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Über das Buch

Das c't-Magazin ist eine der wenigen Möglichkeiten für deutsche SF-Autoren, Geschichten gegen anständiges Honorar in zigtausendfacher Auflagen zu veröffentlichen. Der Nachteil: Die wenigsten SF-Fans haben ein c't-Abo.

Aus den vielen meiner in den vergangenen 17 Jahren in c't veröffentlichten Geschichten habe ich zehn ausgewählt und in dieses spottbillige E-Book gequetscht. Begleiten Sie Weltraumpiraten beim Angriff auf eine Stellarbank. Lernen Sie die praktischen Eigenschaften digital aufgemotzter Kleintiere kennen. Stellen Sie sich vor, Sie könnten nach dem Tod auf einem billigen Miet-Server im Internet weiterexistieren.

Die neueste Story, "Cyper Space Pirates Yo-Ho!" wurde übrigens für den Kurd-Laßwitz-Preis nominiert.

Ich wünsche Ihnen viel Spaß.

 

Uwe Post

im März 2016

 

 

 

© Uwe Post 1999-2016. Alle Rechte vorbehalten.

 

 

Explosion einer Espresso-Maschine

 

Carlos Juan Ortega entzündete ein Räucherstäbchen und steckte es in einen Lüftungsschlitz seines Computers. Er setzte die Kopfhörer auf und vergewisserte sich, dass die Lautstärke auf den Maximalwert eingestellt war. Mit einem Klick startete er die Wiedergabe einer CD, »Dead Like A Chain Saw« von Severe Damage. Dann betrat er den Chat.

 

[DevineJuan betritt den Chat]

RUhot2: oh schon 7 stunden online jetzt

Langjohn: hiiiiiii DevineJuan

Red69: schreibt man devine nicht divine! =8-)))

DevineJuan: Die Tore des Himmels stehen weit offen

Langjohn: ichj erst 6nhalb.

Red69: ooooooooo nein so einer !!!!!!!!!!!!!

RUhot2: wie so einer!

DevineJuan: Auf der anderen Seite wartet die Sonne

Red69: ojaaaaaa!!! mir wird schon ganz warm

Langjohn: devine was heist das!

DevineJuan: Der Heillige Tempel der Verklaerung oefnet sich

Red69: ooooooja meeeeeehr

RUhot2: selber toital verklaert

Langjohn: juan bistdu aus spanien!

Red69: spanier find ich echt heis

DevineJuan: Kein Preis ist zu hoch fuer das wahr werden aller Freuden

[RUhot2 verlaesst den Chat]

Red69: freuden jaaaaaaaaaaaaaa

DevineJuan: Nach dem Tod erwartet uns die fest glauben das Paradies

Red69: na dann wuenschich mal gute reise!!!!!!!!!!

Langjohn: ja und hoffentlich ist kein stau. war ja jetzt oft mal, urlaubszeit

Red69: hilfeeeeeeeeeeeeee

Langjohn: 47 killometer gestern auf der a7. bei rosenheim. Oder a8.

 

Ortega stellte fest, dass seine heutige Gemeinde aus unterschiedlichen Gründen für seine Lehren nicht zugänglich war und beendete die Sitzung zugunsten einer mehrstündigen Fruchtbarkeitszeremonie.

 

*

 

Parker war zwar genaugenommen arbeitslos. Aber die lukrativen Nebeneinkünfte seiner Tätigkeit als Gelegenheits-PC-Doktor finanzierten ihm seine teure Hardware und die Online- sowie Telefonrechnungen. Ungewöhnliche Aufgaben reizten ihn besonders, so dass er dafür sogar Termine zu unchristlichen Zeiten wie neun Uhr morgens akzeptierte.

Und die Installation einer PC-gesteuerten Espresso-Maschine war nun wirklich alles andere als ein alltäglicher Job. Also störte Parker sich auch nicht weiter an der sonderbaren Innenausstattung der Wohnung seines Kunden, eines gewissen Carlos Juan Ortega. Alle Räume rochen nach exotischen Gewürzen, und schwere, dunkle Vorhänge verwehrten dem Tageslicht den Zutritt. Fremdartige Statuen mit entrückten Blicken rahmten den PC ein, der einem Altar ähnlich in einer Nische aufgebaut war. Die Espresso-Maschine stand in der kleinen Küche, so dass Parker von dort zum Computer seines Kunden vier Meter Kabel verlegen musste. Schließlich installierte Parker noch die notwendigen Gerätetreiber im System des PC. Nachdem der Kunde widerspruchslos die gesalzene Rechnung beglichen hatte, verabschiedete Parker sich verdrießlich. Er war noch nicht einmal zu einem Test-Espresso eingeladen worden.

 

*

 

»Der Turing-Test ist doch Quatsch«, erklärte Parker seinem Gesprächspartner, der irgendwo am anderen Ende der Welt ebenfalls Monitor und Tastatur für das Zwiegespräch benutzte.

»Das stimmt«, meinte DarrFOMk (seinen richtigen Namen hatte er nie erwähnt), »einen Computer aufgrund eines Gespräches von einem Menschen unterscheiden zu wollen...«

»Im Chat sind die Dialoge zum Beispiel dermaßen gehaltlos – da kann auch ein PC problemlos mitreden.«

»Wie«, fragte DarrFOMk, »könnte man denn deiner Meinung nach einen Menschen von einem Computer unterscheiden?«

Parker überlegte kurz, dann tippte er die Antwort ein: »Ich würde ihn zum Essen einladen. Einem Computer dürfte es schwerfallen, ein Restaurant zu besuchen. Und eine Pizza zu essen.«

»Du meinst also«, erkundigte DarrFOMk sich, »eine künstliche Intelligenz müsste nur mit dir zusammen einen italienisches Essen vertilgen, und schon wäre sie dir als Mensch gleichgestellt?«

»So ungefähr«, sagte Parker. Gleichzeitig wurde ihm bewusst, dass seine Argumentation auf spinnendürren Beinen ruhte.

»Aber prinzipiell könnte man einen beweglichen Computer konstruieren«, fuhr DarrFOMk fort, »der könnte mit dir in eine Pizzeria gehen.«

»Einen Roboter?«

»Einen Computer mit Armen, Beinen, Händen und einem Mund, ja«, bestätigte DarrFOMk. »So ein Roboter könnte sogar problemlos das Essen der italienischen Küche zu sich nehmen und verwerten, um Energie zu gewinnen.«

»Aber«, kam Parker ein Geistesblitz, »eines könnte ein solcher Roboter nicht: einem Menschen schaden.«

»Wieso das denn nicht? Wegen der Roboter-Gesetze von Isaac Asimov? Mensch, bist du naiv! Das ist doch Science Fiction!« DarrFOMk ergänzte, bevor Parker etwas entgegnen konnte: »Menschen glauben an mystischen Schwachsinn, Computer nicht!«

»Mystischen Schwachsinn?« hakte Parker nach.

»Ja, Gott, Moral, Popstars und sowas. Und nach dem ersten Leben ein zweites, ein Leben im Paradies.«

»Na«, tippte Parker grinsend ein, »du bist ohne Zweifel ein Mensch. Jedenfalls sonderst du genausoviel Quatsch ab ;-)«

 

*

 

Soeben traf eine elektronische Nachricht ein. Ortega rief sie ab und stellte zufrieden fest, dass es sich um eine Antwort auf seine Frage nach »richtigen Treibereinstellungen für die Espresso-Maschine EXpr 2000PC« handelte. Der Absender, ein gewisser DarrFOMk, empfahl einige bestimmte Zahlenwerte und hatte diesen die folgende Anmerkung hinzugefügt: »Was für ein Idiot hat dir denn die Maschine installiert? Naja, sei's drum. Hier sind die Zahlen für den idealen und stärksten Espresso. Der haut dich garantiert um. Knallt echt voll rein.«

 

*

 

From: margakovsky@geocities.com

To: DarrFOMk@hotmail.com

Subject: Urlaub

 

Hi Darren,

 

Schade, dass du mir nicht verraten willst, wo du wohnst. Ich hätte dich sonst nächste Woche vielleicht mal besucht, ich hab da nämlich Urlaub. Wir hätten ja mal eine Pizza zusammen essen können.

Dabei hätten wir auch mal wieder über unser Lieblingsthema diskutieren können. Ich bin da ja immer noch nicht deiner Meinung. Aber vielleicht erlebe ich ja noch, dass die Menschen von den Computern versklavt werden, hihi...

So schnell, wie der Fortschritt heutzutage rennt, kann das ja echt sein.

 

Mag

 

*

 

Parker schlürfte etwas von seinem Kaffee und stellte die Tasse ab, womit er auf seinem Schreibtisch einen weiteren kreisförmigen Beweis für die Existenz von Leben auf der Erde erzeugte. Während er mit der Aufmerksamkeit einer Mülltonne den Chat verfolgte, bedauerte er, dass DarrFOMk heute offenbar nicht online war.

Es klingelte.

Das enervierende, elektronische Geräusch der Türglocke erschütterte nur selten Parkers Privatsphäre. Daher bekam er jedesmal Herzrasen, diesmal verschüttete er zusätzlich seinen Kaffee.

Er stand auf und ging zur Tür seines winzigen Apartments, öffnete, und einer der draußen stehenden Polizisten sagte: »Sind Sie Parker?«

»Ja.«

»Ich nehme Sie hiermit fest.«

Parker sah fassungslos zu, wie man ihm Handschellen anlegte. Anstatt zu protestieren oder wenigstens artikuliert zu fragen »Warum?« brachte er nur ein zerbröseltes »Äh äh ähm« heraus.

Der Polizist hielt dem Verdächtigen ein Papier vor die Nase: »Kommt Ihnen diese Rechnung bekannt vor?«

Kam sie. Parker hielt jedoch lieber den Mund. Er hatte gehört, dass man alles, was er sagen würde, gegen ihn verwenden würde.

»Wir haben sie neben dem linken großen Zeh Ihres Opfers gefunden.«

 

(erschienen in c't 1/99)

Cyber Space Pirates Yo-Ho!

 

Alarm zerfetzt die andächtige Stille in der Stellarbank. Auf dem Ganzwandbildschirm in Büro Nummer 501 erscheint mit hochrotem Kopf die Filialleiterin. »Bericht!«

Der Sicherheitschef fummelt fahrig an den Kontrollen seiner Systeme herum. »Wir ... wir werden angegriffen!«

»Von wem? Alien-Horden? Oder die Flotte des Finanzministeriums?«

»Schlimmer«, keucht der Sicherheitschef. »Ein einzelnes Raumschiff! Und es ist ... völlig schwarz

Die Filialleiterin erbleicht. »Pi-piraten«, stammelt sie. »Verstärken Sie die Firewalls! Wenn die hier reinkommen, dann ...«

»Ich weiß«, flüstert der Sicherheitschef.

 

 

 

»Einspruch, Euer Ehren! Die Szene ist offensichtlich gestellt!« Ich deute auf die Projektionswand am Kopfende des Gerichtssaals.

»Ist sie nicht!«, schreit die Anwältin der Gegenseite.

Der Richtomat klappert mit dem Hammer. Die Mechanik ist ausgeleiert, daher klingt das nicht sonderlich beeindruckend. Trotzdem verbirgt sich hinter der altmodischen Fassade des Justizgeräts die wirkungsvollste Kryptographie diesseits des Andromeda-Nebels. »Ruhe, oder ich lasse den Saal räumen! Echte Videoaufzeichnungen sind grundsätzlich nicht von gefälschten zu unterscheiden, daher wird dem Einspruch stattgegeben.«

Ich setze mich wieder und lehne mich lächelnd zurück.

 

 

 

Beim Poseidon des Kosmos! Die endlose Freiheit zwischen den Sternen, die Planetenfresser der Dunkelwolken, der goldene Rum in meiner Flasche! Yo-Ho, ich bin ein Pirat. Seit Jahrzehnten durchkreuzt mein Schiff mit mutigen Männern, Frauen und allem was es sonst noch an Geschlechtern gibt den Kosmos unter meinem Kommando. Immer auf der Suche nach abenteuerlichen Raubzügen, über die an den Tischen der Reichen nur angstvoll geflüstert wird. Wir sind keine Skriptkiddies, die den harmlosen Online-Shop für beteigeuzischen Sonnentau-Honig hacken, wenn uns gerade langweilig ist. Nein! Wir leben den Piratenkodex: Bestiehl die Reichen, und dann kauf dir ein paar Fässer guten Rum dafür! Unsere Krypto-Torpedos richten wir nur auf Billionäre, korrupte Pensionärpolitiker und Bewohner von Fabelvillen auf Südseemonden. Dabei stören wir gelegentlich die eine oder andere Orgie, ja sicher. Aber niemand kommt zu Schaden, zu Bruch gehen nur teuerste Luxus-Firewalls und zum Bersten gefüllte Bitcoin-Server.

Und damit das auch jeder kapiert, wiederholt jetzt der elektrische Papagei auf meiner Schulter alles noch einmal von vorne.

 

 

 

»Einspruch!«, kreischt die Anwältin der Gegenseite. »Das ist doch alles irrelevant, und dem Papagei wurde überhaupt nicht das Wort erteilt!«

Klappernd denkt der Richtomat nach. »Warnung, Festplatte Null Zwo sollte ausgetauscht werden. Das RAID ist degradiert. Angeklagter! Ich rufe Sie hiermit ultimativ zur Ordnung! Beantworten Sie die Frage! Wie haben Sie den Angriff auf die Stellarbank bewerkstelligt?«

 

 

 

Ich ziehe genüsslich an meiner Pfeife. »Im ganzen Gebäude herrscht absolutes Rauchverbot!«, keift meine elektrische Fußfessel.

»Das war so«, beginne ich paffend meine Erzählung.

 

 

 

Die Stellarbank ist ein ausgehöhlter Asteroid. Neogotische Säulengänge, Glas, Marmor, die Leuchtbuchstaben aus cetianischer Seidenjade je einen Kilometer hoch. Außerhalb aller bewohnten Systeme, jeglicher Gesetzgebung, jeglicher Finanzmarkt-Regulierung.

Die Protzarchitektur mitten im Nichts ist ein Paradies für perfide Quasi-Geldwäsche, Geheimabkommen-Spekulation und Insider-Handel mit insolventen Planetensystemen.

Und das Ziel meines Piratenschiffs.

Als mein Papagei das Unterschreiten der Entfernungsmarke von einer Lichtsekunde herauskrächzt, ist es Zeit für meine Ansprache an die Mannschaft. Ich springe auf und schwenke die Rumflasche. »Fertigmachen zum Entern, Männer! Geld und Abenteuer erwarten uns! Geld für Weiber, fässerweise Rum und noch mehr Weiber, oder was immer ihr zu besteigen beliebt! Piraten! Yo-Ho!«

Stille. Ich setze mich hin.

Mein erster Offizier räuspert sich. »Yo-Ho, ist klar«, sagt er dann und putzt dabei seine Lesebrille.

Ich nicke und klopfe dann auf mein Holzbein. »Anfangen!«

»Hackbots bereit, Kapitän!«

»Gut. Zielt auf die Fäkalmodule. Die haben sicher lange kein Upgrade gesehen.«

»Volle Breitseite Algorithmen, Kapitän?«

»Erstmal nur elliptische Kurven. Für moderneres Zeug sieht mir der Laden zu konservativ aus.«

Der erste Offizier tippt auf seinem C64 herum. Natürlich sieht die Kiste nur so aus und enthält tatsächlich die Apps für alle erdenklichen Cyber-Manöver, aber der Mann ist nun einmal ein unverbesserlicher Retro-Freak. »Die Hackbots beißen sich die Zähne an den Scheißhäusern aus«, brummt er und kaut weiter auf seinem Kaugummi.

»Gegenangriff!«, ruft plötzlich jemand.

Ich nehme in aller Ruhe noch einen Schluck Rum. »Geht das etwas genauer?«, frage ich dann.

»Firewall ist auf 50 Prozent!«

»Angriff blocken!«

»Ich versuche es.« Der Zweite Coder schwitzt. Der zweite? Da fällt mir doch fast die Flasche aus der Hand. »Wo steckt der Erste Coder?«

»Wurde zuletzt mit einer Flasche Rum in der Hängematte gesehen.«

Ich springe auf, so dass mir fast der Papagei hintenüber kippt. Im letzten Moment hält sich der Bot mit dem Schnabel an meinem Zopf fest. »Kurz bevor wir eine Bank entern? Sofort kielholen den Mann!«

»Beschuss!«, meldet der Erste Offizier.

»Was ist jetzt nun wieder?« Ich schiebe unzufrieden meinen Dreispitz zurecht. »Können die sich nicht einfach in ihr Schicksal ergeben? Wir gewinnen sowieso immer!«

»Kapitän«, sagt der Erste Offizier, »offensichtlich schießen sie mit altmodischen Projektilwaffen.«

»Mit richtigen Kanonen? Das hat das letzte Mal dieser dekadente Schauspielerklon versucht, wie hieß der doch gleich?«

»Kapitän, sie schießen offenbar mit alten, wertlosen Münzen, auf 10 Prozent Lichtgeschwindigkeit beschleunigt. Mehrere sind durch unsere Schutzhülle geknallt.«

»Zeigt mir ein Bild!«

Als eine Drohne die arg verbogenen, halb in der Wand steckenden Metallprojektile aus nächster Nähe filmt, wird der Kopf eines Adlers erkennbar.

Ich fasse einen Entschluss. »Also gut. Füttern wir die Wurmdrohnen mit antiken Casino-Spam-Trojanern.«

»Und das soll funktionieren?«, sagte der Zweite Coder.

»Wenn wir eines über moderne Software wissen«, belehre ich ihn, »dann ist das die mangelnde Abwärtskompatibilität. Kein aktuelles Antiviren-Programm reagiert auf Spam, die älter als 150 Jahre ist.« Ich erlaube mir ein überlegenes Lächeln. »Und wenn jemand gierig genug ist, um auf Mails reinzufallen, die ihm exorbitantes Startguthaben und Zocken um hohe Beträge verspricht, dann doch wohl Bänker.«

»Wenn Sie das sagen, Kapitän«, murmelt der Zweite Coder, schüttelt aber schläfrig den Kopf.

 

 

 

»Einspruch!«, kreischt die Anwältin der Gegenseite.

»Was ist denn nun schon wieder?«, frage ich unschuldig.

»Der Angeklagte erfindet wilde Geschichten, um die Klägerin zu diffamieren!«

»Wie bitte?« Ich wedle wild mit der Pfeife. »Gegen-Einspruch! Die Integrität eines Piratenkapitäns durch den Schmutz zu ziehen, würde nicht einmal eine Ratte im Abwassernetz unseres Regierungssitzes wagen!«

»Bitte warten«, klappert der Richtomat, »das System arbeitet derzeit am Anschlag. CPU-Kühler unter Volllast.«

»Schon gut«, winke ich ab. »Einspruch stattgegeben. Ab jetzt erfinde ich nichts mehr, was ihr Typen für eine Erfindung halten könntet, ehrlich! Das mit der Casino-Spam hat eh nicht funktioniert. Wie sich herausstellte, waren bereits alle Mitarbeiter der Bank bei dem fraglichen Online-Casino registriert. Also hatte keiner Verwendung für den Neuanmeldungs-Bonus.«

»Fahren Sie fort«, schnarrt der Richtomat. Er klingt dabei fast erleichtert.

Es dauert einen Moment, bis sich die Anwältin der Gegenseite wieder hinsetzt. Als wäre ihr Po aus Metall und jemand hätte einen Elektromagneten unter ihr unter Strom gesetzt.

 

 

 

»Also gut, Plan B.« Ich wische mir mit der Mütze den Schweiß von der Stirn und setze sie wieder auf.

»Endlich Plan B!«, knarzt mein Papagei begeistert. »Jetzt zeigen wir's ihnen!«

»Erster Offizier, verbinde mich mit der Hotline der Bank.«

Der Mann schaut mich aus wässrigen Augen von unten herauf an, als überlege er, ob ich einen Scherz gemacht habe. Dann schüttelt er den Knopf und tippt auf seiner altmodischen Tastatur herum.

»Willkommen bei Ihrer Stellarbank«, tönt eine sexy Frauenstimme durch die Zentrale unseres Piratenschiffs. Der Zweite Coder klappt den Mund auf und scheint sich gerade genüsslich den zugehörigen Körper vorzustellen. Ich gönne es ihm für den Moment. »Für zwielichtige Anlageberatung drücken Sie bitte die Eins. Für prekäre Geheimgeschäfte drücken Sie bitte die Zwei. Wenn Sie einen Kredit benötigen, drücken Sie die Drei. Sie sind an 4536. Stelle in der Warteschlange. Bitte beachten Sie, dass wir für die Wucherpreise der Überlicht-Gesprächsminuten nicht verantwortlich sind.«

»Drück die drei!«, befehle ich.

»Willkommen bei Ihrer Stellarbank«, haucht die sexy Stimme. »Benötigen Sie einen Kredit zum Erwerb eines Raumschiffs, eines Planeten, oder einfach nur eine exorbitante Summe Bargeld?«

»Bargeld«, diktiere ich dem Ersten Offizier in die Tasten. »Kreditsumme: Zehn hoch Dreiundvierzig Kosmo.«

Es dauert einen Moment, bis die Verbindung auf Bildmodus umschaltet. Ein freundlicher junger Mann lächelt uns an. »Willkommen bei Ihrer Stellarbank«, sagt er mit einer, nun ja, zugegeben: ebenfalls sexy Stimme. »Ich bin Ihr persönlicher Kreditberater James. Die von Ihnen gewünschte Kreditsumme beträgt.«

James macht eine Pause. Ich lehne mich zufrieden zurück und nehme

Impressum

Verlag: BookRix GmbH & Co. KG

Tag der Veröffentlichung: 29.03.2016
ISBN: 978-3-7396-4597-1

Alle Rechte vorbehalten

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