Cover

Leseprobe

GLEN A. LARSON/NICHOLAS YERMAKOV

 

KAMPFSTERN GALACTICA

Band 7: Krieg der Götter

 

 

 

 

Roman

 

 

Apex-Verlag

Inhaltsverzeichnis

Das Buch 

 

KAMPFSTERN GALACTICA, Band 7: KRIEG DER GÖTTER 

 

Kapitel 1: Ein fremdes Schiff 

Kapitel 2: Graf Iblis 

Kapitel 3: Hoffnungen und Zweifel 

Kapitel 4: Ängste und Wunder 

Kapitel 5: Verräter und Rivalen 

Kapitel 6: In Dunkelheit gehüllt 

Kapitel 7: Täuschungen 

Kapitel 8: Enthüllungen 

Kapitel 9: Das Schiff der Lichter 

Kapitel 10: Der Verräter 

Das Buch

In den unendlichen Weiten des Weltalls kreuzt der Kampfstern Galactica – stets in Gefahr durch kosmische Kräfte und durch die erbarmungslose Kriegsmaschinerie der Cylonen. Plötzlich taucht der rätselhafte Graf Iblis bei der Besatzung des Kampfsterns auf und bietet sich als Führer durch die endlose Nacht an. Sein Wissen und seine Macht sind überwältigender als alles, was die Menschheit jemals zuvor kennengelernt hat.

Anfangs noch fasziniert von den unheimlichen Kräften des neuen Führers, kommen die Menschen an Bord der Galactica langsam hinter das teuflische Geheimnis des Grafen: Seine mächtigste Waffe sind... sie selbst!

 

Der Roman Krieg der Götter basiert auf zwei der populärsten Episoden der TV-Serie Kampfstern Galactica: War Of The Gods, Parts I & II mit Gast-Star Patrick Macnee in der Rolle des ebenso charismatischen wie sinistren Grafen Iblis. 

Kampfstern Galactica – die Romane zur legendären TV-Serie, von Christian Dörge neu und ungekürzt übersetzt.

Kampfstern Galactica – eine Science-Fiction-Legende kehrt zurück!

 

  KAMPFSTERN GALACTICA, Band 7:

KRIEG DER GÖTTER

 

  

  Aus den Tagebüchern von Commander Adama: 

 

  

  Es hat einmal eine Zeit gegeben, in der die Menschheit dem ersten Kontakt mit einer anderen Rasse mit großen Erwartungen entgegensah. Niemand glaubte wirklich, dass wir ganz und gar allein waren. Irgendwo draußen, zwischen den Sternen, existierten intelligente Lebewesen, die uns vielleicht sehr ähnlich waren oder die sich vollkommen von uns unterschieden. Was würden sie uns lehren können? Was würden wir teilen?  

  Als die Zwölf Kolonien gegründet wurden, waren die Nachkommen der Herren von Kobol vollkommen allein. Wir blieben es nicht lange. Wir begegneten anderen Rassen, anderen Wesen. Manche davon waren weiter entwickelt als wir, manche waren primitiver. Wir waren glücklich, als wir den Kontakt mit ihnen aufnahmen, und wir sahen uns schon als Teil einer großen universellen Gemeinschaft, einer Verbindung aller Lebensformen. Vielleicht waren wir naiv. Vielleicht waren wir einfach unrealistisch.

  Die Cylonen änderten das alles.

  Fast tausend Yahre vor meiner Geburt hatten die Zwölf Kolonien und das Cylonische Imperium den ersten Kontakt, an einem Tag, der nie vergessen werden soll, solange es Menschen gibt. Wir reichten unsere Hände in Freundschaft, und die Cylonen schlugen mit wilder, unerbittlicher Wut zurück. Wir brauchten lange, bis wir die Gründe für ihr Handeln verstanden. Aber zu diesem Zeitpunkt befanden sich die Zwölf Kolonien bereits inmitten eines brutalen Krieges gegen die Cylonen, im längsten und blutigsten Krieg in unserer Geschichte, in jenem Krieg, der die Nachfahren der Herren von Kobol vielleicht für immer auslöschen wird. Ich habe gelobt, dass das nicht geschehen soll, aber nur die Zeit wird zeigen, ob ich dieses Gelübde erfüllen kann. Immerhin bin ich nur ein einzelner Mann, meine Feinde hingegen zählen Legionen.

  Der Grund für diesen Krieg ist ebenso einfach wie unverständlich:

  Nach Auffassung der Cylonen sind wir für den interstellaren Raumflug nicht geeignet. Aufgrund einer unverständlichen Logik betrachteten sie sich als Wächter über die ästhetische Ordnung des Universums. Es war ihre Bestimmung, die Sterne

zu regieren, alle primitiven Rassen zu kontrollieren - und nach cylonischer Ansicht sind alle anderen Rassen primitiv - und alles zu vernichten, was diese Ordnung bedrohte. Die Kolonien stellten eine solche Bedrohung dar.

  Als ich geboren wurde, war der Krieg bereits viele Yahre alt. Er war ein unverrückbarer Bestandteil im Leben jedes Mannes, jeder Frau und jedes Kindes der Kolonien. Es ist der Menschheit hoch anzurechnen, dass wir uns nicht zu einer vollkommen xenophobischen Rasse entwickelt haben, aber das Wort »Fremder.« hat einen neuen Klang für uns. Es ist untrennbar mit bestimmten Emotionen verbunden - Misstrauen und Ablehnung sind die stärksten unter ihnen. Wir sind stets auf der Hut, wenn wir auf eine neue Lebensform treffen. Überleben ist unsere erste und wichtigste Überlegung. Es ist nicht so, dass wir erst schießen und dann fragen würden, aber wir haben unsere Waffen stets griffbereit. 

  Doch manchmal genügt nicht einmal das.

 

 

 

   

  

  Kapitel 1: Ein fremdes Schiff

 

 

  Vier Viper-Kampfflieger jagten durch das Nichts. In jeder Viper saß ein äußerst wachsamer Pilot. Sie unterhielten sich ununterbrochen, um sich vor einem Nachlassen der Konzentration zu schützen. Nur selten wandten sie ihre Blicke vom Radarschirm ab, auf dem sie nach irgendeinem Anzeichen für die Anwesenheit eines Feindes suchten. Ein Fehler durfte nicht passieren. Tausende von Menschenleben hingen davon ab. Jeder von ihnen spürte die unerträgliche Verantwortung, die immer auf ihnen lastete, wenn sie Patrouille flogen. Das Schicksal der letzten Überlebenden der Zwölf Kolonien lag in ihren Händen.

  »Patrouillenführer an Vorhut«, sagte Bojay in sein Helmmikrofon, das er mit einem schnellen Zungenschlag an- und abstellen konnte. »Ich glaube, dieser Sektor ist sicher für die Flotte. Wie wär's mit einer letzten Runde, bevor wir uns auf den Heimweg machen? Verstanden?«

  »Verstanden«, antwortete Lieutenant Jolly. Er flog an der Spitze der Viper- Formation und übernahm darum die Aufgaben eines Spähers. »Wir machen eine letzte Runde und...«

  Ohne jede Warnung erstrahlte das Nichts vor Jollys Viper mit einer Helligkeit, die die einer Supernova in den Schatten gestellt hätte. Der Pilot wand sich in seinem Sitz und schlug sofort die Hände vor sein Gesicht, um sich vor der schmerzenden Helligkeit zu schützen.

  »Bojay!« Der Patrouillenführer erhielt von jedem Mitglied seiner Patrouille zugleich Bericht. Sie sprachen alle durcheinander in seinem Kopfhörer.

  »Ich sehe Punkte vor meinen Augen... Ich kann nicht einmal mehr den Abtaster erkennen...«

  »Ich habe noch nie etwas so Helles...«

  »Was - bei den Lords von Kobol - war das...?«

  »Schon gut, schon gut, es reicht«, sagte Bojay, dessen Augen von dem Blick auf den unglaublich hellen Lichtfleck auch schmerzten. »Regt euch nicht auf, Jungs. Was immer es war, es ist fort. Bleibt einfach genau auf Kurs, bis sich eure Augen wieder an die Dunkelheit gewöhnt haben. Ist jemand verletzt?«

  Die Antwort war negativ.

  »Gut. Dann machen wir uns auf die Suche. Wir fliegen einfach in diese Richtung...«

  »Vielleicht sollten wir lieber zuerst die Flotte alarmieren«, sagte Jolly.

  »Ich will nur erst wissen, warum wir sie, falls nötig, alarmieren«, antwortete Bojay. »Wir haben Zeit genug, um...«

  Ein erneuter Lichtblitz ließ die Sterne um sie herum verblassen.

  Bojay hörte Jollys erschrockenen Schmerzensschrei.

  »Mann! Dieses Mal habe ich es nicht nur gesehen, diesmal habe ich es gespürt. Bei allem, was uns heilig ist, wie kann es so etwas geben?«

  »Automatischer Warnruf aktiviert«, sagte Bojay. Er hatte immer noch keine Ahnung, was vor ihnen lag, aber er entschied, dass es nicht schaden konnte, der Galactica eine Warnung zukommen zu lassen, nur für den Fall, dass sie nicht von diesem Patrouillenflug zurückkommen sollten. »Auf Tiefenradar schalten.«

  »Captain«, sagte der Pilot auf dem linken Flügel. »Linkes Zentrum...«

  Bojay schaute hin.

  Ein Schwarm von stecknadelgroßen Lichtern näherte sich ihnen mit unvorstellbarer Geschwindigkeit aus dem Nichts. Es war unmöglich, ihre Anzahl auch nur zu schätzen. Sie schienen sich vor ihren Augen zu vermehren, während sie näherkamen.

  »Ich sehe sie«, sagte Bojay.

  »Ich weiß nicht, was das ist, aber sie kommen genau auf uns zu, und zwar schnell«, sagte Jolly.

  »Kampfcomputer aktivieren«, sagte Bojay.

  Die Piloten schalteten ihre Angriffs- und Verteidigungssysteme ein. Die Scanner suchten automatisch ihr Ziel - aber es gab kein Ziel für die Scanner. Die Geschütze schwenkten in alle Richtungen auf der Suche nach einem geeigneten Ziel. Die Piloten hatten visuellen Kontakt mit dieser rätselhaften Erscheinung, aber für die Scanner schien sie nicht zu existieren.

  »Bereitmachen zum Angreifen«, sagte Bojay.

  »Captain«, hörte er Jollys Stimme in dem Kopfhörer, der in seinen Helm eingelassen war, »ich habe sie nicht auf dem Radar! Ich habe überhaupt nichts auf dem Radar!«

  »Jedenfalls sind sie hier«, zischte Bojay zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor. »Und sie werden nicht langsamer.«

  Der Schwarm der weißen Lichter wuchs mit unglaublicher Geschwindigkeit. Die Piloten kniffen die Augen zusammen, trotz der Schutzbeschichtung auf ihren Helmen und den Fenstern ihrer Vipers. Die Lichter waren blendend hell.

  »Sollen wir feuern?«, fragte Jolly.

  »Nicht, bevor wir wissen, ob es sich um Feinde handelt«, antwortete Bojay, beide Hände fest um die Instrumente seines Schiffes geklammert.

  »Bis wir das herausgefunden haben...« Jolly sprach seinen Gedanken nicht aus.

  Bojay wusste genau, was im Kopf seines Spähers vorging. Die Lichter näherten sich ihnen mit einer solchen Geschwindigkeit, dass es zweifelhaft war, ob es ihnen gelingen würde, auf sie zu zielen. Ohne die Hilfe der Scanner, die ihnen die Geschwindigkeit ihres Zieles berechneten, war es fast unmöglich, sie mit den Laserkanonen zu treffen.

  Dann hatten sie keine Zeit mehr zum Überlegen. Die Lichter waren überall um sie herum, flogen an den Vipers vorbei, umkreisten sie und umzingelten sie schließlich.

  »Mein Gott, sind die schnell!«, sagte Bojay. »Kann jemand etwas erkennen?«

  »Nein, Sir«, sagte Jolly. »Ich bin vollauf damit beschäftigt, meine Augen offenzuhalten. Dieses Licht ist kaum auszuhalten. Aber ich schwöre dir, egal, was es ist, sie hängen uns ohne jede Schwierigkeit ab.«

  Einer der anderen Piloten hatte fast panische Angst. Bojay hörte das an seiner Stimme.

  »Nichts wie weg hier! Wir müssen die Flotte warnen!«

  »Auf Position bleiben!«, sagte Bojay hart, aber auch er hatte Mühe, das Zittern in seiner Stimme zu unterdrücken. Er konnte sich nicht leisten, dass seine Männer jetzt die Nerven verloren.

  »Ich habe schon den automatischen Warnruf aktiviert. Außerdem wissen wir nicht einmal, oh wir sie überhaupt warnen müssen. Ich wiederhole: Position beibehalten und nicht feuern, bevor wir wissen, was das war. Kann jemand etwas entdecken?«

  »Nein«, antwortete Jolly. »Sie sind einfach verschwunden. Ich - nein, warte! Sie sind hinter uns!«

  Er hatte kaum zu Ende gesprochen, als die weißen Lichter wieder an den Vipers vorbeischossen, so schnell, dass es aussah, als würden die Vipers bewegungslos im Raum treiben.

  »Was immer sie sind, sie scheinen an uns nicht allzu interessiert zu sein«, sagte Jolly. »Lasst uns umdrehen und verschwinden.«

  Bojay dachte einen Augenblick über diesen Vorschlag nach, dann nickte er kurz. »Meinetwegen«, sagte er. »Wir können sowieso nichts tun. Vielleicht könnten die Instrumente auf der Galactica...« Seine Stimme erstarb.

  »Skipper?«, fragte Jolly.

  Bojay war sprachlos. Er starrte auf das riesige Schiff, das aus dem Nichts aufgetaucht war und jetzt genau über den Vipers schwebte. Es war groß, unvorstellbar groß. Selbst die Galactica hätte winzig dagegen gewirkt.

  »Skipper, meine Instrumente zeigen nichts mehr an!«, rief der Pilot vorn linken Flügel. »Ich kann nichts mehr ablesen! Was, zum Teufel, ist das?«

  »Meine Instrumente sind gestört«, sagte Jolly. »Ich bin in einer Art Kraftfeld gefangen. Ich kann mein Schiff nicht mehr kontrollieren. Ich glaube, mein Kopf platzt gleich, ich kann den Druck nicht mehr ertragen...«

  »Was sollen wir tun?«

  »Abhauen«, sagte Bojay. »Abdrehen und...«

  »Bojay, mein Antrieb ist ausgefallen!«, rief Jolly mit angsterfüllter Stimme.

  »Meiner auch, Skipper! Das Schiff reagiert nicht mehr! Ich kann nichts dagegen tun!«

  Bojay hörte einen seiner Piloten schreien.

  »Mein Kopf! Gott...«

  »Bojay!«

  »Ich glaube, wir haben endlich etwas entdeckt, das noch schlimmer ist als die Cylonen«, sagte Bojay mit vor Schmerz zusammengebissenen Zähnen. »Wir haben es geschafft, Jolly.«

  Die Schmerzen wurden unerträglich. Bojay verkrampfte sich in seinem Sitz, die Hände gegen den Kopf gepresst und gegen eine Ohnmacht kämpfend. Er unterlag. Seine Augen verdrehten sich, und er sank in sich zusammen.

 

  Starbuck und Apollo waren außer Atem. Sie befanden sich in der Schlussphase eines Triade-Spiels. Über ihnen, an allen drei Seiten des Spielfeldes, standen jubelnde Zuschauer.

  Die Triade-Spiele waren immer gut besucht. Die Flotte war eigentlich nicht gerade komfortabel, aber auf Erholungsräume konnte sie nicht verzichten. In einer Stress-Situation wie der derzeitigen, in der die Cylonen jeden Augenblick angreifen konnten, in der die stumpfe Monotonie der täglichen Routine durch einen einzigen Laserschuss für immer unterbrochen werden konnte, brauchten die Menschen eine Möglichkeit, sich von diesen Anspannungen zu erholen. Eine Gelegenheit dazu bot sich auf der Rising Star, einem ehemaligen Linienschiff, das jetzt eine doppelte Aufgabe als Heimat für einige tausend Flüchtlinge und als Erholungszentrum für die ganze Flotte erfüllen musste, mit Spielcasinos, Lounges und Sportanlagen. Hier konnten die Menschen wenigstens für kurze Zeit ihre Sorgen vergessen und ein paar Centonen mit Glücksspielen, Theateraufführungen oder Sport zu verbringen. Die populärste Sportart war Triade.

  Jedermann hatte sein Lieblingsteam und seinen Lieblingsspieler, den er mit großem Enthusiasmus anfeuerte. Diejenigen, welche aus irgendeinem Grund nicht spielen konnten oder wollten, verschafften sich als Sportfans den nötigen Nervenkitzel, jubelten ihren Teams zu und schlossen Wetten auf den Spielausgang ab. Das Spiel war fast so etwas wie eine moralische Stütze für die Flüchtlinge.

  Das Spiel wurde von zwei Teams mit jeweils zwei Mann gespielt. Zu Beginn jeder Spielperiode wurde durch Werfen einer Münze entschieden, welche Mannschaft angriff und welche verteidigte. Zwei Männer aus den beiden Teams standen sich in der Mitte des Feldes gegenüber. Hinter dem verteidigenden Team lag an der Wand ein Ball in der Größe eines menschlichen Kopfes. Er bestand aus einem besonderen Polymesh-Nysteel-Gewebe, das ihm außerordentliche Sprungeigenschaften verlieh. Außerdem machte er das Spiel gefährlicher, weil sich schon mancher Spieler ernsthaft verletzt hatte, als er von dem Ball getroffen wurde. Um diese Gefahr zu verringern, trugen alle Spieler leichte Nysteel-Helme und Polymesh-Handschuhe. Die übrige Schutzausrüstung bestand aus einer Polymesh-Weste, die Brustkorb und Geschlechtsorgane bedeckte, aber die Hüften freiließ, und aus weichen Schuhen, die die Schienbeine und Knie schützten. Die Sohlen dieser Schuhe waren aus einem stoßfesten, besonders haftfähigen Material namens Velotex, das den Spielern ermöglichte, die Wände hochzugehen, wobei sie sich dort

freilich nur für den Bruchteil eines Mikrons aufhalten konnten.

  Zwischen den beiden vorderen Spielern, die sich in der Mitte des Feldes gegenüberstanden, war eine Linie auf den Boden aufgemalt. Sobald eine Spielperiode eingeläutet worden war, versuchte der Angreifer den vorderen Verteidiger zu umspielen, um an den Ball zu gelangen. Der Verteidiger durfte die Linie vor ihm und eine weitere Linie hinter ihm nicht übertreten. So verteidigte er nur einen schmalen Streifen des Spielfeldes, den der Angreifer durchqueren musste. Es gab natürlich Regeln, was der Verteidiger tun durfte und was nicht, um den Angreifer an seinem Vorhaben zu hindern. Dadurch wirkte der Spielbeginn manchmal sehr kriegerisch, in dieser Hinsicht war Triade viel mehr als nur ein Sport. Für die Spieler, größtenteils erfahrene Krieger, stellte es ein gutes Training dar. Der Angreifer hatte beliebig viel Zeit, um den Ball ins Spiel zu bringen, obwohl

jede Periode zeitlich begrenzt war. Theoretisch war es möglich, dass eine ganze Periode nur mit dem Zweikampf der beiden vorderen Spieler verbracht wurde, da die hinteren Spieler erst eingreifen durften, wenn der Ball im Spiel war.

  Erst wenn der Ball im Spiel war, begann die eigentliche Triade, und sie wurde schnell und hart gespielt. Sobald der Angreifer den Ball aufgehoben hatte, konnte er damit auf einen der drei Leuchtkreise zielen, die an allen drei Wänden auftauchen konnten. Das Aufleuchten der Kreise wurde durch einen Zufallsgenerator gesteuert, und nur, wenn ein leuchtender Kreis getroffen wurde, wurden der Mannschaft Punkte gutgeschrieben. In den Kreisen leuchtete eine Zahl zwischen eins und zehn.

Die Auswahl der Zahlen wurde gleichfalls durch einen Zufallsmechanismus gesteuert. Je höher die Zahl, desto schwieriger das Ziel, da Kreise mit hohen Zahlen für kürzere Zeit beleuchtet wurden als Kreise mit niedrigen Zahlen.

  Das verteidigende Team musste das Spiel der Angreifer vorausahnen und so einen entsprechenden Kreis abdecken. Dann konnten sie den Ball ablenken oder in ihre Hand bekommen, was sie zum Angreifer machte. Abspielen war erlaubt, aber nur, wenn der Ball dabei über eine der Wände gespielt wurde. Gelang es den Ball dabei abzufangen, wurde dadurch der Gegner zum Angreifer und war so im Vorteil.

  Apollo und Starbuck waren schweißgebadet; die Folge eines harten Spiels gegen die ebenbürtigen Boomer und Greenbean. Die Zuschauer erwarteten gespannt ein hartes, schnelles Finale.

  Starbuck und Boomer standen sich in der Spielfeldmitte gegenüber, auf das Startsignal für die dritte Periode wartend. Die Hupe ertönte, und im selben Augenblick trat Starbuck zuerst gegen Boomers linke und dann gegen die rechte Schläfe. Boomer blockte den ersten Tritt mit seinem Unterarm ab, aber dann traf Starbuck Boomers Helm genau über der Schläfe. Boomer stöhnte und schwankte für einen Moment, und Starbuck versuchte, an ihm vorbeizulaufen. Als er sich mit Boomer auf gleicher Höhe befand, streckte der seinen Fuß aus, und Starbuck ging wie ein Sack voll Kohlen zu Boden. Sie befanden sich jetzt beide in der Verteidigerhälfte. Apollo und Greenbean beobachteten sie nervös von ihren Positionen aus und warteten auf den Augenblick, in dem der Ball berührt wurde. Bis dahin durften sie sich nicht von der Stelle bewegen.

  Boomer stürzte sich auf Starbuck, um ihn am Boden festzunageln, aber Starbuck rollte nach einer Seite ab und kam wieder auf die Beine. Beide Männer standen schwer atmend auf, jeder auf die Gelegenheit wartend, einen neuen Schlag auszuführen. Anfeuerndes Geschrei war von den Zuschauerrängen zu hören.

  Starbuck bewegte sich von Seite zu Seite und versuchte, Boomer zu täuschen, damit er an ihm vorbeitauchen konnte, aber Boomer schien jede seiner Bewegungen vorauszuahnen und hatte seinen Körper immer zwischen Starbuck und dem Ball.

  Starbuck täuschte einen Angriff vor und benutzte dann seinen Schwung, um sich um die eigene Achse zu drehen. Noch in der Drehung streckte er sein Bein aus, um Boomer einen kraftvollen Tritt zu versetzen. Er traf Boomer in die Seite, genau über der Niere. Hätte Boomer nicht seinen Schutzanzug getragen, wäre er vielleicht für immer verkrüppelt gewesen. So war er aber nur für einen Augenblick bewegungsunfähig, und Starbuck nutzte die Gelegenheit, um an ihm vorbei und auf die Wand zuzurennen, an der der Ball lag. Im selben Augenblick, in dem er den Ball berührte, begann das eigentliche Spiel.

  Seine Fans feuerten ihn sofort rhythmisch an.

  »Star-buck, Star-buck, Star-buck, Star-buck...!«

  Starbuck hob den Ball auf. Jetzt waren Boomer und Greenbean wieder in Bewegung. Boomer stellte sich vor Starbuck, um ihn daran zu hindern, einen der Kreise zu treffen oder an Apollo abzugeben, und Greenbean versuchte, Apollo zu decken, der immer wieder ausbrechen wollte, um genug Freiraum für einen Pass zu haben.

  Starbuck täuschte einen Wurf auf einen Zehn-Punkte-Kreis an, und als Boomer hochsprang, um den Ball abzufangen, wirbelte Starbuck herum und schleuderte den Ball gegen die Wand zu seiner Rechten. Der Ball prallte von der Wand ab, flog über Greenbean hinweg und genau in Apollos Hände.

  Das Klatschen, mit dem der Ball in Apollos Händen landete, hallte durch die ganze Halle.

  Apollo zog den Ann an und zielte auf einen Fünferkreis, warf dann aber den Ball über die linke Wand zurück zu Starbuck. Der Ball prallte aber in einem geometrisch unmöglichen Winkel von der Wand ab, eine Bahn, die auf das unstabile Polymesh-Material zurückzuführen war. Starbuck verfehlte die Flugbahn des Balles, und dieser knallte an die dritte Wand. Boomer wirbelte herum, um ihn aufzufangen, aber der Ball prallte hoch ab, und als Boomer in die Knie ging, um im richtigen Augenblick hochzuspringen, machte Starbuck zwei Schritte vorwärts und kletterte zwischen seinen Schulterblättern hoch. Der Ball klatschte in seine Handschuhe, und bevor er wieder auf dem Boden ankam, drehte Starbuck sich in der Luft herum und schleuderte den Ball auf einen Zehner-Kreis. Der Ball traf, der Kreis erlosch, und eine Glocke verkündete den Punktgewinn.

  Fast im selben Augenblick heulte die Hupe auf und beendete das letzte Drittel des Spieles. Starbuck und Apollo hatten knapp mit zehn Punkten Vorsprung gewonnen.

  Sofort waren die beiden Spieler von ihren Fans umringt, die von den Rängen herunter auf das Spielfeld sprangen, um sich um ihre Helden zu scharen, allen Bemühungen des Sicherheitspersonals zum Trotz.

  »Runter vom Spielfeld, runter vom Spielfeld!«, rief der Sicherheitschef immer wieder, ohne jeden Erfolg. »Los, Leute, das ist absolut verboten! Lasst die Jungs raus!«

  Athena drängte sich zu Apollo und Starbuck durch. Sheba folgte ihr.

  »Ihr wart unglaublich gut heute Nacht, unglaublich«, sagte Athena mit einem glücklichen Grinsen.

  »Wir hatten Glück«, sagte Apollo.

  »Da sprichst du nur für dich«, lachte Starbuck. »Ich war hervorragend.«

  »Das unterschreibe ich sofort«, sagte Athena. »Und wie können wir Euer Exzellenz belohnen?« Der Blick, den sie Starbuck zuwarf, war eindeutig.

  »Gebt mir ein paar Centonen zum Umziehen«, sagte er. »Bis dahin habe ich mir bestimmt etwas ausgedacht.«

  Sie nahmen sich am Arm und verließen das Feld auf dem schmalen Pfad, den ihnen die Wachen durch die Menge bahnten. Immer wieder schlugen Hände auf Starbucks Rücken.

  »Gut«, sagte Sheba zu Apollo, »ich würde nicht so weit gehen und sagen, dass du unglaublich warst, aber ich versichere dir, dass du gut genug warst, um von mir zu einem Drink eingeladen zu werden.«

  »Großzügig, äußerst großzügig«, sagte Apollo. »Einverstanden. Ich erwarte dich im Offiziersclub auf der Galactica.«

  Sheba drehte sich um und zwängte sich durch die Menge, während Apollo sich Boomer zuwandte, der immer noch ein bisschen verwirrt war, weil Starbuck ihn als Trittleiter missbraucht hatte.

  »Ein gutes Spiel, Boomer«, sagte Apollo.

  »Ja, sicher«, murmelte Boomer verdrossen. »Ich möchte euch beide einmal schlagen. Nur einmal.«

  »Mach dir keine Gedanken, Boomer. Ich bin sicher, dass es etwas gibt, das du wirklich gut kannst.« Apollo grinste.

  »Dafür gibst du mir einen aus«, antwortete Boomer lachend.

  »Du klingst zu sehr nach Starbuck für meinen Geschmack.«

  Während sich die Wachen immer noch bemühten, die Menge unter Kontrolle zu halten, schob sich Tigh durch die Menschen. »Ich fürchte, hier gibt niemanden einen aus«, sagte er ernst. »Einsatzbesprechung im Kriegsraum.«

  »He, Tigh«, widersprach Apollo, »wir sind nicht einmal in Bereitschaft.«

  »Ja, haben Sie ein Herz, Colonel«, fügte Boomer hinzu, »wir haben uns bei der Triade völlig verausgabt. Ich brauche einen Drink.«

  »Sie werden noch viel dringender einen brauchen, wenn Sie erfahren, was passiert ist«, sagte Tigh.

 

  Sie zogen sich so schnell wie möglich um und setzten sich sofort in die Fähre, die sie an Bord der Galactica bringen würde. Sobald sie eingestiegen waren, ließen sie sich von Tigh erklären, was vorgefallen war. Was sie zu hören bekamen, gefiel ihnen ganz und gar nicht.

  Die Stimmung im Kriegsraum an Bord der Galactica war gedrückt. Adama, Tigh, Starbuck, Apollo, Sheba und Boomer  standen vor der Sternenkarte.

  »Hier sind sie verschwunden«, erklärte Adama und zeigte auf die Karte. »In diesem Sektor.«

  »Überhaupt keine Signale?«, fragte Apollo.

  Tigh und Adama tauschten einen Blick aus.

  »Wir haben ein automatisches Notsignal aufgefangen«, sagte Tigh.

  »Und dann... nichts mehr«, sagte Adama. »Vier Vipers sind einfach verschwunden.«

  Apollo leckte sich nervös die Lippen und trat näher an die Karte heran.

  »Was ist damit? Was für eine Landmasse ist das hier?«

  Adama ging zum Scanner, überprüfte einige Computerausdrucke und spielte ein Informationsband ab.

  »Das wissen wir nicht«, antwortete er dann. »Aber die Seismographen zeigen an, dass dort etwas vorgefallen ist, und zwar innerhalb des Zeitraumes, in dem unsere Schiffe verschwunden sind. Ich weiß, dass ich euch eure Freizeit raube, aber...«

  »Sie brauchen das nicht zu betonen, Commander«, unterbrach ihn Sheba. »Bojay ist wie ein Bruder für mich. Er ist der einzige, der...«

  Ihre Stimme versagte. Sie musste den Satz auch nicht zu Ende sprechen. Alle wussten, wovon sie sprach, was ihr durch den Kopf gehen musste. Bojay war der einzige Mensch an Bord der Galactica, der mit Sheba auf der Pegasus gedient hatte, dem kampferprobten Kampfstern, der von ihrem Vater Cain kommandiert wurde. Niemand wusste, ob Cain noch lebte oder ob er bereits tot war. Bojay war das einzige Verbindungsglied zu Shebas Vergangenheit. Beide waren im gleichen Geschwader geflogen. Das Silver-Spar-Geschwader diente jetzt auf der Galactica, aber die ursprüngliche Mannschaft gab es nicht mehr.

  »Ich hole meine Ausrüstung«, sagte Sheba.

  Apollo sah ihr nach, als sie mit entschlossener Miene den Kriegsraum verließ.

  »Vielleicht ist es ein Fehler, sie loszuschicken«, sagte er leise. »Es gibt keine Spur von ihrem Vater oder der Pegasus, seitdem sie verschwunden sind. Und wenn sie jetzt auch Bojay noch verliert...«

  Starbuck schüttelte den Kopf. »Ich glaube nicht, dass Emotionen uns bei der Suche nach den vier Piloten behindern«, sagte er. »Wir sind alle betroffen und gleichzeitig motiviert. Jolly ist für mich wie ein Bruder.«

  Apollo blickte seinen Vater an. »Ich glaube, wir haben das richtige Team«, sagte er.

  »Apollo«, sagte Adama. »Geh' kein Risiko ein. Wenn sie sich nicht auf dem Planeten befinden...«

  Apollo nickte grimmig. »Ich weiß. Wenn sie ununterbrochen seit ihrem Start geflogen sind, haben sie längst keinen Treibstoff mehr. Sollten wir sie nicht finden, kommen wir sofort zurück.«

  Beide drehten sich auf den Absätzen um und verließen den Raum.

  Adama sah ihnen nach und dachte darüber nach,

Impressum

Verlag: BookRix GmbH & Co. KG

Texte: Glen A. Larson/Nicholas Yermakov/Apex-Verlag. Published by arrangement with Alchemy Literary Agency/NBC Universal, New York 10112, USA.
Bildmaterialien: Christian Dörge/Apex-Graphixx.
Cover: Christian Dörge/Apex-Graphixx.
Lektorat/Korrektorat: Zasu Menil.
Übersetzung: Übersetzung: Christian Dörge (OT: Battlestar Galactica 7: War Of The Gods / adapted from the episodes WAR OF THE GODS, PARTS 1 & 2.)
Satz: Apex-Verlag.
Tag der Veröffentlichung: 25.01.2018
ISBN: 978-3-7438-5236-5

Alle Rechte vorbehalten

Nächste Seite
Seite 1 /