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SINNLICHE HOCHZEIT IN DER KUNSTGALERIE

 

© Norma Banzi

 

Bildquellen:

Depositphotos

 

Gestaltung des Covers:

Norma Banzi

 

Edition Banzini

Kurvenstraße 25

22043 Hamburg

www.banzini.de

 

 

 

Klappentext

 

Ein unwillkommener Überraschungsbesucher bereitet Orlando Kopfzerbrechen und erinnert ihn an seine trostlose Kindheit. Seine Lieben bemühen sich deshalb nach Kräften, die seelischen Auswirkungen abzufangen und zu mildern. Insbesondere Marius muss eine Engelsgeduld für seinen geschockten Lover aufbringen. Um ihn abzulenken, bindet er ihn einfach in die Hochzeitsvorbereitungen für Marios und Kyles Hochzeit ein, die in der Eventvilla stattfinden soll. Als dann auch noch Baulärm vom Nachbargrundstück eine Studioaufnahme der Jamastone ruiniert, stehen die Zeichen auf Sturm.

 

Dieser Roman schließt unmittelbar an das Buch Der Kostja-Clan Teil 2 an und führt den Hauptfokus zurück auf den Haushalt Gable/Stone/Bernard/Ramirez/Fox aus der Popstar-Reihe. Einige Handlungsstränge bleiben offen und werden erst im nächsten Buch aufgegriffen.

 

Die Figuren sind zwar auf der Suche nach Glück, aber wie sie es für sich interpretieren, könnte Romantiker vor den Kopf stoßen. Sie sind sexuell offensiv und greifen sich die erotischen Abenteuer, wenn sich ihnen die Gelegenheit bietet. Bei der Zahl ihrer Partner zur selben Zeit können sie sehr gierig sein.

 

 

Was bisher geschah

 

In Der Kostja-Clan – Teil 2 erledigt Orlando gerade einen Auftrag für den Milliardär Dimitri in Athen, als ein Anruf von Vincent seine Welt ein bisschen aus den Angeln hebt. Die Information, die sein Liebhaber ihm übermittelt, ist so schockierend, dass Orlando überhastet nach Los Angeles zurückfliegt, um die Sache zu klären.

 

Eins

 

Müde stieg Orlando aus dem Bentley. Auf dem Flug von Paris zurück nach Los Angeles hatte er zu viel gegrübelt und deshalb kaum Schlaf gefunden, obwohl der Privatflieger seines Freundes Dimitri wirklich bequeme Ruhemöglichkeiten bot. Er überließ es dem Chauffeur, den Koffer ins Haus zu bringen. In der Vorhalle der Gablestone-Villa erwarteten ihn bereits seine drei Männer Marius, Vincent und Marc. Marius’ Umarmung, sein leidenschaftlicher Kuss hieß ihn willkommen, und er fühlte sich geliebt. Von hinten drückte sich Marc an ihn heran und rieb sexy seinen Unterleib an Orlandos Po. Die Nähe der beiden war reiner Genuss, besänftigte Orlandos Unruhe. Als Vincent sich demonstrativ räusperte, lösten sich die Zwei widerwillig von ihm. Nun erhielt Orlando auch einen Kuss von seinem älteren Liebhaber. Dios, wie er es liebte, sich an dessen breiten, fast bärenhaft anmutenden Körper zu schmiegen. Vince war nicht so muskulös wie Orlando, aber von Natur aus stark gebaut. Er wog ein paar Pfunde zuviel, die ihm ausgezeichnet standen. In seiner Jugend hatte Vincent Football gespielt. Wahrscheinlich hätte er das Zeug zum Profi gehabt, aber er hatte sich für ein Jurastudium entschieden und arbeitete mittlerweile als einer der teuer bezahltesten Staranwälte für Künstler und Hollywoodstars.

Seinen Lover Orlando vertrat er natürlich kostenlos. Orlando seufzte und trat von Vincent zurück, ehe sich Marc wieder an ihn heranpirschen konnte. So gerne Orlando sich auch in die offenen Arme seiner Gefährten hineinfallen lassen und ihre erotischen Zuwendungen genießen wollte, musste er erst etwas anderes erledigen.

„Ich brauche eine Dusche und einen Kaffee, bevor ich mich in die Höhle der Löwin wage.“

Damit meinte Orlando das Gästebüro, in dem seine Erzeugerin und ihr Ehemann warteten, um mit ihm zu sprechen. Sie hatten ihn unbedingt sofort nach seiner Ankunft in Los Angeles sehen wollen und hielten sich schon seit zwei Stunden in diesem Büro auf. Der Frau, die ihm seine Kindheit zur Hölle gemacht hatte, war er nichts schuldig. Ob sie voller Ungeduld auf glühenden Kohlen saß, konnte ihm eigentlich egal sein. Aber er wollte sie so schnell wie möglich aus dem Haus haben. Ihre Anwesenheit verdarb ihm die Stimmung. Außerdem verspürte er einen unbändigen Triumph in sich, dass sie ausgerechnet seine Hilfe benötigte.

Vincent fuhr Orlando besorgt durch die kurzen, schwarzen Haare. „Du siehst schlecht aus. Ich kann die Messinas wegschicken. War eine dumme Idee von mir, sie in der Villa zu empfangen. Ich sage einfach, dein Flug sei wegen der Wetterverhältnisse nach San Francisco umgeleitet worden.“ Forschend blickte Vincent Orlando in die Augen.

Schnell gab Orlando ihm einen beschwichtigenden Kuss auf die Nase. „Deine Entscheidung war richtig, Vince. Ist ja nicht so, als wanderte sie in unseren privaten Räumlichkeiten herum. Das Gästebüro eignet sich hervorragend, um unwillkommene Besucher wegzuparken. Außerdem lässt es sich gut bewachen.“ Orlando warf dem Sicherheitschef Joel einen kurzen Blick zu und nickte knapp in dessen Richtung. Joel erwiderte den Gruß ebenso kurz.

„Nein, ich will das Gespräch hinter mich bringen.“ Orlando atmete einmal tief durch, damit sich die Beklemmung in seiner Brust löste.

„Wie du meinst.“

Orlando ließ sich noch einen zärtlichen Kuss von Marc geben, dann verschwand er mit Marius im Anbau der Villa, ihrem Refugium.

Marius folgte ihm unter die Dusche und seifte ihn mit massierenden Bewegungen ein. Das prasselnde warme Wasser der Regenwalddusche und die kräftigen Hände seines Lovers lösten Orlandos schlimmste Spannungen im Schulter- und Rückenbereich.

„Wie haben wir damals als Soldaten Stress abgebaut? Lass mich raten!“ Marius zwinkerte Orlando zu und beantwortete die Frage selbst, indem er auf die Knie ging und Orlando gekonnt einen Blowjob verpasste, was dessen Kopfschmerzen endlich etwas linderte.

Derweil hatte jemand vom Personal in der Sitzecke des Schlafzimmers schon Milchkaffees und Sandwiches serviert und gleich noch ein Glas Wasser und eine Kopfschmerztablette dazu gelegt. Wahrscheinlich hatte Vincent von Orlandos gequältem Gesichtsausdruck abgelesen, wie es um seinen Kopf stand. Orlando schluckte die Tablette, spülte mit dem Wasser nach und würgte dann eines der Brote herunter. Für die Besprechung brauchte er dringend Energie, auch wenn ihm nicht nach Essen zumute war. Marius nahm sich das für ihn bestimmte zweite Sandwich und Orlando konnte ihm ansehen, dass die Bemühung der Haushälterin Lisette, es schmackhaft zu belegen, bei ihm Früchte trug. Es schmeckte Marius und Orlando witzelte: „Wie schön, dass du über einen so robusten Appetit verfügst.“

Marius grinste flüchtig. Ansonsten verlief ihre kleine Tea Time schweigend und beide hingen ihren Gedanken nach. Schließlich putzte sich Marius die Finger an der Serviette ab, erhob sich und bewegte sich in Richtung des Ankleidezimmers. „Was soll ich dir raussuchen, Lando?“, fragte er.

„Anzug, Hemd, Krawatte, Business-Schuhe“, zählte Orlando mit geschäftsmäßig klingender Stimme auf und rieb sich die Schläfen.

Das war nicht seine übliche Kleidung. So förmlich zog er sich nur selten an. Normalerweise trug er Cargohosen und T-Shirt oder Bundfaltenhosen und Stehkragenhemden. Der Maßanzug diente ihm als Rüstung, wie ein Schutz vor der Gleichgültigkeit einer Mutter, die ihn nie geliebt hatte, ihm nie einen Kuss gegeben oder in die Arme genommen hatte, aber die nun seine Hilfe brauchte.

Marius ging noch einmal zurück und küsste Orlando auf die Wange. „Lass dich von dieser Frau nicht nervös machen.“

Orlando schüchterte so leicht nichts ein. Als ehemaliger SEAL-Scharfschütze war er in Afghanistan durch die Hölle gegangen und hatte überlebt. Der russische Milliardär Dimitri Kostja schätzte seine tödlichen Fähigkeiten als Vollstrecker. Für Vincent hatte er als persönlicher Assistent und Leibwächter gearbeitet, bis sie ihre immer intensiver werdenden Gefühle füreinander nicht mehr ignorieren konnten.

Mittlerweile lebte Orlando gemeinsam mit seiner großen Liebe Marius in einer polyamoren Lebensgemeinschaft aus fünf Personen, zu der neben ihnen Vincent, Marc und Marina gehörten. Zusammen hatten die Männer vier Kinder mit Marina, von denen nur Ramon von Orlando gezeugt worden war. Alle Kinder standen seinem Herzen nahe. Vaterschaft war in ihrer Gruppe keine Frage der Gene.

 

Orlando spürte Marius’ besorgten Blick auf sich. Marius hatte durch eine schwere Kopfverletzung sein Gedächtnis verloren. Daher erinnerte er sich nicht an seine Vergangenheit mit Orlando. Der Anschlag hatte seine Zeit als Navy SEAL aus seinem Gehirn ausgelöscht. Dass sie als Team in Afghanistan gekämpft und eine heimliche, aber leidenschaftliche Beziehung geführt hatten, wusste Marius nur aus Erzählungen. Orlando verschwieg ihm die Details ihrer ersten sexuellen Begegnung beharrlich. Vor seiner Kopfverletzung war Marius Mike gewesen, ein Kriegertyp, gefährlich und mit harten erotischen Wünschen. Jetzt liebte er Kitsch und hatte eine pazifistische Einstellung. Manchmal fürchtete er sich vor seinen eigenen Fähigkeiten, wunderte sich, weshalb er ein so guter Schütze war und wie er es schaffte, sich in extremen Situationen gleich gegen mehrere Angreifer durchzusetzen.

Auch an Orlandos kompliziertes Verhältnis zu seiner Mutter konnte sich Marius nicht erinnern. Orlando war heilfroh, dass Vincent es übernommen hatte, ihn darüber ins Bild zu setzen. Marius ein zweites Mal davon erzählen zu müssen, wäre doppelt schwer gewesen und hätte zu viele Erinnerungen in Orlando aufgewühlt. Die bedrückenden Umstände, in denen er Mike in Afghanistan sein Herz geöffnet hatte, waren in der Versenkung besser aufgehoben. Wer wurde schon gerne daran erinnert, wie ihm in einem Krisengebiet die Kugeln um die Ohren flogen?

Obwohl Orlando seine Zeit normalerweise nicht mit Gedanken an seine Erzeugerin verschwendete, spürte er nach all den Jahren immer noch einen scharfen Stich, wenn er daran dachte, wie herzlos sie ihren damals sechzehnjährigen Sohn ohne ein Wort bei Verwandten zurückgelassen hatte, um in Mexico zu heiraten. Seitdem hatte es keinen Kontakt mehr zwischen ihnen gegeben, bis sich Mrs. Messina vor einigen Tagen an Vincent wandte, um nach Orlando zu suchen. Sie brauchte dessen Hilfe. Nur deshalb war sie bereit, sich mit ihm zu treffen, ja drängte geradezu darauf, ihn zu sehen.

Orlando blickte Marius an. „Vince hat dir alles erzählt?“

„Ja.“ Marius erkannte den Schmerz in den Augen seines Lovers und nahm ihn in die Arme. „Es ist nicht deine Schuld, Lando.“

„Ich weiß, aber ich fühle mich trotzdem schuldig.“

„Ein Kind ist nicht für die Taten seiner Eltern verantwortlich.“

Orlando versteckte sein Gesicht in Marius’ Halsbeuge und seufzte. Dann schob er seinen Lebensgefährten sanft fort.

„Ich bringe dir deine Kleidung“, sagte Marius und verschwand im Ankleidezimmer. Orlando setzte sich auf den Sessel und trank seinen Milchkaffee.

Dios! Selbst wenn er nicht verantwortlich für die Verbrechen seines Vaters war, so verkörperte er doch den lebenden Beweis dafür, dass sein Erzeuger seine Mutter vergewaltigt hatte; ihre Bürde, nicht abgetrieben, weil das ihr katholischer Glauben nicht zuließ. Misshandelt worden war Orlando selten. Er hatte immer genug zu essen gehabt, war zur Schule gegangen und an seiner Kleidung hatte es nie etwas auszusetzen gegeben.

Die vielen einsamen Momente seiner Kindheit nagten an ihm. Isabella hatte ihn oft alleine gelassen, auch, als er noch ganz klein gewesen war, nur eine alte Nachbarin und seine Tante Estelle sahen hin und wieder nach ihm. Am Tag seiner Einschulung war Tante Estelle das letzte Mal zu ihm ins Haus gekommen, um ihm Frühstück zu machen. Seitdem hatte er sich nach der Schule selbst sein Essen gekocht und ging ins Bett, wann es ihm passte, weil seine Mutter regelmäßig Überstunden gemacht oder sich noch mit Kollegen getroffen hatte. Er hatte keine Geschenke zum Geburtstag erhalten. Eine Feier gab es schon gar nicht. Bei den Familienfesten blieb er ein Außenseiter, gemieden von seinen Cousins und Cousinen. Manchmal hatten seine Onkel und Tanten mit seiner Mutter geflüstert, sie solle den Sohn des Dämons doch weggeben, in ein Internat oder zu Pflegeeltern. Als kleiner Junge hatte Orlando nicht richtig verstanden, was sie damit meinten. Er hatte Angst gehabt, von Gott verflucht zu sein und viel gebetet. Bis er in einem Schrank seiner Mutter, im hintersten Winkel in einem Karton Zeitungsartikel über einen Vergewaltigungsprozess gefunden hatte. Darin wurde der Mann, über den berichtet wurde, als Dämon bezeichnet. Nun begriff Orlando, weshalb er in seiner eigentlich kinderlieben Familie so anders als seine Cousins und Cousinen behandelt wurde.

 

Schweigend zog Orlando sich an und sah zu, wie Marius sich ganz ähnlich kleidete. Allerdings band sich Marius keine Krawatte um, er fand sie unbequem. Für Orlando hatte er ein bordeauxrotes Hemd und einen dazu passenden Halsbinder heraus gesucht, er selbst trug dunkelblau, was seine blauen Augen hervorragend zur Geltung brachte. Endlich konnte es losgehen. Orlando erhielt einen letzten, ermutigenden Kuss von Marius. Hand in Hand gingen sie durch den Flur des ersten Stocks in den Privatbereich von Vince, Marc und Marina. Vincent erwartete sie in seinem Büro.

„Bereit?“, fragte er Orlando und musterte ihn mit gerunzelter Stirn, die Orlando als Sorge um ihn interpretierte.

„Ja, ich möchte es hinter mich bringen.“

Vincent rückte seine Krawatte zurecht, knöpfte seine Weste zu und schlüpfte in sein Sakko, was er auf der Couch abgelegt hatte. Als sie über die Haupttreppe nach unten schritten, hörten sie Marc an seinem Flügel. Er spielte einen langsamen, spanischen Song und es schien, als wolle er Orlando damit beruhigen, ihm musikalisch versichern, dass er gedanklich bei ihm weilte.

An der Tür zum Büro nickte Joel ihm zu. „Willkommen zuhause, Boss.“

„Danke, Joel! Es ist schön, wieder hier zu sein.“

„Wie war das Wetter in Athen?“

„Nicht so sonnig, wie ich gehofft hatte. Gab es Schwierigkeiten mit den Besuchern?“

„Nein, Bruno servierte ihnen Getränke und Kekse. Außerdem haben sie mich nach einem Waschraum gefragt. Ich zeigte ihnen den neben dem Büro.“

„In Ordnung!“

Beherzt drückte Orlando die Türklinke herunter und trat in das luxuriöse Gästebüro. Der Raum war in einem extravaganten Art Déco Stil mit schwarzen Lackmöbeln eingerichtet. Das Paar saß auf der weißen Couch, Isabella blätterte in einer Zeitschrift und ihr Mann erhob sich abrupt.

„Mr. und Mrs. Messina, guten Abend! Was verschafft mir die Ehre Ihres Besuchs?“, fragte Orlando sehr förmlich. Isabella schreckte hoch und das Heft fiel auf den Boden. Sie strich sich nervös den Rock glatt. Orlando erkannte sie sofort wieder, obwohl so viele Jahre vergangen waren, seit er sie zuletzt gesehen hatte. Ihr noch immer schönes Gesicht wirkte ungewöhnlich starr, als würde sie es mit dem Botox zu stark übertreiben. Sie war etwas rundlicher als damals. Ein oder zwei Kleidergrößen hatte sie also zugelegt. Es stand ihr, stellte Orlando mit dem nüchternen Blick eines Mannes fest, der sein Gegenüber betrachtete, ohne sich dabei Emotionen zu erlauben. Ihr Gatte mit den grauen Schläfen, dem weißen Schnurrbart, den er mit Wachs in Form brachte, besaß viele Lachfältchen. Wahrscheinlich blitzten seine wachen Augen normalerweise mit Humor, im Augenblick stand Trauer und Besorgnis in ihnen.

„Orlando, das ist mein Mann Alejandro Messina – Alejandro, ich möchte dir meinen … Sohn … Orlando Ramirez vorstellen.“ Beim Wort Sohn zögerte Isabella. Sie hatte es stets vermieden, ihn so zu nennen. Orlando nahm es relativ gelassen zu Kenntnis. Nur das emotionale Echo des kleinen Jungen von damals, der sich noch nach ihrer Liebe gesehnt hatte, hallte ein bisschen in ihm nach.

Mr. Messina hielt Orlando die Hand zur Begrüßung entgegen. „Mr. Ramirez! Ich wusste bis vor wenigen Wochen nicht, dass es Sie gibt.“

Orlando schüttelte sie knapp.

„Meinen Anwalt Vincent Gable kennen Sie ja schon, Marius Fox ist mein Freund. Als ehemaliger Navy SEAL kann er mir vielleicht bei der Situationsanalyse helfen. Deshalb wird er an dem Gespräch teilnehmen.“

Verdutzt schaute Marius seinen Lover an. Orlando schüttelte kurz mit dem Kopf und vermittelte Marius so, sie würden später darüber reden.

„Setzen wir uns!“, bat Vincent die Anwesenden. Er, Orlando und Marius ließen sich den Messinas gegenüber nieder.

Orlando verzichtete auf Höflichkeiten und kam direkt zum Thema: „Wie mir Vince erzählte, haben Sie ein Problem mit Ihrer Tochter. Ich weiß nicht, wie ich Ihnen dabei helfen könnte. Theresa ist erwachsen und trifft also ihre eigenen Entscheidungen.“

Die Messinas erstarrten und Isabella schnaufte. Während ihr Mann noch nach Worten rang, weil er offenbar so viel kalte Ablehnung nicht erwartet hatte, erklärte Isabella mit kaum unterdrückter Wut in der Stimme:

„Wir denken, sie ist nicht freiwillig bei diesem Mann. Antonio Marques ist ein Drogenhändler. Vermutlich hat er Theresa ihren Entführern abgekauft und jetzt sie muss als seine Sexsklavin arbeiten.“ Isabella breitete eine Reihe Fotos auf dem Tisch aus, die Orlando skeptisch betrachtete. Darauf war eine junge Frau zu sehen, wahrscheinlich Theresa, die in verschiedenen Situationen heimlich fotografiert worden war, beim Essen im Restaurant, beim Einkaufen, als Gast auf einer Party. Immer umgaben sie mindestens zwei Muskelkerle, die, so stellte es sich Orlando dar, ihre Leibwächter waren. Manchmal begleitete sie ein gut aussehnender Mann, der einen Arm um ihre Taille gelegt hatte oder der sie auf die Wange küsste. Orlando erkannte Marques, dem er einmal unfreiwillig begegnet war, als er Mason, dem Boss der Motorradgang Rattlesnakes, bei einem internen Bandenkrieg beigestanden hatte. Das verriet er Mrs. Messina allerdings nicht.

„Marques?“, fragte Orlando und zeigte mit dem Finger auf dessen Abbild.

„Ja!“, sagte Mr. Messina.

„Was erwarten Sie von mir Mr. und Mrs. Messina?“

„Wir hoffen, es gelingt Ihnen mit Ihren Kontakten und Fähigkeiten, zu Theresa vorgelassen zu werden und mit ihr zu reden“, erklärte Mr. Messina und sah Orlando beschwörend an.

„Was wüssten Sie denn über meine Kontakte und Fähigkeiten?“, fragte Orlando mit klirrend kalter Stimme und seine Mutter warf ihm einen genervten Blick zu. Da sie aber etwas von ihm wollte und nicht umgekehrt, riss sie sich erkennbar zusammen und erwiderte: „Es gibt in der Familie Personen, die deinen Lebensweg verfolgen und ihn mir bei den jährlichen Treffen erzählen, ob ich will oder nicht.“

Orlando wunderte sich, wer das sein könnte, schob den Gedanken aber entschlossen von sich. Mit den Ramirez’ hatte er vor langer Zeit abgeschlossen. Zurück zum Thema!, befahl er sich still. „Ich habe keine Kontakte in Miami“, antwortete er.

„Aber Marina Bernard hat …“

„Lass Marina aus dem Spiel!“, blaffte Orlando seine Erzeugerin scharf an. „Wenn Marques wirklich ein Drogenhändler ist, werde ich bestimmt nicht Marina einsetzen, um mich zu seiner Ehefrau zu schleichen.“

Isabella schossen Tränen in die Augen. „Theresa ist mein einziges Kind. Jemand muss sie doch aus den Händen dieses Ungeheuers befreien können.“

Orlando zuckte zusammen, als wäre er geschlagen worden, sprang mit einem Zischlaut aus dem Sessel. Mühsam beherrscht zwang er sich, den Blick von Isabella loszureißen und sich Mr. Messina zuzuwenden, der ganz erschrocken aussah.

„Lassen Sie die Fotos hier. Ich benötige auch eine digitale Version davon. Später, wenn ich ausgeschlafen bin, werde ich sie mir näher ansehen, sie analysieren, sie vielleicht einem Freund vorlegen,

Impressum

Verlag: BookRix GmbH & Co. KG

Tag der Veröffentlichung: 20.11.2017
ISBN: 978-3-7438-4216-8

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