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Leseprobe

 

 

 

 

ROBERT QUINT

 

 

DIE TERRANAUTEN, Band 22:

Der Katastrophen-Planet

 

 

 

Science-Fiction-Roman

 

 

 

 

 

 

Apex-Verlag

Inhaltsverzeichnis

Das Buch 

 

DER KATASTROPHEN-PLANET von Robert Quint 

 

Das Buch

Man schreibt das Jahr 2500 irdischer Zeitrechnung.

Die Rückkehr der Terranauten...

Die Gruppe um David terGorden verlässt Raghams Festung und tritt den Rückweg an. Die Lage in Yanda hat sich zugespitzt, Kai Hellinger wurde mittlerweile getötet. Rowl Hellinger schließt sich mit seiner Tocher der Gruppe an. Die Besatzung der STURMVOGEL hat ausgeharrt und auf sie gewartet, so dass sie mit beginnendem Tauwetter aufbrechen können.

Eine stark bewaldete, unbewohnte Insel, Pitcairn getauft, wird die Basis der Terranauten auf Rorqual. Das Beiboot der TASCA kann nun repariert werden: Nach fast einjähriger Verbannung auf Rorqual starten David terGorden, Zandra van Heissig, der junge Markham und Claude Farrell und steuern die TASCA im Orbit an...

 

DIE TERRANAUTEN – konzipiert von Thomas R. P. Mielke und Rolf W. Liersch und verfasst von einem Team aus Spitzen-Autoren – erschien in den Jahren von 1979 bis 81 mit 99 Heften und von 1981 bis 87 mit 18 Taschenbüchern im Bastei Verlag. 

Der Apex-Verlag veröffentlicht die legendäre Science-Fiction-Serie erstmals und exklusiv als E-Books.

  DER KATASTROPHEN-PLANET von Robert Quint

 

 

 

 

  Roter Morgennebel wallte um die Landestützen des kleinen diskusförmigen Raumschiffs, das auf einem kleinen Plateau stand, gut hundert Meter von dem festungsähnlichen Gebäude entfernt, das die auf Rorqual festsitzenden Treiber spöttisch »Davids Burg« getauft hatten. In respektvollem Abstand zu den Düsen des Beibootes der Tasca hatten sich alle versammelt, die Terranauten und ihre neuen rorqualschen Freunde. Heute war der Tag der Entscheidung gekommen. David wollte mit dem reparierten Boot den ersten Start wagen. Schon seit Wochen drängte der Erbe der Macht auf einen Probeflug, aber Asen-Ger hatte strikt abgelehnt. 

»Du musst um jeden Preis die Tasca erreichen«, hatte der Logenmeister erklärt. »Dort gibt es alle Mittel zu einer vernünftigen Reparatur. Was wir hier an Ersatzteilen eingebaut haben, ist nur improvisiert und wird zum größten Teil nur eine einmalige Belastung durchhalten können. Also gibt es keinen Probeflug. Ihr müsst direkt zur Tasca.« 

An diese Worte erinnerte sich David nur zu gut, als er jetzt den anderen zum Abschied zuwinkte und mit Farrel in die enge Bodenschleuse des Kleinraumschiffes trat. Sie trugen beide leichte Raumanzüge aus der Bordausrüstung, was Farrell nicht daran hinderte, in der Außentasche einen Packen seiner selbstgedrehten Zigarillos unterzubringen, deren Spitzen hervorlugten.

»Du scheinst ja nicht mit ernsthaften Schwierigkeiten zu rechnen«, meinte David grinsend. »Sonst würdest du deine wertvollen Glimmstängel sicherer unterbringen.«

»Wird schon schiefgehen«, knurrte Farrell. »Wo steckt eigentlich Zandra?«

»Asen-Ger sagte mir, sie sei schon an Bord.«

Nachdem die beiden in die kleine Zentrale hinaufgeklettert waren, stellten sie überrascht fest, dass Zandra dort nicht allein auf sie wartete. In einem der Passagiersitze saß, sicher angeschnallt, der schwachsinnige junge Markham.

»Was soll das?« fragte David überrascht. »Markham dürfte auf diesem Flug nur eine Belastung für uns sein. Du wirst dich doch für ein paar Stunden von deinem Schützling trennen können?«

Zandra hatte sich in den letzten Monaten intensiv um den geistig zurückgebliebenen letzten Spross der Markham-Sippe gekümmert. Die Markhams stammten von vor Jahrhunderten auf Rorqual gestrandeten Grauen Garden ab. Die Nachkommen der Grauen waren bis auf die Markhams geistig völlig degeneriert. Sie beteten einen versteinerten Baum an, der erstaunliche Ähnlichkeit mit der irdischen Yggdrasil aufwies, dem Urbaum, der die Misteln lieferte, ohne die keine Treiberraumfahrt möglich war. Bei diesen Wilden hatte man in großer Zahl getrocknete Mistelblüten gefunden. Man war durch Markham auf diese Misteln aufmerksam geworden, und hatte daraufhin in den letzten Monaten zwei Expeditionen zur Insel der Wilden unternommen, bei denen es den Terranauten gelungen war, eine große Zahl der getrockneten Misteln zu bergen. 

Zandra warf David einen Blick zu, der ihm sagte, dass Markham mitkommen würde. »Ich will ihn dabei haben, wenn wir versuchen, mit den getrockneten Misteln zu arbeiten und außerdem gibt es an Bord die medizinischen Möglichkeiten, seinem Gehirn zu helfen.« Zu weiteren Erklärungen ließ Zandra sich nicht herab. Die Treiberin machte David bei jeder Gelegenheit deutlich, dass sie sich nichts befehlen ließ.

Fünf Minuten später erfolgte der Start. Ohne Schwierigkeiten stieg das Schiff auf fünftausend Meter Höhe und näherte sich der roten Wolkendecke, die ihm bei der Ankunft auf Rorqual zum Verhängnis geworden war. In dieser Wolkenschicht war es bei der ersten Erkundung des Planeten zu atmosphärischen Turbulenzen von solcher Heftigkeit gekommen, dass beide Erkundungsboote der Tasca notlanden mussten. Auf dem Mutterschiff waren nur zwei Treiber zurückgeblieben, die keine Möglichkeiten besessen hatten, ihren auf Rorqual havarierten Kameraden zu helfen. 

Kurz vor dem Eintritt in die Wolkendecke tat David etwas, was er schon seit Monaten nicht mehr versucht hatte, denn auf Rorqual gab es einen bisher unerklärlichen Einfluss, der alle PSI-Kräfte blockierte. David streckte psioni-sche Fühler nach ihrer Umgebung aus. Und diesmal empfing David fremde Gedanken. Eine verblüffende Erfahrung. Jemand versuchte, ihn zu warnen. Gebraucht keine PSI-Kräfte, schienen die fremden Gedanken zu warnen. Kein PSI, keine Treiberkraft!

Diese Warnung war eine Bestätigung für etwas, das David schon lange vermutet hatte. Ihr damaliger Absturz musste mit der seltsamen PSI-Sperre auf Rorqual zusammengehangen haben. David reagierte sofort. Er stellte alle PSI-Versuche ein und wies auch seine Begleiter entsprechend an.

Unangefochten passierten sie die Wolkendecke und verließen die Atmosphäre des Planeten. Um sie herum war wieder das seltsame rötliche Leuchten, das schon beim Anflug die Vermutung hatte aufkommen lassen, Rorqual befände sich gar nicht im normalen Universum, sondern wahrscheinlich in Weltraum II. Der furchtbare, schwarze Himmelskörper, der Rorqual die Nacht brachte, war nicht zu sehen. Er befand sich auf der anderen Seite des Planeten. 

Bald tauchte der flache, diskusförmige Rumpf der Tasca auf den Beobachtungsschirmen auf. Sie versuchten noch einmal, die Treiber an Bord über Funk anzurufen. Schon während der ganzen letzten Monate hatten sie die Tasca vergeblich angefunkt. Auch diesmal erhielten sie keine Antwort. 

Besonders David war darüber sehr enttäuscht, denn er glaubte, dass die vorhin empfangene PSI-Warnung von ihren Treiberfreunden auf der Tasca stammte. 

Sie koppelten das Beiboot an der Hauptschleuse der Tasca an. Sich einzuschleusen wagten sie nicht, so lange sie nicht mehr über die Zustände an Bord wussten. Also stiegen sie in Raumanzügen hinüber zur Tasca, wo sie die Schleuse manuell öffneten. Der junge Markham wurde auf Zandras Wunsch hin mitgenommen und hielt sich bei seinem ersten Ausflug ins All erstaunlich gut. 

Sie fanden die Tasca in gutem Zustand und weitgehend repariert vor. Die Lufterneuerung und alle anderen automatischen Einrichtungen funktionierten. Doch die erste Freude wich rasch tiefer Bestürzung. Die beiden an Bord zurückgebliebenen Treiber saßen tot in den Pneumosessein der Zentrale. 

Nichts wies daraufhin, wie Morgan und Terry ums Leben gekommen waren. Ihre Körper wirkten erstarrt und zeigten keinerlei Anzeichen von Verwesung. Wenn nicht ihre offenen, toten Augen gewesen wären, hätte man meinen können, die beiden schliefen nur.

Farrell streckte die Hand aus und berührte Terry vorsichtig. »Fühlt sich an wie aus Glas«, stellte er überrascht fest.

Markham, der gerne die Bewegungen anderer nachahmte, strich ebenfalls mit den Fingern über den Arm der Leiche. Kaum hatte er sie berührt, da zuckte er wimmernd zurück. Ein hoher, singender Ton gellte plötzlich durch die Zentrale. Aus dem Nichts materialisierten zwei Lichtpunkte und begannen um Markhams Kopf herum zu tanzen.

Die anderen kannten dieses Phänomen von Rorqual. »Banshees«, rief Zandra überrascht. So nannte man auf Rorqual diese seltsamen Lichter, die in den Körper eines Menschen eindringen und ihn regelrecht übernehmen konnten.

»Kommt«, flüsterte Markham mit heiserer, veränderter Stimme. »Kommt näher zu mir.« Er griff zu seinem um den Hals hängenden Totemtäschchen und zog eine getrocknete Mistelblüte daraus hervor. Mit zwei schnellen Schritten stand er neben der Mistelschale im Mittelpunkt der Schiffszentrale. »Kommt!«, kreischte er und warf seine Mistel in die Schale, die noch immer mit Nährflüssigkeit gefüllt war.

Im gleichen Augenblick verschwanden die beiden um Markhams Kopf schwirrenden Lichtpunkte. Stattdessen glomm ein fremdes Feuer in den Äugen des Schwachsinnigen auf. »Ihr habt es geschafft«, sprudelte es aus ihm heraus! »Ihr hat es tatsächlich geschafft... All die Qualen, die Angst... nicht vergeblich. David, Zandra, Claude, wir sind es. Morgan und Terry. Hört uns zu. Greift unsere Hände. Wir können uns nicht lange in diesem Körper halten. Helft uns. Wir müssen euch wichtige Dinge mitteilen.«

Ohne weitere Aufforderung griffen sich die Treiber bei den Händen und bildeten mit Markham einen Kreis um die Mistelschale. Sie versuchten, PSI-Kontakt zu ihren Gefährten zu bekommen, doch sie vernahmen nur das, was sie aus Markhams Mund hörten:

»Wir haben euren Absturz mit unseren Instrumenten verfolgen können, ohne euch noch über Funk zu erreichen. Wir mussten tatenlos zusehen. Auch ein PSI-Kontakt war ja wegen diesem Teufelsplanet nicht möglich. Wir machten uns schließlich daran, die TASCA so weit wie möglich zu überholen, und es gelang uns fast, alle auf der Flucht von Zoe entstandenen Schäden zu reparieren. Viele Instrumente waren gar nicht ausgefallen, sondern zeigten einfach verrückte Werte an, weil wir uns hier in einer verrückten Umgebung befinden. Wir sind in Weltraum II. Dieser Planet steht im anderen Raum. Deshalb haben wir auch unsere Körper verloren. Es geschah, als wir nach mehreren Wochen verzweifelten Wartens auf ein Lebenszeichen wieder versuchten, psionisch nach euch zu suchen. Unsere Geister trennten sich vom Körper und konnten nicht mehr zurück... der große Schwärze... der Sternenflug... unsere Kräfte lassen nach. Wir müssen euch rasch das wichtigste sagen. Wir haben viel über diese Welt herausgefunden, mit den reparierten Instrumenten und in unserer jetzigen Daseinsform. Der Planet unter uns strahlt ein PSI-Feld aus, das alle anderen PSI-Gehirne blockiert. Deshalb seid ihr auch mit den Beibooten abgestürzt. Eure eigenen PSI-Kräfte haben unterbewusst den verhängnisvollen Orkan verursacht... Weiter, weiter... Das wichtige. Das wichtigste ist, es gibt einen Weg zurück von hier ins normale Universum. Die schwarze Sonne ist im Normalraum ein Schwarzes Loch. Durch sie führt der Rückweg. David geh zurück zur Erde. Hilf unseren Kameraden. Kämpft gegen Valdec und das Konzil, dann... lebt wohl. Zu schwach, zu schwach...« Markhams Stimme senkte sich zu einem unverständlichen Geflüster. 

»Die Mistel!«, stöhnte er plötzlich auf.

Die vertrocknete Knospe, die er in die Schale geworfen hatte, machte eine faszinierende Verwandlung durch. Sie hatte sich voll Flüssigkeit gesogen und begann, jetzt aufzublühen.

Alle starrten gebannt auf die sich entfaltenden, golden schimmernden Blütenblätter. Und dann kamen Davids kräftige Gedanken: Wir haben den Rückweg gefunden. Gleichzeitig haben wir in Rorqual eine unangreifbare Basis für unseren weiteren Kampf. Valdec! Die Terranauten kommen zurück, und diesmal wirst du es schwerer mit uns haben.« Ein triumphierendes Lächeln legte sich auf die; Lippen des Erben der Macht. Der Kampf geht weiter. 

 

*

 

... stehen wir somit vor dem klassischen Problem großräumiger Reiche. Ungehinderter, schneller Informationsfluss ist die Voraussetzung zur Herrschaft und zur Verteidigung der Reichsinteressen gegen alle Angriffe äußerer und innerer Natur. Gestörte Kommunikation bedroht die Stabilität der Verwaltung und Wirtschaft, hemmt die technologische Entwicklung und macht die Politik zu einem schwerfälligen Instrument. Bisher hat ein dichtes Netz schneller Kurierschiffe das Fehlen von Superlicht-Funkverbindungen kompensiert. Die Konzernzentralen und Konzilvertretungen auf den Kolonialplaneten gaben gesammelte Informationen an die Kuriere weiter, die die Kolonien in einem computergesteuerten Rhythmus regelmäßig besuchten; besonders wichtige Meldungen wurden per Alphakuriere direkt an das Konzil übermittelt. Durch dieses relativ einfache System reduzierte sich die Informationsverzögerung – bedingt durch die ungeheuerlichen Entfernungen im Sternenreich der Erde – auf ein erträgliches Maß.

Doch dieses System besaß einen ganz entscheidenden Fehler. Die Kurierschiffe wurden von Treibern gesteuert, die nach der Vernichtung von Zoe und der sich anschließenden Umgestaltung der Raumfahrt im Interesse der Reichssicherheit auf Internierungswelten verbannt wurden. Kaiserkraft trat an die Stelle der Treiber, aber die Reorganisierung war und ist zeitraubend. Die Produktion der Kaiserkraftraumschiffe ist begrenzt und behindert die Neuschaffung des Kuriernetzes, eines Machtinstrumentes, das besonders in der heutigen Zeit sich vermehrender Rebellionen in allen Sektoren der Raumkugel an Bedeutung gewinnt. 

Ein Beispiel dafür ist der so genannte Ginger-Zwischenfall. Vor weiteren Ausführungen möchte ich noch bemerken, dass alle Informationen, die die Geschehnisse im Kashmir-System betreffen, strengster Geheimhaltung unterliegen und nur den Führungsstäben des Konzils und der Grauen Garden zugänglich gemacht werden dürfen... 

 

Informationsmanag Frost

Tibet/Terra

vor der Cosmoralität der Grauen Garden

 

*

 

Aus den Bildschirmen leckte rohes rotes Feuer.

Die Dämmerschaltungen der Kaltkristallmonitoren standen auf höchste Wirkungskraft und doch war es unerträglich hell in der Zentrale des Schiffes.

»Wir sollten sie ausschalten«, sagte David terGorden in das Schweigen hinein. Er sah sich um, blinzelte und wandte der Reihe der Direktbeobachtungsbildschirme den Rücken zu. »Wir brauchen sie nicht. Die Taster genügen.«

Die Queen Mandorla tastete wortlos über das Schaltpult. Abrupt wurden die Monitore grau. Die kochende Oberfläche der Sonne Ostkreuz verschwand und hinterließ angenehme Dämmerung.

»Taster nach wie vor Null«, sagte die ehemalige Queen der Grauen Garden. Sie hatte darauf bestanden, den ersten Erkundungsflug in den Normalraum mitzumachen. »Aber das bedeutet nichts. Wir lauschen erst seit zwei Tagen und das Kuriernetz dürfte nach Ausfall der Treiber nicht mehr so dicht sein. Früher oder später wird ein Kurierschiff des Konzils im Ostkreuz-Sektor eintreffen. Die Sonne ist ein Raumfeuer, ein Orientierungspunkt für die Schiffe der Garde, der auch der Kurierdienst untersteht. Sie können sich auf meine Informationen verlassen. Als Sicherheitsmanag Max von Valdecs hatte ich Zugang zu vielen Geheimdokumenten.«

David terGorden sah die schlanke Frau nachdenklich an; ihr Gesicht war noch immer so undurchdringlich und abweisend wie früher, doch sie hatte im Lauf der letzten Monate ihre Lethargie überwunden. Bedeutete dies, dass sie sich endgültig von der Garde gelöst hatte?

Der Terranaut lächelte, dachte an den alten Spottspruch, der unter den Treibern kursierte. Ein Grauer bleibt grau, auch wenn er ergraut. Nun, es gab Anzeichen, dass dies nicht ganz stimmte. Einige Mitglieder der Garde hatten die Folgen der Gehirnoperation überwunden und ihr eigenständiges Denkvermögen zurückerlangt. 

»Ich sehe in Ihren Augen, was Sie denken«, sagte Mandorla ruhig. »Sie sollten etwas dagegen unternehmen.«

Unwillkürlich senkte terGorden den Kopf und schalt sich gleich darauf einen Narren. Die Anwesenheit der anziehenden Frau verwirrte ihn. Es fiel ihm schwer, zu der ehemaligen Grauen ein entspanntes Verhältnis zu entwickeln. Trotz allem war noch dieser Kern Misstrauen in ihm, Misstrauen gegen alles, was mit dem Konzil und seiner Polizeitruppe zusammenhing.

Die Geschehnisse auf dem Erdsatelliten E-550 fielen ihm wieder ein; damals hatte ihm die Queen das Leben gerettet und so mit Valdec und dem Konzil gebrochen. Doch nie hatte sie den Grund verraten.

Ein heller Summton riss ihn aus seinen Gedanken, und es dauerte einige Augenblicke, ehe er begriff, was er bedeutete.

Ortung!

Die Taster hatten angesprochen. Ein Raumschiff war in der Nähe der Sonne Ostkreuz aus dem Weltraum II aufgetaucht.

Die Queen Mandorla hatte bereits reagiert. Die computergesteuerten Ferntaster des Schiffes peilten sich auf den Ortungsreflex ein. Automatische Schubstöße der Strahltriebwerke beförderten den Diskusraumer langsam aus dem unmittelbaren Bereich der roten Riesensonne. Das energetische Störgewitter verlor an Heftigkeit, als die langen Fackeln der Sonnenstürme zurückfielen. Der Computer erhielt klarere Werte. 

Dann dauerte es nur Sekunden, bis terGorden und die Queen Gewissheit hatten.

Das fremde Objekt war ein Schiff des Kurierdienstes; ein tropfenförmiger Raumer, konstruiert für die Überwindung großer Entfernungen in kürzester Zeit, knappe sechzig Meter lang und an der dicksten Stelle dreißig Meter durchmessend.

David terGorden stöhnte.

Schmerz pochte plötzlich hinter seiner Stirn, scharf und kalt wie zersplittertes Eis. Und nicht nur er stöhnte unter dem fremden Einfluss. Asen-Ger, der Logenmeister, und die Treiber der Terranauten-Loge wurden genau wie terGorden von dem eigentümlichen Schmerz gepeinigt.

Abrupt brach das Stechen in Davids Schädel ab. Es hatte nur kurze Sekunden gedauert, aber der Treiber wusste mit einemmal, woher diese üblen Schwingungen stammten.

Das Kurierschiff besaß Kaiserkrafttriebwerke.

Bei seinem Eintauchmanöver mussten Einflüsse aus dem Weltraum II auch kurzfristig im Menschen-Universum wirksam geworden sein.

»David«, stieß die Queen besorgt hervor. »Ist Ihnen etwas...«

»Alles in Ordnung«, unterbrach terGorden hastig und gab Asen-Ger einen Wink. Aufgeregt flimmerten Lichter über die Kontrollpulte und Schaltwände und schufen ein mystifizierendes Zwielicht, in dem die Mistelblüte wie ein Meteor aufleuchtete.

Die Treiber konzentrierten sich. Psi-Ströme griffen ineinander über, wurden von dem Logenmeister in geordnete Bahnen gelenkt. 

»Ortung unverändert«, murmelte die Queen Mandorla und ihre Stimme vibrierte. »Aber wir müssen

Impressum

Verlag: BookRix GmbH & Co. KG

Texte: Erno Fischer/Apex-Verlag. Published by arrangement with Thomas R. P. Mielke and Rolf W. Liersch.
Bildmaterialien: Christian Dörge/Apex-Graphixx. DIE TERRANAUTEN-Logo by Arndt Drechsler.
Cover: Christian Dörge/Apex-Graphixx.
Lektorat/Korrektorat: Peter Sladek.
Satz: Apex-Verlag.
Tag der Veröffentlichung: 25.01.2019
ISBN: 978-3-7438-9450-1

Alle Rechte vorbehalten

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