanz unsere Gedanken mitteilen? Es war unglaublich: -*Liebster, schön von dir zu hören. Mir geht es besser. Meine Verletzungen sind nicht so schlimm. Komme schon bald hier raus. Mach dir keine Sorgen mehr um mich und konzentriere dich auf dich. Ich bin müde und muss etwas
schlafen. *-
Nun war ich sehr erschöpft. Senden auf so weite Distanz war happig. Es erstaunte mich dass er die Kraft dafür fand.
-*Versprochen. Liebe dich. Bis bald und schlafe gut.*-
Hörte ich ihn nochmals in meinem Kopf und schlief zufrieden wieder ein. Die nächsten Tage verliefen ruhig. Meine Mam war zwar so oft bei mir wie es ihr möglich war. Für mich war es eigentlich schön meiner Mam etwas näher zu sein wie auch schon. Schliesslich würden wir uns nicht mehr so viel zu Gesicht bekommen. Ich denke sie genoss es auch.
Am Tag vor dem Austritt hatte ich das Gefühl ich war da aber mein Kopf nicht ganz. Ich bekam wohl ein anderes Medikament. Mein Körper war wach doch mein Geist schien irgendwie noch zu schlafen. Ich rieb mich in den Augen und hoffte die Müdigkeit wegzubringen. Eigentlich sollten die Medikamente reduziert werden. Daher verstand ich meinen Zustand nicht ganz. Meine Mam kam wieder auf Besuch und sah sehr Glücklich aus als sie sprach: „Ich bin so froh dass Kiran zurück gekommen ist und mit dir zur Kur fahren wird. Das nenn ich wirklich Liebe.“
Benommen meinte ich: „Bitte was?“
„Ja, ich habe ihn eben unten beim Kaffee getroffen. Er steckt in den Vorbereitungen für Morgen. Ach was erzähle ich dir da. Vermutlich wollte er dich Überraschen. Ich hab nichts gesagt, von mir weißt du nichts… “
Dann machte sie eine Bewegung mit ihren Fingern so, als würde sie ihren Mund zu schiessen. Ich wusste nicht genau was ich davon halten sollte. Als meine Mutter gegangen war wollte, nein musste ich mich konzentrieren und Kiran meine Gedanken senden: -*…*- Nichts! Es ging einfach nicht. Ich konnte mich nicht konzentrieren. Es fühlte sich an als würden leere Luftblasen aus mir raus kommen. Mein Kopf war so unglaublich benebelt. Ging es mir wirklich besser?
Mein gutaussehender Arzt kam vorbei um mit mir den Austritt zu besprechen: „So Morgen können sie hier raus. Wir sind sehr zufrieden mit ihrem Krankheitsbild.“
„Sind sie sicher dass es mir besser geht?“
„Eigentlich schon, wieso meinen sie?“
„Meine Gedanken sind so verschwommen und ich kann mich nicht konzentrieren.“
„Aha, gut dass sie es ansprechen. Dann werden wir die Medikamente wieder umstellen. Ich schreibe einen Vermerk hin.“
„Ja danke“, fügte ich dankbar hinzu.
„So, dann bringt ihnen die Schwester noch die Entlassungspapiere die sie bitte unterschreiben. Dann wünsche ich ihnen und ihrem Verlobten für den morgigen Tag alles Gute.“
„Mein Verlobter?“, fragte ich irritiert.
„Ja, ich habe ihn unten angetroffen. Er wird sie morgen abholen. Eine Kur wird ihnen gut tun. Es wird alles gut, machen sie sich keine Gedanken.“
Damit verabschiedete er sich und war verschwunden. Kiran war wirklich hier? Warum, wieso? Was sollte das Ganze überhaupt. Die Medikamente machten mich so unsagbar müde dass ich wieder einschlief und keine klaren Gedanken mehr fassen konnte. Als ich erwachte stand Kiran bereits im Zimmer und war mit meinen Medikamenten eingedeckt. Irgendwie muss er es geschafft haben mich anzuziehen. Jetzt stand er da mit einem Rollstuhl.
Ich riss verwundert meine Augen auf: „Was machst du hier? Wieso bist du nicht in Alaska? Das geht doch gar nicht, du hast mir doch gesendet dass ihr gut angekommen seid…“
Er küsste mich auf die Stirn und lächelte mich an.
„Hier trink dass und nimm deine letzten Medikamente. Ich erklär dir alles auf der Fahrt. Möchte so rasch wie möglich aus diesem Krankenhaus raus.“
Das konnte ich verstehen. Also nahm ich das Wasser und schluckte die Medikamente herunter. Danach half er mir in den Rollstuhl. Er strich mir über mein Haar und ich war irgendwie froh dass er wieder da war. Es fühlte sich so unwirklich an. War ich überhaupt wach oder schlief ich noch? Ich kneife mich kurz in meinen rechten Oberschenkel. Ja, ich war wach. Unten half er mir in das Auto und verlud mein Gepäck. Danach stieg er ein und fuhr los. Ich war neugierig: „Wohin fahren wir?“
„Schlaf ein wenig. Die Fahrt könnte anstrengend für dich sein. Du brauchst noch Ruhe.“
Ja ich war wirklich sehr müde. Doch ich hatte so viele Fragen an ihn. Ich war so irritiert.
Er fragte: „Bist du denn nicht müde?“
„Doch du hast Recht. Aber eigentlich müsste ich ausgeschlafen sein. Eigentlich sollten die Medikamente umgestellt werden. Das hat mir der Arzt versprochen.“
Sprach ich benebelt und schlief plötzlich wieder ein. Da ich nicht auf meine Uhr geschaut hatte, wusste ich nicht wie lange die Reise gedauert hatte. Ich erwachte als Kiran anhielt. Ich versuchte mich zu orientieren. An diesem Ort war ich noch nie. Hier stand eine kleine Hütte mitten im Wald. Das soll der sogenannte Kurort sein? Kiran lud mein Gepäck aus und stellte es hinein. Ich sah ihm zu und fand ihn seltsam. Irgendetwas an ihm schien nicht zu stimmen. Als er sah dass ich wach war, half er mir aus dem Auto. Dann setzte er mich in der Hütte wieder ab. Er lächelte mich an und sprach: „Na, gut geschlafen süsse?“
Was war hier falsch: Süsse…! Scheisse!
„Nein das ist jetzt nicht wahr“, platze es aus mir raus.
Ich setzte mich hin. Er lächelte mich schief an. Ich wollte Tori mit meinen Gedanken erreichen und brachte es nicht fertig. Meine Gedanken waren noch blockiert. Ich war ausgeliefert. Durch die Medikamente war meine Panik nur in meinem Inneren. Nach aussen hin war ich die Ruhe selbst. Er setzte sich mir gegenüber und sah mich fragend an.
„Was hat mich verraten?“
„Süsse! Er nennt mich nie süsse. Es ist zu abwertend. Und du hast keine Zeichen am Hinterkopf.“
„Süsse war falsch. Nun mir gefiel das Wort auch nicht besonders. Aber ich dachte es sei der Zeit angepasst. Ja die Zeichen am Hinterkopf krieg ich nicht hin. Die sind eben sehr speziell und auf ihn zugeschnitten. Die kann man nicht einfach so übernehmen. Er hat sie sich ja verdient, ich nicht!“
„Was bist du? Wer bist du?“, wollte ich dringend wissen.
„Alles zu seiner Zeit.“ Er stand auf: „In welcher Gestallt soll ich dir in Zukunft Gesellschaft leisten?“
„Wie meinst du das?“
„Nun da wäre der Mann aus Fairbanks im Restaurant, oder Jacky. Doch lieber der sympathische Mann aus dem Flugzeug oder lieber die nette Service Kraft von der Hochzeits-Gesellschaft? Am aktuellsten wohl besser dein netter Arzt vom Spital.“
„Das warst alles du!!!!!!!!!!!“ Ich war geschockt!
„Mit Sicherheit.“
Ich starrte ihn mit grossen Augen an. Das war alles geplant. Er verfolgte mich schon die ganze Zeit. Schlagartig wurde mir so etwas von übel. Er musste wohl oder übel auch mit dem seltsamen Zustand von Kiran zu tun haben. Grässlich!
Er brach das Schweigen in dem er meinte: „Ich kann auch eine Gestallt deiner Freunde annehmen. Wenn dir das lieber wäre.“
„Der Mann im Flugzeug wäre denkbar“, erwiderte ich ausdruckslos.
Er liess mich so verwirrt sitzen und zog sich kurz zurück. Danach erschien er wieder als der Mann der aussah wie Marius. Einfach in dunkler Version. Da kam mir der Gedanke.
„Du - kanntest - Marius?“
Er grinste schief und sprach mit dunkler Stimme: „Du bist nicht nur hübsch, kombinierst die Zusammenhänge rasch. Das gefällt mir sehr gut.“
Ich seufzte tief: „Wie ist dein Name?“
„Wladimir, aber bitte nenn mich Wlad.“
„Wlad was willst du von mir? Weshalb bin ich hier?“
Er lachte wieder laut auf: „Alles zu seiner Zeit. Elisa
ich muss nochmals fort. Ich weiss du kannst noch nicht weit laufen. Also probier es erst gar nicht. Falls du ungehorsam bist, bekommst du Medikamente. Konntest du mir folgen?“
„Ja, aber bitte gib mir Antwort auf meine Fragen!“
„Zu seiner Zeit! Schlaf jetzt.“
Er machte eine seltsame Handbewegung und hielt seine hand vor mein Gesicht. Ich konnte meine Augen nicht offen behalten. Ich schlief sofort ein. In meinem Traum sah ich Wlad wie er sich verwandelte. Wie er uns alle täuschte. Doch wer war er wirklich? Wie viele Gesichter konnte er haben. In meinem Traum lief ein Film ab und ich sah viele verschiedene Gesichter…Und immer wieder dieselben hübschen hellbraunen Augen. Mit Schweiss auf der Stirn erwachte ich. Wlad war nicht da, ich war noch alleine! Sofort setzte ich mich hin und versuchte mich zu konzentrieren und Tori zu erreichen: -*Tori, ich versuche dir Bilder zu senden*-
Ich versuchte mich so stark wie möglich zu konzentrieren. Tori musste sehen dass es nicht Kiran war der mich abgeholt hatte. Sie musste verstehen dass alles nur Täuschung war. Als ich die Bilder fand versuchte ich es. Ich dachte an Tori wer sie war, alles was Tori war und ist: Nala…! Ich schaffte es, hoffte ich. Meine Panik rief eine unbekannte Kraft in mir auf. Es ging eine ganze Weile bis sich Tori zurück meldete: -*Scheisse Lis, wo hat er dich hingebracht? Bist du noch in der Schweiz? Wir suchen dich. Halte durch.*-
Ich kniff meine Augen und den Mund zusammen: -*Ich weiss es nicht. Denke schon dass wir noch in der Schweiz sind. Wir sind sehr abgelegen. Alleine…Ich muss Schluss machen, ich glaube er kommt zurück…*-
Es war nur so ein Gefühl aber mein Gefühl gab mir Recht. Die Türe ging auf und er kam laut rein. Erstaunt sah er mich an und hielt dabei seinen Kopf leicht in die Höhe als würde er etwas riechen. Nun hielt er seine Hand an sein Kinn und sprach, als wäre es äusserst wichtig: „Elisa du warst sehr ungehorsam. Du solltest deine Gedanken nicht hinaus senden. Ich kann es spüren. Ich bin mächtiger als du. Gewöhn dich daran oder es wird für dich sehr schmerzhaft.“
Genau in diesem Moment konnte ich Tori hören: -*Ich mache mich auf den Weg dich zu suchen. Übrigens Kiran und Joe stehen unter Drogen, zumindest so was Ähnlichem. Bleiben in Kontakt.*-
Ich kniff mein Gesicht zusammen. Schön dass sie mich suchen würden doch ob wir in Kontakt bleiben konnten wusste ich in diesem Moment nicht so genau. Denn dieser Wlad sah ziemlich wütend aus. Er zog seine Augenbraue hoch.
„So, die Dame will dich suchen kommen. Kein Problem dann werden wir schneller weg sein als eigentlich geplant. Da kam ich wohl gerade rechtzeitig zurück. Hätte nicht gedacht dass du die Medikamente so schnell verarbeitest…Kompliment.“
Ich sagte immer noch kein Wort und sah ihn mit Grossen Augen an. Er hatte Tori gehört! Er hatte das senden abgefangen. Du meine Güte, das würde sehr schwierig werden in Kontakt zu bleiben. Er ging hinaus und richtete den Tisch für das Frühstück dass er mitgebracht hatte.
„Elisa würdest du mir bitte Gesellschaft leisten?“
„Wie du es wünscht Wlad. Würdest du mir behilflich sein? Ich schaffe es noch nicht ganz alleine bis zum Tisch.“
Meine Stimme war zuckersüss und übertrieben. Ich war bereit mitzuspielen. Jetzt wollte ich so viel wie möglich über ihn heraus finden. Galant kam er auf mich zu und half mir zum Tisch hinüber. Er zündete sogar eine Kerze an. Ich fand es ein wenig extrem kitschig. Entweder war der Typ total nett und dann drohte er mir wieder. Das konnte ja noch heiter werden. Ich war immer noch neugierig: „Wlad was willst du von mir?“
„Ich kannte Marius wie du bereits Klever kombiniertest. Er erzählte viel von dir. Eigentlich ständig. Ich kannte seinen Plan dir die Gabe zurück zu geben. Fälschlicher Weise hat er einiges an Kiran weiter gegeben statt alles an dich. Daher bist du schwächer als ich angenommen habe. Ich werde alles über dich erfahren Elisa.“
„Nenn mich bitte Lis“, forderte ich ihn auf.
Das schien ihn zu amüsieren und er lächelte leicht als er antwortete: „Du bist nicht in der Lage Forderungen zu Stellen. Also nein, ich nenne dich weiterhin Elisa. Sei froh dass ich dich nicht Elisabetha nenne. Aber das wäre doch etwas zu klischeehaft. Also nimm das an was du von mir kriegen kannst.“
Hab ich das richtig verstanden, war das gerade so etwas wie eine kleine nett formulierte Drohung. Er schenkte mir ein Glas Wasser ein. Ich verstand im Grunde immer noch nichts. Ich sehnte mich nach Kiran. Hier im Jetzt war ich am falschen Ort. Ich wollte nicht hier sein. Diese Diskussionen führten doch zu nichts. Mein Herz fühlte sich plötzlich so schwer an als würde ein Stein darauf liegen.
„Morgen bringe ich dich in mein Land, in mein zu Hause. Du wirst alles unter einem Schleier war nehmen. Also versuche dich nicht zu stark zu konzentrieren. Lass dich lieber treiben. Das wird wesentlich einfacher für dich“, sprach und ass er, als wäre dass die normalste Diskussion die es gab. Sozusagen eine Diskussion unter Freunden.
„Warum?“, versuchte ich noch mal etwas aus ihm raus zu bekommen.
„Alles zu seiner Zeit“, lächelte er mich wieder freundlich an.
Ich seufzte auf und wagte noch einen Versuch: „Bitte Wladimir, sag mir wenigstens was du bist?“
„Ich bin ein Hexenmeister oder Zaubermeister. Wie du willst. Nenn mich ruhig auch Dämon. Das trifft es auch. Dazu bin ich ein Gestaltwandler oder nenn es Formwandler. Ich kann mich nicht in ein Tier verwandeln wie deine Getreuen aber in jeden Menschen den ich will. Selbst in dich wenn es sein muss.“
Ich verstand, egal in welche Richtung ich wollte, er war mir also immer einen Schritt voraus. Notfalls konnte er sogar meine Freunde täuschen wenn es erforderlich sein sollte.
Das war nicht gut, nein überhaupt nicht gut.
Also hatte ich es hier mit einem Zauberer zu tun. Etwa so was wie ich? Wie gerne hätte ich jetzt meinen Laptop zur Hand gehabt und gegoogelt. Aber nicht einmal das war mir vergönnt.
„Wieso bist du eigentlich so freundlich zu mir?“
„Elisa, ich habe von dir nichts zu befürchten. Im Gegenteil du wirst mich lieben lernen. Sagen wir, ich habe auf dich gewartet und dich ausgesucht meine Partnerin zu werden.“
Innerlich schrie ich jämmerlich auf doch äusserlich lies ich mir nichts anmerken.
„Meine Eltern werden mich vermissen und mich als vermisst melden, Wlad!“, konterte ich.
Wieder lachte er laut auf.
„Liebe Elisa, ich habe deinen Laptop und dein Handy. Sie werden laufend Bilder von uns beiden bekommen und sehen wie gut es uns geht. Ich werde sie anrufen in deiner Gestallt wenn es erforderlich wird. Dein Kiran wird Probleme damit haben wenn er aus Alaska kommt und deine Eltern ihn sehen. Er sollte bleiben wo er ist. Glaub mir, du wirst Kiran vergessen können. Und wenn das geschieht wird er nicht mehr lange existieren. Du selbst wirst ihn vernichten, meinen Liebe.“
„Niemals. Unsere Liebe ist stark. Das Band das unsere Seelen vereint wird für lange Zeit halten.“
„Wir werden sehen!“, sprach er lauter und sah mir direkt in die Augen. Es schien als wäre seine Geduld bald aufgebraucht. Ich hielt fest daran dass Tori und Tom mich finden werden bevor es morgen weiter ging. Er musste mir etwas in das Wasser gemischt haben. Meine Gedanken vernebelten sich wieder. Und ich wurde zunehmend schläfrig. Er lächelte mich wieder an: „Ich bringe dich zu Bett. Du wirst gut schlafen dafür sorge ich schon. Mach es dir doch etwas einfacher.“
Er trug mich in das kleine Schlafzimmer und legte mich mit samt den Kleidern hin. Sagte dann noch ein zwei seltsame Sprüche auf und war auf dem Weg hinaus als ich fragte: „Wo gehst du hin?“
„Keine Sorge, ich lasse dich nicht alleine hier. So weit geht mein Vertrauen bei weiten nicht. Ich schlafe nur nicht im selben Raum wie du, das gehört sich nicht. Nicht bevor wir verheiratet sind.“
Als er die Türe hinter sich schloss war ich bereits eingeschlafen. Ich versuchte mich noch an das zu erinnern was er zuletzt gesagt hatte. Aber es ging nicht ich war zu müde. Wie er mir versprochen hatte, war das eine sehr gute, ruhige Nacht. Ohne verwirrende, beängstigenden Träume.


Bei Kiran in Alaska


Was bei Kiran und den anderen in der Zwischenzeit so los war!
Alle drei waren gut in Fairbanks angekommen. Sie wurden bereits von Jo erwartet und gingen sofort in die Klinik. Sie wollten keine Zeit verstreichen lassen. Jo entnahm Kiran und Joe etwas Blut.
„Joe, konntest du von dem Blut dass ihr in der Schweiz bekommen habt etwas mitnehmen?“, fragte Jo seinen Sohn.
Joe nickte und zog aus seiner Jacke einen kleinen Beutel hervor. Dankbar nahm ihn Jo an sich und begann mit den Tests. Paula half mit wo sie konnte. Kiran war etwas neben sich, er sah immer noch schlecht aus. Ziemlich bleich für seine Verhältnisse. Er war ja eigentlich mehr der dunkelhäutige männliche Typ. Dazu kam noch die Trennung von Lis. Es ging an seine Substanz.
Kiran musste von Jo wissen: „Werden die Untersuchungen lange dauern?“
„Ja, schon etwas ca. 24 Stunden. Warum fragst du?“
„Bestände die Möglichkeit dass ich mit Joe ins Camp laufen kann? Ich brauche Bewegung. Bin kribbelig.“
Jo sah zu seinem Sohn: „Was hältst du davon? Es ist ziemlich weit…“
„Wir schaffen das. Ich denke das wäre machbar und ich könnte auch ein wenig Bewegung gebrauchen. Paula bleibst du hier?“
„Ja, zischt schon los. Doch seid bitte sehr vorsichtig“, mit diesen Worten lies sie die beiden kränklichen Männer gehen. Joe trat kurz auf Paula zu und küsste ihre Wange sanft.
Dann musste er schauen dass er Kiran noch einholte. Die beiden steiften durch die Wälder, rauften sich ab und an einmal. Sie konnten wieder einmal sich selber sein ohne Rücksicht auf andere. Joe genoss die herrliche Luft in der Wildnis, genau so wie Kiran. Endlich waren keine pochenden Herzen mehr zu hören und darüber war Joe sehr dankbar. Kein Blut das so nah an ihm rauschte. Auch kein Blut das Joe riechen konnte und abwehren musste. Keine Gefahr. So fühlte sich also Freiheit an.
Joes persönliche Art von Freiheit. Sein zuhause!
Kiran hingegen war wild. Er fühlte sich nicht frei. Er vermisste seine Partnerin, in seinem Innern begann eine seltsame Leere einzuziehen. Doch er wollte Stark sein für sie. Kiran konnte nicht widerstehen und riss einen Elch der ihm im Wege war. Er hatte sich mit Leichtigkeit verwandelt und war jetzt mehr Wolfsmensch als Mensch.
Joe nahm etwas Abstand und beobachtete das Ganze aus sicherer Entfernung. Er sass auf einem Baum. Sein Freund hatte sich verändert. Er war definitiv kein richtiger Wolf. Mehr so was wie ein Wolfsmensch mit Vampir ähnlichen Zügen. Kiran war gross, kräftig, stark und schnell. Doch Kiran schien diesmal keine Gefahr für ihn sein. Heute war Kiran allerdings wieder mal im Blut rausch. Das war Joe klar. Als Kiran seinen Durst und Hunger gestillt hatte mahnte Joe ihn zu Recht: „Mensch Wolf, das ist kein schöner Anblick den du da bietest. Alles ist voller Blut. Schau mal genau hin was du da anrichtest. Und ehrlich ich trag dir deine Kleider nicht nach, vergiss es.“
Kiran brummte auf. Das war seine Art von Motzen. Es hatte aber seine Wirkung auf Kiran und er wurde langsam wieder zum Mensch. Bevor er in seine Kleider konnte musste er sich sein restliches Fell abziehen. Er rieb sich wie ein Tier an Bäumen um das lästige, restliche Fell los zu werden. Das dauerte eine Weile. Joe fand seinen Freund sehr seltsam. Sagte aber nichts dergleichen. Er wartete geduldig ab bis Kiran so weit war und war stolz auf sich selbst dass er beim Anblick von so viel Blut ruhig blieb. Die Verantwortung liess ihn wachsen und stand ihm gut. Dann machten sie sich auf den direkten Weg ins Camp. Die Freude der anderen war gross. Vor allem machten Kiran und Joe grosse Augen als sie Sandi und Julia zu sehen bekamen. Ihre Schwangerschaft ging rasch voran. Wahrscheinlich rascher als bei normalen Menschen. Mona und Ben machten einwenig besorgte Gesichter als sie Joe und Kiran begutachteten. Die beiden sahen nicht wirklich gut aus. Joe ging gerade noch so durch. Doch Kiran sah krank aus. Obwohl er nicht krank schien. Sie boten den zwei Reisenden ein Glas „Tomatensaft“ an. Kiran stürzte sich förmlich darauf und staunte: „Joe, du hattest Recht. Dieses schmeckt tatsächlich anders. Viel, viel besser…“
„Sag ich doch. Das Tier in dir frisst einfach alles.“
Kiran warf Joe einen verächtlichen Blick zu. Und Joe ermahnte Kiran kein Blut mehr zu trinken. Denn eigentlich hatte er bereits zu viel Blut konsumiert. Kiran gab klein bei. Konnte er ja auch da er gesättigt war. Etwas später kamen Cam und Steven dazu und sie berichteten sich gegenseitig von ihren Erlebnissen. Ob Werwolf oder Vampir das spielte hier keine Rolle sie waren eng mit einander verbunden. Etwas später rief Jo an um Meldung zu erstatten dass sie erst Morgen nach Hause kommen können. Sie wollten unbedingt auf die Ergebnisse abwarten. Morgen würde Kirans Vater gleich mit ihnen mitkommen. Patrick hatte noch Abklärungen zu machen in Fairbanks, deswegen war er momentan nicht im Camp anzutreffen. Alle waren sehr gespannt auf die Ergebnisse der Bluttests. Auf einen Tag mehr oder weniger kam es da auch nicht an.
Kiran beschäftigte sehr viel, er musste hinaus und streifte durch das Camp. Er machte einen grossen Bogen um die Haskies und die Pferde. Er hatte Angst dass er sie reissen würde. Spät in der Nacht war Kiran endlich müde und erschöpft. Er ging in die kleine Blockhütte. Er konnte Lis riechen, sie schien hier so präsent. Er seufzte auf. Sein Herz wurde schwer. Niemals würde er es sich verzeihen dass er ihr solche Schmerzen zugefügt hatte. Er verzieh es sich nicht und fragte sich dauernd wie es so weit kommen konnte. Sicherlich gab es eine plausible Erklärung dazu. Doch in seinen Augen entschuldigte es nicht seine Tat. Erklärung hin oder her. Im Prinzip war er ihrer nicht würdig. So fühlte es sich für ihn auf jeden Fall an. Plötzlich huschte ein Lächeln über seine Lippen, als er die Fotos fand die Lis zurückgelassen hatte. Auf einem Foto waren nur sie beide abgebildet, er strich mit seiner Hand darüber. Die Erinnerungen an ihre gemeinsame Zeit schmerzten. Dann fand er einen Zettel. Er faltete ihn sorgfältig auf und staunte.
Lis hatte tatsächlich ihre Prioritäten Liste hier vergessen!
Diese Liste war ihr doch so wichtig. Lis war hier so präsent. Es fühlte sich so an als stände sie gleich direkt vor ihm. Er konnte quasi sehen wie sie ihre wichtige Liste schrieb. Seine Augen wurden wässerig. Sein Herz wurde schwer. Er begann die Liste zu lesen. Immer und immer wieder. Ihm wurde bewusst wie wichtig für Lis die Schwangerschaft von Sandi und Julia war. Das stand zu Oberst auf der Liste und war unterstrichen. Er sah auch die Zeilen die er geschrieben hatte. Lis hat seine Zeilen mit einem kleinen Herz ergänzt. Kiran schmunzelte.
Er musste hier weg! Er musste rasch gesund werden!
Doch heute war kein Tag mehr um Entscheidungen zu treffen. Es musste geduldig auf Morgen warten. Endlich legte er sich, noch angekleidet hin, und war gleich eingeschlafen. Er schlief, für seine Verhältnisse, sehr tief. Am nächsten Morgen stand er auf und beschloss zuerst eine Dusche zu nehmen bevor er sich wieder unter die anderen wagte. Er stank ja fürchterlich!
Kiran spürte bereits wieder sein Verlangen nach Blut. Was war bloss mit ihm los. Er hatte sich doch noch nie von Blut ernährt. Eigentlich konnte er ohne Blut leben, er war ja kein Vampir. Was sollte das Ganze also. Ja, eigentlich war er auch mehr Mensch als Tier. Das Tier in ihm gefiel ihm nicht sonderlich. Er war in diesem Zustand mehr eine Kreatur die weder das einte noch das andere richtig war. Klar genoss er die Vorzüge die es mit sich brachte ein Tier zu sein. Er war schnell und stark und hatte ausgeprägte Sinne. Aber ein Mensch zu sein war für ihn das einzig richtige. Er erhoffte sich heute endlich Klarheit über sein Dilemma.
Frisch geduscht wollte er sich auf den Weg in den Aufenthaltsraum machen. Als er endlich so weit war und gerade aus der Türe trat stand sein Vater Patrick vor ihm. Fast wären sie zusammengeprallt. Sie nickten einander freundlich zu. Patrick legte seine Hand auf Kirans Schulter ab: „Junge wie geht es dir.“
Kiran verdrehte seine Augen: „Stellt mir doch nicht so doofe Fragen. Wie sehe ich denn aus?“
„Wirklich schlecht“, rümpfte Patrick seine Nase, „Hattest schon bessere Zeiten. Ich bin gerade mit Paula und Jo gekommen. Sie haben die Ergebnisse. Komm…“
Für Kiran war dass zur Abwechslung mal eine gute Nachricht. Der Rest der Familie war bereits am Frühstückstisch. Kiran wollte nur Blut, er hatte keine Lust auf Frühstück. In seinem Inneren konnte er spüren dass es nicht richtig war dieser Lust nachzugeben.
Kiran sah fragend zu Joe, da er dachte Joe wisse vielleicht schon mehr was die Testergebnisse sagten. Doch Joe zuckte lediglich mit den Schultern um ihm zu vergewissern er wisse auch noch nichts. Kiran wurde sehr unruhig und sprach etwas ruppig:
„Würdet ihr endlich das Geheimnis um meinen Blutrausch lüften!“
Schlagartig wurde es am Tisch still. Niemand sprach mehr und
Jo stand auf. „Nun gut, es ist nicht ganz einfach da ich kein Spezialist auf diesem Gebiet bin. Was ich euch mit Sicherheit mitteilen kann ist folgendes: Im Blut aus der Schweiz habe ich eine Art Droge gefunden. Diese macht stark abhängig.“
„Also bin ich jetzt ein Drogensüchtiger.“ Begriff Kiran.
„Ganz so einfach ist es nicht. Auf Jo trifft das in etwa zu. Er ist sozusagen Drogenabhängig und wird einen leichten Entzug spüren. Doch auch sein Blut ist reiner geworden. Mit reiner meine ich weniger menschlich. Aber da er bereits zu einem Teil Vampir ist, hatte das manipulierte Blut nicht so massiven Einfluss auf ihn wie auf dich. Ich denke bei Jo wird es sich relativ rasch wieder einpendeln.“
Kiran versuchte zu verstehen: „Ich verstehe noch nicht. Wie meinst du das mit weniger menschlich…“
„Im Blut hat es einen Stoff oder Zellen, wie auch immer du es nennen willst, von einem reinen Vampir. Zum Beispiel wie Mona oder Ben. Das bedeutet du wurdest mit einem Vampir Drogen Stoff infiziert. Das wiederum bei dir diesen extremen Blutrausch auslöst. Daher kommt der Drang nach Blut.“
„Bin ich denn jetzt ein Vampir?“
Auch die anderen sahen erstaunt aus. Niemand wusste so genau was Jo damit aussagen wollte. Jo seufzte: „Nein, bei weitem noch nicht. Zum Glück hast du dieses Genmanipulierte Blut nicht mehr in Reichweite. Ich weiss nicht genau was es aus dir, schlussendlich, gemacht hätte. Oder gemacht hat. Kiran irgendjemand wollte aus dir mehr machen als „nur“ einen Werwolf. Derjenige der euch das Blut gegeben hat wusste genau wer ihr seid. Du wirst einen starken Entzug spüren, halte dich von Blut fern so gut es geht. Du musst zu deinen alten Gewohnheiten finden.“
„Leichter gesagt als getan“, rümpfte Kiran seine Nase und fuhr sich mit einer Hand durchs Haar und sprach weiter: „Da hat uns also seit geraumer Zeit jemand im Auge gehabt. Irgendwie beunruhigend.“
„Und uns ist nichts auffälliges aufgefallen. Das gibt einem schon zu denken. Wir müssen auf jede kleine Veränderung Acht geben.“ Sprach Joe und die anderen nickten ihm zu. Sie hatten ja keine Ahnung wer noch von Vampiren wusste. Geschweige denn wer noch an Vampirblut kommen konnte!
Als nächster erhob Ben das Wort: „Joe und Kiran, ich würde vorschlagen ihr begebt euch zu Suck. Ich denke dort werdet ihr etwas zur Ruhe kommen. Nachdem was ich von Mona, Sandi und Julia darüber gehört habe ist es für alle beteiligten das Sicherste.“
Kiran hatte sich gerade hingesetzt und stand jetzt enttäuscht auf: „Verdammt, ich tu euch doch nichts!“
Dabei warf er seine Arme in die Höhe. Joe hob seine Brauen und sah Kiran direkt in die Augen als er zu ihm zu erklären versuchte: „Ich bin dein Freund, und als dein Freund sage ich dir: Dass weisst du doch nicht! Hättest du jemals gedacht, dass die Möglichkeit besteht dass du auf Lis los gehst? Nein, denke nicht. Unser Entzug beginnt erst jetzt und wir wissen beide noch nicht wie er sich auswirken wird. Also mach es uns nicht schwieriger als es sonst schon ist. Hab vertrauen, Freund. Es ist nichts gegen dich persönlich.“
Diese Worte trafen Kirans wunden Punkt und er erinnerte sich wieder an Lis Prio-Liste. Er wurde Ruhig und sah in die Runde. Lauter besorgte Gesichter und alle wollten ihnen etwas Gutes. Julia und Sandra, ihre Schwangerschaft. Für Lis stand die Sicherheit der schwangeren an erster Stelle. Ja, er war wirklich am Rumpf. Am liebsten wäre er davon gelaufen und hätte sich verkrochen. Das würde nicht lange gut gehen und er würde beginnen zu töten. Ob er aus diesem Schlamassel wohl wieder heraus kommen würde. Nein, er wollte kein Monster sein. Das hatte er sich geschworen. Also sprach er langsam und mit ruhiger Stimme in die Runde: „Ihr habt alle Recht. Ich steh extrem neben der Spur. Das mit Lis ist schon unvorstellbar und doch ist es geschehen. Falls ihr euch fragt ob ich mir Vorwürfe mache. Muss ich es euch ganz klar mit Ja beantworten. Doch bitte versucht mich nicht zu beschwichtigen, da muss ich alleine durch. Natürlich werde ich mit Joe zu Suck gehen. Werde versuchen mit weniger Blut auszukommen. Das ist Versprochen. Ich muss zu ihr zurück.“
Er gab sich definitiv geschlagen. Kiran ging auf das nächste Fenster zu. Nun stand er da und schaute Gedanken versunken hinaus. Wie gerne hätte er diesen Raum in Stücke geschlagen. Er ballte seine Hände zu Fäusten. Es brauchte unheimlich viel Überwindung sich so ruhig zu verhalten. Das wussten die anderen nicht und er hatte nicht vor es ihnen mitzuteilen. Sein Vater trat langsam auf ihn zu.
„Ich bin stolz auf dich dass du diesen Weg einschlägst. Du hast ein gutes Herz“, versicherte Patrick.
Kiran seufzte kurz auf. Dann wendete sich Patrick den anderen zu und sprach mit ruhiger Stimme: „Wir hier im Camp werden Trainieren. Falls da jemand auf uns zukommt der zum äussersten bereit ist müssen wir vielleicht kämpfen. Ben und ich werden euch trainieren. Es bleibt an sich alles beim Alten.“
Jetzt nickten alle. Kiran konnte nicht mehr, er musste sich zurückziehen. Die bedrückende Stimmung nahm ihn sehr mit. Er sog alles wie ein Schwamm in sich auf. Kiran sah nochmals in die besorgten Gesichter und verabschiedete sich kurz bevor er hinaus ging. Doch er blieb nicht lange alleine.
Joe ging ihm nach und stellte ihn zur Rede: „Ist es schlimm?“
„Mein Blutrausch oder die Leere die Lis hinterlässt?“
„Weder noch. Ich meine nicht so sein zu können wie man möchte. Du siehst aus als könntest du alles zerschlagen was dir in den Weg kommt.“
Jetzt seufzte Kiran laut auf: „Du kennst mich gut. Ja es ist verdammt schwer. Dann noch die Leere die Lis hinterlässt. Es fühlt sich an als wäre sie aus meinem Leben getreten. Dann noch die Schuld was ich ihr angetan habe… Kein gutes Gefühl. Joe, ich habe Lis nicht verdient.“
„Das ist bescheuert.“
„Nein, ist es nicht. Ich bin es nicht Wert…“
„Ihr Partner zu sein“, sprach Joe den Satz zu Ende und ergänzte: „Ja klar. Suhle dich im Selbstzweifel. Aber denke stets daran. Sie ist die Legende und aus einem wirklich unerklärlichen Grund bist du ihr als Partner zugeteilt worden.“
„Du bist schwer in Ordnung.“ Sah Kiran lächelnd seinen Freund an.
Joe klopfte Kiran auf die Schulter und meinte beiläufig, das sich wie ein Kompliment anhörte: „Du bist stärker als du dir eingestehen willst. Jeder andere hier im Camp, mich eingeschlossen, käme da nicht so gut durch wie du.“
„Danke.“
Damit war vorerst alles gesagt. Kiran und Joe verloren nicht viel Zeit und machten sich rasch möglichst auf den Weg zu Suck. Natürlich wurden sie von Suck und den Elfen freundlich Empfangen. Erstaunlicher Weise fühlten sie sich sofort ruhiger. Dieser Ort hatte wahrlich etwas Magisches. Suck hatte sehr viel Verständnis für die Situation der beiden. Joe gefiel es hier sehr gut. Er fand den Ort genau so wie es die anderen ihm beschrieben hatten.
Suck nahm Kiran bei Seite: „Hm, spürte da ist was in der Luft. Zum Glück nichts passiert.“
„Ja natürlich. Suck, streue noch mehr Salz in meine Wunde“, knirschte Kiran.
„Du übst dich in Geduld. Das gut so. Gib dir Zeit.“
„Na wenigstens jemand der zuversichtlich ist“, schoss es so aus Kiran. Sie standen noch etwas draussen und genossen die Ruhe und die Harmonie an diesem Ort als Kiran plötzlich auf die Knie zusammenbrach. Er hielt seinen Kopf mit beiden Händen fest. Danach warf er seinen Kopf in den Nacken und ein tiefes dunkles Grollen kam aus seiner Kehle. Kiran begann am ganzen Leib zu zittern. Joe eilte sofort zu ihm hinüber.
„Meine Güte Kiran, was ist passiert!“, schrie Joe beunruhigt.
„ER hat Lis!“, rief Kiran laut, „Lis fand einen Weg ihre Bilder an Tori zu senden. Unglaublich, aber irgendwie hat sie es geschafft dass die Bilder auch zu mir gelangten. Sie hat die Bilder mir und Tori gleichzeitig gezeigt! Es ist der Mann aus dem Flugzeug! Der Typ war uns schon hier in Alaska auf den Fersen und wir haben nichts bemerkt.“
Kiran schüttelte den Kopf als wollte er die schreckliche Nachricht einfach weg schütteln. Er ging auf Abstand und krümmte sich vor Zorn. Dann verwandelte sich Kiran mit den Worten: „Ich habe versagt“, in den Wolfsmensch und jagte durch die Wälder. Niemand hätte ihn jetzt stoppen können. Er wollte kein Tier reissen er musste einfach rennen und Wut ablassen. Er rannte lange und weit. Man hörte sein Heulen über weite Distanzen. Als seine Beine langsam unter ihm nachzugeben drohten kehrte er zu Joe zurück und wurde wieder zu Kiran. Jetzt erzählte er Joe und Suck ausführlich von den Bildern die er empfangen hatte. Erzählte ihnen dass dieser Mann sich jetzt als Kiran ausgab und angeblich mit Lis zur Kur fährt. So habe er es zumindest verstanden. Erzählte ihnen davon dass Lis nicht weiss wo sie jetzt genau ist. Kiran war irgendwie leer. Suck war ebenfalls nicht begeistert von dem was er da gerade mit an hörte.
Joe sah zu Kiran und sprach mitfühlend: „Kiran, versuch Tori zu erreichen und schick sie los. Vielleicht haben wir so eine Chance Lis aufzuspüren. Tori ist die einzige die diese Gabe hat sie zu finden. Mein Gedanken Übertragung reicht nicht bis zu Tori. Deine eventuell schon. “
Kiran nickte ihm zu. Er sass hin und begann sich zu konzentrieren. Es dauerte einen Moment doch es klappte schlussendlich doch noch:-*Tori, ich bin es Kiran. Ich konnte die unglaublichen Bilder von Lis auch empfangen. Ich bin voller Wut. Kannst du als Bär los ziehen um sie zu suchen. Bitte, wir haben nur diese eine Chance durch dich.*-
Kiran hatte keine Ahnung ob er Tori auf die Entfernung erreichen konnte doch ein Versuch war es durchaus Wert. Sein Kopf schmerzte einwenig doch er bekam kurze Zeit später seine Antwort: -*Kiran, es tut mir so unglaublich leid. An so etwas hat wohl niemand gedacht. Wir haben ihn unterschätzt. Du hast Recht. Ich mache mich auf den Weg. Melde mich bei Gelegenheit*-
Kiran: -*Danke*-, mehr konnte Kiran im Moment nicht ausrichten oder verlangen.
Suck trat nah auf Kiran zu: „Du musst so rasch wie möglich genesen. Du musst glauben. Glaub an euch.“
Die leere in Kiran begann sich noch mehr auszubreiten und er hätte Suck am liebsten in Stücke gerissen. Bei diesem Gedanken begann er allerdings zu grinsen. Was für eine dumme Idee! Er verwarf die Gefühle und wollte von Suck wissen: „An was soll ich denn bitte glauben?“
„An euer Band. Band der Seelen. Du wirst sie finden. Musst nach Gefühl gehen. Musst lernen sie zu sehen wenn sie es zulässt“, nach diesen Worten verschwand Suck und lies Kiran wieder mal mit einem fragenden Blick zurück. Kiran sah zu Joe der alles mitgehört hatte. Joe zog die Augenbraue hoch und zuckte mit der Schulter: „Schau mich nicht so an, ich hab keine Ahnung wovon der Zwerg da spricht. Möchtest du kämpfen?“
Kiran lachte auf und war dankbar über Joe’s Angebot. Doch er schüttelte seinen Kopf, er hatte so viele Fragen.
„Joe, ich sehne mich nach Blut. Ist das so als Vampir?“
„Ich bin ja nur ein halber. Ich brauche nur in gewissen Abständen Blut.“
„Sonst was?“
„Sonst flippe ich vielleicht aus. Keine Ahnung – hatte ich noch nie. Ich lebe im absoluten Luxus. Mein Vater liefert uns den Kaviar frei Haus.“
Joes grinsen ging über sein ganzes Gesicht. Doch Kiran wollte mehr Antworten: „Wie fühlt es sich an?“
„Meine Kehle wird trocken und mir wird schlecht. Ich rieche dann das Blut meilenweit. Ich würde für Blut dann sogar töten.“
„Hm…ja so in etwa trifft es auf mich zu. Alles in meinem Kopf dreht sich dann nur noch um Blut. Nicht so als hätte ich Hunger – mehr als wäre ich kurz vor dem verdursten. Blut erscheint so notwendig.“
„Uh..., klingt hässlich. Denkst du es wird ohne gehen?“
„Es muss ohne gehen. Mit der Zeit.“
„Kiran, auch wenn es dich noch so schmerzt. Du kannst nicht einfach als Wolfsmensch los um Tiere zu reissen. Du musst hier bleiben und dich mit diesem Entzug auseinander setzen.“
Kiran lächelte und war froh darüber sprechen zu können: „Ich habe eben kein Tier gerissen. Es war nur die Wut und die Enttäuschung Lis an diesen Typen verloren zu haben. Ich habe kein Blut zu mir genommen.“
„Das ist ein guter Anfang“, nickte Joe seinem Freund zu und erklärte: „Ich bin auch etwas schockiert dass wir nie in Alarmbereitschaft geraten sind. Der ist einfach so an uns vorbei spaziert. Und wie der das mit dem Blut geregelt hat ist auch irgendwie gruselig.“
„Da geht es dir wie mir. Und nun sind uns die Hände gebunden. Ich schwöre dir ich zerreiss den Kerl in Stücke wenn ich ihn zu fassen kriege.“
„Da mach ich glatt mit“, sprach Joe und beide lächelten einander an. Sie wussten genau dass sie diesen Typen früher oder später zu fassen kriegen. Und dann werden sie ihn vernichten.


Was geschah bei Tori?


Tori fühlte sich schlecht. Nach der Nachricht von Lis begann sie an sich zu zweifeln.
„Tori, jetzt beruhig dich erst einmal und warte ab bis ich mit Esther gesprochen habe. Vielleicht weiss sie ja mehr als wir“, versuchte Tom seine Partnerin zu beruhigen. Doch Tori fauchte Tom nur an. Also nahm er sein Telefon und wählte die Nummer von Lis Mutter: „Hallo Esther, wie geht es Lis? Hast du was von Lis und Kiran gehört?“
„Ach Tom, ich bin so froh dass Kiran zurückgekommen ist um mit ihr zur Kur zu fahren. Sie sind heute früh los.“
Mein Gott wenn sie nur etwas davon ahnen würde…! Schoss es Tom durch den Kopf. Er antwortete lediglich: „Ja, so etwas habe ich auch mitbekommen. Leider habe ich Lis und Kiran nicht mehr gesehen. Kannst du mir sagen wohin sie sind?“
„Oh, Tom das ist eine gute Frage. Ich habe ganz vergessen sie danach zu fragen. Es ging ja alles so schnell. Sie haben mir versprochen bald eine Karte zu senden.“
„Oh, ja dann…“
„Tom warte…, du kannst sie jederzeit erreichen. Sie hat ihr Handy und ihren Laptop dabei. Ruf sie doch einfach mal an. Lis wird sich sicherlich darüber freuen.“
„Sie hat ihr Handy dabei?“, er kniff die Augen zusammen. Danach verabschiedete er sich höflich bei Esther und sah zu Tori.
„Sie hat ihr Handy dabei? Das ist eine seltsame Geschichte. Da stimmt doch was nicht“, sagte Tom wie zu sich selbst. „Auf was wartest du noch ruf sie an!“, brüllte Tori ihn angespannt an.
Tom wählte die Nummer von Lis. Eine Stimme die sich wie Lis anhörte nahm ab: „Hallo Tom, schön von dir zu hören.“
Instinktiv wusste Tom dass es nicht Lis sein konnte.
„Ach ja? Wo ist Lis? Was hast du mit ihr gemacht?“
Jetzt hörte er eine dunkle Männerstimme lachen. Diese Stimme gab ihm weiterhin Antwort: „Tom, was du versuchst ist nicht sehr geschickt. Ich glaube nicht dass ihr den Eltern von Elisabeth berichten wollt was hier wirklich vor sich geht. Sie würden es nicht begreifen. Lasst Kiran aus dem Spiel, er sollte sich besser nicht mehr zeigen. Für die Eltern von Elisabeth ist alles in Ordnung. Es scheint nur für euch ein Problem dar zu stellen.“
„Sitzt bei dir dein Hirn noch an der richtigen Stelle!“, schrie Tori diese seltsame Stimme am Telefon an, da sie mittlerweile den Hörer in der Hand hielt. Wieder lachte die dunkle Stimme laut auf.
„Ach, da ist ja die zierliche dunkelhaarige. Du hast deine Chance nun wirklich um Haaresbreite verpasst. Gib auf, lasst Lis gehen. Lebt wohl. War nett dich kennen gelernt zu haben.“
„Niemals!“, schrie Tori nochmals in den Hörer bevor die
Leitung unterbrochen wurde. Tori fluchte laut stark. Sie verstummte sofort als sie die Botschaft von Kiran erhielt.
Danach dachte sie über Kirans Wunsch Lis zu suchen nach. Tom sah sie fragend an und sie erzählte ihm von Kirans Botschaft.
Tom nickte verständnisvoll, fragte aber: „Ähm…, Tori, wie willst du das anstellen? Wir wissen nicht wo sie hin sind.“
„Ich weiss genau wie dieser Mistkerl riecht. Den Geruch von Lis habe sowieso in der Nase. Am besten gehen wir zum Krankenhaus damit ich seinen Geruch aufnehmen kann. Mit etwas Glück werde ich auch den Geruch des Wagens aufnehmen.“
Gesagt getan. Es war keine Zeit zu verlieren. Sie begannen mit dem Krankenzimmer. Indem bereits wieder jemand anderes lag. Sie entschuldigten sich höflich und gingen wieder raus. Tori schloss die Augen und ging nach ihrer Nase. Auf dem Parkplatz blieb sie stehen und meinte sie wüsste etwa in welche Richtung sie seien. Tom staunte nicht schlecht was für Fähigkeiten seine Partnerin da so an den Tag legte. Irgendwie war er stolz auf sie.
„Was kommt jetzt? Kleine Schnüffelnase“, fragte Tom etwas staunend und lächelte sie liebevoll an.
„Bring mich in den Wald, ich verwandle mich. Als Bär ist es einfacher. Meine Sinne sind ausgeprägter und ich bin wesentlich schneller.“
„Ich hab es dir noch nicht sehr oft gesagt, aber ich liebe dich. Bitte pass auf dich auf. Da draussen suchen sie immer noch nach dem Tier dass die Kühe gerissen haben. Nicht dass sie noch auf dich treffen…“
„Werde jetzt nicht zu sentimental, ich bin mir dass nicht gewöhnt“, lächelte Tori ihren Tom an und strich ihm dabei über sein Gesicht. Er küsste sie sanft doch bestimmend. Es wurde dunkel als sie los fuhren. Als Tori das Gefühl hatte die geeignete Stelle gefunden zu haben hielt er an.
„Du kannst mich mit deinen Gedanken erreichen. Also bitte sag Bescheid wohin ich dir folgen soll. Ja?“, erklärte Tom mit Nachdruck. Sie verstand es und wusste es zu schätzen. Danach zog sie sich aus und Tom sah ihr belustigt zu.
Er lächelte als er sprach: „Haben wir noch etwas Zeit?“
Sie lachte kurz laut auf und sagte noch kurz bevor sie sich verwandelte: „Wenn ich zurück bin bleibt uns so viel Zeit wie wir wollen. Doch jetzt darf ich wirklich keine Zeit mehr verlieren.“
Tom hörte wieder einmal Knochen knacken und sah zu wie die Haare aus ihrem Körper schossen. Ihr Körper krümmte sich und ihre Zähne sahen jetzt sehr bedrohlich aus. Danach stand sie als hübscher, perfekter Schwarzbär vor ihm. Er wollte sie in dieser Gestalt nicht als Feindin.
Tom sah ihr staunend nach und hatte das Gefühl diese Situation sei nicht real. Er zwickte sich: „Nein ich träume wirklich nicht. Es ist real.“ Sagte er zu sich selbst. Im Moment wusste er gar nicht was er tun sollte. Zurückfahren? In dieser Richtung weiterfahren? Er beschloss hier im Auto eine Weile zu warten. Nach einiger Zeit schlief er dann sitzend im Auto ein. Bis er von Tori die erste Nachricht erhielt…
Tori rannte so rasch sie konnte. Sie hatte die Spur aufgenommen. Gönnte sich so gut wie keine Pause. Zwischen-durch war sich nicht ganz sicher in welche Richtung es ging. Glücklicherweise war der Geruch von Lis sehr präsent. Die Verbundenheit mit ihr schien zu helfen. Als würde sie einer durchsichtigen Spur folgen die für sie gelegt wurde. Sie rannte als würde sie gelenkt werden. In der Nacht kam sie wirklich rasch und gut voran. Da war sie alleine und musste nicht ganz so auf der Hut sein. Zum Glück hatte sie einen gut ausgeprägten Geruchsinn. So ging sie dem einten oder andere Problem aus dem Weg. Wenn sie eine Ortschaftstafel las gab sie diese an Tom weiter damit er wusste wohin er fahren musste. Sie war müde aber gab nicht auf. Sie rannte als wäre der Teufel hinter ihr her.
Tom wurde natürlich wach durch Toris Gedanken Stösse. Er war etwas unterkühlt und stellte die Heizung an als er los fuhr. In die Richtung die Tori ihm wies. Im Gegensatz zu Tori war er ausgeruhter. Er empfand es störend sie mit seinen Gedanken nicht zu erreichen. Er hätte ihr gerne so vieles Gesagt. Er hatte Angst dass ihr etwas zustossen könnte. Sie war doch jetzt sein Leben. Er liebte dieses verrückte Weib. Durch ihre Art brachte sie ihn schon ab und zu an seine Grenzen. Doch er liebte sie wie sie war. Eine ehrlichere Person hatte er noch nie angetroffen. Bei ihr wusste er genau woran er war. Tori hatte es nicht nötig zu lügen. Sie war sein. Er fuhr so rasch er konnte.
Am nächsten Morgen machte Tori Rast. Sie trank an einem kleinen Bach etwas und versuchte, in sich hinein zu hören. Sie spürte dass Lis nervös wahr, sie musste sich beeilen. Angst machte sich in Tori bereit, Angst zu spät zu kommen. Angst zu versagen.
Und sie lief: In die falsche Richtung!
Es dauerte eine Weile bis sie es bemerkte. Brüllend lief sie zurück und kam doch noch auf den Rechten Weg. Sie hatte sich ablenken lassen. Der falsche Kiran hatte ihr eine Falle gestellt. Anscheinend dachte er sich schon so etwas und war vorbereitet. -*Das ist nicht gut, gar nicht gut. Er ist uns einen Schritt voraus…Er ist sehr Klever * -, dachte sie mehr zu sich selber. Endlich fand sie die Hütte im Wald. Sehr abgelegen, dass kam ihr als Bär sehr entgegen. Der Bär brüllte laut auf, denn sie spürte dass Lis nicht mehr da wahr. Der Fremde war mit Lis weitergezogen. Sie war zu spät! Tori musste zuerst damit zu recht kommen dass sie versagt hatte. Sie brauchte einen Moment bevor sie Tom berichtete wo sie steckte. Wie sollte sie Kiran von ihrer Niederlage berichten.
Würde Kiran es verstehen? Hat sie ihn endtäuscht?
Sie sendete Tom wo er am besten durch fahren konnte. Sofern er es überhaupt fand. Tom brauchte wirklich eine Weile bis er den richtigen Pfad zum Haus fand. Er stieg aus und suchte nach Tori. Er fand sie etwas abseits, in Menschengestalt, weinend vor. Nackt in menschlicher Gestallt. Er kniff sein Gesicht zusammen und legte ihre Kleider neben sie hin. Tom seufzte auf. Kniete sich zu ihr hin und nahm sie einfach und wortlos in den Arm. Tom spendete ihr Trost. Tori konnte seine aufrichtige Liebe spüren. Sie fühlte seine wärme. Als sie ihn ansah schaute sie etwas verblüfft und fragte: „Mo?“
In diesem Moment gab es in seinem Magen einen Krampf und er hielt kurz die Luft an. Dann hielt er seine Stirn an ihre.
„Sieh mal einer an…, Nala.“
Endlich konnte sie wieder lachen und meinte trocken: „Ich habe zwar Lis verloren, doch dafür deinen Seele gefunden.“
„Was machen wir jetzt?“, wollte Tom wissen.
„Es hat keinen Sinn, er weiss dass ich ihn suche. Er stellt Fallen. Alleine kann ich nichts ausrichten. Am besten warten wir auf Kiran oder bis Lis wieder einen Hinweis geben kann“, sie stöhnte auf, „Tom es tut mir leid. Ich bin so müde. Ich habe versagt.“
„Nein, du hast dein bestes gegeben. Im Gegensatz zu ihm waren wir nicht vorbereitet. Das ist nicht ganz Fair. Wir fahren zurück und du schläfst dich aus. Dann warten wir einmal ab, wie du gesagt hast.“
Mehr konnten sie in diesem Zeitpunkt nicht machen. Tori war dankbar für ihre Kleider und streifte sie sich über. Danach gingen sie gemeinsam in die Hütte. Alles war sehr sauber. An diesem Ort roch es stark nach Lis und diesem Kerl bemerkte Tori. Wer auch immer er sein sollte, diesen Geruch würde sie nie mehr vergessen. Auf dem Tisch lag ein Blatt. Tom war etwas entsetzt: „Meine Güte, er hat ihren Verlobungsring hier zurückgelassen. Was für ein irrer, kranker Mensch.“
Tori nahm den Zettel in die Hand und begann laut zu lesen: Wenn du diese Zeilen liest war mein Täuschungsmanöver sehr erfolgreich. Das war, mir, allerdings schon klar. Ich habe dir den Ring von Elisabeth hingelegt als ein Zeichen. Ihre Verbindung zu euch ist hiermit gelöst. Macht euch keine Mühe mehr, ihr würdet darunter leiden. Berichtet Kiran ruhig davon. Elisabeth gehört mir, mir alleine.
Tori sah zu Tom, beide waren sprachlos. Gab es wirklich keine Möglichkeit mehr an Lis heran zu kommen? Sie war an einem anderen Ort und diesen würden sie finden. Egal wie lange es dauern würde. Niemals würden sie die Hoffnung aufgeben solange Hoffnung bestand. Sie nahmen den Ring an sich. Und Tori schwor sich ihn Lis oder Kiran persönlich zu überreichen. Beide hofften es würde Kiran nicht das Herz brechen wenn er davon zu hören bekäme. Sie musste Kiran anrufen…


Elisabeths Dilemma…


Wlad packte schon früh am Morgen. Ich konnte ihn hören. Ich sah mich mal im Raum um ob ich irgendetwas als Waffe gebrauchen könnte. Aber nein, das Zimmer war praktisch leer. Ich wollte testen ob ich aufstehen konnte und sank schmerzerfüllt in das Bett zurück. Er musste mich gehört haben und klopfte an. Danach trat er in das Zimmer
„Guten Morgen Elisa. Wie geht es dir.“
Ich war genervt: „Lass dass mit Elisa, das ist nicht mein Name! Nenn mich Lis!“ Schrie ich ihn an.
„Füge dich doch einfach ein.“
„Nein“, schrie ich zurück und schmollte.
Er sah mich mit seinen hübschen hellen braunen Augen an und lächelte. Er ging hinaus. Wlad war ein unmöglicher Mann. Stets höflich und so nett wie möglich. Eigentlich gab er mir keinen Grund Angst vor ihm zu haben. Ich war lediglich mit meiner Selbständigkeit eingeschränkt. Er kam mit zwei Krücken wieder herein.
„Elisa die sind für dich, damit sollte es besser gehen.“
Er stellte die Krücke neben mein Bett ab und ging wieder lächelnd aus dem Zimmer. Verwirrt sah ich ihn an und schüttelte meinen Kopf. Was sollte denn der ganze Schwachsinn. Er war so höflich. Eigentlich ganz nett. Zu nett. So wie es im Moment aussah wollte er mir nichts Böses. Mir blieb also nichts anderes übrig, ich schnappte die Stöcke und humpelte zu ihm hin. Auf einem kleinen Tisch hatte er bereits ein Frühstück für mich hingestellt. Wie aufmerksam.
„Ich dachte du möchtest vielleicht etwas essen bevor wir gehen“, erklärte er höflich und lächelnd.
„Ja danke, wohin gehen wir denn?“
Wlad lachte laut auf. „Netter Versuch.“
Anscheinend amüsierte ich ihn. Er kam ganz nah an mich ran, ich konnte seinen Atem riechen. Sah in seine hübschen Augen und er erwiderte indem er durch mein Haar streifte: „Wir gehen weit weg, ich bringe dich nach Hause. Es ist ein langer Weg. Nimm bitte die Tabletten die neben deinem Teller liegen. Damit wird die Reise für dich erträglicher.“
Meine Augen zuckten zusammen.
„Schon wieder irgendwelche Medikamente? Hatte die Kiran auch?“
Nun wandte er sich von mir ab und zog einen Stuhl für mich hin damit ich mich hinsetzten konnte. Eigentlich eine nette Geste.
Danach sprach er sehr langsam und bedacht: „Nein, Kiran bekam manipuliertes Blut.“
„Das verstehe ich nicht.“
„Musst du auch nicht.“
Ich sass ab und er rutschte mich näher an den Tisch heran. Da sah ich die Tabletten und überlegte mir wie ich sie am besten verschwinden lassen konnte. Da der Tisch nur für eine Person gedeckt war ging ich davon aus dass er schon gegessen hatte. Das kam mir recht und als er unser Gepäck nach draussen brachte nahm ich die Tabletten und steckte sie in meine Hosentasche. Schlussendlich verschlang ich das Ganze Frühstück und trank zwei Tassen Kaffee mit dem Glas Wasser das dabei stand. Danach humpelte ich mit meinen Krücken auf die Toilette und spülte die Tabletten hinunter. Sichtlich zufrieden humpelte ich zurück. Wlad stand geduldig mit verschränkten Armen da und beobachtete mich: „Bereit für die grosse Reise?“
„Nein. Ich bin nicht bereit. Bitte lass mich einfach hier zurück. Lass es einfach gut sein.“
Ich hoffte innständig er würde darauf eingehen. Stattdessen sah er mich ruhig lächelnd an und erwiderte: „Nein, niemals…“
Urplötzlich und wie angeschossen wurde ich müde. Ich fuhr mir mit der Hand durch mein Gesicht und ich versuchte die Augen offen zu lassen. Wlad trat zu mir hin und fing mich auf bevor ich umkippte.
Immer noch lächelnd meinte er: „Dachtest du wirklich ich würde dir vertrauen dass du die Tabletten aus freien Stücken einnehmen wirst? Es war das Glas Wasser, darin waren die Medikamente. Aber du warst so darauf bedacht die Tabletten zu verstecken. Es so aussehen zu lassen als hättest du sie genommen dass du nicht bemerkt hast dass das Wasser etwas anders schmeckt. Das nennt man Manipulation.“
Ich dachte noch Scheiss…! Danach fielen mir die Augen ganz zu. Als ich wieder erwachte waren wir bereits bei einem Flughafen. Diesen Flughafen kannte ich nicht. Also waren wir nicht in Zürich. Wlad plante gut, ich war wach und konnte an den Krücken gehen. Doch meine Sicht und meine Gedanken waren noch eingenebelt. Ich bekam nicht heraus wohin die Reise ging. Ich sah auf die Anzeigetafel. Da waren aber mehrere Flüge darauf. Und alles schwomm vor meinem Auge wenn ich mich konzentrieren wollte. Am liebsten hätte ich um Hilfe geschrien. Doch die Stimme versagte mir auch. Also versuchte ich mich einfach hinzusetzten, ich wollte keinen Schritt mehr gehen. Da kamen sie mit einem Rollstuhl auf mich zu. Ach nein, wie fürsorglich. Wlad war die Ruhe selbst, er hatte alles gut durchdacht. Es schien so als würde er das Ganze nicht zum ersten Mal machen. Gemeinsam mit uns reiste ein Mann der aussah als hätte man ihn direkt von der Strasse geholt. Das verstand ich nicht. Wer war das?
Schlussendlich fand ich mich im Flugzeug wieder. Ich wurde in der Mitte platziert. Es war ein ruhiger Flug ohne Turbulenzen. Als mir die Stewardess mein Getränk brachte streckte mir Wlad eine Tablette hin. Dem anderen Mann der sich als Fabrice vorstellte streckte er zwei entgegen. War Wlad etwa so etwas wie ein Drogenhändler? Das würde mir einiges erklären. Es hatte keinen Zweck mich dagegen zu wehren, eigentlich war ich froh dass ich einschlafen konnte. Also schluckte ich die Tablette so rasch wie möglich hinunter. Ich wollte am liebsten gar nicht mehr erwachen. Her mit dem Zeug! Rasch und tief schlief ich ein. In meinem Schlaf sah ich Tori wie sie mich suchte. Spürte ihre Verzweiflung versagt zu haben. Ich spürte den Namen „Mo“, und wusste dass der Name zu Tom gehörte. In diesem Moment war ich kurz glücklich da ich wusste sie hatten einander gefunden.
Als ich erwachte fand ich mich in einem anderen Zimmer wieder. Du meine Güte, ich musste wirklich tief und lange geschlafen haben. Es war ein grosses Zimmer mit antiken Möbeln darin. Wie lange hatte ich wohl geschlafen? Ich stand auf und humpelte mit den Krücken etwas herum. Meine Kleider waren bereits im Kleiderschrank aufgehängt. Darin befanden sich auch neue Kleider die, anscheinend, meine Grösse hatte. Ich konnte nicht sagen in welche Stielrichtung die Möblierung ging. Das Zimmer war hell eingerichtet. Die Möbel hatten geschwungene Beine. Dass die Möbel schon sehr alt waren sah man ihnen irgendwie an. Es passte wirklich in diesen schönen hohen Raum. Ein wirklich hübsch her gerichtetes Zimmer. Wenn ich unter anderen Umständen hier her gefunden hätte würde ich es sicher geniessen. An der Decke hatte es Verzierungen in einem blassen Rosa oder Lachs mit grün. Es sind wunderschöne Blumen Bilder. Wirklich hübsch. Nun meldete sich mein Magen. Gegen ein Frühstück hätte ich nichts einzuwenden. Ja, ich hatte wirklich grossen Hunger. Danach humpelte ich ans Fenster. Zuerst musste ich die schweren Gardinen zur Seite schieben um hinaus zu sehen. Vor dem Fenster hatte es Gitter. Es war bereits dunkel. Das mit dem Frühstück war also so, nicht ganz richtig. Ich war also in einem der oberen Stockwerke, bemerkte ich. Das hätte ich mir ja denken können. Draussen huschten schwarze Schatten vorbei. Ihre gelben Augen leuchteten. Sie sahen zu mir hinauf und sahen mich direkt an. Das hatte etwas Beängstigendes an sich. Jetzt fehlte nur noch der Nebel der am Boden entlang kroch und das Gruselkabinett wäre eröffnet. Ich sah neugierig hinunter. Was waren denn dass nur für Tiere die mich mit ihren Augen so fixierten. Tatsächlich konnte ich nichts erkennen. Da beschloss ich die Vorhänge wieder zu schiessen. Nun konnte ich Wölfe hören die heulten. Das heulen klang eigentlich wunderschön und erinnerte mich automatisch an Kiran. Gleich darauf klopfte es an meiner Türe und ich rief erstaunt: „Ja bitte!“
Als die Türe sich öffnete kam eine Frau, ganz in schwarz gekleidet, herein. Sie schwebte sprichwörtlich zu mir hin. Meine Augen weiteten sich. Sie trug ein langes Kleid dass sogar ihre Füsse bedeckten. Sie war unglaublich anmutig. Sie trug lange schwarze Haare die sie zu einem Zopf zusammen gebunden hatte. Ihre hellen blauen Augen musterten mich. Ich stand etwas verloren und unsicher da mit meinen Krücken. Genau so habe ich mir einen Vampir immer vorgestellt! Die Frau entsprach dem Typischen Klischee. Sie schwebte ganz nah auf mich zu und nahm meinen Duft in sich auf. Dann konnte ich ihre Zähne knirschen hören. Danach hielt sie ihren Kopf schief und meinte mit einem kühlen lächeln: „Kommt bitte. Er wünscht deine Gesellschaft. Folge mir so gut du kannst.“
Ein kalter Schauer lief mir den Rücken hinunter so seltsam war diese Situation. Langsam ging ich, eher humpelnd, hinter der Dame in Schwarz her.
Ich war erstaunt über das Gebäude. Im Moment befanden wir uns im dritten Stock. Im Inneren des Hauses hatte es eine lange Wendeltreppe die von Stock zu Stock führte. Die Räumlichkeiten waren nach aussen gerichtet. Ein wirklich grosses altes Anwesen. So schien es mir im halbdunkeln. Die Frau in schwarz blieb vor mir stehen da ich erstens; Mich zuerst einmal umschauen musste. Zweitens: Mit meinen Krücken nicht so rasch vorwärts kam. Und das auch noch abwärts. Etwas viel verlangt, also liess ich mir Zeit. Langsam führte sie mich nach ganz unten, und das ohne Lift. Zuerst dachte ich das sei ein Scherz. Doch sie sah nicht so aus als wäre sie aufgelegt für einen Scherz. Ziemlich erschöpft kam ich dann endlich unten an. Meine schmerzen waren auch wieder da. Hurra! Unten angekommen sah ich einen grossen Haupteingang der einer grossen Halle glich. Am Eingang hingen einige schwarze Umhänge. Wieder lief der Schauer meinen Rücken herab. In was bin ich da wohl hineingeraten. Was hatte dass alles zu bedeuten. Die Frau führte mich in einen grossen Saal. Da sass nun auch Wlad. Sehr elegant gekleidet und wieder mit einem Lächeln im Gesicht anzutreffen. Im Moment war ich fast froh ihn anzutreffen. Denn die Dame in schwarz und das Haus jagten mir tatsächlich ein wenig Angst ein. Ich fühlte mich durchaus etwas verloren und sehr unsicher. An dem grossen Tisch sass auch dieser Fabrice. Mit ziemlich heruntergekommenen Kleidern. Ob er doch direkt von der Strasse kam oder war er vielleicht ein Künstler? Ich konnte mir noch kein Bild davon machen was dass hier sollte. Ich fühlte mich wie in einem falschen Film. Oder zur Falschen Zeit am Falschen Ort. Wlad nickte der Dame in Schwarz zu und sagte: „Danke Juri, du darfst jetzt gehen. Willkommen Elisa. Bitte setzt dich zu uns hin.“
In meinem Innersten hoffte ich innständig ich würde das alles hier nur träumen. Doch leider war es die Realität. Vor mir stand ein langer Tisch der reichlich gedeckt war. Mein Magen war sehr angespannt. Ich konnte nichts essen, obwohl mein Magen knurrte. Fragend sah mich Wlad an.
„Möchtest du einen Schluck Wein?“
Ich machte ein nachdenkliches Gesicht. Da ich keinen Bissen hinunter brachte schien mir die Idee, leicht alkoholisiert, zu Bett zu gehen gar nicht so abwegig. Ein Alkohol, Medikamenten mix müsste mich zum schlafen bringen. Also antwortete ich mit einem: „Ja gerne.“
Wlad lächelte und schenkte mir ein. Fabrice sagte kein Wort. Sein Ziel war es wohl so viel zu essen wie er kriegen konnte. Anscheinend war er schon etwas ausgehungert. Ein zwei Gläser Rotwein später unterbrach ich die Stille: „Wlad, danke für das hübsche Zimmer. Wo sind wir?
„Bitte, gern geschehen. Das ist mein Haus. Ein altes Anwesen. Es ist ein altes Adelshaus dass für meine Zwecke etwas angepasst wurde. Dieses Anwesen weist ein gut ausgebautes Kellergewölbe auf.“
Da er gerade so redeselig war beschloss ich weiter zu fragen:
„Was sind deine Zwecke?“
Er lachte kurz laut auf: „Ich lebe schon sehr lange. Habe einiges studiert und betreibe mit grosser Leidenschaft Gen- Forschung. Du wirst meine Kreaturen schon noch zur Gesicht bekommen. Juri hast du ja bereits kennen gelernt.“
Fabrice sah kurz auf aber nahm keine grosse Notiz von unserem Gespräch. Verstand er uns überhaupt?
Über Wlad hing eine Art Seil. Er zog einmal daran und Juri schwebte wieder förmlich hinein. Sie hatte eine gewisse Anziehungskraft. Ihre Erscheinung war sehr Anmutig. Sie hatte was Besonderes an sich. Ein wenig Mystisch und doch einen Hauch von Erotik. Sie hat schmale Augen und volle grosse Lippen. Als sie vor dem langen Tisch stand hielt sie ihren Kopf schief und schien abzuwarten was Wlad ihr zu sagen hatte. Sie war ihm wohl ergeben. Wlad sah sie liebevoll an. Diesen Blick sah ich zum ersten Mal an ihm, es hatte fast was Rührendes. Sie hingegen war eher etwas unterkühlt in ihrem lächeln. Sie wartete immer noch geduldig auf seine Anweisung: „Juri, bitte bring Fabrice hinunter. Er ist mein Geschenk für Euch. Lasst es euch schmecken.“
Meine Augen weiteten sich. Hatte ich das wirklich richtig verstanden. Ich stand etwas unter Schock. Aber Fabrice tat nicht der gleichen und ging gelassen mit Juri mit. Im Gegenteil er schien sich sogar darüber zu freuen. Schockiert sah ich zu Wlad hinüber.
Er sah mir direkt in die Augen: „Elisa, sei nicht schockiert. Er hatte genügend Alkohol und Medikamente um nicht ganz zu spüren was auf ihn zu kommt. Ich war lange Zeit auf Reisen, da ist es doch nur Recht und gut meinen Untergebenen ein Geschenk mitzubringen. Nenn es ein Präsent.“
„Man wird ihn suchen!“, gab ich etwas laut von mir.
„Sein Ausweis war gefälscht. Ich habe ihn auf der Strasse aufgelesen. Nein, ich denke man wird ihn nicht vermissen.“
„Ist Juri ein Vampir? Ist sie deine …“
Ich hatte so einen durcheinander in meinem Kopf. Alles war wirr. Ich hatte so viele Fragen dass ich nicht wusste wo ich beginnen sollte. Es war zu verrückt.
„Ja natürlich ist Juri ein Vampir. Nein, sie ist nicht meine Geliebte. Aber ich hatte sie schon in näherer Auswahl als meine Lebensbegleiterin. Doch nun bist du ja da.“
Eigentlich hatte ich nicht erwartet dass er mir freiwillig so viele Antworten geben würde. Also beschloss ich weitere Fragen zu stellen: „Wie viele Menschen leben in diesem Anwesen?“
„Nun…, intelligente Kreaturen sind es mit mir und dir, gerechnet 4 Stück. Die anderen 20 sind einfach nur Wächter. Die sind etwas beschränkt mit ihren selbständigen Gedanken. Sie tun einfach das was von ihnen verlangt wird. Also wenn ich dich wäre würde ich nicht versuchen nach draussen zu gelangen. Mindestens 5 von ihnen sind immer auf der Jagd.“
Ich zog meine Stirn zusammen und war alles andere als beruhigt. In meinem Inneren spürte ich die Leere die in mir einzog. Ich wollte nicht hier an diesem schrecklichen, gruseligen doch schönen Ort sein. Mein Herz war leer. Alles an diesem Ort war falsch für mich. In meiner Wut und Trauer lief mir eine Träne herunter. Natürlich nahm Wlad davon Kenntnis.
„Sei nicht traurig. Wenn du diesen Kiran vergessen hast und deiner Leere im Herzen nachgibst wirst du bereit sein für mich. Ich möchte dich glücklich machen. Zusammen können wir grosses erreichen.“
-*Wladimir*-, schoss es wütend aus meinem Kopf. Es hatte durchaus seine Wirkung. Wlad schoss nach hinten an die Wand. Ruhig stand er auf und kam direkt auf mich zu.
„Meine Liebe. Das war dumm, dumm, wirklich dumm“, er deutete einen Schlag in mein Gesicht an führte ihn aber nicht durch. Langsam sprach er weiter: „Eigentlich hatte ich viel früher damit gerechnet. Du kannst mir Schaden zufügen. Ich weiss dass Aber du kannst noch nicht weit gehen, deshalb war ich bis jetzt in der besseren Position. Im hier und jetzt wäre ich etwas vorsichtiger mit dem was du tust. Ein kleiner Laut von mir reicht aus und sie reissen dich in Stücke. Hast du das verstanden?“
Ich streckte ihm mein Kinn entgegen als ich antwortete: „Wäre es nicht besser sie würden mich in Stücke reissen? Du lässt mir wirklich die Wahl? Ich kann mich für ein Leben entscheiden, einem hasserfüllten Leben mit dir. Kannst du dir nicht vorstellen dass ich bereit wäre mich für meine Liebe zu opfern wenn ich keinen Ausweg mehr sehe?“
„Ja durchaus, das kann ich mir vorstellen. Doch wenn du das Band deiner alten Liebe los lässt wird kein Hass mehr zwischen uns stehen. Du wirst mich lieben können. Ich bitte dich bloss mich kennen und lieben zu lernen.“
„Meine Vorstellungskraft reicht nicht aus um es mir vorstellen zu können.“
„Elisa, wir haben alle Zeit der Welt. Ausser du beendest dein Leben vorher. Tu was du für nötig hältst.“
Am liebsten wäre ich schreiend nach draussen gerannt. Es musste einen Weg geben wie ich da raus kommen konnte. Ich konnte nicht senden das würde er merken, also musste ich die nächste Zeit damit verbringen mir etwas zu überlegen.
Wlad unterbrach meine Gedanken indem er sprach: „Ich begleite dich in dein Zimmer.“
Also durfte ich den ganzen Weg wieder aufwärts humpeln, na wie nett. Er schien meine Gedanken zu erraten und meinte lächelnd: „Soll ich dich hinauf tragen.“
„Du rührst mich nicht an“, zischte ich.
Er hielt seine Hände abwehrend in die Höhe: „Wie du möchtest. Kein Problem.“
Ich humpelte den ganzen Weg wieder hinauf. Es dauerte, aber ich hatte keine Eile. Im Gegenteil, auch ich hatte alle Zeit der Welt. Man hörte wieder Wölfe heulen. Ausser uns schien niemand im oberen Stock zu sein. Entweder waren alle im Keller oder ausser Haus. Unheimlich, ich war mir nicht sicher ob ich in diesen Räumlichkeiten meinen Schlaf finden würde. Endlich waren wir oben angekommen. Er begleitete mich in mein Zimmer hinein.
„Sie her“, sprach er und öffnete eine getarnte Tür in der Wand, „durch diese Türe hast du direkten Zugang in dein Badezimmer. Was deines ist, ist auch meines.“
Was hatte das schon wieder zu bedeuten? Ich ging langsam hinein um zu schauen was er denn genau damit meint: Was deines ist, ist auch meins. Er zeigte auf eine andere Tür im Badezimmer.
„Wenn du durch diese Türe gehst kommst du in mein Reich“, er öffnete die Türe und ich sah in seinen Schlafraum hinein.
„Ich habe noch ein anderes Badezimmer. Werde also diese Türe von meiner Seite her abschliessen. Wenn du Kontakt zu mir suchst kannst du anklopfen. Ich werde dich hören“, versprach er mir lächelnd.
Darauf könnte er lange warten, ging es mir durch meinen Kopf. Ich zog mich in mein Zimmer zurück und setzte mich auf das Bett. Als ich endlich alleine war schlug ich die Hände vor mein Gesicht. Meine tränen liefen herunter und ich wischte sie rasch wieder weg. Ich musste nachdenken.
Etwas später legte ich mich hin. Ich wollte etwas schlafen. Wollte für die nächsten Tage bei vollem Verstand sein. Ich beschloss alles in mich aufzunehmen um zu begreifen was hier vor sich ging. Müde war ich niemandem eine Hilfe, selbst mir nicht. Lange Zeit konnte ich nicht einschlafen da ich vieles zu verarbeiten hatte. Dafür schlief ich dann umso länger. Ich wurde durch ein klopfen an der Türe geweckt. Ich setzte mich so rasch wie möglich hin.
„Ja bitte“, brachte ich unter Schmerzen hervor.
Danach schwebte Juri herein. Wieder in schwarzen Kleidern. Heute trug sie Hosen. Jetzt da ich ihre Füsse sehen konnte fand ich ihren Gang umso faszinierender. Sie schwebt tatsächlich nicht, aber es sah so unglaublich anmutig aus. Sie ging in kleinen Schritten sehr bedacht und ruhig.
Ausdruckslos sagte sie: „Das Frühstück ist serviert. Er rechnet mit deiner Anwesenheit.“
„Danke Juri, ich mag heute kein Frühstück. Ich werde mir ein Bad einlassen und später zu ihm stossen“, entgegnete ich im ruhigen gelassenem Ton.
Zum ersten Mal regte sich in Juris Gesicht etwas. Ihr rechter Mundwinkel verzog sich leicht und ich war mir nicht sicher ob sie ganz leicht lächelte als sie sprach: „Versuch keine Spielchen mit ihm zu spielen. Es ist gefährlich und kann sehr böse enden.“
„Juri, das ist kein Spiel sondern ein Bedürfnis.“
Sie nickte mir zu. Anscheinend hatte sie keine weiteren Einwände. Leise sprach sie zu mir: „Also gut ich werde ihm Berichten. Falls du hinaus kommen möchtest ruf mich vorher zuerst.“
Dann zeigte sie mir die versteckte Klingel die ich drücken sollte. Ich nickte ihr dankend zu. Als sie hinaus Schreitete, war ich seltsam berührt. Gestern Abend sah sich noch sehr gefährlich aus. Heute schien sie netter zu sein. War das der Auftrag von Wlad? Sollte ich mich in Sicherheit wägen? Ich wusste noch nicht was der Tag mir bringen sollte also liess ich mir das Bad ein. Doch ich vergass mein Bein. Etwas Ratlos stand ich nun davor und beschloss doch lieber eine Dusche zu nehmen. Aber nicht nur mein Bein war mir im Weg. Auch mein Arm funktionierte, mit der Schiene, noch nicht so wie ich es gerne hätte. Doch diese Schiene konnte ich immerhin abziehen. Es dauerte eine Weile bis ich herausgefunden hatte wie es am besten geht. Da ich keinen Haartrockner finden konnte blieben meine Haare einfach nass. Als ich endlich angezogen war öffnete ich die schweren Gardinen und schaute hinaus. Überall sah man Nadelbäume. Anscheinend lagen wir ein gutes Stück abseits. Das erschien mir logisch. Draussen war es still, es war niemand zu sehen oder zu hören. Seltsam wie ich fand. Was war denn mit seinen Wächtern von denen Wlad gestern erzählt hatte? Ich wurde neugierig. Also beschloss ich die Klingel zu drücken. Ich war bereit für Wlad und gespannt was dieser Tag mit sich bringt. Kaum hatte ich geklingelt stand Juri bereits da. So als stände sie schon die ganze Zeit über vor meiner Tür und hätte auf mein klingeln gewartet. Sie führte mich selbstverständlich zu Wlad. Ich ächzte,… wieder musste ich die Stufen hinunter. Doch diesmal ging es nur in den zweiten Stock. Anscheinend war das Wlad’s Arbeitszimmer. Er sass an einem Computer. Als er uns rein kommen hörte stand er auf und kam lächelnd auf uns zu. Ich konnte in seinem Blick sehen dass er sich freute mich zu sehen.
„Danke Juri du darfst gehen. Sag Arik Bescheid dass wir runter kommen, er soll die Wächter etwas im Zaum halten.“
Juri verabschiedete sich kurz und schritt galant hinaus.
Nun sah er mir direkt in die Augen. „Gut geschlafen?“
„Wohl kaum.“
„Gab es Probleme im Bad?“
Die Frage fand ich äusserst frech und indiskret. Dafür bekam er einen verächtlichen Blick. Der ihn wissen liess, darauf gibt es keine Antwort. Wieder einmal schien ich ihn zu amüsieren, denn seine Augen leuchteten auf als er erklärte: „Du kannst deine Schiene am Arm weg lassen. Die brauchst du nicht mehr. Dann fühlst du dich sicherlich besser. Bereitet das Bein dir noch grosse Schmerzen?“
Ich biss mir auf die Zähne musste aber kleinlaut eingestehen:
„Ja.“
„Bitte setzt dich einen Moment hier hin“, er zeigte auf einen Stuhl neben seinem Schreibtisch, „ich muss rasch einen Brief zu Ende schreiben. Danach gehen wir ins Labor.“
Labor klang für mich nicht wirklich gut. Doch ich hatte keine andere Wahl. Also sass ich ab und sah mich ein wenig im Raum um. Wieder alte antike Möbel und schwere Gardinen. Es sah irgendwie so aus wie in einem Film der in einem anderen Jahrhundert spielte. Es war durchaus wunderschön. Mein Blick viel wieder zu Wlad. Eigentlich ein gut aussehender Kerl. Er war stets höflich, zuvorkommend und lächelte viel. Er hatte ein wirklich sympathisches lächeln. Unter anderen Umständen hätte ich ihn sicherlich gemocht.
„Wlad, weshalb verzauberst du mich nicht einfach damit ich mich in dich verliebe?“, hätte ich gerne von ihm gewusst. War mir aber nicht sicher ob ich eine Antwort darauf bekomme. Es dauerte eine Weile. Dann schaltete er seinen Computer ab und drehte sich zu mir hin: „Es wäre zu einfach. Einmal in meinem langen Leben hätte ich gerne dass eine Frau aus freien Stücken sich mir hingibt. Ich habe lange auf dich gewartet und da spielt es mir keine Roll wie lange du noch brauchst. Wie gesagt, wenn es dir einfacher fallen würde, kann ich auch dein Kiran sein.“
„Du wärst nicht mein Kiran. Es wäre nur äusserlich. Bleib also besser in dieser Gestalt.“
„Gefalle ich dir so oder bin ich eher abschreckend?“
Ich musste kurz auflachen. Eine seltsame Diskussion die wir da führten. Also konnte ich äusserlich jeden Mann haben den ich mir wünschte. Sozusagen der Traum vieler Frauen. Was für eine Kranke Situation.
Ich überlegte und fragte: „Erzählst du mir woher du Marius kanntest?“
„Wenn du wünschst. Ich bin schon sehr alt. Wie Marius es auch war. Es gab Zeiten da hielten sich die Adligen ihre eigenen Zauber- oder Hexenmeister. Gerade wie ihnen beliebte. Überall wo mein „Herrscher“ auf Besuch ging nahm er mich mit. Sagen wir als Präsent das man eben so mit sich trägt und stolz vor zeigt. So gelangte ich eines Tages zu Marius. Ich war begeistert von Marius. Er war so rein. Ich erschlich mir sein Vertrauen.“ Wlad machte eine Pause und dachte nach als er dann weiter sprach: „Er erzählte mir die Geschichte von dir und ihm. Man sah ihm an dass er darunter litt dir so viel Leid angetan zu haben. Von da an wusste ich, dass die dunkle Macht irgendwo da drin in ihm immer noch friedlich vor sich hin schlummerte. Diese Macht wollte ich besitzen. Das ging aber leider nicht. Marius war stark. Doch er erzählte mir davon dich zu suchen und dann sterben zu wollen. Also beschloss ich auf dich zu warten und zur Partnerin zu nehmen…“ Erstaunt hörte ich im weiter zu. „Zu meinem Verdruss besitzt du keine dunkle Gabe. Oder nur einen minimalen Teil davon. Aber die Herausforderung dein Band mit Kiran zu lösen ist enorm hoch. Ich sammle gerne.“
„Was sammelst du?“
„In meinem Keller waren Wesen aus der ganzen Welt. Es gibt – fast – keine Vampire oder Werwölfe mehr. Ich hatte sie schon alle. Diejenigen die ich nicht weiter gebrauchen kann bekommen die Wächter.“
Mein Gesicht begann sich zusammen zu ziehen. Ich funkelte ihn an.
„Du wirkst immer sehr höflich und nett, doch in deinem Inneren bist du ein Monster. Alles an dir ist eine Fassade egal in welchem Körper du steckst. Ich denke nicht dass ich mich zu einem Monster hingezogen fühlen werde. Niemals!“
In diesem Moment widerte er mich an. Trotzdem musste ich ihm diese eine Frage noch stellen: „Wusstest du von Patrick und den Faller’s?“
„Irgendwann wird jeder zum Monster, vielleicht auch du! Und ja ich weiss von der Existenz des Wolfes in London und der Vampirfamilie in Alaska. Ich hörte von der Legende und musste mich zurückhalten. Niemand konnte sagen wann die Legende ihren Lauf nehmen wird. Also beschloss ich vorab abzuwarten. Es hat lange gedauert. Sehr lange.“
Er wollte mir über mein Haar streichen doch ich zog meinen Kopf zurück. Das amüsierte ihn wieder einmal und er lachte kurz auf. „Komm, es wird Zeit, gehen wir hinunter.“
Er stand auf und streckte mir seine Hand hin um mir auf-zu helfen. Ich nahm sie ausnahmsweise an. Seine Hand war warm und fühlte sich gut an. Unten angekommen kam Juri, mit strengem Gesichtsausdruck, auf uns zu: „Wlad, Arik ist unterwegs, er ist noch nicht zurück.“
Ich sah wie Wlads Augen zu funkeln begannen. Gerade als er ausholte um Juri zu schlagen ging die Eingangstür auf und ein grosser grauer Wolf sprang herein. Kaum war er in der Eingangshalle angekommen verwandelte er sich in etwas Menschen ähnliches. Rasch zog er einen der schwarzen Umhänge an, die dort hingen. Er besass wohl viel Übung damit, denn es ging so reibungslos und schnell dass ich es kaum richtig wahr nehmen konnte. Geradewegs kam er auf uns zu. Er war sehr gross und sah sehr Wild aus. Als er vor mir stand und meinen Geruch in sich aufnahm sah ich seine Eckzähne aufblitzen. Nein, er war kein Mensch. Bei weitem nicht. Er schien auch ein Vampir zu sein. Beim näheren hinsehen musste ich mir eingestehen ich wusste nicht so recht was er darstellte. Sollte er ein Werwolf sein? Sein Anblick verwirrte mich. Er war hochgewachsen, schlank. Im Gesicht hatte er stellenweise noch restliche lange Haare. Genau genommen waren es seine Kotletten. Seine Augen waren die eines Wolfes geblieben. Gelbe Augen die mich ansahen und musterten. Ansonsten wirkte er sehr menschlich auf mich. Er sah sehr stark aus. Für seine Grösse enorm feingliedrig. Jetzt drehte er seinen Kopf nach links und nach rechts. Ich hörte Knochen knacken. Die gleiche Geste wie bei Kiran. Auch er musste seine Knochen richten. Also doch ein Wolfsmensch. Ich glaube ich habe ihn regelrecht angestarrt.
„Arik du bist sehr spät dran“, zischte ihn Wlad an. Arik nickte ihm entgegen und senkte entschuldigend und unterwürfig seinen Blick.
„Arik, das ist Elisa. Du wirst ständig an ihrer Seite sein. Drinnen wie draussen. Keiner fasst sie an. Verstanden?“
Arik nickte leicht. Juri und Arik tauschten flüchtig einen Blick miteinander aus. Arik hob mich ohne Voranmeldung hoch. Ich schrie kurz auf weil ich nicht darauf vorbereitet war. Und liess die Krücken fallen. Danach trug er mich hinter Wlad und Juri hinunter. Arik glühte förmlich, seine Körpertemperatur war sehr hoch. Er trug mich mit Leichtigkeit. Ich konnte seine Hände sehen. Auch die waren etwas haarig. Dann begann ich sein Gesicht genau anzusehen. Für so ein wildes Wesen hatte er sehr weiche Gesichtszüge. Dieser Arik hat, wenn man sich die Haare im Gesicht wegdenkt, eigentlich ein hübsches Gesicht. Seine Wolfsaugen machten ihn zwar etwas mystisch. Sein kurzes grau meliertes Haar war ziemlich wirr. Ob er schon mal einen Friseur Termin gehabt hatte? Wohl eher kaum. Auch sein Geruch liess zu wünschen übrig und ich rümpfte die Nase. Ich verstand nicht wieso alle so folgsam waren. Sie sahen aus als könnten sie sich mit Leichtigkeit gegen Wlad richten. Arik sprach immer noch kein Wort. Durch seinen dunklen Teint liessen ihn die Augen noch gefährlicher wirken. Wir kamen in einem Raum der mehr nach einem Operationssaal aussah als nach einem Labor. Wlad hatte alles da was er zu brauchen schien. Die neuesten Geräte. Arik stellte mich hin und gab mir ein Zeichen wohin ich mich setzten sollte. Danach kam Wlad und nahm mir die Schiene am Arm ab. Er schien sehr zufrieden.
„Sieht gut aus, du solltest ihn wieder belasten können.“
Ja, es fühlte sich gut an. Ich war oben im Badezimmer nur nicht sicher.
„Weshalb spricht Arik nicht?“, war meine Frage an Wlad gerichtet.
„Nun, Arik ist eines meiner Geschöpfe. Er ist mir am besten gelungen. In ihm sind Mensch und ein grosser Wolf Anteil in einem verbunden. Er kann sich mit Leichtigkeit jederzeit in einen Wolf verwandeln. Er ist der einzige der am Tag wie in der Nacht hinaus kann. Leider kann er nicht sprechen aber er versteht und hört alles. Arik ist sehr intelligent, unterschätz ihn nicht. Ich habe ihn ausgebildet. Er hält die Wächter im Zaum.“
Ich hatte bedauern mit diesem Wesen das weder das einte noch das andere wirklich zu sein schien. Er sah furchteinflössend aus, und auch wieder nicht. Man sah genau dass er uns interessiert zu hörte. Obwohl sein Gesicht ausdruckslos schien. Ich wollte noch mehr wissen: „Was sind denn die Wächter?“
„Die Wächter sind Gen-manipulierte Werwölfe mit viel Vampir Genen. Sie sind dazu bestimmt am Tage Vampire zu sein. Altes Vampir Blut wie bei Juri. Juri ist ein reiner Vampir. Die Wächter können am Tag nicht hinaus, sonst würden sie zu Staub verfallen. In der Nacht wenn die Sonne untergeht werden sie zu Wölfen. Sie können nicht anders, es liegt in ihren Genen. Sie sind einfache Kreaturen, haben keine grosse Intelligenz, das wollte ich nicht. Arik ist der einzige der wählen kann. Das macht ihn so besonders.“
Im Moment begriff ich nicht alles was er mir erzählte. Für Gänsehaut reichte es jedoch völlig aus. Ein richtiges Gruselkabinett in das ich da hinein geraten war.
„Du bist ein Monster!“, sagte ich ziemlich laut. Sofort begann Juri zu zischen und Arik fletschte seine Zähne. Ich hatte verstanden. War denn hier niemand auf meiner Seite? Wlad lächelte mich nett an.
„Meine liebe…, Arik wird dich hoch bringen. Ich bitte dich ein paar Zeilen für deine Mutter zu schreiben. Ich werde ihr den Brief dann zustellen. Natürlich werde ich ihn zuvor lesen. Juri, bitte bleib du noch etwas hier unten. Wir müssen den Abend besprechen. Elisa, wir werden uns zum Nachtessen wieder treffen. Zieh dir etwas Nettes an wir haben heute Gäste.“
Danach hob mich Arik, mit Leichtigkeit, hoch und ging mit mir hinaus. Wir gingen einen anderen Weg als wir zuvor gekommen waren. Es wurde ziemlich düster und unheimlich. Wir gingen durch das Kellergewölbe die an sich sehr schön waren. Doch als wir in einen grösseren Raum traten sah ich einen Tisch stehen mit einem Haufen Vampire darum. Ich schloss meine Augen, wollte nicht hinsehen was da auf dem Tisch lag. Insgeheim wusste ich es war Fabrice. Oder das was von ihm übrig geblieben war. Als wir bei den Vampiren vorbei kamen zischten sie mich an. Sofort krallte ich mich an Ariks schwarzem Umhang fest, diesmal hatte ich wirklich Angst. Grosse Angst. Arik drehte mich in alle Richtungen und fletschte seine Zähne. Danach kam aus seiner Kehle ein tiefes Grollen. Die Vampire verstummten. Ich hielt meine Augen immer noch geschlossen und drückte mich ganz nah an Arik heran. Schlussendlich brachte mich Arik so rasch wie möglich nach oben. Als er mich absetzte viel mir erst auf dass ich mich noch gar nicht entspannt hatte. Ich schluckte schwer. Was da unten vor sich ging war schrecklich. Einfach grauenvoll. Mit grossen Augen sah ich Arik an. Er verzog keine Miene und hielt mir die Türe auf. Ich hinkte hinein. Er schloss die Tür und ich war wieder alleine. Ich konnte nicht anders ich schrie einfach laut los. So grauenhaft empfand ich alles hier. Erschöpft sank ich auf das Bett. Ich schloss kurz meine Augen. Als ich sie wieder öffnete standen meine Krücken bereits wieder neben dem Bett. War ich eingeschlafen? Wie unheimlich dass sie hier herein kommen und ich nichts davon bemerke. Wo war denn der Verdammte Schlüssel für dieses Zimmer! Ich trat an den Schreibtisch. Darauf stand etwas zum schreiben und ein Glas Wasser mit einer Tablette daneben. Ich lachte hysterisch auf. Ich setzte mich hin und grübelte darüber nach was ich meiner Mutter schreiben sollte. Ich schrieb ein Paar belanglose Zeilen. Ich schrieb ihr dass es meinem Arm besser ging und ich keine Schiene mehr tragen muss. Auch dass ich mich wahnsinnig freuen werde sie bald wieder zu sehen. Ob das wohl der Wahrheit entsprach? Ich liess den Brief offen auf dem Schreibtisch liegen. So wie das Papier hingekommen war würde es wohl auch wieder weggebracht werden. Mein Bein schmerzte und ich trank anstandslos das Wasser und schluckte brav die Tablette. So langsam begann ich den Verstand zu verlieren. Diese Welt war nicht annähernd so schön wie meine Welt in Alaska oder in der Schweiz. Diese Vampire waren wild. Für mich hatten sie mehr Ähnlichkeit mit Tieren als mit Menschen. Eigentlich müsste ich mich konzentrieren wie meine Hexen-Macht auf diese Wesen sich verhalten würde. Konnte ich durch Gedanken Stösse sie von mir fern halten? Ich denke das würde funktionieren. Arik war sonderbar, er sprach nicht. War das Wlads Werk? Ich würde es schon noch herausfinden.
Juri fand ich sehr interessant. Ein alter Vampir der nicht in das Licht kann. Wlad schien seine Welt so zu gestalten wie er sie haben wollte. Seine eigene kranke verrückte Welt mit Wesen die bedingungslos gehorchten. Wlad hielt sich sozusagen seine Schosshündchen. Unheimlich dass ein Mann allein, so viel Macht besass. Die Tablette begann zu wirken und meine Augenlieder wurden schwer. Also legte ich mich wieder ein wenig hin.
Ich träumte von Alaska. In meinem Traum sah ich das geschehene. Die glücklichen Zeiten mit Kiran. Sah uns mit dem Schneemobil umher fahren und genossen die Fahr in vollen Zügen. Eine herrliche glückliche Zeit. Ich schwelgte noch in Erinnerungen als ich langsam erwachte. Ich sass hin und mir viel auf dass ich so langsam kein Zeitgefühl mehr hatte. Nirgendwo war eine Uhr zu sehen und ich selber trug keine mehr. Erst jetzt viel mir auf dass mein Verlobungsring fehlte. Entsetzt starrte ich auf meine Hand. Weg, er war einfach weg! Ich wusste genau dafür war Wlad verantwortlich. Ich stand auf und ging zum Fenster hin. Draussen begann es einzudunkeln. Wieder sah ich eine Gestalt durch die Bäume streifen. Die Gestalt blieb stehen und schaute zu mir hoch. Diese Augen kannte ich nun, es war Arik in Gestallt des grossen grauen Wolfes. Arik war ein richtiger Wolf. Nicht so ein Halbwolf wie Kiran. Seltsam. Er sah lange zu mir hinauf. Plötzlich heulte er auf und jagte durch die Nadelbäume davon. Danach fuhren teure Autos vor, vorwiegend Männer stiegen in vornehmen Anzügen aus. Ich erinnerte mich daran dass Wlad von Besuch sprach und zog die Gardinen zu. Langsam wollte ich, korrigiere musste ich, mich für das Nachtessen umziehen. Da Wlad erzählte „wir“ hätten heute Abend Gäste entschied ich mich ein Kleid anzuziehen. Da es schon mal in meinem Kleiderschrank hing war es vielleicht für diesen Abend gedacht. Wer weiss. Mein Timing stimmte. Gerade als ich mich fertig angezogen hatte klopfte es bereits an der Türe. Diesmal humpelte ich, ohne Krücken selbst hin und öffnete sie. Zu meinem erstaunen stand Juri ebenfalls in einem hübschen blauen Kleid vor mir.
„Du hast gut gewählt mit deinem Kleid“, sprach sie in ruhigem Tonfall.
„Danke.“
„Wlad wird heute Abend nicht so aussehen wie du es gewohnt bist, heute ist er ein reicher Geschäftsmann. Wlad hat einige Leben die er lebt. Wir haben Anweisungen uns einfach ruhig zu verhalten.“
Ich zog meine Augenbrauen hoch: „Macht ihr immer was er euch sagt?“
„Auch du tust bereits was er von dir verlangt ohne Widerstand zu leisten.“
Ich kam mir vor als hätte sie mit einem Hammer auf mich eingeschlagen. Doch sie hatte Recht. Fast bedingungslos befolgte man seine Regeln. Angst schien das Rezept zu sein. Zucker, Brot und Peitsche! Das funktionierte also auch heute noch.
„Wirst du den Abend mit uns verbringen?“, wollte ich noch wissen. Juri seufzte tatsächlich und nickte mir zu. Diesmal schien ich ihre Abneigung für einen kurzen Moment in ihrem Gesicht zu sehen. Juri brachte uns in einen grossen Saal der in der gleichen Stilrichtung war wie alle anderen Räume. Dieser Raum war nur viel grösser. Prunkhafter.
Ein unglaubliches Schauspiel das mir da geboten wurde. An diesem Abend hatte Wlad sogar Hausangestellte engagiert die das Essen und die Getränke servierten. Ich blieb neben Juri stehen die jetzt ausnahmsweise mal ein nettes lächeln aufsetzte. Erstaunt sah ich sie an. Wenn sie lächelte war sie sehr hübsch. Wenn sie nur nicht diese traurigen Augen hätte. Sie war immer so elegant. Egal was sie tat. Ein untersetzter Mann mit grau meliertem Haar und Brille trat auf uns zu. Er war schätzungsweise um die 50 Jahre alt. Als ich in seine Augen blickte, wusste ich dass ist Wlad. Als Wladimir gefiel er mir deutlich besser. Er küsste mich auf die linke Wange und sagte mit rauchiger Stimme: „Elisa du siehst fabelhaft aus. Du beflügelst mich. Nenn mich bitte für heute Abend Eric.“
Dann sah Eric zu Juri und sie nickte ihm zu. Danach mischte sie sich unter die Gäste. Mir wäre lieber gewesen sie wäre an meiner Seite geblieben. Eric führte mich galant an meinen Platz. Ich sass bei Tisch neben ihm. Es waren an die 30 Personen anwesend. Ausser mir und Juri waren noch etwa 10 Frauen anwesend. Wobei ihr Benehmen durchaus zu wünschen übrig lies. Sie schienen ohne Begleitung zu sein. Ich ging davon aus dass es Gesellschafterinnen oder Prostituierte waren.
Die Herren besprachen viel Geschäftliches. Nahm ich an. Es klang alles sehr wichtig. Sie sprachen in einer Sprache die ich nicht kannte. Eric hielt zwischendurch meine Hand fest. Ab und zu sah er zu mir und lächelte mich zuckersüss an. Ich wusste nicht genau in welche Rolle ich da rein geschoben wurde. So lange mich die Anwesenden in Ruhe liessen kam es mir entgegen.
Also begann ich, während dem Essen die Personen zu beobachten. Hatte ja nichts anderes zu tun. Juri sass ruhig da und plauderte nett mit ihrem Tisch Nachbar. Natürlich ass sie nichts. Es erstaunte mich dass niemand danach fragte. Die anderen Damen benahmen sich sehr aufreizend. Sie suchten Körperkontakt, also stempelte ich sie als Prostituierte ab. Als wir die vier gängigen Menüs hinter uns hatten, begaben wir uns in einen neben Raum. Eric nahm mich an der Hand und erklärte mir dass wir jetzt in den Roten Raum gewechselt haben. Ja, alles hier war in Rot gehalten. Für mich ist das definitiv zuviel Rot. In meinen Augen wurde der Raum dadurch abgewertet. Danach gab er mir einen Handkuss und übergab mich wieder Juri und mischte sich unter seinesgleichen. Die Herren bekamen ihren Whiskey und rauchten ihre teuren Zigarillos. Ich und Juri standen etwas abseits am Fenster. Ich sah hinaus und konnte Ariks Augen leuchten sehen. Arik schien von draussen zu beobachten. Mit seinem Aussehen passte er definitiv nicht in diese Gesellschaft. Ein seltsames Wesen…
Die Herren liessen uns in Ruhe. Während die anderen Frauen rumgereicht wurden wie ein Dessert. Jeder wollte sie mal begrabschen. Ich fand es abscheulich. Juri muss meinen Gesichtsausdruck gesehen haben und erklärte: „Wir gehören zum Gastgeber und werden geachtet. Keine Angst, keiner wird uns zu nahe kommen. Sobald Eric sich mit ein, zwei der Damen in ein Zimmer im oberen Bereich zurückzieht dürfen wir uns auch zurückziehen. Der Rest der Gäste wird danach gehen.“
„Er wird sich mit ein zwei Damen zurückziehen?“
Ich rümpfte meine Nase. Wer will schon mit so einem schlecht aussehenden Mann in sein Zimmer. Ein leichter Schauer beflügelte mich. Ein Beweis dass man mit Geld alles haben kann.
Juri nickte mir zu und sagte: „Ausser, du wärst bereit für ihn und würdest ihn in deinem Schoss willkommen heissen. Dann würde er auf die Damen verzichten. Es liegt an dir!“
„Niemals! Ich werde einen Weg hier raus finden. Ich habe ebenfalls sehr viel Zeit. Es wird sich herausstellen wer von uns der geduldigere ist“, schoss es ganz ernst aus mir heraus.
Ich war mir nicht sicher ob das geschickt gewesen war die Worte in ihrer Gegenwart auszusprechen. Juri ist ja Wlads vertraute. Etwas erschrocken sah ich ihr in die Augen. Sie sah mich ausdruckslos an und meinte bloss trocken: „Na dann, viel Glück.“
Ja, Glück konnte ich gebrauchen. Geduld würde ich haben komme was wolle. Der Gastgeber machte sich auf in unsere Richtung. Ich lächelte ihn ebenfalls zuckersüss an und trat auf ihn zu. Leise sprach ich in sein Ohr: „Wlad du ekelst mich wahrhaftig an.“
Er lachte laut auf und küsste mich auf die Wange. „Meine liebste du amüsierst mich. Ich werde jede Minute geniessen die wir zusammen verbringen werden.“
Danach verabschiedete er sich von seinen Gästen und gab zwei Damen ein Zeichen mit ihm gehen zu dürfen. Juri sah mich an und gab mir zu verstehen dass wir uns jetzt ebenfalls zurückziehen. Nur zu gerne folgte ich dieser Anweisung. Ich wurde von Juri vor mein Zimmer gebracht. Bevor sie weiter ging hielt ich sie am Arm fest: „Juri, geht das hier immer so?“
Juri zischte mich kurz an und ich lies sie los. Dann sprach sie im kühlen Ton: „Wladimir hat verschiedene Leben die er lebt. Dieses ist eines dieser Leben dass er als Eric lebt. Eric ist ein …“
Weiter sprach sie nicht und senkte ihre Augen. Sie sah aus als hätte sie schmerzen. Im nächsten Moment warf ich meinen Kopf auch in die Höhe als ich Wlad in meinem Kopf wahr nahm: -*Elisa, wenn du etwas über mich in Erfahrung bringen möchtest fragt mich direkt. Verstanden!*-
Ich war wütend und gab Wlad meine Gedanken zur Antwort:
-Hör auf damit!*-
Als Juri begriff dass ich ihm einen Gedankenstoss sendete, riss sie ihre Augen gross auf. Im nächsten Moment hörte ich eine Türe zu knallen und rasche Schritte. Wlad, also Eric, war nur noch mit einem Morgenmantel bekleidet. Ich reckte mein Kinn, doch Wlad musste mich noch nicht einmal berühren um mich zu Fall zu bringen. Seine Gedanken waren intensiv. Ich hielt schmerzerfüllt meinen Kopf fest. Wütend sprach er zu Juri:
„Sobald alle Gäste gegangen sind, bringst du sie nach unten, in Verliess 7. Nein, besser du schickst Arik. Er soll sie ins Verliess 7 stecken. Darin bleibt sie die ganze Nacht.“ Dann richtete er sein Wort direkt an mich: „Dort unten wirst du die ganze Nacht verbringen. Oder so lange wie ich es für nötig halte.“
Danach rauschte er wütend davon. Leise sprach Juri als sie meinen Arm griff um mir aufzuhelfen: „Versuch ihn bei Laune zu halten.“
„Ich denke nicht daran.“ War meine Antwort.
Sie brachte mich zuerst in mein Zimmer und sah aus dem Fenster. Als genügend Zeit verstrichen, und alle Gäste gegangen waren nahm sie mich etwas unsanft am Oberarm und brachte mich nach unten. Als wir in der Einganshalle ankamen trafen wir auf die anderen Vampire die hervor krochen. Sie hängten ihre schwarzen Umhänge auf und gingen ins Freie. Draussen sah man dann nur noch Wölfe, kleinere, graue und schwarze Wölfe. Arik ist bedeutend grösser. Irgendwie war ich fasziniert von diesem Ritual. Ich sah interessiert aus dem Fenster und Juri lies mich dieses Schauspiel sehen. Die Wölfe warteten, sie warteten auf Arik der jetzt auftauchte. Arik war definitiv der grösste Wolf. Er sah gefährlich aus. Nur seine Augen haben etwas Liebevolles an sich. Arik schien irgendwelche Anweisungen zu geben. Danach eilte ein grosser Teil des Rudels davon.
Arik begab sich danach mit zwei weiteren wieder ins Haus zurück. Sobald sie das Haus betraten waren sie sofort wieder die Vampire und zogen ihre Umhänge um. Juri blieb bei mir stehen und wartete bis Arik mich übernahm. Sie erklärte ihm ganz ruhig und tonlos: „Sie muss ins Verliess 7 gebracht werden. Jetzt.“
Arik sah mich erstaunt an, ich hatte das Gefühl er lächelte leicht. Seine Augen blitzten definitiv kurz auf. Er nickte Juri zu die jetzt wieder hinauf ging. Juri schien wieder davon zu gleiten. Lautlos und graziös. Mit Leichtigkeit nahm mich Arik auf seine Arme und trug mich hinunter. Bei ihm fühlte ich mich relativ sicher. Seltsamer weise fühlte ich mich in seiner Gegenwart fas am wohlsten. Den ersten Teil mit Operationssaal und der grossen Halle kannte ich ja bereits schon. Doch es ging noch weiter hinunter. Es wurde immer dunkler und kälter. Ich sah richtige Gefängnis-Zellen und andere die ich in der Dunkelheit nicht genau erkennen konnte. Am Ende des langen Ganges waren wir wohl angekommen. Er stellte mich hin. Vor der Glaswand standen 7 Kerzen und und diese zündete Arik nun an. Ich war irritiert. Was sollte das denn? Aber ich war froh über ein wenig Licht. Das tat meinen Augen wirklich gut.
Jetzt konnte ich sehen dass dieses Verliess nicht durch Gitterstäbe, sondern durch diese Glaswand abgetrennt war. Dann öffnete Arik die Glas-Türe und ich ging hinein. Danach verschloss Arik die dicke Glas-Türe. Die restlichen Wände in diesem Raum waren aus massivem Stein. Kalt. Im Raum selber hatte es nichts. Kein Stuhl, kein Bett, keine Toilette. Einfach nichts. Ein leerer kalter Raum in dem das Atmen schwer viel. Ich konnte Arik noch vor dem Verliess stehen sehen. Er zündete die Kerzen nochmal an die beim zuschliessen der Türe wieder erloschen waren. Insgesamt sieben Kerzen. Da ich etwas fröstelte wäre ich froh gewesen die Kerzen im Raum stehen zu haben statt davor. War wohl so beabsichtigt. Arik blieb vor der Glaswand stehen und sah mich eingehend an. Tatsächlich schien er mich von oben bis unten zu mustern. Er verschränkte dabei seine Arme. Egal was ich in diesem Raum tat, man würde alles sehen. Ich konnte mich nicht zurückziehen. Verwirrt ging ich etwas näher an die Glaswand und sah Arik an. Ich betrachtete ihn genauso wie er mich zu mustern schien. Seine seltsamen gelben Augen, sein langes Gesicht und sein Fell. Alles an ihm war gefährlich. Seine Kraft muss unglaublich sein. Wenn er mich hielt spürte ich seine starken grossen Hände. Dafür, dass er so feingliederig war hatte er wirklich feste Hände. Mit zu langen schwarzen Fingernägeln. Wenn man ihn länger betrachtete konnte man ihn durchaus als interessant und hübsch einstufen. Wenn man mal von der ungewöhnlichen Augenfarbe absah.
Nun sah mir Arik direkt in die Augen und schüttelte leicht seinen Kopf und begann zu lächeln. Sein Lächeln war unglaublich warm. Was wollte er mir mitteilen? Dann kam er einen Schritt auf mich zu und hielt seine rechte Hand an die dicke Glaswand. Eigentlich verstand ich nicht was Arik damit bezweckte. Doch ich wurde neugierig. Zögernd hielt ich meine, verhältnismässig kleine linke Hand an dieselbe stelle wie seine. Auf Ariks höhe. Ich riss meine Augen gross auf. Tatsächlich spürte ich seine wärme durch das dicke Glas. War das wirklich möglich? Trotz der dicken Scheibe konnte ich seine Körperwärme spüren. Arik schien förmlich zu glühen. Wir sahen uns direkt in die Augen. Keiner von beiden wendete den Blick ab. Das Ganze war so unglaublich faszinierend. Ich wollte mehr von Arik wissen. Also hielt ich die andere Hand ebenfalls an die Scheibe und er tat es auch. Jetzt lächelte ich leicht. Vertraute er mir etwa? Danach schloss ich meine Augen und versuchte mich der wärme hinzugeben. Ich spürte seine unglaubliche Kraft. Ein Gefühl unendlicher Traurigkeit trug mich. Ich begann mein Herz für dieses seltsame Wesen zu öffnen. Ich begann mit dem Herzen zu denken und liess mich nicht von meinem Verstand leiten. Dann stammelte ich automatisch irgendwelche seltsamen Worte. Arik begann sein schnell schlagendes Herz zu öffnen und ich sah: Wadim! Tief in ihm drin war er Wadim. Seine Seele besass also einen Namen!
Wortlos riss ich die Augen auf und sah ihm wieder direkt in die Augen. Er lächelte wieder und seine Augen schienen offen und ehrlich. Ein hübsches lächeln das sein Gesicht zum leuchten brachte. Dann wendete er sich einfach ab und ging. Ich war seltsam berührt. Er öffnete sein Herz für mich. Unglaublich. Doch was bezweckte er denn damit?
Arik war also nicht gegen sonder irgendwie für mich. Ob Arik spürte dass er mir vertrauen konnte? Bin ich seine einzige Chance oder ist das alles nur ein Spiel? Und das Werk von Wlad? Viele Fragen die offen blieben.
Anschliessend begab ich mich in den hinteren Teil des Raumes und sass hin. Ich schloss meine Augen. Mich beschäftigte die Frage warum man dieses Verliess; sieben nannte. Zahl Sieben setzt sich aus der drei und der vier zusammensetzt. Die drei steht für die Seele und alle geistigen Dinge. Die vier ist die Zahl der Elemente. Eine seltsame Zahl für dieses Verlies. Des Weiteren gibt es die sieben Sinne: Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Tasten, Orientierung und Gleichgewichtssinn. Und die Erschaffung der Welt war in sieben Tagen…
Mit dem Oberkörper lehnte ich an der kalten Wand an. Doch ich war noch so voller wärme dass ich es nicht spürte wie kalt die Wand eigentlich war. Dieses Zeichen von Arik führte mich ein wenig zu mir selbst. Wer ich bin und wer ich geworden bin. Ich musste Lernen wie eine Hexe zu handeln. Bis anhin tat ich gewisse Dinge einfach ohne zu wissen aus welchem Grund ich so handelte. Ich musste mich mal um mich: Elisabeth kümmern. Wer war ich geworden?
Dann konzentrierte ich mich wieder auf die Zahl sieben. Dieser Raum, sprich dieses Verlies schien mir Kraft zu spenden. Eigentlich musste ich Wlad dankbar sein dass er mich hier unten einsperrte. Ich begann mich zu erinnern, ich war die Eine, die Legende! Führte mich die Legende zufällig hier hin? Ich hatte Macht. Wusste nur noch nicht wie sie einzusetzen war. Wlad schien mächtiger zu sein. Mit Wlad ist nicht zu spassen. Er meinte was er sagte, ob es mir gefiel oder nicht.
Ich musste versuchen mich neu zu entdecken. Ich brauchte Kiran. Ich sehnte mich nach ihm. Sehnte mich nach seiner Wärme und Geborgenheit. Nach seiner unendlich grossen, ehrlichen Liebe. Die Erinnerung an ihn schmerzte. Die Leere in mir war gross und nahm zu. Wlad war davon überzeugt ich würde das Band zwischen mir und Kiran lösen. Ich musste stark bleiben.
Schlussendlich begann ich mich auf Kiran zu konzentrieren. Sammelte meine Bilder zusammen die ich von ihm in meinem Herzen trug. Mit der Zeit wurden meine Bilder immer klarer und ich kam ihn eine Art Trance zustand. Dieser leere Raum mit dieser Stille half mir, mich ganz auf mich und meine Liebe zu konzentrieren. Ich und mein Gefährte Leon. So musste sich Meditieren anfühlen. Ein herrliches Gefühl von Freiheit stieg in mir hoch. Ich durfte nicht senden doch ich konnte mein Herz öffnen. Ich fand meine Herzmitte. Und es fühlte sich richtig gut an. Etwas geschah mit meinem Körper. Ich öffnete mein inneres Auge und sah einen anderen Ort vor mir. Ich sah Kiran, sah ihn im Wald bei Suck. Er war also in Sicherheit. Ich war so unendlich froh darüber. Automatisch musste ich lächeln. Kiran drehte sich um und sah in meine Richtung. Auch er lächelte mich an. Danach verschwand das Bild und meine Augen richteten sich auf die Glaswand.
Da standen zwei Vampire Wesen die gegen die Wand trommelten und mich dabei an sahen. Sie klopften an die Wand um meine Aufmerksamkeit auf sie zu richten. Die sich auch bekamen. Ich sah wie sie ihre Zähne fletschen. Doch ich hörte sie nicht. Darüber war ich erfreut, es reichte mir ihre hässlichen Visagen ansehen zu müssen. Dann erschien Eric mit seinen zwei Gespielinnen und übergab sie den Vampiren. Die Frauen mussten unter starken Alkohol oder Drogen stehen. Oder er hatte sie Hypnotisiert. Wie auch immer, sie gaben sich freiwillig in die Arme der Vampire. Diese Fackelten nicht lange und fingen an sie zu beissen. Meine Augen weiteten sich. Mein Atmen blieb aus. Die Frauen wurden nicht einfach „gebissen und ausgesaugt“, sie wurden regelrecht vor meinen Augen hingerichtet. Ich sollte sehen wie brutal sie vor gehen konnten. Eric hielt seinen Blick auf mich gerichtet. Etwas später ging Eric triumphierend. Arik stand auch in der Nähe. Eigentlich wollte ich meine Augen schliessen, doch ich zwang mich dazu dieser Hinrichtung zu zusehen. Ich musste wissen wozu eine solche Kreatur fähig war. Ein wirklich grässlicher Anblick.
Schlussendlich lagen überall blutige Leichenteile herum. Die Vampire sahen Blutverschmiert in mein Verlies und grinsten fies in meine Richtung. Ich nickte ihnen zu. Natürlich hatte ich die Drohung verstanden, das durften sie Wlad gerne mitteilen. Jetzt stieg Übelkeit in mir hoch. Ich versuchte mich dagegen zu wehren. Schloss die Augen wieder. Konzentrierte mich nochmals auf meine Gefühle für Kiran. Es half! Mein Magen beruhigte sich und mein Herz begann sich zu öffnen und ich begann wieder Luft zu atmen. Ruhe kehrte in mir ein. Als ich wieder auf sah, waren alle gegangen.
Mir kam die Idee etwas nachzuschauen was ich denn so als Hexe alles drauf hatte. Hier wollte ich versuchen zu üben. Die Nacht war noch lang. Also setzte ich mich so hin dass ich etwa einen Meter von der Stein Wand weg sass. Ich machte, wie automatisch, ein paar Handzeichen und die Wand vor mir wurde mit Nebel überzogen. Eigentlich wusste ich nicht genau was ich da tat. Ich folgte meinen Instinkten. Dann sah ich genau hin. Im Nebel sah ich Kiran wie er da sass. Kiran lächelte mich liebevoll an und hielt seine Hand zu dem Nebelbild hin. Ich tat es ihm gleich. Es fühlte sich seltsam aber gut an. Ich konnte ihn nicht direkt spüren. Doch eine Welle von Gefühlen umhüllte uns die mich glücklich stimmte. Ich seufzte auf und verschloss das Bild wieder. Ich bewahrte es in meinem Herzen auf. Kiran ging es gut, er war bei Suck und seine Genesung ging voran. Mehr konnte ich im Moment nicht erwarten. Ich war zur Abwechslung einfach mal glücklich. Endlich war ich so müde dass ich einschlafen konnte. Im schlaf stiegen die grässlichen Bilder nochmals hoch. Eine Hinrichtung wie sie schlimmer nicht sein konnte. Niemals würde ich vergessen was für ein fürchterlicher Mensch dieser Wladimir sein konnte.
Schlussendlich vergass ich Raum und Zeit. Keine Ahnung wie lange ich da unten gelegen habe. Ich wurde von Wlad geweckt. Er kniete neben mir und lächelte mich wie immer nett an und meinte: „Gut geschlafen…“
Ich sah ihn nur an und sagte kein Wort. Sah keinen Grund um mich mit ihm zu unterhalten. Anscheinend amüsierte ihn meine Reaktion wieder, denn ein Lächeln umspielte seine Lippen. Nun rief er nach Arik der mir aufhelfen sollte.
„Du hast etwa zwei Stunden Zeit, dann erwarte ich dich beim Frühstück“, erklärte mir Wlad und ging.
Arik trug mich hinauf. Seine wärme tat mir gut. Ich drückte mich fest an ihn. Arik schloss die Türe hinter sich und legte mich auf mein Bett. Er sass neben mich hin und strich mir sanft durch mein Haar. Ich setzte mich auf und er nahm mich in die Arme. Mein Schutzschild brach und Tränen flossen aus meinen Augen. Die Berührung tat gut ich fühlte mich besser. Als ich mich beruhigt hatte ging er lautlos hinaus.
Ich machte mich frisch, duschte lange und ausgiebig. Langsam zog ich mich um. Als die zwei Stunden vorüber waren kam Arik wieder und holte mich ab. Diesmal sah ich keine Regung mehr in seinem Gesicht, er war wieder wie versteinert. Was war los gewesen? Ein schönes Haus mit seltsamen Kreaturen die so unglücklich waren. Ich fühlte bedauern. Als wir im Speisesaal angekommen waren sass ich, ohne etwas zu sagen, ab. Wlad brach das Schweigen indem er berichtete: „Du sahst gestern Abend wirklich bezaubernd aus. Ich bekam viele Angebote für dich.“
Ich lachte laut auf und ich erwiderte: „Vielleicht hättest du ein Angebot annehmen sollen.“
Er lächelte wieder vor sich hin. Ich wollte seine gute Laune nutzen um ihn zu fragen: „Wie viele Leben lebst du?“
„Neben Wlad, Jacky und Eric gibt es da noch Samuel und Jonathan.“
„Welche der Gestalten bist du. Ich meine …“
„Ich weiss was du wissen willst. Mein wahres ich ist der Mann aus dem Flugzeug. Das ist Wlad. Ich sitze also vor dir. Du hast gut gewählt.“
„Ich versteh nicht. Du ähnelst Marius so sehr.“
Er seufzte auf: „Das ist wohl war. Nenn es Zufall.“
„Ist es Zufall?“, fragte ich nach.
„Nein, natürlich nicht. Wir sind entfernte Verwandte. Hätten wir uns nicht per Zufall, durch die adligen getroffen wären wir nie dahinter gekommen. “
Ich staunte darüber dass Wlad heute Morgen so redeselig war. Nach dem gestrigen Vorfall gab es für mich eigentlich nicht viel Grund mit ihm zu sprechen. Doch ich wollte seinen Redeschwall nicht unnötig bremsen. Also fragte ich ruhig weiter: „Du lebst also weitere Leben, als bedeutende Männer oder Frauen?“
„Mal mehr Mal weniger. Mehr musst du nicht wissen.“
„Kann ich dich um etwas bitten?“
Jetzt hatte ich seine ganze Aufmerksamkeit: „Kommt auf einen Versuch an. Denke ich.“
„Bitte lass mich ein paar Schritte draussen machen. Ich brauche etwas frische Luft.“
Wlad lachte nochmals bevor er mir antwortete: „Ja. Nach gestern Nacht kann ich mir das durchaus vorstellen. Arik wird dich begleiten. Sag ihm einfach Bescheid wann du gehen möchtest.“
Es war so schwer nur das Monster in Wlad zu sehen, heute Morgen war er so normal, so nett. Wir führten Gespräche als würden wir uns schon lange Zeit kennen. Als wären wir uns so vertraut. Doch ich durfte ihm nicht trauen. Niemals!
„Übrigens, gut dass du den Brief an deine Mutter so rasch geschrieben hast. Eine gute Themenwahl, geschickt geschrieben. Wir werden ihr bald ein paar Fotos schicken von Dir und Kiran.“
Da war es auch schon wieder: Das Monster in ihm. Als das Frühstück endlich vorbei war brachte mich Arik wieder in mein Zimmer. Natürlich stand da bereits wieder das Wasser mit den Medikamenten bereit. Wie nett! Wenigstens etwas worauf man sich in diesem Haus verlassen konnte. Es hatte eine Regelmässigkeit. Ich wurde wie ein kleines Kind behandelt das einen strukturierten Tagesablauf brauchte. Meine Müdigkeit war so gross dass ich mich noch etwas hin legen musste.
Gegen Mittag wurde ich wach. Mein Magen knurrte und ich spürte ein kleines Hungergefühl. Ich sass auf und bemerkte mit Entsetzen dass wieder jemand in meinem Zimmer gewesen sein musste während ich schlief. Auf dem Schreibtisch standen etwas keines zu Essen und ein Brief. Natürlich humpelte ich hin um ihn zu lesen:
Liebe Elisa, Samuel (also ich) musste dringend an ein Meeting. Bin nicht lange Abwesend. Halte dich im Zaun, sei nicht übermütig. Freue mich auf unser gemeinsames Nachtessen. Dein Wlad.
Dein Wlad, Übelkeit machte sich breit. Ich wusste dass ich mich mit meinen Kräften zurückhalten musste doch ich hatte da bereits meine eigenen Ideen. Ich legte den Brief bei Seite und begann zu essen. Danach klingelte ich gelassen nach Arik. Schön zu wissen das Wlad im Moment nicht auf dem Anwesen anzutreffen war. Erleichterung machte sich in mir breit. Arik hatte auch einen gelösteren Gesichtsausdruck. Ich konnte sogar ein kleines Lächeln erkennen. Ich erklärte dass ich hinaus wollte. Er strich mir durchs Haar und hob mich, samt den Krücken, hoch. In der Einganshalle entledigte er sich von seinem Umhang und ich schloss meine Augen für einen Moment. Ich musste ja nicht alles mit ansehen.
Als er die Eingangstür öffnete wurde er zum grossen grauen Wolf. Im Gegensatz zu Kiran ist er ganz und gar ein Wolf. Kiran war irgendwie Wolfsmensch… oder so ähnlich. So langsam verstand ich warum Kiran von einem Wolfsmensch sprach. In dieser Gestalt ist bei Arik nichts menschliches mehr zu erkennen. Langsam schritt er voraus und ich humpelte ihm mit meinen Krücken nach. Die frische Luft tat gut. Arik war als Wolf sehr aufmerksam, er schien jedes Geräusch aufzunehmen. Seine Ohren spielten in alle Richtungen. Ich für meinen Teil fand es hier sehr, sehr ruhig. Ich sah schräg zu ihm rüber und sprach ihn an: „Wadim“, sein Kopf schreckte hoch, „ich danke dir für deine wärme gestern Nacht und dafür dass du dein Herz geöffnet hast. Ich versteh nicht ganz weshalb du nicht sprichst. Du kannst grollen und heulen, also hast du eine Stimme. Wieso lässt du alle im Glauben du könntest nicht sprechen?“
Der Wolf schüttelte seinen Kopf. Er führte mich an einen Ort abseits des Weges. Es sah aus wie eine kleine Kapelle. Die Kapelle musste schon sehr alt sein. Alt und hübsch. Leider war sie etwas verwahrlost. Man konnte erkennen dass sie mal wunderschön war. Wir gingen hinein. Hier drin verwandelte er sich wieder in Arik. Da er jetzt nackt vor mir stand wandte ich meinen Blick wieder von ihm ab und drehte mich um.
„Es ist in Ordnung, ich habe hier auch einen Umhang deponiert. Sieh mich bitte an.“ Hörte ich seine raue, starke, dunkle Stimme.
Mein Mund öffnete sich da ich doch überrascht war von seiner dunklen rauen Stimme. Wäre ich ihm einfach so begegnet hätte ich mich vor dieser Stimme gefürchtet. Ich hatte also Recht, er konnte sprechen. Diese dunkle Stimme passte so gut zu ihm. Also drehte ich mich wieder zu ihm hin. Warum er wohl entschied mit mir zu sprechen?
Er sprach jetzt leise: „Ich wurde sozusagen von Wlad erschaffen. Das erste was ich zu Gesicht bekam war ein Vampir der nicht gehorchte. Dieser landete draussen im hellen Licht und verbrannte vor meinen Augen. Damals schwor ich mir, nie zu sprechen. Ich kann Gedanken senden, das weiss Wlad. Auch die Vampire haben mich noch nie sprechen gehört. Es wäre zu unsicher. Behalte es für dich. Niemals darf Wlad was davon erfahren, niemals.“
„Macht Wlad nie einen Fehler?“
„Wlad ist im Gegensatz zu uns schon sehr, sehr alt und hat mehr Erfahrung. Das macht ihn stark und wir sind unsicher. Wir kennen seine Kraft auch nicht ganz genau. Versuche sein Vertrauen zu gewinnen und kämpfe nicht gegen ihn an. Wenn er wütend wird kann er grausam sein.“
„Kannst du mir sagen wo wir sind?“
Er schüttelte den Kopf: „Ich war schon von klein an hier, ich kenne nichts anderes. Es tut mir leid. Versuche klug zu sein und Wlad zu überlisten. Du bist die einzige die es könnte.“
„Weshalb sprichst du mit mir?“
„Für dich sicherlich schwer zu verstehen. Doch ich vertraue dir. Ich fühle mich von dir angezogen. Es scheint logisch und richtig zu sein.“
„Arik, keine Angst ich verstehe was du meinst.“
„Wirklich?“
„Ja, doch sag mir, kann Wlad die Schwingungen in der Kapelle aufnehmen? Ich meine unser Gespräch…“, musste ich jetzt einfach wissen.
Er nickte: „Wenn er hier her kommt um zu kontrollieren wird er spüren dass hier etwas seltsames stattgefunden hat. Also lass uns unser Gespräch beenden.“
Das erschwerte die ganze Sache natürlich. Aber er hatte Recht wir durften nicht zu lange an diesem Ort sein. Wir gingen hinaus und er verwandelte sich rasch wieder in den Wolf. Er war sehr geübt, es ging immer sehr schnell und relativ geräuschlos. Ich war von seinem einfachen Fell wechsel begeistert. Wenn er sich vom Wolf zurückverwandelte perlte sein Fell einfach so an ihm ab. Als wäre es nie da gewesen. Kiran hatte es damit nicht so einfach. Arik sah mich an und sendete: -*Komm, steig auf*-
Nette Idee fand ich und lies die Krücken zurück. Arik war von unglaublicher stärke. Ich hielt mich an seinem Fell fest und er rannte los. Er gab auf mich acht. Und ich fühlte mich, seit langem, wieder frei. Ich konnte nicht widerstehen: -*Kiran liebster, ich habe hier vertraute. Es geht mir gut*-
Ich wartete bis ich Kiran in meinem Kopf hören konnte:
-*Kleines, ich vermisse dich. Mir geht es gut. Danke für das Bild gestern Nacht. Wo bist du*-
Er konnte mich also auch sehen. Automatisch begann ich zu lächeln. Das Bild war doch real. Ein Fortschritt wie ich fand.
–* Die Dinge hier sind kompliziert. Melde dich nicht mehr. Bitte *-
Mehr konnte und durfte ich nicht Preis geben. Als wir zum Haus zurückkamen sahen wir gerade Wlad vor fahren. Er stieg aus und sah uns zu wie wir direkt auf ihn zukamen. Ich war so beglückt und grinste sicherlich über mein ganzes Gesicht. Wlad half mir von Arik herunter: „Wo sind die Krücken?“
„Bei der Kapelle liegen gelassen“, war meine Antwort.
Wlad sah zu Arik und der Wolf verschwand. Ich ging davon aus dass er den Auftrag bekommen hatte meine Krücken zu holen.
„Elisa ich spüre Magie. Hast du eine Erklärung dafür.“
Jetzt musste ich kurz auflachen. Arik war schnell, er war auch schon zurück mit den Krücken. Also begann ich: „In der Kapelle habe ich mit Arik gesprochen, etwas einseitig da er ja keine Antwort gibt. Aber ich habe mal Dampf abgelassen und es tat gut. Als wir wieder hinausgingen hat er zu mir gesendet und gefragt ob ich gerne auf ihn steigen würde. Gesagt getan. Wlad ehrlich, so frei wie heute habe ich mich schon lange nicht mehr gefühlt. Ich würde es gerne wiederholen. Wenn du einverstanden bist?“
Wlad sah nachdenklich aus, ging auf den Eingang zu und hielt mir die Tür auf.
„Ich überlege es mir. Du siehst tatsächlich sehr glücklich und zufriedener aus. Du lächelst zur Abwechslung. Es steht dir gut.“
Auch Arik kam herein und verwandelte sich wieder. Ich hatte das Gefühl ein leichtes lächeln um spiegelte sein Gesicht. Auch Wlad fiel es auf. Er unterhielt sich sofort in Gedanken mit Arik. Danach entfernte sich Arik rasch von uns und Wlad wollte mich nach oben begleiten. Ich seufzte und etwas und Angst schlich sich ein. Hat Arik unser Geheimnis schon entdeckt? Ein gefährlicher Augenblick.
„Was hast du bloss mit Arik angestellt?“, fragte Wlad beiläufig beim hochsteigen der Treppenstufen.
„Die Frage ist eher was hat er mit mir angestellt. Auf eine seltsame Art und Weise gefällt er mir“, versuchte ich abzulenken.
„Hm…, das gefällt mir nicht. Denn du gefällst ihm auch auf eine Art die er nicht zu deuten weiss. Das wiederum kommt mir nicht entgegen. Du solltest gefallen an mir finden.“
„Du ekelst mich an. Opferst Frauen um mir Angst einzujagen. Du erpresst mich und ich darf nicht mich selber sein. Du nimmst was du willst oder vernichtest es einfach. Wie soll ich den da gefallen an dir finden?“
Kaum hatte ich die Dinge ausgesprochen war ich unsicher ob das wirklich eine gute Idee gewesen war. Doch Wlad sprach ruhig: „Ich bin nicht gewohnt zu werben. Meistens bekomme ich was ich will. Ich bin abgestumpft. Langsam möchte ich zur Ruhe kommen.“
„Was verstehst du unter: zur Ruhe kommen?“
„Statt verschiedene Leben wünsche ich mir nur noch ein, höchstens zwei, Leben zu führen. Und das am besten mit einer Partnerin an meiner Seite. Einer starken Partnerin versteht sich.“
„Und wenn ich die falsche bin? Dann bringst du mich einfach um die Ecke?“, fragte ich zwanglos.
„Wer weiss…“, war seine einfache Antwort darauf.
Als wir oben angekommen waren hielt er mir die Tür auf und begleitete mich hinein. Er schien die Schwingungen in diesem Raum zu überprüfen. Anscheinend war er zufrieden. Er nickte mir höflich lächelnd zu und meinte wir sähen uns beim Nachtessen wieder. Als er weg war sackte ich in meinem Bett zusammen. Was für eine blöde Situation. Ich zitterte, es war nicht einfach sich zu verstellen.
Ich beschloss nochmals eine Dusche zu nehmen. Danach war ich bereit für das Nachtessen. Diesmal kam mich Arik abholen. Fragend sah ich ihn an und er zuckte lediglich mit den schultern. Sein lächeln dabei lies mich wohl wissen dass er das Spiel hier im Haus nach Wlads Regeln spielte. Nie im Leben durfte hier im Haus seine Tarnung aufgeben. Wenigstens wurde ich nach unten getragen. Die Körperwärme von Arik tat wieder gut. Ich schmiegte mich ein wenig an ihn an. Bei Wlad liess er mich runter und strich mir durchs Haar. Das Wlad natürlich auch bemerkte. Wlad schickte ihn sofort wütend hinaus. Mir war das Ganze auch etwas unheimlich.
„Elisa, ich werde heute ein paar Fotos schiessen lassen von Kiran und dir. Du wirst deinen Kiran zu Gesicht bekommen.“
„Wlad, diese Äusserung macht dich nicht sympathischer“, war meine schroffe Antwort.
„Ansichtsache. Deine Mutter wird sich bestimmt freuen.“
Da hatte er natürlich Recht.
„Wie viele Zimmer hast du in diesem Haus?“
„Viele und jedes meiner Leben besitzt eigene Räumlichkeiten. Es hilft mir die Rollen überzeugender zu spielen.“
„Welche Rolle ist nicht gespielt? Hast du gespaltene Persönlichkeiten? Vielleicht kannst du ja nichts dafür dass du so bist wie du bist. Vielleicht bist du krank. Das würde dich in ein anderes Licht rücken.“
Wlad lachte laut auf: „Du amüsierst mich wirklich. Natürlich nicht. Aber wenn man so lange lebt wird es einem langweilig. Irgendwann bin ich auf die Personen gestossen und habe sie ausgelöscht. Zuerst war es nur ein Versuch ob ich überhaupt das Leben eines anderen Menschen übernehmen konnte. Aus einwenig Spass wurde Pflicht und diese gefiel mir sehr. Du verstehst, darin besteht auch Macht. Entweder sammle ich verrückte Wesen die ich ergründen und verstehen will, oder ich bin eine andere Persönlichkeit. Und lebe die verschiedenen Leben. Nenn mich einen Sammler oder Spieler, wie du willst.“
„Verrückter trifft es besser. Was willst du dann mit mir?“
„Ich bin es leid zu sammeln und zu spielen. Ich möchte mich mit dir zur Ruhe setzten.“
„Wieso ich?“, wollte genauer wissen.
„Als ich bei Marius von dir erfahren habe wurde ich süchtig nach der Suche nach dir. Marius hat mich so unglaublich neugierig auf dich gemacht. Als ich dich das Erste Mal sah war ich dir bereits verfallen. Du bist speziell. Ich muss dich einfach besitzen.“
Ich schüttelte den Kopf da unsere Unterhaltung immer in dieselbe Richtung lief.
„Zeigst du mir das Haus bei Gelegenheit?“
Diese Frage meinte ich Aufrichtig, ich wollte gerne die restlichen Räume begutachten. Wlad lies meine Frage offen im Raum stehen. Es wurde nicht mehr gesprochen.
Nach dem Essen kam er etwas später in mein Zimmer als Kiran. Staunend sah ich ihn an. In Kirans Gestalt rief er Juri zu uns hinein. Juri musste die Fotos von uns schiessen. Kiran vor mir stehen zu sehen und zu wissen er war es nicht… Dieses Gefühl war sehr heftig. Meine Sehnsucht erwachte. Die Leere in meinem Herzen schmerzte. Das Ganze machte mich etwas benommen. Als Juri und Wlad wieder gegangen waren, sackte ich wieder auf das Bett nieder. Meine Beine zitterten. Ich war hier zur falschen Zeit am falschen Ort.
Die Zeit verstrich. Ich wusste nicht einmal welcher Wochentag heute war. Kiran wich immer weiter weg. In den nächsten Tagen riss Wlad sich zusammen und war ausgesprochen nett zu mir. Am Morgen wurde natürlich zusammen gefrühstückt. Danach wurde mir nach und nach ein neuer Wohnbereich gezeigt. Zwischendurch lies mich Wlad ein zwei Tage hier zurück da er als andere Person auf einer Mission war. Er wusste genau dass Juri und Arik auf mich aufpassten. Juri war immer noch etwas distanziert. Jedoch neugieriger wie auch schon.
Die Zimmer von Eric, Samuel und Jonathan waren sehr unterschiedlich. So wie die Personen selbst. Wlad versuchte mir die Personen aus seiner Sicht zu erklärten. Dabei blieb er Wlad und verwandelte sich nicht in diejenige Person. Dafür war ich irgendwie dankbar. Pro Tag nahmen wir eine Person durch, wenn er da war versteht sich. Ich verstand dass diese Personen seinen Zweck in seinem Leben erfüllten. In meinen Augen war Wlad ein kranker Mann der versuchte seinen Platz zu finden. Doch die Zeit lies ihn sprichwörtlich durchdrehen. Ich war mir nicht sicher ob es eine gute Idee war mich so nah auf ihn einzulassen. Doch ich musste mehr über ihn in Erfahrung bringen.
Nachmittags durfte ich manchmal mit Arik jeweils für eine Stunde raus. Wir streiften durch den Wald. Manchmal landeten wir in der Kapelle. Das war der einzige Raum in dem Arik sprach. Die Stimme von Arik empfand ich mittlerweile als sehr angenehm. Seine Stimme war so besonders. Eine sehr tiefe, dunkle Stimme. Dafür dass er nie die Gelegenheit hatte zu sprechen, sprach er ausgezeichnet. Auf mich machte Arik einen klugen Eindruck. Die Kapelle war sozusagen unser kleiner Zufluchtsort. Wlad spürte natürlich das in der Kapelle gesprochen wurde. Ich gab ihm Recht indem ich ihm erklärte ich spreche dort Gebete. Das liess Wlad verstummen.
Arik wollte Wlad im Glauben lassen das er Gefallen an mir gefunden hatte. Ich fand die Idee absurd. Arik erklärte mir mit seiner tiefen Stimme: „Sehe es als Chance. Wenn Wlad sich um dich bemüht, weil ich Interesse an dir Zeige wird er vielleicht Unvorsichtig.“
Ich schnaubte: „Kann schon sein. Doch was ist wenn er dich einfach aus dem Weg räumt. Hast du daran schon gedacht. Dann sind wir verloren.“
„Vielleicht wäre das meine persönliche Art von Erlösung.“ War Ariks ernste Antwort. Ich konnte verstehen was Arik mir damit sagen wollte. Ein solches Leben zu führen war nicht lohnenswert. Nun war ich da und seine Chance kam. Ob wir gewinnen oder er getötet wurde spielte Arik keine Rolle. Arik würde so oder so als Gewinner davon gehen. Ich schluckte schwer da ich definitiv nicht für den Tod von Arik verantwortlich sein wollte. Meine Lage wurde irgendwie nicht besser. Nicht auszudenken wenn Arik nicht mehr wäre. Doch für heute wollte ich diesen Gedanken aus meinem Kopf vertreiben und genoss den Ausritt auf Arik als Wolf.


Erics Räume


Eric der Multimillionär, der gerne mit Prostituierten spielte. Er liebte die Vorzüge der Prostitution. Dabei fühlte er sich so Mächtig. Eigentlich ein armes Geschöpf keine Liebe für sich gewinnen zu können. Für mich, ein Mann mit schweren Defiziten. Er tat wohl so als wäre er ein toller selbstbewusster Mann. Doch in seinem Innersten war er wohl alles andere als selbstbewusst. Warum Wlad nicht mehr aus dieser Person herausholte war mir rätselhaft. Denn Wlad musste ja nicht jede Eigenheit gleich ganz übernehmen. Aber anscheinend waren es genau diese Gegensätze die Wlad so reizten.
Mit einer selbständig denkenden Frau würde Eric nicht zu Recht kommen. Eric, oder in diesem Fall doch eher Wlad (?), suchte sich zwischendurch Prostituierte von der Gasse. Da es keine Rolle spielte ob diese Frauen nachher wieder auftauchten, spendierte er ab und an mal eine der „Damen“ seinen Vampiren. Er war ja so grosszügig zu seinen Untergebenen! Was die Vampire mit ihnen anstellten war im so etwas von egal. Hauptsache die „Damen“ kamen nicht mehr lebend aus dieser Affäre hinaus. Das war seine einzige Bedingung. Nach dem Vorfall im Verlies 7 konnte ich mir nur zu gut vorstellen was die Vampire mit den „Damen“ so anstellten.
Dieser Eric war mir ausserordentlich unsympathisch. Ein richtiges Ekelpaket. Eric war ein durchschnittlich aussehender Mann um die 50 Jahre. Seine Haare schon graumeliert. Seine Brille stand ihm zwar gut, er trug sie auch wie ein Schmuckstück. Natürlich hatte die Brille ein Vermögen gekostet. Davon ging ich mal aus. Das viele Geld verdiente er durch eine Firma die Hardware und Software herstellte. Er selbst schien „nur“ noch den Chef zu spielen und hatte seine Angestellten die die eigentliche Arbeit erledigten. Eric nahm sozusagen nur noch den Ruhm und das Geld entgegen.
Wlad erklärte mir dass er deswegen nicht mehr viel in dieser Gestallt zu sehen sei. Der Laden laufe von selbst. Eric schmiss ab und an einfach eine seiner berüchtigten Partys und alle waren zufrieden. Der letzte Anlass war wohl so eine Party. Ich hatte bedauern mit den Frauen. So etwas hatten sich nicht verdient.
Niemand hat so etwas verdient.
Wlad erklärte mir weiter dass er Erics Leben überdrüssig war. Für ihn gab es keinen Kick mehr. Es war zu einfach. Bei nächster Gelegenheit würde er Eric das Zeitliche segnen lassen. Ich sah Wlad erstaunt an wollte aber im Moment nicht näher darauf eingehen.
Die Unterkunft von Eric sah recht bieder und konservativ eingerichtet aus. Ein Mann der den Prunk und die schein Welt liebte. Eric besass in diesem Anwesen zwei Räume. Sein Schlafzimmer mit dem überdurchschnittlich grossen Kleiderschrank für die vielen teuren Klamotten. Aber die teuren Anzüge sahen noch nicht einmal besonders gut aus. Sein Geschmack gefiel mir überhaupt nicht, alles sehr konservativ. Dieser Mann hatte gar keine Ahnung von Mode. Die Anzüge mussten einfach einen Designer Namen tragen. Das reichte ihm wohl schon. Im Nebenraum, seinem Büro, fand man Fotos von ihm und irgendwelchen Frauen. Es machte den Anschein als hielt er die Frauen wie Trophäen. Ein wirklich kranker Mensch. Wie konnte Wlad sich in einer solchen kranken Menschengestallt wohl fühlen? Es war mir ein Rätsel. Ich musste es ja nicht verstehen, ich ekelte mich.
Die teuersten Computer Anlagen standen in diesem Raum. Wie mir Wlad erklärte waren alle Computer hier im Haus mit seinem oben im Zimmer verbunden. So konnte er also auch als Wlad die Rollen seiner Personen spielen und musste sich nicht mehr verwandeln. Für ihn eine reine Bequemlichkeit. Was für ein schrecklicher, grauenhafter unsympathischer Mann.


Samuels Raum


An einem anderen Tag war Wlad bereit mir Samuel vorzustellen. Samuel hatte ich noch nie zuvor gesehen. Aus diesem Grund stand Wlad ausnahmsweise als Samuel vor mir. Ich staunte wirklich nicht schlecht als diese Fremde Person mich abholte und sich als Wlad zu erkennen gab. Egal in welcher Haut Wlad steckte, seine Augen verrieten ihn immer. Dass mir das nicht früher aufgefallen war.
Samuel der junge und begabte Architekt. Sein Name stand für solide Bauweise. Samuel war sozusagen der Künstler des Bauwerks. Er versuchte mit seinen Bauwerken an die Grenze des Möglichen zu gehen. Brücken zu bauen waren nur eine seiner Spezialitäten. Samuel war Wlads neueste Errungenschaft als Person die er sozusagen spielte. Er befand sich hier auf ganz neuem Terrain. Denn Samuel war ein Mann dem die Türen erst seit kurzem offen standen. Und jetzt rissen sich alle um diese einzigartigen Bauwerke.
Dieser Samuel war ein südländisch aussehender Mann in den besten Jahren. Irgendwie sah Samuel speziell aus. Mit seinem Lausbuben Gesicht und dem spitzen Bärtchen das er trug hätte ich wohl eher auf einen Künstler getippt. Das war er ja auch, nur auf einem anderen Gebiet. Ich musste gestehen, rein äusserlich war Samuel ein Mann den man mögen könnte. Ich entdeckte ein Foto von Samuel und wusste jetzt echt nicht ob der Mann auf dem Foto noch der leibliche Samuel war oder bereits Wlad. Ein sehr seltsames Gefühl. Es tat mir leid dass der echte Samuel Wlad begegnet war. Doch ich behielt es für mich.
Samuel sah vertrauenswürdig und nett aus. Mit der Erscheinung Erics überhaupt nicht zu vergleichen. So extrem unterschiedlich. Wlad erklärte mir dass Samuel im Moment leider keine Zeit für Frauen besass. Er sei zu beschäftigt und konzentriere sich ganz auf seine Arbeit. Diese Person sei im Moment sehr gefragt und koste ihm persönlich am meisten Energie, da er gerade sehr viel Neues dazu lernt.
Die Räumlichkeiten von Samuel waren sehr stielvoll eingerichtet. Warme Töne wie braun, rot doch auch Anthrazit war zu finden. Man fand Fotos von Bauten die er bereits erschaffen hat.
Umso mehr ich von Samuel heraus fand, umso mehr tat es mir leid dass Wlad ihn gefunden und ersetzt hatte. Ich seufzte auf. Dieser Samuel hätte was anderes verdient als den Tod durch Wlad. Was für ein schrecklicher Gedanke! Wlad ist ein sehr kranker Mensch.
Die beiden Zimmer von Samuel verband sozusagen alte Architektur und moderne Einrichtung. Das Ganze sah sehr schön aus. Warm eingerichtete Bereichte. In diesen Bereichen hätte ich mich spontan auch wohl gefühlt. Ich gestand mir ein dass ich neugierig auf diese Person war. Vielleicht war Wlad ja als Samuel erträglicher. Darauf war ich gespannt. Schon irgendwie verwirrend. Unglaublich dass ich mit dem Gedanken spielte Wlad lieber als Samuel um mich zu haben. Diese Person war ja auch Wlad. Das konnte ich drehen wie ich wollte. Langsam wurde ich Irre! Ich sollte hier raus! Nein ich musste hier raus!
Wlad schien mein durcheinander zu spüren und fragte mit dieser netten Stimme die wohl zu Samuel gehörte: „Woran denkst du?“
„Ob du als Samuel nicht erträglicher wärst.“, sah ich ihm direkt in die Augen als ich die Worte aussprach.
Das löste bei ihm einen Lach Anfall aus. Als er sich beruhigt hatte antwortete er: „Ich erschien in dieser Gestallt weil ich neugierig darauf war wie du auf ihn reagieren würdest. Danke, genau so habe ich es mir vorgestellt. Wenn es dir hilft dass ich Samuel bin in deiner Gegenwart mache ich das. Nur werde ich in deiner Gegenwart nicht Samuel spielen. Bin in meinen Räumen Wlad und sehe nur anders aus. Was ist also dein Wunsch?“
„Wäre ja zu schön gewesen. Dann bleib mal Wlad an dieses Ekelpaket habe ich mich langsam gewöhnt.“
Wieder lachte Wlad in Gestalt von Samuel laut auf. Ich für meinen Teil fand unsere Diskussion nicht so erheiternd. Eher ernüchternd.


Jonathans Raum


Wlad erzählte mir an einem anderen Tag von Jonathan. Diesmal begleitete mich Wlad als Wlad und nicht als Jonathan.
Jonathan der GEN-Forscher. Dieser Mann schien in seinem Job exzellent zu sein. Ich ging davon aus weil ich da etliche Auszeichnungen an der Wand hängen sah. Erstaunt las ich das jeweilige Datum der verschiedenen Auszeichnungen. Den Auszeichnungen nach musste er schon vorgeschrittenes alters sein. Es waren viele Auszeichnungen. GEN-Forschung mag ja am richtigen Ort zur richtigen Zeit etwas sinnvolles sein. Doch so wie Jonathan oder Wlad seine Gabe missbrauchten, dafür hatte ich nicht sehr viel übrig. Das war ehrlich gesagt einfach nur widerlich. Unweigerlich war mir der Zusammenhang von Jonathan und Wlad klar. Diese beiden waren sozusagen zusammengeschweisst. Das warf Jonathan in kein gutes Licht. Ganz im Gegenteil.
Wlad zeigte mir dann noch ein Foto von Jonathan. Ein grosser hübscher alter Mann. So wie ich es mir dachte. Auf dem Foto war Jonathan im weissen Kittel zu sehen. Er hatte sehr dunkelgraues gelocktes Haar und dunkle Augen. Die Augen schienen „fast“ schwarz zu sein. Wohl passend zu seinen dunklen Fantasien. Ich sah von dem Foto zu Wlad. Zum ersten Mal erkannte ich dass auf diesem Foto der wahre Jonathan zu sehen war. Denn Wlads Augen waren nie so dunkel. Wlads Augen kannte ich mittlerweile sehr gut.
„Deine Augen verraten dich. Auf diesem Bild ist Jonathan und nicht du zu sehen.“
„Da liegst du richtig.“
„Kanntest du diesen Jonathan schon lange?“
„Wie man's nimmt.“
Wlad erklärte mir dass der Vorgänger von Jonathan, Magnus gewesen sei. Doch Magnus musste ja altern und verstarb. Wlad konnte diese Personen ja nicht über hundert Jahre durchziehen. Jonathan trat stattdessen in seine Fussstapfen. Dieser Jonathan war damals ein Mann mit Visionen. Darum liess er Jonathan lange Zeit freie Hand bis der Tag X kam an dem er zu Jonathan wurde. Jonathan kannte Magnus und so führte eines zum anderen. Vor Magnus sei er Vasall gewesen. Dieser Vasall sei sozusagen für die Entstehung der Vampire zuständig. Vasall habe das Ganze zum Entstehen gebracht. Der liebe Vasall sei seiner Zeit weit voraus gewesen. Doch diese Geschichte wollte er mir ein anderes Mal erzählen. Gerade auf diese Geschichte war ich allerdings sehr gespannt. Denn im Moment verstand ich nur Bahnhof. Ich stand etwas ratlos im Raum. Jetzt hatte er ausnahmsweise mal meine ganze Aufmerksamkeit und hörte mit seine Erzählung auf. Ich seufzte laut auf und Wlad lächelte hämisch. Ich wusste genau dass er seinen Triumph genoss mich so im Regen stehen zu lassen.
Dieses Leben entsprach Wlad wohl sehr, es schien parallel zu seinem zu laufen. Das war mir klar. Eigentlich war Wlad dieser Jonathan oder umgekehrt. Man bemerkte dass Wlads krankhafte Fantasie mit Jonathan übereinstimmten. Wie auch immer. Sie waren sprichwörtlich ein und dieselbe Person.
Wenn ich nur an die manipulierten Vampire dachte die er sich hier angeblich als „Wächter“ hielt. Bestimmt war er zu weit grösseren Schandtaten fähig. Was hatte er bloss Kiran angetan?
Doch nicht nur die Seele von Jonathan war speziell. Auch die Räumlichkeiten von ihm waren sehr schrill. In bunten, leuchtenden Farben und die Möbel wild zusammen gewürfelt. Er hat einfach verschiedener Stielrichtungen wild zusammen gemischt. So sah wohl ein organisiertes Chaos aus.
Beide Zimmer waren wirklich bunt. Eigentlich schien es als wären Jonathan diese Bereiche bei weiten nicht so wichtig wie die Arbeitssäle, sprich seine Labore.
Er fühlte sich sehr wahrscheinlich im Labor mehr zu Hause als hier. In seinem Kreis würde man sicherlich von einem Schenie sprechen. Für mich war er nur wahnsinnig!
Wlad war heute bester Laune. Die Räumlichkeiten bei Jonathan schienen ihn zu beflügeln. Oder eher in seiner kranken Phantasie zu bestärken.
Er erklärte mir: „Ich selbst bin der Besitzer von diesem alten Anwesen. Falls du dich das schon einmal gefragt hast.“
„Hab ich nicht.“
„Lügnerin. Hast du doch.“
Ich seufzte und gab mich geschlagen. Also hörte ich ihm weiter zu was er mir zu erzählen hatte. Wenn er schon etwas erzählte dann war es wohl besser zu zuhören. Vielleicht war das einte oder andere ja noch eines Tages wichtig für mich. Wlad erklärte mir dass er dieses Anwesen gerne vermietet. Man wisse ja nie auf welche Persönlichkeiten man dabei stossen kann. Bei diesem Gedanken lief mir ein Schauer den Rücken hinunter. So lernte er die Menschen kennen. Er habe einige Räume die frei stehen. Auch Jonathan, Samuel und Eric waren in diesem Anwesen hier nur eingemietet. Wenn dann mal ein Anlass stattfand, so wie mit Eric müssen sich die Wächter versteckt halten. Das gehörte mitunter zu Ariks aufgaben sie in Schach zu halten. Arik war das Leittier. Ohne Frage. Was die Belohnung für die Wesen war wusste ich ja nur zu gut. Meine gute Laune war plötzlich auf dem Null Punkt und ich zog mich angeekelt zurück.


Einfach wieder Wladimir


In diesen paar Tagen lernte ich also die andere Welt von Wlad kennen. Eines verstand ich aber nicht und fragte am nächsten Morgen beim Frühstück: „Wlad, du hast mir gesagt du hättest das Leben satt und möchtest aussteigen. Aber wie ich es sehe kannst du nicht wirklich die Finger von Samuel und Jonathan lassen.“
Ich wurde warm angelächelt als er mir antwortete: „Du hast deine Aufgaben gemacht“, er machte eine kurze Pause legte sein Brot hin und fuhr dann weiter, „von Eric werde ich mich trennen. Das ist richtig. Jonathan brauche ich nicht wirklich, ich komme sehr gut ohne ihn zu Recht da er und ich eigentlich dieselbe Person sind. Wie du sicherlich bereits bemerkt hast.“ Ich nickte ihm zu. Und Wlad fuhr weiter: „Du wirst verstehen, für meine Selbstbestätigung war er sehr nützlich. Ich denke, ich werde ihn auch ins Jenseits befördern.“
„Wieso hast du keine Räumlichkeiten für Jacky?“
„Jacky benutze ich nur wenn ich Männer ablenken muss. Es funktioniert wirklich jedes Mal. Jedes Mal. Das belustigt mich wirklich. Sehe aber keine Notwendigkeit sie sonst sein zu wollen.“
„Warum bist du mehr Männer als Frauen? Es gibt so unglaublich viele bekannte und begabte Frauen.“
Er sah mir direkt in die Augen als er hämisch lächelnd erklärte:
„Nenn mich altmodisch. Ich bin als Mann geboren und geniesse meine Männlichkeit sehr. Sex zu haben als Frau liegt mir nicht besonders. Als Mann habe ich mehr Macht, mehr stärke. Darum geht es bei mir immer.“
Das ich nicht von selbst drauf gekommen bin… War ja klar! Stärke und Macht konnte er sich nur als Mann vorstellen. Ich wollte mehr wissen.
„Was ist mit Samuel?“, hackte ich also noch nach.
Wlad sass ruhig da und sah mich direkt an.
„Nun, ganz einfach. Samuel bleibe ich noch eine Zeitlang. Ein absolut fantastischer Mann auf seinem Gebiet. Ich habe mich so lange mit dem beschäftigt was und wie Samuel seine Bauten zusammen setzt bevor ich zu Samuel wurde. Es hat mich einige Jahre gekostet. Und nun bin ich soweit diese exzellente Bauweise weiter zu führen. Samuel ist sehr interessant. Ich will ja nicht dass es mir zu langweilig wird. Sieh es als Hobby.“
Jetzt lachte er kurz auf. Er fand seinen Witz wohl gut…
„Was machst du denn mit den anderen Räumen? Ich meine die Räume die dann frei werden?“
Wlad schien einen kurzen Moment zu überlegen. Als er so weit war sprach er gelassen weiter: „Meine liebe, die Räumlichkeiten von Eric könntest du haben und für deine Zwecke einrichten. Sobald du dich zu mir bekennen kannst hast du freien Zugang zu allem hier im Haus. Und kannst machen was du möchtest. Beenden wir das Gespräch für heute.“
Ich stöhnte auf. Er gab wohl wirklich nie auf. Ich stand auf und wollte mich zurückziehen doch ich kam nicht weit da er mich bereits eingeholt hatte. Das wiederrum kein Wunder war denn ich humpelte immer noch. Zwar nicht mehr an den Krücken doch der Gibs behinderte mich gewaltig. Wlad hielt mich fest.
„Au!“ Schrie ich kurz auf.
„Du weißt ich könnte dich mit Gewalt nehmen. Jederzeit!“
Warum er jetzt so plötzlich gereizt war verstand ich nicht. Denn ich für meinen Teil hatte das Gefühl ich hätte ihm keinen Anlass dazu gegeben. Also zuckte ich mit der Schulter auf und erklärte:
„Wenn es dir gut tut und du willst, dass ich dich für den Rest des gemeinsamen Lebens hasse. Nimm mich. Tu es! Aber - tu - es - jetzt!“
Fluchend liess er von mir ab und war sogleich auf dem Weg hinaus. Meine Beine zitterten ein wenig. Doch ich nahm meinen Mut zusammen und rief ihm nach: „Wlad, wieso willst du mich? Ich verstehe dich nicht. Aus reiner Habgier oder liebst du mich wirklich?“
Ruckartig blieb er stehen. Ich sah wie er tief einatmete und sich wieder zu mir drehte. Langsam kam er wieder auf mich zu und sah mir dabei direkt in die Augen. Er trat noch näher an mich heran. Ich versteifte mich dabei etwas denn ich wusste ja nicht was jetzt auf mich zukommt. Wlad sah ebenfalls sehr angespannt aus. Ich war mir nicht sicher ob er gleich los schreien oder zuschlagen würde. Schlussendlich kam er so nah an mich heran dass er seine Stirn an meine legte. In diesem Moment schluckte ich schwer. Er schloss dabei seine Augen. Es hatte tatsächlich etwas Menschliches. Eigentlich ein sehr intimer, persönlicher Moment.
Meine Augen blieben offen, ich konnte sie nicht schliessen. In diesem Moment hielt ich es jedoch für falsch mich von ihm abzuwenden. Wlad schien wirklich zu leiden. Also wartete ich einfach ab. Als er sich wieder gefangen hatte bekam ich einen sanften Kuss auf meine Stirn. Wortlos ging er danach langsam hinaus. Er gab mir keine verbale Antwort. Die Geste verstand ich auch so. Ich stand da wie angewurzelt. Dann sprach Wlad doch noch beiläufig beim hinaus gehen: „Juri oder Arik sollen dir heute noch unsere Bibliothek zeigen. Ich halte mich heute besser von dir fern.“
Diese Reaktion erstaunte mich mehr als ich in Worte fassen konnte. Ich zog die Augen zusammen. Dabei runzelte sich meine Stirn. Seltsamer Mann, ging es mir durch den Kopf. War das ganze wieder gespielt? Hat er es für mich wieder einmal inszeniert? Oder sollte ich doch einmal umsichtiger mit ihm sein. Welche Seite an ihm war denn echt? Er tat mir tatsächlich fast ein wenig leid.
Zum Glück kam ich nicht dazu mir weiter Gedanken zu machen denn Arik stand bereits lächelnd vor mir und trug mich in mein Zimmer hinauf. Wenn Arik gut drauf war und lächelte war sein Gang auch anders. Er hatte einen lässigen Gang und nicht so versteift wie sonst. Als ich endlich, im Zimmer, alleine war sass ich hin und musste meine Gedanken sammeln. Wie sollte es bloss weitergehen? Tatsächlich dachte ich immer weniger an meinen Kiran. Das durfte nicht sein. Ich durfte mich nicht so ablenken lassen. Kiran musste mich doch hier raus holen. Doch was würde geschehen wenn Kiran hier her, an diesen unheimlichen Ort, kam? Die Werwolf-Vampir Kreaturen mussten zuerst sterben. Kiran durfte nicht allein hier auftauchen, das wäre zu gefährlich. Falls Joe oder Ben mitkommen würden, waren wir stark in der Unterzahl. Was war mit Arik? Wird er mit uns kämpfen? Und Juri? Ich sah etwas Gutes in Juri. Falls die zwei mit und für uns kämpften, was würde danach mit ihnen geschehen? Wie sollte man Wlad vernichten können? Wollte ich ihn denn überhaupt vernichten? Wo war eigentlich gleich mein zu Hause? Es herrscht wirres Chaos in meinem Kopf.
In diesem Moment brauchte ich Kiran eigentlich mehr denn je. Ich wusste genau dass ich hier alleine die Entscheidung über das weitere Geschehen treffen musste. Denn Kiran und Joe wären nicht objektiv genug, wenn es um mich ging. Die beiden hatten keine Ahnung was sich hier alles abspielte. Daher würden sie einfach wild darauf los kämpfen um mich zu befreien. So wie es im Moment aussah konnte das für meine Liebsten nicht gut ausgehen. In nächster Zeit würde ich mich nicht mehr so ablenken lassen dürfen. Ich musste mein Ziel verfolgen. Den Plan für Wlads Vernichtung musste ich liefern, wenn ich wollte dass wir als Sieger da raus kommen. Im Moment drehte ich mich wieder mal im Kreis. Die Verantwortung lastete schwer auf mir. Also beschloss ich, mich noch einwenig hinzulegen. Ich wäre gerne eingeschlafen doch ich konnte nicht ich war hellwach. Zu viele wirre Gedanken schossen durch meinen Kopf. Also entschloss ich mich die Klingel zu betätigen. Diesmal kam Juri zu mir hoch. Sie hatte wieder einmal diesen strengen traurigen Blick.
Ich lächelte sie an: „Würdest du mir bitte die Bibliothek zeigen?“
Sie nickte mir zu und ging vor mir her und ich humpelte ihr nach. Ich fand ich humpelte schon recht gut. Sie sprach in dieser Zeit kein einziges Wort.
Die Bibliothek war sehr gross, sie streckte sich über 3 grosse Zimmer hindurch. Ich staunte als ich die tollen Räume zu Gesicht bekam. Wunderschön romantisch gestaltete Räume mit viel hübsch, geschwungenem Holz und Glas Vitrinen. Diese Räume waren wie geschaffen für Bücher, etwas anderes konnte man sich hier gar nicht vorstellen. Es sah aus wie eine antike gut erhaltene Bibliothek mit einer Wunderfollen Stimmung. Zum ersten Mal sah ich hier so eine hohe Treppe die unten mit Rädern versehen war. So dass man damit von Regal zu Regal ziehen konnte. Die Leiter war zwar stark abgenutzt aber in einem sehr guten Zustand. Alles war gut gepflegt worden. Ich begann durch die Räume zu schlendern. Eine grosse Vielfalt an Büchern war vor zu finden. Wlad besass unter anderem Bücher die sehr alt, und vermutlich sehr wertvoll waren. Diese hatte er hinter Glas gut geschützt. Ansonsten würden sie sicherlich gleich zerfallen. Diese Bücher waren gut verschlossen.
Dann gab es Bücher von moderner Literatur, Gedichte und Verse. Sogar wenige Kinderbücher und Gartenbücher standen in einem kleinen Regal. Ich war fassungslos begeistert.
Alles war ganz sorgfältig nach Themen sortiert. Im mittleren Zimmer standen des Weiteren drei bequeme Stühle die zum ausruhen einluden. Daneben jeweils einen kleinen Tisch mit einer hübschen Tischleuchte darauf. Ich konnte mir gut vorstellen dass man hier sehr bequem lesen konnte. Falls man ein Bedürfnis hatte würde man einfach nach den Dienstboten rufen. Eine nette Bequemlichkeit.
Wlad dachte wirklich an fast alles. Ich brauchte viel Zeit um mich hier umzusehen.
„Arik hat hier Stunden verbracht und sich mit allem möglichem weiter gebildet“, brach Juri unser schweigen und die Stille hier in den Räumen.
Nun sah ich zu ihr, ich wurde stutzig: „Und was ist mir dir?“
„Ich kann nicht lesen? Ich hatte keine Möglichkeit. Arik hätte es mir sicherlich beigebracht wenn er die Erlaubnis bekommen hätte.“
Juri sah so unendlich traurig aus. Was für ein bemitleidenswertes Wesen! Heute wollte ich näher an sie heran kommen. Sie war immer so distanziert, schien aber für mich nicht gefährlich.
Zu Beginn unserer Begegnung wirkte sie Furcht einflössend. Doch mein Gefühl sagte mir, da ist etwas Gutes an ihr. Ich fasste meinen Mut und humpelte auf sie zu. Dann nahm ich ihre Hand in meine. Ihre Hand war sehr blass, kalt und schmal. Wir standen uns nun sehr nah.
Ich war erstaunt darüber dass Juri meine Berührung zuliess. Nun wollte ich noch mehr wissen. Langsam nahm ich ihren Kopf zwischen meine Hände. Ich hatte tausend Fragen an sie dich ich in diesem Moment nicht stellen durfte. Doch sie liess meine Nähe wieder anstalltslos geschehen und ich konzentrierte mich auf sie. Wieder arbeitete ich nicht mit meinem Verstand sondern öffnete meine Herzmitte für sie. Meine Magie dufte nicht von meinem Verstand gelenkt werden. Das würde Wlad sofort bemerken. Ich öffnete mein Herz vollständig für diese Arme Kreatur die vor mir stand. Langsam stieg wärme in mir auf.
Und plötzlich sah ich sie ganz klar und deutlich. Auch ihre Seele trug einen Namen. Wie ich es bereits vermutete. Alles was sie wirklich war und sein konnte war Sui.
Als mein Herz in ihre Seele sah tauchten Bilder auf. Diese Bilder tauchten auf ohne dass ich nach ihnen suchte. Dementsprechend trafen sie mich ziemlich intensiv. Ich sah Juri stark leiden. Sie kannte Arik sehr gut, sie sah in als Wadim. Mein Herz wurde so unglaublich schwer und eine Weller der Trauer umhüllte mich. Diese beiden Seelen waren für einander bestimmt. Es war nicht nur die Bestimmung dass mein Herz schwer werden liess. Die beiden liebten sich von ganzem Herzen. Ganz tief in ihr drin liebte sie Wadim immer noch. Ich sah Bilder von der Liebe und Zusammengehörigkeit. Ihre Liebe war sehr stark und leidenschaftlich. So wie es sein sollte wurde Juri schwanger. Eigentlich der schönste Moment für die beiden. Doch die Schwangerschaft war schlimm. Ein Kind aus dieser Verbindung war stark und nicht ungefährlich für Juri. Ich sah Bilder davon wie Wlad einen Kaiserschnitt machen musste um ihr Leben, und das des Kindes zu retten. Tränen füllten sich in meinen Augen. Danach wurden die Bilder unklar, verzerrt und sehr undeutlich. Das einzige Bild das klar aufgezeigt wurde war Arik mit dem toten Baby in der Hand. Es sah irgendwie so aus als hätte er es getötet. Leider waren die Bilder überhaupt nicht klar. Doch Juri wie auch Arik ging davon aus dass er sein eigenes Kind getötet hatte. Seither gingen sie getrennte Wege. Juri brauchte lange Zeit um darüber hinweg zu kommen. Nachdenklich und mit tiefer Trauer löste ich mich nun von Juri.
„Bist du sicher dass Arik…?“
Es war eine heikle Frage, das wusste ich genau, doch ich musste sie ihr stellen. Denn ich wollte es nicht glauben. Juris Gesicht verzerrte sich zu einer Fratze als sie mich ansah. Ihre Augen wurden dunkel und ihre Adern kamen hervor. Auch ihre Eckzähne wuchsen. Mit funkelnden Augen antwortete sie leise:
„Es gibt keinen Zweifel, du hast es ja selbst gesehen. Seitdem ist vieles anders geworden. Ich bin anders.“
Wie sollte ich ihr bloss Hoffnung geben. Liebe und Erkennen zweier Seelen konnte nicht falsch sein. Für mich gab es nichts Ehrlicheres als Dieses Band.
Ich versuchte zu erklären und flüsterte: „Glaub mir Juri, es gibt immer einen Zweifel. Wlad kann manipulieren und das tut er schon eine ganze Weile. Er ist grossartig in dem was er tut. Makellos.“
„Beweise es mir“, schien Juri mich anzuflehen.
Ihre Augen verdunkelten sich zunehmend. Ihr Gesicht wurde zwar jetzt wieder normal. Ich fühlte mich unglaublich seltsam. Ihre Gefühle für Arik waren da, doch sie konnte nicht und wollte nicht mehr mit ihm zusammen sein. Oder durfte sie nicht?
„Ich versuche es. Aber versprechen kann ich es dir nicht“, war meine ehrliche und momentan einzige Antwort. Mehr konnte ich ihr in diesem Moment nicht geben. Auch wenn ich gewollt hätte. Diese Antwort schien ihr zu genügen.
Also begleitete sie mich wieder in mein Zimmer zurück. Bevor sie hinausging wollte sie noch wissen: „Wie geht das. Ich meine warum spürt Wlad davon nichts, bei dem was du mit mir gemacht hast?“
Jetzt lächelte ich Juri an: „Ich brauchte auch eine Weile um dahinter zu kommen. Ich öffne unsere Herzen und geh nicht vom Verstand an die Sache heran. Wlad ist ein ausgesprochener Kopfmensch. Kopf und Herz gehen nicht immer den gleichen Weg.“
Woher genau ich diese plötzliche Weisheit nahm war mir eigentlich auch schleierhaft. Ich wusste es einfach. Nachdenklich verlies sie mich. Unglaublich was mir der heutige Tag brachte. Wlad manipulierte also gekonnt. Davon war ich überzeugt. Im Moment hatte ich noch keinen Beweis. Mein Gefühl sagte mir aber ganz klar dass Wlad mit dem Tod des Babys zu tun hatte. Ich erinnerte mich an die Bilder die so undeutlich wurden. Weshalb waren sie überhaupt undeutlich? Der Rest war doch glasklar…Was hatte es zu bedeuten. Da scheint etwas ins falsche Licht gerückt worden zu sein. In meinem Inneren wusste ich genau dass Arik nicht in der Lage war sein eigenes Baby zu töten. Nicht Arik! Ich musste es Juri nur irgendwie beweisen. Wieso waren Juri und Arik für Wlad so speziell, warum hatten sie eine andere Stellung als die anderen Wesen?
Heute Nachmittag wollte ich in Ariks Gedanken tauchen und nachschauen. Es war mir klar das ich Bilder finden musste die mir weiterhelfen konnten. Im Moment war ich froh, so klar im Kopf zu sein. Da ich keine schmerzen mehr in meinem Bein hatte nahm ich keine Schmerztabletten mehr. Wlad zwang mich, für den Moment, auch nicht zu irgendwelchen Medikamenten oder Drogen. So war ich klar im Verstand. Arik hatte Recht behalten. Wlad wurde also unvorsichtig.
Beim Mittagessen war Wlad immer noch abwesend. Also ass ich nur wenig und ging wieder in mein Zimmer hinauf. Ich bereitete mich auf den Nachmittag vor. Als es an der Türe klopfte ging ich automatisch davon aus es sei Arik.
Freudig rief ich: „Nur herein!“
Doch zu meinem Erstaunen war es Wlad. Meine Augen vergrösserten sich vor Schreck.
„Wie hat dir die Bibliothek gefallen?“
„Oh…, schon zurück. Sehr gut danke. Eine überaus erstaunliche Sammlung an Bücher.“
Einen Moment lang war ich etwas unsicher ob Wlad wirklich nichts von unserem Experiment mitbekommen hatte. Ich lächelte ihn einfach weiter nett an. Ich durfte mir nichts anmerken lassen. Wir durften nicht auffliegen.
„Würdest du mir heute Abend in der Bibliothek Gesellschaft leisten? Du kannst dir selbstverständlich ein Buch aussuchen um zu lesen. Ich möchte gerne in der Bibliothek etwas entspannen. Mit dir zusammen.“
Damit hatte ich nicht gerechnet.
„Ähm, ja warum nicht. Danke.“
Wieder einmal lächelte er mich an. Langsam trat er auf mich zu und berührte meine Wange.
Liebevoll sprach er: „Hier habe ich noch einen Brief von deiner Mutter, sie hat sich über unser gemeinsames Foto sehr gefreut.“
Jetzt war ich aufgeregt und nahm den bereits geöffneten Brief gerne in empfang. Wlad zog sich leise zurück. Ich las den Brief hastig. Natürlich freute sich meine Mutter über meine geschriebenen Zeilen und war erfreut zu hören dass es mir bereits so gut ging. Das Foto von mir und Kiran behalte sie in ihrem Herzen. Sie erwähnte dass es ihr leid tat anfänglich gegen meinen zukünftigen Mann gewesen zu sein. Er sei herzlich in der Familie willkommen. Sie würde sich jetzt schon auf unsere Hochzeit freuen.
Ich presste meinen Kiefer zusammen. Alles was meine Mutter bekommen hatte war eine Täuschung. Schon bereute ich es zu tiefst, Wlad für heute Abend zugesagt zu haben. Ich seufzte auf und drückte den Brief an meine Brust. Wenn meine Mutter nur wüsste. Mein Gott, wenn sie es wüsste…
Etwas später tauchte Arik auf um mich abzuholen. Es erstaunte mich jedes Mal wie einfach er sich hin und her verwandelte. Ich setzte mich auf seinen Rücken und wir liefen einwenig umher. Ich lies meine Seele baumeln und fühlte mich frei. Endlich war ich für einen Moment wieder glücklich. Ohne diese gemeinsamen Ausritte hätte ich bestimmt längst schon den Verstand verloren und den Tod gewählt.
„Arik, ich möchte gern in dein Herz schauen. Bitt lass uns zur Kapelle gehen. Ja?“
Der grosse Wolf heulte kurz auf und brachte uns sicher zur Kapelle. Sofort wurde er wieder zu Arik. Fragend sah er mich einfach nur an. Ich war ihm eine Antwort schuldig. Jetzt und hier wollte ich nicht lange um den heissen Brei sprechen also kam ich direkt zur Sache.
„Ich weiss dass von dir und Juri… Eurem toten Baby.“
Sein Blick versteinerte sich. Der Gesichtsausdruck wurde hart. Er machte ein Paar Bewegungen und ich hörte seine Knochen knacken. War das wohl seine Interpretation von einem Nein?
Ich wollte mich nicht so rasch geschlagen geben.
„Bitte Arik, lass mich suchen. Ich brauche Gewissheit.“
Er sagte immer noch kein Wort. Sein Schmerz sass auch sehr tief. Genau so tief wie bei Juri. Doch das Band der beiden war noch nicht ganz gelöscht. Das konnte ich deutlich spüren. Ansonsten würden sie nicht derart reagieren.
Nach ein paar tiefen Seufzern nickte er mir endlich zu. Ich nahm meine Hand und legte sie auf seine Brust auf die Höhe seines Herzens. Ich spürte seinen schnellen Herzschlag. Praktisch der gleiche Rhythmus wie bei Kiran. Ein sehr rascher Herzschlag. Interessant. Wieder bemühte ich mich meine Gedanken zu verschliessen und mein Herz zu öffnen.
Arik alles was er war, sein wird, war Wadim…
Danach ging es wieder ziemlich schnell. Seine Bilder kamen sehr präzis und klar. Ich suchte nach Anhaltspunkten. Bei dem Baby kam ich gleich weit wie bei Juri. Auch hier waren die Bilder deutlich unscharf. Die gleiche Bilderfolge wie bei Juri. Sehr seltsam. Ich fand eigentlich keine Beweise die darauf deuteten dass Wlad für den Tod des Babys zuständig war. Daraufhin wurde ich noch neugieriger. Ich ging zurück bis in Ariks Kindheit. Der kleine Junge mit der schönen braunen Haut und den Schoko braunen Augen. Seine Haare schwarz und wild gelockt. Die Eltern von diesem Knaben brauchten Geld, sie verkauften ihn einfach. Menschenhandel, fuhr es mir durch Mark und Bein. Arik war ein Opfer von Menschenhandel. Richtige Beziehungen und Geld öffnen und schliessen für Wlad viele Türen. Arik war noch sehr klein als er zu Wlad kam. Wlad war wohl zur rechten Zeit am rechten Ort. Wlad bemühte sich erst gar nicht ein guter Vater zu sein. Dafür hatte er diesen hübschen kleinen Jungen nicht her geholt. Der kleine Junge hatte so grosse Angst dass kein Wort über seine Lippen kam. Ein verstörter kleiner Knabe an einem Fremden gefährlichen Ort. Wlad verschloss ihn im Keller. An einem geschützten Ort. Sonst hätten sich die Vampire ähnlichen Kreaturen über ihn her gemacht. Danach sah ich Unmengen Bilder von verschiedenen versuchen die Wlad mit dem Jungen machte. Wlad brauchte Unmengen von Blut. Blut von Vampiren und Blut von einigen Wölfen und Werwölfen. Alle Versuchs Kreaturen wurden vor den Augen des Kindes getötet als sie unbrauchbar schienen.
Was Wlad dem Jungen einflösste sah ich nicht genau. Ich sah nur wie sich der kleine Junge eines Tages zu verändern begann. Zuerst veränderten sich seine Augen, sie wurden hellgelb. Danach begannen die tief schwarzen Haare graumeliert zu werden. und bekam spitzige Reisszähne. Der hübsche kleine Knabe begann rasant zu wachsen. Er wurde unter anderem um seine Kindheit betrogen.
Einige Zeit später wollte Wlad dem Kind klarmachen was mit einem Vampir bei Tagesicht passiert. Wlad musste klein Arik ja weiterhin kontrollieren können. Deshalb stiess Wlad einen Vampir hinaus ins Freie. Der Vampir schrie auf und der Junge sah aus dem Fenster. Sah es mit eigenen Augen wie der Vampir verbrannte. Und als Wlad ihm drohte mit ihm dasselbe zu tun wenn er ungehorsam werden sollte, beschloss er nie, wirklich nie wieder ein Wort zu sprechen. Arik schwor es sich sozusagen selbst. Mit dieser unglaublichen Wut im Bauch konnte er sich zum ersten Mal verwandeln. Wlad öffnete die Tür als der Wolf vor ihm stand. Als Wolf durfte er also hinaus. Schlagartig wurde mir klar aus welchem Grund ich Arik nur in der Kapelle zur Gesicht bekam. Wlad liess Arik im Glauben bei Tageslicht nur als Wolf umher streunen zu können. Arik hatte also Angst er verbrenne im Tageslicht!
Ich machte kurz eine Pause und sah Arik an. Der grosse Mann sah mir in die Augen und nickte mir zu. Also durfte ich weiter suchen. Nun konzentrierte ich mich weiter und holte die restlichen Bilder hervor. Rasch lernte Arik damals sich hin und her zu verwandeln und wurde zu demjenigen der er jetzt ist. Er hat ein gutes Herz das am richtigen Ort sass. Mein Herz wurde schwer und ich brach die Verbindung unweigerlich ab als ich zu Boden sank. Ich stöhnte kurz auf da ich das gesehene auch zuerst verarbeiten musste.
„Mein Gott Arik du bist kein reines Wesen, du wurdest zu dem gemacht was du jetzt bist. Du warst ein süsser kleiner Knabe. Wlad ist wirklich ein Monster.“
Arik ging ebenfalls in die Knie und half mir hoch. Neugierig betrachtete er mich. Seine Neugierde war gross und er fragte noch etwas zurückhaltend: „Wie meinst du das?“
„Arik ich glaube du kannst ins Tageslicht. Ich denke Wlad hat dich schon dein ganzes Leben lang belogen, betrogen und manipuliert. Du warst ein ganz normales süsses kleines Kind, bevor Wlad dich zu dem gemacht hat was du jetzt bist. Also bist du kein reines Wesen und nach meinem Verständnis und Logik…“
Arik kniff seine Augen zusammen und sein Mund wurde schmal. Er sah hilfesuchend zur Türe dann wieder zu mir: „Bist du sicher?“
„Nein und doch auch wieder Ja…“, war meine ehrliche Antwort.
Hoffnung spiegelte sich in Ariks Gesicht.
„Elisa, ich bleibe hier stehen, öffne du die Türe einen Spalt und ich überlege mir dann was ich tun werde.“
Ich konnte verstehen was in seinem Kopf vorgehen musste aber ich konnte ihm diesen Entscheid nicht abnehmen. Ich gab ihm Hoffnung konnte sie aber nicht wirklich bestätigen. Es war nur eine Theorie. Die Entscheidung ob er sich trauen wollte ins Tageslicht zu gehen, musste er selbst treffen. Verwirrung war in seinem Gesicht zu lesen.
Was tat ich ihm da bloss an. Doch langsam öffnete ich die Tür einen kleinen Spalt. Einwenig Licht kam herein. Arik kam langsam einen Schritt auf mich zu. Zögernd hielt er eine Hand in das Licht. Ich sah wie seine Hand dabei zitterte. Es geschah jedoch einfach nichts. Die Hand blieb heil. Kein Feuer das entfachte. Erstaunt und mit weit aufgerissenen Augen sahen wir einander an. Arik wurde jetzt mutig und riss ruckartig die Tür ganz auf. Er schloss seine Augen und machte einen riesigen Satz nach draussen. Das forderte wohl seinen ganzen Mut und ich staunte dass er bereit war zu sterben.
Jetzt stand Arik im vollen Tageslicht. Sein Atem ging rasch und schwer. Er hielt seine Augen immer noch geschlossen. Man sah die grosse Anspannung an ihm. Sein ganzer Körper, jeder Muskel und jede Phase war angespannt. Er wusste genau, wenn es schief ging würde er jetzt sterben. Ich riss meine Augen ebenfalls automatisch auf und stand mit offenem Mund da. Auch ich war angespannt und voller Hoffnung.
Es schien, als erwarteten wir beide, dass Arik demnächst Feuer fing. Nichts, aber auch gar nichts geschah. Ich konnte sehen wie Arik seine Augen langsam öffnete. Arik sah mich, mit gemischten Gefühlen an und mir lief eine einzelne Träne hinunter.
Langsam ging ich auf ihn zu. Er atmete immer noch schwer und tief. Man sah seine aufsteigende Wut, er war so wütend. Ich hörte ihn mit seinen Zähnen knirschen. Wie gerne hätte Arik jetzt wohl laut los geschrien und seinen Gefühlen freien Lauf gelassen. In seinem Innersten wusste er jedoch dass es nicht ging. Er unterdrückte es und es musste ihn innerlich fast zerreissen. Endlich liess er sich in meine Arme fallen und gab seinen Gefühlen nach indem er zu weinen begann.
„Arik, du darfst deine Wut, Wlad nicht spüren lassen. Hörst du? Wenn der Zeitpunkt zum kämpfen gekommen ist, dann kannst du deine Wut an ihm raus lassen. Vorerst nicht. Ich bitte dich darum. Wenn es sein muss flehe ich dich auch an…“
„Ich werde mit euch kämpfen. Ich werde dir folgen egal wohin du gehst“, versicherte er mir.
Er sagte es wie ein Versprechen. Ich wusste ich konnte auf ihn zählen und ja, ich würde ihn nach Alaska mitnehmen. Keine Frage. Wir würden irgendwie einen Ausweis für ihn bekommen. Mit Kontaktlinsen müsste es hoffentlich irgendwie gehen. Doch nun mussten wir schleunigst zurück. Wlad war bestimmt schon unruhig und würde merken dass Arik wütend war. So rasch konnte Arik seine Wut nicht weg stecken. Ich beschloss die Wut auf mich zu laden. Irgendwie würde ich schon einen Ausweg finden. Nein, ich musste eine Lösung bereit haben. Anders ging es nicht. Als Wolf heulte Arik zwei drei Mal wirklich laut auf. Ich hörte darin die Wut die in ihm steckte. Wie ich vermutete stand Wlad bereits schon im Eingansbereich und wartete mit verschränkten Armen auf uns.
Wir waren alle drei sehr angespannt. Wütend funkelte Arik, Wlad an als er an ihm vorbei ging. Natürlich konnte er seine Wut nicht ganz unterdrücken. Ich verstand das ja. Inständig hoffte ich Arik würde nicht alles zu nichte machen. Arik der Wolf lies mich und Wlad einfach stehen und ging hinein. Er musste sich jetzt einfach zurückziehen. Er hielt es wohl keinen Augenblick länger hier draussen bei Wlad aus.
„Ich spüre und sehe Wut. Natürlich spüre ich auch eine Art Magie. Soll ich Arik fragen oder erklärst du es mir!“, sprach Wlad sichtlich gereizt.
Ich verdrehte die Augen: „Arik ist wütend auf dich weil du mich hier her gebracht hast. Ich glaube im Moment wäre er froh mir nicht begegnet zu sein.“
„Weiter…“ Wlad war sehr ungeduldig.
„Ja, ich habe meine Magie gebraucht und in seinen Kopf gesehen. Ich sah das tote Baby.“
Mehr brauchte ich wohl, für den Moment, nicht zu erklären. Es war noch nicht einmal gelogen. Wlad kam näher auf mich zu und stand jetzt ganz nah bei mir. Ich spürte seinen Atem.
„Was soll ich bloss mit dir machen, du bist ungehorsam.“
Er packte mich hinten im Haar und nahm sich einen Kuss. Ich versuchte mich zu wehren. Er hielt mich so gekonnt fest dass ich nichts ausrichten konnte. Auch meinem Gedankenstoss konnte er irgendwie ausweichen. Seine Küsse waren hart ohne Gefühl und ohne jegliche Liebe. Sie fühlten sich falsch an. Als er endlich von mir ab liess, blieb ich wie angewurzelt stehen. Ich spuckte auf den Boden. Er wusste genau dass es mir zuwider war. Siegessicher lächelte er mich an. Danach packte er mich am Handgelenk und zog mich hinter sich her. Ich humpelte so rasch ich konnte. Er zog mich hoch bis in mein Zimmer. Er schlug die Türe hinter sich zu und stiess mich auf das Bett. Ich wusste genau, mich zu wehren hat keinen Sinn. Also wollte ich das Ganze einfach über mich ergehen lassen. Reglos, mit zittrigen Beinen, lag ich da. Wlad beugte sich zu mir hin und küsste mich. Es ekelte mich an. Danach riss er mein Oberteil ein Stück weit auf und begann meinen Hals und zwischen meinen Schlüsselbeinen hin und her zu streicheln. Langsam legte er sich neben mich hin und fuhr mit einer Hand meinen ganzen Körper ab. Er streifte über meine Schenkel. Mir wurde schlecht und ich schloss meine Augen. Wlad streifte nochmals über meine Brust. Danach stand er auf und sagte mit einem gefährlichen unterton:
„Du hast gefragt ob ich dich liebe. Ich dachte wirklich es sei liebe. Dank deinem Ungehorsam weiss ich jetzt es ist etwas dazwischen. Mein Verstand rät mir mit dir zu machen was ich will. Ohne Rücksicht. Doch mein Herz begehrt dich und hat Geduld mit dir. Elisa ich werde dich bekommen. Beim nächsten Ungehorsam werde ich nicht mehr lange fackeln und werde meine eigenen Regeln brechen. Dann werde ich auf meinen Verstand hören. Ich werde dich einfach nehmen. Mit deiner Liebe oder ohne. Es wird mir dann so etwas von Egal sein. Was ich danach mit dir mache steht noch in den Sternen.“
Danach rauschte er aus dem Zimmer und ich musste mich übergeben. Ich begann zu weinen. Seine Drohung war klar verständlich. Alles an mir fühlte sich schmutzig an. Ich musste ganz dringend unter die Dusche und lies das Wasser laufen. Tatsächlich stellte ich mich mit samt den Kleidern darunter und weinte leise vor mich hin. Das Wasser lief mir über das weinende Gesicht.
Ich musste bald handeln. Egal ob ich wieder ungehorsam wurde oder nicht die Sache hier schien zu eskalieren. Er würde nicht mehr lange Geduld mit mir haben. So oder so! Er wollte mich bald. Wohl rascher als ich bereit war mich zu öffnen.
Das darauf folgende Nachtessen verlief ausgesprochen ruhig. Keiner von uns beiden begann ein Gespräch. Diese Stille in diesem Raum war sehr bedrückend. Ich konnte jedes Geräusch hören das es gab. Wie wir vom Teller assen oder einen Schluck von unserem Getränk tranken. Ich seufzte ziemlich laut auf. Als ich zu Ende gegessen hatte stand ich einfach auf und wollte mich zurückziehen als ich seine Stimme in meinem Rücken hörte:
„Elisa, in einer halben Stunde treffen wir uns in der Bibliothek. Sei pünktlich.“
„Das- ist -jetzt -wohl –nicht- dein Ernst!“, fauchte ich ihn fassungslos an.
„Natürlich ist es das. Du wirst mir Gesellschaft leisten. Falls du denkst du könntest dich mir widersetzten weißt du ja was dir blüht. Es liegt an dir was du daraus machen möchtest. Also sei pünktlich.“
Sein Blick verriet mir dass es ihm wirklich sehr ernst mit seiner Aussage war. Ich fand echt keine Worte mehr dazu und ging wütend und humpelnd hinaus.
Pünktlich erschien ich in dann in der schönen Bibliothek. Wlad reichte mir süss lächelnd ein Buch und ich setzte mich auf einen der bequemen Stühle. Ich hatte aber absolut keine Lust zu lesen. Darum sass ich nur da und hielt das Buch einfach nur fest und schloss meine Augen. Es interessierte mich nicht einmal was für ein Buch er mir gegeben hatte. Es war mir absolut Egal. Also lehnte ich mich zurück und wollte vor mich hin dösen. Trotzdem liefen lautlos Tränen meine Wangen hinunter. So langsam verlies mich meine Kraft und mein Durchhaltevermögen. So langsam hatte ich das Gefühl meinen Verstand zu verlieren.
Wlad liess im Hintergrund ein wenig Jazz Musik laufen. Musik war eine gelungene Abwechslung, sie lenkte ab. Tatsächlich tankte ich so ein klein wenig auf. Musik hatte ich schon so lange nicht mehr gehört und das war Balsam für meine Seele. Eigentlich spürte ich Wlads Anwesenheit gar nicht mehr, ab und zu hörte ich ihn blättern. Das war aber auch schon alles. Einige Zeit später hatte ich meine innere Ruhe wieder gefunden und sprach aus was ich dachte.
„Ich weiss das Arik das Baby nicht umgebracht hat. Leider kann ich es nicht beweisen.“
Da ich jetzt zu ihm rüber sah. Konnte ich sehen wie er langsam sein Buch schloss und auf die Seite legte. Danach sah er mich, fast liebevoll an aber lächelte dazu frech.
„Elisa es freut mich dass du zu deiner alten Form zurückgefunden hast. Ohne deine zynischen Worte ist es fast langweilig“, er lachte kurz auf, „es ist wie es ist. Ob du nun Beweise hast oder nicht ist mir egal. Ich hatte meine Gründe.“
„Wladimir du bist ein wirklich kranker Mensch. Warst du schon immer so?“, sprach ich seufzend.
„Ja ich war schon immer der Zeit voraus.“
„So nennst du das also. Wo ist bloss dein Herz auf der Strecke geblieben“, sprach ich wieder aus was ich dachte.
„Oh…, ich kann sehr liebevoll sein wenn mein gegenüber genau das tut was es soll.“
„Was du brauchst ist eine Maschine.“
Er schmunzelte vergnügt: „Auch die haben ihre Tücken.“¨
„Ich weiss nicht ob ich dich jemals lieben kann…“
„Hast du es denn schon einmal versucht?“
„Ich war kurz davor dich sympathisch zu finden.“
„Oh.“ Schien er nun doch überrascht zu sein.
Doch danach wurde nicht mehr gesprochen und ich durfte mich grosszügiger Weise in mein Zimmer zurückziehen. Anspannung lag aber definitiv in der Luft. Ab Morgen würde ein anderer Wind wehen. Das konnte man ganz genau spüren. Dafür kannte ich Wlad bereits gut genug.
Ich lag auf das Bett und begann mich auf mich selbst zu konzentrieren. Liegend wollte es nicht funktionieren also setzte ich mich aufrecht hin und konzentrierte mich wieder auf mich. Konzentrierte mich auf mein Herz und suchte meine Herzensmitte die sich so gut anfühlte: Alles was ich bin und sein kann war einfach auch Eve…
Langsam begann sich mein Herz zu öffnen und suchte nach meinem Seelenpartner Leon. Eine Geborgenheit nahm mich in Beschlag. Nach einiger Zeit trat ich aus der Dunkelheit hinaus. Aus der Dunkelheit traf ich auf weissen Nebel. Alles schien zunächst noch etwas schleierhaft zu sein. Endlich hatte ich es geschafft und löste mich nun von meinem Körper. Ein Gefühl von Freiheit und Glückseligkeit übermannte mich. Ich befand mich in einer Art Schwebezustand zwischen zwei Welten.
Und dann sah ich Kiran ganz genau, er stand Gedankenversunken, am Bach und schoss kleine Steine hinein. Als ich ihn sah begann ich zu lächeln. Mein Herz zog sich unweigerlich zusammen. Kiran schien zu überlegen und sah wirklich sehr nachdenklich aus. Der grosse attraktive Mann sehnte sich also auch immer noch nach mir. Das spürte ich ganz genau. Als Kiran mich dann auf der anderen Seite des Baches auf sich zukommen sah öffnete er seine Augen weit auf. Er machte ein erstauntes doch erfreuliches Gesicht. Seine Hand wollte so gerne nach mir greifen. Doch da gab es nichts zu halten, er griff durch mich hindurch. Etwas zögernd und ganz leise sprach er:
„Lis? Bist du das wirklich?“
Lächelnd nickte ich ihm zu. Ich konnte nicht mit ihm sprechen. Das überstieg meine Kraft noch etwas. Seine Stimme hörte ich auch etwas dumpf, aber ich konnte ihn deutlich hören. Das war mir im Moment das wichtigste. Meine Sehnsucht nach ihm war gross und wie gerne wäre ich ihm um den Hals gefallen. Leider war es nicht möglich. Ich schluckte meine Trauer hinunter und legte meine Hand auf seine Brust wo in etwa sein Herz lag. Ich spürte es tatsächlich etwas unterdrückt pochen. Hörte auch seinen schnellen regelmässigen Herzschlag. Es schlug immer noch schneller als meines. Es beruhigte mich irgendwie dass soweit alles beim alten war. Dann versuchte ich mich auf seinen Herzschlag zu konzentrieren. Als ich seine bedingungslose Liebe zu mir spürte fing ich an, ihm ausgesuchte Bilder zu zeigen. Ich zeigte ihm die Bilder an die ich mich erinnern konnte während der Reise aus der Schweiz. Vom Flughafen, im Flugzeug und die seltsame Sprache die hier gesprochen wurde. Alles was ich in meinem Drogenschleier während der Reise aufgenommen hatte. Als nach kurzer Zeit alle Bilder bei Kiran ankamen taumelte er leicht zurück. Er hielt seinen Kopf für einen Moment mit seinen Händen fest. Er war jetzt so wütend und ich vernahm ein Grollen aus seiner Kehle. Ein dumpfes dunkles Grollen. Er hat also die Bilder also gesehen.
Als er sich beruhigt hatte trat er ganz nah an mich heran und versprach wieder gefasst: „Du bist unglaublich. Egal wo du bist ich werde dich finden. Mach dir keine Sorgen, ich werde auf der Hut sein. Wo auch immer du steckst. Ich finde dich und hole dich zu mir zurück.“
Dankbar lächelte ich ihn an und verschwand wieder in dem weissen Nebelschleier. Kurze Zeit später öffnete ich meine Augen wieder und war beruhigt dass ich nicht von Wlad entdeckt wurde. Ausnahmsweise fühlte ich mich glücklich. Es kostete mich zwar viel Kraft und aus diesem Grund legte ich mich hin. Mit dieser wunderschönen Erinnerung an meinen Kiran schlief ich dann endlich einmal ein.
Der nächste Tag begann wie gewohnt. Frühstück!
„Elisa, auf deinem Zimmer wirst du Tabletten finden. Diese wirst du schön brav wieder einnehmen. Danach darfst du dich frei in den Räumen bewegen wie es dir beliebt“, sprach Wlad mit zuckersüsser Stimme beim Frühstück.
Ich sah ihm direkt in die Augen als ich sprach: „Ein: guten Morgen Lis, hätte mir an Konversation für heute völlig ausgereicht.“
Wlad lachte auf und war wieder einmal über meine Worte amüsiert.
„Tu einfach das was ich dir sage. Damit erleichterst du unser gemeinsames zusammen sein. Entschuldige die Drohung.“
„Geht es nicht ohne Tabletten?“
„Es ist nur zu deiner Sicherheit.“
Das Verstand ich jetzt nicht ganz, aber sagte nichts mehr. Manchmal fragte ich mich ob ich etwas bedauern mit ihm haben sollte. Ob man sein krankes Hirn auch heilen konnte. Könnte ich es heilen? Wohl eher nicht.
Als ich später im Zimmer Eintrag fand ich die versprochenen zwei Tabletten. Da ich die Wirkung der Tabletten nicht kannte, konnte ich nicht so tun als ob ich sie genommen hätte. So gut konnte selbst ich mich nicht verstellen. In diesem Moment war ich etwas in Sorge. Verzweiflung machte sich ein wenig in mir breit. Wäre ja zu einfach gewesen wenn es so weitergegangen wäre. Ich beschloss die einfach Tabletten zu teilen. Je eine hälfte der Tabletten würde ich einnehmen die andere musste ich im Badezimmer mit Wasser auflösen. Hätte ich sie die Toilette hinunter gespült, wäre die Möglichkeit zu hoch gewesen dass sie oben auf schwimmen würden.
Das auflösen mit Wasser funktionierte und ich spülte sie das Lavabo hinunter. Nun legte ich mich einwenig hin um auf die Wirkung der Tabletten zu warten. Auf das Ergebnis musste ich wirklich nicht lange warten. Sie machten mich unglaublich müde. Als ich mich zwang aufzustehen fühlte ich mich seltsamer weise leicht beflügelt. Als wäre ich leicht alkoholisiert. Auch mein Bein fühlte sich gut an. Ich konnte es durchaus richtig belasten.
Mein eigener Körper schien voll da zu sein, doch mein geistliches ich war etwas benebelt. Ich spürte eine seltsame Gleichgültigkeit in mir aufsteigen. Und das war erst die halbe Ration an Medikamenten. Aber Hallo!
Nun erinnerte ich mich daran dass Wlad sagte ich dürfe mich frei in den Räumlichkeiten bewegen. Das schien mir plötzlich eine gute Idee zu sein. Ich machte mich auf und ging beschwingt und lächelnd hinunter. Auf der untersten Treppenstufe angekommen setzte ich mich hin und starrte einfach mal so die Eingangstüre an.
Keine Ahnung wie lange ich da gesessen hatte. Ich musste zwischendurch eingeschlafen sein. Denn ich erwachte nur weil jemand an mir rüttelte. Ich riss erschrocken die Augen auf. Es war Arik der mir ein Zeichen gab dass er hinaus gehen wolle. Ich überlegte kurz ob das was für mich war und ging dann mit ihm mit. Doch heute machte es mir nicht so Spass wie die Tage zuvor. Ich lies mich einfach Wortlos treiben.
Arik führte mich natürlich zur Kapelle und zeigte mir ein kleines Grab darauf stand der Name: Slawa.
Langsam begriff ich was mir Arik da zeigte, es war das Grab seiner kleinen Tochter. Endlich war ich einwenig wach gerüttelt und sah ihn mit traurigem Blick an. Arik sah mich ebenfalls seltsam gerührt an und fuhr mir über mein Haar als er sprach:
„Was gibt dir Wlad bloss für seltsames Zeug? Musstest du heute etwas einnehmen?“
Ich nickte ihm belustigt zu.
Die Situation war zwar nicht lustig, ich konnte aber nicht anders.
„Bitte entschuldige. Ja, ich muss Tabletten nehmen, ich geh davon aus dass es irgendwelche Drogen sind die er mir da hin legt. Ich versuche schon nur die hälfte davon zu nehmen. Wobei ich nicht einmal weiss ob er sogar das mit ein berücksichtigt hat…Bei ihm weiss man ja nie.“
Ich lächelte immer noch seltsam vergnügt vor mich hin. In Ariks Gesicht las ich etwas Verzweiflung. Er kam näher auf mich zu und nahm mich besorgt in den Arm.
Ja das tat gut, endlich etwas Geborgenheit. Warme starke Arme die mich da umschlossen. Nun war ich nicht mehr belustigt. Arik holte mich mit seiner Wärme in die Realität und ich war eigentlich auch eher in Sorge. Ich wollte jetzt sofort zurück in mein Bett. Ich brauchte meinen schlaf. Also brachte mich Arik wieder anstaltslos zurück und ich schlief rasch ein.
Das Mittagessen verschlief ich einfach. Doch am späten Nachmittag wachte ich dann sehr hungrig auf. Immer noch Müde aber beflügelt ging ich hinunter. Wlad sah mich amüsiert an. Sein Lächeln war äusserst symphytisch.
„Wie geht es dir?“ Wollte er wissen.
„Ehrlich…, ich bin extrem müde“, schon gähnte ich wieder. Ich rieb mich in den Augen, dass konnte doch nicht wahr sein. Was war bloss mit mir los. So muss sich wohl ein Tier fühlen dass sich auf den Winterschlaf vorbereitete.
Wlad bat darum dass ich nach dem Essen in die Bibliothek nachkommen sollte. Er würde gerne etwas Zeit mit mir verbringen. Die Gleichgültigkeit von mir war wieder da. Es war mir egal, warum also nicht. Eigentlich war ich mir ziemlich sicher dass ich dabei wieder einschlafen würde. Ging davon aus dass ich heute keine gute Gesellschaft für Wlad war. Sparte mir doch die Mühe es ihm zu erklären. Das hatte er dann eben davon!
Später in der Bibliothek, sass ich wirklich einfach da wie ein Schluck Wasser. Wieder mit einem Buch auf dem Schoss dass ich zuvor noch nicht einmal angesehen hatte. Ich hörte der Musik im Hintergrund zu. Es war schöne beruhigende Musik die ich noch nicht kannte. Ab und an hörte ich Wlad das Buch umblättern. Bevor ich es vergessen oder einschlafen würde wollte ich ihn noch etwas fragen und wandte meinen Blick zu ihm hin.
„Du hast doch mal von einem Vasall gesprochen. Was meintest du damals er sei für die Entstehung der Vampire verantwortlich?“
Wieder sah ich wie sorgfältig er das Buch zusammenklappte und auf die Seite legte. Ich gähnte auf und rieb mir wieder in den Augen. Er stand auf und rückte seinen Stuhl etwas näher an mich heran. Nun machte ich grosse Augen. Das schien wohl eine längere Geschichte zu werden. Also versuchte ich mich auch etwas aufzurichten. Wlad sass mir direkt gegenüber und begann langsam und deutlich zu erklären.
„Nun, wie gesagt ich Lebe schon einige lange Leben. Vasall traf per Zufall auf etwas Ähnliches wie ein Vampir. Das Wesen war weder richtig Mensch noch richtig Tier. Er traf also auf ein Wesen dass zufällig menschliche Gestallt hatte. Doch die Eck-Zähne von diesem Wesen waren stark ausgebildet. Vermutlich war es ein Wesen von einer Verpaarung zwischen Mensch und Tier.“ Igitt schoss es mir durch den Kopf aber behielt es für mich. Ich hörte Wlad weiter zu: „Sicherlich ein riesiger Zufall dass Vasall auf dieses Wesen gestossen war. Doch das gefiel Vasall so sehr dass er begann zu experimentieren. Dieses Wesen nahm er bei sich auf und bastelte so lange an ihm herum bis dieses sich nur noch von Menschenblut ernähren musste. Glücklicherweise konnte sich dieses Wesen verpaaren. Daraus entstanden wieder so etwas wie Blutsauger und Vasall experimentierte so lange bis diese sogenannten Vampire entstanden. Du kannst dir nicht vorstellen wie aufregend das alles war.“
„Du bist krank.“
„Soll ich weiter erzählen oder hast du schon genug gehört dass du mich unterbrichst?“
„Entschuldige“, sprach ich und machte einen Schmollmund.
Wlad lächelte und sprach weiter: „Vasall verpaarte die verrücktesten Sachen. Es entstand nicht nur gutes dabei. Diejenigen die wir für unsere Zwecke noch brauchen konnten liessen wir am Leben. Die anderen wurden geopfert, der Forschung wegen.“
Angeekelt sah ich ihn an. Nein dass konnte ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Für solch grässliche Taten fehlte mir jegliche Art von Vorstellungskraft.
Wlad strich mir kurz übers Haar und ich liess es zu. Mein Körper reagierte nicht auf Wlad obwohl mein Verstand innerlich aufschrie. Was war bloss mit mir los.
Wlad sprach weiter: „Anfangs konnten sich die Wesen ohne Mühe bei Tageslicht zeigen. Ihre Mordlust war gross. In dieser Zeit war es etwas schwierig sie im Zaum zu halten. Wir wählten immer den stärksten aus der die anderen unter Kontrolle hatte. Dieser musste uns jedoch gehorchen. Wie sich herausstellte waren die Männlichen Wesen sehr angetan von hübschen Frauen. Also benutzten wir die wirklich schönen Frauen für unsere Zwecke um die Wesen noch gefügiger zu machen. Wir machten sie sozusagen abhängig und steuerten die sogenannten Vampire. Sex und Drogen passen wirklich hervorragend zu Vampir ähnlichen Wesen.“ Dann machte er eine Pause und sah mich fragend an.
„Ist etwas?“, wollte ich wissen.
„Nein, ich erzähle dir den Rest meiner Kurzfassung: Doch das alles war noch zu einfach. Für die Menschheit mussten diese Blutsauger mystischer und gefährlicher sein. Also wurde so lange experimentiert bis das Blut so vergiftet war dass die Wesen bei der kleinsten Berührung von einem Sonnenstrahl verbrannten. Eine sehr komplexe Mischung des Blutes war dafür nötig. Es war schon fast kein wirkliches Blut mehr das diese Wesen im Kreislauf hatten. Und wenn sie dich gebissen hatten, wurde man davon infiziert. Es gab kein Entrinnen. Kein Mensch wusste woher diese Kreaturen stammten. Vasall war ein braver Kirchen gänger und war ein geschätzter und beliebter Mann in der Gemeinde. Ein wahrer gläubiger.“
An diese Erinnerung geheftet lachte Wlad kurz auf bevor er weiter fuhr: “Je mehr dieser Blutsauger auftauchten und die Menschen sozusagen vergifteten, gingen die Menschen vermehrt in die Kirche. Um von Gott zu wissen wie man sich schützen sollte. Es war ein Leichtes Spiel in diesen Mythos noch Kreuze und Knoblauch rein zu bringen. Auch wenn diese Hilfsmittel nie nützlich waren. Es war eine sehr spannende Entwicklung vom Mythos Vampir. Es war wie die Geburt eines eigenen Kindes.“
So langsam war ich wieder wach.
„Schön und gut. Doch was hattest du damit zu tun?“
„ Damals war ich Vasalls Gehilfe. Ich selbst spürte als Knabe schon grosse Magie in mir. Als ich bei Vasall aufgenommen wurde konnte ich in Ruhe lernen und konsumieren. Und ich lernte schnell. Ich wurde stark und begriff rasch dass ich mehr Kräfte als Vasall besass. Meine Magie war noch einiges dunkler als die von Vasall. Eigentlich war ich derjenige der alles ausführte. Nenn es ruhig meine kranke Fantasie. Das ist mir egal. Meine Macht schien fast grenzenlos. Als ich bemerkte dass ich mich in eine andere Person verwandeln kann, war es für mich persönlich ein Segen. Damit öffneten sich alle ersehnten Möglichkeiten. Vasall hat sich also schlussendlich für mich geopfert…, wenn du so willst!“
„Oh, mein Gott.“ War ich angewidert.
„Gott hat wohl gar nichts hiermit zu tun.“
Mein Mund stand immer noch offen und war ausgetrocknet.
Wlad lächelte mich an. lies mich aber aufstehen und verwirrt gehen.
Er hatte die Vampire erschaffen!
Er hatte sie zu Wesen der Nacht gemacht!
Alles was ich bis jetzt darüber gehört, gelesen oder im Film gesehen habe war falsch. Alles nur Mythos! Nichts davon war annähernd Richtig. Er war der Vater des wirklichen Unheils.
Ich versuchte die Zusammenhänge zu kombinieren. Also konnten die Vampire eigentlich ans Tageslicht so wie Mona und Ben. Zwar nicht ganz so unbeschwert, aber es ging. Ausser denjenigen die er so weit genmanipulierte bis sie nicht mehr ans Tageslicht konnten. Dadurch bekam er ja wieder Macht über sie. Was für ein krankes Hirn steckte doch in ihm. Natürlich musste es einige Vampire gegeben haben die sich von ihm gelöst hatten. Irgendwie schafften sie es wohl zu entkommen. Mona und Bens Geschichte müsste ich wohl auch mal von Anfang bis zum Ende hören. Vielleicht kannten sie sich ja womöglich! Deswegen war Wlad also auf der Suche nach anderen Wesen. Er wollte wieder die vollständige Kontrolle aller Wesen.
Nach diesem Erlebnis wollte ich nur noch eines; in mein Bett. Irgendwie wurde ich diesen Dauerzustand an Müdigkeit nicht los.
Die folgenden Tage liefen gleich ab: Frühstück, Medikamente, und Müdigkeit. Mein Körper schien noch einigermassen zu funktionieren. Doch mein Geist trifft immer mehr ab und die Gleichgültigkeit nahm die Oberhand. Manchmal konnte ich gar nicht einschlafen und sass stundenlang in der Bibliothek. Ich begann wissbegierig Bücher zu lesen. Die meisten handelten von Hexen oder der gleichen. Ich musste lernen was es heisst eine Hexe zu sein. Ab und zu genehmigte ich mir eine Literatur eines bekannten Schriftstellers. Ich las sogar Romeo und Julia von William Shakespeare. Es gab sogar Tage da stieg ich einfach in die Gewölbekeller hinunter um mich etwas um zu sehen. Ich ging an den Vampiren vorbei die mir seltsamer Weise nicht einmal mehr Beachtung schenkten. Sie schenkten mir gar keine Aufmerksamkeit, so als wäre ich gar nicht anwesend.
Als ich Juri und Arik mal danach ansprach sagten beide unabhängig von einander: „Keine Ahnung was Wlad dir da für Tabletten verabreicht. Aber du stinkst etwas. Kein Vampir würde in Versuchung kommen dich anzurühren.“
Natürlich verstand ich sofort was Wlad mir damit nahm. Nun konnte ich mich nicht einmal mehr von einem Vampir wesen hinrichten lassen, falls ich keinen Ausweg mehr sehen würde. Wlad nahm mir sogar diese eine letzte Hoffnung mein Leben selbst zu bestimmen. Das fand ich jetzt wirklich fies!
Also drehte ich weiter meine Runden in diesem sehr schönen alten Anwesen mit Gittern vor den Fenstern. Ich war langsam aber sicher eine Lebende Hülle eines umher wandelnden Wesens das nicht genau wusste wo ihr Platz war. Ich war eine suchende ohne direktes Ziel.


In der Zwischenzeit bei Kiran


Nach dem Erlebnis mit Lis am Bach rannte Kiran sofort zu Joe und erklärte ihm, sie müssen sofort ins Camp zurück. Joe verstand nicht wieso Kiran so aufgebracht war.
„Kiran, weshalb? Komm wir überstürzen jetzt wirklich nichts. Es läuft so gut für uns.“
Kiran sah Joe streng an.
„Joe, bitte hab zur Abwechslung wieder mal etwas Vertrauen in mich. Es geht mir gut. Ich habe keine Lust mein Anliegen zwei drei Mal zu erzählen. Wir müssen ins Camp. Ich gehe jetzt mit oder ohne dich…, Freund!“
Joe zog seine Augenbraue hoch und gab sich geschlagen. Kiran verabschiedete sich flüchtig von Suck. Schon war er auf dem Weg ins Camp. Joe hatte noch keine Ahnung was zuvor Geschehen war. Er tappte also absolut im Dunkeln. Trotzdem folgte er jetzt Kiran so rasch er nur konnte. Etwas ausser Atem kamen die zwei im Camp an. Alle waren bereits im Aufenthaltsraum. Da Kiran alle im Camp via Gedanken zuvor bereits informiert hatte. Er meinte in seiner Mitteilung es sei sehr, sehr wichtig. Alle sahen nun Fragen zu Joe und der zuckte nichts wissend mir den Schultern auf.
„Hey Leute, schaut mich nicht so an. Keine Ahnung was in ihm vor sich geht!“
Kiran hatte bereits wieder die Aufmerksamkeit.
„Ich erzähle euch gleich von meinem Erlebnis mit Lis. Zuerst verteile ich euch ein Blatt und Stift. Sie hat mir eine Sprache gezeigt die ich nicht kenne und Bilder die mir auch nichts sagen. Also wenn euch etwas von meinen Erzählungen begannt vor kommt: Schreibt es auf während ich erzähle und unterbricht mich nicht. Wir tauschen uns am Schluss aus.“
Kurze Zeit später begann Kiran zu erzählen. Kiran beschrieb die Begegnung mit Lis bis ins kleinste Detail. Wie er sie vor sich sehen konnte. Er sprach langsam und deutlich. Er hoffte er habe alles richtig wiedergegeben. Er beschrieb die Bilder so gut er konnte. Auch die vom Flughafen. Sprach die fremde Sprache, mit geschlossenen Augen um sich besser konzentrieren zu können. So wie Lis sie ihm zuvor erzählt hatte. Er beschrieb die Bilder des Anwesens in dem sich Lis befand. Versuchte zu erklären was und wie viele Kreaturen dort lebten.
Laufend schrieb jeder auf was er davon hielt oder dazu in den Sinn kam. Kiran sah die erstaunten Gesichter als er fertig mit seinen diversen Aussagen war.
Nun durften die anderen sprechen. Schlussendlich waren die Hinweise von Patrick und Ben ausschlaggebend. Patrick war schon viel in der Welt herum gereist. Für Patrick war es glasklar dass sie von Genf aus gestartet waren. Auch Ben und Mona, die schon ein Jahrhundert alt sein dürften, konnten Hinweise zur Sprache geben. Die beiden waren sich rasch über die Sprache einig. Also hatten sie relativ rasch herausgefunden in welches Land dieser Mistkerl Lis gebracht haben musste. Sie hofften allerdings dass sie auch wirklich noch dort war. Natürlich konnten sie von dort aus auch weiter geflogen sein. Sie müssten also auf gutes Glück los. Eine Garantie dass sie richtig lagen gab es keine. Sie hatten keinen Hinweis bekommen in welche Richtung sie Lis suchen mussten. Das stellte ein Problem dar.
Patrick war zuversichtlich dass er rasch Hinweise auf ein solch grosses Anwesen finden würde. Dafür war sein Privatdetektiv Büro zuständig. Die würden sicherlich einige Häuser ausfindig machen können. Mit Kiran und Joe‘s Spürnasen würden sie rasch herausgefunden haben in welchem Haus sich Lis aufhielt. Ein klein wenig Hoffnung machte sich in ihnen breit.
Steven war zwar noch etwas skeptisch: „Wir sind keine Armee. So wie ich verstanden habe sind sie in der Mehrzahl. Haben wir überhaupt einen Hauch von einer Chance?“
„Keine Ahnung.“ Schüttelte Kiran seinen Kopf: “Ich vertraue einfach auf Lis, sie hat einen Plan. Oder denkt zumindest sie hätte einen Plan. Du und Cam müsst nicht mitkommen. Euer Platz ist bei eurer Familie, die Kleinen kommen bald. Für Lis stehen die Schwangerschaften ganz oben auf der Prioritäten Liste“
Erklärte Kiran mit ruhiger gefasster Stimme und besorgtem Gesichtsausdruck.
„Wolfi, ich begleite dich. Wir werden die kleine da schon raus hauen. Vielleicht gehen wir auch alle drauf…“, sprudelte es von Joe nur so heraus und er meinte es so ehrlich wie er soeben gesagt hatte. Joe schien froh zu sein wieder eine Aufgabe zu haben. Patrick und Ben wollten auch mitgehen. Nur Paula hatte noch kein Wort dazu gesagt. Kiran sah besorgt zu Paula da er genau wusste Joe hatte sie eben übergangen.
„Paula, du bist keine Kriegerin, wenn du möchtest bleib hier. Es ist schwer den Partner ziehen zu lassen, ich weiss das nur zu gut. Es tut mir unendlich leid.“
Paula wusste genau was Kiran da gerade ansprach. Sie musste sich entscheiden ob sie hier bleibt oder mit Joe mitgehen wollte. Kiran musste Paula zusätzlich noch um etwas bitten.
„Paula…, bitte ruf Tori an und frag, ob sie mit uns mitkommt. Sie kann natürlich auch später auf uns treffen, das ist kein Problem. Ja nachdem wie die Flüge zusammenpassen.“
Paula seufzte auf und richtete ihren besorgten Blick von Kiran nun auf ihren Joe.
„Ich komme mit euch.“ Dann sieht sie Joe eindringlich an als sie monoton weiterfährt: “Falls du sterben solltest will ich bei dir sein und mit dir untergehen.“
Joe sah seine Paula liebevoll an und bekam bei ihren Worten Gänsehaut. Dann gab Joe, ihr einen liebevollen Kuss auf die Stirn. Joe konnte ihre Entscheidung nur zu gut verstehen. Nach allem was sie zusammen erlebt hatten, würden sie sich auch nicht mehr so rasch von einander trennen.
Genau genommen verstanden alle Paulas Entscheidung. Gerne nahm Kiran ihr Angebot an dass sie mitkommen wollte. Zurück im Camp blieben Mona, Jo, Cam und Steven mit ihren Frauen. Eine gute und weise Entscheidung. Natürlich blieb Kiran nicht verborgen wie schwer es für Mona war ihren Sohn und ihren Bruder gehen zu lassen. Zumal der Ausgang dieses Kampfes nicht vorhersehbar war. Mona war jedoch klug genug um zu begreifen wie wichtig diese Lösung war. Also schluckte sie ihre Trauer einfach hinunter.
Patrick meldete sich nach dem Gespräch umgehend bei seiner Privatdetektei und gab durch nach was sie zu suchen hatten. Danach musste er noch seine Frau anrufen. Kiran war etwas besorgt. Für seine Mutter war es auch alles andere als leicht so lange von seinem Vater Patrick getrennt zu sein. Gerne hätte er ihr das erspart. Er musste mit seinem Vater unbedingt noch was klären. Er nahm seinen Vater draussen kurz auf die Seite.
„Vater, du musst nicht mitkommen. Mutter muss nicht so leiden. Es wird schon gehen. Falls sie um mich zu trauern hätte wäre das schon genug…“
Weiter kam Kiran nicht da Patrick ihm ins Wort viel: „Junge, sie versteht es. Deine Mutter und ich haben uns für diesen Weg entschieden. Leider hat sie keine Begabung wie Lis. Deswegen steht sie ab und an mal etwas im Abseits. Glaube mir, sie wird wollen dass ich mit euch gehe. Wir brauchen jeden verfügbaren Mann an der Front. Ansonsten macht es keinen Sinn los zu ziehen.“
Patrick legte eine Hand auf Kirans Schulter ab um seinen Worten mehr an Gewicht zu verleihen und Kiran nickte seinem Vater dankend zu. Auch Kiran würde etwas später noch mit seiner Mutter telefonieren wollen.
Paula hing auch am Telefon mit ihrer Schwester Tori und Ben wollte sich um die bevorstehenden Flüge kümmern. Kiran beschloss nochmals in den Wald zu Suck zu gehen. Also rannte er am nächsten Tag schnellstmöglich wieder zu Suck. Er fand Suck rasch, oder fand Suck eher Kiran?
„Hallo Kiran, zurück?“, fragte Suck belustigt.
„Suck ich brauche deine Hilfe. Wir müssen gegen Vampir ähnliche Kreaturen kämpfen um Lis da raus zu holen wo sie jetzt ist. Paula und vielleicht Tom sind keine Kämpfer und daher stark benachteiligt. Könntest du mir eine Waffe für sie mitgeben? Darf aber kein Eisen sein da wir damit nicht durch den Flughafenzoll durch kommen. Ich möchte sie nur nicht so hilflos in den Kampf schicken“, sprach Kiran besorgt und ratlos.
„Sorgen um die Familie.“ Schien Suck zu verstehen.
Doch Suck wollte zuerst Antworten was denn los war. Also holte Kiran weiter aus und erklärte von seinem erstaunlichen Erlebnis mit Lis unten am Bach. Suck kniff sein ganzes Gesicht zusammen. Er rümpfte seine Nase die sich kräuselte.
„Lis wird stärker. Gut. Wer führt die Kreaturen an?“
Kiran schüttelte den Kopf und zuckte mit der Schulter auf.
„Phu…, ich denke dieser…, wie nannte sie ihn…, glaube er heisst Wladimir!“
„Ohohoh… das nicht gut. Wlad böse Magie. Einer der ältesten Magiern.“
„Einer der ältesten? So wie Marius?“
„In etwa“, stürzte Suck seine Unterlippe.
Und Kiran schien sich zu fragen wie alt denn Suck eigentlich war dass er das alles wusste. Doch hier und jetzt war nicht die Zeit um solche banalen Dinge zu klären. Suck schien zu überlegen und wippte hin und her.
„Du wirst dich ihm direkt stellen müssen. Er will dich um jeden Preis vernichten. Schwieriger Kampf. Wlad wird er kein einfacher Gegner. Du musst auf der Hut sein. Er ist sehr wandelbar.“
Kiran wusste bereits dass Wlad seine Gestalt annehmen konnte. Was also meinte Suck mit seiner Aussage…
Sucks Gesicht hatte strenge Gesichtszüge als er weiter sprach:
„Kiran, du bist was du bist. Oder du wirst was du sein kannst. Wlad scheint zu sein was du siehst. Daran musst du denken beim Kampf. Er wird niemals deinen Platz einnehmen könnten wenn du es nicht zulässt.“
Wieder einmal sprach der Zwerg für Kiran in Rätsel. Doch Kiran hatte gelernt das Sucks Sprüche ab und an Sinn ergeben. Er musste sich nur die Worte einprägen. Woher Suck diesen Wlad wohl kannte bekam er heute wohl auch nicht mehr mitgeteilt. Kiran musste von Suck nehmen was er bekam.
Kiran versprach: „Ich werde darauf achten.“
„Ich suche nach Waffe. Brauche etwas Zeit. Bleib hier.“
Mit diesen Worten verschwand Suck und Kiran blieb fragend zurück. Kiran lief umher. Gefolgt von den Tieren hier im Wald. Er dachte darüber nach was Suck gerade gesagt hat: ich bin was ich bin. Wlad scheint zu sein was ich sehe….
Schlussendlich ging Kiran an seinen Lieblingsplatz beim Bach. Wieder folgtem ihm einige Hasen und Kojoten. Doch Kiran nahm kaum Notiz von ihnen. Er war so in seinen Gedanken Versunken. Dieser Platz am Bach beruhigte ihn sehr. Es war hier friedlich und das Wasser hatte eine überaus beruhigende Wirkung auf ihn. Er liebte es der Strömung des Baches zu folgen. Mal kam ein Vogel vorbei um zu trinken oder ein Wasserbad zu nehmen. Auch grössere Tiere fanden sich hier friedlich ein. Manchmal sah er ein Blatt auf dem Wasser die Strömung hinunter zu treiben. Es war so spannend dass er gerne dabei die Zeit vergass. An diesem Einzigartigen Ort hatte er gelernt sich in Griff zu bekommen. Der seltsame Entzug verlief an diesem wunderbaren Ort relativ unproblematisch. Zwischendurch hatte er schon mal seine Hänger und rastete aus. Das bedeutete das er als Wolfsmensch los zog und beute riss! Blutrausch…
Ohne die Wesen an diesem friedlichen Ort wäre es ihm und Joe niemals gelungen wieder den inneren Frieden zu finden. Auch Joe war ihm noch mehr ans Herz gewachsen und ein teurer Freund geworden. Dank diesem Ort hier riss das Band zwischen ihm und Lis noch nicht ab. Er alleine hätte vermutlich schon längst aufgegeben und wäre endgültig zum Biest geworden. Doch hier schöpfte er neuen Mut und Kraft und wurde jetzt dafür belohnt. Irgendwie…
Egal was kommen würde. Er wollte mit Lis untergehen oder mit ihr weiter Leben. Egal in welche Richtung es ging, Hauptsache er würde sie noch einmal sehen.
Wie es ihr wohl ging? Was hat der Typ ihr angetan?
Kiran wusste dass Lis ihm niemals alles mitteilen konnte. Die ganz schlimmen Dinge würde sie wohl für sich behalten haben damit er hier nicht durchdrehen würde. Er wusste es ganz genau. Kiran seufzte auf und schloss für einen Moment die Augen. Sein Herz schmerzte ein wenig und wurde schwer. Er sehnte sich so nach ihr.
Langsam konnte er nachvollziehen wie es Lis ergangen sein musste als er damals mit seinem Vater weg war. Er liess sie damals einfach im Stich. Er blieb weg und hatte keine Antworten für sie. Wie machtlos sie sich gefühlt haben musste verstand er heute. Damals musste er sich als Werwolf finden und brach fälschlicher Weise den Kontakt zu ihr gänzlich ab. Damals wusste er es nicht besser und war zu beschäftigt mit sich selbst.
Er fragte sich ob ihr gemeinsames Leben so schwierig und gefährlich bleiben würde? Wer wusste das schon, darauf gab es keine Antworten.
Er wollte für sie da sein und wollte sie beschützen. Doch er hatte gänzlich versagt. Mit dieser Schuld konnte er immer noch nicht ganz umgehen. Schlussendlich sass er hin und lehnte sich an einem der Bäume an. Dabei schlief er ein wenig ein.
Kiran erwachte da ihn ein Kojote liebevoll das Gesicht ableckte. Kiran rümpfte seine Nase. Dieser Kojote konnte von Glück reden dass hier eine friedliche Stimmung herrschte und er zu Neck gehörte. Ansonsten hätte er ihn wahrscheinlich getötet. Der Kojote war für ihn höchstens ein kleiner Snack nebenbei. Kiran fauchte den Kojoten kurz an und der begann sofort zu winseln. Kirans Mundwinkel zuckten vergnügt.
Aber wo dieser Kojote war konnte Neck auch nicht weit sein. Tatsächlich sass dieser niedliche Elf direkt neben ihm. Neck war ein lustiger Zeitgenosse. Kiran hatte noch nie ein Lebewesen getroffen dass so viele Streiche im Kopf hatte. Neck war immer fröhlich, nie hörte man ein böses Wort. Man konnte sich seiner Fröhlichkeit nicht entziehen. Ein Lebewesen dass voller Liebe war. Kiran stupste Neck nun sanft an. Neck kicherte und sah zu Kiran hoch.
„Sei lieb zu meinem Reittier. Rettest du jetzt Lis?“
„Wenn ich es kann, tue ich es.“
„Und wenn du es nicht schaffst?“
„Dann sehen wir uns heute hier wohl zum letzten Mal.“
Neck rümpfte seine Nase und kniff die Augen eng zusammen.
„Das ist nun wirklich keine gute Idee. Dann streng dich gefälligst einwenig an. Ihr seid seltsam, trotzdem: Ich mag dich.“
Kiran kicherte kurz.
„Wir sind doch alle auf die einte oder andere Art seltsam. Ich mag dich auch kleiner Kerl.“
Neck fand dieses Gespräch nett und stupste Kiran nochmals an. Kiran schmunzelte in sich hinein da er Neck kaum spüren konnte. Neck wollte mit seinem Kojoten weiter ziehen als er sich nochmals zu Kiran umdrehte.
„Oh Kiran…, diese Blätter soll ich dir noch von meiner Mutter bringen. Egal in welchem Zustand Lis sein wird. Drück sie ihr einfach in den Mund, sie werden ihr dann helfen.“
„Genau so hat sie das gesagt. Ja?“, zog Kiran seine Augenbrauen hoch und lächelte.
„In etwa... Bis bald“, kicherte Neck belustigt und schwang sich auf seinen Kojoten.
Ein hübsches Bild gaben die zwei ab. Sie harmonisierten sehr gut. Kiran roch an den Blättern und glaubte einfach daran was ihm darüber gesagt wurde. Auch wenn die Blätter nicht helfen konnten, schaden würden sie Lis bestimmt nicht. Kiran wusste er hatte sich verändert. Dieses Blut hat aus ihm etwas Seltsames gemacht. Er fühlte die seltsame Kraft ihn ihm. Es war nicht nur das Werwolf Wesen, da war noch etwas anderes das er noch nicht ergründet hatte. Kiran fand das Ganze etwas Skurril. Er sah seine Hände an. Sie waren gefährlich und konnten tödlich sein. Längst reichte es ihm nicht mehr aus die Tiere im Wald zu reissen. Neuerdings brauchte er tatsächlich auch deren Blut. Er riss die Tiere um des Fleisches wie des Blutes willen. Er hasste diesen Zustand mehr als er zugeben konnte.
Jo hatte ihm nochmals Blut abgenommen und getestet. In Kiran blieb ein Restlicher Anteil eines Vampires. Was war bloss aus ihm geworden? Er war eine Bestie. Irgendeine Wolf-Vampir Kreatur die er selbst noch nicht genau kannte.
Dann wichen Kirans Gedanken zurück zu Lis. Er fragte sich was geschehen wird wenn sie diesen Kampf überleben werden. Musste er sich wirklich daran gewöhnen auf seine kleine Hexe aufzupassen!? Würde das ein Leben lang so weitergehen!? Er hoffte nicht und würde mit aller Kraft versuchen das Unheil von ihnen fern zu halten.
Es musste einiges geklärt werden. So wie die Dinge sich verändert hatten war er nicht mehr der Meinung sie sollten andere Wesen aufspüren und je nachdem unschädlich machen. Diesen Plan schmiedeten sie bevor die Dinge sich so zugetragen hatten. Sie müssten einen anderen Weg finden um miteinander in dieser verrückten Gemeinschaft zu leben. Doch zuerst musste er Lis finden um sie endlich wieder in seine Arme schliessen zu können.
Kiran war so in seinen Gedanken versunken dass er gar nicht bemerkte dass Suck bereits schon eine Weile neben ihm Stand. Seine Sinne spielten ihm an diesem Ort einen Streich. Doch daran hatte er sich schon gewöhnt. Suck konnte sehr geduldig sein. Erst als Suck begann zu sprechen löste Kiran sich von seinen Gedanken.
„Kiran es ist schwierig. Vampire sollte man einfach den Kopf abschlagen und das Herz raus reissen. Ist ein Schwert zu gross?“
Kiran nickte zustimmend.
Also fuhr Suck ernst weiter: „Hier zwei Dolche. Sind sehr, sehr scharf. Kein Metall.“
Suck übergab die sehr kurzen Dolche Kiran. Die Dolche waren wirklich sehr leicht. Sie sahen aus als wären sie aus einer Art Stein gemacht der funkelte. Kiran fuhr ganz leicht darüber und schnitt sich sofort. Der schnitt brannte fürchterlich. Eine kleine Stichflamme brannte auf. Als die kleine Flamme erlischt sah Kian verwundert zu Suck.
„Au…, aus was?“
Suck grinste frech über sein ganzes Gesicht als er antwortete:
„Eines der Geheimnisse eines Zwerges.“
Kiran zog die Augenbrauen hoch und bedankte sich für die beiden Dolche. Die doch sehr effektiv waren. Danach verabschiedete er sich von Suck. Suck mahnte Kiran nochmals an seine Worte zu denken.
Kurze Zeit später war Kiran wieder auf dem Weg ins Camp. Dabei begegnete er einem Hirsch und er war kurz drauf und dran sich der Jagt hin zu geben. Doch Kiran besann sich eines besseren und lies das Tier ziehen.
Dann machte sich Kiran zuerst auf den Weg in seine kleine Blockhütte. In der Hütte nahm er wieder einmal das Foto von Lis und ihm in die Hand. Ja, sie würden sich bald wieder sehen. Daran musste und wollte er einfach festhalten.
Frisch geduscht ging er danach in den gemeinsamen Aufenthaltsraum. Da stiess er auf seinen Vater und Ben. So wie er und Joe waren auch sie zwei Freunde geworden. Was für eine verrückte Verbindung.
„Kiran, da bist du ja wieder. Morgen geht die Reise bereits los. Der Flug ist gebucht und Tori wird fast gleichzeitig zu uns stossen“, erklärte Patrick sachlich seinem Sohn.
Patrick trat auf seinen Sohn zu und legte ihm eine Hand auf die Schulter.
„Junge, mach dir nicht zu viele Gedanken. Es wird kommen wie es kommen muss. Unsere Firma hat drei Anwesen in Betracht bezogen auf die unsere Beschreibung passt. Sie werden mir heute noch die Bilder faxen.“
„Drei Anwesen sind gut. Die haben wir rasch abgeklappert“, ergänzte Ben.
Kiran nickte zustimmend. Er war froh dass sein Vater hier bei ihnen war. Patrick war natürlich eine grosse Hilfe.
„Vater, was ist mit Mutter? Wie geht es ihr?“, fragte Kiran sehr besorgt.
„Sie ist über alles informiert. Natürlich macht sie sich Sorgen. Auch um dich. Nach dem Kampf werde ich so rasch als möglich nach London zurück fliegen. Du verstehst…“
Kiran nickte wortlos. Patrick lächelte Kiran liebevoll an und Kiran verstand nur zu gut. Patrick und Ben hatten noch ein zwei Dinge zu erledigen und gingen hinaus. Kiran wurde bewusst das alle hier im Camp grosse Kompromisse eingingen. Es war für alle nicht einfach diese Schritte zu gehen. Doch sie taten es bedingungslos, ohne wenn und aber. Kiran wusste dies zu schätzen. Kiran nahm sich ein Bier, gleichzeitig ging die Eingangstür auf und Joe streckte seinen Kopf herein.
„Hey Wolfi, man riecht dich ja meilenweit. Lust auf eine Rauferei?“
„Vamp, nein danke. Heute lieber nicht“, stöhnte Kiran auf denn er war zu aufgewühlt.
Joe trat herein und ging auf seinen Freund zu.
„Was ist los mit dir? Bist du nervös?“
Kiran gab Joe einen Stoss als er sprach: „Nervös, ich? Pha…! Unruhig trifft es am besten. Kann ich dich was fragen?“
„Logo.“
„Hast du als Vampir nie das Bedürfnis Lis zu beissen?“
„Höchstens im Zusammenhang mit Sex.“ Gab Joe grinsend zur Antwort.
„Idiot. Nein, ernsthaft hast du nie das Bedürfnis einen Menschen zu beissen?“ Kiran kratzte sich verlegen am Hinterkopf. Er wusste dass sich die Frage blöd anhören musste.
„Ich werde gut mit Blut versorgt. Ich musste noch nie hungern, also kann ich dir darauf keine richtige Antwort geben. Ob ich Paula beisse… Wie gesagt im Zusammenhang mit Sex kann das schon mal…“
„Schon gut, schon gut. Geh jetzt nicht ins Detail“, unterbrach Kiran seinen Freund.
„Weshalb fragst du?“ War Joe interessiert.
„Nun ja, ich habe ihr Blut geschmeckt damals in der Schweiz. Daher bin ich irgendwie noch enger mit ihr verbunden wie zuvor. Und seit ich euer Blut in mir habe bin ich anders.“
„Hast du Lust einen Menschen zu beissen?“
Kiran zuckte mit seiner Schulter auf: „Noch nicht“, und Joe versuchte ihm dann ins Gewissen zu sprechen: „Hör auf dir so unsinnige Gedanken zu machen. Einen Menschen zu beissen wird dir nie liegen. Das ist absoluter Unsinn. Das du Lis so zugerichtet hast war nicht alleine dein Verdienst. Ich habe viel zu spät reagiert. Durch dieses manipulierte Blut waren meine Sinne auch nicht dort wo sie hin gehörten. Hätten meine Sinne nicht versagt wäre es nie so weit gekommen. Versteh doch, ich hätte viel früher reagieren müssen. Wir waren im Nebenzimmer.“
Nun sah Kiran seinen Freund erstaunt an.
„Du machst dir auch Vorwürfe?“
„Manchmal.“
„So habe ich das nie gesehen.“
„Dann schweig. Du weisst von nichts. Auch ich habe meinen Stolz.“
Nun begann Kiran wieder zu lächeln denn er hatte einen gleichgesinnten gefunden. Jeder trägt sein Bündel Last mit sich und versucht das Beste daraus zu machen.
Die Türe ging wieder auf und Paula kam jetzt auch herein. Sie ging auf Joe zu und gab ihm einen kleinen Kuss auf die Wange. Liebevoll strich Joe über ihre Wange. Kiran beneidete die beiden fast ein wenig.
„Paula, ich habe was für dich. Aber bitte sei vorsichtig. Es schneidet sehr gut und wenn du dich geschnitten hast brennt es. Also mit brennen meine ich es flammt tatsächlich auf“, erklärte Kiran so gut wie möglich. Und übergab einen der Dolche an die staunende Paula. Sie bestaunten den seltsam aussehenden Dolch. Joe konnte es natürlich nicht lassen und fuhr mit einem Finger darüber. Auch er machte die brennende schmerzhafte Erfahrung damit. Sie staunten als sie tatsächlich die kleine Flamme sahen.
„Geniales Teil“, meinte Joe lächelnd.
Paula und Kiran mussten auch lachen und Paula war durchaus froh diesen Dolch zu besitzen. Ein Feuerdolch als Waffe gegen Vampire. Also wenn das mal keine Hilfe war.
Die darauffolgende Nacht war sehr ruhig. Kiran schlief natürlich nicht. Er streifte draussen einwenig umher. Er ging zu den Huskies und setzte sich einwenig zu ihnen hin. Vor nicht all zu langer Zeit hatten die Huskies grossen Respekt vor Kiran. Mittlerweile kannten sie ihn und heulten nicht mehr auf wenn sie ihn rochen. Heute Abend schien Kiran nicht der einzige zu sein der nicht schlafen konnte.
„Darf ich mich ein wenig zu dir setzten?“, fragte Mona und Kiran nickte zustimmend.
„Was ist los?“, wollte sie von ihm wissen.
„Hm…, ich weiss nicht. Vielleicht liegt es daran dass ich mich verändert habe. Ich bin so leer. Oder weil ich nicht weiss was uns noch bevor steht. Reicht das?“
„Dann wird es Zeit dass ihr Lis findet. Denk an dein Herz, es ist mit ihr verbunden. Auch wenn du dich verändert hast. Du bist ein guter Kerl.“
Liebevoll lächelte Mona ihn an.
„Danke Mona. Danke für alles. Es ist nicht selbstverständlich dass ihr euch so für alles einsetzt.“
Mona kicherte und sah in den Himmel hinauf.
„Wir sind eine Familie geworden. Und mit den Babies kommt eine neue Herausforderung. Es lenkt ab. Joe kam zurück, nun geht er wieder. Ich hoffe darauf dass ihr alle wieder zurück kommt. Ich vertraue darauf…“
Kiran legte seinen Arm um Mona und hielt sie fest als er ruhig zu ihr sprach: „Jeder trägt sein Packet mit sich herum. Joe war so souverän in der Schweiz. So erwachsen. Normalerweise bin ich derjenige der die Führung hat, doch als ich versagte übernahm er souverän. Joe übernahm die Führung und ich bin ihm gefolgt. Dein Sohn ist über sich hinaus gewachsen.“
Mona staunte bei dem was Kiran ihr da gerade erzählte. Doch ja, warum nicht. Schliesslich hatte sie Joe noch nie ausserhalb dieses Camps erlebt. Ihr Junge war erwachsen geworden. Sie lehnte sich an Kiran an und war erstaunt wie schnell sein Puls ging.
„Schlägt dein Herz immer so schnell?“, fragte sie.
„Seit ich ein Wolfsmensch- Ding geworden bin, ja. Frag mich nicht warum. Das muss mit der Blutzirkulation zu tun haben. Da ich mich äusserlich verändere wenn ich zum Wolfsmensch werde…Deswegen die rasche Blutzirkulation…oder so ähnlich. Hab ich mal so aufgeschnappt.“
Mona kicherte.
Die beiden sassen noch eine Weile gemeinsam so da. Im Moment gab es nichts anderes zu tun als einfach abzuwarten.
Etwas später gingen sie zurück und versuchten doch noch etwas Schlaf zu kriegen.
Am nächsten Morgen ging es schon früh los. Die Verabschiedung lief relativ ruhig. Wir hofften alle uns bald wieder zu sehen. Joe freute sich schon riesig auf den Flug. Diesmal wusste er genau was auf ihn zu kam. Als alle endlich im Flugzeug sassen nahm Patrick die Bilder der besagten Anwesen hervor.
„Hier Kiran, seht mal“, dann verteilte Patrick sie.
Kiran sah alle genau an. Das erste Haus schien sehr Zentral gelegen zu sein. Nein, das war eindeutig zu nah an einer Stadt. Das würde er mit seinen Kreaturen nicht wagen, dieses Anwesen schloss er sofort aus. Die anderen zwei Anwesen waren sich im Prinzip sehr ähnlich. Beide lagen etwas ausserhalb. Trotzdem waren sie sehr gut zugänglich und gut zu erreichen. Ein Haus war sehr gross und besass wirklich viel Land. Das andere Haus war minim kleiner und hatte auch viel Land. Für Kiran kamen im Angesicht der Grösse des Landbesitzes beide in Frage. Sie beschlossen zuerst das Anwesen aufzusuchen das näher am Flughaben lag.
Da Kiran in der Nacht nicht so viel geschlafen hatte, beschloss er hier im Flugzeug ein wenig zu schlafen. Er wollte es nicht zugeben aber er war sehr beunruhigt. Seine Gedanken drehten sich im Kreis. Worauf wollte man sich auch einstellen wenn man nicht genau wusste was einen erwartete. Sie wussten ja nicht einmal mit wie vielen sie es zu tun hatten. Unter Umständen liefen sie direkt ins Verderben. Es gab Menschen die wurden hecktisch oder ungeduldig wenn sie beunruhigt waren. Bei Kiran war das genau umgekehrt. Umso beunruhigter er war umso ruhiger und nachdenklicher wurde er. Er zog sich in sich zurück. Er sprach kein Wort mehr und wenn er wach war, sah er nur noch aus dem kleinen Flugzeugfenster.
Der Flug war lang und anstrengend. Joe war natürlich wieder völlig elektrisiert von dem Flug. Es schien tatsächlich so als würde er nicht genug vom Fliegen kriegen. Wenigstens jemandem der etwas Spass bei der Sache hatte.
Sie waren vor Tori am Ziel angekommen und mussten noch eine Stunde auf sie warten. Die Gruppe blieb auf dem Flughafengelände. Patrick und Ben kümmerten sich schon mal um ein geeignetes Mietfahrzeug. Paula und Joe streiften durch die Flughafen Läden, sie mussten sich die Beine vertreten. Kiran trat vor die Eingangstür und sah sich die Gegend an.
Er wollte unbedingt Lis erreichen.
-*kleines bist du da. Wie geht es dir.*-
Er wartete eine Weile und hoffte auf Antwort. Doch es kam keine. Am liebsten hätte er irgendwo rein geschlagen. Oder laut geschrien. Stattdessen stellte er seine Arme auf seinem Kopf ab und versuchte zu spüren in welche Richtung er gehen sollte. Er versuchte seinen Verstand abzulegen und mit seinem Herzen zu denken und zu suchen. Er spürte genau dass sie im Begriff war sich ihm zu entziehen. Nicht mehr lange und ihr Band wäre durchtrennt. Kiran hatte es sich eigentlich schlimmer vorgestellt. Wie würde sein Leben ohne Lis weitergehen?
Würde er dieser Situation gewachsen sein?
Nein, diesen Fragen durfte er sich noch nicht stellen. Es war noch nicht zu spät. Zuerst musste er sie noch einmal zu Gesicht bekommen. Auch wenn es bereits zu spät war, er wollte sie nur noch einmal sehen. Kiran muss eine ganze Weile da gestanden haben denn plötzlich erschien Tori auf seiner linken Seite. Natürlich hatte Kiran sie bereits gehört als sie zur Tür hinaus trat. Er machte sich einfach nicht die Mühe sich umzudrehen. Er blieb einfach so stehen.
Tori verschränkte ihre Arme als sie zu ihm sprach: „Kiran, es tut mir so unendlich leid dass ich sie in der Schweiz verloren habe. Ich war so nah an ihr dran. Doch dieser Mistkerl wusste dass ich sie suche. Er hat mir eine Falle gestellt und damit habe ich wirklich nicht gerechnet. Ich habe ihn unterschätzt. Ich habe dich endtäusch.“
Kiran sah immer noch in die ferne als er Tori traurig erklärte:
„Wir machen alle Fehler. Du hast es wenigstens Versucht. Ich war ja nicht einmal in der Nähe. Ich habe versagt.“
„Machst du dir Vorwürfe?“
„Hm…, irgendwie ja und irgendwie nein. Ich denke er war uns einiges voraus und hat uns, sprich mich, grässlich Manipuliert. Wenn ich mir Vorwürfe mache sind es die, dass ich Lis solche schmerzen verursacht habe. Nie im Leben hätte ich gedacht dass ich zu so etwas fähig sein werde. Manipulation hin oder her!“
Tori sah Kiran an und konnte erkennen dass er mit sich zu kämpfen hatte. Kiran presste seine Kiefer zusammen.
Sie seufzte auf.
„Zu viele Vorwürfe bringen nichts. Glaub mir ich spreche da aus Erfahrung. Doch da gibt es noch was“, nun sah Kiran neugierig zu Tori herunter, „in der Hütte im Wald hat dieser Mist-Kerl etwas liegen lassen. Es gehört Lis.“
Tori hatte jetzt seine ganze Aufmerksamkeit. Sie gab Kiran den Verlobungsring von Lis. Dabei konnte sie sehen wie Kiran vor schmerz sein Gesicht verzog und seine Augen sich mit Wasser füllten. Er sah aus als würde er gleich aus seiner Haut fahren. Kiran biss seine Zähne zusammen. Er sagte kein Wort und steckte den Ring in seine Hosentasche. Er würde diesen Ring Lis zurückgeben, ob sie ihn noch haben wollte oder nicht. Das schwor sich Kiran ohne ein Wort darüber zu verlieren. Nun hatte er einen weiteren Grund Lis so rasch als möglich zu finden. Als Kiran sich einigermassen im Griff hatte, legte er einen Arm auf Tori ab. Tori und Kiran lehnten an einander an.
Kiran sprach in ruhigem und mitfühlendem Tonfall: „Du vermisst Tom bestimmt auch schon.“
„Über die Massen.“
„Als läge ein schwerer Stein auf deinem Herzen...“
„In Etwa.“
Auch Tori war bereit für Lis und ihn Opfer zu bringen. Das bestärkte ihn noch mehr in der Annahme dass sie auf einem guten Weg waren. Beide sahen in die Ferne. Im Moment wussten sie noch nicht genau in welche Richtung es ginge. Sie mussten sich an die Anhaltspunkte halten die sie bereits hatten. Nicht viel aber immerhin gab es kleine Lichtblicke. Egal wie lange es dauern würde Sie würden Lis in naher Zukunft finden und dann…


Gebrochenes Herz


Die kommenden Tage mit Wlad waren wie jeder andere Tag auch. Die Drogen schlugen an. Ich fühlte mich als würde ich direkt neben mir stehen.
Wlad wirkte mittlerweile wie ein Magnet auf mich. Ich war immer noch wütend und nicht derselben Meinung wie er. Doch unter diesen Drogen spürte ich eine gewisse Anziehungskraft die er auf mich ausübte. Schliesslich war er ein attraktiver Mann. Glücklicherweise nahm ich nur die hälfte der Drogen zu mir. Daher war ich mit meinem Kopf noch einigermassen bei der Sache. Nahm ich einfach so mal an.
Am Tag streifte ich viel durch das Haus. Das ich von dem Vampiren nicht mehr beachtet wurde kam mir eigentlich mittlerweile irgendwie entgegen. Wobei es ja nicht mal richtige Vampire waren. Oder? Die meisten von ihnen waren wirklich nicht die klügsten und machten genau dass was von ihnen verlangt wurde. Diese hatten allesamt scheusslich gelbe Augen. Dann gab es die mit den blauen Augen. Sie schienen mehr Vampir als Wolf zu sein. Da sie etwas menschlicher aussahen waren sie mir automatisch sympathischer.
Die Zimmer im Haus hatte ich bald alle besichtigt. Neben der beeindruckenden Bibliothek gefiel mir das Musikzimmer am besten. Wlad spielt so ziemlich alles an Instrumente die es gab. Zu meinem Erstaunen spielte er wirklich gut. Eigentlich ist es schön ihm zu zuhören. Doch er beeindruckte mich irgendwann auch nicht mehr. Es war langweilig dass Wlad alles so gut beherrschte. Als seine Partnerin musste man sich ja richtig überflüssig und dumm vor kommen. Bei Gelegenheit würde ich ihm das mal sagen müssen. Auch Arik und Juri waren sehr musikalisch. Juri spielt unglaublich schön Harfe. Sie sah dabei so konzentriert aus. Ihrer Musik könnte ich stundenlang zuhören. Arik komponierte die Musik dazu und spielte selbst kein Instrument mehr. Warum bekam ich nicht heraus. Arik erstaunte mich tatsächlich immer wieder aufs Neue. So musikalisch hätte ich ihn niemals eingeschätzt. Er sah so unglaublich wild und gefährlich aus und hatte doch ein sehr weiches Herz. Seit Arik wusste dass er auch bei Tageslicht nicht mehr als Tier herum schweifen musste, war er noch ernster geworden als zuvor. Wenn er mich nach draussen mitnahm gestand er mir, dass er sich ernsthafte Gedanken um mich machte. Ich nahm einfach alles in mich auf wie ein Schwamm.
„Elisa, du stehst neben dir ich weiss. Doch könntest du nicht nachforschen ob Juri auch ins Tageslicht kann?“, sprach er beiläufig bei einem Spaziergang.
Ich ging weiter und nahm die frische Luft in mir auf. Hier draussen war mein Geist etwas freier und konnte klarer denken.
„Lieber Arik, für mich ist es logisch dass sie es kann. Das ist zwar nur ein Gefühl…“, ich stöhnte auf, „Das hilft euch nicht weiter ich weiss. Mein Verstand – Arik, ich kann nicht mehr herausfinden. Wlad würde es merken. Entweder sie probiert es aus und lebt weiter oder stirbt. Da gibt es nur die beiden Varianten. Ist sie denn überhaupt bereit es zu probieren?“
„Du klingst sehr hart. Ich habe ihr mal einen Hinweis zukommen lassen. Nein, ich denke sie ist noch nicht so weit. Keine Ahnung ob sie überhaupt einmal so weit sein wird.“
Ich blieb stehen und sah ihn an: „Dann mach dir keine Gedanken mehr darüber. Wenn die Zeit gekommen ist sehen wir weiter. Basta!“
Aus heiterem Himmel sank ich plötzlich langsam in die Knie und stöhnte dabei laut auf. Danach setzte ich mich kurz hin und schloss meine Augen. Meine Arme hatte ich verschränkt. Ariks Blick war ganz auf mich gerichtet als er sich neben mich hin setzte. Ich schaukelte hin und her, wie ein kleines Kind wimmerte ich leise dazu.
Liebevoll fragte Arik: „Du leidest. Was ist passiert?“
Langsam öffnete ich die Augen und starrte ins Leere.
„Kiran ist in der Nähe und sucht nach mir. Ich konnte seine Stimme zwar nicht hören aber ich fühle es. Ich bin blockiert. Ich habe eine Blockade aufgebaut damit Wlad keine Chance hat etwas zu erfahren.“
„Hm, ich schätze mal das dauert seine Weile bis er dich findet. Das wird nicht ganz so einfach sein wie er denkt.“
Ich lehnte mich an Ariks Seite, nahm die Wärme in mich auf und fragte: „Weshalb denkst du das?“
„Nun…, du riechst nicht mehr so wie früher. Du veränderst dich. Die Vampire verabscheuen dich. Wenn du wolltest hättest du vielleicht sogar Macht über sie. Das ist jetzt aber nur Spekulation. Was Wlad dir gibt weiss ich nicht, aber du resignierst langsam und wirst gefügig. Nicht mehr lange und du beugst dich Wlad. Das tust du automatisch und es wird dir als richtig erscheinen. Ich denke er bricht so deinen eigenen Willen. Eigentlich solltest du das von dir aus tun doch das lag nicht in deiner Natur. Wlad hilft dir sozusagen etwas auf die Sprünge ihn zu lieben. Und in absehbarer Zeit wirst du ihn vermutlich auch lieben.“
„So viel zum Thema wir haben alle Zeit der Welt“, stänkerte ich ein wenig. „Aber du hast Recht. Ich fühle mich nicht mehr so abgeneigt und gegen ihn. Er wird immer anziehender für mich.“
„Elisa was geht bloss in deinem Kopf vor. Hast du einen Plan?“
„Keine Ahnung wovon du sprichst“, war meine unterkühlte Antwort darauf. Meine Augen blitzten für einen Moment gefährlich auf. Gerne hätte ich ihm etwas darüber erzählt doch ich durfte nicht, das gehörte mitunter zu unserem Schutz.
Arik sah mich bekümmert an und strich liebevoll über mein Haar.
„So hat Wlad sich entschieden, dich auf seine Art und Weise an sich zu binden. Ich selbst bin jeden Morgen gespannt wie du auf mich reagierst. Eines Tages wirst du nicht mehr mit mir hinaus kommen. Und wenn das der Fall sein wird hoffe ich dass du unser Geheimnis für dich behältst. Ansonsten weiss ich nicht was Wlad für mich planen wird…“
„Oh Arik, nie würde ich dir etwas Böses wollen. Aber du hast Recht. Langsam wird mir alles egal. Im Moment würde ich wohl alles tun was Wlad von mir möchte weil es mir - irgendwie - egal ist.“
„Bleib standhaft hörst du…“
Arik schüttelte mich ganz leicht und ich musste kichern. Danach standen wir auf und er verwandelte sich wieder in den schönen grossen grauen Wolf. Ich griff in sein weiches Fell und wir gingen langsam, wirklich sehr langsam zurück.
Wlad erwartete uns bereits wieder. Wie sollte es auch anders sein. Dass er auch immer auf mich warten musste. Sein Vertrauen hielt sich stark in Grenzen. Kontrolle war wohl besser. Automatisch musste ich lächeln. Denn auf seltsame Weise war ich auch davon berührt dass er sich so um mich sorgte. Eigentlich würde dieser Mann mich auf Händen tragen ich musste nur wollen. Jetzt schüttelte ich selbst meinen Kopf kurz hin und her. So als würde ich die Gedanken hinaus schütteln. Heute schien auch Wlad gut gelaunt zu sein. Er lächelte mich an.
„Elisa, komm wir schauen mal nach deinem Bein. Wir gehen am besten hinunter. Arik bitte begleite uns.“
Ach ja, mein Bein. Ich spürte kaum noch einen Schmerz. Die Schiene störte mich zwar aber ich hatte mich längst schon damit arrangiert. Arik verwandelte sich und nahm mich auf seine Arme, dann setzte er mich im unteren OP Saal ab. Wlad nahm den Gips gekonnt und fachmännisch ab. Gab es eigentlich ein Gebiet in dem er nicht so gut war? Ich bezweifelte es. Nach seinem Gesichtsausdruck zu urteilen schien er zufrieden zu sein.
„Dein Bruch ist gut verheilt. Zu schnell für einen Normalsterblichen. Aber du bist ja ein wenig anders. Danke Arik du darfst jetzt gehen.“
Leise ging Arik hinaus. Wlad war mit seiner Arbeit an meinem Bein sichtlich zufrieden. Langsam fuhr er mit seiner Hand durch mein Haar und sah mich liebevoll an.
„Du bist mir ebenbürtig. Ein Mensch mit seltsamer Begabung. Auch du bist auf natürliche Weise unsterblich. Einfach so. Ist das nicht faszinierend…“
Fast hätte Wlad mich so weit gehabt und ich wäre in seinen Armen gelandet. Doch der Teil mit: Auf natürliche Weise unsterblich, holte mich zurück auf den Boden der Tatsachen.
Ich kniff meine Augen zusammen.
„Unsterblich einfach so! Nein…, nicht einfach so! Marius hat mir seine Gabe gegeben. Weshalb ER unsterblich gewesen ist weiss ich nicht. Ob das auf natürlichem Weg geschehen ist oder durch ein krankes Hirn wie dir bleibt bis in alle Ewigkeit für mich offen.“
Wieder einmal war Wlad über mich amüsiert den er lächelte wieder sein umwerfendes lächeln.
„Du bist Nachtragend, hübsche Elisa.“
„Durchaus! Ich habe da Kräfte in mir die irgendwie schlummern und niemand kann mir genau sagen wie ich sie hervor rufen soll. Auch die Bücher über Hexen in deiner Bücherei helfen nicht annähernd. Ab und zu habe ich einige Zufallstreffer und erreiche grossartiges. Würde mich jemand fragen wie ich das angestellt habe wüsste ich keine Antwort darauf. Dann bist du noch da und hast so Hohe Ansprüche aber hilfst mir nicht in geringster Weise…“
„Du bist wunderhübsch wenn du wütend bist. Nicht mehr lange und wir können heiraten.“
Meine Nase begann zu zucken und ich kniff die Augen noch enger zusammen. Heiraten…, das war nun wirklich zu viel des guten. Oder doch nicht? Ich versuchte meine Gedanken zu ordnen.
„Es wird mir im innersten immer zuwider sein. Aber du hast Recht, lange geht es nicht mehr und ich bin gefügig genug um dich ... Wenn du eine solche Ehefrau haben willst. Dann bitte schön, und habe bitte Spass für zwei dabei.“
„Ich bin überzeugt davon dass es das Richtige sein wird. Du wirst mich eben lieben auf meine Art. Mit der Zeit wird dein Schmerz und Kummer vergessen sein und du wirst mich aus freien Stücken lieben können. Sobald du aus freien Stücken das Band zwischen dir und Kiran gelöst hast steht uns nichts mehr im Weg. Ich spüre dass das geschehen wird. Ja, ich denke du magst mich jetzt schon ein Stück mehr.“
„Du hörst mir nicht richtig zu. Ich spreche nicht von Liebe. Ich spreche von gefügig, das ist nie und nimmer dasselbe“, sprach ich sehr langsam und deutlich damit er mich richtig verstehen konnte.
„Auch wenn du dir das vielleicht nicht vorstellen kannst. Aber auch ich besitze ein Herz und kann sehr zärtlich sein wenn es erforderlich ist. Du musst mich nur darum bitten“, beteuerte er.
„Ich bitte um nichts. Du arbeitest mit dem Verstand und nicht mit deinem Herzen. Du machst nie etwas aus Barmherzigkeit. Ich weiss dass du ein Herz hast. Aber das ist wie versteinert. Weisst du eigentlich was richtige Freundschaft ist?“
„Nein, ich nehme was ich brauche.“
„Deine Seele wird nie Frieden finden. Du bist verloren.“
„Gib mir Zeit.“
Er bat mich um Zeit? Das waren wirklich neue Töne! Wlad trat ganz nah an mich heran. Hielt mit beiden Händen meinen Kopf fest und gab mir ein Kuss auf meine Lippen. Mein Mund öffnete sich nicht und in meiner Magen Gegend blieb es ruhig. Ein wenig Lust verspürte ich schon aber ich gab nicht nach. Nur mein Herz und mein Atem gingen rascher. Ich sah ihn immer noch direkt in die Augen, ich blieb ausdruckslos. Dann schob ich ihn mit meinen Händen leicht von mir weg.
„Wlad…, bitte. Ich kann noch nicht…“
Wlad war nicht mehr ganz die Ruhe selbst aber er versuchte nett zu sein: „Gut, wie du willst. Ich bemühe mich.“
„Du nennst es bemühen mir solche Drogen unter zu jubeln?“
Wlads Fassung schien zu brechen.
„Du hast ja keine Ahnung zu was ich fähig bin. Du wirst mich lieben. Das Verspreche ich dir hoch und heilig. Du wirst danach betteln dass ich dich immer und immer wieder besteige!“
Er liess ganz von mir ab und rauschte hinaus. Ich sass immer noch da und lies die Situation auf mich wirken. Hatte er wirklich das Wort besteigen gesagt? Wie unromantisch war das denn. Ich schüttelte leicht meinen Kopf. Langsam stand ich auf und belastete meine beiden Beine. Es fühlte sich noch etwas wackelig an aber es ging soweit ganz gut. Endlich sah ich mal mein Bein an. Es war definitiv etwas dünner als das andere. So ganz sicher stand ich noch nicht auf dem geschwächten Bein. Langsam ging ich hinaus. Natürlich kam ich auch bei den Vampiren vorbei. Aber wo hatten eigentlich diese Ihre Schlafstellen? Hm…, das konnte ja nicht sein dass sie immer in diesem grossen schummrig beleuchteten Raum sassen. Ich ging auf einen der Vampire zu. Er kratzte sich gerade wie ein Hund, sprich Wolf, am Hals. Er hatte gelbe schmale Augen. Ich war neugierig und wollte wissen:
„Kannst du sprechen? Hast du einen Namen?“
Er hielt seinen Kopf schief und schnupperte an mir als er antwortete: „Sprechen ja. Einen Namen brauche ich nicht.“ Seine Stimme war sehr tief und rau. Er sah fürchterlich verwahrlost aus und stank fürchterlich. Ich musste den Atem anhalten. Seine Haut war nicht mal blass. Schon eher Graufarben.
„Wie viele Vampire seid ihr denn?“ War ich neugierig.
„Habe mich noch nie dafür interessiert. Hast du etwas zu essen mitgebracht?“
„Nein, geh jagen heute Nacht! Sei zu was nütze“, befahl ich ihm. Etwas erstaunt über meine Befehl Form fragte ich weiter:
„Wo schlaft ihr denn?“
„Wir schlafen nie. Wozu auch sind nicht müde.“
„Was tust du denn den ganzen Tag lang?“
„Wir streifen durch die Gänge. Manchmal gibt es etwas umzustellen oder zu putzen. Hauptsächlich nach einer Mahlzeit“, grinste er und ich sah seine schiefen Zähne als er so finster lächelte, „Manchmal erwischen wir nur eine Ratte. Zwischendurch bringen wir von der Nacht ein paar Tiere hinunter und jagen diese durch die Gänge. Das ist ein nettes Spiel. Wie lieben Spiele.“
Wie kleine Kinder die Ewig nur spielen wollten. Sie wurden des Spielens nicht überdrüssig. Eigenartige Kreaturen und hässlich.
„Weißt du Wo Arik steckt?“, war meine vorläufig letzte Frage. Der Vampir schnitt eine Grimasse das wohl wieder ein Lächeln darstellen sollte. Im selben Moment hörte ich Arik hinter mir kommen. Ich kannte seine leisen Schritte genau. Nun wandte ich mich von dem Vampir ähnlichen Wesen ab und hinkte noch etwas auf Arik zu.
„Begleitest du mich? Ich könnte hier unten deine Augen gebrauchen“, fragte ich ihn.
Arik nickte zustimmend. Langsam verliessen wir diesen Raum. Hier im Haus sprach er nicht und machte mir mit Handzeichen klar dass er sehr gut hörte und mich deswegen aufsuchte.
„Woher bist du denn gekommen? Wo schläfst du denn?“
Er grinste über das ganze Gesicht und sah dabei so geheimnisvoll aus. Wenn ich ihn richtig deuten konnte besass er oben ein eigenes Zimmer. Das fand ich ja seltsam. Ich war der Meinung ich hätte oben alle Räumlichkeiten gesehen. Arik gab mir zu verstehen dass ich eben noch nicht alles gesehen hatte. Witzbold!
„Zeigst du mir dein Zimmer bei Gelegenheit?“, fragte ich neugierig und er nickte mir lächelnd zu. Ich war erstaunt dass er ein Eigenes Zimmer hatte.
„Und Juri? Hat sie auch ein eigenes Zimmer?“
Wieder nickte er mir zustimmend zu.
Wir gingen eine Etage weiter hinunter. Hier waren die Verliesse. Die ersten drei Verliesse sahen eher aus wie Käfige. Darin waren tatsächlich verschiedene Tiere gefangen. Ich sah fragend zu Arik. Er konnte meinen Blick richtig deuten und versuchte mir verständlich zu machen dass die Tiere für die Vampire sind. Das waren also ihre Spielsachen die als Nahrung dienten. Ich rümpfte die Nase. Die Tiere waren doch so - niedlich. Doch genau genommen tat Kiran das ja auch ab und zu. Arik kam ganz nah an mich heran und flüsterte mir ins Ohr: „Ob du es glauben willst oder nicht, es waren auch schon Menschen da drin. Doch seit du hier bist ist es ruhiger geworden. Er konzentriert sich im Moment nur auf dich und diesen Samuel.“
Das war mir nicht bewusst und war interessant zu hören. Vielleicht konnte Wlad sich ja doch noch ändern. Obwohl mir die Vorstellung, dass hier unten Menschen gejagt wurden gar nicht gefiel. Die Verliese 4 und 5 sahen aus wie Zellen im Gefängnis. So stellte ich es mir in etwa vor. Verliesse 6 und 7 waren beide mit einer Art Glaswand versehen. Verlies 7 kannte ich ja bereits. Damit hatte mir Wlad mehr geholfen als geschadet. Doch davon wusste er ja zum Glück nichts.
Arik seufzte und wagte es nochmals mir ins Ohr zu flüstern:
„Zwischendurch nehmen Juri und ich Kontakt miteinander auf. So wie damals mit dir. Die einzige Möglichkeit einander nah zu sein. Leider - wird es immer weniger.“
Ich hielt nun meinen Zeigefinger auf seinen Mund. Er durfte nicht mehr sprechen es war zu gefährlich. Er verstand und nickte leicht. Weitere Verliesse gab es nicht. Nur noch einen Raum der ganz dunkel war. Ein Raum ohne Licht. Ausser der Türe die vielleicht mal geöffnet wurde war da nichts. Ein schwarzer kühler leerer Raum. Grässlich! Ich bin überzeugt davon dass Arik mir sehr viel über diesen Raum hätte berichten können. Arik wusste sicherlich Bescheid was in diesem Teil des Hauses so geschah. Doch ich ging davon aus dass alles mehr oder weniger grässlich war. Also entschied ich mich lieber nicht danach zu fragen. Ich musste nicht alles wissen. So dunkel erinnerte ich mich noch an die zwei Frauen die vor Verlies 7 hingerichtet wurden. Ein Schauer lief mir den Rücken hinunter. Bis jetzt hatte ich nie mehr daran gedacht. Doch es war tatsächlich Real, es war passiert. Mein Bein begann zu schmerzen. Die Muskeln waren noch nicht ganz gestärkt. Arik verstand und ging mit mir hinauf. Er trug mich wieder einmal mehr hoch. Dabei begegneten wir Juri die wieder ihr langes schwarzes geheimnisvolles Gewand trug. In diesem Gewand sah es wirklich aus als könnte sie gleiten. Als sie mich sah lächelte sie kurz. Doch bei Ariks Anblick wurde ihr Blick befangen.
„Wie ich sehe geht es deinem Bein besser. Wlad wird heute Abend leider abwesend sein und bat mich und Arik für dich da zu sein falls etwas sein sollte. Du sollst deiner Mutter und deinem Vater ein paar Zeilen schreiben. Wenn möglich noch heute.“
„Eigentlich würde ich lieber mit ihnen telefonieren. Gibt es hier im Haus nicht eine Möglichkeit?“
Juri kreischt kurz auf: „Was? Das werde ich dir nicht erlauben. Bist du Wahnsinnig?“
-*Juri *-, war der einzige Gedanke den ich im Kopf hatte und schon flog Juri durch den Raum. Arik warf mir einen wütenden Blick zu, stellte mich hin und half Juri wieder auf die Beine. Aus Ariks Kehle drang ein tiefes dunkles grollen. Das definitiv für mich bestimmt war.
„Ja, wahnsinnig trifft es wohl am besten!“, schrie ich die beiden an und warf meine Hände in die Höhe. Keine Ahnung was Wlad mit mir machte. Aber wieder ging seine Rechnung nicht auf. Trotz verschleiertem Verstand wurde ich bedeutend kräftiger. Ich entdeckte eine neue dunkle Seite an mir. Ich konnte durchaus gefährlich werden wenn ich wollte. Meine Hände schienen förmlich zu jucken. Da Wlad, im Moment, noch im Haus anwesend war und uns sicherlich hören konnte. Brauchte es nicht lange bis ich ihn zu hören bekam. Hörte wie eine Türe zu schlug. Also kam Wlad, logischer Weise nun die Treppe hinunter. Fragend sah er zu Juri und Arik dann zu mir hinüber. Er beschloss direkt auf mich zu, zu zukommen.
-*Was hat das Ganze zu bedeuten*-, sprach er gedanklich nur mich an.
-*Ich wollte telefonieren*-, reckte ich ihm mein Kinn entgegen als ich gedanklich antwortete. Meine Gedanken waren im Gegensatz zu seinen für alle offen. Da ich nichts für mich behalten wollte entschied er sich zu sprechen: „Juri weiss wie sie dir entgegenkommen kann und wie nicht. Sie tat gut darin es nicht zu erlauben. Juri ich bedanke mich bei dir.“
Juri nickte Wlad zu und ich rollte meine Augen.
„Pah…, ich bin es leid dir zu gehorchen. Wir sind doch keine Schosstiere die du hin und her reichen kannst. Vielleicht wäre das ja die Lösung für dich!“
„Elisa, zügle deine Wut oder du landest im Verlies“, versuchte er mir zu drohen.
Ich lachte hysterisch auf.
„Du denkst wirklich das wäre eine Bestrafung für mich? Gut, bitte dann bringt mich hinunter! Du bist davon überzeugt dass deine Drogen schlecht für mich sind? Gut dann gib mir mehr davon!“
Sprach ich ziemlich laut und mit einem sehr ernsthaften Gesicht. Wlad war zum ersten Mal, seit ich ihn kannte, etwas irritiert. Seine Augen zuckten einwenig und er musterte mich ganz genau. Sein Blick prüfte mich.
Wieder nur an mich gerichtet sendete er: -*Da hab ich anscheinend was verpasst. Richtig. Ich werde auf der Hut sein, versprochen. Danke für deinen Hinweis*-
Wäre ich ein Vampir oder ein Werwolf hätte ich ihn hier und jetzt in Stücke gerissen. Ich hatte eine solche Wut im Bauch.
Gleichzeitig war ich jetzt auch auf mich wütend. Wie konnte ich nur so dumm sein ihm das zu sagen. Im Hintergrund sah ich Arik wie er seinen Kopf leicht schüttelte. Ich war definitiv trotz Drogen zu impulsiv. Würde ich mein Temperament zügeln können?
„Ich werde in Samuels Gestalt ein paar Tage unterwegs sein. Meine liebe Elisa. Ich denke es wird das Beste sein du begleitest mich. Ich ändere meinen bisherigen Plan für dich.“
„Ich dachte Samuel macht sich nichts aus weiblicher Begleitung?“, hackte ich nach.
„Gut aufgepasst. Ja. Doch ich denke er kann da mal eine Ausnahme machen. Dann haben die anderen Anwesenden wieder mal etwas zu tuscheln. Und Samuel bleibt im Gespräch.“
„Na dann…“
„Pack deine Sachen. Jetzt!“
Warum auch nicht, irgendwie war ich froh mal aus diesem Haus raus zu kommen. So schlecht war diese Idee von Wlad gar nicht. Mir kam der Tapetenwechsel gerade recht. Eigentlich erhoffte ich mir einwenig Zeit dass ich etwas klarer im Kopf wurde. Wlad bat mich meine nötigsten Sachen ein zu packen. Mit den Kleidern sollte ich mich an den eleganten Stiel halten. Es könnte sein dass ich an einen Empfang mit müsse. Also ging ich hoch meine Sachen packen. Dadurch zögerte ich noch etwas Zeit heraus um meiner Familie einen Brief schreiben zu müssen. Ein Brief an sie konnte jetzt ja hoffentlich noch etwas warten. In meinen Augen war das ja nichts Dringendes. Als ich mich von Arik und Juri verabschiedete schien es mir als wollte Arik mir gerne etwas Mitteilen. Doch er konnte nicht da Wlad bereits in Samuels Gestalt anwesend war. Das war also Samuel. Der Sympathische Kerl den ich bis jetzt nur einmal zu sehen bekam. Ja…, Samuel war eigentlich, ein sehr sympathischer Mann. Sein offenes lächeln steckte sozusagen an und man lächelte automatisch mit. Es war wirklich schwer sich vorzustellen dass Wlad und Samuel ein und dieselbe Person sein sollten. Samuel war irgendwie anders. Nett und zuvorkommen. Er hielt mir sogar die Tür auf beim einsteigen ins Auto. Jetzt sass ich also in einem dunkelblauen Auto mit getönten Scheiben. Nett lächelte mich Samuel an und ich lächelte ihm wieder entgegen. Eigentlich freute ich mich einwenig auf die Ablenkung. Bevor Samuel los fuhr, schaute ich aus dem Fenster um mir das Haus nochmals anzusehen. In diesem Moment jagte mir, der nette Samuel, eine Spritze in meinen Oberschenkel. Erschrocken sah ich ihn an und weg war ich dann auch schon.
Einige Zeit später fand ich mich in einem Hotelzimmer wieder. Ich lag, Gott sei Dank, angezogen auf dem Bett. Es war ein grosses helles Zimmer das sehr modern und stielvoll eingerichtet war. So auf den ersten Blick hätte ich auf ein vier bis fünf Sterne Hotel getippt. Aber eigentlich hatte ich keine Ahnung. Ich hörte die Dusche rauschen. Nahm an das war Samuel der sich gerade frisch machte. Also begab ich mich mal ganz leise zur Eingangstüre. Wer weiss, vielleicht war ja nicht abgesperrt. Vielleicht wurde Wlad endlich unvorsichtig. Hoffnung bereitete sich aus.
Leider hatte Wlad wohl auch damit gerechnet und abge-schlossen. Er dachte wirklich an alles. Etwas ratlos stand ich nun da im Raum als ich hinter mir die angenehme Stimme von Samuel hören konnte: „Elisa, das wäre jetzt wirklich zu einfach gewesen. Aber nett dass du es probiert hast.“
Ich verdrehte meine Augen.
„Danke für das Kompliment“, gab ich genau so süss retour.
Er stand lächelnd im Türrahmen von der Dusche zum Zimmer. Um seine Hüfte lag das Badtuch. Ein ansprechendes Bild das er mir da Bot. Eigentlich war ich fasziniert davon wie exakt Wlad sich verwandeln konnte.
„Konntest du dich schon immer in eine andere Person verwandeln?“, fragte ich in Gedanken versunken.
Er liess sein Handtuch fallen und ich erhaschte einen Blick auf seinen knackigen nackten Hintern bevor er begann sich anzuziehen. Dabei versuchte er mir eine Erklärung ab zu geben.
„Nein, ich dachte das hätte ich dir damals bei der Erklärung um Vasall erzählt.“
„Erklär es mir noch einmal.“
Samuel lächelte mich über seine Schulter an.
„Also, durch meinen Dämon in mir oder durch die Zauberkräfte, wie auch immer du es nennen willst, kam ich dem hier immer näher. Eines Tages bin ich auf den Vorscher Vasall gestossen. Der war für die damalige Zeit sozusagen seiner Zeit voraus. Am Anfang habe ich ihn unterstützt und ihm geholfen. Ich war sein Assistent. Merkte aber von Tag zu Tag dass ich mich da selbst gerne hineinknien würde. Also wurde ich ein begieriger Schüler. Wurde sogar besser als Vasall und ich wurde immer mehr zu Vasall. Irgendwann fiel auch ihm auf dass ich immer mehr aussah wie er. Da war nicht mehr viel von mir übrig. So wurde ich schliesslich Vasall. Von da an wusste ich von meiner weiteren Begabung. Allerdings brauchte ich ein gutes Jahrhundert um mich so mühelos hin und her zu verwandeln.“
„Konnte Marius das auch? Und ich kann ich auch…“
„Nein, seine wie deine Kraft liegt in der reinen Magie.“
Angezogen stand er nun vor mir. Und mir lief ein Schauer den Rücken hinunter. Ich empfing während des Erzählens diese verrückten Bilder was damals abgelaufen war. Zum ersten Mal empfing ich Bilder wenn er erzählte. Darüber musste ich mal nachdenken. Behielt es aber besser für mich.
Dieser nett aussehende Mensch, egal ob als Samuel oder Wlad, war im innersten ein Monster. Er gab sich so unkompliziert und nett und sah Sexy aus. Schien einem so unglaublich sympathisch. Doch in ihm drin war er alles andere als das. Wäre ich „nur“ ein normales Mädchen hätte ich ihn vielleicht sogar geliebt. Doch unter diesen Umständen? Oder sollte ich gerade wegen diesen Umständen? Ich war verwirrt!
Nett lächelnd kam er näher auf mich zu und sprach so unglaublich höflich, fast beschwörend: „Elisa, heute Abend bleibst du besser im Zimmer. Das Essen wird gleich kommen. Ich habe da etwas für dich bestellt. Sobald ich aus dem Zimmer hinausgehe wird das Telefon ausgeschaltet. Ich werde dir jetzt eine Art Droge verpassen damit du einen entspannten Abend geniessen kannst.“
Ich verstand gar nicht was er meinte, ich war doch schon sehr entspannt. Schon klopfte es an der Tür und das Essen wurde hinein gebracht. Samuel gab natürlich ein Trinkgeld. Ich setzte mich hin und wusste nicht wie mir geschah als Samuel unglaublich schnell wieder die Spritze in meinen Oberarm stach. Der Überraschungseffekt war ihm sicher. Diesmal bekam ich etwas anderes. Ich war noch bei Bewusstsein. Meine Gedanken hingegen waren nicht mehr so klar und ich war einfach unheimlich zufrieden. Nun war ich im absoluten Rausch zustand. Im jetzigen Zustand fand ich Samuel unheimlich attraktiv. Er musste wissen welche Wirkung diese Droge hat und nahm neben mir Platz. Langsam nahm er meinen Kopf zwischen seine Hände und gab mir einen verführerischen Kuss. Ich wäre fast da hingeschmolzen als ich ihn erwiderte.
Ich erwiderte tatsächlich freiwillig seinen Kuss.
Ich war seltsam erregt. Doch im innersten wusste ich, es ist Wlad. Also zog ich mich ganz langsam zurück. Samuel fühlte sich nicht gekränkt. Er schien sich wieder einmal zu amüsieren.
„Für den Anfang gar nicht mal schlecht“, erklärte er.
„Indem was ich tue bin ich gut.“ Sprach ich so selbstgefällig.
Und er lächelte: „Versprochen…“
Erschrocken über meine Worte blieb ich fassungslos sitzen. War ich das die das sagte? Nun verabschiedete er sich, nochmals mit einem Kuss und ging.
Natürlich stand ich langsam auf und überprüfte das mit dem Telefon. Wie er bereits erzählte machte es keinen Wank.
Als ich mit dem Essen fertig war beschloss ich mir ein Bad einlaufen zu lassen. Das erste richtige Bad seit langem. Ohne störenden Gibs oder Schiene. Ich genoss es in vollen Zügen.
Am nächsten Morgen fand ich mich alleine im Bett. Darüber war ich sehr dankbar. Wer weiss was in meinem gestrigen Zustand noch alles passiert wäre. Kurze Zeit später kam Samuel, gut gelaunt, herein und wünschte mir einen guten Morgen. Er küsste mich kurz. Wieder erwiderte ich seinen Kuss. Ich zog ihn sogar nochmals zu mir hinunter. Ich konnte mich nicht verstehen, doch ich wollte mehr. Telefonisch bestellte er rasch ein Frühstück für mich aufs Zimmer. Rasch erklärte er mir das Tagesprogramm: Wir würden zusammen bei einem Mittagessen anwesend sein. Danach ginge es wieder zurück „nach Hause“. Ich bekam die Anweisung mich elegant zu kleiden. Danach verabschiedete er sich galant und zog sich in ein anderes Zimmer zurück. Ich wollte nicht dass er geht. Oder doch? Sofort überprüfte ich wieder das Telefon ob es diesmal funktionierte. Tatsächlich war dieses bereits wieder unterbrochen denn ich hörte keinen Summton. Etwas unheimlich wie genau er plante. Dann ging ich ins Badezimmer und sah mich im Spiegel genau an. Was war bloss mit mir los? Nun lies ich das Wasser laufen und hielt meinen Kopf unter das kalte Wasser. Ich brauchte vielleicht nur eine kühle Erfrischung. Ein Versuch war es, meiner Meinung nach, Wert.
Nach dem Frühstück wurde ich etwas mehr benommen. Natürlich hat er im Frühstück etwas darunter gemischt. Ich empfand meinen verschleierten Verstand nicht mehr tragisch.
Das Mittagessen verlief in einer Art wach Zustand. Die Männer diskutieren und ich sah mich einwenig um. Ein schönes Lokal. Sehr modern eingerichtet. Durch die warmen Farbtöne wirkte das Lokal nicht unterkühlt es hatte eine warme gemütlich Atmosphäre. Ja, hier war es angenehm ein Mittagessen zu geniessen. Die Stadt in der wir uns befanden musste gross sein. Es war viel Betrieb auf der Strasse. Mir gefiel es wieder mal unter anderen Menschen zu sein und sich mal hübsch an zu ziehen. Ja, ich lebte wirklich noch. Da ich eh, etwas neben mir war konnte ich mir die Freiheit nehmen um mich etwas gehen lassen. Ich benahm mich als hätte ich etwas zu viel Alkohol erwischt.
Wobei - Drogen und zwei Gläser Rotwein vielleicht wirklich nicht die beste Kombination war. Samuel belächelte geheimnisvoll. Es schien ihm ausnahmsweise mal nichts auszumachen wie ich mich benahm.
„Schön dich mal glücklich und so ausgelassen zu sehen. Ich glaube das machen wir bei Gelegenheit wieder.“ Flüsterte er mir bei Gelegenheit ins Ohr.
„Versprochen?“, himmelte ich ihn an.
Als wir auf ein Taxi warteten begann ich mich einfach um mich selbst zu drehen. Es war so ein wunderschönes Gefühl. Ich fühlte mich frei. Endlich frei! Hier waren tatsächlich normale Menschen um mich. Es gab sie also doch noch die Normalität. Samuel schüttelte den Kopf, konnte sich trotzdem ein lächeln nicht verkneifen.
Zur Sicherheit fragte er doch kurz nach: „Bei dir alles in Ordnung.“
Zustimmend nickte ich ihm zu und viel ihm dabei in die Arme. Er hielt mich fest. Tatsächlich hielt er mich ziemlich liebevoll in seinen Armen. Dann bekam ich noch einen Kuss auf meine Stirn. Ein seltsames angenehmes Gefühl. Dann bat er mich in das heranfahrende Taxi einzusteigen. Ausnahmsweise kam ich mal gerne seiner Bitte nach. Als wir ins Taxi stiegen hatte ich so ein seltsames kribbeln im Bauch und eine starke Unruhe in mir. So als hätte bei mir jemand soeben eine Alarm Taste betätigt. Etwas ungläubig sah ich zu Samuel. Wollte er mir gerade wieder eine Spritze verpassen. Wohl eher nicht.
Ich blickte aus dem Fenster der Rückbank und - sah - sie. Tatsächlich…, ich verpasste um Haaresbreite Kiran, Joe und Tori. Mir blieb die Luft weg. Ich biss die Zähne zusammen und küsste jetzt Samuel. Jedes Mittel war mir Recht damit ich Samuel ablenken konnte. Hätte er Kiran gesehen wäre es aus mit der Ruhe. Samuel erwiderte natürlich meinen Kuss. Tatsächlich war der Kuss nicht schlecht und in mir machte sich eine seltsame Erregung bemerkbar. Das Taxi setzte sich endlich in Bewegung. In letzter Minute stiess ich Samuel von mir weg. Ich schüttelte den Kopf und begann auf Samuel einzuschlagen. Belustigt hielt er meine Hände fest und sprach kühl: „Ich habe dir doch gesagt du wirst verlangen nach mir spüren.“
Diesmal grinste ich auch breit als ich ihm mitteilte: „Nun wäre da nur noch die Frage ob ich nur auf Samuel so reagiere. Vielleicht geht Wlad leer aus.“
„Nette Drohung. Gefällt mir. Wir werden sehen…“
Zurück im Hotel checkte Samuel rasch aus und wir stiegen wieder in sein Auto ein. Ich war etwas erstaunt darüber dass das Gepäck bereits im Auto unter gebracht war. Da Samuel mein staunen bemerkte sprach er belustigt: „Für Geld kriegst du jede Bequemlichkeit. Süsse.“
Süsse…, oh ja, da war das Wort das ich nicht mochte. Samuel wusste das ganz genau. Wieder begann Samuel zu lachen als er meinen Gesichtsausdruck sah. Bevor wir ganz aus der Stadt raus waren bekam ich wieder ein Narkotikum das mich sofort einschliefen lies. Ich wehrte ihn nicht mehr ab, er machte eh was er wollte. Vertrauen gehörte wohl immer noch nicht zu seinen stäken.
Ich erwachte im Bett. Doch diesmal war es nicht mein Bett. Es war das Zimmer von Samuel. Was hatte das schon wieder zu bedeuten? Sofort stand ich auf und ging hinaus. Arik stand vor der Tür.
Etwas erstaunt fragte ich: „Hältst du hier Wache?“
Arik strich mir über mein Haar und sah mich sorgevoll an. Er nickte und gab mir ein Zeichen ich sollte mit ihm gehen. Was hatte dass schon wieder zu bedeuten? Verunsichert nahm ich Ariks Hand und lies mich führen. Endlich lächelte er mich wieder an. Arik führte mich in die Bibliothek. Da war auch Wlad vor zu finden.
„Danke Arik, du kannst gehen. Elisa setzt dich bitte hin“, sprach Wlad erstaunt ernst. Ich begriff nicht was los war. Also beschloss ich vorerst mich hinzusetzten und mal abzuwarten. So wie ich Wlad kannte brannte er nur darauf es mir zu erzählen. Er würde mich nicht lange warten lassen. Er hörte sich ja gerne sprechen. Tatsächlich begann er gleich mit den Worten:„Was mache ich bloss mit dir?“, schüttelte er seinen Kopf.
„Wieso…, was habe ich getan?“
„Nun ja, so wie es scheint bist du Samuel mehr zugetan als mir! Das stellt für mich ein kleines Problem dar.“
„Oh, ach dass…“
„Was heisst hier ach dass! Du solltest mir zugetan sein.“
„Nun rein äusserlich bist du eigentlich der attraktivere Mann. Ohne Zweifel. Doch du warst schon sehr grausam zu mir. Und Samuel ist sozusagen noch nicht so vorbelastet wie du.“
Irgendwie war er niedlich wenn er in seinem Stolz gekränkt war. Manchmal erinnerte er mich stark an Marius. Die beiden sahen sich wirklich sehr ähnlich. Ich stand auf und trat auf ihn zu. Ganz nah. Er sah mich liebevoll an. Unter all dem bösen musste doch auch mal ein Mensch versteckt gewesen sein. Vielleicht konnte ich ihm helfen. Mit der Zeit würde er vielleicht ein besserer Mensch, durch mich. Ich sah ihm tief in seine schönen hellbraunen Augen und spürte das Verlangen nach ihm. Ich legte meine Arme an seinen Kopf. Wlad wiederum umschloss mich mit seinen Armen um die Taille. Eng umschlungen standen wir nun da. Zu gerne hätte ich ihn jetzt geküsst, wagte aber nicht den ersten Schritt zu machen. Nein ich sollte ihn nicht küssen. Mein Herz gehört Kiran. Oder doch nicht? Was für ein Heilloses Durcheinander.
Mein Puls ging automatisch rascher, wie seiner auch.
„Hättest du die Freundlichkeit mich endlich zu Küssen? Ich muss doch wissen wer von beiden denn besser küsst. Sonst kann ich nicht wirklich objektiv entscheiden“, unterbrach ich die Stille. Wlads Augen blitzten auf. Ja meine Bemerkung schien ihm zu gefallen.
„Wie hättest du es denn gerne?“, war seine Frage.
„Sanft…“
Nun löste er seine Arme und hielt mich sanft am Kopf fest. Ganz langsam kam er mit seinem Gesicht an meines heran. Dabei sah er mir konstant in die Augen. Es prickelte meinen Rücken hinunter. Endlich traf seine Lippe auf meine. Er küsste mich sanft und zärtlich. Ich öffnete meinen Mund und entgegnete seinen Kuss. Seine Lippen waren hart aber voller Leidenschaft. Ich hatte plötzlich keine Lust mehr auf sanfte und zärtliche Küsse. Ich nahm was ich kriegen konnte. Wlad stöhnte auf und hielt mich von ihm eine Armlänge auf Abstand.
„Elisa, du machst mich wahnsinnig...“
„Ist das jetzt gut oder schlecht?“, war ich neugierig.
„Gut, sehr gut. Am liebsten würde ich hier und jetzt Sex mit dir haben. Aber meine Prinzipien sind anders. Erst in der Hochzeitsnacht…“
„Du willst wirklich heiraten? Ich weiss nicht so recht ob ich das auch will. Muss das eine denn mit dem anderen zusammen hängen?“
„Lass mich einmal in meinem Leben etwas richtig machen.“
Seufzte er und wollte mehr wissen: „Für wen entscheidest du dich? Mich oder Samuel?“
Ich musste kichern da ihn der Gedanke nicht los lies. Spielten wir jetzt mein Spiel? Ich wollte ihn einwenig zappeln lassen:
„Nun, das sage ich dir noch nicht. Aber ich habe da eine Frage an dich: Wenn ich euch beide Küsse, bin ich dann fremd gegangen?“
Wlad musste laut los lachen.
„Ja ich verstehe was du meinst. Eigentlich sind wir dieselben Personen. Sagen wir mal so, als Wlad kann ich sehr eifersüchtig reagieren. Samuel wäre da bestimmt grosszügiger.“
„Da das jetzt geklärt ist habe ich ein Anliegen. Könnte ich mal Ariks und Juris Unterkunft besichtigen? Das sind mehr oder weniger die letzten Räumlichkeiten die ich noch nicht zu Gesicht bekommen habe.“
„Was geht nur alles in deinem Kopf vor?“
„Frauen sind unergründlich.“
„Natürlich kannst du, ich rufe gleich nach Arik.“
„Übrigens , Vertrauen ist nicht gerade eine deiner Stäken, Wlad.“
„Du hast Recht das ist es nicht. Das wird auch nie eine meiner Stärken werden. Das sag ich dir gleich.“
Danach tauchte Arik auf und ich löste mich mit einem Kuss aus Wlads Amen. Arik verzog keine Mine als er es sah. Wlad erklärte ihm mein Anliegen und gab sein Einverständnis dazu. Ich nahm, vor Wlads Augen, die Hand von Arik in meine. Keck sah ich nochmals zurück um Wlads Reaktion zu sehen. Natürlich hatte ich seinen wunden Punkt getroffen. Wütend funkelten seine Augen mich an. Es war mir egal. Da ich ja hier, in naher Zukunft, die Hausherrin werde nahm ich mir einfach was ich brauchte.
Arik und ich gingen Richtung Küche. Als wir in der sehr grossen Küche standen, machte er den Vorratsschrank auf. Wir gingen hinein. Ich verstand nicht was ich hier drin zu suchen hatte. Dann drückte er am hintersten Regal ein weiteres Regal auf die Seite. Die Wand samt Regal wich ein gutes Stück zurück.
Nun war der Durchgang frei. Ich lief vorsichtig, hinter Arik, einen langen durchaus breiten Gang entlang. Wir stiegen Treppen hinunter. Dann wurde der Gang grösser und ich konnte 4 Türen sehen. Arik führte mich nach rechts und öffnete die erste Tür. Darin befand sich ein grosser Raum. Im Raum stand ein Doppelbett. Ein alter Schreibtisch auf dem es etwas chaotisch aussah. Dann hatte es eine kleine Nische mit einer Dusche, WC und einem Lavabo. Ich sah zu Arik
„Ist es dein Zimmer?“
Er nickte mir zu. Definitiv nicht so schön und prunkvoll wie die oberen Räumlichkeiten. Ich konnte mir gut vorstellen dass früher darin die Angestellten wohnten. Nun beschloss ich mir mal Ariks Schreibtisch unter die Lupe zu nehmen und trat hinein. Überall lag Papier mit Noten darauf. Arik komponierte so unheimlich viel. Ich nahm ein Blatt in die Hand und begutachtete es ganz genau. Es war so kunstvoll was er machte. Tatsächlich hatte Arik eine wunderschöne Schrift. Nie im Leben würde man ihm so etwas zutrauen. Ein erstaunliches Wesen. Ich sah mir das Blatt genau an. Auf dem Blatt schrieb er die Noten noch mit Tusche. Ich sah mir das Tintenfass genauer an.
Bei jedem Noten-Blatt zeichnete er noch etwas Kleines dazu. So was wie sein Zeichen, nahm ich an.
Sehr erstaunt sah ich zu Arik.
„Das ist ja wunderschön wie du die Notenblätter gestaltest. Du bist sehr künstlerisch begabt. Da steckt nichts Wildes darin in dem was du hier tust.“
Arik zuckte mir seiner Schulter. Ja woher sollte er es auch wissen, er machte es einfach. Eigentlich wollte ich bedauern mit ihm haben, hatte aber keines. Ich fand es einfach schön. Ob Wlad wohl davon wusste?
„Weiss Wlad von deiner Begabung?“
„Mh, denke schon.“ Sprach Arik leise mit seiner dunklen Stimme. Sofort gab ich ihm ein Zeichen dass er es sofort lassen soll. Arik verstand und wusste genau dass er mit dem Feuer spielt. Ich blieb einen Moment am Tisch stehen. Bis Arik mich aufforderte weiter zu gehen. Danach gingen wir zur zweiten Tür. Der Raum war gleich gestaltet wie der von Arik. Alles war unberührt und ich ging davon aus dass dieser Raum selten bis gar nicht benutzt wird. Das dritte Zimmer war gleich wie das zweite, unberührt und ungenutzt. Bei der letzten und vierten Tür blieben wir stehen. Arik seufzte und wollte anklopfen. Doch Juri musste uns natürlich zuvor gehört haben und öffnete die Türe. Natürlich erwartete sie uns bereits. Sie bat uns höflich hinein.
„So Elisa, sie her das ist mein Reich“, war sie ein wenig gereizt.
Ich konnte Arik beobachten wie angespannt er da stand. Er blieb im Türrahmen stehen. Juris Zimmer war ähnlich. Eines hatten alle 4 Räume gleich, sie besassen keine Fenster. Wieder ein Raum mit einer Nische. Sie besass keine Dusche sondern eine Badewanne. Ihr Zimmer war etwas grösser. Ihr zu Hause war sehr feminin eingerichtet. Ihr Doppelbett war ein wunderschönes Himmelbett. Ich war erstaunt dass sie ein so feminines farbenfrohes Zimmer besass. Juri wirkte stets kühl. Und war meistens schwarz gekleidet. So konnte man sich in jemandem täuschen. Ich hatte mich in Juri ebenso getäuscht wie bei Arik. Ich war sichtlich fasziniert von ihrer Einrichtung:
„Juri, das ist ja wunderschön eingerichtet.“
„Danke“, war ihre knappe Antwort.
„Juri, wieso lässt du Arik nicht mehr näher an dich heran?“
„Also bitte, das weißt du ganz genau und du hast mir noch keinen Beweis geliefert. Auch wenn du mir einen Beweis liefern könntest. Es geht nicht Wlad…“
„Juri, in deinem Innersten weißt du ganz genau dass Wlad euch getäuscht hat. Da Wlad mich und nicht mehr dich zur Braut nehmen wird wärst du frei.“
Jetzt sprach Juri leise: „Woher weißt du?“
Ich winkte ab und meinte: „Ach keine Ahnung, vielleicht hat er es mir einmal erzählt. Vielleicht ist es für mich auch nur logisch.“
Juri fragte: „Du willst Wlad wirklich heiraten? Aus freien stücken?“
„Nicht so voreilig. Zuerst muss er mir mal einen Heiratsantrag machen. Denkt ihr nicht?“
Fragend sahen sich Juri und Arik an. Was für ein hübsches Paar sie doch wären. Irgendwie. Sollte ich Wlad davon erzählen dass ich sie zusammen führen wollte? Oder wollte ich sie Wlad ausliefern? Was für böse Gedanken mich da heim suchten.
Doch sie gefielen mir.
Böse zu sein hat was.
Hinterlistig zu sein ist noch besser. Dabei noch Macht zu besitzen müsste das allergrösste sein. So langsam Verstand ich Wlad. Macht öffnet einfach jede Türe. Viel Geld und Macht muss nahezu alles ermöglichen. Was für ein gutes Gefühl frass sich da in mich hinein.
„Ich will jetzt wieder hoch. Macht euch keine Umstände ich finde alleine hinaus“, damit verliess ich die beiden. Ich konnte noch hören wie Juri leise zu Arik sprach: „Sie verändert sich zunehmend, bitte vertrau ihr nicht mehr.“
Ich lachte laut auf als ich ihre Worte gehört hatte. Wohl bewusst dass sie mein lachen auch gehört hatten stieg ich lachend wieder die Treppen hinauf. Nun stand ich da im Eingansbereich und lies das Haus mal auf mich wirken. Dabei schloss ich die Augen. Ich konnte die Vampire hören wie sie unten durch die Gänge hetzten. Sie jagten hinter einem Tier her. Ich konnte den Herzschlag des Tieres ganz genau hören, es raste. Dann vernahm ich das Geräusch von Beton, das war wohl die Tür zu Juri und Ariks Reich in der Küche die sich gerade schloss. Dann vernahm ich noch Wasser das rauschte. Tja, dass muss wohl Wlad sein. Ich beschloss hinauf zu gehen um nach zu sehen. Frech trat ich in sein Zimmer ein und begab mich zur Dusche. Wlad konnte mich natürlich auch wahr nehmen und riss sofort den Duschvorhang auf. „Wie bist du hier herein gekommen?“, fauchte er mich fragend an. Er sah niedlich aus mit seinem Badetuch um den Bauch.
„Nun, wie man das so macht. Ganz einfach durch die Tür nehme ich an.“
Zu meinem Verdruss trocknete er sich ganz rasch ab und legte sich einen Badmantel um.
„Elisa, ich habe abgeschlossen.“
„Nein ist es nicht sonst stände ich nicht hier“, entgegnete ich. Hallo, das sollte eine nette Überraschung werden und nicht…Etwas unsanft nahm mich Wlad an der Hand und zog mich zu Tür. Er wollte auf machen doch die Tür war verschlossen.
„Siehst du was ich meine“, fauchte er mich an.
Erstaunt blickte ich ihn an und erwiderte: „Ähm, ich hab es genau so gemacht wie du eben…“
Ich ging hin und tat so als würde ich die Tür öffnen. Ich stolperte da sich die Tür von mir tatsächlich öffnen lies. Erschrocken machte ich sie wider zu und Wlad probierte es auch noch einmal. Wieder blieb die Tür bei ihm geschlossen.
„Wie machst du das?“, sah er mich fragend an.
Ich zuckte mit meiner Schulter und schüttelte ungläubig den Kopf. Woher sollte ich wissen wie das geht.
„Keine Ahnung ich mache wirklich nichts.“
„Meine Liebe, du kennst wohl deine eigenen Kräfte noch nicht sehr genau.“
„Es tut mir leid dich zu korrigieren. Aber eigentlich habe ich keine Kräfte ich habe nur eine Begabung.“
Laut lachte Wlad auf und erklärte mir: „Marius hat dir wohl tatsächlich verschwiegen dass du die Elemente beherrschen kannst. Doch da ist wohl noch mehr vom Zaubermeister in dich über gegangen als du und ich wissen. Ob da doch auch eine Spur schwarzer Magie hängen geblieben ist… Wer weiss.“
„Elemente?“
„Hat er dir nicht erklärt dass er für den ruhigen Ort in dem Wald verantwortlich ist?“
„Doch schon aber ich habe mir nie Gedanken darüber gemacht… Du kennst den Wald?“
Wieder lachte Wlad laut auf.
„Dann lass es lieber bleiben und erzähl mir was du hier suchst.“
„Woher kennst den Wald?“
„Ich gehe jetzt nicht darauf ein. Sag mir was du hier wolltest.“
„Nichts einfacher als das“, ging ich langsam auf ihn zu und streifte seinen Badmantel ab, „ich wurde von meiner Lust überwältigt.“
Wlad zuckte leicht zusammen und fing den Badmantel auf bevor er unten angekommen war. Natürlich zog er ihn wieder an. Wlad war eben Wlad und ich rollte meine Augen. Aber er gab ein Stückweit nach und begann mich zu küssen. Ich fuhr mit meiner Hand über seine starke Brust. Wlad stöhnte auf. Ich wollte ihn. Und zwar wollte ich ihn jetzt! Wieder wollte er mich von sich zurückweisen aber ich hielt ihn mit meinen Armen fest umklammert.
-*Genug jetzt*-, sendete Wlad und ich schoss rückwärts an die Wand. Also so fühlt es sich an. Ich machte eine Handbewegung und er flog an die andere Seite des Raumes. Ich lachte kurz auf. Keine Ahnung wie ich es anstellte aber es machte irrsinnigen Spass. Er seufzte, stand auf und schnürte seinen Badmantel wieder zu. Dann machte er auch eine Handbewegung und ich konnte mich nicht mehr bewegen. Regungslos stand ich da an der Wand und sah ihm zu wie er langsam auf mich zu kam.
„Du machst alles mit solcher selbst Verständlichkeit. Doch du bist noch sehr ungeübt. Da traf wohl die Schülerin auf ihren Lehrer. Was für ein ungleiches Paar.“
„Na zum Glück bin ich volljährig“, zischte ich ihn lächelnd an und sprach beschwörend weiter: „Komm her zu mir und Küsse mich.“
Tatsächlich machte er einen Schritt auf mich zu hielt aber seine Hand vor sein Gesicht und meinte: „Nicht schlecht, aber benutzte deine Kraft nie mehr gegen mich sondern für mich.“
Er küsste mich etwas unsanft und leckte mir über die Wange. Wlad wusste genau dass ich es hasste wenn er mich so abschätzig behandelte. Als er wieder von mir ab lies und ich mich wieder bewegen konnte meinte er trocken: „ Spiel mit einem Vampir oder Arik. Das ist mir egal. Bloss vernichte sie bevor ich es dann tue.“
„Ist das dein ernst?“
„Warum nicht. Dir scheint langweilig zu sein.“
„Bah“, brachte ich nur heraus.
Endtäuscht sah ich ihn an und stürmte hinaus. Wlad war tatsächlich bereit seinen Arik zu opfern. Ob er wohl doch einfach eifersüchtig auf unser Händchenhalten reagierte? Für mich hatte es bis anhin immer den Anschein er würde Arik sehr schätzen. Vielleicht lag es darin dass Arik viel Zeit mit mir verbrachte. Sehr wahrscheinlich ging das gegen Wlads persönliches Ego. Unglaublich. Anscheinend war Wlad ein wenig nervös geworden.
Ich zog mich in mein Zimmer zurück. Ich sah auf den Schreibtisch und sah dass ich noch ein Paar Zeilen an meine Eltern zu schreiben hatte. Doch dass musste noch warten. Ich lies mir ein Bad einlaufen und machte es mir darin so bequem wie Möglich. Ich liebte Schaumbäder wirklich über alles.
-*Elisa, bitte komm heute eine halbe Stunde früher zum Nachtessen*-, nahm ich Wlads Stimme in meinem Kopf war. Ich musste grinsen. Anscheinend konnte er es nicht mehr erwarten mich zu sehen. Einiges hatte sich geändert. Ich verdankte Wlad meine jetzige Stärke. Er hatte recht, ich machte alles mit einer unglaublichen Selbstverständlichkeit.
Meine Bereitschaft zum bösen öffnete mir sozusagen manche Türe automatisch. Ungeahnte Kräfte wurden frei. Als hätte ich noch nie etwas anderes gemacht. Nie würde Wlad mir Vertrauen, das war mir klar aber er lies mir jetzt mehr durchgehen. Macht fühlte sich wirklich gut an. Ich fühlte mich in Wlads Gegenwart so unheimlich Erregt. Er wirkte auf mich wie ein Magnet. Ob ich wollte oder nicht. Ich hatte keine Lust mehr mich gegen Wlad zu stellen. Ich wollt ihn und ich wollte mehr Macht. Und er schien in der Lage zu sein sie mir zu geben. Er war der Schlüssel zu dieser grossen Macht. Ich spielte mit dem Schaum in der Badewanne. Ich machte ein Paar Handbewegungen und der Schaum wich auf die Seite und lies das Wasser hoch steigen. Ich begann das Wasser zu formen. Ich machte daraus eine Kugel oder ein Quadrat, so wie ich gerade Lust darauf hatte. Als ich realisierte was ich da gerade machte fiel das Wasser wieder zurück.
„Unglaublich“, sprach ich zu mir selbst.
Wasser, Luft und Erde schienen meine Elemente zu sein. Marius hat mir seine Gabe gegeben. Er hat gesagt wir seien Hexen gewesen. Das war ich definitiv heute noch und den Rest hatte ich nun auch erkannt. Ich wusste nur nicht wie ich diese Dinge anstellte. Es war für mich wie spazieren gehen. Es geschah einfach weil es ein Teil von mir beinhaltet. Jetzt dachte ich, zur Abwechslung, wieder mal an Kiran. Ich hatte ihn tatsächlich gesehen? Sollte ich es Wlad erzählen? Dann wären wir darauf vorbereitet. Sollte ich Kiran ausliefern? Was wollte ich eigentlich!
Würde ich in der Lage sein meinen Seelenpartner zu zerstören? Ein interessanter Gedanke. Aber alles zu seiner Zeit.
Ich machte mich für das Nachtessen bereit und zog mich ein wenig…, Sexy an. Danach ging ich hinunter. Auch das hatte sich geändert. Ich wurde nicht mehr abgeholt. Ich konnte im Haus gehen wohin ich wollte. Arik hatte Recht, es hatte an Reiz verloren mit ihm draussen herum zu streifen. Ich würde nicht mehr mitgehen. Wlad begrüsste mich, kam auf mich zu und gab mir einen flüchtigen Kuss auf eine Wange.
„Weshalb die Eile, heute Abend“, war ich neugierig.
„Keine Eile. Ich hatte nur Sehnsucht nach dir und dachte wir könnten so mehr Zeit zusammen verbringen.“
„Wlad ich will mehr Macht“, platzte es aus mir heraus.
Wlad lachte laut auf.
„Nicht so hungrig meine Liebe. Alles zu seiner Zeit. Du weißt wir haben viel davon.“
Ich setzte eine gekränkte Mine auf und er amüsierte sich darüber. Zur Abwechslung tranken wir Wein. Teuren roten Wein. Er schmeckte mir sehr gut. Rasch roch ich die Droge heraus. Deswegen die zwei Flaschen auf dem Tisch. Diesmal war ich diejenige die laut auflachte.
Ich erklärte Wlad: „Du brauchst mir die Droge nicht heimlich unter zu mischen. Ich nehme sie freiwillig. Ich bin süchtig danach.“
Erstaunt durch meine Äusserung antwortete Wlad: „Hm, ich werde mir etwas überlegen müssen. Vielleicht brauchst du es ja nicht mehr.“
Meine Augen weiteten sich.
„Nein! Es ist noch zu früh, ansonsten werde ich wieder rückfällig und will zu Kiran zurückkehren. Leg es nicht darauf an.“
„Ich überleg es mir.“
Nach dem gemütlichen Nachtessen zog ich mich in mein Zimmer zurück. Ausserdem wollte ich jetzt meiner Mutter ein Paar „nette“ Zeilen schreiben. Ich schrieb ihr dass mein Bein schon fast geheilt war und ich schon ohne Krücken gehen konnte. Und irgendwas über das Wetter. Nichts Hochstehendes aber irgendwas musste ich ja schreiben. Meinem Vater schrieb ich das ähnliche. Schlussendlich war ich zufrieden damit und war mir sicher es würde Wlad auch gefallen. Wobei ich Kiran auf Dauer für meine Eltern nicht aufrecht halten konnte. Also würde Kiran früher oder später von der Bildfläche verschwinden müssen. Wieder so viele Gedanken die sich bei mir einnisteten. Da ich jetzt müde war ging ich zu Bett.


Der Neuanfang


Am nächsten Morgen war helle Aufregung im Haus zu spüren. Juri stand mit Wlad im zweiten Stock. Sie sahen den Vampiren zu wie sie unruhig umherstreiften. Verwirrt sah ich die beiden an und fragte: „Was ist denn hier los?“
Wlad richtete sich an mich.
„Gemäss den Aussagen von vereinzelten ist Arik weg. Verschwunden. Er kommt nicht zurück.“
„Konntest du ihn nicht erreichen?“
Ich sah Wlads wütenden Blick.
„Natürlich konnte ich ihn erreichen. Er ignoriert mich einfach.“
„Wlad, ich sag es ungern, aber du machst Fehler“, war meine ehrliche Meinung. Dabei huschte auch ein kleines Lächeln über mein Gesicht. Für diesen Satz musste ich natürlich büssen. Also war ich nicht darüber erstaunt dass ich durch die Luft flog. Und mich an der rückliegenden Wand wieder fand. Stöhnend stand ich wieder auf. Mein Arm schmerzte aber es war alles an mir heil geblieben. Wlad kam auf mich zu, streckte mir seine Hand entgegen und ich nahm sie lächelnd an. Danach verlangte ich nach einem Kuss denn er mir bereitwillig gab.
Dann stellte ich mich neben Wlad hin und er legte seinen Arm auf meiner Schulter ab als wir wieder hinunter sahen. Juri sah nachdenklich zu mir hinüber.
„Weshalb sind die Kreaturen denn jetzt so unruhig?“, fragte ich neugierig.
„Arik war ihr Anführer. Entweder warten sie noch ein zwei Tage und schauen ob er zurück kommt oder es kommt zum Kampf“, erklärte mir Juri sachlich.
„Kampf?“, war wieder meine Frage.
Wlad versuchte jetzt zu erklären: „Das Rudel braucht einen neuen Führer. Entweder lasse ich sie kämpfen bis sie einen ausgewählt haben oder ich entscheide für sie. Das weiss ich im Moment nur noch nicht. Ich warte noch bis Morgen ab.“
„Das verstehe ich nicht. Wlad kannst du nicht ihr Anführer sein?“ Musste ich einfach nachhacken.
Wlad lachte laut auf.
„Ich stehe über allem.“
Bah-wie blöd. Hätte ich ja auch selbst darauf kommen können.
„Und Juri?“ Wandte ich meine ganz Aufmerksamkeit nun auf Wlad.
„Vielleicht. Aber wie wäre es mit dir?“ Fragte Wlad mit ernster Miene und sah mir direkt in die Augen. Ich zuckte kurz zusammen.
„Du vertraust mir?“
Wlads Gesicht hellte sich auf und er lächelte breit.
„Nein, wollte nur deine Antwort wissen.“
Damit war die Diskussion beendet. Wollte er mich testen? Die Meute brauchte also einen Anführer. Meistens sprach ich von Kreaturen doch heute schienen sie mehr vom Verhalten eines Werwolfes an den Tag zu legen. Sie knurrten, fletschten die Zähne und einzelne schienen sogar zu winseln. Seltsame Geräusche waren zu hören. Anscheinend würde dass so den Ganzen Tag lang gehen.
Wlad sah mich an und meinte: „Ich muss, also eigentlich Samuel, dringende Angelegenheiten am Computer erledigen. Pass so lange gut auf dich auf. Geh nicht in die Gewölbekeller.“
Ich nickte ihm zu dass ich es verstanden hätte. Ich bekam einem zärtlichen Kuss bevor er sich in Samuels Räumlichkeiten zurück zog. Mir ging es ausgesprochen gut.
Ich sah zu Juri und ging dann trotzdem hinunter. Ich musste dringend in Ariks Zimmer. Juri schwebte leise hinter mir her. Sie war neugierig und Verstand nicht was ich vor hatte. Als ich in Ariks Zimmer angekommen war suchte ich das Ganze Zimmer ab. Juri verstand überhaupt nicht.
„Nach was suchst du eigentlich?“
„Keine Ahnung Juri, wenn ich es finde sag ich es dir. Es ist nur so ein Gefühl.“
Da ich nicht genau wusste wonach ich denn suchen musste, dauerte es eine ganze Weile bis ich darauf stiess. Tatsächlich…, auf seinem Schreibtisch fand ich es dann. Ein Notenblatt mit dem gestrigen Datum darauf.
„Elisa das ist doch nur ein Notenblatt.“ Argumentierte Juri.
„Juri du musst dringend lesen lernen. Das hat er gestern geschrieben. Die Musik tut nichts zur Sache, es geht mir um den kleinen Text hier“, ich zeigte ihr das ganz klein geschriebene am Ende der Noten. Es war nicht einfach zu lesen.
„Was steht denn da?“, war Juri neugierig.
„Alles zu seiner Zeit.“
Hörte ich mich sagen und erschrak über die Worte da ich schon wie Wlad klang. Ich sah Juri an und sprach: „Machst du dir Sorgen um Arik? Liebst du ihn noch?“
Juri senkte ihren Blick.
„Ja ich mache mir Sorgen um Arik. Er kann noch nicht tot sein, das hätte ich gespürt. Mein Herz liebt Arik wohl ein Leben lang. Mein Verstand ist noch verschleiert und trauert um das Baby.“
„Vertrauen kann man lernen.“
Mit diesen Worten lies ich sie im Raum stehen und ging hoch in das Zimmer von Samuel. Das Zimmer war abgeschlossen, seltsam. Wie konnte er abschliessen? Das letzte Mal kam ich ohne weiteres hinein. Ich klopfte also an die Tür und Wlad, diesmal in Samuel Gestalt, öffnete sie breit lächelnd.
Ich verstand nicht wie er heute abschliessen konnte: „Wie hast du das gemacht?“ War meine berechtigte Frage.
„Da ich angenommen habe du tauchst eventuell noch auf, habe ich einen Zauber darauf gelegt. Siehe da - es funktioniert. Auch du kommst nicht überall hin wo ich nicht will.“
Machten wir jetzt Machtspiele? Sah ganz danach aus.
„Immer diese Unterschwelligen Drohungen. Ohne Kontrolle geht bei dir wohl gar nichts. Darf ich rein?“
Er nickte und ich ging hinein. Ich konnte gut erkennen das ich ihn vom arbeiten abhielt. Überall lagen Blätter und Zeichnungen von seinem neuesten Bauwerk. Ich legte mich aufreizend auf das Bett.
„Lust auf eine kleine Pause?“, versuchte ich ihn zu ködern.
Er setzte sich neben mich hin und gab mir einen flüchtigen Kuss: „Was ist los, du heckst doch wieder etwas aus? Ich kann es an deinem Gesichtsaudruck erkennen.“
„Gut erkannt. Ich habe mir etwas überlegt. Also hör mir gut zu: Wenn ich mich für Wlad entscheiden würde, könnte ich doch ein Sexuelles Abenteuer mit Samuel haben bevor ich mit Wlad verheiratet bin. Und Wlad müsste kein schlechtes Gewissen haben. Oder hat Samuel auch solche Prinzipien?“
Samuel sah mir direkt in die Augen und schüttelte ganz leicht seinen Kopf hin und her.
„Nette Idee. Wieso plötzlich diese Eile?“
„Das ist ein Bedürfnis. Und jetzt stösst du mich von dir ab. Das ist nicht fair. Auch ich habe Bedürfnisse die zu stillen sind.“
Samuel beugte sich langsam über mich. Sollte ich jetzt Angst haben? Ich verwarf den Anflug gleich wieder als er seine zärtlichen Lippen auf meine legte.
Rasch zog ich ihm sein Oberteil aus und strich ihm über seinen nackten starken Oberkörper. Seine Küsse waren jetzt rau. Er biss mich in meine Unterlippe und ich stöhnte kurz auf vor Schmerz. Nun zog er mir das Oberteil ganz langsam ab und ich lag noch im BH da. Ich liess es geschehen und sah ihm tief in seine Augen. In meinem Bauch begann es zu kribbeln. Ich begann mich ganz auf ihn zu konzentrieren und mich Ganz auf ihn einzulassen. Nichts an seinen Berührungen hatte etwas Sanftes an sich. Seine Berührungen hatten nichts Weiches oder Behutsames. Er war grob und es viel mir schwer mich zu konzentrieren. Ich schmeckte nochmals an dem Blut an meiner Lippe als er drauf biss. Wieder begann ich mich auf meinen Verstand zu konzentrieren.
Alles was ich bin, ist Eve. Ich bin Eve…
Im hier und jetzt würde es nur mich und Wlad geben. Ein Teil meines Bandes löste sich von dem Gedanken an Kiran und mich. Leon verschwand und ich schrie gleichzeitig auf!
Es geschah tatsächlich, ich löste meine Verbindung zu Kiran.
Samuel liess von mir ab und als ich meine Augen wieder öffnete hatte ich nun Wlad mit einem fragenden Gesicht vor mir.
Zur gleichen Zeit konnten wir weit draussen einen Schrei vernehmen. Ein herzzerreissender tiefer schmerzvoller Schrei. Kiran war da! Er hatte es doch geschafft und mich gefunden. Natürlich konnte Kiran die Trennung spüren. Ein Teil von ihm wurde gerade aus ihm herausgerissen. Es musste ihn mit ganzer Wucht erreicht haben. Ich wusste ja was ich-theoretisch- vor hatte und war mental darauf vorbereitet. Kiran erwischte es völlig unverhofft. Mein Blick viel vom Fenster wieder auf Wlad. In Wlads Gesicht las ich Verwirrung und eine Art Bestätigung. Wlad trat an das Fenster und sah hinaus.
„Er kommt zu spät Eve!“, sprach er ganz ruhig und siegessicher. Meinen Namen von Wlad zu hören traf mich auch und ich spürt mit jeder Faser meines da seins dass ich nun zu ihm gehörte. Wlad schien zu triumphieren. Ich streifte mein Oberteil über und stand auf und ging zu Wlad ans Fenster. Ich hielt automatisch die Hand von Wlad in meiner ganz fest. Er schien mir halt zu geben.
„Was geschieht jetzt?“, wollte ich von Wlad ganz genau wissen.
„Es kommt zum Kampf denke ich. Kiran ist trotzdem zu spät gekommen und jetzt dreht er bestimmt durch. Am besten versammeln wir uns alle unten.“
Mit diesen Worten ging er, ohne mich, aus dem Zimmer. Ich nahm an er wollte sich noch etwas anderes über ziehen bevor er nach unten kam. Mein Kopf sank in meine Hände.
Was hatte ich nur getan! Was hatte ich bloss Kiran angetan! Mir ging es verhältnismässig gut. Tatsächlich wuchs ich mit meiner Magie etwas über mich hinaus. Ich riss mich zusammen und ging hinunter. Unten waren bereits alle Vampirkreaturen versammelt. Sie warteten, wie ich auch, auf Wlad. Ich wartete im zweiten Stock, von da aus konnte man alles besser beobachten.
Juri tat es mir gleich und trat fragend auf mich zu. Ich zuckte lediglich mit der Schulter auf. Wlad gesellte sich umgezogen, kurze Zeit später zu uns und sah Juri dann tief in ihre Augen. Dann hielt er ihre Hände fest umklammert als er fragte: „Hast du eine Ahnung was hier geschieht. Weißt du etwas über Ariks verschwinden? Lüg mich nicht an!“
Sie schüttelte ihren Kopf und ich konnte Angst in ihrem Gesicht erkennen. Wlad schien etwas zu überlegen, also sagte ich leise:
„Wlad sieh in ihrem Kopf nach, das geht schneller.“
Wlad befand meine Idee für sinnvoll. Also hielt er eine Hand an Juri’s Stirn und konzentrierte sich auf Juri. Kurze Zeit danach liess er von ihr ab.
„Sie weiss wirklich von nichts. Seltsam.“
„Weshalb fragst du eigentlich nach Arik? Nicht er ist jetzt unser Problem“, interessierte es mich.
„Unter Umständen doch. Ich kann in draussen spüren er ist auch da! Arik wendet sich gegen mich denn er ist bei Kiran.“
Ich versuchte nach zu hacken: „Nein, du musst dich irren. Es ist helllichter Tag, das geht doch gar nicht.“
Wlad sah mich eingehend an. Sein Blick viel danach auf Juri. In diesem Moment setzte er zum Schlag an und Juri landete unsanft an der Wand hinter uns. Er machte eine weitere Handbewegung und Juri kam auf die Beine, sie stöhnte auf. Jetzt fuhr Juri ihre Zähne aus und ihre Hautfarbe wurde noch blasser als sie eh schon war. Ihre Adern traten hervor. Juri konnte sich immer noch nicht bewegen und Wlad sprach wütend zu Juri: „Wieso weißt du davon dass Arik ans Tageslicht kann?“
Juri röchelte: „Ich weiss von nichts.“
Doch Wlad liess nicht locker.
„Weshalb warst du eben nicht erstaunt? Du zeigtest keinerlei Regung gezeigt als Elisa mich fragte. Irgendetwas verheimlichst du mir doch.“
Im Moment wusste ich nicht genau wie ich mich fühlen sollte. Die Sache hier lief aus dem Ruder. Juri hatte wirklich grosse Angst, ihre Augen waren weit geöffnet als sie versuchte zu erklären: „Wlad ich wusste es wirklich nicht. Ich kam nur nicht dazu mich zu äussern…“
Weiter sprechen konnte Juri nicht da Wlad, trotz der Entfernung, ihre Kehle zu zuschnüren schien. Als hätte Wlad einen verlängerten durchsichtigen Arm. Juris Augen wurden dunkel, ihre Gesichtshaut veränderte sich. Auch ihre Eckzähne würden sichtbar. Sie war wütend. Juri rang nach Luft. Wlad kochte vor Wut und schrie Juri an: „Lüg mich nicht an!“
Hilfesuchend sah sie nun in meine Richtung. Ihr Blick schien mich eingehend anzuflehen. Ich seufzte auf. Juri hätte mich nicht so anflehen dürfen. Das war nicht gut. Meine Tarnung schien aufzufliegen. War es denn überhaupt noch Tarnung? Das war wohl jetzt mein Stichwort. Wlad lies abrupt von Juri ab und drehte sich zu mir hin. Ich lächelte ihn zuckersüss an und er neigte seinen Kopf zur Seite. Mit zusammen gezogenen Augenbrauen sprach er gereizt: „Sieh mal einer an. Da ist jemand übermütig geworden.“
Ich lächelte immer noch süss und gab Juri ein kleines verstecktes Handzeichen dass sie verschwinden sollte. Wlad konzentrierte sich mit jeder Faser seines Körpers jetzt voll und ganz auf mich. Ich lief langsam retour um ihn von der Treppe wegzuholen. Juri musste dort hinunter.
Wlad wusste genau ich konnte seinen Schlag abwehren.
Trotzdem ging Wlad weiter in meine Richtung.
„Eve, komm erzähl es mir. Seit wann weißt du von Ariks Geschichte?“
„Und was, wenn ich es gar nicht gewusst habe.“
„Ich kann einen Lügner erkennen wenn er so direkt vor mir steht.“
Diesmal war ich diejenige die laut lachen musste. Für den Moment galt ich mich geschlagen und erwiderte: „Es war damals lediglich nur eine Vermutung. Ich war mir bei weitem nicht sicher. Arik und ich sprachen ein wenig darüber und er probierte es dann einfach.“
„Arik spricht also …“
„Im Prinzip hatte er ja nichts zu verlieren. Er wollte den Tod in Kauf nehmen. Doch siehe da…“
„Ich dachte mir schon dass Arik sprechen kann. Doch auch unter Folter brachte ich kein Wort aus ihm heraus. Ein erstaunlich starkes Wesen unser Arik.“
„Manchmal ist Wut stärker als alles andere. Ich hab dir ja gesagt du hast keine Freunde“, sprach ich verhältnismässig ruhig. Nun stand ich an der Wand an. Es ging nicht mehr weiter Rückwärts und mein lächeln verschwand. Wlad trat ganz nah auf mich zu. Mein Herz begann zu rasen. Wlad sah plötzlich sehr bedrohlich aus und sprach aufgebracht: „Ich hätte besser daran getan deiner Sex Aufforderung gleich beim ersten Mal zu folgen. In diesem einen Moment bereue ich zu tiefst dich nicht einfach …. Immer und immer wieder.“
„Nun ja, dafür kann ich eigentlich nichts. Ich wäre ja eigentlich bereit gewesen. Aber du wolltest ja alles richtig machen. Und jetzt bin ich dein.“
Ich war erstaunt über mich selbst Wlad solche Antworten zu geben. Gefährliches Spiel das ich da trieb. Oder doch nicht? Aber ich liess mir mein Unbehagen nicht anmerken. Auch ich meinen Stolz.
Wlad konterte: „Wohl war. Du wirst dir noch wünschen mir nie begegnet zu sein. Du kannst dich mir nicht mehr entziehen. Du hast dein Band mit Kiran gelöst. Du bist mein, Eve.“
„Da hast du nicht ganz unrecht. Auch ich habe mich geändert. Mag sein dass du mir keine Angst einflösst und ich dich genau so will wie du mich. Vielleicht bin ich jetzt ja genauso wie du mich haben wolltest. Ebenbürtig.“
„Komm her.“
Wlad begann mich zu küssen und ich erwiderte seinen harten Kuss. Diese Art von Macht gefiel mir wirklich sehr. Die erregte mich. In diesem Moment konnte ich Wlads verlangen nach mir spüren. Er wollte mich genau so wie ich jetzt war. Ich konnte nicht anders, er wirkte wie ein Magnet auf mich. Ich war nun sein für eine lange Zeit. Wlad war wie der Kompass falls ich mich verlor. Er musste mich nicht festhalten ich würde nicht fliehen.
Wieder lachte Wlad auf: „Du bist wirklich perfekt. Es gibt keine Grenze mehr die uns trennt.“
„Ein Kompliment?“
„Nenn es wie du willst. Lass uns jetzt hinunter gehen…“
Juri war inzwischen unten angekommen und schrie die Vampir Wesen in diesem Moment so laut wie möglich an um sie in ihrem Vorhaben zu bestärken.
„Kommt wir müssen hinaus, Arik ist da er ruft nach uns! Folgt mir, JETZT!“
Tatsächlich folgten alle Wesen ihrem Aufruf. Sie hatte es geschafft und die Führerrolle einfach so übernommen. Die Wesen fauchten, knurrten und heulten auf bevor sie alle miteinander hinaus stürzten.
„N E I N!“
Konnte man Wlad sicherlich bis nach draussen schreien hören. Kaum waren die Wesen hinaus geströmt hörte man sie nochmal aufschreien, grollen, jaulen und Zähne fletschen. Diesmal jedoch aus einem anderen Grund. Viele der Wesen hatten nicht mal einen Hauch von einer Chance zu überleben. Sie begannen sofort zu brennen und verkohlten. Die restlichen flüchteten ängstlich wieder ins Haus hinein. Sie waren verstört und auf ziemlich gut die Hälfte reduziert.
Wie effektiv, ging es mir durch den Kopf. Wlad kochte vor Wut. Diesmal nahm er mich unsanft am Handgelenkt und zerrte mich hinter sich her. Dabei hatte ich nun wirklich nichts mit der Sache hier zu tun. Wlad musste hinunter um hinaus zu sehen. Jetzt wollte Wlad wissen was da draussen vor sich ging. Auch ich warf neugierig einen Blick aus dem Fenster als er mich los liess.
Da standen sie nun alle stolz: Kiran, Arik, Joe, Ben, Patrick, Paula, Tori, und Gott sei Dank auch Juri. Juri war tatsächlich unversehrt geblieben und hatte es geschafft. Juri wurde von Arik in die Arme genommen.
Wie automatisch begann ich zu lächeln. Obwohl ich froh war bei Wlad zu stehen freute ich mich für Arik und Juri. Wie konnte ich hier sein wollen und mich für die anderen freuen. Alles fühlte sich so zwiespältig an. Aber es amüsierte mich dass ich recht behalten hatte. Auf meine Gefühle war also wirklich verlass.
„Hab ich mir doch gedacht…“, sprach ich meine Gedanken laut aus.
Diesmal bekam ich von Wlad mit dem Handrücken einen Schlag ins Gesicht. Ich taumelte kurz rückwärts. Diese Gedanken hätte ich wohl besser für mich behalten. Daran konnte ich ja noch arbeiten. Kräfte mässig konnte ich definitiv nicht mit Wlad mithalten so viel war jetzt klar. Wlad wurde etwas unsicher. Eingehend begann er mich zu mustern und meinte schliesslich:
„Du läufst doppelspurig.“
Ich seufzte. „Kann ich dir nicht genau sagen. Ich begehre dich und bin dir ergeben. Überdies bindet mich die Lust nach dieser unendlichen Macht auch noch an dich. Doch liebe ist es nicht. Es ist die Pure Lust auf Macht und Sex. Also nenn es wie du willst.“
„Lass mich raten, du kämpfst heute nicht für mich“, funkelte mich Wlad wütend an.
Ich begann zu überlegen und senkte meinen Kopf etwas: „Wahrscheinlich auch nicht gegen dich.“
Wlad funkelte mich immer noch wütend an und wollte wissen:
„Bist du für oder gegen mich?“
„Alles in mir ist für dich. Ein kleiner Teil für meine Freunde“, versuchte ich der Wahrheit so nah wie möglich zu bleiben um ihn nicht noch mehr gegen mich aufzubringen. Wlad sah nochmals hinaus und dann sah er nach was von uns noch übrig war.
„Na gut, sie sind zu acht. Wir sind immer noch in der Überzahl und ich zähle wohl eher doppelt.“
Jetzt schien Wlad einen Plan zu Recht zu legen. Und ich war sicher er hatte schon gute Übung darin.
Zuerst musste er die restlichen Wesen beruhigen und erklären dass sie ins Tageslicht konnten. Er überzeugte sie rasch davon dass ihnen nichts geschah wenn sie ins Tageslicht traten. Es brauchte keine Überredungskunst, sondern Magie. Doch Wlad schaffte es natürlich mit einer anmutigen Leichtigkeit die mich staunen lies. Dann erklärte er den Vampirwesen dass wir gegen die da draussen zu kämpfen hätten. Sie sollen alle, wirklich alle, auch Arik und Juri in Stücke reissen.
„Arik hat euch keine Befehle mehr zu geben. Er hat euch verraten“, erklärte er einige Male. Wieder hörten wir die Vampirwesen ihre Zähne fletschen und sie knurrten laut. Keine Frage diese Wesen waren Wlad in jeder Hinsicht ergeben. Sie würden ihm sicherlich auch noch aus der Hand fressen und die Füsse lecken wenn er es verlangte. Bäh!
Es verstrich einige Zeit bis wir so weit waren. Ich wusste nicht was Wlad vor hatte und ob er mir überhaupt noch traute. Mein Kopf begann zu schmerzen. Ich wollte nicht hier sein und auch nirgend wo anders. Wo genau sollte ich sein…
Draussen hörten wir Kiran nach uns rufen. Mein Bauch begann zu kribbeln, doch ich konnte mich bereits fast nicht mehr an unsere Liebe erinnern. Was war blos mit mir los! Ich schien bereits gestorben zu sein. Kiran und seine Freunde waren bereit für den Kampf und warteten auf uns. Nach einiger Zeit gab und Wlad den Befehl uns draussen aufzustellen. Bedingungslos gingen wir alle nach draussen und stellten uns brav nebeneinander auf.
Arik versuchte tatsächlich die restlichen Wesen auf seine Seite zu locken. Hatte aber kein Glück damit. Das war mir ohnehin klar. Wlad war der eigentliche Herrscher der Wesen.
Ich sah Paula mit einem kleinen Dolch da stehen und hoffte inständig sie würde damit durchkommen. Paula sah so unsicher und hilflos aus und es tat mir leid dass sie dies in Kauf nehmen musste.
Joe stand direkt neben ihr und würde sie beschützen so lange es ging. Beim Anblick von Joe huschte ein kleines Lächeln durch mein Gesicht. Er war immer ein guter Freund. Ob er jetzt immer noch die Aufgabe hat mich zu beschützen? Ich schüttelte den Gedanken wieder ab und langsam, fast gegen meinen Willen, sah zu Kiran. Er sah wirklich sehr wild und entschlossen aus. Er war sichtlich angeschlagen, das sah ich an seinen Augenringen. Ich musste ihm sein Herz gebrochen haben und trotzdem stand er jetzt hier vor mir. Meine Kehle wurde trocken und mein Herz blieb fast stehen. Was für ein eigenartiges Gefühl von Schuld kroch in mir hoch. Was hatte ich bloss getan. Ich habe uns beide einfach so aufgegeben. Es spielte jedoch keine Rolle mehr da ich nicht vor hatte diesen Kampf zu überleben. Kiran sah verändert aus. Sein Haar war wieder etwas länger und sein Bart hat in den letzen fünf Tagen wohl auch keine Klinge mehr gesehen.
Auch Joe und die anderen sahen wilder aus als sonst. Ein seltsames Bild sie so angespannt und in Stellung zu sehen. Jeder von ihnen spannte seine Muskeln an und war ganz leicht in der Hocke. So als würden sie in jeder Sekunde bereit sein uns anzufallen. Das Fauchen und grollen um uns nahm ich gar nicht mehr richtig wahr. Ich versuchte meine Gefühle zu sortieren. Warum waren sie noch hier? Meine Seele war doch verloren. Ich würde eher sterben als mich für eine Seite entscheiden zu müssen.
Wlad war wohl klar dass heute keine weisse Fahne geschwenkt wurde. Auf Leben oder Tod würde es wohl heute heissen.
Kiran erhob das Wort an mich: „Lis, bitte komm. Du schaffst das…“
Lis…, ja das war mal mein Name. Ich sah Wlad an und konnte seinen amüsierten Blick sehen. Dann schlug ich meine Hände vor das Gesicht und Wlad antwortete hochmutig: „Das wird sie nicht. Denn wie du bereits schmerzhaft bemerkt hast, hat sie euer Band gelöst. Sie gehört jetzt zu mir. Ein wirklich langes Leben lang.“
Kirans grollen kam ganz tief aus seiner Kehle und er antwortete Wlad sichtlich wütend: „Lis ist sehr stark. Ich glaube an sie“, bei diesen Worten sah ich ihn direkt an und er sprach zu mir, „Wir gehören einfach zusammen im Gegensatz zu dir und ihm.“
„Nur über meine Leiche.“ Blitzten Wlads Augen auf. Wlad schien sich auf diesen Kampf zu freuen.
„Gerne!“, konterte Kiran entschlossen. Wieder schloss ich meine Augen, ich war verwirrt, voller trauer und Sehnsucht nach etwas dass ich längst verloren hatte. Im nächsten Moment konnte ich Knochen knacken hören und ich zuckte ein wenig zusammen. Dieses Geräusch erinnerte mich an Kiran. Als ich meine Augen aufschlug sah ich das Kirans Vater Patrick nun als Wolf da stand. Er heulte laut auf!
Ich trat einen Schritt hinter Wlad. Wieder zuckte ich zusammen als Kiran mir seine Gedanken sendete:
- *Eve…, versuche dich zu erinnern. Ich liebe dich.* -
Irgendwie konnte ich einfach nicht. Tränen stiegen in meine Augen als ich meinen Kopf schüttelte und seine Bitte sozusagen ausschlug. Ich sah meine Zeit in dieser Welt zerplatzen. Meine Gefühle zerrissen mich fast und ich zitterte am ganzen Körper.
Ich schrie Kiran flehend an: „Ich falle immer tiefer. Hilf mir.“
Wlad lachte arogant, laut auf und nahm meine Hand in seine. Sanft küsste er meinen Handrücken und sprach siegessicher: „Süsse, wenn ich Kiran erledigt habe wird es dir gleich besser gehen. Ich kann dich von deinem Leid erlösen.“
Klar und deutlich konnte ich das tiefe Grollen von Kiran und Arik hören. Kiran wollte endlich kämpfen, er schien es satt zu haben. Verdammt und ich musste mich zusammenreissen bevor es mich auseinander riss.
„Ihr wollt kämpfen nun gut, so soll es sein. Ihr werdet keine Chance haben“, bemerkte Wlad fast gelangweilt.
„Das werden wir ja sehen“, sprach nun Ben.
„Ben…, so sieht man sich wieder. Lange her.“
„Für Rache ist es nie zu spät.“ Drohte Ben.
„Schön dass ich euch alle versammelt habe. Dann brauch ich nicht so lange nach euch zu suchen. Nur dass ihr es wisst, diejenigen die lebend hier heraus kommen, werden von mir als Versuchstiere gehalten.“
Zu welchen Taten Wlad fähig war wusste ich. Das ekelte mich an und hatte nichts mit Macht und Magie zu tun. Das war reine Manipulation. Wlad war eine kranke, eher tote Seele.
Die Wesen hinter Wlad und mir wurden auch zunehmend unruhiger. Meine Trauer wandelte sich in Wut um. Wlad nannte mich süsse, dieses Wort war mich immer noch zu wieder. Er drohte meine Freunde als Versuchstiere zu halten.
Das ging gar nicht.
Diese Wut half mir sehr und ich holte tief Luft. Ich sah Kiran direkt in die Augen und hob meine Hände auf Herz Höhe an. Ich liess meinen Blick nicht von Kiran ab. Ich versuchte alle Kraft in mir zu mobilisieren um meine Herz-Mitte zu finden. Kiran gab mir mit seinem Blick Hoffnung, Wärme und Kraft. Während Wlad sich verbal noch mit Arik austauschte um die Kreaturen hinter uns anzuheizen hielt Kiran meinem Blick stand. Langsam fühlte ich mich wieder von Kiran angezogen und begann zu spüren was wir hatten. Ganz langsam begann mein Herz sich an diese starke Liebe zu erinnern. Immer mehr begann ich zu spüren dass uns nichts trennen sollte. Kirans grüne Augen liessen mich an das erinnern was ich brauchte. Ein Lächeln umspielte meine Lippen als ich langsam begriff.
Leider blieb es Wlad nicht verborgen was ich tat. Wütend machte er eine Handbewegung und ich landete unsanft weiter hinten auf dem Boden. Wieder konnte ich Kirans Grollen hören.
Kiran wollte zu mir, wurde aber von Joe zurück gehalten. Ich stöhnte und stand wieder auf.
Langsam rappelte ich mich wieder auf und sah in Wlads Gesicht, er war sich seiner Sache längst nicht mehr so sicher wie auch schon. Es schien ihn doch zu beunruhigen dass ich wieder nach der Liebe mit Kiran zu suchen begann.
Nun versuchte ich zu Kiran hinüber zu gelangen als mir eines der Vampir Wesen den Weg versperrte. Ich lachte kurz auf und begann den Boden zu Formen, nach meinem Willen. Wurzeln schossen heraus und umklammerten die Kreatur so fest dass er keine Chance hatte zu entkommen. Das Ganze kostete mich unglaublich viel Energie. Darum fiel ich wieder zu Boden. Meine Energie war wohl fast aufgebraucht. Ich war nicht mehr in der Lage, jemandem Schaden zufügen zu können. Ich durfte es Wlad nur nicht spüren lassen. Niemals!
„Einer weniger“ Lächelnd sah ich zu Wlad und holte aus: „Die drei Elemente: Wasser, Erde und Luft. Erinnerst du dich. Ich habe sie entdeckt dank deiner grosszügigen Hilfe von Drogen und Medikamenten. Du hast mir so viel freien Raum gelassen um nachzudenken. Ich habe mich selbst gefunden. Danke.“
Wlad sah mich fassungslos an.
„Du hast das hier alles geplant? Das kann nicht sein…Nein…So stark bist du nicht!“
„Nicht ins Detail…Aber annähernd.“
Danach sah ich entschuldigend zu Kiran hinüber, stand auf und ging zurück zu Wlad. Ich war immer noch zerrissen und konnte nicht anders handeln.
Kirans Gedanken waren in meinem Kopf: -*Lass dich fallen und Vertrau dir. Wir haben genügend Liebe in uns. Du bist stark*-
Mein Magen zog sich zusammen und ich hatte Angst versagt zu haben. Ich hatte so viel falsch gemacht. Ich dachte ich komme hiermit alleine klar. Kiran war trotzdem noch an meiner Seite. Niemals wird er mich verlassen. Er war mein Anker und er liebte mich aus freiem Herzen. Seine Liebe war Bedingungslos.
Wlad war wütend wie ich ihn noch nie gesehen hatte. Sein Gesicht war starr und begann sich zu veränder. Dann hörten wir weitere Knochen knacken bis Wlad sich in den Wolfsmensch, der Kiran ähnelte, verwandelte. Er wollte also mit Kiran ebenbürtig kämpfen.
Kiran lächelte und erklärte mit rauer Stimme: „Jetzt versteh ich die Worte von Suck. Du siehst so aus wie ich. Wirst aber niemals wie ich sein denn das wesentliche kannst du nicht übernehmen. Du bist nur das was man sieht…Ich bin ich.“
Wir alle sahen Kiran bei diesen Worten etwas seltsam an und verstanden nicht von was er da sprach. Uns sollte es egal sein. Auch Kiran verwandelte sich jetzt in den Werwolf. Er war geschickt, es kostete ihn keine Kraft mehr sich zu verwandeln. Seine Kleidung zeriss dabei ebenfalls.
Wlad war wirklich fast das Ebenbild von Kiran. Ganz plötzlich schrie Kiran kurz auf. Wir konnten beobachten wie seine Fingernägel länger wurden. Aus seinen Pranken formten sich so etwas wie lange schwarze Klauen. Auch seine Zähne wurden länger. Kiran war ja nie ein richtiger Wolf. Er war so etwas wie ein Wolfsmensch. Doch die Eckzähne glichen einem Vampir. Ich hatte so etwas noch nie an ihm gesehen. Das musste eine neue Seite an ihm sein. Er sah noch bedrohlicher und gefährlicher aus als sonst. War das Wlads verdienst? Tausend Fragen kreisten in meinem Kopf herum. Kiran sah sehr wild und entschlossen aus. Auch ich hatte gehörigen Respekt vor ihm. Wenigstens konnten wir die beiden so, gut auseinander halten.
Nun schien die Luft zu vibriere. Alle gingen in Stellung. Kiran wollte seine ganze Wut an Wlad ablassen. Im Innersten hatte ich trotzdem Angst Kiran zu verlieren. Wlad war stark. Jahrhundert lange Erfahrung prägten Wlad.
Die Stimmung war sehr angespannt. Plötzlich stürmten Wlad und Kiran laut aufeinander zu und prallten unsanft zusammen. Es klang als würde Holz auf Holz schlagen. Das war dann wohl der Startschuss. Arik blieb Arik und machte kurzen Prozess. Er riss einem Vampir Wesen das auf ihn einstürzte einfach den Kopf ab.
Die anderen machten es ebenfalls so. Ich konnte kein Vampirwesen töten, dafür reichte meine Kraft bei weitem nicht mehr aus. Diese Kreaturen würden mir wohl auch keinen Schaden zuführen bis Wlad ihnen das O.K gab. Aber ich wollte die Kreaturen von Paula und Juri fern halten. Auch Juri war keine Kämpferin. Also kämpften von neun nur sechs Personen. Das war immerhin fast die Hälfte. Es musste einfach reichen. Ich stürzte zu Paula hin und hielt sie fest. Dabei wir sahen uns kurz in die Augen und bekannte wärme strömte in mich über. …….

Wenn euch die Geschichte gefallen hat und ihr gerne erfahren möchtet wie sie ausgeht würde es mich riesig freuen wenn ihr das Buch im Herbst kaufen würdet. Oder empfehlt es weiter ;-)
Bei www.gerigkbuecher.de.vu, könnt ihr euch auf dem laufenden halten.


Das Spiel
ist die höchste Form
der Forschung.

Albert Einstein


Vertraute Wesen, gefährliche Liebe…

Band II - Vertrauen


Von Corinne Gerigk


Kleine Anmerkung: Da dieses Buch im Herbst auf dem Markt erscheinen wird, stelle ich bei Booktrix die Version ein die nicht lektoriert ist. Also seht einfach über die Fehler hinweg ;-)


Prolog


Man wird nachdenklich, wenn man im Begriff ist, sein ganzes bisheriges Leben hinter sich zu lassen, um neu anzufangen.
Das bisherige, ruhige, behütete Leben geht einem nochmals durch den Kopf. Es lässt sich wie ein Film abspielen. Man fragt sich, ob man wirklich das richtige tut. Was spricht dafür
und was dagegen. Pro und Kontra.
Doch ich kann es drehen, wie ich will, ich hatte ja doch keine wirkliche Wahl. Und hätte ich die Wahl gehabt, hätte ich wohl genauso gehandelt. Der absurden Legende hätte ich mich sicherlich entziehen können. Doch nicht der einen, großen, etwas klischeehaften Liebe. Niemals…
Doch wo sind meine Wurzeln und wie kam ich tatsächlich nach Alaska? Bis anhin lebte ich in einer behüteten Umgebung, in Zürich, in der Schweiz. Nie war ich ein auffälliges Kind, oder Teenager. Ich war das einfache, normale Mädchen von nebenan…


Vergangenes


Jetzt sitze ich in Alaska und grüble über meine Zukunft nach. Das schwierigste für mich wird sein meiner Familie zu erzählen dass ich mich hier in Alaska niederlassen möchte. Beim letzten Treffen erwähnte ich dass ich nach London zu Kiran ziehe. Doch die Pläne haben sich eben geändert. Aus meinem Husky Erlebnis Trip ist wohl etwas mehr daraus geworden.
Kiran hat mich schlussendlich in Alaska gefunden. Ein außerordentlicher Mann. Er bringt mein Blut wirklich zum kochen wenn er mich mit seinen grünen Augen fixiert. Er sieht verdammt gut aus. Er ist Groß und von sportlicher, stattlicher Postur. Mittlerweile trägt er sein braunes Haar wieder halblang. Das ihn irgendwie mystisch mit einem Quäntchen Gefahr aussehen lässt. Dazu noch seine grünen Augen. Er ist definitiv ein Blickfang. Ich bin eher klein, habe rotblondes stecken gerades langes Haar und graublaue Augen. Kiran gefallen meine Sommersprossen. Wenn er sie beginnt zu zählen muss ich kichern. Denn das nimmt sprichwörtlich kein Ende. Mein richtiger Name ist Elisabeth, doch alle nennen mich einfach nur Lis. Und das ist gut so. Denn Elisabeth finde ich persönlich etwas altmodisch und nicht der Zeit angepasst.
Dass mein liebster Kiran tatsächlich ein Werwolf sein kann wenn er muss habe ich natürlich meiner Familie verschwiegen. Auch dass der Rest der Familie Faller im Husky Camp Vampire oder Damphire (Halbvampire) sind wissen sie nicht. Wie soll meine Familie verstehen dass aus ihrem liebenswerten Mädchen das bei ihnen in der Bäckerei gearbeitet hat eine Hexe geworden ist. Dass ich auf seltsame Art und weise einer Legende gefolgt bin und sozusagen meine Berufung gefunden habe… Dazu noch im abgelegenen Alaska. Wer zieht schon freiwillig nach Alaska? New York oder Melbourne würde man wohl eher verstehen. Aber in die Pampas von Alaska…
Dass es da noch einen Teil in Alaska gibt der von Elfen und Zwergen bewohnt wird kann ich meiner Familie wohl auch nicht zu muten. In meiner Welt hier in Alaska scheint es uns logisch zu sein was wir sind und dass wir für einander einstehen. Wir hüten unser Geheimnis so lange es uns möglich sein wird. Wir sind die Hüter des sonderbaren. Wir sind hier eine Familie geworden.
So wie die Dinge stehen werde ich wohl meiner Familie nie die Wahrheit sagen können. Die sind in der Lage und sperren mich in eine Klinik! So unwirklich hört sich das alles an. Und das bin ich mir vollends bewusst. Vielleicht möchte ich auch die Behütete Welt von meiner Mutter, und ihrem Lebenspartner Robert, mit ihrer Bäckerei so in Erinnerung behalten. Meine kleine Wohnung oberhalb der Bäckerei aufzugeben fällt mir außerordentlich schwer. Diese Dinge schiebe ich noch vor mich hin.
Auch die Ferien in Norwegen mit meinem Vater und seiner Marit hatten mein Bruder Tino (Martin) und ich immer genossen. Marit hat uns immer Märchen erzählt von Elfen, Zwergen und anderen Fabelwesen. Daher stammte wohl meine große Fantasie vom weißen Pferd das nur mir alleine gehört. Von diesem Pferd träumte ich ein Leben lang. Doch dass so etwas tatsächlich existieren konnte hatte ich nicht erwartet. Ja, vielleicht sollten meine Familie und ich diese schönen Erinnerungen weiterhin in unseren Herzen tragen. Sie müssen nicht wissen was aus mir geworden ist. Sie müssen nicht wissen dass sich durch mich die verschiedenen Kreaturen zusammen finden und friedlich mit einander leben.
Kiran hat mir mal gesagt: „Kleines, sie müssen nicht begreifen was du in Alaska suchst. Sie müssen nur akzeptieren dass es dein Wunsch ist hier mit mir zusammen zu leben.“
Na ja, der kann einfach reden. Seine Familie teilt ja sein Geheimnis. Auch sein Vater ist ein Werwolf. Obwohl Kiran eher davon spricht dass er einem Wolfsmensch ähnlicher sieht. Das hat schon etwas, er sieht nicht wie ein richtiger Wolf aus. Seine Verwandlung ist irgendwie anders. Aber eines ist sicher: Er ist ein Leitwolf! Zu beginn war es für mich irgendwie unwirklich und gruselig. Doch mittlerweile ist es für mich der ganz alltägliche Wahnsinn geworden dass ich um seltsame Wesen umgeben bin die ihre Fähigkeiten haben. Doch irgendwie hatte Kiran recht mit seiner Aussage. Wenn mich meine Familie liebt werden sie es akzeptieren. Heute nehme ich es etwas lockerer und freue mich auf den nächsten, vielleicht abschließenden, Besuch in der Schweiz. Mein Bruder hat beschlossen seine Michaela zu heiraten. Die beiden passen einfach perfekt zusammen. Ich bin Stolz auf meinen Bruder der ein erfolgreicher Designer geworden ist. Sein Label nennt sich Tino Design und Michaela ist eines seiner Models. Es fügt sich zusammen was zusammen gehört.
Nun sitze ich hier in unserer sehr kleinen Blockhütte und trage meine Prioritäten Liste zusammen. Darauf schreibe ich Dinge die mir wichtig sind und Dinge die noch zu erledigen sind. Da gibt es die Aufenthaltsbewilligung einzuholen und vieles mehr. Kiran ist damit beschäftigt, eine Zweigniederlassung ihres Eventbüros in London nun hier in Fairbanks zu eröffnen. Darin getarnt ist ein Detektivbüro. Heute verstehe ich die Notwendigkeit für so etwas. Vielleicht wird dieses Detektivbüro uns mal eine Hilfe sein können. Eine Hexe zu sein ist für mich absolut neu. Mir wurde die Gabe mit dem Tod von Marius übergeben. Wenn ich an Marius denke wird es mir schwer ums Herz. Er hat mich ein Leben lang gesucht da er mir in einem früheren Leben auf brutalste Weise mein Leben genommen hat. Und das nur um an meine Gabe zu kommen. Was ich damit alles anstellen kann weis ich noch nicht. Der unangenehme Teil ist, dass ich ab und an Stimmen in meinem Kopf wahrnehmen kann. Doch ich habe gelernt mich zu verschließen und nicht mehr alles zu zulassen. Das angenehme daran ist, dass wir verrückten Wesen uns per Gedanken miteinander unterhalten können. Je nach Situation ist das eine durchaus praktische Sache. Also wenn sich zwei Wesen durch liebe finden erkennen sie ihre Namen der Sele oder des Geistes. Wie auch immer man es eben nennen wollte. Mein Kiran trägt den zweiten Namen Leon und ich bin seine Eve.


Das Camp


Also lebe ich hier in Alaska, im Husky Camp. mit Joe Faller dem Halbvampir und seiner Familie. Die Familie bestand aus Jo (dem Menschen) und seiner Partnerin Mona (der Vampirin) und den restlichen der Truppe. Ihr äusserst attraktiver Sohn Joe war die Gabe hinterlegt worden mich zu beschützen. Was für ein attraktiver Beschützer. Nicht ganz so gross wie Kiran aber doch ein adretter Bursche. Er trägt langes braunes Haar dass er meistens hinten zusammen bindet. Er ist eher der dunkle Typ Mensch. Aus diesem Grund fallen auch seine stahl blauen Augen so ins Gewicht. Joe ist gutaussehend und nett. Eigentlich konnte ich mich in dieser Hinsicht nicht beklagen. Er wurde ein wahrer, treuer Freund.
Ausserdem gab es im Camp noch Ben (Vampir und Bruder von Mona) mit seinen Söhnen. Sein Sohn Cameron (Halbvampir), ist im Gegensatz zu seinem Vater, nicht geduldig und sehr aufbrausend. Sein langes schwarzes Haar passt zu seiner ungestümen Art. Er raucht bei jeder Gelegenheit, wobei sein Vater nur ab und an mal aus Genuss eine Zigarre anzündete. Camerons Frau Sandra und ist auch ein Halbvampir mit Kräften die bei Verletzungen Linderung schaffen. Sie trägt ihr Haar kurz und blond.
Bens zweiter Sohn heisst Steven und ist ebenfalls ein Halbvampir. Steven hat kurzes braunes Haar und ist ein sehr ruhiger Typ. Er denkt immer zuerst nach bevor er handelt. Das pure Gegenteil von Cameron. Seine grosse Liebe gehört der Halbvampirin Julia. Julia ist keine Heilerin, doch sie kann anhand von Steinen Linderung verschaffen oder Unheil fernhalten.
Die Vampire und Halbvampire hatten alle sehr blaue, klare Augen. Ich selbst sah sie nie weinen. Doch wenn sie von Traurigkeit oder ärger heimgesucht wurden, wurden die Augen dunkelblau bis grau. Aber als Vampir oder ähnliches hätte ich sie nicht eingestuft. Sie waren alle so unheimlich menschlich. Sie zeigten mehr Menschlichkeit als manch anderen Menschen der meinen Weg gekreuzt hatte. Tatsächlich verbrannten sie nicht an der Sonne. Den Halbvampiren macht die Sonne überhaupt nichts aus. Doch Mona und Ben trugen meistens eine Sonnenbrille und Kleider mit langen Ärmeln. Auch sie verbrannen nicht, können sich aber bei sehr sonnigem Wetter Brandblasen einfangen. Die natürlich rasch heilen. Ich nehme aber an, das Ganze war schmerzhaft.
Ausser den Vampiren und dem Wolfsmensch gab es da noch die Form/Gestaltwandler Geschwister Paula und Tori. Die beiden waren halb Eskimo und halb Indianer. Daher hatten sie wohl das exotische aber sehr hübsche Aussehen. Paula begegnete ich schon in der Schweiz. Durch eine Kontaktanzeige hatte sie geglaubt ihren Mann fürs Leben gefunden zu haben. Aber kaum in der Schweiz angekommen war die Liebe schon wieder vorbei. Trotzdem blieb sie in der Schweiz und bekam die Stelle bei uns in der Bäckerei. Durch sie kam ich auf die Idee mit meiner langen Reise in Alaska zu beginnen. Sie kam damals mit Tom meinem besten Freund her. Und wie der Zufall es wollte passte Paula perfekt zu Joe und Tom zu Tori. Ob sie wollten oder nicht.


Zukunft

Ich sass gerade im kleinen Wohnzimmer an meiner Prioritäten Liste als Kiran ganz nah an mich heran trat und über die Schulter sah.
„Uh…, das ist aber eine lange Liste. Hat fast etwas Tagebuch mässiges.“
Klar sah ich seinen Schalk in den Augen. Aber so unrecht hat er nicht. Darauf stehen auch Dinge die mir wichtig sind wie: Die Schwangerschaft von Sandra und Julia. Weiter mahnt Kiran mich: „Wo steht denn das Datum von der Hochzeit des Wolfes und der Hexenbraut.“
Ich legte meinen Stift bei Seite und stand auf. Natürlich nahm mich Kiran lächelnd in seine Arme. Das bezweckte er wohl mit seinem gestänkere. Denn er weiss genau dass unsere Hochzeit noch warten kann. Wann wir genau heiraten steht sozusagen noch in den Sternen. Da wir vorerst andere Dinge zu erledigen haben, hat unsere Hochzeit echt keine Priorität. Unsere Herzen sind ja so oder so miteinander verbunden.
Ich sprach ruhig lächelnd: „Frühstück bei Mona?“
Es war üblich geworden, dass wir uns zum Frühstück, bei Mona und Jo zu trafen. Dabei wurde das aktuelle Tagesprogramm aufgestellt. Zurzeit nahmen sie im Camp keine Gäste mehr auf. Die Welt wäre sicherlich noch nicht offen genug um solch seltsamen Wesen zu begegnen. Wir wollten uns verdeckt halten. Mona und ihre Familie hatte ja schon Jahrelange Erfahrung darin. Jo, unser Arzt, ging nach dem Frühstück weiterhin zur Arbeit in seine Klinik in Fairbanks. Das ist gut so denn die Vampire brauchten ihr Blut. Nicht täglich aber in regelmässigen Abständen. Ab und zu entnahm Jo auch mal Blut von einem der Huskys oder Pferde die hier im Camp lebten. Nicht zu viel aber damit konnte man sehr gut in der Not überbrücken. Kiran und ich bewohnten immer noch die kleine Blockhütte in der Nähe des Aufenthaltsraumes. Das war wirklich Zentral und praktisch.
Nun sah mich Kiran schuldbewusst an und gab mir einen sanften Kuss auf die Stirn als er danach sprach: „Kleines, geh du mal voraus, ich treffe mich zuerst noch mit Joe.“
Dabei grinst er über sein ganzes Gesicht. Ich rollte meine Augen.
„Müsst ihr euch denn jeden Tag raufen?“
„Was heisst hier raufe! Uns geht es hier um die Ausdauer. Wir trainieren doch nur, sozusagen…Etwa so wie Krafttraining.“
„Ausdauer…, trainieren…“, da musste selbst ich kichern, und meinte immer noch lächelnd, „hau schon ab, mein grosser!“ Mit einem Grinsen das über sein Gesicht strahlte hob er mit seiner rechten Hand mein Kinn an, küsste mich und sprach zärtlich: „Danke für dein Verständnis kleines, bis später. Ach ja, sieh mal genau auf deine Prio-Liste. Gaaanz unten.“ Danach war er so rasch aus der Blockhütte gerauscht dass ich gar nichts mehr dazu kam etwas zu erwidern.
Der ganz normale Alltagswahnsinn!
Neugierig sah ich auf meine Liste und sah dass er etwas rein geschrieben hatte: Priorität und sehr Wichtig: Zeit freischaufeln für Zweisamkeiten! Ich schmunzelte. Irgendwie unmöglich und süss zugleich. Danach schlenderte ich gemütlich zu Mona und Jo hinüber. Da ich heute Morgen die Erste zu sein schien half ich ihnen beim Frühstück richten. Eigentlich ein ziemlich normales Frühstück wenn man vom „Tomatensaft“, das natürlich Blut war, absah. Doch mit der Vorstellung von Tomatensaft konnte man es besser ertragen, sie es trinken zu sehen. Mona tat irgendetwas aus ihrem Kräutergarten, den sie in ihrer Küche hatte, hinein damit es nicht so stark nach Blut roch. Es hatte jetzt einen eigenen sehr blumigen Geruch. Dafür war ich ihr, wirklich sehr dankbar. Ich war mit meinen Gedanken etwas abwesend. Meine Gedanken schweiften über das Einte oder Andere Problem das mir noch bevor stand in Bezug auf meine Eltern.
„Lis, ist alles in Ordnung“, war Mona neugierig und besorgt.
„Ja, eigentlich schon.“ Ich zuckte mit der Schulter auf.
„Eigentlich?“, sah sich mich eingehend und fragend an.
Ich seufzte auf. „Ich muss bald in die Schweiz, unter anderem, um mich für die Aufnahme Bestimmungen für Alaska zu kümmern. Meine Familie darüber informieren…“
„Aha, daher weht der Wind“, unterbrach mich Jo der mich von der Seite liebevoll an stupste. Ich stupste ihn zurück und wir lächelten einander an. Im nächsten Moment ging die Türe auf und wir hörten die warme Stimme von Tom.
„Einen wunderschönen guten Morgen.“ Er war gut gelaunt und strahlte mich an.
„Wo ist Tori?“, war meine Frage direkt an ihn gerichtet.
„Nehme an dort wo sich auch dein Kiran rum treibt.“ Ich hörte genau den Spott in Toms Stimme. Ich sah ihn direkt an und konnte noch sehen wie er seine Augen rollte. Dann kam er auf mich zu und nahm mich kurz in die Arme. Unweigerlich lächelte ich ihn an und Mona kicherte im Hintergrund. Dann schnappte er sich ein Stück Brot und setzte sich an den Tisch. Ab und an hatte ich noch Bedauern mit meinem langjährigen Freund. Eigentlich kam er nur nach Alaska um mich zu besuchen. Und dabei hat er sich in Tori eine Form/Gestaltwandlerin verliebt. Sie ist der Schwarzbär und er der Mensch. Was für eine ungewöhnliche Verbindung. Da Tori nicht gerne die Gestallt wechselt und Tom nicht viel von Alaska hält werden sie wohl in Zukunft ihr Leben nicht hier mit uns teilen.
Kurze Zeit danach gesellten sich die Schwangeren Sandi und Julia zu uns. Die Schwangerschaft stand den beiden Halbvampiren wirklich sehr gut. Sie blühten richtig auf. Sandi sah meinen Fragenden Blick bezüglich ihrer Männer und erklärte: „Zur Abwechslung mischen Cam und Steven auch mit.“
„Oh…“, staunte Jo und sprach zu seiner Frau: „Mona, bitte stell eine extra Portion Tomatensaft auf den Tisch. Unsere Kämpfer werden es brauchen.“ Das kam so trocken aus Jo’s Mund dass wir alle laut lachen mussten.
„Ben kämpft auch?“, fragte Mona neugierig in die Runde. Sie konnte sich nicht vorstellen dass ihr Bruder freiwillig kämpfen sollte. Gerade in diesem Moment kam Ben zur Türe hinein und antwortete sogleich: “Bin ja schon da, wollte nur mal sehen wie sie sich der wilde Haufen so macht. Mit Haufen meinte er wohl unsere Kämpfer. Er sprach mit seiner rauen, dunklen Stimme:
„Sie sind eine gute Mischung und ein gutes Team. Ich bin zuversichtlich. Sie werden immer besser.“
Natürlich waren wir alle gespannt wie sie nach dem kämpfen wieder aussahen. Meistens sahen wir ihre Wunden direkt vor unseren Augen heilen. Mittlerweilen habe ich mich daran gewöhnt. Aber ich werde wohl nie verstehen wie man sich so etwas aus freiem Willen antut. Sie konnten sich glücklich
schätzen dass ihre Wunden so rasch heilten. Trotzdem fand ich diese Rauferei zu übertrieben. Paula und Steven waren die ersten die sich von der kämpfenden Gruppe ablösten und zu uns Frühstücken kamen. Steven, der Halbvampir, ging sofort zu seiner Julia und gab ihr einen Kuss auf den Kopf. Sie schüttelte nur verständnislos ihren Kopf als sie seine Verletzung am Kinn sah die schon fast wieder verheilt war.
„Hey, im Gegensatz zu den anderen sehe ich wirklich gut aus!“, war sein Protest.
Paula lachte auf: „Ja das stimmt wirklich!“ Und nahm neben mir Platz. Paula hatte keine Schramme, sie muss wirklich schnell gewesen sein. Die restlichen vier kamen alle gleichzeitig. Die Hitze in Tori sah man ihr noch gut an. Sie hatte ganz rote Wangen und ein zwei blaue Flecken im Gesicht die sofort verblassten. Die Jungs hatten sich, wohl auch bei ihr, zurückgehalten. Was sich meiner Meinung nach, auch so gehört! Schon schlimm genug dass sich die Mädchen mit prügelten. Cam, Stevens Bruder, hatte ein geschwollenes Auge und eine klaffende Wunde am linken Oberarm. Sandi nahm sich diesem sofort an. Joe wies eine grosse Schramme am Oberschenkel auf, die man sehen konnte da seine Hosen zerrissen waren. Im Prinzip sah er ja so sogar noch recht sexy aus. Doch Paula schüttelte ihren Kopf leicht als sie ihren liebsten so sah. Joes Gesicht schien bereits wieder abzuschwellen. Man sah noch etwas Blut im Gesicht, dass er sich aber bereits routiniert abwischte. Wir hörten Knochen knacken als Kiran sich streckte und reckte. Es schien ihm durchaus etwas peinlich zu sein.
„Entschuldigt bitte, aber ich musste mich wieder herstellen.“
Auch ich schüttelte nur den Kopf als ich seine klaffende Wunde an der Schulter sah die gerade heilte. Danach war es für einen Moment, relativ Ruhig da wir, fast alle, mit Essen beschäftigt waren. Cam hatte seinen Tomatensaft im nu leer und fragte ungeduldig in die Runde: „Na…, wie geht’s jetzt weiter? Was ist unser Tagesprogramm?“
„Wir gehen noch heute nach Fairbanks und erledigen Toris Angelegenheiten. In etwa einer Woche fliegen wir dann weiter in die Schweiz“, erklärte uns Tom ruhig und ziemlich gelassen. Natürlich war Toms Blick auf mich gerichtet. Er wusste nur zu gut dass ich ihn vermissen würde. Er fehlte mir gewissermassen jetzt schon. Ich hoffte ja immer noch dass er sich ebenfalls in Alaska niederlassen würde. Doch es sah nicht danach aus. Ich riss mich zusammen und nickte ihm zu als ich sprach: „Mein Visum läuft auch ab. Sollte also auch schnellst möglich zurück in die Schweiz.“
Kiran war etwas erstaunt über meine Worte und sah jetzt etwas nachdenklich aus. Ich hatte ihm ja noch nichts davon erzählt dass mein Visum abläuft. Er hasste es wenn ich ihm nicht alles erzählte. Heute liess er sich aber nichts anmerken. Kiran sprach mit ruhiger Stimme: „Ich fahr heute mit Tom und Tori nach Fairbanks, ich hab da diverse Liegenschaften die ich ansehen muss für die Zweigniederlassung. Werde den ganzen Tag dort beschäftigt sein.“ Dann sah er zu Jo hinüber und fragte ihn beiläufig: „Jo, kann ich am Abend mit dir zurückfahren?“ Jo nickte und Kiran fuhr weiter: „Mein Vater wird sich in etwa 3 Wochen hier einfinden. Ihr werdet es spüren da ihr automatisch in Alarmbereitschaft geratet, wenn er in eure Nähe kommt. Ich sag ihm er soll euch, aus Sicherheit, zuerst anrufen.“
Ich seufzte gedankenversunken und faste zusammen: „Also dann werden wir uns von Tori und Tom heute noch verabschieden müssen.“ Ich kniff mein Gesicht zusammen und sah Tom in die Augen als ich anfügte, „aber ich sehe euch dann bei der Hochzeit meines Bruders wieder. Vielleicht wisst ihr dann mehr wo ihr in Zukunft lebt. Ich und Kiran werden auch längere Zeit weg sein, bis alles geklärt ist mit den Behörden und meinen Eltern. Kiran hat bestimmt auch vieles zu erledigen in London. Also werden wir noch nach London reisen müssen. Könnte ich mir vorstellen.“ Räusperte ich mich als ich zu Kiran hinüber sah.
Nun sahen alle in Kirans Richtung, er lächelte zufrieden und erklärte: „Jupp. Kleines das werden wir schon richten. Eines nach dem anderen.“
Ich war froh dass Kiran heute so gut gelaunt war. Kiran machte eine kurze Pause, trank einen Schluck und sah zu Mona und Jo rüber: „Mona, Jo, besteht die Möglichkeit dass wir eines der grösseren Blockhäuser erwerben können? Wir würden gerne hier im Camp leben.“
Diesmal machte ich grosse Augen und verschluckte mich an meinem Getränk. Zwangsläufig musste ich husten. Kiran und ich hatten mal ganz kurz darüber gesprochen. Wir sind aber nie ins Detail gegangen. Er war mir wohl wieder eine Spur voraus. Kein Wunder hatte er so gute Laune, ging es mir durch den Kopf. Mona lächelte zufrieden als sie Kiran antwortete: „Ja, wir haben da schon eines das ich euch gerne zeigen wollte.“
Julia und Sandi kicherten ganz leise und Julia sprach dann leise zu mir und Kiran: „Ähm…, Sandi und ich sind ja bereits unsere Babyzimmer am einrichten und es macht uns so riesigen Spass. Da wollten wir euch beide fragen ob wir euer Blockhaus auch einrichten dürfen. So, dass es bereit sein wird wenn ihr wieder zurück kommt. Natürlich helfen uns Steven und Cam.“
Wir hörten Steven und Cam leise seufzen. Natürlich lächelten und nickten sie, wie auf Kommando, uns zu. Wie hätten sie ihren bezaubernden Frauen widerstehen können.
„Ja das ist wirklich eine wundervolle Idee. Eine Sorge weniger. Dann wäre das ja auch schon geklärt!“ Ich lächelte Kiran, über den Tisch, liebevoll an. Und er nickte mir zustimmend zu.
Nachdem das wichtigste gesagt war ging Jo zur Arbeit. Nicht so lautlos und geräuschlos wie die Vampire. Darüber war ich froh. Es war nicht immer leicht diese Wesen so lautlos um sich zu haben. Manchmal kam es einem vor als hätte man kein Privatleben mehr weil man immer damit rechnen musste gleich steht wieder einer neben einem. Kirans Augen leuchteten, er schien belustigt zu sein. Warum auch immer. Joe hingegen sass die ganze Zeit neben Paula und rutschte nervös hin und her. Er sah aus als würde ihn etwas belasten. Joe schien irgendwie genervt zu sein. Ich spürte dass er es aussprechen musste also sprach ich ihn direkt an: „Joe? Was ist mit dir los?“
Seine Stimme grollte leicht und es hörte sich bedrohlicher an als es war.
„Ich weiss nicht. Ich meine,…Paula zieht zu mir,…ich hab ja genügend Platz. Das wünsche ich mir auch. Aber,…Scheisse ich meine,… die Sache ist so, am Anfang war es meine Aufgabe Lis zu beschützen und zu lehren. Jetzt hat Lis ja Kiran das weiss ich ja auch. Doch ich bekomm das mit dem Beschützer Instinkt zu Lis nicht weg und Kiran ist mein Freund geworden.“ Jetzt stöhnte Joe kurz aber tief auf. „Also kurz gesagt, …Ich muss mit euch mit in die Schweiz.“
Jetzt wurde es laut am Tisch. Sogar Mona war ausser sich und gab ein grollen von sich und ich sah ihre spitzen Eckzähne. Ich hatte sie so, noch nie gesehen. Tatsächlich erschrak ich vor dieser Gestalt etwas. Ich war über so viele Emotionen überrascht. Obwohl sie ein reiner Vampir war hab ich sie als extrem menschlich empfunden. Für mich war sie nie wirklich wie ein Vampir. Wenn man Mal davon absieht dass sie den ganzen Tag, mit langen Kleidern und Sonnenbrille, herum läuft. Joe war immer noch aufgebracht. Er sah aus als hätte er sich gleich nicht mehr so im Griff. Joe war wütend dass ihn niemand verstand und alle dagegen sprachen. Joes Augen funkelten wild und auch seine Eckzähne wurden sichtbar. Ein leichter Schauer lief mir den Rücken hinunter. Er sah sehr gefährlich aus. Ohne Vorwarnung, ganz plötzlich sprang Joe lautlos, quer über den Tisch und stürmte zur Tür hinaus. Ich war erstaunt darüber wie lautlos Joe selbst in dieser Situation war. Kiran flitzte, nicht genau so lautlos, ihm nach. Automatisch seufzte ich laut auf. Am Tisch wurde es ruhig und ich sah zu Paula als ich ihr meine Gedanken mitteilte: - *Wusstest du davon.* -Ich war neugierig. Sie nahm meine Gedanken auf und seufzte, als ihre ehrliche Antwort kam: -* Ich habe so etwas geahnt. Gewusst nicht, er hat mir nie etwas darüber erzählt*-
Die Stimmung war jetzt nicht gerade auf dem Höhepunkt des Morgens. Ben versuchte die anderen zu beruhigen. Wir beschlossen das Ganze erst mal setzen zu lassen um später in Ruhe darüber sprechen zu können. Im Grunde genommen war es ja gut dass Joe den Mut fand um darüber zu sprechen. Es war für ihn wirklich nicht einfach mich ganz Kiran zu überlassen. Irgendetwas in ihm gab ihm den Impuls mich zu beschützen und er wurde das Gefühl einfach nicht los. Jetzt da Joe es laut ausgesprochen hatte bemerkte ich die Zeichen auch. Joe war immer schneller bei mir als alle anderen. Und er wusste immer wo ich war. Ich nahm nur nie wirklich Notiz davon dass es ihn so Belastet. Nach diesem eigenartigen Zusammenstoss gingen wir unseren Verpflichtungen nach. Ich und Paula schlenderten in unsere Blockhütten zurück um auf unsere Männer zu warten. Es blieb uns ja nichts anderes übrig. Doch sie waren noch nicht zurück. Ich stöhnte kurz auf weil ich wusste das konnte durchaus dauern. Paula ging dann doch alleine nach Hause. Ich sah ihr nach und fand es erstaunlich wo sich meine Freundin und ich uns jetzt befanden. Ich lernte sie bei uns in der Bäckerei kennen. Ihr exotisches Aussehen (halb Eskimo und halb Indianerin) nahm mich damals sprichwörtlich in den Bann. Wir wurden gute, nein beste Freundinnen. Sie war auch diejenige die mir diese Adresse für ein Husky Erlebnis gegeben hat. Damals hat sie auch noch nicht gewusst was aus uns wird. Als sie später mit Tom auf einen Besuch angereist kam verliebte sie sich in Joe. Dabei entdeckte sie dass auch sie eine Form/Gestalltwandlerin war. Sie ist das Pony zur raschen Flucht. Ein attraktiver Halbvampir und eine exotische Form/Gestaltwandlerin fanden zusammen. Auch diese Verbindung verblüfft mich jeden Tag aufs Neue. Sie sagen ohne meine Bestimmung zur Legende wären sie nie zusammen gekommen. Wer weiss!
Nach einer Weile begann ich mit meinen Gedanken nach meinem liebsten zu suchen.
- *Leon, wo steckst du. Ist alles in Ordnung.* -
Prompt bekam ich seine Antwort. - *Geht schon, kleines. Gib mir noch einen Moment. Bin gleich bei dir*-
Ich fand seine Antwort seltsam. Irgendetwas schien er mir verheimlichen zu wollen. Ich beschloss nicht hier in der Hütte auf ihn zu warten. Entschlossen ging ich hinaus um ihn zu suchen. Weit musste ich allerdings nicht gehen. Draussen, auf der kleinen Veranda, sass Kiran. Zuerst sah ich nur seinen Rücken. Also ging ich geradewegs auf ihn zu. Als ich ihn vor mir sah erschrak ich etwas. Er war ziemlich übel zugerichtet. Kein schönes Bild das er mir bot. Ich schwankte zwischen Mitleid und Wut. Ich stemmte meine Arme in meine Hüfte und schüttelte meinen Kopf fassungslos hin und her. Ich beruhigte mich ein wenig.
„Komm hinein ich helfe dir. Musste das den wirklich sein?“
„Jupp“, war seine knappe Antwort. Er stöhnte auf als er aufstand. Wir gingen hinein und er legte sich aufs Bett. Er sah mich schuldbewusst an.
„Keine Angst kleines, die Wunden werden heilen, es braucht nur etwas länger als auch schon.“ Wollte Kiran mich wohl mit seiner Aussage beschwichtigen. Netter Versuch! Dass seine Wunden heilen dessen war ich mir bewusst doch er sah echt schlimm aus. Etwas mürrisch fragte ich: „Sieht Joe genauso aus?“
„Nein, ich hab nicht zu geschlagen.“
„Ich versteh dich nicht. Was meinst du…“
Er stöhnte kurz auf: „Kleines, Joe musste Dampf ablassen. Versteh doch, er war so wütend auf die ganze Situation. Es hätte ihm nicht geholfen wenn ich genau so zurückgeschlagen hätte. Es ist in Ordnung so wie es ist. Joe hat sicherlich auch schon ein schlechtes Gewissen. Nehme an er hat Sandi bereits informiert. Sie wird sicher gleich da sein um mir ein wenig Linderung zu verschaffen.“ Er sah meinen vorwurfsvollen Blick und stänkerte: Ach komm, dafür sind Freunde da. Jetzt schau mich nicht so vorwurfsvoll an. Bitte!“
„Normale Freundschaften verlaufen anders“, motzte ich und schmollte vor mich hin. Kiran lächelte mich an und ich konnte seine Augen belustigt aufblitzen sehen. In meinen Augen hätte es nicht so weit zu kommen brauchen. Das war nun wirklich nicht nötig. Freundschaft hin oder her. Ich musste Kiran zudecken, er begann am ganzen Körper zu zittern.
Vor Schmerz!
Idioten!
Ich war enttäuscht darüber dass Joe meinen liebsten derart hergerichtet hat. Sie waren Freunde geworden. In meinen Augen tut man das einem Freund aber nicht an. Verrückte Wesen hin oder her. Irgendwie war ich auch darüber enttäuscht dass Kiran das mitgemacht hat.
Männer!
Als Sandi kam ging ich hinaus. Unsere Halbvampirin mit Heilkräften kann ihm mit Sicherheit Linderung verschaffen. Doch hat er die verdient? Im Wohnzimmer traf ich auf Joe der auch mitgekommen war. Schuldbewusst sass Joe auf dem Sofa im kleinen Wohnzimmer.
„Hey Schweiz, komm leg los. Les mir die Leviten.“
Ich setzte mich seufzend zu ihm hin.
„Das hat doch keinen Sinn. Weißt ja selber wie doof ihr beiden seid. In meinen Augen tut man das keinem Freund an.“
„Ja, da hast du deine Prinzipien. Und ich gebe dir Recht.“
„Du scheinst nicht zu verstehen.“ Ich sah ihm direkt in die Augen: “Genau das ist der Punkt, der uns Schwierigkeiten bereitet in Bezug auf dich und die Schweiz.“
„Wie meinst du das?“
„Ihr hättet keinen Platz um eure Kräfte zu messen denn die Schweiz ist sehr klein. Ich zeig es dir bei Gelegenheit auf einer Karte.“
Joe grinste übers ganze Gesicht und stupste mich an.
„Kein Problem, geht auch ohne Kräfte messen.“
Ich seufzte und schüttelte meinen Kopf.
„Wohl Wunschdenken. Dann wären da ausserdem sehr viele Menschen die duften für dich sicherlich unheimlich gut und wir haben keinen an der Hand der uns Blut liefern kann.“
Er runzelte die Stirn. Nun sah er nachdenklich aus.
„Oh, ja, daran habe ich noch gar nicht gedacht. Das ist wirklich ein grösseres Problem. Aber hey, ich bin nur ein Halbvampir…“
„Eben, auch ein halber Vampir braucht ab und an mal Blut“, meinte ich wieder seufzend und Joe küsste mich auf meine Stirn. Darauf hin funkelte ich ihn so wütend wie möglich an da er die Situation abschwächt: „Du Idiot!“
„Ist das jetzt ein Kompliment?“, scherzte Joe bereits wieder.
„Deine Reue ist ja rasch verflogen…“
„Ich war wohl ein bisschen zu Impulsiv. Es tut mir wirklich Leid. Das weißt du ganz genau. Bin aber immer noch der Meinung ich sollte mit euch mit... Wie weiss ich jetzt auch noch nicht. Mache mir ein Paar Gedanken und spreche mal mit Paula in Ruhe darüber. Ich will und kann dich nicht alleine lassen. Das geht einfach nicht.“
Kaum hatte er ausgesprochen war er einen Augenaufschlag später schon wieder weg. Wohlwissend dass ich auf seinen letzten Satz reagiert hätte. Ich schüttelte meinen Kopf und verzog mein Gesicht. Werde mich wohl nie ganz daran gewöhnen wie schnell und lautlos die Vampire sein können wenn sie wollen. Kiran war auch leise, aber nie so lautlos. Das war wohl der Wolf in ihm. Nun ging ich zurück ins Schlafzimmer. Kiran sah schon viel besser aus und Sandi ging wieder. Doch meine Laune war immer noch auf dem absoluten Null Punkt. Ich stand immer noch fassungslos bei Kiran. Kiran sah zu mir hoch und klopfte, mit der Hand, neben sich auf das Bett. Ein Zeichen dafür dass ich mich zu ihm hin setzen sollte. Mit einem lauten Brummen sass ich dann endlich ab.
„Immer noch schlechte Laune wegen mir und Joe?“
Ich nickte ihm zu.
„Ach komm, das ist noch nicht alles. Ich kenne dich doch. Was liegt dir sonst noch auf dem Herzen? Erzähl es mir, kleines…“
Kiran kannte mich zu gut um nicht zu bemerken dass da noch mehr war. Ich schnaubte ein wenig vor mich hin bevor ich Antwort gab.
„Es geht um Joe. Einerseits wäre es wirklich schön wenn er und Paula mitkommen könnten. Paula hat sicherlich auch noch ein Paar Dinge in der Schweiz zu erledigen. Doch Joe war noch nie weg von hier. Ich glaube er überschätzt sich. Und ich frage mich ob ich ihn irgendwie von der Verpflichtung mich zu beschützen entbinden kann.“
Ich machte eine kleine Pause und sah Kiran direkt in seine hübschen grünen Augen. Kiran wollte mir etwas erklären.
„Ich denke, Joe wird sich immer dazu verpflichtet fühlen dich beschützen zu müssen. Im Grunde genommen ist das seine Aufgabe. Er dient wie ich der Einen, der Legende.“
Ich zuckte mit den Augenbrauen als Kiran mir das so ins Gesicht sagte. Nachdenklich sah ich zu Kiran der mir liebevoll die Haare aus dem Gesicht strich. Ich musste weiter ausholen:
„Angenommen Joe käme mit uns mit in den Ausgang oder ins Kino, da sind viele Menschen die ihn verrückt machen. Da bin ich mir ganz sicher. Und dann wäre da wirklich noch das Problem mit dem Blut. Ich kenne niemand der mir so nebenbei einwenig Menschliches- oder eben mal Tierblut geben könnte. Einfach mal so, ganz nebenbei ohne irgendwelche Fragen. Als könnte man es in einem Warenhaus einkaufen. Und ich stelle mich nicht zur Verfügung.“
„Und diese Dinge stehen tatsächlich nicht auf deiner Prio-Liste?“ Nahm mich Kiran jetzt hoch.
„Nicht sehr witzig“, war meine Antwort.
Kiran lächelte immer noch und nahm jetzt meine Hand in die seine als er versuchte mir zu erklären: „Wir haben noch etwas Zeit um gemeinsam eine Lösung zu finden. Zerbrich dir jetzt nicht unnötig den hübschen Kopf darüber. Lass das lieber meine Sorge sein.“
Nun zog er mich zu sich hinunter und gab mir einen sanften Kuss auf meine Lippen. Es ging ihm schon bedeutend besser denn sein Kuss wurde fordernd. Meine haut begann zu kribbeln. Auch ich musste wieder lächeln und löste mich lächelnd aus seinem Griff. Was gar nicht so einfach war. Eigentlich hatte er ja Recht. Vielleicht hatte es sich ja bereits von selbst geklärt. Kiran zog mich wieder näher an sich und sein Kuss wurde noch leidenschaftlicher. Er wollte mich hier und jetzt nackt und leidenschaftlich neben sich. Unweigerlich musste ich jetzt laut kichern.
„Ich denke du bist wieder bei deinen vollen Kräften.“
Tatsächlich sah man nur noch ein, zwei Kratzer aber ansonsten war alles so als wäre nichts gewesen. Er strich mit seiner Hand über mein Gesicht.
„Ja, aber leider habe ich keine Zeit um mich meiner Leidenschaft jetzt und hier mit dir hinzugeben.“
Diesmal lachte ich auf. „Na dann begib dich mal leidenschaftlich hinaus. Denke Tori und Tom warten sicher schon auf dich.“
Er stand auf, hielt mich fest umschlungen und sah mir direkt in die Augen: „Egal was auf uns zukommt. Ich bin an deiner Seite und versuche stets mein bestes zu geben. Ich liebe dich.“
Er sagte das mit so viel Gefühl dass meine Knie drohten nachzugeben. Und als er seine Worte auch noch mit einem Leidenschaftlichen Kuss bestätigte war ich nur noch Wachs in seinen Armen. Das belustigte ihn wieder denn seine Mundwinkel zuckten amüsiert auf. Ich hingegen wurde etwas verlegen. Dann nahm er mich bei der Hand und wir gingen hinaus.
Ich hatte recht behalten, Tori und Tom hatten gepackt und waren reisefertig. Ich verabschiedete mich kurz. Keine grosse Verabschiedung da ich sie ja bald wieder sehen würde an der Hochzeit meines Bruders. Für Paula war es doch viel schwieriger. Sie würde ihre Schwester für lange Zeit nicht mehr zu Gesicht bekommen. Ausnahmsweise waren es nicht meine Tränen die da flossen. Und ich war ja wirklich nah am Wasser gebaut. Ich zog mich in die kleine Blockhütte zurück und zuckte zusammen als Kiran meinen Seelenname benutzte um mir seine Gedanken mitzuteilen: - *Eve, schau dir doch in der Zwischenzeit das Haus an von dem Mona gesprochen hat. Sehen uns bald* -
Ob ich wohl mein ganzes Leben lang zusammen zucken werde wenn er diesen Namen gebrauchte? Eigentlich war es sogar sehr angenehm. Jedes Mal wenn er meinen Seelennamen - Eve - benutzte bekam ich ein kribbeln im Bauch. Es fühlt sich an wie ganz frisch verliebt. Das war eigentlich die schöne angenehme Seite am teleportieren der Gedanken. Ich beschloss ihm zu Antworten. -*Leon, mache ich. Beeil dich*-
Die Idee das Haus mal anzuschauen fand ich sehr gut. Denn sonst wäre ich im Aufenthaltsraum nur wieder vor den Computer gehockt und hätte gegoogelt was das Zeug hält. Aber weitergekommen wäre ich wahrscheinlich nicht. Also machte ich mich auf, um Mona zu suchen. Zu meiner Überraschung stand sie schon draussen und schien mich zu erwarten.
„Wartest du etwa auf mich, Mona?“
Sie lächelte mich liebevoll an und setzte sich ihre Sonnenbrille auf. Ihr blondes langes Haar hatte sie wie üblich hübsch hoch gesteckt.
„Ja, Kiran meint es sei eine Gute Idee das Haus anzusehen und ich stimme ihm zu. Wollen wir?“
Es war ein herrlicher sonniger Tag. Mona genoss es auf Ihre Art und Weise auch.
„Mona, sag ehrlich, wie findest du Joes Plan?“
Sie stürzte ihre Lippen. „Tja ich muss ihn endlich los lassen. Ich bin wie eine Glucke die ihr Kind nicht los lassen kann. Er ist mein kleiner Junge. Mittlerweile ist er schon zwanzig. Er braucht mich nicht mehr. Weißt du…, er war noch nie weg. Weg von mir… Er hat noch nichts gesehen von der Welt!“
„Ja, das dachte ich mir schon. Hier ist es doch für euch am sichersten.“
„Da sprichst du wahre Worte. Wer weiss wie er reagieren wird in einem Raum mit lauter Menschen. Ich selbst brauchte lange um mich zu konzertieren.“
„Hast du viele Menschen getötet?“, war ich neugierig.
„Hm…, ja einige. Es war nicht schön sich wie ein Tier zu verhalten. Doch der Hunger war so stark. Es gab eine Zeit da haben wir die Menschen nur als Nahrung gesehen und nicht als Lebewesen. Als Ben und ich feststellten dass unser Hunger, ersatzweise, auch mit Tierblut gestillt werden konnte waren wir froh über diese alternative. Und wenn wir uns von Menschen ernährten brachten wir sie nicht mehr um. Wir liessen sie am Leben. Mitunter war das ein Grund dass wir uns schlussendlich von den anderen abgelöst haben. Wir wurden anders… wieder menschlicher.“
Mona seufzte und wirkte sehr nachdenklich. Es muss eine schwere Zeit für sie gewesen sein. Da Mona gerade so von sich erzählte, wollte ich es wagen und fragte sie weiter nach ihrer Geschichte von der ich noch nichts wusste: „Wie hast du eigentlich Jo kennen gelernt?“
In Erinnerungen schwelgend lachte Mona kurz auf.
„Ach Lis, du fragst Sachen. Er war gerade in der Ausbildung als ich auf ihn traf. Es war in der Zeit als ich kurz rückfällig wurde und wieder begann Menschen zu töten. Ich lauerte einem Mann in einem Park auf. Als ich ihn mir schnappte sah ich ihn zuerst in die Augen. Augen die mich ruhig und mitfühlend anblickten. In den Augen lass ich keine Panik, nur Verwunderung. Also liess ich ihn los, ich konnte ihn einfach nicht töten. Es ging einfach nicht.“ Mona blieb stehen und sah mich direkt an: „Es war ein absolut merkwürdiger Moment! Der Mann, also Jo, stand einfach da und sah mich an. Er hatte keine Panik und rannte nicht davon. Stell dir vor, er wollte tatsächlich wissen ob es mir gut ginge. Da platzte es aus mir heraus und ich erzählte ihm meine Geschichte. Eigentlich hatte ich damit gerechnet er würde schreiend los rennen. Dann hätte ich ihn eben getötet. Doch Jo hörte mir weiter geduldig zu und hatte immer noch keine Angst vor mir. Im Gegenteil er hatte bedauern. Sein Mitgefühl war wirklich echt. Also nahm er mich bei der Hand und mit in seine Wohnung. Von da an waren wir unzertrennlich. Jo versorgte mich regelmässig mit Blut. Und als Jo von der Gemeinschaftspraxis in Alaska hörte war für ihn klar, dass das unser sicherster Weg sein wird. Also nahmen wir den weiten Weg nach Alaska in kauf. Als auch Ben mit seiner Familie nach kam, begannen wir mit den Huskies und Pferden. Lis, ohne ihn würde ich, …nein wir, heute nicht hier stehen und ein friedliches Leben führen. Du kannst dir nicht vorstellen wie ich diesen liebevollen Menschen liebe. Jo gibt meiner Seele Frieden. Aus unserer Liebe entstand dann auch Joe. Was schon an ein Wunder grenzt. Wir bekamen etwas wovon wir nicht wagten zu hoffen. Ein riesen Geschenk. Durch meine Familie fühle ich mich menschlich.“
Ich hörte die Wärme in ihrer Stimme als sie mir grob einen Einblick gewährte. Selbst mir wurde es warm ums Herz. Was für eine hübsche Liebesgeschichte.
„Mona, du bist ein Mensch.“
Sie atmete schwer ein: „Nein, ich bin vor langer langer Zeit bereits gestorben. Ich lebe nur noch für meine Familie.“
„Jo ist ein Mensch, er wird älter. Wie geht ihr damit um?“
Mona lächelte zufrieden: „Ja da hast du wohl Recht. Aber in der heutigen Zeit ist das nicht wirklich ein Problem.“
„Willst du ihn eines Tages in einen Vampir verwandeln?“
„Gott bewahre! Meine Seele wird auch älter. Nur mein äusseres noch nicht. Und eines Tages möchte ich auch nicht mehr existieren. Nicht ohne Jo!“
Ich sah sie, quasi mit einem Fragezeichen im Gesicht an und sie erklärte lächelnd weiter: „Jetzt schau mich nicht so an. Dafür gibt es Schönheitschirurgen! Aber lassen wir das Thema für heute.“
Ich verstand einigermassen und lenkte das Thema wieder auf Joe: „Wenn wir also genügend Blut hätten würde es Joe sehr wahrscheinlich schaffen mit uns zu reisen. Was denkst du?“
„Schwierig zu Sagen.“ Zuckte sie mit ihrer Schulter kurz auf.
„Es gibt noch einiges zu überdenken. Weißt du, wieso er sich nicht vom Beschützer Instinkt lösen kann?“
„Er liebt dich!“ Grinste Mona heiter.
„Ja klar, …doch nicht so wie Paula.“
So langsam lief diese Unterhaltung in eine Richtung die mir gar nicht so gefiel. Mona sah mich seltsam musternd an.
„Er ist sehr glücklich mit Paula, sie haben einander gefunden. Wen du nicht Kiran hättest, wäre ich mir nicht sicher ob er sich nicht für dich entschieden hätte! Eventuell hätte er sogar um deine Liebe gekämpft.“
„Du denkst er hätte die Namen die unsere Seele trägt verleugnet! Mona…, niemals! So stark ist er auch wieder nicht.“
„Hm, ich weiss nicht…“, hörte ich nun Mona in Gedanken versunken. Das war definitiv nicht das Gespräch das ich suchte. Ich rümpfte meine Nase.
„Na dann sind wir doch froh, ist es nicht so gekommen. Wäre schade wenn ich sein Herz gebrochen hätte“, sprach ich so beiläufig wie möglich.
Mona blieb stehen und sah mich bestimmend an.
„Lis, es ist seine Bestimmung dich zu beschützen. Er kann nicht anders. Einer Bestimmung nicht mehr folgen zu können kann auch sehr schmerzhaft sein.“
„Das wusste ich nicht. Ich liebe ihn auch, wie einen Bruder.“
„Aber ja doch, das weiss ich.“
Nun lächelte sie mich geheimnisvoll an. Ihre Augen strahlten mich förmlich durch die Sonnenbrille an. Ich konnte sie kurz aufblitzen sehen. Was das wohl wieder zu bedeuten hatte.
„Lis, wir sind da, hier der Schlüssel.“
Da ich mit meinen Gedanken noch bei Joe war, war mir gar nicht aufgefallen dass wir bereits vor dem grossen Blockhaus standen. Gerne nahm ich den Schlüssel an mich, schloss auf und wir gingen hinein.
„Das Haus ist ja noch leer! Wieso sind da keine Möbel drin? Ich verstehe nicht…“, erstaunt drehte ich mich zu Mona, die immer noch lächelte. Ich verstand nicht weil alle anderen Hütten ja möbliert waren für die Gäste.
„Wir bauten dieses Haus aus einem Gefühl heraus. Wir glaubten an die Legende. Und hofften das derjenige oder diejenige hier bleiben werde. Du siehst, das ist euer Haus. Schon von Anfang an.“
Als Mona fertig gesprochen hatte viel mir erst auf dass mein Mund offen stand. Ich begann ihn zu schliessen. Eines führte also zum anderen. Es kommt wie es kommen musste. Jetzt verstand ich auch wieso Sandi und Julia das Haus gerne einrichten wollten. Es war ja noch leer!
„Geh schon und schau dich um“, sagte Mona immer noch leicht lächelnd und sichtlich stolz dass ihr die Überraschung gelungen war. Mit weit aufgerissenen Augen ging ich los. Der Eingang war grosszugig. Dann gab es auf dieser Etage noch ein WC mit Dusche, eine Küche mit offenem grossem Essplatz. Ein eher kleines Wohnzimmer und ein kleines Gästezimmer. Oben befanden sich nochmals drei kleine Zimmer und ein Bad/WC. Die Holzbalken an der Decke in den Oberen Zimmern gefielen mir sehr gut. Das Haus war gut genützt und die schönen grossen Fenster gaben viel Licht hinein. Als ich wieder nach unten ging traf ich Mona im Wohnzimmer an. Sie stand am grossen Fenster und sah nach draussen in die Weite.
„Es ist wunderschön, fühle mich geehrt hier wohnen zu dürfen. Ich bin überzeugt dass es Kiran auch gefallen wird, keine Frage.“
Mona blickte immer noch nach draussen.
„Das freut mich zu hören“, sagte sie sichtlich abwesend.
„Mona ist alles in Ordnung? Du siehst besorgt aus.“
„Hm…, da draussen ist etwas. Ich sehe sehr gut und sehr weit. Ich habe etwas Kleines wahrgenommen und im nächsten Moment war es wieder weg. So als wäre da nie etwas gewesen.“
Ich versuchte mich zu konzentrieren, sah aber beim besten Willen noch nichts. Meine Augen sahen natürlich längst nicht so weit wie die der Vampire oder Werwölfe. Dafür konnte ich jetzt Joe riechen. Was macht denn dieser schon wieder hier, ging es mir durch den Kopf. „Joe schleicht sich hier auch herum“, gab ich beiläufig von mir. War jetzt aber auch etwas angespannt. Denn wenn Joe das Gefühl hatte er müsse mich beschützen ist das irgendwie nicht so gut. Denke ich.
„Seid ihr in Alarmbereitschaft?“, wollte ich nun genauer wissen.
„Ja!“, gab mir Joe zur Antwort der gerade lautlos zur Türe hereinkam, die ja immer noch offen stand. Joe sprach weiter:
„Konnte nichts Ungewöhnliches entdecken. Es scheint als wäre alles in Ordnung. Es riecht bloss etwas seltsam…“
Joe zuckte mit der Schulter. Plötzlich hörten wir ein Glucksen. Ich drehte mich um und konnte ihn sofort sehen. Die Vampire waren sofort angespannt, begannen zu grollen, ihre Augen verdunkelten sich und sie zeigten ihre Zähne. Dabei verdunkelten ihre Augen beängstigend. Auch sonst sah ihr Gesicht anders aus. Ihre Venen traten hervor. Bei Joe sah ich dass sogar an seiner Hand und seinem Arm die Venen hervor standen. Dabei schien er jetzt bleicher wie sonst. Er sah fast so aus wie eine Wachsfigur im Gruselkabinett. Mona und Joe standen automatisch vor mich hin um mich zu schützen. Das gehörte mitunter ja zu ihren Aufgaben. Ich hielt meine Hand vor meinen Mund und begann zu kichern. Für mich war das gerade Situationskomik. Gleichzeitig war das Glucksen auch wieder zu hören. Joe’s grollen wurde lauter, er war ausser sich.
„Lis, was gibt es da zu kichern!“
Schrie er mich lauter an als er wollte. Es lag nun an mir die Sachlage aufzuklären.
„Entschuldigt…, bitte…, beruhigt euch es ist Suck der Zwerg.“
Die beiden verstanden so ganz und gar nicht wovon ich gerade sprach. Die Verwirrung war in Ihren Gesichtern zu lesen. Suck war einer der Elfen die verborgen im Wald lebte. Ich lernte ihn damals mit Marius kennen. Suck bot mir an aus dem ehemaligen Heim von Marius eine Zufluchtsstätte für mich zu schaffen. Denn einen schöneren, entspannteren Ort wie diesen kann ich mir nicht vorstellen. Dort spürt man die Friedlichkeit wie Elfen, Zwerge und die Tiere miteinander leben. Ein Ort des Friedens wurde dort erschaffen. Ich löste mich von Mona und Joe ab und ging in die Mitte des Raumes. Dann kniete ich mich hin. Ich konnte den neckischen Zwerg, im Gegensatz zu den anderen, ja sehen. Ich lächelte für die anderen sozusagen in die Leere hinein.
„Suck bitte zeig dich. Es wird dir nichts passieren. Sie lassen dich in Ruhe. Das verspreche ich dir.“
Prüfend sah ich zu Mona und Joe hinüber. Die beiden waren noch immer sehr verwirrt. Es amüsierte mich einwenig dass ich die einzige in diesem Raum war die Suck sehen konnte. Ich sah ihn sogar dann wenn er für andere Unsichtbar war. Das musste wohl zu meiner Gabe gehören. Nun sah ich nochmals zu Mona und Joe hinüber um mich zu vergewissern dass sie mich verstanden hatten Suck nichts zu leide zu tun. Beide standen noch ziemlich Ratlos dort aber nickten mir vertrauensvoll zu. Sie vertrauten mir. Und sie beruhigten sich.
Plötzlich stand er da, direkt vor uns. Suck der Zwerg zeigte sich den anderen. Sein rundes Gesicht begann zu strahlen und man sah seine Zahnlücke die er zwischen den Schaufeln hatte. Sein rotes kurzes Haar war immer noch ganz wild gelockt. Er sah wirklich witzig aus. Wie ein Kind das nie erwachsen wurde und doch alterte. Schon wenn man in ansah musste man automatisch lächeln. Ich war in der Hocke etwa gleich gross wie er und sah ihm direkt in seine braunen grossen Augen.
Ich fragte ihn: „Was machst du denn hier?“
„Nach dir schauen. Schauen wie es dir so geht.“ Sprach er in seiner eigenen Art und Weise.
„Suck, mir geht es ausgezeichnet. Muss für längere Zeit verreisen komme aber zurück und werde mit Kiran in diesem Haus hier leben. Das wird unser zu Hause sein.“
Nun kniff Suck sein Gesicht zusammen.
„Aha, das ist gut so. Gute Neuigkeit. Ich bin fertig. Kommst du schauen. Ob dir das Häuschen gefällt?“
So langsam verstand ich warum er uns besuchen gekommen war.
„Ja, bevor wir gehen kommen wir vorbei und schauen uns das Häuschen im Wald an. Das ging ja wirklich schnell.“ Ich legte ihm eine Hand auf die Schulter um meiner Aussage an Gewicht zu verleihen: „Das verspreche ich dir.“
Sein Gesicht hellte sich auf. „Gut so. Wir freuen uns.“
„Ich mich auch. Übrigens dass sind Mona und Joe, meine Freunde.“
Suck begann laut zu Lachen, dass sich wieder wie ein glucksen anhörte. Als er sich beruhigte kam sein Kommentar:
„Elisabeth, ich sie kennen. Sie haben mich nie gesehen. Können wahnsinnig gefährlich sein. Besser sie sind deine Freunde.“
„Da hast du bestimmt Recht. Damit du es weißt, du hast von ihnen nichts zu befürchten. Du bist auch mein Freund, also bist du auch ihr Freund.“
„Gut. Du erklärst ihnen alles. Ich jetzt einfach gehe. Ich erwarte euch.“
So lautlos und unsichtbar wie er gekommen war ging er wieder. Ich stand auf und wendete mich Mona und Joe zu. Beide starrten mich mit grossen weiten Augen an.
„Ich fühle ihn nicht mehr. Er ist tatsächlich gegangen“, sprach Joe mit einem Gesichtsaudruck aus Verwirrung und Staunen.
„Das war Suck der Zwerg den ich bei Marius im Wald angetroffen habe. Da mir Marius diese Gabe zurückgab, bin ich irgendwie in Verbindung mit den Zwergen und Waldelfen getreten. Sie leben an diesem wunderschönen Ort im Wald in Harmonie. An diesem schönen Flecken steht Marius kleines Häuschen das Suck für mich und Kiran umgestaltet hat. Sodass wir jeder Zeit ein Zufluchtsort haben. Anscheinend ist er jetzt damit fertig. Er wollte mir nur bescheid sagen.“
Joe wendete sich mir zu: „Das hast du uns ja mal erzählt ich weiss. Aber ich konnte mir kein Bild machen und ihn jetzt hier stehen zu sehen war – speziell trifft es wohl am besten.“
Ich lächelte Joe an und er kam ganz nah auf mich zu. Ich sah in seine hellblauen Augen die bei seinem dunklen Typ schon sehr auffällig sind. Sein braunes langes Haar hat er hinten zusammen gebunden. Ein hübscher junger Mann der mir sehr, sehr viel bedeutete. Er sah mir ebenfalls direkt in die Augen und schloss mich dann in seine Arme. Mona stand hinter Joe und ich konnte ihr direkt in die Augen blicken. Ihr Blick sagte alles. Darin stand: Siehst du ich habe dir ja gesagt er liebt dich. Ich verdrehte meine Augen und sie begann verstohlen zu schmunzeln.
„So, ich geh dann mal wieder und ihr könnt eure Frauen Gespräche weiter führen.“
Er liess mich los und strich mir sanft übers Haar. Beim nächsten Augenaufschlag war er auch schon wieder lautlos verschwunden. Ich seufzte auf.
„Lis, ich bin froh Suck mal gesehen zu haben.“ Sprach Mona ehrlich.
Erstaunt sah ich Mona an: „Wie meinst du das?“
„Manchmal steht bei mir in der Küche ein neues Gewürz oder ein Kraut. Manchmal habe ich gerochen dass da noch jemand in der Küche steht. Habe – es, also ihn – aber nie gesehen.“
„Du denkst es war Suck?“
„Nicht ich denke. Meine Liebe, ich weiss dass er es war, er riecht gleich. Ich konnte ihn jedes Mal riechen, aber er schien mir nie gefährlich. Ich habe ausgezeichnete Riechorgane. Das nächste Mal werde ich ihn wohl zu sehen bekommen wenn ich ihn fühle. Hoffe ich doch.“
Der kleine Suck war wohl ein sehr neugieriges Kerlchen. Das konnte ich mir nur zu gut vorstellen. Danach gingen wir in Richtung Aufenthaltsraum. Mona ging zurück in ihre Küche und ich wollte mich auch noch einwenig hinlegen. Also machte ich mich auf in die kleine Blockhütte. Doch diese leere in einem wenn der Partner weg war, fühlte sich schon etwas seltsam an. Daran musste man sich zuerst gewöhnen. Wie gross meine Liebe zu Kiran war konnte ich nicht in Worte fassen. In Gedanke an meinen Kiran schlief ich wohl ein. Ich schief sehr unruhig und wälzte mich hin und her. Seit geraumer Zeit gab es da eine Stimme die nach mir suchte. Ich verschloss mich so gut wie möglich. Doch diese eine Stimme schien mich immer und immer wieder zu finden. Noch nie hatte ich Kiran davon erzählt. Was sollte ich auch erzählen. Ich konnte ja selbst noch nicht deuten wer oder was diese Person ist oder will. Plötzlich war da wieder einmal diese seltsame, beunruhigende Stimme in meinem Kopf zu hören: – *Ich suche nach dir. Gib mir einen Hinweis wo du bist. Ich werde dich sowieso finden. Die Zeit arbeitet für mich. Wehre dich nicht…Du gehörst zu mir. Nur mir* –
Ich wollte diese Stimme nicht hören. Die Stimme war zuckersüss und sehr verlockend aber ich wusste nicht was oder wer es ist. Ich verdrängte diese Stimme wieder und bekam die Ruhe die ich brauchte. Doch mein Traum holte mich weiter ein: wieder wurde ich im Traum verfolgt. Ich rannte so rasch mich meine Beine trugen. Schreiend erwachte ich! Ich öffnete ruckartig meine Augen. Ich war aufgewacht… Mein Blick viel sofort auf Kiran der im Türrahmen stand. Die Arme verschränkt mit einem Gesicht das sein Unbehagen wieder spiegelte stand er da vor mir.
„Wie lange stehst du schon da?“, fragte ich neugierig und noch etwas verwirrt. Ich rieb mich in den Augen und sass auf.
„Lange genug um zu sehen dass da etwas mit dir nicht in Ordnung ist. In letzter Zeit hast du diese Alpträume und sprichst nicht darüber. Ich weiss davon. Habe gehofft du erzählst es mir aus freien Stücken. Ich mache mir Sorgen. Erzähl mir davon.“
Wieder mal ein Gespräch das ich nicht führen wollte. Ich seufzte auf. Natürlich versuchte ich abzulenken, denn ich wusste genau von was er sprach. Ich wollte ihn beruhigen und weichte etwas ab: „Glaub mir es sieht schlimmer aus als es ist. Ich habe mit Mona das Haus angesehen, es ist wundervoll.“
„Du lenkst ab.“
Himmel, er sah sogar gut aus wenn er sich sorgen machte. Da war er wieder, der stechende Blick von Kiran. Wen er mich mit seinen schönen grünen Augen so ansah. Ich konnte ihm nicht ausweichen. Keine Chance! Mein Magen zog sich zusammen. Ich fühlte mich wie ein Kleinkind das gerade bei einem Unsinn ertappt wurde. Ich stürzte meine Lippen und seufzte. Also stand ich auf als ich weiter zu erklären versuchte: „Wenn ich aber noch nicht so weit bin um darüber zu sprechen?“
„Weshalb solltest du mir etwas verschweigen wollen?“
Tusche! Eins zu null für ihn.
„Es gibt Dinge die begreife ich einfach noch nicht. Insofern sehe ich nicht ein dass ich es irgendjemandem erzählen sollte. Darum warte ich lieber noch etwas ab. Je nachdem erledigt es sich von selbst, ohne dass sich irgendjemand Gedanken darüber machen musste.“
Kiran wurde lauter und seine Augen funkelten etwas wild.
„Wann lernst du endlich dass ich nicht irgendjemand bin.“
Er drehte sich abrupt um und ging aus dem Schlafzimmer. Das nächste was ich hörte war eine Eingangstür die zugedonnert wurde. Ich seufzte etwas auf und ging ins Wohnzimmer. Durfte ich denn gar keine Geheimnisse mehr haben. Eine normale Beziehung zwischen Mann und Frau war ja schon schwierig. Doch mit einem Wesen das ungeheure Kraft besitzt und deine Seele kennt … Also ging auch nach draussen um nachzusehen wo Kiran steckt. Ich hatte mir schon gedacht dass er auf unserer kleinen Veranda sass. Wenn er über etwas nachdachte ging er immer nach draussen. Er brauchte dann mehr Raum und Luft. In Räumen fühlte er sich zu sehr eingeengt. Das war wohl eindeutig der Wolf in ihm. Also setzte ich mich einfach kommentarlos neben ihn hin. Liebevoll wandte er den Kopf zu mir und sah mich an. Küsste mich schliesslich auf den Kopf.
„Entschuldige dass ich laut wurde. Alles was mit dir zu tun hat belastet mich. Marius, der mir kurz vor seinem Tod erklärte ich müsse immer auf dich aufpassen. Und Joe, der auch immer in Alarmbereitschaft steht wenn es um dich geht. Ein Wunder dass er nicht schon da steht.“ Kiran rollte seine Augen. „Wenn du Alpträume hast bedeuten die sicherlich etwas. Da brauchen wir und nichts vorzumachen. Keine Frage, die haben immer ihre Bedeutung. Versteh doch…“
„Ja, sicher bedeuten sie etwas. Aber ich habe noch keine Ahnung was es bedeuten soll.“
„Ach liebes, du musst doch noch gar nicht wissen was sie zu bedeuten haben. Wichtig ist nur, dass du mir davon erzählst. Unsere Beziehung ist seltsam ich weiss das ja auch. Um so wichtiger erscheint es mir dass wir einander völlig Vertrauen. Du solltest nichts für dich behalten. Setzt doch mal so etwas auf deine Prio-Liste.“ Jetzt musste ich etwas lächeln und er fuhr weiter: „Bitte erzähl…, was sind es den für Träume?“
Er strich mir sanft übers Haar. Ich lehnte mich an ihm an und er hielt mich mit einem Arm fest. Also beschloss ich es zu erklären so gut es eben ging.
„Ich höre eine Stimme, sie lockt mich, sie ist zuckersüss. Die Stimme wirkt vertraut und so nett. Die Stimme sucht nach mir, … vielleicht. Doch ich gebe dieser Stimme keine Antwort. So lange ich sie verdrängen kann mache ich das. Es ist irgendwie unheimlich. Dann gibt es da noch diesen unwirklichen Traum. Im Traum bin ich am wegrennen. Ich renne weg aus Angst, … nehme ich an. Aber ich weiss es nicht genau. Mehr ist da wirklich noch nicht.“
Kiran kniff die Augen eng zusammen als er mich dann eingehend ansah.
„Liebes, das ist schon relativ viel. Das bedeutet wohl dass dich jemand sucht. Egal ob gut oder böse. Früher oder später wird es dich finden. Wir müssen solche Dinge wissen damit wir nicht überrascht werden. Verstehst du dass den nicht?“
„Nein, ich finde es zu übertrieben. Ihr müsst nicht immer in Alarmbereitschaft sein. Einwenig kann ich mich ja auch wehren. Das weißt du ganz genau. Ich kann euch schmerzen durch Gedanken zufügen. Auch dich kann ich notfalls auf Distanz halten. Zumindest für einen kurzen Moment.“
Kiran wusste es nur zu genau und nickte mir zustimmend zu.
„Manchmal verstehen wir einander einfach nicht. Wir sprechen nicht immer dieselbe Sprache“, seufzte er.
„Da hast du Recht. Eben typisch Mann und Frau, wir denken definitiv anders. Ich hab da mal ein Buch gelesen Frauen sind vom Venus und Männer vom Mars. Oder war das umgekehrt…“
Ich musste laut lachen und Kiran nahm mit seiner Hand mein Kinn und hob es an. Dann bekam ich einen liebevollen zärtlichen Kuss. Ich lehnte mich wieder an ihm an und erzählte ihm von meinem ereignisreichen Tag. Erzählte ihm vom Haus das mir Maria gezeigt hatte und von Suck. Auch davon dass wir Suck noch besuchen sollten bevor wir in die Schweiz zurück reisen. Ich hatte etwas Angst dass Kiran es wieder verneinen würde. Wie beim letzten Mal als ich darum bat. Damals war ich in einer schwierigen Situation und er hatte Recht mir damals nicht zuzustimmen. Um ein Haar hätte ich mich nach Marius Tod von Kiran abgewandt. Damals war ich so durch den Wind. Um ein Haar hätte ich mich ins Unheil gestürzt. Damals wollte ich diese Magie nicht annehmen und war einfach überfordert mit der neuen Situation. Im Grunde war ich das heute auch noch etwas. Es kam damals einfach zu viel auf einmal auf mich zu. Doch diesmal wurde ich von Kiran sehr überrascht als er beiläufig aussprach: „Das ist eine wirklich gute Idee. Ich denke du bist so weit.“
„Ehrlich? Wir besuchen Suck… Du sagst nicht nein und kommst mit?“
„Jupp.“
Dankbar lächelte ich ihn an. Ein Stein viel mir vom Herzen.
„Kleines, da gibt es etwas dass ich dir gerne erzählen würde“, er sah mir direkt in die Augen. Er sah mich so eindringlich an dass es mir fast etwas unwohl war. Was hatte dieser Blick denn zu bedeuten? Angst machte sich in mir breit. Doch Kiran sprach langsam und deutlich damit ich ihm genau zu hörte: „Wir beide fliegen zusammen mit Tom und Tori zurück in die Schweiz. Genau in einer Woche sitzen wir gemeinsam im Flugzeug.“
Ich staunte nicht schlecht und sah ihn mit grossen Augen an. Automatisch begann ich zu lächeln. Was für eine wunderbare Überraschung!
Er erklärte aber noch weiter: „Ich habe bereits eine Liegenschaft gefunden für die Zweig- Niederlassung. Den Rest regelt mein Vater wenn er hier vor Ort ist. Unsere Aufenthaltsbestimmungen für Alaska sind auch schon in Abklärung, darüber musst du dich nicht mehr kümmern. Das kannst du von deiner Prio – Liste streichen.“
„Wie hast du…“, ich kam aus dem staunen nicht mehr raus und machte grosse Augen. Was dieser Kerl alles in so kurzer Zeit erledigen konnte. Schon etwas unheimlich, wenn man genau darüber nachdachte. Er hatte wohl meine Prio-Liste doch genauer unter die Lupe genommen als ich annahm.
„Vertrau mir einfach“, er strich mir übers Haar, „für Joe und Paula habe ich auch einen Flug gebucht, sie kommen auch mit. Sie wissen zwar noch nicht bescheid…“
„Aber wie? Ich meine, wie kommen wir an das Blut für Joe?“ Platzte es aus mir heraus und ich unterbrach Kiran. Kiran schien über meine Aufregung amüsiert zu sein. Er grinste breit. Natürlich konnte er mein Herzklopfen hören. Er legte seine Hand sanft auf die Stelle wo mein Herz schlug. Meine Aufregung amüsierte ihn also ein wenig.
„Kleines, mein Vater hat Beziehungen. Jo hat beim ausführen des gemeinsamen Plans geholfen. Joe wurde von Jo, in der Schweiz, im nächstgelegenen Spital angemeldet mit einer seltenen Krankheit. Frag mich bloss nicht wie die genau heisst. Dieses Fachchinesisch verstehe selbst ich nicht. Diese Krankheit setzt eine regelmässige Bluttransfusion vor. Er muss dafür nicht ins Spital, die Transfusion wird zu Hause gemacht. Da Joe, angeblich, von einer Pflegerin betreut wird. Und ich bin berechtigt jederzeit dieses Blut ein zu fordern.“
„Du bekommst wirklich Menschenblut? Einfach so?“
„Ich hätte auch Tierblut genommen, aber diese Lösung gefällt mir besser. Ein genialer Plan. Musst auch du zugeben.“
Kiran grinste wieder breit und ich nickte zustimmend: „Du bist einfach unglaublich.“
„Damit ist es allerdings noch nicht erledigt. Ich möchte mindestens 3 Tage, bevor wir abfliegen, in Fairbanks verbringen. Mit Joe und Paula zusammen. Wir müssen unter die Menschen gehen, damit wir sehen wie Joe sich verhält. Damit wir Notfalls ihren Flug noch stornieren können. Wir wissen noch nicht was uns mit Joe erwartet. Deshalb bin ich lieber vorsichtig.“
„Gute Idee! Du arbeitest wirklich gewissenhaft. Gegenüber meinen Träumen ist das doch wesentlich wichtiger. Finde ich.“
Ich stupste ihn mit meinen Ellenbogen an. Er stupste zurück. Vergass aber seine Kräfte zu zügeln. Und ich fand mich auf der anderen Seite der Veranda wieder. Na, das würde wieder mal ein zwei blaue Flecken mehr geben. Kiran war natürlich sofort bei mir und half mir auf.
„Bitte entschuldige, ich wollte nicht…“
Er sah mich natürlich schuldbewusst an.
„Grosser, das weiss ich doch.“
„Bereit für das gemeinsame Nachtessen bei Mona und Jo?“
Ich nickte ihm zu. Ausnahmsweise landete ich mal nicht über seinen Schultern. Denn meistens warf er mich einfach über seine Schulter und im nächsten Moment hatten wir das Ziel bereits erreicht. Heute hob er mich sanft hoch und küsste mich. In seinen Blick konnte ich lesen dass er lieber mit mir zurück in die Hütte gegangen wäre. Sein Sinn stand wohl nach etwas anderem. Ich lachte kurz auf und strubelte ihm durch sein halblanges Haar und er trug mich zu Mona und Jo hinüber. Oh ja, ich genoss diese Art von Zuwendung doch sehr. So auf Händen getragen zu werden hat schon was für sich. Und für ihn war es noch nicht mal anstrengend. Wir waren jedoch, wie so oft, wieder die letzten.
Kiran erzählte allen ausführlich was er heute alles erreicht hatte. Joe war sprachlos vor Freude als er die Nachricht erhielt mit uns mitgehen zu können. Monas Augen verdunkelten sich. Also hatte Jo bis jetzt dicht gehalten und ihr nichts davon erzählt. Ben, ihr Bruder, spürte Ihren Kummer und legte seine Hand auf ihre Schulter. Joe umarmte seine Paula und schwelgte im Glück. Als sein Blick auf seine Mutter viel, verstand er. Sofort stand er auf und ging zu ihr hin um sie zu trösten.
Es war ein sehr bewegender Moment.
Mona wusste wie gefährlich die Welt da draussen sein konnte. Joe nicht und das gab Mona dieses Unbehagen. Meine Gedanken schweiften automatisch zu meiner Familie. Wie ging es wohl meiner Mam? Auch sie war ständig in Sorge um mich. Mutter ist man wohl ein ganzes Leben lang.
Kiran bedankte sich noch für das Haus und wollte sich noch um das Finanzielle kümmern. Da Steven unser EDV Spezialist war bat Kiran, Steven im Haus noch einen separaten Computer Anschluss zu installieren. Dann fachsimpelten sie etwas über Computer und anderes Zeugs das noch installiert werden musste. Reine Männersache!
Etwas später erzählte Kiran allen von meinen Träumen. Dafür kassierte Kiran einen bösen Blick von mir. Er wusste genau dass ich es nicht erzählt hätte. Joe war sich jetzt sicher dass es eine gute Idee ist dass er mit uns reist.
Schlussendlich waren alle mit Kirans Plan einverstanden. Sie fanden es eine ausgezeichnete Idee einige Tage früher nach Fairbanks zu reisen um Joe zu testen. Im Notfall würden wir die Not-Bremse ziehen, dass wussten alle genau. Ein gutes Gefühl kam auf. Es gab uns irgendwie so etwas wie Sicherheit. Später wollten Julia und Sandi unseren Geschmack der Einrichtung ganz genau wissen. Ich erinnerte mich an Kirans Wohnung in London und fand er soll es regeln. Sein Geschmack gefiel mir besser als mein Durcheinander bei mir zu Hause. Ich bin doch etwas Chaotischer veranlagt als Kiran. Bei mir war alles wild und irgendwie bunt zusammengewürfelt. Kirans Einrichtung war modisch und klassisch, das gefiel mir sehr gut. Chaotisch würde es durch mich sowieso mit der Zeit.
Der nächste Tag begann sehr ruhig. Seit langem war es zwar wieder etwas bewölkt. Doch Mona und Ben würde dieses Wetter sehr entgegenkommen. Das wusste ich mittlerweile. Natürlich nützten die Jungs die Zeit um ihre Kräfte zu messen. In dieser Zeit des Trainings half ich etwas im Stall aus. Ausser Huskys hatten sie auch ein paar Pferde die zu versorgen waren. Ich Striegelte die Pferde sehr gerne. Es waren wirklich hübsche Pferde. Ein brauner Wallach gefiel mir ganz besonders. Er war nicht nur seine Farbe, auch der Charakter des Wallachs war sehr ausgeglichen. Wenn ich mal nicht so gute Laune hatte konnte ich zu ihm hingehen und mich trösten lassen. Ich wusste dass Kiran die Natur brauchte um gewisse Dinge besser verarbeiten zu können. Bei mir waren es die Pferde. Kiran wusste genau wann er mich dort antraf. Nun gut, eigentlich konnte ich mich ja nie wirklich verstecken. Kiran roch mich überall… Fast so als wäre ich eine läufige Hündin. Das war nicht immer Angenehm. Auch ich brauchte meine Zeit für mich.
Cam erzählte mir mal dass es eine Zeit gab da haben sie auch mal ein Pferd oder Husky gerissen. Es brauchte wohl seine Zeit dass sie so geworden sind wie sie heute waren. Bei dem Gedanken bekam ich Gänsehaut. Manchmal fragte ich mich was es für ein Gefühl sein musste diesen Drang nach Blut in sich zu spüren. Da nur die reinen Vampire, also Ben und Mona, sich nur von Blut ernähren mussten, müsste ich wohl diese beiden danach fragen. Die Halbvampire nahmen ja auch normales Essen zu sich. Wie sie mir erklärten schmeckt es ihnen einigermassen und sie assen das Fleisch vorzugsweise ziemlich blutig. Eigentlich wäre es nicht notwendig das Fleisch zu braten aber wenn man unter Menschen lebt, tut man gut daran sich wie ein Mensch zu verhalten. Blut sei für sie so etwas wie eine Delikatesse! Was für reiche Leute der Kaviar oder Trüffel sei, war für sie das Blut. Dementsprechend genossen sie ihre Delikatesse den sogenannten Tomatensaft. Der Tomantensaft wurde nicht als Selbstverständlichkeit angesehen. Ein schöner Zug, wie ich fand. Wenn sie mal längere Zeit ohne Blut auskommen mussten sah man es ihnen allerdings an. Sie wurden etwas bleicher um die Nase. Auch ihre Geduld hielt sich dann in Grenzen und sie waren etwas ungestümer als sonst. Dann war es wohl an der Zeit etwas Blut zu sich zu nehmen. Cam war dann vor allem etwas jähzornig und noch ungeduldiger als er sonst schon war. Dann hing er sprichwörtlich an seinen Zigaretten und schien förmlich an seinem Glimmstängel zu kleben. Cams Vampir Anteil war wohl grösser als der von seinem Bruder Steven. Steven war viel ruhiger und durchdachter.
Kiran kam ganz gut aus ohne Blut. Er war mehr der Jäger der ab und an mal „Frischfleisch“ brauchte. Er liebt rohes Fleisch. Es gab schon Zeiten da wurde er nur so zum Wolfsmensch um sich auf die Jagt nach frischem Fleisch zu machen. Er brauchte die Jagt mehr als alle anderen. Er musste einfach auf die Jagt. Das lag wohl an seinem Bewegungsdrang und dem Bedürfnis nach Freiheit. Wenn Kiran auf der Jagt war taten die anderen gut daran nicht in den nahen Wald zu gehen. In seinem Wolfzustand war Kiran nicht immer berechenbar. Es gab mal einen unschönen Zusammenstoss mit Paula. Doch Paula verwandelte sich Blitzschnell in ihr Ponywesen und war schnell genug. Klar hätte Kiran sie sehr wahrscheinlich eingeholt. Damals blieb er bei seinem gerissenen Wild. Eigentlich hat er nur seine Beute verteidigt. Trotzdem war es ein Zusammenstoss der anderen Art. Kiran war es im Nachhinein etwas peinlich. Und wir waren froh dass nichts geschehen war. Wir wussten nur dass wir vorsichtig sein mussten. Jedes Mal wenn Kiran von einer solchen Jagt zurückkam musste ich ihm sein Fell sprichwörtlich abziehen. Er sah bei seiner Rückkehr jeweils etwas verfetzt aus da sich nur ein Teil des Felles von selbst ablöste. Eigentlich verwandelte er sich nicht so gerne in das Wolfwesen, zumal er nicht ein reiner Wolf war. Doch wenn ich ihn vom restlichen Fell befreite genoss er meine Fürsorge doch sehr. Danach noch eine lange ausgedehnte Dusche und er roch wieder nach Mensch. Als wäre er nie etwas anderes gewesen.
Etwas später hing ich mit meinen Gedanken bei Sandi und Julia. Ihre Schwangerschaften waren anders. Sie tranken, seltsamer weise, nicht mehr so viel Blut. Assen dafür mehr blutiges Fleisch. Ähnlich wie Kiran. Ich habe schon von Übelkeit während einer Schwangerschaft gehört. Bei normalen Menschen versteht sich. Bei den beiden war es irgendwie…, anders. Sandi ging es sehr gut, sie blühte förmlich auf. Ihre Haut schien nicht mehr blass eher leicht rosa. Sie war noch menschlicher wie sonst. Julia war auch glücklich das konnte man sehen. Auch ihre Hautfarbe wurde menschlicher. Aber sie stiess Steven immer mehr zurück. Eigentlich zeigte sie Steven gegenüber grosse Aggression. Darüber machte ich mir gerade Sorgen als ich das Pferd fütterte und aus der Pferdebox trat. Plötzlich stand Steven vor mir. Ich erschrak und liess den Kessel fallen. Steven war ein ruhiger, sehr führsorglicher Halbvampir. Ich denke er war ein guter Lebenspartner, ein richtiger Familienmensch. Eigentlich spürte man ihn nicht wirklich, Steven war einfach da. Wie in guten so auch in schlechten Zeiten. Doch heute sah er mich verzweifelt an und drückte mich etwas unsanft an die Wand. Ich war sehr irritiert. Ich zog meine Augenbrauen zusammen. Automatisch bekam meine Stirn Falten. Stevens Kehle begann zu grollen und er sprach leise: „Hast du eigentlich bemerkt wie gut du riechst? Du riechst immer verführerischer. Es ist wirklich schwer dir zu widerstehen. Gabe hin oder her. Du bist und bleibst ein Mensch.“
„Steven…, bitte…, WAS!?“
Mehr brachte ich nicht mehr aus mir raus. Ich hatte tatsächlich einen kleinen Anflug von Panik. Er legte eine Hand auf meinen Brustkorb um meinen Puls zu fühlen. Dabei schloss er seine Augen und fuhr seine Reisszähne aus. Ich empfand die Situation überaus seltsam und unwirklich. Wusste nicht was ich davon halten sollte. Ich versuchte ihn anzulächeln und wollte wissen:
„Steven, was ist denn bloss los?“
„Julia ist schwanger und verweigert mir ihre Liebe. Egal was ich tue, ich komme nicht an sie heran. Wenn sie mir wenigsten erklären würde,…sie stösst mich weg. Und du bist hier, du riechst so gut.“
Ich konnte sehen wie er leidet. Stevens Gesicht war schmerzerfüllt als er weiter erklärte: „Lis, ich bin ein Vampir. Ich könnte dich hier und jetzt einfach beissen. Ich könnte dich verführen, dich töten, dein Blut aus dir saugen…All das würde mir vergnügen bereiten. Es würde mir hier und jetzt Erleichterung bringen…“
Seine Worte hinterliessen bei mir einen Schauer des Unbehagens. Er benutzte die Worte eigentlich so als würde er mehr zu sich als zu mir sprechen. Er schien einfach verzweifelt. Oder?
In meinen Augenwinkeln sah ich Cam am Eingang. Und im nächsten Moment stand er schon neben Steven. Cam grollte jetzt leise, nur so dass Steven ihn bemerkte.
„Bruder, lass sie los, das ist nicht die Lösung deines Problems“, sprach Cam warnend auf seinen Bruder ein.
Was für eine bizarre Situation. Cam wollte mich beschützen. Wobei ich auch für ihn ein Festmahl sein könnte. Ich wusste genau dass bei Joe die Alarmglocke läuten musste. Ich versuchte ja keine Angst zu zeigen damit wir das Problem vielleicht so aus der Welt schaffen würden. Doch beim leisesten Hauch von Angst war Joe schon unterwegs. Das wusste ich ganz genau. Und wenn Joe unterwegs war, war es Kiran bestimmt auch schon. Ich musste mich beeilen um die Situation hier zu entspannen. Ansonsten konnte es sehr unangenehm werden. Also sprach ich ruhig und bestimmt auf Steven ein:
„Steven lass mich los, die anderen kommen. Sie sind gleich hier.“
Er sah mich an lies mich aber immer noch nicht los. Ich musste reagieren bevor die anderen da waren und sendete mit meinen Gedanken ein scharfes und lautes: - *LASS MICH JETZT LOS!* –, aus. Dass auch sofort seine Wirkung auf Steven hatte. Er liess von mir ab und hielt seinen Kopf fest. Eigentlich hätte er es wissen müssen dass ich nicht einfach so, zu überwältigen war. Auch ich konnte schmerzen zufügen wenn es die Situation erforderte. Und diese hier erforderte sie wohl oder übel. Ja, ich war und bin Mensch. Ein Mensch mit aussergewöhnlichen Fähigkeiten. Durchaus ein Mensch der nicht zu unterschätzen war.
„Danke Lis, ich habe es verstanden. Bitte entschuldige“, stöhnte Steven auf.
Von Cam kamen die bewundernden Worte: „Wow, das ist ja cool. Du bist nicht so zerbrechlich und wehrlos wie du aussiehst, kleine Hexe.“
Dann grinste mich Cam weiter frech an während er sich um Steven kümmerte. Joe und Kiran fanden uns so vor. Sie versuchten die Situation zu deuten. Ihnen schien klar zu sein dass ich Steven zu Recht gewiesen hatte. Da der immer noch mit einer Hand seinen Kopf hielt. Sein Kopf würde bestimmt noch ein zwei Stunden schmerzen. Ich fand das hatte er verdient. Ausserdem waren da noch Sandi und Julia die ihm Linderung bieten konnten. Kiran kam direkt auf mich zu, sah mir dabei fragend in die Augen. Er schien in meinen Augen nach Antworten zu suchen: „Alles in Ordnung?“
„Ja, bestens. Ist etwas?“, neckt ich.
Kiran hielt seinen Kopf schief und schüttelte ihn leicht amüsiert hin und her. Er wusste genau ich würde nichts erzählen. Nicht jetzt und nicht hier. Cam nahm seinen Bruder und meinte Sandi würde sich bei Gelegenheit um Julia kümmern. Ich lächelte die beiden an und gab Steven einen Kuss auf die Wange. Endlich lächelte er auch wieder.
„Danke“, hörte ich ihn nochmal sagen bevor sie ganz weg waren. Joe und Kiran standen etwas ratlos da. Zwei grosse stattliche Männer mit fragendem Gesichtsausdruck. Was für ein Bild. Ich fühlte mich eigenartigerweise so stark und überlegen wie schon lange nicht mehr. Heute war ich im Vorteil. Ein wirklich gutes Gefühl. Ja, es fühlt sich sogar sexy an so Machtvoll zu sein.
Joe scherzte: „Hey Schweiz, würdest du uns vielleicht aufklären? Nur damit wir wissen warum wir ihn bei Gelegenheit in den Arsch treten sollten.“
Nun lachte ich laut auf und gab Joe einen leichten Klaps auf seinen Oberarm. Natürlich bekamen sie keine Antwort. Also legte Kiran seinen Arm auf meiner Schulter ab und schlenderte mit mir zurück in die Blockhütte. Joe war auch schon wieder weg. Kiran versuchte trotzdem sein Glück und fragte zwangslos:
„Erzählst du es mir?“
„Es gibt nichts zu erzählen“, schüttelte ich den Kopf.
„So was in der Art dachte ich mir schon. Du scheinst durchaus eine talentierte Hexe zu sein…“
„Soll ich dir zeigen was eine Hexe sonst noch so alles kann“, zwinkerte ich ihm verführerisch zu. Das brachte Kiran zum Lachen und er grinste mich an.
„Langsam bekomme ich Angst, liebes.“
„Versprochen?“
„Niemals…“, hörte ich ihn noch sagen bevor er seine Hände an meinen Kopf hielt und mich zu ihm zog. Der darauf folgende Kuss zog mich sprichwörtlich aus den Socken. Zufrieden lächelte er mich an. Und ich war dankbar dass er nicht weiter Fragen stellte. Den Rest der Zeit verbrachten wir dann doch mit packen.


Bei Suck


Am nächsten Tag wollten wir noch kurz Suck besuchen gehen. Ich hatte da so eine Idee was den Besuch bei Suck betraf. Ich hätte gerne Mona, Julia und Sandi mitgenommen. Mein Gefühl sagte mir es wäre richtig sie mitzunehmen. Deswegen wollte ich noch mit Suck in Verbindung treten. Also schickte ich Kiran alleine los zum Frühstück. Ich musste mich konzentrieren um mit Suck in Kontakt zu treten. Dabei sass ich aufs Bett. Dachte intensiv an Suck, an die Hütte im Wald und begann:
- *Suck, kannst du mich hören. Ich bin es Elisabeth. *-
Ich wartete und suchte ob ich ihn wahrnehmen konnte.
Prompt kam seine Antwort: - *Hallo Elisabeth. Ich freue mich. Ihr kommt bald* -
Jetzt musste ich lächeln, ja das war Suck der da antwortete: - *Ja, freue mich auch. Ja wie kommen heute vorbei.*-
Ich hatte schon Angst ihn verloren zu haben. Doch nach einer längeren Pause, meldete er sich wieder. - *Das geht. Bringst du jemanden mit.* -
Ich musste ihm wohl nichts vormachen. Er konnte es tatsächlich auch spüren. Oder meine Gedanken richtig interpretieren. Wie auch immer ich war froh über Sucks Antwort. Also gab ich Antwort auf seine Frage: - *Eventuell. Wir sehen uns. Bis später.* -
Jetzt brach ich die Verbindung ab und war etwas geschwächt. Das senden der Gedanken war schon recht anspruchsvoll. Ich passte einen Moment nicht auf und da war – ES – wieder in meinem Kopf zu hören. - *Wohin gehst du. Wo bist du. Und jetzt bist du schwach. Komm mein Liebling erzähl es mir. Bist du denn noch in Alaska. Warte dort auf mich. Ich bin bald bei dir. Mach dir keine Sorgen, ich werde dich finden und verführen…, meine Liebe.* -
Ich riss die Augen auf und taumelte etwas. Woher konnte ES wissen das ich in Alaska bin oder war. Wieso nannte ES mich Liebling. Mir wurde übel und ich musste mich kurz hinsetzten.
Hatte ES etwas vom Gespräch mit Suck mitbekommen. Jetzt musste ich wirklich aufpassen, das wurde mir schlagartig bewusst. Die Angst war mir buchstäblich anzusehen. Mein Körper zitterte ganz leicht, so als wäre ich unterkühlt. Ich riss mich so gut wie möglich zusammen und wollte nun zu den anderen in den Aufenthaltsraum. Leider vergass ich Joe. Ich zuckte kurz zusammen da Joe plötzlich und unerwartet vor mir stand. Er sah mich direkt an.
„Was ist passiert? Ich spürte und sehe deine Angst.“
Erst jetzt bemerkte ich, dass ich immer noch, am ganzen Körper zitterte. Kiran stand nun auch schon da. Besorgt umarmte er mich. Seine wärme floss in mich über. Diese wärme tat mir gut. Ich bekam Kraft und wieder Farbe im Gesicht. Joe stand immer noch vor mir und wollte wissen was geschehen war. Da war er wohl nicht der einzige der wissen wollte warum ich so blass um die Nase war. Von Kiran bekam ich einen vorwurfsvollen Blick. Er schien ganz genau zu wissen was vorgefallen war. Ich wusste genau dass ich eine Erklärung abgeben musste. Aber ich wollte es allen zusammen erzählen. Aus diesem Grund gingen wir alle drei zu den anderen. Kiran wich nicht von meiner Seite. Als ich die besorgen Gesichter sah, holte ich nun doch etwas weiter aus als ich ursprünglich vorhatte: „Habe soeben mit Suck Kontakt aufgenommen. Und ihm erzählt das Mona, Julia und Sandi uns Morgen zu ihnen begleiten werden.“ Die Gesichter der drei Frauen hellten sich auf. Langsam sprach ich weiter: „Danach war ich geschwächt und – ES – hat mich gefunden. ES hat gefragt ob ich noch in Alaska sei. Die Stimme hat mir versprochen mich zu finden und für mich zu sorgen. Danach konnte ich den Kontakt abbrechen.“
Meine Augen wurden glasig. Alle wurden still und nachdenklich. Wir wussten keinen Rat, gemeinsam beschlossen wir aber aufmerksam zu bleiben. Alle waren informiert und würden die Augen offen halten. Der Gedankenaustausch wurde ab sofort eingestellt und durfte nur noch im äussersten Notfall eingesetzt werden. Wir wollten diesem Unbekannten keine Angriffs-Möglichkeit mehr bieten. ES schien mein Senden abzufangen. Irgendjemand suchte gezielt nach mir. Jemand mit aussergewöhnlich starken Fähigkeiten. Es wusste das ich in Alaska bin oder war. Alle mussten auf der Hut sein. Das war uns nun klar. Auch mir war es jetzt klar dass alle davon erfahren mussten. Ein Schauer lief mir den Rücken hinunter. Nun verstand ich auch Kiran dass er sich um mich sorgte. Wieder einmal hatte er Recht damit dass es etwas zu bedeuten hatte wenn es um meine Peron ging. In diesem Moment spürte ich die Wichtigkeit dass die anderen von diesem Suchenden erfuhren. Mein Instinkt sagte mir dass dieser Jemand nichts Gutes im Schilde führte. Das machte mir die grösste Angst. Aufgewühlt gingen wir zu Bett.
Wir freuten uns am nächsten Tag auf Suck. Ich war froh dass Kiran sich den Weg, zu Marius Hütte im Wald, so gut eingeprägt hatte. Ich alleine hätte den Weg nicht mehr gefunden. Mein Orientierungssinn war noch nie der beste. Doch Kirans Orientierungssinn, egal ob als Mensch oder Wesen, war sehr gut ausgeprägt. Mit den drei Schneemobilen kamen wir auch gut voran. Wir taten gut daran dieses Fortbewegungsmittel gewählt zu haben. Doch der Weg war, oder schien, weiter weg als ich ihn in Erinnerung hatte. Irgendwann wurden wir eingehüllt von dichtem Nebel. Durch den dichten Nebel, sahen wir plötzlich nicht wohin wir fahren mussten. Etwas ungewöhnlich und mystisch. Also liessen wir die Schneemobile einfach stehen. Wir hielten uns an Kiran. Ihm schien der Nebel nichts auszumachen und schritt Zielsicher voran. Nach etwa 30 Schritten hellte sich der Nebel leicht auf und ich konnte das kleine Holz Häuschen bereits sehen. Der Nebel wich immer mehr zurück. Wie er gekommen war so ging er auch wieder. Von den Zwergen und Elfen war weit und breit noch nichts zu sehen. Kiran nahm meine Hand und drückte sie leicht. Als ich über meine Schulter zurück sah, sah ich die staunenden Gesichter von den anderen Vampiren. Wir gingen langsam in die kleine Hütte hinein. Ich gestehe, mir war es etwas unwohl. Ein seltsames Gefühl hier hin zurück zu kehren. Zurück in Marius Hütte. Ich konnte ihn, oder seine Magie, noch irgendwie fühlen. Suck der Zwerg bot uns das letzte Mal an die Hütte umzugestalten. Es sollte unser zukünftiger Zufluchtsort werden. Suck hatte sich wirklich Mühe gegeben. Alles war in hellen Tönen dekoriert. Es hatte jetzt was Romantisches an sich. Marius hatte das Häuschen eher zweckmässig und chaotisch eingerichtet da er nicht mehr oft Gebrauch davon machte weil er mehrheitlich als Pferd herum lief. Ihm lag das Leben als Pferd wohl besser als das eines Menschen. Ich seufzte auf. Ich suchte nach Marius. Hier in diesem Raum kam es mir noch gar nicht so lange vor als ich Marius begegnet war. Mein Herz wurde schwer wenn ich an die Liebe zu ihm dachte. Eine grosse Liebe aus einem anderen Leben. Keine Liebe wie die zu Kiran. Keine Seelen die sich begegneten. Eine alte Verbundenheit die mit Macht und Magie zusammen hängte. Marius eignete sich meine damalige Macht auf brutalste Art und weise an. Seine schwarze Magie wich durch meine stärkere weisse Magie und er wurde sich aufs schmerzlichste bewusst was er angerichtet hatte. Bevor er an seinem Schmerz zerbrach schmied er seinen Plan um nach mir zu suchen. Wie viele Jahre oder Jahrzehnte eventuell sogar Jahrhunderte er brauchte wusste ich nicht. Marius plante seinen Tod ausführlich. Für ihn war es die Erfüllung seines langen Lebens. In mir liess er eine mächtige Magie und viele Fragen zurück. Auf eine seltsame Art und weise konnte ich sagen er fehlt mir ohne dass ich ihn in diesem Leben wirklich gekannt hatte. Doch ein Leben neben Kiran gab es für Marius nicht.
Ich suchte hier im Häuschen automatisch nach irgendetwas das mich an Marius erinnern lies. Kiran wusste es ganz genau. Er lächelte mich verständnisvoll an.
„Er fehlt dir also immer noch.“
„Durchaus.“
Darauf sagte Kiran nichts mehr. Er nahm einfach meine Hand und hielt sie fest. Nun atmete ich laut ein und aus. Die Anspannung wich.
„Hier. Uraltes Foto von Marius. Sonst alles weg“, sprach Suck, der jetzt am Eingang stand. Suck stemmte seine Hände stolz in seine Hüften. Und tatsächlich, am Eingang hatte er ein Photo von Marius aufgehängt. Das mir das zu beginn nicht aufgefallen war. Merkwürdig. Mir stand das Wasser in den Augen. Kiran drückte liebevoll nochmal meine Hand. Ich wandte mich dem Zwerg zu.
„Hallo Suck, Mona kennst du ja bereits. Das hier sind Julia und Sandi.“
Bei Julia und Sandi standen die Augen weit offen. Auch sie brauchten einen Moment um zu begreifen was sie denn da vor sich stehen sahen. Suck ging, belustigt auf die beiden zu und meinte beiläufig.
„Tragen Babies. Schön. Aber schwierig.“
„Kommt, gehen wir hinaus ins Freie“, hörten wir Kirans dunkle Stimme.
Draussen standen jetzt plötzlich Baumstümpfe für uns bereit. Gerne nahmen wir auf ihnen Platz. Das war eine sehr nette und aufmerksame Geste. Suck stand in die Mitte und musterte uns einwenig. Dann sprach er leise: „Alles gut. Keine Gefahr. Könnt alle heraus kommen.“
Langsam kamen die Tiere zurück. Auch die Zwerge und Elfen kamen um uns zu begrüssen. Mir fiel auf das Suck schmaler als die anderen Zwerge war. Auch seine Augen waren grösser als die der anderen Zwerge. Ich war zu neugierig und fragte nach:
„Suck, wieso bist du anders als sie anderen Zwerge?“
Nun hörten wir wieder sein glucksendes lachen.
„Mein Vater Elf. Meine Mutter Zwerg. Trage stolz beides, in mir. Bin etwas Besonderes hier. Beide gute Eigenschaften in einem vereint.“
Hätte ich ja auch von alleine darauf kommen können.
Suck wandte sich Mona zu: „Mona, haben die Kräuter geschmeckt. Die Letzten. Ich habe sie dir gebracht.“
Mona lächelte über das ganze Gesicht. Sie hatte also Recht behalten.
„Danke Suck, wirklich ausgezeichnet. Das nächste Mal zeigst du dich mir. Ich glaube du kannst mir da noch ein paar gute Tipps geben.“
Suck war sichtlich stolz auf sich. Seine Augen begannen zu leuchten. Er und Mona begannen sich sofort über irgendwelche Kräuter zu unterhalten. Da hatten sich wohl zwei gleichgesinnte gefunden. Julia und Sandi staunten immer noch. In der Zwischenzeit lächelten auch sie wieder. Sandi sprach staunend:
„Wie du es bereits erklärt hattest. Es ist wunderschön. Man muss es selbst gesehen haben um zu versstehen.“
Ich nickte und lächelte Sandi zurück. Diesen Ort muss man selbst vor Augen haben um nachzuempfinden was hier vor sich geht. Eigentlich kann man das hier gar nicht in Worte fassen. Diese Geborgenheit, dieser Einklang mit Mutter Erde und den Tieren. Endlich kamen die Elfen und Zwerge näher. Nicht alle waren so zart und feingliedrig. Eine stämmigere Elfe war neugieriger als die anderen und stand nun direkt vor Julia und Sandi. Sie war etwas kleiner und rundlicher als die anderen Elfen. Sie hatte Wunderschöne grosse blaue Augen. Ihre braunen gelockten Haare hatte sie hinten hübsch zusammen geflochten. An ihren spitzen Ohren trug sie wunderschönen abstrakten Ohrschmuck.
Liebevoll sprach sie Sandi und Julia an: „Mein Name ist Linde. Ich sehe ihr tragt Barbies in euch. Eure Schwangerschaft ist anders als bei normalen Menschen. Macht euch keine Sorgen, es wird alles gut gehen. Wenn ihr Hilfe braucht kommt bitte her. Wir können euch helfen. Wenn ihr mal Ruhe braucht bringt ihr eure Babies hier hin. Wir passen schon auf sie auf.“
Sandi war sichtlich begeistert auf jemanden zu treffen der auch mit Esoterik zu tun hatte. Julia war sehr berührt von dem Angebot und begann Linde leise etwas zu erzählen. Linde überlegte kurz. Dann nahm sie Julia und Sandi an der Hand und führte sie von uns weg. Linde sah kurz zu Kiran und mir und zwinkerte uns zu:
„Ich bringe sie später zurück. Versprochen.“
Kiran stand lächelnd auf und nahm dann meine Hand. Wir gingen ein Stück. Dann setzte er sich, etwas abseits beim Bach, an einen Baum und ich nahm zwischen seinen Beinen Platz.
„Wie fühlst du dich?“, wollte er wissen.
„Gut danke. Es ist so schön hier. So ungeheuer friedlich und harmonisch. So fühlen sich Ferien an.“
„Ich bin froh dass du das alles hier so gut aufnimmst.“
„Hattest du denn Bedenken?“
Kiran strich sich selbst übers Gesicht.
„Ja, ein wenig schon. Ich wusste nicht genau was die Erinnerung an Marius mit dir auslöst.“
„Oh“, war ich erstaunt darüber dass sich Kiran solche Gedanken machte. Kiran küsste mich auf die Schulter und strich mir über das Haar. Wir sahen rechts von uns einen hübschen Kojoten der uns frech ansah. Dieser kam neugierig in unsere Richtung und nahm bei uns Platz. Langsam beschnupperte er uns. Kiran und ich kicherten belustigt. Im selben Moment hüpfte ein Hase an uns vorbei. Die Tiere waren hier so nah. So greifbar nah. Für einen kleinen Moment hielt ich die Luft an. Die Harmonie und die Ruhe an diesem Ort nahmen uns sprichwörtlich in Beschlag. Über uns baumelte plötzlich ein Seil herunter. Daran hing jetzt kopfüber und neugierig ein hübscher kleiner Elf. Ein Junge mit blonden wirren Locken. Seine grossen grünen Augen bestaunten uns. Nein er musterte uns regelrecht.
„Hallo, ich bin Neck. Der Kojote da unten ist meiner. Mit ihm durchstreife ich die Wälder und sie nach ob alles noch in Ordnung ist. Hab euch schon seit einer Weile kommen sehen. Nettes Fortbewegungsmittel das ihr da habt.“
„Hallo Neck. Ich bin Kiran und das ist Lis. Wo lebt ihr denn?“, fragte Kiran nun auch neugierig.
„Wir leben oben in den Bäumen oder unten in Höhlen.“, er strahlte stolz übers ganze Gesicht, „einige haben die Gabe die Natur zu gestalten. Sie machen unsere Lager. Da sich die Bäume ständig weiter entwickeln, haben die Baummeister einiges zu tun. Sie müssen die Bäume so gestalten das sie eins mit der Natur werden. Sonst geht der Baum ein. Und das wollen wir ja nicht. Dann hätten wir einen tragischen Fehler gemacht.“
Da fast keine Zwerge mehr anwesend waren musste ich den jungen Elf fragen: „Wo sind denn die Zwerge zu Hause?“
„Die Zwerge sind von Natur aus sehr scheu. Sie leben wie wir in Höhlen oder auf den Bäumen. Die kommen aber ganz selten raus. War schon eine Sensation dass sie heute kurz anwesend waren um euch willkommen zu heissen. Sie sind Handwerklich sehr geschickt und machen eigentlich alle Gebrauchs Gegenstände. Auch den Schmuck den wir tragen ist von ihnen. Wenn du sie draussen siehst sind sie sicherlich auf der Suche nach Material das sie bearbeiten wollen. Wir ergänzen uns sozusagen. Wir brauchen einander wie die Erde das Wasser.“
„Sprechen alle Zwerge so wie Suck?“, diese Frage kam wieder von Kiran.
Wir sahen und hörten Neck kichern. Es ist zu niedlich. Er hängt kopfüber am Seil, hält sich nur mit den Füssen fest. Als er begann zu kichern hielt er sich, mit seinen Armen umschlungen, den Bauch fest. Er baumelt so Kopfüber. Kurze Zeit später hatte er sich wieder gefasst.
„Ja, die Zwerge haben ihre eigene Sprache. Sie sprechen immer in kurzen Sätzen und manchmal muss man sich den Rest dazu denken. Es gibt welche die sprechen in Rätseln oder in Reimen. Zum Glück spricht Suck, relativ verständlich. Wir Elfen hingegen singen viel und gerne. Ich schwatze sowieso den ganzen, liebelangen Tag lang. Manch einer findet ich schwatze zu viel.“
Das konnte ich mir wirklich bildlich vorstellen. Ich wollte so gerne mehr über die Elfen wissen.
„Was habt ihr denn so für Gaben?“
„Och…, dies und das. Wir sind wie wir sind. Ich bin eigentlich ständig mit dem Kojoten unterwegs weil ich nicht ruhig bleiben kann. Mir gefällt es die Veränderungen in der Natur zu beobachten.“
Wieder strahlte er stolz über das ganze Gesicht.
„Oh, das ist wirklich interessant. Danke dir für deine ausführlichen und ehrlichen Antworten, Neck“, bedankte ich mich und Kiran schloss sich meinen Worten an.
„Gern geschehen. Ich gehe dann mal weiter. Bis zum nächsten Mal“, er grinste uns nochmals an und glitt elegant vom Seil herunter. Keine Ahnung wie Alt Neck sein konnte. Er war kleiner wie die anderen und daher sehr schwer einzuschätzen. Er schwang sich unheimlich elegant auf seinen grossen Kojoten und jagte davon.
„Kiran, ist das nicht ein unglaublicher Moment den wir hier erleben? Kneif mich mal. Ich meine das alles hier ist so unglaublich…“
Kiran strich mit seinen Händen meine Arme auf und ab als er sprach: „Ja, ich geniesse jede Sekunde. Ein niedlicher Knabe dieser Neck. Ich glaube wir haben gerade Freundschaft mit ihm geschlossen.“
„Wenn du diese Tiere hier siehst, willst du sie dann nicht jagen?“
„Ich bin doch kein Monster! Nein, auch wenn ich noch so sehr wollte. Hier ist das nicht möglich. Es entsteht nicht der leiseste Hauch eines Verlangens. Dieser Ort ist wirklich magisch.“
Da konnte ich nur zustimmen und nickte. Dieser Ort schien sehr magisch zu sein. Alles was böse oder gefährlich sein konnte, hatte keine Chance an diesem Ort auszubrechen. An diesem wunderbaren Ort war die Natur mit den Wesen im Einklang. Entspannung machte sich in uns breit. Alle schienen es zu geniessen und tankten auf ihre Art und Weise wieder auf. Man vergass automatisch seine Sorgen. Ich lehnte mich an Kiran an und schloss meine Augen. Ich nahm die verschiedenen wundervollen Gerüche in mich auf. Hörte die Tiere und die Elfen. Ich fühlte mich geborgen und schlief tatsächlich ein. Ich weiss nicht wie lange ich so bei Kiran schlief. Als ich Kiran meinen Namen senden hörte wachte ich lächelnd auf. Ich drehte mein Gesicht zu ihm hin und sah wie er breit über sein Gesicht grinste.
„Habe ich lange geschlafen?“, fragte ich gähnend nach.
„Nein, aber tief und ruhig. So wie lange nicht mehr.“
„Oh…“
Kiran küsste mich auf meinen Kopf. Langsam spielten wir doch mit dem Gedanken uns auf den Rückweg zu machen. Suck schien es zu spüren. Er löste sich von Mona und suchte uns, dann setzte sich zu uns auf den Boden. Er musterte uns kurz.
„Wir haben keine Zeit. Ihr bald geht. Das ist sehr schade, aber verstehe dass notwendig. Bitte aufpassen. Etwas liegt in Luft. Kommt bald wieder zurück. Ihr findet hier Ruhe, jederzeit.“
Ich verstand nicht genau und hackte nach: „Wie meinst du das es liegt in der Luft?“
„Keine Antwort darauf. Spüre Gefahr im Nacken für dich. Kiran wird aufpassen müssen.“
Erstaunt sah Kiran zu Suck und wollte auch Antworten.
„Was für Gefahr? Was genau spürst du denn?“
„Unbehagen, mehr nicht.“
„Ist das schon alles“, war Kiran ungeduldig.
„Ja leider. Doch mein Unbehagen muss nichts zu bedeuten haben. Nicht zu viele Gedanken machen, bloss achtsam sein.“
Kiran stänkerte: „Na toll.“
Ich sprach dankbar: „Danke Suck, ich komme gerne wieder hier hin um aufzutanken. Es ist ein wundervoller Ort. Übrigens ist das Häuschen wirklich schön geworden.“
Kiran musterte Suck nochmals: „Suck, sag mir doch was deine Aufgabe an diesem Ort ist.“
„Oh, das sein ganz einfach. Ich wache über Ort hier. Da Elf und Zwerg in mir vereint ich sehr vielseitig.“
Suck strahlte über sein ganzes Gesicht. Seine Zahnlücke kam wieder zum Vorschein. Er sah irgendwie drollig aus. Suck wandte sich nochmals Kiran zu. „Kiran, du hast viel Tier in dir. Lerne Geduld zu haben. Viel, viel Geduld.“
Kiran zog die Augenbraue hoch, ich sah dass er nicht verstand was Suck damit sagen wollte. Auch ich verstand es nicht wirklich. Dieses Rätselraten war irgendwie sehr anstrengend.
„Suck, wie meinst du das? Ich bin sehr Geduldig.“ Entgegnete Kiran.
Suck strahlte immer noch: „Dann ist ja gut. Ihr seid schönes Paar. Gebt aufeinander Acht.“
Bevor Suck sich entfernte sprach ich ihn nochmals an: „Suck ich habe Fragen über Marius und was er mir gegeben hat.“
„Ich kann mir denken. Marius war gut. Ich kann dir nicht sagen was du kannst. Das musst du selbst herausfinden. Habe aber nicht das Gefühl es sei unmöglich. In deinem Fall ist das unmögliche möglich. Finde deinen Mut.“
„Oh“, war das einzige was aus mir raus kam. Denn ich verstand nur Bahnhof. Jetzt fühlte ich mich so wie Kiran sich zuvor gefühlt haben muss. Als ich Kiran ansah zuckte er mit seinen Schultern auf. Auch er hatte keine Ahnung wovon Suck da sprach. Wir beteuerten nochmals dass wir auf uns acht geben werden und bedankten uns nochmals für die Nette Gastfreundschaft. Nun erschien auch die anderen wieder auf der kleinen Lichtung mit Linde. Alle drei waren von einem zarten violetten Licht umhüllt. Die drei lächelten und sahen erholt aus. Julia wirkte viel gelassener als zuvor. Sie schien endlich wieder einmal glücklich zu sein. Auch sie hatte hier aufgetankt. Wir hatten keine Ahnung was Linde mit ihnen gemacht oder gesagt hatte. Es war uns egal, sie hat ihnen auf ihre Art und Weise geholfen. Das war alles was zählte. Die Verabschiedung war herzlich und wir wussten alle, wir würden uns wieder sehen. Früher oder später. Mona war glücklich über ihre neue kleine Pflanze die sie von Suck bekommen hatte. Im Moment fanden wir noch keine Worte um das auszudrücken was wir hier erlebt hatten. Glücklich aber schweigend fuhren wir zurück ins Camp. Kiran brachte uns sicher zurück.
Cam und Steven erwarteten uns bereits. Julia strahlte ihren Steven endlich wieder an. Sie stieg ab und sprang direkt auf ihn zu. Als sie ihn erreichte begann sie ihn leidenschaftlich zu küssen. Steven warf uns einen fragenden Blick zu und wir zuckten mit den Schultern auf. Wir hatten wirklich keine Ahnung was Linde mit ihr angestellt hatte. Es war einfach schön Julia so glücklich, entspannt und fröhlich zu sehen. Es sah aus als hätte jemand ihr eine grosse Last abgenommen. Ihre Angst war weg. Sandi kicherte, wohl wissend, in sich hinein und verschwand mit Cam ebenfalls glücklich. Ich denke sie hatten sich einiges zu erzählen. Mona verabschiedete sich auch. Sie wollte die Pflanze umtopfen und die Tipps rasch aufschreiben die ihr Suck gegeben hatte. So blieben nur noch Kiran und ich zurück. Irgendwie schien dieses Erlebnis uns mehr zusammen zu führen. Es tat gut mal schöne Erlebnisse zusammen zu erleben. Seltsames hatten wir bereits genug erlebt. Wir fühlten uns erholt als kämen wir gerade aus den Ferien zurück. Wunderschöne lange, erholsame Ferien. Kiran sah mich an: „Kleines, morgen geht’s ab nach Fairbanks.“
Ich sah seine Sorgenfalte im Gesicht. Mit einer Hand fuhr er sich über seine Stirn. Er machte sich also doch noch Gedanken darüber Joe mitzunehmen.
„Machst du dir Sorgen wegen Joe?“
Er seufzte auf und nickte zustimmend: „Ja ein wenig, ich hoffe wir kriegen ihn in den Griff. So ganz genau weiss ich auch nicht wie er sich verhalten wird.“
„Das weiss wohl niemand. Es wird schon schief gehen.“
Kiran verdrehte seine Augen: „Blödes Sprichwort, wirklich.“
Ich lachte kurz auf, doch er hatte Recht es war eigentlich unpassend.
„Grosser, spuck es schon aus. An was denkst du gerade?“
Also sprach er weiter: „Ich weiss nicht wie wir uns verhalten sollen falls Joe austickt.“
„Wie meinst du das?“
„Wenn er sich daneben benimmt kann ich ihn stoppen. Keine Frage. Aber wie sieht dass denn für den Rest der Menschheit aus? Ich kann nicht einfach ich sein. Aber dann ist es vielleicht schon zu spät.“
„Oh…, ja da hast du Recht. Wenn du dich, in einer Menschenmenge, als Wolfsmensch verwandeln würdest und ich dich danach von deinem Fell ablösen müsste phu…Igitt.“ Kiran lachte kurz laut auf und ich erklärte ihm weiter: „Sei zuversichtlich, Paula und ich sind ja auch dabei. Jemand von uns wird sicherlich wissen was in diesem Moment zu tun ist. Gemeinsam werden wir es meistern. Als Gemeinschaft.“
Versuchte ich ihn und auch mich einwenig zu beschwichtigen. Die Wahrheit aber war: Ich hatte auch keine Ahnung! Überhaupt keine Ahnung! Keinen blassen Schimmer!
War mir überhaupt nicht sicher ob es überhaupt klug war dass Joe mitkommen wollte und sollte. Doch ich wollte Kiran einwenig beruhigen. Er sah mich zwar etwas ungläubig an, schien es aber damit auf sich beruhen zu lassen. Das war gut so. Denn es war wohl ein Thema über dass wir Stunden Diskutieren könnten und immer noch keine Lösung im Sack parat hätten.
An diesem Abend verstauten wir bereits unser Gepäck im Auto. Wir wollten Morgen früh genügend Zeit haben um uns zu verabschieden. Im Camp war Ruhe eingekehrt. Nach dem Nachtessen hielt ich mich noch eine Weile im Aufenthaltsraum vor dem Computer auf da ich noch einige E-Mails zu schreiben hatte. Ich schrieb meinen Eltern und meinem Bruder dass wir Morgen unterwegs zurück in die Schweiz sein würden.
Zurück in die Schweiz. Ein seltsames Gefühl. Ich wusste dass es mein letzter Aufenthalt in der Schweiz, für längere Zeit, sein würde. Klar konnte ich meine Eltern ab und zu mal besuchen. Aber Alaska und die Schweiz lagen nicht gerade nah nebeneinander. Und meine Mutter war immer noch auf dem letzten Stand dass ich nach London zu Kiran ziehen würde. So hatte ich ihr das im letzten Jahr durch gegeben. Damals war sie darüber auch nicht gerade begeistert. Doch London - Schweiz war immerhin machbar. Umständlich aber realisierbar um einander in regelmässigen Abständen zu sehen. Wenn ich ihr jetzt erzählte dass ich nach Alaska auswandern wollte flippte sie bestimmt aus. Das machte mir tatsächlich ein wenig Angst. Ich wollte sie nicht traurig in Erinnerung behalten. Eigentlich wünschte ich mir dass sie sich für mich freuen könnte. Notfalls musste ich mit ihrer Abneigung leben, ob ich wollte oder nicht. Ich empfand meine Ganze Lebenssituation etwas schwierig und unbehaglich. Das nächste worüber ich mir Gedanken machte war der Teil mit dem älter werden. Irgendwann wird meine Familie wohl oder übel mitbekommen dass ich nicht so altere wie sie. Ob das bedeutete, dass der Kontakt irgendwann mal abgebrochen werden musste? Musste ich irgendwann einmal meinen Tod vortäuschen? Autsch! An diesen Gedanken geheftet holte ich tief Luft und stiess die Luft laut wieder raus. Ich schüttelte meinen Kopf um diesen Gedanken zu verdrängen.
„Hey Schweiz, hast du Sorgen?“
Ich schreckte auf! Es war wirklich schwer sich daran zu gewöhnen wie lautlos Joe sich anschleichen konnte.
„Hey Vamp, könntest du das nächste Mal mit etwas mehr Geräuschkulisse hereinkommen! Danke!“
Lächelnd ging er hinter die Theke und begann zu senden: - *weißt du noch, den ersten Abend hier, ich hatte dich etwas erschreckt mit der Unterhaltung durch Gedanken*-
Jetzt drehte ich mich zu ihm um, lächelte und sendete zurück:
- *Machst du mir einen Kaffee wie damals*. -
- *Mein Herz, für dich immer und jederzeit*-
-*Süssholz raspler *-
Das löste bei Joe ein lautes raues Lachen aus. Ja seine dunkle Stimme hörte sich sehr angenehm an. Als er sich umdrehte, sass ich bereits an der Theke und ich sah seinen Schalk im Gesicht. Seine blauen Augen leuchteten. Wir sassen uns gegenüber wie an unserem ersten Abend. Wieder sah ich in seine hellen blauen Augen. Damals fand ich seine Augen viel zu hell, da er eher der dunkle Typ war. Er sah mir jetzt ebenfalls direkt und tief in die Augen.
„Ich bin froh Morgen mit euch mitzugehen. Danke.“
„Vamp, das wird schwierig für dich. Wir bringen dich unter die normal Sterblichen. Du wirst das Blut rauschen hören und ihren Puls fühlen. Wir bringen dich ans Limit.“
Er verdrehte die Augen.
„Ich weiss. Weißt du, ich habe nie behauptet dass es einfach sein wird. Aber ich bin froh diese Erfahrung machen zu dürfen und bin mir sicher dass ich bei euch richtig aufgehoben bin. Ich bin sicher dass du ein Auge auf mich haben wirst.“
„Du vertraust uns.“
„Dir. Ich bin dir ergeben“, sprach er die Worte aus und sah mir dabei tief in die Augen.
Verlegen kam meine Frage: „Habt ihr schon gepackt?“
„Logo, wir haben soeben alles ins Auto geladen. Kiran half uns dabei.“
„Gut. Joe sei mal ganz ehrlich. Etwas nervös?“
Jetzt runzelte er die Stirn und hielt den Kopf leicht schief.
„Wie meinst du das?“
„Jetzt sei doch kein Spielverderber. Du weißt ganz genau wie ich es meine. Die vielen Menschen, das Erste Mal fliegen. Ich nehm dir deine Ruhige Art nicht ganz ab. Du musst einfach Nervös sein.“
„Aha, du möchtest ein Mann zu Mann Gespräch mit mir führen!“, sagte er so trocken dass ich unweigerlich laut auflachen musste. Er war immer für einen Spass zu haben. Doch nun wurde er kurz ernst.
„Ganz ehrlich, ich freue mich. Vor allem bin ich sehr neugierig. Den Flughafen kenne ich ja schon. Aber mal in ein richtiges Flugzeug sitzen zu können. Das hat was…, prickelndes. Angst habe ich keine. Wirklich keine. Vielleicht überschätze ich mich. Gut möglich, aber dafür sind wir ja drei Tage zuvor da um es zu prüfen.“
„Dann ist ja gut“, sagte ich beruhigt.
Er seufzte kurz laut auf. „Hast du dir eigentlich schon mal überlegt was aus uns zwei hätte werden können wenn der Wolf nicht aufgetaucht wäre?“
Wieder ging ein Gespräch in eine Richtung dass ich, eigentlich, so nicht führen wollte. Aber nun gut, ich antwortete ihm ehrlich:
„Am Anfang ja. Damals schien Kiran für mich unerreichbar zu sein. Doch jetzt weiss ich es wäre mit uns nicht gut gegangen. Niemals. Weshalb fragst du?“
„Niemals…Aha. Das weißt du doch gar nicht. Zum einen ist es die Bestimmung dich zu schützen, die mich an dich bindet. Zum anderen hatten wir nie Sex zusammen was ein Teil in mir gerne gehabt hätte. Doch ich wollte auch kein Lückenbüsser sein. Im Nachhinein wäre ich vielleicht doch gerne der Lückenbüsser gewesen. Wir standen kurz davor etwas zusammen zu beginnen.“
„Oh komm…, wir haben uns doch geküsst. Da sind keine Funken gesprungen. Das weißt du ganz genau.“
Jetzt biss er sich leicht auf seine Unterlippe.
„Wenn doch? Wenn du dir nur etwas einredest? Wenn da doch etwas war und ich dich angelogen habe?“
Bitte nicht, ging es mir durch den Kopf. Ich machte grosse Augen und wurde einwenig lauter beim sprechen: „Was heisst hier wenn doch! Ich liebe dich wie meinen Bruder! Du bedeutest mir ungeheuer viel. Warum das so ist kann ich dir auch nicht sagen. Aber ich will nicht mit dir ins Bett.“
Mit einem Satz sprang Joe über die Theke drehte mich gleichzeitig um und stand jetzt direkt vor mir. Er nahm mein Kinn in seine Hand und ich sah seine Eckzähne kurz aufblitzen Seine hellen blauen Augen schienen mich zu beschwören und er knirschte mit den Zähnen bevor er sprach:
„Was…, wenn du dir das selbst nur einredest. Wie kannst du es genau wissen. Wir hatten es nie wirklich probiert. Gefühle waren da. Das kannst du nicht leugnen. Warum gibst du uns nicht hier und jetzt eine faire Chance?“
Dann begann er meinen Hals zu küssen. Und mein Puls begann zu rasen. Ich konnte seine Eckzähne spüren und es hatte etwas gefährlich Erotisierendes. War ich jetzt im Begriff meinen Freund zu verlieren? Joe liess von mir ab und sah mich weiterhin fragend an. Ich sah die grossen Gefühle die er für mich hatte. Ich für meinen Teil war irritiert.
In diesem Moment ging laut die Türe auf und ich wusste sofort dass es sich um Kiran handelte. Joe und ich blickten nicht in seine Richtung, wir waren immer noch in der gleichen Stellung.
Kiran blieb abrupt und mit genügend Abstand von uns stehen.
„Joe! Lass deine Finger von ihr!“, dann kam ein dunkles grollen aus seiner Kehle. Ich konnte spüren wie angespannt Kiran war. Er stand kurz davor sich in einen Wolfsmenschen zu verwandeln. Das durfte nicht passieren. Doch ich konnte meinen Blick noch nicht von Joe nehmen. Ich war immer noch wie gebannt. Joe seufzte, zog seine Augenbraue hoch, sah mich an und meinte: „Siehst du was ich meine. Wir werden dauernd gestört.“
Endlich liess er mich los und strich mir liebevoll über meine Wange. Endlich konnte ich meinen Blick von Joe abwenden und sah Kiran an. Joe wich auf die Seite und Kiran kam mit fragendem Blick auf mich zu. Joe schlenderte ganz gemächlich in Richtung Türe. Dann drehte Joe sich nochmals zu Kiran und neckte: „Beruhige dich, Freund. Nichts passiert. Noch nicht. Vielleicht nur eine Frage der Zeit.“
Kiran schüttelte leicht seinen Kopf und verstand nicht genau was hier vor sich ging. Er konnte meine Erregung natürlich spüren. Und ich wurde so langsam richtig wütend auf den Halbvampir.
„Was ist mit diesem Halbling los?“, zischte Kiran.
Ich war inzwischen wieder bei vollem Verstand. Eigentlich begriff ich jetzt schlagartig was in Joe vor ging. So viel zum Thema nicht nervös. Ich ging an Kiran vorbei und direkt auf Joe zu. Ich meinte beiläufig zu Kiran: „Unser Vamp ist nervös. Mir hat er zwar beteuert es sei nicht so, doch ich glaube ihm jetzt nicht so Recht! Da macht sich unser kleiner was vor.“
Der letzte Satz: unser kleiner. War dann doch zu viel für Joe. Jetzt blieb Joe stehen und sah mich leicht erregt an als ich langsam aber zielstrebig weiter auf ihn zuging. Vor Joe blieb ich stehen, sah rasch zu Kiran rüber und sprach ernst: „Liebster, entschuldige bitte. Das was ich jetzt mache muss sein. Denke an Suck und übe dich in Geduld. Viel Geduld.“
Kiran riss seine Augen gross auf. Langsam zog ich, mit meinen Händen, Joe zu mir runter und neckte ihn liebevoll.
„Na süsser dann zeig mal was du so drauf hast.“
Dann küsste ich ihn. So leidenschaftlich es mir irgendwie möglich war. Joe stöhnte kurz auf und zog mich ganz nah an sich heran. Unsere Lippen trafen hart aufeinander. Wir schmolzen nicht miteinander. Es waren harte Küsse. Es war schön aber nicht Leidenschaftlich. Es fühlte sich nicht richtig an. Ich hoffte es würde das Problem, von Joe, lösen. Wobei der Schuss durchaus nach hinten los gehen könnte. Das war ich mir vollends bewusst. Als ich mit ihm fertig war sah ich ihn fragend an. Joe blieb stehen und sah von mir zu Kiran. Dann grinste Joe schief und sprach: „Mh…, ich muss nochmals. So kann ich das noch nicht wirklich beurteilen.“
Dann zog er mich abermals an sich heran und wir küssten uns erneut. Der Kuss war Leidenschaftlicher und weicher als der erste. Tatsächlich war es diesmal sehr angenehm. Was mir nicht entging war, das Joe während diesem Kuss Kiran ganz bewusst ansah. Dieser Kuss war also nur noch so um Kiran eines auszuwischen. Erleichterung machte sich in mir breit. Anschliessend hielt er mich eine Armlänge von sich weg. Er sah mich belustigt an und sprach mit zusammen gekniffenen Augen.
„Nett wirklich! Sehr interessant. Aber wenn du so schlecht im Bett bist wie du küsst, wird das mit uns wirklich nichts. Tut mir leid Schweiz, wirklich.“
Ich lachte laut und erleichtert auf. Automatisch umarmte ich ihn und hauchte in sein Ohr: „Du weißt ich liebe dich.“
„Ich dich auch. Und wer weiss was aus uns geworden wäre wenn es keinen Kiran und keine Paula gäbe… Ich werde dich immer lieben…, Schwester.“ Dann küsste er mich auf die Stirn und meinte liebevoll und ganz leise: „Danke. Du hast Recht ich bin, öhm, … sozusagen sehr nervös. Stehe wohl etwas neben mir. Es tut mir aber nicht Leid dich geküsst zu haben. Ich wollte schon immer wissen wie es sich anfühlt.“
Dann liess Joe mich los und ich sah zu Kiran hinüber der mit verschränkten Armen versuchte gelassen da zu stehen. Er beobachtete das Ganze jedoch mit einem mürrischen Gesichtsausdruck. Nicht mehr lange und er wäre explodiert. Es schien ihm nicht zu passen. Nein, es gefiel ihm überhaupt nicht. Das musste es ja auch nicht. Ich fand er sah zu süss aus in seinem Frust. Als ich ihn so mürrisch da stehen sah machte mein Magen einen Satz. Verliebt sein fühlt sich gut an, fand ich. Kirans Geduld hatte wohl seine Grenze erreicht.
„Joe, kommst du mit mir mal vor die Tür, ich möchte dir gern mal den Hintern versohlen! Jetzt!“
Wir konnten den Spott in seinen Worten ganz genau hören. Joe machte grosse Augen und stürzte seine Unterlippe. Machte dazu noch einen nachdenklichen Gesichtsausdruck und lächelte leicht.
„Nö, danke kein Bedarf“, hörten wir ihn noch sagen bevor er bereits schon wieder raus war. Wieder lautlos und schnell war er verschwunden. Kiran sah mich mit zusammengekniffenen Augen an. Er versuchte ganz ernst zu bleiben und kam langsam auf mich zu. Kiran sah gefährlich und verführerisch zu gleich aus. Ich war seltsam erregt ihn so aufgewühlt zu sehen.
„Möchtest du mich wirklich eifersüchtig machen, kleines?“
Ich lief dabei immer noch Rückwärts und kicherte.
„Hat es denn geklappt?“
Doch ich kam nicht mehr weiter mit Rückwärtsgehen, da stand ich schon mit dem Rücken an der Wand. Kiran hatte mich jetzt auch erreicht und meinte Kopfschüttelnd: „Liebes, dass hättest du wohl gerne. Du bist meine Geliebte für sehr lange, lange Zeit. Daran ist nicht mehr zu rütteln.“
Hitze stieg in mir auf als ich seinen Blick sah. Nun bückte er sich runter zu mir und fuhr mit seinen Lippen meinen Hals herunter. Ein Schauer der Erregung lief mir den Rücken hinunter. Ich bekam Gänsehaut. Ich krallte mich an seinem Shirt fest. Er hob mich hoch und ich umklammerte mit meinen Beinen sein Gesäss. Doch wir wurden jäh unterbrochen als, ausnahmsweise mal laut, die Tür aufging und Joe kichernd seinen Kopf hinein streckte: „Hey Wolfi, schmusen kannst du bei dir zu Hause, bitte nicht hier in öffentlichen Räumen. Man weiss nie wer da so reinplatzt... Ehrlich das geht nun gar nicht!“
Kiran lies von mir ab und kniff seine Augen eng zusammen.
„Liebes, bitte entschuldige mich für einen Moment. Habe noch etwas Dringendes zu erledigen.“
Kaum hatte er den Satz fertig gesprochen war er auch schon hinter Joe her. Ich musste lachen und wusste dass die zwei Freunde für etwas länger unterwegs sein würden. Sie liebten die Rauferei. Und heute hatte Joe allen Grund dafür geliefert. Also schrieb ich die begonnenen E-Mails fertig. Danach ging ich in unser kleines Blockhaus und legte mich einwenig hin. Ein sehr ereignisreicher Tag.


Fairbanks


Keine Ahnung wann Kiran zurückkam denn ich musste vorher eingeschlafen sein. Als ich am Morgen erwachte war es bereits 8 Uhr. Kiran war entweder noch nicht zurück oder bereits schon wieder unterwegs. Ich rieb mir die Augen, ich hatte lange geschlafen, für meine Verhältnisse. Doch nun musste ich mich beeilen da wir ja bereits heute Morgen nach Fairbanks aufbrechen wollten. Ich zog mich ab und ging unter die Dusche. Der gestrige Abend ging mir nochmals durch den Kopf. Ich dachte an Joe und Kiran und musste unweigerlich grinsen. Als ich gerade das Wasser laufen lies schreckte ich kurz auf. Kiran stand, natürlich auch nackt, hinter mir und hielt mich fest. Langsam drehte ich mich zu ihm um, um ihn anzusehen. Seufzend wollte ich wissen: „Muss dieses anschleichen denn wirklich sein? Etwas Geräuschekulisse würde niemandem Schaden zufügen. Im Gegenteil…“
Er rümpfte seine Nase: „Muss nicht, aber dann ist es keine Überraschung mehr. Ausserdem hatte ich nur Glück dass die Dusche bereits rauscht. Sonst hättest du mich gehört.“
Aber da hatte er gewissermassen Recht. So leise wie die Vampire war Kiran nie. Aber fast so lautlos! Ich versuchte ihm klar zu machen: „Kiran, bitte, ich bin jetzt nicht in Stimmung. Ausserdem haben wir gar keine Zeit mehr.“
Kiran schien da anderer Meinung zu sein. Da war wieder dieser stechende Blick von ihm.
„Sie sind es gewohnt dass wir zu spät kommen. Also lass uns doch mal dort fortfahren, wo wir gestern so unsanft gestört wurden. Und dann erklär mir dass mit der Stimmung nochmals…“
„Unmöglicher Kerl!“, seufzte ich.
Kiran lies sich nicht beeindrucken und fuhr mit seinen Lippen meinen Hals herab. Ich stöhnte kurz auf. Er knabberte weiter an meinem Ohr, kam danach an meinen Mund und unsere Lippen schmolzen ineinander. Die Hitze in mir begann zu brennen und ich hielt ihn fest. Ich liebte seine Berührungen und wollte mehr von ihm. Die Leidenschaft hatte uns eingefangen. Ich konnte ihn noch wahrnehmen wie er ein leises: „Ich liebe dich“, hauchte. Dann stöhnte ich auf und verschwand im Meer der Gefühle.
Schlussendlich waren wir, wieder einmal mehr, etwas spät dran. Wir verabschiedeten uns alle von einander. Wir waren nicht traurig, wir wussten wir sehen uns bei gegebener Zeit wieder. Es war Abschied auf Zeit und nicht für immer. Mona und Jo viel der Abschied von ihrem Jungen schwer. Es war das erste Mal dass sie ihren kleinen von ihrem gemeinsamen zu Hause gehen lassen mussten. Sie wussten wir würden gut auf ihn aufpassen. Trotzdem war es für sie gar nicht so einfach. Es tat mir leid nicht mehr Zeit mit Sandi und Julia verbringen zu können. Ich hätte gerne gewusst wie eine Schwangerschaft, als halb Vampir, sich weiter entwickelt. Ich wusste die Schwangerschaft verläuft anders. Aber was heisst anders. Ich hatte ja keine Vergleichs Möglichkeiten. Woher auch. Und Bücher darüber gab es ja auch keine. Und bis jetzt ging es den beiden ausserordentlich gut. Ich hoffte inständig wir würden vor der Geburt der Babies zurück sein.
In Fairbanks angekommen, fuhr Kiran uns zu einem Hotel. Das sollte nun unser zu Hause sein für die nächsten 3 Tage. Wenn ich den heutigen Tag noch dazuzählen konnte. Paula und ich entschlossen uns nach dem Einchecken, im Hotel zu bleiben. Währenddessen brachten Kiran und Joe das Gepäck bereits zum Flughafen. Bereits ein kleiner Test für Joe.
„Wollen wir, unten in der Lobby, etwas zusammen trinken?“, fragte Paula.
Das schien mir eine gute Idee zu sein und ich sagte ihr sehr gerne zu.
„Es ist einiges passiert Lis. Als ich dir in der Schweiz von der Legende erzählte hast du sicher gedacht DIE spinnt. Stimmt’s? Schätze ich es richtig ein?“
„Ich hielt das Ganze schon für sehr speziell. Damals dachte ich wirklich in Alaska hätte ich Ruhe vor euren Hirngespinsten. Aber du siehst es kam alles ganz anders. Auch ich bin noch lernfähig.“ Paula kicherte, aber ich war neugierig und wollte noch etwas von ihr wissen: „Paula, stört es dich nicht das Joe ständig bemüht ist mich zu beschützen?“
„Klar ist es ungewöhnlich. Aber es ist seine Aufgabe. Das ist wohl seine Bürde die er tragen muss.“
„Ja, er ist ein sehr lieber Mensch. Ähm ich meine…“, wir lachten beide auf.
„Er hat mir von gestern Abend erzählt.“ Erwähnte Paula.
„Du sprichst den Kuss an?“ War es mir jetzt doch etwas unangenehm eine solche Diskussion mit meiner besten Freundin zu haben.
Paula lächelte: „Ja.“
„Paula, das hatte wirklich nichts zu bedeuten.“
„Ich denke wäre ich nicht gekommen und Kiran nicht aufgetaucht hättet ihr vermutlich eine Affäre miteinander gehabt. Denkst du nicht auch?“
„Vielleicht, vielleicht aber auch nicht. Es tut mir leid wenn es dich gekränkt hat. Bitte entschuldige.“
„Nein, im Gegenteil ich bin froh ist das zwischen euch geklärt.“
Ich sah Paula an und spürte dass sie es genau so meinte wie sie es mir gerade sagte. Sie hegte keinen Groll. Wir sassen noch eine Weile unten in der Lobby und tranken etwas. Einige Zeit später hörten wir unsere Jungs kommen. Ungewöhnlich dass wir sie hören konnten, aber endlich verhielten sie sich wie richtige Menschen. Auch sie konnten, mussten sich anpassen. Geräuschvoll sassen sie zu uns hin. Kiran und Joe erklärten uns dass es am Flughafen keine Schwierigkeiten gab.
„Ladies, heute Abend gehen wir gemeinsam mit Tori und Tom essen“, erklärte Kiran mit dem wissen ich würde mich riesig freuen die beiden, vor allem Tom, wieder zu sehen. Die Freude teilte auch Paula mit mir. Wie üblich plante Kiran die Zeit der verbleibenden drei Tage. Nach Möglichkeit plante immer er, das tat er wirklich gut und gerne. Kiran mochte wohl seinen Job als Eventplaner. Er sprach nie viel über die Zweigniederlassung. Doch ich wusste er freute sich auf die neue Herausforderung.
Ein zwei Drinks später gingen wir auf unsere Zimmer um uns auf den Abend vorzubereiten.
Die Freude war gross Tori und Tom wieder zu sehen. Ich sprang Tom förmlich in die Arme. Natürlich wusste ich dass Tori dabei ihr Gesicht verzog. Es war mir sozusagen egal was sie davon hielt. Irgendwie gehörte das Getue einfach zu Tori. So war Tori einfach. Tom hielt mich fest und küsste mich auf die Stirn und sprach dann: „Schatz, du siehst heute Abend einfach blendend aus.“
„Danke du auch“, erwiderte ich.
Paula war sehr glücklich ihre Schwester wieder in die Arme schliessen zu können. Als Tori auf Kiran und Joe traf, stöhnte sie jedoch mürrisch auf: „Na wie schön, da sind wir also alle wieder vereint. Kaum haben wir euch Tieren den Rücken gekehrt steht ihr auch schon wieder da.“
Danach stiess Tori, Kiran ihren Ellenbogen in dem Magen. Er klappte zwar nicht zusammen aber ein kleines „Ah“, war doch zu hören. Sie konnte kräftig zuschlagen, wenn sie wollte.
„Wofür habe ich so viel Zuneigung von dir verdient?“, war Kirans berechtigte Frage.
„Wir tragen beide ab und an Pelz, das verbindet“, war ihre kurze freche Antwort.
Hätten sie hier Platz zum raufen wären sie bestimmt schon weg gewesen. Doch hier mussten sie sich wie ‚normale’ Menschen benehmen. Das amüsierte mich einwenig. Der Abend verlief ruhig. Joe hatte keine Probleme damit in einem Raum zu sitzen und sich wie ein normaler Mensch zu benehmen. Er ass zwar nicht gerade viel, das machte aber nichts. Uns war es wichtiger zu sehen wie er damit umging in einem Restaurant zu sitzen. Es waren etwa an die 40 Personen im Raum. Wir fanden Joe hat den ersten Test erfolgreich bestanden. Natürlich fand er, wir alle übertrieben masslos.
„Leute ehrlich, das soll ein Test sein. Also bei uns im Camp waren in den Spitzenzeiten auch schon mal um die 20 Nasen zusammen gekommen. Und diese Menschen standen im näheren Kontakt zu mir als hier im Restaurant. Ihr könnt euch ja vorstellen wie ich auf fremde Frauen wirke. No Problem!“
Er verzog das Gesicht zu einer Grimasse. Danach strich er Paula liebevoll den Rücken hinunter und gab ihr dabei einen Kuss auf ihre rechte Wange. Ich musste lächeln. Doch Joe hatte nicht mal so Unrecht mit seiner Aussage. In diesem Raum zu sitzen mit uns und den anderen Menschen war wirklich keine besondere Herausforderung. Ich sah kurz Kiran an und las in seinem Gesicht dasselbe wie ich wohl gerade dachte. Nun war ich mir sicher dass der nächste Tag nicht ganz so einfach für Joe laufen würde.
Ab und an fühlte ich mich, hier im Restaurant, ein wenig beobachtet. Manchmal hatte ich das Gefühl als würde mich jemand anstarren. Ich hatte keinen Beweis, das war nur so eine Art Gefühl. Auch Joe und Kiran waren nicht mal ansatzweise in Alarmbereitschaft. Das war an sich wirklich beruhigend. Wäre etwas Auffälliges gewesen hätten sie etwas bemerkt. Trotzdem suchte ich, unauffällig mit meinen Augen den Raum ab. Einmal beobachtete mich ein Mann am gegenüber liegenden Tisch. Er war nicht sehr auffällig. Er hatte braune kurze Haare dafür sehr auffallend schöne braune Augen mit langen Wimpern. Die Augen fielen mir auf weil es ein sehr helles braun war. Ansonsten eher ein null acht fünfzehn Typ. Der Mann bemerkte dass ich ihn auch an sah, er nickte mir zu und lächelte mich nett an. Das war mir jetzt doch einwenig peinlich. Ich lächelte verlegen zurück und wendete meinen Blick wieder von ihm ab. Fast wäre ich rot angelaufen. Die anderen bemerkten nichts davon. An diesem Abend wurde wirklich viel Diskutiert. Über vergangenes und über zukünftiges. Tori war immer noch sehr spritzig in ihren Antworten. Doch ich wusste genau sie mag Kiran gut leiden. Wie sie zu mir stand war mir nicht ganz klar. Aber es war so in Ordnung wie es war. Ich für meinen Teil, genoss einfach unser gemeinsames zusammentreffen. Es war schön mit ihnen hier zu sitzen. Ich verdrängte das Gefühl dass Tom und Tori nicht in Alaska bleiben werden. Im Grossen und Ganzen ein gelungener, schöner Abend im engen Freundeskreis. So etwas Normales hatten wir schon lange nicht mehr gemacht.
In dieser Nacht schlief ich leider wieder einmal schlecht. Ich träumte wieder einmal einen seltsamen Traum. Diesmal rannte ich nicht mehr davon. Ich war umgeben von Gefühlen, von Erotisierenden Gefühlen. Da war ein Mann. Er war so undeutlich und deutlich genug um zu spüren dass es sich dabei nicht um Kiran handelte. Der ganze Traum war so verschwommen. Darin wurde ich von einer anderen Person angezogen und schien mich von Kiran lösen zu wollen. Mein Herz begann zu schmerzen. Es riss mich fast auseinander. In diesem Moment löste sich der Traum im weissen Schleier auf…Als ich erwachte war mir der Traum nicht mehr genau präsent. Ich schwieg also darüber und hoffte Kiran hatte es nicht bemerkt. Dem Alkohol sei Dank.
Der nächste Morgen begann sehr gemütlich mit einem gemeinsamen Frühstück. Danach zogen Tom und Tori nochmals los um die restlichen Dinge in der Stadt zu klären. Soviel ich verstanden hatte ging es um die Wohnungsabgabe von Tori. Später werden sie auch ins Hotel kommen, für die letzte Nacht, bevor die Reise in die Schweiz los ging. Kiran musste noch etwas Geschäftliches erledigen und nahm Joe wieder mit. Er fühlte sich für Joe offensichtlich verantwortlich. Paula und ich beschlossen ein Paar Kleinigkeiten für meine Familie zu suchen. Wir waren überzeugt davon dass sie sich über ein zwei Souvenirs freuen würden. Schliesslich war ich eine lange Zeit weit weg von der Familie. Während wir so Arm in Arm dahin schlenderten, beschloss ich die Zeit zu nutzen um Paula, von meiner Idee für den heutigen Abend zu erzählen.
„Heute Abend könnte Joe schon ins schwitzen kommen. Das weißt du ja.“
Paula seufzte: „Ja ich weiss, ich hoffe wir kommen heil aus der Sache raus.“
„Ich habe etwas darüber nachgedacht. Ich denke du wirst diejenige sein die ihm helfen kann. Falls es so weit kommen sollte und wir eingreifen müssen. Was wir ja alle nicht hoffen…“
Paula blieb stehen und runzelte die Stirn: „Wie meinst du das?“
„Wenn der absolute Notfall eintreffen wird und Joe durchstarten will. Dann musst du mit ihm in Kontakt treten. Du musst ihn mit seinem Namen der Seele ansprechen und auf dich und eure Liebe lenken. Ich denke dass würde ihn am ehesten wieder runter holen. Dieses Band ist tief und die verbindet euch für alle Zeit.“
Jetzt schien Paula zu überlegen.
„Ja, hat was. Wobei ich dich bitten möchte mir zu helfen. Ich denke du kennst alle unsere verborgenen Namen. Zusammen wären wir stärker.“ Sie machte eine Pause. Sah mich an und ich nickte ihr erstaunt zu.
„Ein Versuch wird es wert sein.“ Lächelte ich.
Paula sprach weiter: „Eben, daher musst du mir helfen. Versprochen?“
Ich lächelte wieder: „Versprochen. Aber woher weiss du, dass ich eure Namen…“
„Ich war mir nicht sicher. Aber irgendwie erschien es mir logisch zu sein.“
„Oh…“
„Übrigens machst du deine Sache gut.“
„Welche Sache?“ Stand ich mir selbst auf der Leitung.
„Na das mit der EINEN. Du zwingst uns nichts auf. Du bist einfach du geblieben.“
„Oh… War das gerade ein Kompliment?“
„Ja und jetzt argumentiere nicht dafür und dagegen. Lass es einfach so stehen.“
„O.K.“
Das wäre also geklärt. Nun hackte ich meinen Arm wieder bei ihr ein und wir schlenderten weiter durch Fairbanks. Einige Zeit später traf mich Kiran im Hotelzimmer vor dem Fernseher an. Er erzählte mir dass es mit Joe überhaupt kein Problem gab und er seine Angelegenheiten unter Dach und Fach bringen konnte. Als mir Kiran dann noch erzählte, dass wir heute Abend alle zusammen, an ein Country Saloon gingen hellte sich meine Laune noch mehr auf. Ich wollte schon immer mal bei einem Line Dance mitmachen und freute mich riesig einmal dabei sein zu können. Schlussendlich trafen wir uns alle wieder unten in der Lobby des Hotels wieder und gingen gemeinsam los. Die vor Freude war gross.
Im Laufe des Abends wurde das Lokal sogar richtig voll. Die Musik gefiel mir sehr gut und die Stimmung war hinreissend. Das Essen war super und ich genehmigte mir zwei drei, oder waren es vier(?) Drinks. Also war ich rasch „leicht“ beschwippst. Kiran amüsierte sich dabei, er sah mich selten so ausgelassen. Genau genommen hat er mich so noch nie erlebt. Seiner Meinung nach schien ich sehr glücklich aus zu sehen, würde das auch so ausstrahlen. Na wenn er meint. Auch gut.
Nach einiger Zeit und einigen Drinks später, fühlte ich mich bereit dazu mich auch mal unter die Line Dance zu mischen. Schliesslich hatte ich lange zugesehen und mir versucht die Schrittkombinationen zu merken. Tori erklärte mir etwas von: Bump, Kick, Heel doch mir schien nur der Cha Cha Stepp einigermassen etwas zu sagen. Tori schien früher öfters Line Dance mitgemacht zu haben. Das sei aber schon lange her. Und Paula gab mir zu verstehen dass sie zwei absolute linke Beine besass. Nichts desto trotz wollten wir Weiber es wagen. Ich hatte wirklich grosse Mühe mit den Schritten. Sich die Schritte zu merken war ja die eine Sache. Aber alle aneinander anzuhängen die Andere! Tori machte ihre Sache soweit ich das beurteilen kann, ganz gut. Ich denke das war definitiv ihr Heim Vorteil. Paula und ich waren schier hoffnungslose Fälle. Doch wir hatten trotzdem riesen Spass. Wir kicherten viel. Ob das wohl am Alkohol lag? Meine Tanz Nachbarin, rechts von mir, hatte bedauern und nahm sich etwas Zeit für mich und Paula. Ihr Name war Jacky und sie war eine ausgesprochene Schönheit. Jacky hatte blondes langes Haar. Eine wirklich ausgesprochen perfekte Figur. Betonung auf perfekte (90-60-90) Figur und schöne hellbraune Augen. Eine Augenweide für alle ob Mann oder Frau. Bei ihr konnte man einfach nicht wegsehen. Selbst ich nicht. Die Männer schmachtend und die Frauen platzten vor Neid und Eifersucht. Das Schöne an Jacky war, dass sie sehr nett und natürlich herüber kam. Gewissermassen machte sie das sehr Sympathisch. Ihre Augen waren der Hammer. Zu ihren blonden Haaren waren die hellen braunen Augen eine Wucht. Was Alkohol alles so auslösen kann! Dank ihrer Hilfe und Führsorge fand ich endlich meinen Rhythmus zur Musik. Es machte Irrsinnigen Spass. In der Pause bedankte ich mich bei Ihr für die Hilfe. Sie kam kurzerhand noch mit an unseren Tisch und ich stellte sie den anderen vor. Ich musste kichern als ich die Blicke unserer Männer sah. Sie schienen sie förmlich mit ihren Blicken abzuziehen. Jacky wurde durchaus auch von ihnen bewundert. Sie wirkte also auch auf unsere Mannsbilder. Unsere Vampir und Wolf Männer waren also auch nur Männer! Hätte ich weniger Alkohol gehabt wäre ich vielleicht eifersüchtig geworden. Doch in diesem Zustand war es mir wirklich Egal. Auch Tori und Paula reagierten nicht eifersüchtig, wohl auch zu tief ins Glas geschaut. Da Jacky jetzt bei uns sass hatten wir vermehrten Männern Besuch am Tisch. Uns Mädels kam das sehr entgegen und wir hatten unseren Spass dabei. Für Joe hingegen war es eine echte Herausforderung. Nicht nur die vielen Menschen hier an diesem Ort, nein auch noch Paula die fleissig flirtete. Einmal beobachtete ich Joe eingehend. Er sah ziemlich mürrisch aus als er Paula beim flirten zu sah. Sein Kiefer war fest geschlossen. Im Grunde genommen war Joe ja noch nie im Ausgang gewesen. Für ihn war das alles Fremd und unnatürlich. Hatte er überhaupt schon mal eine Freundin? Ich wusste definitiv noch nicht alles von Joe. Unser Joe atmete etwas schneller wie auch schon und seine Augen waren dunkler geworden. Trotzdem hatte er sich aber sehr gut unter Kontrolle. Wenn er mal angerempelt wurde sah man kurz seine Augen rollen und er hielt seine Paula fester am Arm. Wie ich vermutete, Paula war sein Ruhe Pol. Sie beruhigte ihn. Ab und an konnte ich Joe auch leise grollen hören. Dank der Musik nahm aber ansonsten niemand davon Notiz.
Ja es schien eine lustige gelungene Nacht zu werden. Ich lächelte Joe an und sendete ihm meine Gedanken: -*Joe…, alles klar.*-
Er zog die Augenbrauen hoch als er mich ansah und mir lächelnd seine Gedanken sendete: - *Ich könnte jetzt einen Witz bringen wegen Jacky wie lecker sie…… Doch die Sache hier ist ernst. Also ich muss gestehen es ist nicht ganz so einfach wie ich es mir vorgestellt hatte. Doch ich halte durch. Hab keinen Appetit, wobei, wie gesagt diese Jacky riecht lecker…*-
Jetzt huschte ein Lächeln über mein Gesicht und Kiran sah mich dabei einwenig merkwürdig an. Er hatte ja nichts von der Diskussion zwischen mir und Joe mitbekommen. Flüchtig küsste ich Kiran. Sozusagen zur Beruhigung dass alles in Ordnung war. Jacky machte sich plötzlich einwenig an unseren Joe ran. Sie kam ihm verdammt nah. Joe versuchte Jackys Spiel so gut wie möglich mitzuspielen. Auf den Kopf war Joe ja durchaus nicht gefallen. Und ein attraktiver Kerl war er auf jeden Fall. Schlagfertig gab er Antworten auf ihr Bezirze. Hielt sie aber gekonnt auf Abstand. Einmal wurde Jacky von einem Mann unbeabsichtigt von hinten angerempelt. Der Mann machte das natürlich nicht absichtlich doch Jacky landete in Joes Armen. Für einen kleinen Moment schienen selbst wir die Luft anzuhalten weil wir nicht wussten wie Joe reagieren würde. Frech begann Joe zu grinsen und übergab Jacky seinem Freund Kiran mit den Worten: „Vielleicht kannst du mehr mit ihr anfangen als ich. Sie ist nicht mein Typ.“
Jacky sah Joe herausfordernd an und wandte sich dann Kiran zu: „Na hübscher, wie wäre es denn mit uns beiden?“
Kiran nahm Jacky ganz nah an sich heran. Er genoss es umworben zu werden. Ich sah wie Kiran ihren Duft in sich aufnahm und sie dann noch ein Stück näher an sich heran lies. Irgendetwas flüsterte er ihr ins Ohr und sie begann herzlich zu lachen. Das wurmte mich natürlich. Zu gerne hätte ich gewusst was Kiran ihr da gerade erzählte. Eigentlich gefiel es mir doch nicht so recht wenn er diese Jacky so nah an sich heran liess. Als würde Kiran meine Gedanken lesen sah er mich an. Ich konnte durchaus den Schalk in seinen Augen sehen. Er wusste genau dass ich diese Situation nicht so rosig fand. Sein Blick war so eindringlich dass Hitze in mir aufstieg. Ich schüttelte kurz meinen Kopf. Und Kiran lachte laut auf. Am liebsten hätte ich ihn gepackt und… Das weitere hätte sich dann schon ergeben.
Doch plötzlich ging alles ganz schnell. Jacky stiess ihr Glas mit Joe etwas heftig an. Nicht das Joe etwas trank, dafür war er heute zu nervös, er hielt einfach ein Bier in der nähe stehen. So als Alibi. Das machte sich doch gut. In diesem Moment, als die Gläser aufeinander trafen, ging Jacky’s Glas in die Brüche und sie verletzte sich an ihrer Hand. Tatsächlich hatte sie sich geschnitten! Sie begann zu bluten!
Nicht schlimm, aber sie blutete! Sofort reagierte Joe mit einem Grollen und fletschte leicht seine Zähne. Dass zu unserem Glück, wieder niemand von den Gästen richtig wahrnehmen konnte. Seine Augen wurden noch dunkler und glasig. Paula stellte sich sofort vor Joe hin und begann mit dem Gedankenaustausch. Schlussendlich standen Joe und Paula nun Stirn an Stirn da. Er hielt sich krampfhaft an ihr fest und versuchte sich zu beruhigen. Kiran blieb ruhig und gelassen. Tom und Tori bekamen von Kiran den Auftrag Jacky wegzubringen und zu versorgen. Ein sehr gefährlicher Moment für alle hier im Raum. Für alle Menschen hier.
Alle wurden plötzlich zur absoluten Speisekarte für Joe. Für einen kurzen Moment hatte ich das Gefühl Jacky verschmitzt lächeln zu sehen. Ihre Augen blitzten förmlich auf. So als wäre sie belustigt über diese Situation. Als sie bemerkte dass ich sie beobachtete lächelte sie mir kurz zu. Ich lächelte zurück und wandte mich dann zu Joe und Paula. Ich stellte mich zu Paula und Joe hin und berührte sie beide beim Gedankenaustausch: - *Joe du bist Mel, alles was du bist ist Mel. Denk an deine liebe zu Tia. Du lebst für sie. Sie ist dein Seelenpartner. Eure Band der Liebe ist sehr stark. Mel, konzentrier dich auf T-i-a.*-
Ich machte eine Pause, und sah dass bei Paula Tränen in den Augen standen. Sie hatte Angst um ihren liebsten. Ich musste rasch weiter machen: -*Mel. Du kennst deine Partnerin. Erinnere dich an deine Liebe zu ihr. Du und Tia, ihr seit eine Einheit. Lebe und kämpfe für diese Liebe. Bitte beruhige dich. JETZT*-
Endlich verstummte Joes grollen und er sank Paula in die Arme. Sein Gesicht war voller Schmerz. Sie hielten einander fest. Sie stützten einander. Endlich wurden seine Augen wieder klar und hell. Paula gab ihm Kraft und er schöpfte sie dementsprechend aus. Auch ich war erschöpft und wurde von Kirans Armen empfangen. Wir hatten die Situation hier also im Griff. Es konnte nichts mehr geschehen.
„Guter Plan, kleines“, hauchte Kiran mir liebevoll ins Ohr und küsste mich auf die Stirn.
„Woher wusstest du von meinem Plan?“
„Ich wusste es nicht. Doch ich nahm an dass du bereits eine Idee hattest für den Fall dass…“
Ich lächelte ihn an und war glücklich dass die Sache so gut gelaufen war. Als Joe sich wieder endgültig unter Kontrolle hatte, kam er auf mich zu und umarmte mich.
„Scheisse Schweiz, dass wahr knapp!“, sprach er ganz leise. Ja dass wahr wieder unser Joe wie er leibt und lebt. Unweigerlich musste ich lächeln. Es ging ihm wieder deutlich besser. Ich fühlte seine Dankbarkeit und seine Erleichterung. Irgendwie konnte ich nicht anders und musste ihn necken: „Willst du mich etwa wieder küssen?“
Joe kicherte und hielt mich jetzt auf Armlänge in Abstand. Grinsend kam seine Antwort: „Ich weiss ich bin gut in dem was ich mache. Meinen Kuss vergisst man nicht so schnell. Frau, reagiert leicht süchtig danach.“
Jetzt musste auch ich lachen und Kiran schob sich zwischen uns und begann mich provokativ zu küssen. Joe grinste. Wir blieben noch bis Tori und Tom zurückkamen. Sie meinten Jacky wurde gut versorgt und sei nun doch auch nach Hause gegangen. Die Wunde sei nicht tief es habe nur heftig geblutet. Jacky liess uns Grüsse ausrichten und würde sich freuen uns bald wieder zu sehen. Besser nicht, ging es mir durch den Kopf.
Dass wahr dann wohl auch unser Stichwort für unseren Rückzug ins Hotel. Denn Morgen war der grosse Tag der Reise in die Schweiz. Joe hatte seinen Test mit Bravour bestanden.
In dieser Nacht konnte ich nicht direkt einschlafen und erinnerte mich an das seltsame lächeln von Jacky. Bildete ich mir das alles nur ein oder hatte sie wirklich gelächelt? Diese Frage würde wohl vorerst unbeantwortet bleiben. Ich hatte wohl, für meine Verhältnisse, einiges zu viel an Alkohol konsumiert. Es würde mir hoffentlich eine Lehre sein.


Rückreise…


Der nächste Tag begann wieder mit einem gemeinsamen Frühstück. Wir waren sichtlich stolz auf uns wie der gestrige Abend geendet hatte. Wir waren richtig euphorisch. Vor allem Joe fand sich einfach sagenhaft. Er gab vor, nichts und nimmer würde ihn mehr aus der Bahn werfen können. Natürlich wussten wir, und auch er, dass es nicht so sein würde. Doch wir wollten ihm diesen Spass gönnen. Es war gut zu wissen dass unsere Namen die unsere Seele trägt so grossen Einfluss auf uns hatten. Doch sie konnten durchaus auch unsere Schwachpunkte sein wenn sie missbraucht wurden. Wie Paula zu Recht vermutete, kannte ich tatsächlich alle Namen. Ich habe es den anderen nie gesagt da ich davon ausging dass es ihnen nicht recht sein würde. Es war ja auch nicht nötig. Dass es für die anderen einfach nur Logisch war, darauf wäre ich nie gekommen. Sie wussten ich würde die Namen nicht missbrauchen. Sie hatten einfach grosses Vertrauen und dafür war ich sehr dankbar.
Ich sah in die Runde und sah meine neue Familie. Es ging mir ausgezeichnet. Ich liebte meine Familien.
Joe machte natürlich seine Witze betreffend seinem Aussetzer. Wäre ja nicht Joe wen er nicht aus allem etwas Spassiges ziehen könnte. Kiran boxte ihn in dem Oberarm und ich wusste genau, sie hätten wieder mal Lust auf eine Rauferei. Tori hielt sich sehr zurück mit ihren Aussagen. Sie fand wahrscheinlich dass Joe sich daneben benahm. Doch ihrer Schwester zu liebe sagte sie mal zur Abwechslung nichts. Musste sie auch nicht. Ihr Gesichtsausdruck sprach für sich selbst.
Fünf Stunden später sassen wir auch schon im Flugzeug. Kiran hatte etwas Kräuter von Mona mitgenommen, für den Fall das wir Joe besser schlafend durchbringen müssten. Doch es war nicht nötig. Nie im Leben wollte ich Joes staunen während den ersten Minuten beim Flugzeugstart verpassen. Natürlich war er fasziniert und sofort ein grosser Fan der Fliegerei! Es war ja sein erstes Mal.
„Wie fühlt sich unsere Jungfrau beim ersten Flug?“, neckte Kiran seinen Freund.
„Das ist wie beim ersten Mal Sex. Einfach grossartig.“
Wir kicherten. Er benahm sich „fast“ wie ein kleines Kind. Bei mir dauerte es leider nicht allzu lange und ich begann doch einzuschlafen. In meinem Schlafzustand begann ich zu träumen. Da war die schöne Hochzeitsfeier meines Bruders. Kiran und ich tanzten geschlossen zur Musik. Es war einfach herrlich. Es gab nur Kiran und mich, wir sahen uns tief in die Augen. Wir freuten uns auf unsere eigene Hochzeit. Nur Kiran und ich für immer und ewig. Mein schöner Traum wurde jäh unterbrochen von der Stimme die ich noch keinem Gesicht zu Ordnen konnte.
-*Elisabeth, ich war dir nah. So unglaublich nah. Du bist wirklich ein hübsches kleines Ding. Ich werde wohl meine Freude an dir haben. Es wird dir bei mir an nichts mangeln. Sei brav und komm freiwillig zu mir. Du gehörst zu mir.*-
Es kannte nun auch schon meinen Namen. Es wusste schon relativ viel von mir. Meinen Namen und das ich in Alaska war. Unbehaben schlich sich bei mir ein. Da Es schon von mir wusste konnte ich jetzt auch antworten: -*Ich weiss noch nicht warum. Aber du ekelst mich an. Und NEIN ich komm nicht zu dir. Lass mich in Ruhe und dir wird nichts geschehen*-
Jetzt war ich gespannt auf die Antwort. Es war mir absolut klar dass Es mir antworten würde. Ich denke Es verstand die Drohung die ich versuchte mitzuteilen: -*Nett, du drohst mir. Das gefällt mir. Du wirst gut beschütz von deinen Freunden, wohl wahr. Aber früher oder später bekomme ich dich. Keine Sorge. Ich habe alle Zeit der Welt. Und ich lasse mir die Zeit die ich brauchen werde. Versprochen*-
Ich schreckte auf und war hellwach. Kiran drehte meinen Kopf zu sich und hielt ihn mit beiden Händen ganz fest. Ich sah seinen fragenden Blick. Im Moment war ich unfähig zu sprechen, das wusste er nur zu gut. Kiran legte seine Stirn auf meine und ich sendete ihm das Geschehene zwischen mir und diesem Jemand zu. Danach sah ich die Sorgenfalte auf seinem Gesicht. Liebevoll strich er mit seiner Hand über mein Gesicht. Ich konnte genau sehen dass er sich um mich sorgte.
„Liebes, ich beschütze dich“, er schüttelte den Kopf, „nein, wir beschützen dich. Auch wir haben alle Zeit der Welt. Wir werden achtsam sein, versprochen. “
Das wusste ich nur zu gut. Seine Worte beruhigten einwenig. Ich versuchte zu lächeln. Mir war trotzdem unwohl und schlecht. Dieses Etwas wusste jetzt meinen Namen, behauptet ich sei hübsch. Es musste mich bereits gesehen haben. Uns war nichts Aussergewöhnliches aufgefallen. Niemand war irgendwann mal in Alarmbereitschaft geraten. Mein Magen begann zu rebellieren und ich war nicht sicher ob ich mich übergeben müsste. Sicherheitshalber wollte ich die Toilette im Flugzeug aufsuchen. Kiran wollte mich natürlich begleiten doch ich wehrte ab. Was sollte mir denn bitte hier oben im Flugzeug geschehen! Ich brauchte einfach einen Moment für mich alleine. Also lies Kiran mich gewähren. Die Toilette war natürlich besetzt. Ich beschloss einen Moment zu warten. Die Türe ging auf und ein Mann kam raus. Ich starrte ihn förmlich an. Konnte nicht anders. Er sah aus wie mein Marius. Einfach mit dunklen Haaren, denn Marius hatte blondes Haar und braune Augen. Dieser Mann vor mir hatte das ähnliche Gesicht, braune kurze Haare und braune Augen. Mir blieb quasi die Luft weg! Es war etwas eng und wir kamen deswegen aneinander an. Er lächelte mich an und ich war seltsamerweise sehr angetan von ihm. Ich bekam richtig Gänsehaut. Für ihn musste die Situation recht seltsam ausgesehen haben denn er fragte: „Entschuldigen sie, ist mit ihnen alles in Ordnung? Sie sehen mich - etwas - merkwürdig an.“
Gott wie peinlich! Seine Stimme war warm und sehr freundlich. Und was für ein nettes, sympathisches lächelnd er hatte. Eine sehr angenehme Erscheinung. Er sah wirklich aus wie Marius. Auch dieselben braunen Augen. Ich versuchte mich zusammen zu reissen und erklärte: „Ja danke. Sie haben Recht ich starre sie wirklich an. Sie sehen jemandem sehr ähnlich den ich mal kannte. Haben sie vielleicht einen Bruder?“
Er lächelte mich wieder nett an und meinte schmunzelnd:
„Leider nein! Sonst hätte ich sie sehr wahrscheinlich bereits früher kennen gelernt. Schade. Aber es ist nie zu Spät.“
Jetzt sah er mich herausfordernd an. Doch da tauchte Kiran an meiner Seite auf. Unmissverständlich gab er mir einen Kuss auf die Stirn. Dabei sah er den fremden Mann höflich nickend an. Dieser Verstand nur zu gut. Er schmunzelte uns an und sah mir direkt in die Augen.
„Vielleicht trifft man sich ja wieder einmal unverhofft. Wünsche ihnen beiden weiterhin einen guten Flug.“
Wir nickten ihm zustimmend zu und er ging zurück an seinen Platz. Kiran sah mich fragend an. Ich kicherte und ging auf die Toilette. Irgendwie amüsierte mich Kiran. Meine Übelkeit war auf jeden Fall wie weggeblasen.
Der Flug war sehr gut. Anstrengend, lang aber gut. Wir landeten sicher in der Schweiz, in Zürich. Unser Joe war wie elektrisiert.
„Hey Leute, ich hab noch nie so viele Filme gesehen wie bei diesem Flug. Mir gefällt das hier. Ich muss nun wohl Pilot werden!“
Ich kicherte, er hörte sich an wie ein richtiges Landei. Irgendwie war er es ja auch. Als wir durch die Passkontrolle waren und unser Gepäck entgegengenommen hatten, trennten sich unsere Wege. Paula hatte Ihre Wohnung zwar schon gekündigt, hatte aber noch gut drei Monate Zeit um Ihre Sachen zu packen. Wir hatten denselben Weg und beschlossen gemeinsam ein Taxi zu nehmen.
Tori und Tom gingen direkt zu Tom nach Hause. Wir verabschiedeten uns. Ich wusste dass Tom meine Gedanken hören konnte, selbst aber keine zurücksenden konnte. Menschen die in unserer Verbindung stehen können unsere Gedanken entgegen nehmen. Selbst aber können sie keine Gedanken Aussenden. Warum das so ist haben wir noch nicht herausgefunden. Ich hatte ihm noch nie meine Gedanken gesendet, doch heute wollte ich es einmal ausprobieren: - *Bitte ruf mich bei Gelegenheit an. Ich möchte euch bald wieder sehen.*-
Tom lächelte mich an und antwortete auf mein senden: „Schatz, keine Bange ich rufe dich bestimmt an und wir sehen uns der Tage.“
Danach bekam ich einen Kuss auf meine Wange und natürlich einen verächtlichen Blick von Tori. Dann suchten wir uns ein Taxi und ich war froh endlich vor meiner bescheidenen Wohnung angekommen zu sein. Wir verabschiedeten uns von Paula und Joe. Doch einfach so konnten wir Joe noch nicht alleine lassen und vereinbarten dass wir uns am nächsten Tag zum Brunch treffen wollten. Der Brunch sollte bei mir stattfinden.
Nun waren wir in meiner Wohnung angekommen. Das Ganze kam mir so seltsam vor. Hier im Jetzt zu sein und zu wissen das ich nicht mehr hier bleiben werde. Dieses Kapitel meines Lebens schien sich zu schliessen. Wie ein Buch das nächstens zusammen geklappt wird. Aus und vorbei! Gedanken versunken stand ich da. Mitten in der Wohnung. Etwas verloren.
„Kleines, weißt du noch das erste Mal als ich bei dir geklingelt habe“, schwelgte wohl auch Kiran jetzt in den Erinnerungen. Ich begann zu lächeln und drehte mich zu ihm um. Er stand in der Türe und hatte seine Arme oben am Türrahmen abgestützt. Ja, wie damals.
Ich seufzte auf: „Ja, du hast mich damals tierisch genervt. Dabei hast du beteuert dass du das Wort - kleines - in Zukunft sein lassen würdest.“
Kiran lachte laut auf und schloss die Türe hinter sich. Er rümpfte seine Nase. „Ich habe echt versagt.“
„Definitiv.“
„Kleines, ist bis heute geblieben. Schatz ist mir zu einfach und auf Maus, Hase und co. steh ich einfach nicht“, war Kirans grinsende Erklärung dazu. Jetzt lachte ich auch laut auf. Ich sah seinen stechenden Blick. Heute blitzten seine Augen mich keck an, ich wusste nur zu gut was er im Schilde führte. Wie gewöhnlich würde er mich rasch überzeugt haben um mich ihm hinzugeben. Also warum sich lange dagegen wehren. Ich sprang auf ihn zu, er hob mich hoch und ich schlang meine Beine um seine Hüfte. (So gut es ging.)
„Damals hattest du noch längere Haare“, bemängelte ich. Dann begann ich ihn zu küssen. Er genoss es. Nach einer wilden Knutscherei landeten wir in meinem Bett. Heute würde es kein langes, einfühlsames Vorspiel geben. Die Lust und die Leidenschaft holten uns rasch ein. Wir nahmen und gaben was wir konnten bis wir beide den Höhepunkt erreichten. Verschwitzt und eng umschlungen schliefen wir eng bei einander ein. In dieser Nacht schlief ich ruhig und hatte keinen Traum oder irgendwelche Stimmen im Kopf. Es herrschte sozusagen Frieden in meinem Kopf. Das tat zur Abwechslung mal wirklich gut.
Als ich erwachte lag ein Zettel im Bett wo eigentlich Kiran liegen müsste. Erstaunt las ich die Zeilen: Guten Morgen kleines, bin früh los um den Brunch zu organisieren. Lasse dich ungern alleine und bin schnellstmöglich zurück. Bitte mache niemanden die Tür auf in meiner Abwesenheit. Nur eine kleine Vorsichtsmassnahme. Danke. Küsse für dich.
Ich fand seine Fürsorge für übertrieben. Natürlich würde ich niemanden die Tür aufmachen den ich nicht kenne. Danach entschloss ich mich eine Dusche zu nehmen. Nach der Dusche wickelte ich mich in ein Handtuch und wollte ins Schlafzimmer um mich anzuziehen. Als ich die Tür von der Dusche ins Schlafzimmer öffnete hatte ich einen Zusammenstoss mit Kiran. Ich erschrak und lies das Handtuch fallen. Kiran hob seine Augenbaue und meinte: „Soll das jetzt so eine Art Einladung für mich sein?“
Ich boxte ihn in seinen Magen und schüttelte lächelnd meinen Kopf. „Schau mal auf die Uhr! Wir bekommen gleich Besuch.“
Kaum hatte ich meinen Satz fertig gesprochen klingelte es an der Tür. Kiran zog seine Stirn hoch und meckerte: „Schade! Echt schlechtes Timing.“
„Geh schon.“ Grinste ich.
Doch zuerst zog er mich noch an sich und küsste mich eingehend. So viel Zeit musste wohl noch sein. Es ging nicht lange und es klingelte ein weiteres Mal. Kiran rollte seine Augen und ging los. Dabei verpasste er mir noch einen kleinen Klaps auf meinen Hintern. Ich grinste bloss. Da ich noch nicht angezogen war übernahm Kiran den Gastgeber Teil. Als ich herauskam begrüsste ich Paula und Joe herzlich. Zu meiner grossen Überraschung stand auf dem Küchentisch ein Glas
mit – Blut!
„Kiran hast du? Heute Morgen?“, fragte ich jetzt neugierig.
„Jupp, darum ging ich auch schon ganz früh am Morgen los. Ich hoffe die mitgebrachte Ration reicht eine Weile.“
Ich rümpfte die Nase, weil ich so eine Ahnung hatte dass das ganze Zeug in meinem Kühlschrank lagerte. Also machte ich langsam meinen Kühlschrank auf und: Tatsächlich da wurde das Blut gelagert. – *Igitt!* – Ging es mir durch den Kopf und die anderen begannen zu lachen. Ich hatte meine Gedanken wohl nicht für mich alleine behalten. Joe trank belustigt einen Schluck:
„Uh..., Kiran was hast du denn da bekommen. Das Blut schmeckt grässlich…“
Kiran zuckte die Schulter und nahm auch einen Schluck.
„Findest du? Ich schmeck nichts Besonderes darin.“
„Tja, du bist und bleibst eben nur ein Tier das sozusagen alles frisst…“
Kiran war belustigt über Joe und warf ihm einen Zähne fletschenden Blick zu bevor er weiter trank. Wir versuchten einen Plan für den heutigen Tag zusammen zu stellen. Ich wusste dass wir am Abend bei meiner Mutter und Robert zum Essen eingeladen waren. Das würde ein äusserst wichtiger Abend werden. Meine Mutter hatte mich ja schon eine Weile nicht mehr gesehen. Hatte ihnen so viel zu erzählen, war mir aber noch nicht sicher ob der heutige Abend bereits richtig dafür war. Also wären Kiran und ich heute Abend nicht abkömmlich für Paula und Joe.
Wie ich heute aus meinem E-Mail lesen konnte wurde die Hochzeit meines Bruders vorverlegt. Sie fand bereits in eineinhalb Wochen statt. Paula war diesmal nicht eingeladen. Doch Tom war dabei und natürlich würde er seine Tori mitbringen. Auch William war auf der Gästeliste und mit ihm zwangsläufig auch Regula. Ich hatte sie schon sehr lange nicht mehr gesehen und freute mich sehr auf unser Zusammentreffen. Wie es ihr wohl so ging? Ob sie mit dem Surfprofi William überhaupt noch zusammen war? An Regula meine Reitkameradin in der Schweiz dachte ich kaum noch. Sie lernte William (Surfprofi) am selben Abend kennen wie ich Kiran. Das war die grosse Geburtstagsfeier meines Bruders. Tino kannte Kiran und William von seinen Reisen. Es muss Regula ebenfalls schwer erwischt haben. Denn auch sie hat die Schweiz verlassen und reisst sozusagen von Welle zur Welle. Doch ich freute mich sie wieder mal zu sehen.
Kiran hatte am Nachmittag, noch einiges an persönlichen Dingen zu erledigen und wollte Joe mitnehmen. Paula freute sich darauf mit mir einen Frauen Nachmittag zu geniessen. Sozusagen wie in alten Zeiten. Wir wollten uns auf die Suche nach einem passenden Kleid machen dass ich an der Hochzeit meines Bruders tragen konnte. Ein neuer Haarschnitt wäre auch nicht schlecht. Da mir die Familie Faller die Haare abgeschnitten hatte während eines Zusammenstosses mit Cam im Camp. Eigentlich war es ja eher ein Unfall. Cam war wütend und ich unvorsichtig. Ich hätte mich nicht von hinten an ihn ran schleichen sollten. Er machte nur eine kleine Handbewegung. Doch die reichte aus um mich an die nächste Wand zu schleudern. Starker Blutverlust und eine starke Hirnerschütterung wahren die Folgen davon. Daher stammt auch meine Narbe hinten am Haaransatz. Um die Wunde besser säubern zu können hatten sie mir die Haare etwas gestutzt. Daher wäre wohl ein Friseur Besuch auch nicht verkehrt. Mir fehlte definitiv ein richtiger Haarschnitt. Eigentlich sah ich richtig zerzaust aus mit meinen Haaren. Und Paulas Haare waren auch nachgewachsen, also beschlossen wir mit einem Coiffeur Termin zu starten. Wir hatten Glück und fanden gleichzeitig einen Termin in der Stadt. Während wir so da sassen fragte mich Paula: „Freust du dich auf die Hochzeit?“
„Von Tino? Ja sehr.“ War meine Antwort.
„Natürlich meinte ich Tino’s Hochzeit, welche denn sonst“, schaute sie mich fragend an. Ich lächelte sie warm an. Sie riss die Augen auf: „Nein, du auch? Wann hat er? Wann wollt ihr? Ich meine wann, wie wo…“, kamen alle Fragen fast alle gleichzeitig aus ihr raus.
„Kiran hat mich in Alaska gefragt. Nachdem schlecht inszenierten Trennungsdilemma. Du weißt schon damals als ich euch alle irgendwie verlassen wollte. Kurz nach dem Tod von Marius.“
„Oh ja, daran erinnere ich mich noch gut! Du bist schon etwas eigenwillig. Hm…vielleicht passt störrisch besser.“
Ich biss mir auf die Unterlippe: „Ja ich weiss. Aber Kiran kennt mich zu gut und weiss was er da heiraten will.“
Paula kicherte. „Ich freue mich für euch. Wisst ihr schon wann?“
„Nein, zuerst kommt Tino dran. Dann muss ich hier noch alles klären mit meiner Familie. Wenn wir wieder in Alaska sind, haben die Babies von Sandi und Julia Vorrang. Danach sehen wir weiter. Deswegen haben wir nichts gesagt. Wir haben Zeit, sehr viel Zeit. Es eilt ja nicht.“
„Pass nur auf das du deine Meinung nicht noch änderst.“
„Nie im Leben. Dann fliegen wir eben mal so husch, husch nach Vegas“, motzte ich sie lächelnd an. Wieder mussten wir kichern. Vegas wäre ja wirklich auch eine Alternative. Ich hatte keine Ahnung wie meine eigene Hochzeit aussehen sollte. Eine Hochzeit mit verschiedenen Wesen und Menschen zusammen. Würde das wohl so einfach über die Bühne gehen? Doch wie ich Paula bereits erklärt hatte, dieser Punkt stand nicht zu Oberst auf unserer, nein meiner, Prioritäten Liste. Also hatte ich noch genügend Zeit, mir zur gegebenen Zeit, den Kopf darüber zu zerbrechen.
Paula bekam wieder einen rassigen Kurzhaarschnitt verpasst. Meine Haare wurden super schön an mein Gesicht angepasst. Sehr modisch und feminin zugleich. Ich staunte was so ein Friseuer aus einem heraus holen kann. Danach schlenderten wir gemütlich von Laden zu Laden. Heute schienen wir kein passendes Kleid für mich zu finden. Das machte aber überhaupt nichts aus. Wir tranken Kaffee. Kauften ein paar bequeme Schuhe und hatten einfach wieder einmal richtig Spass. Heute waren wir nicht die Landeier mit schlabbrigen bequemen Klamotten. Heute waren wir wieder mal Ladies. Es tat gut wieder einmal ungezwungen Schoppen zu gehen mit einer Freundin. Vor allem in einem Gebiet in dem man sich gut auskennt. Hier kannten wir unsere Lieblingsladen. Doch auch hier hatte sich in der kurzen Zeit bereits einiges verändert. Kleine Läden gingen ein und wurden durch neue ersetzt.
„Paula, ich bin so froh dass wir zusammen im Camp leben werden. Es ist wirklich schön meine Freundin in der nähe zu haben“, sprach ich laut aus was ich gerade dachte.
Paula gab mir einen kleinen Stoss und antwortete: „Ach Lis, es ist doch eh meine Heimat. Die Zeit in der Schweiz war wirklich sehr schön. Ich habe hier viele Annehmlichkeiten genossen die wir in Alaska nicht haben werden. Aber ich komme gerne wieder in mein Heimatland zurück. Mir geht es wie dir. Ich bin froh dich in der Nähe zu wissen und dass ich dann noch meine grosse Liebe gefunden habe. Was will man mehr.“
„Schön, also bist du wirklich glücklich ohne wenn und aber.“
Paula lächelte: „Natürlich, mach dir nicht dauernd so schwere Gedanken über uns. Wir würden es dir schon sagen wenn etwas nicht in Ordnung wäre. Hab Vertrauen in uns.“
„Ja, ich verstehe was du meinst. Werde mich zukünftig etwas bemühen“, lächelte ich Paula an.
Als wir bei mir zu Hause ankamen waren wir schon einwenig erledigt von dem „strengen“ Nachmittag. Joe und Kiran waren vor uns zurück. Zuerst wurden natürlich unsere neuen Frisuren begutachtet: „Wau kleines, du siehst sehr… weiblich und hübsch aus. Steht dir wirklich gut.“
Meinte Kiran so wie er es sagte. Es gefiel ihm wirklich. Joe nickte mir zustimmend zu und strubbelte dabei über Paulas kurze Haare. Sie kicherte. Joe hingegen trug die Haare immer noch lang.
„Joe, deine Haare würden auch einen Schnitt vertragen. Paula sieht definitiv besser aus als du“, scherzte Kiran.
„Nö, ich trenne mich nicht von meiner Mähne. Und Frauen sehen immer besser aus als wir Männer“, grinste Joe uns alle an. Da zog Paula an seinen Haaren um ihn zu küssen. Sie sind ein hübsches Paar, fand ich. Danach tranken wir zusammen einen Kaffee und tauschten uns aus. Da sich Paula und Joe noch mit Tori und Tom treffen wollten, machten sie sich auf den Weg. Das war gut so! Wir machten uns auch bereit für den Abend bei meiner Mutter und Robert. Während der Fahrt sprach ich kein Wort also ergriff Kiran das Erste: „Machst du dir grosse Sorgen?“
Ich nickte während ich sprach: „Mh…Ja, ich weiss es wird schwierig für meine Mam. Ich bin mir nicht sicher ob sie es verstehen wird.“
„Ich wiederhole mich: Verstehen muss sie es auch nicht. Akzeptieren würde schon reichen.“
Ich seufzte: „Ja das wäre wirklich schön. Weiss gar nicht womit ich zuerst beginnen soll: Heirat oder Alaska?“
„Mach dir nicht so viele Gedanken. Es wird sich einfach ergeben. Lass es auf dich zukommen. Versuch den Abend so gut wie möglich zu geniessen.“
Wenn es doch bloss so einfach wäre. Schlussendlich versprach ich es ihm. Die Begrüssung war wirklich sehr herzlich. Wir hatten einander mehr vermisst als ich mir zugestand. Meiner Mutter stand das Wasser in den Augen als sie mich sah. Ja, Kiran hatte Recht. Sie liebte mich. Sie sah gut aus, wie immer. Robert war auch da und freute sich ebenfalls uns zu sehen. Meine Mutter wollte wissen wie es mir in Alaska gefallen hat und was ich alles so erlebt hatte. Natürlich wollte sie wissen wie es Paula und Tom erging in Alaska. Ich erzählte ihr von der Familie die ich im Camp kennen gelernt habe und den tollen Huskies und Pferden. Es freute sie zu hören dass ich viel Spass hatte und es mir so gut ging. Sie spürte, aus meinen Erzählungen heraus, dass es mir an nichts fehlte da in Alaska. Ich zeigte ihr die Fotos auf meiner Kamera. Somit konnte sie sich ein besseres Bild machen von der Familie Faller und Alaska. Kiran hielt sich dezent im Hintergrund und hörte uns aufmerksam zu.
Im Laufe des Abends sah meine Mutter zu Kiran und sprach:
„Tja Kiran, ich will ehrlich zu dir sein. Am Anfang war ich nicht froh darüber dass du wieder in ihr Leben getreten bist. Sie hat sehr gelitten als du weg warst. Ich verstand nicht wieso sie dir verziehen hat.“
„Esther, ich weiss. Es tut mir leid. Das war nie meine Absicht. Es waren einige Missverständnisse zu klären. Doch sie hat mir verziehen und ich hoffe ihr könnt es auch. Denn ich liebe deine Tochter über die Massen. Ich verspreche dir ich werde sie nie mehr verlassen.“
„Pass auf mit deinen Versprechungen. Ich habe dir längst verziehen. In erster Linie ist es Lis Entscheidung mit wem sie ihr Leben teilt. Auch wenn es für mich als Mutter nicht immer einfach ist. Wir Mütter würden uns sehr wahrscheinlich für unsere Kinder anders entscheiden. Mutter zu sein ist ein harter Job“, dabei lächelte sie jetzt liebevoll in meine Richtung.
Kiran nahm meine Hand in seine. Er sah zu Ester und begann:
„Esther, da ist noch etwas was ich dir sagen will. Ich möchte bei dir persönlich um die Hand deiner Tochter anhalten. Wir möchten gerne heiraten und es wäre schön deine Zustimmung zu haben.“
Meine Mam, Robert und ich machten grosse Augen. Klar hatten wir darüber gesprochen aber dass er meine Mutter so ganz formell fragen würde? Davon wusste und ahnte ich nichts.
Esther sah zu Robert und dieser strahlte meine Mam an. Robert hielt ihre Hand fest. Als sie sich gefangen hatte erwiderte sie:
„Aber Kiran, du brauchst mich doch nicht zu fragen.“
„Schon klar, aber es wäre schön eure Zustimmung zu haben. Natürlich könntet ihr auch nein sagen, das würde die ganze Sache jedoch etwas erschweren…“
Meine Mam und Robert lachten laut auf: „Kiran, natürlich bekommt ihr unsere Zustimmung. Wenn es das ist was meine Tochter sich wünscht stehe ich da nicht im Weg.“ Sprach Esther freundlich und schien sich wirklich für mich zu freuen. Kiran nahm einen Ring hervor, den ich ebenfalls zuvor noch nie gesehen hatte und steckte mir diesen an meinen Finger. Natürlich passte er wie angegossen. Kiran küsste mich auf die Wange uns sprach: „Liebes, wir sind jetzt offenbar ganz offiziell verlobt.“
Röte stieg in meine Wangen. Es war mir schon einwenig peinlich so formell vor Mam und Robert. Aber auch für die beiden war das eine nicht alltägliche Situation. Sie gratulierten uns. Ich war trotzdem irgendwie stolz. Einen kurzen Moment lang brachte ich keinen Ton heraus, ich war hin und weg. Die Überraschung war ihm durchaus gelungen. Als ich langsam meine Stimme wieder fand, fand ich es an der Zeit Mam reinen Wein einzuschenken.
Langsam begann ich: „Ähm Mam, da gibt es noch mehr das du wissen musst“, holte ich etwas aus.
„Bist du schwanger?“, fragten Mam und Robert gleichzeitig.
„Nein, aber ich habe euch doch erzählt dass wir in London leben werden?“
„Ja das hast du uns mal in einem E-Mail geschrieben“, erwähnte Robert.
Meine Mam hörte gespannt zu als ich weiter sprach: „Nun, unsere Pläne haben sich geändert. Unsere Heimat wird Alaska werden.“
So jetzt hatte ich es geschafft. Die zwei brachten vorläufig kein Wort mehr heraus. Robert drückte die Hand meiner Mutter ganz fest. Er wollte ihr Kraft spenden. Die Stille war bedrückend für uns alle. Esther schloss ihre Augen und als sie, sie wieder öffnete sprach sie zu uns allen: „Nun ja, London war ja schon etwas woran ich mich gewöhnen musste. Aber Alaska… Um Himmelswillen warum denn Alaska?“
Sie sah so besorgt aus. In meinem Hals bildete sich ein richtiger Klumpen der sich alles andere als gut anfühlte. Schuldbewusst versuchte ich zu erklären: „Mam ich kann dir nicht sagen warum, weshalb oder wieso wir uns für diesen Weg entschieden haben. Es gibt so unglaublich viele Gründe die dafür sprechen und genau so viele Gründe die dagegen sprechen. Diese Wahl haben wir gemeinsam getroffen. Wir wollen es wirklich beide. Auch wenn ihr euch das kaum vorstellen könnt.“
Kiran nickte um meine Worte zu bestätigen und sprach: „In Fairbanks wird eine Zweigniederlassung eröffnet die mit dem Eventbüro meines Vaters zusammenhängt. Leben werden wir im Camp, dort haben wir ein eigenes geeignetes Heim.“
Ester seufzte laut auf. Als sie sich etwas gesammelt hatte sprach sie im ruhigen Ton zu uns: „Zum Glück geht es nicht mehr ganz so lange bis wir pensioniert werden. Und wenn wir das Geschäft mit Gewinn verkaufen können, machen wir wohl mal einen längeren Aufenthalt bei euch.“
Robert seufzte auf. „Tja, Esther ich glaube deine Tochter übernimmt das Geschäft jetzt definitiv nicht“, damit hatte Robert das Eis gebrochen und wir konnten wieder lachen. Die Anspannung wich. Es ging besser als ich dachte.
„Ach Elisabeth, ich liebe dich. Du bist meine Tochter und ich wünsche euch dass ihr glücklich werdet. Wo auch immer das sein mag. Es kommt im Leben nicht immer alles so wie man es sich wünscht. Daran muss man sich als Mutter zuerst gewöhnen. Es ist nicht immer einfach mit euch. Wir müssen unbedingt in Zukunft Skypen.“
„Du hast Skyp?“, platzte es aus mir raus.
„Klar, man muss sich der Zeit anpassen“, protzte meine Mam und wir lächelten einander an. Ja, das war eine gute Idee.
Robert erwähnte: „Übrigens lassen wir deine Wohnung so wie sie jetzt ist. Wir waren ja darauf vorbereitet dass du weggehst. Ob jetzt London oder Alaska, deine Wohnung wird bleiben. Damit habt ihr jederzeit ein Zuhause in der Schweiz. Ihr könnt kommen und gehen wie ihr wollt. Behalte den Schlüssel. Es ist deine Wohnung.“
Sie hatten mich endlich soweit, mir lief eine träne die Wange hinunter. Das Ganze rührte mich doch sehr. Der restliche Abend verlief ebenfalls sehr angenehm. Robert und Kiran unterhielten sich über ein Paar geschäftliche Dinge. Mam und ich tauschten uns aus betreffend Tino’s Hochzeit. Sie zeigte mir ihr hübsches Kleid und ich musste ihr gestehen dass ich noch keines gefunden hatte. Ich musste ihr hoch und heilig versprechen gemeinsam mit ihr eines auszusuchen. Wir wollten in den nächsten Tagen einen Mutter, Tochter Nachmittag zusammen verbringen. Ja, das war eine gute Idee. Ich freute mich jetzt schon darauf. So etwas war schon eine Weile her. Auf dem Rückweg schlief ich glücklich im Auto ein.
Am nächsten Morgen erwachte ich natürlich, noch angezogen, in meinem Bett. Kiran muss mich wohl hoch getragen haben. Für ihn eine Leichtigkeit. Ich hörte die Kaffeemaschine in der Küche und machte mich sogleich auf den Weg dahin. Auf dem Weg streifte ich mir die Kleider noch etwas glatt. Kiran war heute also wieder früh aufgestanden. Ich fand ihn dann vor dem Laptop sitzend vor.
„Morgen, was machst du?“, interessierte es mich.
„Mh…, bin am organisieren. Mein Vater ist bei den Faller’s angekommen und hat die Immobilie für die Zweigniederlassung als gut befunden.“
„Oh, das ist gut oder?“
„Ja, läuft besser und schneller als wir dachten. Die Behörden sind nicht gegen, sondern für uns. Eigentlich eine positive Überraschung womit wir nicht gerechnet hatten. Aber das erleichtert uns vieles.“
Neben dem Laptop stand ein Glas. Anfangs dachte ich es sei ein Kaffee da ich ja die Maschine gehört hatte. Doch es roch eindeutig nach Blut. Automatisch runzelte ich meine Stirn als ich beunruhigt fragte:„Kiran, weshalb trinkst du heute Morgen wieder ein Glas Blut statt Kaffee?“
„Oh…, Einfach so. Dafür gibt es keinen speziellen Grund ich hatte einfach Lust dazu“, sagte er währenddem er mich ansah und lächelte. Ich fand es durchaus etwas seltsam. Normalerweise brauchte er das Blut nicht. Aber na gut, ich kannte mich ja nicht wirklich aus. Vielleicht war er einfach etwas nervös wegen allem was uns noch bevor stand. Und das war seine Art der Ablenkung. Wer weiss.
Den Rest der Woche verbrachten wir damit uns mit Behörden herum zu schlagen. Eine Auswanderung war gar nicht so einfach wie ich es mir eigentlich vorgestellt hatte. Das grösste Problem war das Geld. Meine Eltern halfen mir grosszügig damit aus. Es war mir gar nicht Recht. Doch sie beschwichtigten mich damit dass ich es als vor Erbe anschauen sollte. Für Kiran war es logisch dass mir meine Eltern unter die Arme greifen wollten. Auch er musste Geld für Alaska investieren. Wo er so viel Geld her bekommen hatte wollte ich ihn bei Gelegenheit mal fragen. Doch im Moment war unsere Beziehung – irgendwie anders. Deshalb lies ich die Geld Sache vorerst ruhen. Im Gegensatz zu Joe trank Kiran mittlerweile sehr viel Blut. Sollte das eigentlich nicht umgekehrt laufen? Joe benahm sich sehr souverän und Kiran wurde angespannter. Kiran wurde zunehmend nervöser. Das war so gar nicht seine Art. So langsam musste ich mir irgendwoher Rat suchen. Eines Abends machten wir mit Paula und Joe bei mir zu hause ab. Wir assen Pizza. Sogar Joe ass ein Stück der Pizza und erklärte dabei: „Ehrlich Kiran, das Blut aus eurem Krankenhaus ist seltsam. Es schmeckt scheusslich. Kiran es muss eine Möglichkeit geben dass wir uns mal abkapseln und ein Tier reissen. Sonst dreh ich durch und schnapp mir einen Menschen glaub es mir.“
Das war wirklich ehrlich von Joe. Durchaus eine Stärke wenn man eine Schwäche zugeben kann.
„Bin dabei“, antwortete Kiran, „wollen wir heute Nacht los ziehen?“
„Um Himmelswillen Kiran“, platze es aus mir raus.
„Warum nicht, jede Nacht ist so gut wie jede andere“, fügte Joe an.
Paula war auch nicht der gleichen Meinung wie Kiran und Joe: „Hey Jungs, dass müsste zuerst gut geplant werden.“
Kiran schnellte auf und warf seinen Stuhl an die nächste Wand. Dieser ging natürlich in die Brüche. Dann Warens nur noch drei Stühle. Ich verstand ihn nicht, was ging bloss in ihm vor? Weshalb so aggressiv? Paula und ich hatten keine Chance sie umzustimmen. Die beiden gerieten in eine Art Euphorie. Sie waren so sehr davon überzeugt und schon halb wahnsinnig vor Freude. Sie hatten beide so einen irren Blick. Ich klappte mein Bettsofa im Wohnzimmer auf und bestand darauf dass Kiran, Joe wieder hier her bringen müsse. Denn Paula und er würden hier übernachten. Das schien für ihn kein Problem dar zu stellen und als dass geklärt war, waren sie schneller weg als es uns lieb war. Sie hörten uns nicht mehr zu. Ziemlich Ratlos standen wir nun da in meiner Wohnung.
Fragend sah mich Paula an: „Was ist denn mit Kiran los? Seit wann ist er denn so aufbrausend?“
„Nenn es ruhig aggressiv! Seit er das Blut trinkt ist er anders geworden. Aggressiv! Nur scheint es bei Kiran etwas intensiver. Vor allem versteh ich nicht wieso er überhaupt Blut trinkt. Das sie mal auf die Jagt müssen oder mal einen Abend brauchen um zu raufen versteh ich ja aber gerade heute…So unvorbereitet“, ich wusste nicht was ich davon halten sollte. „Paula ich will ehrlich zu dir sein. Ich weiss nicht ob Kiran noch lange hier bleiben sollte.“
„Ich mache mir dieselben Sorgen um Joe. Er wird auch zunehmender unkontrollierbarer.“
„Im Moment wäre es mir am liebsten Du würdest mit ihnen zurück nach Alaska fliegen. Ich würde dann rasch möglichst nachkommen. Joes Vater sollte in Alaska das Blut mal testen um zu schauen was da drin steckt. Ihr müsstet eine Probe mitnehmen…“
Paula sah mir direkt in die Augen: „Du hast Recht. Das wäre eine durchaus vernünftige Idee. Bevor sie uns aus der Hand gleiten aber ich glaube nicht dass ich Kiran von dir weg bringen kann. Joe wohl eher auch nicht freiwillig“, sie seufzte als sie anfügte, „Lis wir müssen noch etwas abwarten. Ich spreche bei Gelegenheit mal in Ruhe mit Joe. Soweit es möglich sein wird. Vielleicht ist er ja einsichtiger.“
Wir blieben noch eine Weile auf und schalteten das Fernsehprogramm rauf und runter. Als uns fast die Augen zu vielen gingen wir vernünftiger Weise zu Bett. Ich ins Schlafzimmer und Paula machte es sich auf dem Bettsofa gemütlich. Am nächsten Morgen lag Kiran immer noch nicht neben mir. Als ich im Wohnzimmer bei Paula stand sah sie mich genau so fragend an. Wo waren sie denn nur? Wir versuchten sie per Gedanken zu erreichen: -*Leon, wo bist du. Kommt bitte zurück*-
Ich wartete, aber bekam keine Antwort. Fragend sah ich zu Paula die mir erklärte: „Joe konnte ich erreichen, er ist auf dem Weg, aber ohne Kiran. Kiran wird später kommen. Lis was bedeutet das?“
Ich war sprachlos und konnte ihr keine Antwort darauf geben. Es beunruhigte mich sehr. Jetzt zuckte ich zusammen da mein Seelenname benutzt wurde: -*Eve, kleines, mir geht es nicht besonders. Brauche etwas länger Zeit. Joe ist auf dem Weg zu euch. Bitte mach dir keine Sorgen, es wird schon wieder.“-
Sofort erzählte ich Paula von Kirans Mitteilung. Logisch machte ich mir Sorgen. Wirklich grosse Sorgen. Mein Magen zog sich zusammen. War so gespannt auf Joes Bericht. Also blieb uns nichts anderes übrig als abzuwarten. Ich trank einen Kaffee nach dem anderen. Endlich tauchte Joe auf. Er sah eigentlich gut aus. Man sah ihm an dass sie ihre Kräfte gemessen hatten. Ich versuchte so Ruhig wie möglich zu bleiben. Joe sah mir die Anspannung jedoch an und bat uns hinzusetzen. Er wollte uns alles erzählen: „Also wir zogen los, recht unvernünftig, wie ihr ja gestern bereits erwähnt hattet. Wir nahmen das Auto und fuhren weit hinaus. Keine Ahnung wo wir gelandet sind. Kiran fuhr wie üblich sehr schnell. Danach gingen wir zu Fuss weiter, wieder sehr schnell. Wir trafen auf weidende Kühe die wir rissen. Ich der hungrige Vampir und Kiran als Gestalt vom Wolfsmensch oder Werwolf. Wie auch immer! Ich hatte ihn noch nie in dieser Gestallt gesehen. Er jagte selbst mir etwas Angst ein. Kiran war von Sinnen und jagte auch mich. Er kriegte mich nicht zu fassen, ich war geschickt. Aber ehrlich er war echt etwas unkontrolliert. Ich konnte ihn anfangs nicht mit meinen Gedanken erreichen. Als er davonjagte versuchte ich mich an seine Versen zu heften. Doch ihr wisst selber wie schnell er sein kann wenn er will. Ich hatte keine Chance. Da beschloss ich noch eine Weile da zu bleiben um ihn auf zu spüren. Schlussendlich fand ich ihn. Er war ruhiger, aber immer noch in dieser scheusslichen Gestalt. Lis bitte entschuldige diesen Ausdruck“, er sah mich an und fuhr weiter, „diesmal konnten ihn meine Gedanken erreichen. Er hat Schwierigkeiten sich zurück zu verwandeln. Warum weiss er nicht. Zumindest ist er wieder kontrollierbar und wird herkommen sobald er sich zurück verwandeln kann. Da die Kuhweide etwas grässlich von uns hingerichtet wurde ist er Momentan auf der Flucht. Sie suchen das Tier dass die Kühe getötet haben. Das könnt ihr sicherlich verstehen. Ja, wir wissen es war ein Fehler, haltet jetzt keine Predigt.“
Ich nickte, war aber sprachlos. Ich war wütend auf die ganze Situation stand auf und schlug auf Joe ein: „Scheisse Joe, was ist bloss los mit euch beiden?“
Joe hielt meine Arme fest und erklärte weiter: „Lis…, Paula, ich habe nachgedacht. Es muss an diesem Blut liegen. Es ist fremdartig. Irgendetwas stimmt damit nicht. Am besten werden Paula und ich das Blut mitnehmen und lagern damit wir Kiran besser unter Kontrolle haben.“
Paula stimmte Joe sofort und ohne Widerrede zu. Joe lies mich los und er nahm Paula in den Arm. Ich überlegte kurz und antwortete: „Ja, das ist in Ordnung. Es kann nicht sein dass er täglich Blut braucht. Das habe ich noch nie erlebt. Im Moment ist er mehr Tier als Mensch. Joe, du musst zurück nach Alaska mit Paula und Kiran. In diesem Zustand bist du der einzige der ihn, kräftemässig, halten kann. Ich habe noch Dinge zu erledigen und kann nicht gleich weg. Dann ist da noch die bevorstehende Hochzeit…“
„Lis, ich lass dich doch nicht alleine. Du weißt doch…“
Bestimmend unterbrach ich ihn: „Ja ich weiss du möchtest mich beschützen. Aber jetzt muss Kiran, vor sich selbst, beschützt werden. Und dass so schnell wie möglich. Ich habe heute Nachmittag einen Termin mit meiner Mutter. Wir suchen zusammen ein Kleid das ich in zwei Tagen tragen sollte. Bitte bleibt ihr hier und wartet auf Kiran.“
Joe und Paula sahen sich an.
„Das geht in Ordnung, wir warten hier. Bitte mach dir nicht zu viele Gedanken. Deine Überlegung dass Kiran beschützt werden muss nehme ich mir zu herzen. Ich werde es mir gründlich überlegen. Das kann ich dir im Moment anbieten.“ Sprach Joe.
Ja das reichte mir für den Moment aus. Also machte ich mich auf den Weg. Ich traf mich mit meiner Mutter bereits zum Mittagessen. Ich war nicht ganz bei der Sache, versuchte es mir aber nicht anmerken zu lassen. Als wir in einem Kleiderladen ankamen und ich in ein Kleid schlüpfen sollte, wollte ich Kiran per Gedanken in der Umkleidekabine erreichen und konzentriert mich kurz: -*Leon, wie geht es dir.*-, ich watete ab. Zwängte mich in das Kleid und bekam endlich die ersehnte Antwort: -*Liebes, es wird, ich bin zuversichtlich. Verwische gerade meine spuren. Melde mich später wieder. Deine Gedanken geben mir Kraft.*-
Tränen stiegen mir ins Gesicht und als meine Mam den Vorhang aufmachte und meine tränen sah meinte sie: „Aber Schatz, so schlimm ist dieses Kleid gar nicht.“
Ich hatte es noch gar nicht angesehen, und würde es wohl auch nicht wirklich tun. Ich war nicht wirklich anwesend. Wir besuchten noch zwei weitere Kleider Läden bis meine Mam bei einem Kleid förmlich vor Begeisterung hüpfte. Ich war einfachshalber derselben Meinung wie sie. Ich war auch begeistert. Hätte mich aber jemand danach gefragt wie dieses Kleid aussah, ich hätte keine Antwort dazu geben können. Ich hatte andere Sorgen. Mam bedankte sich für den schönen Nachmittag und beteuerte wie sehr sie es genossen hatte. Ich machte es genau so. Als ich unterwegs in meine Wohnung war bekam ich ein schlechtes Gewissen meiner Mutter gegenüber. Eigentlich war es ihr gegenüber nicht Fair. Als ich oben ankam sassen Paula und Joe in der Küche vor dem Laptop.
„Ich habe mir Gedanken darüber gemacht was du gesagt hast. Denke du hast Recht. Ich bin mitgekommen um dich zu beschützen aber die Lage hat sich eben geändert. Also werde ich mit Paula und Kiran zurück fliegen. Da wir nicht genau wissen wann er zurück sein wird haben wir gedacht wir buchen den Flug nach der Hochzeit deines Bruders. Falls Kiran vorher auftaucht. Wovon wir eigentlich ausgehen, kann er noch dabei sein. Für den Flug werden wir ihm von dem Kraut geben das wir noch von Mona mitgenommen haben. Was hältst du davon?“ Erklärte mir Joe ziemlich sachlich. Paula kam auf mich zu und nahm mich in den Arm. Endlich konnte ich meiner Anspannung nachgeben und meinen tränen freien Lauf lassen. Im Moment fand ich keine Worte. Es war so schön dass Paula und Joe da waren. Ich war so froh solche Freunde zu besitzen. Wir mussten keine Geheimnisse vor einander haben. Wir konnten so sein wie wir wirklich waren. Wir halfen uns gegenseitig.
Später am Abend bedankte ich mich bei ihnen und gab endlich Antwort auf Joes Frage was ich von ihrer Idee hielt: „Paula, Joe, ihr habt gut gewählt. Ich bin froh dass ihr mit Kiran zurück geht. Weiss dein Vater schon darüber bescheid?“
Joe nickte: „Ja ich habe mit meinem Vater telefoniert. Patrick, habe ich auch darüber informiert. Er findet das Ganze mehr als nur seltsam. Kiran dürfte nie im Leben so viel Blut zu sich nehmen. Du hattest das richtige Gespür. So einen Vorfall hat er selber nie erlebt. Er macht sich Sorgen und bat uns so schnell zurück zu kommen wie möglich. Wir tun das Richtige.“
Ja dessen war ich mir absolut sicher. In dieser Nacht blieben die beiden wieder bei mir in der Wohnung und machten es sich im Wohnzimmer gemütlich. Bevor wir zu Bett gingen umarmten wir uns noch und sie wünschten mir viel Kraft. Ich ging ins Schlafzimmer und setzte mich auf das Bett und suchte Kiran:
-*Grosser, bist du noch wach. Geht es dir gut.*-
Wieder hoffte und wartete ich auf Antwort. Ich wartete eine Weile, begann mich zu konzentrieren und bekam eine Antwort:
-*Hey liebes, ja mir geht es gut. Schlafe gleich ein, dieses versteck Spiel schlaucht mich. Sehe schon fast wieder menschlich aus. Trage meine Kleider zwar noch nach. Bin froh dass Joe sie mir hingelegt hat. Bitte endschuldige ich muss schlafen. Mein Herz gehört dir. Ich vermisse dich. Gute Nacht.*-
Ich fühlte mich als würde ein Stein von meinem Herzen herunter fallen und sendete zurück: -*Ja ich bin auch müde. Vermisse dich auch und freue mich dich wieder in meine Arme schliessen zu können. Gute Nacht.*-
Natürlich spürte ich eine seltsame Leere in mir. Doch ich wusste er würde wieder kommen. Er würde es schaffen da war ich mir sicher. So etwas würde er wohl nicht mehr so schnell machen. Etwas ruhiger wie zuvor schlief ich dann ein. In dieser Nacht träumte ich wieder von der Hochzeit meines Bruders. Wieder sah ich Kiran und mich auf der Tanzfläche. Wir waren glücklich. Doch ich spürte dass wir beobachtet wurden. ES würde an der Hochzeit auch anwesend sein. Im Traum suchte ich nach ihm oder ihr. Alles schien so verschwommen zu sein. Egal in welche Richtung ich mich drehte, überall waren vertraute Gesichter. Nichts beunruhigendes, auch Kiran war nicht in Alarmbereitschaft. Aber ich spürte es so deutlich dass ich es fast nicht aushielt. Wieder begann ich zu suchen und Kiran begann zu lachen. Schrecklich fies zu lachen, seine Augen glühten. Sein Gesicht verzerrte sich zu einer Fratze…In diesem Moment erwachte ich schweiss gebadet. Ich versuchte mich zu sammeln und zu verstehen was dieser Traum zu bedeuten hatte. Doch ich bewegte mich im Kreis. Ich wusste ja noch nicht einmal wonach ich suchen sollte. Fand keinen Hinweis. Schlussendlich kam ich zu der Erkenntnis dass mein Traum mit der jetzigen Situation zu tun haben musste. Jetzt war Kiran das Monster, was er im Normalfall nicht war. Das Ganze schien mich unheimlich stark zu beeinflussen. Zum Glück fand ich rasch meinen schlaf wieder. Paula und Joe liessen mich lange liegen. Ich erwachte als es an der Haustüre klingelte. Ich riss die Augen auf und schaute auf die Uhr. Meine Güte es war schon 14 Uhr. Anscheinend hatte ich etwas Schlaf nötig. Rasch zog ich mir einen Trainings Anzug über und gesellte mich zu Paula und Joe. Zu meiner Freude waren es Tori und Tom die bei mir an der Haustüre standen. Sie brachten etwas Süsses mit dass sie unten in der Bäckerei geholt hatten. Wir begrüssten uns herzlich. Tom sah mich an und knallte mir eine Zeitung auf den Tisch mit der Überschrift:
Bauer verlor seine Kühe an ein unbekanntes wildes Tier! Reissen Wölfe ganze Herden?
Es wurde darüber berichtet wie schlimm die Kühe zugerichtet waren. Teilweise wurden sie fast ganz gegessen und teilweise wurde ihnen das Blut entzogen. Es wurde nach einem Bären oder Wolf gesucht der ev. in Frage kommen könnte. Es gab keine eindeutigen Beweisen was es für ein Tier es gewesen sei. Doch man war sich einstimmig darüber im Klaren es müsse ein Tier gewesen sein. Kein Mensch würde so etwas zu Stande bringen…Weiterlesen musste ich nicht, mir lief es so schon kalt den Rücken herunter.
„Da Joe hier ist, frage ich dich wo ist Kiran? Könnt ihr mir erklären wie so etwas geschehen konnte?“, sprach Tom etwas vorwurfsvoll. Meine Augen füllten sich schon wieder mit Wasser. Joe nahm mich auf die Seite und übergab mich Paula.
„Lis…, Joe wird es ihnen erklären“, sprach Paula im ruhigen Tonfall zu mir. Kaum hatte sie es ausgesprochen knallte die Türe auf und Kiran stolperte herein. Er sah recht zerzaust aus. Seine Kleidung war nicht unbedingt dass was man für vollständig nennen würde. Er war noch etwas neben sich. Er schien mich zu suchen und als er mich mit seinen Blicken gefunden hatte, vielen wir uns in die Arme. Ich spürte Toms fragenden Blick und Joe nahm Tom auf die Seite und begann es ihm ausführlich zu erzählen. So wie er es mir und Paula zuvor schon erklärte. Ich nahm Kiran mit ins Schlafzimmer und platzierte ihn auf das Bett.
„Liebes ich bin so schrecklich müde. Darf ich mich einwenig hinlegen?“
„Was für eine dumme Frage“, antwortete ich ihm und gab ihm einen flüchtigen Kuss auf die Stirn. Dabei begann er zu lächeln. Es beruhigte mich ihn lächeln zu sehen. Danach schlief er tatsächlich gleich ein. Ich stand auf und betrachtete ihn. Es schien als wäre er krank. Dass er so erschöpft sein konnte? Irgendetwas stimmte definitiv nicht mit ihm. Morgen würde er noch die Hochzeit meines Bruders durchstehen müssen, danach konnte er zurück um sich zu erholen. Natürlich würden wie uns leer fühlen und nicht als ganzes. Aber es wäre nur für eine kurze Zeit. Eine Zeit lang stand ich da und verfolgte Kirans regelmässigen aber raschen Atem. Schliesslich konnte ich mich losreissen und ging zu den anderen die jetzt alle im Bild darüber waren was es mit dem Zeitungsbericht auf sich hatte.
„Wie geht es jetzt weiter?“, fragte Tom berechtigt.
Joe erklärte ihm: „Morgen wird er hoffentlich erholt sein und mit euch zur Hochzeit mitkommen können. Wir haben einen Flug bekommen für nächsten Mittwoch. Paula, ich und Kiran werden zurück fliegen. Lis wird uns folgen sobald sie ihre Sachen hier erledigt hat. Mein Vater wird unser Blut untersuchen. Ich werde versuchen etwas von diesem hier“, er zeigte auf den Kühlschrank, „mitzunehmen damit mein Vater es analysieren kann. Somit erhoffen wir uns einwenig Klarheit.“
„Weiss unser Wolfi auch schon von diesem netten Plan“, wollten Tori von uns wissen.
Paula antwortete mit einem: „Nein“, und erklärte weiter, „aber nach diesem Vorfall wird Kiran wohl oder übel zu überzeugen sein dass es das Beste für Ihn ist. Er hat keine Wahl. Er ist überstimmt.“
Kurze Zeit später verabschiedeten sich Tori und Tom von uns. Ich sah sie ja morgen bei der Hochzeit wieder. An diesen Gedanken geheftet hellte sich meine Mine etwas auf. Ja, ich freute mich riesig meinen Bruder und seine Michaela wieder zu sehen. Auch sie würden mir fehlen. Alle würden mir fehlen wenn ich in Alaska sein werde.
In dieser Nacht schlief Kiran sehr unruhig und ich etwas wenig. Doch irgendwann muss ich dann tief eingeschlafen sein. Ich erwachte durch stimmen die aus meinem Wohnzimmer drangen. Also stand ich auf und gesellte mich zu meinen lieben. Kiran lächelte mich an kam auf mich zu und schloss mich in seine Arme. Es tat so unheimlich gut ihn zu spüren. Zu spüren dass es ihm gut zu gehen scheint. Er küsste mich auf meine Haare und sagte ganz leise: „Hab dich vermisst.“
Ich seufzte tief und sah ihm direkt in die Augen.
„Ich unterbreche eure Romanze ja wirklich ungern. Solltet ihr euch nicht langsam beeilen?“, hörten wir Joe sagen und Paula kichern. Aber ja, sie hatten natürlich Recht. Doch bevor ich in mein Kleid schlüpfte wollte ich von Joe wissen: „Hast du Kiran, – hast du ihm bereits davon erzählt? Ich meine wegen dem Flug…, dass ihr 3 zurück…“
Ich stotterte etwas ungeschickt. Kiran nahm mein Kinn in die Hand und hob es an. Ich sah seinen liebevollen Blick als er mir erwiderte: „Liebes, Paula und Joe haben mir bereits alles erzählt. Die Zeitschrift die Tom gebracht hat war allerdings auch sehr aufschlussreich. Ich will nicht dieses Monster sein oder werden. Das weisst du ganz genau. Ich füge mich, nicht gerne, aber ich füge mich. Wir müssen herausfinden was mit mir los ist.“
Danach küsste er mich kurz.
Joe kicherte: „Die Zeit läuft euch davon…! Ticktack, ticktack…“
Also lösten wir uns von einander. Kiran schnappte seinen Anzug und zog sich im Wohnzimmer an. Paula half mir im Schlafzimmer mit meinem eleganten Kleid. Als ich fertig angezogen, frisiert und geschminkt da stand staunte ich selbst über mich. Es sah wirklich wunderschön aus. War das etwa ich? Meine Mutter hatte es gut getroffen mit dem Kleid. Als ich ins Wohnzimmer trat staunten unsere Jungs nicht schlecht mich so aufgedonnert zu sehen.
„Mensch liebes, wenn du jetzt schon so hübsch aussiehst, wie wird das denn bei unserer eigenen Hochzeit?“, sprach Kiran mehr zu sich selbst als zu uns.
„Ihr heiratet!“, rief Joe und sah automatisch zu Paula hinüber. Diese hatte jetzt einen schuldigen Blick. „Du wusstest davon? Ihr seit unmöglich.“
Ich zeigte ihm kurz meinen Finger mit dem Ring daran. Anscheinend hat er nach diesem Trouble nicht darauf geachtet. Er schüttelte seinen Kopf lies es aber damit ruhen da wir eh schon etwas spät dran waren. Sie brachten uns zum Treffpunkt wo wir von einem Car aufgesammelt wurden. In unserem Car war meine gesamte Verwandtschaft anzutreffen. Auf diese Weise lernte Kiran gleich den restlichen Teil meiner Familie kennen. Eigentlich gar nicht mal schlecht, fand ich. Diese Gelegenheit würde sich nicht mehr so schnell bieten. Meine Tante Rosa, Mütterlicher Seite, war sichtlich von Kiran angetan. Sie fand ihn überaus attraktiv. Das verkündete sie natürlich auch laut. Sie behielt es nicht für sich, so wie man es eben tun würde. Mir war es eher peinlich dass meine Tante sich so DIREKT benahm. Aber so war sie eben. Dafür hatte man in ihrer Gegenwart öfter mal was zu lachen. Eigentlich waren alle Verwandten zur Hochzeit gekommen. Meine Tante Rosa ist die Schwester meiner Mutter. Rosas Mann war leider bereits verstorben. Hatte vor 3 Jahren einen Herzinfarkt. War sicherlich eine schwere Zeit. Rosa hat zwei Söhne, Michel und Dominik. Auch sie waren mit ihren Frauen und Kindern gekommen. Die Grosseltern lebten leider nicht mehr. Ich hatte aber schöne und gute Erinnerungen an sie.
Die Familie von meinem Vater, Matthias, war auch nicht gross. Seine Schwester Diane ist mit Fabio verheiratet. Leider blieben die beiden kinderlos.
Dann war da noch ein Teil von Roberts Familie und Marits Familie anwesend. Diese kannte ich allerdings auch nicht so gut.
Da die Reise im Car etwas länger andauern sollte liessen sie einen Film laufen. Die Hauptrollen in diesem Film waren natürlich das Brautpaar. Nette Idee fand ich. Ich sah meinen Ring an und wollte von Kiran wissen: „Wie stellst du dir den unsere Hochzeit vor? Im kleinen Kreis oder eher das volle Programm?“
„Ich bin etwas altmodisch. Was du sicherlich schon bemerkt hast als ich bei deiner Mutter um deine Hand angehalten habe. Ich würde dir gerne in der Kirche das Ja Wort geben. Doch momentan gibt es mehr dass dagegen spricht…“
Er weckte meine Neugierde und ich fragte: „Was spricht denn dagegen?“
„Nun…, erstens hatten wir bereits Sex vor dem Ja Wort. Zweitens bin ich keine reine Seele. Ich bin kein richtiger Mensch. Ein Wesen meiner Art wäre von der Kirche hingerichtet worden, wenn du verstehst was ich meine.“
„Oh, so hatte ich es noch gar nicht gesehen“, ich machte eine Pause bevor ich weiter sprach, „aber Kiran, du hast eine Seele. Ich kenne sie und deren Namen. Und diese Seele ist sehr menschlich.“
Kiran sah mich erstaunt an: „Ja da hast du Recht. Aber ich kann zum Monster werden. Ein Monster dass Dinge tun die nicht mit der Kirche zusammen passen. Nimm mal den letzten Vorfall.“
„Du meinst also ein Monster das menschliche Züge hat, nein mehr Mensch als Tier ist, darf nicht in der Kirche heiraten? Du kannst ja nichts dafür dass du so bist wie du bist. Es wird schon einen guten Grund dafür geben dass es solche Wesen wie dich gibt.“
Er zuckte mit seiner Schulter: „Ja, hat was. Geht das für dich in Ordnung wenn ich mir diesen Teil noch offen lasse? Es ist kein definitives Nein, es muss überlegt sein. Was wünscht du dir denn?“
„Ich hatte bereits einmal die Gelegenheit mir Gedanken zum Thema heiraten zu machen. Damals war ich Verlobt mit Andi, da wollte ich unbedingt kirchlich heiraten. Doch heute erscheint es mir nicht mehr so wichtig. Viel wichtiger ist es mir heute, wie die liebe zu einander steht. Doch bei uns ist das wieder etwas anders“, ich machte eine Pause, seufzte und fuhr weiter, „wir sind durch unsere Namen der Seele verbunden. Werden also unweigerlich ein langes Leben miteinander verbunden sein. Da du mein definitiv letzter Partner sein wirst scheint es mir doch irgendwie logisch dass wir das in der Kirche bestätigen. Und wie gesagt für mich bist du kein Monster, du hast eine gute reine Seele. Ein grosser Teil in dir ist Mensch. Du bist viel mehr Mensch als Tier.“
„Lassen wir es mal auf uns wirken. O.K?“, fragte er mich und ich nickte ihm zu. Danach lehnte ich mich an seiner Schulter an und döste ein wenig. Obwohl die letzten zwei Tage etwas turbulent waren, war ich in diesem Moment sehr glücklich. Als der Car zum stehen gekommen war erwachte ich wieder. Wir waren bei der Kirche angekommen. Ich wusste nicht genau wo wir waren es sah aber wunderhübsch aus. Eine schöne grosse Kirche. Überall waren schöne Blumen und Gestecke. Vor der Kirche blieb ich stehen und schaute Kiran an.
„Monster, darfst du denn überhaupt einen Schritt hier rein wagen? Oder verbrennst du vielleicht direkt vor meinen Augen?“
Kiran verdrehte die Augen und zog mich hinter sich rein. Ich für meinen Teil amüsierte mich auf seine Kosten. Die direkten Verwandten, also darunter auch ich, sassen in den ersten Reihen. Als die Kirche so gut wie gefüllt war, sah ich Tino wie er vor dem Traualtar wartete. Er sah so unglaublich gut aus. Da wir alle noch einen Moment warten mussten kam er rasch zu mir hin und umarmte mich kurz. Tino meinte noch er habe mich vermisst und freue sich so sehr dass ich mit dabei sein konnte. Natürlich begrüsste er auch Kiran. Ich war überaus gerührt. Sein Frack war sehr raffiniert und stand ihm ausgezeichnet. Als die Musik zu spielen begann und die Braut, Michaela, von ihrem Vater rein geführt wurde bekam ich richtig Gänsehaut. Zur Sicherheit kramte ich in meiner Handtasche nach einem Taschentuch. Meine Mutter war schneller und reichte mir bereits eines. Wir lächelten einander warm an. Was für eine hübsche Braut. Sie trug ein sehr traditionelles weisses Hochzeitskleid das wunderschön aussah. Sie trug einen Schleier. Wie in einem Sissi Film, ging es mir durch den Kopf. Kiran der meine Hand hielt drückte sie jetzt. Der Rest der Trauung war genau so schön. Beim Ehe versprechen lief mir wieder eine Träne herunter ich war dermassen gerührt. Schlussendlich hat mein Taschentuch seinen Dienst gemacht.
Nach der Trauung war vor der Kirche ein Apero her gerichtet worden. Am Apero wurde gratuliert, getrunken und etwas Kleines gegessen. Ich unterhielt mich mit diversen Menschen die ich kannte oder schon einmal gesehen hatte. Es waren so unglaublich viele Menschen hier. Es dauerte eine Weile bis ich Tori und Tom zu Gesicht bekam. Etwas später viel mein Blick auf Regula. In diesem Moment sah auch sie mich und wir machten beide grosse Augen. Ich löste mich kurz von Kiran. Wir liefen aufeinander zu und umarmten uns. Ich lächelte sie an und sie gackerte einwenig. Ja, dieses Lachen kannte ich, es war unverkennbar Regula. Ihr Lachen hörte sich immer noch an wie Hühner die gackern. Hinter Regula stand William der bereits Kiran begrüsste.
„Mensch Regula, du siehst so gut aus. So braun gebrannt, ich erkenne ich dich ja gar nicht wieder.“
Sie gackerte wieder: „Ja, wir sind eben viel an der Sonne und der frischen Luft. Die meiste Zeit wohnen wir aber in Hawaii.“
„Also immer schön der Sonne entgegen“, versuchte ich zu begreifen.
„Nein, eher den Wellen entlang. Wir sind stets auf Reisen. Es gefällt mir sehr gut. Manchmal vermisse ich die alten Zeiten, habe aber selten Zeit mich dabei zu verweilen. Wie geht es dir? Immer noch mit Kiran zusammen. Schön.“
„Mir geht es ausgezeichnet danke. Kiran und ich werden heiraten und wohnen dann auch nicht mehr in der Schweiz.“
„Aha, du gehst zu ihm nach London. Stimmt’s?“
Ich stöhnte auf: „Nicht ganz, unsere Wahl Heimat wird Alaska sein.“
„Bitte…..! Das ist nicht euer Ernst?“, war sie sichtlich schockiert.
„Doch, Alaska ist wunderschön. Die Landschaft, die Menschen und die Tiere, es ist wirklich einzigartig.“
Regula kniff ihr Gesicht zusammen und meinte verkniffen: „Tja, jedem dass seine. Wir haben einander soooo viel zu erzählen.“
„Dafür ist heute Abend vielleicht etwas Zeit. Sonst schreib mir mal ein E-Mail. Die Adresse ist immer noch dieselbe geblieben.“
„Versprochen.“ Und sie strahlte über ihr Gesicht. Wir um-armten uns nochmals.
Etwas später fühlte ich mich seltsam als ob mich jemand beobachten würde. Ich schaute in die Runde sah aber niemanden der mich beobachtete. Geschweige denn überhaupt in meine Richtung sah. Aber ich spürte dass da jemand war. Ein Schauer lief mir meinen Rücken hinunter. Ich erinnerte mich kurz an meine Träume… Aber Kiran war wieder mal überhaupt nicht in Alarm Bereitschaft. Konnte ich mich überhaupt, in seinem Zustand, auf seine Sinne verlassen. Es war mir unwohl und ich war froh als wir mit dem Car weiter fuhren. Wir fuhren zu einem Schloss und verbrachten den weiteren Abend in diesen wunderschönen Räumlichkeiten. Alles war mit dunkelroten Blumen übersät. Alles war so unglaublich romantisch Gestaltet. So wie ich es höchstens mal in einem Film zu Gesicht bekam. Mir gefiel es wirklich sehr gut. Wobei es sicherlich nicht jedermanns Sache war. Tino verstand etwas von Feiern. Zu meinem Glück sassen wir nicht bei meiner Verwandtschaft. Mein Bruder und Michaela platzierten uns bei unseren Freunden. Dafür war ich ihnen sehr dankbar. Natürlich wurden diverse Reden gehalten zum Wohle des Brautpaares. Sogar mein Vater fand den Mut um vor den vielen Leuten ein paar Zeilen vor zu lesen. Ich war froh dass ich mich beim Geschenk fürs Brautpaar bei meiner Mutter anschliessen konnte. Sie bekamen ein neues Geschirr-Service, das sie sich vorgängig, gewünscht hatten. Am weiteren Abend gab es lustige Spiele und einen Sketch der von dem Tino Design Team kam. Ich staunte wie viele Angestellte Tino bereits besass. Er war wirklich sehr Erfolgreich.
Das Essen war vorzüglich, man konnte nicht meckern es hatte für jeden Geschmack etwas dabei. Ich ass zu viel da das Essen so gut schmeckte. Das Service Personal war sehr aufmerksam. Kaum war ein Glas leer wurde es wieder aufgefüllt. Die Dame die an unserem Tisch servierte war sehr hübsch. Eine zierliche brünette. Eine junge Frau mit wunderschönen Augen die mich an die Augen von Jacky erinnerten. Sie lächelte mich freundlich an als sie bemerkte dass ich sie musterte. Ich lächelte natürlich zurück. Aber es war mir doch einwenig peinlich dabei erwischt zu werden dass ich sie gemustert hatte. Am späten Abend spielte vorwiegend nur noch die Musik. Natürlich wurde der klassische Hochzeitswalzer getanzt. Ich musste gestehen das machten die beiden ganz gut. Sie tanzten sehr schön zusammen. Überhaupt waren sie ein tolles Paar. Sie passten perfekt zusammen.
Danach war die Tanzfläche für die Gäste frei. Kiran sah mich an und sprach: „Kleines, kannst du tanzen?“
Ich lachte laut auf. „Auch wenn du es nicht für Möglich hältst, aber auch ich war schon mal in einem Tanzkurs mit einem Ex.“
Er wusste genau worauf ich anspielte. Anfangs unserer Beziehung musste ich seinen Erklärungen was seine Ex-Freundinnen betrifft etwas bremsen. Jetzt lächelte auch er und nahm mich einfach bei der Hand. Obwohl ich ein gutes Stück kleiner war als mein liebster fanden wir uns gut ein. Gott sei Dank gab es ja die hohen Absätze. Und ich konnte sogar aufrecht damit gehen. Kiran führte ausgezeichnet und ich lies mich nur zu gerne führen. Es war wunderschön so harmonisch. Eigentlich tanzte ich sehr gerne doch ich hatte selten Gelegenheit dazu. Ich erinnerte mich wieder an meinen Traum, genau so fühlte es sich an. Kiran und ich im hier und jetzt. Wir sahen einander tief in die Augen und schienen von den restlichen Menschen keine Notiz mehr zu nehmen. Nur Kiran und ich im hier und jetzt.
Kiran blieb plötzlich abrupt stehen und führte mich zurück an unseren Platz. Er war wirklich sehr galant. Er hielt mir sogar den Stuhl hin zum absitzen. Warum wir allerdings unseren Tanz abbrachen verstand ich allerdings nicht. Fand nur ich es so unglaublich schön?
„Ist etwas nicht in Ordnung?“, fragte ich dementsprechend erstaunt als dass er mich zurück brachte.
„Liebes, mir geht es im Moment nicht besonders. Eine Übelkeit macht sich breit. Bitte entschuldige mich für einen kurzen Moment. Bin gleich wieder da.“
„Natürlich…“ Im nächsten Moment war er dann auch unterwegs Richtung Ausgang. Ich sah ihm hinter her bis sich die Tür hinter ihm schloss. Seltsam! Kiran und Übelkeit, davon hörte ich zum ersten Mal. Hoffentlich ging es ihm bald wieder besser. Ich sah auf die Tanzfläche und beobachtete Tom und Tori. Sie schienen sich näher zu sein als auch schon. Aber ich glaubte nicht dass ihre Namen der Seele bereits gefunden hatten. Nein, ich wusste sie hatten ihn noch nicht gefunden. Tori schien immer noch Recht zickig zu sein. Es schien als waren sie noch nicht aus Liebe mit einander Verbunden. Manchmal hatte man das Gefühl es sei so eine Art Hassliebe. Aber Tom brauchte dass. Einfache Frauen lagen ihm eigentlich nicht besonders. Bei den einfachen Mädchen reichte es meistens nur bis zu einem On Night Stand. Ich erinnerte mich noch an die gemeinsame Wohngemeinschaft die wir in Genf hatten. Tom blieb nie lange alleine, aber für länger reichte es auch nie aus. Eine herrliche Zeit die wir in Genf hatten. Dort lernten wir uns kennen und auf unsere Art und Weise lieben. Für mich war es klar dass Tom die Welt nach der Ausbildung als Journalist offen stand. Er ist so unglaublich begabt die Worte gewählt auszudrücken. Sein Gespür was gerade angesagt- oder wer gerade Inn war, war auch beneidenswert. Ich las seine Artikel immer wieder gerne. Bei diesem Gedanken lächelte ich. Als ich wieder in die Richtung der Tür sah, kam mir Kiran bereits wieder entgegen. Er streckte mir die Hand hin und führte mich wieder auf die Tanzfläche. Ich staunte dass er jetzt seine Haare zusammen gebunden hatte. Mir gefiel es besser wenn er sein halblanges Haar offen trug.
„Geht es dir wieder besser?“, er nickte. Trotzdem wirkte er auf mich noch etwas angespannt. Diesmal waren wir keine Einheit auf der Tanzfläche. Er führte anders als zuvor. Anscheinend ging es ihm immer noch nicht wirklich besser. Ich sah ihn an und sein Blick war starr. Er war nicht weich, so wie er mich sonst immer ansah. Nein, er sah mich starr an. Er schien etwas unter Strom zu stehen. Ich konnte gar kein Gefühl darin erkennen. Er musste doch nicht mit mir tanzen. In meinen Augen sollte er sich eine Auszeit nehmen.
„Grosser, bist du sicher dass wirklich alles in Ordnung mit dir ist? Lass uns doch hinsetzten.“
Endlich lächelte er liebevoll: „Süsse, mir geht es den Umständen entsprechend gut.“
Er nannte mich Süsse? Hatte ich das richtig gehört. Nun fuhr er mit seiner linken Hand meine Schulter herunter und wieder herauf. Danach strich er über mein Gesicht: „Du bist sehr hübsch.“
Ich lächelte ihn Unbehagen an. War aber froh dass er sich so wieder gefunden hatte. Langsam war der Schalk in seinen Augen wieder zu sehen. Er fragte mich: „Würdest du jetzt in diesem Moment alles stehen und liegen lassen um mit mir durchzubrennen?“
Ich lachte laut auf: „Nein!“
„Wirklich zu schade.“
Seltsamerweise lächelte er nicht bei seinen Worten. Ich verstand nicht was er damit sagen wollte. Jetzt war seine Heiterkeit wieder weg. Er sah bereits wieder sehr angespannt aus. Was um Himmelswillen war denn bloss los mit ihm? Ich versuchte ihn zu mustern. Hinter Kiran, leicht neben uns sah ich Tori wie sie uns zu sah. Sie hatte einen merkwürdigen Gesichtsausdruck. Sie stand auf und kam auf uns. Dann fragte sie mich mit zuckersüsser Stimme: „Lis, würdest du mir mal einen Tanz mit Kiran gewähren?“
Bevor ich ihr Antwort geben konnte grollte Kiran Tori leicht an und sprach in ruhigem aber bestimmten Ton: „Der Bär will mit dem Wolf. Lassen wir das lieber. Wer weiss wohin das führen würde. Ich will nur Lis.“
Erstaunt liess ich ihn los und starrte ihn an. War das eine Drohung! Hatte er irgendwoher Blut zu sich genommen? Hat er heimlich eine Dosis mitgenommen? Diverse Fragen gingen bei mir gerade quer durch meinen Kopf. „Was soll das?“, wollte ich lediglich wissen. Für einen kurzen Moment blitzten seine Augen auf und es sah aus als würden seine Augen hin und her schlingern. Das mussten ja starke Drogen sein die er da eingenommen hatte. So etwas hatte ich noch nie gesehen. Es sah merkwürdig aus. Ging es ihm denn so schlecht. Lächelnd nahm er meine Hand, küsste sie und ging wortlos wieder zur Tür hinaus. War es ihm etwa schon wieder schlecht? Hallo, spricht da mal jemand mit mir! Tori stand immer noch mit verschränkten Armen da und sah ihm auch nach. Als er weg war nahm sie mich etwas unsanft zur Seite.
„Elisabeth, entweder geht es Kiran verdammt schlecht. Wirklich schlecht, oder es war nicht Kiran!“
Nicht Kiran! Bei diesem Gedanken erschauerte ich.
„Tori, wollen wir ihn suchen?“
„Gute Idee.“ Sprach Tori und wir liessen Tom einfach so stehen. Zur selben Zeit konnte ich Joes senden vernehmen:
-*Ich spüre deine Angst. Alles in Ordnung*-
Aber klar, er war in Alarmbereitschaft. Ich antwortete ihm dass so weit alles in Ordnung war und er sich keine Sorgen zu machen bräuchte. Ich würde ihn auf dem Laufenden halten. Eigentlich hatte ich ja noch Glück dass Joe nicht einfach los rannte um mich zu suchen. Dass er selbst auf die Distanz mein Unbehagen bemerkte war schon allerhand. Danach waren wir bereits unterwegs um Kiran zu suchen. Wir fanden ihn draussen, er lehnte an der Wand an und sah ziemlich blass aus. Als er uns sah lächelte er uns beide liebevoll an. Ich machte mir langsam wirklich grosse Sorgen. Er strich mir übers Haar als ich vor ihm stand.
„Kleines, es geht gleich wieder. Ich steh nur etwas neben mir. In ein zwei Minuten bin ich wieder fitt.“
Ja das traf wohl zu. Er nannte mich wieder kleines und hatte diesen liebevollen Blick und trug die Haare wieder offen. Mein Hals begann sich zu zuschnüren. Ich verstand jetzt auch was da vorhin gerade vor sich ging. Toris Augen verengten sich: „Scheisse…, er riecht anders!“
Kiran verstand nicht ganz doch mir war es Glasklar was Tori damit zum Ausdruck brachte. Ich sah Tori warnend an und sendete meine Gedanken: -*lass es sein, sag ihm nichts davon *-
Tori zog ihre Augenbraue hoch und sprach mit lauter vorwurfsvoller Stimme: „Spinnst du jetzt ganz. Wir haben Alarmstufe rot! Leuchtend rot!“
„Oh wie nett. Danke für deine Unterstützung Tori“, fauchte ich sie an. Kiran sah mir direkt in die Augen. Wieder dieser stechende Blick. Jetzt wusste ich genau dass ich nicht darum herum kam um Kiran alles ganz genau zu erzählen. Doch es liess sich nicht so einfach in Worte fassen. Ich ging zu ihm hin und wir standen Stirn an Stirn. Ich sendete ihm die Bilder von meinem Erlebnis auf der Tanzfläche. Er sah genau das was sich gerade abgespielt hat. Er sah es mit meinen Augen. Danach hörten wir sein tiefes, dunkles Grollen, sein wirklich furchteinflössendes Grollen. Zum Glück war sonst niemand in der Nähe der uns hören konnte.
„Alarmstufe Rot trifft es nicht schlecht. Danke Tori dass du auf sie aufgepasst hast in meiner Abwesenheit. Wie bist du darauf gekommen?“
„Kein Problem. Es war der seltsame Geruch den du plötzlich trugst. Das machte mich stutzig und ich wollte dich testen. Doch dazu liess er es nicht kommen. Ich würde seinen Geruch wieder erkennen. Er wird keine Chance haben. Das verspreche ich euch.“
„Wieso sah er so aus wie du? Du hast doch keinen Bruder. Oder?“, fragte ich etwas aufgelöst.
„Nein ich habe keinen Bruder. Liebes erinnere dich nochmals zurück und schau die Bilder an als du ihm nachsiehst als er zur Tür raus geht…“
Ich begann mich zu konzentrieren. Ich rief die Bilder in meinem Inneren Auge nochmals auf, dabei schloss ich die Augen. Tatsächlich, weshalb ist es mir nicht gleich aufgefallen.
„Er trägt keine Tätowierung am Hinterkopf beim Haaransatz. Sie sind eigentlich sehr gut sichtbar. Du trägst sie ja auch mit Würde.“ Lächelte ich etwas verlegen.
„Hm, zeig mal her“, sagte Tori und sah sich die Tätowierung bei Kiran am Haaransatz an, „ja stimmt, dein Doppelgänger trägt keine. Das vereinfacht es uns. Sobald die Tätowierung fehlt wissen wir woran wir sind. Kiran deine Haare müssen wieder ab.“
Nun lächelten wir etwas. Wir würden für den Rest des Abends auf der Hut sein. Das war wohl jedem klar. Für uns war die Hochzeit sozusagen gelaufen. Diese Anspannung wurden wir heute wohl nicht mehr los. Kiran schien es langsam wieder besser zu gehen und wir gingen wieder hinein. Tori berichtete Tom von unserem Zusammenstoss mit Kiran’s Doppelgänger. Das liess auch Tom nachdenklich werden. Manchmal wünschte er sich wohl, nicht in diese ganze Geschichte hineingezogen worden zu sein. Doch es war, wie es war. Kurze Zeit später wurde die Hochzeitstorte präsentiert und wir bekamen auch ein kleines Stück davon. Unsere Bedienung war nicht mehr dieselbe, war aber auch ganz nett und freundlich. Gut geschultes Personal. Doch Kiran fand an diesem Abend nicht ganz zu seiner Form zurück. Er konnte sich einigermassen zusammenreissen. Meine Hand liess er nicht mehr los wenn es nicht anders ging. Höchstens wenn ich von meinem Bruder oder Vater zum tanzen geholt wurde. Ich wechselte leider nicht viele Worte mit meinem Bruder. Doch die wenige Zeit die wir zusammen waren genossen wir sehr. Für den heutigen Tag würde man sein lächeln wohl nicht mehr aus dem Gesicht bekommen. Tino war einfach nur glücklich und es stand ihm ausgezeichnet. Als nur Tori, Tom, Kiran und ich an unserem Tisch sassen sprach Kiran in die Runde: „Ich kann nicht nach Alaska, ich kann Lis nicht alleine lassen. Bitte verlangt es nicht von mir. Nicht nach diesem Vorfall.“
Sein Gesicht war voller schmerz. Das sahen wir alle ganz genau.
„Kiran, du bist ihr hier keine grosse Hilfe. Bitte verstehe mich nicht falsch. Aber es scheint so, als würde es dir schlechter statt besser gehen. Du gehst nach Alaska ob du willst oder nicht. Lis wird bei mir und Tori wohnen. Meine Wohnung ist gross genug dafür. Tori scheint eh unzufrieden und unterbelastet, dann hat sie was zu tun“, sprach Tom und grinste jetzt seine Tori an. Er wusste genau dass sie den Teil mit unzufrieden und unterbelastet nicht gern hören würde. Geschweige denn dass ich zu ihr ziehen sollte. Natürlich verzog sie das Gesicht.
„Na toll, jetzt spiele ich auch noch den Babysitter für Erwachsene Kinder!“
Ich musste kichern. Tori spielte immer die beleidigte, dabei meinte sie es gar nicht so. Tori war eben Tori.
Kiran stänkerte weiter: „Nein, ich gehe nicht. Ich bin nicht fitt aber stark genug euch von mir fern zu halten.“
Tom sah mich eindringlich an. Also sass ich ganz nah an Kiran heran als ich ihm erklärte: „Kiran. Du wirst gehen. Ich bin die Eine. Falls es nötig sein muss werde ich es dir befehlen. Deinetwillen hoffe ich dass du einsichtig wirst und die Vernunft wallten lässt.“
Ich hatte zwar nur geblufft. Denn ich hatte keine Ahnung wie ich Kiran dazu zwingen könnte. Anscheinend hinterliess es aber die gewünschte Wirkung auf Kiran.
„Es fällt mir schwer dich zurück zu lassen. Bitte komm so rasch als möglich nach, ja?“, sprach Kiran voller Sorge um mich. Ich küsste ihn und schmiegte mich an ihn. Er schien sehr erschöpft. Damit war dieses Thema vorläufig vom Tisch und wir widmeten uns der Hochzeitsveranstaltung zu. Grundsätzlich war es eine sehr schöne Hochzeit. Das was wir davon mitbekommen hatten zumindest. Wir hatten viele nette Gespräche. Ich tanzte ziemlich viel. Mal tanzte ich mit meinem Vater, meinem Bruder, Tom und natürlich Kiran. Doch ich war froh als wir wieder im Car sassen und die Rückreise antraten. Es war bereits früh morgens als wir beim Sammelplatz ankamen.
Paula und Joe warteten schon auf uns und brachten uns in meine Wohnung. Joe sah sofort dass Kiran nicht in Höchstform war. Wir erzählten ihnen von den Geschehnissen. Joe hatte es ja bereits gespürt das etwas nicht so war wie es sein sollte. Nach den Erklärungen war es für die beiden klar, dass sie auch diese Nacht bei uns übernachten würden.
„Na toll. Ihr könnt ja gleich ganz einziehen…“ Protestierte Kiran. Als Kiran dann noch etwas Blut zu sich nehmen wollte, wurde es für einen Moment etwas heikel da kein Blut mehr vorhanden war. Paula und Joe hatten es bereits bei Seite geschafft. Kiran nahm meinen zweiten Stuhl und schmiss ihn wütend an die nächste Wand. Der natürlich so wieder in Brüche ging. Da Warens nur noch zwei Stühle. Damit konnte ich allerdings leben, ich hatte ja noch mein Sofa. Ich war dankbar dass das Blut bereits weg war. Ich sagte kein Wort und Kiran verzog sich mürrisch ins Schlafzimmer.
In dieser Nacht schlief ich schlecht. Wirklich schlecht. Wieder einer dieser seltsamen Träume. Ich war am tanzen mit Kiran und dann hörte ich die Stimme in meinem Kopf: -*Ihr habt es heraus gefunden. Kompliment. Du machst es mir nicht einfach. Ja, es war nicht Kiran. Doch ich war sehr glaubwürdig, nicht. Es ist unglaublich wie du beschützt wirst. Aber keine Sorge ich lass mir genug Zeit. Meine Zeit wird eines Tages kommen.*-
Wofür wollte er sich denn Zeit lassen? Von mir aus konnte er sich ruhig stellen und gegen uns antreten. Nie im Leben hätte er wahrscheinlich eine Chance. Ich vermutete das zumindest. Oder es war einfach für mich die beste Erklärung?
Mein Traum ging aber noch weiter. Ich sah Wölfe, grosse graue Wölfe. Sie waren sehr wild. Ich war in einem Wald und irrte umher. Egal in welche Richtung ich ging, überall sah es gleich aus. Der Himmel war voll mit grauen Wolken bezogen. Darin kreisten viele schwarze Vögel die kreischten. Ich rannte weiter bis ich nicht mehr konnte. Ein Wolf erwischte mich mit seiner Pranke, es schmerzte und Blut lief herunter. Ich konnte das Blut förmlich riechen. Von überall her war das laute heulen der Wölfe zu hören. Die Wölfe sahen seltsam aus. Anders als Kiran. Ich sah sie nicht wirklich sie waren so schemenhaft. Wieder erwischte mich einer der Wölfe an meinem Bein. Mein ganzer Körper brannte vor Schmerz. Einer erwischte mich mit seinem Körper und ich flog mit voller Wucht an einen Baum und rutschte schlaff hinunter... Ich wurde wach und öffnete jetzt meine Augen.
„Ah…“, stöhnte ich auf.
Schmerzend erwachte ich. Wie seltsam. Es war gar kein Traum es war Kiran. Er war der Wolf der mich an die Wand warf. Beim genauen hinsehen konnte ich erkennen das Kiran nicht ganz als Wolfmensch verwandelt war. Er sah so seltsam aus als hätte er vergessen sich entweder als Mensch oder Tier zu verwandeln. Er war weder das einte noch das andere. Ich war noch benommen und hatte keine Kraft, alles tat weh. Und wenn ich mich nicht irrte hatte ich gebrochene Stellen an meinem Körper. Kiran kam auf mich zu und knurrte mich an, mit einer Leichtigkeit packte er mich am Hals und hob mich einfach so hoch. Ich schnappe nach Luft. Mit seiner Zunge fuhr er über eine meiner blutigen stellen. Ich sah seine Augen, sie waren von einem seltsamen Schleier überzogen. Er war nicht sich selbst. Wer war er? Mein Blut schien ihn zu reizen. Er wollte mich. Wenn ich nicht bald handelte würde er mich töten. Wo ist Joe? Ich versuchte Kiran zu erreichen: -*Leon*- Jetzt heulte er auf aber lies mich trotzdem nicht los. Gleichzeitig ging die Tür zum Schlafzimmer auf und Joe stand im Rahmen. Alles an Joe war angespannt. Er schien grösser als sonst und seine Eckzähne sahen gefährlich aus. Kiran fühlte sich gestört und warf mich an die gegenüberliegende Wand. Ich krachte in meinen Kleiderschrank und sank zu Boden. Ich war unfähig mich zu rühren. Ich versuchte Kiran nochmals zu erreichen: -*Leon, bitte, sieh mich an. Ich bin es Eve.*- Wieder heulte Kiran auf und sah mich an. Er schüttelte sich. Er hielt seinen Kopf mit seinen Pranken. Seine Augen schienen sich zu klären, der Schleier verschwand zunehmend. Paula sass zu mir hin und Joe sprang in einem günstigen Moment auf Kiran zu. Kiran lies sich nicht ganz freiwillig überwältigen. Schlussendlich glich mein Schlafzimmer einem Schlachtfeld. Zum Glück sah mich Kiran plötzlich an wie ich da am Boden lag. Er sah meine schmerzen. Das brachte ihn dann endgültig zu Fall. Er begann sich langsam wieder in einen Menschen zu verwandeln. Glücklicherweise bedeckte das restliche Fell seine wichtigsten Stellen am Körper. Sonst wäre er wohl ganz nackt Paula gegenüber gestanden. Er viel, sprichwörtlich, zu mir runter und wollte mich hoch heben. Ich kreischte auf und er lies es bleiben. Seine Augen füllten sich mit Wasser. Er brachte keinen Ton heraus. Nun sprach Joe mit ernster Stimme: „Kiran, zieh dich an. Paula, du holst die restlichen Kräuter von Mona. Es wird ihr einwenig Linderung verschaffen damit wir sie ins Krankenhaus transportieren können.“
Gesagt getan. Ich lag immer noch so da wie ich geflogen war. Wenn man mich nicht bewegte oder berührte war es, im Moment, auszuhalten. Paula flösste mir das Getränk ein und in mir stieg etwas wärme hoch. Das Mittel von Mona half wirklich. Kiran war angezogen und strich mir über die Haare. Dabei sprach er immer noch kein Wort. Seine Schuldgefühle konnte man deutlich sehen. Dafür brauchte es keine Worte. Ich wurde schläfrig. Kiran stand auf und wollte hinaus da rief ihm Joe wütend nach: „Was hast du vor?“
„Ich brauche ein Glas Blut!“, stöhnte Kiran
„Das lässt du schön bleiben! Du kriegst keines mehr! Du bist im Blutrausch komm runter hörst du? Verdammt Kiran, Lis liegt hier am Boden und braucht dich! Komm jetzt her!“
Kiran ging auf Joe zu. Sie standen sozusagen Auge um Auge bei einander. Ich spürte die Anspannung zwischen ihnen und hatte wirklich Angst dass sie wieder aufeinander los gingen.
„Bitte nicht schon wieder. Ich liebe euch“, stöhnte ich leise.
Mir schossen die Tränen in die Augen aber ich konnte jetzt weder sprechen noch senden. Ich war so was von erledigt. Die beiden standen eine Weile so da bis Kiran nachgab und Joe zu nickte. Er legte seine Hand auf Joes Schulter ab: „Danke für alles. Ich werde mich fügen. Sag mir was ich jetzt tun soll.“
Ich wusste genau dass es Kiran nicht leicht viel. Kiran gab seine Führungsposition als Leitwolf ungern ab. Doch er hatte es anscheinend begriffen. Für den Moment zumindest. Sie entschieden, mich ins Krankenhaus zu bringen. Kiran wollte mich tragen. Als er mich hoch hob kreischte ich wieder auf und viel in Ohnmacht. Das erleichterte ihnen schlussendlich den Transport.
Einige Zeit später erwachte ich wieder, im Spital. So wie es aussah wurde ich bereits untersucht. Ich lag im Bett und hatte mein linkes Bein geschient bekommen. Auch mein linker Arm war in einer Schiene. Natürlich war da noch eine Infusion oder so was Ähnliches an mir angehängt. In meiner Nase hatte ich Sauerstoff, diesen Schlauch nahm ich einfach weg. Das brauchte ich jetzt wirklich nicht mehr. Wo waren denn die anderen? Panik stieg in mir hoch da sendete ich meine Gedanken: -*Kiran wo bist du.*-, wollte ich wissen.
Es war seltsam dass er nicht bei mir war. Ich musste nicht lange auf Antwort warten: -*Ich darf nicht auf die Intensivstation, warte unten bis du verlegt wirst. Ich geh nicht weg. Ich warte hier. Ruh dich aus.*-
Es beruhigte mich dass er doch noch hier war. Denn nach diesem Vorfall wusste ich nicht ob ich ihn nochmals zu Gesicht bekam. Ich war nicht gerne im Spital es hatte so etwas Seltsames Bedrohliches und es roch nie gut. Da ich noch sehr müde war nahm ich gerade noch wahr dass eine Schwester kam die mir meine Medikamente brachte. Ein Oberarzt der dazu kam und beschloss ich könne hoch gebracht werden. Danach schlief ich wohl wieder ein.
Viel später erwachte ich. Im Zimmer war es dunkel und als ich aus dem Fenster sah war mir klar dass es bereits wieder Nacht war. Ich drehte meinen Kopf auf die andere Seite. Wobei auch diese Bewegung etwas schmerzte. Da sass Kiran, direkt neben mir. Er strich mir ganz sanft über das Haar.
„Kriege ich keinen Kuss?“, fragte ich.
„Willst du das denn? Ich war mir nicht sicher was du von mir hältst! Nach diesem…“
„Dummkopf. Hast du mich absichtlich so zugerichtet?“, schnaubte ich.
„Nein, natürlich nicht! Es tut mir so leid. Nie hätte so etwas geschehen dürfen. Ich habe deiner Mutter versprochen dir NIE weh zu tun…“
Ich seufzte: „Das weiss ich doch. Kiran dass warst nicht du. Du stehst unter irgendwelchem Einfluss, deswegen gehst du ja nach Alaska zurück um es heraus zu finden. Im Moment ist alles so seltsam. Und ehrlich, ich weiss auch nicht weshalb, aber ich liebe dich.“
Er lächelte wieder und gab mir einen sanften Kuss.
„Trotzdem ist es unverzeihlich. Es macht mir Angst. Wie kannst du mir bloss verzeihen“, sprach Kiran ruhig und gequält. Natürlich wusste ich dass diese Sache nicht ganz so einfach vom Tisch war. Kiran war sehr Kopflastig. Da er ein sehr gradliniger Mensch mit guten und ehrlichen Prinzipien war wird ihn dieser Vorfall noch lange beschäftigen. Das wusste ich ganz genau. In meinen Augen musste ich ihm nicht auch noch einen Vorwurf machen, er tat es schon selbst.
„Kiran, wie geht es mir. Ich meine wie ist die Diagnose?“
Kiran sah immer noch sehr bedrückt aus: „Dein linker Oberschenkel ist gebrochen. Dann hat es noch deinen linken Unterarm erwischt. Natürlich hast du eine gute Gehirnerschütterung und zwei angeknackste Rippen. Von den vielen Blauen flecken mal abgesehen.“
„Da hatte ich ja noch richtig Glück“, ich versuchte zu lachen, doch der schmerz…Ich lies es doch lieber bleiben. Kiran fand meinen Witz eh nicht komisch.
„Was ist diesmal die offizielle Version der Geschichte?“, wollte ich wissen damit sich unsere Aussagen deckten. Ging automatisch davon aus dass sie eine Geschichte zu diesem Vorfall erfunden hatten. Kiran fuhr sich mit der Hand durch sein Gesicht und erklärte: „Wir wurden von Paula und Joe, nach der Hochzeit, abgeholt. Ich fuhr gegen einen Baum und da du die einzige warst die nicht angeschnallt war flogst du vorne aus der Frontscheibe und bist gegen den Baum und dann auf den Boden geknallt.“
„Ich war nicht angeschnallt…“, wieder versuchte ich ein Lachen zu unterdrücken aber nun gut es war so wie es war. Ich wurde wieder Müde und meine Augen wurden schwer.
„Liebes, schlaf ruhig ein“, sprach Kiran.
„Bleibst du denn hier, hier bei mir?“
„Ich bleibe solange ich kann.“
„Wie meinst dass?“
„Joe und Paula holen mich später ab. Ich weiss nicht ob du bei mir in Sicherheit bist…“
„Glaubst du das wirklich?“
Kiran stöhnte auf: „Ich habe keine Ahnung was ich noch glauben soll. Doch ich bleibe hier bis du einschläfst. Versprochen.“
Das war gut, das beruhigte mich. Er hielt meine Hand und ich schlief wieder ein. Der nächste Morgen begann früh. Schwestern die einen aus dem schlaf holten um zu schauen ob man „normal“ reagierte und mir wieder irgendwelche Medikamente verabreichten. Danach tauchte mein Arzt auf. Er war gross und schlank. Ein sehr junger Arzt. Er erklärte mir meine Verletzungen. Er sprach zwar sein Fachchinesisch aber im Grossen und Ganzen war es dasselbe was Kiran mir erzählt hatte. Kiran war tatsächlich nicht mehr da. Meine Medikamente wirkten wie eine Droge ich war irgendwie neben mir. Ich bekam etwas gegen die heftigen schmerzen und dann noch Entzündungshemmende Tabletten. Einmal das Ganze Paket. So kam es mir zumindest vor. So voll mit Medikamenten war ich nicht wirklich hundertprozentig da. Ein Teil meines Gehirns schien noch zu schlafen. Heute hätte ich alles unterschrieben, egal was man mir hingelegt hätte. Als die Polizei mich fragte wie es denn zum Unfall kam konnte ich mit guten Gewissen sagen ich würde mich an nichts mehr erinnern. Ich wurde gefragt ob ich angeschnallt war.
„Nein, ich glaube nicht. Obwohl ich bin mir nicht ganz sicher“, gab ich so ehrlich wie möglich zur Antwort. Mehr konnte ich wirklich nicht Preis geben. Ich kam mir blöd vor. Damit schien der Fall abgeklärt zu sein.
Nun freute ich mich auf das Mittagessen. Denn in der Zwischenzeit hatte ich richtig Hunger bekommen. Mein Magen knurrte auf jeden Fall kräftig.
Ich bekam heute viel Besuch. Meine Mam und Robert die sich natürlich sorgten. Meine Mam sah vorwurfsvoll zu Kiran rüber der auch wieder anwesend war. Natürlich meinte sie es nicht so, doch ich war eben ihr Kind. Kiran hielt es nicht aus, stand auf und ging raus mit dem Vorwand einen Kaffee trinken zu wollen. Ich wusste genau er konnte meiner Mutter nicht mehr unter die Augen treten. Marit und mein Vater tauchten auch kurz auf und brachten mir wunderschöne Blumen mit. Danach schlief ich wieder etwas. Der Besuch schwächte mich sehr. Als ich erwachte stand Kiran beim Fenster und sah hinaus. Seine Arme verweilten auf seinem Kopf, er war stark in Gedanken versunken. - *Leon,*-
Dabei zuckte er zusammen und drehte sich abrupt um. Seine Augen waren wässerig. Er wischte sich kurz mit dem Ärmel über seine Augen. Hatte er geweint?
„Kiran bitte, mach dir doch nicht so grosse Vorwürfe. Es ist so wie es ist.“
Er setzte sich endlich neben mich hin und strich sanft durch mein Haar.
„Kleines, wir fliegen los diese Nacht. Uns beiden bleibt nicht mehr so viel Zeit…“
Sein Blick war traurig. Ich verstand, die Alaska Reise. Auch mein Herz zog sich zusammen aber ich lies es mir nicht anmerken. Ich musste stark sein – für ihn.
„Du rufst mich an wenn ihr angekommen seit, ja?“
Er lächelte: „Natürlich, so oft ich kann und wenn Jo das Blut getestet hat wissen wir mehr.“
„Hast du nochmals Blut getrunken?“
„Ja“, gestand er mir, „ich kann es nicht lassen. Aber es war dosiert, Paula und Joe passen auf mich auf.“
„Wie geht es Joe? Braucht er noch Blut?“
„Er hat, an unserem Kuh Desaster so viel getrunken dass es für eine Weile reicht. Er ist klar im Kopf. Wer hätte gedacht dass Joe auf mich aufpasst statt umgekehrt.“
Kaum hatten wir ihre Namen ausgesprochen kamen sie schon zur Tür rein.
„Hallo ihr beiden“, sagte ich so fröhlich wie möglich. Es war schön sie nochmals zu sehen bevor sie abreisten. Joe sah irgendwie verändert aus, reifer. Er nahm seine Pflicht sehr ernst und musste jetzt auf Kiran aufpassen. Zum Glück war Kiran vernünftig genug um sich von Joe führen zu lassen. Was ja eigentlich auch nicht selbstverständlich war. Zu lange würde der Wolf seine Führungsposition nicht abgeben. Das war klar. Ich hoffte inständig dass Kirans menschlicher Teil stärker war als der des Wolfes. Auch ich machte mir Sorgen.
„Hey Schweiz, bist du hier in guten Händen?“, scherzte Joe. Ich lächelte ihn an und er gab mir einen Kuss auf meine Stirn. Auch er würde mir fehlen. Danach stand Joe zu Kiran und sprach über den bevorstehenden Flug mit ihm. Paula sass zu meiner rechten Seite und hielt meine Hand fest: „Wie geht es dir? Hast du noch starke schmerzen?“
„Nein, ich bekomme starke Medikamente und ich habe nichts was nicht von alleine heilen wird. Ich glaube ich muss noch etwas hier bleiben wegen meiner Gehirnerschütterung. Sozusagen zur Beobachtung. Sobald ich hier raus kann geh ich zu Tom und Tori. Versprochen.“
„Ja das wissen wir und sind froh über diese Lösung. Keine Angst meine Schwester kann auch ganz lieb sein...“
Unweigerlich musste ich lächeln als ich an Tori dachte.
Paula meinte weiter: „Lis…, ich werde dich vermissen.“ Tränen stiegen ihr in die Augen.
Ich seufzte: „Ich euch auch. Es wird mir fast das Herz zerreisen von Kiran und euch getrennt zu sein. Ihm wird es auch so gehen. Bitte schau zu dass Sandi …“
Paula unterbrach mich: „Ja ich weiss. Keine Sorge. Die restlichen Kräuter die wir haben werden wir vor dem Flug Kiran verabreichen. Es wird schon schief gehen.“
„Ich sag’s ja, doofes Sprichwort“, meldete sich Kiran der uns natürlich etwas zugehört hatte. Wir lächelten. Paula und Joe mussten wieder los sie würden erst wieder kommen um Kiran abzuholen. Daher verabschiedeten wir uns schon richtig von einander. Ein wirklich seltsames Gefühl. Ich war mir nicht sicher wie schnell ich sie wieder sehen würde. Da gingen sie hin meine Freunde,- meine Familie.
„Kiran, könntest du dich etwas zu mir hinlegen? An meine Rechte Seite?“
Kiran lächelte mich an: „Nicht ganz einfach ich werde dich einwenig rüber rutschen müssen, beiss auf deine Zähne.“
Gesagt getan. Er war stark und sanft zugleich. Ich hatte keine schmerzen. Danach zog er seine Schuhe aus und legte sich zu mir hin. Er lag auf seiner linken Seite und sah mich an. Es sah nicht wirklich bequem aus da er eindeutig zu gross für dieses Bett war. Ich hätte gerne laut heraus gelacht beliess es aber bei einem lächeln. „Grosser, es sieht nicht bequem aus.“
„Egal, dein Wunsch ist mir befehl.“
Wieder wollte ich laut lachen aber mein schmerz hielt mich davon zurück. Nun drehte er mein Gesicht zu seinem und begann mich zu küssen. So sanft wie möglich. Als er von mir abliess sprach er: „Werde rasch gesund und komme nach. Ja?“
„Versprochen.“
Wir hatten nicht mehr viel Zeit, er würde bald gehen müssen. Er knurrte ganz leise, kaum hörbar. Es war ein Zeichen dafür dass sein Schmerz von mir wegzugehen von enormer Grösse war. Ich fühlte mich wohl und schlief wieder etwas ein. Wieder wurde ich von einer Krankenschwester geweckt die nach mir schauen musste. Als sie raus ging sah ich dass es draussen bereits wieder dunkel wurde. Es war Zeit für Kiran.
„Liebes, Paula und Joe rufen nach mir. Ich muss los. Oder soll ich lieber bleiben?“
„Netter Versuch. Nein, natürlich nicht. Du gehst. Aber komm her ich möchte dir etwas geben. Leg deine Stirn bitte auf die meine“, sprach ich im ruhigen sachlichem Ton. Ich begann mich zu konzentrieren und zeigte Kiran Bilder. Zeigte ihm wie viel Freude wir bereits zusammen hatten. Bilder von Marius Hütte, wie friedlich und hübsch es dort war. Öffnete mein Herz, damit er fühlen konnte wie unendlich gross meine Liebe zu ihm war. Wie viel mir unsere Liebe bedeutete. Bilder die Wärme ausstrahlten. Als ich damit fertig war. Machte Kiran grosse Augen.
„Danke. Kleine Hexe du erstaunst mich immer wieder aufs Neue.“
Ich nickte ihm zu. Wir küssten uns und dann ging er, schweren Herzens, raus. In der Türe drehte er sich nochmals zu mir um:
-*wir sehen uns bald*-
Das war das letzte was ich von ihm für längere Zeit zu sehen bekam, das wusste ich genau. Am liebsten hätte ich laut aufgeschrien. Doch ich wusste ich durfte nicht da er sonst gleich wieder hier stehen würde. Also schluckte ich meinen Kummer runter. Ich hatte einen riesigen Kloss im Hals stecken. Ich schlug lediglich mit meiner rechten Faust auf das Bett ein. Das brachte etwas Erleichterung. Wenigstens hatte ich hier im Spital keine Träume und wurde nicht von dieser seltsamen Stimme verfolgt. Ich war ruhig, was sicherlich auch mit den Medikamenten zu tun hatte. Dem Morphium war dank!
Unerwartet ging die Türe auf und Joe trat an mein Bett: „Ich musste dich rasch sehen. Ich werde alles versuchen was in meiner Macht steht um Kiran zu helfen. Ich lasse euch nicht im Stich.“
Dann trat er zu mir hin und küsste meine Stirn. Ich war nicht fähig gross darauf zu reagieren. Mit einem: „Danke“, reagierte ich erstaunt aber dankbar. Dann ging er wieder und meine Tränen liefen mir hinunter. Erschöpft schlief ich wieder ein.
Ich schlief die Nacht durch und erwachte wieder weil die Krankenschwester auftauchte. Sie machten nur ihre Arbeit aber es war sehr lästig. Etwas später kam der Junge sympathische Arzt vorbei: „Na wie geht es uns heute?“
„Gut danke, die Medikamente wirken.“
Jetzt lächelte er symphytisch.
„Sie machen gute Fortschritte. Zum Glück ist ihr Arm nur angerissen und nicht ganz gebrochen. Wir werden ihnen heute Nachmittag eine andere Schiene verpassen. Mit ihrem Bein müssen sie jedoch noch etwas Geduld haben. Eine Therapie wird nötig sein um Ihre Muskulatur zu stärken. Es ist nur eine Rippe angebrochen und mit ihrem Kopf ist auch alles im Norm Bereich.“
Zum Glück sprach er so dass ich ihn verstand. Es war also gar nicht so schlimm? Der arme Kiran er machte sich solch grosse Sorgen doch ich würde rascher genesen und konnte schneller bei ihm sein als er dachte. Ich fragte meinen Arzt, dessen Namen ich mir nicht merken konnte: „Wann kann ich hier raus?“
„Haben sie noch etwas Geduld mit sich. Wir behalten sie noch sicher 2 Tage hier“, sprach er höflich und lächelte mich wieder nett an. Dann berührte er mit seiner Hand meinen Arm und meinte: „Glauben sie mir es wird das Beste für sie sein.“
Ich nickte ihm zu. Er versprach später noch mal rein zu schauen.
Auch dieser Tag ging rasch vorüber. Irgendwann in der Nacht zuckte ich zusammen und erwachte. Ich riss die Augen auf und horchte: -*Liebes, wir sind gut angekommen. Uns geht es gut und ich bin noch nicht ausgeflippt. Mein Herz ist noch voll von deiner grossen Liebe*- Ich lächelte vor mich hin und begann mich zu konzentrieren was mir dann gelang. Konnten wir wirklich auf so grosse Distanz unsere Gedanken mitteilen? Es war unglaublich: -*Liebster, schön von dir zu hören. Mir geht es besser. Meine Verletzungen sind nicht so schlimm. Komme schon bald hier raus. Mach dir keine Sorgen mehr um mich und konzentriere dich auf dich. Ich bin müde und muss etwas
schlafen. *-
Nun war ich sehr erschöpft. Senden auf so weite Distanz war happig. Es erstaunte mich dass er die Kraft dafür fand.
-*Versprochen. Liebe dich. Bis bald und schlafe gut.*-
Hörte ich ihn nochmals in meinem Kopf und schlief zufrieden wieder ein. Die nächsten Tage verliefen ruhig. Meine Mam war zwar so oft bei mir wie es ihr möglich war. Für mich war es eigentlich schön meiner Mam etwas näher zu sein wie auch schon. Schliesslich würden wir uns nicht mehr so viel zu Gesicht bekommen. Ich denke sie genoss es auch.
Am Tag vor dem Austritt hatte ich das Gefühl ich war da aber mein Kopf nicht ganz. Ich bekam wohl ein anderes Medikament. Mein Körper war wach doch mein Geist schien irgendwie noch zu schlafen. Ich rieb mich in den Augen und hoffte die Müdigkeit wegzubringen. Eigentlich sollten die Medikamente reduziert werden. Daher verstand ich meinen Zustand nicht ganz. Meine Mam kam wieder auf Besuch und sah sehr Glücklich aus als sie sprach: „Ich bin so froh dass Kiran zurück gekommen ist und mit dir zur Kur fahren wird. Das nenn ich wirklich Liebe.“
Benommen meinte ich: „Bitte was?“
„Ja, ich habe ihn eben unten beim Kaffee getroffen. Er steckt in den Vorbereitungen für Morgen. Ach was erzähle ich dir da. Vermutlich wollte er dich Überraschen. Ich hab nichts gesagt, von mir weißt du nichts… “
Dann machte sie eine Bewegung mit ihren Fingern so, als würde sie ihren Mund zu schiessen. Ich wusste nicht genau was ich davon halten sollte. Als meine Mutter gegangen war wollte, nein musste ich mich konzentrieren und Kiran meine Gedanken senden: -*…*- Nichts! Es ging einfach nicht. Ich konnte mich nicht konzentrieren. Es fühlte sich an als würden leere Luftblasen aus mir raus kommen. Mein Kopf war so unglaublich benebelt. Ging es mir wirklich besser?
Mein gutaussehender Arzt kam vorbei um mit mir den Austritt zu besprechen: „So Morgen können sie hier raus. Wir sind sehr zufrieden mit ihrem Krankheitsbild.“
„Sind sie sicher dass es mir besser geht?“
„Eigentlich schon, wieso meinen sie?“
„Meine Gedanken sind so verschwommen und ich kann mich nicht konzentrieren.“
„Aha, gut dass sie es ansprechen. Dann werden wir die Medikamente wieder umstellen. Ich schreibe einen Vermerk hin.“
„Ja danke“, fügte ich dankbar hinzu.
„So, dann bringt ihnen die Schwester noch die Entlassungspapiere die sie bitte unterschreiben. Dann wünsche ich ihnen und ihrem Verlobten für den morgigen Tag alles Gute.“
„Mein Verlobter?“, fragte ich irritiert.
„Ja, ich habe ihn unten angetroffen. Er wird sie morgen abholen. Eine Kur wird ihnen gut tun. Es wird alles gut, machen sie sich keine Gedanken.“
Damit verabschiedete er sich und war verschwunden. Kiran war wirklich hier? Warum, wieso? Was sollte das Ganze überhaupt. Die Medikamente machten mich so unsagbar müde dass ich wieder einschlief und keine klaren Gedanken mehr fassen konnte. Als ich erwachte stand Kiran bereits im Zimmer und war mit meinen Medikamenten eingedeckt. Irgendwie muss er es geschafft haben mich anzuziehen. Jetzt stand er da mit einem Rollstuhl.
Ich riss verwundert meine Augen auf: „Was machst du hier? Wieso bist du nicht in Alaska? Das geht doch gar nicht, du hast mir doch gesendet dass ihr gut angekommen seid…“
Er küsste mich auf die Stirn und lächelte mich an.
„Hier trink dass und nimm deine letzten Medikamente. Ich erklär dir alles auf der Fahrt. Möchte so rasch wie möglich aus diesem Krankenhaus raus.“
Das konnte ich verstehen. Also nahm ich das Wasser und schluckte die Medikamente herunter. Danach half er mir in den Rollstuhl. Er strich mir über mein Haar und ich war irgendwie froh dass er wieder da war. Es fühlte sich so unwirklich an. War ich überhaupt wach oder schlief ich noch? Ich kneife mich kurz in meinen rechten Oberschenkel. Ja, ich war wach. Unten half er mir in das Auto und verlud mein Gepäck. Danach stieg er ein und fuhr los. Ich war neugierig: „Wohin fahren wir?“
„Schlaf ein wenig. Die Fahrt könnte anstrengend für dich sein. Du brauchst noch Ruhe.“
Ja ich war wirklich sehr müde. Doch ich hatte so viele Fragen an ihn. Ich war so irritiert.
Er fragte: „Bist du denn nicht müde?“
„Doch du hast Recht. Aber eigentlich müsste ich ausgeschlafen sein. Eigentlich sollten die Medikamente umgestellt werden. Das hat mir der Arzt versprochen.“
Sprach ich benebelt und schlief plötzlich wieder ein. Da ich nicht auf meine Uhr geschaut hatte, wusste ich nicht wie lange die Reise gedauert hatte. Ich erwachte als Kiran anhielt. Ich versuchte mich zu orientieren. An diesem Ort war ich noch nie. Hier stand eine kleine Hütte mitten im Wald. Das soll der sogenannte Kurort sein? Kiran lud mein Gepäck aus und stellte es hinein. Ich sah ihm zu und fand ihn seltsam. Irgendetwas an ihm schien nicht zu stimmen. Als er sah dass ich wach war, half er mir aus dem Auto. Dann setzte er mich in der Hütte wieder ab. Er lächelte mich an und sprach: „Na, gut geschlafen süsse?“
Was war hier falsch: Süsse…! Scheisse!
„Nein das ist jetzt nicht wahr“, platze es aus mir raus.
Ich setzte mich hin. Er lächelte mich schief an. Ich wollte Tori mit meinen Gedanken erreichen und brachte es nicht fertig. Meine Gedanken waren noch blockiert. Ich war ausgeliefert. Durch die Medikamente war meine Panik nur in meinem Inneren. Nach aussen hin war ich die Ruhe selbst. Er setzte sich mir gegenüber und sah mich fragend an.
„Was hat mich verraten?“
„Süsse! Er nennt mich nie süsse. Es ist zu abwertend. Und du hast keine Zeichen am Hinterkopf.“
„Süsse war falsch. Nun mir gefiel das Wort auch nicht besonders. Aber ich dachte es sei der Zeit angepasst. Ja die Zeichen am Hinterkopf krieg ich nicht hin. Die sind eben sehr speziell und auf ihn zugeschnitten. Die kann man nicht einfach so übernehmen. Er hat sie sich ja verdient, ich nicht!“
„Was bist du? Wer bist du?“, wollte ich dringend wissen.
„Alles zu seiner Zeit.“ Er stand auf: „In welcher Gestallt soll ich dir in Zukunft Gesellschaft leisten?“
„Wie meinst du das?“
„Nun da wäre der Mann aus Fairbanks im Restaurant, oder Jacky. Doch lieber der sympathische Mann aus dem Flugzeug oder lieber die nette Service Kraft von der Hochzeits-Gesellschaft? Am aktuellsten wohl besser dein netter Arzt vom Spital.“
„Das warst alles du!!!!!!!!!!!“ Ich war geschockt!
„Mit Sicherheit.“
Ich starrte ihn mit grossen Augen an. Das war alles geplant. Er verfolgte mich schon die ganze Zeit. Schlagartig wurde mir so etwas von übel. Er musste wohl oder übel auch mit dem seltsamen Zustand von Kiran zu tun haben. Grässlich!
Er brach das Schweigen in dem er meinte: „Ich kann auch eine Gestallt deiner Freunde annehmen. Wenn dir das lieber wäre.“
„Der Mann im Flugzeug wäre denkbar“, erwiderte ich ausdruckslos.
Er liess mich so verwirrt sitzen und zog sich kurz zurück. Danach erschien er wieder als der Mann der aussah wie Marius. Einfach in dunkler Version. Da kam mir der Gedanke.
„Du - kanntest - Marius?“
Er grinste schief und sprach mit dunkler Stimme: „Du bist nicht nur hübsch, kombinierst die Zusammenhänge rasch. Das gefällt mir sehr gut.“
Ich seufzte tief: „Wie ist dein Name?“
„Wladimir, aber bitte nenn mich Wlad.“
„Wlad was willst du von mir? Weshalb bin ich hier?“
Er lachte wieder laut auf: „Alles zu seiner Zeit. Elisa
ich muss nochmals fort. Ich weiss du kannst noch nicht weit laufen. Also probier es erst gar nicht. Falls du ungehorsam bist, bekommst du Medikamente. Konntest du mir folgen?“
„Ja, aber bitte gib mir Antwort auf meine Fragen!“
„Zu seiner Zeit! Schlaf jetzt.“
Er machte eine seltsame Handbewegung und hielt seine hand vor mein Gesicht. Ich konnte meine Augen nicht offen behalten. Ich schlief sofort ein. In meinem Traum sah ich Wlad wie er sich verwandelte. Wie er uns alle täuschte. Doch wer war er wirklich? Wie viele Gesichter konnte er haben. In meinem Traum lief ein Film ab und ich sah viele verschiedene Gesichter…Und immer wieder dieselben hübschen hellbraunen Augen. Mit Schweiss auf der Stirn erwachte ich. Wlad war nicht da, ich war noch alleine! Sofort setzte ich mich hin und versuchte mich zu konzentrieren und Tori zu erreichen: -*Tori, ich versuche dir Bilder zu senden*-
Ich versuchte mich so stark wie möglich zu konzentrieren. Tori musste sehen dass es nicht Kiran war der mich abgeholt hatte. Sie musste verstehen dass alles nur Täuschung war. Als ich die Bilder fand versuchte ich es. Ich dachte an Tori wer sie war, alles was Tori war und ist: Nala…! Ich schaffte es, hoffte ich. Meine Panik rief eine unbekannte Kraft in mir auf. Es ging eine ganze Weile bis sich Tori zurück meldete: -*Scheisse Lis, wo hat er dich hingebracht? Bist du noch in der Schweiz? Wir suchen dich. Halte durch.*-
Ich kniff meine Augen und den Mund zusammen: -*Ich weiss es nicht. Denke schon dass wir noch in der Schweiz sind. Wir sind sehr abgelegen. Alleine…Ich muss Schluss machen, ich glaube er kommt zurück…*-
Es war nur so ein Gefühl aber mein Gefühl gab mir Recht. Die Türe ging auf und er kam laut rein. Erstaunt sah er mich an und hielt dabei seinen Kopf leicht in die Höhe als würde er etwas riechen. Nun hielt er seine Hand an sein Kinn und sprach, als wäre es äusserst wichtig: „Elisa du warst sehr ungehorsam. Du solltest deine Gedanken nicht hinaus senden. Ich kann es spüren. Ich bin mächtiger als du. Gewöhn dich daran oder es wird für dich sehr schmerzhaft.“
Genau in diesem Moment konnte ich Tori hören: -*Ich mache mich auf den Weg dich zu suchen. Übrigens Kiran und Joe stehen unter Drogen, zumindest so was Ähnlichem. Bleiben in Kontakt.*-
Ich kniff mein Gesicht zusammen. Schön dass sie mich suchen würden doch ob wir in Kontakt bleiben konnten wusste ich in diesem Moment nicht so genau. Denn dieser Wlad sah ziemlich wütend aus. Er zog seine Augenbraue hoch.
„So, die Dame will dich suchen kommen. Kein Problem dann werden wir schneller weg sein als eigentlich geplant. Da kam ich wohl gerade rechtzeitig zurück. Hätte nicht gedacht dass du die Medikamente so schnell verarbeitest…Kompliment.“
Ich sagte immer noch kein Wort und sah ihn mit Grossen Augen an. Er hatte Tori gehört! Er hatte das senden abgefangen. Du meine Güte, das würde sehr schwierig werden in Kontakt zu bleiben. Er ging hinaus und richtete den Tisch für das Frühstück dass er mitgebracht hatte.
„Elisa würdest du mir bitte Gesellschaft leisten?“
„Wie du es wünscht Wlad. Würdest du mir behilflich sein? Ich schaffe es noch nicht ganz alleine bis zum Tisch.“
Meine Stimme war zuckersüss und übertrieben. Ich war bereit mitzuspielen. Jetzt wollte ich so viel wie möglich über ihn heraus finden. Galant kam er auf mich zu und half mir zum Tisch hinüber. Er zündete sogar eine Kerze an. Ich fand es ein wenig extrem kitschig. Entweder war der Typ total nett und dann drohte er mir wieder. Das konnte ja noch heiter werden. Ich war immer noch neugierig: „Wlad was willst du von mir?“
„Ich kannte Marius wie du bereits Klever kombiniertest. Er erzählte viel von dir. Eigentlich ständig. Ich kannte seinen Plan dir die Gabe zurück zu geben. Fälschlicher Weise hat er einiges an Kiran weiter gegeben statt alles an dich. Daher bist du schwächer als ich angenommen habe. Ich werde alles über dich erfahren Elisa.“
„Nenn mich bitte Lis“, forderte ich ihn auf.
Das schien ihn zu amüsieren und er lächelte leicht als er antwortete: „Du bist nicht in der Lage Forderungen zu Stellen. Also nein, ich nenne dich weiterhin Elisa. Sei froh dass ich dich nicht Elisabetha nenne. Aber das wäre doch etwas zu klischeehaft. Also nimm das an was du von mir kriegen kannst.“
Hab ich das richtig verstanden, war das gerade so etwas wie eine kleine nett formulierte Drohung. Er schenkte mir ein Glas Wasser ein. Ich verstand im Grunde immer noch nichts. Ich sehnte mich nach Kiran. Hier im Jetzt war ich am falschen Ort. Ich wollte nicht hier sein. Diese Diskussionen führten doch zu nichts. Mein Herz fühlte sich plötzlich so schwer an als würde ein Stein darauf liegen.
„Morgen bringe ich dich in mein Land, in mein zu Hause. Du wirst alles unter einem Schleier war nehmen. Also versuche dich nicht zu stark zu konzentrieren. Lass dich lieber treiben. Das wird wesentlich einfacher für dich“, sprach und ass er, als wäre dass die normalste Diskussion die es gab. Sozusagen eine Diskussion unter Freunden.
„Warum?“, versuchte ich noch mal etwas aus ihm raus zu bekommen.
„Alles zu seiner Zeit“, lächelte er mich wieder freundlich an.
Ich seufzte auf und wagte noch einen Versuch: „Bitte Wladimir, sag mir wenigstens was du bist?“
„Ich bin ein Hexenmeister oder Zaubermeister. Wie du willst. Nenn mich ruhig auch Dämon. Das trifft es auch. Dazu bin ich ein Gestaltwandler oder nenn es Formwandler. Ich kann mich nicht in ein Tier verwandeln wie deine Getreuen aber in jeden Menschen den ich will. Selbst in dich wenn es sein muss.“
Ich verstand, egal in welche Richtung ich wollte, er war mir also immer einen Schritt voraus. Notfalls konnte er sogar meine Freunde täuschen wenn es erforderlich sein sollte.
Das war nicht gut, nein überhaupt nicht gut.
Also hatte ich es hier mit einem Zauberer zu tun. Etwa so was wie ich? Wie gerne hätte ich jetzt meinen Laptop zur Hand gehabt und gegoogelt. Aber nicht einmal das war mir vergönnt.
„Wieso bist du eigentlich so freundlich zu mir?“
„Elisa, ich habe von dir nichts zu befürchten. Im Gegenteil du wirst mich lieben lernen. Sagen wir, ich habe auf dich gewartet und dich ausgesucht meine Partnerin zu werden.“
Innerlich schrie ich jämmerlich auf doch äusserlich lies ich mir nichts anmerken.
„Meine Eltern werden mich vermissen und mich als vermisst melden, Wlad!“, konterte ich.
Wieder lachte er laut auf.
„Liebe Elisa, ich habe deinen Laptop und dein Handy. Sie werden laufend Bilder von uns beiden bekommen und sehen wie gut es uns geht. Ich werde sie anrufen in deiner Gestallt wenn es erforderlich wird. Dein Kiran wird Probleme damit haben wenn er aus Alaska kommt und deine Eltern ihn sehen. Er sollte bleiben wo er ist. Glaub mir, du wirst Kiran vergessen können. Und wenn das geschieht wird er nicht mehr lange existieren. Du selbst wirst ihn vernichten, meinen Liebe.“
„Niemals. Unsere Liebe ist stark. Das Band das unsere Seelen vereint wird für lange Zeit halten.“
„Wir werden sehen!“, sprach er lauter und sah mir direkt in die Augen. Es schien als wäre seine Geduld bald aufgebraucht. Ich hielt fest daran dass Tori und Tom mich finden werden bevor es morgen weiter ging. Er musste mir etwas in das Wasser gemischt haben. Meine Gedanken vernebelten sich wieder. Und ich wurde zunehmend schläfrig. Er lächelte mich wieder an: „Ich bringe dich zu Bett. Du wirst gut schlafen dafür sorge ich schon. Mach es dir doch etwas einfacher.“
Er trug mich in das kleine Schlafzimmer und legte mich mit samt den Kleidern hin. Sagte dann noch ein zwei seltsame Sprüche auf und war auf dem Weg hinaus als ich fragte: „Wo gehst du hin?“
„Keine Sorge, ich lasse dich nicht alleine hier. So weit geht mein Vertrauen bei weiten nicht. Ich schlafe nur nicht im selben Raum wie du, das gehört sich nicht. Nicht bevor wir verheiratet sind.“
Als er die Türe hinter sich schloss war ich bereits eingeschlafen. Ich versuchte mich noch an das zu erinnern was er zuletzt gesagt hatte. Aber es ging nicht ich war zu müde. Wie er mir versprochen hatte, war das eine sehr gute, ruhige Nacht. Ohne verwirrende, beängstigenden Träume.


Bei Kiran in Alaska


Was bei Kiran und den anderen in der Zwischenzeit so los war!
Alle drei waren gut in Fairbanks angekommen. Sie wurden bereits von Jo erwartet und gingen sofort in die Klinik. Sie wollten keine Zeit verstreichen lassen. Jo entnahm Kiran und Joe etwas Blut.
„Joe, konntest du von dem Blut dass ihr in der Schweiz bekommen habt etwas mitnehmen?“, fragte Jo seinen Sohn.
Joe nickte und zog aus seiner Jacke einen kleinen Beutel hervor. Dankbar nahm ihn Jo an sich und begann mit den Tests. Paula half mit wo sie konnte. Kiran war etwas neben sich, er sah immer noch schlecht aus. Ziemlich bleich für seine Verhältnisse. Er war ja eigentlich mehr der dunkelhäutige männliche Typ. Dazu kam noch die Trennung von Lis. Es ging an seine Substanz.
Kiran musste von Jo wissen: „Werden die Untersuchungen lange dauern?“
„Ja, schon etwas ca. 24 Stunden. Warum fragst du?“
„Bestände die Möglichkeit dass ich mit Joe ins Camp laufen kann? Ich brauche Bewegung. Bin kribbelig.“
Jo sah zu seinem Sohn: „Was hältst du davon? Es ist ziemlich weit…“
„Wir schaffen das. Ich denke das wäre machbar und ich könnte auch ein wenig Bewegung gebrauchen. Paula bleibst du hier?“
„Ja, zischt schon los. Doch seid bitte sehr vorsichtig“, mit diesen Worten lies sie die beiden kränklichen Männer gehen. Joe trat kurz auf Paula zu und küsste ihre Wange sanft.
Dann musste er schauen dass er Kiran noch einholte. Die beiden steiften durch die Wälder, rauften sich ab und an einmal. Sie konnten wieder einmal sich selber sein ohne Rücksicht auf andere. Joe genoss die herrliche Luft in der Wildnis, genau so wie Kiran. Endlich waren keine pochenden Herzen mehr zu hören und darüber war Joe sehr dankbar. Kein Blut das so nah an ihm rauschte. Auch kein Blut das Joe riechen konnte und abwehren musste. Keine Gefahr. So fühlte sich also Freiheit an.
Joes persönliche Art von Freiheit. Sein zuhause!
Kiran hingegen war wild. Er fühlte sich nicht frei. Er vermisste seine Partnerin, in seinem Innern begann eine seltsame Leere einzuziehen. Doch er wollte Stark sein für sie. Kiran konnte nicht widerstehen und riss einen Elch der ihm im Wege war. Er hatte sich mit Leichtigkeit verwandelt und war jetzt mehr Wolfsmensch als Mensch.
Joe nahm etwas Abstand und beobachtete das Ganze aus sicherer Entfernung. Er sass auf einem Baum. Sein Freund hatte sich verändert. Er war definitiv kein richtiger Wolf. Mehr so was wie ein Wolfsmensch mit Vampir ähnlichen Zügen. Kiran war gross, kräftig, stark und schnell. Doch Kiran schien diesmal keine Gefahr für ihn sein. Heute war Kiran allerdings wieder mal im Blut rausch. Das war Joe klar. Als Kiran seinen Durst und Hunger gestillt hatte mahnte Joe ihn zu Recht: „Mensch Wolf, das ist kein schöner Anblick den du da bietest. Alles ist voller Blut. Schau mal genau hin was du da anrichtest. Und ehrlich ich trag dir deine Kleider nicht nach, vergiss es.“
Kiran brummte auf. Das war seine Art von Motzen. Es hatte aber seine Wirkung auf Kiran und er wurde langsam wieder zum Mensch. Bevor er in seine Kleider konnte musste er sich sein restliches Fell abziehen. Er rieb sich wie ein Tier an Bäumen um das lästige, restliche Fell los zu werden. Das dauerte eine Weile. Joe fand seinen Freund sehr seltsam. Sagte aber nichts dergleichen. Er wartete geduldig ab bis Kiran so weit war und war stolz auf sich selbst dass er beim Anblick von so viel Blut ruhig blieb. Die Verantwortung liess ihn wachsen und stand ihm gut. Dann machten sie sich auf den direkten Weg ins Camp. Die Freude der anderen war gross. Vor allem machten Kiran und Joe grosse Augen als sie Sandi und Julia zu sehen bekamen. Ihre Schwangerschaft ging rasch voran. Wahrscheinlich rascher als bei normalen Menschen. Mona und Ben machten einwenig besorgte Gesichter als sie Joe und Kiran begutachteten. Die beiden sahen nicht wirklich gut aus. Joe ging gerade noch so durch. Doch Kiran sah krank aus. Obwohl er nicht krank schien. Sie boten den zwei Reisenden ein Glas „Tomatensaft“ an. Kiran stürzte sich förmlich darauf und staunte: „Joe, du hattest Recht. Dieses schmeckt tatsächlich anders. Viel, viel besser…“
„Sag ich doch. Das Tier in dir frisst einfach alles.“
Kiran warf Joe einen verächtlichen Blick zu. Und Joe ermahnte Kiran kein Blut mehr zu trinken. Denn eigentlich hatte er bereits zu viel Blut konsumiert. Kiran gab klein bei. Konnte er ja auch da er gesättigt war. Etwas später kamen Cam und Steven dazu und sie berichteten sich gegenseitig von ihren Erlebnissen. Ob Werwolf oder Vampir das spielte hier keine Rolle sie waren eng mit einander verbunden. Etwas später rief Jo an um Meldung zu erstatten dass sie erst Morgen nach Hause kommen können. Sie wollten unbedingt auf die Ergebnisse abwarten. Morgen würde Kirans Vater gleich mit ihnen mitkommen. Patrick hatte noch Abklärungen zu machen in Fairbanks, deswegen war er momentan nicht im Camp anzutreffen. Alle waren sehr gespannt auf die Ergebnisse der Bluttests. Auf einen Tag mehr oder weniger kam es da auch nicht an.
Kiran beschäftigte sehr viel, er musste hinaus und streifte durch das Camp. Er machte einen grossen Bogen um die Haskies und die Pferde. Er hatte Angst dass er sie reissen würde. Spät in der Nacht war Kiran endlich müde und erschöpft. Er ging in die kleine Blockhütte. Er konnte Lis riechen, sie schien hier so präsent. Er seufzte auf. Sein Herz wurde schwer. Niemals würde er es sich verzeihen dass er ihr solche Schmerzen zugefügt hatte. Er verzieh es sich nicht und fragte sich dauernd wie es so weit kommen konnte. Sicherlich gab es eine plausible Erklärung dazu. Doch in seinen Augen entschuldigte es nicht seine Tat. Erklärung hin oder her. Im Prinzip war er ihrer nicht würdig. So fühlte es sich für ihn auf jeden Fall an. Plötzlich huschte ein Lächeln über seine Lippen, als er die Fotos fand die Lis zurückgelassen hatte. Auf einem Foto waren nur sie beide abgebildet, er strich mit seiner Hand darüber. Die Erinnerungen an ihre gemeinsame Zeit schmerzten. Dann fand er einen Zettel. Er faltete ihn sorgfältig auf und staunte.
Lis hatte tatsächlich ihre Prioritäten Liste hier vergessen!
Diese Liste war ihr doch so wichtig. Lis war hier so präsent. Es fühlte sich so an als stände sie gleich direkt vor ihm. Er konnte quasi sehen wie sie ihre wichtige Liste schrieb. Seine Augen wurden wässerig. Sein Herz wurde schwer. Er begann die Liste zu lesen. Immer und immer wieder. Ihm wurde bewusst wie wichtig für Lis die Schwangerschaft von Sandi und Julia war. Das stand zu Oberst auf der Liste und war unterstrichen. Er sah auch die Zeilen die er geschrieben hatte. Lis hat seine Zeilen mit einem kleinen Herz ergänzt. Kiran schmunzelte.
Er musste hier weg! Er musste rasch gesund werden!
Doch heute war kein Tag mehr um Entscheidungen zu treffen. Es musste geduldig auf Morgen warten. Endlich legte er sich, noch angekleidet hin, und war gleich eingeschlafen. Er schlief, für seine Verhältnisse, sehr tief. Am nächsten Morgen stand er auf und beschloss zuerst eine Dusche zu nehmen bevor er sich wieder unter die anderen wagte. Er stank ja fürchterlich!
Kiran spürte bereits wieder sein Verlangen nach Blut. Was war bloss mit ihm los. Er hatte sich doch noch nie von Blut ernährt. Eigentlich konnte er ohne Blut leben, er war ja kein Vampir. Was sollte das Ganze also. Ja, eigentlich war er auch mehr Mensch als Tier. Das Tier in ihm gefiel ihm nicht sonderlich. Er war in diesem Zustand mehr eine Kreatur die weder das einte noch das andere richtig war. Klar genoss er die Vorzüge die es mit sich brachte ein Tier zu sein. Er war schnell und stark und hatte ausgeprägte Sinne. Aber ein Mensch zu sein war für ihn das einzig richtige. Er erhoffte sich heute endlich Klarheit über sein Dilemma.
Frisch geduscht wollte er sich auf den Weg in den Aufenthaltsraum machen. Als er endlich so weit war und gerade aus der Türe trat stand sein Vater Patrick vor ihm. Fast wären sie zusammengeprallt. Sie nickten einander freundlich zu. Patrick legte seine Hand auf Kirans Schulter ab: „Junge wie geht es dir.“
Kiran verdrehte seine Augen: „Stellt mir doch nicht so doofe Fragen. Wie sehe ich denn aus?“
„Wirklich schlecht“, rümpfte Patrick seine Nase, „Hattest schon bessere Zeiten. Ich bin gerade mit Paula und Jo gekommen. Sie haben die Ergebnisse. Komm…“
Für Kiran war dass zur Abwechslung mal eine gute Nachricht. Der Rest der Familie war bereits am Frühstückstisch. Kiran wollte nur Blut, er hatte keine Lust auf Frühstück. In seinem Inneren konnte er spüren dass es nicht richtig war dieser Lust nachzugeben.
Kiran sah fragend zu Joe, da er dachte Joe wisse vielleicht schon mehr was die Testergebnisse sagten. Doch Joe zuckte lediglich mit den Schultern um ihm zu vergewissern er wisse auch noch nichts. Kiran wurde sehr unruhig und sprach etwas ruppig:
„Würdet ihr endlich das Geheimnis um meinen Blutrausch lüften!“
Schlagartig wurde es am Tisch still. Niemand sprach mehr und
Jo stand auf. „Nun gut, es ist nicht ganz einfach da ich kein Spezialist auf diesem Gebiet bin. Was ich euch mit Sicherheit mitteilen kann ist folgendes: Im Blut aus der Schweiz habe ich eine Art Droge gefunden. Diese macht stark abhängig.“
„Also bin ich jetzt ein Drogensüchtiger.“ Begriff Kiran.
„Ganz so einfach ist es nicht. Auf Jo trifft das in etwa zu. Er ist sozusagen Drogenabhängig und wird einen leichten Entzug spüren. Doch auch sein Blut ist reiner geworden. Mit reiner meine ich weniger menschlich. Aber da er bereits zu einem Teil Vampir ist, hatte das manipulierte Blut nicht so massiven Einfluss auf ihn wie auf dich. Ich denke bei Jo wird es sich relativ rasch wieder einpendeln.“
Kiran versuchte zu verstehen: „Ich verstehe noch nicht. Wie meinst du das mit weniger menschlich…“
„Im Blut hat es einen Stoff oder Zellen, wie auch immer du es nennen willst, von einem reinen Vampir. Zum Beispiel wie Mona oder Ben. Das bedeutet du wurdest mit einem Vampir Drogen Stoff infiziert. Das wiederum bei dir diesen extremen Blutrausch auslöst. Daher kommt der Drang nach Blut.“
„Bin ich denn jetzt ein Vampir?“
Auch die anderen sahen erstaunt aus. Niemand wusste so genau was Jo damit aussagen wollte. Jo seufzte: „Nein, bei weitem noch nicht. Zum Glück hast du dieses Genmanipulierte Blut nicht mehr in Reichweite. Ich weiss nicht genau was es aus dir, schlussendlich, gemacht hätte. Oder gemacht hat. Kiran irgendjemand wollte aus dir mehr machen als „nur“ einen Werwolf. Derjenige der euch das Blut gegeben hat wusste genau wer ihr seid. Du wirst einen starken Entzug spüren, halte dich von Blut fern so gut es geht. Du musst zu deinen alten Gewohnheiten finden.“
„Leichter gesagt als getan“, rümpfte Kiran seine Nase und fuhr sich mit einer Hand durchs Haar und sprach weiter: „Da hat uns also seit geraumer Zeit jemand im Auge gehabt. Irgendwie beunruhigend.“
„Und uns ist nichts auffälliges aufgefallen. Das gibt einem schon zu denken. Wir müssen auf jede kleine Veränderung Acht geben.“ Sprach Joe und die anderen nickten ihm zu. Sie hatten ja keine Ahnung wer noch von Vampiren wusste. Geschweige denn wer noch an Vampirblut kommen konnte!
Als nächster erhob Ben das Wort: „Joe und Kiran, ich würde vorschlagen ihr begebt euch zu Suck. Ich denke dort werdet ihr etwas zur Ruhe kommen. Nachdem was ich von Mona, Sandi und Julia darüber gehört habe ist es für alle beteiligten das Sicherste.“
Kiran hatte sich gerade hingesetzt und stand jetzt enttäuscht auf: „Verdammt, ich tu euch doch nichts!“
Dabei warf er seine Arme in die Höhe. Joe hob seine Brauen und sah Kiran direkt in die Augen als er zu ihm zu erklären versuchte: „Ich bin dein Freund, und als dein Freund sage ich dir: Dass weisst du doch nicht! Hättest du jemals gedacht, dass die Möglichkeit besteht dass du auf Lis los gehst? Nein, denke nicht. Unser Entzug beginnt erst jetzt und wir wissen beide noch nicht wie er sich auswirken wird. Also mach es uns nicht schwieriger als es sonst schon ist. Hab vertrauen, Freund. Es ist nichts gegen dich persönlich.“
Diese Worte trafen Kirans wunden Punkt und er erinnerte sich wieder an Lis Prio-Liste. Er wurde Ruhig und sah in die Runde. Lauter besorgte Gesichter und alle wollten ihnen etwas Gutes. Julia und Sandra, ihre Schwangerschaft. Für Lis stand die Sicherheit der schwangeren an erster Stelle. Ja, er war wirklich am Rumpf. Am liebsten wäre er davon gelaufen und hätte sich verkrochen. Das würde nicht lange gut gehen und er würde beginnen zu töten. Ob er aus diesem Schlamassel wohl wieder heraus kommen würde. Nein, er wollte kein Monster sein. Das hatte er sich geschworen. Also sprach er langsam und mit ruhiger Stimme in die Runde: „Ihr habt alle Recht. Ich steh extrem neben der Spur. Das mit Lis ist schon unvorstellbar und doch ist es geschehen. Falls ihr euch fragt ob ich mir Vorwürfe mache. Muss ich es euch ganz klar mit Ja beantworten. Doch bitte versucht mich nicht zu beschwichtigen, da muss ich alleine durch. Natürlich werde ich mit Joe zu Suck gehen. Werde versuchen mit weniger Blut auszukommen. Das ist Versprochen. Ich muss zu ihr zurück.“
Er gab sich definitiv geschlagen. Kiran ging auf das nächste Fenster zu. Nun stand er da und schaute Gedanken versunken hinaus. Wie gerne hätte er diesen Raum in Stücke geschlagen. Er ballte seine Hände zu Fäusten. Es brauchte unheimlich viel Überwindung sich so ruhig zu verhalten. Das wussten die anderen nicht und er hatte nicht vor es ihnen mitzuteilen. Sein Vater trat langsam auf ihn zu.
„Ich bin stolz auf dich dass du diesen Weg einschlägst. Du hast ein gutes Herz“, versicherte Patrick.
Kiran seufzte kurz auf. Dann wendete sich Patrick den anderen zu und sprach mit ruhiger Stimme: „Wir hier im Camp werden Trainieren. Falls da jemand auf uns zukommt der zum äussersten bereit ist müssen wir vielleicht kämpfen. Ben und ich werden euch trainieren. Es bleibt an sich alles beim Alten.“
Jetzt nickten alle. Kiran konnte nicht mehr, er musste sich zurückziehen. Die bedrückende Stimmung nahm ihn sehr mit. Er sog alles wie ein Schwamm in sich auf. Kiran sah nochmals in die besorgten Gesichter und verabschiedete sich kurz bevor er hinaus ging. Doch er blieb nicht lange alleine.
Joe ging ihm nach und stellte ihn zur Rede: „Ist es schlimm?“
„Mein Blutrausch oder die Leere die Lis hinterlässt?“
„Weder noch. Ich meine nicht so sein zu können wie man möchte. Du siehst aus als könntest du alles zerschlagen was dir in den Weg kommt.“
Jetzt seufzte Kiran laut auf: „Du kennst mich gut. Ja es ist verdammt schwer. Dann noch die Leere die Lis hinterlässt. Es fühlt sich an als wäre sie aus meinem Leben getreten. Dann noch die Schuld was ich ihr angetan habe… Kein gutes Gefühl. Joe, ich habe Lis nicht verdient.“
„Das ist bescheuert.“
„Nein, ist es nicht. Ich bin es nicht Wert…“
„Ihr Partner zu sein“, sprach Joe den Satz zu Ende und ergänzte: „Ja klar. Suhle dich im Selbstzweifel. Aber denke stets daran. Sie ist die Legende und aus einem wirklich unerklärlichen Grund bist du ihr als Partner zugeteilt worden.“
„Du bist schwer in Ordnung.“ Sah Kiran lächelnd seinen Freund an.
Joe klopfte Kiran auf die Schulter und meinte beiläufig, das sich wie ein Kompliment anhörte: „Du bist stärker als du dir eingestehen willst. Jeder andere hier im Camp, mich eingeschlossen, käme da nicht so gut durch wie du.“
„Danke.“
Damit war vorerst alles gesagt. Kiran und Joe verloren nicht viel Zeit und machten sich rasch möglichst auf den Weg zu Suck. Natürlich wurden sie von Suck und den Elfen freundlich Empfangen. Erstaunlicher Weise fühlten sie sich sofort ruhiger. Dieser Ort hatte wahrlich etwas Magisches. Suck hatte sehr viel Verständnis für die Situation der beiden. Joe gefiel es hier sehr gut. Er fand den Ort genau so wie es die anderen ihm beschrieben hatten.
Suck nahm Kiran bei Seite: „Hm, spürte da ist was in der Luft. Zum Glück nichts passiert.“
„Ja natürlich. Suck, streue noch mehr Salz in meine Wunde“, knirschte Kiran.
„Du übst dich in Geduld. Das gut so. Gib dir Zeit.“
„Na wenigstens jemand der zuversichtlich ist“, schoss es so aus Kiran. Sie standen noch etwas draussen und genossen die Ruhe und die Harmonie an diesem Ort als Kiran plötzlich auf die Knie zusammenbrach. Er hielt seinen Kopf mit beiden Händen fest. Danach warf er seinen Kopf in den Nacken und ein tiefes dunkles Grollen kam aus seiner Kehle. Kiran begann am ganzen Leib zu zittern. Joe eilte sofort zu ihm hinüber.
„Meine Güte Kiran, was ist passiert!“, schrie Joe beunruhigt.
„ER hat Lis!“, rief Kiran laut, „Lis fand einen Weg ihre Bilder an Tori zu senden. Unglaublich, aber irgendwie hat sie es geschafft dass die Bilder auch zu mir gelangten. Sie hat die Bilder mir und Tori gleichzeitig gezeigt! Es ist der Mann aus dem Flugzeug! Der Typ war uns schon hier in Alaska auf den Fersen und wir haben nichts bemerkt.“
Kiran schüttelte den Kopf als wollte er die schreckliche Nachricht einfach weg schütteln. Er ging auf Abstand und krümmte sich vor Zorn. Dann verwandelte sich Kiran mit den Worten: „Ich habe versagt“, in den Wolfsmensch und jagte durch die Wälder. Niemand hätte ihn jetzt stoppen können. Er wollte kein Tier reissen er musste einfach rennen und Wut ablassen. Er rannte lange und weit. Man hörte sein Heulen über weite Distanzen. Als seine Beine langsam unter ihm nachzugeben drohten kehrte er zu Joe zurück und wurde wieder zu Kiran. Jetzt erzählte er Joe und Suck ausführlich von den Bildern die er empfangen hatte. Erzählte ihnen dass dieser Mann sich jetzt als Kiran ausgab und angeblich mit Lis zur Kur fährt. So habe er es zumindest verstanden. Erzählte ihnen davon dass Lis nicht weiss wo sie jetzt genau ist. Kiran war irgendwie leer. Suck war ebenfalls nicht begeistert von dem was er da gerade mit an hörte.
Joe sah zu Kiran und sprach mitfühlend: „Kiran, versuch Tori zu erreichen und schick sie los. Vielleicht haben wir so eine Chance Lis aufzuspüren. Tori ist die einzige die diese Gabe hat sie zu finden. Mein Gedanken Übertragung reicht nicht bis zu Tori. Deine eventuell schon. “
Kiran nickte ihm zu. Er sass hin und begann sich zu konzentrieren. Es dauerte einen Moment doch es klappte schlussendlich doch noch:-*Tori, ich bin es Kiran. Ich konnte die unglaublichen Bilder von Lis auch empfangen. Ich bin voller Wut. Kannst du als Bär los ziehen um sie zu suchen. Bitte, wir haben nur diese eine Chance durch dich.*-
Kiran hatte keine Ahnung ob er Tori auf die Entfernung erreichen konnte doch ein Versuch war es durchaus Wert. Sein Kopf schmerzte einwenig doch er bekam kurze Zeit später seine Antwort: -*Kiran, es tut mir so unglaublich leid. An so etwas hat wohl niemand gedacht. Wir haben ihn unterschätzt. Du hast Recht. Ich mache mich auf den Weg. Melde mich bei Gelegenheit*-
Kiran: -*Danke*-, mehr konnte Kiran im Moment nicht ausrichten oder verlangen.
Suck trat nah auf Kiran zu: „Du musst so rasch wie möglich genesen. Du musst glauben. Glaub an euch.“
Die leere in Kiran begann sich noch mehr auszubreiten und er hätte Suck am liebsten in Stücke gerissen. Bei diesem Gedanken begann er allerdings zu grinsen. Was für eine dumme Idee! Er verwarf die Gefühle und wollte von Suck wissen: „An was soll ich denn bitte glauben?“
„An euer Band. Band der Seelen. Du wirst sie finden. Musst nach Gefühl gehen. Musst lernen sie zu sehen wenn sie es zulässt“, nach diesen Worten verschwand Suck und lies Kiran wieder mal mit einem fragenden Blick zurück. Kiran sah zu Joe der alles mitgehört hatte. Joe zog die Augenbraue hoch und zuckte mit der Schulter: „Schau mich nicht so an, ich hab keine Ahnung wovon der Zwerg da spricht. Möchtest du kämpfen?“
Kiran lachte auf und war dankbar über Joe’s Angebot. Doch er schüttelte seinen Kopf, er hatte so viele Fragen.
„Joe, ich sehne mich nach Blut. Ist das so als Vampir?“
„Ich bin ja nur ein halber. Ich brauche nur in gewissen Abständen Blut.“
„Sonst was?“
„Sonst flippe ich vielleicht aus. Keine Ahnung – hatte ich noch nie. Ich lebe im absoluten Luxus. Mein Vater liefert uns den Kaviar frei Haus.“
Joes grinsen ging über sein ganzes Gesicht. Doch Kiran wollte mehr Antworten: „Wie fühlt es sich an?“
„Meine Kehle wird trocken und mir wird schlecht. Ich rieche dann das Blut meilenweit. Ich würde für Blut dann sogar töten.“
„Hm…ja so in etwa trifft es auf mich zu. Alles in meinem Kopf dreht sich dann nur noch um Blut. Nicht so als hätte ich Hunger – mehr als wäre ich kurz vor dem verdursten. Blut erscheint so notwendig.“
„Uh..., klingt hässlich. Denkst du es wird ohne gehen?“
„Es muss ohne gehen. Mit der Zeit.“
„Kiran, auch wenn es dich noch so schmerzt. Du kannst nicht einfach als Wolfsmensch los um Tiere zu reissen. Du musst hier bleiben und dich mit diesem Entzug auseinander setzen.“
Kiran lächelte und war froh darüber sprechen zu können: „Ich habe eben kein Tier gerissen. Es war nur die Wut und die Enttäuschung Lis an diesen Typen verloren zu haben. Ich habe kein Blut zu mir genommen.“
„Das ist ein guter Anfang“, nickte Joe seinem Freund zu und erklärte: „Ich bin auch etwas schockiert dass wir nie in Alarmbereitschaft geraten sind. Der ist einfach so an uns vorbei spaziert. Und wie der das mit dem Blut geregelt hat ist auch irgendwie gruselig.“
„Da geht es dir wie mir. Und nun sind uns die Hände gebunden. Ich schwöre dir ich zerreiss den Kerl in Stücke wenn ich ihn zu fassen kriege.“
„Da mach ich glatt mit“, sprach Joe und beide lächelten einander an. Sie wussten genau dass sie diesen Typen früher oder später zu fassen kriegen. Und dann werden sie ihn vernichten.


Was geschah bei Tori?


Tori fühlte sich schlecht. Nach der Nachricht von Lis begann sie an sich zu zweifeln.
„Tori, jetzt beruhig dich erst einmal und warte ab bis ich mit Esther gesprochen habe. Vielleicht weiss sie ja mehr als wir“, versuchte Tom seine Partnerin zu beruhigen. Doch Tori fauchte Tom nur an. Also nahm er sein Telefon und wählte die Nummer von Lis Mutter: „Hallo Esther, wie geht es Lis? Hast du was von Lis und Kiran gehört?“
„Ach Tom, ich bin so froh dass Kiran zurückgekommen ist um mit ihr zur Kur zu fahren. Sie sind heute früh los.“
Mein Gott wenn sie nur etwas davon ahnen würde…! Schoss es Tom durch den Kopf. Er antwortete lediglich: „Ja, so etwas habe ich auch mitbekommen. Leider habe ich Lis und Kiran nicht mehr gesehen. Kannst du mir sagen wohin sie sind?“
„Oh, Tom das ist eine gute Frage. Ich habe ganz vergessen sie danach zu fragen. Es ging ja alles so schnell. Sie haben mir versprochen bald eine Karte zu senden.“
„Oh, ja dann…“
„Tom warte…, du kannst sie jederzeit erreichen. Sie hat ihr Handy und ihren Laptop dabei. Ruf sie doch einfach mal an. Lis wird sich sicherlich darüber freuen.“
„Sie hat ihr Handy dabei?“, er kniff die Augen zusammen. Danach verabschiedete er sich höflich bei Esther und sah zu Tori.
„Sie hat ihr Handy dabei? Das ist eine seltsame Geschichte. Da stimmt doch was nicht“, sagte Tom wie zu sich selbst. „Auf was wartest du noch ruf sie an!“, brüllte Tori ihn angespannt an.
Tom wählte die Nummer von Lis. Eine Stimme die sich wie Lis anhörte nahm ab: „Hallo Tom, schön von dir zu hören.“
Instinktiv wusste Tom dass es nicht Lis sein konnte.
„Ach ja? Wo ist Lis? Was hast du mit ihr gemacht?“
Jetzt hörte er eine dunkle Männerstimme lachen. Diese Stimme gab ihm weiterhin Antwort: „Tom, was du versuchst ist nicht sehr geschickt. Ich glaube nicht dass ihr den Eltern von Elisabeth berichten wollt was hier wirklich vor sich geht. Sie würden es nicht begreifen. Lasst Kiran aus dem Spiel, er sollte sich besser nicht mehr zeigen. Für die Eltern von Elisabeth ist alles in Ordnung. Es scheint nur für euch ein Problem dar zu stellen.“
„Sitzt bei dir dein Hirn noch an der richtigen Stelle!“, schrie Tori diese seltsame Stimme am Telefon an, da sie mittlerweile den Hörer in der Hand hielt. Wieder lachte die dunkle Stimme laut auf.
„Ach, da ist ja die zierliche dunkelhaarige. Du hast deine Chance nun wirklich um Haaresbreite verpasst. Gib auf, lasst Lis gehen. Lebt wohl. War nett dich kennen gelernt zu haben.“
„Niemals!“, schrie Tori nochmals in den Hörer bevor die
Leitung unterbrochen wurde. Tori fluchte laut stark. Sie verstummte sofort als sie die Botschaft von Kiran erhielt.
Danach dachte sie über Kirans Wunsch Lis zu suchen nach. Tom sah sie fragend an und sie erzählte ihm von Kirans Botschaft.
Tom nickte verständnisvoll, fragte aber: „Ähm…, Tori, wie willst du das anstellen? Wir wissen nicht wo sie hin sind.“
„Ich weiss genau wie dieser Mistkerl riecht. Den Geruch von Lis habe sowieso in der Nase. Am besten gehen wir zum Krankenhaus damit ich seinen Geruch aufnehmen kann. Mit etwas Glück werde ich auch den Geruch des Wagens aufnehmen.“
Gesagt getan. Es war keine Zeit zu verlieren. Sie begannen mit dem Krankenzimmer. Indem bereits wieder jemand anderes lag. Sie entschuldigten sich höflich und gingen wieder raus. Tori schloss die Augen und ging nach ihrer Nase. Auf dem Parkplatz blieb sie stehen und meinte sie wüsste etwa in welche Richtung sie seien. Tom staunte nicht schlecht was für Fähigkeiten seine Partnerin da so an den Tag legte. Irgendwie war er stolz auf sie.
„Was kommt jetzt? Kleine Schnüffelnase“, fragte Tom etwas staunend und lächelte sie liebevoll an.
„Bring mich in den Wald, ich verwandle mich. Als Bär ist es einfacher. Meine Sinne sind ausgeprägter und ich bin wesentlich schneller.“
„Ich hab es dir noch nicht sehr oft gesagt, aber ich liebe dich. Bitte pass auf dich auf. Da draussen suchen sie immer noch nach dem Tier dass die Kühe gerissen haben. Nicht dass sie noch auf dich treffen…“
„Werde jetzt nicht zu sentimental, ich bin mir dass nicht gewöhnt“, lächelte Tori ihren Tom an und strich ihm dabei über sein Gesicht. Er küsste sie sanft doch bestimmend. Es wurde dunkel als sie los fuhren. Als Tori das Gefühl hatte die geeignete Stelle gefunden zu haben hielt er an.
„Du kannst mich mit deinen Gedanken erreichen. Also bitte sag Bescheid wohin ich dir folgen soll. Ja?“, erklärte Tom mit Nachdruck. Sie verstand es und wusste es zu schätzen. Danach zog sie sich aus und Tom sah ihr belustigt zu.
Er lächelte als er sprach: „Haben wir noch etwas Zeit?“
Sie lachte kurz laut auf und sagte noch kurz bevor sie sich verwandelte: „Wenn ich zurück bin bleibt uns so viel Zeit wie wir wollen. Doch jetzt darf ich wirklich keine Zeit mehr verlieren.“
Tom hörte wieder einmal Knochen knacken und sah zu wie die Haare aus ihrem Körper schossen. Ihr Körper krümmte sich und ihre Zähne sahen jetzt sehr bedrohlich aus. Danach stand sie als hübscher, perfekter Schwarzbär vor ihm. Er wollte sie in dieser Gestalt nicht als Feindin.
Tom sah ihr staunend nach und hatte das Gefühl diese Situation sei nicht real. Er zwickte sich: „Nein ich träume wirklich nicht. Es ist real.“ Sagte er zu sich selbst. Im Moment wusste er gar nicht was er tun sollte. Zurückfahren? In dieser Richtung weiterfahren? Er beschloss hier im Auto eine Weile zu warten. Nach einiger Zeit schlief er dann sitzend im Auto ein. Bis er von Tori die erste Nachricht erhielt…
Tori rannte so rasch sie konnte. Sie hatte die Spur aufgenommen. Gönnte sich so gut wie keine Pause. Zwischen-durch war sich nicht ganz sicher in welche Richtung es ging. Glücklicherweise war der Geruch von Lis sehr präsent. Die Verbundenheit mit ihr schien zu helfen. Als würde sie einer durchsichtigen Spur folgen die für sie gelegt wurde. Sie rannte als würde sie gelenkt werden. In der Nacht kam sie wirklich rasch und gut voran. Da war sie alleine und musste nicht ganz so auf der Hut sein. Zum Glück hatte sie einen gut ausgeprägten Geruchsinn. So ging sie dem einten oder andere Problem aus dem Weg. Wenn sie eine Ortschaftstafel las gab sie diese an Tom weiter damit er wusste wohin er fahren musste. Sie war müde aber gab nicht auf. Sie rannte als wäre der Teufel hinter ihr her.
Tom wurde natürlich wach durch Toris Gedanken Stösse. Er war etwas unterkühlt und stellte die Heizung an als er los fuhr. In die Richtung die Tori ihm wies. Im Gegensatz zu Tori war er ausgeruhter. Er empfand es störend sie mit seinen Gedanken nicht zu erreichen. Er hätte ihr gerne so vieles Gesagt. Er hatte Angst dass ihr etwas zustossen könnte. Sie war doch jetzt sein Leben. Er liebte dieses verrückte Weib. Durch ihre Art brachte sie ihn schon ab und zu an seine Grenzen. Doch er liebte sie wie sie war. Eine ehrlichere Person hatte er noch nie angetroffen. Bei ihr wusste er genau woran er war. Tori hatte es nicht nötig zu lügen. Sie war sein. Er fuhr so rasch er konnte.
Am nächsten Morgen machte Tori Rast. Sie trank an einem kleinen Bach etwas und versuchte, in sich hinein zu hören. Sie spürte dass Lis nervös wahr, sie musste sich beeilen. Angst machte sich in Tori bereit, Angst zu spät zu kommen. Angst zu versagen.
Und sie lief: In die falsche Richtung!
Es dauerte eine Weile bis sie es bemerkte. Brüllend lief sie zurück und kam doch noch auf den Rechten Weg. Sie hatte sich ablenken lassen. Der falsche Kiran hatte ihr eine Falle gestellt. Anscheinend dachte er sich schon so etwas und war vorbereitet. -*Das ist nicht gut, gar nicht gut. Er ist uns einen Schritt voraus…Er ist sehr Klever * -, dachte sie mehr zu sich selber. Endlich fand sie die Hütte im Wald. Sehr abgelegen, dass kam ihr als Bär sehr entgegen. Der Bär brüllte laut auf, denn sie spürte dass Lis nicht mehr da wahr. Der Fremde war mit Lis weitergezogen. Sie war zu spät! Tori musste zuerst damit zu recht kommen dass sie versagt hatte. Sie brauchte einen Moment bevor sie Tom berichtete wo sie steckte. Wie sollte sie Kiran von ihrer Niederlage berichten.
Würde Kiran es verstehen? Hat sie ihn endtäuscht?
Sie sendete Tom wo er am besten durch fahren konnte. Sofern er es überhaupt fand. Tom brauchte wirklich eine Weile bis er den richtigen Pfad zum Haus fand. Er stieg aus und suchte nach Tori. Er fand sie etwas abseits, in Menschengestalt, weinend vor. Nackt in menschlicher Gestallt. Er kniff sein Gesicht zusammen und legte ihre Kleider neben sie hin. Tom seufzte auf. Kniete sich zu ihr hin und nahm sie einfach und wortlos in den Arm. Tom spendete ihr Trost. Tori konnte seine aufrichtige Liebe spüren. Sie fühlte seine wärme. Als sie ihn ansah schaute sie etwas verblüfft und fragte: „Mo?“
In diesem Moment gab es in seinem Magen einen Krampf und er hielt kurz die Luft an. Dann hielt er seine Stirn an ihre.
„Sieh mal einer an…, Nala.“
Endlich konnte sie wieder lachen und meinte trocken: „Ich habe zwar Lis verloren, doch dafür deinen Seele gefunden.“
„Was machen wir jetzt?“, wollte Tom wissen.
„Es hat keinen Sinn, er weiss dass ich ihn suche. Er stellt Fallen. Alleine kann ich nichts ausrichten. Am besten warten wir auf Kiran oder bis Lis wieder einen Hinweis geben kann“, sie stöhnte auf, „Tom es tut mir leid. Ich bin so müde. Ich habe versagt.“
„Nein, du hast dein bestes gegeben. Im Gegensatz zu ihm waren wir nicht vorbereitet. Das ist nicht ganz Fair. Wir fahren zurück und du schläfst dich aus. Dann warten wir einmal ab, wie du gesagt hast.“
Mehr konnten sie in diesem Zeitpunkt nicht machen. Tori war dankbar für ihre Kleider und streifte sie sich über. Danach gingen sie gemeinsam in die Hütte. Alles war sehr sauber. An diesem Ort roch es stark nach Lis und diesem Kerl bemerkte Tori. Wer auch immer er sein sollte, diesen Geruch würde sie nie mehr vergessen. Auf dem Tisch lag ein Blatt. Tom war etwas entsetzt: „Meine Güte, er hat ihren Verlobungsring hier zurückgelassen. Was für ein irrer, kranker Mensch.“
Tori nahm den Zettel in die Hand und begann laut zu lesen: Wenn du diese Zeilen liest war mein Täuschungsmanöver sehr erfolgreich. Das war, mir, allerdings schon klar. Ich habe dir den Ring von Elisabeth hingelegt als ein Zeichen. Ihre Verbindung zu euch ist hiermit gelöst. Macht euch keine Mühe mehr, ihr würdet darunter leiden. Berichtet Kiran ruhig davon. Elisabeth gehört mir, mir alleine.
Tori sah zu Tom, beide waren sprachlos. Gab es wirklich keine Möglichkeit mehr an Lis heran zu kommen? Sie war an einem anderen Ort und diesen würden sie finden. Egal wie lange es dauern würde. Niemals würden sie die Hoffnung aufgeben solange Hoffnung bestand. Sie nahmen den Ring an sich. Und Tori schwor sich ihn Lis oder Kiran persönlich zu überreichen. Beide hofften es würde Kiran nicht das Herz brechen wenn er davon zu hören bekäme. Sie musste Kiran anrufen…


Elisabeths Dilemma…


Wlad packte schon früh am Morgen. Ich konnte ihn hören. Ich sah mich mal im Raum um ob ich irgendetwas als Waffe gebrauchen könnte. Aber nein, das Zimmer war praktisch leer. Ich wollte testen ob ich aufstehen konnte und sank schmerzerfüllt in das Bett zurück. Er musste mich gehört haben und klopfte an. Danach trat er in das Zimmer
„Guten Morgen Elisa. Wie geht es dir.“
Ich war genervt: „Lass dass mit Elisa, das ist nicht mein Name! Nenn mich Lis!“ Schrie ich ihn an.
„Füge dich doch einfach ein.“
„Nein“, schrie ich zurück und schmollte.
Er sah mich mit seinen hübschen hellen braunen Augen an und lächelte. Er ging hinaus. Wlad war ein unmöglicher Mann. Stets höflich und so nett wie möglich. Eigentlich gab er mir keinen Grund Angst vor ihm zu haben. Ich war lediglich mit meiner Selbständigkeit eingeschränkt. Er kam mit zwei Krücken wieder herein.
„Elisa die sind für dich, damit sollte es besser gehen.“
Er stellte die Krücke neben mein Bett ab und ging wieder lächelnd aus dem Zimmer. Verwirrt sah ich ihn an und schüttelte meinen Kopf. Was sollte denn der ganze Schwachsinn. Er war so höflich. Eigentlich ganz nett. Zu nett. So wie es im Moment aussah wollte er mir nichts Böses. Mir blieb also nichts anderes übrig, ich schnappte die Stöcke und humpelte zu ihm hin. Auf einem kleinen Tisch hatte er bereits ein Frühstück für mich hingestellt. Wie aufmerksam.
„Ich dachte du möchtest vielleicht etwas essen bevor wir gehen“, erklärte er höflich und lächelnd.
„Ja danke, wohin gehen wir denn?“
Wlad lachte laut auf. „Netter Versuch.“
Anscheinend amüsierte ich ihn. Er kam ganz nah an mich ran, ich konnte seinen Atem riechen. Sah in seine hübschen Augen und er erwiderte indem er durch mein Haar streifte: „Wir gehen weit weg, ich bringe dich nach Hause. Es ist ein langer Weg. Nimm bitte die Tabletten die neben deinem Teller liegen. Damit wird die Reise für dich erträglicher.“
Meine Augen zuckten zusammen.
„Schon wieder irgendwelche Medikamente? Hatte die Kiran auch?“
Nun wandte er sich von mir ab und zog einen Stuhl für mich hin damit ich mich hinsetzten konnte. Eigentlich eine nette Geste.
Danach sprach er sehr langsam und bedacht: „Nein, Kiran bekam manipuliertes Blut.“
„Das verstehe ich nicht.“
„Musst du auch nicht.“
Ich sass ab und er rutschte mich näher an den Tisch heran. Da sah ich die Tabletten und überlegte mir wie ich sie am besten verschwinden lassen konnte. Da der Tisch nur für eine Person gedeckt war ging ich davon aus dass er schon gegessen hatte. Das kam mir recht und als er unser Gepäck nach draussen brachte nahm ich die Tabletten und steckte sie in meine Hosentasche. Schlussendlich verschlang ich das Ganze Frühstück und trank zwei Tassen Kaffee mit dem Glas Wasser das dabei stand. Danach humpelte ich mit meinen Krücken auf die Toilette und spülte die Tabletten hinunter. Sichtlich zufrieden humpelte ich zurück. Wlad stand geduldig mit verschränkten Armen da und beobachtete mich: „Bereit für die grosse Reise?“
„Nein. Ich bin nicht bereit. Bitte lass mich einfach hier zurück. Lass es einfach gut sein.“
Ich hoffte innständig er würde darauf eingehen. Stattdessen sah er mich ruhig lächelnd an und erwiderte: „Nein, niemals…“
Urplötzlich und wie angeschossen wurde ich müde. Ich fuhr mir mit der Hand durch mein Gesicht und ich versuchte die Augen offen zu lassen. Wlad trat zu mir hin und fing mich auf bevor ich umkippte.
Immer noch lächelnd meinte er: „Dachtest du wirklich ich würde dir vertrauen dass du die Tabletten aus freien Stücken einnehmen wirst? Es war das Glas Wasser, darin waren die Medikamente. Aber du warst so darauf bedacht die Tabletten zu verstecken. Es so aussehen zu lassen als hättest du sie genommen dass du nicht bemerkt hast dass das Wasser etwas anders schmeckt. Das nennt man Manipulation.“
Ich dachte noch Scheiss…! Danach fielen mir die Augen ganz zu. Als ich wieder erwachte waren wir bereits bei einem Flughafen. Diesen Flughafen kannte ich nicht. Also waren wir nicht in Zürich. Wlad plante gut, ich war wach und konnte an den Krücken gehen. Doch meine Sicht und meine Gedanken waren noch eingenebelt. Ich bekam nicht heraus wohin die Reise ging. Ich sah auf die Anzeigetafel. Da waren aber mehrere Flüge darauf. Und alles schwomm vor meinem Auge wenn ich mich konzentrieren wollte. Am liebsten hätte ich um Hilfe geschrien. Doch die Stimme versagte mir auch. Also versuchte ich mich einfach hinzusetzten, ich wollte keinen Schritt mehr gehen. Da kamen sie mit einem Rollstuhl auf mich zu. Ach nein, wie fürsorglich. Wlad war die Ruhe selbst, er hatte alles gut durchdacht. Es schien so als würde er das Ganze nicht zum ersten Mal machen. Gemeinsam mit uns reiste ein Mann der aussah als hätte man ihn direkt von der Strasse geholt. Das verstand ich nicht. Wer war das?
Schlussendlich fand ich mich im Flugzeug wieder. Ich wurde in der Mitte platziert. Es war ein ruhiger Flug ohne Turbulenzen. Als mir die Stewardess mein Getränk brachte streckte mir Wlad eine Tablette hin. Dem anderen Mann der sich als Fabrice vorstellte streckte er zwei entgegen. War Wlad etwa so etwas wie ein Drogenhändler? Das würde mir einiges erklären. Es hatte keinen Zweck mich dagegen zu wehren, eigentlich war ich froh dass ich einschlafen konnte. Also schluckte ich die Tablette so rasch wie möglich hinunter. Ich wollte am liebsten gar nicht mehr erwachen. Her mit dem Zeug! Rasch und tief schlief ich ein. In meinem Schlaf sah ich Tori wie sie mich suchte. Spürte ihre Verzweiflung versagt zu haben. Ich spürte den Namen „Mo“, und wusste dass der Name zu Tom gehörte. In diesem Moment war ich kurz glücklich da ich wusste sie hatten einander gefunden.
Als ich erwachte fand ich mich in einem anderen Zimmer wieder. Du meine Güte, ich musste wirklich tief und lange geschlafen haben. Es war ein grosses Zimmer mit antiken Möbeln darin. Wie lange hatte ich wohl geschlafen? Ich stand auf und humpelte mit den Krücken etwas herum. Meine Kleider waren bereits im Kleiderschrank aufgehängt. Darin befanden sich auch neue Kleider die, anscheinend, meine Grösse hatte. Ich konnte nicht sagen in welche Stielrichtung die Möblierung ging. Das Zimmer war hell eingerichtet. Die Möbel hatten geschwungene Beine. Dass die Möbel schon sehr alt waren sah man ihnen irgendwie an. Es passte wirklich in diesen schönen hohen Raum. Ein wirklich hübsch her gerichtetes Zimmer. Wenn ich unter anderen Umständen hier her gefunden hätte würde ich es sicher geniessen. An der Decke hatte es Verzierungen in einem blassen Rosa oder Lachs mit grün. Es sind wunderschöne Blumen Bilder. Wirklich hübsch. Nun meldete sich mein Magen. Gegen ein Frühstück hätte ich nichts einzuwenden. Ja, ich hatte wirklich grossen Hunger. Danach humpelte ich ans Fenster. Zuerst musste ich die schweren Gardinen zur Seite schieben um hinaus zu sehen. Vor dem Fenster hatte es Gitter. Es war bereits dunkel. Das mit dem Frühstück war also so, nicht ganz richtig. Ich war also in einem der oberen Stockwerke, bemerkte ich. Das hätte ich mir ja denken können. Draussen huschten schwarze Schatten vorbei. Ihre gelben Augen leuchteten. Sie sahen zu mir hinauf und sahen mich direkt an. Das hatte etwas Beängstigendes an sich. Jetzt fehlte nur noch der Nebel der am Boden entlang kroch und das Gruselkabinett wäre eröffnet. Ich sah neugierig hinunter. Was waren denn dass nur für Tiere die mich mit ihren Augen so fixierten. Tatsächlich konnte ich nichts erkennen. Da beschloss ich die Vorhänge wieder zu schiessen. Nun konnte ich Wölfe hören die heulten. Das heulen klang eigentlich wunderschön und erinnerte mich automatisch an Kiran. Gleich darauf klopfte es an meiner Türe und ich rief erstaunt: „Ja bitte!“
Als die Türe sich öffnete kam eine Frau, ganz in schwarz gekleidet, herein. Sie schwebte sprichwörtlich zu mir hin. Meine Augen weiteten sich. Sie trug ein langes Kleid dass sogar ihre Füsse bedeckten. Sie war unglaublich anmutig. Sie trug lange schwarze Haare die sie zu einem Zopf zusammen gebunden hatte. Ihre hellen blauen Augen musterten mich. Ich stand etwas verloren und unsicher da mit meinen Krücken. Genau so habe ich mir einen Vampir immer vorgestellt! Die Frau entsprach dem Typischen Klischee. Sie schwebte ganz nah auf mich zu und nahm meinen Duft in sich auf. Dann konnte ich ihre Zähne knirschen hören. Danach hielt sie ihren Kopf schief und meinte mit einem kühlen lächeln: „Kommt bitte. Er wünscht deine Gesellschaft. Folge mir so gut du kannst.“
Ein kalter Schauer lief mir den Rücken hinunter so seltsam war diese Situation. Langsam ging ich, eher humpelnd, hinter der Dame in Schwarz her.
Ich war erstaunt über das Gebäude. Im Moment befanden wir uns im dritten Stock. Im Inneren des Hauses hatte es eine lange Wendeltreppe die von Stock zu Stock führte. Die Räumlichkeiten waren nach aussen gerichtet. Ein wirklich grosses altes Anwesen. So schien es mir im halbdunkeln. Die Frau in schwarz blieb vor mir stehen da ich erstens; Mich zuerst einmal umschauen musste. Zweitens: Mit meinen Krücken nicht so rasch vorwärts kam. Und das auch noch abwärts. Etwas viel verlangt, also liess ich mir Zeit. Langsam führte sie mich nach ganz unten, und das ohne Lift. Zuerst dachte ich das sei ein Scherz. Doch sie sah nicht so aus als wäre sie aufgelegt für einen Scherz. Ziemlich erschöpft kam ich dann endlich unten an. Meine schmerzen waren auch wieder da. Hurra! Unten angekommen sah ich einen grossen Haupteingang der einer grossen Halle glich. Am Eingang hingen einige schwarze Umhänge. Wieder lief der Schauer meinen Rücken herab. In was bin ich da wohl hineingeraten. Was hatte dass alles zu bedeuten. Die Frau führte mich in einen grossen Saal. Da sass nun auch Wlad. Sehr elegant gekleidet und wieder mit einem Lächeln im Gesicht anzutreffen. Im Moment war ich fast froh ihn anzutreffen. Denn die Dame in schwarz und das Haus jagten mir tatsächlich ein wenig Angst ein. Ich fühlte mich durchaus etwas verloren und sehr unsicher. An dem grossen Tisch sass auch dieser Fabrice. Mit ziemlich heruntergekommenen Kleidern. Ob er doch direkt von der Strasse kam oder war er vielleicht ein Künstler? Ich konnte mir noch kein Bild davon machen was dass hier sollte. Ich fühlte mich wie in einem falschen Film. Oder zur Falschen Zeit am Falschen Ort. Wlad nickte der Dame in Schwarz zu und sagte: „Danke Juri, du darfst jetzt gehen. Willkommen Elisa. Bitte setzt dich zu uns hin.“
In meinem Innersten hoffte ich innständig ich würde das alles hier nur träumen. Doch leider war es die Realität. Vor mir stand ein langer Tisch der reichlich gedeckt war. Mein Magen war sehr angespannt. Ich konnte nichts essen, obwohl mein Magen knurrte. Fragend sah mich Wlad an.
„Möchtest du einen Schluck Wein?“
Ich machte ein nachdenkliches Gesicht. Da ich keinen Bissen hinunter brachte schien mir die Idee, leicht alkoholisiert, zu Bett zu gehen gar nicht so abwegig. Ein Alkohol, Medikamenten mix müsste mich zum schlafen bringen. Also antwortete ich mit einem: „Ja gerne.“
Wlad lächelte und schenkte mir ein. Fabrice sagte kein Wort. Sein Ziel war es wohl so viel zu essen wie er kriegen konnte. Anscheinend war er schon etwas ausgehungert. Ein zwei Gläser Rotwein später unterbrach ich die Stille: „Wlad, danke für das hübsche Zimmer. Wo sind wir?
„Bitte, gern geschehen. Das ist mein Haus. Ein altes Anwesen. Es ist ein altes Adelshaus dass für meine Zwecke etwas angepasst wurde. Dieses Anwesen weist ein gut ausgebautes Kellergewölbe auf.“
Da er gerade so redeselig war beschloss ich weiter zu fragen:
„Was sind deine Zwecke?“
Er lachte kurz laut auf: „Ich lebe schon sehr lange. Habe einiges studiert und betreibe mit grosser Leidenschaft Gen- Forschung. Du wirst meine Kreaturen schon noch zur Gesicht bekommen. Juri hast du ja bereits kennen gelernt.“
Fabrice sah kurz auf aber nahm keine grosse Notiz von unserem Gespräch. Verstand er uns überhaupt?
Über Wlad hing eine Art Seil. Er zog einmal daran und Juri schwebte wieder förmlich hinein. Sie hatte eine gewisse Anziehungskraft. Ihre Erscheinung war sehr Anmutig. Sie hatte was Besonderes an sich. Ein wenig Mystisch und doch einen Hauch von Erotik. Sie hat schmale Augen und volle grosse Lippen. Als sie vor dem langen Tisch stand hielt sie ihren Kopf schief und schien abzuwarten was Wlad ihr zu sagen hatte. Sie war ihm wohl ergeben. Wlad sah sie liebevoll an. Diesen Blick sah ich zum ersten Mal an ihm, es hatte fast was Rührendes. Sie hingegen war eher etwas unterkühlt in ihrem lächeln. Sie wartete immer noch geduldig auf seine Anweisung: „Juri, bitte bring Fabrice hinunter. Er ist mein Geschenk für Euch. Lasst es euch schmecken.“
Meine Augen weiteten sich. Hatte ich das wirklich richtig verstanden. Ich stand etwas unter Schock. Aber Fabrice tat nicht der gleichen und ging gelassen mit Juri mit. Im Gegenteil er schien sich sogar darüber zu freuen. Schockiert sah ich zu Wlad hinüber.
Er sah mir direkt in die Augen: „Elisa, sei nicht schockiert. Er hatte genügend Alkohol und Medikamente um nicht ganz zu spüren was auf ihn zu kommt. Ich war lange Zeit auf Reisen, da ist es doch nur Recht und gut meinen Untergebenen ein Geschenk mitzubringen. Nenn es ein Präsent.“
„Man wird ihn suchen!“, gab ich etwas laut von mir.
„Sein Ausweis war gefälscht. Ich habe ihn auf der Strasse aufgelesen. Nein, ich denke man wird ihn nicht vermissen.“
„Ist Juri ein Vampir? Ist sie deine …“
Ich hatte so einen durcheinander in meinem Kopf. Alles war wirr. Ich hatte so viele Fragen dass ich nicht wusste wo ich beginnen sollte. Es war zu verrückt.
„Ja natürlich ist Juri ein Vampir. Nein, sie ist nicht meine Geliebte. Aber ich hatte sie schon in näherer Auswahl als meine Lebensbegleiterin. Doch nun bist du ja da.“
Eigentlich hatte ich nicht erwartet dass er mir freiwillig so viele Antworten geben würde. Also beschloss ich weitere Fragen zu stellen: „Wie viele Menschen leben in diesem Anwesen?“
„Nun…, intelligente Kreaturen sind es mit mir und dir, gerechnet 4 Stück. Die anderen 20 sind einfach nur Wächter. Die sind etwas beschränkt mit ihren selbständigen Gedanken. Sie tun einfach das was von ihnen verlangt wird. Also wenn ich dich wäre würde ich nicht versuchen nach draussen zu gelangen. Mindestens 5 von ihnen sind immer auf der Jagd.“
Ich zog meine Stirn zusammen und war alles andere als beruhigt. In meinem Inneren spürte ich die Leere die in mir einzog. Ich wollte nicht hier an diesem schrecklichen, gruseligen doch schönen Ort sein. Mein Herz war leer. Alles an diesem Ort war falsch für mich. In meiner Wut und Trauer lief mir eine Träne herunter. Natürlich nahm Wlad davon Kenntnis.
„Sei nicht traurig. Wenn du diesen Kiran vergessen hast und deiner Leere im Herzen nachgibst wirst du bereit sein für mich. Ich möchte dich glücklich machen. Zusammen können wir grosses erreichen.“
-*Wladimir*-, schoss es wütend aus meinem Kopf. Es hatte durchaus seine Wirkung. Wlad schoss nach hinten an die Wand. Ruhig stand er auf und kam direkt auf mich zu.
„Meine Liebe. Das war dumm, dumm, wirklich dumm“, er deutete einen Schlag in mein Gesicht an führte ihn aber nicht durch. Langsam sprach er weiter: „Eigentlich hatte ich viel früher damit gerechnet. Du kannst mir Schaden zufügen. Ich weiss dass Aber du kannst noch nicht weit gehen, deshalb war ich bis jetzt in der besseren Position. Im hier und jetzt wäre ich etwas vorsichtiger mit dem was du tust. Ein kleiner Laut von mir reicht aus und sie reissen dich in Stücke. Hast du das verstanden?“
Ich streckte ihm mein Kinn entgegen als ich antwortete: „Wäre es nicht besser sie würden mich in Stücke reissen? Du lässt mir wirklich die Wahl? Ich kann mich für ein Leben entscheiden, einem hasserfüllten Leben mit dir. Kannst du dir nicht vorstellen dass ich bereit wäre mich für meine Liebe zu opfern wenn ich keinen Ausweg mehr sehe?“
„Ja durchaus, das kann ich mir vorstellen. Doch wenn du das Band deiner alten Liebe los lässt wird kein Hass mehr zwischen uns stehen. Du wirst mich lieben können. Ich bitte dich bloss mich kennen und lieben zu lernen.“
„Meine Vorstellungskraft reicht nicht aus um es mir vorstellen zu können.“
„Elisa, wir haben alle Zeit der Welt. Ausser du beendest dein Leben vorher. Tu was du für nötig hältst.“
Am liebsten wäre ich schreiend nach draussen gerannt. Es musste einen Weg geben wie ich da raus kommen konnte. Ich konnte nicht senden das würde er merken, also musste ich die nächste Zeit damit verbringen mir etwas zu überlegen.
Wlad unterbrach meine Gedanken indem er sprach: „Ich begleite dich in dein Zimmer.“
Also durfte ich den ganzen Weg wieder aufwärts humpeln, na wie nett. Er schien meine Gedanken zu erraten und meinte lächelnd: „Soll ich dich hinauf tragen.“
„Du rührst mich nicht an“, zischte ich.
Er hielt seine Hände abwehrend in die Höhe: „Wie du möchtest. Kein Problem.“
Ich humpelte den ganzen Weg wieder hinauf. Es dauerte, aber ich hatte keine Eile. Im Gegenteil, auch ich hatte alle Zeit der Welt. Man hörte wieder Wölfe heulen. Ausser uns schien niemand im oberen Stock zu sein. Entweder waren alle im Keller oder ausser Haus. Unheimlich, ich war mir nicht sicher ob ich in diesen Räumlichkeiten meinen Schlaf finden würde. Endlich waren wir oben angekommen. Er begleitete mich in mein Zimmer hinein.
„Sie her“, sprach er und öffnete eine getarnte Tür in der Wand, „durch diese Türe hast du direkten Zugang in dein Badezimmer. Was deines ist, ist auch meines.“
Was hatte das schon wieder zu bedeuten? Ich ging langsam hinein um zu schauen was er denn genau damit meint: Was deines ist, ist auch meins. Er zeigte auf eine andere Tür im Badezimmer.
„Wenn du durch diese Türe gehst kommst du in mein Reich“, er öffnete die Türe und ich sah in seinen Schlafraum hinein.
„Ich habe noch ein anderes Badezimmer. Werde also diese Türe von meiner Seite her abschliessen. Wenn du Kontakt zu mir suchst kannst du anklopfen. Ich werde dich hören“, versprach er mir lächelnd.
Darauf könnte er lange warten, ging es mir durch meinen Kopf. Ich zog mich in mein Zimmer zurück und setzte mich auf das Bett. Als ich endlich alleine war schlug ich die Hände vor mein Gesicht. Meine tränen liefen herunter und ich wischte sie rasch wieder weg. Ich musste nachdenken.
Etwas später legte ich mich hin. Ich wollte etwas schlafen. Wollte für die nächsten Tage bei vollem Verstand sein. Ich beschloss alles in mich aufzunehmen um zu begreifen was hier vor sich ging. Müde war ich niemandem eine Hilfe, selbst mir nicht. Lange Zeit konnte ich nicht einschlafen da ich vieles zu verarbeiten hatte. Dafür schlief ich dann umso länger. Ich wurde durch ein klopfen an der Türe geweckt. Ich setzte mich so rasch wie möglich hin.
„Ja bitte“, brachte ich unter Schmerzen hervor.
Danach schwebte Juri herein. Wieder in schwarzen Kleidern. Heute trug sie Hosen. Jetzt da ich ihre Füsse sehen konnte fand ich ihren Gang umso faszinierender. Sie schwebt tatsächlich nicht, aber es sah so unglaublich anmutig aus. Sie ging in kleinen Schritten sehr bedacht und ruhig.
Ausdruckslos sagte sie: „Das Frühstück ist serviert. Er rechnet mit deiner Anwesenheit.“
„Danke Juri, ich mag heute kein Frühstück. Ich werde mir ein Bad einlassen und später zu ihm stossen“, entgegnete ich im ruhigen gelassenem Ton.
Zum ersten Mal regte sich in Juris Gesicht etwas. Ihr rechter Mundwinkel verzog sich leicht und ich war mir nicht sicher ob sie ganz leicht lächelte als sie sprach: „Versuch keine Spielchen mit ihm zu spielen. Es ist gefährlich und kann sehr böse enden.“
„Juri, das ist kein Spiel sondern ein Bedürfnis.“
Sie nickte mir zu. Anscheinend hatte sie keine weiteren Einwände. Leise sprach sie zu mir: „Also gut ich werde ihm Berichten. Falls du hinaus kommen möchtest ruf mich vorher zuerst.“
Dann zeigte sie mir die versteckte Klingel die ich drücken sollte. Ich nickte ihr dankend zu. Als sie hinaus Schreitete, war ich seltsam berührt. Gestern Abend sah sich noch sehr gefährlich aus. Heute schien sie netter zu sein. War das der Auftrag von Wlad? Sollte ich mich in Sicherheit wägen? Ich wusste noch nicht was der Tag mir bringen sollte also liess ich mir das Bad ein. Doch ich vergass mein Bein. Etwas Ratlos stand ich nun davor und beschloss doch lieber eine Dusche zu nehmen. Aber nicht nur mein Bein war mir im Weg. Auch mein Arm funktionierte, mit der Schiene, noch nicht so wie ich es gerne hätte. Doch diese Schiene konnte ich immerhin abziehen. Es dauerte eine Weile bis ich herausgefunden hatte wie es am besten geht. Da ich keinen Haartrockner finden konnte blieben meine Haare einfach nass. Als ich endlich angezogen war öffnete ich die schweren Gardinen und schaute hinaus. Überall sah man Nadelbäume. Anscheinend lagen wir ein gutes Stück abseits. Das erschien mir logisch. Draussen war es still, es war niemand zu sehen oder zu hören. Seltsam wie ich fand. Was war denn mit seinen Wächtern von denen Wlad gestern erzählt hatte? Ich wurde neugierig. Also beschloss ich die Klingel zu drücken. Ich war bereit für Wlad und gespannt was dieser Tag mit sich bringt. Kaum hatte ich geklingelt stand Juri bereits da. So als stände sie schon die ganze Zeit über vor meiner Tür und hätte auf mein klingeln gewartet. Sie führte mich selbstverständlich zu Wlad. Ich ächzte,… wieder musste ich die Stufen hinunter. Doch diesmal ging es nur in den zweiten Stock. Anscheinend war das Wlad’s Arbeitszimmer. Er sass an einem Computer. Als er uns rein kommen hörte stand er auf und kam lächelnd auf uns zu. Ich konnte in seinem Blick sehen dass er sich freute mich zu sehen.
„Danke Juri du darfst gehen. Sag Arik Bescheid dass wir runter kommen, er soll die Wächter etwas im Zaum halten.“
Juri verabschiedete sich kurz und schritt galant hinaus.
Nun sah er mir direkt in die Augen. „Gut geschlafen?“
„Wohl kaum.“
„Gab es Probleme im Bad?“
Die Frage fand ich äusserst frech und indiskret. Dafür bekam er einen verächtlichen Blick. Der ihn wissen liess, darauf gibt es keine Antwort. Wieder einmal schien ich ihn zu amüsieren, denn seine Augen leuchteten auf als er erklärte: „Du kannst deine Schiene am Arm weg lassen. Die brauchst du nicht mehr. Dann fühlst du dich sicherlich besser. Bereitet das Bein dir noch grosse Schmerzen?“
Ich biss mir auf die Zähne musste aber kleinlaut eingestehen:
„Ja.“
„Bitte setzt dich einen Moment hier hin“, er zeigte auf einen Stuhl neben seinem Schreibtisch, „ich muss rasch einen Brief zu Ende schreiben. Danach gehen wir ins Labor.“
Labor klang für mich nicht wirklich gut. Doch ich hatte keine andere Wahl. Also sass ich ab und sah mich ein wenig im Raum um. Wieder alte antike Möbel und schwere Gardinen. Es sah irgendwie so aus wie in einem Film der in einem anderen Jahrhundert spielte. Es war durchaus wunderschön. Mein Blick viel wieder zu Wlad. Eigentlich ein gut aussehender Kerl. Er war stets höflich, zuvorkommend und lächelte viel. Er hatte ein wirklich sympathisches lächeln. Unter anderen Umständen hätte ich ihn sicherlich gemocht.
„Wlad, weshalb verzauberst du mich nicht einfach damit ich mich in dich verliebe?“, hätte ich gerne von ihm gewusst. War mir aber nicht sicher ob ich eine Antwort darauf bekomme. Es dauerte eine Weile. Dann schaltete er seinen Computer ab und drehte sich zu mir hin: „Es wäre zu einfach. Einmal in meinem langen Leben hätte ich gerne dass eine Frau aus freien Stücken sich mir hingibt. Ich habe lange auf dich gewartet und da spielt es mir keine Roll wie lange du noch brauchst. Wie gesagt, wenn es dir einfacher fallen würde, kann ich auch dein Kiran sein.“
„Du wärst nicht mein Kiran. Es wäre nur äusserlich. Bleib also besser in dieser Gestalt.“
„Gefalle ich dir so oder bin ich eher abschreckend?“
Ich musste kurz auflachen. Eine seltsame Diskussion die wir da führten. Also konnte ich äusserlich jeden Mann haben den ich mir wünschte. Sozusagen der Traum vieler Frauen. Was für eine Kranke Situation.
Ich überlegte und fragte: „Erzählst du mir woher du Marius kanntest?“
„Wenn du wünschst. Ich bin schon sehr alt. Wie Marius es auch war. Es gab Zeiten da hielten sich die Adligen ihre eigenen Zauber- oder Hexenmeister. Gerade wie ihnen beliebte. Überall wo mein „Herrscher“ auf Besuch ging nahm er mich mit. Sagen wir als Präsent das man eben so mit sich trägt und stolz vor zeigt. So gelangte ich eines Tages zu Marius. Ich war begeistert von Marius. Er war so rein. Ich erschlich mir sein Vertrauen.“ Wlad machte eine Pause und dachte nach als er dann weiter sprach: „Er erzählte mir die Geschichte von dir und ihm. Man sah ihm an dass er darunter litt dir so viel Leid angetan zu haben. Von da an wusste ich, dass die dunkle Macht irgendwo da drin in ihm immer noch friedlich vor sich hin schlummerte. Diese Macht wollte ich besitzen. Das ging aber leider nicht. Marius war stark. Doch er erzählte mir davon dich zu suchen und dann sterben zu wollen. Also beschloss ich auf dich zu warten und zur Partnerin zu nehmen…“ Erstaunt hörte ich im weiter zu. „Zu meinem Verdruss besitzt du keine dunkle Gabe. Oder nur einen minimalen Teil davon. Aber die Herausforderung dein Band mit Kiran zu lösen ist enorm hoch. Ich sammle gerne.“
„Was sammelst du?“
„In meinem Keller waren Wesen aus der ganzen Welt. Es gibt – fast – keine Vampire oder Werwölfe mehr. Ich hatte sie schon alle. Diejenigen die ich nicht weiter gebrauchen kann bekommen die Wächter.“
Mein Gesicht begann sich zusammen zu ziehen. Ich funkelte ihn an.
„Du wirkst immer sehr höflich und nett, doch in deinem Inneren bist du ein Monster. Alles an dir ist eine Fassade egal in welchem Körper du steckst. Ich denke nicht dass ich mich zu einem Monster hingezogen fühlen werde. Niemals!“
In diesem Moment widerte er mich an. Trotzdem musste ich ihm diese eine Frage noch stellen: „Wusstest du von Patrick und den Faller’s?“
„Irgendwann wird jeder zum Monster, vielleicht auch du! Und ja ich weiss von der Existenz des Wolfes in London und der Vampirfamilie in Alaska. Ich hörte von der Legende und musste mich zurückhalten. Niemand konnte sagen wann die Legende ihren Lauf nehmen wird. Also beschloss ich vorab abzuwarten. Es hat lange gedauert. Sehr lange.“
Er wollte mir über mein Haar streichen doch ich zog meinen Kopf zurück. Das amüsierte ihn wieder einmal und er lachte kurz auf. „Komm, es wird Zeit, gehen wir hinunter.“
Er stand auf und streckte mir seine Hand hin um mir auf-zu helfen. Ich nahm sie ausnahmsweise an. Seine Hand war warm und fühlte sich gut an. Unten angekommen kam Juri, mit strengem Gesichtsausdruck, auf uns zu: „Wlad, Arik ist unterwegs, er ist noch nicht zurück.“
Ich sah wie Wlads Augen zu funkeln begannen. Gerade als er ausholte um Juri zu schlagen ging die Eingangstür auf und ein grosser grauer Wolf sprang herein. Kaum war er in der Eingangshalle angekommen verwandelte er sich in etwas Menschen ähnliches. Rasch zog er einen der schwarzen Umhänge an, die dort hingen. Er besass wohl viel Übung damit, denn es ging so reibungslos und schnell dass ich es kaum richtig wahr nehmen konnte. Geradewegs kam er auf uns zu. Er war sehr gross und sah sehr Wild aus. Als er vor mir stand und meinen Geruch in sich aufnahm sah ich seine Eckzähne aufblitzen. Nein, er war kein Mensch. Bei weitem nicht. Er schien auch ein Vampir zu sein. Beim näheren hinsehen musste ich mir eingestehen ich wusste nicht so recht was er darstellte. Sollte er ein Werwolf sein? Sein Anblick verwirrte mich. Er war hochgewachsen, schlank. Im Gesicht hatte er stellenweise noch restliche lange Haare. Genau genommen waren es seine Kotletten. Seine Augen waren die eines Wolfes geblieben. Gelbe Augen die mich ansahen und musterten. Ansonsten wirkte er sehr menschlich auf mich. Er sah sehr stark aus. Für seine Grösse enorm feingliedrig. Jetzt drehte er seinen Kopf nach links und nach rechts. Ich hörte Knochen knacken. Die gleiche Geste wie bei Kiran. Auch er musste seine Knochen richten. Also doch ein Wolfsmensch. Ich glaube ich habe ihn regelrecht angestarrt.
„Arik du bist sehr spät dran“, zischte ihn Wlad an. Arik nickte ihm entgegen und senkte entschuldigend und unterwürfig seinen Blick.
„Arik, das ist Elisa. Du wirst ständig an ihrer Seite sein. Drinnen wie draussen. Keiner fasst sie an. Verstanden?“
Arik nickte leicht. Juri und Arik tauschten flüchtig einen Blick miteinander aus. Arik hob mich ohne Voranmeldung hoch. Ich schrie kurz auf weil ich nicht darauf vorbereitet war. Und liess die Krücken fallen. Danach trug er mich hinter Wlad und Juri hinunter. Arik glühte förmlich, seine Körpertemperatur war sehr hoch. Er trug mich mit Leichtigkeit. Ich konnte seine Hände sehen. Auch die waren etwas haarig. Dann begann ich sein Gesicht genau anzusehen. Für so ein wildes Wesen hatte er sehr weiche Gesichtszüge. Dieser Arik hat, wenn man sich die Haare im Gesicht wegdenkt, eigentlich ein hübsches Gesicht. Seine Wolfsaugen machten ihn zwar etwas mystisch. Sein kurzes grau meliertes Haar war ziemlich wirr. Ob er schon mal einen Friseur Termin gehabt hatte? Wohl eher kaum. Auch sein Geruch liess zu wünschen übrig und ich rümpfte die Nase. Ich verstand nicht wieso alle so folgsam waren. Sie sahen aus als könnten sie sich mit Leichtigkeit gegen Wlad richten. Arik sprach immer noch kein Wort. Durch seinen dunklen Teint liessen ihn die Augen noch gefährlicher wirken. Wir kamen in einem Raum der mehr nach einem Operationssaal aussah als nach einem Labor. Wlad hatte alles da was er zu brauchen schien. Die neuesten Geräte. Arik stellte mich hin und gab mir ein Zeichen wohin ich mich setzten sollte. Danach kam Wlad und nahm mir die Schiene am Arm ab. Er schien sehr zufrieden.
„Sieht gut aus, du solltest ihn wieder belasten können.“
Ja, es fühlte sich gut an. Ich war oben im Badezimmer nur nicht sicher.
„Weshalb spricht Arik nicht?“, war meine Frage an Wlad gerichtet.
„Nun, Arik ist eines meiner Geschöpfe. Er ist mir am besten gelungen. In ihm sind Mensch und ein grosser Wolf Anteil in einem verbunden. Er kann sich mit Leichtigkeit jederzeit in einen Wolf verwandeln. Er ist der einzige der am Tag wie in der Nacht hinaus kann. Leider kann er nicht sprechen aber er versteht und hört alles. Arik ist sehr intelligent, unterschätz ihn nicht. Ich habe ihn ausgebildet. Er hält die Wächter im Zaum.“
Ich hatte bedauern mit diesem Wesen das weder das einte noch das andere wirklich zu sein schien. Er sah furchteinflössend aus, und auch wieder nicht. Man sah genau dass er uns interessiert zu hörte. Obwohl sein Gesicht ausdruckslos schien. Ich wollte noch mehr wissen: „Was sind denn die Wächter?“
„Die Wächter sind Gen-manipulierte Werwölfe mit viel Vampir Genen. Sie sind dazu bestimmt am Tage Vampire zu sein. Altes Vampir Blut wie bei Juri. Juri ist ein reiner Vampir. Die Wächter können am Tag nicht hinaus, sonst würden sie zu Staub verfallen. In der Nacht wenn die Sonne untergeht werden sie zu Wölfen. Sie können nicht anders, es liegt in ihren Genen. Sie sind einfache Kreaturen, haben keine grosse Intelligenz, das wollte ich nicht. Arik ist der einzige der wählen kann. Das macht ihn so besonders.“
Im Moment begriff ich nicht alles was er mir erzählte. Für Gänsehaut reichte es jedoch völlig aus. Ein richtiges Gruselkabinett in das ich da hinein geraten war.
„Du bist ein Monster!“, sagte ich ziemlich laut. Sofort begann Juri zu zischen und Arik fletschte seine Zähne. Ich hatte verstanden. War denn hier niemand auf meiner Seite? Wlad lächelte mich nett an.
„Meine liebe…, Arik wird dich hoch bringen. Ich bitte dich ein paar Zeilen für deine Mutter zu schreiben. Ich werde ihr den Brief dann zustellen. Natürlich werde ich ihn zuvor lesen. Juri, bitte bleib du noch etwas hier unten. Wir müssen den Abend besprechen. Elisa, wir werden uns zum Nachtessen wieder treffen. Zieh dir etwas Nettes an wir haben heute Gäste.“
Danach hob mich Arik, mit Leichtigkeit, hoch und ging mit mir hinaus. Wir gingen einen anderen Weg als wir zuvor gekommen waren. Es wurde ziemlich düster und unheimlich. Wir gingen durch das Kellergewölbe die an sich sehr schön waren. Doch als wir in einen grösseren Raum traten sah ich einen Tisch stehen mit einem Haufen Vampire darum. Ich schloss meine Augen, wollte nicht hinsehen was da auf dem Tisch lag. Insgeheim wusste ich es war Fabrice. Oder das was von ihm übrig geblieben war. Als wir bei den Vampiren vorbei kamen zischten sie mich an. Sofort krallte ich mich an Ariks schwarzem Umhang fest, diesmal hatte ich wirklich Angst. Grosse Angst. Arik drehte mich in alle Richtungen und fletschte seine Zähne. Danach kam aus seiner Kehle ein tiefes Grollen. Die Vampire verstummten. Ich hielt meine Augen immer noch geschlossen und drückte mich ganz nah an Arik heran. Schlussendlich brachte mich Arik so rasch wie möglich nach oben. Als er mich absetzte viel mir erst auf dass ich mich noch gar nicht entspannt hatte. Ich schluckte schwer. Was da unten vor sich ging war schrecklich. Einfach grauenvoll. Mit grossen Augen sah ich Arik an. Er verzog keine Miene und hielt mir die Türe auf. Ich hinkte hinein. Er schloss die Tür und ich war wieder alleine. Ich konnte nicht anders ich schrie einfach laut los. So grauenhaft empfand ich alles hier. Erschöpft sank ich auf das Bett. Ich schloss kurz meine Augen. Als ich sie wieder öffnete standen meine Krücken bereits wieder neben dem Bett. War ich eingeschlafen? Wie unheimlich dass sie hier herein kommen und ich nichts davon bemerke. Wo war denn der Verdammte Schlüssel für dieses Zimmer! Ich trat an den Schreibtisch. Darauf stand etwas zum schreiben und ein Glas Wasser mit einer Tablette daneben. Ich lachte hysterisch auf. Ich setzte mich hin und grübelte darüber nach was ich meiner Mutter schreiben sollte. Ich schrieb ein Paar belanglose Zeilen. Ich schrieb ihr dass es meinem Arm besser ging und ich keine Schiene mehr tragen muss. Auch dass ich mich wahnsinnig freuen werde sie bald wieder zu sehen. Ob das wohl der Wahrheit entsprach? Ich liess den Brief offen auf dem Schreibtisch liegen. So wie das Papier hingekommen war würde es wohl auch wieder weggebracht werden. Mein Bein schmerzte und ich trank anstandslos das Wasser und schluckte brav die Tablette. So langsam begann ich den Verstand zu verlieren. Diese Welt war nicht annähernd so schön wie meine Welt in Alaska oder in der Schweiz. Diese Vampire waren wild. Für mich hatten sie mehr Ähnlichkeit mit Tieren als mit Menschen. Eigentlich müsste ich mich konzentrieren wie meine Hexen-Macht auf diese Wesen sich verhalten würde. Konnte ich durch Gedanken Stösse sie von mir fern halten? Ich denke das würde funktionieren. Arik war sonderbar, er sprach nicht. War das Wlads Werk? Ich würde es schon noch herausfinden.
Juri fand ich sehr interessant. Ein alter Vampir der nicht in das Licht kann. Wlad schien seine Welt so zu gestalten wie er sie haben wollte. Seine eigene kranke verrückte Welt mit Wesen die bedingungslos gehorchten. Wlad hielt sich sozusagen seine Schosshündchen. Unheimlich dass ein Mann allein, so viel Macht besass. Die Tablette begann zu wirken und meine Augenlieder wurden schwer. Also legte ich mich wieder ein wenig hin.
Ich träumte von Alaska. In meinem Traum sah ich das geschehene. Die glücklichen Zeiten mit Kiran. Sah uns mit dem Schneemobil umher fahren und genossen die Fahr in vollen Zügen. Eine herrliche glückliche Zeit. Ich schwelgte noch in Erinnerungen als ich langsam erwachte. Ich sass hin und mir viel auf dass ich so langsam kein Zeitgefühl mehr hatte. Nirgendwo war eine Uhr zu sehen und ich selber trug keine mehr. Erst jetzt viel mir auf dass mein Verlobungsring fehlte. Entsetzt starrte ich auf meine Hand. Weg, er war einfach weg! Ich wusste genau dafür war Wlad verantwortlich. Ich stand auf und ging zum Fenster hin. Draussen begann es einzudunkeln. Wieder sah ich eine Gestalt durch die Bäume streifen. Die Gestalt blieb stehen und schaute zu mir hoch. Diese Augen kannte ich nun, es war Arik in Gestallt des grossen grauen Wolfes. Arik war ein richtiger Wolf. Nicht so ein Halbwolf wie Kiran. Seltsam. Er sah lange zu mir hinauf. Plötzlich heulte er auf und jagte durch die Nadelbäume davon. Danach fuhren teure Autos vor, vorwiegend Männer stiegen in vornehmen Anzügen aus. Ich erinnerte mich daran dass Wlad von Besuch sprach und zog die Gardinen zu. Langsam wollte ich, korrigiere musste ich, mich für das Nachtessen umziehen. Da Wlad erzählte „wir“ hätten heute Abend Gäste entschied ich mich ein Kleid anzuziehen. Da es schon mal in meinem Kleiderschrank hing war es vielleicht für diesen Abend gedacht. Wer weiss. Mein Timing stimmte. Gerade als ich mich fertig angezogen hatte klopfte es bereits an der Türe. Diesmal humpelte ich, ohne Krücken selbst hin und öffnete sie. Zu meinem erstaunen stand Juri ebenfalls in einem hübschen blauen Kleid vor mir.
„Du hast gut gewählt mit deinem Kleid“, sprach sie in ruhigem Tonfall.
„Danke.“
„Wlad wird heute Abend nicht so aussehen wie du es gewohnt bist, heute ist er ein reicher Geschäftsmann. Wlad hat einige Leben die er lebt. Wir haben Anweisungen uns einfach ruhig zu verhalten.“
Ich zog meine Augenbrauen hoch: „Macht ihr immer was er euch sagt?“
„Auch du tust bereits was er von dir verlangt ohne Widerstand zu leisten.“
Ich kam mir vor als hätte sie mit einem Hammer auf mich eingeschlagen. Doch sie hatte Recht. Fast bedingungslos befolgte man seine Regeln. Angst schien das Rezept zu sein. Zucker, Brot und Peitsche! Das funktionierte also auch heute noch.
„Wirst du den Abend mit uns verbringen?“, wollte ich noch wissen. Juri seufzte tatsächlich und nickte mir zu. Diesmal schien ich ihre Abneigung für einen kurzen Moment in ihrem Gesicht zu sehen. Juri brachte uns in einen grossen Saal der in der gleichen Stilrichtung war wie alle anderen Räume. Dieser Raum war nur viel grösser. Prunkhafter.
Ein unglaubliches Schauspiel das mir da geboten wurde. An diesem Abend hatte Wlad sogar Hausangestellte engagiert die das Essen und die Getränke servierten. Ich blieb neben Juri stehen die jetzt ausnahmsweise mal ein nettes lächeln aufsetzte. Erstaunt sah ich sie an. Wenn sie lächelte war sie sehr hübsch. Wenn sie nur nicht diese traurigen Augen hätte. Sie war immer so elegant. Egal was sie tat. Ein untersetzter Mann mit grau meliertem Haar und Brille trat auf uns zu. Er war schätzungsweise um die 50 Jahre alt. Als ich in seine Augen blickte, wusste ich dass ist Wlad. Als Wladimir gefiel er mir deutlich besser. Er küsste mich auf die linke Wange und sagte mit rauchiger Stimme: „Elisa du siehst fabelhaft aus. Du beflügelst mich. Nenn mich bitte für heute Abend Eric.“
Dann sah Eric zu Juri und sie nickte ihm zu. Danach mischte sie sich unter die Gäste. Mir wäre lieber gewesen sie wäre an meiner Seite geblieben. Eric führte mich galant an meinen Platz. Ich sass bei Tisch neben ihm. Es waren an die 30 Personen anwesend. Ausser mir und Juri waren noch etwa 10 Frauen anwesend. Wobei ihr Benehmen durchaus zu wünschen übrig lies. Sie schienen ohne Begleitung zu sein. Ich ging davon aus dass es Gesellschafterinnen oder Prostituierte waren.
Die Herren besprachen viel Geschäftliches. Nahm ich an. Es klang alles sehr wichtig. Sie sprachen in einer Sprache die ich nicht kannte. Eric hielt zwischendurch meine Hand fest. Ab und zu sah er zu mir und lächelte mich zuckersüss an. Ich wusste nicht genau in welche Rolle ich da rein geschoben wurde. So lange mich die Anwesenden in Ruhe liessen kam es mir entgegen.
Also begann ich, während dem Essen die Personen zu beobachten. Hatte ja nichts anderes zu tun. Juri sass ruhig da und plauderte nett mit ihrem Tisch Nachbar. Natürlich ass sie nichts. Es erstaunte mich dass niemand danach fragte. Die anderen Damen benahmen sich sehr aufreizend. Sie suchten Körperkontakt, also stempelte ich sie als Prostituierte ab. Als wir die vier gängigen Menüs hinter uns hatten, begaben wir uns in einen neben Raum. Eric nahm mich an der Hand und erklärte mir dass wir jetzt in den Roten Raum gewechselt haben. Ja, alles hier war in Rot gehalten. Für mich ist das definitiv zuviel Rot. In meinen Augen wurde der Raum dadurch abgewertet. Danach gab er mir einen Handkuss und übergab mich wieder Juri und mischte sich unter seinesgleichen. Die Herren bekamen ihren Whiskey und rauchten ihre teuren Zigarillos. Ich und Juri standen etwas abseits am Fenster. Ich sah hinaus und konnte Ariks Augen leuchten sehen. Arik schien von draussen zu beobachten. Mit seinem Aussehen passte er definitiv nicht in diese Gesellschaft. Ein seltsames Wesen…
Die Herren liessen uns in Ruhe. Während die anderen Frauen rumgereicht wurden wie ein Dessert. Jeder wollte sie mal begrabschen. Ich fand es abscheulich. Juri muss meinen Gesichtsausdruck gesehen haben und erklärte: „Wir gehören zum Gastgeber und werden geachtet. Keine Angst, keiner wird uns zu nahe kommen. Sobald Eric sich mit ein, zwei der Damen in ein Zimmer im oberen Bereich zurückzieht dürfen wir uns auch zurückziehen. Der Rest der Gäste wird danach gehen.“
„Er wird sich mit ein zwei Damen zurückziehen?“
Ich rümpfte meine Nase. Wer will schon mit so einem schlecht aussehenden Mann in sein Zimmer. Ein leichter Schauer beflügelte mich. Ein Beweis dass man mit Geld alles haben kann.
Juri nickte mir zu und sagte: „Ausser, du wärst bereit für ihn und würdest ihn in deinem Schoss willkommen heissen. Dann würde er auf die Damen verzichten. Es liegt an dir!“
„Niemals! Ich werde einen Weg hier raus finden. Ich habe ebenfalls sehr viel Zeit. Es wird sich herausstellen wer von uns der geduldigere ist“, schoss es ganz ernst aus mir heraus.
Ich war mir nicht sicher ob das geschickt gewesen war die Worte in ihrer Gegenwart auszusprechen. Juri ist ja Wlads vertraute. Etwas erschrocken sah ich ihr in die Augen. Sie sah mich ausdruckslos an und meinte bloss trocken: „Na dann, viel Glück.“
Ja, Glück konnte ich gebrauchen. Geduld würde ich haben komme was wolle. Der Gastgeber machte sich auf in unsere Richtung. Ich lächelte ihn ebenfalls zuckersüss an und trat auf ihn zu. Leise sprach ich in sein Ohr: „Wlad du ekelst mich wahrhaftig an.“
Er lachte laut auf und küsste mich auf die Wange. „Meine liebste du amüsierst mich. Ich werde jede Minute geniessen die wir zusammen verbringen werden.“
Danach verabschiedete er sich von seinen Gästen und gab zwei Damen ein Zeichen mit ihm gehen zu dürfen. Juri sah mich an und gab mir zu verstehen dass wir uns jetzt ebenfalls zurückziehen. Nur zu gerne folgte ich dieser Anweisung. Ich wurde von Juri vor mein Zimmer gebracht. Bevor sie weiter ging hielt ich sie am Arm fest: „Juri, geht das hier immer so?“
Juri zischte mich kurz an und ich lies sie los. Dann sprach sie im kühlen Ton: „Wladimir hat verschiedene Leben die er lebt. Dieses ist eines dieser Leben dass er als Eric lebt. Eric ist ein …“
Weiter sprach sie nicht und senkte ihre Augen. Sie sah aus als hätte sie schmerzen. Im nächsten Moment warf ich meinen Kopf auch in die Höhe als ich Wlad in meinem Kopf wahr nahm: -*Elisa, wenn du etwas über mich in Erfahrung bringen möchtest fragt mich direkt. Verstanden!*-
Ich war wütend und gab Wlad meine Gedanken zur Antwort:
-Hör auf damit!*-
Als Juri begriff dass ich ihm einen Gedankenstoss sendete, riss sie ihre Augen gross auf. Im nächsten Moment hörte ich eine Türe zu knallen und rasche Schritte. Wlad, also Eric, war nur noch mit einem Morgenmantel bekleidet. Ich reckte mein Kinn, doch Wlad musste mich noch nicht einmal berühren um mich zu Fall zu bringen. Seine Gedanken waren intensiv. Ich hielt schmerzerfüllt meinen Kopf fest. Wütend sprach er zu Juri:
„Sobald alle Gäste gegangen sind, bringst du sie nach unten, in Verliess 7. Nein, besser du schickst Arik. Er soll sie ins Verliess 7 stecken. Darin bleibt sie die ganze Nacht.“ Dann richtete er sein Wort direkt an mich: „Dort unten wirst du die ganze Nacht verbringen. Oder so lange wie ich es für nötig halte.“
Danach rauschte er wütend davon. Leise sprach Juri als sie meinen Arm griff um mir aufzuhelfen: „Versuch ihn bei Laune zu halten.“
„Ich denke nicht daran.“ War meine Antwort.
Sie brachte mich zuerst in mein Zimmer und sah aus dem Fenster. Als genügend Zeit verstrichen, und alle Gäste gegangen waren nahm sie mich etwas unsanft am Oberarm und brachte mich nach unten. Als wir in der Einganshalle ankamen trafen wir auf die anderen Vampire die hervor krochen. Sie hängten ihre schwarzen Umhänge auf und gingen ins Freie. Draussen sah man dann nur noch Wölfe, kleinere, graue und schwarze Wölfe. Arik ist bedeutend grösser. Irgendwie war ich fasziniert von diesem Ritual. Ich sah interessiert aus dem Fenster und Juri lies mich dieses Schauspiel sehen. Die Wölfe warteten, sie warteten auf Arik der jetzt auftauchte. Arik war definitiv der grösste Wolf. Er sah gefährlich aus. Nur seine Augen haben etwas Liebevolles an sich. Arik schien irgendwelche Anweisungen zu geben. Danach eilte ein grosser Teil des Rudels davon.
Arik begab sich danach mit zwei weiteren wieder ins Haus zurück. Sobald sie das Haus betraten waren sie sofort wieder die Vampire und zogen ihre Umhänge um. Juri blieb bei mir stehen und wartete bis Arik mich übernahm. Sie erklärte ihm ganz ruhig und tonlos: „Sie muss ins Verliess 7 gebracht werden. Jetzt.“
Arik sah mich erstaunt an, ich hatte das Gefühl er lächelte leicht. Seine Augen blitzten definitiv kurz auf. Er nickte Juri zu die jetzt wieder hinauf ging. Juri schien wieder davon zu gleiten. Lautlos und graziös. Mit Leichtigkeit nahm mich Arik auf seine Arme und trug mich hinunter. Bei ihm fühlte ich mich relativ sicher. Seltsamer weise fühlte ich mich in seiner Gegenwart fas am wohlsten. Den ersten Teil mit Operationssaal und der grossen Halle kannte ich ja bereits schon. Doch es ging noch weiter hinunter. Es wurde immer dunkler und kälter. Ich sah richtige Gefängnis-Zellen und andere die ich in der Dunkelheit nicht genau erkennen konnte. Am Ende des langen Ganges waren wir wohl angekommen. Er stellte mich hin. Vor der Glaswand standen 7 Kerzen und und diese zündete Arik nun an. Ich war irritiert. Was sollte das denn? Aber ich war froh über ein wenig Licht. Das tat meinen Augen wirklich gut.
Jetzt konnte ich sehen dass dieses Verliess nicht durch Gitterstäbe, sondern durch diese Glaswand abgetrennt war. Dann öffnete Arik die Glas-Türe und ich ging hinein. Danach verschloss Arik die dicke Glas-Türe. Die restlichen Wände in diesem Raum waren aus massivem Stein. Kalt. Im Raum selber hatte es nichts. Kein Stuhl, kein Bett, keine Toilette. Einfach nichts. Ein leerer kalter Raum in dem das Atmen schwer viel. Ich konnte Arik noch vor dem Verliess stehen sehen. Er zündete die Kerzen nochmal an die beim zuschliessen der Türe wieder erloschen waren. Insgesamt sieben Kerzen. Da ich etwas fröstelte wäre ich froh gewesen die Kerzen im Raum stehen zu haben statt davor. War wohl so beabsichtigt. Arik blieb vor der Glaswand stehen und sah mich eingehend an. Tatsächlich schien er mich von oben bis unten zu mustern. Er verschränkte dabei seine Arme. Egal was ich in diesem Raum tat, man würde alles sehen. Ich konnte mich nicht zurückziehen. Verwirrt ging ich etwas näher an die Glaswand und sah Arik an. Ich betrachtete ihn genauso wie er mich zu mustern schien. Seine seltsamen gelben Augen, sein langes Gesicht und sein Fell. Alles an ihm war gefährlich. Seine Kraft muss unglaublich sein. Wenn er mich hielt spürte ich seine starken grossen Hände. Dafür, dass er so feingliederig war hatte er wirklich feste Hände. Mit zu langen schwarzen Fingernägeln. Wenn man ihn länger betrachtete konnte man ihn durchaus als interessant und hübsch einstufen. Wenn man mal von der ungewöhnlichen Augenfarbe absah.
Nun sah mir Arik direkt in die Augen und schüttelte leicht seinen Kopf und begann zu lächeln. Sein Lächeln war unglaublich warm. Was wollte er mir mitteilen? Dann kam er einen Schritt auf mich zu und hielt seine rechte Hand an die dicke Glaswand. Eigentlich verstand ich nicht was Arik damit bezweckte. Doch ich wurde neugierig. Zögernd hielt ich meine, verhältnismässig kleine linke Hand an dieselbe stelle wie seine. Auf Ariks höhe. Ich riss meine Augen gross auf. Tatsächlich spürte ich seine wärme durch das dicke Glas. War das wirklich möglich? Trotz der dicken Scheibe konnte ich seine Körperwärme spüren. Arik schien förmlich zu glühen. Wir sahen uns direkt in die Augen. Keiner von beiden wendete den Blick ab. Das Ganze war so unglaublich faszinierend. Ich wollte mehr von Arik wissen. Also hielt ich die andere Hand ebenfalls an die Scheibe und er tat es auch. Jetzt lächelte ich leicht. Vertraute er mir etwa? Danach schloss ich meine Augen und versuchte mich der wärme hinzugeben. Ich spürte seine unglaubliche Kraft. Ein Gefühl unendlicher Traurigkeit trug mich. Ich begann mein Herz für dieses seltsame Wesen zu öffnen. Ich begann mit dem Herzen zu denken und liess mich nicht von meinem Verstand leiten. Dann stammelte ich automatisch irgendwelche seltsamen Worte. Arik begann sein schnell schlagendes Herz zu öffnen und ich sah: Wadim! Tief in ihm drin war er Wadim. Seine Seele besass also einen Namen!
Wortlos riss ich die Augen auf und sah ihm wieder direkt in die Augen. Er lächelte wieder und seine Augen schienen offen und ehrlich. Ein hübsches lächeln das sein Gesicht zum leuchten brachte. Dann wendete er sich einfach ab und ging. Ich war seltsam berührt. Er öffnete sein Herz für mich. Unglaublich. Doch was bezweckte er denn damit?
Arik war also nicht gegen sonder irgendwie für mich. Ob Arik spürte dass er mir vertrauen konnte? Bin ich seine einzige Chance oder ist das alles nur ein Spiel? Und das Werk von Wlad? Viele Fragen die offen blieben.
Anschliessend begab ich mich in den hinteren Teil des Raumes und sass hin. Ich schloss meine Augen. Mich beschäftigte die Frage warum man dieses Verliess; sieben nannte. Zahl Sieben setzt sich aus der drei und der vier zusammensetzt. Die drei steht für die Seele und alle geistigen Dinge. Die vier ist die Zahl der Elemente. Eine seltsame Zahl für dieses Verlies. Des Weiteren gibt es die sieben Sinne: Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Tasten, Orientierung und Gleichgewichtssinn. Und die Erschaffung der Welt war in sieben Tagen…
Mit dem Oberkörper lehnte ich an der kalten Wand an. Doch ich war noch so voller wärme dass ich es nicht spürte wie kalt die Wand eigentlich war. Dieses Zeichen von Arik führte mich ein wenig zu mir selbst. Wer ich bin und wer ich geworden bin. Ich musste Lernen wie eine Hexe zu handeln. Bis anhin tat ich gewisse Dinge einfach ohne zu wissen aus welchem Grund ich so handelte. Ich musste mich mal um mich: Elisabeth kümmern. Wer war ich geworden?
Dann konzentrierte ich mich wieder auf die Zahl sieben. Dieser Raum, sprich dieses Verlies schien mir Kraft zu spenden. Eigentlich musste ich Wlad dankbar sein dass er mich hier unten einsperrte. Ich begann mich zu erinnern, ich war die Eine, die Legende! Führte mich die Legende zufällig hier hin? Ich hatte Macht. Wusste nur noch nicht wie sie einzusetzen war. Wlad schien mächtiger zu sein. Mit Wlad ist nicht zu spassen. Er meinte was er sagte, ob es mir gefiel oder nicht.
Ich musste versuchen mich neu zu entdecken. Ich brauchte Kiran. Ich sehnte mich nach ihm. Sehnte mich nach seiner Wärme und Geborgenheit. Nach seiner unendlich grossen, ehrlichen Liebe. Die Erinnerung an ihn schmerzte. Die Leere in mir war gross und nahm zu. Wlad war davon überzeugt ich würde das Band zwischen mir und Kiran lösen. Ich musste stark bleiben.
Schlussendlich begann ich mich auf Kiran zu konzentrieren. Sammelte meine Bilder zusammen die ich von ihm in meinem Herzen trug. Mit der Zeit wurden meine Bilder immer klarer und ich kam ihn eine Art Trance zustand. Dieser leere Raum mit dieser Stille half mir, mich ganz auf mich und meine Liebe zu konzentrieren. Ich und mein Gefährte Leon. So musste sich Meditieren anfühlen. Ein herrliches Gefühl von Freiheit stieg in mir hoch. Ich durfte nicht senden doch ich konnte mein Herz öffnen. Ich fand meine Herzmitte. Und es fühlte sich richtig gut an. Etwas geschah mit meinem Körper. Ich öffnete mein inneres Auge und sah einen anderen Ort vor mir. Ich sah Kiran, sah ihn im Wald bei Suck. Er war also in Sicherheit. Ich war so unendlich froh darüber. Automatisch musste ich lächeln. Kiran drehte sich um und sah in meine Richtung. Auch er lächelte mich an. Danach verschwand das Bild und meine Augen richteten sich auf die Glaswand.
Da standen zwei Vampire Wesen die gegen die Wand trommelten und mich dabei an sahen. Sie klopften an die Wand um meine Aufmerksamkeit auf sie zu richten. Die sich auch bekamen. Ich sah wie sie ihre Zähne fletschen. Doch ich hörte sie nicht. Darüber war ich erfreut, es reichte mir ihre hässlichen Visagen ansehen zu müssen. Dann erschien Eric mit seinen zwei Gespielinnen und übergab sie den Vampiren. Die Frauen mussten unter starken Alkohol oder Drogen stehen. Oder er hatte sie Hypnotisiert. Wie auch immer, sie gaben sich freiwillig in die Arme der Vampire. Diese Fackelten nicht lange und fingen an sie zu beissen. Meine Augen weiteten sich. Mein Atmen blieb aus. Die Frauen wurden nicht einfach „gebissen und ausgesaugt“, sie wurden regelrecht vor meinen Augen hingerichtet. Ich sollte sehen wie brutal sie vor gehen konnten. Eric hielt seinen Blick auf mich gerichtet. Etwas später ging Eric triumphierend. Arik stand auch in der Nähe. Eigentlich wollte ich meine Augen schliessen, doch ich zwang mich dazu dieser Hinrichtung zu zusehen. Ich musste wissen wozu eine solche Kreatur fähig war. Ein wirklich grässlicher Anblick.
Schlussendlich lagen überall blutige Leichenteile herum. Die Vampire sahen Blutverschmiert in mein Verlies und grinsten fies in meine Richtung. Ich nickte ihnen zu. Natürlich hatte ich die Drohung verstanden, das durften sie Wlad gerne mitteilen. Jetzt stieg Übelkeit in mir hoch. Ich versuchte mich dagegen zu wehren. Schloss die Augen wieder. Konzentrierte mich nochmals auf meine Gefühle für Kiran. Es half! Mein Magen beruhigte sich und mein Herz begann sich zu öffnen und ich begann wieder Luft zu atmen. Ruhe kehrte in mir ein. Als ich wieder auf sah, waren alle gegangen.
Mir kam die Idee etwas nachzuschauen was ich denn so als Hexe alles drauf hatte. Hier wollte ich versuchen zu üben. Die Nacht war noch lang. Also setzte ich mich so hin dass ich etwa einen Meter von der Stein Wand weg sass. Ich machte, wie automatisch, ein paar Handzeichen und die Wand vor mir wurde mit Nebel überzogen. Eigentlich wusste ich nicht genau was ich da tat. Ich folgte meinen Instinkten. Dann sah ich genau hin. Im Nebel sah ich Kiran wie er da sass. Kiran lächelte mich liebevoll an und hielt seine Hand zu dem Nebelbild hin. Ich tat es ihm gleich. Es fühlte sich seltsam aber gut an. Ich konnte ihn nicht direkt spüren. Doch eine Welle von Gefühlen umhüllte uns die mich glücklich stimmte. Ich seufzte auf und verschloss das Bild wieder. Ich bewahrte es in meinem Herzen auf. Kiran ging es gut, er war bei Suck und seine Genesung ging voran. Mehr konnte ich im Moment nicht erwarten. Ich war zur Abwechslung einfach mal glücklich. Endlich war ich so müde dass ich einschlafen konnte. Im schlaf stiegen die grässlichen Bilder nochmals hoch. Eine Hinrichtung wie sie schlimmer nicht sein konnte. Niemals würde ich vergessen was für ein fürchterlicher Mensch dieser Wladimir sein konnte.
Schlussendlich vergass ich Raum und Zeit. Keine Ahnung wie lange ich da unten gelegen habe. Ich wurde von Wlad geweckt. Er kniete neben mir und lächelte mich wie immer nett an und meinte: „Gut geschlafen…“
Ich sah ihn nur an und sagte kein Wort. Sah keinen Grund um mich mit ihm zu unterhalten. Anscheinend amüsierte ihn meine Reaktion wieder, denn ein Lächeln umspielte seine Lippen. Nun rief er nach Arik der mir aufhelfen sollte.
„Du hast etwa zwei Stunden Zeit, dann erwarte ich dich beim Frühstück“, erklärte mir Wlad und ging.
Arik trug mich hinauf. Seine wärme tat mir gut. Ich drückte mich fest an ihn. Arik schloss die Türe hinter sich und legte mich auf mein Bett. Er sass neben mich hin und strich mir sanft durch mein Haar. Ich setzte mich auf und er nahm mich in die Arme. Mein Schutzschild brach und Tränen flossen aus meinen Augen. Die Berührung tat gut ich fühlte mich besser. Als ich mich beruhigt hatte ging er lautlos hinaus.
Ich machte mich frisch, duschte lange und ausgiebig. Langsam zog ich mich um. Als die zwei Stunden vorüber waren kam Arik wieder und holte mich ab. Diesmal sah ich keine Regung mehr in seinem Gesicht, er war wieder wie versteinert. Was war los gewesen? Ein schönes Haus mit seltsamen Kreaturen die so unglücklich waren. Ich fühlte bedauern. Als wir im Speisesaal angekommen waren sass ich, ohne etwas zu sagen, ab. Wlad brach das Schweigen indem er berichtete: „Du sahst gestern Abend wirklich bezaubernd aus. Ich bekam viele Angebote für dich.“
Ich lachte laut auf und ich erwiderte: „Vielleicht hättest du ein Angebot annehmen sollen.“
Er lächelte wieder vor sich hin. Ich wollte seine gute Laune nutzen um ihn zu fragen: „Wie viele Leben lebst du?“
„Neben Wlad, Jacky und Eric gibt es da noch Samuel und Jonathan.“
„Welche der Gestalten bist du. Ich meine …“
„Ich weiss was du wissen willst. Mein wahres ich ist der Mann aus dem Flugzeug. Das ist Wlad. Ich sitze also vor dir. Du hast gut gewählt.“
„Ich versteh nicht. Du ähnelst Marius so sehr.“
Er seufzte auf: „Das ist wohl war. Nenn es Zufall.“
„Ist es Zufall?“, fragte ich nach.
„Nein, natürlich nicht. Wir sind entfernte Verwandte. Hätten wir uns nicht per Zufall, durch die adligen getroffen wären wir nie dahinter gekommen. “
Ich staunte darüber dass Wlad heute Morgen so redeselig war. Nach dem gestrigen Vorfall gab es für mich eigentlich nicht viel Grund mit ihm zu sprechen. Doch ich wollte seinen Redeschwall nicht unnötig bremsen. Also fragte ich ruhig weiter: „Du lebst also weitere Leben, als bedeutende Männer oder Frauen?“
„Mal mehr Mal weniger. Mehr musst du nicht wissen.“
„Kann ich dich um etwas bitten?“
Jetzt hatte ich seine ganze Aufmerksamkeit: „Kommt auf einen Versuch an. Denke ich.“
„Bitte lass mich ein paar Schritte draussen machen. Ich brauche etwas frische Luft.“
Wlad lachte nochmals bevor er mir antwortete: „Ja. Nach gestern Nacht kann ich mir das durchaus vorstellen. Arik wird dich begleiten. Sag ihm einfach Bescheid wann du gehen möchtest.“
Es war so schwer nur das Monster in Wlad zu sehen, heute Morgen war er so normal, so nett. Wir führten Gespräche als würden wir uns schon lange Zeit kennen. Als wären wir uns so vertraut. Doch ich durfte ihm nicht trauen. Niemals!
„Übrigens, gut dass du den Brief an deine Mutter so rasch geschrieben hast. Eine gute Themenwahl, geschickt geschrieben. Wir werden ihr bald ein paar Fotos schicken von Dir und Kiran.“
Da war es auch schon wieder: Das Monster in ihm. Als das Frühstück endlich vorbei war brachte mich Arik wieder in mein Zimmer. Natürlich stand da bereits wieder das Wasser mit den Medikamenten bereit. Wie nett! Wenigstens etwas worauf man sich in diesem Haus verlassen konnte. Es hatte eine Regelmässigkeit. Ich wurde wie ein kleines Kind behandelt das einen strukturierten Tagesablauf brauchte. Meine Müdigkeit war so gross dass ich mich noch etwas hin legen musste.
Gegen Mittag wurde ich wach. Mein Magen knurrte und ich spürte ein kleines Hungergefühl. Ich sass auf und bemerkte mit Entsetzen dass wieder jemand in meinem Zimmer gewesen sein musste während ich schlief. Auf dem Schreibtisch standen etwas keines zu Essen und ein Brief. Natürlich humpelte ich hin um ihn zu lesen:
Liebe Elisa, Samuel (also ich) musste dringend an ein Meeting. Bin nicht lange Abwesend. Halte dich im Zaun, sei nicht übermütig. Freue mich auf unser gemeinsames Nachtessen. Dein Wlad.
Dein Wlad, Übelkeit machte sich breit. Ich wusste dass ich mich mit meinen Kräften zurückhalten musste doch ich hatte da bereits meine eigenen Ideen. Ich legte den Brief bei Seite und begann zu essen. Danach klingelte ich gelassen nach Arik. Schön zu wissen das Wlad im Moment nicht auf dem Anwesen anzutreffen war. Erleichterung machte sich in mir breit. Arik hatte auch einen gelösteren Gesichtsausdruck. Ich konnte sogar ein kleines Lächeln erkennen. Ich erklärte dass ich hinaus wollte. Er strich mir durchs Haar und hob mich, samt den Krücken, hoch. In der Einganshalle entledigte er sich von seinem Umhang und ich schloss meine Augen für einen Moment. Ich musste ja nicht alles mit ansehen.
Als er die Eingangstür öffnete wurde er zum grossen grauen Wolf. Im Gegensatz zu Kiran ist er ganz und gar ein Wolf. Kiran war irgendwie Wolfsmensch… oder so ähnlich. So langsam verstand ich warum Kiran von einem Wolfsmensch sprach. In dieser Gestalt ist bei Arik nichts menschliches mehr zu erkennen. Langsam schritt er voraus und ich humpelte ihm mit meinen Krücken nach. Die frische Luft tat gut. Arik war als Wolf sehr aufmerksam, er schien jedes Geräusch aufzunehmen. Seine Ohren spielten in alle Richtungen. Ich für meinen Teil fand es hier sehr, sehr ruhig. Ich sah schräg zu ihm rüber und sprach ihn an: „Wadim“, sein Kopf schreckte hoch, „ich danke dir für deine wärme gestern Nacht und dafür dass du dein Herz geöffnet hast. Ich versteh nicht ganz weshalb du nicht sprichst. Du kannst grollen und heulen, also hast du eine Stimme. Wieso lässt du alle im Glauben du könntest nicht sprechen?“
Der Wolf schüttelte seinen Kopf. Er führte mich an einen Ort abseits des Weges. Es sah aus wie eine kleine Kapelle. Die Kapelle musste schon sehr alt sein. Alt und hübsch. Leider war sie etwas verwahrlost. Man konnte erkennen dass sie mal wunderschön war. Wir gingen hinein. Hier drin verwandelte er sich wieder in Arik. Da er jetzt nackt vor mir stand wandte ich meinen Blick wieder von ihm ab und drehte mich um.
„Es ist in Ordnung, ich habe hier auch einen Umhang deponiert. Sieh mich bitte an.“ Hörte ich seine raue, starke, dunkle Stimme.
Mein Mund öffnete sich da ich doch überrascht war von seiner dunklen rauen Stimme. Wäre ich ihm einfach so begegnet hätte ich mich vor dieser Stimme gefürchtet. Ich hatte also Recht, er konnte sprechen. Diese dunkle Stimme passte so gut zu ihm. Also drehte ich mich wieder zu ihm hin. Warum er wohl entschied mit mir zu sprechen?
Er sprach jetzt leise: „Ich wurde sozusagen von Wlad erschaffen. Das erste was ich zu Gesicht bekam war ein Vampir der nicht gehorchte. Dieser landete draussen im hellen Licht und verbrannte vor meinen Augen. Damals schwor ich mir, nie zu sprechen. Ich kann Gedanken senden, das weiss Wlad. Auch die Vampire haben mich noch nie sprechen gehört. Es wäre zu unsicher. Behalte es für dich. Niemals darf Wlad was davon erfahren, niemals.“
„Macht Wlad nie einen Fehler?“
„Wlad ist im Gegensatz zu uns schon sehr, sehr alt und hat mehr Erfahrung. Das macht ihn stark und wir sind unsicher. Wir kennen seine Kraft auch nicht ganz genau. Versuche sein Vertrauen zu gewinnen und kämpfe nicht gegen ihn an. Wenn er wütend wird kann er grausam sein.“
„Kannst du mir sagen wo wir sind?“
Er schüttelte den Kopf: „Ich war schon von klein an hier, ich kenne nichts anderes. Es tut mir leid. Versuche klug zu sein und Wlad zu überlisten. Du bist die einzige die es könnte.“
„Weshalb sprichst du mit mir?“
„Für dich sicherlich schwer zu verstehen. Doch ich vertraue dir. Ich fühle mich von dir angezogen. Es scheint logisch und richtig zu sein.“
„Arik, keine Angst ich verstehe was du meinst.“
„Wirklich?“
„Ja, doch sag mir, kann Wlad die Schwingungen in der Kapelle aufnehmen? Ich meine unser Gespräch…“, musste ich jetzt einfach wissen.
Er nickte: „Wenn er hier her kommt um zu kontrollieren wird er spüren dass hier etwas seltsames stattgefunden hat. Also lass uns unser Gespräch beenden.“
Das erschwerte die ganze Sache natürlich. Aber er hatte Recht wir durften nicht zu lange an diesem Ort sein. Wir gingen hinaus und er verwandelte sich rasch wieder in den Wolf. Er war sehr geübt, es ging immer sehr schnell und relativ geräuschlos. Ich war von seinem einfachen Fell wechsel begeistert. Wenn er sich vom Wolf zurückverwandelte perlte sein Fell einfach so an ihm ab. Als wäre es nie da gewesen. Kiran hatte es damit nicht so einfach. Arik sah mich an und sendete: -*Komm, steig auf*-
Nette Idee fand ich und lies die Krücken zurück. Arik war von unglaublicher stärke. Ich hielt mich an seinem Fell fest und er rannte los. Er gab auf mich acht. Und ich fühlte mich, seit langem, wieder frei. Ich konnte nicht widerstehen: -*Kiran liebster, ich habe hier vertraute. Es geht mir gut*-
Ich wartete bis ich Kiran in meinem Kopf hören konnte:
-*Kleines, ich vermisse dich. Mir geht es gut. Danke für das Bild gestern Nacht. Wo bist du*-
Er konnte mich also auch sehen. Automatisch begann ich zu lächeln. Das Bild war doch real. Ein Fortschritt wie ich fand.
–* Die Dinge hier sind kompliziert. Melde dich nicht mehr. Bitte *-
Mehr konnte und durfte ich nicht Preis geben. Als wir zum Haus zurückkamen sahen wir gerade Wlad vor fahren. Er stieg aus und sah uns zu wie wir direkt auf ihn zukamen. Ich war so beglückt und grinste sicherlich über mein ganzes Gesicht. Wlad half mir von Arik herunter: „Wo sind die Krücken?“
„Bei der Kapelle liegen gelassen“, war meine Antwort.
Wlad sah zu Arik und der Wolf verschwand. Ich ging davon aus dass er den Auftrag bekommen hatte meine Krücken zu holen.
„Elisa ich spüre Magie. Hast du eine Erklärung dafür.“
Jetzt musste ich kurz auflachen. Arik war schnell, er war auch schon zurück mit den Krücken. Also begann ich: „In der Kapelle habe ich mit Arik gesprochen, etwas einseitig da er ja keine Antwort gibt. Aber ich habe mal Dampf abgelassen und es tat gut. Als wir wieder hinausgingen hat er zu mir gesendet und gefragt ob ich gerne auf ihn steigen würde. Gesagt getan. Wlad ehrlich, so frei wie heute habe ich mich schon lange nicht mehr gefühlt. Ich würde es gerne wiederholen. Wenn du einverstanden bist?“
Wlad sah nachdenklich aus, ging auf den Eingang zu und hielt mir die Tür auf.
„Ich überlege es mir. Du siehst tatsächlich sehr glücklich und zufriedener aus. Du lächelst zur Abwechslung. Es steht dir gut.“
Auch Arik kam herein und verwandelte sich wieder. Ich hatte das Gefühl ein leichtes lächeln um spiegelte sein Gesicht. Auch Wlad fiel es auf. Er unterhielt sich sofort in Gedanken mit Arik. Danach entfernte sich Arik rasch von uns und Wlad wollte mich nach oben begleiten. Ich seufzte und etwas und Angst schlich sich ein. Hat Arik unser Geheimnis schon entdeckt? Ein gefährlicher Augenblick.
„Was hast du bloss mit Arik angestellt?“, fragte Wlad beiläufig beim hochsteigen der Treppenstufen.
„Die Frage ist eher was hat er mit mir angestellt. Auf eine seltsame Art und Weise gefällt er mir“, versuchte ich abzulenken.
„Hm…, das gefällt mir nicht. Denn du gefällst ihm auch auf eine Art die er nicht zu deuten weiss. Das wiederum kommt mir nicht entgegen. Du solltest gefallen an mir finden.“
„Du ekelst mich an. Opferst Frauen um mir Angst einzujagen. Du erpresst mich und ich darf nicht mich selber sein. Du nimmst was du willst oder vernichtest es einfach. Wie soll ich den da gefallen an dir finden?“
Kaum hatte ich die Dinge ausgesprochen war ich unsicher ob das wirklich eine gute Idee gewesen war. Doch Wlad sprach ruhig: „Ich bin nicht gewohnt zu werben. Meistens bekomme ich was ich will. Ich bin abgestumpft. Langsam möchte ich zur Ruhe kommen.“
„Was verstehst du unter: zur Ruhe kommen?“
„Statt verschiedene Leben wünsche ich mir nur noch ein, höchstens zwei, Leben zu führen. Und das am besten mit einer Partnerin an meiner Seite. Einer starken Partnerin versteht sich.“
„Und wenn ich die falsche bin? Dann bringst du mich einfach um die Ecke?“, fragte ich zwanglos.
„Wer weiss…“, war seine einfache Antwort darauf.
Als wir oben angekommen waren hielt er mir die Tür auf und begleitete mich hinein. Er schien die Schwingungen in diesem Raum zu überprüfen. Anscheinend war er zufrieden. Er nickte mir höflich lächelnd zu und meinte wir sähen uns beim Nachtessen wieder. Als er weg war sackte ich in meinem Bett zusammen. Was für eine blöde Situation. Ich zitterte, es war nicht einfach sich zu verstellen.
Ich beschloss nochmals eine Dusche zu nehmen. Danach war ich bereit für das Nachtessen. Diesmal kam mich Arik abholen. Fragend sah ich ihn an und er zuckte lediglich mit den schultern. Sein lächeln dabei lies mich wohl wissen dass er das Spiel hier im Haus nach Wlads Regeln spielte. Nie im Leben durfte hier im Haus seine Tarnung aufgeben. Wenigstens wurde ich nach unten getragen. Die Körperwärme von Arik tat wieder gut. Ich schmiegte mich ein wenig an ihn an. Bei Wlad liess er mich runter und strich mir durchs Haar. Das Wlad natürlich auch bemerkte. Wlad schickte ihn sofort wütend hinaus. Mir war das Ganze auch etwas unheimlich.
„Elisa, ich werde heute ein paar Fotos schiessen lassen von Kiran und dir. Du wirst deinen Kiran zu Gesicht bekommen.“
„Wlad, diese Äusserung macht dich nicht sympathischer“, war meine schroffe Antwort.
„Ansichtsache. Deine Mutter wird sich bestimmt freuen.“
Da hatte er natürlich Recht.
„Wie viele Zimmer hast du in diesem Haus?“
„Viele und jedes meiner Leben besitzt eigene Räumlichkeiten. Es hilft mir die Rollen überzeugender zu spielen.“
„Welche Rolle ist nicht gespielt? Hast du gespaltene Persönlichkeiten? Vielleicht kannst du ja nichts dafür dass du so bist wie du bist. Vielleicht bist du krank. Das würde dich in ein anderes Licht rücken.“
Wlad lachte laut auf: „Du amüsierst mich wirklich. Natürlich nicht. Aber wenn man so lange lebt wird es einem langweilig. Irgendwann bin ich auf die Personen gestossen und habe sie ausgelöscht. Zuerst war es nur ein Versuch ob ich überhaupt das Leben eines anderen Menschen übernehmen konnte. Aus einwenig Spass wurde Pflicht und diese gefiel mir sehr. Du verstehst, darin besteht auch Macht. Entweder sammle ich verrückte Wesen die ich ergründen und verstehen will, oder ich bin eine andere Persönlichkeit. Und lebe die verschiedenen Leben. Nenn mich einen Sammler oder Spieler, wie du willst.“
„Verrückter trifft es besser. Was willst du dann mit mir?“
„Ich bin es leid zu sammeln und zu spielen. Ich möchte mich mit dir zur Ruhe setzten.“
„Wieso ich?“, wollte genauer wissen.
„Als ich bei Marius von dir erfahren habe wurde ich süchtig nach der Suche nach dir. Marius hat mich so unglaublich neugierig auf dich gemacht. Als ich dich das Erste Mal sah war ich dir bereits verfallen. Du bist speziell. Ich muss dich einfach besitzen.“
Ich schüttelte den Kopf da unsere Unterhaltung immer in dieselbe Richtung lief.
„Zeigst du mir das Haus bei Gelegenheit?“
Diese Frage meinte ich Aufrichtig, ich wollte gerne die restlichen Räume begutachten. Wlad lies meine Frage offen im Raum stehen. Es wurde nicht mehr gesprochen.
Nach dem Essen kam er etwas später in mein Zimmer als Kiran. Staunend sah ich ihn an. In Kirans Gestalt rief er Juri zu uns hinein. Juri musste die Fotos von uns schiessen. Kiran vor mir stehen zu sehen und zu wissen er war es nicht… Dieses Gefühl war sehr heftig. Meine Sehnsucht erwachte. Die Leere in meinem Herzen schmerzte. Das Ganze machte mich etwas benommen. Als Juri und Wlad wieder gegangen waren, sackte ich wieder auf das Bett nieder. Meine Beine zitterten. Ich war hier zur falschen Zeit am falschen Ort.
Die Zeit verstrich. Ich wusste nicht einmal welcher Wochentag heute war. Kiran wich immer weiter weg. In den nächsten Tagen riss Wlad sich zusammen und war ausgesprochen nett zu mir. Am Morgen wurde natürlich zusammen gefrühstückt. Danach wurde mir nach und nach ein neuer Wohnbereich gezeigt. Zwischendurch lies mich Wlad ein zwei Tage hier zurück da er als andere Person auf einer Mission war. Er wusste genau dass Juri und Arik auf mich aufpassten. Juri war immer noch etwas distanziert. Jedoch neugieriger wie auch schon.
Die Zimmer von Eric, Samuel und Jonathan waren sehr unterschiedlich. So wie die Personen selbst. Wlad versuchte mir die Personen aus seiner Sicht zu erklärten. Dabei blieb er Wlad und verwandelte sich nicht in diejenige Person. Dafür war ich irgendwie dankbar. Pro Tag nahmen wir eine Person durch, wenn er da war versteht sich. Ich verstand dass diese Personen seinen Zweck in seinem Leben erfüllten. In meinen Augen war Wlad ein kranker Mann der versuchte seinen Platz zu finden. Doch die Zeit lies ihn sprichwörtlich durchdrehen. Ich war mir nicht sicher ob es eine gute Idee war mich so nah auf ihn einzulassen. Doch ich musste mehr über ihn in Erfahrung bringen.
Nachmittags durfte ich manchmal mit Arik jeweils für eine Stunde raus. Wir streiften durch den Wald. Manchmal landeten wir in der Kapelle. Das war der einzige Raum in dem Arik sprach. Die Stimme von Arik empfand ich mittlerweile als sehr angenehm. Seine Stimme war so besonders. Eine sehr tiefe, dunkle Stimme. Dafür dass er nie die Gelegenheit hatte zu sprechen, sprach er ausgezeichnet. Auf mich machte Arik einen klugen Eindruck. Die Kapelle war sozusagen unser kleiner Zufluchtsort. Wlad spürte natürlich das in der Kapelle gesprochen wurde. Ich gab ihm Recht indem ich ihm erklärte ich spreche dort Gebete. Das liess Wlad verstummen.
Arik wollte Wlad im Glauben lassen das er Gefallen an mir gefunden hatte. Ich fand die Idee absurd. Arik erklärte mir mit seiner tiefen Stimme: „Sehe es als Chance. Wenn Wlad sich um dich bemüht, weil ich Interesse an dir Zeige wird er vielleicht Unvorsichtig.“
Ich schnaubte: „Kann schon sein. Doch was ist wenn er dich einfach aus dem Weg räumt. Hast du daran schon gedacht. Dann sind wir verloren.“
„Vielleicht wäre das meine persönliche Art von Erlösung.“ War Ariks ernste Antwort. Ich konnte verstehen was Arik mir damit sagen wollte. Ein solches Leben zu führen war nicht lohnenswert. Nun war ich da und seine Chance kam. Ob wir gewinnen oder er getötet wurde spielte Arik keine Rolle. Arik würde so oder so als Gewinner davon gehen. Ich schluckte schwer da ich definitiv nicht für den Tod von Arik verantwortlich sein wollte. Meine Lage wurde irgendwie nicht besser. Nicht auszudenken wenn Arik nicht mehr wäre. Doch für heute wollte ich diesen Gedanken aus meinem Kopf vertreiben und genoss den Ausritt auf Arik als Wolf.


Erics Räume


Eric der Multimillionär, der gerne mit Prostituierten spielte. Er liebte die Vorzüge der Prostitution. Dabei fühlte er sich so Mächtig. Eigentlich ein armes Geschöpf keine Liebe für sich gewinnen zu können. Für mich, ein Mann mit schweren Defiziten. Er tat wohl so als wäre er ein toller selbstbewusster Mann. Doch in seinem Innersten war er wohl alles andere als selbstbewusst. Warum Wlad nicht mehr aus dieser Person herausholte war mir rätselhaft. Denn Wlad musste ja nicht jede Eigenheit gleich ganz übernehmen. Aber anscheinend waren es genau diese Gegensätze die Wlad so reizten.
Mit einer selbständig denkenden Frau würde Eric nicht zu Recht kommen. Eric, oder in diesem Fall doch eher Wlad (?), suchte sich zwischendurch Prostituierte von der Gasse. Da es keine Rolle spielte ob diese Frauen nachher wieder auftauchten, spendierte er ab und an mal eine der „Damen“ seinen Vampiren. Er war ja so grosszügig zu seinen Untergebenen! Was die Vampire mit ihnen anstellten war im so etwas von egal. Hauptsache die „Damen“ kamen nicht mehr lebend aus dieser Affäre hinaus. Das war seine einzige Bedingung. Nach dem Vorfall im Verlies 7 konnte ich mir nur zu gut vorstellen was die Vampire mit den „Damen“ so anstellten.
Dieser Eric war mir ausserordentlich unsympathisch. Ein richtiges Ekelpaket. Eric war ein durchschnittlich aussehender Mann um die 50 Jahre. Seine Haare schon graumeliert. Seine Brille stand ihm zwar gut, er trug sie auch wie ein Schmuckstück. Natürlich hatte die Brille ein Vermögen gekostet. Davon ging ich mal aus. Das viele Geld verdiente er durch eine Firma die Hardware und Software herstellte. Er selbst schien „nur“ noch den Chef zu spielen und hatte seine Angestellten die die eigentliche Arbeit erledigten. Eric nahm sozusagen nur noch den Ruhm und das Geld entgegen.
Wlad erklärte mir dass er deswegen nicht mehr viel in dieser Gestallt zu sehen sei. Der Laden laufe von selbst. Eric schmiss ab und an einfach eine seiner berüchtigten Partys und alle waren zufrieden. Der letzte Anlass war wohl so eine Party. Ich hatte bedauern mit den Frauen. So etwas hatten sich nicht verdient.
Niemand hat so etwas verdient.
Wlad erklärte mir weiter dass er Erics Leben überdrüssig war. Für ihn gab es keinen Kick mehr. Es war zu einfach. Bei nächster Gelegenheit würde er Eric das Zeitliche segnen lassen. Ich sah Wlad erstaunt an wollte aber im Moment nicht näher darauf eingehen.
Die Unterkunft von Eric sah recht bieder und konservativ eingerichtet aus. Ein Mann der den Prunk und die schein Welt liebte. Eric besass in diesem Anwesen zwei Räume. Sein Schlafzimmer mit dem überdurchschnittlich grossen Kleiderschrank für die vielen teuren Klamotten. Aber die teuren Anzüge sahen noch nicht einmal besonders gut aus. Sein Geschmack gefiel mir überhaupt nicht, alles sehr konservativ. Dieser Mann hatte gar keine Ahnung von Mode. Die Anzüge mussten einfach einen Designer Namen tragen. Das reichte ihm wohl schon. Im Nebenraum, seinem Büro, fand man Fotos von ihm und irgendwelchen Frauen. Es machte den Anschein als hielt er die Frauen wie Trophäen. Ein wirklich kranker Mensch. Wie konnte Wlad sich in einer solchen kranken Menschengestallt wohl fühlen? Es war mir ein Rätsel. Ich musste es ja nicht verstehen, ich ekelte mich.
Die teuersten Computer Anlagen standen in diesem Raum. Wie mir Wlad erklärte waren alle Computer hier im Haus mit seinem oben im Zimmer verbunden. So konnte er also auch als Wlad die Rollen seiner Personen spielen und musste sich nicht mehr verwandeln. Für ihn eine reine Bequemlichkeit. Was für ein schrecklicher, grauenhafter unsympathischer Mann.


Samuels Raum


An einem anderen Tag war Wlad bereit mir Samuel vorzustellen. Samuel hatte ich noch nie zuvor gesehen. Aus diesem Grund stand Wlad ausnahmsweise als Samuel vor mir. Ich staunte wirklich nicht schlecht als diese Fremde Person mich abholte und sich als Wlad zu erkennen gab. Egal in welcher Haut Wlad steckte, seine Augen verrieten ihn immer. Dass mir das nicht früher aufgefallen war.
Samuel der junge und begabte Architekt. Sein Name stand für solide Bauweise. Samuel war sozusagen der Künstler des Bauwerks. Er versuchte mit seinen Bauwerken an die Grenze des Möglichen zu gehen. Brücken zu bauen waren nur eine seiner Spezialitäten. Samuel war Wlads neueste Errungenschaft als Person die er sozusagen spielte. Er befand sich hier auf ganz neuem Terrain. Denn Samuel war ein Mann dem die Türen erst seit kurzem offen standen. Und jetzt rissen sich alle um diese einzigartigen Bauwerke.
Dieser Samuel war ein südländisch aussehender Mann in den besten Jahren. Irgendwie sah Samuel speziell aus. Mit seinem Lausbuben Gesicht und dem spitzen Bärtchen das er trug hätte ich wohl eher auf einen Künstler getippt. Das war er ja auch, nur auf einem anderen Gebiet. Ich musste gestehen, rein äusserlich war Samuel ein Mann den man mögen könnte. Ich entdeckte ein Foto von Samuel und wusste jetzt echt nicht ob der Mann auf dem Foto noch der leibliche Samuel war oder bereits Wlad. Ein sehr seltsames Gefühl. Es tat mir leid dass der echte Samuel Wlad begegnet war. Doch ich behielt es für mich.
Samuel sah vertrauenswürdig und nett aus. Mit der Erscheinung Erics überhaupt nicht zu vergleichen. So extrem unterschiedlich. Wlad erklärte mir dass Samuel im Moment leider keine Zeit für Frauen besass. Er sei zu beschäftigt und konzentriere sich ganz auf seine Arbeit. Diese Person sei im Moment sehr gefragt und koste ihm persönlich am meisten Energie, da er gerade sehr viel Neues dazu lernt.
Die Räumlichkeiten von Samuel waren sehr stielvoll eingerichtet. Warme Töne wie braun, rot doch auch Anthrazit war zu finden. Man fand Fotos von Bauten die er bereits erschaffen hat.
Umso mehr ich von Samuel heraus fand, umso mehr tat es mir leid dass Wlad ihn gefunden und ersetzt hatte. Ich seufzte auf. Dieser Samuel hätte was anderes verdient als den Tod durch Wlad. Was für ein schrecklicher Gedanke! Wlad ist ein sehr kranker Mensch.
Die beiden Zimmer von Samuel verband sozusagen alte Architektur und moderne Einrichtung. Das Ganze sah sehr schön aus. Warm eingerichtete Bereichte. In diesen Bereichen hätte ich mich spontan auch wohl gefühlt. Ich gestand mir ein dass ich neugierig auf diese Person war. Vielleicht war Wlad ja als Samuel erträglicher. Darauf war ich gespannt. Schon irgendwie verwirrend. Unglaublich dass ich mit dem Gedanken spielte Wlad lieber als Samuel um mich zu haben. Diese Person war ja auch Wlad. Das konnte ich drehen wie ich wollte. Langsam wurde ich Irre! Ich sollte hier raus! Nein ich musste hier raus!
Wlad schien mein durcheinander zu spüren und fragte mit dieser netten Stimme die wohl zu Samuel gehörte: „Woran denkst du?“
„Ob du als Samuel nicht erträglicher wärst.“, sah ich ihm direkt in die Augen als ich die Worte aussprach.
Das löste bei ihm einen Lach Anfall aus. Als er sich beruhigt hatte antwortete er: „Ich erschien in dieser Gestallt weil ich neugierig darauf war wie du auf ihn reagieren würdest. Danke, genau so habe ich es mir vorgestellt. Wenn es dir hilft dass ich Samuel bin in deiner Gegenwart mache ich das. Nur werde ich in deiner Gegenwart nicht Samuel spielen. Bin in meinen Räumen Wlad und sehe nur anders aus. Was ist also dein Wunsch?“
„Wäre ja zu schön gewesen. Dann bleib mal Wlad an dieses Ekelpaket habe ich mich langsam gewöhnt.“
Wieder lachte Wlad in Gestalt von Samuel laut auf. Ich für meinen Teil fand unsere Diskussion nicht so erheiternd. Eher ernüchternd.


Jonathans Raum


Wlad erzählte mir an einem anderen Tag von Jonathan. Diesmal begleitete mich Wlad als Wlad und nicht als Jonathan.
Jonathan der GEN-Forscher. Dieser Mann schien in seinem Job exzellent zu sein. Ich ging davon aus weil ich da etliche Auszeichnungen an der Wand hängen sah. Erstaunt las ich das jeweilige Datum der verschiedenen Auszeichnungen. Den Auszeichnungen nach musste er schon vorgeschrittenes alters sein. Es waren viele Auszeichnungen. GEN-Forschung mag ja am richtigen Ort zur richtigen Zeit etwas sinnvolles sein. Doch so wie Jonathan oder Wlad seine Gabe missbrauchten, dafür hatte ich nicht sehr viel übrig. Das war ehrlich gesagt einfach nur widerlich. Unweigerlich war mir der Zusammenhang von Jonathan und Wlad klar. Diese beiden waren sozusagen zusammengeschweisst. Das warf Jonathan in kein gutes Licht. Ganz im Gegenteil.
Wlad zeigte mir dann noch ein Foto von Jonathan. Ein grosser hübscher alter Mann. So wie ich es mir dachte. Auf dem Foto war Jonathan im weissen Kittel zu sehen. Er hatte sehr dunkelgraues gelocktes Haar und dunkle Augen. Die Augen schienen „fast“ schwarz zu sein. Wohl passend zu seinen dunklen Fantasien. Ich sah von dem Foto zu Wlad. Zum ersten Mal erkannte ich dass auf diesem Foto der wahre Jonathan zu sehen war. Denn Wlads Augen waren nie so dunkel. Wlads Augen kannte ich mittlerweile sehr gut.
„Deine Augen verraten dich. Auf diesem Bild ist Jonathan und nicht du zu sehen.“
„Da liegst du richtig.“
„Kanntest du diesen Jonathan schon lange?“
„Wie man's nimmt.“
Wlad erklärte mir dass der Vorgänger von Jonathan, Magnus gewesen sei. Doch Magnus musste ja altern und verstarb. Wlad konnte diese Personen ja nicht über hundert Jahre durchziehen. Jonathan trat stattdessen in seine Fussstapfen. Dieser Jonathan war damals ein Mann mit Visionen. Darum liess er Jonathan lange Zeit freie Hand bis der Tag X kam an dem er zu Jonathan wurde. Jonathan kannte Magnus und so führte eines zum anderen. Vor Magnus sei er Vasall gewesen. Dieser Vasall sei sozusagen für die Entstehung der Vampire zuständig. Vasall habe das Ganze zum Entstehen gebracht. Der liebe Vasall sei seiner Zeit weit voraus gewesen. Doch diese Geschichte wollte er mir ein anderes Mal erzählen. Gerade auf diese Geschichte war ich allerdings sehr gespannt. Denn im Moment verstand ich nur Bahnhof. Ich stand etwas ratlos im Raum. Jetzt hatte er ausnahmsweise mal meine ganze Aufmerksamkeit und hörte mit seine Erzählung auf. Ich seufzte laut auf und Wlad lächelte hämisch. Ich wusste genau dass er seinen Triumph genoss mich so im Regen stehen zu lassen.
Dieses Leben entsprach Wlad wohl sehr, es schien parallel zu seinem zu laufen. Das war mir klar. Eigentlich war Wlad dieser Jonathan oder umgekehrt. Man bemerkte dass Wlads krankhafte Fantasie mit Jonathan übereinstimmten. Wie auch immer. Sie waren sprichwörtlich ein und dieselbe Person.
Wenn ich nur an die manipulierten Vampire dachte die er sich hier angeblich als „Wächter“ hielt. Bestimmt war er zu weit grösseren Schandtaten fähig. Was hatte er bloss Kiran angetan?
Doch nicht nur die Seele von Jonathan war speziell. Auch die Räumlichkeiten von ihm waren sehr schrill. In bunten, leuchtenden Farben und die Möbel wild zusammen gewürfelt. Er hat einfach verschiedener Stielrichtungen wild zusammen gemischt. So sah wohl ein organisiertes Chaos aus.
Beide Zimmer waren wirklich bunt. Eigentlich schien es als wären Jonathan diese Bereiche bei weiten nicht so wichtig wie die Arbeitssäle, sprich seine Labore.
Er fühlte sich sehr wahrscheinlich im Labor mehr zu Hause als hier. In seinem Kreis würde man sicherlich von einem Schenie sprechen. Für mich war er nur wahnsinnig!
Wlad war heute bester Laune. Die Räumlichkeiten bei Jonathan schienen ihn zu beflügeln. Oder eher in seiner kranken Phantasie zu bestärken.
Er erklärte mir: „Ich selbst bin der Besitzer von diesem alten Anwesen. Falls du dich das schon einmal gefragt hast.“
„Hab ich nicht.“
„Lügnerin. Hast du doch.“
Ich seufzte und gab mich geschlagen. Also hörte ich ihm weiter zu was er mir zu erzählen hatte. Wenn er schon etwas erzählte dann war es wohl besser zu zuhören. Vielleicht war das einte oder andere ja noch eines Tages wichtig für mich. Wlad erklärte mir dass er dieses Anwesen gerne vermietet. Man wisse ja nie auf welche Persönlichkeiten man dabei stossen kann. Bei diesem Gedanken lief mir ein Schauer den Rücken hinunter. So lernte er die Menschen kennen. Er habe einige Räume die frei stehen. Auch Jonathan, Samuel und Eric waren in diesem Anwesen hier nur eingemietet. Wenn dann mal ein Anlass stattfand, so wie mit Eric müssen sich die Wächter versteckt halten. Das gehörte mitunter zu Ariks aufgaben sie in Schach zu halten. Arik war das Leittier. Ohne Frage. Was die Belohnung für die Wesen war wusste ich ja nur zu gut. Meine gute Laune war plötzlich auf dem Null Punkt und ich zog mich angeekelt zurück.


Einfach wieder Wladimir


In diesen paar Tagen lernte ich also die andere Welt von Wlad kennen. Eines verstand ich aber nicht und fragte am nächsten Morgen beim Frühstück: „Wlad, du hast mir gesagt du hättest das Leben satt und möchtest aussteigen. Aber wie ich es sehe kannst du nicht wirklich die Finger von Samuel und Jonathan lassen.“
Ich wurde warm angelächelt als er mir antwortete: „Du hast deine Aufgaben gemacht“, er machte eine kurze Pause legte sein Brot hin und fuhr dann weiter, „von Eric werde ich mich trennen. Das ist richtig. Jonathan brauche ich nicht wirklich, ich komme sehr gut ohne ihn zu Recht da er und ich eigentlich dieselbe Person sind. Wie du sicherlich bereits bemerkt hast.“ Ich nickte ihm zu. Und Wlad fuhr weiter: „Du wirst verstehen, für meine Selbstbestätigung war er sehr nützlich. Ich denke, ich werde ihn auch ins Jenseits befördern.“
„Wieso hast du keine Räumlichkeiten für Jacky?“
„Jacky benutze ich nur wenn ich Männer ablenken muss. Es funktioniert wirklich jedes Mal. Jedes Mal. Das belustigt mich wirklich. Sehe aber keine Notwendigkeit sie sonst sein zu wollen.“
„Warum bist du mehr Männer als Frauen? Es gibt so unglaublich viele bekannte und begabte Frauen.“
Er sah mir direkt in die Augen als er hämisch lächelnd erklärte:
„Nenn mich altmodisch. Ich bin als Mann geboren und geniesse meine Männlichkeit sehr. Sex zu haben als Frau liegt mir nicht besonders. Als Mann habe ich mehr Macht, mehr stärke. Darum geht es bei mir immer.“
Das ich nicht von selbst drauf gekommen bin… War ja klar! Stärke und Macht konnte er sich nur als Mann vorstellen. Ich wollte mehr wissen.
„Was ist mit Samuel?“, hackte ich also noch nach.
Wlad sass ruhig da und sah mich direkt an.
„Nun, ganz einfach. Samuel bleibe ich noch eine Zeitlang. Ein absolut fantastischer Mann auf seinem Gebiet. Ich habe mich so lange mit dem beschäftigt was und wie Samuel seine Bauten zusammen setzt bevor ich zu Samuel wurde. Es hat mich einige Jahre gekostet. Und nun bin ich soweit diese exzellente Bauweise weiter zu führen. Samuel ist sehr interessant. Ich will ja nicht dass es mir zu langweilig wird. Sieh es als Hobby.“
Jetzt lachte er kurz auf. Er fand seinen Witz wohl gut…
„Was machst du denn mit den anderen Räumen? Ich meine die Räume die dann frei werden?“
Wlad schien einen kurzen Moment zu überlegen. Als er so weit war sprach er gelassen weiter: „Meine liebe, die Räumlichkeiten von Eric könntest du haben und für deine Zwecke einrichten. Sobald du dich zu mir bekennen kannst hast du freien Zugang zu allem hier im Haus. Und kannst machen was du möchtest. Beenden wir das Gespräch für heute.“
Ich stöhnte auf. Er gab wohl wirklich nie auf. Ich stand auf und wollte mich zurückziehen doch ich kam nicht weit da er mich bereits eingeholt hatte. Das wiederrum kein Wunder war denn ich humpelte immer noch. Zwar nicht mehr an den Krücken doch der Gibs behinderte mich gewaltig. Wlad hielt mich fest.
„Au!“ Schrie ich kurz auf.
„Du weißt ich könnte dich mit Gewalt nehmen. Jederzeit!“
Warum er jetzt so plötzlich gereizt war verstand ich nicht. Denn ich für meinen Teil hatte das Gefühl ich hätte ihm keinen Anlass dazu gegeben. Also zuckte ich mit der Schulter auf und erklärte:
„Wenn es dir gut tut und du willst, dass ich dich für den Rest des gemeinsamen Lebens hasse. Nimm mich. Tu es! Aber - tu - es - jetzt!“
Fluchend liess er von mir ab und war sogleich auf dem Weg hinaus. Meine Beine zitterten ein wenig. Doch ich nahm meinen Mut zusammen und rief ihm nach: „Wlad, wieso willst du mich? Ich verstehe dich nicht. Aus reiner Habgier oder liebst du mich wirklich?“
Ruckartig blieb er stehen. Ich sah wie er tief einatmete und sich wieder zu mir drehte. Langsam kam er wieder auf mich zu und sah mir dabei direkt in die Augen. Er trat noch näher an mich heran. Ich versteifte mich dabei etwas denn ich wusste ja nicht was jetzt auf mich zukommt. Wlad sah ebenfalls sehr angespannt aus. Ich war mir nicht sicher ob er gleich los schreien oder zuschlagen würde. Schlussendlich kam er so nah an mich heran dass er seine Stirn an meine legte. In diesem Moment schluckte ich schwer. Er schloss dabei seine Augen. Es hatte tatsächlich etwas Menschliches. Eigentlich ein sehr intimer, persönlicher Moment.
Meine Augen blieben offen, ich konnte sie nicht schliessen. In diesem Moment hielt ich es jedoch für falsch mich von ihm abzuwenden. Wlad schien wirklich zu leiden. Also wartete ich einfach ab. Als er sich wieder gefangen hatte bekam ich einen sanften Kuss auf meine Stirn. Wortlos ging er danach langsam hinaus. Er gab mir keine verbale Antwort. Die Geste verstand ich auch so. Ich stand da wie angewurzelt. Dann sprach Wlad doch noch beiläufig beim hinaus gehen: „Juri oder Arik sollen dir heute noch unsere Bibliothek zeigen. Ich halte mich heute besser von dir fern.“
Diese Reaktion erstaunte mich mehr als ich in Worte fassen konnte. Ich zog die Augen zusammen. Dabei runzelte sich meine Stirn. Seltsamer Mann, ging es mir durch den Kopf. War das ganze wieder gespielt? Hat er es für mich wieder einmal inszeniert? Oder sollte ich doch einmal umsichtiger mit ihm sein. Welche Seite an ihm war denn echt? Er tat mir tatsächlich fast ein wenig leid.
Zum Glück kam ich nicht dazu mir weiter Gedanken zu machen denn Arik stand bereits lächelnd vor mir und trug mich in mein Zimmer hinauf. Wenn Arik gut drauf war und lächelte war sein Gang auch anders. Er hatte einen lässigen Gang und nicht so versteift wie sonst. Als ich endlich, im Zimmer, alleine war sass ich hin und musste meine Gedanken sammeln. Wie sollte es bloss weitergehen? Tatsächlich dachte ich immer weniger an meinen Kiran. Das durfte nicht sein. Ich durfte mich nicht so ablenken lassen. Kiran musste mich doch hier raus holen. Doch was würde geschehen wenn Kiran hier her, an diesen unheimlichen Ort, kam? Die Werwolf-Vampir Kreaturen mussten zuerst sterben. Kiran durfte nicht allein hier auftauchen, das wäre zu gefährlich. Falls Joe oder Ben mitkommen würden, waren wir stark in der Unterzahl. Was war mit Arik? Wird er mit uns kämpfen? Und Juri? Ich sah etwas Gutes in Juri. Falls die zwei mit und für uns kämpften, was würde danach mit ihnen geschehen? Wie sollte man Wlad vernichten können? Wollte ich ihn denn überhaupt vernichten? Wo war eigentlich gleich mein zu Hause? Es herrscht wirres Chaos in meinem Kopf.
In diesem Moment brauchte ich Kiran eigentlich mehr denn je. Ich wusste genau dass ich hier alleine die Entscheidung über das weitere Geschehen treffen musste. Denn Kiran und Joe wären nicht objektiv genug, wenn es um mich ging. Die beiden hatten keine Ahnung was sich hier alles abspielte. Daher würden sie einfach wild darauf los kämpfen um mich zu befreien. So wie es im Moment aussah konnte das für meine Liebsten nicht gut ausgehen. In nächster Zeit würde ich mich nicht mehr so ablenken lassen dürfen. Ich musste mein Ziel verfolgen. Den Plan für Wlads Vernichtung musste ich liefern, wenn ich wollte dass wir als Sieger da raus kommen. Im Moment drehte ich mich wieder mal im Kreis. Die Verantwortung lastete schwer auf mir. Also beschloss ich, mich noch einwenig hinzulegen. Ich wäre gerne eingeschlafen doch ich konnte nicht ich war hellwach. Zu viele wirre Gedanken schossen durch meinen Kopf. Also entschloss ich mich die Klingel zu betätigen. Diesmal kam Juri zu mir hoch. Sie hatte wieder einmal diesen strengen traurigen Blick.
Ich lächelte sie an: „Würdest du mir bitte die Bibliothek zeigen?“
Sie nickte mir zu und ging vor mir her und ich humpelte ihr nach. Ich fand ich humpelte schon recht gut. Sie sprach in dieser Zeit kein einziges Wort.
Die Bibliothek war sehr gross, sie streckte sich über 3 grosse Zimmer hindurch. Ich staunte als ich die tollen Räume zu Gesicht bekam. Wunderschön romantisch gestaltete Räume mit viel hübsch, geschwungenem Holz und Glas Vitrinen. Diese Räume waren wie geschaffen für Bücher, etwas anderes konnte man sich hier gar nicht vorstellen. Es sah aus wie eine antike gut erhaltene Bibliothek mit einer Wunderfollen Stimmung. Zum ersten Mal sah ich hier so eine hohe Treppe die unten mit Rädern versehen war. So dass man damit von Regal zu Regal ziehen konnte. Die Leiter war zwar stark abgenutzt aber in einem sehr guten Zustand. Alles war gut gepflegt worden. Ich begann durch die Räume zu schlendern. Eine grosse Vielfalt an Büchern war vor zu finden. Wlad besass unter anderem Bücher die sehr alt, und vermutlich sehr wertvoll waren. Diese hatte er hinter Glas gut geschützt. Ansonsten würden sie sicherlich gleich zerfallen. Diese Bücher waren gut verschlossen.
Dann gab es Bücher von moderner Literatur, Gedichte und Verse. Sogar wenige Kinderbücher und Gartenbücher standen in einem kleinen Regal. Ich war fassungslos begeistert.
Alles war ganz sorgfältig nach Themen sortiert. Im mittleren Zimmer standen des Weiteren drei bequeme Stühle die zum ausruhen einluden. Daneben jeweils einen kleinen Tisch mit einer hübschen Tischleuchte darauf. Ich konnte mir gut vorstellen dass man hier sehr bequem lesen konnte. Falls man ein Bedürfnis hatte würde man einfach nach den Dienstboten rufen. Eine nette Bequemlichkeit.
Wlad dachte wirklich an fast alles. Ich brauchte viel Zeit um mich hier umzusehen.
„Arik hat hier Stunden verbracht und sich mit allem möglichem weiter gebildet“, brach Juri unser schweigen und die Stille hier in den Räumen.
Nun sah ich zu ihr, ich wurde stutzig: „Und was ist mir dir?“
„Ich kann nicht lesen? Ich hatte keine Möglichkeit. Arik hätte es mir sicherlich beigebracht wenn er die Erlaubnis bekommen hätte.“
Juri sah so unendlich traurig aus. Was für ein bemitleidenswertes Wesen! Heute wollte ich näher an sie heran kommen. Sie war immer so distanziert, schien aber für mich nicht gefährlich.
Zu Beginn unserer Begegnung wirkte sie Furcht einflössend. Doch mein Gefühl sagte mir, da ist etwas Gutes an ihr. Ich fasste meinen Mut und humpelte auf sie zu. Dann nahm ich ihre Hand in meine. Ihre Hand war sehr blass, kalt und schmal. Wir standen uns nun sehr nah.
Ich war erstaunt darüber dass Juri meine Berührung zuliess. Nun wollte ich noch mehr wissen. Langsam nahm ich ihren Kopf zwischen meine Hände. Ich hatte tausend Fragen an sie dich ich in diesem Moment nicht stellen durfte. Doch sie liess meine Nähe wieder anstalltslos geschehen und ich konzentrierte mich auf sie. Wieder arbeitete ich nicht mit meinem Verstand sondern öffnete meine Herzmitte für sie. Meine Magie dufte nicht von meinem Verstand gelenkt werden. Das würde Wlad sofort bemerken. Ich öffnete mein Herz vollständig für diese Arme Kreatur die vor mir stand. Langsam stieg wärme in mir auf.
Und plötzlich sah ich sie ganz klar und deutlich. Auch ihre Seele trug einen Namen. Wie ich es bereits vermutete. Alles was sie wirklich war und sein konnte war Sui.
Als mein Herz in ihre Seele sah tauchten Bilder auf. Diese Bilder tauchten auf ohne dass ich nach ihnen suchte. Dementsprechend trafen sie mich ziemlich intensiv. Ich sah Juri stark leiden. Sie kannte Arik sehr gut, sie sah in als Wadim. Mein Herz wurde so unglaublich schwer und eine Weller der Trauer umhüllte mich. Diese beiden Seelen waren für einander bestimmt. Es war nicht nur die Bestimmung dass mein Herz schwer werden liess. Die beiden liebten sich von ganzem Herzen. Ganz tief in ihr drin liebte sie Wadim immer noch. Ich sah Bilder von der Liebe und Zusammengehörigkeit. Ihre Liebe war sehr stark und leidenschaftlich. So wie es sein sollte wurde Juri schwanger. Eigentlich der schönste Moment für die beiden. Doch die Schwangerschaft war schlimm. Ein Kind aus dieser Verbindung war stark und nicht ungefährlich für Juri. Ich sah Bilder davon wie Wlad einen Kaiserschnitt machen musste um ihr Leben, und das des Kindes zu retten. Tränen füllten sich in meinen Augen. Danach wurden die Bilder unklar, verzerrt und sehr undeutlich. Das einzige Bild das klar aufgezeigt wurde war Arik mit dem toten Baby in der Hand. Es sah irgendwie so aus als hätte er es getötet. Leider waren die Bilder überhaupt nicht klar. Doch Juri wie auch Arik ging davon aus dass er sein eigenes Kind getötet hatte. Seither gingen sie getrennte Wege. Juri brauchte lange Zeit um darüber hinweg zu kommen. Nachdenklich und mit tiefer Trauer löste ich mich nun von Juri.
„Bist du sicher dass Arik…?“
Es war eine heikle Frage, das wusste ich genau, doch ich musste sie ihr stellen. Denn ich wollte es nicht glauben. Juris Gesicht verzerrte sich zu einer Fratze als sie mich ansah. Ihre Augen wurden dunkel und ihre Adern kamen hervor. Auch ihre Eckzähne wuchsen. Mit funkelnden Augen antwortete sie leise:
„Es gibt keinen Zweifel, du hast es ja selbst gesehen. Seitdem ist vieles anders geworden. Ich bin anders.“
Wie sollte ich ihr bloss Hoffnung geben. Liebe und Erkennen zweier Seelen konnte nicht falsch sein. Für mich gab es nichts Ehrlicheres als Dieses Band.
Ich versuchte zu erklären und flüsterte: „Glaub mir Juri, es gibt immer einen Zweifel. Wlad kann manipulieren und das tut er schon eine ganze Weile. Er ist grossartig in dem was er tut. Makellos.“
„Beweise es mir“, schien Juri mich anzuflehen.
Ihre Augen verdunkelten sich zunehmend. Ihr Gesicht wurde zwar jetzt wieder normal. Ich fühlte mich unglaublich seltsam. Ihre Gefühle für Arik waren da, doch sie konnte nicht und wollte nicht mehr mit ihm zusammen sein. Oder durfte sie nicht?
„Ich versuche es. Aber versprechen kann ich es dir nicht“, war meine ehrliche und momentan einzige Antwort. Mehr konnte ich ihr in diesem Moment nicht geben. Auch wenn ich gewollt hätte. Diese Antwort schien ihr zu genügen.
Also begleitete sie mich wieder in mein Zimmer zurück. Bevor sie hinausging wollte sie noch wissen: „Wie geht das. Ich meine warum spürt Wlad davon nichts, bei dem was du mit mir gemacht hast?“
Jetzt lächelte ich Juri an: „Ich brauchte auch eine Weile um dahinter zu kommen. Ich öffne unsere Herzen und geh nicht vom Verstand an die Sache heran. Wlad ist ein ausgesprochener Kopfmensch. Kopf und Herz gehen nicht immer den gleichen Weg.“
Woher genau ich diese plötzliche Weisheit nahm war mir eigentlich auch schleierhaft. Ich wusste es einfach. Nachdenklich verlies sie mich. Unglaublich was mir der heutige Tag brachte. Wlad manipulierte also gekonnt. Davon war ich überzeugt. Im Moment hatte ich noch keinen Beweis. Mein Gefühl sagte mir aber ganz klar dass Wlad mit dem Tod des Babys zu tun hatte. Ich erinnerte mich an die Bilder die so undeutlich wurden. Weshalb waren sie überhaupt undeutlich? Der Rest war doch glasklar…Was hatte es zu bedeuten. Da scheint etwas ins falsche Licht gerückt worden zu sein. In meinem Inneren wusste ich genau dass Arik nicht in der Lage war sein eigenes Baby zu töten. Nicht Arik! Ich musste es Juri nur irgendwie beweisen. Wieso waren Juri und Arik für Wlad so speziell, warum hatten sie eine andere Stellung als die anderen Wesen?
Heute Nachmittag wollte ich in Ariks Gedanken tauchen und nachschauen. Es war mir klar das ich Bilder finden musste die mir weiterhelfen konnten. Im Moment war ich froh, so klar im Kopf zu sein. Da ich keine schmerzen mehr in meinem Bein hatte nahm ich keine Schmerztabletten mehr. Wlad zwang mich, für den Moment, auch nicht zu irgendwelchen Medikamenten oder Drogen. So war ich klar im Verstand. Arik hatte Recht behalten. Wlad wurde also unvorsichtig.
Beim Mittagessen war Wlad immer noch abwesend. Also ass ich nur wenig und ging wieder in mein Zimmer hinauf. Ich bereitete mich auf den Nachmittag vor. Als es an der Türe klopfte ging ich automatisch davon aus es sei Arik.
Freudig rief ich: „Nur herein!“
Doch zu meinem Erstaunen war es Wlad. Meine Augen vergrösserten sich vor Schreck.
„Wie hat dir die Bibliothek gefallen?“
„Oh…, schon zurück. Sehr gut danke. Eine überaus erstaunliche Sammlung an Bücher.“
Einen Moment lang war ich etwas unsicher ob Wlad wirklich nichts von unserem Experiment mitbekommen hatte. Ich lächelte ihn einfach weiter nett an. Ich durfte mir nichts anmerken lassen. Wir durften nicht auffliegen.
„Würdest du mir heute Abend in der Bibliothek Gesellschaft leisten? Du kannst dir selbstverständlich ein Buch aussuchen um zu lesen. Ich möchte gerne in der Bibliothek etwas entspannen. Mit dir zusammen.“
Damit hatte ich nicht gerechnet.
„Ähm, ja warum nicht. Danke.“
Wieder einmal lächelte er mich an. Langsam trat er auf mich zu und berührte meine Wange.
Liebevoll sprach er: „Hier habe ich noch einen Brief von deiner Mutter, sie hat sich über unser gemeinsames Foto sehr gefreut.“
Jetzt war ich aufgeregt und nahm den bereits geöffneten Brief gerne in empfang. Wlad zog sich leise zurück. Ich las den Brief hastig. Natürlich freute sich meine Mutter über meine geschriebenen Zeilen und war erfreut zu hören dass es mir bereits so gut ging. Das Foto von mir und Kiran behalte sie in ihrem Herzen. Sie erwähnte dass es ihr leid tat anfänglich gegen meinen zukünftigen Mann gewesen zu sein. Er sei herzlich in der Familie willkommen. Sie würde sich jetzt schon auf unsere Hochzeit freuen.
Ich presste meinen Kiefer zusammen. Alles was meine Mutter bekommen hatte war eine Täuschung. Schon bereute ich es zu tiefst, Wlad für heute Abend zugesagt zu haben. Ich seufzte auf und drückte den Brief an meine Brust. Wenn meine Mutter nur wüsste. Mein Gott, wenn sie es wüsste…
Etwas später tauchte Arik auf um mich abzuholen. Es erstaunte mich jedes Mal wie einfach er sich hin und her verwandelte. Ich setzte mich auf seinen Rücken und wir liefen einwenig umher. Ich lies meine Seele baumeln und fühlte mich frei. Endlich war ich für einen Moment wieder glücklich. Ohne diese gemeinsamen Ausritte hätte ich bestimmt längst schon den Verstand verloren und den Tod gewählt.
„Arik, ich möchte gern in dein Herz schauen. Bitt lass uns zur Kapelle gehen. Ja?“
Der grosse Wolf heulte kurz auf und brachte uns sicher zur Kapelle. Sofort wurde er wieder zu Arik. Fragend sah er mich einfach nur an. Ich war ihm eine Antwort schuldig. Jetzt und hier wollte ich nicht lange um den heissen Brei sprechen also kam ich direkt zur Sache.
„Ich weiss dass von dir und Juri… Eurem toten Baby.“
Sein Blick versteinerte sich. Der Gesichtsausdruck wurde hart. Er machte ein Paar Bewegungen und ich hörte seine Knochen knacken. War das wohl seine Interpretation von einem Nein?
Ich wollte mich nicht so rasch geschlagen geben.
„Bitte Arik, lass mich suchen. Ich brauche Gewissheit.“
Er sagte immer noch kein Wort. Sein Schmerz sass auch sehr tief. Genau so tief wie bei Juri. Doch das Band der beiden war noch nicht ganz gelöscht. Das konnte ich deutlich spüren. Ansonsten würden sie nicht derart reagieren.
Nach ein paar tiefen Seufzern nickte er mir endlich zu. Ich nahm meine Hand und legte sie auf seine Brust auf die Höhe seines Herzens. Ich spürte seinen schnellen Herzschlag. Praktisch der gleiche Rhythmus wie bei Kiran. Ein sehr rascher Herzschlag. Interessant. Wieder bemühte ich mich meine Gedanken zu verschliessen und mein Herz zu öffnen.
Arik alles was er war, sein wird, war Wadim…
Danach ging es wieder ziemlich schnell. Seine Bilder kamen sehr präzis und klar. Ich suchte nach Anhaltspunkten. Bei dem Baby kam ich gleich weit wie bei Juri. Auch hier waren die Bilder deutlich unscharf. Die gleiche Bilderfolge wie bei Juri. Sehr seltsam. Ich fand eigentlich keine Beweise die darauf deuteten dass Wlad für den Tod des Babys zuständig war. Daraufhin wurde ich noch neugieriger. Ich ging zurück bis in Ariks Kindheit. Der kleine Junge mit der schönen braunen Haut und den Schoko braunen Augen. Seine Haare schwarz und wild gelockt. Die Eltern von diesem Knaben brauchten Geld, sie verkauften ihn einfach. Menschenhandel, fuhr es mir durch Mark und Bein. Arik war ein Opfer von Menschenhandel. Richtige Beziehungen und Geld öffnen und schliessen für Wlad viele Türen. Arik war noch sehr klein als er zu Wlad kam. Wlad war wohl zur rechten Zeit am rechten Ort. Wlad bemühte sich erst gar nicht ein guter Vater zu sein. Dafür hatte er diesen hübschen kleinen Jungen nicht her geholt. Der kleine Junge hatte so grosse Angst dass kein Wort über seine Lippen kam. Ein verstörter kleiner Knabe an einem Fremden gefährlichen Ort. Wlad verschloss ihn im Keller. An einem geschützten Ort. Sonst hätten sich die Vampire ähnlichen Kreaturen über ihn her gemacht. Danach sah ich Unmengen Bilder von verschiedenen versuchen die Wlad mit dem Jungen machte. Wlad brauchte Unmengen von Blut. Blut von Vampiren und Blut von einigen Wölfen und Werwölfen. Alle Versuchs Kreaturen wurden vor den Augen des Kindes getötet als sie unbrauchbar schienen.
Was Wlad dem Jungen einflösste sah ich nicht genau. Ich sah nur wie sich der kleine Junge eines Tages zu verändern begann. Zuerst veränderten sich seine Augen, sie wurden hellgelb. Danach begannen die tief schwarzen Haare graumeliert zu werden. und bekam spitzige Reisszähne. Der hübsche kleine Knabe begann rasant zu wachsen. Er wurde unter anderem um seine Kindheit betrogen.
Einige Zeit später wollte Wlad dem Kind klarmachen was mit einem Vampir bei Tagesicht passiert. Wlad musste klein Arik ja weiterhin kontrollieren können. Deshalb stiess Wlad einen Vampir hinaus ins Freie. Der Vampir schrie auf und der Junge sah aus dem Fenster. Sah es mit eigenen Augen wie der Vampir verbrannte. Und als Wlad ihm drohte mit ihm dasselbe zu tun wenn er ungehorsam werden sollte, beschloss er nie, wirklich nie wieder ein Wort zu sprechen. Arik schwor es sich sozusagen selbst. Mit dieser unglaublichen Wut im Bauch konnte er sich zum ersten Mal verwandeln. Wlad öffnete die Tür als der Wolf vor ihm stand. Als Wolf durfte er also hinaus. Schlagartig wurde mir klar aus welchem Grund ich Arik nur in der Kapelle zur Gesicht bekam. Wlad liess Arik im Glauben bei Tageslicht nur als Wolf umher streunen zu können. Arik hatte also Angst er verbrenne im Tageslicht!
Ich machte kurz eine Pause und sah Arik an. Der grosse Mann sah mir in die Augen und nickte mir zu. Also durfte ich weiter suchen. Nun konzentrierte ich mich weiter und holte die restlichen Bilder hervor. Rasch lernte Arik damals sich hin und her zu verwandeln und wurde zu demjenigen der er jetzt ist. Er hat ein gutes Herz das am richtigen Ort sass. Mein Herz wurde schwer und ich brach die Verbindung unweigerlich ab als ich zu Boden sank. Ich stöhnte kurz auf da ich das gesehene auch zuerst verarbeiten musste.
„Mein Gott Arik du bist kein reines Wesen, du wurdest zu dem gemacht was du jetzt bist. Du warst ein süsser kleiner Knabe. Wlad ist wirklich ein Monster.“
Arik ging ebenfalls in die Knie und half mir hoch. Neugierig betrachtete er mich. Seine Neugierde war gross und er fragte noch etwas zurückhaltend: „Wie meinst du das?“
„Arik ich glaube du kannst ins Tageslicht. Ich denke Wlad hat dich schon dein ganzes Leben lang belogen, betrogen und manipuliert. Du warst ein ganz normales süsses kleines Kind, bevor Wlad dich zu dem gemacht hat was du jetzt bist. Also bist du kein reines Wesen und nach meinem Verständnis und Logik…“
Arik kniff seine Augen zusammen und sein Mund wurde schmal. Er sah hilfesuchend zur Türe dann wieder zu mir: „Bist du sicher?“
„Nein und doch auch wieder Ja…“, war meine ehrliche Antwort.
Hoffnung spiegelte sich in Ariks Gesicht.
„Elisa, ich bleibe hier stehen, öffne du die Türe einen Spalt und ich überlege mir dann was ich tun werde.“
Ich konnte verstehen was in seinem Kopf vorgehen musste aber ich konnte ihm diesen Entscheid nicht abnehmen. Ich gab ihm Hoffnung konnte sie aber nicht wirklich bestätigen. Es war nur eine Theorie. Die Entscheidung ob er sich trauen wollte ins Tageslicht zu gehen, musste er selbst treffen. Verwirrung war in seinem Gesicht zu lesen.
Was tat ich ihm da bloss an. Doch langsam öffnete ich die Tür einen kleinen Spalt. Einwenig Licht kam herein. Arik kam langsam einen Schritt auf mich zu. Zögernd hielt er eine Hand in das Licht. Ich sah wie seine Hand dabei zitterte. Es geschah jedoch einfach nichts. Die Hand blieb heil. Kein Feuer das entfachte. Erstaunt und mit weit aufgerissenen Augen sahen wir einander an. Arik wurde jetzt mutig und riss ruckartig die Tür ganz auf. Er schloss seine Augen und machte einen riesigen Satz nach draussen. Das forderte wohl seinen ganzen Mut und ich staunte dass er bereit war zu sterben.
Jetzt stand Arik im vollen Tageslicht. Sein Atem ging rasch und schwer. Er hielt seine Augen immer noch geschlossen. Man sah die grosse Anspannung an ihm. Sein ganzer Körper, jeder Muskel und jede Phase war angespannt. Er wusste genau, wenn es schief ging würde er jetzt sterben. Ich riss meine Augen ebenfalls automatisch auf und stand mit offenem Mund da. Auch ich war angespannt und voller Hoffnung.
Es schien, als erwarteten wir beide, dass Arik demnächst Feuer fing. Nichts, aber auch gar nichts geschah. Ich konnte sehen wie Arik seine Augen langsam öffnete. Arik sah mich, mit gemischten Gefühlen an und mir lief eine einzelne Träne hinunter.
Langsam ging ich auf ihn zu. Er atmete immer noch schwer und tief. Man sah seine aufsteigende Wut, er war so wütend. Ich hörte ihn mit seinen Zähnen knirschen. Wie gerne hätte Arik jetzt wohl laut los geschrien und seinen Gefühlen freien Lauf gelassen. In seinem Innersten wusste er jedoch dass es nicht ging. Er unterdrückte es und es musste ihn innerlich fast zerreissen. Endlich liess er sich in meine Arme fallen und gab seinen Gefühlen nach indem er zu weinen begann.
„Arik, du darfst deine Wut, Wlad nicht spüren lassen. Hörst du? Wenn der Zeitpunkt zum kämpfen gekommen ist, dann kannst du deine Wut an ihm raus lassen. Vorerst nicht. Ich bitte dich darum. Wenn es sein muss flehe ich dich auch an…“
„Ich werde mit euch kämpfen. Ich werde dir folgen egal wohin du gehst“, versicherte er mir.
Er sagte es wie ein Versprechen. Ich wusste ich konnte auf ihn zählen und ja, ich würde ihn nach Alaska mitnehmen. Keine Frage. Wir würden irgendwie einen Ausweis für ihn bekommen. Mit Kontaktlinsen müsste es hoffentlich irgendwie gehen. Doch nun mussten wir schleunigst zurück. Wlad war bestimmt schon unruhig und würde merken dass Arik wütend war. So rasch konnte Arik seine Wut nicht weg stecken. Ich beschloss die Wut auf mich zu laden. Irgendwie würde ich schon einen Ausweg finden. Nein, ich musste eine Lösung bereit haben. Anders ging es nicht. Als Wolf heulte Arik zwei drei Mal wirklich laut auf. Ich hörte darin die Wut die in ihm steckte. Wie ich vermutete stand Wlad bereits schon im Eingansbereich und wartete mit verschränkten Armen auf uns.
Wir waren alle drei sehr angespannt. Wütend funkelte Arik, Wlad an als er an ihm vorbei ging. Natürlich konnte er seine Wut nicht ganz unterdrücken. Ich verstand das ja. Inständig hoffte ich Arik würde nicht alles zu nichte machen. Arik der Wolf lies mich und Wlad einfach stehen und ging hinein. Er musste sich jetzt einfach zurückziehen. Er hielt es wohl keinen Augenblick länger hier draussen bei Wlad aus.
„Ich spüre und sehe Wut. Natürlich spüre ich auch eine Art Magie. Soll ich Arik fragen oder erklärst du es mir!“, sprach Wlad sichtlich gereizt.
Ich verdrehte die Augen: „Arik ist wütend auf dich weil du mich hier her gebracht hast. Ich glaube im Moment wäre er froh mir nicht begegnet zu sein.“
„Weiter…“ Wlad war sehr ungeduldig.
„Ja, ich habe meine Magie gebraucht und in seinen Kopf gesehen. Ich sah das tote Baby.“
Mehr brauchte ich wohl, für den Moment, nicht zu erklären. Es war noch nicht einmal gelogen. Wlad kam näher auf mich zu und stand jetzt ganz nah bei mir. Ich spürte seinen Atem.
„Was soll ich bloss mit dir machen, du bist ungehorsam.“
Er packte mich hinten im Haar und nahm sich einen Kuss. Ich versuchte mich zu wehren. Er hielt mich so gekonnt fest dass ich nichts ausrichten konnte. Auch meinem Gedankenstoss konnte er irgendwie ausweichen. Seine Küsse waren hart ohne Gefühl und ohne jegliche Liebe. Sie fühlten sich falsch an. Als er endlich von mir ab liess, blieb ich wie angewurzelt stehen. Ich spuckte auf den Boden. Er wusste genau dass es mir zuwider war. Siegessicher lächelte er mich an. Danach packte er mich am Handgelenk und zog mich hinter sich her. Ich humpelte so rasch ich konnte. Er zog mich hoch bis in mein Zimmer. Er schlug die Türe hinter sich zu und stiess mich auf das Bett. Ich wusste genau, mich zu wehren hat keinen Sinn. Also wollte ich das Ganze einfach über mich ergehen lassen. Reglos, mit zittrigen Beinen, lag ich da. Wlad beugte sich zu mir hin und küsste mich. Es ekelte mich an. Danach riss er mein Oberteil ein Stück weit auf und begann meinen Hals und zwischen meinen Schlüsselbeinen hin und her zu streicheln. Langsam legte er sich neben mich hin und fuhr mit einer Hand meinen ganzen Körper ab. Er streifte über meine Schenkel. Mir wurde schlecht und ich schloss meine Augen. Wlad streifte nochmals über meine Brust. Danach stand er auf und sagte mit einem gefährlichen unterton:
„Du hast gefragt ob ich dich liebe. Ich dachte wirklich es sei liebe. Dank deinem Ungehorsam weiss ich jetzt es ist etwas dazwischen. Mein Verstand rät mir mit dir zu machen was ich will. Ohne Rücksicht. Doch mein Herz begehrt dich und hat Geduld mit dir. Elisa ich werde dich bekommen. Beim nächsten Ungehorsam werde ich nicht mehr lange fackeln und werde meine eigenen Regeln brechen. Dann werde ich auf meinen Verstand hören. Ich werde dich einfach nehmen. Mit deiner Liebe oder ohne. Es wird mir dann so etwas von Egal sein. Was ich danach mit dir mache steht noch in den Sternen.“
Danach rauschte er aus dem Zimmer und ich musste mich übergeben. Ich begann zu weinen. Seine Drohung war klar verständlich. Alles an mir fühlte sich schmutzig an. Ich musste ganz dringend unter die Dusche und lies das Wasser laufen. Tatsächlich stellte ich mich mit samt den Kleidern darunter und weinte leise vor mich hin. Das Wasser lief mir über das weinende Gesicht.
Ich musste bald handeln. Egal ob ich wieder ungehorsam wurde oder nicht die Sache hier schien zu eskalieren. Er würde nicht mehr lange Geduld mit mir haben. So oder so! Er wollte mich bald. Wohl rascher als ich bereit war mich zu öffnen.
Das darauf folgende Nachtessen verlief ausgesprochen ruhig. Keiner von uns beiden begann ein Gespräch. Diese Stille in diesem Raum war sehr bedrückend. Ich konnte jedes Geräusch hören das es gab. Wie wir vom Teller assen oder einen Schluck von unserem Getränk tranken. Ich seufzte ziemlich laut auf. Als ich zu Ende gegessen hatte stand ich einfach auf und wollte mich zurückziehen als ich seine Stimme in meinem Rücken hörte:
„Elisa, in einer halben Stunde treffen wir uns in der Bibliothek. Sei pünktlich.“
„Das- ist -jetzt -wohl –nicht- dein Ernst!“, fauchte ich ihn fassungslos an.
„Natürlich ist es das. Du wirst mir Gesellschaft leisten. Falls du denkst du könntest dich mir widersetzten weißt du ja was dir blüht. Es liegt an dir was du daraus machen möchtest. Also sei pünktlich.“
Sein Blick verriet mir dass es ihm wirklich sehr ernst mit seiner Aussage war. Ich fand echt keine Worte mehr dazu und ging wütend und humpelnd hinaus.
Pünktlich erschien ich in dann in der schönen Bibliothek. Wlad reichte mir süss lächelnd ein Buch und ich setzte mich auf einen der bequemen Stühle. Ich hatte aber absolut keine Lust zu lesen. Darum sass ich nur da und hielt das Buch einfach nur fest und schloss meine Augen. Es interessierte mich nicht einmal was für ein Buch er mir gegeben hatte. Es war mir absolut Egal. Also lehnte ich mich zurück und wollte vor mich hin dösen. Trotzdem liefen lautlos Tränen meine Wangen hinunter. So langsam verlies mich meine Kraft und mein Durchhaltevermögen. So langsam hatte ich das Gefühl meinen Verstand zu verlieren.
Wlad liess im Hintergrund ein wenig Jazz Musik laufen. Musik war eine gelungene Abwechslung, sie lenkte ab. Tatsächlich tankte ich so ein klein wenig auf. Musik hatte ich schon so lange nicht mehr gehört und das war Balsam für meine Seele. Eigentlich spürte ich Wlads Anwesenheit gar nicht mehr, ab und zu hörte ich ihn blättern. Das war aber auch schon alles. Einige Zeit später hatte ich meine innere Ruhe wieder gefunden und sprach aus was ich dachte.
„Ich weiss das Arik das Baby nicht umgebracht hat. Leider kann ich es nicht beweisen.“
Da ich jetzt zu ihm rüber sah. Konnte ich sehen wie er langsam sein Buch schloss und auf die Seite legte. Danach sah er mich, fast liebevoll an aber lächelte dazu frech.
„Elisa es freut mich dass du zu deiner alten Form zurückgefunden hast. Ohne deine zynischen Worte ist es fast langweilig“, er lachte kurz auf, „es ist wie es ist. Ob du nun Beweise hast oder nicht ist mir egal. Ich hatte meine Gründe.“
„Wladimir du bist ein wirklich kranker Mensch. Warst du schon immer so?“, sprach ich seufzend.
„Ja ich war schon immer der Zeit voraus.“
„So nennst du das also. Wo ist bloss dein Herz auf der Strecke geblieben“, sprach ich wieder aus was ich dachte.
„Oh…, ich kann sehr liebevoll sein wenn mein gegenüber genau das tut was es soll.“
„Was du brauchst ist eine Maschine.“
Er schmunzelte vergnügt: „Auch die haben ihre Tücken.“¨
„Ich weiss nicht ob ich dich jemals lieben kann…“
„Hast du es denn schon einmal versucht?“
„Ich war kurz davor dich sympathisch zu finden.“
„Oh.“ Schien er nun doch überrascht zu sein.
Doch danach wurde nicht mehr gesprochen und ich durfte mich grosszügiger Weise in mein Zimmer zurückziehen. Anspannung lag aber definitiv in der Luft. Ab Morgen würde ein anderer Wind wehen. Das konnte man ganz genau spüren. Dafür kannte ich Wlad bereits gut genug.
Ich lag auf das Bett und begann mich auf mich selbst zu konzentrieren. Liegend wollte es nicht funktionieren also setzte ich mich aufrecht hin und konzentrierte mich wieder auf mich. Konzentrierte mich auf mein Herz und suchte meine Herzensmitte die sich so gut anfühlte: Alles was ich bin und sein kann war einfach auch Eve…
Langsam begann sich mein Herz zu öffnen und suchte nach meinem Seelenpartner Leon. Eine Geborgenheit nahm mich in Beschlag. Nach einiger Zeit trat ich aus der Dunkelheit hinaus. Aus der Dunkelheit traf ich auf weissen Nebel. Alles schien zunächst noch etwas schleierhaft zu sein. Endlich hatte ich es geschafft und löste mich nun von meinem Körper. Ein Gefühl von Freiheit und Glückseligkeit übermannte mich. Ich befand mich in einer Art Schwebezustand zwischen zwei Welten.
Und dann sah ich Kiran ganz genau, er stand Gedankenversunken, am Bach und schoss kleine Steine hinein. Als ich ihn sah begann ich zu lächeln. Mein Herz zog sich unweigerlich zusammen. Kiran schien zu überlegen und sah wirklich sehr nachdenklich aus. Der grosse attraktive Mann sehnte sich also auch immer noch nach mir. Das spürte ich ganz genau. Als Kiran mich dann auf der anderen Seite des Baches auf sich zukommen sah öffnete er seine Augen weit auf. Er machte ein erstauntes doch erfreuliches Gesicht. Seine Hand wollte so gerne nach mir greifen. Doch da gab es nichts zu halten, er griff durch mich hindurch. Etwas zögernd und ganz leise sprach er:
„Lis? Bist du das wirklich?“
Lächelnd nickte ich ihm zu. Ich konnte nicht mit ihm sprechen. Das überstieg meine Kraft noch etwas. Seine Stimme hörte ich auch etwas dumpf, aber ich konnte ihn deutlich hören. Das war mir im Moment das wichtigste. Meine Sehnsucht nach ihm war gross und wie gerne wäre ich ihm um den Hals gefallen. Leider war es nicht möglich. Ich schluckte meine Trauer hinunter und legte meine Hand auf seine Brust wo in etwa sein Herz lag. Ich spürte es tatsächlich etwas unterdrückt pochen. Hörte auch seinen schnellen regelmässigen Herzschlag. Es schlug immer noch schneller als meines. Es beruhigte mich irgendwie dass soweit alles beim alten war. Dann versuchte ich mich auf seinen Herzschlag zu konzentrieren. Als ich seine bedingungslose Liebe zu mir spürte fing ich an, ihm ausgesuchte Bilder zu zeigen. Ich zeigte ihm die Bilder an die ich mich erinnern konnte während der Reise aus der Schweiz. Vom Flughafen, im Flugzeug und die seltsame Sprache die hier gesprochen wurde. Alles was ich in meinem Drogenschleier während der Reise aufgenommen hatte. Als nach kurzer Zeit alle Bilder bei Kiran ankamen taumelte er leicht zurück. Er hielt seinen Kopf für einen Moment mit seinen Händen fest. Er war jetzt so wütend und ich vernahm ein Grollen aus seiner Kehle. Ein dumpfes dunkles Grollen. Er hat also die Bilder also gesehen.
Als er sich beruhigt hatte trat er ganz nah an mich heran und versprach wieder gefasst: „Du bist unglaublich. Egal wo du bist ich werde dich finden. Mach dir keine Sorgen, ich werde auf der Hut sein. Wo auch immer du steckst. Ich finde dich und hole dich zu mir zurück.“
Dankbar lächelte ich ihn an und verschwand wieder in dem weissen Nebelschleier. Kurze Zeit später öffnete ich meine Augen wieder und war beruhigt dass ich nicht von Wlad entdeckt wurde. Ausnahmsweise fühlte ich mich glücklich. Es kostete mich zwar viel Kraft und aus diesem Grund legte ich mich hin. Mit dieser wunderschönen Erinnerung an meinen Kiran schlief ich dann endlich einmal ein.
Der nächste Tag begann wie gewohnt. Frühstück!
„Elisa, auf deinem Zimmer wirst du Tabletten finden. Diese wirst du schön brav wieder einnehmen. Danach darfst du dich frei in den Räumen bewegen wie es dir beliebt“, sprach Wlad mit zuckersüsser Stimme beim Frühstück.
Ich sah ihm direkt in die Augen als ich sprach: „Ein: guten Morgen Lis, hätte mir an Konversation für heute völlig ausgereicht.“
Wlad lachte auf und war wieder einmal über meine Worte amüsiert.
„Tu einfach das was ich dir sage. Damit erleichterst du unser gemeinsames zusammen sein. Entschuldige die Drohung.“
„Geht es nicht ohne Tabletten?“
„Es ist nur zu deiner Sicherheit.“
Das Verstand ich jetzt nicht ganz, aber sagte nichts mehr. Manchmal fragte ich mich ob ich etwas bedauern mit ihm haben sollte. Ob man sein krankes Hirn auch heilen konnte. Könnte ich es heilen? Wohl eher nicht.
Als ich später im Zimmer Eintrag fand ich die versprochenen zwei Tabletten. Da ich die Wirkung der Tabletten nicht kannte, konnte ich nicht so tun als ob ich sie genommen hätte. So gut konnte selbst ich mich nicht verstellen. In diesem Moment war ich etwas in Sorge. Verzweiflung machte sich ein wenig in mir breit. Wäre ja zu einfach gewesen wenn es so weitergegangen wäre. Ich beschloss die einfach Tabletten zu teilen. Je eine hälfte der Tabletten würde ich einnehmen die andere musste ich im Badezimmer mit Wasser auflösen. Hätte ich sie die Toilette hinunter gespült, wäre die Möglichkeit zu hoch gewesen dass sie oben auf schwimmen würden.
Das auflösen mit Wasser funktionierte und ich spülte sie das Lavabo hinunter. Nun legte ich mich einwenig hin um auf die Wirkung der Tabletten zu warten. Auf das Ergebnis musste ich wirklich nicht lange warten. Sie machten mich unglaublich müde. Als ich mich zwang aufzustehen fühlte ich mich seltsamer weise leicht beflügelt. Als wäre ich leicht alkoholisiert. Auch mein Bein fühlte sich gut an. Ich konnte es durchaus richtig belasten.
Mein eigener Körper schien voll da zu sein, doch mein geistliches ich war etwas benebelt. Ich spürte eine seltsame Gleichgültigkeit in mir aufsteigen. Und das war erst die halbe Ration an Medikamenten. Aber Hallo!
Nun erinnerte ich mich daran dass Wlad sagte ich dürfe mich frei in den Räumlichkeiten bewegen. Das schien mir plötzlich eine gute Idee zu sein. Ich machte mich auf und ging beschwingt und lächelnd hinunter. Auf der untersten Treppenstufe angekommen setzte ich mich hin und starrte einfach mal so die Eingangstüre an.
Keine Ahnung wie lange ich da gesessen hatte. Ich musste zwischendurch eingeschlafen sein. Denn ich erwachte nur weil jemand an mir rüttelte. Ich riss erschrocken die Augen auf. Es war Arik der mir ein Zeichen gab dass er hinaus gehen wolle. Ich überlegte kurz ob das was für mich war und ging dann mit ihm mit. Doch heute machte es mir nicht so Spass wie die Tage zuvor. Ich lies mich einfach Wortlos treiben.
Arik führte mich natürlich zur Kapelle und zeigte mir ein kleines Grab darauf stand der Name: Slawa.
Langsam begriff ich was mir Arik da zeigte, es war das Grab seiner kleinen Tochter. Endlich war ich einwenig wach gerüttelt und sah ihn mit traurigem Blick an. Arik sah mich ebenfalls seltsam gerührt an und fuhr mir über mein Haar als er sprach:
„Was gibt dir Wlad bloss für seltsames Zeug? Musstest du heute etwas einnehmen?“
Ich nickte ihm belustigt zu.
Die Situation war zwar nicht lustig, ich konnte aber nicht anders.
„Bitte entschuldige. Ja, ich muss Tabletten nehmen, ich geh davon aus dass es irgendwelche Drogen sind die er mir da hin legt. Ich versuche schon nur die hälfte davon zu nehmen. Wobei ich nicht einmal weiss ob er sogar das mit ein berücksichtigt hat…Bei ihm weiss man ja nie.“
Ich lächelte immer noch seltsam vergnügt vor mich hin. In Ariks Gesicht las ich etwas Verzweiflung. Er kam näher auf mich zu und nahm mich besorgt in den Arm.
Ja das tat gut, endlich etwas Geborgenheit. Warme starke Arme die mich da umschlossen. Nun war ich nicht mehr belustigt. Arik holte mich mit seiner Wärme in die Realität und ich war eigentlich auch eher in Sorge. Ich wollte jetzt sofort zurück in mein Bett. Ich brauchte meinen schlaf. Also brachte mich Arik wieder anstaltslos zurück und ich schlief rasch ein.
Das Mittagessen verschlief ich einfach. Doch am späten Nachmittag wachte ich dann sehr hungrig auf. Immer noch Müde aber beflügelt ging ich hinunter. Wlad sah mich amüsiert an. Sein Lächeln war äusserst symphytisch.
„Wie geht es dir?“ Wollte er wissen.
„Ehrlich…, ich bin extrem müde“, schon gähnte ich wieder. Ich rieb mich in den Augen, dass konnte doch nicht wahr sein. Was war bloss mit mir los. So muss sich wohl ein Tier fühlen dass sich auf den Winterschlaf vorbereitete.
Wlad bat darum dass ich nach dem Essen in die Bibliothek nachkommen sollte. Er würde gerne etwas Zeit mit mir verbringen. Die Gleichgültigkeit von mir war wieder da. Es war mir egal, warum also nicht. Eigentlich war ich mir ziemlich sicher dass ich dabei wieder einschlafen würde. Ging davon aus dass ich heute keine gute Gesellschaft für Wlad war. Sparte mir doch die Mühe es ihm zu erklären. Das hatte er dann eben davon!
Später in der Bibliothek, sass ich wirklich einfach da wie ein Schluck Wasser. Wieder mit einem Buch auf dem Schoss dass ich zuvor noch nicht einmal angesehen hatte. Ich hörte der Musik im Hintergrund zu. Es war schöne beruhigende Musik die ich noch nicht kannte. Ab und an hörte ich Wlad das Buch umblättern. Bevor ich es vergessen oder einschlafen würde wollte ich ihn noch etwas fragen und wandte meinen Blick zu ihm hin.
„Du hast doch mal von einem Vasall gesprochen. Was meintest du damals er sei für die Entstehung der Vampire verantwortlich?“
Wieder sah ich wie sorgfältig er das Buch zusammenklappte und auf die Seite legte. Ich gähnte auf und rieb mir wieder in den Augen. Er stand auf und rückte seinen Stuhl etwas näher an mich heran. Nun machte ich grosse Augen. Das schien wohl eine längere Geschichte zu werden. Also versuchte ich mich auch etwas aufzurichten. Wlad sass mir direkt gegenüber und begann langsam und deutlich zu erklären.
„Nun, wie gesagt ich Lebe schon einige lange Leben. Vasall traf per Zufall auf etwas Ähnliches wie ein Vampir. Das Wesen war weder richtig Mensch noch richtig Tier. Er traf also auf ein Wesen dass zufällig menschliche Gestallt hatte. Doch die Eck-Zähne von diesem Wesen waren stark ausgebildet. Vermutlich war es ein Wesen von einer Verpaarung zwischen Mensch und Tier.“ Igitt schoss es mir durch den Kopf aber behielt es für mich. Ich hörte Wlad weiter zu: „Sicherlich ein riesiger Zufall dass Vasall auf dieses Wesen gestossen war. Doch das gefiel Vasall so sehr dass er begann zu experimentieren. Dieses Wesen nahm er bei sich auf und bastelte so lange an ihm herum bis dieses sich nur noch von Menschenblut ernähren musste. Glücklicherweise konnte sich dieses Wesen verpaaren. Daraus entstanden wieder so etwas wie Blutsauger und Vasall experimentierte so lange bis diese sogenannten Vampire entstanden. Du kannst dir nicht vorstellen wie aufregend das alles war.“
„Du bist krank.“
„Soll ich weiter erzählen oder hast du schon genug gehört dass du mich unterbrichst?“
„Entschuldige“, sprach ich und machte einen Schmollmund.
Wlad lächelte und sprach weiter: „Vasall verpaarte die verrücktesten Sachen. Es entstand nicht nur gutes dabei. Diejenigen die wir für unsere Zwecke noch brauchen konnten liessen wir am Leben. Die anderen wurden geopfert, der Forschung wegen.“
Angeekelt sah ich ihn an. Nein dass konnte ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Für solch grässliche Taten fehlte mir jegliche Art von Vorstellungskraft.
Wlad strich mir kurz übers Haar und ich liess es zu. Mein Körper reagierte nicht auf Wlad obwohl mein Verstand innerlich aufschrie. Was war bloss mit mir los.
Wlad sprach weiter: „Anfangs konnten sich die Wesen ohne Mühe bei Tageslicht zeigen. Ihre Mordlust war gross. In dieser Zeit war es etwas schwierig sie im Zaum zu halten. Wir wählten immer den stärksten aus der die anderen unter Kontrolle hatte. Dieser musste uns jedoch gehorchen. Wie sich herausstellte waren die Männlichen Wesen sehr angetan von hübschen Frauen. Also benutzten wir die wirklich schönen Frauen für unsere Zwecke um die Wesen noch gefügiger zu machen. Wir machten sie sozusagen abhängig und steuerten die sogenannten Vampire. Sex und Drogen passen wirklich hervorragend zu Vampir ähnlichen Wesen.“ Dann machte er eine Pause und sah mich fragend an.
„Ist etwas?“, wollte ich wissen.
„Nein, ich erzähle dir den Rest meiner Kurzfassung: Doch das alles war noch zu einfach. Für die Menschheit mussten diese Blutsauger mystischer und gefährlicher sein. Also wurde so lange experimentiert bis das Blut so vergiftet war dass die Wesen bei der kleinsten Berührung von einem Sonnenstrahl verbrannten. Eine sehr komplexe Mischung des Blutes war dafür nötig. Es war schon fast kein wirkliches Blut mehr das diese Wesen im Kreislauf hatten. Und wenn sie dich gebissen hatten, wurde man davon infiziert. Es gab kein Entrinnen. Kein Mensch wusste woher diese Kreaturen stammten. Vasall war ein braver Kirchen gänger und war ein geschätzter und beliebter Mann in der Gemeinde. Ein wahrer gläubiger.“
An diese Erinnerung geheftet lachte Wlad kurz auf bevor er weiter fuhr: “Je mehr dieser Blutsauger auftauchten und die Menschen sozusagen vergifteten, gingen die Menschen vermehrt in die Kirche. Um von Gott zu wissen wie man sich schützen sollte. Es war ein Leichtes Spiel in diesen Mythos noch Kreuze und Knoblauch rein zu bringen. Auch wenn diese Hilfsmittel nie nützlich waren. Es war eine sehr spannende Entwicklung vom Mythos Vampir. Es war wie die Geburt eines eigenen Kindes.“
So langsam war ich wieder wach.
„Schön und gut. Doch was hattest du damit zu tun?“
„ Damals war ich Vasalls Gehilfe. Ich selbst spürte als Knabe schon grosse Magie in mir. Als ich bei Vasall aufgenommen wurde konnte ich in Ruhe lernen und konsumieren. Und ich lernte schnell. Ich wurde stark und begriff rasch dass ich mehr Kräfte als Vasall besass. Meine Magie war noch einiges dunkler als die von Vasall. Eigentlich war ich derjenige der alles ausführte. Nenn es ruhig meine kranke Fantasie. Das ist mir egal. Meine Macht schien fast grenzenlos. Als ich bemerkte dass ich mich in eine andere Person verwandeln kann, war es für mich persönlich ein Segen. Damit öffneten sich alle ersehnten Möglichkeiten. Vasall hat sich also schlussendlich für mich geopfert…, wenn du so willst!“
„Oh, mein Gott.“ War ich angewidert.
„Gott hat wohl gar nichts hiermit zu tun.“
Mein Mund stand immer noch offen und war ausgetrocknet.
Wlad lächelte mich an. lies mich aber aufstehen und verwirrt gehen.
Er hatte die Vampire erschaffen!
Er hatte sie zu Wesen der Nacht gemacht!
Alles was ich bis jetzt darüber gehört, gelesen oder im Film gesehen habe war falsch. Alles nur Mythos! Nichts davon war annähernd Richtig. Er war der Vater des wirklichen Unheils.
Ich versuchte die Zusammenhänge zu kombinieren. Also konnten die Vampire eigentlich ans Tageslicht so wie Mona und Ben. Zwar nicht ganz so unbeschwert, aber es ging. Ausser denjenigen die er so weit genmanipulierte bis sie nicht mehr ans Tageslicht konnten. Dadurch bekam er ja wieder Macht über sie. Was für ein krankes Hirn steckte doch in ihm. Natürlich musste es einige Vampire gegeben haben die sich von ihm gelöst hatten. Irgendwie schafften sie es wohl zu entkommen. Mona und Bens Geschichte müsste ich wohl auch mal von Anfang bis zum Ende hören. Vielleicht kannten sie sich ja womöglich! Deswegen war Wlad also auf der Suche nach anderen Wesen. Er wollte wieder die vollständige Kontrolle aller Wesen.
Nach diesem Erlebnis wollte ich nur noch eines; in mein Bett. Irgendwie wurde ich diesen Dauerzustand an Müdigkeit nicht los.
Die folgenden Tage liefen gleich ab: Frühstück, Medikamente, und Müdigkeit. Mein Körper schien noch einigermassen zu funktionieren. Doch mein Geist trifft immer mehr ab und die Gleichgültigkeit nahm die Oberhand. Manchmal konnte ich gar nicht einschlafen und sass stundenlang in der Bibliothek. Ich begann wissbegierig Bücher zu lesen. Die meisten handelten von Hexen oder der gleichen. Ich musste lernen was es heisst eine Hexe zu sein. Ab und zu genehmigte ich mir eine Literatur eines bekannten Schriftstellers. Ich las sogar Romeo und Julia von William Shakespeare. Es gab sogar Tage da stieg ich einfach in die Gewölbekeller hinunter um mich etwas um zu sehen. Ich ging an den Vampiren vorbei die mir seltsamer Weise nicht einmal mehr Beachtung schenkten. Sie schenkten mir gar keine Aufmerksamkeit, so als wäre ich gar nicht anwesend.
Als ich Juri und Arik mal danach ansprach sagten beide unabhängig von einander: „Keine Ahnung was Wlad dir da für Tabletten verabreicht. Aber du stinkst etwas. Kein Vampir würde in Versuchung kommen dich anzurühren.“
Natürlich verstand ich sofort was Wlad mir damit nahm. Nun konnte ich mich nicht einmal mehr von einem Vampir wesen hinrichten lassen, falls ich keinen Ausweg mehr sehen würde. Wlad nahm mir sogar diese eine letzte Hoffnung mein Leben selbst zu bestimmen. Das fand ich jetzt wirklich fies!
Also drehte ich weiter meine Runden in diesem sehr schönen alten Anwesen mit Gittern vor den Fenstern. Ich war langsam aber sicher eine Lebende Hülle eines umher wandelnden Wesens das nicht genau wusste wo ihr Platz war. Ich war eine suchende ohne direktes Ziel.


In der Zwischenzeit bei Kiran


Nach dem Erlebnis mit Lis am Bach rannte Kiran sofort zu Joe und erklärte ihm, sie müssen sofort ins Camp zurück. Joe verstand nicht wieso Kiran so aufgebracht war.
„Kiran, weshalb? Komm wir überstürzen jetzt wirklich nichts. Es läuft so gut für uns.“
Kiran sah Joe streng an.
„Joe, bitte hab zur Abwechslung wieder mal etwas Vertrauen in mich. Es geht mir gut. Ich habe keine Lust mein Anliegen zwei drei Mal zu erzählen. Wir müssen ins Camp. Ich gehe jetzt mit oder ohne dich…, Freund!“
Joe zog seine Augenbraue hoch und gab sich geschlagen. Kiran verabschiedete sich flüchtig von Suck. Schon war er auf dem Weg ins Camp. Joe hatte noch keine Ahnung was zuvor Geschehen war. Er tappte also absolut im Dunkeln. Trotzdem folgte er jetzt Kiran so rasch er nur konnte. Etwas ausser Atem kamen die zwei im Camp an. Alle waren bereits im Aufenthaltsraum. Da Kiran alle im Camp via Gedanken zuvor bereits informiert hatte. Er meinte in seiner Mitteilung es sei sehr, sehr wichtig. Alle sahen nun Fragen zu Joe und der zuckte nichts wissend mir den Schultern auf.
„Hey Leute, schaut mich nicht so an. Keine Ahnung was in ihm vor sich geht!“
Kiran hatte bereits wieder die Aufmerksamkeit.
„Ich erzähle euch gleich von meinem Erlebnis mit Lis. Zuerst verteile ich euch ein Blatt und Stift. Sie hat mir eine Sprache gezeigt die ich nicht kenne und Bilder die mir auch nichts sagen. Also wenn euch etwas von meinen Erzählungen begannt vor kommt: Schreibt es auf während ich erzähle und unterbricht mich nicht. Wir tauschen uns am Schluss aus.“
Kurze Zeit später begann Kiran zu erzählen. Kiran beschrieb die Begegnung mit Lis bis ins kleinste Detail. Wie er sie vor sich sehen konnte. Er sprach langsam und deutlich. Er hoffte er habe alles richtig wiedergegeben. Er beschrieb die Bilder so gut er konnte. Auch die vom Flughafen. Sprach die fremde Sprache, mit geschlossenen Augen um sich besser konzentrieren zu können. So wie Lis sie ihm zuvor erzählt hatte. Er beschrieb die Bilder des Anwesens in dem sich Lis befand. Versuchte zu erklären was und wie viele Kreaturen dort lebten.
Laufend schrieb jeder auf was er davon hielt oder dazu in den Sinn kam. Kiran sah die erstaunten Gesichter als er fertig mit seinen diversen Aussagen war.
Nun durften die anderen sprechen. Schlussendlich waren die Hinweise von Patrick und Ben ausschlaggebend. Patrick war schon viel in der Welt herum gereist. Für Patrick war es glasklar dass sie von Genf aus gestartet waren. Auch Ben und Mona, die schon ein Jahrhundert alt sein dürften, konnten Hinweise zur Sprache geben. Die beiden waren sich rasch über die Sprache einig. Also hatten sie relativ rasch herausgefunden in welches Land dieser Mistkerl Lis gebracht haben musste. Sie hofften allerdings dass sie auch wirklich noch dort war. Natürlich konnten sie von dort aus auch weiter geflogen sein. Sie müssten also auf gutes Glück los. Eine Garantie dass sie richtig lagen gab es keine. Sie hatten keinen Hinweis bekommen in welche Richtung sie Lis suchen mussten. Das stellte ein Problem dar.
Patrick war zuversichtlich dass er rasch Hinweise auf ein solch grosses Anwesen finden würde. Dafür war sein Privatdetektiv Büro zuständig. Die würden sicherlich einige Häuser ausfindig machen können. Mit Kiran und Joe‘s Spürnasen würden sie rasch herausgefunden haben in welchem Haus sich Lis aufhielt. Ein klein wenig Hoffnung machte sich in ihnen breit.
Steven war zwar noch etwas skeptisch: „Wir sind keine Armee. So wie ich verstanden habe sind sie in der Mehrzahl. Haben wir überhaupt einen Hauch von einer Chance?“
„Keine Ahnung.“ Schüttelte Kiran seinen Kopf: “Ich vertraue einfach auf Lis, sie hat einen Plan. Oder denkt zumindest sie hätte einen Plan. Du und Cam müsst nicht mitkommen. Euer Platz ist bei eurer Familie, die Kleinen kommen bald. Für Lis stehen die Schwangerschaften ganz oben auf der Prioritäten Liste“
Erklärte Kiran mit ruhiger gefasster Stimme und besorgtem Gesichtsausdruck.
„Wolfi, ich begleite dich. Wir werden die kleine da schon raus hauen. Vielleicht gehen wir auch alle drauf…“, sprudelte es von Joe nur so heraus und er meinte es so ehrlich wie er soeben gesagt hatte. Joe schien froh zu sein wieder eine Aufgabe zu haben. Patrick und Ben wollten auch mitgehen. Nur Paula hatte noch kein Wort dazu gesagt. Kiran sah besorgt zu Paula da er genau wusste Joe hatte sie eben übergangen.
„Paula, du bist keine Kriegerin, wenn du möchtest bleib hier. Es ist schwer den Partner ziehen zu lassen, ich weiss das nur zu gut. Es tut mir unendlich leid.“
Paula wusste genau was Kiran da gerade ansprach. Sie musste sich entscheiden ob sie hier bleibt oder mit Joe mitgehen wollte. Kiran musste Paula zusätzlich noch um etwas bitten.
„Paula…, bitte ruf Tori an und frag, ob sie mit uns mitkommt. Sie kann natürlich auch später auf uns treffen, das ist kein Problem. Ja nachdem wie die Flüge zusammenpassen.“
Paula seufzte auf und richtete ihren besorgten Blick von Kiran nun auf ihren Joe.
„Ich komme mit euch.“ Dann sieht sie Joe eindringlich an als sie monoton weiterfährt: “Falls du sterben solltest will ich bei dir sein und mit dir untergehen.“
Joe sah seine Paula liebevoll an und bekam bei ihren Worten Gänsehaut. Dann gab Joe, ihr einen liebevollen Kuss auf die Stirn. Joe konnte ihre Entscheidung nur zu gut verstehen. Nach allem was sie zusammen erlebt hatten, würden sie sich auch nicht mehr so rasch von einander trennen.
Genau genommen verstanden alle Paulas Entscheidung. Gerne nahm Kiran ihr Angebot an dass sie mitkommen wollte. Zurück im Camp blieben Mona, Jo, Cam und Steven mit ihren Frauen. Eine gute und weise Entscheidung. Natürlich blieb Kiran nicht verborgen wie schwer es für Mona war ihren Sohn und ihren Bruder gehen zu lassen. Zumal der Ausgang dieses Kampfes nicht vorhersehbar war. Mona war jedoch klug genug um zu begreifen wie wichtig diese Lösung war. Also schluckte sie ihre Trauer einfach hinunter.
Patrick meldete sich nach dem Gespräch umgehend bei seiner Privatdetektei und gab durch nach was sie zu suchen hatten. Danach musste er noch seine Frau anrufen. Kiran war etwas besorgt. Für seine Mutter war es auch alles andere als leicht so lange von seinem Vater Patrick getrennt zu sein. Gerne hätte er ihr das erspart. Er musste mit seinem Vater unbedingt noch was klären. Er nahm seinen Vater draussen kurz auf die Seite.
„Vater, du musst nicht mitkommen. Mutter muss nicht so leiden. Es wird schon gehen. Falls sie um mich zu trauern hätte wäre das schon genug…“
Weiter kam Kiran nicht da Patrick ihm ins Wort viel: „Junge, sie versteht es. Deine Mutter und ich haben uns für diesen Weg entschieden. Leider hat sie keine Begabung wie Lis. Deswegen steht sie ab und an mal etwas im Abseits. Glaube mir, sie wird wollen dass ich mit euch gehe. Wir brauchen jeden verfügbaren Mann an der Front. Ansonsten macht es keinen Sinn los zu ziehen.“
Patrick legte eine Hand auf Kirans Schulter ab um seinen Worten mehr an Gewicht zu verleihen und Kiran nickte seinem Vater dankend zu. Auch Kiran würde etwas später noch mit seiner Mutter telefonieren wollen.
Paula hing auch am Telefon mit ihrer Schwester Tori und Ben wollte sich um die bevorstehenden Flüge kümmern. Kiran beschloss nochmals in den Wald zu Suck zu gehen. Also rannte er am nächsten Tag schnellstmöglich wieder zu Suck. Er fand Suck rasch, oder fand Suck eher Kiran?
„Hallo Kiran, zurück?“, fragte Suck belustigt.
„Suck ich brauche deine Hilfe. Wir müssen gegen Vampir ähnliche Kreaturen kämpfen um Lis da raus zu holen wo sie jetzt ist. Paula und vielleicht Tom sind keine Kämpfer und daher stark benachteiligt. Könntest du mir eine Waffe für sie mitgeben? Darf aber kein Eisen sein da wir damit nicht durch den Flughafenzoll durch kommen. Ich möchte sie nur nicht so hilflos in den Kampf schicken“, sprach Kiran besorgt und ratlos.
„Sorgen um die Familie.“ Schien Suck zu verstehen.
Doch Suck wollte zuerst Antworten was denn los war. Also holte Kiran weiter aus und erklärte von seinem erstaunlichen Erlebnis mit Lis unten am Bach. Suck kniff sein ganzes Gesicht zusammen. Er rümpfte seine Nase die sich kräuselte.
„Lis wird stärker. Gut. Wer führt die Kreaturen an?“
Kiran schüttelte den Kopf und zuckte mit der Schulter auf.
„Phu…, ich denke dieser…, wie nannte sie ihn…, glaube er heisst Wladimir!“
„Ohohoh… das nicht gut. Wlad böse Magie. Einer der ältesten Magiern.“
„Einer der ältesten? So wie Marius?“
„In etwa“, stürzte Suck seine Unterlippe.
Und Kiran schien sich zu fragen wie alt denn Suck eigentlich war dass er das alles wusste. Doch hier und jetzt war nicht die Zeit um solche banalen Dinge zu klären. Suck schien zu überlegen und wippte hin und her.
„Du wirst dich ihm direkt stellen müssen. Er will dich um jeden Preis vernichten. Schwieriger Kampf. Wlad wird er kein einfacher Gegner. Du musst auf der Hut sein. Er ist sehr wandelbar.“
Kiran wusste bereits dass Wlad seine Gestalt annehmen konnte. Was also meinte Suck mit seiner Aussage…
Sucks Gesicht hatte strenge Gesichtszüge als er weiter sprach:
„Kiran, du bist was du bist. Oder du wirst was du sein kannst. Wlad scheint zu sein was du siehst. Daran musst du denken beim Kampf. Er wird niemals deinen Platz einnehmen könnten wenn du es nicht zulässt.“
Wieder einmal sprach der Zwerg für Kiran in Rätsel. Doch Kiran hatte gelernt das Sucks Sprüche ab und an Sinn ergeben. Er musste sich nur die Worte einprägen. Woher Suck diesen Wlad wohl kannte bekam er heute wohl auch nicht mehr mitgeteilt. Kiran musste von Suck nehmen was er bekam.
Kiran versprach: „Ich werde darauf achten.“
„Ich suche nach Waffe. Brauche etwas Zeit. Bleib hier.“
Mit diesen Worten verschwand Suck und Kiran blieb fragend zurück. Kiran lief umher. Gefolgt von den Tieren hier im Wald. Er dachte darüber nach was Suck gerade gesagt hat: ich bin was ich bin. Wlad scheint zu sein was ich sehe….
Schlussendlich ging Kiran an seinen Lieblingsplatz beim Bach. Wieder folgtem ihm einige Hasen und Kojoten. Doch Kiran nahm kaum Notiz von ihnen. Er war so in seinen Gedanken Versunken. Dieser Platz am Bach beruhigte ihn sehr. Es war hier friedlich und das Wasser hatte eine überaus beruhigende Wirkung auf ihn. Er liebte es der Strömung des Baches zu folgen. Mal kam ein Vogel vorbei um zu trinken oder ein Wasserbad zu nehmen. Auch grössere Tiere fanden sich hier friedlich ein. Manchmal sah er ein Blatt auf dem Wasser die Strömung hinunter zu treiben. Es war so spannend dass er gerne dabei die Zeit vergass. An diesem Einzigartigen Ort hatte er gelernt sich in Griff zu bekommen. Der seltsame Entzug verlief an diesem wunderbaren Ort relativ unproblematisch. Zwischendurch hatte er schon mal seine Hänger und rastete aus. Das bedeutete das er als Wolfsmensch los zog und beute riss! Blutrausch…
Ohne die Wesen an diesem friedlichen Ort wäre es ihm und Joe niemals gelungen wieder den inneren Frieden zu finden. Auch Joe war ihm noch mehr ans Herz gewachsen und ein teurer Freund geworden. Dank diesem Ort hier riss das Band zwischen ihm und Lis noch nicht ab. Er alleine hätte vermutlich schon längst aufgegeben und wäre endgültig zum Biest geworden. Doch hier schöpfte er neuen Mut und Kraft und wurde jetzt dafür belohnt. Irgendwie…
Egal was kommen würde. Er wollte mit Lis untergehen oder mit ihr weiter Leben. Egal in welche Richtung es ging, Hauptsache er würde sie noch einmal sehen.
Wie es ihr wohl ging? Was hat der Typ ihr angetan?
Kiran wusste dass Lis ihm niemals alles mitteilen konnte. Die ganz schlimmen Dinge würde sie wohl für sich behalten haben damit er hier nicht durchdrehen würde. Er wusste es ganz genau. Kiran seufzte auf und schloss für einen Moment die Augen. Sein Herz schmerzte ein wenig und wurde schwer. Er sehnte sich so nach ihr.
Langsam konnte er nachvollziehen wie es Lis ergangen sein musste als er damals mit seinem Vater weg war. Er liess sie damals einfach im Stich. Er blieb weg und hatte keine Antworten für sie. Wie machtlos sie sich gefühlt haben musste verstand er heute. Damals musste er sich als Werwolf finden und brach fälschlicher Weise den Kontakt zu ihr gänzlich ab. Damals wusste er es nicht besser und war zu beschäftigt mit sich selbst.
Er fragte sich ob ihr gemeinsames Leben so schwierig und gefährlich bleiben würde? Wer wusste das schon, darauf gab es keine Antworten.
Er wollte für sie da sein und wollte sie beschützen. Doch er hatte gänzlich versagt. Mit dieser Schuld konnte er immer noch nicht ganz umgehen. Schlussendlich sass er hin und lehnte sich an einem der Bäume an. Dabei schlief er ein wenig ein.
Kiran erwachte da ihn ein Kojote liebevoll das Gesicht ableckte. Kiran rümpfte seine Nase. Dieser Kojote konnte von Glück reden dass hier eine friedliche Stimmung herrschte und er zu Neck gehörte. Ansonsten hätte er ihn wahrscheinlich getötet. Der Kojote war für ihn höchstens ein kleiner Snack nebenbei. Kiran fauchte den Kojoten kurz an und der begann sofort zu winseln. Kirans Mundwinkel zuckten vergnügt.
Aber wo dieser Kojote war konnte Neck auch nicht weit sein. Tatsächlich sass dieser niedliche Elf direkt neben ihm. Neck war ein lustiger Zeitgenosse. Kiran hatte noch nie ein Lebewesen getroffen dass so viele Streiche im Kopf hatte. Neck war immer fröhlich, nie hörte man ein böses Wort. Man konnte sich seiner Fröhlichkeit nicht entziehen. Ein Lebewesen dass voller Liebe war. Kiran stupste Neck nun sanft an. Neck kicherte und sah zu Kiran hoch.
„Sei lieb zu meinem Reittier. Rettest du jetzt Lis?“
„Wenn ich es kann, tue ich es.“
„Und wenn du es nicht schaffst?“
„Dann sehen wir uns heute hier wohl zum letzten Mal.“
Neck rümpfte seine Nase und kniff die Augen eng zusammen.
„Das ist nun wirklich keine gute Idee. Dann streng dich gefälligst einwenig an. Ihr seid seltsam, trotzdem: Ich mag dich.“
Kiran kicherte kurz.
„Wir sind doch alle auf die einte oder andere Art seltsam. Ich mag dich auch kleiner Kerl.“
Neck fand dieses Gespräch nett und stupste Kiran nochmals an. Kiran schmunzelte in sich hinein da er Neck kaum spüren konnte. Neck wollte mit seinem Kojoten weiter ziehen als er sich nochmals zu Kiran umdrehte.
„Oh Kiran…, diese Blätter soll ich dir noch von meiner Mutter bringen. Egal in welchem Zustand Lis sein wird. Drück sie ihr einfach in den Mund, sie werden ihr dann helfen.“
„Genau so hat sie das gesagt. Ja?“, zog Kiran seine Augenbrauen hoch und lächelte.
„In etwa... Bis bald“, kicherte Neck belustigt und schwang sich auf seinen Kojoten.
Ein hübsches Bild gaben die zwei ab. Sie harmonisierten sehr gut. Kiran roch an den Blättern und glaubte einfach daran was ihm darüber gesagt wurde. Auch wenn die Blätter nicht helfen konnten, schaden würden sie Lis bestimmt nicht. Kiran wusste er hatte sich verändert. Dieses Blut hat aus ihm etwas Seltsames gemacht. Er fühlte die seltsame Kraft ihn ihm. Es war nicht nur das Werwolf Wesen, da war noch etwas anderes das er noch nicht ergründet hatte. Kiran fand das Ganze etwas Skurril. Er sah seine Hände an. Sie waren gefährlich und konnten tödlich sein. Längst reichte es ihm nicht mehr aus die Tiere im Wald zu reissen. Neuerdings brauchte er tatsächlich auch deren Blut. Er riss die Tiere um des Fleisches wie des Blutes willen. Er hasste diesen Zustand mehr als er zugeben konnte.
Jo hatte ihm nochmals Blut abgenommen und getestet. In Kiran blieb ein Restlicher Anteil eines Vampires. Was war bloss aus ihm geworden? Er war eine Bestie. Irgendeine Wolf-Vampir Kreatur die er selbst noch nicht genau kannte.
Dann wichen Kirans Gedanken zurück zu Lis. Er fragte sich was geschehen wird wenn sie diesen Kampf überleben werden. Musste er sich wirklich daran gewöhnen auf seine kleine Hexe aufzupassen!? Würde das ein Leben lang so weitergehen!? Er hoffte nicht und würde mit aller Kraft versuchen das Unheil von ihnen fern zu halten.
Es musste einiges geklärt werden. So wie die Dinge sich verändert hatten war er nicht mehr der Meinung sie sollten andere Wesen aufspüren und je nachdem unschädlich machen. Diesen Plan schmiedeten sie bevor die Dinge sich so zugetragen hatten. Sie müssten einen anderen Weg finden um miteinander in dieser verrückten Gemeinschaft zu leben. Doch zuerst musste er Lis finden um sie endlich wieder in seine Arme schliessen zu können.
Kiran war so in seinen Gedanken versunken dass er gar nicht bemerkte dass Suck bereits schon eine Weile neben ihm Stand. Seine Sinne spielten ihm an diesem Ort einen Streich. Doch daran hatte er sich schon gewöhnt. Suck konnte sehr geduldig sein. Erst als Suck begann zu sprechen löste Kiran sich von seinen Gedanken.
„Kiran es ist schwierig. Vampire sollte man einfach den Kopf abschlagen und das Herz raus reissen. Ist ein Schwert zu gross?“
Kiran nickte zustimmend.
Also fuhr Suck ernst weiter: „Hier zwei Dolche. Sind sehr, sehr scharf. Kein Metall.“
Suck übergab die sehr kurzen Dolche Kiran. Die Dolche waren wirklich sehr leicht. Sie sahen aus als wären sie aus einer Art Stein gemacht der funkelte. Kiran fuhr ganz leicht darüber und schnitt sich sofort. Der schnitt brannte fürchterlich. Eine kleine Stichflamme brannte auf. Als die kleine Flamme erlischt sah Kian verwundert zu Suck.
„Au…, aus was?“
Suck grinste frech über sein ganzes Gesicht als er antwortete:
„Eines der Geheimnisse eines Zwerges.“
Kiran zog die Augenbrauen hoch und bedankte sich für die beiden Dolche. Die doch sehr effektiv waren. Danach verabschiedete er sich von Suck. Suck mahnte Kiran nochmals an seine Worte zu denken.
Kurze Zeit später war Kiran wieder auf dem Weg ins Camp. Dabei begegnete er einem Hirsch und er war kurz drauf und dran sich der Jagt hin zu geben. Doch Kiran besann sich eines besseren und lies das Tier ziehen.
Dann machte sich Kiran zuerst auf den Weg in seine kleine Blockhütte. In der Hütte nahm er wieder einmal das Foto von Lis und ihm in die Hand. Ja, sie würden sich bald wieder sehen. Daran musste und wollte er einfach festhalten.
Frisch geduscht ging er danach in den gemeinsamen Aufenthaltsraum. Da stiess er auf seinen Vater und Ben. So wie er und Joe waren auch sie zwei Freunde geworden. Was für eine verrückte Verbindung.
„Kiran, da bist du ja wieder. Morgen geht die Reise bereits los. Der Flug ist gebucht und Tori wird fast gleichzeitig zu uns stossen“, erklärte Patrick sachlich seinem Sohn.
Patrick trat auf seinen Sohn zu und legte ihm eine Hand auf die Schulter.
„Junge, mach dir nicht zu viele Gedanken. Es wird kommen wie es kommen muss. Unsere Firma hat drei Anwesen in Betracht bezogen auf die unsere Beschreibung passt. Sie werden mir heute noch die Bilder faxen.“
„Drei Anwesen sind gut. Die haben wir rasch abgeklappert“, ergänzte Ben.
Kiran nickte zustimmend. Er war froh dass sein Vater hier bei ihnen war. Patrick war natürlich eine grosse Hilfe.
„Vater, was ist mit Mutter? Wie geht es ihr?“, fragte Kiran sehr besorgt.
„Sie ist über alles informiert. Natürlich macht sie sich Sorgen. Auch um dich. Nach dem Kampf werde ich so rasch als möglich nach London zurück fliegen. Du verstehst…“
Kiran nickte wortlos. Patrick lächelte Kiran liebevoll an und Kiran verstand nur zu gut. Patrick und Ben hatten noch ein zwei Dinge zu erledigen und gingen hinaus. Kiran wurde bewusst das alle hier im Camp grosse Kompromisse eingingen. Es war für alle nicht einfach diese Schritte zu gehen. Doch sie taten es bedingungslos, ohne wenn und aber. Kiran wusste dies zu schätzen. Kiran nahm sich ein Bier, gleichzeitig ging die Eingangstür auf und Joe streckte seinen Kopf herein.
„Hey Wolfi, man riecht dich ja meilenweit. Lust auf eine Rauferei?“
„Vamp, nein danke. Heute lieber nicht“, stöhnte Kiran auf denn er war zu aufgewühlt.
Joe trat herein und ging auf seinen Freund zu.
„Was ist los mit dir? Bist du nervös?“
Kiran gab Joe einen Stoss als er sprach: „Nervös, ich? Pha…! Unruhig trifft es am besten. Kann ich dich was fragen?“
„Logo.“
„Hast du als Vampir nie das Bedürfnis Lis zu beissen?“
„Höchstens im Zusammenhang mit Sex.“ Gab Joe grinsend zur Antwort.
„Idiot. Nein, ernsthaft hast du nie das Bedürfnis einen Menschen zu beissen?“ Kiran kratzte sich verlegen am Hinterkopf. Er wusste dass sich die Frage blöd anhören musste.
„Ich werde gut mit Blut versorgt. Ich musste noch nie hungern, also kann ich dir darauf keine richtige Antwort geben. Ob ich Paula beisse… Wie gesagt im Zusammenhang mit Sex kann das schon mal…“
„Schon gut, schon gut. Geh jetzt nicht ins Detail“, unterbrach Kiran seinen Freund.
„Weshalb fragst du?“ War Joe interessiert.
„Nun ja, ich habe ihr Blut geschmeckt damals in der Schweiz. Daher bin ich irgendwie noch enger mit ihr verbunden wie zuvor. Und seit ich euer Blut in mir habe bin ich anders.“
„Hast du Lust einen Menschen zu beissen?“
Kiran zuckte mit seiner Schulter auf: „Noch nicht“, und Joe versuchte ihm dann ins Gewissen zu sprechen: „Hör auf dir so unsinnige Gedanken zu machen. Einen Menschen zu beissen wird dir nie liegen. Das ist absoluter Unsinn. Das du Lis so zugerichtet hast war nicht alleine dein Verdienst. Ich habe viel zu spät reagiert. Durch dieses manipulierte Blut waren meine Sinne auch nicht dort wo sie hin gehörten. Hätten meine Sinne nicht versagt wäre es nie so weit gekommen. Versteh doch, ich hätte viel früher reagieren müssen. Wir waren im Nebenzimmer.“
Nun sah Kiran seinen Freund erstaunt an.
„Du machst dir auch Vorwürfe?“
„Manchmal.“
„So habe ich das nie gesehen.“
„Dann schweig. Du weisst von nichts. Auch ich habe meinen Stolz.“
Nun begann Kiran wieder zu lächeln denn er hatte einen gleichgesinnten gefunden. Jeder trägt sein Bündel Last mit sich und versucht das Beste daraus zu machen.
Die Türe ging wieder auf und Paula kam jetzt auch herein. Sie ging auf Joe zu und gab ihm einen kleinen Kuss auf die Wange. Liebevoll strich Joe über ihre Wange. Kiran beneidete die beiden fast ein wenig.
„Paula, ich habe was für dich. Aber bitte sei vorsichtig. Es schneidet sehr gut und wenn du dich geschnitten hast brennt es. Also mit brennen meine ich es flammt tatsächlich auf“, erklärte Kiran so gut wie möglich. Und übergab einen der Dolche an die staunende Paula. Sie bestaunten den seltsam aussehenden Dolch. Joe konnte es natürlich nicht lassen und fuhr mit einem Finger darüber. Auch er machte die brennende schmerzhafte Erfahrung damit. Sie staunten als sie tatsächlich die kleine Flamme sahen.
„Geniales Teil“, meinte Joe lächelnd.
Paula und Kiran mussten auch lachen und Paula war durchaus froh diesen Dolch zu besitzen. Ein Feuerdolch als Waffe gegen Vampire. Also wenn das mal keine Hilfe war.
Die darauffolgende Nacht war sehr ruhig. Kiran schlief natürlich nicht. Er streifte draussen einwenig umher. Er ging zu den Huskies und setzte sich einwenig zu ihnen hin. Vor nicht all zu langer Zeit hatten die Huskies grossen Respekt vor Kiran. Mittlerweile kannten sie ihn und heulten nicht mehr auf wenn sie ihn rochen. Heute Abend schien Kiran nicht der einzige zu sein der nicht schlafen konnte.
„Darf ich mich ein wenig zu dir setzten?“, fragte Mona und Kiran nickte zustimmend.
„Was ist los?“, wollte sie von ihm wissen.
„Hm…, ich weiss nicht. Vielleicht liegt es daran dass ich mich verändert habe. Ich bin so leer. Oder weil ich nicht weiss was uns noch bevor steht. Reicht das?“
„Dann wird es Zeit dass ihr Lis findet. Denk an dein Herz, es ist mit ihr verbunden. Auch wenn du dich verändert hast. Du bist ein guter Kerl.“
Liebevoll lächelte Mona ihn an.
„Danke Mona. Danke für alles. Es ist nicht selbstverständlich dass ihr euch so für alles einsetzt.“
Mona kicherte und sah in den Himmel hinauf.
„Wir sind eine Familie geworden. Und mit den Babies kommt eine neue Herausforderung. Es lenkt ab. Joe kam zurück, nun geht er wieder. Ich hoffe darauf dass ihr alle wieder zurück kommt. Ich vertraue darauf…“
Kiran legte seinen Arm um Mona und hielt sie fest als er ruhig zu ihr sprach: „Jeder trägt sein Packet mit sich herum. Joe war so souverän in der Schweiz. So erwachsen. Normalerweise bin ich derjenige der die Führung hat, doch als ich versagte übernahm er souverän. Joe übernahm die Führung und ich bin ihm gefolgt. Dein Sohn ist über sich hinaus gewachsen.“
Mona staunte bei dem was Kiran ihr da gerade erzählte. Doch ja, warum nicht. Schliesslich hatte sie Joe noch nie ausserhalb dieses Camps erlebt. Ihr Junge war erwachsen geworden. Sie lehnte sich an Kiran an und war erstaunt wie schnell sein Puls ging.
„Schlägt dein Herz immer so schnell?“, fragte sie.
„Seit ich ein Wolfsmensch- Ding geworden bin, ja. Frag mich nicht warum. Das muss mit der Blutzirkulation zu tun haben. Da ich mich äusserlich verändere wenn ich zum Wolfsmensch werde…Deswegen die rasche Blutzirkulation…oder so ähnlich. Hab ich mal so aufgeschnappt.“
Mona kicherte.
Die beiden sassen noch eine Weile gemeinsam so da. Im Moment gab es nichts anderes zu tun als einfach abzuwarten.
Etwas später gingen sie zurück und versuchten doch noch etwas Schlaf zu kriegen.
Am nächsten Morgen ging es schon früh los. Die Verabschiedung lief relativ ruhig. Wir hofften alle uns bald wieder zu sehen. Joe freute sich schon riesig auf den Flug. Diesmal wusste er genau was auf ihn zu kam. Als alle endlich im Flugzeug sassen nahm Patrick die Bilder der besagten Anwesen hervor.
„Hier Kiran, seht mal“, dann verteilte Patrick sie.
Kiran sah alle genau an. Das erste Haus schien sehr Zentral gelegen zu sein. Nein, das war eindeutig zu nah an einer Stadt. Das würde er mit seinen Kreaturen nicht wagen, dieses Anwesen schloss er sofort aus. Die anderen zwei Anwesen waren sich im Prinzip sehr ähnlich. Beide lagen etwas ausserhalb. Trotzdem waren sie sehr gut zugänglich und gut zu erreichen. Ein Haus war sehr gross und besass wirklich viel Land. Das andere Haus war minim kleiner und hatte auch viel Land. Für Kiran kamen im Angesicht der Grösse des Landbesitzes beide in Frage. Sie beschlossen zuerst das Anwesen aufzusuchen das näher am Flughaben lag.
Da Kiran in der Nacht nicht so viel geschlafen hatte, beschloss er hier im Flugzeug ein wenig zu schlafen. Er wollte es nicht zugeben aber er war sehr beunruhigt. Seine Gedanken drehten sich im Kreis. Worauf wollte man sich auch einstellen wenn man nicht genau wusste was einen erwartete. Sie wussten ja nicht einmal mit wie vielen sie es zu tun hatten. Unter Umständen liefen sie direkt ins Verderben. Es gab Menschen die wurden hecktisch oder ungeduldig wenn sie beunruhigt waren. Bei Kiran war das genau umgekehrt. Umso beunruhigter er war umso ruhiger und nachdenklicher wurde er. Er zog sich in sich zurück. Er sprach kein Wort mehr und wenn er wach war, sah er nur noch aus dem kleinen Flugzeugfenster.
Der Flug war lang und anstrengend. Joe war natürlich wieder völlig elektrisiert von dem Flug. Es schien tatsächlich so als würde er nicht genug vom Fliegen kriegen. Wenigstens jemandem der etwas Spass bei der Sache hatte.
Sie waren vor Tori am Ziel angekommen und mussten noch eine Stunde auf sie warten. Die Gruppe blieb auf dem Flughafengelände. Patrick und Ben kümmerten sich schon mal um ein geeignetes Mietfahrzeug. Paula und Joe streiften durch die Flughafen Läden, sie mussten sich die Beine vertreten. Kiran trat vor die Eingangstür und sah sich die Gegend an.
Er wollte unbedingt Lis erreichen.
-*kleines bist du da. Wie geht es dir.*-
Er wartete eine Weile und hoffte auf Antwort. Doch es kam keine. Am liebsten hätte er irgendwo rein geschlagen. Oder laut geschrien. Stattdessen stellte er seine Arme auf seinem Kopf ab und versuchte zu spüren in welche Richtung er gehen sollte. Er versuchte seinen Verstand abzulegen und mit seinem Herzen zu denken und zu suchen. Er spürte genau dass sie im Begriff war sich ihm zu entziehen. Nicht mehr lange und ihr Band wäre durchtrennt. Kiran hatte es sich eigentlich schlimmer vorgestellt. Wie würde sein Leben ohne Lis weitergehen?
Würde er dieser Situation gewachsen sein?
Nein, diesen Fragen durfte er sich noch nicht stellen. Es war noch nicht zu spät. Zuerst musste er sie noch einmal zu Gesicht bekommen. Auch wenn es bereits zu spät war, er wollte sie nur noch einmal sehen. Kiran muss eine ganze Weile da gestanden haben denn plötzlich erschien Tori auf seiner linken Seite. Natürlich hatte Kiran sie bereits gehört als sie zur Tür hinaus trat. Er machte sich einfach nicht die Mühe sich umzudrehen. Er blieb einfach so stehen.
Tori verschränkte ihre Arme als sie zu ihm sprach: „Kiran, es tut mir so unendlich leid dass ich sie in der Schweiz verloren habe. Ich war so nah an ihr dran. Doch dieser Mistkerl wusste dass ich sie suche. Er hat mir eine Falle gestellt und damit habe ich wirklich nicht gerechnet. Ich habe ihn unterschätzt. Ich habe dich endtäusch.“
Kiran sah immer noch in die ferne als er Tori traurig erklärte:
„Wir machen alle Fehler. Du hast es wenigstens Versucht. Ich war ja nicht einmal in der Nähe. Ich habe versagt.“
„Machst du dir Vorwürfe?“
„Hm…, irgendwie ja und irgendwie nein. Ich denke er war uns einiges voraus und hat uns, sprich mich, grässlich Manipuliert. Wenn ich mir Vorwürfe mache sind es die, dass ich Lis solche schmerzen verursacht habe. Nie im Leben hätte ich gedacht dass ich zu so etwas fähig sein werde. Manipulation hin oder her!“
Tori sah Kiran an und konnte erkennen dass er mit sich zu kämpfen hatte. Kiran presste seine Kiefer zusammen.
Sie seufzte auf.
„Zu viele Vorwürfe bringen nichts. Glaub mir ich spreche da aus Erfahrung. Doch da gibt es noch was“, nun sah Kiran neugierig zu Tori herunter, „in der Hütte im Wald hat dieser Mist-Kerl etwas liegen lassen. Es gehört Lis.“
Tori hatte jetzt seine ganze Aufmerksamkeit. Sie gab Kiran den Verlobungsring von Lis. Dabei konnte sie sehen wie Kiran vor schmerz sein Gesicht verzog und seine Augen sich mit Wasser füllten. Er sah aus als würde er gleich aus seiner Haut fahren. Kiran biss seine Zähne zusammen. Er sagte kein Wort und steckte den Ring in seine Hosentasche. Er würde diesen Ring Lis zurückgeben, ob sie ihn noch haben wollte oder nicht. Das schwor sich Kiran ohne ein Wort darüber zu verlieren. Nun hatte er einen weiteren Grund Lis so rasch als möglich zu finden. Als Kiran sich einigermassen im Griff hatte, legte er einen Arm auf Tori ab. Tori und Kiran lehnten an einander an.
Kiran sprach in ruhigem und mitfühlendem Tonfall: „Du vermisst Tom bestimmt auch schon.“
„Über die Massen.“
„Als läge ein schwerer Stein auf deinem Herzen...“
„In Etwa.“
Auch Tori war bereit für Lis und ihn Opfer zu bringen. Das bestärkte ihn noch mehr in der Annahme dass sie auf einem guten Weg waren. Beide sahen in die Ferne. Im Moment wussten sie noch nicht genau in welche Richtung es ginge. Sie mussten sich an die Anhaltspunkte halten die sie bereits hatten. Nicht viel aber immerhin gab es kleine Lichtblicke. Egal wie lange es dauern würde Sie würden Lis in naher Zukunft finden und dann…


Gebrochenes Herz


Die kommenden Tage mit Wlad waren wie jeder andere Tag auch. Die Drogen schlugen an. Ich fühlte mich als würde ich direkt neben mir stehen.
Wlad wirkte mittlerweile wie ein Magnet auf mich. Ich war immer noch wütend und nicht derselben Meinung wie er. Doch unter diesen Drogen spürte ich eine gewisse Anziehungskraft die er auf mich ausübte. Schliesslich war er ein attraktiver Mann. Glücklicherweise nahm ich nur die hälfte der Drogen zu mir. Daher war ich mit meinem Kopf noch einigermassen bei der Sache. Nahm ich einfach so mal an.
Am Tag streifte ich viel durch das Haus. Das ich von dem Vampiren nicht mehr beachtet wurde kam mir eigentlich mittlerweile irgendwie entgegen. Wobei es ja nicht mal richtige Vampire waren. Oder? Die meisten von ihnen waren wirklich nicht die klügsten und machten genau dass was von ihnen verlangt wurde. Diese hatten allesamt scheusslich gelbe Augen. Dann gab es die mit den blauen Augen. Sie schienen mehr Vampir als Wolf zu sein. Da sie etwas menschlicher aussahen waren sie mir automatisch sympathischer.
Die Zimmer im Haus hatte ich bald alle besichtigt. Neben der beeindruckenden Bibliothek gefiel mir das Musikzimmer am besten. Wlad spielt so ziemlich alles an Instrumente die es gab. Zu meinem Erstaunen spielte er wirklich gut. Eigentlich ist es schön ihm zu zuhören. Doch er beeindruckte mich irgendwann auch nicht mehr. Es war langweilig dass Wlad alles so gut beherrschte. Als seine Partnerin musste man sich ja richtig überflüssig und dumm vor kommen. Bei Gelegenheit würde ich ihm das mal sagen müssen. Auch Arik und Juri waren sehr musikalisch. Juri spielt unglaublich schön Harfe. Sie sah dabei so konzentriert aus. Ihrer Musik könnte ich stundenlang zuhören. Arik komponierte die Musik dazu und spielte selbst kein Instrument mehr. Warum bekam ich nicht heraus. Arik erstaunte mich tatsächlich immer wieder aufs Neue. So musikalisch hätte ich ihn niemals eingeschätzt. Er sah so unglaublich wild und gefährlich aus und hatte doch ein sehr weiches Herz. Seit Arik wusste dass er auch bei Tageslicht nicht mehr als Tier herum schweifen musste, war er noch ernster geworden als zuvor. Wenn er mich nach draussen mitnahm gestand er mir, dass er sich ernsthafte Gedanken um mich machte. Ich nahm einfach alles in mich auf wie ein Schwamm.
„Elisa, du stehst neben dir ich weiss. Doch könntest du nicht nachforschen ob Juri auch ins Tageslicht kann?“, sprach er beiläufig bei einem Spaziergang.
Ich ging weiter und nahm die frische Luft in mir auf. Hier draussen war mein Geist etwas freier und konnte klarer denken.
„Lieber Arik, für mich ist es logisch dass sie es kann. Das ist zwar nur ein Gefühl…“, ich stöhnte auf, „Das hilft euch nicht weiter ich weiss. Mein Verstand – Arik, ich kann nicht mehr herausfinden. Wlad würde es merken. Entweder sie probiert es aus und lebt weiter oder stirbt. Da gibt es nur die beiden Varianten. Ist sie denn überhaupt bereit es zu probieren?“
„Du klingst sehr hart. Ich habe ihr mal einen Hinweis zukommen lassen. Nein, ich denke sie ist noch nicht so weit. Keine Ahnung ob sie überhaupt einmal so weit sein wird.“
Ich blieb stehen und sah ihn an: „Dann mach dir keine Gedanken mehr darüber. Wenn die Zeit gekommen ist sehen wir weiter. Basta!“
Aus heiterem Himmel sank ich plötzlich langsam in die Knie und stöhnte dabei laut auf. Danach setzte ich mich kurz hin und schloss meine Augen. Meine Arme hatte ich verschränkt. Ariks Blick war ganz auf mich gerichtet als er sich neben mich hin setzte. Ich schaukelte hin und her, wie ein kleines Kind wimmerte ich leise dazu.
Liebevoll fragte Arik: „Du leidest. Was ist passiert?“
Langsam öffnete ich die Augen und starrte ins Leere.
„Kiran ist in der Nähe und sucht nach mir. Ich konnte seine Stimme zwar nicht hören aber ich fühle es. Ich bin blockiert. Ich habe eine Blockade aufgebaut damit Wlad keine Chance hat etwas zu erfahren.“
„Hm, ich schätze mal das dauert seine Weile bis er dich findet. Das wird nicht ganz so einfach sein wie er denkt.“
Ich lehnte mich an Ariks Seite, nahm die Wärme in mich auf und fragte: „Weshalb denkst du das?“
„Nun…, du riechst nicht mehr so wie früher. Du veränderst dich. Die Vampire verabscheuen dich. Wenn du wolltest hättest du vielleicht sogar Macht über sie. Das ist jetzt aber nur Spekulation. Was Wlad dir gibt weiss ich nicht, aber du resignierst langsam und wirst gefügig. Nicht mehr lange und du beugst dich Wlad. Das tust du automatisch und es wird dir als richtig erscheinen. Ich denke er bricht so deinen eigenen Willen. Eigentlich solltest du das von dir aus tun doch das lag nicht in deiner Natur. Wlad hilft dir sozusagen etwas auf die Sprünge ihn zu lieben. Und in absehbarer Zeit wirst du ihn vermutlich auch lieben.“
„So viel zum Thema wir haben alle Zeit der Welt“, stänkerte ich ein wenig. „Aber du hast Recht. Ich fühle mich nicht mehr so abgeneigt und gegen ihn. Er wird immer anziehender für mich.“
„Elisa was geht bloss in deinem Kopf vor. Hast du einen Plan?“
„Keine Ahnung wovon du sprichst“, war meine unterkühlte Antwort darauf. Meine Augen blitzten für einen Moment gefährlich auf. Gerne hätte ich ihm etwas darüber erzählt doch ich durfte nicht, das gehörte mitunter zu unserem Schutz.
Arik sah mich bekümmert an und strich liebevoll über mein Haar.
„So hat Wlad sich entschieden, dich auf seine Art und Weise an sich zu binden. Ich selbst bin jeden Morgen gespannt wie du auf mich reagierst. Eines Tages wirst du nicht mehr mit mir hinaus kommen. Und wenn das der Fall sein wird hoffe ich dass du unser Geheimnis für dich behältst. Ansonsten weiss ich nicht was Wlad für mich planen wird…“
„Oh Arik, nie würde ich dir etwas Böses wollen. Aber du hast Recht. Langsam wird mir alles egal. Im Moment würde ich wohl alles tun was Wlad von mir möchte weil es mir - irgendwie - egal ist.“
„Bleib standhaft hörst du…“
Arik schüttelte mich ganz leicht und ich musste kichern. Danach standen wir auf und er verwandelte sich wieder in den schönen grossen grauen Wolf. Ich griff in sein weiches Fell und wir gingen langsam, wirklich sehr langsam zurück.
Wlad erwartete uns bereits wieder. Wie sollte es auch anders sein. Dass er auch immer auf mich warten musste. Sein Vertrauen hielt sich stark in Grenzen. Kontrolle war wohl besser. Automatisch musste ich lächeln. Denn auf seltsame Weise war ich auch davon berührt dass er sich so um mich sorgte. Eigentlich würde dieser Mann mich auf Händen tragen ich musste nur wollen. Jetzt schüttelte ich selbst meinen Kopf kurz hin und her. So als würde ich die Gedanken hinaus schütteln. Heute schien auch Wlad gut gelaunt zu sein. Er lächelte mich an.
„Elisa, komm wir schauen mal nach deinem Bein. Wir gehen am besten hinunter. Arik bitte begleite uns.“
Ach ja, mein Bein. Ich spürte kaum noch einen Schmerz. Die Schiene störte mich zwar aber ich hatte mich längst schon damit arrangiert. Arik verwandelte sich und nahm mich auf seine Arme, dann setzte er mich im unteren OP Saal ab. Wlad nahm den Gips gekonnt und fachmännisch ab. Gab es eigentlich ein Gebiet in dem er nicht so gut war? Ich bezweifelte es. Nach seinem Gesichtsausdruck zu urteilen schien er zufrieden zu sein.
„Dein Bruch ist gut verheilt. Zu schnell für einen Normalsterblichen. Aber du bist ja ein wenig anders. Danke Arik du darfst jetzt gehen.“
Leise ging Arik hinaus. Wlad war mit seiner Arbeit an meinem Bein sichtlich zufrieden. Langsam fuhr er mit seiner Hand durch mein Haar und sah mich liebevoll an.
„Du bist mir ebenbürtig. Ein Mensch mit seltsamer Begabung. Auch du bist auf natürliche Weise unsterblich. Einfach so. Ist das nicht faszinierend…“
Fast hätte Wlad mich so weit gehabt und ich wäre in seinen Armen gelandet. Doch der Teil mit: Auf natürliche Weise unsterblich, holte mich zurück auf den Boden der Tatsachen.
Ich kniff meine Augen zusammen.
„Unsterblich einfach so! Nein…, nicht einfach so! Marius hat mir seine Gabe gegeben. Weshalb ER unsterblich gewesen ist weiss ich nicht. Ob das auf natürlichem Weg geschehen ist oder durch ein krankes Hirn wie dir bleibt bis in alle Ewigkeit für mich offen.“
Wieder einmal war Wlad über mich amüsiert den er lächelte wieder sein umwerfendes lächeln.
„Du bist Nachtragend, hübsche Elisa.“
„Durchaus! Ich habe da Kräfte in mir die irgendwie schlummern und niemand kann mir genau sagen wie ich sie hervor rufen soll. Auch die Bücher über Hexen in deiner Bücherei helfen nicht annähernd. Ab und zu habe ich einige Zufallstreffer und erreiche grossartiges. Würde mich jemand fragen wie ich das angestellt habe wüsste ich keine Antwort darauf. Dann bist du noch da und hast so Hohe Ansprüche aber hilfst mir nicht in geringster Weise…“
„Du bist wunderhübsch wenn du wütend bist. Nicht mehr lange und wir können heiraten.“
Meine Nase begann zu zucken und ich kniff die Augen noch enger zusammen. Heiraten…, das war nun wirklich zu viel des guten. Oder doch nicht? Ich versuchte meine Gedanken zu ordnen.
„Es wird mir im innersten immer zuwider sein. Aber du hast Recht, lange geht es nicht mehr und ich bin gefügig genug um dich ... Wenn du eine solche Ehefrau haben willst. Dann bitte schön, und habe bitte Spass für zwei dabei.“
„Ich bin überzeugt davon dass es das Richtige sein wird. Du wirst mich eben lieben auf meine Art. Mit der Zeit wird dein Schmerz und Kummer vergessen sein und du wirst mich aus freien Stücken lieben können. Sobald du aus freien Stücken das Band zwischen dir und Kiran gelöst hast steht uns nichts mehr im Weg. Ich spüre dass das geschehen wird. Ja, ich denke du magst mich jetzt schon ein Stück mehr.“
„Du hörst mir nicht richtig zu. Ich spreche nicht von Liebe. Ich spreche von gefügig, das ist nie und nimmer dasselbe“, sprach ich sehr langsam und deutlich damit er mich richtig verstehen konnte.
„Auch wenn du dir das vielleicht nicht vorstellen kannst. Aber auch ich besitze ein Herz und kann sehr zärtlich sein wenn es erforderlich ist. Du musst mich nur darum bitten“, beteuerte er.
„Ich bitte um nichts. Du arbeitest mit dem Verstand und nicht mit deinem Herzen. Du machst nie etwas aus Barmherzigkeit. Ich weiss dass du ein Herz hast. Aber das ist wie versteinert. Weisst du eigentlich was richtige Freundschaft ist?“
„Nein, ich nehme was ich brauche.“
„Deine Seele wird nie Frieden finden. Du bist verloren.“
„Gib mir Zeit.“
Er bat mich um Zeit? Das waren wirklich neue Töne! Wlad trat ganz nah an mich heran. Hielt mit beiden Händen meinen Kopf fest und gab mir ein Kuss auf meine Lippen. Mein Mund öffnete sich nicht und in meiner Magen Gegend blieb es ruhig. Ein wenig Lust verspürte ich schon aber ich gab nicht nach. Nur mein Herz und mein Atem gingen rascher. Ich sah ihn immer noch direkt in die Augen, ich blieb ausdruckslos. Dann schob ich ihn mit meinen Händen leicht von mir weg.
„Wlad…, bitte. Ich kann noch nicht…“
Wlad war nicht mehr ganz die Ruhe selbst aber er versuchte nett zu sein: „Gut, wie du willst. Ich bemühe mich.“
„Du nennst es bemühen mir solche Drogen unter zu jubeln?“
Wlads Fassung schien zu brechen.
„Du hast ja keine Ahnung zu was ich fähig bin. Du wirst mich lieben. Das Verspreche ich dir hoch und heilig. Du wirst danach betteln dass ich dich immer und immer wieder besteige!“
Er liess ganz von mir ab und rauschte hinaus. Ich sass immer noch da und lies die Situation auf mich wirken. Hatte er wirklich das Wort besteigen gesagt? Wie unromantisch war das denn. Ich schüttelte leicht meinen Kopf. Langsam stand ich auf und belastete meine beiden Beine. Es fühlte sich noch etwas wackelig an aber es ging soweit ganz gut. Endlich sah ich mal mein Bein an. Es war definitiv etwas dünner als das andere. So ganz sicher stand ich noch nicht auf dem geschwächten Bein. Langsam ging ich hinaus. Natürlich kam ich auch bei den Vampiren vorbei. Aber wo hatten eigentlich diese Ihre Schlafstellen? Hm…, das konnte ja nicht sein dass sie immer in diesem grossen schummrig beleuchteten Raum sassen. Ich ging auf einen der Vampire zu. Er kratzte sich gerade wie ein