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1.

Mit einem unsanft lauten Piepen riss der Wecker Phillip aus dem Schlaf. Mit einer Hand tastete er nach dem schrillenden Ding, das sich in unmittelbarer Nähe auf dem Nachttisch befand. Jedoch erreichte Phillip damit nur, dass er mit den Fingern dagegen stieß und der Wecker mit einem lauten Knall zu Boden flog. Phillip hätte es nichts ausgemacht, wenn die Elektronik darin kaputt gegangen wäre, doch natürlich piepste das verfluchte Teil unbeschadet weiter und wurde immer lauter.

 

"Verdammt!" Fluchend stand Phillip auf, nahm den, noch immer klingelnden, Wecker hoch und schaltete das nervtötende Gepiepe aus. Auf der Bettkante blieb er zunächst sitzen, fuhr sich mit einer Hand durch das hellbraun, verstrubbelte Haar, das ihm meist ins Gesicht fiel. Punkt 7:30 Uhr verließ Phillip schlürfend das Schlafzimmer, ging ins Bad, das sich nur eine Tür weiter befand und stellte sich unter Dusche. Mit zusammengekniffenen Lidern drehte er das warme Wasser auf, wohl wissend, dass es zu Beginn kalt sein würde. Phillips morgendliches Ritual. Nur so gelang es ihm, den Tag zu starten, ohne dass er zu spät zur Arbeit kam. Sonst wäre er einfach kein Mensch.

 

Genauso ohne seinen Cappuccino, den er jeden Morgen trank. Heute aber etwas später, da er für diesen Tag extra freigenommen hatte. Endlich wurde Phillips neue Couch geliefert, die er sich vor sechs Wochen bestellt hatte. Und da die Lieferzeit von 8 bis 16 Uhr betrug, hatte sein Chef ihm frei gegeben. Aus dem Schrank suchte er sich eine gemütliche Stoffhose heraus, zog sich noch einen Sweater drüber und fertig war sein Schlabberlook.

 

Er konnte es nicht mehr erwarten. In seinem Übereifer war bereits die alte Couch entsorgt worden, weil Phillip das antike Ding – das er von seiner Großmutter geerbt hatte - einfach nicht mehr sehen konnte. So lebte er seit nun fast über einer Woche ohne Couch. Abends war ein Kissen seine Sitzmöglichkeit und lehnte mit dem Rücken an der kalten Wand, der flache Couchtisch stand neben ihm. Phillip hatte den heutigen Tag sehr herbeigesehnt, freute sich schon unendlich darauf, wieder ein vernünftiges Polster unter seinem Hintern zu haben, wenn er sich einen Film anschauen wollte.

 

Punkt acht Uhr war Phillip voller Euphorie, konnte gar nicht mehr erwarten, dass es endlich an der Tür schellte. Natürlich ging er nicht davon aus, dass er gleich als erstes beliefert werden würde, doch er hoffte es. Um sich abzulenken, ließ Phillip Wasser in der Spüle, spülte das Geschirr, welches noch vom Vortag stehengeblieben war und trocknete es anschließend ab. Schnell war auch der Rest der Küche aufgeräumt, ebenso der Boden gewischt. Seine Wohnung bestand nur aus zwei Räumen, Küche und Bad. Im Schlafzimmer legte er die Decke ordentlich zusammen, räumte die beschmutzte Wäsche weg - die sich manchmal auf dem Computerstuhl häufte - und warf sie in den Wäschekorb, der im Badezimmer stand. Spätestens als auch hier alles glänzte, war Phillips Laune gleich null. Es war mittlerweile früher Nachmittag und noch immer keine Couch in Sicht. 'Haben die mich vielleicht vergessen?' , stellte er sich die Frage und überlegte, ob er vielleicht in dem Möbelhaus anrufen sollte. Phillip verwarf den Gedanken, noch waren es zwei Stunden.

 

Mit schlechter Laune saß er nun erneut in der Küche, trank wieder einen Cappuccino. Den Kopf in der Hand stützend betrachtete er die Uhr an der Wand. Genau 14:52 ertönte endlich die Türglocke. Phillips Euphorie war zurückgekehrt und mit einem Strahlen in den graugrünen Augen - die von geschwungenen Wimpern umrahmt waren - eilte er zur Tür, nahm den Hörer für die Gegensprechanlage ab und grüßte mit einem überschwänglichen 'Hallo?'

 

"Hallo. Hier ist der Paketservice. Könnten Sie vielleicht ein Päckchen für Naseband in der Ersten annehmen?" Phillips Grinsen erstarb, wie auch seine Freude. Ohne eine Antwort zu geben, knallte er den Hörer wieder auf die Anlage und ging angesäuert zurück in die Küche. 'Unter Garantie haben die mich vergessen!', dachte er verbittert. Da hätte er wirklich auch arbeiten gehen können. Der Frühdienst im Blumenladen wäre gegen zwei Uhr vorbei gewesen. Seufzend stellte er erneut die Tasse unter den Kaffeeautomaten, betätigte den Knopf und wie durch Magie ging zur selben Zeit wieder die Türklingel.

 

Dieses Mal rechnete Phillip gar nicht erst mit der Couch und so ging er langsam zur Tür.

 

"Ja?", sprach er teilnahmslos in den Hörer.

 

"Hallo. Wir haben hier eine Couch für Sie!" Augenblicklich war die Freude wieder da, die sich über Phillips ganzes Gesicht legte. Vor Aufregung gab er keine Antwort, drückte nur den Summer und im gleichen Moment hörte er das dumpfe Geräusch, wie sich im Treppenhaus eine Tür öffnete. Auch seine öffnete er und ungeduldig biss Phillip sich in die Unterlippe, während er erwartungsfroh die Stufen hinabsah.

 

Das Ächzen zweier Männer drang durch den Hausflur, die die Couch in die zweite Etage hochwuchteten. Phillip trat in eine Ecke, um den Männern den Weg freizumachen.

 

"Wohin?", wurde er atemlos von einem großen und kräftigen Möbelpacker gefragt. Phillip blickte in rehbraune Augen. Plötzlich schien er völlig gefangen zu sein. Er schluckte. Die Frage war wieder vergessen. Phillips Herz schlug ungewohnt schnell. Ein übermächtiges Gefühl flutete seinen ganzen Körper. Er spürte sogar, wie das Blut in seinen Venen begann zu kochen.

 

"Die Couch Herr Tulpenfang ... WOHIN!" Der Mann mit den dunklen Augen verlor die Geduld. Phillip fing an, zu blinzeln. Die Realität schien ihn langsam wieder zurückzuholen.

 

"Ich glaub, du hast soeben einen neuen Verehrer dazu bekommen!", amüsierte sich der andere Möbelpacker über seinen Kollegen. Dieser fuhr sich genervt durch das schwarze Haar und schüttelte den Kopf.

 

"Herr Tulpenfang!", mahnte er ein weiteres Mal seinen Kunden an. Phillip räusperte sich. Er war zurückgekehrt von Wolke Sieben, auf der er ganz alleine mit Mister Möbelpacker gewesen war.

 

"Ehm ... Im ... Im Flur nach rechts und gleich die zweite Tür!", wies Phillip die Beiden, den Blick abwendend, an. Ihm war es einfach nur peinlich. Sein Gesicht glich reifen Kirschen.

 

Die Männer folgten der Anweisung. Phillip blieb zunächst im Hausflur stehen, kam nicht drumrum, als sich die Kehrseite seines begehrten Lieferanten zu betrachten. Seine Augen wurden wie durch Magie dorthin gezogen. Wieder schluckte Phillip. Das war mal ein ansehnlich knackiger Hintern, der in einem engen Blaumann steckte. Erst nachdem er das Pochen in den Lenden spürte, sah er schnell weg und auf die Couch, die gerade durch die Tür getragen wurde. Sie war ganz in Weiß gehalten und sah genauso

Impressum

Verlag: BookRix GmbH & Co. KG

Texte: Text: L.C. Coulori
Bildmaterialien: Bildquelle: Fotolia / Bearbeitet: L.C. Coulori
Tag der Veröffentlichung: 06.01.2015
ISBN: 978-3-7368-7744-3

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