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Prolog




"Ich kann nicht mehr! Ich will nicht mehr!", brüllte sie mit Tränen in den Augen. "Ich kann nicht mehr ständig in der Angst leben, das sie wieder auftaucht!" Ich faltete meine Hände und legte meinen Kopf darauf. Ich konnte genauso wenig nicht mehr, wie sie. Es machte mich genauso kaputt, sie so zu sehen. Ich musste was unternehmen. Und zwar schenll. Bevor unsere Beziehung völlig auseinander bricht. Ihr weinen wurde stärker. Ihre Stimmungswechsel wurden immer schlimmer und das Wetter spielte nur noch verrückt...
Nach Minuten des Schweigens, sagte sie etwas, sie schien sich wieder etwas gefasst zu haben.
"Damien... Ich habe Angst..." Ihre Augen waren rot und sie zitterte. "Ich weiß..." Sie sah mich an. "Nicht davor zu sterben... sondern davor, das du verschwindest..." Ich sah sie mit großen Augen an. "Niemals. Ich würde immer bei dir sein, egal was passiert."


Kapitel 1



Es waren jetzt vier Jahre vergangen, seitdem ich meine Schule beendet hatte. Eigentlich war alles wie immer, na ja fast wie immer. Damien und ich waren immer noch glücklich. Mein Dad hatte eine neue Frau an seiner Seite. Sie war nicht schlecht, aber sie konnte halt Mum nicht ersetzen. Mein Bruder war immer noch im Krieg. Ich hatte ihn nun schon seit einem halben Jahre nicht mehr gesehen. Mit meiner Schwester lag ich etwas im Streit, aber es ging allmählich wieder. Jake und Michelle waren immer noch glücklich, Jonas wuchs unheimlich schnell. Er war schon ein richtig süßer Bengel geworden! Haylie hatte sich eine Wohnung mit Lucas zusammen in der Stadt genommen, wir hatten nur selten Kontakt, sie wusste nun Bescheid was wir waren und mit wem ich es Tagtäglich zu tun hatte. Das hatte sie etwas abgeschreckt und sie zog sich zurück. Mittlerweile geht es wieder, aber sie fühlt sich immer noch unwohl, wenn sie und Lucas zu uns kommen. Mit Kate hatte ich nichts mehr zu tun. Ich hatte gehört, sie sei vollkommen abgerutscht, mit Drogen und Alkohol. Tja und meine beste Freundin Olivia, starb vor zwei Jahren... bzw. Sie täuschte ihren Tod vor. Es war ein Autounfall bei dem sie sofort starb. Ihre Eltern waren todtraurig, ich kann ihre Gesichter immer noch vor mir sehen, als sie es erfahren haben. Aber es ist besser so. Irgendwann würde es sonst auffallen, wenn sie auf einmal nicht mehr älter wird. Olivia zog nach Kanada und verabschiedete sich von Brian. Brian war nur noch depressiv und traurig und er beschloss sich von seinem Rudel zu trennen und auch nach Kanada zu ziehen. Die beiden kommen ab und zu mal her, aber sie kommen getrennt. Olivia hat Angst, das sie gesehen werden könnte. Die flitzt dann immer den ganzen Weg von Kanada nach Arizona. Verändert hat sie sich nicht. Sie ist immer noch der Halbvampir, der sie vorher auch war.
Tja und Damien und ich, wir waren zwar immer noch glücklich, aber bei uns hatte sich auch einiges getan. Damien arbeitete jetzt den ganzen Tag in einer Werkstatt und ich den halben Tag als Bedienung in einem Restaurant, wo meine Mitarbeiter meistens schlecht gelaunt waren und der Chef ein Arschloch war. Nachmittags ging ich meistens noch ins Tanzstudio. Der Job nahm mich ziemlich ein, wobei leider nur wenig Zeit mit Damien blieb.
Es war alles etwas anders geworden, nicht schlechter, aber halt anders.
Ich polierte grade Gläser, viele Gäste gab es heute leider nicht. Deshalb verging die Zeit noch langsamer als sonst. "Mach mal schneller hier!", motzte mein Chef rum. "Ich bezahle dich schließlich nicht fürs dumm rumstehen!" Ich hasste es hier, aber wir brauchten das Geld. Ich könnte jeden Tag heulen, doch das Tanzen nach der Arbeit nahm mir dieses Gefühl.
Zum Glück hatte ich nur noch eine Stunde vor mir. Eine Gruppe von Männern kam in den Laden. "Los!", sagte mein Chef und machte eine Handbewegung in die Richtung. Ich schnappte mir meinen Block und Stift und ging zu dem Tisch rüber. Es stank gewaltig nach Alkohol. "Was darf es bei ihnen sein?" Die Typen musterten mich von oben bis unten und grinsten. "Wie wäre es, wenn du uns das beste des Hauses bringst?", lallte der eine Typ. Ich zog eine Augenbraue hoch und drehte mich um. Ich blieb stehen, da mir der eine auf den Arsch gehauen hatte. Ich drehte mich um. "Machen sie das noch einmal, schwöre ich ihnen, wird es ihnen leid tun!" Ich zeigte mit dem Finger auf ihn. Er umfasste mein Handgelenk. "Fassen sie mich nicht an, sie ekelhafter Alkoholiker!" Er stand auf. "Werde mal nicht frech du kleine Schlampe!" Ich klatschte ihm eine. Ryan, mein Chef kam angestürmt. "Was ist hier los?" Endlich meine Erlösung. Solche Typen dürften gar nicht den Laden betreten. "Er hat mich beleidigt und ich hab mich gewehrt." "Bist du denn völlig bescheuert?! Der Kunde ist immer König!" Ich war fassungslos. "Ich lasse mich aber nicht begrapschen!" „Lissy! Du bist gefeuert! Du kannst dir sofort deine Kündigung abholen!“ Ich starrte ihn mit offenen Mund an. „Wie bitte?!“ „Du hast mich schon verstanden! Solch ein inkompetentes Personal will ich hier nicht haben!“ HALLO?! Er hat mich doch begrapscht! Heißt das etwa ich darf mich hier nicht wehren?!
Ich nahm meine Kündigung an mich und verließ dieses dreckige Loch. Nicht zu fassen! Es goss in Strömen. Diesmal, war ich aber nicht dran schuld, dachte ich mir. Es hatte einen natürlichen Ursprung. Okay... vielleicht verstärkte ich das Wetter leicht durch meinen Gefühlsumschwung, aber nur ein bisschen...Es war sowieso zur Zeit so ein unmögliches Wetter, der Herbst war da...und da fiel es sowieso nicht auf, wenn das Wetter MAL etwas schlechter war, als angesagt.
Ich stieg in mein Auto und startete den Motor. Was sollte ich bloß Damien sagen?! Damien... er arbeitete so hart, nur damit wir ein gutes Leben hatten. Er kam immer erst spät nach Hause, viel Zeit für Zärtlichkeiten blieb nicht viel, da er immer sehr früh raus musste. Er arbeitete bei Jakes Vater in der Werkstatt. Dort war immer viel zu tun. Jake arbeitete dort auch. Michelle saß also mit Jonas den größten teil alleine zuhause...
Ich fuhr an meiner alten Schule vorbei. Um ehrlich zu sein, ich vermisste die Schule. Es war zwar nie leicht, aber welche Schule war es schon? Mit fehlten Haylie...und Olivia. Aber besonders Olivia. Es war schlimm sie nicht immer bei mir zu haben. Ich hatte niemanden, mit dem ich so wirklich reden konnte. Michelle war zwar auch schon sowas wie meine große Schwester, aber mit Olivia war es noch etwas anders. Mein Motor verstummte auf meinem Stammparkplatz. Ich nahm meine Tasche und ging in das Tanzstudio. Ich hatte vor zwei Jahren wieder angefangen regelmäßig tanzen zu gehen. Und es war wie eine Befreiung. Es hatte mir sehr gefehlt. Ich war ja schließlich seit dem Absturz meiner Mum nie wieder in irgendeiner Tanzschule. Ich machte mich auf in die Umkleiden und zog mir meine Leggins, mein längeres gelbes Top, meine Stulpen und meine Gymnastikschuhe an. Meine Sachen schloss ich im Spind ein. Ich bewegte mich auf den Spiegelraum zu. Ich fing an mich zu dehnen. Ich fing bei meinem Kopf an, arbeitete mich über den Rumpf, meine Arme, dann Beine und zu guter Letzt meine Füße. Ich sah mich im Spiegel an. Dann ging ich zur Musikanlage und stellte die Musik an. Es lief 'Massive Attack – Teardrop'. Ich stellte mich vor dem Spiegel und fing an zu Tanzen. Wenn ich tanzte vergaß ich alles um mich herum. Ich nahm nur noch meine Schritte war, die Musik und dazu die Story die sich in meinem Kopf abspielte. Nach einiger Zeit war ich etwas am schwitzen. Das Licht flackerte auf, was mich aus meinen Gedanken brachte. Ich sah mich um. Ich hatte mal wieder meine Angstzustände. Und warum? Mira. Sie war seit der Abschlussfeier immer wieder aufgetaucht und verschwand. Das ging jetzt schon seit diesen vier Jahren so. Immer wieder sah ich sie, ob es nun zuhause war oder im Wald...oder in meinen Träumen. Sie ließ mich nicht in Ruhe. Sie war immer noch verbittert, weil ich ihr Damien nicht „überlassen“ habe und sie von Jake verbannt wurde. Meine Angst verschwand wieder, sie war immer wie ein Orkan da und so schnell auch wieder verschwunden. Apropo Rudel....Damiens kleine Schwester wurde mit ihren zwölf Jahren schon ins Rudel aufgenommen. Sie war so gut. Sie beherrschte ihren Körper komplett. Mit elf fing sie an sich das erste Mal zu verwandeln, was Damien und den Rest sehr verwunderte. Sie war, dafür das sie ein Mädchen war, sehr früh dran mit der Verwandlung. Jake erzählte mir, dass Dana und die liebe Mira fiel länger gebraucht hatten, sie waren erst mit vierzehn soweit. Ich setzte mich kurz hin und trank einen Schluck. Eine Frau betrat den Raum. Ich sah sie kurz an, ließ mich aber nicht weiter stören. „Hey“, sagte sie leicht schüchtern. „Hallo“, gab ich zurück. Ich ging wieder zur Spiegelwand und stellte mich mehr seitlich, damit sie auch Platz hatte. Ich übte nun etwas mein Ballett. Die Frau fing an auf einmal sich im Klang der Musik zu bewegen. Sie war keine klassische Tänzerin, das hatte ich schon alleine daran gesehen das ihre Fußspitzen nicht nach außen zeigten, wie es bei Balletttänzerinnen öfters der Fall ist. Sie tanzte Freestyle. Und...MAN...war die gut! Das musste man ihr lassen. Sie war verdammt gut. Ihre schwarzen Locken, die aus dem Zopf heraus hingen flogen ihr ins Gesicht und klebten an ihrer Stirn fest. Ich merkte gar nicht das ich meine Übungen kurz unterbrochen hatte. Sie sah mich an. „Wow. Du...du tanzt echt verdammt gut!“, gab ich auf ihren Blick zurück. „Danke. DU bist auch nicht schlecht.“ Ich sah sie fragend an. Schließlich hatte sie mich doch gar nicht tanzen sehen?! „Ich habe dich durch die Scheibe in der Tür gesehen. Du tanzt mit voller Leidenschaft. Faszinierend!“ „Danke“, gab ich verlegen zurück. „Ich bin Lissy und du?“ „Arianna“, gab sie lächelnd zurück. Ich legte mein Bein auf die Stange und beugte meinen Oberkörper zu meinen Zehenspitzen. „Wie lange tanzt du schon?“, fragte sie. „Seit ich ein kleines Mädchen bin und du?!“ „Seid fünf Jahren.“ Wir unterhielten uns noch eine ganze Weile übers Tanzen. Sie erzählte mir von sich. Dass sie Italienerin ist und vor einem Jahr hergezogen ist mit ihrem Mann, das sie fünfundzwanzig Jahre alt ist und und und... Wir verstanden uns sehr gut. Was mir gefiel... sie war keine dieser Eingebildeten Tänzerinnen. Sie sah auf ihre Uhr. „Oh schon so spät?! Mein Mann kommt bald von Arbeit.“ Ich sah auf die hängende Uhr. Es war schon zwanzig Uhr! „Ich muss auch schnell los!“ „Bis bald!“, rief sie noch.
Nachdem ich mich umgezogen hatte, hechtete ich zu meinem Auto. Damien würde bestimmt schon da sein und sich fragen wo ich bleibe. Sonst war ich immer neunzehn Uhr zuhause. Ich hatte total die Zeit vergessen. Ich startete den Motor und fuhr los. Binnen dreißig Minuten bog ich auf unsere „Straße“ ein. Komisch. Damiens Auto stand noch nicht vor der Tür, vielleicht hatte er auch in der Garage geparkt? Ich stieg aus und ging die drei Stufen hoch zur Haustür. Ich schloss auf. Es war alles ruhig und dunkel. Ich schaltete das Licht ein. Er war wirklich nicht zuhause... machte er also wieder einmal Überstunden?! Ich ging in die Küche und kochte Nudeln mit Käse-Sahne-Soße. Ich tat mir was auf und setzte mich vor den Fernseher. Ich sah mir 'The Vampire Diaries' an. Menschen waren so dumm, würden sie wissen das all diese Überlieferungen von Vampiren, Werwölfen und Hexen wahr wäre. Würden sie schreien. Es war doch zum verrückt werden. Nachdem ich gegessen hatte, brachte ich meinen Teller in die Küche und stellte ihn in den Geschirrspüler. Ich säuberte noch etwas mein Chaos. Ich erschrak als mich plötzlich Wärme umschlang. Damien drückte mich an sich. Er küsste meinen Hals. „Ich hab mich schon gefragt wann du kommst...“, hauchte ich. „Tut mir leid. Quincy hat mich nicht gehen lassen.“ Quincy war sein Chef. Ich drehte mich geschickt zu ihm um und legte meine Hand an seine Wange. Er schloss die Augen. „Du siehst geschafft aus Baby“, sagte ich leise. „Bin ich auch, aber dazu wäre ich noch im Stande...“ Er hob mich auf die Anrichte und küsste mich. Ich grinste und schlang meine Beine um ihn, damit er mir noch näher war. Er legte seine Hände an meine Hüften und zog mein Oberteil etwas hoch. Ich griff mit meinen Händen durch seine Haare. Ich zog ihm sein Oberteil über den Kopf. Jetzt strahlte seine gesamte Wärme auf mich ein. Er nahm mich so wie ich war auf seine Arme und setzte mich auf dem Bett ab. Er beugte sich über mich und zog mir mein Oberteil aus. Ich öffnete seine Hose und zog sie hinunter. Er riss mir förmlich meine Hose vom Körper. Unsere Lippen legten sich wieder aufeinander. Er bat mit seiner Zunge um Einlass und ich gewehrte ihm. Er küsste meinen Hals und knabberte an meinem Ohr. Meine Finger fuhren zärtlich seinen Rücken rauf und runter. Er stöhnte lustvoll auf, als ich mich auf ihn drehte und seine Hals, dann seine Brust und seinen Bauch küsste. Er zog mich wieder zu sich nach oben und küsste mich leidenschaftlich. Leidenschaftlich ging es danach noch weiter zu.
Irgendwann lag ich wieder an seiner Brust. Er glühte und atmete noch schwer. „Damien?“, hauchte ich. „Hm?“ „Ich muss dir noch was sagen.“ Er streichelte meinen Rücken zärtlich hoch und runter. Clever, erst das nehmen was man will und dann die Hosen runter lassen. „Mein Chef hat mich heute gekündigt.“ Er hielt kurz die Luft an und seine Hand verweilte auf meinem Rücken ohne Rührung. „Wieso?“ Schluss wars mit der Romantik... „Ich wurde von solch einem blöden alkoholisierten Typen begrapscht, ich hab gesagt er soll es lassen, da hat er mich beleidigt und ich hab ihm eine geklebt. Mein Chef ist fast ausgerastet deswegen und hat mich gefeuert, weil ich inkompetent bin...“ Er schnaubte belustigt. Gut, der Ernst der Lage war wohl nicht angekommen... „Was für ein idiotischer Chef! Er sollte sich schämen sowas überhaupt zu zulassen“, sagte er. „Ja, aber was machen wir denn jetzt? Ich brauch unbedingt einen neuen Job...“ Er küsste mein Haar. „Wir schaffen das schon. Du suchst dir was neues, was besseres und dann klappt das schon. Ich werde einfach mehr...“ Ich wollte ihn nicht ausreden lassen weshalb ich ihn ansah und einen Finger auf seine Lippen legte. „Du kannst nicht noch mehr arbeiten gehen, das kommt nicht in Frage! Du bist jetzt schon immer viel zu lange auf Arbeit!“ Er zuckte kaum merklich die Schultern. „Was sollen wir deiner Meinung nach tun?“ Ich fuhr mit meinem Blick seine Konturen nach. „Ich lass mir was einfallen...“ Er fing wieder an meinen Rücken zu streicheln. Ich legte meinen Kopf in die Kuhle zwischen Schulter und Hals und sog seinen süßen Duft von Wald und Moschus ein. „Wir schaffen das schon, wir haben das doch bis jetzt immer geschafft.“ Da hatte er nicht ganz unrecht. Wir haben immer irgendwie alles gemeistert. Ich küsste nochmal seinen Hals. „Schlaf jetzt, du musst schließlich morgen wieder früh raus“, sagte ich leise. „Ich korrigiere...ich muss heute schon früh raus“, gab er lachend zurück.
Ich wurde durch die Bewegung des Bettes wach. Ich lag auf dem Bauch und blinzelte leicht. Mein Nacken wurde geküsst. „Schlaf noch...es ist noch viel zu früh mein Engel“, flüsterte er und ging leise aus dem Schlafzimmer. Das stimmte es war wirklich früh, viel zu früh. Er stand immer um sechs Uhr auf. Mein armer Damien. Er hatte es nicht leicht. Seine Arbeit begann immer um acht Uhr und er war meistens bis Abends weg. Ich schlief irgendwann wieder fest ein.
Ich wachte schweißgebadet auf. Wieder einmal hatte ich von Mira geträumt. Davon wie sie sich an all meinen Freunden verging und sie umbracht, bis sie letztendlich bei Damien ankam und ihn töten wollte. Ich setzte mich im Bett auf. Ich hasste es... Wieso musste sie uns vier Jahre quälen mit ihrem Spiel. Hätte sie nicht einfach einmal auftauchen können, es versuchen können und wieder abhauen können?! Es machte mich irgendwo fertig.
Ich ging ins Bad und duschte ausgelassen, danach frühstückte ich in Ruhe und zog mich an. Ich nahm meine Tasche und die Autoschlüssel. Am besten konnte ich überlegen was ich tun sollte, wenn ich tanzen ging. Also fuhr ich zum Tanzstudio...

Kapitel 2



Ich stieg aus und ging in die Umkleide. Ich zog mich um und ging dann wieder in den Spiegelraum. Ich schaltete die Musik ein und sah mich im Spiegel an. "Was konnte ich nur tun...", murmelte ich. Ich fing an mich zu Erwärmen. Die Tür ging auf und Arianna kam herein mit einer etwas älteren Frau. "Hey Lissy. Heute schon so früh dran?" Sie lächelte mich warmherzig an. "Ja, ich habe leider ein paar Probleme und beim tanzen kann ich besser nachdenken." Sie lächelte und setzte sich mit der etwas älteren Frau auf eine Bank. Nachdem ich meine Erwärmung beendet hatte fing ich an mit Ballett. Ich könnte mir doch einfach einen neuen Job, als Kellnerin irgendwo suchen. Aber wollte ich wirklich immer wieder von irgendwelchen blöden besoffenen Typen angemacht werden? Eigentlich nicht. Ich hatte diesen Job ja nur wegen dem Geld gemacht. Ich musste mir dringend was einfallen lassen. Damien konnte schließlich nicht noch mehr arbeiten. Das konnte ich ihm nicht antun. Und wenn ich mich bei meinem alten Chef entschuldigte für mein Verhalten? Plötzlich wurde ich hellhörig und spitzte die Ohren. "Aber Madame Chelsea, ich kann ihre Kurse nicht übernehmen, ich habe nie Ballett gelernt." Ich hörte auf zu tanzen und sah zu Arianna und zu dieser Madame Chelsea. "Das verschlechtert das ganze natürlich, ich brauche jemanden der meine Gruppen übernehmen kann. Aber, wenn sie natürlich kein Ballett gelernt haben, dann ist diese Unterhaltungen natürlich überflüssig." Plötzlich platzte es aus mir heraus. "Sie brauchen eine Ballett Lehrerin?" Sie beiden sahen mich an. "Ich wollte nicht lauschen oder so, aber..." Sie ältere Frau schüttelte den Kopf und lächelte. "Lissy ist eine sehr gute Balletttänzerin! Vielleicht hätte sie ja Zeit und Lust!" Madame Chelsea sah mich mit hoch gezogener Augenbraue an und kam auf mich zu. "Wie sieht es aus, Lissy? Haben sie vielleicht Interesse? Ich meine, ich habe sie eben tanzen sehen und es sah nicht schlecht aus. Ich würde meine Kurse nur ungern aufgeben." Ich sah zu Arianna. "Sie würden auch gut bezahlt werden!", warf sie noch ein. Der Himmel musste mich erhört haben! Und Gott musste es gerade gut mit mir meinen! "Ja, natürlich! Ich würde sehr gerne ihre Kurse übernehmen." Sie strahlte über beide Ohren. "Himmel, sei dank! Dann kann ich mich mit gutem Gewissen zur Ruhe setzen." Ich lächelte.
"Würden sie in fünfzehn Minuten bitte in den anderen Spiegelraum kommen? Dann würde ich gerne ihre Gruppe vorstellen." Ich nickte und Madame Chelsea verschwand. Ich sah zu Arianna. "Warum hat sie dich wegen den Kursen gefragt?" Arianna kam zu mir. "Ich gebe ein paar Freestyle Kurse hier und sie dachte das ich dann auch mit Ballett klarkommen würde." Ach so war das also. "Na dann sind wir ja jetzt Kolleginnen. Auf eine gute Zusammenarbeit!" Sie strahlte und hielt mir ihre Hand hin. ich ergriff sie und lächelte.

Ich stand fünfzehn Minuten später in dem anderen Spiegelraum mit Madame Chelsea. "So ihr lieben!" Vor uns standen acht kleine Mädchen im Alter von vier bis zehn Jahren. "Das ist Miss Hennessy, eure neue Lehrerin." Ich lächelte die Mädchen an. "Sie wird euch übernehmen, da ich mich zur Ruhe setze. Also seid schön freundlich zu ihr und lernt fleißig, damit ihr ganz große Tänzerinnen werdet!" Die Mädchen lächelten.
Meine erste Stunde als Ballettlehrerin verlief eigentlich ganz gut. Die Mädchen waren alle total lieb und freundlich zu mir. Es machte Spaß ihnen mein Wissen weiter zu vermitteln. Um fünfzehn Uhr war meine Stunde zu Ende. Und ich ging mit Madame Chelsea in ihr Büro. Sie gab mir meinen Arbeitsvertrag und eine Aussicht darauf wie viel ich wöchentlich verdienen würde.
Ich fuhr definitiv mit einem Lächeln nach Hause. Mich durchfuhr plötzlich solch ein Schwindelgefühl und ich fuhr abrupt an den Straßenrand und hielt an. Ich starrte aufs Lenkrad, meine Sicht wurde kurz schwarz und dann wieder normal. So schnell wie dieses Gefühl gekommen war, war es auch wieder verschwunden. "Was war denn jetzt los...", murmelte ich und mich überkam ein Brechreiz. Ich machte schnell die Tür auf und schaffte es gerade so aus dem Auto um mich dann zu Übergeben. Die Übelkeit verschwand und ich wischte mir über den Mund. Was passiert hier? Sowas hatte ich noch nie. Ich stieg in mein Auto, meine Hände zitterten etwas. Ich umklammerte das Lenkrad und fuhr wieder los. Ich hoffte nicht noch so einen "Anfall" zu bekommen. Zum Glück schaffte ich es bis nach Hause bevor die nächste Brechattacke kam. Ich hing über der Toilette und kotzte mir die Seele aus dem Leib. Wurde ich etwa krank? Und das genau JETZT wo ich einen neuen Job hatte? Ich zog mir meine Sachen aus und legte mich ins Bett. Meine Augen fielen plötzlich vor Erschöpfung zu.
Als ich wieder klar wurde, spürte ich eine warme Hand auf meiner Stirn. Ich blinzelte durch ein Auge und sah Damien. Ich schreckte sofort hoch. "Wie lange hab ich geschlafen?!", fragte ich und stürzte schon aus dem Bett. Damien sah mich besorgt an. "Du siehst gar nicht gut aus, Schatz..." Und mit diesem Satz fiel mir meine Übelkeit von vorhin wieder ein und ich musste zur Toilette laufen. Ich schloss die Tür hinter mir damit Damien mich nicht so sah, aber natürlich hielt er sich nicht daran und kam dennoch rein. "Geh raus!", schrie ich zwischen meinen Brechattacken. Aber er tat genau das Gegenteil und kam zu mir und strich mir über den Rücken.
Nachdem ich endlich von der Toilette aufsah, ging ich zum Waschbecken und sah mich im Spiegel an. "Oh Gott...", murrte ich. Ich sah aus wie eine wandelnde Leiche! Ich warf mir Wasser ins Gesicht und putzte meine Zähne. Damien saß auf dem Badewannenrand und sah mich an, was ich durch den Spiegel sah. "Wirst du krank?" Ich zuckte die Schultern. Anscheinend, wahrscheinlich bekam ich eine Magen-Darm-Grippe. "Ich lasse dir jetzt eine warme Badewanne ein mit ganz viel Schaum und dann entspannst du dich, okay?" Ich drehte mich um. "Ich bin total entspannt." Er stand auf und ließ das Wasser in die Badewanne, dann kam er zu mir und strich meine Haare aus dem Gesicht. Er sah mich, trotz dessen das ich aussah wie eine Leiche und das ich gekotzt hatte, an, als wäre ich die schönste Person der Welt. Ich zog mich aus und legte mich ins Wasser. Damien hatte sich auf den Badewannenrand gesetzt und sah mich an. Ich schloss die Augen und genoss das warme Wasser. "Wie war deine Arbeit?", fragte ich. "Na ja...anstrengend. Dana hat...heute etwas gesagt." Ich sah ihn an. "Sie und Greg sind heute wieder auf..." Ich schloss wieder die Augen. Ich wollte das gar nicht hören. "Leider haben sie sie nicht erwischt." Wie immer. Mira tauchte immer wieder auf und verschwand wieder. Dieses Spiel würde mich irgendwann noch einmal fertig machen. "Glaub mir, wir setzen alles daran sie zu finden..." Ich öffnete die Augen und versuchte zu Lächeln, doch dieses Lächeln erreicht nicht meine Augen. "Ich weiß..." Er sah mich mit einen bedrückten Gesicht an. "Ich hab einen neuen Job", sagte ich. "Das ist schön mein Engel."

Ich stieg aus der Badewanne und trocknete mich ab. Damien saß immer noch auf dem Badewannenrand und beobachtete mich. Ich ging mit dem Handtuch ins Wohnzimmer und kramte meinen Arbeitsplan heraus. Damien legte seinen Kopf auf meine Schulter und sah auch drauf. "Morgen musst du ja gar nicht arbeiten." "Anscheinend muss ich nur dreimal die Woche ins Studio und die Gruppen leiten", sagte ich. "Dann hast du ja immer eine Menge Freizeit" Sein Blick viel auf mein wöchentliches Gehalt. "UND VERDIENST TROTZDEM SO GUT?!" Ich kicherte.
Irgendwann gingen wir ins Bett, meine Übelkeit war verschwunden. Zum Glück. Damien küsste mich, immer wieder liebkoste er meinen Nacken, Hals und mein Ohr. "Ich werde morgen mal Michelle besuchen." "Mhm", war das einzige was er sagte. Er liebkoste weiter meinen Hals. "Hörst du mir überhaupt zu?", fragte ich belustigt und drehte mich zu ihm um. "Immer." Ich schmunzelte. Er war ein schlechter Lügner. Ich legte mich auf ihn drauf und vergrub meine Hände in seinen Haaren. Er fuhr mit seinen Fingern zärtlich meinen Rücken hinab. Ich küsste ihn zärtlich. Er erwiderte meinen Kuss, dann setzte er sich mit mir auf und zog mir mein Oberteil aus. Meine Finger gingen auf seiner Brust auf Wanderschaft. Er küsste mich wilder, doch ich drückte ihn wieder von mir und grinste. "Gute Nacht Damien!" Ich küsste ihn noch einmal und stieg von ihm runter und legte mich hin. Er tat mir schon fast leid. Total beleidigt sah er mich an. "Du kannst echt grausam sein. Weißt du das Lissy?", sagte er schmollend. Ich sah ihn an. "Ich weiß, ich kann auch noch grausamer sein." Er grinste. "Das würde ich zu gerne sehen." "Ein andermal", sagte ich bloß und drehte mich um. "Was hab ich nur für eine reizende Freundin", sagte er beleidigt. Darüber musste ich kichern. Er schmiegte sich an mich und ich wurde von seiner Hitze umhüllt wie ein warmer Wintermantel. "Und dennoch kannst du nicht ohne mich", sagte ich. Er küsste mein Haar. "Ich liebe dich eben", flüsterte er in mein Ohr. Ich schmunzelte. "Und ich liebe dich." Ich drückte die Bettlampe aus und schlief dann in meiner wolligen Wärme ein.

Das dauernde Läuten der Klingel machte mich wach. Ich streckte meine vier Gliedmaßen von mir und zog mir meinen seidenen dunkelblauen Morgenmantel an. Ich krauchte zur Tür. Damien war schon lange weg. Von den Jungs konnte es niemand sein, die kamen nicht allzu oft vorbei, wenn Damien nicht da war. Ich machte die Tür auf und sah in Janes schockiertes Gesicht. "Jane, was ist los?" Und plötzlich war ich hellwach. Jane und ich hatten anfangs nicht wirklich viel miteinander zu schaffen. Sie war halt Carlos Freundin, sprach nicht und man wusste sonst auch wenig über sie. Doch dann offenbarte sie sich mir. Sie hatte eine Gabe, genau wie ich. Und seit diesem Tag hatten wir einen Draht zueinander. Sie sprach mit mir. Mittlerweile spricht sie auch mit den anderen, auch wenn es nicht viel ist. Sie kam rein und sah mich an. Ich schloss die Tür und musterte sie fragend. Plötzlich fiel sie mir um den Hals. "Ich dachte schon ich würde zu spät kommen!" Ich lachte hysterisch. "Was? Wieso?!" Sie entfernte sich etwas von mir. "Olivia hat eben angerufen. Sie hatte eine Vision...von Mira, wie sie in dein Haus eindringt und dich quält bis du stirbst." Ich sah sie entgeistert an und jegliche Farbe floss aus meinem Gesicht. "Ich bin so schnell wie möglich hergefahren um nicht zu spät zu kommen." Ich umarmte sie. "Danke Jane, aber noch gehts mir gut." Sie drückte mich weg und sah an mir herunter. "Apropo Wohlbefinden. Olivia gehts zur Zeit nicht so gut. Sie wollte die Tage mit Brian herkommen." Ich nickte. "Was hast du heute vor? Ich will dich nicht alleine lassen, falls Mira auftaucht." Ich ging in die Küche und sie folgte mir. Ich stellte den Wasserkocher an. "Ich wollte rüber zu Michelle. Hab den Kleinen schon länger nicht mehr gesehen." Sie lächelte. "Ja Jonas ist echt schon groß geworden." Ich holte mir eine Tasse aus dem Schrank. "Willst du auch einen Cappuccino?", fragte ich sie. "Gerne." Ich holte zwei Tassen heraus.
Nach einer Stunde verließ Jane das Haus. Sie musste zur Arbeit. Sie arbeitete, als Kinderkrankenschwester in einem Krankenhaus hier in der Nähe. Ich räumte die Tassen in den Geschirrspüler, als mein Handy piepste:

Ich wünsch dir einen schönen guten Morgen mein Engel! Komme heute früher von der Arbeit, weil nicht so viel los ist. Hoffe du freust dich ein wenig! D.

Ich schmunzelte. Na ja, hatte der Tag noch was gutes an sich. Ich legte mein Handy wieder auf den Tisch. Ich begab mich ins Bad und ließ mir eine Badewanne ein. Ich hatte ja schließlich alle Zeit der Welt. Ich fing an zu grinsen und ging nochmal in die Küche und holte mein Handy.

Ich gönne mir jetzt erstmal eine schöne heiße Badewanne mit viel Schaum zum entspannen! ;)

Es dauerte keine Minute bis ich eine schockierte Antwort bekam von wegen 'Wie kannst du nur ohne mich' und so. Ich ging ins Bad zurück und legte mich in die Badewanne. Ich schloss meine Augen und genoss die Wärme, den Duft und tiefe Entspannung überkam mich.


Als ich meine Augen wieder öffnete sah ich Mira grinsend vor mir. Ich erschrak heftig und sie drückte mit ihren Händen meinen Hals zu. Mein Kopf glitt unter Wasser. Ich wehrte mich heftig. Ich kratzte sie, denn ich hörte sie, selbst unter Wasser, aufschreien. Mir blieb keine andere Wahl, ich ließ Feuer auf sie irgendwie los. Anscheinend traf ich auch. Ich verlor langsam die Besinnung. Der Druck auf meinen Hals verschwand, doch ich konnte mich nicht rühren. Ich müsste mich nur hochziehen an den Seiten der Badewanne, doch ich hatte keine Kraft mehr meine Arme zu bewegen. Alles wurde schwarz um mich herum.

Helles Licht umhüllte mein inneres Auge. War das der Tod? War ich nun tot? Wie konnte ich nur so unvorsichtig sein. Ich spürte etwas weiches unter meinem Rücken. Vielleicht war ich im Himmel und lag auf einem Bett aus Wolken. Ich konnte meine Augen nicht öffnen, doch ich spürte das helle Licht durch meine Augenlider. Ich wollte meine Arme und Beine bewegen, doch keine Faser meines Körpers rührte sich.
Ein kribbeln durchfuhr auf einmal meinen Körper und ich wurde irgendwie hoch gedrückt. Ich hörte dumpfe Stimmen und ein piepsen. Wieder durchfuhr mich ein Kribbeln und ich riss meine Augen auf. Ich schnappte kurz nach Luft. Ich sah Menschen in weißer Kleidung. Meine Augen fielen wieder zu, ich fühlte mich, total erschöpft. "Wir haben sie wieder!", hörte ich eine mir unbekannte Stimme sagen. Ich vernahm Pieps Geräusche und meinen Herzschlag der durch mein Ohr dröhnte.


(Damian)

Ich musste mich beherrschen um nicht aus meiner Haut zu fahren! Ich hätte sie nicht alleine lassen sollen! Ich lief durch die Gänge des Krankenhauses zur Intensivstation. "Sie können hier jetzt noch nicht rein!", sagte mir eine Frau und hielt mich an den Schultern fest. "Meine Frau liegt da drin und wenn sie mich jetzt nicht sofort zu ihr lassen, schwöre ich bei Gott das dann was schlimmes passieren wird!" Meine Frau....ich hatte etwas übertrieben, okay, aber sonst hätte sie mich definitiv niemals durch gelassen! Die Frau sah mich geschockt an und ließ mich durch. Ich sah durch die Scheibe meine Lissy. Sie sah so, zerbrechlich aus. Michelles Blick traf mich. Sie kam aus dem Zimmer. Ich konnte mich nicht rühren. Michelle nahm mich in den Arm. "Ich hab sie gefunden, in der Badewanne... sie wollte mich besuchen kommen, aber sie kam nicht und an ihr Handy ging nur die Mailbox, als ich rüber gefahren bin stand die Tür offen...", sagte sie leise. Ich ballte die Fäuste und meine Augen wurden glasig. Mein Blick hing nur auf ihr. "Wie...wie geht es ihr?", fragte ich zwischen zusammengepressten Zähnen hindurch. "Die Ärzte sagen, das sie es schaffen wird. Sie... sie haben sie reanimiert, aber es war knapp." Ich presste meine Lippen auf einander. "Wenn ich Mira...in die Finger bekomme..." "Glaub mir, das wollen wir alle, aber Damian..." Sie drehte mein Gesicht zu sich. "Da ist etwas was du wissen solltest..." Ich sah Michelle an. Sie hatte eine Menge geweint, ihre Augen waren mehr, als rot. "Lissy ist schwanger..." Ich sah sie geschockt an. "Was, aber..." "Es ist alles okay. Dem Baby gehts gut. Keine Ahnung wie, aber es hat überlebt." Ich konnte nicht glauben was sie da sagte. Klar, das würde erklären wieso Lissy gekotzt hatte. "Kann ich zu ihr?", fragte ich vorsichtig. Ich war total geschockt, das sie schwanger war... damit hätte ich nie gerechnet.
Ich ging ins Zimmer. Lissy schlief. Das Piepsen der Geräte war das einzige was zu hören war. Ich setzte mich an ihr Bett und nahm ihre Hand. Tränen verließen meine Augen. Ich legte meine Stirn auf ihre Hand. "Es tut mir ja so leid, mein Engel", schluchzte ich. Ich würde dieses Biest finden und sie in die ewigen Jagdgründe schicken. Das versprach ich ihr und mir. Schon alleine wegen dem Baby musste Mira verschwinden. Ich konnte Lissy nicht noch einmal solch einer Gefahr aussetzen.

Kapitel 3




(Lissy)

Als ich meine Augen öffnete, vernahmen meine Ohren piepende Geräusche. Ich blinzelte und sah weiße Wände. "Lissy...", hörte ich die mir vertrauteste Stimme sagen. Damien. Ich wandte meinen Kopf in seine Richtung und blickte in sein übermüdetes Gesicht. Er nahm meine Hand und Wärme hüllte sie ein. "Was ist passiert...", flüsterte ich. "Mira hatte dich angegriffen..." Die Worte hallten in meinem Kopf und plötzlich tauchten die Erinnerungen auf. Mira, wie sie mich unter Wasser drückte... und ich starb... oder zumindest dachte ich es. Damien drückte meine Hand fester. "Liebling..." Er atmete durch. "Ich muss dir was sagen", fügte er hinzu. Seine Augen waren schwer. Das konnte man deutlich sehen. Ich sah ihn abwartend an und lauschte dem regelmäßigen Piepsen der Geräte. "Du... bist schwanger Lissy. Und zwar im vierten Monat..." Er sagte es so leise, dennoch verstand ich jeden Ton, jede Silbe. Ich blickte ihn ungläubig an. Ich war... schwanger, also ich meine BIN schwanger?! Wie konnte das möglich sein? Wie konnte ich das nicht mitbekommen haben?! Klar, da war diese Übelkeit... und manchmal dieses komische Gefühl in meinem Bauch, aber ich hätte doch nie an eine Schwangerschaft gedacht! "Wie gehts dem...", weiter kam ich nicht, es war einfach komisch es auszusprechen. "Soweit ganz gut. Zum Glück konnten die Ärzte schnell reagieren...", er sprach es leise aus und strich über mein Haar. "Wie lange war ich denn weg..." Er lächelte halb. "Du warst jetzt zwei Tage nicht ansprechbar" Ich musste erstmal schlucken.

Ich stieg aus dem Auto und Damien machte die Beifahrertür von mir zu. Er hatte meine Tasche in der Hand und wir gingen ins Haus. "Am besten du ruhst dich noch ein bisschen aus", meinte Damien und ich war der selben Ansicht. Ich ging ins Schlafzimmer und blieb am Spiegel hängen. "Ich mach dir einen Tee", meinte Damien aus der Küche. Mein Blick glitt auf meinen Bauch. Er war wirklich etwas gewölbter, als sonst. Wieso ist mir das nie aufgefallen?! Ich drehte mich zur Seite. Nun sollte also ein Leben in mir heran wachsen? Zu solch einer ungünstigen Zeit?...
Ich strich mit meiner Hand über meinen Bauch. "Soll ich dir noch irgendwas bringen?", sagte Damien und wurde von Wort zu Wort leiser. Er musterte mich. Ich sah ihn an. "Hast du nicht gesehen das ich dicker geworden bin..." Er zog die Augenbrauen zusammen und stellte die Tasse Tee ab. "Nein", sagte er kurz und knapp und stellte sich hinter mich. Ich sah wieder auf meinen Bauch. Seine Hand legte sich auf meine Körpermitte. Er atmete tief durch. "Ich muss Mira schnell finden...", meinte er. "Sonst seit ihr nicht mehr sicher." Ich sah ihn an und legte meine Hand auf die Seine. Er hatte Recht, sie musste gefunden werden. Wer weiß was sie noch tun würde, wenn sie wüsste, dass ich schwanger war...


Wir klingelten und es dauerte nicht lange schon ging die Tür auf und ein kleiner Jonas grinste uns an. "Onkel Damien! Tante Lissy!", kicherte er und sprang Damien an. "Na kleiner Mann, wo sind denn deine Eltern?", fragte Damien und ich musste lächeln. Ob er mit unserem Kind auch so umgehen würde? "Daddy!", schrie der Kleine. Jake kam zur Tür und begrüßte uns. "Kommt doch rein", sagte Jake und wir gingen ins Wohnzimmer. "Michelle kam zu uns und umarmte mich. "Schön euch mal wieder zu sehen", sagte sie. Damien ließ Jonas von seinem Arm und dieser lief in sein Kinderzimmer. "Wollt ihr was trinken?", fragte Michelle, doch wir verneinten. Wir setzten uns aufs Sofa. Jake musterte uns und sah abwechselnd Damien und dann wieder mich an. "Was ist los?", fragte er. "Lissy ist schwanger", sagte Damien und nahm meine Hand. "Und wir brauchen Hilfe, Jake" Michelle wollte schon aufspringen und mich umarmen, doch als sie unsere Sorge sah verkniff sie es sich für den Moment. "Wie können wir euch helfen, mein Freund?", sagte Jake. Damien sah wieder mich an und dann wieder Jake. "Wie du weißt ist Mira immer noch hinter Lissy her." Er nickte. "Ich würde es sehr zu schätzen wissen, wenn jemand bei uns am Haus ist, wenn ich nicht zuhause bin. Ich...will nicht das ihr nochmal sowas wie neulich passiert..." Wieder nickte Jake. "Ich glaube, wenn Mira wüsste das Lissy schwanger ist, würde sie es um so mehr versuchen...", sagte Damien. "Und ich würde mich wirklich sicherer fühlen, wenn jemand in der Nähe wäre", fügte ich noch hinzu. Jake sah zu Michelle. "Ich denke das lässt sich irgendwie einrichten. Einer der Jungs wird immer mal Zeit haben." Damien drückte meine Hand. "Danke, Jake. Du weißt gar nicht wie erleichtert ich bin das von dir zu hören", sagte Damien. Jake nickte und grinste dann. "Also mein Freund, wie ich sehe hast du ganze Arbeit geleistet was?" Damien grinste auch verlegen. "Na ja..." Michelle sprang nun doch auf und umarmte mich. "herzlichen Glückwunsch, Kleine", sagte sie. "Danke Michelle" Jake umarmte mich danach auch. "Ich denke ihr solltet den Rest auch noch aufklären, damit sie keine dummen Fragen stellen", sagte Jake und wir nickten.

Kapitel 4



Es dauerte keine halbe Stunde und schon standen sie alle im Haus. Carlo und Jane, Sam und Suri, Greg, Dana und ihr Bruder Josh. Leider fehlten Olivia und Brian. Aber sie würden sowieso in den nächsten Tagen hier ankommen.
Das Wohnzimmer bei Jake und Michelle war nun sehr sehr voll. "Hey Lis!", sagte Dana und umarmte mich. "Wie gehts dir?", fragte sie besorgt. "Wieder besser", gab ich zurück.
"Wieso sollten wir denn nun alle kommen?!", rief Carlo zu Jake. Jake sah Damien und mich an und Damien nickte leicht. Er kam zu mir und legte einen Arm um meine Schulter, danach gab er mir noch einen Kuss auf die Schläfe und räusperte sich dann. "Leute, wir haben euch was zusagen", meinte Damien mit etwas lauter Stimme. Sofort waren alle ruhig. Ich sah kurz zu Michelle, die mir aufmunternd zulächelte. "Ich bin schwanger...", sagte ich, wobei meine Stimme leider nicht so kräftig war. Doch leider verstanden sie es alle und zuerst sprangen Dana und Jane auf und rannten mich halb um. "Herzlichen Glückwunsch euch beiden!", sagten sie im Chor. Carlo umarmte Damien brüderlich. "Hast du aber ganze Arbeit geleistet, alter." Danach umarmte er mich. "Alles gute", sagte er in mein Ohr. "Was hör ich da? Lissy ist schwanger?" Diese Stimme. Ich drehte mich um und kreischte. "Brian! Olivia!" Olivia rannte sofort zu mir und wir umarmten uns heftig. "Wieso hab ich das in meiner Vision nicht SO gedeutet?!", sagte sie wohl eher zu sich, als zu mir. Brian umarmte mich auch. "Ich dachte ihr kommt erst in ein paar Tagen?!", sagte ich freudig. "Nun ja, wir waren dann doch etwas schneller." Ich umarmte Olivia nochmals. "Schön das du hier bist." Ich sah sie mir genauer an. Immer noch die Alte, na ja, außer das sie ihre Haare rot gefärbt hatte und ihre Locken nun länger waren. "Schöne Haare", sagte ich. Sie zuckte mit den Schultern. "ich brauchte mal was neues, Brian mag es nicht ganz so, aber langsam gewöhnt er sich daran." Wir kicherten. "Da wäre aber noch etwas, Leute", warf Damien ein und wieder wurde es still. "Ich will euch um einen Gefallen bitten..." Er sah die Jungs an. "Ich wäre euch echt dankbar, wenn immer jemand in der Nähe unseres Hauses wäre, damit Mira nie wieder ein Chance hat..." Er brach ab. "Klar Bruder, kein Problem", sagte Sam und grinste. Gut, dann hätten wir das schon mal überstanden, blieb nur noch zu warten und zu hoffen das Mira bald ausgeschaltet sein würde.


(Damien)

Wir blieben nicht lange, denn ich musste morgen wieder arbeiten. Sowie manch anderer auch. Lissy hatte Glück, sie war noch zwei tage krank geschrieben. Ich öffnete die Haustür und wir gingen hinein. Sogleich verschloss ich die Tür, damit Mira es auch nicht wagen könnte hinein zu kommen. "Ich komme gleich ins Bett...", sagte Lissy und verschwand im Bad. Ich ging in jeden Raum und schloss die Fenster. Man weiß ja nie... Danach ging ich ins Schlafzimmer und streifte mir meine Klamotten, bis auf meine Calvin Klein Boxershorts, ab. Ich legte mich ins Bett und mein Blick blieb an der Schlafzimmertür hängen. Lissy lehnte in einer Korsage, Slip und halterlosen Strümpfen im Rahmen und strich sich durch die Haare. Heilige Scheiße! Ich stieg geräuschvoll Luft aus und musste mich echt zusammenreißen. Tief ein und aus atmen Damien, dachte ich. Lissy kam geschmeidig wie eine Katze zum Bett hinüber und glitt leichtfüßig hinauf. Sie krabbelte auf mich drauf. Verdammt! Ihre Finger glitten sanft über meine Brust. "Damien...", hauchte sie und ich schluckte. Normalerweise hätte ich ja gar nicht an mich gehalten, aber... sie war schwanger! Und ich wollte echt nichts... nun ja...kaputt machen. Sie sah mich etwas enttäuscht an, wahrscheinlich, weil ich nicht mitmachte wie sonst. Entnervt stöhnte sie auf. "Na toll..." Ich schluckte nochmal. "Tut mir leid, aber..." "Werde ich jetzt ganze fünf Monate keinen Sex mehr haben?! Ernsthaft?", fragte sie. "Na ja...nur nicht jetzt...", stammelte ich. "Klasse. Jetzt wo ich noch halbwegs gut aussehe willst du mich nicht und später, wenn ich fett, unerotisch und kugelig bin willst du mich? Sicherlich nicht..." Okay, dieses Gespräch ging in die falsche Richtung. "Es geht nicht darum, ich will einfach nichts...kaputt machen, du weißt schon...", sagte ich leise. "Und außerdem könnte ich dich niemals unerotisch finden. Egal ob du schwanger bist und einen Bauch hast", sagte ich wieder etwas lauter. "Glaub mir, da...", sie zeigte nach unten, "...kannst du nichts mehr kaputt machen, das sitzt bombenfest" Kurz presste ich die Lippen aufeinander und überlegte. Wieder stöhnte sie entnervt auf. "Na ja, dann werde ich mich mal wieder umziehen gehen", sagte sie und wollte vom Bett aufstehen. Da das gefiel mir ja auch nicht. Ich hielt sie fest. "Lass mich dich ausziehen", sagte ich und sofort fing sie an zu grinsen. Sie beugte sich über mich wobei ihre Haare meinen Hals und meine Wangen kitzelten. Ich strich ihre Haare weg und küsste sie leidenschaftlich.

Ich hatte einen Alptraum, weshalb ich erst einmal frische Luft schnappen musste. Alpträume? Seit wann hatte bitte schön ich Albträume? Ich stand auf unserem Balkon und sah aufs Wasser. Der See war ruhig und kaum ein Lüftchen war wahrzunehmen. Einigermaßen warme Hände legten sich um meine Körpermitte. "Was ist los, D?", flüsterte Lissy gegen meinen Rücken. Ich legte meine Hand auf ihre Hände. "Nichts, ich brauchte nur mal frische Luft." Sie musste nichts über den Alptraum wissen. Das würde sie nur wieder verrückt machen. Ich hatte von Mira geträumt, wie sie Lissy den Bauch zerfetzte und ich kam zu spät um ihr zu helfen. Sie musste also nicht unbedingt wissen das ich auch Angst hatte. Das würde ihr nur noch mehr zu schaffen machen. "Lass uns ins Bett gehen", sagte ich und drehte mich zu ihr um, um ihr dann einen sanften Kuss auf die Stirn zu geben.

Mir kam es vor, als hätte ich nur fünf Minuten seit dem Alptraum geschlafen, als mein Wecker klingelte. Ich gab Lissy einen Kuss auf ihre Schulter und verließ das Schlafzimmer. Leider musste ich arbeiten und sie hier alleine lassen. Was mir ganz und gar nicht gefiel. Ich ging ins Bad und duschte ausgelassen, danach zog ich mir schnell eine Jeans, ein weißes T-Shirt und eine schwarze Adidasjacke an. Dann verließ ich das Haus und entriegelte mein Auto. Es nieselte leicht und der Himmel war grau. Ich hörte Geräusche aus dem Wald und drehte mich um. Ich sah in ein Wolfsgesicht und konnte Atemwolken sehen. Brian hatte sich also, als erstes zum aufpassen herbewegt. Ich lächelte kurz in seine Richtung und stieg dann in mein Auto und fuhr davon. Brian würde ich mein Leben anvertrauen, also war Lissy in den besten Händen.


(Lissy)

Das wirklich provokante und extreme Klingeln der Tür holte mich dann doch aus dem Schlaf. Ich zog mir schnell meinen kurzen seidigen dunkelblauen Morgenmantel über und ging, so wie ich war, zur Tür. Ich blickte in das fette Grinsen von Olivia. Klar, sie hatte natürlich immer gute Laune morgens - und warum? Weil sie nicht schlief. Sehr schön. "Guten Morgen! Ich hab Brötchen mitgebracht!", sagte sie und hielt eine Tüte Brötchen hoch. Ich ging zur Seite und ließ sie hinein. "Ich muss erstmal wach werden, sorry", sagte ich, "Aber setz dich doch schon mal." Olivia ging in die Küche. "Ist es okay, wenn ich mich erstmal etwas fertig mache?", fragte ich sie. "Immer mach!", rief sie zurück und ich verschwand schnell im Schlafzimmer und zog mir eine schwarze Jogginghose und ein weißes enganliegendes T-Shirt mit V-Ausschnitt an. Mein nächstes Weg führte ins Bad, wo ich erstmal meine Haare entwirrte und sie zu einem Knoten machte und dann mein Gesicht wusch und Zähne putzte. Ein Blick in den Spiegel verriet mir, das mein Bauch.... nun ja, wirklich nicht mehr so schön flach aussah. Wieso hatte ich mir darüber nicht schon eher Gedanken gemacht?! Ich ging in die Küche und staunte nicht schlecht, als Olivia den Tisch schon gedeckt hatte und den Wasserkocher für meinen Tee angestellt hatte. "Sag mal, wohnst du hier oder ich?!", fragte ich belustigt. "Ich kenne mich halt aus." Wir lachten und setzten uns dann an den Tisch. Jeder nahm sich ein Brötchen. "Und welchen Monat bist du jetzt genau?", fragte Olivia, als sie ihr Brötchen fertig aufgeschnitten hatte. "Im vierten. Total krass das mir das nie aufgefallen war..." Sie lächelte mich an. "Aber schön das du eines bekommst...", sagte sie und ich konnte Traurigkeit in ihrer Stimme entlarven. Wahrscheinlich, weil sie selbst, nie eines bekommen würde. "Ich verspreche dir, du wirst Patentante des Babys, okay?" Sofort leuchteten ihre Augen. "Oh, wie schön." Wir lachten. "Da würde sich Brian bestimmt auch freuen", meinte ich. Sie nickte heftig. "Definitiv."

Nach dem Frühstück räumten wir noch gemeinsam ab und sie überredete mich mit ihr in die Stadt zu fahren. "Gib mir dreißig Minuten", sagte ich und verschwand im Schlafzimmer. "Okay, ich werde solange mal meinem Mann die Langeweile austreiben", rief sie und ich hörte die zwei an der Tür. Echt Wahnsinn, was sie Jungs für uns tun. Das könnten wir gar nicht zurück geben...
Ich zog eine zerrissene helle Jeans heraus, dazu ein dunkelblaues Top, meine schwarzen High Heels und eine Lederjacke. Fertig. Nur noch etwas schminken und dann konnte ich los. Kurz sah ich in den Spiegel. "Mit den High Heels, achtet wenigstens nicht gleich jeder auf meinen Bauch...", sagte ich zu mir selbst und schnappte meine Tasche. An der Haustür musste ich mich räuspern. Denn die beiden waren grad sehr sehr sehr vertieft in einander. Sofort sah mich Brian etwas verlegen an. "Hey Brian. Wollen wir dann los?", fragte ich dann Olivia. Sie nickte und gab Brian noch kurz einen Kuss. Ihre hohen Schuhe klackten auf der Treppe, ebenso wie meine. Wir gingen zu meinem Auto und stiegen ein. "Ich hab Brian jetzt nach Hause geschickt", sagte Olivia. Ich nickte und tippte nur noch schnell an Damien eine Nachricht, das ich nicht zuhause war und startete dann den Motor.
"Schön das du wieder da bist", sagte ich zu ihr. Sie lächelte mich warmherzig an und man vergaß wieder die Tatsache das sie eigentlich erstarrt und kalt für immer war. "Es tut gut, mal wieder in der Heimat zu sein", antwortete sie. Es tat gut, mal wieder mit ihr zusammen zu sein. Ich hatte sie so lange nicht mehr gesehen. Ich wollte so vieles von ihr wissen und auch den Grund, warum es ihr zur Zeit nicht gut ging.


Wir stiegen aus meinem Auto und ich verschloss es mit der Fernbedienung. Ich hatte im Parkhaus geparkt, weil es angefangen hatte zu regnen. Nach ein paar Schritten die ich gelaufen war, sah ich Olivia an.
"Was ist los?", fragte sie mich.
"Ich glaub ich muss nochmal zum Auto. Hohe Schuhe und Schwangerschaft vertragen sich irgendwie nicht so..."
Olivia fing an zu lachen und ihr Gelächter schallte durch das ganze Parkhaus. Wir gingen zurück zum Auto und ich holte aus dem Kofferraum meine flachen Ballerinas heraus. Zum Glück hatte ich immer irgendein Paar Schuhe im Auto herumzuliegen.
"Jetzt können wir los", meinte ich und lächelte sie an.

Wir saßen in einem Café, welches etwas abgeschottet und nicht allzu bekannt war. Olivia wollte schließlich nicht das sie jemand zufällig erkannte.
Ich nahm einen Schluck von meinem Eiskaffee.
"Also was denkst du was es wird, Junge oder Mädchen?"
Darüber wollte ich mir eigentlich jetzt gar keine Gedanken machen. Ich hatte schließlich ganz andere Probleme. Hauptsache es war gesund.
"Keine Ahnung. Du bist doch hier der Hellseher."
"Ja schon, aber bis jetzt seh ich nichts", sagte sie.
Ich nahm einen Schluck von meinem Eiskaffee und sah aus dem Fenster.
"Schon komisch. Es kommt mir so vor als wäre es erst gestern gewesen, das wir die Schule beendet hatten..", sagte Olivia plötzlich und ich sah sie an.
"Ja stimmt. Die Zeit ist viel zu schnell vergangen."
Ich sah das sie in Erinnerungen schwelgte und sofort kam mir die Verwandlung von ihr in einen Halbvampir in den Kopf. Doch daran wollte ich gar nicht denken.
"Also wieso gehts dir zurzeit nicht so gut?", fragte ich um abzulenken.
Ihr Gesicht wurde zu einer starren Miene. Oh oh, es musste also was schlimmes sein.
"Ich... ich wäre vor einigen Wochen fast über Brian hergefallen...", sagte sie leise und ich sah sie mitfühlend an.
"Aber du bist nicht oder?"
"Nein! Ich bin so schnell ich konnte aus dem Haus gerannt und in den Wald. Brian nimmt es mir immer noch übel, dass ich nicht mit ihm darüber rede."
Ich konnte Brian auch irgendwie verstehen. Schließlich war Olivia alles für ihn und es machte ihn bestimmt fertig, dass sie nicht mit ihm über ihre Probleme sprechen wollte.
"Seit wann hast du diesen Drang danach?", wollte ich wissen.
Sie runzelte die Stirn, dass bedeutete das sie überlegte.
"Erst seit einer Weile, aber es scheint stärker zu werden", gab sie geknickt zu.
"Du musst stark bleiben. Nicht schwach werden. Wer weiß ob du wieder aufhören könntest."
"Ich weiß, aber ich hab dennoch Angst."
"Du schaffst das, wenn nicht, helfe ich dir. Doch vorerst musst du mit ihm sprechen. Er hat ein Recht darauf es zu erfahren", versuchte ich es ihr zu erklären und sie nickte langsam.

Ich öffnete die Haustür und winkte Olivia noch einmal zum Abschied. Ich war froh mich kurz auszuruhen zu können. Ich schloss die Tür uns ging ins Wohnzimmer. Mein Nacken tat so sehr weh, dass ich versuchte ihn mit meiner rechten Hand zu massieren. Ich sollte mich vielleicht hinlegen. Ich öffnete die Tür zum Schlafzimmer, doch was ich sah versetzte mir einen Schlag. Mira stand dort und strich über unser Bett. Ihr selbstgefälliges Grinsen war kaum zu übersehen.
"Hallo Lissy", sagte sie zuckersüß.
"Verschwinde!", schrie ich aus voller Kraft und hielt mich am Türrahmen, den ich fest umklammerte, fest.
"Schade das du nicht gestorben bist in der Badewanne. Aber bald ist die Zeit reif!", flüsterte sie und ich konnte nicht mehr an mich halten.
Feuer schoss aus meiner Hand, doch ich verfehlte sie. Sie verschwand mit einer schnellen Bewegung aus dem Zimmer auf den Balkon und hinaus.
Das Bett fing an zu brennen. Ich realisierte was geschehen war und löschte das Feuer indem ich Wasser über unseren Balkon hinauf beförderte. Es zischte kurz und der schwarze Haufen erinnerte nur noch an unser einstiges Bett. Ich brach zusammen und rutschte auf den Boden. Mein Atem war panisch und Schmerzen machten sich in meinem Bauch breit. Meine linke Hand schloss sich um meinen Bauch und ein schluchzen konnte ich mir nicht verkneifen. Wann würde sie endlich aufhören? Bis ich wirklich tot war? Bis ich einen Nervenzusammenbruch hatte?
Ich versuchte wieder klar im Kopf zu werden und stand auf. Ich schnappte mir meine Tasche und die Autoschlüssel. Ich konnte hier keine Sekunde länger bleiben. Wenn Mira hier rein und raus konnte wann immer sie wollte... War ich hier nicht sicher.
Ich öffnete die Haustür und ging die Veranda hinunter.

Der Motor verstummte und ich stieg aus. Es war bereits dabei dunkel zu werden und das große Neonschild in blau mit "Earl's Garage" als Aufschrift erhellte die Straße. Ich betrat die Werkstatt und Earl, Jakes Vater sah mich etwas verwirrt an.
"Lissy?", fragte er entsetzt, wahrscheinlich, weil ich so schlimm aussah, "Damien!", rief er.
Unter einem Auto rollte er hervor und fragte genervt was los sei, doch, als er mich erblickte hellte sich seine Miene auf und er stand schnell auf und wischte sich seine Hände ab.
"Lissy, was ist los?", fragte er nervös und irgendwie kochten meine Gefühle über und ich fing an zu weinen. Er nahm mich in die Arme.
"Mira... Sie war wieder da... im Haus..."
Seine Miene verfinsterte sich und er drückte mich fester an sich.
"Hat sie dir was getan?", fragte er aufgeregt. Ich konnte seine Hitze fast pulsieren sehen.
Ich schüttelte den Kopf.
"Aber... ich habe das Bett in Brand gesetzt."
Jake kam und sah besorgt zwischen uns beiden hin und her.
"Was ist passiert?", fragte er und Damien antwortete ihm, dass Mira sich wieder in unserem Haus herumgetrieben hatte, als ich da war. Jakes Miene wurde finster und seine Augen ebenso dunkel wie die Nacht. Würde ich nicht wissen, das er ein Gestaltwandler war, würde ich ihn echt auf der Straße meiden, wenn er mir so entgegen käme.
"Ich mache euch einen Vorschlag. Du, Lissy fährst erstmal zu Michelle. Ihr könnt vorübergehend bei uns im Gästezimmer schlafen", sagte er an mich gewandt und ich nickte, "Und wir fahren gleich zu eurem Haus und holen einige Sachen", meinte er dann zu Damien.
"Ich rufe schnell Michelle an."
Jake entfernte sich etwas und zückte sein Handy. Mein Blick glitt in Damiens besorgtes Gesicht. Seine Augen hingen an meinem Bauch fest.
"Dem Baby geht es gut", beantwortete ich seine unausgesprochene Frage.
Er nahm mich nochmals in die Arme und drückte mir einen Kuss auf die Stirn.
"Ich schwöre bei Gott, dass ich sie finden werde", flüsterte er mir zu.

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Tag der Veröffentlichung: 18.08.2011

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