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Leseprobe

 

 

 

 

 

ANDREW J. OFFUTT

 

Conan und das Schwert

von Skelos

 

 

 

 

Roman

 

 

 

Apex-Verlag

Inhaltsverzeichnis

Das Buch 

Der Autor 

 

CONAN UND DAS SCHWERT VON SKELOS 

Prolog: Das Schwert 

1. Conan von Cimmerien 

2. Khassek von Iranistan 

3. Abschied von Shadizar 

4. Die Ungeheuer 

5. Die Geschichte der zwei Zauberer 

6. Der Zauberer von Zamboula 

7. Isparana von Zamboula 

8. Ein ungewöhnliches Verhältnis 

9. Tod zwischen den Dünen 

10. Die Zelte der Shanki 

11. Die Folterkammer 

12. Begleitschutz für zwei Diebe 

13. Zamboula 

14. Das Auge Erliks 

15. Conan, der Held 

16. Conan, der Flüchtling 

17. Conan, der Dieb 

18. Der Schlüssel zu Zamboula 

19. »Töte ihn!« 

20. Das Schwert an der Wand 

21. Der Thron von Zamboula 

 

Das Buch

 

 

Viele Jahrtausende vor unserer Zeitrechnung bildeten Europa, Asien und Afrika noch eine zusammenhängende Landmasse: den hyborischen Kontinent.

Es ist die Welt und die Zeit von Conan, dem Abenteurer aus dem düsteren nördlichen Grenzland Cimmerien, der die Steppen und Dschungel, die Gebirge und Ebenen auf der Jagd nach Beute durchstreift.

Sein Weg führt ihn in märchenhafte und sagenumwobene Länder, in prächtige Städte und an glanzvolle Höfe, an denen Könige oder mächtige Zauberer herrschen.

Immer wieder versucht man ihn, den einfältigen Barbaren, zu übertölpeln und zu versklaven. Doch mit seinen gewaltigen Körperkräften und der unglaublichen Schnelligkeit seiner Waffen sprengt er alle Ketten und lehrt seine Gegner das Fürchten...

 

Unter unsäglichen Strapazen durchquert Conan die Wüste des Todes und bringt dem Statthalter von Zamboula sein entwendetes Eigentum zurück: das Auge Erliks, ein wundertätiges Amulett. Doch Zafra, der Hofmagier, richtet eine tödliche Waffe gegen den Cimmerier – das unfehlbare Schwert von Skelos...

  Der Autor

Andrew J. Offutt (* 16. August 1934, † 30. April 2013)

 

Andrew Jefferson Offutt war ein US-amerikanischer Autor von Fantasy- und Science-Fiction-Literatur. Er veröffentlichte seine Werke teilweise unter Variationen seines bürgerlichen Namens, vornehmlich als Andrew J. Offutt, teilweise unter den Pseudonymen John Cleve, Jeff Douglas oder J. X. Williams. Gelegentlich ist sein Name auch vollständig in Kleinbuchstaben als andrew j. offutt geschrieben. 

Offutt wuchs in einer Blockhütte in der Kleinstadt Taylorsville im Spencer County auf. Später siedelte er nach Louisville um und studierte mittels eines Stipendiums der Ford Foundation an der dortigen Universität. 1955 wurde ihm der Bachelor of Arts im Fach Englisch verliehen.

Während seiner Arbeit in Lexington lernte er Jodie McCabe kennen, die er 1957 heiratete. Das Ehepaar Offutt war über fünfzig Jahre verheiratet und lebte im Rowan County im US-Bundesstaat Kentucky. Sie hatten vier Kinder, der älteste Sohn, Chris Offutt, ist heute ebenfalls als Schriftsteller und Drehbuch-Autor (True Blood, Weeds) bekannt. 

Andrew J. Offutts erste Publikation war die Kurzgeschichte And Gone Tomorrow, die 1954 in der US-amerikanischen Science-Fiction-Zeitschrift If veröffentlicht wurde. Nach dem Verkauf der Kurzgeschichte Blacksword (1959) an das Magazin Galaxy konzentrierte er sich zunehmend auf die Schriftstellerei. Mit Evil Is Live Spelled Backwards erschien 1970 sein erster Roman. 

Für den Romanzyklus Thieve's World (deutscher Titel: Diebeswelt) von Robert Lynn Asprin und Lynn Abbey schuf er die Figur Hanse und beschrieb sie zwischen 1987 und 1993 in drei Romanen: Shadowspawn (1987), Deathknight (1990) und The Shadow Of Sorcery (1993). 

Überdies verfasste er drei Romane über Conan sowie sechs Romane über Cormac MacArt, beides Figuren des Schriftstellers Robert E. Howard.

Zwischen 1976 und 1978 war Offutt Präsident der Science Fiction and Fantasy Writers of America. Ende der 1970er Jahre gab er unter dem Titel Swords Against Darkness fünf Anthologien mit Kurzgeschichten weniger bekannter Autoren heraus. 

Unter bis zu zwölf verschiedenen Pseudonymen schrieb Offutt eine Vielzahl erotischer Romane, darunter die von 1982 bis 1984 entstandene Spaceways-Reihe, die unter dem Autorenpseudonym John Cleve publiziert wurde. 

CONAN UND DAS SCHWERT VON SKELOS

 

 

 

 

  Prolog: Das Schwert

 

 

 

Nackt und vom Hunger und den Künsten des Foltermeisters gezeichnet, standen die beiden Männer in der Verliesgrube mit den Steinwänden und starrten empor. Auf dem Absatz der Treppe zur Foltergrube starrten vier Männer zurück. Drei hatten Bärte, zwei trugen Kettenrüstungen und Helme, zwei prächtige Gewänder, und einer hatte eine merkwürdige Kopfbedeckung. Die Schwerter von dreien steckten in ihren Scheiden, während der vierte seine Klinge in der jugendlichen Faust hielt.

Der junge Mann mit dem ungewöhnlichen, ferygischen Spitzhut und der langen malvenfarbigen Robe nahm seinen Blick von den Gefangenen in der Grube und wandte sich an den Mann im bunten Gewand: »Ihr habt alles erfahren, was Ihr von den beiden wissen wolltet, mein Lord Khan? Befehlt Ihr ihren Tod?«

Der Mann mit den fettigen schwarzen Locken, die das nicht unedel geschnittene Gesicht umrahmten, mit dem Fassbauch, um den ein silberner Gürtel das vielfarbige Gewand mit der Goldborte zusammenhielt, hob die Brauen.

»Ja«, erwiderte er. »Doch gewiss wollt nicht Ihr selbst hinuntersteigen und die Hinrichtung durchführen.«

Einer der beiden Soldaten grinste unter seinem Spitzhelm aus Bronze über schwammgefüttertem Leder. Unwillkürlich entfuhr seinen Lippen ein Laut. Der junge Mann mit dem Schwert in der Hand warf ihm einen verweisenden Blick zu, doch dann verzog sein kantiges Gesicht sich zu einem dünnen Lächeln, und er wandte sich wieder dem Khan zu.

»Nein, mein Lord. Ich ersuche Euch nur, ganz kurz abzuwarten und zuzusehen. Es dauert nicht lange, mein Lord.«

In der Nähe kauerte eine eiserne Feuerschale auf ihren niedrigen Oh,-Beinen wie ein schwarzer Dämon mit Feuerschädel, dessen Schatten ihr gespenstisches Spiel auf den Verlieswänden trieben. Zu beiden Seiten des Mannes in der violetten Robe stand ein Eimer. Einer war mit Wasser, der andere mit sandiger Erde gefüllt. Der junge Mann mit dem kantigen, bartlosen Gesicht bückte sich und legte sein Schwert auf den Treppenabsatz, so dass die Spitze von ihm wegdeutete. Die Klinge war von feinster Schmiedearbeit, ein langes tödliches Blatt glänzenden Stahles, dessen Heftzapfen in einen silbernen Griff auslief: als Hals und Schädel einen Drachen. Die Parierstange bildete seine Flügel, und der Topasknauf schmückte ihn mit einer goldschimmernden Krone.

Murmelnd streute der junge Mann Erde aus dem Eimer über Klinge, Griff, Parierstange und Knauf, und er war sehr darauf bedacht, die ganze Waffe sorgfältig mit der sandigen Erde zu bedecken. Der ältere Soldat starrte sichtlich missbilligend mit grimmiger Miene darauf. Ein edles Schwert, das Meisterwerk eines begnadeten Waffenschmieds, so zu behandeln, missfiel ihm.

Der Magier, denn das war der junge Mann offenbar, drehte die Klinge um und bestreute nun auch die andere Seite bedächtig mit Erde. Die ganze Zeit murmelte er Beschwörungen.

Unbekümmert darum, dass das malvenfarbige Gewand sich zum Bersten über sein Gesäß spannte, ließ der Magier sich auf Hände und Knie fallen, als beabsichtigte er, die Klinge anzubeten, aber er fuhr nur fort, vor sich hin zu murmeln, während er mit geblähten Wangen heftig auf das Schwert blies. Auch jetzt war er sorgsam bedacht, die Waffe völlig zu bedecken, diesmal mit seinem unsichtbaren Atem.

Dann riss er das Schwert hoch, so dass der Sand aufwirbelte, und hieb sie dreimal durch die Luft - und sie schien zu wimmern, als die scharfe Klinge sie durchschnitt.

Im Verlies verfolgten die nackten, narbengezeichneten Gefangenen dieses Ritual. Sie tauschten kurz verwirrte, ängstliche Blicke und sahen wieder empor. Beide waren sich wohl bewusst, dass es sich um Zauberei handelte, denn auch in ihrer Heimat Iranistan, noch ein wenig weiter im Osten, gab es Magier und Besucher aus dem Reich zwischen den Dimensionen.

Der Khan und die beiden Soldaten starrten ebenfalls auf den Zauberer und seine Klinge, und ein unheimliches Gefühl raubte ihnen schier den Atem. Auch sie wussten, dass sie Zeugen von Zauberei wurden, aber sie konnten nur ahnen, was das in diesem klammen, düsteren Verlies bezwecken sollte.

Der Magier tauchte eine Hand in den Eimer mit Wasser und besprühte das Schwert, und immer aufs neue wiederholte er vor sich hinmurmelnd diese Prozedur, während der ältere der beiden Soldaten sich weiterhin empört über die Behandlung der Waffe zeigte, denn er war im Kampf erfahren und empfand Respekt für eine gute Klinge. Jeder konnte eine Axt sein eigen nennen, aber ein gutes Schwert war etwas Kostbares, etwas, das nur Meisterhände herzustellen vermochten. Der Veteran hatte lange, sehr lange gespart, um das Schwert an seiner Seite erstehen zu können. Er behandelte es mit mehr Respekt und Fürsorge als sein Weib, das ihn ja schließlich auch nicht so viel gekostet hatte. Mit zusammengekniffenen Lippen beobachtete er, wie der kauernde Zauberer das Schwert mit dem schlimmsten Feind einer guten Klinge benetzte - mit Wasser.

Ununterbrochen murmelte der junge Magier vor sich hin. Die Anwesenden wussten, dass es Worte waren, aber sie verstanden sie nicht.

Es beruhigte den älteren Soldaten ein wenig, als der Zauberer, ohne seine kehlige Beschwörung zu unterbrechen, das Schwert hob und durch die aus dem Feuerbecken lodernden Flammen schob.

Das Metall zischte wie in übernatürlichem Grimm. Auch jetzt drehte der weinrot Gewandete die Klinge um und wiederholte den Zauber.

Endlich, noch immer mit beschwörenden Worten, erhob sich der Magier. Ohne Warnung und fast ohne zu zielen, warf er das Schwert wie einen Speer hinunter zu den nackten Gefangenen. Jetzt sprach er laut und klar: »Töte ihn!« 

Das Schwert schoß noch durch die Luft, als der Zauberer diese Worte mit einer Stimme voll Drohung und Bosheit ausstieß, Sporen des schwarzen Lotus gleich, der im unheilschwangeren Dschungel Khitaus wuchs. Der Khan, die Soldaten und auch die beiden nackten Iranistanier rissen die Augen auf. Der Gefangene mit den eingefallenen Wangen und dem ausgezehrten Körper versuchte der Klinge auszuweichen, die mit der Spitze voraus auf ihn zuflog. Nicht der Zauberer murmelte jetzt, sondern die anderen, als die Klinge bei dieser Ausweichbewegung ein wenig ihren Kurs änderte, ehe sie in die Brust des Gefangenen stieß - eine Spur links von der Mitte.

Genau auf die Weise, wie man es gern, wenn auch nicht immer wahrheitsgetreu berichtet, traf die Klinge exakt das Herz. Der Iranistanier brach zusammen. Ein tiefes Stöhnen entrang sich seiner Kehle, als er zu Boden sank. Er zuckte noch einmal, ehe der Tod sich seiner bemächtigte. Das Schwert war tief gedrungen. Es zitterte leicht.

»Ein vortrefflicher Wurf, Zafra!«, lobte der Khan überrascht, als die Erstarrung von ihm abfiel. »Ich ahnte nicht, dass Ihr...«

Der zweite Gefangene hatte inzwischen den Drachengriff des Schwertes gepackt, das wie ein silbernes und stählernes Grabzeichen aus der Leiche seines Kameraden ragte. Er zog es heraus, so dass warmes Blut aufspritzte, und starrte hinauf zu dem Feindquartett. Seine Gedanken und Gefühle waren ohne Schwierigkeiten aus den eingesunkenen, hungerfiebrigen Augen zu lesen: der Khan! Der Khan, der sich nur wenige Ellen entfernt befand, und er mit dem Schwert in der Hand...

Entschlossen trat der Gefangene zum Fuß der Treppe. Sein Blick hing am Khan. Blut tropfte von der Klinge in seine Faust.

Hinter dem Zauberer scharrten zwei Schwerter in ihren hölzernen Scheiden, als die beiden Soldaten sich bereitmachten, ihren Herrscher zu beschützen. Den durch Hunger und Foltern geschwächten Iranistanier zu töten, würde das Werk von nur wenigen Herzschlägen sein. Und sie mussten ihn unschädlich machen, ehe er dem Khan gefährlich werden konnte, wollten sie selbst noch länger leben. Denn ihr Herrscher war ein turanischer Statthalter, und das turanische Reich war mächtig und hütete seine

Größe eifersüchtig wie ein gerade seiner Jugend entwachsener Hengst.

Der Magier hob eine Hand, um die Soldaten zurückzuhalten. Ruhig befahl er: »Töte ihn!«

Der Iranistanier hatte gerade den Fuß auf die zweitunterste Stufe gesetzt, als das Schwert in seiner Hand lebendig zu werden schien.

Der Drache wand sich in der Faust, bis er freikam, denn in seiner völligen Überraschung lockerte der Gefangene die Finger.

Das Schwert schwang zurück und stieß zu, wie von einem mächtigen, unsichtbaren Arm geführt. Automatisch hob der Gefangene einen Arm zu seiner Verteidigung. Die Klinge drang durch sein Handgelenk. Nur noch an einem Hautfetzen, einem zersplitterten Knochen und einem dünnen Muskelstrang baumelte die Hand herab. Sofort änderte die Klinge ihre Richtung und drang in die Brust des Mannes - eine Spur links von der Mitte.

Durch die Wucht des Stoßes taumelte der Iranistanier rückwärts und stürzte zu Boden. Die nackte Ferse auf die unterste Stufe gestreckt, blieb er zuckend liegen. Das Schwert ragte aus ihm heraus. Es zitterte, als lebte der Silberdrache und sei ergrimmt.

Der Zauberer drehte sich um und schaute seinen Khan mit Augen von der Farbe bräunlichen Granats und der Kälte einer lieblosen Frau an. Sein kantiges, bartloses Gesicht unter dem hohen Spitzhut verriet nicht die geringste Gefühlsregung - weder Triumph, noch Erwartung. Jetzt übersah er die beiden Wachen völlig, in deren Herzen sich eisige Kälte eingeschlichen hatte, Kälte wie die von Stahl, von verzaubertem Stahl.

»Ungemein beeindruckend, Zauberer!«

Der Magier verbeugte sich dankend vor dem Khan. Und er lächelte, als sein Gesicht flüchtig vor den anderen verborgen war, denn er war noch jung. Erst vor kurzem hatte er seine Zauberlehre abgeschlossen und noch nicht viel Lob geerntet, und seine Zukunft und sein Wohlergehen waren zweifelhaft gewesen. Doch jetzt hatte er den Eindruck, dass beides gesichert war. Nicht länger war er Lehrling, sondern ein geschätzter Magier Akter Khans.

»Verseht tausend Schwerter mit einem Zauber wie diesem«, sagte der Herrscher, als der junge Magier sich wieder aufrichtete, »dann habe ich eine Armee ohne Bedürfnisse, die leicht unterzubringen ist - und dazu unschlagbar!«

»Ah, mein Lord«, wagte der junge Zauberer zu sagen. »Ich habe Euch etwas auf schreckliche Weise Beeindruckendes gezeigt, und sofort denkt Ihr an nichts anderes als an dergleichen mehr.«

Einer der Soldaten holte hörbar Atem. Doch als sein Herrscher sprach, wusste er, dass dieser schauderhafte Dämon in Menschengestalt, mit ferygianischem Spitzhut und Schlangenaugen, von jetzt an mit Respekt und Vorsicht zu behandeln war.

»Haltet mich nicht für undankbar, Zauberer, doch ist es nicht an Euch, mich zu tadeln!«

Die Augen des Khans richteten sich auf die beiden Wachen in stummem Hinweis auf die zwei jetzt toten Gefangenen.

»Ich bedaure, dass jeweils nur zwei Schwerter zur gleichen Zeit auf diese Weise mit Zauber belegt werden können, mein Lord«, sagte der Magier. Vielleicht bemerkte der Khan, dass er sich nicht entschuldigte, aber er verlor kein Wort darüber.

»Weshalb nicht?«

Der Blick des Magiers wanderte über die beiden Soldaten, ehe er den Khan bedeutungsvoll ansah.

»Hier ist nichts mehr, das bewacht werden müsste«, brummte der Khan. »Wartet vor der Tür.«

Nach kurzem Zögern und nachdem ein Mund sich geöffnet und wortlos wieder geschlossen hatte, verließen die beiden Soldaten den Verliesraum Ihr Herrscher schaute ihnen nicht nach, sein Blick ruhte nach wie vor auf dem Gesicht des Magiers, dem es nur an Jahren, nicht aber an Geschick mangelte.

»Weshalb nicht?« wiederholte er.

»Es ist ein Gesetz Skelos', von dem der Zauber stammt, mit dem ich die Klinge belegte, mein Lord Khan. Man muss die richtigen Worte auf genau die richtige Weise und im richtigen Tonfall sprechen, und die vier Elemente - Erde und Luft, Wasser und Feuer - in genau der richtigen Reihenfolge dazu verwenden, während eine ganz bestimmte Beschwörung aufgesagt wird.«

»Wahrhaftig bedauerlich. Trotzdem - eine lobenswerte Leistung, ungemein beeindruckend und äußerst wirksam. Ich bin sehr mit Euch zufrieden. Ihr werdet dies hier tragen.«

Ein Ring mit einem riesigen Sonnenstein glitt von einem Finger auf die Handfläche, von Handfläche zu wartender Fingerkuppe und so hinüber auf den Finger des Magiers. Zafra verbeugte sich, doch nicht zu tief und ohne ein Wort.

»Ich will das Schwert!«

»Wie ich vermutete. Aber ich hatte einen anderen Gedanken. Deshalb hielt ich die Anwesenheit der Wachen nicht für ratsam Zögt Ihr es nicht vor, dass ich das eigene Schwert meines großzügigen Lords mit diesem Zauber bedächte?«

Der Khan legte die Hand um den juwelenbesetzten Griff des Krummschwerts, das von seiner linken Seite hing. »Ja! Bei Erliks Eingeweiden - ja!«

»Das Schwert muss jedoch sofort, nachdem es mit dem Zauber behaftet wurde, Blut zu trinken bekommen, mein Lord!«

»Wir werden gewiss jemanden finden, der sein wertloses Leben gibt, damit der Khan von einer solchen Klinge geschützt werden kann, Magier. Beginnt!«

Der Statthalter von Zamboula zog sein kostbares Schwert aus der Scheide und reichte es seinem Zauberer Zafra.

 

 

 

 

 

 

  1. Conan von Cimmerien

 

 

 

Der kräftige Jüngling kniff den sonnengebräunten Arm des Mädchens und klatschte dem jungen Ding auf die Kehrseite. Der Schlag ließ sie einen Schritt zurücktänzeln. Sie strich das lange Haar von der Farbe einer Rotschimmelmähne aus der Stirn und schenkte ihm einen sowohl spöttischen wie zärtlichen Blick. Er war für diese Nacht fertig mit ihr. Mit klirrendem Münzgürtel ging sie ihres Weges, während er den seinen nahm.

Sie beeilte sich, in ein besser beleuchtetes Viertel zu kommen, denn das hier war die verrufenste Gegend der Stadt der Bösen. Wie schnell stieß in den finsteren, schmalen Straßen der Wüstenei, wie dieser Stadtteil genannt wurde, ein Messer zu, und noch schneller in der Dunkelheit der engen Gassen, die glitschig von Unrat und Erbrochenem waren.

Der große junge Mann machte nicht mehr als vier lange Schritte, ehe er gerade in eine solche enge Gasse einbog. Nur auf dem Grund eines tiefen Brunnens mochte man weniger sehen als hier. Eine Spur Licht war nur an der Ecke der Straße weit hinter ihm zu sehen, wo zwei wie Löwen geformte Lampen düster vor einer Taverne brannten, in der es hoch herging.

Der Gestank von verrottendem Abfall und altem, bereits einmal durch die Kehle geflossenem Wein versuchte ihm die Lust zu verleiden hierherzukommen, genau wie die Finsternis, die seinen schwelenden blauen Augen die Sicht raubte. Das ungezeichnete Gesicht verriet die Jugend des Burschen, die aber die Augen, hart wie Schwertstahl, leugneten. Ein guter Beobachter konnte erkennen, dass dieser Bursche von riesenhafter Größe, der noch keine zwanzig Jahre zählte, schon viel gesehen, viel erlebt, viel durchgemacht - und überstanden hatte. Keiner wäre so dumm anzunehmen, sein Dolch und das Schwert in der alten abgegriffenen Chagrinlederscheide hätten noch kein Blut gekostet.

All das und sein mächtiger Körperbau verliehen ihm Selbstvertrauen. Fast ohne den Schritt zu verlangsamen, bog er in die Gasse ein. Er besaß das prahlerische Selbstbewusstsein der Jugend, eines Wolfes unter Hunden. Er, der auf einem Schlachtfeld das Licht der Welt erblickte, hatte zwei grässliche lebende Tote erschlagen, hatte bedenkenlos ein schlafendes Opfer ausgeraubt, hatte mit mehreren Hexen aufgeräumt, die ihm nach dem Leben trachteten, genau wie mit einem hochgeborenen Herrn von Koth, hatte so manchen Zauberbann gebrochen und so viele bewaffnete Krieger in eine andere Welt geschickt, dass er die Übersicht verloren hatte. Und das trotz seiner jungen Jahre. Sie alle waren nur kläffende Hunde, die einem Wolf nichts anzuhaben vermochten, denn der Wolf war größer und schneller, wilder und tödlicher, und er strahlte ein ungeheures Selbstvertrauen aus, so wie eine Kerze ihren Schein.

Und so begab der Wolf sich in die Gasse, wo die Hunde ihm auflauerten.

Einen Schritt machte der hagere, katzengeschmeidige Mann aus der Schwärze einer Hauswand, und seine Schwertspitze drückte sich an den Kittel über den Bauchmuskeln des Jungen.

»Keinen Laut, Conan! Und greif nicht nach der Klinge, oder ich drücke ein bisschen auf das Schwert, und du hast einen zweiten Nabel.«

Kalte blaue Augen funkelten den Mann hinter dem Schwert wütend an. Er war von mittlerer Größe, was bedeutete, dass sein Opfer einen guten Fuß größer war. Er trug einen dunklen Umhang mit ins Gesicht gezogener Kapuze, doch selbst unbedeckt wären die Züge in dieser Dunkelheit nicht zu erkennen gewesen. Conan stand still und entspannte die Muskeln. Langsam und vorsichtig zog er einen Fuß zurück, dann den anderen. Und als der Druck auf seinen Kittel nachließ, schob er sein muskulöses Zwerchfell vor, um die Spitze zu halten und so den Mann glauben zu lassen, er befände sich um einen oder zwei Zoll näher, als er wirklich war.

»Bei Bel, dem Gott aller Diebe!«, knurrte Conan. »Welch idiotischer Verrat ist das? Was ist mit dem Kodex

Bels, Bursche? Diebe nehmen einen anderen Dieb nicht aus!«

»Rühr dich nicht und sei still, Conan, wenn du die Klinge nicht im Bauch haben willst.«

»Ich bewege mich nie, wenn ein Schwert mir den Kittel aufzuschlitzen versucht«, sagte Conan, und kaum hatte er diese Lüge über seine Lippen gebracht, hörte er das Rascheln von Stoff hinter sich.

Jetzt war keine Zeit mehr für weitere Spielerei. Conan war nicht von dem Menschenschlag, der sich von hinten aufspießen oder den Schädel einschlagen ließ, weil er von vorn bedroht wurde. Zumindest konnte er die Klinge des Vermummten vor sich schimmern sehen - diesen Vorteil hatte der hinter ihm nicht, ehe er starb. Wenn das Glück ihm in dieser Nacht hold blieb, würde der, der ihn überfallen hatte, instinktiv zustechen und den Schurken hinter ihm treffen. Die Dunkelheit, so sagten die Weisen des Ostens, täuscht die Bösen genauso wie die Guten.

Er duckte sich. Noch ehe sein Gesäß die muskulösen Waden berührte, warf er sich zur Seite. Gleichzeitig schwang sein Arm um den Bauch zum Knauf seines Schwertes.

Er hörte das Schwirren und erkannte aus dem Geräusch, dass der Mann hinter ihm nicht mit einem Schwert zugeschlagen hatte, dafür war das Geräusch zu laut. Als er seine Klinge gezogen hatte, sah er, dass es ein Prügel von gut fünf Fuß und so dick wie ein Frauenarm war, und er erkannte auch, dass der Mann im Kapuzenumhang nicht zugestoßen hatte.

Merkwürdig, dachte Conan, ohne in seiner Bewegung innezuhalten. Wenn einer die Schwertspitze an meinem Bauch hatte, weshalb versuchte dann der andere, mich von hinten niederzuschlagen - und warum stieß der mit dem Schwert nicht zu, um mich aufzuspießen oder zumindest zu verwunden, als ich mich bewegte?

Er duckte sich zum eigenen Angriff. Sein Schwert holte aus. Der Vermummte sprang zurück, statt die Klinge zu parieren. Immer noch in Bewegung, schwang Conan das Schwert weiter - und die Spitze näherte sich unaufhaltsam dem Hals des Mannes mit dem Prügel. Der Bursche stolperte rückwärts, und jetzt erst sah Conan den Strick in dessen Linken.

Der Mann wich zur Hauswand zurück, während ihm das Leben in roter Flut aus dem Hals quoll. Conan kauerte sich zu einem neuen Angriff zusammen und wandte sich, die Zähne zu einem wilden Grinsen gefletscht, dem anderen zu. Der sank auf die Knie. Sein Schwert fiel in den Schmutz der Gasse.

»Töte mich nicht, Conan. Bitte! Ich habe nicht versucht, dich zu töten - ich hätte dich auch nicht getötet. Schau doch, ich bin unbewaffnet. Siehst du? Du würdest doch einen Unbewaffneten nicht töten?«

»Vielleicht doch«, brummte Conan und verbarg seine Überraschung. »Steh auf!«

Der Mann im dunklen Umhang gehorchte.

»Dreh dich um Schlag die Kapuze zurück und geh mir voraus der Gasse zum nächsten Licht.«

Der Mann erhob sich, aber er zögerte, Conan den Rücken zuzudrehen.

Wie ein Wolf knurrte Conan: »Vorwärts!«

»Ich... ich... bitte...«

»Los, sage ich, verdammt! Keine Angst, ich steche dir nicht den Dolch in den Rücken. Wollte ich dich töten, würde ich dir dabei ins Gesicht schauen, denn es würde mir Spaß machen, die Angst in deinen Augen zu sehen und das Herzblut, das dir aus dem Mund strömt.«

Bei Conans absichtlich grausamen Worten wich der Mann noch verängstigter zurück. Er nahm die Kapuze ab, und so konnte Conan zumindest das Schimmern der Augen sehen, die ihn voll Furcht anstarrten. Er sah auch eine Narbe, die über das Gesicht des Burschen lief und seinen Bart teilte. Mit einem Laut wie ein Schluchzen drehte er sich bebend um. Conan duckte sich kurz, um seine Klinge am Gewand des anderen abzuwischen, der jetzt leblos auf dem Boden lag, und er hob das fallengelassene Schwert des Zitternden auf.

Er richtete sich auf. Der Mann im Umhang eilte vor ihm her die Gasse entlang.

In der Wüstenei von Shadizar, wohin sich die Stadtwächter nie verirrten, verschwinden die Menschen schnell von der Straße, wenn ein Verängstigter von einem Bewaffneten verfolgt wird, und noch schneller, wenn dieser letztere nicht nur ein, sondern gleich zwei blanke Schwerter in den Händen hält. Der Mann im Umhang stellte sich unter eine flackernde Fackel, die in ihrer Halterung über einer rotgestrichenen Tür steckte.

»Bleib da stehen«, brummte Conan. »Die Tür eines Hurenhauses ist der richtige Ort für dich. Wie heißt du denn?«

»Yavuz«, antwortete der Bursche und beobachtete ängstlich den Riesen, der das Schwert betrachtete, das so flüchtig seinen Kittel, nicht jedoch sein seelisches Gleichgewicht berührt hatte.

»Wir hatten nicht vor, dich zu töten«, fügte Yavuz mit flehend klingender Stimme hinzu.

»Nein.« Conan nickte. »Und ihr habt mich gekannt. Ihr habt auf mich, nicht auf irgendeinen beliebigen Vorbeikommenden gewartet. Ihr wurdet von jemandem beauftragt, und der Mann, der euch anheuerte, lieh dir diese Klinge, richtig? Er wollte mich lebend, nicht wahr? Ich sollte von hinten niedergeschlagen werden, während du mich von vorn in Schach hieltest! Und ihr habt erwartet, ich würde wie ein dummer Ochse vor dem Schlächter erstarren. Der Strick deines Kameraden sollte dazu dienen, mich zu binden.«

Conan blickte hoch. Yavuz schaute ihn mit großen Augen an. »Bei Bel - woher weißt du das alles? Hat man mich hereingelegt?«

»Nur, indem man dich glauben ließ, dass ein Wicht wie du mich überwältigen könnte. Ein Iranistanier heuerte euch an, mich lebend, aber verschnürt wie einen störrischen Hengst zu ihm zu bringen - damit er mir ein paar Fragen stellen kann.«

Die Augen des Mannes verrieten Conan, dass er ins Schwarze getroffen hatte. »Mitra! Dieser iranistanische Hund schickte uns, einen Hexer zu holen! Richtig?«

»Natürlich«, brummte Conan grinsend. Er wog Yavuz' Schwert in der Rechten. »Diese Klinge stammt aus dem Ilbargebirge. Eine ähnliche sah ich in der Faust eines Mannes aus Iranistan. Wohin solltest du mich bringen? Sprich, oder...«

»Du wirst mich nicht töten?«

»Ich halte es nicht für nötig. Du?«

»Nein! Nein!«

»Zieh deinen linken Stiefel aus!«

»Meinen - linken Stiefel?«

»Ja, beeil dich. Uns bleibt nicht die ganze Nacht. Ich persönlich habe wenig Geduld, und euer Auftraggeber dürfte wohl auch ungeduldig werden, wenn wir ihn so lange warten lassen.«

»Ah! Du willst, dass ich dich zu ihm führe? Gut.«

Da er sah, dass sein Leben zumindest so lange nicht in Gefahr war, bis er sein beabsichtigtes Opfer zu dem Fremden brachte, der ihn angeheuert hatte - und er unterwegs vielleicht die Möglichkeit hatte, in einer Gasse unterzutauchen und zu verschwinden -, duckte Yavuz sich und schnürte einen seiner Stiefel aus weichem Leder auf. Das würde seine Flinkheit nicht beeinträchtigen! Er würde es diesem groben Riesen schon zeigen, wie er laufen konnte, auch mit einem nackten Fuß.

»An die Tür!«, befahl Conan. Er schob sein Schwert in die Scheide und nahm die Ilbarsiklinge in die rechte Faust.

Yavuz gehorchte. Conan duckte sich, ohne seinen drohenden Blick von dem Mann zu nehmen, und tastete auf der hartgetretenen Lehmstraße um sich, bis er einen Knochen berührte. Es war ein Hühnerschenkel. Mit wölfischem Grinsen hob er ihn auf und steckte ihn vor den Augen des verdatterten Yavuz in den Stiefel. Dann warf er diese Fußbekleidung wieder seinem Besitzer zu.

»Zieh ihn an und schnür ihn zu.«

Yavuz' durch die Narbe geteilter Bart zitterte, als er an seiner Lippe kaute. Er bebte ganz offensichtlich am ganzen Körper. »Ist das - Zauberei?« stammelte er.

»Ja. Versuch auf dem Weg zu deinem Auftraggeber davonzulaufen, dann wird der Knochen dein Tod sein!«

Noch stärker zitternd schlüpfte Yavuz in den Stiefel und schnürte ihn zu. Als er sich aufrichtete und sein Gewicht auf diesen Fuß verlegte, wimmerte er auf. Jetzt verstand er. Mit diesem Ding im Stiefel könnte er überhaupt nicht laufen.

»Verstehst du nun? Es ist, wie ich sagte. Wenn du zu fliehen versuchst, wird der Knochen dich so drücken, dass du nicht rasch genug bist - und dann töte ich dich. Das ist auch Zauberei. So, und jetzt gibst du mir deinen Umhang, damit ich darunter die Klinge verbergen kann, mit der ich dich in Schach halten werde. Du marschierst neben mir her, Yavuz, nicht voraus wie ein Gefangener. Und gib dir keine Mühe, hinter mir zurückzubleiben.«

»Aber - mein Kittel ist am Rücken zerrissen!«

Conan fletschte die Zähne und schaute den Mann aus kalten blauen Augen böse an. »Gut. Die Nacht ist nicht sehr kühl, du würdest unter diesem dicken Umhang nur schwitzen. Also, gib ihn her!«

Wenig später, nachdem Conan den langen braunen Umhang heftig geschüttelt hatte, um ihn von möglichen sechsbeinigen Bewohnern zu befreien, hängte er ihn sich um die eigenen Schultern, doch an ihm wirkte er kurz. Bei jedem Schritt schlug der Saum gegen seine Knie, obgleich der Mann neben ihm von normaler Größe war. Kein zufälliger Beobachter hätte bemerkt, dass der Umhang nie von Conans rechter Seite schwang, wo er ihn mit zwei Fingern festhielt, um die lange Klinge in seiner Hand zu verbergen.

»Wir nähern uns dem Basar«, bemerkte Conan.

»Ja«, murmelte der hinkende Yavuz. »Der iranistanische Hund wohnt in einer guten Herberge außerhalb der Wüstenei.«

»Nenn ihn nicht Hund, du Hund, der du für ihn gearbeitet hast! Zeig mir deinen Beutel!«

Instinktiv umklammerten Yavuz' Hände schützend den eckigen Beutel, der an einem Doppelriemen von seinem Gürtel hing. Yavuz hatte Angst vor Taschendieben.

Eine Hand legte sich um seinen Arm. Seine Augen weiteten sich, als die Finger sich immer fester schlossen. Der Schmerz kam schnell. Yavuz war nur allzu klar, dass noch viel mehr Kraft in dieser Hand steckte. Also löste er den Beutel mit der freien Hand und reichte ihn dem Cimmerier. Conan gab Yavuz frei, und als der Kleinere seinen Arm betrachtete, sah er vier sich deutlich abhebende Male, die, noch während er darauf starrte, sich rot färbten, als das Blut wieder in den Unterarm zurückflutete. Die Pranke ist groß genug, einen Ochsen zu erschlagen, dachte Yavuz, ja, er traute dem Burschen bei seiner Größe und Schulterbreite sogar zu, einen Ochsen zu erwürgen!

»Mitra!«, murmelte er.

»Nein, Crom!«, brummte Conan.

»Was?«

»Ich fluche bei Crom!«

Götter gab es in Shadizar in reichem Maße. Manche waren, gelinde gesagt, ungewöhnlich, andere regelrecht obszön und ihre Riten noch schlimmer. »Nun, dann Crom«, murmelte Yavuz und dachte: Wer, bei allen Dämonen, ist Crom?

»Trödel!«, knurrte Conan, während er den Beutel durchsuchte. »Ah, ein ansehnlicher Ring! Hast ihn wohl gerade erst gestohlen und noch keine Zeit gehabt, ihn zu versilbern, hm? Ein paar Kupfermünzen. Ja, was ist denn das? Zwei Goldstücke! Noch warm aus der Hand eines Iranistaniers, wette ich! Ich werde sie ihm bald zurückgeben. Du hast sie dir ja nicht verdient, nicht wahr? Da, der Rest des Ramsches interessiert mich nicht!«

»Ramsch?«

»Ja. Der Smaragd in dem Messingring ist so winzig, dass er dich nicht einmal zwei Tage sattmachen könnte.«

»Messing!«

»Nimm ihn doch heraus und spiel mit ihm, während wir weitergehen. Du wirst sehen, wie grün deine Finger bei unserer Ankunft sind. Wie weit ist es noch?«

Yavuz sicherte seinen Beutel wieder doppelt am Gürtel, aber er öffnete ihn nicht, um den Ring herauszunehmen. »Nicht mehr weit«, sagte er. »Du gibst Kupfermünzen und einen Ring zurück, von dem du weißt, dass er gestohlen ist... Es ist gut, einen von deiner Größe als Begleiter zu haben! Niemand belästigt einen! Alle machen einem Platz!«

Conan grinste.

»Du brauchst nicht zufällig einen Gehilfen? Ruhig, verschwiegen, mit flinken Fingern?«

»Wohl kaum Außerdem bist du ein Krüppel.«

»Ich hinke nur wegen dieses verdammten Knochens, den du mir in den Stiefel stecktest! Ich bin so gesund, wie man nur sein kann, und so nützlich wie ein turanisches Goldstück!«

»Das sich jetzt in Zamora befindet. Schneller, Yavuz! Ich möchte mit einem Iranistanier sprechen, nicht mit einem humpelnden Narbengesicht vom Abschaum Shadizars.«

»Du wirst mich doch nicht töten, Conan?«

»Vermutlich nicht. Aber die Ungeduld macht mich allmählich kribbelig!«

Trotz seines schmerzenden Fußes beschleunigte Yavuz den Schritt. Einige Häuser vor dem Basar bogen sie in eine Straße ein, die zum vornehmeren Viertel Shadizars führte. Zwei uniformierte Stadtwächter näherten sich ihnen, doch sie widmeten den beiden nur einen flüchtigen Blick, ohne ihre Unterhaltung zu unterbrechen. Zu sagen, dass Conan ihresgleichen nicht mochte, wäre eine Untertreibung. Aber in dieser Nacht beabsichtigte er nicht, sich mit den Gesetzeshütern von Shadizar anzulegen. Er knirschte nur mit den Zähnen und trat zur Seite, um die beiden vorbeizulassen. Ohne einen weiteren Blick auf Conan und seinen Begleiter setzten die beiden ihre Runde fort.

Ein Schild schwang an knarrenden, rostigen Ketten. Es stellte den Kopf eines brüllenden Löwen dar, dessen Mähne rot bemalt war.

»Hier ist es!«, sagte Yavuz.

»Wirf einen Blick hinein und schau, ob du unseren Mann entdeckst.«

Yavuz spähte durch den Türspalt, dann machte er hastig einen Schritt zurück. Als er dabei heftig auf dem Hühnerknochen auftrat, stöhnte er.

»Ja, er ist da. Links vom Fass. Er trägt einen grünen Kaffia.«

Conans Finger umklammerten Yavuz' Arm, während er selbst ins Innere der Taverne blickte. »Mhm.« Er drehte sich um »Dein Umhang wird morgen an einem der Haken neben der Tür hängen, Yavuz. Du brauchst dem Wirt nur deinen Namen nennen, dann gibt er ihn dir.«

»Aber...«

»Es ist nicht kalt, und ich brauche ihn noch eine Weile, bis ich den Tisch dieses Schakals erreicht habe - um seine Klinge in meiner Hand zu verbergen.«

»Mitra!« entfuhr es Yavuz. Hastig verbesserte er sich: »Crom! Du wirst doch nicht einfach hineingehen und ihn umbringen?«

»Ob ich das tue oder nicht, kleiner Yavuz, sehr kleiner Yavuz, dürfte dich wohl kaum noch interessieren. Du bist frei, du lebst noch. Ich rate dir, verschwinde und komm mir nicht mehr unter die Augen!«

Yavuz befolgte den Rat, ohne sich noch Zeit zu nehmen, dem Riesen für sein Leben zu danken. Hinkend eilte er davon.

Conan betrat die Taverne zum Roten Löwen.

 

 

 

 

 

 

  2. Khassek von Iranistan

 

 

 

Der Mann, der in einer Ecke der Wirtsstube saß, sah nicht schlecht aus. Schnurrbart und Spitzbart waren schwarz, die Augen ebenfalls. Er trug eine im Osten übliche Kopfbedeckung: ein grünes, um das Haar gewundenes Tuch, das bis zu den Schultern hing, nur das Gesicht freilassend. Ein geflochtenes gelb-schwarzes Stirnband hielt es zusammen. Sein langärmeliges Hemd war gelb und das lose fallende Beinkleid rot, genau wie die Schärpe um seine Mitte. Die weit auseinanderstehenden Augen blickten Conan aus einem länglichen Gesicht mit großer schmaler Nase und etwas vorstehendem Kinn entgegen.

Der Cimmerier blieb an seinem Tisch stehen. Aus Yavuz' dunkelbraunem Umhang brachte er zwei Goldstücke und die drei Fuß lange Klinge aus dem Ilbargebirge zum Vorschein. Er legte alles auf die Holzplatte.

»Diese Münzen nahm ich einem kleinen Gauner mit narbengespaltenem Bart ab. Für einen Mann, der mich zu Euch bringen könnte, würden sie nicht genügen.«

Die Linke des anderen lag um einen roten Tonkrug und rührte sich nicht. Die Finger der Rechten blieben sichtbar auf der Tischplatte liegen. Er blickte zu dem sehr jungen Mann hinauf, der zu ihm herabschaute. Doch jung oder nicht, der Bursche war gefährlich, das konnte jeder sehen - jeder, der wusste, worauf er zu achten hatte.

Er war außergewöhnlich groß und kräftig gebaut. Das dicke schwarze Haar bedeckte die Stirn und war über den Augen gerade geschnitten. Er trug einen kurzen Kittel aus gutem grünem Stoff und darunter anscheinend nichts, jedenfalls offenbarte der ungewöhnlich tiefe Ausschnitt viel von der mächtigen nackten Brust. Schwert und Dolch hingen in ihren Scheiden von einem abgegriffenen alten Ledergürtel, der tief über die schmalen Hüften geschnallt war. Ein Stammesamulett, ein armseliges Schmuckstück, ruhte an einem um den Hals geschlungenen Lederband auf der Brust. Es war ein grob geformtes, gebranntes rotbraunes Tonstück mit einem gelblichen Stein, zweifellos keinem Edelstein. Vermutlich hatte es etwas mit seiner Religion - welche sie auch immer war - zu tun, oder vielleicht war es ein Talisman gegen den bösen Blick oder Krankheiten. Sein einziger anderer Schmuck war ein schmaler Goldreif mit einem nicht sehr großen Smaragd am kleinen Finger seiner Linken. Wie ein Männerring sah er nicht aus.

Eine fast spürbare Aura von ungezähmter Wildheit und steter Kampfbereitschaft ging von diesem jungen Burschen aus. Er öffnete erneut die Lippen.

»Ich kannte einmal einen Iranistanier. Wir lernten uns im Haus eines bestimmten Mannes mit gewissen Kräften kennen. Nur ein Zufall führte uns zur gleichen Zeit in dessen Haus. Es war an einem späten Abend. Gemeinsam kämpften wir gegen die Wächter, die von - übernatürlicher Art waren. Und dann schlüpften plötzlich zwei Schlangen aus der Vertäfelung einer Tür. Beide bissen den Iranistanier. Er starb, ohne dass ich ihm helfen konnte.«

Über den Tisch gebeugt schlüpfte Conan aus Yavuz' Umhang und beobachtete den anderen. Er ließ ihm Zeit, sich zu überlegen, ob er, Conan, wirklich wusste, wer er war, und ob er sich zu erkennen geben sollte oder nicht. Als er sich entschieden hatte, sprach er offen, in der Annahme, dass jeder vom anderen wusste, wer er war und weshalb er sich hier befand. Gleichzeitig aber ließ er Vorsicht walten.

»Hieß dieser Iranistanier Yusuphar?«

»Ihr seid also an einem Gespräch interessiert? Auch wenn ich nicht wie ein Paket verschnürt bin?«

»Vielleicht.«

»Dann wartet, bis ich dem Wirt diesen Umhang gegeben habe. Er gehört Yavuz, der mit dem Leben davonkam«

Der Iranistanier runzelte flüchtig die Stirn. »Was ist mit dem anderen...«

»Er versuchte, mich von hinten niederzuschlagen. Ich duckte mich, wich zur Seite und schlug selbst zu. Er wich nicht aus. Hätte ich gewusst, dass er mir nicht nach dem Leben trachtete, sondern mich nur gefangen nehmen wollte, hätte ich ihm die Kehle vermutlich nicht durchgeschnitten.«

»Ist er tot?«

»Allerdings.« Conan schritt durch die Tische zum Wirt.

»Ein guter Freund lieh mir diesen Umhang«, erklärte er dem Mann, der ihn mit großen Augen ansah. »Er heißt Yavuz. Ihr erkennt ihn an der Narbe, die seinen Bart hier teilt.« Conan berührte sein eigenes, glattgeschabtes Gesicht am Kinn. »Ich versprach ihm, den Umhang an einem Haken nahe der Tür zurückzulassen.«

»Er könnte leicht abhandenkommen, wenn Ihr das jetzt tätet. Ich kenne Yavuz. Gebt mir den Umhang. Ich werde ihn morgen, wenn ich öffne, an den Haken hängen.«

»Gut. Ich möchte nicht gern, dass mein Freund Yavuz um sein Kleidungsstück kommt. Einmal versuchte einer, ihn hereinzulegen, jetzt nennt man ihn Dreifinger. Ich setze mich zu dem Iranistanier. Füllt seinen Krug nach und bringt mir einen Becher Eures besten Weines. Gold liegt auf dem Tisch.«

Der Wirt warf einen Blick darauf. »Hm Ein Schwert ebenfalls. Das muss verschwinden. Ihr tätet auch gut daran, mich das Eure inzwischen aufbewahren zu lassen, bis Ihr aufbrecht.«

»Ich werde das andere außer Sicht nehmen. Ich bin der Leibwächter des reichen Iranistaniers und darf meine Waffe nicht aus der Hand geben.« Ohne auf einen Einwand zu warten, drehte Conan sich um und kehrte zum Tisch zurück. »Lehnt Eure Klinge an die Wand links von Euch«, sagte Conan, ehe er sich setzte.

Der Iranistanier lächelte schwach. Der Junge hatte also gleich bemerkt, dass er Linkshänder war und das Schwert, wenn es links von ihm an der Wand lehnte, nicht so schnell ziehen konnte.

»War der Name dieses Iranistaniers, den Ihr durch Zufall im Haus jenes bestimmten Mannes mit den gewissen Kräften kennenlerntet, Yusuphar?«, fragte er noch einmal.

»Wir wissen beide, dass er nicht so hieß«, sagte Conan. »Sein Name war Ajhindar. Er erzählte mir, dass ein Landsmann ihm nachspionierte. Und dieser Mann trug eine Klinge wie diese, die ich den beiden Schurken abnahm. Einer ist tot, und der andere verkriecht sich vermutlich irgendwo. Ihr habt Eure Waffe und Euer Gold zurück, und ich bin hier. Weshalb wolltet Ihr mich mit Gewalt holen lassen?«

Der Iranistanier nahm die Linke von seinem Krug und vom Tisch. »Die Hand vom Dolch!« warnte Conan. »Ihr habt meinen im Herz, ehe Ihr den Griff des Euren zu fassen bekommt!«

Eine hüftenschwingende junge Frau, in zwei mit Holzperlen besetzten Bahnen scharlachroten Stoffes gehüllt, stellte den Wein auf dem Tisch ab. Die beiden Männer schauten nicht einmal zu ihr hinauf. Verärgert presste sie die Lippen zusammen. Die zwei interessierten sich offenbar nur füreinander. Nun, sie hatte schon viel erlebt.

»Ihr seid also Conan, ein Cimmerier.«

»Das bin ich. Und Ihr seid aus dem fernen Iranistan. Ihr habt meine Spur von Arenjun den ganzen Weg hierher verfolgt. Wie heißt Ihr?«

»Man nennt euch Cimmerier Barbaren. Wie kommt es da, dass Ihr Euch mir zeigt und nach

Impressum

Verlag: BookRix GmbH & Co. KG

Texte: Andrew J. Offutt/Apex-Verlag/Successors of Andrew J. Offutt.
Bildmaterialien: Christian Dörge/Apex-Graphixx.
Cover: Christian Dörge/Apex-Graphixx.
Lektorat/Korrektorat: Zasu Menil.
Übersetzung: Lore Strassl (OT: Conan And The Sword Of Skelos). Mit freundlicher Genehmigung der Edition Bärenklau/Literatur-Agentur J.M. Munsonius.
Satz: Apex-Verlag.
Tag der Veröffentlichung: 04.06.2018
ISBN: 978-3-7438-7125-0

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