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Das eigene Buch

 
Fast Ihre gesamte Freizeit haben Sie geopfert. Sie haben Ihr eigenes Buch geschrieben. Sie haben es überarbeitet, korrigiert, nochmal überarbeitet und auch gleich selbst verlegt. Die moderne Technik macht es möglich. Ihr Buch ist dank einer ISBN (International Standard Book Number) überall als E-Book und in gedruckter Form erhältlich. Ein Wermutstropfen schmälert allerdings Ihren Erfolg. Kein Mensch kauft Ihr Buch.

Das ist normal. Ein Buch verkauft sich nicht allein dadurch, dass es existiert. Sie sind Ihr eigener Verleger und müssen selber Werbung für Ihr Buch machen. Sie sind ein Indie-Autor, der keinen Verlag im Rücken hat, der sich um Werbung kümmert. Das müssen Sie machen. Und so schwierig ist es nicht, das eigene Buch von zu Hause zu vermarkten.

Zielgruppe ermitteln


Schauen wir uns Klaus an. Klaus ist leidenschaftlicher Hobbykoch, hat ein Kochbuch geschrieben und selbst verlegt. Er hat nicht einfach seine Rezepte aufgezählt, sondern jedes Rezept in eine lustige oder spannende Geschichte gepackt. Das Buch steht überall als E-Book und als gedrucktes Buch zum Verkauf. Wie nun kann Klaus sein Buch von zu Hause vermarkten, damit es auch jemand kauft?

Zuerst hat sich Klaus Gedanken über seine Zielgruppe gemacht. Also die Personen, denen er sein Werk schmackhaft machen möchte. Die Zielgruppe für Kochbücher besteht hauptsächlich aus Frauen. Von ein paar Ausnahmen mal abgesehen, die bei der Vermarktung des Buches unberücksichtigt bleiben. Also muss Klaus innerhalb der Zielgruppe “Frauen” Werbung machen und sein Werk dort vermarkten. Es macht wenig Sinn, sein Kochbuch in einem Haustierforum anzupreisen.

 

 

Homepage basteln

 


Als erstes erstellt Klaus eine Homepage. Dazu braucht man keinerlei HTML- oder Programmierkenntnisse mehr. Wer ein wenig Reklame akzeptiert, zahlt für seine Homepage keinen Cent. Wer keine Werbung haben möchte, zahlt für seine Homepage einen kleinen monatlichen Betrag. Klaus hat sich für seinen Internetauftritt für WordPress entschieden und will dort sein Buch präsentieren.

Klaus stellt sich und sein Buch vor, stellt Leseproben zur Verfügung, fügt Bilder und Rezepte ein und verlinkt hier und da zu einem Online-Shop, wo die interessierte Leserin das Buch kaufen kann. Aber auch die Homepage kennt ja noch keiner. Klaus eignet sich Kenntnisse über Suchmaschinenoptimierung an und gestaltet seine Homepage so, dass sie in den Suchergebnissen der bekannten Suchmaschinen ganz oben ist.

 

 

Social Networks nutzen


Klaus trägt sich im Internet bei verschiedenen Kochforen ein und meldet sich zu Wort. Im Umgang mit Töpfen, Pfannen und Zutaten hat er sehr viel Erfahrung und kann eine Menge beisteuern. In Foren treffen sich viele Menschen mit gleichen Interessen. Foren sind sehr wichtig, um das eigene Buch zu vermarkten. Unter jedem seiner Artikel steht seine Signatur, die auf seine Homepage führt. Klaus wirbt nicht direkt für sein Buch, sondern indirekt durch authentische Berichte und Ratschläge. Direkte Werbung wird in Foren nicht gerne gesehen und kann zur Sperrung führen.

 

Facebook, Twitter, Pinterest und Instagram

 

Klaus meldet sich in Social Networks an. Möglichst da, wo sich viele Menschen treffen. Facebook ist der Platzhirsch, die Anmeldung und die Mitgliedschaft sind kostenlos. Klaus bittet um Aufnahme in einer Handvoll Gruppen rund ums Kochen. Davon gibt es Dutzende. Auch hier beteiligt er sich an den Diskussionen. Es muss klar sein, dass er etwas von dem Thema versteht.

Klaus vermeidet direkte Werbung und blendet hin und wieder die Adresse seiner Homepage ein. Dazu hat er sich vorher von dem Gruppenadministrator die Erlaubnis geholt. Außerdem twittert Klaus über sein Buch bzw. über Kochrezepte und stellt tolle Bilder bei Pinterest und/oder Instagram ein. Die Anmeldung bei Twitter und Pinterest ist ebenfalls kostenlos. In den großen Social Networks, wo sich Millionen von Menschen treffen, kann Klaus das eigene Buch dezent oder auch etwas lauter bewerben.


 

Leseproben, Blog und E-Storys


Zusätzlich schreibt Klaus gelegentlich Gastartikel auf Blogs oder Internetseiten, die zu seinem Thema, dem Kochen, gut passen. Und er führt selber einen Blog und macht damit Appetit auf sein Buch. Schon bald hat er sich einen hervorragenden Ruf “erschrieben”, was für einen Selbstverleger ein wichtiger Punkt in der Buchvermarktung ist.

Weiterhin stellt Klaus Leseproben als kleines E-Book oder eher als E-Story in die verschiedenen Shops ein und schreibt sogar ein paar neue Geschichten rund ums Kochen, die er kostenlos in den Online-Shops zur Verfügung stellt. Er macht dadurch auf sich und sein reguläres Buch aufmerksam und führt durch zusätzliche Gratisgeschichten den möglichen Leser an die Materie heran, damit dieser dann irgendwann sein richtiges Buch kauft. Es ist zu beachten, dass die kleinen kostenlosen Leseproben oder Geschichten aus mindestens 2000 Worten bestehen müssen, damit die bekannten Online-Shops sie akzeptieren.

Klaus ist hocherfreut, als er feststellt, dass seine Schnupperangebote gleich auf Platz 1 der „Top 100 gratis“ in der Rubrik Kochbücher landen und neugierig auf sein richtiges Buch machen. Sein gedrucktes Buch hat einen festen Preis, den Klaus nicht verändern kann. Bei der E-Book Version ist das anders. Hier kann unser Indie-Autor Klaus von Zeit zu Zeit eine preisliche Werbeaktion starten und sein Buch für einen bestimmten Zeitraum günstiger oder gar kostenlos anbieten. Schon ein Preis von 0,99 Euro für das E-Book macht sein E-Book sichtbarer als vorher und lockt eine Menge neuer Leser an; danach stellt Klaus wieder problemlos seinen regulären Verkaufspreis ein.

Im Internet findet Klaus spezialisierte Seiten, die reduzierte E-Books vorstellen. Manche Seitenbetreiber bieten diesen Dienst kostenlos an und andere wiederum verlangen Geld dafür. Die Anbieter haben sich inzwischen fest etabliert und verlangen viel Geld für ihre Dienste. Aber unter den Tausenden von Neuerscheinungen kann eine Vorstellung in einem Newsletter, der viele Leser erreicht, durchaus nützlich sein. Wer einen solchen kostenpflichtigen Dienst nutzen möchte, sollte darauf achten, dass der Newsletter, der E-Books vorstellt, möglichst viele Interessenten erreicht.


 

Werbung, die was kostet

Etwas Zeit für diese bisher kostenlose Strategie muss Klaus investieren. Tatsächlich ziehen die Buchverkäufe an und Klaus ist bereit, Geld für Werbung auszugeben, um sein Buch noch besser zu vermarkten. Als erstes kauft er selbst ein halbes Dutzend Exemplare von seinem Kochbuch, verfasst eine sogenannte Pressemitteilung und verschickt beides, Buch und Pressemitteilung, an  Verlage, die Zeitschriften rund ums Kochen herausbringen. Eine Buchbesprechung oder auch nur eine Vorstellung in einer Fachzeitschrift ist Gold wert und kurbelt den Buchverkauf ganz erheblich an. In eben diesen Zeitschriften kann Klaus alternativ oder zusätzlich Kleinanzeigen schalten, die zur Buchvermarktung beitragen.

 

Kostenpflichtige Werbung

 


Als weiteren Schritt in seiner ganz persönlichen Werbestrategie für sein Buch schaltet Klaus Anzeigen über den Internetgiganten Google. Dazu eröffnet er ein AdWords-Konto und richtet eine Werbekampagne ein. Zwei Möglichkeiten stehen ihm zur Verfügung: Cost-per-Click (CPC) oder Cost-per-Mille (CPM). Bei CPC zahlt Klaus für jeden Klick, der auf seine Homepage führt. Bei CPM zahlt Klaus einen Preis für 1000 Einblendungen. Klaus kann selber festlegen, wie hoch sein Werbebudget sein darf.

 

Auch bei Facebook und damit auch bei Instagram schaltet Klaus Anzeigen, um sein Buch zu vermarkten. Das Prinzip ist ähnlich, aber Anzeigen bei Facebook sind einfacher zu erstellen. Die Zielgruppe kann exakt auf “Frauen” mit einem bestimmten Alter und bestimmten Interessen eingegrenzt werden; Klicks können sowohl auf die Homepage, auf die Facebook Seite des Buches oder gar auf die Verkaufsseite eines Online-Shops führen. Mit Anzeigen und einem Text, der mögliche Leserinnen anspricht, kann Klaus sein Buch schon richtig professionell vermarkten.

Seine nächste Preisaktion will Klaus zudem bei einem der erwähnten Dienstleister buchen und entscheidet sich für ebookwatcher.de. Weitere Werbeplattformen dieser Art sind xtme, buchdeals.de und eBook Sonar.

 

Seit einiger Zeit bietet auch Amazon kostenpflichtige Anzeigen für Bücher von Selfpublishern an (Sponsored Products). Dieses Angebot richtet sich aber nur an die Autoren, die bei kdp, also Amazon, direkt veröffentlicht haben. Der Buchtitel nebst Cover erscheint dann in einer langen Reihe mit anderen Titeln, die so beworben werden. 

 

 

Die richtige Mischung


Klaus ist clever und stellt sich einen Mix aus verschiedenen Instrumenten zur Buchvermarktung zusammen. Die Verkaufszahlen steigen langsam an, wobei Weiterempfehlung und Bewertungen von zufriedenen Lesern eine sehr große Rolle spielen. Klausens Werbestrategie geht auf. Er freut sich über eine wachsende Leserschar und eine ordentliche Quartalsabrechnung. Sie sehen, so schwierig ist es nicht, Werbung für das eigene Buch zu machen. Die beschriebenen Schritte sind für jeden Selfpublisher von zu Hause aus durchführbar.

Etwas rechnen müssen Sie allerdings bei der Vermarktung des eigenen Buches. Die kostenpflichtigen Werbemaßnahmen sollten nicht die Einnahmen aus Buchverkäufen überschreiten. Als Anschub ist das akzeptabel, auf Dauer nicht.

In seinem zweiten Buch wirbt Klaus natürlich auch für sein erstes Buch in Form einer kleinen Buchempfehlung am Anfang oder am Ende des Buches. Wer als Leser über Buch Nummer 2 gestolpert ist, möchte vielleicht auch Buch Nummer 1 vom selben Autor lesen.


 

Anmerkung des Autors


Nicht alle dieser Werbemaßnahmen müssen zwangsläufig zum Erfolg führen und der Indie-Autor wird schon zeitlich nicht in der Lage sein, alle Strategien gleichzeitig durchzuführen. Also arbeitet sich der Selfpublisher langsam an die Werbestrategie heran, die am besten zu ihm passt und die seinem Buch neue Leser bringt. Denn das schönste Buch ist nichts, wenn es nicht gelesen wird. Kein Autor schreibt nur für sich allein, sondern möchte, dass seine Geschichten, Bücher oder Gedichte auch von anderen gelesen werden.

Dieser kleine Ratgeber erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Wer noch andere Ideen hat, die uns Autoren Leser bringen, darf sich gerne melden. Frische Ideen werden zeitnah eingearbeitet.

 

 

Buchempfehlung


Gestatten, Kümmel. Von Beruf Katze – Die Jubiläumsausgabe

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Geschichten aus Kümmels Revier. Vorsicht, Satire. Nicht nachahmen.

 

 

Kein Ring, kein Kuss - Erinnerungen an Israel

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Impressum

Texte: Mark Hollberg/Autor
Bildmaterialien: pixabay.com/Autor
Tag der Veröffentlichung: 09.04.2015

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