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Vorwort

Die Bibel, das Buch der Bücher, wer kennt es nicht? Aber für wen ist es geschrieben?

Für Menschen, die vor tausenden von Jahren lebten. Sie sollten mit dem Wissen von damals die Wunder Gottes nahe gebracht bekommen. Heute braucht man viel Wissen über geschichtliche Zusammenhänge, wie die Menschen damals lebten und was ihr Erfahrungshorizont war, um die Geschichten in der Bibel deuten zu können. Andernfalls erscheinen sie einem an vielen Stellen widersprüchlich und grausam.

Für viele Geschichten braucht man also entweder kompetente Begleitung, wie sie heute in den meisten Fällen schon im Konfirmandenunterricht geboten wird oder Sekundärliteratur.

Dennoch fehlt leider oft besonders den begabten und interessierten Jugendlichen der Zugang zur Religion. So äußert sich Lisa Bacherle in der Zeitschrift Chrismon 07/2011 folgendermaßen: "Ich bin nicht christlich, aber ich respektiere alle, die das sind, ich habe nur so viele Wissenschaftsbücher gelesen, dass ich die Existenz von Gott für sehr unwahrscheinlich halte.“

Die Kirchen verbieten es jungen Leuten zum Glück nicht mehr, auch kritische Fragen zu stellen und Zweifel zu äußern. Niemand muss die Worte der Bibel mehr wörtlich nehmen, auch wenn er das tun darf. Die Balance zwischen den eindrücklichen alten Worten und der modernen naturwissenschaftlichen Erkenntnis zu finden ist nicht immer einfach. Das kostet oft mehr Zeit, als die meisten für das Studium der Bibel aufzubringen bereit sind.

Immer wieder tauchen auf dem Markt Bücher auf, in denen versucht wird, die Bibel in eine heute verständliche Sprache zu übersetzen. Aber den Inhalt in einen heute verständlichen Zusammenhang zu stellen, wagt keiner. Dabei ist die Bibel das zweitbeliebteste Buch der Deutschen, wenn man der Umfrage: "das große Lesen..." [1] aus dem Jahr 2004 glauben darf.

Martin Luther hat gesagt: „jeder Christ soll im Stande sein, selber in der Bibel Trost und Weisung für sein Leben finden zu können“

Deshalb hat er die Bibel ins Deutsche übersetzt. Das reicht heute aber nicht mehr. Die Menschen müssen unglaublich viel lernen, um gebildet zu sein. Sie haben keine Zeit mehr, die Geschichte zu den Geschichten in der Bibel zu studieren, um sie zu verstehen. Und ohne ein solches Studium sind die Geschichten oft einfach nicht mehr mit dem Erfahrungshorizont eines gebildeten Mitteleuropäers zu vereinbaren. Manche Gläubige schalten, wenn es um die Bibel geht, einfach alles Gelernte aus und leben religiös in einer ganz anderen Welt, aber das möchte nicht jeder tun.

Deshalb habe ich versucht, den Schöpfungsbericht für die heutigen Menschen und ihre Zeit umzuschreiben, ohne den Sinn zu verändern. Es ist ein Experiment und ich bitte alle Theologen, denen dieses Buch in die Hand fällt, Geduld mit mir zu haben. Ich bin meiner Ausbildung nach Naturwissenschaftlerin. Ich weiß, dass die Naturwissenschaften viele Phänomene, die den Menschen vor einigen tausend Jahren noch als Wunder erschienen, heute erklären können.

Manche werden vielleicht sagen, man darf die spärliche Beschreibung nicht ändern, weil man dadurch das Wunder der Schöpfung in Abrede stelle, aber ich glaube, dass an der Schöpfung so viel Wunderbares ist, dass man vieles davon erst recht mit Staunen sieht, wenn man seine Entwicklung versteht. Selbst dann birgt der alte Text noch genug Platz für das Wunder der Religion, das meines Erachtens den wirklichen Unterschied zwischen Menschen und Tieren ausmacht. Ansonsten bleibt nicht sehr viel, was uns vom Tier abhebt. Menschenaffen haben ein Ich - Bewusstsein, Vögel können zählen. Immer mehr Forschungsergebnisse aus der Verhaltensforschung verwischen die ursprünglich als so prägnant erlebte Grenze zwischen Mensch und Tier.

Ich wäre froh für jede Hilfe, die dieses Buch besser machen könnte. Weil ich um die Unzulänglichkeit meiner theologischen Kenntnisse weiß, soll dieses Buch auch nicht Bibel heißen, sondern "Genesis 2.0".

Ich habe schon oft von Menschen gehört, die sich die eine oder andere Geschichte aus der Bibel gerne neu erzählen lassen würden, jedoch nicht auf dem Niveau einer Kinderbibel, sondern vielleicht als Roman, als neues Geschichtenbuch oder in einer ganz anderen Form. Der Christ ohne theologische Vorbildung hat genau so ein Recht auf die Botschaft Gottes, wie der Theologe. Deshalb dieser Versuch.

Natürlich ist die Wissenschaft auch heute, wie zur Entstehungszeit der Bibel, im Fluss. Es gibt Meinungen und Gegenmeinungen und eine Theorie ist nur dazu da, dass man versucht, sie zu widerlegen. Vielleicht ist der vorliegende Text in 10 Jahren schon überholt, aber das ist kein Grund, das Denken einzustellen und sich mit Vorhandenem zufrieden zu geben.

Weingarten 2013, Jacqueline Henning

Der erste Tag "Es werde Licht"

Nichts

Am Anfang war das Nichts. Wie Nichts sein kann, bleibt für die meisten Menschen allerdings verborgen.

Selbst jemand, der Nichts hat, hat immer noch sich und sein Leben. Selbst wenn wir ein Gefäß mit einer idealen Vakuumpumpe so leer pumpen, dass sich kein Luftmolekül mehr darin befindet, ist der Raum immer noch da und Milliarden von Neutrinos durchqueren ihn in jeder Sekunde.

Wie sollen wir das Nichts am Anfang des Universums verstehen, wo wir doch ständig von etwas umgeben sind und sich unsere Gedankenwelt eben in dieser Umwelt entwickelt hat und deshalb von ihr bestimmt wird. Deshalb suchen wir zur Beschreibung von Unfassbarem nach Bildern zum Vergleich.

So ist für uns ein dreidimensionaler Raum vorstellbar, weil wir ihn wahrnehmen können. Höhe, Breite Tiefe sind erfahrbar.

Wir sind in der Lage sie zu messen und dank unseres dreidimensionalen Wahrnehmungsvermögens auch direkt zu begreifen. Aber die Tatsache, dass der Raum, in dem wir leben mehrdimensional ist, kann zwar berechnet werden, aber vorstellen können wir uns das nicht. Wir wissen es auch nur, weil physikalische Theorien wie die Relativitätstheorie einen solchen mehrdimensionalen Raum postulieren und damit zu vernünftigen, experimentell nachvollziehbaren Ergebnissen kommen.

Außerdem ist die Umwelt in der wir leben durchaus greifbar und mit Gegenständen, Gasen und Lebewesen gefüllt. Dass es einmal einen Zustand gab, in dem dies nicht der Fall war, ja es nicht einmal einen Raum und Zeit gegeben hat, ist jenseits dieser Begreifbarkeit.

Um solche Zusammenhänge, die sich der direkten Beobachtung und damit dem Zugriff durch unseren Geist entziehen, zu berechnen, haben Wissenschaftler die Mathematik entwickelt. Damit können sie Dinge, die wir uns nicht vorstellen können, zumindest einer Handhabung zuführen. Sie hilft ihnen, auch nicht direkt messbare Dinge theoretisch zu fassen und zu verstehen.

Die Mathematik als Hilfswissenschaft wird von allen Naturwissenschaftlern genutzt. Durch sie werden Phänomene, die zwar beobachtet werden können, aber sich einer direkten Erklärung aus dem Erfahrungszusammenhang entziehen, beschrieben und zugänglich gemacht.

So sind viele Eigenschaften von Gegenständen oder Gasen nur zu erklären, wenn man ihre Struktur jenseits der Sichtbarkeit untersucht. Dies tun Physiker und Chemiker, unter Umständen, wenn selbst Mikroskope an ihre Grenzen stoßen, mit Hilfe der Mathematik. Wenn es um das Nichts am Anfang der Welt geht, dann liefern Quantenphysiker heute die beste Erklärung. Sie sprechen von einem Quantenvakuum mit perfekter Symmetrie [2].

Die Quantenphysik ist der Teilbereich der Physik, der sich mit dem Verhalten der kleinsten Teilchen unserer Welt beschäftigt. Dieser Wissenschaftszweig ist für Laien sehr schwer verständlich, aber vielleicht kann ein Beispiel helfen, zu erfassen, was ihn so nützlich macht.

Unter Physikern war es jahrhundertelang umstritten, ob Licht aus Teilchen besteht oder eine Welle ist. Es gab Experimente, die die eine Theorie unterstützten und solche, die das andere glauben ließen. Erst die Quantenphysik konnte die Frage, ob Licht denn nun Teilchen oder Welle war, endgültig klären: Licht ist weder das Eine noch das Andere!

Licht besteht demnach aus Photonen, die aber Quantenobjekte sind, das heißt, dass man über ihren Aufenthaltsort nur Wahrscheinlichkeitsaussagen machen kann. Ihre Beschreibung als Teilchen oder Welle sind nur Hilfskonstruktionen, die sie unserem Geist vorstellbar machen.

Aber warum ist das wichtig?

Diese Erklärung läuft unserem Verstand, der alles benennen und messen will, ja immer noch ziemlich zuwider.

Ohne die Erklärungen der Quantenmechanik wären viele technische Errungenschaften des modernen Lebens nicht möglich. Das Rastertunnelmikroskop, den Laser im DVD - Player und die Miniaturisierung von Transistoren in Computern gäbe es ohne die Quantenmechanik und ihre Erklärungen nicht. Aber das ist eine andere Geschichte.

Was also ist ein Quantenvakuum

Im Quantenvakuum gilt die klassische Physik, wie wir sie im Physikunterricht lernen, nicht. Es ist kein Raum, sondern ein Zustand niedrigster Energie. Aber dennoch ist es nicht wirklich leer. Wenn sich mit der klassischen Physik betrachtet in diesem Vakuum auch nichts befindet, ist es immer in Bewegung. Es enthält Fluktuationen, also Schwankungen der Dichte. Aus der von Heisenberg beschriebenen Energie-Zeit-Unschärfe ergibt sich, dass in einem solchen Vakuum virtuelle Teilchen spontan real werden können. Sie zerfallen aber genauso schnell wieder, wie sie entstanden sind, wobei schnell es nicht trifft, weil es im Quantenvakuum auch keine Zeit gibt.

Spontan heißt dabei, dass die Entstehung nicht vorhersagbar ist [2]. Der hochdimensionale, also nicht auf drei Dimensionen beschränkte, ja nicht einmal mit unseren räumlichen Vorstellungen irgendwie beschreibbare, Quantenraum des Nichts war also ein idealer Informationsspeicher, aus dem heraus Alles entstehen konnte.

Deshalb steht in der Bibel: "... und es war finster aus der Tiefe und der Geist Gottes schwebte über den Wassern." (Gen 1,2). Das hebräische Wort, das im Urtext hier steht, kann aber neben Geist auch so viel wie Hauch oder Wind bedeuten. Es soll wohl ausgedrückt werden, dass nicht einmal das Nichts ohne Gottes Gegenwart war.

 

Etwas

Und Gott sprach: "Es werde Licht!" (Gen 1,3)

Diese Worte, die im Johannesevangelium so beschrieben werden: "Am Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort," (Joh. 1,1) waren Information. Und Information ist Energie.

Diese Energie verursachte im Quantenvakuum eine Symmetriebrechung, also die Aufhebung der perfekten Symmetrie.

Dadurch explodierte das Nichts in einem gigantischen Ausbruch aller möglichen Elementarteilchen und es entstand Etwas. Es erscheint vielleicht verwunderlich, dass Gott ausgerechnet Licht erschaffen sollte, lange bevor es Sterne gab. Aber Licht ist in diesem Fall ein Symbol, mit dem der Erzähler einen Zustand beschreibt, in den er eine Zeiteinteilung einbringen kann.

Das ist insofern interessant, als dass als erstes, zusammen mit diesen Elementarteilchen, Zeit entstand. Denn auch diese hatte es vorher nicht gegeben. Und Zeit bedeutet die Möglichkeit von Bewegung. Allerdings waren Raum und Zeit aufgrund von Quanteneffekten unscharf, also noch nicht voneinander abgrenzbar.

In diesem in sich verkrümmten Raum-Zeit-Gemisch befand sich ein heißer, noch undurchsichtiger Brei aus Milliarden Galaxienmassen von der Größe eines Golfballs, so unvorstellbar heiß, dass selbst im Zentrum der Sterne, die heute am Himmel stehen nicht einmal annähernd eine so große Hitze herrscht [3].

Die Temperaturen überstiegen vielmehr das Milliardenfache der Kerntemperatur unserer Sonne. Diese ist mit etwa 1 Mio °C für uns schon unvorstellbar heiß. Kein Materie- oder Antimatieriebaustein konnte in dieser großen Hitze bestehen. Sie zerfielen so schnell, wie sie entstanden.

Aber schon einen winzigen Bruchteil einer Sekunde später, dehnte sich das entstandene Universum blitzartig auf ein mehrere Billionenfaches seiner ursprünglichen Größe aus, mit einer Geschwindigkeit, die viel höher war als die des Lichts.

Das dies möglich war lag daran, dass sich der Raum selbst vergrößerte und dabei keine Information transportiert wurde, was nur mit maximal Lichtgeschwindigkeit möglich ist.

Die Ursache dieser Expansion war ein spezieller, nur mathematisch berechenbarer, aber nicht wirklich vorstellbarer Vorgang, bei dem die Gravitation kurzzeitig zu einer abstoßenden Kraft wurde [4]. Manche Theoretiker sprechen auch von einem Inflationsfeld, was immer das auch sein mag, beobachtet werden kann so etwas in unserem Universum heute nicht.

Durch dieses Wunder entstand ein Universum, in dem Gott genug Platz geschaffen hatte, dass in ihm Galaxien möglich waren. Mit dieser unglaublich schnellen Vergrößerung wurden nämlich auch die winzigen Quantenfluktuationen, die sich beim Urknall gebildet hatten, aufgeblasen und vergrößert. Diese winzigen Inhomogenitäten sind im Laufe der Zeit durch die Gravitation größer und größer geworden und heute sehen wir sie als Galaxien am Himmel.

Aber bis es so weit war, sollte noch viel Zeit vergehen. Zunächst einmal erreichte das Universum den Zustand in dem Elementarteilchen entstehen konnten.

Das waren erst subatomare Quarks, die kleinsten uns bekannten Bestandteile der Materie, die allerdings heute in unserem Universum nie frei auftreten. Sie werden durch starke Kräfte untereinander immer in Kombinationen von drei Quarks zusammengeklebt. Diese untrennbaren Verbindungen nennt man Protonen und Neutronen.

Ein Proton besteht, wie in der Abbildung, aus einem down Quark (d) mit einer elektrischen Ladung von -1/3 und zwei up Quarks (u) mit je einer Ladung von +2/3, das Neutron aus einem up  (u) und zwei down Quarks.

Die Ladung des Protons und Neutrons ergibt sich aus der Summe der Ladungen ihrer Quarks.

Die oft beschriebene Elementarladung, also die kleinste frei vorkommende elektrische Ladung ist demnach zumindest im Proton die Summe mehrerer Partialladungen. Warum sich diese für up- und down-Quarks unterscheiden, kann die Physik heute auch noch nicht erklären. Im Elektron scheint die Ladung wirklich -1 zu betragen und sich nicht aus Teilladungen zusammenzusetzen.

Was für ein Wunder, dass sich aus mehreren Partialladungen genau die Ladung ergibt, die der des Elektrons entgegenwirkt.

Man kann Quarks und ihre Ladung nur indirekt anhand bestimmter Umwandlungen nachweisen. Versucht man sie auseinanderzureißen, braucht man dafür so viel Energie, dass einfach neue Quarks und damit neue Teilchen entstehen.

Die Quarks bildeten, ähnlich, wie bei der Entstehung von Wasser aus sich abkühlendem Wasserdampf, die Kernbau­steine. Allerdings fanden die meisten Quarks wieder einen Antimateriepartner und vernichteten sich in Strahlung.

Aber nicht alle!

Gott sorgte dafür, dass eines von einer Milliarde Quarks ohne Partner blieb und diese bildeten die ersten Protonen und Neutronen als Kernbausteine der Atome.

Das Gleiche wie mit den Quarks geschah in den folgenden Minuten mit den Elektronen. Die meisten trafen auf Antiteilchen und verschwanden. Aber am Ende dieser Phase gab es genauso viele Protonen wie Elektronen, so dass die Gesamtladung des Universums ausgeglichen war.

Warum es zur Bildung von Protonen und Elektronen in einem ausgewogenen Verhältnis kam, weiß nur Gott.

Schon etwa 30 Minuten nach dem großen Knall hatten sich die entstandenen Protonen und Neutronen zu den Kernen der leichten Elemente Wasserstoff, Helium und in Spuren auch Lithium zusammengeschlossen. Es sollte aber noch 300000 Jahre dauern, bis die Temperatur so weit gesunken war, dass die Atomkerne Elektronen einfangen konnten. Dann erst waren die ersten Atome entstanden.

Mit der Bildung von Atomen wurde das Universum durchsichtig, so, wie wir es heute kennen.

Obwohl Gott gesagt hatte: "Es werde Licht!", war es nach diesen Ereignissen im All immer noch finster. Diese dunkle Periode des Universums dauerte noch etwa 400000 Jahre, nachdem die ersten Atome entstanden und das Universum durchsichtig geworden war.

Dass es nicht dunkel blieb, verdanken wir einem weiteren Wunder der Schöpfung.

Durch die oben erwähnten, bei der Ausdehnung des Universums entstandenen, Quantenfluktuationen verteilten sich die übrig gebliebenen Atome nicht gleichmäßig im zur Verfügung stehenden Raum, der sich während der Abkühlung ständig vergrößerte. Es bildeten sich vielmehr Verdichtungen und Verdünnungen.

Riesige Wasserstoffwolken durchzogen den Raum wie dünne Nebelschwaden.

 

Sterne

Etwa 700000 Jahre nach "es werde Licht!" war das Universum endlich kalt genug, dass die Gravitationsenergie der Masse, die sich in den Nebelfeldern gesammelt hatte, die thermische Energie, die sie auseinander trieb überwiegen konnte. In heißen Gasen bewegen sich die Teilchen nämlich schneller als in kalten, deshalb dehnen sich heiße Gase aus.

Die Gravitation ist die Kraft, die Massen aufeinander ausüben. Sie sorgt dafür, dass sich Massen gegenseitig anziehen. So sorgt die große Erde dafür, dass wir mit den Füßen auf ihr stehen bleiben, anstatt ins Weltall davon zu schweben. Auch wir üben eine Anziehungskraft auf die Erde aus, aber diese ist im Vergleich zur Gravitation eines Planeten natürlich ver­schwindend gering.

Die bislang beste Erklärung der Gravitation liefert die Allgemeine Relativitätstheorie von Albert Einstein [5]. Danach ist die Gravitation mit der Krümmung des Raumes und der Zeit verbunden und ist somit ein grundlegendes Phänomen, das alle physikalischen Vorgänge beeinflusst.

Für uns verständlich gemacht wird sie oft so: Man stellt sich den Raum als Gummimatte vor, auf der die Massen von Sonnen und Planeten als schwere Metallkugeln liegen. Sie bilden Dellen (also Raumkrümmungen), die dafür sorgen, dass Massen die nahe beieinander liegen zusammenrollen oder solche, die sich schnell auf der Matte bewegen, durch die Dellen von ihrer Bahn abgelenkt werden. Planeten die sich im Raum ja auch schnell bewegen (die Erde rast mit etwa 30 km/s in einem Jahr einmal um die Sonne), werden auf Kreisbahnen um ihre den Raum stark krümmenden Sonnen gezwungen.

Die Gravitationskraft ist proportional zur Masse eines Objektes, aber sehr schwach, so dass sich die Gravitationskraft, die z. B. zwischen zwei Menschen wirkt, nicht messen lässt.

Aber die Gravitation reichte aus, dass aus Klumpen dunkler Materie und Wasserstoffgas sogenannte Protogalaxien entstanden.

Was genau dunkle Materie ist, ist den Physikern auch heute noch vollkommen unklar. Aber die Materie, die wir sehen, die unsere Sterne, Planeten und auch uns selbst bildet, macht im Universum offenbar nur einen Bruchteil der Materie aus.

Dunkle Materie sendet kein Licht aus und absorbiert auch keines. Ihre Anwesentheit macht sich ausschließlich über ihre Schwerkraftwirkung bemerkbar. Erste Hinweise auf so etwas wie Dunkle Materie wurden in den 30ger Jahren des 20ten Jahrhunderts gefunden (Fritz Zwicky, 1933) [6].

Normalerweise würde man nach den kepplerschen Gesetzen erwarten, dass die Arme der Spiralgalaxien bei großen Zentrumsabständen langsamer rotieren, ähnlich wie auch im Sonnensystem die äußeren Planeten langsamer um die Sonne laufen als die inneren.

Das tun sie aber nicht. Das kann aber nur sein, wenn in der Milchstraße viel mehr Masse vorhanden ist, als wir sehen und messen können. Daraus wurde geschlossen, dass am äußeren Rand der Galaxien Masse vorhanden sein muss, die man nicht sehen kann. Und nicht zu wenig. Berechnungen gehen von einem mindestens 5fachen Überschuss an dunkler gegenüber sichtbarer Materie aus.

Die ersten Protogalaxien bildeten sich vor etwa 14 Milliarden Jahren.

Dabei sammelte sich der Großteil des Wasserstoffgases im Inneren der Protogalaxie, die dunkle Materie in ihrer Peripherie. Das kam dadurch, dass das Wasserstoffgas einen Teil seiner Energie durch Wechsel­wirkung mit dem umgebenden Gas abgeben und als Infrarotstrahlung aussenden konnte. Dadurch verlor es Energie und konnte durch die Gravitation enger zusammengezogen werden.

Dunkle Materie hingegen wechselwirkt nicht so, deshalb blieb sie in den Außenbezirken der Galaxien. Aus was genau dunkle Materie besteht ist aber, weil sie nicht so wechselwirkt, dass es messbar ist, nicht geklärt. Sie bildete aber so eine Art Gravitationsfalle, in der sich Sterne und Galaxien überhaupt erst ausbilden konnten.

Im Inneren der Protogalaxie stießen die Wasserstoffgaswolken zusammen. Dadurch verstärkten sich die Verdichtungen in ihnen. An den Stellen des Zusammenstoßes entstanden durch den Kompressionsschock mehr oder weniger abgegrenzte Gaskugeln. Sie werden als Protosterne bezeichnet.

Diese Protosterne hatten noch eine sehr große Ausdehnung, etwa 1000 mal die Entfernung Erde Sonne. Sie waren also eher Wolken als Kugeln.

Aber einmal angestoßen, verdichtete sich das Gas immer weiter. Es kreiselte in das Innere der Wolke. Dabei entstanden Magnetfelder, die die Wolke weiter aufheizten. Nach etwa 100000 Jahren hatten die Protosterne

Impressum

Verlag: BookRix GmbH & Co. KG

Bildmaterialien: Dr. Jacqueline Henning
Tag der Veröffentlichung: 17.04.2013
ISBN: 978-3-7309-2356-6

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