Cover

Leseprobe

 

 

 

 

 

TERRY BISSON

 

Johnny Mnemonic

 

 

 

 

Roman

 

Apex Science-Fiction-Klassiker, Band 15

 

 

 

Apex-Verlag

Inhaltsverzeichnis

Das Buch 

 

JOHNNY MNEMONIC 

 

Kapitel Eins: Im Sprawl 

Kapitel Zwei: Upload 

Kapitel Drei: Das Höllenloch 

Kapitel Vier: Der Himmel 

Kapitel Fünf: Jane 

Kapitel Sechs: In der Sackgasse 

Kapitel Sieben: Die Kirche der Retransfiguration 

Kapitel Acht: Elektronische Erinnerungen 

Kapitel Neun: Im Cyberspace 

Kapitel Zehn: Sümpfe am Polarkreis 

Kapitel Elf: Nur-Johnny 

Kapitel Zwölf: Kein Zugriffs-Code 

Kapitel Dreizehn: Käfer-Bomber 

Kapitel Vierzehn: Der Delphin-Cyborg 

Kapitel Fünfzehn: Am Flussufer 

Kapitel Sechzehn: Der Chor des Himmels 

Kapitel Siebzehn: Bild Nummer Zwei und Drei des Download-Codes 

Kapitel Achtzehn: Die fast-bekannten Bilder 

Epilog: Vorbei 

 

Das Buch

 

Johnny lebt im 21. Jahrhundert und arbeitet als Kurier. In Johnnys Gehirn befindet sich ein Chip-Implantat, in dem 320 Gigabytes Daten gespeichert sind.

Johnny verdient seinen Lebensunterhalt mit dem Schmuggel von Daten, und was seine Auftraggeber angeht ist er keineswegs wählerisch. Aber sein neuester Job verursacht ihm – buchstäblich – gewaltige Kopfschmerzen: Die Informationen in seinem Implantat sind heiß; sie wurden einem mächtigen Pharma-Konzern gestohlen, und die Hintermänner wollen sie um jeden Preis zurück. Zu allem Übel ist der Chip in Johnnys Gehirn auch noch überladen und droht durchzubrennen, doch der Download-Code, mit dem sie abgerufen werden könnten, ist verschwunden. Johnnys Auftraggeber sind tot, und eine Armee von Yakuza-Killern ist ihm auf den Fersen...

 

Mit Johnny Mnemonic schuf Cyberpunk-Legende William Gibson im Jahre 1981 eine Kultfigur des literarischen Cyberpunk. 1995 drehte der Künstler Robert Longo (Arena Brains) auf der Grundlage der gleichnamigen Erzählung (und nach dem Drehbuch von William Gibson) den spektakulärsten Cyberpunk-Film der 1990er Jahre – mit Keanu Reeves als Johnny, Dina Meyer als Jane, Ice-T als J-Bone, Barbara Sukowa als Anna Kalmann, Henry Rollins als Spider und Dolph Lundgren als Preacher.

Terry Bissons Novellisierung gilt als kongeniale literarische Weiterentwicklung des Films und der Motive Gibsons.   

JOHNNY MNEMONIC

 

  

 

 

 

 

 

 

Für David Hartwell - einfach nur so.

 

 

 

 

 

 

  Kapitel Eins: Im Sprawl

 

 

»Ich bin hier!«, sagte Johnny - mindestens ebenso sehr zu sich selbst wie zu dem Gesicht, das sich auf dem VidiPhon abzuzeichnen begann.

Hier! Peking. Die Stadt der Lichter und die Stadt der Ideen, so vollkommen verschieden von dem verbrauchten, ausgelaugten, heruntergekommenen Amerika und dem dunklen, invertierten Sprawl. Glasstahl-Türme ragten oberhalb der Boulevards von Peking in phantastischen Formationen in den Himmel. Ihre Video-generierten Umrisse waren durch holografische Erweiterungen verstärkt, die in der Nacht leuchteten und am Tag schimmerten. Das Panorama war unglaublich schön. Johnny mochte Städte, und das war gut so, denn außer auf Bildern hatte er noch nie etwas anderes gesehen.

»Hier? Wo ist dieses Hier, Johnny?«

»Einfach hier, Ralfi. Peking. Ich sitze in einem Taxi. Im Stadtzentrum, Agnes-Smedley-Boulevard. Sie haben mich über ein Mobilphon erreicht. Ich bin auf dem Weg zum Hotel.«

»Haben Sie sie gekriegt?«

»Was gekriegt?«

»Die Aufrüstung.« Das sorgfältig modellierte Gesicht des Agenten wirkte besorgt, aber so sah Ralfi eigentlich immer aus. Johnny wusste nicht, ob er gerührt oder amüsiert sein sollte. Gleichgültig erwiderte er: »Klar...«

Das Taxi kam plötzlich heftig schlingernd zum Stehen. Johnny rutschte fast aus dem Sitz, während er mit der einen Hand seine Aktentasche und mit der anderen das VidiPhon hielt. Im gleichen Augenblick schlug jemand heftig von außen gegen das Heckfenster. Blut schmierte über die Scheibe. Die Dinge gerieten definitiv außer Kontrolle. Johnny beugte sich vor und spähte aus dem Panzerglas des Seitenfensters.

Eine tobende Ansammlung von Demonstranten strömte aus einer Seitenstraße auf den Boulevard. Ihre Gesichter waren hinter OP-Masken versteckt - entweder nur wegen des dramatischen Effekts oder aus einem Grund, den Johnny lieber nicht wissen wollte. Blechtrommeln dröhnten unter einem Wald von Stöcken, an denen Transparente hingen. Die vorderste Linie der Demonstranten trug Helme. Während sie sich näherten, wich die ihnen gegenüberstehende Doppelreihe aus Polizisten zurück, als würden alle zusammen einen rituellen Tanz aufführen, der ihnen nur allzu vertraut war.

Die meisten Transparente waren in chinesischer Sprache gehalten, aber auch arabische, russische, spanische und englische waren zu sehen:

 

STOP NAS!

GEGEN NAS!

WO BLEIBT DAS GEGENMITTEL?

 

Die Demonstranten bewegten sich wie Zombies; ihre Glieder zuckten eigenartig, und ihre wütenden Augen starrten wie die von Menschen, die bereits an der Seuche erkrankt waren. Eine Frau, die in ihrem Arm ein kleines, in eine Decke gewickeltes Kind hielt, wurde auf die Motorhaube gestoßen und rutschte auf der anderen Seite wieder hinunter, vielleicht wurde sie auch gezogen - Johnny konnte es nicht sagen.

»Was hat dieser ganze Krach zu bedeuten?«, fragte Ralfi. »Was ist da los?« Er wirkte so besorgt, als wäre er bei Johnny im Taxi, anstatt eine halbe Welt weit entfernt und definitiv in Sicherheit.

»Irgendeine Demonstration«, sagte Johnny.

»Anti-Amerikanisch? «

Johnny schnaubte. »Das hätten Sie wohl gern. Als ob sich noch irgendwer für um Amerika interessieren würde. Nein, sie demonstrieren wegen NAS, wissen Sie? Das Nerven-Attenuierung-Syndrom.«

»Dort auch schon?«

Ein Demonstrant kletterte auf die Motorhaube, ein zweiter folgte. Andere traten gegen die Seiten des Wagens.

Die Fahrzeuge hinter dem Taxi starteten ein Hupkonzert. Das Geheul ihrer Hörner und Sirenen (die in Peking nicht gesetzlich verboten waren) übertönte das Schlagen der Blechtrommeln und das monotone Protestgeschrei der Menge.

»Überall, Ralfi. Lesen Sie die verdammten Zeitungen. Aber sehen Sie mich nicht so besorgt an; wir haben hier einen Auftrag zu erledigen, und alles ist unter Kontrolle.«

Ralfi konnte nichts dafür, dass er so aussah. Er besaß nur zwei Gesichtsausdrücke: traurig und besorgt. Er war ein kleiner, munterer Mann, und er hatte sein Gesicht chirurgisch modifizieren lassen, um irgendeinen vergessenen Filmstar der vierziger Jahre des letzten Jahrhunderts zu imitieren. Der Eingriff in Singapur war verpfuscht worden; die Chirurgen hatten die Triefaugen übertrieben, und jetzt trug Ralfi ständig ein besorgtes Stirnrunzeln zur Schau. Doch seine Besorgnis war echt, diesmal wenigstens: »Das ist eine große Sache, Johnny. Sind Sie sicher, dass Sie zurechtkommen? Ich könnte diesen neuen Typen losschicken, der mit den modernsten...«

»Lassen Sie's, Ralfi!«, unterbrach Johnny ihn. Und wie um seinen Agenten zu beruhigen, zog er seine Krawatte zurecht und setzte sich aufrecht hin, während er die reflektierende Oberfläche des VidiPhons als Spiegel benutzte, durch den Ralfis Bild hindurchschimmerte. Der dunkle Anzug und die konservative Krawatte... »Ich habe erst heute Morgen die Aufrüstung mit dem MDA-18™ erhalten«, log er. Hoffentlich klang es überzeugend. »Sie haben wirklich keinen Grund, sich Sorgen zu machen.«

Das Taxi schaukelte hin und her, während die Menge ihre Wut an dem ausländischen Objekt in ihrer Mitte ausließ. Der Fahrer ließ sein Fenster herab und begann, in einem unverständlichen nordchinesischen Dialekt zu fluchen.

Plötzlich griff eine Hand durch das Fenster, und der Fahrer zog fluchtartig seinen Kopf zurück und drückte auf den Schließen-Knopf. Vom Rücksitz aus beobachtete Johnny befriedigt, wie die schimmernde, speziell für derartige Notfälle geschärfte Oberkante der Scheibe sich dem oberen Rahmen näherte.

Offensichtlich dachte der Besitzer des Arms ebenfalls an die scharfe Kante, denn er zog seinen Arm gerade noch rechtzeitig zurück.

Das Taxi schaukelte stärker, und die Luftfederung begann protestierend zu ächzen.

»Ich mach' mir trotz Ihrer Aufrüstung Sorgen«, meinte Ralfi. »Ich habe kein gutes Gefühl bei der Sache.«

Das Schaukeln wurde noch stärker. Das Geräusch der Blechtrommeln kam näher.

»Was ist da draußen los?«, wollte Ralfi wissen. Seine Augen hatten sich geweitet, als das Taxi begonnen hatte, hin und her zu schaukeln. Fast, als könne der Agent es innerhalb des VidiPhon-Monitors spüren, dachte Johnny.

»Alles unter Kontrolle, Ralfi«, sagte Johnny. Alles unter Kontrolle. Er murmelte es beschwörend vor sich hin, als wäre es ein Mantra. Er hatte elf Monate in Bangkok damit verbracht zu lernen, wie man kühler wurde, wenn die Dinge ringsumher heißer wurden. Alles nur eine Frage der Atemtechnik und des Verstandes; es war sein Zen, seine Religion. Es war sein Schutz und seine Waffe, alles in einem.

»Wie spät ist es bei Ihnen? Kommen Sie noch rechtzeitig?«, drängte Ralfi. »Wie weit ist es noch bis zu Ihrem Hotel?«

Johnny summte sein Mantra: »Alles unter Kontrolle, Ralfi.« Er drückte die internationale Kreditkarte, die Ralfi ihm geliehen hatte, in den Leseschlitz auf der Rückseite des Fahrersitzes, und das Taxameter schaltete sich ab. Dann zog er zwei Banknoten aus seiner Tasche und reichte sie dem Fahrer, der sie dankbar lächelnd entgegennahm. Er nahm seine Aktentasche und wollte eben die Tür öffnen...

»Was machen Sie da?«, fragte Ralfi protestierend.

»Ich werde zu Fuß weitergehen«, antwortete Johnny.

»Zu Fuß? Aber...?«

Seine Worte gingen unter im Lärm der Rufe und Schreie, der Blechtrommeln, Megaphone, Polizeisirenen und krachenden Polizeiknüppel, als Johnny die Tür des Taxis öffnete. Nach einer Sekunde des Zögerns zog Johnny seine Krawatte einmal mehr zurecht, straffte sich und setzte ein vollkommen ausdrucksloses Gesicht auf. Dann tauchte er ein in den Menschenstrom.

»Aber...«

Die Tür des Taxis schloss sich. Der Fahrer griff nach hinten und schlug auf das VidiPhon. Es verstummte und überließ Ralfi der Vergessenheit.

 

Johnny bewegte sich durch die Menge wie ein heißes Messer durch Butter...

Ein großer Europäer oder Beinahe-Europäer in einem dunklen Geschäftsanzug. Konservative Aktentasche aus Lederimitat. Die Augen teilnahmslos ins Leere gerichtet. Wohlwollendes Lächeln und dankbares Nicken für die, die vor ihm den Weg freimachten. Seine einstudierte, formelle Höflichkeit war selbst im tiefsten Chaos ebenso wirkungsvoll, als hätte er eine Polizei-Eskorte dabei; so wirkungsvoll, dass er fast einen ganzen Block weit kam, bevor er angehalten wurde.

Ein Demonstrant sprang hinter einem umgestürzten Wagen hervor und versperrte ihm den Weg. Er hielt ein Schild, auf dem zu lesen stand:

 

SOFORT MASSNAHMEN GEGEN NAS!

KEINE WEITEREN VERZÖGERUNGEN!

GEBT DAS GEGENMITTEL FREI!

 

Durch seine OP-Maske hindurch schrie er irgendetwas auf Chinesisch. Die Maske troff vor Speichel und war voller Blutflecken. Johnny lächelte und nickte freundlich und versuchte, auf der rechten Seite an dem Mann vorbeizukommen, aber der Chinese versperrte ihm den Weg.

Er wandte sich nach links, doch der Chinese versperrte ihm erneut den Weg.

Johnny blickte zu Boden. Die Füße des Mannes steckten in schmutzigen Verbänden. Sie bewegten sich geisterhaft schnell im Dämmerlicht des frühen Abends, steppten auf makabre Art von einer Seite des Gehwegs zur anderen - der Todestanz derer, die das letzte NAS-Stadium erreicht hatten.

Johnny verbeugte sich höflich und wich zurück, während er mit seiner freien Hand hinter sich tastete. Er spürte warmes Metall; er blickte sich um und erkannte die Motorhaube eines gepanzerten Polizeifahrzeugs, das sich wie ein blauer Hai seinen Weg durch die Menge bahnte. Während er hochsprang und sich über die schmale Haube abrollte, konnte er durch die Windschutzscheibe zwei Reihen von Bereitschaftspolizisten sehen, die wie Fallschirmspringer den hinteren Teil des Wagens füllten. Sie waren in schwarze Lucite™- Anzüge gekleidet und trugen Schlagstöcke aus Kunststoff, die sie erwartungsvoll in ihre offenen Handflächen klatschen ließen.

Höchste Zeit, sich aus dem Staub zu machen, dachte Johnny, als er auf der anderen Seite des Wagens wieder den Boden berührte. Er lief los.

Und ebenso lief die Menschenmenge los.

Schreiend.

Rufe, Stöhnen und dazwischen das entsetzlich Knack von schwerem Kunststoff auf Knochen.

Johnny ließ seine lächelnde Maske fallen; sie war nicht länger erforderlich. Er lockerte seine Krawatte. Die Menge rannte zunehmend schneller, und er hatte keine andere Wahl mehr, als sich mit ihr zu bewegen. Er warf einen Blick auf seine Uhr und dann auf das Ideogramm über der Straße, nur ein paar Blocks entfernt: Peking Ramada-Hotel.

Kaum noch rechtzeitig zu schaffen, dachte er. Dann verlangsamte er sein Tempo ein wenig und begann, sich zum Rand der Menschenmenge hin zu bewegen - aber es wurde immer schwieriger, je schneller die Leute wurden. Er stieß mit einem Mann zusammen, der ein Megaphon trug und ihn in unverständlichem Mandarin anbrüllte. Eine junge Chinesin in einer purpurroten Bluse stürzte vorbei. Sie war unglaublich schön, aber bereits von NAS gezeichnet. Ihre Augen starrten wild, und ihre Bewegungen waren unkontrolliert. Hatte sie etwa gerade versucht, Blickkontakt mit ihm herzustellen? Unter ihrer Bluse erblickte Johnny die leichte Wölbung einer Brust, die ihn an etwas erinnerte...

Aber Johnny wollte sich an nichts erinnern.

Er hatte einen Auftrag zu erledigen.

Endlich hatte er es bis zum Straßenrand geschafft; er lehnte sich an eine Hauswand und durchwühlte seine Taschen nach der Visitenkarte, auf der die Zimmer-Nummer notiert war.

Genau in diesem Augenblick ging die junge Chinesin derart plötzlich zu Boden, dass einer der verfolgenden Bereitschaftspolizisten fast über sie gestolpert wäre. Die Straße war voller trampelnder Füße, aber anstatt seinen Kollegen zu folgen, hielt der Polizist an, um der Gestürzten den Rest zu geben. Er blickte arrogant auf das Mädchen hinab, nahm den Schlagstock hoch und...

Ohne nachzudenken stürzte Johnny vor und blockte den Hieb mit seiner Aktentasche ab.

Der Polizist drehte sich ausdruckslos zu ihm um. Johnny blickte in die schwarze Lucite™-Gesichtsmaske und sah nichts außer seinem Spiegelbild: Ein Geschäftsmann in dunklem Anzug, der seine Aktentasche wie einen Schild erhoben hielt. Das Mädchen stolperte auf die Füße und rannte los, während es einen bedauernden Blick über die Schulter zu ihm zurückwarf, als wollte es sagen: »Vielen Dank, dass Sie mir geholfen haben - ich wünschte, ich könnte Ihnen jetzt ebenso helfen...« Der Polizist wandte sich ab und verfolgte das Mädchen, und Johnny atmete erleichtert auf. Sie muss alleine klarkommen. Ich hab' andere Dinge zu...

Plötzlich spürte er, wie ihn von hinten eine Hand am Kragen packte und gewaltsam herumwirbelte. Er fiel auf die Knie. Als er hochblickte, sah er den drohenden Schatten eines weiteren Polizisten über sich auf ragen. Natürlich war auch sein Gesicht hinter einer schwarzen Schutzmaske verborgen, doch Johnny konnte sich ohne Schwierigkeiten das boshafte Lächeln dahinter vorstellen, als der Schlagstock auf Betäubung umgeschaltet wurde und an seiner Spitze ein kleines rotes Licht aufglomm. Der Polizist senkte den Stock langsam, fast spöttisch zu Johnnys Gesicht herab.

Zu langsam.

Johnnys Hand war schon aus der Manteltasche heraus und sein Finger bereits auf dem Knopf der winzigen Sprühdose Ganovenschreck™ (Verwandelt Täter mit per Knopfdruck in Opfer!). Seine Hand schoss hoch, unter die Maske des Polizisten, und der Finger drückte den Knopf.

Der Polizist ließ los, und Johnny stolperte auf die Beine. Der Polizist schrie nicht auf, und Johnny erkannte, dass er ihm die volle Ladung genau im richtigen Augenblick - beim Einatmen - verpasst haben musste. Der Polizist ließ seinen Schlagstock fallen und fummelte an seinem Helm, um ihn abzuziehen, während die anderen Polizisten an ihnen vorbeirannten und der Menge hinterhersetzten.

Johnny wusste, dass sein Gegner noch mindestens weitere sechzig Sekunden nicht schreien würde.

Und dann würde er eine ganze Weile nicht mehr damit aufhören.

Johnny verdrückte sich um eine Hausecke und überquerte die Straße in Richtung des hell erleuchteten Hoteleingangs. Er warf jetzt die nutzlos gewordene Sprühdose in einen Abfalleimer und fischte die Visitenkarte aus der Hosentasche. Während er die automatische Drehtür des Hotels passierte, faltete er die Karte auf, um nach der Zimmer-Nummer zu sehen, die auf der Innenseite notiert war: 2571.

 

Aus dem fünfundzwanzigsten Stockwerk des Peking Ramada betrachtet wirkt die zweitgrößte Stadt der Welt wie ein Ozean aus Lichtern - als wäre die Milchstraße auf einem dunklen Planeten gestrandet. Mit Ausnahme der Geräusche weit entfernter Sirenen erinnerte der Anblick an einen hoch-auflösenden Videoschirm, der vor Informationen schier überfloss: eine digitale Landschaft aus Licht und Dunkelheit, ohne die komplizierten Grautöne lebendiger Wesen dazwischen.

Die komplexen Grautöne sind es, für die wir überhaupt leben, dachte der junge vietnamesische Wissenschaftler. Er bewegte sich leicht, um seine Frau und das Baby zu betrachten, die sich im Glas spiegelten: das warme Bild einer Familie, das eine weite, kalte und ungastliche Welt überlagerte.

Er schauderte, als er daran dachte, wie sehr er sie liebte und wieviel er für eine abstrakte Menschlichkeit zu riskieren im Begriff war.

Seine Frau stillte ihre kleine Tochter, die endlich aufgehört hatte zu schreien.

Der junge Wissenschaftler hätte alles gegeben, um sie nicht hierher bringen zu müssen, aber ihm war keine andere Wahl geblieben.

Er wandte sich dem älteren Mann zu. Dieser war ebenfalls Vietnamese und stand dicht neben ihm. Beide waren in konservative dunkle Anzüge gekleidet, billige, durchgescheuerte Anzüge, die sie als Wissenschaftler, vielleicht sogar Akademiker auswiesen.

»Der Kurier hat Verspätung«, sagte der jüngere Mann.

»Bleib ruhig«, antwortete der Ältere.

»Ruhig!« Der Jüngere wich vom Fenster zurück und ließ den Blick über das Hotelzimmer schweifen. Was er sah, steigerte seine Nervosität nur noch weiter. Sie waren in seinen Augen keine Menschen, sondern nur Muskelberge.

Sie hatten die vier Koreaner, die mit ihnen die Hotel-Suite teilten, nicht wegen ihrer gesellschaftlichen Umgangsformen angeheuert. Sie waren Killer. Ihr Anführer hatte die Statur eines Sumo-Ringers und trug ein SpeedRacer™-T-Shirt und Sporthosen. Er hatte den Rauchmelder außer Betrieb gesetzt und war damit beschäftigt, Shrimps auf einem kleinen Hibachi™-Holzkohlegrill zu grillen, der auf dem Couchtisch stand. Der zweite Mann, ebenfalls in T-Shirt und Sporthose, zappte durch das Fernsehprogramm und überflog die Berichte über den Aufstand unten in den Straßen. Schließlich blieb er bei einem japanischen Superhelden-Zeichentrick hängen.

Einer Wiederholung.

Die beiden anderen koreanischen Leibwächter waren Frauen. Die eine von ihnen war kurzhaarig und muskulös und trug einen offenstehenden Bademantel. Es kümmerte sie offensichtlich nicht, dass ihre bunten Tätowierungen und die olivfarbene Baumwollunterwäsche darunter zu sehen waren, während sie lässig ihre 9-mm-Glock™-Halbautomatik mit Q-Ups™ reinigte. Die andere blätterte durch eine zwei Monate alte Ausgabe von Glamour und sah aus, als wäre sie aus eben diesem Magazin entsprungen: ihre Frisur und ihr Make-up waren perfekt. Sie trug ein Kleid der Marke Victoria's Secret™ und darunter andere elegante Geheimnisse, wie zum Beispiel eine .357er Magnum.

»Warum verspätet er sich?«, flüsterte der junge Vietnamese seinem Partner zu. »Wir hätten es doch über das globale Netz verbreiten sollen, solange noch Zeit dazu gewesen ist.«

»Nein«, widersprach der Ältere. Er hatte die scharfen Gesichtszüge und das unaufdringliche Benehmen eines Onkel Ho Chi Minh. »Es wäre reiner Selbstmord gewesen. Sie beobachten jedes Datenfragment, das wir übertragen. Der einzig mögliche Weg ist ein Kurier.«

»Und deshalb müssen wir einen Kriminellen mit einem Silicium-Chip in seinem Gehirn anheuern?«

»Nur einen hochbegabten Schmuggler«, erwiderte der Ältere. Er legte seine Hand auf den Arm seines aufgebrachten jüngeren Begleiters. »Außerdem hat sie ihn ausgewählt, genauso wie sie uns ausgewählt hat. Vergiss das nicht.«

Der junge Mann war noch immer nicht beruhigt. »Er kommt zu spät!«

»Amerikaner haben eine andere Vorstellung von Pünktlichkeit...«

 

Nicht nur der Kurier war spät dran.

Ein paar Blocks vom Hotel entfernt, hinter der Bereitschaftspolizei, wartete eine graue Limousine auf das Ende der Aufräum-Aktion (ein Ausdruck, der von Jahr zu Jahr wörtlicher zu verstehen war; die NAS-Demonstrationen nahmen weltweit immer gewalttätigere Formen an). In der Limousine saßen sechs unauffällig gekleidete, ungeduldige Geschäftsleute und warteten darauf, dass der Verkehr wieder zu fließen begann.

Zumindest sahen sie in ihren grauen Anzügen auf den ersten Blick wie Geschäftsleute aus. Fünf Männer und eine Frau. Sie saßen schweigend, mit leeren Gesichtern und scheinbar unendlicher Geduld in der Limousine, und nur ihre Finger, die nervös auf den Sporttaschen in ihren Schößen trommelten, verrieten die Spannung, unter der die Insassen des langsam dahinkriechenden Wagens standen.

Der Mann auf dem rechten Vordersitz blickte auf seine Uhr, dann durch das Fenster auf das Verkehrschaos und schließlich durch das Sonnendach der Limousine auf die atemberaubend erleuchteten Hochhäuser, durch die Peking bereits seit geraumer Zeit New York als die Welthauptstadt der Wolkenkratzer abgelöst hatte. Viele der Pekinger Hochhäuser waren postpostmoderne Konstrukte, deren virtuelle holografische oberste Stockwerke mit den Jahreszeiten ihr Aussehen änderten; war ihr Anblick schon am Tage dramatisch, so waren sie des Nachts erst recht atemberaubend schön.

Nicht, dass der Mann, der durch das Wagendach nach oben blickte (geschweige denn einer seiner fünf Begleiter) Augen für die Schönheit gehabt hätte. Sie waren Profis. Sie arbeiteten für die größte, bekannteste und gefürchtetste kriminelle Organisation der Welt.

Die Coca-Cola™-Company des Verbrechens.

Sie waren Yakuza.

Der Mann vorn rechts, der nach oben blickte, war der jüngste und gleichzeitig der am härtesten wirkende der Sechs. Er war Japan-Amerikaner und ebenso teuer in einen unauffälligen, maßgeschneiderten dunklen Anzug gekleidet wie seine Kollegen, doch trug er sein Haar zu einem Pferdeschwanz gebunden.

Der Wagen kroch ein paar Meter weiter und bog um eine Straßenecke, und der Mann erblickte endlich, wonach er gesucht hatte. Ein Neon-Holo, das hoch über Türmen mit falschen Zinnen schwebte: Peking Ramada.

Das Hotel war noch immer einige Blocks weit entfernt, aber nicht mehr zu weit zum Laufen, selbst mit den schweren Sporttaschen nicht, die die anderen Yakuza festhielten.

Der Mann mit dem Pferdeschwanz wollte eben den Befehl zum Aussteigen erteilen, als die Limousine sich - langsam zunächst, dann immer schneller werdend - in Bewegung setzte.

Er blickte auf die Uhr und nickte, mehr zu sich selbst als zu den anderen.

Fast lächelte er sogar.

 

Das erste, was Johnny auffiel, als er aus der automatischen Drehtür in die Empfangshalle des Hotels trat, war der Geruch: diese merkwürdige, seltsam vertraute Hotelmischung aus Pflanzen und Speisen, Schuhcreme und Tabaksqualm. Und dann die Geräuschkulisse: das angenehme Murmeln und geschäftige Trappeln, das Summen - all das kontrollierte Chaos von Reisenden, die unaufhörlich kamen und gingen.

Eine ganze Wand der Lobby des Peking Ramada wurde von Fernsehmonitoren eingenommen, die gemächlich von Kanal zu Kanal wechselten, während Sensoren erfassten, wie viele Augenpaare auf welchen Schirmen ruhten; auf diese Weise kontrollierten die Gäste in der Lobby selbst und gemeinsam, was auf den Schirmen lief. Aber niemand sah hin - niemand außer einem Fünfjährigen und einem runzligen Veteranen in einer abgetragenen, aber sorgfältig gepflegten Uniform der Roten Volksarmee. Deshalb zeigte die eine Hälfte der Monitore ständig die letzten Nachrichten über die NAS-Unruhen und die andere einen japanischen Superhelden-Zeichentrick - eine Wiederholung, gewaltverherrlichend und von falschem Blut triefend, die Johnny, der unmittelbar hinter dem Eingang stehengeblieben war, fast noch schlimmer erschien als die Wirklichkeit draußen auf den Straßen.

Johnny hatte kein Problem mit echtem Blut; echtes Blut konnte man aufwischen. Falsches Blut hingegen nicht.

Während Johnny die Lobby nach seinem Kontaktmann absuchte, verspürte er eine Mischung aus Wohlbefinden und Vertrautheit (das Gefühl kam in Empfangshallen von Hotels immer auf), die er irgendwie mit seiner Kindheit assoziierte - irrational, wie er wusste, denn er erinnerte sich nicht an seine Kindheit.

Schnell hatte er den gutgekleideten Chinesen erspäht, der neben einem eingetopften Farn stand und Aufbruch China: 2020 las.

Wie vereinbart, die Ausgabe vom letzten Jahr.

Johnny schlenderte zu ihm hin und sagte mit leiser Stimme und freundlichem Lächeln: »Wir sollten uns beeilen. Ich bin spät dran.«

Der Mann lächelte zurück und überreichte Johnny eine weiße Papiertüte. Auf ihr stand in Englisch und Chinesisch: Dunkin Gebäck.

Johnny blickte stirnrunzelnd in die Tüte und lächelte dann noch freundlicher, während er sagte: »Sie haben mir ein MDA-18™ versprochen. Ich habe Ihnen Geld für ein verdammtes MDA-18™ gezahlt!«

Der Chinamann zuckte die Schultern und lächelte weiter unergründlich: »Man hat es mir ebenfalls versprochen. Aber sehen Sie, Mann, dies hier ist ein Pemex™-Verdoppler. Er sollte eigentlich ausreichen.«

»Sollte!«

»Der Typ, der es geliefert hat, meinte, der Verdoppler hätte beinahe die gleiche Kapazität wie das MDA-18™.«

»Beinahe! Er verfügt nicht einmal annähernd über die Kapazität!«

Der Chinese griff nach der Papiertüte. »Sehen Sie, wenn Sie ihn nicht wollen...?«

Johnny seufzte und schloss die Lasche über der Tüte. Dann verbeugte er sich peinlich korrekt: »Es wird reichen müssen.«

Der Chinese verbeugte sich ebenso förmlich und schloss sein Magazin. Als er gerade Weggehen wollte, veranlasste eine kaum merkliche Änderung der Helligkeit in der Halle die beiden Männer, sich umzudrehen und einen Blick hinter sich zu werfen.

Die Monitore in der Halle wechselten einer nach dem anderen das Programm. Statt dass alle wie bisher die gleichen Bilder wiederholten, stellte jetzt jeder nur noch einen Teil eines einzelnen, größeren Bildes dar; sie zeigten grobe Punkte eines sich allmählich herausschälenden, niedrig auflösenden Bildes von einem jungen Schwarzen mit Drahtlocken und Spiegelbrille.

»J-Bone«, sagte der Chinese unbeeindruckt.

»Wer?«, fragte Johnny.

»Loteks«, antwortete der Chinese. »Video-Guerillas.«

»Schätze, diese Typen gibt es auf der ganzen Welt«, sagte Johnny. Er hatte schon von ihnen gehört, aber ihnen nie Beachtung geschenkt. Trotzdem war er jetzt wider Willen beeindruckt. Die Video-Guerilla, die unter dem Namen Lotek auftrat, hatte die unheimliche Fähigkeit, in jedes Programm einzudringen - gleich ob Netzwerk oder Kabel, Satellit oder Glasfaseroptik - und ihre Anti-Establishment-Botschaft zu verbreiten. Aber warum tun sie das?, fragte sich Johnny. Was gewinnen sie dadurch? 

»Holt euch eure Gehirne zurück, Zombies!«, sagte J-Bones Stimme in einem rauen Rap-Tonfall mit afro-amerikanischem Akzent. »Schnappt sie euch und haltet sie fest!«

Dann wurde sein von Wut und Leidenschaft verzerrtes Gesicht von dem Bild eines friedlichen Delphins abgelöst, der zuerst auf jedem einzelnen Monitor erschien und sich dann in vollkommener, schweigender Choreographie zu einem einzigen Bild vereinigte, das über alle Schirme glitt.

Glitt, weiterglitt... und schließlich verschwunden war.

Die Nachrichten und der Zeichentrick erschienen wieder, als wäre nichts geschehen.

Auch das Summen, das Scharren und die allgemeine Geschäftigkeit lebten wieder auf. Die Menschenmenge in der Hotelhalle machte dort weiter, wo sie aufgehört hatte. Offensichtlich war es nicht das erste Mal, dass die Botschaft auf den Schirmen erschienen war; das Eindringen der Lotek schien überall auf der Welt Teil des normalen Fernsehprogramms geworden zu sein.

Johnny blickte sich um und bemerkte, dass er und ein alter Mann in einem Mao-Anzug die einzigen waren, die auf die Schirme gestarrt hatten; selbst sein Kontaktmann war bereits durch die Drehtüren verschwunden. Die Geräusche in der Lobby nahmen an Intensität zu wie ein sich füllendes Wasserglas.

Johnny ging zu einer Reihe von Aufzügen. Plötzlich tauchte hinter einer Sofalehne der Kopf eines Kindes auf. Es war ein schwarzhaariges, gutgekleidetes Asiaten-Kind (viel zu gut gekleidet, um ein Straßenkind zu sein; außerdem wurden Straßenkinder in den Hotel-Lobbys auch nicht geduldet), und es warf Johnny einen ernsten Blick zu, als ob es in ihm eine irgendwie verwandte Seele erblickt hätte.

Ohne nachzudenken duckte Johnny sich mit dem Kopf hinter ein Aquarium. Er stellte sich das verblüffte Gesicht des Kindes beim Anblick seines verzerrten, vergrößerten Kopfes vor, und er winkte und bewegte seine Finger wie die Arme eines Tintenfischs...

Das dezente Ping! des ankommenden Aufzugs brachte ihn in die Realität zurück.

Keine Zeit, um mit kleinen Kindern zu spielen. Hatte es jemals Zeit dazu gegeben?

Das Kind winkte ihm zum Abschied hinterher. Johnny betrat den Aufzug und drückte auf die Fünfundzwanzig, dann drehte er sich um und winkte zurück, während die Aufzugtüren zuglitten.

 

Johnny setzte seine Aktentasche ab und öffnete die Papiertüte.

Der Pemex™-Verdoppler hatte etwa die Größe eines Kartenspiels und bestand aus transparentem grünem Kunststoff mit darin eingebetteten vergoldeten Schaltkreisen. Außen verlief ein orangefarbener Streifen; auf der einen Seite befand sich ein kleiner LCD-Schirm, auf der anderen ein kleiner männlicher Telefonstecker.

Mit reumütigem Kopfschütteln wog Johnny das winzige Gerät in der Hand. Würde es ausreichen? Es gab nur eine Möglichkeit, das herauszufinden. Er zog das Haar über seinem linken Ohr zurück. Ein chirurgisch implantierter weiblicher Telefonstecker kam zum Vorschein.

Die Etagenanzeige des Lifts zeigte eine Drei.

Dann eine Vier.

Johnny steckte den Anschluss des Pemex™-Verdopplers in die Buchse an seinem Kopf, und seine Augen schlossen sich in einem kurzen, euphorischen Zucken - oder war es Schmerz? Verstehen? Selbst wenn er die Neigung verspürt hätte, es für sich herauszufinden - jetzt war nicht die Zeit dafür.

Die Arbeit wartete.

Die Etagenanzeige des Lifts zeigte eine Sechs.

Auf dem LCD-Schirm des Geräts erschienen die Worte:

 

RAM BEREIT ZUM UPLOAD.

 

Dann:

 

BEGINNE RAM UPLOAD.

 

Dann erschien die Zahl 224.

Die Nummern der Etagenanzeige des Lifts wurden größer- 8, 9, 10, 11 -, während die Zahlen auf dem LCD-Schirm kleiner wurden: 181,164,123,110.

Johnny hielt die Augen geschlossen und seinen Verstand sorgfältig leer, frei von störenden Gedanken. Das Hinzufügen von RAM war eine einfache Routineangelegenheit, aber er wollte nicht riskieren, dass das System abstürzte oder sich aufhängte. Es könnte gefährlich werden, zumindest aber schmerzhaft, wenn das System mitten im Vorgang stoppte; außerdem war keine Zeit zu verschwenden...

18,19,20...

...98,76,63,44.

Es war beinahe angenehm. Nicht so aufregend, wie sich im Cyberspace herumzutreiben, doch es war einer jener seltenen Augenblicke, in denen Johnny fast so etwas wie einen inneren Frieden verspürte. Es kehrte sein Bewusstsein nach innen, ein Gefühl, als wanderte er durch ein leeres Haus, nachdem alle Leute mitsamt ihrem Mobiliar ausgezogen waren. Das verlassene Haus seiner eigenen Erinnerungen. Fast traurig spürte er den Geist des Vergangenen an den Stellen, wo die Möbel gestanden hatten.

21,22,23...

...28,19,05.

Jetzt war selbst das Nachtrauem verschwunden, und ein fremdartiges Gefühl von Frieden hatte von ihm Besitz ergriffen; eine ungewohnte, aber angenehme Emotion für jemanden, der wie Johnny so dicht am Rand des Abgrunds lebte...

25.

00.

Ping!

Gerade rechtzeitig. Johnny stöpselte den Pemex™-Verdoppler aus und steckte ihn zurück in die Papiertüte. Die Lifttür glitt auf. Er betrat den teppichbedeckten Gang und warf die Papiertüte in den Kübel einer Topfpflanze, während sich die Aufzugstür hinter ihm schloss.

Er prüfte seine Haare; der Stecker war wieder verdeckt.

Er straffte seine Krawatte.

Er setzte sein nichtssagendstes Lächeln auf.

 

 

 

 

 

 

  Kapitel Zwei: Upload

 

 

Die Berichte über die Unruhen flimmerten noch immer über den Fernsehschirm in Suite 2571. Der zappende Leibwächter mit der Fernbedienung gähnte und schaltete zu dem japanischen Superhelden zurück. Die tätowierte Frau reinigte weiter ihre Glock™. Der Sumo-Griller drehte seine Shrimps auf dem Grill. Der ältere der beiden Vietnamesen stand am Fenster und sah auf die Lichter der Stadt hinab; der Jüngere stand neben ihm und betrachtete die Spiegelung seiner Frau und seiner kleinen Tochter im Schlafzimmer.

Die Modepuppe blätterte eine Seite von Glamour um.

Die Türglocke ging.

Die vier Koreaner sprangen hoch. Waffen blitzten auf - veraltet, aber effektiv (und einschüchternd). Echte antike Schießpulver-Projektilwaffen.

Der Sumo-Typ marschierte überraschend leichtfüßig zur Tür, in der Hand eine abgesägte Zehner Schrotflinte. Das Fotomodell trat an seine Seite, und unter ihrem offenen Kleid wurde fast die Miniatur-.357er sichtbar. Hinter sich, auf der Couch, wo die anderen beiden warteten, vernahmen sie das befriedigende Ratsch-Klack von geöltem Stahl.

Der Sumo öffnete die Tür. Johnny stand da und hielt seine Aktentasche wie eine Pizzaschachtel vor sich: »Zweimal Käse und Anchovis?«

Er schien nicht überrascht oder gar enttäuscht, dass niemand lachte. Er betrat das Zimmer, umringt von selbstsicheren, zurückhaltenden Leibwächtern, und stand schließlich vor dem jüngeren der beiden Wissenschaftler, der seinen Posten vor dem großen Bilderbuch Fenster verlassen hatte.

»Sie sind Mister...?«

»Smith«, sagte Johnny.

»Sie sind spät dran, Mister Smith.«

»Das ist richtig.« Johnny streckte den Arm nach der Zimmersteuerung an der Wand, und der Sumo spannte sich, als wollte er ihn daran hindern - aber ein kurzes Zucken in den Augen des älteren Vietnamesen, der völlig reglos mit dem Rücken zum Fenster stehengeblieben war, hielt ihn zurück.

Johnny ignorierte die Leibwächter und drückte auf einen Knopf. Die Fensterblenden schlossen sich, und die Stadt verschwand, als hätte es sie nie gegeben. Er drückte einen weiteren Knopf, und der Deckenventilator setzte sich mit leisem Summen in Bewegung. Johnny schien in die Zimmersteuerung vertieft wie ein Knabe, der ein neues Spielzeug entdeckt hat.

»Frage«, begann er, an den jungen Wissenschaftler gewandt.

»Ja?«

Johnny drehte am Rheostaten und dämpfte die Beleuchtung. Dei Koreaner warfen sich gegenseitig Blicke zu, dann starrten sie ihre Auftraggeber an.

Johnny ignorierte sie vollkommen. »Sie sehen nicht aus wie die Leute, für die ich normalerweise arbeite«, sagte er.

»Wir sind... äh... neu im Geschäft«, antwortete der Jüngere.

»Erzählen Sie keinen Scheiß.« Mit einer Handbewegung schloss er die vier Gorillas ein: »Die da. Die sehen aus wie aus dem Automaten gezogen. Aber Sie...!« Er musterte den jüngeren der beiden, dann den alten Mann am Fenster. »Sie beide...«

Der ältere Wissenschaftler machte einen Schritt vor. Er sprach in einem sanften, höflichen, aber abgehackten Tonfall mit leichtem französischem Akzent: »Bitte. Keine weiteren Fragen. Wir haben uns Ihnen durch die korrekten Verbindungen genähert. Wir haben die Hälfte im Voraus auf das Schweizer Konto gezahlt, genau, wie Ihr Agent es angeordnet hat.«

»Jaaaa«, sagte Johnny gedehnt. »Das weiß ich alles selbst. Was ich meine ist... ich habe Spieler erwartet. Sie beide sehen eher aus wie...«

Er zögerte, suchte nach einem passenden Vergleich.

»...Missionare.«

Der alte Mann hielt ihm einen versiegelten Umschlag entgegen. »Bitte. Es ist für alles gesorgt. Hier ist Ihr Ticket. Sub-orbital nach Newark. Erster Klasse, wie vereinbart.«

Johnny nahm den Umschlag und steckte ihn in die Innentasche seines Mantels. »Lassen Sie uns zuerst mal sehen, was Sie übertragen möchten«, sagte er dann.

Der ältere Wissenschaftler nickte dem jüngeren zu, und der marschierte in das Schlafzimmer.

Johnny stellte seine Aktentasche auf dem Couchtisch direkt neben der Grillpfanne ab und öffnete die Verschlüsse. Dann klappte er den Deckel auf, nahm ein kleines elektronisches Gerät hervor und schloss die Tasche wieder. Er durchquerte das Zimmer auf dem Weg, den er gekommen war, und befestigte das Gerät mit zweiseitigem Klebeband an der Tür. Auf der Vorderseite begann ein winziges rotes Licht zu blinken.

»Bewegungsmelder«, sagte Johnny. »Für den Fall, dass die Eingeborenen rastlos werden.«

Das blinkende Licht wechselte sich mit einem noch kleineren roten Licht auf einem Gerät an Johnnys Gürtel ab, das aussah wie ein Piepser.

Der junge Wissenschaftler kam in das Zimmer zurück und hatte einen kleinen schwarzen Kasten bei sich. Seine Frau mit dem Baby blickte vom Schlafzimmer aus neugierig herein, und er scheuchte sie besorgt zurück. Als sie außer Sicht war, öffnete er die Schachtel und zog ein CD-ROM von der Größe einer antiken amerikanischen Fünfcentmünze hervor.

»Das ist es also«, sagte Johnny. »Wieviel schleppe ich mit mir herum?«

»Dreihundertzwanzig Gigabytes«, antwortete der junge Wissenschaftler nervös.

»Sie meinen Megabytes.«

Der ältere Wissenschaftler meldete sich in der anderen Ecke des Zimmers. »Gigabytes.«

Johnny versuchte, sich seine Überraschung und seine Bedenken nicht anmerken zu lassen, aber es gelang ihm nicht so ganz.

»Sind Sie sicher, dass Sie genügend Speicherkapazität zur Verfügung haben?«, fragte der alte Mann.

»Mehr als genug«, erwiderte Johnny. Ich habe nicht einmal mit den Augen gezuckt, dachte Johnny. Fast glaube ich es selbst.

»Es ist extrem gefährlich, falls sie nicht reicht«, meinte der Alte. »Wenn das Volumen des Uploads nicht hineinpasst, werden Ihre Synapsen überlaufen und Sie in zwei oder drei Tagen sterben. Außerdem werden die Daten beschädigt und ein zusammenhängender Download wird unmöglich.«

»Sie müssen mir nicht meine Arbeit erklären«, sagte Johnny kühl. »Beginnen wir jetzt mit dem Upload oder nicht?«

Der alte Mann nickte zustimmend. »Sobald Sie bereit sind. Ihr Agent wird sich in Newark mit Ihnen in Verbindung setzen und ein Treffen für den Download vereinbaren.«

»In Ordnung. Dann können wir ja jetzt endlich zur Sache kommen.«

Oder explodieren, dachte er.

Er setzte sich vor dem Couchtisch auf das Sofa und wischte sich mit den Handflächen über die Knie. Unauffällig, wie er hoffte. Er öffnete seine Aktentasche erneut. Die beiden Wissenschaftler und ihre vier Leibwächter standen dabei und sahen fasziniert zu, bis der Sumo den Fernsehsüchtigen und die Puppe mit einem routinierten Blick aus seinen winzigen Augen zur Tür schickte.

Johnny nahm ein Röhrchen Lebensretter™ hervor.

Eine Kreditkarte.

Eine Sonnenbrille in einem harten schwarzen Etui.

Dann schloss er die Tasche wieder. Die beiden Vietnamesen-Wissenschaftler warfen sich gegenseitig Blicke zu, bis schließlich der jüngere das Wort ergriff: »Sie sollten den Modulator mitbringen!«

Johnny schenkte ihm ein Lächeln, als er aufblickte und die Sonnenbrille aus dem Etui nahm. Mit geübten Fingern zerlegte er das Etui in zwei ungleiche Teile, die er anschließend mit goldenem Draht aus einem Fach des kleineren Teils verband. Er setzte die Kreditkarte in einen Schlitz an der Seite des größeren Etuis teils ein, dann die Lebensretter an dem unteren Ende, wo er sie mit einer halben Drehung nach rechts verriegelte.

Der ältere Vietnamese sah ihm mit einem dünnen Lächeln zu. Sein Vertrauen in seinen Kurier wuchs anscheinend stetig.

Johnny zog ein dünnes Kabel aus der Unterseite des zusammengesetzten Modulators, zog sein Haar zur Seite und setzte den Stecker des Kabels in sein Kopfinterface. Dann stellte er den Modulator auf dem Tisch ab und schnappte sich die Fernbedienung vom Sofa, wo der zappende Leibwächter sie liegengelassen hatte.

Er programmierte die Fernbedienung um, indem er sie zuerst auf den Modulator und dann auf den Fernseher richtete und einige Zahlencodes eintippte. Anschließend reichte er sie dem jüngeren Wissenschaftler.

»Die Fernbedienung ist jetzt fertig«, erklärte Johnny. »Sie beobachten den Zähler an dem Modulator - hier -, und wenn er sich der Null nähert, dann speichern Sie drei Bilder aus dem Fernsehen ab. Sie verschmelzen mit den Daten und sind damit verschlüsselt, auch für mich. Diese drei Bilder sind der Schlüssel zum Downloaden. Haben Sie das verstanden?«

Der junge Mann nickte.

»Sie erhalten einen Ausdruck der drei Bilder - hier. Faxen Sie eine Kopie davon zu Ihrem Verbindungsmann in Newark oder wo auch immer«, Johnny zeigte auf das Hotelfaxgerät am Ende des Tisches neben dem Telefon, »und wenn ich angekommen bin, werden sie die drei Bilder eingeben und die Daten abrufen. Lieferung erledigt. In Ordnung? Capicsce? Got it? Comprende? Haben Sie verstanden?«

Der junge Mann nickte.

»Gut. Und jetzt her mit Ihren Scheiß.«

Der junge Mann reichte Johnny das CD-ROM, und Johnny ließ es in den Deckel des Röhrchens Lebensretter gleiten. Es drehte sich ein paarmal, dann hielt es an.

Auf dem Zähler erschien eine Zahl.

32.000.

Johnny zeigte auf einen Knopf. »Drücken Sie hier drauf, um mit der Übertragung zu beginnen, ja?«

Der junge Mann nickte.

»Es hört von alleine wieder auf. Hoffentlich.« Johnny lächelte und blickte sich noch einmal im Zimmer um. Dann tropfte er sich eine Flüssigkeit in die Augen und setzte die verspiegelte Sonnenbrille auf.

Er lehnte sich auf der Couch zurück und sagte: »Her damit«, dann setzte er seinen Mundschutz ein.

Der junge Mann drückte auf den Knopf, und die kleine Scheibe des CD-ROMs wurde zu einem silbernen Flirren.

 

Genau in diesem Augenblick wurden fünfundzwanzig Stockwerke tiefer sechs Gestalten in vollkommen identischen grauen Anzügen durch ein anderes Flirren in die Eingangshalle des Hotels gesetzt. Schweigen breitete sich aus, als sie nacheinander durch die Drehtür kamen; aber dann setzte das Schnattern und Summen wieder ein, und scheinbar nahm niemand Notiz davon, wer - oder besser was - da gerade angekommen war.

Yakuza. Es wäre verdammt unklug, von denen Notiz zu nehmen.

Der Anführer der Sechs, der junge Japan-Amerikaner (seit seinen College-Tagen [San Francisco State, Jahrgang '07] als Shinji bekannt) nickte zweimal kurz, und zwei seiner Leute lösten sich aus der Gruppe und verteilten sich in der Lobby; einer an der Drehtür und einer bei der Reihe von Aufzügen. Shinji war nicht stehengeblieben, während er mit seinem rhythmisch schwingenden Pferdeschwanzkopf die Befehle erteilt hatte; er marschierte geradewegs quer durch die Empfangshalle zu den Aufzügen.

Es war, als hätte er an seiner Arbeit Vergnügen.

An seiner Seite spazierten ein junger Amerikaner im Gleichschritt, und zwei Schritte hinter den beiden zwei Japaner, Mann und Frau, einander ähnlich wie Zwillinge, die sie tatsächlich auch waren.

Hinter einer großen Topfpflanze kauerte ein fünfjähriger schwarzhaariger Knabe und beobachtete sie aufmerksam. Obwohl sie ihn auf gewisse Weise faszinierten, hatte er nicht das Bedürfnis, mit diesen vieren zu spielen. Irgendetwas sagte ihm, dass es mit ihnen nicht viel Spaß machen würde. Vielleicht lag es an den gleichaussehenden Sporttaschen, die sie schleppten und aus denen jedes Mal dumpf klackende Geräusche hervordrangen, wenn sie beim Gehen gegen ein Knie oder eine Hüfte stießen.

Wie auf ein Kommando hielten die vier vor den Aufzügen. Shinji drückte mit seinem Daumen den Knopf - genauer gesagt, mit der Metallkappe, die das letzte Glied seines Daumens verdeckte.

Die Gesichter der Yakuza fielen in einen Wartemodus. Alle, mit Ausnahme von einem.

Der Amerikaner fragte: »Shinji?«

»Was gibt's, Henson?«

»Diese Typen da oben: Sind das Viet-Ching oder was?«

»Nein«, kam Shinjis Antwort. »Wissenschaftler. F&E- Typen von Pharmakon.«

»F&E?«

»Forschung und Entwicklung. Überläufer...«

Ping! Das Warten hatte ein Ende.

»Überläufer.« Die Augen des Amerikaners leuchteten auf.

»Vergiss es«, sagte Shinji. »Tokio will nur die Daten, denk daran.«

Die Lifttüren glitten auf. Die vier betraten den Aufzug. Die Türen schlossen sich.

 

Sich durch den Cyberspace zu bewegen ist eine Sache, direkt an ihm zu hängen eine völlig andere. Wenn Johnny sich als Cowboy in ein Programm einschleuste, hatte er alles unter Kontrolle. Er konnte sich seinen Weg durch die virtuelle Realität der elektronischen Matrix genauso einfach bahnen wie ein Fisch, der im Wasser schwamm.

Aber dranzuhängen, einen Upload zu empfangen - sich einen Müllhaufen aufzuladen, wie der geschmacklose Branchen-Jargon es nannte -, das war eher so wie ein Blatt in einem tobenden Sturm zu sein, ohne Steuermöglichkeit, ohne Kraft, ohne alles, leichter als das Nichts; nur ein Fleck in einem reißenden Strom digitaler Daten.

Es ist genau das Gegenteil vom Einschleusen in ein fremdes Programm - man pfropft sich selbst die rohen Daten auf. Und sie kommen alle auf einmal, in einem heulenden, unkomplizierten, unverschlüsselten, unformatierten, nicht- partitionierten, unverständlichen Strom roher Dateien und nackter Subroutinen, Protokolle und Archive, Makros, Heaps und Sequenzen: ein undifferenzierter und nichthierarchischer Datenstrom, ein digitaler Zyklon, selbst für einen erfahrenen, festverdrahteten Veteranen und kybernetischen Kurier wie Johnny furchteinflößend wie die Hölle - aber für blutige Anfänger der reine Horror.

Für Johnny war es der reinste Horror. Und er war kein Anfänger.

Seine Furcht sprach für sich allein. Sie sagte ihm, dass irgendetwas schieflief, total daneben; und dieses Wissen entsetzte ihn nur noch mehr.

Pyramiden und Formeln jagten heulend vorüber. Kreise, scharf umrissene Rechtecke, Beweise, nichtgeometrische, neogeometrische und supergeometrische Formen; Figuren, die sich stetig änderten, Gleichungen, die schrien; Symbole und Elemente in nahezu jeder Farbe des Regenbogens (und einigen, die es nie bis in die Wirklichkeit geschafft hatten); molekulare Modelle in drei, vier und noch mehr Dimensionen, Bezierkurven, TIFF-Türme, speziell angefertigte Zeichen und Barcodes in Arabisch, Japanisch, Englisch, Numerisch, ASCII; und Glyphen, Symbole...

Johnny versuchte, sein Entsetzen niederzukämpfen - oder es zumindest zu kontrollieren -, doch es wuchs mit dem Tsunami von Daten, schneller und immer schneller, und es überwältigte selbst seine routinierten Entspannungstechniken. Die Dinge geschahen einfach zu rasch. Es war zu viel auf einmal, die Woge zu hoch, zu dunkel, zu massiv, zu schwer... eine nicht zu bewältigende Flut von Daten, und sie stieg noch immer mit mörderischem Tempo weiter, ragte turmhoch über dem winzigen Fleck seines Bewusstseins auf.

Johnny wusste, dass seine einzige Chance darin lag, sich fallenzulassen. Fallenlassen, treibenlassen, sich dem Strom überlassen. Er gab seinen Widerstand auf...

Er ging unter... in etwas, das sich in ihn ergoss, sich in ihm ausbreitete, sich in das schreiende Grün und Schwarz hineinfraß...

Er schrie. Es half nichts.

Dann schrie sein Schrei.

...und der schrie den

Impressum

Verlag: BookRix GmbH & Co. KG

Texte: Cine Visions/Columbia TriStar/Apex-Verlag.
Bildmaterialien: Christian Dörge/Apex-Graphixx.
Cover: Christian Dörge/Apex-Graphixx.
Lektorat/Korrektorat: Zasu Menil.
Übersetzung: Christian Dörge (OT: Johnny Mnemonic).
Satz: Apex-Verlag.
Tag der Veröffentlichung: 15.02.2018
ISBN: 978-3-7438-5647-9

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