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Vorwort

Hey!

Du willst es also wissen?

Gratuliere!

Ich selbst hatte mit vierzehn mit dem christlichen Glauben noch nichts am Hut. Mein Konfirmandenunterricht war einfach nur öde. Ich habe ihn durchgezogen, weil meine Eltern es so wollten und meine Kumpels mitmachten. Der Glaube hat mich nicht interessiert. Interessant fand ich nur Elfi. Sie saß zwei Bänke links von mir: Ein traumhaftes Mädchen mit pechschwarzem Haar und extrem verführerischem Lächeln. Wegen ihr bin ich sogar halbwegs regelmäßig in den Gottesdienst gegangen. Wir saßen dann oben auf der Empore, möglichst weit weg vom Geschehen, und haben rumgealbert. Gestört haben uns dort oben nur die geräuschlosen Zeiten während der Gebete und der Predigt, in denen wir unser Kichern und Tuscheln zwanghaft unterdrücken mussten. Und gestört haben uns immer wieder zornige Kirchenvorsteher, die zu uns rauf kamen, wenn wir zu laut waren. Aber sonst waren jene Gottesdienste nicht schlecht - auch wenn es mit Elfi später nichts geworden ist.

"Mit Gott sollst Du Taten tun", war mein Konfirmationsspruch. Ich erfuhr ihn schon am Tag vor der Konfirmation. Und ich setzte ihn, zusammen mit einem Freund, gleich in die Tat um: Wir vertauschten heimlich die für den Festgottesdienst angeschlagenen Liednummern in ihren hölzernen Halterungen. Das war toll! Leider hatte es wohl doch jemand bemerkt, denn am nächsten Morgen steckten sie wieder richtig.

Nee, damals wollte ich`s nicht wissen, wie das mit dem christlichen Glauben und der Konfirmation wirklich ist. Aber heute weiß ich`s und bin froh darüber.

 

Tommy und Simone

 

Aber es soll ja auch Konfirmanden geben, die mit 14 Jahren schon etwas bewusster leben als ich damals und die ihre Konfirmation ernst nehmen möchten. Und so jemand bist Du wohl auch. Gratuliere nochmals!

Ich denke da zum Beispiel an Simone. Blond gelockt, mit einigen Sommersprossen und hellen blauen Augen macht sie im Konfirmandenunterricht aktiv mit. Klar, sie ist nicht eine der Lebhaftesten, aber "Schüchtern" kann man sie auch nicht gerade nennen. Sie stellt Fragen. Sie gibt Antworten, wenn der Pastor die Gruppe etwas fragt.

 

Simone ist eben interessiert. Ihre Eltern gehören zwar nicht zum inneren Kreis der Gemeindemitglieder und kommen nur manchmal zur Kirche. Aber sie haben ihrer Tochter schon vor Jahren eine Kinderbibel geschenkt, ihr daraus vorgelesen und sie ermutigt, zum Kindergottesdienst zu gehen. Simone hat also schon Ahnung von der Bibel und so ... Aber nun, während ihrer Konfirmandenzeit, will sie es genauer wissen. Es stinkt ihr, den Eltern alles nachzuplappern. Sie will den Glauben ihrer Eltern nicht einfach übernehmen. Sie will sich selbst eine Meinung bilden. Und sie spürt, dass die Zeit eines naiven Kinderglaubens jetzt vorbei ist. Es reicht ihr nicht mehr, die Zachäus-Geschichte zu spielen und nette kleine Stories von Jesus zu hören. Sie will herauskriegen, ob der christliche Glaube etwas für sie persönlich ist und für ihr Leben irgendeine konkrete Bedeutung hat. Also will sie`s wissen.

 

Und dann ist da noch Tommy in ihrer Gruppe. Er heißt eigentlich Thomas, aber alle nennen ihn Tommy, weil er so gerne Tomatenketchup isst. Tommy hat alles andere, als eine "christliche" Vergangenheit. Er ist bei seinem Vater aufgewachsen. Und der hat für Kirche und Religion nichts übrig. "Das sind doch alles Spinner und Heuchler!" sagt sein Vater immer. Und viele Jahre hat Tommy ihm das geglaubt. Zum Konfirmandenunterricht ist Tommy nur gegangen, weil er knallhart kalkuliert hat: Zwei Jahre Unterricht, also etwa achtzig Stunden absitzen ... und das bringt am Ende ca. zwei- bis. dreitausend Mark an Geschenken. Schnell hatte Tommy den "Stundenlohn" errechnet: 25 bis 37 Mark - immerhin sind das so um die 15 bis 18 Euro. Und wo sonst konnte er soviel verdienen?! Also hatte sich Tommy zum Unterricht angemeldet und sogar seinen Vater hat seine Argumentation überzeugt.

 

Dann allerdings war etwas geschehen. Nicht in den ersten Monaten. Die waren für Tommy einfach nur harte Arbeit. Aber dann, zu Beginn des zweiten Jahres, waren sie auf eine Konfirmandenfreizeit in ein christliches Freizeitheim gefahren. "Missionarisches Zentrum" hieß das auch noch! Furchtbar! Wer wollte sich schon missionieren lassen!

 

Aber Tommy war überrascht. Es war Spitze dort. Die Räume waren prima, das Essen gut und vor allem die Leute, die dort lebten, waren gut drauf. Es waren junge Leute, nur wenige Jahre älter als er selbst. Und die erzählten dort von ihrem Glauben, machten sogar Andachten in der Kirche und putzten tagsüber Klos oder werkelten im Garten herum. Tommy war überrascht, so bodenständige Jugendliche zu erleben, die auch noch überzeugte Christen waren. Er wurde neugierig. Er begann nachzufragen ... und nun, vor seiner Konfirmation, will er`s wissen.

Simone und Tommy, ihr liegt richtig, wenn Ihr dieses Buch lest! Es ist für Leute wie Euch geschrieben, für Konfis, die wissen wollen, was es mit Glaube und Konfirmation auf sich hat. Ihr könnt es allein lesen - oder auch Eurem Pastor vorschlagen, im Konfirmandenunterricht darüber zu diskutieren. Jedenfalls soll es Euch helfen, zu begreifen, worum es geht. Übrigens: Wenn Ihr inzwischen schon konfirmiert sein solltet, dürft Ihr natürlich trotzdem weiterlesen. Man kann ja auch, wie ich selbst zum Beispiel, noch Jahre nach der Konfirmation entdecken, worum es dabei geht!

Und warum "checkpoint"?

Nun, ein Checkpoint ist ein Punkt, wo etwas gecheckt wird, also überprüft, ausgelotet. Und solch ein Zeitpunkt ist ja auch die Zeit vor der Konfirmation: Ihr checkt ab, ob Ihr mit dem christlichen Glauben was anfangen könnt oder nicht. Und dann entscheidet ihr.
Also, kann es nun losgehen? Dann viel Erfolg beim checkpoint.

abgecheckt und angenommen

Der Flughafen ist riesig. Überall Hallen, Gänge, Läden, Schalter, Laufbänder. Irgendwann bin ich trotzdem dort angekommen, wo ich hin will. Aber ich muss erst einmal durch den Zoll. Zuerst das Ticket und die Bordkarte. Da bin ich schon mal durch. Dann der Pass. Mit wachsamem Blick tastet der Beamte mein Gesicht ab. Einen Moment zögert er, bevor er mir den Pass zurückgibt. Meine Haare auf dem Foto sind wesentlich kürzer als jetzt, da ich abgecheckt werde. Aber ich bin durch. Nein, noch nicht. Jetzt kommt der Leibesvisitations- Piepser. Ein väterlicher Typ tastet mich ab. Es piepst. Mir wird mulmig, obwohl ich keinen Revolver in der Tasche habe. Aber als ich das Schlüsselbund vorzeige, lässt mich der Vater- Typ mit einem freundlichen Lächeln durch. "Okay" sagt er. Ich atme auf und nehme das inzwischen mit Röntgengerät durchgecheckte Handgepäck in Empfang.

Es ist geschafft. Ich bin also okay.

Hoffentlich ist es der Flieger auch! Durch die großen Fenster des Warteraumes sehe ich, dass viele Techniker in Arbeitskleidung an Fahrwerk und Flügeln herumfummeln. Das Flugzeug wird also auch abgecheckt. Und ich weiß: So ein Jumbo muss häufiger zum TÜV als mein altes Auto. Und er darf nur los fliegen, wenn er sein "okay" kriegt!

 

 

Wir leben also damit, dass immer wieder abgecheckt wird. "Vertrauen ist gut," sagte mein Lehrer immer, "Kontrolle ist besser!" Und er hat recht damit, jedenfalls meistens. Um mich einem Fahrzeug anzuvertrauen, sollte es abgecheckt sein. Abchecken ist unvermeidbar. Geräte werden abgecheckt, Lebensmittel, Ökosysteme ... eben alles. Und jeder.

Ja, jede und jeder erlebt es beinahe täglich, wie er oder sie abgecheckt wird.

 

Simone schwitzt vor ihrer Mathearbeit. Ihr Wissen wird abgecheckt. Danach geht es ins Freibad. Brrr ... aber es nützt nichts, sie muss ins kalte Wasser, um ihre Kraulzeit auf fünfzig Metern abzuchecken. Zuhause geht es dann weiter: Ihre Mutter checkt, ob sie die Hausaufgaben fertig hat. Und am Samstagabend in der Disco will man ihren Perso sehen: "Du bist erst 14", verdächtigt der Wichtigtuer von Türsteher sie, "Du kommst hier nicht rein!" Abgecheckt und durchgefallen. Ob es diesmal mit dem selbstgemalten Stempel klappt und sie und ihre Freundin den Türsteher doch noch überlisten?

 

Tommy geht es nicht besser. Beim Fußball sitzt er auf der Reservebank. Er hat im Testspiel keine tolle Figur gemacht. In der Klicke dagegen hat er sich behauptet. Seine coolen Sprüche sind gut angekommen. Er hat seine Rolle wieder einmal behauptet. Aber mit den Mädchen läuft es nicht so gut. Cool sein und Sprüche machen reicht da offenbar nicht aus. Sein erster Schwarm hat auf der Klassenfahrt mit einem von diesen Softies geflirtet und ihn sitzenlassen. Nun fragt er sich, wie er sein muss, damit er bei den Mädchen ankommt.

Abgecheckt und durchgefallen.

Immer wieder abgecheckt

 

Ob es Dir auch so geht wie Tommy oder Simone?

Mir geht es bis heute so. Überall werde ich abgecheckt. Was ich mache, wird geprüft, wie ich aussehe, wie ich gekleidet bin, was ich sage und wie ich es sage ... und manchmal heißt es: "Abgecheckt und durchgefallen". Und dann fühle ich mich einfach nur mies. Dann frage ich mich, was ich eigentlich wert bin und ob und wie ich den vielen Ansprüchen genügen kann. Ich bin schließlich kein Flugzeug.

Ich bin ein Mensch!

Bei einem Flugzeug ist das klar: Wenn technische Mängel vorliegen, kann und darf es nicht fliegen. Und bei der Flugkontrolle sehe ich das auch noch ein: Wenn jemand kein gültiges Ticket oder gar einen Revolver in der Tasche hat, darf er nicht an Bord.

Aber wie ist das mit mir als Menschen?

Welche Kriterien soll ich da anlegen? Wann habe ich "bestanden", wann bin ich "durchgefallen"?

Schon mit den Schulnoten kriege ich da Probleme. Jeder weiß doch, wie sehr es darauf ankommt, wie die Lehrer gerade drauf sind. Jeder "check" ist von tausenden Bedingungen abhängig: Wie bin ich gerade drauf? Was denken die Lehrer über mich? Kommt das dran, was ich weiß und gelernt habe?
Und wenn schon in der Schule, wo es (angeblich) um meine "Leistung" geht, wieviel mehr dann, wenn es um mich selbst als Person geht! Da kann es doch keine festgelegten Kriterien geben, ob ich etwas tauge oder nicht, ob ich durchfalle oder angenommen werde! Oder?

 

Ich denke, wir alle wissen es: Um meinen Wert zu messen, gibt es keine festen Kriterien. Das geschieht immer mit bestimmten Vorstellungen und Wert-Maßstäben. Und die wechseln auch noch dauernd.

Tommy ist irritiert. Eben hat er noch seinem Vater geglaubt, dass nur "Leistung" etwas zählt. Nun kriegt er Druck von seinem Freund, der ihn als "Streber" bezeichnet, nur weil er mal an zwei Nachmittagen nicht zum Inliner-Treff gekommen ist, da er lernen musste. Und seine Clique verlangt, dass er seine coole Rolle spielt ... aber die Mädchen, die ihm gefallen, macht offenbar gerade das "softe" an. Durchgefallen.

 

Und auch Simone kommt damit nicht klar. Ihre Eltern haben sie früher immer einen "blonden Engel" genannt. Dagegen hat sie sich immer gewehrt. Sie will kein "Engel" sein - und "blond" schon gar nicht. Deshalb hat sie sich einen roten Streifen in die Haare getönt, sie sich abgeschnitten, sich zerfetzte Jeans angezogen und sich gegen den Trend gekleidet. Aber nun machen ihre Freundinnen sie dauernd an: "Du bist ja blöd, Dich so zu verunstalten!" Und die Jungens mögen offenbar auch lieber den blonden Engel. Also durchgefallen.

 

Tommy versucht, wie ein Jagdhund auf der Spur zu bleiben: Was kommt an bei den Leuten, denen ich gefallen möchte. Er gibt sein ganzes Geld für Klamotten aus, von denen er meint, dass sie gerade "in" sind. Und er versucht, sich auf die jeweilige Szene einzustellen: In der Clique eben cool, bei den Mädchen soft. Zuhause, in der Schule und beim Fußball zeigt und betont er Leistung wo es nur geht. Bei seinen Freunden nimmt er`s lässig. Aber so richtig klappt das nicht, sich immer anzupassen ... und es ist auch furchtbar anstrengend.

 

Simone versucht es mit dem Gegenteil: Sie widersetzt sich ihrem "blonder Engel" Image Zuhause und in der Verwandtschaft und zieht ihren "Ich-bin-nicht-so-wie-ihr-Stil" konsequent durch. Aber auch das macht sie nicht gerade froh. Und sie verliert Sympathien. Abgecheckt und durchgefallen.

Es ist einfach Mist: Immerzu werden wir abgecheckt und müssen sehen, dass wir nicht durchfallen, sondern angenommen werden.

Manchmal klappt es - aber manchmal eben auch nicht. Und immer sind es nicht unsere eigenen Kriterien, die letztlich entscheiden, sondern die der anderen Leute.

Es ist, als ob das Leben eine einzige Prüfung ist. Überall sitzen die Prüfer und checken uns ab. Oder es ist, als ob das Leben eine einzige Gerichtsverhandlung ist: Überall sitzen die Richter und urteilen über mich.

 

Was zählt, entscheiden die anderen

 

In der Schule liegen die Kriterien vielleicht noch halbwegs fest.

Da gibt es sozusagen eine Checkliste, wonach die Lehrer mich beurteilen. Wie viele Punkte bringt die Matheklausur? Wie oft hat Tommy sich gemeldet? Welche Zeit ist Simone geschwommen? Wie oft haben beide unentschuldigt gefehlt?

Was zählt, ist festgelegt - jedenfalls weitgehend. Es ist tatsächlich fast wie beim Flugzeug: Ich kenne die Checkliste vorher, ich kann und muss mich danach richten. Entweder anpassen - oder aussteigen. An der Checkliste jedenfalls kann ich nichts ändern. Die bestimmen andere.

 

In den meisten anderen Bereichen ist das, wie gesagt, schon schwieriger. Da gibt es eben die unzähligen ungeschriebenen Gesetze. Da sind die Kriterien für das "okay" dynamisch. Sie werden bestimmt von Trends, Mode-Erscheinungen, gesellschaftlichen Strömungen, Cliquen ... aber meistens können Tommy und Simone sie nicht besonders beeinflussen.

 

Schon nach wenigen Wochen Konfirmandenunterricht diskutiert die Gruppe über das, was einen Menschen wertvoll macht. Es geht heiß her als Tommy seinen Vater zitiert: "Leistung, nur Leistung zählt!". Tommy hat das zwar bewußt so gesagt, als sei es die Meinung seines Vaters, aber die anderen spüren wohl, dassTommy damit auch seine eigene Meinung zum Besten gibt. Er hält viel von seinem Vater. Und sofort kriegt er Druck.

 

"Und was, wenn Du mal nichts leistest?!" sagt Simone. "Was, wenn Du krank bist oder arbeitslos, oder einfach nur Mist baust! Bist Du dann

Impressum

Verlag: BookRix GmbH & Co. KG

Bildmaterialien: Alexander Hermannspann
Tag der Veröffentlichung: 22.04.2017
ISBN: 978-3-7438-0909-3

Alle Rechte vorbehalten

Widmung:
Natürlich widme ich das Buch jenen, die sich konfirmieren lassen. Gratuliere! Vor allem wenn ihr es mit dem Glauben ernst meint! Und natürlich widme ich das Buch auch jenen, die sich um die Jugendlichen kümmern. Ihr seid soooo wichtig! Nicht nur für die Kirche, vor allem auch für die jungen Menschen und für die Vermittlung des Glaubens. Tipps: Ihr verschenkt dieses Buch (auch erhältlich als Taschenbuch ISBN 978-3-746751-80-1) zur Vorbereitung auf die Konfirmation. Eltern, FreundInnen, Paten - da tut ihr den Jugendlichen etwas wirklich Gutes! Kirchliche Mitarbeiter, Jugendleiter, aufgepasst! Ihr nutzt es für den Konfirmandenunterricht (alle haben inzwischen ein Smartphone, mit dem sie E-Books lesen können!) und gebt es den Konfis als Geschenk mit.

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