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Felice lief die Treppen runter und band sich ihr langes braunes Haar zusammen. Sie war schon viel zu spät dran, die Schule würde schon in 10 Minuten beginnen und ihr Schulweg dauerte mindestens 20 Minuten.
Genervt schnappte sie sich ihr Skateboard und flitzte los. Sie würde so oder so zu spät kommen, also konnte sie auch noch einen Zwischenstopp beim Bäcker einlegen. Mit ihrer Apfeltasche machte sie sich nun wieder kauend auf den Weg. Sie sah auf ihre Uhr und stellte fest, dass der Unterricht nun schon längst begonnen haben musste und sie war noch gute fünf Minuten entfernt. Jetzt legte sie einen Zahn zu und nahm die letzte Kurve etwas zu eng, kein Wunder, dass natürlich sofort jemand in sie hinein rannte und sie von ihrem Board katapultierte. Felice knallte auf die Seite und schürfte sich, bei dem Versuch ihren Sturz abzufangen, die Hände auf. Leise fluchend probierte sie, die kleinen fiesen Steinchen aus ihren Handflächen zu Zupfen und hatte dabei vollkommen verdrängt, dass noch jemand in diesen Unfall verwickelt war.
„Du fährst ja wie der Teufel hier durch die Straßen.“
Felice zuckte zusammen und sah überrascht nach oben und direkt in zwei warme, belustigt funkelnde, braune Augen. Wie konnte es sein, dass sie in einer Stadt, die verfluchte 3,5 Millionen Einwohner hatte, mit ihm zusammenstieß? Vermutlich lag es an der Tatsache, dass er mit ihr zusammen auf dieselbe Schule ging, schoss es ihr durch den Kopf und ein zartes Rosa überzog ihre Wangen. Noch ehe sie etwas tun konnte, hielt er ihr seine Hand hin. Doch Felice zögerte, ihre Hände brannten wie Feuer und wenn sie nur daran dachte seine Hände zu berühren, färbten sich ihre Wangen noch eine Nuance dunkler. Als sie nicht reagierte hockte sich der Junge vor sie hin: „Tut mir leid, ich wollte dich nicht über den Haufen rennen. Es ist nur so, ich hab nicht mit einem geölten Blitz gerechnet… “, er verzog seine vollen schönen Lippen zu einem charmanten Lächeln, dann fiel sein Blick auf Felices Hände und er zog scharf die Luft ein: „Autsch, komm zeig mal her.“, sanft griff er nach einer ihrer Hände und besah sie sich genauer.
Felices Herz sprang im Dreieck, doch das war scheinbar der Impuls, der sie wieder in die Realität zurück holte, denn sie antwortete nun leise: „Ist schon okay, war ja meine Schuld.“, kraftlos versuchte sie ihm ihre Hand zu entziehen. Jetzt sah er sie wieder an, „ ich würd sagen wir haben beide nicht aufgepasst!“, seine Lippen wurden immer noch von einem Lächeln geziert, „Komm ich helf dir hoch“, er griff sich ihre Handgelenke und zog sie mit sich hoch. Doch auch als sie stand, ließ er ihre Handgelenke nicht los. So sah er sich noch einmal ihre Handflächen an, „Das tut mir echt leid, Feli!“ Ihr Herz flatterte, er kannte doch tatsächlich noch ihren Namen.
„Da..das ist schon okay, das ist doch nichts.“, sie entzog ihm ihre Hände und trat gekonnt auf ihr Skateboard, damit es sich wieder richtigrum drehte. Sie versuchte ihn anzulächeln, was sich in ihrer Schockstarre schwierig gestalten ließ, „Ich bin schon total zu spät, ich muss los. Ciao Younes“, sein Name kam ihr zittrig über die Lippen, sie ärgerte sich maßlos darüber und sie fühlte, wie heiß ihre Wangen wurden. Dann stieß sie sich schon ab und sauste weiter gekonnt die Straße entlang.
All ihre Gedanken drehten sich nun nur noch um Younes, nicht das sie das früher oder später an diesem Tag eh getan hätten, da sie ihn ja nun wirklich immer in der Schule sah. Doch heute hatte er mit ihr Gesprochen, es war nicht bei dem fernen anschmachten geblieben wie sonst. Er hatte tatsächlich mit ihr gesprochen und ihr sogar aufgeholfen. Und sie hatte ihn fast über den Haufen gefahren, der Gedanke ließ es ihr heiß den Rücken runter laufen, so peinlich war ihr das.
Vor dem Schultor kam Felice schlitternd zu stehen, sie trat ihr Board hoch und rannte mit ihm in der Hand zum Schulgebäude. Sie war jetzt schon fast eine Halbestunde zu spät, das würde Ärger geben, doch es kümmerte sie wenig. Ihr Schädel brummte und ihre Gedanken überschlugen sich. Was hatte er dort gemacht? War er auch spät dran oder hatte er erst zur zweiten Stunde? Außeratem schob sie die Glastür, die zu dem Gang mit den Klassen ihres Jahrganges führte, auf. Es verwunderte sie nicht, dass direkt neben der ersten Klassentür auf der rechten Seite Marcel auf dem Boden saß. Scheinbar war er wieder bei Frau Markwart rausgeflogen, so wie sie auch gleich rausfliegen würde. Also setzte sie sich gleich neben ihn. Langsam ließ sie sich an der Wand hinab rutschen, dann ließ sie ihren Kopf auf seine Schulter sinken und murmelte ein „Guten Morgen“
„Morgen Feli“, Marcel lehnte seinen Kopf an ihren, „bist ja ziemlich spät dran heute.“
„Mmhm“, seufzte sie.
„Ohje, ich ahne Schlimmes“, die Belustigung war unüberhörbar, „Hab ich es mir doch gedacht!“, er hörte sich triumphierend an.
Feli hob sachte den Kopf und warf einen Blick zurück auf die Glastür und wie sie es schon befürchtet hatte, lief Younes daran vorbei. Er fing ihren Blick auf und lächelte für einen Moment, bis er scheinbar Marcel registrierte, dann wandte er sich ab und verschwand im nächsten Gang. Wieder seufzte Felice und ließ ihren Kopf zurück auf die Schulter ihres besten Freundes sinken.

In der großen Pause schoben sich Felice und Marcel zusammen mit Anja durch die Massen der Schüler hinaus auf den Schulhof und suchten sich einen Platz unter dem Baum am Sportplatz.
„Was war denn los heute Morgen? Du bist doch sonst nie zu spät!“, brach es aus Anja heraus, sobald sie saß.
Felice zuckte mit den Schultern: „Ich hab verschlafen und dann wurde ich aufgehalten…“
Marcel lachte: „Ja von keinem geringeren als Prinz Charming“
„Waaas???“, Anja kreischte es und Feli beeilte sich ihr den Mund zu zuhalten.
„Psst, nicht so laut. Ja er hat mich von meinem Board geschleudert, mehr nicht.“, zum Beweis zeigte sie ihrer Freundin ihre aufgeschürften Handflächen.
„Ich versteh echt nicht, warum du nicht mit ihm redest.“, meldete sich Marcel, „Ich mein er scheint sich auch noch an dich erinnern zu können, jedenfalls lächelt er dich immer an.“
„Ich glaub das nicht…“, seufzte Felice und puhlte an dem ausgefransten Loch in ihrer hellblauen, ausgewaschenen Jeans herum. „Du sagtest doch, ihr ward die besten Freunde im Kindergarten und in der Grundschule ward ihr auch noch befreundet?“
„Ja, aber dann ist er in der fünften Klasse nach Kanada gezogen.“, sie wurde leiser, „Es war alles anders als er weg war…“, dass für sie eine Welt zusammengebrochen war, verschwieg sie lieber. Sie war immer beliebt gewesen, alle fanden sie cool, besonders die Jungs, weil sie immer lieber mit ihnen gespielt hatte. Doch dann war Younes gegangen und er hatte einen Teil von ihr mitgenommen, das hatte sie ganz deutlich gespürt, selbst in der fünften Klasse. Sie hatten nie irgendein engeres Verhältnis als Freundschaft, doch so wie sie sich bei seiner Abreise gefühlt hatte, konnten ihre Gefühle nicht rein freundschaftlicher Natur gewesen sein. Das abstruse daran war, dass es einfach nicht besser wurde. Es kam die sechste Klasse und sie zog sich immer mehr von allen zurück. Dann kam der Schulwechsel, neue Leute, neue Fächer, ein Neuanfang. Sie freundete sich in der siebenten Klasse mit Anja an und mit Marcel in der achten. Doch so sehr sie die Beiden auch nicht mehr missen mochte, da war immer noch ein leerer Platz in ihrem Herzen und sie wusste wem dieser gehörte. Sie hatte sich in den ganzen Jahren schon daran gewöhnt ein ewiges Gefühl aus Schwermut mit sich herum zu tragen und so fiel es ihr irgendwann gar nicht mehr auf. Nur ihre Mutter sagte immer, dass sie die einzige wäre, die sie so oft seufzen hörte und das selbst dann, wenn es gar keinen Grund gab. Sie erzählte niemanden von Younes und ihrem Kummer, der sich bis in die zehnte Klasse hielt. Sie träumte oft von ihm und nicht weniger oft wachte sie weinend auf. Das seltsame daran war, dass sie nicht von dem kindlichen frechen Kumpel aus Kindertagen träumte, sondern von einem hübschen, jungen Mann mit einem unwiderstehlichen Lächeln und einem Blick, der flüssiger Schokolade glich. Umso schockierender war es für Felice, als sie nach den Sommerferien zurück in die Schule kam und genau diesem Jungen aus ihren Träumen über den Weg lief und er sie auch noch nach dem Weg zu den Chemieräumen fragte. Allein die Erinnerung ließ sie rot werden, sie hatte nur irgendetwas gestottert und wild gestikulierend die Treppen runter gezeigt. Doch er hatte sie lieb angelächelt und sich bedankt. In den nächsten Tagen hatte sie alles daran gesetzt, raus zu bekommen wer dieser Junge war, der es wagte ihrem Traum-Younes so ähnlich zu sehen. Nach drei fürchterlich langen Tagen hatte sie sich Marcel anvertraut, natürlich nur mit den Infos, die er auch dringend brauchte um ihr zu helfen. Und innerhalb der nächsten Pause wusste Felice schon Bescheid: Younes war tatsächlich wieder zurückgekehrt!
Ihr war schleierhaft, wie ihr Unterbewusstsein sein Aussehen rekonstruieren konnte, aber es hatte es getan und zwar perfekt. Das war vor einem halben Jahr gewesen und seit dem war die alles lähmende Schwermut mit dem Gefühl des vergessen worden seins gefüttert worden. Younes hatte sich nicht an sie erinnert, und Felice hätte sofort losheulen können, wenn sie nur daran dachte. Seit fünf Jahren bekam sie ihn einfach nicht aus dem Kopf und nun war er wieder zu Hause und er konnte sich nicht einmal an sie erinnern.
Das alles wollte sie aber Anja und Marcel nicht erzählen. Sie hätten sie für verrückt gehalten. Tatsächlich hatte sie noch nicht einen Freund gehabt. Sicherlich interessierten sich einige Jungs für sie, sie war hübsch mit ihrem braunen, glatten, langen Haar und ihrem puppenhaften Gesicht. Die großen, blauen Augen, die von dunklen Wimpernkränzen gesäumt waren, gaben ihr einen unschuldigen Ausdruck, auch wenn sie die meiste Zeit etwas traurig wirkten. Ihre Lippen waren schön geschwungen und hatten eine perfekte Fülle, die mit ihrer zarten Stupsnase harmonisierte. Und ihre Figur war tadellos, ein Schmales Becken ein flacher Bauch, eine hübsche, nicht zu große Oberweite und alles in allem sehr sportlich, da sie es selten lange drinnen aushielt. Sie brauchte den Wind um die Nase, also fuhr sie Fahrrad oder Skateboard, sie lief auch ab und an gerne, einfach um einen freien Kopf zu bekommen.
Sie interessierte sich aber nicht für die Jungs, außer für einen…wieder seufzte sie.
„Aber er sieht auch echt gut aus“, meinte Anja und sah quer über den Schulhof. Felice folgte ihrem Blick und sah Younes bei seinen Kumpels auf einer Bank sitzen, die in der Nähe des Schuleingangs stand. „Aber Jasper ist noch viel, viel toller.“, kicherte sie dann. Jasper war Younes bester Freund und Felice war ganz und gar nicht Anjas Ansicht. Er sah okay aus, ja, aber Younes? Er war so lässig und cool, so unnahbar. Seine blonden Haare, die er stachelig gestylt hatte, glänzen in der Sonne und er schien sich prächtig mit seinen Jungs zu unterhalten.
„Kommt, es klingelt gleich.“, Marcel half den beiden Mädels auf und dann liefen sie wieder zum Eingang, wobei Felice mit leichtem Unbehagen feststellte, dass Younes und seine Jungs noch keine Anstalten machten wieder rein zu gehen. Doch Marcel ging ungerührt weiter. Auf der Höhe der Jungs, sah Feli krampfhaft auf den Boden, ihr Herzschlag beschleunigte um ein vielfaches. Das würde die ganze nächste Stunde kosten, ihn wieder zu normalisieren. Warum nur erinnerte er sich nicht an sie? Würde es denn die Sache besser machen, wenn er sich erinnern würde? Was wäre wenn sie befreundet wären, würde sie ihn immer noch so anhimmeln? Warum sollte es anders sein?
„Wie geht es deinen Händen?“, Felice zuckte zusammen, sie war so in Gedanken versunken gewesen, dass sie nicht gemerkt hatte, dass Younes und seine Kumpels sich dem Strom nach drinnen angeschlossen hatten, unmittelbar hinter ihnen. Sie sah ihn mit großen Augen an, dann sah sie zu ihren Händen: „Geht schon“, murmelte sie, „ich hatte schon schlimmere Verletzungen…“
„Du meinst wie deine aufgeschlagenen Knie in der dritten Klasse?“
Felices Kopf ruckte hoch. Hatte er das tatsächlich eben gesagt? Sie hatte ihre Mimik nicht mehr unter Kontrolle, sie fühlte wie sich ein warmes Lächeln auf ihren Lippen ausbreitete und dann hörte sie ihre Stimme, als wäre es die einer Fremden: „Zum Beispiel! Daran kannst du dich erinnern?“
„Klar“, seine braunen Augen funkelten fröhlich, „Ich hab dich zu Frau Roth gebracht…“
„…und du bist die ganze Stunde über nicht wieder gegangen.“
Jetzt grinste er sie breit an: „Warum auch, ich wollte ja mit dir spielen!“
Sie erreichten das Stockwerk der elften Klassen und Felice steuerte aus der Menge heraus, doch nicht ohne sich noch einmal lächelnd zu ihm umzudrehen. Younes zwinkerte ihr zu: „Bis bald, Feli.“, dann ging er mit seinen Freunden die Treppen hoch, schließlich war er schon in der Zwölften.
Anja sah sie grinsend an: „Ich würde sagen, das ist heut dein Tag, oder?“
Felice hüpfte auf und ab und schmiss sich ihrer Freundin um den Hals, dann flüsterte sie: „Er kann sich doch an mich erinnern!“
„Hab ich dir doch die ganze Zeit schon gesagt!“, brummte Marcel und schlenderte in die Klasse.

Sie war so aufgelöst, dass sie kaum was von dem Unterricht mitbekam. Glücklich kritzelte sie am Rand ihrer Notizen immer und immer wieder seinen Namen, was Marcel, der neben ihr saß, schmunzelnd aber die augenverdrehend zur Kenntnis nahm. Felice war wie befreit, er hatte nicht alles vergessen und er hatte sie wiedererkannt. Das war doch schon mal mehr, als sie sich hätte träumen lassen. Jetzt musste sie nur noch mit ihrem Liebeskummer zurechtkommen, aber unter diesen Umständen, dass ihr ihre Schwermut genommen wurde, tat sie es gerne. Nahm sie sich zumindest vor. Doch es würde hart werden, er sah einfach zu gut aus, es standen viel zu viele Mädchen auf ihn. Das Positive war aber, dass sie für ihn immerhin nun wieder einen Wiedererkennungswert hatte, sie war nicht irgendein Mädchen was ihn anhimmelte. Sie war seine beste Freundin aus Kindertagen, die so verrückt war sich in seiner Abwesenheit unsterblich in ihn zu verlieben.

Es war als hätte dieser Tag einen Stein ins Rollen gebracht. Sie hatte ihren Eltern nie erzählt, dass Younes wieder zurück in der Stadt war. Vielleicht war es ein wenig fies gewesen, da Younes Mutter früher mit Felices Mutter befreundet gewesen war, aber andererseits, hatte sich Sharon auch nicht von alleine gemeldet. Felice war sich jedoch ziemlich sicher, dass es besser war, mit ihrem Problem nicht hausieren zu gehen, auch nicht bei ihren Eltern. Umso größer war die Überraschung als Sharon, dann plötzlich doch vor der Tür stand und Tanja fast in Tränen ausbrach vor Freude.
Felice erstarrte als sie in die Küche zu ihrer Mutter kam und dort Sharon am gedeckten Kaffeetisch sitzen sah.
„Oh Gott, Tanja, das ist doch wohl nicht deine Kleine oder?“
Felices Mutter lachte: „Doch, doch. Es ist viel Zeit vergangen.“
Sharon stand auf und lief aufgeregt zu Felice hinüber, nahm ihr hübsches Gesicht in die Hand und lächelte dann breit, dann nahm sie sie in den Arm: „So ein bildhübsches Mädchen, aber das warst du ja schon immer.“ Der Duft von Sharons hellblondem, langem Haar weckte in Felice Erinnerungen aus ihrer Kindheit und sie fühlte sich sofort geborgen. Als sie wieder los gelassen wurde, sah Sharon sie vorwurfsvoll an: „Ihr habt euch aber sehr gut abgesprochen, Younes und du.“
„Was? Nein, was sollen wir haben?“
„Ein halbes Jahr über wusste ich nicht wie ich deine Mutter ausfindig machen konnte. Younes hat nicht ein Sterbenswörtchen von dir erwähnt.“
Felices Magen zog sich zusammen. Nun mischte sich auch noch ihre Mutter ein: „Feli hat auch nichts gesagt. Aber ihr habt euch doch in der Schule treffen müssen? Oder wusstest du auch nicht, dass dein bester Freund wieder zurückgekehrt ist?“
Felice wusste nicht wo ihr der Kopf stand, langsam ging sie rückwärts aus der Küchentür und statt zu antworten murmelte sie nur: „Marcel ist mein bester Freund“, dann ließ sie die Tür zufallen und lehnte sich gegen die Wand daneben, an der sie sich auf den Boden sinken ließ.
Erst rauschten unaufhörlich längst vergessene Erinnerungen durch ihren Kopf, doch als sie den Strom langsam unter Kontrolle bekam, drang das Gespräch aus der Küche wieder zu ihr durch. Und plötzlich war ihr Interesse geweckt.
„Das war schon seltsam“, hörte sie Sharon sagen, „So plötzlich aus dem nichts kam Younes zu mir und war wie ausgewechselt. Und nach einigem Rätselraten rückte er dann endlich mit der Sprache heraus und erzählte mir, dass er mit Feli gesprochen hatte. Ich fiel aus allen Wolken, weil er sie noch nie erwähnt hatte und alle Anstalten, die ich unternommen hatte euch zu finden, im Nichts verlaufen sind…“
„Ja wir sind vor einem Jahr umgezogen und haben uns noch nicht ins Telefonbuch eintragen lassen. Aber hätte Feli ein Ton gesagt, hätte ich doch auch versucht Kontakt aufzunehmen. Warum seid ihr eigentlich wieder zurück gekommen?“
Es folgte ein Schweigen, dann antwortete Sharon endlich: „Younes ging es nicht gut, schon als wir abfuhren ging es bergab mit ihm. Wir dachten es würde mit der Zeit besser werden und dass es nur das Heimweh wäre.“, wieder schwieg sie, „Es wurde aber immer schlimmer. Er zog sich zurück wurde zu einem Einzelgänger…“
Diese Beschreibung passte nicht zu Younes, Feli sah ihn vor sich, mit seiner Clique aus der Schule in der Pause auf dem Hof. Er war gesellig und sehr beliebt und das nicht nur bei seinen Jungs. Sie seufzte, doch so gleich bekam sie eine Antwort auf ihre Gedanken.
„Ethan und ich beschlossen also zurück zu kommen. Unseren Traum vom Auswandern wollten wir nicht auf dem Rücken unseres Kindes austragen. Doch Ethan hatte eine Festanstellung und war vertraglich fünf Jahre gebunden gewesen.“
„Das ist echt seltsam…“, Tanja hörte sich nachdenklich an, „So wie du von Younes Entwicklung erzählst, ist es als wenn du von Felice erzählst. Es war genau dasselbe bei ihr. Sie hat niemanden mehr an sich herangelassen und sie hat ihre Unbeschwertheit an dem Tag abgelegt als ihr abgefahren seid.“
„Ehrlich gesagt“, Sharon senkte ihre Stimme, „ich denke, dass es wirklich mit der Trennung der Zwei zusammenhing. Als wir wieder hier waren wurde er wieder etwas offener und jetzt vor ein paar Tagen wirkte er erstmals wieder so Sorglos, irgendwie glücklich. Ich hab meinen Sohn lange nicht so gesehen.“
„Das ist seltsam. Aber jetzt wo du es sagst, irgendwie wirkte Feli auch etwas befreiter.“
„So seltsam ist das gar nicht. Ich hab mich ein wenig über diese Symptome schlau gemacht und bin einfach mal davon ausgegangen, dass es deiner Feli nicht anders geht. Mein Vater sagte mir, dass es einen uralten Hexenbrauch gab.“
Feli hörte wie ein Stuhl über das Linoleum des Küchenfußbodens kratzte und die Fensterläden der Küche beim Schließen quietschten. Ihre Mutter war immer sehr, sehr vorsichtig, wenn es um Gespräche bezüglich ihrer Wurzeln ging.
„Was meinst du damit Sharon?“
„Er erzählte mir von einem Bannkuss, der stattfand um zwei starkmagische Sprösslinge miteinander zu verbinden. Es ist wohl allein Hexen vorbehalten ihren Partner zu bannen, vorausgesetzt er ist ebenfalls magischer Abstammung.“
„Aber das ist doch unmöglich, wann soll das denn passiert sein?“
„Es muss im Kindergarten oder in der Grundschule passiert sein…ich tippe aber auf den Kindergarten, da der Bann schon so ausgeprägt war, als wir abreisten.“
„Das geht doch gar nicht, Felice hatte doch im Kindergarten ihre Kräfte noch gar nicht…jedenfalls waren sie noch nicht sehr stark…“
Felice erstarrte, konnte das tatsächlich stimmen? Hatte sie Younes an sich gebunden? Sofort überkam sie ihre heimlichste Erinnerung und mit ihr ein schlechtes Gewissen.

Felice und Younes waren etwa drei Jahre alt, sie saßen zusammen draußen am Mittagstisch ihres Kindergartens. Sie waren die beiden letzten. Feli hätte schon spielen gehen können, doch Younes hatte noch nicht aufgegessen und musste sitzen bleiben. Sie hatte Younes schon immer gemocht, am liebsten spielte sie mit ihm. Immer wieder kamen einige Kinder und fragten Feli, ob sie nicht mit Spielen kommen wollte, doch sie blieb bei ihrem besten Freund sitzen. Nach einer gefühlten Ewigkeit wurde Younes der Teller weg genommen, den er immer noch nicht leergegessen hatte und wurde mit einer Ermahnung entlassen. Lachend tobten sie durch den Garten und wurden gleich in das Versteckspiel einiger Kinder integriert. Younes lachte Feli an, griff nach ihrer Hand und zog sie hinter das Spielhäuschen in die Büsche. „Hier finden die uns nie.“, den Satz hörte sie noch als wäre es erst gestern gewesen. Dann lächelte er sie wieder an: „Danke, dass du bei mir warst.“
Feli zuckte mit den Schultern grinste ihn frech an und drückte für eine winzige Sekunde, dem verblüfften Jungen ihre winzigen Lippen auf seine. „Bitte!“
Dann riss die Erinnerung ab.

Was hatte sie nur Younes damit angetan? Und was hatte sie sich selbst damit aufgehalst? Wusste Younes davon? Wusste Younes überhaupt was er war? Sie selbst war mit dem geheimen Wissen groß geworden. Eigentlich war es auch notwendig, da man sonst großen Schaden anrichten konnte mit den ungeahnten Kräften und Fähigkeiten. Hatte Sharon ihm ihre Theorie unterbreitet? Oder wollte sie es erst mit Felices Mutter besprechen?
„Okay, lass uns auf den Dachboden gehen, vielleicht finden wir in unseren Büchern einen Rat.“, hörte Feli ihre Mutter vorschlagen.
„Das ist eine gute Idee.“, wieder quietschte der Linoleum Küchenboden unter den Stühlen, das war das Zeichen für Feli zu verschwinden.
Schnell war sie die Treppen hochgeflitzt und in ihrem Zimmer verschwunden. Nachdenklich warf sie sich auf ihr Bett. Wie konnte es sein, dass sie ihn gebannt haben soll? Sie war doch erst drei Jahre alt gewesen. Was würde er dazu sagen wenn er es erfuhr? Er würde sie hassen. Würde er das überhaupt können? Wie stark war der Bann? Konnte man ihn brechen? Wollte sie dass er gebrochen wurde? Sie konnte sich nicht im Geringsten vorstellen an jemand anderen zu denken als an ihn. Wenn es nach ihr ging könne es so bleiben…doch das wäre Younes gegenüber nicht fair. Eine stumme Träne bahnte sich ihren Weg über ihre hübschen Wangen. Sie war verzweifelt.

Dass Younes sie über den Haufen gerannt hatte war jetzt etwa eine Woche her und seit dem trafen sich immer öfter ihre Blicke auf dem Schulhof, immer öfter grüßte er sie und lächelte sie unwiderstehlich an, wenn er sie fragte wie es ihr ging. Jedes Mal war es das gleiche, Felice lief leicht rot an und ihr Herz begann in einem ungesunden Rhythmus zu flattern. Nicht selten stolperte sie wenn sie seine warme Stimme direkt hinter sich hörte, wenn er sich mal wieder hinter sie ins Schulgebäude geschmuggelt hatte. Er lächelte sie dann nur liebevoll an und hielt sie sanft am Arm fest, was sie noch röter werden ließ.
Anja freute sich riesig für ihre Freundin, doch sie verstand nicht warum Felice so reserviert blieb und weiterhin Trübsal blies. Schließlich hatte nicht jedes Mädchen das Glück, dass ihr Schwarm auch mit ihr Sprach. Immer wieder versuchte sie ihr ins Gewissen zu reden, doch Felice schüttelte nur immer den Kopf und lenkte entweder vom Thema ab oder begann sie zu ignorieren. Und trotzdem beobachtete Anja wie Felices Blicke in Younes Richtung immer sehnsüchtiger wurden. Marcel beobachtete es ebenfalls bei seiner besten Freundin, umso mehr wunderte er sich, dass Feli seine Nähe suchte, obwohl Younes für sie doch greifbar zu sein schien.

Am Dienstag war Marcel bei Felice und sie sahen sich gerade einen Film an, als es an der Tür klingelte. Feli kümmerte sich nicht weiter drum, schließlich war ihre Mutter ja unten in der Küche und so drehte sie sich nur auf die Seite und legte ihren Kopf an Marcels Schulter. Anja hatte keine Zeit, da sie zum Tanzunterricht musste und so hatte sie sich mit Marcel alleine getroffen. Wenigstens konnte sie sich mit dem Film und Marcel so ein wenig von den Gedanken, die sich die ganze Zeit um Younes drehten, ablenken. Ein paar Minuten später hörten sie Schritte auf dem Flur und ein Klopfen an ihrer Tür. „Herein“, sie drückte ‚Pause‘ und sah zur Tür, die sich nun öffnete.
Tanja stand freudestrahlend in der Tür: „Schätzchen, schau mal wer dich hier besuchen möchte.“, damit zog sie jemanden an ihre Seite, der Felices Puls in die Höhe trieb. Erst recht als sie seinen Blick auf sich und Marcel spürte, auf dessen Schulter sie immer noch lag. Sie hob langsam den Kopf und flüsterte leise „Younes“
„Oh hey, ich wollt euch nicht stören.“, er fühlte sich unbehaglich, man konnte es in seinen Augen lesen.
„Quatsch du störst nicht.“, das war Marcel, „Ich muss eh los, dann kannst du ja Feli jetzt Gesellschaft leisten“ Marcel rappelte sich hoch und sprang vom Bett, dann griff er sich seine Sweatshirtjacke vom Korbstuhl und ging zur Tür, die noch offen stand. Tanja war mittlerweile wieder runter gegangen. Marcel drehte sich noch einmal zu seiner besten Freundin um und zwinkerte ihr zu bevor er die Tür hinter sich zu zog.
Feli hatte Marcels Aufbruch mit offenem Mund verfolgt und sah nun wieder zu Younes, der immer noch vor der, nun verschlossenen, Tür stand.
„Hey“, versuchte sie es, ihr Mund war vollkommen ausgetrocknet, „Was machst du hier?“, am liebsten hätte sie sich auf die Zunge gebissen, das hatte sich ziemlich unfreundlich angehört. Aber Younes störte sich nicht daran, er lächelte sie schief an: „Meine Ma besucht deine und ich dachte, ich könnte dich besuchen.“
Sie lächelte: „Das ist…“, was sollte sie sagen? Umwerfend? Süß? „nett. Komm doch und setz dich.“, sie sah sich um und stellte fest, dass wieder ein unglaubliches Chaos in ihrem Zimmer herrschte und alle Stühle mit Kram beladen waren. Es blieb nur das Bett. Younes war scheinbar zu derselben Erkenntnis gekommen und kam zu ihr rüber und setzte sich ihr zugewandt auf die Bettkante.
Es herrsche einen Moment lang betretenes Schweigen, dann fing Younes wieder an: „Ist der Junge dein Freund? Ich sehe ihn immer mit dir zusammen.“, seine schokoladenbraunen Augen betrachteten sie aufmerksam. Feli hing jedoch an seinen unglaublich weich aussehenden Lippen und nickte abwesend, und zwar solange bis ihr die Bedeutung seiner Worte klar wurde. Dann schüttelte sie abrupt den Kopf: „Er ist mein bester Freund.“
Wieder umspielte ein zartes Lächeln seine Lippen. „Er hat also meinen Platz eingenommen?“
Felice legte den Kopf schief und ihre kastanienbraunen Haare fielen ihr über die Schulter, dann sah sie auf ihre Hände: „Das könnte er nicht“, es war nur ein flüstern.
„Du hast mir gefehlt Feli!“, diese Worte ließen sie unsicher aufschauen. Ob er das auch gesagt hätte wenn sie ihn nicht an sich gebunden hätte?
„Das fällt dir ein halbes Jahr später auf, nachdem wir uns wieder gesehen haben?“, sie versuchte es belustigt klingen zu lassen, doch die Zeit, in der sie dachte er wüsste nicht wer sie war, hatte eindeutig ihre Spuren hinterlassen. Ihr Lächeln erreichte jedenfalls nicht ihre traurigen Augen.
Younes war ein Stück näher gerutscht und sah sie entschuldigend an: „Ich war mir nicht sicher, ob du es bist. Du hast dich so sehr verändert. Erst als du mit mir gesprochen hast, konnte ich mir sicher sein und als du auf meine Anspielung auf die 3. Klasse eingegangen bist…ich war so froh dich wieder gefunden zu haben.“
Feli setzte sich auf und warf ihr langes Haar über ihre Schulter und lächelte ihn aufrichtig an: „Du hast dich auch sehr verändert. Warum seid ihr wieder hergezogen?“
Younes Blick wurde unsicher: „Der Fünfjahresvertrag meines Vaters ist ausgelaufen und meine Eltern wollten wieder zurück.“
Feli stand auf und machte ihre Musikanlage an: „War bestimmt doof für dich, hattest bestimmt einen riesigen Freundeskreis, den du zurück lassen musstest.“
„Wieso denkst du das?“, Younes sah sie überrascht an als sie sich wieder zu ihm setzte. Der Abstand zwischen ihnen war noch geringer geworden.
„Naja, es hatte nicht lange gedauert, da warst du an unserer Schule der Nukleus an Coolness. Ich schätze in Kanada war es nicht anders?“
„Doch eigentlich schon. Ich weiß nicht…ich glaub ich hatte Angst mir Freunde zu suchen, für den Fall, dass wir wieder umzogen, was wir ja dann auch taten.“
„Aber das waren fünf lange Jahre.“, Feli hörte sich entsetzt an und Younes musste schmunzeln.
„Keine Angst mir ging es gut.“, irgendwas in seinem Blick sagte ihr, dass er log, „Ich hab mich ab und zu mit der Tochter unserer Nachbarin getroffen und ihrem Cousin, der ein sehr guter Freund von mir wurde, aber das war es auch schon.“
Bei seinen Worten zog sich ihr Magen zusammen, war dieses Mädchen für ihn mehr als nur eine Freundin gewesen? Das konnte sie ihn doch nicht fragen. Sie wandte den Blick ab und biss sich auf die Lippen. Da spürte sie sanft seine Hand an ihrem Kinn und strich ihr mit dem Daumen über die Unterlippe: „Nicht, beiß nicht deine hübschen Lippen kaputt.“
Sofort hörte sie auf und sah ihn überrascht an. Ihre Blicke trafen sich und sie versank in flüssiger Schokolade. Genau in diesem Augenblick wurde die Tür aufgerissen und Sharon und Tanja standen im Türrahmen und starrten auf ihre Kinder. Völlig panisch stürmte Sharon zu ihrem Sohn und rupfte ihn vom Bett: „Wir müssen gehen Younes, komm!“
„Aber, was ist denn?“, er sah seine hektische Mutter stirnrunzelnd an.
„Wir müssen gehen.“, wiederholte sie nur. Er verdrehte genervt die Augen, was Felice zum schmunzeln brachte, als er es sah lächelte er sie an, machte sich flink von seiner Mutter los und gab seiner ehemals besten Freundin einen Kuss auf die Wange und flüsterte: „Bis Morgen, Feli“
Schnell hatte Sharon ihn wieder am Schlafittchen gepackt und schliff ihn hinter sich aus Felices Zimmer. Auf Tanjas Höhe sah Sharon zu ihr: „Du Regelst das ja?“
„Ja mach ich, aber versprich mir, dass du es Feli überlässt.“, Sharon nickte, dann waren sie weg.
Kaum hörte Felice wie die Haustür zuschlug, fühlte sie sich einsam und ihr wurde bewusst wie wohl sie sich in seiner Nähe gefühlt hatte und vor allem wie sicher.
Am liebsten wäre sie ihm hinterher, doch sie stand nur auf und huschte unter dem Blick ihrer Mutter zum Fenster und sah Sharon und Younes dabei zu wie sie in ihren Renault stiegen. Doch auch Younes drehte sich noch einmal um und sah zum Haus zurück. Und als wäre sie ein Magnet fand er innerhalb weniger Sekunden ihr Fenster an dem sie stand. Ihr Mundwinkel zuckte in die Höhe. Es war seltsam, irgendwie wurde es stärker, das Gefühl der Verbundenheit, die Zuneigung, der Drang seine Nähe zu suchen. Sie biss die Zähne zusammen und riss sich vom Fenster los und drehte sich zu ihrere Mutter um.
„Was war das denn?“
Tanja sah sie besorgt an: „Komm Feli, ich muss mit dir reden!“
Das hatte sie befürchtet, sie seufzte und folgte schließlich ihrer Mutter auf den Dachboden.

Tanja setzte sich in ihrem langen Rock auf den Boden, der von einem riesigen weißen Pentagramm geziert war und zog ein dickes, rotes, altes Buch auf ihren Schoß.
„Komm her Feli, ich hätte nicht gedacht, dass es sowas noch gibt und dann auch noch in diesem Ausmaß, aber es wird scheinbar Zeit für eine Zusatz Einführung in die Selbstwirkende Hexenkunst.“
„Okay, was ist das?“
„Pass auf es gibt Kräfte, die die ganze Zeit über wirken, ohne dein direktes Zutun. Zum Beispiel, dass du von größeren Gefahren automatisch ferngehalten wirst. Und dann gibt es Zauber die alleine durch Handlungen ausgelöst werden, dazu gehören unter anderem.“, sie wuchtete den Wälzer auf Felices Knie, „dieser Zauberbann.“

Der Bannkuss
Ausführbar nur durch eine starkmagische Hexe. Die Reinheit der empfundenen Gefühle ist die Voraussetzung und gleichzeitig Auslöser des Bannes. Meist hat die Hexe selbst keine Möglichkeit den Bann aktiv auszulösen. Der Bann wirkt je nachdem wie stark die empfundenen Gefühle für den erwählten magischen Partner ausfallen. Je mehr Zeit vergeht, desto stärker wird der Bann und die entstandene Bindung. Eine Trennung ist nur sehr unratsam, dennoch versuchte enden mit schweren Depressionen und Niedergeschlagenheit. Wenn ein solches gebundenes Paar nach einem langen Zeitraum wieder aufeinander trifft, wird der Bannkuss alleine durch die aufkommende Zuneigung wiederholt und erneuert und dadurch unbrechbar.

Bannbruch:
Der Bannkuss kann nur wiederrufen werden mit einem Kuss, der mit reinem Hass getauscht wird. Es gelingt selten, da der Bann meist schon zu sehr die Partner aneinander gebunden hat und die Gefühle selten ins Negative geraten.

Felice hatte fertig gelesen und starrte nun auf die vergilbten Buchseiten mit der Geschwungenen Schrift und frage Monoton: „Und?“
„Erinnert dich diese Gefühlsbeschreibung nicht ein wenig an die letzten fünf Jahre, Felice?“
„Vielleicht…“
„Ich weiß von Sharon, dass es Younes nicht besser ging…“
„Aha…“
„Wir denken, dass du ihn gebannt hast, Kleines.“
„Wann soll ich das getan haben?“
„Das wollt ich dich fragen. Gibt es eine Situation, an die du dich erinnern kannst, in der du ihn geküsst hast?“
Felice schwieg und starrte weiter auf das Buch.
„Du kannst dich daran erinnern nicht wahr?“, hakte Tanja nach.
Felice lief eine stumme Träne über die Wange und tropfte auf die Buchseite, dann nickte sie und flüsterte: „Als wir drei waren, im Kindergarten…“
Ihre Mutter hörte sich überrascht an: „Hatte Sharon also wirklich recht! Oh ich bin so stolz auf dich, ich wusste nicht, dass meine Kleine eine so starke Hexe ist“, überglücklich zog sie ihre Tochter in ihre Arme.
„Warum habt ihr gerade mein Zimmer gestürmt?“, Feli sprach leise. Verlegen ließ Tanja ihre Tochter wieder los.
„Sharon und ich….als erstes musst du wissen, dass wir uns nichts Schöneres vorstellen könnten, als das ihr Zwei, naja ihr halt eine Einheit bildet. Doch wir sind der Meinung, dass auch Younes da Mitspracherecht haben sollte. Sharon war aufgesprungen als sie gelesen hatte, dass der erste Kuss nach einer langen Trennung den Bann unbrechbar machen sollte und sie wollte Younes halt noch die Wahl lassen…es war ja fast zu spät.“
Felice lief rot an und stellte sich unwillkürlich seine schönen Lippen auf den ihren vor und sofort überkam sie eine Gänsehaut.
„Wir denken es wäre am besten, wenn du es Younes beibringst.“
Felice schluckte: „Na toll, wenn es dann wirklich so wäre, dann kann er den Bann ja gleich brechen, er wird mich dafür hassen. Ich hab ihm fünf Jahre lang Kummer bereitet.“
„Ich denke nicht, dass er dich so hart ins Gericht nehmen wird, dir ist es ja nicht anders ergangen. Und du warst erst drei, du konntest nicht wissen was passiert.“, dann schweifte Tanja ab und murmelte vor sich hin, „Keiner konnte ahnen, dass es diese Art von Bann noch gab. Du musst so unglaublich stark sein.“

Den restlichen Abend über lag Felice nur auf ihrem Bett und starrte an die Decke. Wie sollte sie denn mit Younes darüber reden? So eng war ihr Draht doch gar nicht. Ja, sie grüßten sich nun wieder und er war sie besuchen gekommen. Aber in der Hofpause konnte sie ja wohl schlecht zu ihm hingehen und ihm erklären was sie getan hatte. Wie sollte das denn bitte ablaufen?
„Hey Younes, wie geht’s? Übrigens ich bin daran schuld dass es dir fünf Jahre lang schlecht ging, du keine Freunde in Kanada finden konntest und deinen Eltern ihren Traum in Kanada zu leben versaut hab. Wollen wir ein Eis essen gehen?“
Verächtlich seufzend schmiss sie sich auf die Seite. Ihre Gedanken glitten weiter ab. Sie schloss ihre Augen und sofort durchströmte ein Gefühl von Sehnsucht ihren Körper. Sie sah sein hübsches Gesicht vor sich und visualisierte sich sein Lächeln, das jedes Mal ein winziges Grübchen auf seiner linken Wange hervorrief. Er würde sie hassen. Aber das wäre genau das richtige um den Bann zu brechen. Allein der Gedanke daran brach ihr Herz.

Am nächsten Morgen stand sie überpünktlich auf und duschte fast eine Halbestunde. Doch die dunklen Schatten unter ihren Augen blieben, wie ein Stempel, der von ihrer viel zu kurzen und sehr unerholsamen Nacht zeugte. Sie hatte nur im Halbschlaf gelegen und war meist dadurch aufgewacht, dass sie weinte.
Schnell war sie etwas geschminkt und angezogen. Sie betrachtete sich im Spiegel und befand, dass sie nicht schlecht aussah. Ihre Lieblingsjeans saß auf ihren schmalen Hüften und ein weißes enges Top schmiegte sich an ihre grazile Figur, darüber hatte sie ein schwarz weiß kariertes Hemd gezogen. Ihr Blick wandere zur Uhr. Sie hatte noch etwas Zeit, also entschloss sie sich noch etwas mit ihren Haaren zu machen, die ihr seidig über die Schultern fielen. Schnell hatte sie sie zur Seite genommen und sie geflochten.
Ihre Mutter war wohl schon aus dem Haus und so setzte sie sich alleine an die Durchreiche und trank ihren Kaffee. Dann flitze sie los, natürlich wieder mit ihrem Skateboard.
Wann sollte sie nur mit ihm reden? Sie bekam ein ganz mulmiges Gefühl wenn sie nur daran dachte. Sie hatte so etwas nie gewollt. Sie war so tief in ihren Gedanken versunken, dass sie nur am Rande mitbekam, dass sie sich dem Schulgelände näherte. Dann passierten mehrere Dinge gleichzeitig:
Anja rief ihre Freundin, die nicht weit von ihr entfernt war und lief grinsend auf sie zu, während Feli sich so erschreckte, dass sie nicht mehr auf die Straße achtete, weil Anja sie aus ihren Gedanken gerissen hatte und nun nach ihr Ausschau hielt. Doch damit sah sie auch nicht, dass direkt vor ihr ein Pflasterstein aus seinem, in den Boden gehauenen, Verbund gelöst in die Höhe ragte und somit eine perfekte Stolperfalle für Felice darstellte, die ungehindert mit ihrem Skateboard darauf zu raste. Und ehe sie sich versah stoppte ihr Board und sie wurde mit voller Wucht nach vorne katapultiert. Feli streckte die Hände von sich, um ihren Sturz abzufangen und schloss, den Aufprall abwartend, die Augen. Doch der blieb aus. Zumindest in der Härte, in der sie ihn sich vorgestellt hatte.
Stattdessen prallte ihr Gesicht gegen etwas festes, was aber definitiv nicht der Boden sein konnte, da ihre Hände immer noch in der Luft hingen und das wogen sie geprallt war einfach himmlisch roch. Außerdem hielt sie scheinbar irgendwas sanft an ihrer Taille fest.
„Oh Gott, Feli, geht es dir gut?“, das war die aufgeregte Stimme ihrer besten Freundin. Gleichzeitig wurde sie von den Händen an ihrer Taille wieder richtig hingestellt. Felice blinzelte, als ihr Gesicht von dem Gegenstand, der so unglaublich gut roch getrennt wurde und stellte fest, dass sie soeben Younes regelrecht angesprungen hatte, und dass das, was ihr den Atem geraubt hatte schlicht weg SEIN Duft gewesen war, da es auch seine Brust gewesen war gegen die sie geknallt war. Sie lief über und über rot an. Doch Younes lächelte sie nur liebevoll an, während sein Kumpel Jasper, mit dem er sich scheinbar eben noch unterhalten hatte, sich kringelte vor Lachen: „Oh man, Alter die Weiber fliegen auf dich. Aber sie nimmt es echt wörtlich.“
Jaspers Worte versetzten Feli einen Stich, wie viele Mädchen kamen denn Younes so nahe? Dann fiel ihr wieder ihre Aufgabe ein und ihre Eifersucht wurde noch größer. Was würde er machen, wenn sie ihn nicht gebunden hätte? Wie viele hätte er dann wohl schon gehabt, wenn sie ihm nicht das Leben zur Hölle gemacht hätte?
Younes achtete aber nicht auf seinen Kumpel: „Geht’s dir gut?“
Bei seiner weichen Stimme verfärbte sie sich noch eine Nuance dunkler, er war so perfekt. Schnell nickte sie, dann sah sie auf ihr Board, was sie hoch trat und in die Hand nahm. Dann rupfte sie Anja an ihrem Arm und zerrte sie von Jasper und Younes weg.
„Erschreck mich nie, nie wieder so, Anja!“
„Ist doch nichts passiert!“, kicherte Anja scheinheilig.
„Doch ich bin fast 1000 Tode gestorben!“
„Ach was, der wird sich schon daran gewöhnen, dass du ihn jetzt einmal die Woche umhaust.“, breit grinste Anja über ihren gelungenen Wortwitz und musste kichern als Felice eine Schnute zog.
„Komm schon, es war doch echt nicht so schlimm!“, setzte sie nach, als sie merkte, dass Feli wieder am dicht machen war, „Er war doch ganz süß zu dir. Er hat nicht gelacht, hat nach deinem Befinden gefragt und irgendwie hat er richtig gestrahlt als du ihn angefallen hast.“
Felice schnaubte. Klar hatte er sie angestrahlt, ihm blieb ja keine andere Wahl, weil sie ihn verhext hatte. Das konnte sie jedoch schlecht Anja erklären. Sie seufzte, wie sehr wünschte sie sich doch, dass das alles echt wäre und sie nichts damit zu tun hätte.
Wann sollte sie es ihm sagen? Sie wurde immer betrübter. Mittlerweile hatten sie ihre Klasse erreicht und sie schob sich neben Marcel auf ihren Stuhl. Dieser lehnte sich lässig nach hinten und grinste sie breit an: „Naaaa, wie war es gestern noch mit Prinz Charming?“
Feli kniff die Augen zusammen, das würde eine Standpauke ihrer Freundin geben. Natürlich schaltete sich Anja auch sofort ein: „Wie? Was meinst du? Hab ich was verpasst?“, neugierig sah sie Feli an, die jedoch scheinbar nicht reden wollte, also sah sie Marcel auffordernd an.
„Naja, wir haben gerade einen Film gesehen, als plötzlich ihre Ma mit ihrem Prinzen in der Tür stand. Er war mit seiner Mutter mitgekommen.“
Anja quiekte wie ein aufgeregtes kleines Schweinchen und hyperventilierte an Felices Stelle. Felice hingegen hatte ihren Kopf auf ihre verschränkten Arme fallen lassen und seufzte wieder.
„Felice Syvan, du wirst sofort, mir, deiner besten Freundin, und ihm, deinem besten Freund, erzählen was da gestern noch bei dir passiert ist!“
Es war ein Befehl und Felice überlegte einen Moment, ob sie sich einfach taub stellen sollte, doch sie wollte keinen Streit vom Zaun brechen und es war ja auch nichts passiert was hätte verschwiegen werden müssen, bis auf den Teil vielleicht, als ihre Mütter ihr Zimmer gestürmt hatten um Younes vor ihr zu beschützen. Sie hob ihren Kopf und blinzelte mit ihren blauen Augen ihre beiden Freunde an: „Es war gar nichts, wir haben uns nur unterhalten. Warum er wieder hier ist. Dass er hier beliebter ist als in Kanada, was vor allem daran lag, dass er Angst hatte wieder Freunde zu verlieren und sich erst gar keine gesucht hat.“
„Und es ist nichts passiert?“, fragte Anja und sah sie prüfend an.
Feli schüttelte den Kopf.
„Und er hat nichts erwähnt, was erklären könnte, warum er dich nach einem halben Jahr erst aufsucht?“, fragte Marcel verwundert.
„Er meinte, er wäre sich nicht sicher gewesen, erst als er mit mir letzte Woche zum ersten Mal gesprochen hatte.“
„Aber siehst du, er hat sich doch Gedanken drum gemacht, ob du es bist oder nicht!“
„Er sagte, ich hätte ihm gefehlt.“, sagte Feli leise, einerseits um Anja endlich das gewitterte Fressen vor die Füße zu werfen und andererseits, weil sie es selbst gerne noch einmal hören wollte.
„Oh ist das romantisch.“, jubelte Anja und Marcel grinste, als er das glückliche Funkeln in den Augen seiner besten Freundin sah. Doch das wich schnell einem traurigen Ausdruck, wenn die beiden nur wüssten wie romantisch das alles wirklich war, nämlich gar nicht. Unter einem Zauberbann zu stehen war bestimmt alles anderes als romantisch.
Gott sei Dank begann dann endlich die Stunde und verhinderte, dass die Beiden weiter auf Feli einstürmten.
In der Hofpause seilte sie sich von ihren Freunden ab und huschte zurück in die Klasse. Sie holte ihre großen neongrünen Kopfhörer aus ihrer Tasche und schaltete ihren MP3-Player an. Dann verschanzte sie ihr Gesicht in ihrer Armbeuge und genoss die Ablenkung der dröhnenden Alternativ-Rockklänge. Sie konnte ja nicht ahnen, dass es besser gewesen wäre bei ihren Freunden zu bleiben.

Kurz bevor sich die drei vor der Schule verabschiedeten hielt Marcel die beiden Mädchen noch einmal zurück. „Achso, was macht ihr eigentlich heut Abend?“
Die Mädchen zuckten mit den Schultern. „Warum?“, fragte Felice.
„Auf dem Volksfest sind heute halbe Preise und solange geht’s auch nicht mehr und wir waren doch sonst auch jedes Jahr dort.“
„Das hab ich ja total vergessen“, Anja schlug sich gegen die Stirn, „Klar ich bin dabei, du doch auch Feli?“
„Lust hätte ich schon…“
„Und wir haben eh erst zur Dritten Stunde…komm schon das wird lustig!“, versuchte Marcel seine beste Freundin zu locken.
Vielleicht war es sogar eine gute Ablenkung, dachte sie sich und stimmte zu.
Gegen 18 Uhr trafen sich die drei vor dem großen Eingang des Festplatzes. Felice hatte richtig gute Laune, weil sie dachte, endlich mal mit den Gedanken von Younes und ihrer bevorstehenden Aufgabe los zu kommen. Aufgeregt hibbelte sie an Marcels Seite herum und versuchte ihn sofort für das nächstbeste Fahrgeschäft zu begeistern. Marcel lachte nur und gab schließlich nach, wie könnte er ihr was abschlagen, wenn ihn ihre blauen Augen so flehend anblitzten. Anja war sowieso dabei, sie war genauso verrückt nach schnellen und turbulenten Fahrgeschäften wie Felice. Und das „FlicFlac“ versprach definitiv solch eines zu sein.
Nach zwei gut durchgeschüttelten Fahrten kamen die Drei lachen heraus getaumelt und gingen erst einmal was trinken. Schnell hatten sie sich einen Schlachtplan zurechtgelegt, der versprach wirklich alle Attraktionen ausprobieren zu können. Nach dem sie das Kettenkarussell unsicher gemacht hatten gingen sie zum nächsten Süßigkeitenstand und deckten sich mit gebrannten Mandeln und kandierten Früchten ein. Felices Augen fingen an glücklich zu funkeln als sie die plüschig, fluffige, rosa Zuckerwatte entdeckte. Es gab kein Halten mehr, schnell zückte sie ihr Portemonnaie und kaufte sich eine. Sie liebte Süßigkeiten und besonders Zuckerwatte. Es war einfach immer ein Muss, wenn sie auf solch einem Jahrmarkt war. Sie war so abgelenkt von ihrer Errungenschaft, dass sie gar nicht hörte, dass sich Anja und Marcel hinter ihr mit Jemand unterhielten. Umso geschockter war sie, als sie sich zu ihren Freunden umdrehte und sofort das Gefühl hatte in einen See aus Zartbitterschokolade zu ertrinken.
„Ich sehe schon, es hat sich nicht viel geändert.“, Younes Stimme klang belustigt als er sie mit ihrer riesigen Zuckerwatte betrachtete. Er trat einen Schritt auf sie zu und gab ihr einen Kuss auf die Wange, „Welch Zufall, dass wir uns hier treffen!“, sein Blick glitt zu Marcel und Feli konnte ganz deutlich den Schalk in seinen schönen Augen aufblitzen sehen. Sofort sah sie auch zu ihrem besten Freund, doch sie schien eher fassungslos. Marcel grinste nur und ignorierte ihre entgleiste Miene. Wie es schien hatten sich Younes, Jasper und noch ein Junge, dessen Name Feli nicht kannte, ihnen angeschlossen. Nachdem sie auch die anderen beiden begrüßt hatte, setzten sie ihren Gang fort. Sowie sich eine Gelegenheit ergab huschte Felice an Marcels Seite, „Sag mir bitte, dass du damit nichts zu tun hast!“
„Ich hab damit nichts zu tun?“, lachte Marcel. „Du bist so furchtbar gemein!“, jammerte Feli nun.
„Und ich dachte ich tu dir einen Gefallen.“
Sie zischte nur und ließ sich wieder zurück zu Anja fallen, die sich jedoch gerade mit Jasper unterhielt. Jasper sah aber Feli nun genauer an und stupste seinen Kumpel an: „Ey Timo, das ist übrigens die Kleine, die so auf Younes fliegt.“
Die beiden fingen schallend an zu lachen, während Felice nur rot anlief und sich verlegen Zuckerwatte in den Mund schob, während sie Marcel in Gedanken meuchelte. Da schob sich ein kräftiger Arm um ihre zarten Schultern: „Lass dich nicht ärgern. Ich fang dich immer wieder gerne auf!“, hörte sie leise Younes stimme. Sie konnte nicht anders, sie hob ihren Kopf und sah ihn an und musste lächeln. Das Gefühl was sich in ihr ausbreitete war wundervoll. Ihr Herz pochte aufgeregt, die Stellen an denen er sie berührte prickelten und ihr Bauch hatte Mühe, die Schmetterlinge unter Kontrolle zu behalten, die aufflogen. Wie von Geisterhand entspannte sie sich und lehnte sich sogar noch ein wenig mehr an ihn, was er mit einem leichten Druck an ihrer Schulter quittierte.
Es war so seltsam. Sie hatten so lange keinen richtigen Kontakt mehr gehabt und nun passierte alles so hoppla hopp und Felice fühlte sich wohl dabei.
Für Younes war es, als wenn er wieder atmen könnte, wenn sie an seiner Seite war. Die Vertrautheit war jedes Mal sofort wieder da, obwohl es noch viel, viel mehr war als bloße freundschaftliche Zuneigung.
Anja entdeckte in diesem Moment die Walzerbahn und stupste aufgeregt ihre Freundin an: „Feli, kommst du mit? Walzerbahn!!!!“
Sofort war Felice Feuer und Flamme: „Klar!“, sie zupfte den letzten Rest von ihrer Zuckerwatte ab und schob es sich in den Mund. Dann entzog sie sich Younes, was zur Folge hatte, dass sie sich plötzlich wieder so einsam fühlte. Aus einem Impuls heraus drehte sie sich zu ihm um: „Kommst du auch mit?“, unsicher biss sie sich auf ihre Unterlippe. Doch er lächelte: „Klar, wenn du mich schon so fragst!“
Anja bewerkstelligte es natürlich so, dass Felice neben Younes saß. Felice sah ihre Freundin argwöhnisch an, doch diese grinste nur und zeigte auf Felices Wange. Schnell tastete sie ihre Wange ab und spürte, dass ihre Wange klebrig war von der Zuckerwatte. Sie wurde rot und versuchte sich es hektisch abzureiben, was Anja kichern ließ.
„Alles okay?“, das war Younes der seine Kindergartenfreundin aufmerksam musterte. Feli nickte nur und vermied es ihn anzusehen. Dafür antwortete Anja: „Ach die Zuckerwatte hat den Kampf noch nich aufgegeben.“
Younes lachte und seine tiefe Stimme, ließ Felices Hormone hüpfen. Sanft legte er ihr einen Finger unters Kinn und schob sich ihr hübsches Gesicht entgegen. Ihr Blick traf sich und es lag so viel liebe darin, dass Feli der Atem stockte.
„Ich sagte doch, es hat sich nicht viel geändert.“, sanft fuhren seine warmen Finger über ihre Wange, dabei flüsterte er kaum hörbar „mundus

“, Feli hatte es jedoch verstanden und sah ihn verträumt an. Er war so perfekt. Ihre Finger wanderten zu ihrer Wange und das klebrige Zeug war weg.
„Danke“, flüsterte sie und lächelte verlegen, wobei sie wieder ihre Unterlippe malträtierte.
„Nicht!“, sein Daumen strich über ihre Lippen, die Spannung wurde unglaublich zwischen ihnen, der Tag zuvor war nichts gegen das, was beide in diesem Moment durchlebten. Die Luft knisterte gewaltig und es schien kein entrinnen zu geben.
„Ick will euch ja nich stören, aber ick möcht eure Chips haben, für traute Zweesamkeet is dat hier nich dat richtije Fahrjeschäft.“, das war die schnarrende Stimme des Schaustellers, der schon alle Gondeln abgeklappert hatte, um die Fahrchips einzusammeln. Sofort zuckte Feli zusammen und sah den Typen, der eigentlich auch ein Penner hätte sein können mit seinen zerschlissenen Klamotten und seinem ungepflegten Bart, an. Schnell drückte sie ihm den Chip in die Hand und quetschte sich dann näher an Anja ran, die die beiden die ganze Zeit aufmerksam beobachtet hatte und fast geplatzt wäre vor Freude für ihre Freundin, jetzt allerdings sah sie den Schausteller böse an. Soweit es ging lehnte sich Feli von Younes weg, der sich im Gegensatz zu ihr nicht so peinlich berührt fühlte.
Dieser Abstand hielt vielleicht gut eine Minute, als sich die Walzerbahn, dann nämlich begann zu drehen und die Gondeln durch die Fliehkraft zu rotieren begannen, konnte Feli ebenso wenig den physikalischen Kräften entgegensetzten, wie die Gondeln selbst. Schnell war sie wieder an Younes gedrückt worden und sogar noch näher als zuvor. Immer wieder versuchte sie sich auf ihren Platz zu kämpfen, doch schließlich hörte sie sein Lachen nah an ihrem Ohr: „Bleib doch einfach bei mir.“, damit hatte er ihr einen Arm um die Taille geschlungen, um sie an seiner Seite zu behalten. Wie durch Zauberei ließ jeder Widerwille nach und sie unterließ die Fluchtversuche. Dennoch dachte sie bissig, dass es kein Wunder war, dass sie sich so wohl fühlte in seiner Nähe und jeden Widerstand aufgab…schließlich war es Zauberei. Sie musste mit ihm reden, dringend, sie wusste nur nicht wann, wie und wo. Trotz ihrer trüben Gedanken genoss sie seine Nähe, die er ihr auch noch gewährte, als sie mit einem Drehwurm aus dem Gefährt kletterten und runter torkelten.
Während sie weiter über den Festplatz liefen und noch einige Fahrgeschäfte unsicher machten wurde es immer frischer und ein starker Wind kam auf. Anja begann nach einiger Zeit ziemlich zu frieren und begann immer lustloser zu werden. Den Jungs hingegen machte der Aufenthalt immer mehr Spaß und so trat Jasper seine Jacke an Felices beste Freundin ab. Felice musste grinsen über Anjas glücklichen Gesichtsausdruck, als Jasper ihr die Jacke über die Schultern legte und sie über ihre Schulter hinweg fragte, ob es denn jetzt besser wäre. Eine zarte Röte breitete sich über ihren Wangen aus und sie nickte.
„Ist dir auch kalt?“, das war Younes warme leise Stimme an Felices Ohr. Sie lächelte ihn an und schüttelte den Kopf, „Nein, danke! Ich liebe den Wind.“
Erkenntnis blitzte in seinen Augen auf und Feli nickte kaum merklich. Sie zog ihre magischen Energien aus dem Wind, da ihr Element die Luft war.
Es vergingen noch etwa zwanzig Minuten in denen der Wind stetig zunahm und es plötzlich begann wie aus Eimern zu schütten. Keiner der Sechs hatte auf den zugezogenen Himmel geachtet und so standen sie jetzt in dem schlimmsten Unwetter seit langem. Alles um sie rum begann zu rennen einschließlich der Sechs selbst. Allerdings achteten sie nicht darauf wer wohin lief. Als Felice sich an einen der „Greifautomaten“, in denen man ein Heiden Geld anlegen konnte, nur um ein Plüschtier heraus zu holen, lehnte und erstmals seit der Wolkenbruch begonnen hatte auf sah, war nur noch Younes bei ihr. Sie waren nicht die einzigen, die dort Schutz suchten, daher herrschte ein ganz schönes Gedränge. Der blonde Junge stellte sich dicht vor das Mädchen, das schüchtern zu ihm auf sah. Eine Gänsehaut überfiel sie und ohne zu zögern machte Younes seine schwarze Lederjacke auf und zog sie an sich um sie zu wärmen. Erst stand Felice unter Schock, doch dann atmete sie seinen herb maskulinen Duft ein, der sich wunderbar mit dem Aroma der Lederjacke verband, und entspannte sich. Vorsichtig sah sie zu dem Jungen hoch und sofort fand sie seinen Blick, der zärtlich auf ihr ruhte.
„Du wirst ganz nass.“, meinte sie fast tonlos.
„Das macht nichts, meine kleine Sylphe, ich mag Regen.“, damit zwinkerte er ihr zu. Sofort fühlte sie sich noch wohler in seiner Nähe. Es war schließlich nicht alltäglich, dass sie mit Ihresgleichen unterwegs war. Es war schön für sie zu wissen, dass sie bei ihm mit nichts hinter dem Berg halten musste. Auch wenn sie ihm gegenüber noch etwas wortkarg war. Eigentlich kannte sie das nicht von sich. Sonst war sie immer sehr offen und relativ kontaktfreudig. Zumindest wenn, die Gedanken an Younes sie kurzfristig nicht eingenommen hatten.
Und jetzt stand sie hier, dicht an Younes Brust, mit seinem himmlischen Duft in der Nase und seinem sanften Blick auf ihr. Ihr Blick glitt wieder Scheu nach oben. Er war so groß geworden er überragte sie um etwa anderthalb Köpfe. Er lächelte und im selben Moment tropfte ein kleiner Wassertropfen von seinen sorgfältig gestylten, hellblonden Haaren auf seine Nase. Ihre Mundwinkel zuckten nach oben und sie hob ihre schmale, zierliche Hand und strich ihm den Tropfen weg, aber statt die Hand wieder sinken zu lassen, legte sie sie auf seine Wange. Die Luft wirkte wie schon in der Walzerbahn elektrisierend und Felice war fast der Meinung es knistern zu hören. Younes erging es nicht anders. Als er ihre Hand an der Wange spürte, war ihm, als würde er von einem Blitz erwischt. Ganz langsam beugte er sich zu dem hübschen, puppenähnlichen Gesicht herab, was er so oft in seinen Träumen sah. Auch Felice konnte nicht anders, sie streckte sich ein wenig und kam ihm immer näher. Nur noch ein winziges Stück, das sie leicht hätte überwinden können, in dem sie sich auf ihre Zehenspitzen hätte stellen können…doch gerade als Younes sich den letzten Stoß gab, fiel ihr ein, warum es nicht sein durfte. Felice drehte widerwillig ihr Gesicht ein Stück zur Seite und schmiegte sich an seine Wange und flüsterte: „Das geht nicht…“
„Warum?“, seine Stimme hörte sich schmerzverzerrt an, „Spürst du es nicht? Geht es dir zu schnell? Oder hast du jemand anderes?“, er war völlig aufgelöst.
„Nein, hab ich nicht…hab ich nie gehabt! Zu schnell vielleicht für andere, aber für uns…es ist etwas anderes…“
„Was Feli? Was? Du hast mir so sehr gefehlt“, er löste sich aus seiner Position und sah sie forschend an, doch die Sehnsucht war immer noch auszumachen.
Feli wollte ihn, ebenso sehr wie er sie und sie war sich sicher, dass er es in ihrem Blick lesen konnte, doch sie überkam Panik, als sich der Moment näherte, in dem sie ihm beichten musste, was sie getan hatte. Er würde sie hassen und das zerriss sie förmlich. Sie konnte seinem Blick nicht standhalten. Sie begutachtete wie das Wasser am Rinnstein entlang schoss und im Gulli verschwand.
„Ich muss dir was sagen, Younes…“, sie seufzte, „Du wirst mich dafür hassen…“
Sanft hob er das Gesicht, was er in den ganzen Jahren so zu lieben gelernt hatte, an. Schnell verflogen seine Selbstzweifel, er wollte nur noch eins, sie trösten, sie wieder lächeln sehen. Ihr trauriger Ausdruck tat ihm weh.
„Ich werde dich niemals hassen…!“
Felice schnaubte: „Warte es ab…“, sie entwand sich seinem Griff und trat ein Schritt von ihm weg, „Früher oder Später muss ich es dir sagen. Vorher wird der Spuk nicht enden. Und du hast dann die Möglichkeit dem ganzen ein Ende zu setzen.“
„Was für ein Spuk? Feli wovon sprichst du? Was ist denn los?“
„Nicht hier, Younes. Das ist kein Thema für einen überfüllten Rummelplatz, besonders nicht wenn so viele neugierige Ohren um einen herum sind.“, ein argwöhnischer Blick traf eine blonde, junge Frau, die ebenfalls dicht gedrängt an den Automaten stand und in ihre Richtung sah und sich verschämt wegdrehte.
„Und wann ist der richtige Zeitpunkt und wo der richtige Ort?“, Younes hörte sich aufgebracht an.
Feli überlegte fieberhaft und dann fiel ihr plötzlich ein, dass ihre Eltern am nächsten Tag für ein verlängertes Wochenende weg fuhren. Sie würden ihren Hochzeitstag in einer abgelegenen Berghütte verbringen. Feli stellte es sich wahnsinnig romantisch vor und als ihre Mutter ihr es erzählt hatte, hatte sie es sich sofort mit Younes vorgestellt. Und als sie jetzt wieder daran dachte überkam sie wieder das alles verzehrende Verlangen eine Zukunft mit diesem hübschen Jungen aufzubauen und ebenfalls mit ihm solch romantische Ausflüge zu unternehmen.
Sie schlug traurig die Augenlider nieder, „Wenn du Zeit hast, kannst du morgen Nachmittag zu mir kommen. Dann erkläre ich es dir…“
„Ich habe immer für dich Zeit…“, damit zog er sie einfach wieder in seine Arme und beließ das Thema auf sich ruhen. Er merkte wie nah es ihr ging und er wollte sie nicht noch trauriger machen.

Gegen 22 Uhr war Felice wieder Zuhause. Schnell lief sie in ihr Zimmer, nachdem sie ihre Eltern begrüßt hatte und sah zu, dass sie aus den nassen Klamotten heraus kam. In ihren knappen Schlafsachen kuschelte sie sich schnell unter die Decke und versuchte zu schlafen. Doch ihre Gedanken und ihre Gefühle standen Kopf. Sie war so lange nicht mehr so glücklich gewesen, andererseits konnte sie auch nicht gerade behaupten nicht traurig zu sein. Der Abend war einfach wunderbar gewesen und alleine der Gedanke an Younes Nähe ließ ihr Herz höher schlagen. Wenn es doch nur für immer so bleiben könnte. Doch dieser Tag mit ihm würde einzigartig bleiben, schließlich würde sie ihm morgen die Augen über seine Gefühle öffnen, dann würde er endlich wissen, warum er sich so zu ihr hingezogen fühlte. Warum nur konnte es nicht echt sein? Sie rollte sich zusammen und seufzte wieder, sie konnte ihn immer noch riechen…selbst wenn er den Bann brach würde sie ihn immer lieben, davon war sie fest überzeugt.

Am nächsten Morgen stand sie pünktlich auf, aber das Wissen, was sie erwarten würde, ließ sie fast rückwärts laufen, so langsam machte sie alles. Als sie das Schulgebäude betrat, traf sie natürlich sofort auf Younes, der sie sogleich anlächelte und seine Freunde stehen ließ, um sie zu begrüßen. Ihr Herz flatterte, als er ihr einen Kuss auf die Wange hauchte. Dann ging er mit ihr zusammen die Treppen hoch. „Bleibt es bei heute?“
Feli sah ihn traurig an und nickte: „Ja, heute Nachmittag.“, er hingegen schien sich auf das Treffen zu freuen.
„Alles Klar, ich bin dann so um 16 Uhr bei dir?“
Wieder nickte Felice. Younes ließ sich jedoch nicht beirren, er grinste sie süß an und gab ihr wieder einen Kuss auf die Wange, kurz bevor sich ihre Wege trennten.
Felice wankte zwischen den Gefühlen es schnell hinter sich bringen zu wollen und dem Wunsch es niemals machen zu müssen, dementsprechend zogen sich die Stunden entweder wie Kaugummi oder flogen nur so dahin.
In der Hofpause überrumpelte Marcel die beiden Mädchen damit, dass er nicht den Baum am Sportplatz anpeilte, sondern sich zu den Zwölftklässlern auf die Bank am Eingang setzte. Anja und Felice sahen sich überrascht an, doch es blieb ihnen gar nichts anderes übrig, als ihm zu folgen.
„Hey Anja, hier is noch Platz, wenn du willst.“, ein grinsender Jasper winkte in die Richtung der beiden Mädchen und war ein Stück zur Seite gerutscht. Anja lächelte und sah dann aber erst zu Feli bevor sie sich in Bewegung setzte.
„Na nun lauf schon zu deinem Jasper.“, grinste diese nur und zwinkerte ihrer besten Freundin zu. Feli ging auf Marcel zu, der neben Younes auf der Bank saß und sich mit ihm unterhielt. Sofort als Younes seine beste Freundin entdeckte stahl sich ein Lächeln auf seine schönen Lippen und er stand auf: „Hier, kannst dich hinsetzten.“ Feli fand seine Gestik so süß, dass sie leicht rot anlief, dann drückte sie ihn sanft wieder auf seinen Platz: „Ist schon in Ordnung, Danke You!“
Erst sah er sie skeptisch an, dann grinste er breit und um fasste ihr schmales Handgelenk und ehe sich Felice versah, saß sie auf seinem Schoß.
„Das ist die bequemere Variante.“, lachte er dunkel und Marcel stieg mit ein. Mit aller Macht kämpfte sie dagegen an, sich an ihn zu lehnen. Es war so vertraut bei ihm und sie hätte nichts lieber getan als das. Doch schon so einige Mädchen auf dem Schulhof hatten die Situation bemerkt und taxierten das schüchterne Mädchen auf dem Schoß des Schulschwarms. Das merkwürdige war, dass sie sich vollkommen sicher fühlte bei ihm. Ihr war es egal, was die anderen dachten. Außerdem würde es sowieso nur noch für heute sein, denn nach dem Nachmittag würde er sie hassen, und wenn er das nicht tat, dann verachten. Wie sollte er das auch nicht? Sie hatte ihm mit einem leichtsinnigen Kuss im Kindergarten die Entscheidungsfreiheit genommen und ihm die Möglichkeit genommen sich auf natürlichem Wege eine Freundin zu suchen.
Leicht lächelnd nahm sie zur Kenntnis, dass er ganz sachte ihren Unterarm Streichelte und sie sog so viel sie konnte von diesem unbeschreiblich schönen Gefühl in sich auf, damit sie es nie vergessen konnte. Viel zu schnell war die Hofpause zu Ende und der Rest des tristen Schultages nahm seinen Lauf.

Um Halb drei war sie endlich zu Hause. Bald würde das alles sein Ende haben und sie würde ein ganz normales Leben führen…so normal wie es für die Tochter einer der ranghöchsten Clanhexen und ihrem Mann, dem stärksten Magier Europas, halt sein konnte. Die Zeit zog sich schon wieder wie Gummi und so machte sie sich schnell etwas zu Essen um sie tot zu schlagen. Um 15 Uhr war sie jedoch schon fertig, doch ihr war eine Idee gekommen. Wenn sie es ihm schon sagen musste, würde sie immerhin die Waffen einer Frau benutzen. Vielleicht würde er sie dann nicht gleich so abstoßend finden. Schnell räumte sie auf und überfiel schließlich ihren Kleiderschrank. Es dauerte Ewigkeiten, bis sie das richtige fand. Es verstand sich natürlich von selbst, dass die Zeit es sich nun überlegt hatte, schneller zu laufen. Sie flitzte ins Bad und bürstete sich ihr schönes, glattes, Kastanienfarbenes Haar aus, bis es seidig über ihren rücken fiel. Sie benutze nie viel Schminke, doch nun wollte sie eine Ausnahme machen. Sie tuschte sich die Wimpern schwarz und hob sie geheimnisvoll mit einer schwarzen Kontur hervor. Dann zog sie sich ihr Festgewand an, was sie zu Beltane von ihrer Tante geschenkt bekommen hatte. Es war aus schwarzem Samt, oben mit einem Eckigen, großzügigen Ausschnitt, unter ihrer hübschen Oberweite wurde es miederartig geschnürt und es lief hinten länger aus als vorne, wobei es vorne in der Mitte ihrer Oberschenkel endete und hinten bis zur Mitte ihrer Unterschenkel ging. Das schönste daran war jedoch, wie Felice fand, die große Kapuze, die ihr in sanften Wellen, wenn sie sie auf hatte auf die Schultern fiel. Sie sah sich im Spiegel an und es gefiel ihr was sie sah. Sie sah selten so aus, eigentlich war sie eher der sportliche Typ, doch sie liebte ihre Wurzeln und somit auch die typischen Trachten. Doch dann beschlichen sie Zweifel. Was war, wenn er sie darin lächerlich fand? Wenn er nicht so auf die alten Bräuche stand? Andererseits hatte sie vor ihn mit auf den Dachboden zu nehmen. Ihm zu zeigen was sie angerichtet hatte. Notfalls würde sie ihm zeigen müssen was passiert war, das wäre eine ihrer leichtesten Übungen…obwohl es ihr weh getan hätte, ihn dabei zu beobachten, wie er ihre Erinnerung sieht und er wütend wird. Ein Schauer überlief sie. Der Bann würde gebrochen werden, auch das war eine magische Handlung. Ihr Outfit passte, befand sie und zudem konnte sie ein wenig darauf hoffen dass auch er nur ein Junge war und sie ihm in dem kurzen, figurbetonten Kleidchen gefiel.
Da klingelte es auch schon an der Tür. Panisch sah sie auf die Uhr, er war pünktlich, es war exakt 16 Uhr.
Felice flitze zur Tür, doch nicht ohne sich noch ein Mal im großen Spiegel im Flur zu betrachten. Sie strich sich leicht über ihre Lippen und flüsterte „corusco

“, sogleich schimmerten ihre Lippen ganz sanft, als sie ihr Finger von den Lippen zog. Sie durfte nicht eine Chance verstreichen lassen.
Dann öffnete sie ihm die Tür. Noch bevor sie Younes sehen konnte wurde sie von dem wohl schönsten und größten Blumenstrauß eingenommen, den sie je gesehen hatte. Ohne drüber nachzudenken nahm sie ihn entgegen und roch daran. Es waren duzende von roten Rosen, doch normal waren sie nicht, sie wurden von einem inneren Schein umgeben, was die Blüten in blutrot leuchten ließ. Dann raschelte es, mitten in dem Meer aus Blüten und Feli zuckte ein Stück zurück. Da sah sie ein winziges Gesicht aus der Menge der Rosenköpfchen heraus an.
„Oh, hallo!“, begrüßte Felice die kleine Elfe, die sich nun noch ein Stück weiter aus dem Strauß Rosen heraus gekämpft hatte.
„Hallo!“, die kleine Elfe streckte ihre winzigen Flügelchen und schwirrte eine kleine Runde um den Rosenstrauß herum, dann setzte sie sich behutsam auf ein Rosenköpfchen.
„Die Strecke war lang, aber es scheint sich gelohnt zu haben, du bist ein sehr hübsches Mädchen!“
Felice starrte sie kleine Elfe erstaunt an, diese ließ sich jedoch nicht beirren.
„Ich bin ein Bote und gleichzeitig Hüter des Elfengartens. Ich bin hier um zu sehen, dass unsere Schützlinge in das richtige und zugleich auch in ein gutes Zuhause kommen…“, die Elfe sah sich um und nickte, „Dem scheint wohl so zu sein. Dann werde ich wohl jetzt wieder heim kehren. Mögest du viel Freude mit ihnen haben!“, die Elfe liebkoste noch die ein oder andere Knospe dann winkte sie Felice und war plötzlich verschwunden. Verwundert starrte sie auf den Strauß, der nun, wo die Elfe fort war, den Anschein machte, als würde er leben. Die Köpfchen neigten sich langsam hin und her und die Blüten hoben und senkten sich, als würden sie Atmen. Felice starrte auf das Bündel in ihren Armen und lächelte Glücklich, sie waren so wunderschön und bisher hatte sie immer nur von diesen Blumen gehört, auch wenn sie nichts Genaueres wusste.
„Du siehst bezaubernd aus, meine kleine Sylphe!“, fast hätte Felice den Strauß fallen lassen vor Schreck. Sie hatte ganz vergessen, dass Younes auch noch da war. Doch jetzt hatte er ihre ungeteilte Aufmerksamkeit, nachdem er ihr einen zarten Kuss aufs Ohrläppchen gehaucht hatte.
„Oh tut mir leid, ich war so fasziniert!“, sie lächelte ihn strahlend an, er war so süß und so perfekt.
„Es freut mich, dass sie dir gefallen!“, er trat ein und Felice schloss die Tür hinter ihm.
„Sie sind wunderschön!“
„Und sie sind nützlich!“
„Wie meinst du das?“, Felice sah ihn fragend an, dann ging sie ins Wohnzimmer und besorgte eine schöne Vase für ihre neuen Mitbewohner. Gerade als sie in der Küche das Wasser hineinlaufen ließ lehnte sich Younes an sie und sah ihr über die Schulter:
„Du sagtest, dass ich dich hassen werde, wenn du mir gesagt hast, was du mir zu sagen hast.“, sofort zog sich ihr Magen zusammen, als sie daran erinnert wurde und so nickte sie nur, „Ich habe dir diese Blumen geschenkt, damit du siehst, dass ich dich nicht hasse, auch nicht nachdem du es mir gesagt hast.“
Verdutzt sah Feli ihren Kindergartenfreund an: „Wie meinst du das?“
„Diese Blumen sind nicht wie normale Rosen. Sie gehen nicht ein, wenn sie zu wenig Wasser haben, sie gehen auch nicht ein, wenn du vergisst sie zu beschneiden, oder überhaupt sie abscheidest…sie werden erst vergehen, wenn meine Gefühle für dich verebben…“, es herrschte einen Moment lang Schweigen, dann schob er ganz leise nach, „Ich glaube aber nicht, dass das irgendwann geschehen wird!“
Felice wurde traurig, jetzt sogar noch viel mehr. Mit einem zärtlichen Blick bedachte sie die wunderschönen Blumen, die sich scheinbar pudel wohl in der Vase fühlten. Eine, die einen Wassertropfen auf ihre Blütenpracht bekommen hatte, beseitigte nun jegliche Zweifel von Felice, ob die Blumen tatsächlich Atmeten oder sich bewegten, denn sie schüttelte ganz sachte ihr Köpfchen und schmiegte sich dann an eine andere Blüte. Der Strauß war voller Liebe, das sah sie nun und es bereitete ihr ein beklommenes Gefühl, diese wunderschönen Geschöpfe nur so ein kurzes Leben zu geben. Wieder seufzte Felice. Es würde trotzdem das Beste sein, es so schnell wie möglich hinter sich zu bringen. Sie wollte sich nicht erst noch an sie gewöhnen bevor sie sie umbrachte. Schnell blinzelte sie eine Träne weg.
„Komm mit!“, sie versuchte zu lächeln doch es misslang ihr, dann führte sie ihn, mit der Vase in der Hand, die Treppe hinauf zum Dachboden, den sie mit einem großen, uralten Schlüssel aufschloss. Sie stellte die Vase auf einen Tisch, der neben einer riesigen, alten, roten Rokoko Couch stand. Dann ging sie im Raum umher und entzündete die weißen Kerzen die überall an den Wänden hingen und auf großen Kerzenständern standen.
Younes stand noch in der Tür und nahm den Raum, im immer heller werdenden Kerzenlicht, in sich auf. Als Feli fertig war stand sie vor ihm. Das war der letzte schöne Moment mit ihm, da war sie sich sicher. Sie versuchte ein hübsches Lächeln auf ihre Lippen zu zaubern und es gelang ihr sogar.
Younes braune Augen funkelten sie glücklich an, dann trat er einen Schritt auf sie zu und streichelte ihre Wange: „Du bist so wunderschön…“, jetzt gelang ihr, ihr Lächeln noch besser. ‚Nur ein Mal‘, dachte sie sich und umschlang seinen Nacken mit ihren Armen. Sofort erwiderte er ihren Ausdruck der Zuneigung und zog sie fest an sich. Wenn er nur daran dachte, wie sie sich über die Blumen gefreut hatte, wie sie an ihnen gerochen hatte und selbst tausendmal schöner als jede einzelne dieser Blumen dabei ausgesehen hatte. Dieses Kleid stand ihr so gut, es war ziemlich sexy geschnitten, zeigte viel Haut und machte eindeutig neugierig auf mehr. Doch so wollte er sie gar nicht sehen. Sie war alles für ihn, er hätte alles für sie getan. Langsam neigte er seinen Kopf und küsste ihren Hals, sofort darauf schlangen sich ihre Arme fester um seinen Hals und er musste Lächeln. Nie wieder würde er sie gehen lassen. Ein Leben ohne sie kam für ihn nicht mehr in Frage.
Nach wenigen Minuten löste sich Felice wieder von ihm. Sie war nun, naja nicht gerade bereit, aber gefasst für das was kommen sollte.
„Setz dich, You.“, sie machte eine Handbewegung zu der Couch, dann ging sie zu den Regalen, die die ganze gegenüberliegende Wand bedeckten und sucht das Buch, was ihre Mutter ihr gezeigt hatte. Schnell, viel zu schnell hatte sie es gefunden. Bevor sie sich neben Younes setzte, beugte sie sich noch einmal über den Rosenstrauß, der leise glücklich seufzend vor sich hin wiegte. Ganz sanft berührte sie eines der Rosenköpfchen und strich über die Blütenblätter. Sogleich reagierte, das kleine Geschöpf und schmiegte sich liebesuchend an ihren Finger, Felice musste lächeln, dieses Geschenk war so großartig und doch machte es sie zu tiefst traurig ihnen nun das Leben aushauchen zu müssen.
Sie setzte sich neben Younes, der sie erwartungsvoll musterte. Was konnte es schon geben, was ihn dazu veranlassen sollte, so ein wunderschönes Mädchen zu hassen? Und was dazu auch noch in so einem alten Buch stehen sollte?
Sie atmete tief durch, dann sah sie ihn unverwandt an: „Kannst du dich noch an unsere Zeit im Kindergarten erinnern?“
Er runzelte die Stirn. Was sollte das, denn jetzt damit zu tun haben? Aber er nickte.
„Weißt du noch, dass ich bei dir geblieben bin, als du nicht spielen gehen durftest, weil du nicht aufgegessen hattest?“
Younes Gesicht hellte sich auf: „Klar weiß ich das noch! Ich glaub da hab ich mich ein wenig in dich verliebt.“, er grinste sie an, „Allen anderen war es egal, Hauptsache sie konnten Spielen gehen…“
Felice lächelte wehmütig, natürlich war sie geblieben…sie hatte ihn so lieb, damals schon, „Weißt du noch was wir danach gemacht haben?“, Felice saß wie auf heißen Kohlen.
Younes lehnte sich zurück und überlegte, schließlich zuckte er mit den Schultern: „Wir sind dann auch spielen gegangen?“
„Auch“ seufzte Feli, dann stand sie auf und holte eine schwarze Porzellanschüssel, in die sie Wasser gekippt hatte. Vorsichtig stellte sie die Schale auf Younes Knie, dann setzte sie sich wieder neben ihn. Er musterte Felice genau und war immer faszinierter von ihr, er konnte regelrecht ihre Kraft spüren, die sie umgab. Felice sah gebannt in die Schale und wartete bis jegliche Bewegungen verebbt waren.
Dann hauchte sie „memoria

“ und tippte mit ihrem rechten Zeigefinger die Oberfläche mittig an, während sie an die Situation dachte, die sie ihm zeigen wollte.
Das Wasser kam in Bewegung und erst ganz schwach, dann immer deutlicher zeichneten sich Umrisse in den Wellen ab, bis Younes und sie zusammen die Situation erneut sahen, die vor guten 13 Jahren ihre Leben verändert hatte.
Ein kleines Mädchen mit klaren, hellblauen Augen und zwei geflochtenen Zöpfchen die ihr rotbraun über die Schultern lagen wurde hinter einem etwas größeren Jungen hinter sich her gezogen und zusammen versteckten sie sich hinter einem Spielhäuschen. Leicht verzerrt und recht hohl hörten die Zwei, die Stimme des blonden Strubbelkopfes, der das kleine Mädchen mit seinen sanften, braunen Augen glücklich betrachtete, als wäre die Stimme in einer Seifenblase gefangen: „Hier finden die uns nie.“, er machte eine kurze Pause, dann strahlte er das kleine Mädchen an, was ihn mit ihren großen Augen musterte, „Danke, dass du bei mir warst.“
Die kleine mit den Zöpfen grinste nun breit und ehe der Junge es realisieren konnte hatte das Mädchen ihn kurz auf die Lippen geküsst, dann lachte sie „Bitte!“
Die Wellenbewegungen wurden stärker und verwischten das Bild, bis es verschwunden war und die Wasseroberfläche urplötzlich wieder zum Stillstand kam, als wäre nie etwas gewesen.
Feli löste den Blick und sah scheu zu Younes auf. Dieser jedoch lächelte sie schief an: „Deshalb soll ich dich hassen? Weil du mich im Kindergarten geküsst hast? Feli komm schon, hättest du mich gelassen, hätte ich mich in den letzten paar Tagen schon längst revanchiert!“, er grinste sie frech an.
Doch sie schüttelte nur den Kopf, obwohl ihr seine Aussage einen wohligen Schauer über den Rücken gejagt hatte.
„Das ist nicht alles…und es war auch nicht ein einfacher Kuss…auch wenn man es meinen könnte.“
Sie nahm das Buch wieder auf ihren Schoß und begann darin zu blättern. Als sie die richtige Seite gefunden hatte, drückte sie das Buch an sich und suchte wieder seinen Blick: „Ich will, dass du weißt, dass ich es nicht wusste, sonst hätte ich es dir nicht angetan…wir waren doch erst drei…Es tut mir wirklich leid, Younes!“, damit tauschte sie die Wasserschale auf seinen Knien mit dem Buch aus. Verwirrt sah der Junge sie an und dann schließlich auf das Buch, das offen auf seinem Schoß lag. Dann begann er zu lesen…und zu verstehen.
Erst blieb Felice sitzen, doch lange hielt sie die Stille nicht aus, während er las. Schließlich stand sie auf und ging leise zum Fenster hinüber und sah auf den Garten hinaus, den ihre Mutter so liebevoll hegte und pflegte und der alle möglichen Kräuter beherbergte. Bald würde alles wieder normal sein. Vielleicht war es gar nicht so schlimm, nicht mehr diese Gefühle für Younes zu hegen…wirklich glücklich war sie ja auch erst mit diesen Gefühlen in der letzten Woche gewesen. Sie hoffte inständig, dass die wunderschönen Blumen nicht zu sehr litten. Vorsichtig strichen ihre schlanken Finger über den Fensterrahmen und genau im gleichen Moment in dem sich ihr eine Träne aus dem Augenwinkel stahl, traf ein Regentropfen auf die Scheibe und schob sich sachte hinab. Hinter dem Glas verfolgte sie den Tropfen mit ihrem Finger, es erinnerte sie an den Vortag, als sich der Tropfen aus Younes Haar gelöst hatte und auf seine schöne gerade Nase getropft war. Er war mehr als perfekt… Sie war vollkommen in Gedanken versunken, als sich Younes ihr von hinten näherte, so bekam sie nicht das Geringste mit.
Direkt hinter ihr blieb er stehen, links lehnte er seinen Arm an den gebogenen Fensterrahmen doch von rechts schob er ihr eine der Rosen vors Gesicht, während er sie lächelnd von der Seite ansah. Felice schrak zusammen und taumelte einen Schritt zurück, womit sie an seiner Brust landete, sie hatte nicht mit ihm gerechnet. Eigentlich hatte sie sogar schon fast gedacht, dass er gegangen war. Doch dann erblickte sie die Rose, die er ihr immer noch hinhielt. Sie leuchtete blutrot und begann sich an ihre Finger zu schmiegen als Felice fast ehrfürchtig die Blüten berührte. Dann sah sie mit großen Augen zu Younes.
Sie sah so wunderschön aus mit ihren leicht geöffneten Lippen, wie sie ihn leicht verwirrt an sah mit ihren von Tränen schimmernden, leuchtend blauen Augen. Er konnte gar nicht anders, er fuhr mit seiner rechten Hand in ihre Kapuze und zog ihr puppenhaftes Antlitz nahe zu sich heran, während ihre Blicke sich tief ineinander bohrten und erst gebrochen wurden, als er ganz sanft seine Lippen auf ihre bettete. Fast wäre ihm ein Jubelruf entwichen, als sie dieses Mal keine Anstalten machte es zu unterbinden und es auch sonst keine unliebsamen Störungen gab. Aus einem zarten Kuss, den beide so sehr ersehnt hatten und der nun ihre Schicksale unaufhaltsam und nicht mehr rückgängig zu machen ineinander verwob und besiegelt hatte, entstand eine ungebremste Leidenschaft. Felice hatte noch immer die Rose in der Hand und sie bemühte sich, sie nicht fallen zu lassen, doch kümmerte sie sich nicht weiter um sie. Sie stellte sich begierig auf die Zehenspitzen um Younes noch näher zu kommen. Sanft knabberte sie an seiner Unterlippe und er presste sie leise keuchend an die Fensterscheibe. Es war wie eine Explosion an Emotionen, von der beide erschüttert wurden, seit ihre Lippen aufeinandertrafen. Seine Arme umschlangen das zierliche Mädchen und pressten sie an seinen Körper. Glücklich seufzend schmiegte sie sich an ihn und fuhr mit ihrer freien Hand in sein hellblondes Haar. Ohne sich von ihr zu lösen hob er sie sanft hoch und trug sie zu der Couch, auf der sie zuvor noch gesessen hatten. Felice wollte ihn gerade zu sich ziehen als sie plötzlich etwas in den Finger stach. Überrascht löste sie sich von Younes, der sie besorgt ansah, schließlich dachte er, er hätte ihr ausversehen weh getan. Doch Felice löste ihre Hände hinter seinem Nacken und sah sich ihren Finger genauer an, der wie von einer Schlange umwunden war von dem Stiel der Rose. Ein Dornen hatte sich scheinbar in ihre Haut gebohrt und als sie ihre Aufmerksamkeit auf die Blüte lenkte, wusste sie auch genau warum. Der kleine Rosenkopf schmiegte sich unaufhörlich an Felices Finger und je länger Feli mit der Reaktion wartete, desto aufdringlicher wurde die kleine Blume, bis sie anfing Felis Finger an zu stupsen. Sie wollte ganz einfach auch Zuneigung haben und gestreichelt werden. Younes hatte sich lächelnd über Felices Hände gebeugt und strich nun über die Blütenblätter. Sofort entspannte sich das kleine Ding und entließ Felices Hand aus ihrer Umschlingung. Sanft nahm Younes die Blume in die Hände und stellte sie zurück zu den anderen in ihre Vase.
Dann rückte er lächelnd zu Felice und küsste ihre Stirn während er sie an seine Brust zog: „Wie bist du darauf gekommen, dass ich dich hasse, wenn ich erfahre was passiert ist?“
„Ich habe dich und deine Eltern unglücklich gemacht. Wäre ich nicht gewesen, hättest du dir eine Zukunft in Kanada aufbauen können…ich habe gehört wie Sharon meinte sie wären deinetwegen wieder zurück gekommen…“
„Meine kleine Sylphe, mach dir nicht so viele Gedanken, ich denke eher dass es so eine Art Schicksal ist…wir sind einfach für einander bestimmt…Das Buch ist schon sooo alt und ich habe noch nie davon gehört und ich habe mich sehr in den vergangenen fünf Jahren mit Magie auseinandergesetzt, weil ich mich auf nichts anderes Konzentrieren konnte. Es muss ein uralter Bann sein, aber ich denke auch, dass er nicht zwischen jedem passiert…ich mochte dich auch schon immer viel zu gerne…vielleicht wird der Bann ja doch nicht nur von einer starkmagischen Hexe ausgelöst, sondern auch mit durch die Gefühle des erwählten Partners?“
„Spätestens nach diesem Kuss gerade, ist sowieso nichts mehr zu retten…der Bann wurde wiederholt und die Stärke wird bestimmt durch die Stärke der Gefühle…“, seufzte Felice, „Und ich habe dich seit du weg warst mit jeder Minute mehr geliebt…ich habe von dir geträumt, fast jede Nacht…du hast mir so sehr gefehlt.“
„Du mir auch, meine Schöne…ich weiß was du meinst, ich habe auch von dir geträumt…es war ein überwältigendes Gefühl, als ich dich endlich wieder gesehen habe.“, sanft küsste er ihre Lippen.
Dann sah er ihr fest in die Augen: „Wie hätte ich den Bann den brechen können, wenn ich die letzten Jahre nur dafür gelebt habe, nur um dich irgendwann wieder an meiner Seite zu wissen? Wären meine Eltern nicht zurück gezogen, wäre ich spätestens dann zu dir zurück gekehrt, wenn ich volljährig geworden wäre.“
Felice durchströmte ein heißes Gefühl der Sehnsucht, endlich waren sie vereint und nichts stand mehr zwischen ihnen. Lächelnd umfasste sie wieder seinen Nacken und zog ihn erneut an sich.
„Ich liebe dich, Younes!“, hauchte sie an seine Lippen ehe sie sie mit ihren versiegelte und ihn dicht an sich zog.

Impressum

Texte: Die Rechte des Buches liegen bei T.F.HatChapter Das Deckblatt ist von Deviantart und wird bald duch ein eigenes ersetzt.
Tag der Veröffentlichung: 05.08.2011

Alle Rechte vorbehalten

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