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Kapitel 1

Die Bässe wummerten und dröhnten durch die Wände bis in den Boden. Schwitzende Körper bewegten sich fließend im flackernden Licht. Der Nebel tauchte alles in eine Welt aus Schatten.

Es war heiß und Lucys lange, braune Haare klebten ihr seit Stunden im Nacken. Doch das war ihr egal. Sie schloss für einen Moment die Augen und ließ sich treiben. Ging den Vibrationen in ihrem Körper nach, spürte die Musik, bis in die letzte Pore.

Der Club war klein und brechend voll. Die Electro-Musik war schnell. Genau richtig, um sich treiben zu lassen.

Jemand stupste sie an. Als Lucy die Augen öffnete, stand ihre Freundin Elain vor ihr und wedelte mit einem leeren Cocktailglas.

Die Wimperntusche und der dunkelgraue Lidschatten ihrer Freundin hatten sich in den kleinen Fältchen um ihre blauen Augen abgesetzt. Dennoch strahlte sie.

»Durst?«

Lucy nickte. Ihre Bierflasche war schon seit einer Weile leer und etwas Flüssigkeit konnte sie gut gebrauchen. Ihr Mund fühlte sich bereits klebrig und trocken an.

Sie drängten sich durch die Menschenmassen, mussten sich hier und da den Weg mit den Ellbogen erkämpfen. Schließlich schafften sie es an die überfüllte Bar.

Models und Selbstdarsteller drängten sich an den blau beleuchteten Tresen und winkten den Barkeepern, um ihre Aufmerksamkeit zu erlangen.

Lucy stellte sich hinter Elain und zupfte ihren Bleistiftrock zurecht. Sie wünschte Jones unschöne Dinge an den Hals. Er hatte sie so lange in seinem Büro festgehalten, um über ihren Artikel zu sprechen, dass sie keine Zeit mehr gehabt hatte sich umzuziehen.

»Was willst du?«, brüllte Elain ihr ins Ohr und sie zuckte zusammen. Direkt an der Bar war die Musik leiser, damit man sich auch unterhalten konnte, ohne dabei zu schreien.

»Ein Bier, bitte.«

Elaine nickte und drängte sich nach vorn. Sie lehnte sich weit auf den Tresen, um wild mit den Fingern zu schnipsen.

Lucy ließ ihren Blick schweifen. Mary kam auf sie zu.

Ihre Freundin wirkte alles andere als froh darüber, hier zu sein. Ihr Lippenstift war leicht verschmiert. Sie verdrehte die Augen, während sie sich zu Lucy durchkämpfte. Ihre blonden Haare waren zu einem unordentlichen Dutt hochgesteckt.

Die drei Frauen kannten sich bereits seit dem College. Dort hatten sie dieselben Kurse belegt und durch eine Gruppenarbeit als Freundinnen zusammengefunden. Das hatte sich auch nicht geändert, nachdem sie ihr Studium beendet hatten, denn eine nach der anderen fing beim Daily Trenton an.

»Manchmal hasse ich meinen Job«, meinte Mary und drückte Lucy ihre Wasserflasche in die Hand. Sie zog ihr Smartphone aus der Hosentasche und entsperrte den Bildschirm.

»Was machst du da?«

»Ich arbeite.«

Sofort griff Lucy nach dem Telefon. »Vergiss es. Heute wird nicht gearbeitet. Das ist unser Deal.«

Seit einem Jahr hatten sie diese Abmachung. Einmal im Monat gingen sie feiern. Nur sie drei. Dabei blieb das Telefon in der Tasche und gearbeitet wurde schon gar nicht, auch wenn es manchmal schwerfiel.

Mary schüttelte vehement den Kopf, packte Lucy an der Schulter und drehte sie Richtung Bar. »Siehst du den Kerl da? Den, mit den schwarzen Haaren?«

Lucy ließ ihren Blick die Bar entlang wandern, bis er an einem Mann hängen blieb, der alle überragte.

Er hatte kurze schwarze Haare, die ihm wild vom Kopf abstanden und kleine Grübchen in den Wangen. Sein Blick war so fesselnd, dass die Frauen um ihn herum, und das waren einige, jedes Mal aufseufzten, wenn er sie damit bedachte.

»Darren Carter«, sagte Mary und verzog ihren Mund. »Er ist seit kurzem der begehrteste Junggeselle der Stadt.«

Das erklärte die jungen Frauen mit den riesigen Dekolletés und den viel zu kurzen Röcken um ihn herum, die sich wie rollige Katzen benahmen.

Lucy schätzte ihn auf Mitte dreißig, was dem Ganzen einen widerlich-schmierigen Touch verlieh. Denn die Damen sahen aus, wie frisch von der High School.

»Kennst du ihn?«

Mary schüttelte den Kopf. »Um Gottes Willen, nein. Ich soll eine Story über ihn schreiben, weil er vor zwei Tagen mit dem Wettermädchen von Channel Four völlig betrunken und halb nackt aus einem Club gestolpert kam.«

Das klang ja wirklich reizend. Noch so ein großspuriger Anzugträger, den die Stadt nicht gebrauchen konnte.

»Wo kommt er her?«, Irgendetwas an ihm wirkte seltsam. Lucy verengte die Augen, als könnte sie so besser erahnen, was ihr ihr Bauchgefühl zu sagen versuchte, doch es blieb nicht mehr als eine bloße Ahnung. Vielleicht war es seine Art, wie er sich bewegte? Seine Gesten wirkten so fließend, fast schon berechnend, dass sie eine Gänsehaut bekam.

Er legte einen Arm um ein junges Ding, das sich sofort wie von Sinnen an ihm rieb. Dazu setzte sie einen schmachtenden Ausdruck auf, der jede Zeichentrickfigur in den Hintergrund stellte.

Mary seufzte und schüttelte den Kopf. »Keine Ahnung. Das weiß niemand. Er war auf einmal da und bringt seitdem die Frauenwelt völlig durcheinander.«

Sie nahm Lucy das Handy ab und schoss ein Foto von der Szene.

Lucy verzog angewidert den Mund. Er war attraktiv, ja, aber sie konnte nicht nachvollziehen, wie man sich einem solch arroganten Schmierfinken so an den Hals werfen konnte.

Plötzlich, als hätte er ihre Blicke gespürt, sah Carter auf. Seine Augen fesselten sie.

Lucy schluckte. Ihre Nackenhaare stellten sich auf und ein Schauer rieselte ihren Rücken hinab. Ob das nun positiv oder negativ war, wusste sie nicht genau. Ihr Körper konnte sich nicht für eine Reaktion entscheiden.

Langsam, als drehte sich die Welt nur noch halb so schnell, ging er auf sie zu. Wie von selbst schienen ihm die Menschen auszuweichen.

Mary atmete zischend ein. »Oh, er kommt her. Wenn du was Brauchbares herausfindest, sag Bescheid.« Dann verschwand sie in der Menge, während Lucy wie angewurzelt stehen blieb.

Kurz vor ihr hielt er an, steckte seine Hände in die Taschen der Jeans und lächelte. Er tat nur das, lächeln. Sonst nichts. Kein Hallo, keine Vorstellung, kein einziges Wort. Nur dieses Lächeln, das ihr Herz einen Ticken schneller schlagen ließ.

Ihr Blick wanderte an ihm entlang. Er war mindestens zwei Köpfe größer als sie. Seine Jeans saß eng auf seiner Hüfte, was seine langen, kräftigen Beine gut betonte. Dazu trug er ein schlichtes weißes Hemd.

Sein Lächeln wurde steifer, da sie es nicht erwiderte. Er streckte ihr seine Hand entgegen, die sie zögerlich ergriff.

»Ich bin Darren und Sie sind?«

Sie spürte seine Stimme dicht an ihrem Ohr. Sie glich einem tiefen Schnurren, das durch ihren gesamten Körper floss, wie zäher Honig.

»Lucy«, wisperte sie. Ein Lufthauch strich über ihre Haut, als er lächelte. Eine ganze Armee aus Ameisen schien ihren Hals hinab, bis zu ihren Zehen, zu marschieren.

»Ich freue mich, eine Schönheit wie Sie kennenzulernen. Sagen Sie mir, wer hat die Diamanten gestohlen, um sie in Ihren Augen zu verstecken?«

Lucy blinzelte und brauchte einen Moment, um das Gesagte zu verarbeiten; dann brach sie in schallendes Gelächter aus. Das war mit Abstand der dümmste Spruch, der ihr je untergekommen war. Und sie hatte schon so einige gehört.

Zwar war sie keine absolute Schönheit, doch das Interesse der Männer zog sie schon immer auf sich.

Sie ließ seine Hand los und ging einen Schritt zurück. »Haben Sie mit diesem Satz wirklich Erfolg?«

Er wirkte nicht im Mindesten gekränkt und zuckte einfach mit den Schultern. »Normalerweise kann ich sagen, was ich möchte und sei der Spruch noch so abgedroschen und niveaulos.«

Wenn das nicht die arroganteste Antwort war, die Lucy je gehört hatte. Dieser Mann hatte bisher keine Sympathiepunkte sammeln können und gerade eben war er mit vollem Karacho ins Minus gerauscht.

»Sie sind ja ziemlich von sich überzeugt. Tut das nicht weh?« Sie fuchtelte mit ihrer Hand Richtung Decke, aber er schien ihre Anspielung nicht zu verstehen. Intelligent war etwas anderes.

»Wieso sollte es?«

»Na ja, wenn Sie mit Ihrem Ego an die Decke stoßen ...«

Statt beleidigt von dannen zu ziehen, lachte er und legte den Kopf schief. »Wirklich nett. Verbirgt sich unter Ihrer hübschen Fassade eine grüne Haut und eine Warze auf der Nase?«

Lucy biss sich auf die Lippe, um nicht zu schmunzeln. Wenigstens war er schlagfertig.

»Das nennt man ein gesundes Selbstbewusstsein, aber ich weiß schon, dass Sie das an Frauen nicht kennen. Sie würden sich sonst nur bedroht fühlen.«

Er verschränkte die Arme vor der Brust und schien einen Augenblick darüber nachzudenken, ehe er sich über den Dreitagebart fuhr. »Es ist in der Tat selten geworden, was aber nicht heißt, dass ich mich dadurch bedroht fühle.«

Ein Funkeln trat in seine dunklen Augen.

»Es ist nicht selten geworden, Sie suchen nur nicht danach.«

»Mag sein«, meinte er und deutete auf die Bar. »Darf ich Sie auf einen Drink einladen?«

Kurz zog sie seine Einladung tatsächlich in Erwägung, bis sie sich daran erinnerte, dass sie kein Interesse mehr an Männern hatte.

Wie hatte ihre Mum immer gesagt? ›Die Liebe ist etwas für naive junge Dinger. Das Einzige wofür Männer gut sind, ist Sex.‹ Da Lucy mit ihren sechsundzwanzig Jahren weder ein naives junges Ding war, noch jemals besonders viel Spaß an Sex hatte, hätte sie gar nicht gewusst, was sie mit ihm anfangen sollte.

»Danke, doch ich verzichte.« Sie machte auf dem Absatz kehrt, ohne auf eine Antwort zu warten. Ihr Blick glitt hektisch über die Menge, bis sie Elains blonden Pixie-Cut entdeckte. Sie eilte auf ihre Freundinnen zu, die sie mit hochgezogenen Brauen begrüßten.

»Und? Wie ist er so?«, fragte Mary und zückte ihr Smartphone.

»Arrogant, schmierig und eingebildet.«

»Das hatte ich mir gedacht.« Enttäuscht steckte sie es wieder weg.

»Aber heiß.« Elain ließ ihren Blick ungeniert über Darren wandern. Sie war bekannt dafür, dass sie kein Blatt vor den Mund nahm und sich die Männer krallte wie eine Sirene.

»Der ist sogar für dich zu arrogant«, meinte Lucy und verschränkte die Arme vor der Brust. Sie wusste, dass ihre Freundin nicht wählerisch war, was die Wesenszüge ihrer One-Night-Stands anging, aber sie war sich sicher, dass selbst sie ihn abstoßend finden würde.

»Wenn er die Klappe hält, könnte es gehen.« Elain zuckte mit den Schultern, bevor sie Lucy einen Arm um die Taille legte und grinste. »Aber keine Angst, du hast ihn zuerst gesehen.«

»Oh Gott, nein! Den würde ich nicht einmal anfassen, wenn er vollständig mit Schokolade überzogen wäre.«

»Das solltest du dir wirklich überlegen, Luc. Du hattest wie lange keinen Sex mehr?«

»Ein Jahr, aber du weißt, dass mich das nicht stört.«

»Dich nicht. Deine Vagina schon.«

»Oh nein, nicht das schon wieder.« Lucy stöhnte auf und befreite sich aus Elains Griff. Sie liebte ihre Freundin wie eine Schwester, aber manchmal hatte sie wirklich nicht mehr alle Tassen im Schrank. Sie hatte tatsächlich die irre Ansicht, dass eine Vagina zuwuchs, wenn man nicht oft genug Sex hatte.

»Ich meine es nur gut, Luc.«

»Ja, ja«, sagte Lucy und riss Elain das Bier aus der Hand. Für solche Unterhaltungen war sie eindeutig noch zu nüchtern.

 

Lucy stolperte erst spät aus dem Club. Elain und Mary waren bereits vor einer Stunde gegangen, während sie sich mit einem der Barkeeper festgequatscht hatte. Er hatte solch verrückte Verschwörungstheorien auf Lager, dass sie sich ausgezeichnet mit ihm verstand.

Doch nun pochte ihr Kopf, als wäre darin ein Presslufthammer losgegangen und ihr Magen schien sich nicht sicher zu sein, ob er seinen Inhalt behalten wollte. Ein eindeutiges Zeichen dafür, dass sie es übertrieben hatte.

Sie zog ihren Trenchcoat enger um ihre Taille. Für eine Nacht mitten im Juli war es ungewöhnlich kühl.

Ihre Füße schmerzten. Sie zog sich ihre schwarzen Wildleder-Pumps aus und lief barfuß weiter. Der kühle, glatte Asphalt war eine Wohltat für ihre geschundenen Füße.

Ihr Weg führte durch eine dunkle Gasse, an dessen Enden nur jeweils eine einzige flackernde Laterne stand.

Sie hasste diesen Weg, sah es jedoch nicht ein, für die kurze Strecke bis zu ihr nach Hause ein teures Taxi zu bezahlen.

In der Dunkelheit schnappte sie das Rascheln der Ratten auf, die sich durch die überfüllten Mülltonnen wühlten.

Sie beschleunigte ihre Schritte. Plötzlich vernahm sie zwei Stimmen und blieb abrupt stehen. Wenige Meter vor ihr teilte sich die Hausmauer und führte direkt in den Hinterhof des Clubs. Ein rötliches Glühen, wie ein heißes Stück Kohle, schien an die gegenüberliegende Mauer.

Es war ungewöhnlich; weder passte ein Auto durch die schmale Gasse, noch roch sie Feuer. Was konnte das sein?

Trotz ihres schweren Verstandes und der Tatsache, dass sie zeitweise doppelt sah, weckte es ihre Neugier. Sie drückte sich an die Wand und schlich nach vorne. Sie hörte erneut die Stimmen: zwei Männer.

»Ich schwöre dir, ich habe ihn hier gerochen. Ganz sicher.«

»Aber hier ist nichts, Darren.«

»Ich weiß. Verdammter Mistkerl.«

Lucy vernahm ein Knurren, dass dem eines Hundes sehr ähnelte. Hatte der eine, den anderen Darren genannt? Wie dieser Junggeselle?

Vorsichtig spähte sie um die Ecke und sog zischend den Atem ein. Dort waren nicht zwei Menschen, sondern ... ja, was eigentlich? Sie starrte auf zwei Gestalten mit kurzen, schwarzen Haaren. Die Haut, die nicht von Kleidung verhüllt war, glühte feuerrot und Hörner wuchsen aus ihrer Stirn.

Lucy packte das Entsetzen. Was waren das für Wesen? Ihr Blick huschte zu dem Größeren der beiden. Diese Gesichtszüge kamen ihr bekannt vor. War das wirklich Darren?

Sofort zog sie sich wieder zurück. Wo war sie hier gelandet? Bei Hell Boy?

»Oh Gott«, wisperte sie und fasste sich an ihren Brustkorb. Hatte ihr jemand etwas in den Drink getan?

Das Blut rauschte in ihren Ohren, während ihr Herz jeden Moment zu versagen drohte. Was sollte sie machen? Mit zitternden Händen versuchte sie, ihr Smartphone aus der Manteltasche zu ziehen. Plötzlich überkam sie ein stechender Schmerz im Kopf, der ihr direkt in den Magen schoss. Sie stöhnte auf, ging in die Knie und ein Schwall Alkohol, gemischt mit den Resten ihres Abendessen, ergoss sich unkontrolliert aus ihrem Mund. Bitte nicht, war ihr letzter Gedanke, bevor sie tiefe Dunkelheit umfing.

 

 

Kapitel 2

Nicht auch noch das. Darren knurrte, sperrte seine wahre Gestalt hinter die menschliche, helle Haut, bevor er auf die bewusstlose Frau zu eilte, die an der Ecke des Hinterhofes zusammengebrochen war.

Als er sich über sie beugte, stockte er. »Das ist die Kleine von vorhin.«

Vorsichtig strich er ihr das Haar aus dem Gesicht. Angewidert verzog er seine Lippen, als er die gelbliche Flüssigkeit entdeckte, die noch immer aus ihrem Mund sickerte.

»Widerlich. Ich hasse es, wenn Frauen sich bewusstlos trinken.« James war neben ihn getreten und begutachtete die junge Frau.

»Ich denke nicht, dass es der Alkohol war.«

Er konnte es riechen. Schmerzmittel und Tequila, schlechte Kombination. Es bildete einen süßlich, chemischen Geruch, der ihn in der Nase brannte. Warum musste ausgerechnet sie hier vorbei stolpern. Die einzige Frau, die ihm den ganzen Abend nicht mehr aus dem Kopf gegangen war. Mit ihrer Abfuhr und ihrer schlagfertigen Art hatte sie mehr als nur sein Interesse geweckt. Normalerweise widerstand keine Frau seinen Kräften, diese hier schon. Den ganzen Abend hatte er sie beobachtet, hatte auf den richtigen Zeitpunkt gewartet, sie erneut anzusprechen, aber dann war ihm dieser Geruch dazwischen gekommen.

Vorsichtig hob er sie auf seine Arme, darauf bedacht, dass sie nicht sein teures Hemd beschmutzte.

»Du weißt, dass du sie töten musst?« James hob eine seiner rabenschwarzen Augenbrauen, während er die Arme verschränkte. Das Leuchten seiner wahren Gestalt konnte er, selbst durch seine schokoladenbraune Haut, kaum noch verbergen. Er brauchte dringend Nahrung, doch das war nicht Darrens Sache. Auch wenn sich ein wenig sein schlechtes Gewissen meldete.

»Vielleicht hat sie nichts gesehen. Ich kann sie nicht einfach töten, ohne Genaues zu wissen. Nicht in dieser Zeit.«

»Niemand darf von unserer Existenz erfahren. Was, wenn sie die Presse oder gar die Polizei ruft?«

»Das wird nicht passieren. Wenn sie wach ist, frage ich sie erst, ob sie sich überhaupt noch an irgendetwas erinnern kann. Daran habe ich nämlich meine Zweifel.«

»Bist du dir sicher?«

Darren seufzte und biss die Zähne fest zusammen. Nein, er war sich nicht sicher, aber das würde er ihm mit Sicherheit nicht auf die Nase binden. »Ja, verdammt. Jetzt such lieber nach der Spur.«

James schüttelte den Kopf. »Sie endet hier, Darren. Lass davon endlich ab. Es ist seit zwei Monaten nichts mehr passiert.«

»Das mag sein, aber wer sagt mir, dass er nicht immer noch dort draußen ist und wieder morden wird?«

Seit einem Jahr ging dieses Spiel, und der Mistkerl trieb Darren damit in den Wahnsinn. Irgendwer war dort draußen und ermordete junge Frauen. Das alles würde ihn nicht wirklich interessieren, geschweige denn etwas angehen, wenn die Opfer nicht alle eine Gemeinsamkeit hätten – er hatte zuvor mit ihnen geschlafen. Das brachte ihn in eine riesige Zwickmühle. Er brauchte den Kontakt zu Frauen, um zu überleben. Doch er durfte keine Spur der Verwüstung hinterlassen und genau das tat er momentan. Es hatte ihn unzählige Stunden des Redens gekostet, seinen Vater davon zu überzeugen, dass nicht er die Morde begangen hatte.

»Gut, ich suche weiter. Eine halbe Stunde noch, danach ist Feierabend.« James hob seinen Finger und tippte sich auf die Haut. »Die Süße hat versprochen, auf mich zu warten; ich bin mir nicht sicher, für wie lange.«

Darren nickte, er erkannte die Ernsthaftigkeit in der Stimme seines Freundes. Er wusste, dass er seine Nahrung nur für ihn hinausschob. Für das Gespenst, das er seit Monaten jagte und mit dem James eigentlich nichts zu schaffen hatte. Nur seiner Treue wegen, hatte er ihm stets geholfen. Also war es auch an ihm, ihn daraus zu entlassen, bevor er seine Gestalt nicht mehr verstecken konnte. »Geh nur. Amüsier dich.«

»Sicher?«

»Seit wann fragst du mich ständig, ob ich mir sicher sei? Ja, verdammt, geh!«

Mit einem Zwinkern verschwand er hinter der Ecke des Hofes.


Darren seufzte und rutschte unruhig auf dem schwarzen Ledersessel hin und her. Immer wieder schlichen die gleichen Gedanken durch seinen Kopf. Was hatte sie gesehen? Wer war sie? Und wieso zur Hölle hatte sie seinen Kräften widerstehen können?

Er betrachtete ihre braunen Locken, die ihr wirr ins Gesicht hingen. Sie war wahrlich eine Schönheit. So natürlich, wie er selten eine Frau gesehen hatte. Sie versteckte ihre unzähligen Sommersprossen auf ihrer blassen Haut nicht, wie viele es taten, sondern schien dazu zu stehen. Sie betonte sie sogar noch, indem sie nur einen dunkelroten Lippenstift trug. Der jetzt allerdings, ganz zu seinem Ärgernis, auf seinem weißen Kissen prangte.

Lucy rollte sich zusammen und grunzte leise.

Langsam verlor er die Geduld. Seit Stunden sah er ihr beim Schlafen zu. Aufzuwecken jedoch wagte er sie nicht.

Endlich regte sie sich. Langsam öffnete sie die Augen, stöhnte auf und schloss sie sofort wieder. »Mein Kopf«, flüsterte sie und fasste sich an ihre Stirn.

Darren erhob sich und stellte ihr ein Glas Wasser und eine kleine Tablette hin.

»Hier, trink das.«

Sofort riss sie die Augen auf, zog die Decke bis unter ihr Kinn und starrte ihn an.

»Was machen Sie in meiner Wohnung?« Ihre Stimme war kratzig, was ihr, seiner Meinung nach, ausgezeichnet stand.

»Du bist nicht in deiner Wohnung.«

Sie sah sich steif um und schien zu erkennen, dass er recht hatte. »Oh Gott ... Was habe ich getan? Haben wir …?«

Das Entsetzen in ihren großen grünen Augen amüsierte ihn. Er hätte nichts dagegen gehabt, wenn sie im Bett gelandet wären. Doch nicht einmal er konnte so tief sinken, dass er sich an bewusstlosen Frauen verging, die sich auch noch übergeben hatten. Also schüttelte er den Kopf.

»Ich habe es lieber, wenn Frauen wach, bei Verstand und nüchtern dabei sind.«

Langsam ließ er sich in den Sessel neben seinem Bett sinken. Er genoss das Gefühlschaos, das er in ihren Augen sehen konnte. Unsicherheit zeichnete sich darin ab, genauso wie Entschlossenheit und Wut.

»Was mache ich dann hier? Wie bin ich hierhergekommen?«

Er verschränkte die Arme vor der Brust. »An was erinnerst du dich?« Er durfte sich seine Anspannung nicht anmerken lassen, also versuchte er seinen Kiefer zu lockern. Was sie jetzt sagen würde, entschied über ihr Leben.

»Ich habe zuerst gefragt und wann habe ich Ihnen das Du angeboten?«

Okay, mit einer so patzigen Antwort hatte er nicht gerechnet, doch es gefiel ihm.

»Du bekommst deine Antwort, wenn ich meine erhalten habe. Und über diese Höflichkeitsfloskeln sind wir längst hinweg, nachdem du in meinem Bett geschlafen hast, oder?«

Er intensivierte seinen Blick. Genau wie gestern im Club, konnte er sehen, wie seine Kräfte an ihr abprallten. Was war diese Frau für ein Geschöpf?

Ihre Wangen röteten sich.

Vielleicht drang ja doch ein wenig zu ihr durch. Das musste er unbedingt erforschen. Sie faszinierte ihn auf eine Art, die er bereits vergessen glaubte. Normalerweise brauchte er eine Frau einfach nur anzusehen und sie fiel ihm um den Hals. Einer der vielen Vorteile, ein Incubus zu sein.

Doch manchmal langweilte ihn das. Früher konnte er noch richtig auf die Jagd gehen, musste für eine besonders hübsche Frau kämpfen, doch heutzutage war es, als wären ihre Gehirne weichgekocht. Als gäbe es darin keinen Funken Widerstand mehr.

»Also, was ist? An was erinnerst du dich?«

Lucy seufzte theatralisch und verschränkte ihre Arme. Sie zog einen Schmollmund, den er allzu gern liebkost hätte.

»Gut, bitte. Ich war in dem Club. Dann habe ich dich getroffen, dir eine Abfuhr erteilt und mich lange mit diesem Barkeeper unterhalten ... ja und dann ...« Sie runzelte die Stirn und strich sich die losen Strähnen aus dem Gesicht. »Dann ist da irgendwie nur eine dunkle Gasse und irgendetwas Rotes.«

»Nicht mehr?«

Sie schwieg einen Moment, dann schüttelte sie den Kopf. »Nein. Nicht mehr. Also, was ist passiert?«

Ein dunkles Lächeln schob sich auf seine Lippen. Er freute sich viel zu sehr darüber, dass er sie am Leben lassen konnte.

»Du warst betrunken, stark betrunken. Ich habe dich auf der Straße aufgelesen, als du in deiner eigenen Kotze gelegen hast.«

Interessiert beobachtete er, wie das Rot von ihren Wangen bis zu ihren Ohren stieg.

»Das darf nicht wahr sein«, murmelte sie, mehr zu sich selbst, als zu ihm.

Ihre Scham schien allerdings nur wenige Sekunden anzuhalten, denn sie straffte schon wieder die Schultern.

»Kann ich bitte bei dir duschen?« Ein entschlossener Zug hatte sich um ihre Mundwinkel gebildet und sie fixierte ihn aufmerksam.

Darren atmete tief ein. Das hatte er befürchtet. Allein die Vorstellung, wie sie nackt in seiner Dusche stand, reichte, um ihm einen Ständer zu verpassen, doch er konnte ihr das schlecht verweigern. Ihr Haar war völlig verklebt, und milde gesagt, sie stank entsetzlich für seine feine Nase.

»Natürlich.« Er deutete auf eine Glastür am Ende seines Schlafzimmers. »Dort drüben ist das Bad.«



Kapitel 3

Das Wasser prasselte auf Lucys schmerzenden Kopf und kühlte ihren viel zu heißen Körper herunter. Immer und immer wieder ging sie den vergangenen Abend durch, doch der Nebel wollte sich nicht lichten. Sie konnte nicht glauben, dass sie diesen Fehler erneut begangen hatte. Tequila und Schmerzmittel … Wie hatte sie nur vergessen können, dass sie gleich zwei Stück am Abend genommen hatte, um die stechenden Kopfschmerzen zu unterdrücken, die Jones regelmäßig bei ihr auslöste?

Ihr Magen knurrte, was ein flaues Gefühl bis in ihre Kehle aufsteigen ließ. Wenn sie daran dachte, was ihr hätte passieren können. Alleine, nachts, in dieser Gasse … Sie schämte sich dafür, dass sie sich selbst außer Gefecht gesetzt hatte. Eigentlich war dies so gar nicht ihre Art. Und dann wurde sie auch noch von diesem hochmütigen Wichtigtuer aufgelesen, der sich jetzt wahrscheinlich wie der Samariter in Person fühlte. Wenn sie nur an sein selbstgefälliges Grinsen dachte, musste sie bereits würgen.

Gut, er hatte ihr geholfen, das musste sie wohl oder übel zugeben. In Anbetracht der Tatsache, dass sie vorhin noch immer ihre dreckigen Klamotten getragen hatte, konnte sie sich sicher sein, dass er seine Finger bei sich behalten hatte.

Als sie aus der riesigen Dusche stieg, lag ein flauschiger Bademantel und ein Handtuch auf einem kleinen Hocker. Bis auf ihre Unterwäsche, die er nicht angefasst hatte, war ihre Kleidung verschwunden.

Etwas mulmig zumute trocknete sie sich ab, schlüpfte mit gerümpfter Nase in die Unterwäsche und hüllte sich in den Bademantel. Das war immer noch besser, als nackt zu gehen. Danach schnappte sie sich eine von den eingepackten Zahnbürsten, die auf dem breiten Waschbecken lagen. Sie wollte sich gar nicht vorstellen, wieso ein Mann gleich ein Dutzend eingepackte Zahnbürsten im Bad stehen hatte.

Stil hatte er jedoch, das musste sie ihm lassen.

Das Badezimmer war sicher doppelt so groß wie ihres und so modern, als stamme es direkt aus einem Katalog.

Als sie nach draußen trat, wehte ihr der Duft von frisch gemahlenem Kaffee und gebratenem Speck entgegen. Das roch himmlisch. Sie folgte der Spur bis in ein riesiges cleangehaltenes Wohnzimmer.

Tageslicht drang durch bodentiefe Fenster und erhellten den Raum, obwohl der Himmel draußen wolkenverhangen war.

Deko oder gar Bilder, die einen Hinweis darauf gaben, wer der Mann eigentlich war, gab es nirgends.

Sie ging tiefer in das Zimmer und entdeckte hinter einer Ecke die weitläufige Küche.

An einer Kochinsel stand Darren und wendete gerade einen Pancake.

»Setz dich«, sagte er und deutete mit dem Pfannenwender auf den Tresen. Dort entdeckte sie einen gedeckten Frühstückstisch.

Es war nett von ihm, ihr ein Frühstück anzubieten, dennoch blieb sie skeptisch.

»Wo sind meine Klamotten?«

»In der Wäsche. Ich besitze leider keine Frauenkleidung und ich wage zu bezweifeln, dass du gerne deine verdreckten Sachen angezogen hättest.«

Damit hatte er recht. Sie hatten entsetzlich gestunken und allein die Vorstellung, wieder hineinzuschlüpfen, bescherte ihr eine Gänsehaut.

»Setz dich endlich und iss was. Du bist ganz grün um die Nase.«

Missmutig ließ sie sich auf den Barhocker sinken. Ihr Körper brauchte Kaffee und etwas zu essen. Ihre Bedenken, was diesen Mann anging, konnte sie später auch noch nachgehen. Er wirkte zufrieden, denn ein Lächeln erschien auf seinen Lippen. Er schob ihr eine Milchpackung zu, die sie allerdings ignorierte. Ihren Kaffee brauchte sie schwarz und stark.

Vorsichtig nippte sie an der Tasse. Der Kaffee war heiß, aber genau nach ihrem Geschmack. Mister Arroganz sammelte allmählich doch Pluspunkte.

Eine seiner Augenbrauen war erhoben, als sie ihn genauer musterte.

»Was?«

»Ich wusste, du bist eine Psychopathin.«

»Wie bitte?«

Er deutete mit einem Nicken auf die Tasse in ihren Händen. »Nur Psychopathen trinken ihren Kaffee schwarz und so stark. Hast du das nicht gewusst?«

Lucy dachte kurz darüber nach. »Nein, das ist mir neu. Wie trinkst du ihn denn?« Ein Schmunzeln schlich sich gegen ihren Willen auf ihr Gesicht. Irgendwie mochte sie das Geplänkel mit Darren.

»Was denkst du denn?«

»Hmm«, machte sie, stellte die Tasse ab und fuhr sich über ihr Kinn. »Wenn ich ehrlich bin, denke ich, dass du ihn nicht trinkst, sondern spritzt.«

Ein Lachen, das so tief und wohlklingend war, dass sie eine Gänsehaut bekam, schallte durch die Küche. »Würde ich wahrscheinlich, wenn es möglich wäre. Aber ich begnüge mich damit, ihn zu trinken. Schwarz, ohne Zucker.«

Lucy nickte leicht, während sie ihren Blick über seinen Körper schweifen ließ. »Dachte ich mir. Vielleicht ist da tatsächlich etwas dran, an der Theorie mit dem Psychopathen.«

Heute trug er ein schlichtes weißes T-Shirt und Jogginghosen, die so tief auf seiner Hüfte saßen, dass nicht viel fehlte und sie hätte freien Blick auf sein bestes Stück gehabt.

Elain hatte recht. Er war heiß. Seine Muskeln zeichneten sich deutlich unter seiner Kleidung ab und für den Bruchteil einer Sekunde stellte Lucy sich vor, wie es wohl wäre, mit dem Finger über seinen Sixpack zu fahren.

»Deine Gedanken würde ich jetzt gerne hören«, meinte Darren mit einem solch verschlagenen Lächeln, das sie sich beinah am Kaffee verschluckte.

Sie räusperte sich und spürte, wie die Wärme in ihre Wangen kletterte.

Den Teufel würde sie tun und ihm das sagen.

»Ich habe mich gerade gefragt, wann die Pancakes endlich fertig sind«, meinte sie stattdessen und zwang die Scham in die hintersten Winkel ihres Verstandes. Als sie ihm daraufhin fest in die Augen sah, die heute die Farbe von herber Schokolade hatten, erkannte sie den Schalk darin aufblitzen. Er hatte seine Freude dabei, sie zu provozieren. Gut, das konnte er haben. Lucy war Männern gegenüber selten unsicher. Früh hatte sie von ihrer Mutter gelernt, sich zu behaupten, für sich einzustehen, vor allem dem männlichen Geschlecht gegenüber.

»Und die Antwort steht auf meiner Brust? Oder stehst du einfach nur auf mich?«

Gott, dieses Grinsen machte sie wahnsinnig. Wie konnte eine einzige Person nur so viel Ego besitzen? »Oh ja, ich verbrenne fast vor Lust, wenn ich dich nur ansehe.« Sie verdrehte die Augen und er lachte noch lauter.

Endlich belud er ihren Teller mit Pancakes und Speck.

Ihr Magen schien mittlerweile ein gewaltiges Loch in seine Wände gefressen zu haben, denn sie konnte nicht schnell genug den süßen Teig mit dem salzigen Bacon verspeisen. Das war die perfekte Kombination bei einem Kater.

»Danke für alles«, nuschelte sie beim letzten Bissen, den sie mit einem großen Schluck Kaffee hinunterspülte. Endlich löste sich auch der Druck in ihrem Kopf.

»Nein, brauchst du nicht«, sagte er und schüttelte den Kopf. »Solltest du nicht.«

Für einen winzigen Moment meinte sie, etwas Dunkles in seinen Augen aufblitzen zu sehen. So schnell wie es gekommen war, war es wieder vorbei und sie war sich nicht sicher, ob sie es sich nur eingebildet hatte.

Schweigen breitete sich zwischen ihnen aus, das auf einmal durch ein Brummen unterbrochen wurde. Darren zerrte ihr Smartphone aus seiner Hosentasche und legte es auf den Tisch.

»Es ist deins und du hast ein paar verpasste Anrufe.«

Blinzelnd betrachtete sie die silberne Hülle. »Wieso hast du mein Telefon und woher weißt du von den Anrufen?«

Darren nahm ihr Geschirr und räumte es in die Spüle. »Aus deinem vollgekotzten Mantel, der in der Wäsche ist.«

Sofort senkte sie ihren Blick. Konnte es noch peinlicher werden?

»Entschuldige«, murmelte sie und griff nach dem Telefon. Als sie den Bildschirm entsperrte, stockte ihr allerdings der Atem. Jones hatte angerufen ... dreiundzwanzig Mal.

Eilig drückte sie die Rückruftaste. Nach nur einmal klingeln hob er ab.

»Verflucht, wo bist du? Wieso gehst du nicht an dein beschissenes Gerät?« Jones brüllte so laut, dass sie das Telefon sofort von ihrem Ohr wegriss.

»Ich hatte es auf lautlos.« Es war Samstag und damit eigentlich ihr freier Tag. Dieser Workaholic hatte offenbar die Ansicht, dass seine Mitarbeiter Sklaven waren, die zu jeder Zeit bereit sein mussten. Sie hasste diesen Vollidioten.

»Es ist mir scheißegal, wieso du mich ignorierst. Schwing deinen Arsch sofort in die Second Avenue, in den Driveclub. Ein Mädchen wurde ermordet.«

Mit diesem einen Satz rauschte sämtliches Blut in ihre Füße. Im Driveclub? Dort, wo sie gestern noch ausgelassen gefeiert hatte? In ihrem Inneren brach ein Chaos an Gefühlen los und sie konnte sich kaum entscheiden, welches sie als erstes fühlen sollte.

»Ich ... ich komme«, brachte sie leise heraus, als er bereits aufgelegt hatte.

»Alles in Ordnung?« Darren hielt mitten im Aufräumen inne und musterte sie mit gerunzelter Stirn.

»Nein ... also ja, ich muss zur Arbeit. Danke für's Frühstück.« Sie schüttelte den Kopf, um das ungute Gefühl zu vertreiben. Sie musste jetzt funktionieren, auch wenn die Pancakes in ihrem Magen begannen Samba zu tanzen.

Lucy hasste diese Art Berichte. Die Dunklen, über Morde, Vergewaltigungen und andere schlimme Dinge. Jedes Mal hatte sie Angst, dass es jemanden getroffen hatte, den sie kannte. Doch sie war für die Lokalnachrichten verantwortlich und so musste sie auch über diese Sachen berichten. Vor allem jetzt, wo sie den Posten als stellvertretende Chefredakteurin haben wollte.

Entschlossen rutschte sie vom Stuhl und sah sich um. Ihre Kleidung war noch immer in der Wäsche und im Bademantel konnte sie schlecht gehen.

»Wie hoch stehen die Chancen, dass meine Klamotten schon fertig sind?«

Darren sah kurz auf die Uhr und verzog sein Gesicht.

»Schlecht. Deine Kleidung ist ziemlich sicher klatschnass.«

Sie fluchte leise. Sie musste improvisieren. Ihr Blick glitt durch den Raum und blieb an Darren hängen. Groß genug könnte er sein. »Hast du vielleicht ein Hemd und einen Gürtel?«

Es dauerte nur einen kurzen Moment, dann schien er zu verstehen, was sie vorhatte. Denn nur wenige Minuten später stand er mit einem langen, weißen Hemd und einem Gürtel vor ihr.

»Du willst das als Kleid tragen?«

Lucy nickte, während sie nach den Sachen langte, doch Darren war schneller. Er hielt sie außerhalb ihrer Reichweite, während sich ein verschlagenes Grinsen auf seinem Gesicht ausbreitete. »Du bekommst sie. Geliehen. Das ist mein bestes Hemd. Sprich, ich hätte es gerne wieder. Vorzugsweise bei einem Date.«

Sie ballte ihre Hände zu Fäusten, während sie ein Grummeln unterdrückte. Für solche Spielchen hatte sie nun wirklich nicht die Nerven. »Du kriegst es zurück, aber es gibt kein Date.«

»Wieso nicht?«

Sie versuchte an das Hemd zu gelangen, aber Darren hatte Reflexe wie ein Luchs.

»Ich überleg es mir. Okay? Kann ich jetzt bitte das Hemd haben?« Sie setzte absichtlich ihre leidvollste Miene auf, die sie zu bieten hatte, in der Hoffnung es würde ziehen. Tatsächlich ließ er den Arm sinken. Schnell schnappte sie sich Hemd und Gürtel und hüpfte einen Schritt zurück. »Danke«, flötete sie und grinste.

»Wow … du hast es tatsächlich geschafft, dass ich dir diese Miene abkaufe.« Er schüttelte den Kopf. Darren wirkte verblüfft und gleichzeitig belustigt.

Mit einem Zwinkern drehte Lucy sich um und verschwand in seinem Schlafzimmer, um sich umzuziehen.


Sie zupfte unablässig am Hemd, als sie aus dem Taxi stieg. Die Plastiktüte mit ihren nassen Klamotten drückte sie schützend an ihre Brust.

Warme, schwüle Luft wehte ihr entgegen, als sie den Block bis zum Club zurücklegte. Dunkle Wolken bauten sich am Himmel auf, als wäre Gott persönlich wütend auf denjenigen, der den Mord verübt hatte.

Blaulicht und ein stetes Gemurmel empfing sie am Haupteingang des Clubs.

Reporter, Fotografen und Kameramänner drängten sich an die gelbe Absperrung.

Sie streckte sich, sah sich suchend um und entdeckte Elain schließlich an der Ecke zu jener Gasse, die direkt zu ihrem Wohnviertel führte.

Sie lehnte an der Mauer, die Stirn in tiefe Falten gelegt und unterhielt sich mit einem großen Mann. Es war Detective Aiden Brown, Lucys Exfreund. Sie erkannte ihn bereits an der Art, wie er da stand. Die breiten Schultern waren angespannt. Er fuhr sich immer wieder über den Nacken, während er auf den Fußballen hin und her wippte. Er war nervös.

Sie atmete einmal tief durch, dann schritt sie auf die beiden zu.

»Guten Morgen.«

»Morgen? Es ist bereits halb eins. Wo warst du?«, fragte Elain und zog eine Augenbraue nach oben.

Lucy seufzte leicht. »Komplizierte Geschichte. Erzähl ich dir nachher. Was ist passiert?«

Sofort verdunkelte sich Elains Gesicht und sie nickte Aiden zu.

Dieser musterte Lucy von oben bis unten. Sein fein gezeichnetes Gesicht zeigte Sorge, aber er sparte sich einen Kommentar zu ihrem Aufzug.

»Eine tote Frau wurde im Hinterhof des Clubs aufgefunden. Schätzungsweise Anfang zwanzig. Übel zugerichtet.«

Lucy schluckte die aufsteigende Übelkeit hinunter, die Aidens Worte auslöste. Sie musste stark sein. Sie war eine knallharte Journalistin und musste ihre persönliche Angst außen vor lassen. »Sind das bereits die offiziellen Infos?«

»Nein. Die gehen erst heute Abend raus.«

Sie nickte steif. »Hast du noch was?«

Er verzog das Gesicht und biss die Zähne zusammen. Sie wusste, dass das ein untrügliches Zeichen dafür, dass er noch weitere Informationen hatte, sie aber nicht herausrücken wollte. Lucy war sich nicht sicher, ob sie diese überhaupt haben wollte. Doch es führte kein Weg daran vorbei, dass sie weiter bohrte.

»Komm schon. Du weißt, dass ich nichts veröffentliche, bevor du mir nicht dein Okay gibst.«

Sie hatten bereits seit einigen Jahren diesen Deal. Er war während ihrer Beziehung zustande gekommen und hielt auch noch zwei Jahre danach. Lucy schenkte ihm Karten für die Lakers und er versorgte sie im Gegenzug mit erstklassigen Infos.

»Das ist wirklich heikel.«

Elain verdrehte die Augen und zog ihre Kamera aus der schwarzen Umhängetasche. »Jetzt mach schon, Aiden. Dieses Spielchen spielen wir jedes Mal und jedes Mal verlierst du.«

Er zögerte kurz, ehe seine Schultern nach unten sackten. »Gut, bitte. Dieser Mord ähnelt anderen Fällen, in anderen Städten und Bundesstaaten. Wir vermuten einen Serienkiller.«

Lucy riss die Augen auf. Ihr Magen zog sich zusammen und das Adrenalin schoss durch ihre Adern. Oh mein Gott. War sie womöglich nur knapp einem Serienmörder entkommen?

In ihrem Inneren entbrannte ein Kampf. Sollte sie lachen vor Erleichterung, dass sie noch am Leben war, oder weinen vor Schock?

»Du bist so blass, alles in Ordnung?« Aiden griff nach ihrem Arm, aber sie wehrte ihn ab.

»Ja, schon okay. Wir waren hier nur gestern feiern und ich habe es etwas übertrieben.«

Sofort schossen seine Augenbrauen nach oben. »Ihr wart hier?« Dann ging sein Blick zu Elain. »Wieso hast du nichts davon gesagt?«

Sie zuckte lediglich mit den Schultern. »Weil ich schon die ganze Zeit darüber nachdenke, ob ich etwas Merkwürdiges gesehen habe.«

»Und?«

»Nein, nichts.«

Er stöhnte genervt auf. »Und du, Luc?«

Sie schüttelte sofort den Kopf. Sie konnte sich sowieso kaum an etwas erinnern.

Plötzlich kam Bewegung in Elain. Sie zückte ihre Kamera und schoss drauf los. Als Lucy erkannte wieso, erstarrte sie. Zwei Männer in Schutzanzügen trugen die Leiche zum Leichenwagen.

Aiden drängte die beiden Journalistinnen sofort zur Seite. Als die Männer das Trio passierten, rutschte das Laken herunter und zum Vorschein kam etwas so grausames, dass Lucy sofort würgte.

Die Augen der jungen Frau waren weit aufgerissen und blutunterlaufen. Ihre Kehle war zerfetzt, einzelne Fleischbrocken baumelten die Trage hinab. Ihr unbekleideter Oberkörper war vollkommen zerkratzt.

Selbst Elain, die Hartgesottene unter ihnen, keuchte.

»Was-«, wisperte Lucy und ging automatisch einen Schritt zurück. Wer konnte so grausam sein?

Aiden bemühte sich, das Laken wieder zurechtzurücken, aber es war zu spät. Einige Fotografen hatten bereits ein Foto geschossen und Lucy hatte sich dieser Anblick unauslöschlich in die Netzhaut gebrannt.


Sie saß, noch immer verstört, zwei Stunden später in der Redaktion und starrte auf ihren Monitor. Der Textzeiger ihres leeren Dokuments blinkte auffordernd, doch sie brachte kein einziges Wort zustande. Immer wieder sah sie die Augen der jungen Frau und fragte sich, was sie Grausames erlebt hatte.

»Hier sind die Bilder.« Elain legte ihr einen USB-Stick auf den Schreibtisch und ließ sich auf der Kante des Pults nieder. »Schrecklich so etwas, oder?«

»Ich möchte gar nicht darüber nachdenken.« Eine Gänsehaut bildete sich auf Lucys Armen und sie schüttelte den Kopf. Leider ließen sich diese Gedanken nicht so einfach verscheuchen.

»Du tust es trotzdem und das mehr als sonst, warum?«

Sie seufzte. Sollte sie ihrer Freundin wirklich davon erzählen? Ein Blick in Elains Augen löste schließlich ihre Zunge. Irgendjemanden musste sie davon berichten, sie würde sonst wahnsinnig werden. »Das hätte ich sein können. Die junge Frau. Ich war wahrscheinlich nur kurz vor ihr in der Gasse und-« Lucy stockte. Elain würde ausrasten …

»Und was?«

»Ich war bewusstlos«, murmelte sie schließlich und zog die Schultern hoch. Sie mied den Augenkontakt und das aus gutem Grund.

Elain donnerte mit der flachen Hand auf den Tisch. »Du warst bewusstlos? Wieso? Und wieso erfahre ich erst jetzt davon?«

Lucy lehnte sich zurück. »Weißt du noch der Tequila? Ich hatte, bevor ich zu euch in den Club kam, ein Gespräch mit Jones und danach höllische Kopfschmerzen ...«

»Nicht schon wieder. Lucy, du weißt, dass du so eine Mischung nicht verträgst.« Elain verschränkte die Arme und bedachte sie mit einem Blick, den auch ihre Mutter immer hatte, als sie noch ein Kind war.

Kurz nachdem sie sich kennengelernt hatten, hatte Elain die mütterliche Rolle in ihrer Freundschaft übernommen. Obwohl sie nur ein halbes Jahr älter war als sie, fühlte sie sich für sie und Mary verantwortlich, das wusste Lucy. Elain hatte ihre beiden jüngeren Schwestern so gut wie allein aufgezogen und da die beiden in Europa studierten, waren Mary und Lucy so etwas wie ihre Ersatzschwestern geworden.

»Ich weiß, ich habe es schlicht und einfach vergessen.«

»Und wie bist du dann nach Hause gekommen?«

»Darren hat mich aufgelesen und mit zu sich genommen.«

Sofort schossen ihre Augenbrauen in die Höhe. »Dieser Skandal-Junggeselle?«

Lucy nickte. Zwar war sie noch ein wenig skeptisch, was ihn betraf, dennoch empfand sie Dankbarkeit. »Er hat mir wahrscheinlich das Leben gerettet.«

»Ich verstehe. Trägst du deswegen ein Männerhemd?« Ein Grinsen schob sich auf ihre Miene und sie wackelte mit den Brauen.

Lucy seufzte. Sie wusste selbst, wonach das aussah, aber ihr fehlten momentan die Nerven, Elain zu korrigieren.

»Ja. Meine Klamotten waren alles andere als frisch.«

»Was machst du nur für Sachen? Das nächste Mal bring ich dich persönlich bis vor die Haustür.« Elain lachte, doch Lucy sah die Ernsthaftigkeit hinter ihren Worten. Ihre Freundin war noch nie gut darin gewesen, Gefühle zu zeigen. Lucy hatte aber schnell festgestellt, dass Elain ihre Gefühle meist nur anders ausdrückte oder in kleinen Gesten versteckte.


Als Elaine ging, versuchte sie sich wieder auf den Artikel zu konzentrieren. Die Stille im weitläufigen Großraumbüro drückte auf ihre Ohren, kaum das die Tür hinter ihrer Freundin zugefallen war.

Samstags war die Redaktion meist leer, erst sonntags füllte sie sich wieder, um die Zeitung für Montag vorzubereiten. Dennoch hatte sie das Gefühl, beobachtet zu werden. Man wusste nie, ob sich nicht doch jemand hinter den Trennwänden versteckte.

Mit einem Mal bemerkte Lucy das Brummen der Lüftungsanlage und das Ticken der großen Uhr über den Monitoren, die stets die neuesten Nachrichten anzeigten. War das schon immer so laut?

Stöhnend fuhr sie sich durchs Gesicht. Jetzt wurde sie schon paranoid. Mit einem Kopfschütteln riss sie sich aus den drückenden Gedanken.

Okay, sie musste sich konzentrieren. Sie streckte ihre Arme aus und dehnte ihren Nacken, dann legte sie ihre Finger wieder auf die Tastatur.

Was Darren jetzt wohl machte? Vielleicht sollte sie doch mit ihm ausgehen, einfach als Dankeschön dafür, dass er ihr das Leben gerettet hatte.

»Blöder Mist. Wo kommt der Gedanke denn her?« Grummelnd stützte sie ihren Kopf auf die Hände auf. Darrens Bild war einfach nicht wegzukriegen. Immer wieder sah sie ihn Lächeln.

»So ein Mist.« Es war zum Verzweifeln. Schließlich seufzte sie. Es brachte nichts. Ihr Verstand weigerte sich schlicht zu arbeiten und an etwas anderes zu denken.

Sie schloss das angefangene Dokument und öffnete stattdessen den Browser.

»Mal schauen, was ich so über dich herausfinde, Darren.«

Sie scrollte sich durch unzählige Klatschblätter. Es schien, als hätte er eine riesige Spur durch die ganze USA gezogen. Dort eine Prominente verführt, hier ein Popsternchen abgeschleppt … Nur in den letzten Monaten ist es ruhig um ihn geworden. Abgesehen von jenem Bericht mit dem Wettermädchen. Informationen dazu, wer er genau war, wo er herkam oder womit er sein Geld verdiente, fand sie jedoch keine.

Als es bereits dämmerte, gab Lucy schließlich auf. Sie schaltete ihren Laptop aus, verstaute ihn in der Tasche und machte sich auf den Weg nach Hause. Vielleicht schaffte sie es dort, den Artikel zu Ende zu schreiben.



Kapitel 4

Ethan lehnte an der kalten, rauen Mauer, tief im Schatten einer engen Gasse. Die große Glastür, die ins Gebäude gegenüber hineinführte, ließ er nicht aus den Augen. Irgendwann musste sie wieder hinausgehen.

Es prickelte in seinem Nacken, als er sich vorstellte, wie er sich ihr nähern würde. Von hinten, leise, langsam, damit sie nichts bemerken würde. Ihre erschrockenen riesigen Augen, wenn er sie packt und dann ihr Stöhnen, wenn er ihr die Kleidung vom Leib riss und zustieß. Schließlich zum Schluss das leise Röcheln, wenn ihr letzter Atemzug verklang. Das würde der Höhepunkt seiner Jagd werden.

Das war ihm sofort klar geworden, als er den Glanz in Darrens Augen gesehen hatte. Noch nie hatte dieser eine Frau so angesehen. Er würde den Verstand verlieren, wenn ihr etwas zustieße, dessen war er sich sicher.

Vorfreude erfüllte sein Herz und ließ es schneller schlagen. Er leckte sich über die rissigen Lippen, als die Glastür endlich aufgedrückt wurde.

Ihr süßer Duft nach Frau, heißen Schenkeln und purer Lust wehte zu ihm rüber und er sog ihn begierig ein. Sie war schon ein besonderer Leckerbissen, das musste er zugeben. Beinah verstand er Darrens Faszination, vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass sie gegen seine dämonischen Kräfte völlig immun schien. Wie würde es bei ihm verlaufen? Ethan war um einiges stärker als Darren, rauer, ungefilterter. Er ließ seinen Kräften freie Hand, während Darren sie stets zügelte, so wie es ihm sein Vater eingeredet hatte. Das hatte er auch bei ihm versucht, war allerdings kläglich gescheitert. Wieso sollte er so etwas Wunderbares auch einsperren?

Mit schnellen Schritten entfernte sich die Brünette vom Eingang. Aber das störte Ethan nicht. Er hielt Abstand, denn noch war es nicht soweit. Er musste warten. Noch wäre es für Darren vielleicht bedauernd. Wenn er sich erst auf dieses junge Ding einließe, könnte er ihn zerstören.

Er kramte in der zerschlissenen Jackentasche, um eine Kette hervorzuholen. An den silbernen Gliedern baumelte eine kleine Phiole, in dessen Inneren dunkle Rauchschwaden umherwirbelten. Dies war die perfekte Wanze, dachte sich Ethan und unterdrückte ein Auflachen.

Mit einem festen Druck seiner Hand zerbrach das Glas und rieselte auf den Asphalt.

Die dunklen Schwaden wurden fest, bildeten einen kleinen runzeligen Körper mit riesigen rot glühenden Augen, der vor ihm in der Luft schwebte. Er hasste diesen hässlichen Anblick, doch es gab keine besseren Spione als diese kleinen Geister. Sie waren unsichtbar, wenn sie es wollten und nahezu geruchlos. Darren würde nie auf die Idee kommen, nach einem solchen Geist zu suchen. Sie waren verboten, in allen drei Welten. Datenschutz diente ihnen vor mehr als sechshundert Jahren als Begründung. Ethan schnaubte und konnte diesen Mist noch immer nicht fassen. Jeder hatte einfach nur Angst, dass er ausspioniert werden könnte, ohne es zu merken.

»Was kann ich für Euch tun, Meister?«, piepste das kleine Wesen und Ethan verzog das Gesicht. Diese Stimme verkehrte in Oktaven, die ihm eine Gänsehaut verpassten.

»Folgt ihr und berichtet mir alles, was interessant erscheint«, befahl er und deutete auf die Brünette, die gerade hinter einem der Häuserblocks verschwand.

Der Geist nickte, bevor er sich in Rauchschwaden auflöste. So würde er alles mitbekommen, ohne sich selbst die Hände schmutzig zu machen.



Kapitel 5

Lucy eilte in den kleinen Tunnel, der von der U-Bahn-Station bis zur Hauptstraße führte. Der Geruch von Urin und Fäulnis stieg ihr in die Nase und sie verzog das Gesicht.

Ein Schauer rieselte ihren Rücken hinab. Seit sie das Gebäude der Zeitung verlassen hatte, fühlte sie sich beobachtet. Mehrmals drehte sie sich um, aber die Straße war jedes Mal leer.

Meine Güte, jetzt wurde sie schon verrückt. Sie verschränkte die Arme fest und zog dabei die Schultern hoch. Ihr Griff um die Laptoptasche versteifte sich. Es war

Impressum

Verlag: BookRix GmbH & Co. KG

Texte: Lyn Baker
Bildmaterialien: depositphotos.com/jag_cz; depositphotos.com/rabbit75_ dep; depositphotos.com/kiuikson
Cover: Linda Grießhammer, www.lynbaker.de
Lektorat/Korrektorat: Lektorat: Lisa Wüllenweber, www.sp-fee.de / Korrektorat: Bettina Auer, www.korrektur-auer.jimdo.com
Satz: Linda Grießhammer, www.lynbaker.de
Tag der Veröffentlichung: 01.03.2019
ISBN: 978-3-7438-9823-3

Alle Rechte vorbehalten

Widmung:
Für dich Opa, weil du der Beste Opa warst, den sich eine Enkelin wünschen kann!

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