Cover

Die Professorin

Sie war für ihre Gründlichkeit bei den Nachbarn und ehemaligen Kollegen
geachtet und bekannt.
Bei ihr musste alles immer wie am Schnürchen ablaufen.
Seit Karl, ihr langjähriger Lebensgefährte nicht mehr an ihrer Seite war,
blieb alles an ihr hängen.
Vom Fenster hatte sie einen guten Blick auf ihre Lieblinge.
Sie war stolz darauf. Alle machten einen gesunden Eindruck.
Oft dachte die emeritierte Professorin, das ist ja eine ganze Seminargruppe.
Ließ mal einer ihrer “Studenten“ früh den Kopf hängen, war sie mit ihrer ganzen Erfahrung gefragt. Ein liebes Wort und ein Schluck Wasser und schon machten ihr die Tagetes wieder Freude.


Hibiskusrote Lippen wollen küssen

Der Morgen hatte Leichtigkeit
die Glieder dennoch Schwere.
Sie fühlte nahe Ewigkeit
und innerliche Leere.


Sie kämmte sich die Müdigkeit aus ihrem blonden Haar
und dachte an die Fröhlichkeit beim Tanzen in der Bar.
Schnell zog sie Bett und Laken glatt und stieß dabei aufs Handy
Ihr Kissen war recht fleckenhaft und roch auch noch nach Brandy.

Plötzlich ward es still in ihrem Leben
Man hörte fast die Spinnen weben.
Der Teufel schob sich an ihr Ohr
Die Haut die gänste und sie fror.
Dann schlug er zu.

Hibiskusrote Lippen wollen küssen
Das nicht mehr Küssen wird sie sehr vermissen.


Ich möchte erneut andere Autoren anregen,
sich am Verfassen von Drabbles zu versuchen.
Es macht nahezu süchtig und sehr viel Spaß.

Impressum

Tag der Veröffentlichung: 02.08.2009

Alle Rechte vorbehalten

Widmung:
Allen Drabblern gewidmet,die sich wieder und wieder an dieser besonderen literarischen Form versuchen.

Nächste Seite
Seite 1 /