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Ignoranz




Eine überfüllte Strassenbahn,
Teenis kreischen in ihrem Wahn.
Ignoranten hängen ihren Gedanken nach,
nichts und niemand rüttelt sie wach.


Ein Mütterchen, müde vom Laufen,
trägt schwere Tüten vom Einkaufen.
Lustlose Augen wenden sich ab,
schauen auf ihre Knie herab.


Sitzen bequem in ihrem Sitz,
nehmen vom Mütterchen keine Notiz.
So traurig ist der Gesellschaft Lauf,
ja, wacht denn Niemand auf?


Kein Mensch nahm Notiz von ihr,
der stillen Ignoranz traurige Zier.
Müde stand sie auf der Matte,
ein junger Mann Erbarmen hatte.
Lud ein sie ganz geschwind,
nahm auf den Schoß sein Kind.


Komm setz dich und mach es dir bequem,
will auch mit Dir nach Hause geh’n.
Dir Deine Lasten schweigend tragen,
mich freuen und nicht klagen.


Schau auf den Nächsten dann und wann,
bin dankbar, dass ich noch helfen kann.
Es ist der Höflichkeit brave Pflicht.
Ein wenig Güte schadet nicht.


(c) Roswitha Wilker





Guten Morgen alter Mann



Guten Morgen alter Mann
Ein neuer Tag bricht grade an
Ist nun bereit für Dich und mich,
vergeht recht schnell – doch ewiglich
hörst Du der ganzen Menschheit Klage

Gewiss, ich selbst bin auch ne Plage
Dabei hast Du so viel erduldet
Doch keiner glaubt, dass er Dir schuldet
ein wenig Dank und Höflichkeit

Drum bin ab heute ich bereit,
Dir nicht allein mein Leid zu klagen,
Dich vielmehr auch einmal zu fragen,
wie es um Dich bestellt so ist
und ob Du froh und glücklich bist

Ich stell’ nach hinten meine Sorgen
und frage Dich an jedem Morgen,
bevor ich starte meinen Trott
Wie geht’s Dir heute – lieber Gott?

(c) Lakiegitte







In der Eisenbahn




Gestern fuhr ich Eisenbahn
die war besetzt und übervoll.
In ihr saß ein junger Mann,
den fand ich wirklich toll.

Eine alte Frau stieg ein,
fand keinen Sitzplatz mehr.
Der junge Mann stand auf, sagte:
“Bitte nehmen sie Platz, ich kann steh’n,
das fällt mir gar nicht schwer“.

Die Frau bedankte sich,
sie konnte es kaum versteh’n,
dass es noch so nette junge Leute gibt,
fand sie so wunderschön.


(c) Uhei48


Meister Knigge



Ein Meister der alten Schule ward er genannt,
fast allen Leuten ist er bekannt.
Ein Helfer im Alltag und vielen Situationen,
ihn zu lesen, wird sich für jeden lohnen.

Wer gibt wem zuerst seine Hand,
rückt man den Stuhl bis an des Tisches Rand?
Wie verhalte ich mich als guter Gast,
kümmert’s mich, wem was nicht passt?

Und ist der Handkuß noch aktuell,
bin ich beim Sprechen doch zu schnell?
Helfe ich meiner Liebsten aus dem Jackett,
komme ich zu nahe an ihr Bett?

Ach Adolph, sag, wie soll ich’s machen,
dass nicht die anderen mich verlachen?
Nehm’ ich das kleine oder große Messer,
ich frag Dich jetzt, Du weißt es besser.

Auch im Beruf bist Du unschlagbar,
dank Dir ist mir das sonnenklar,
hilfst mir bei meinem Chefbesuch,
all das steht ja in Deinem Buch.

(c) Roswitha Wilker


Überall das Handy klingelt



Ich stehe in der Straßenbahn,
da fängt es schon zu bimmeln an.
Erst vor mir und dann auch daneben.
So erfahre ich aus andrer Leben.
Ja Schatz ich fand es wirklich nett.
Wir gehen wiedermal ins Bett.
Nein Chef ich weiß es nicht genau.
Wir stehen hier im dicksten Stau.
Will ich das alles wirklich wissen?
Ich würde kaum das Handy missen.
Denn manchmal kann es ganz schön nerven.
Man möchte an die Wand es werfen.
Selbst im Konzert, bei leisen Tönen,
hört man das Handy plötzlich stöhnen.
Es klingelt oft auch an der Kasse.
Mensch, pack doch lieber deine Tasche.
Schleicht vor mir einer auf der Autobahn,
ruft er gerade über Handy an.
Und auch so manches Wort wird unterdrückt,
wenn der Gesprächspartner sein Handy zückt.
Auf der Straße rempelt man die Andren an,
weil man sein Handy ja nicht ignorieren kann.
Das Handy ist die Droge, wir der Konsument,
der plötzlich keine Welt mehr ohne Handy kennt.
Dabei würd` man dem Nachbarn mal was gutes tuen,
ließ man sein Handy auch mal ruhen.
Und schaut den Anderen in sein Gesicht.
Höflicher wär es ja.
Nur tut man`s leider nicht.

(c) Traumwanderer



Richtig und Falsch




GAST



Falsch:

Herr Ober, kann ich endlich bestellen,
sie gehören wohl auch nicht zu den Schnellen.
Hier muß man warten bis zum jüngsten Gericht,
warten sie nur, wenn sich das mal herum spricht.

Richtig:

Herr Ober, wären sie bitte so nett,
ich gerne die Speisekarte hätt'.
Ich sehe, sie haben viel zu tun,
können nicht rasten noch ruh'n.

OBER



Falsch:

Was glauben sie eigentlich, wer sie sind?
hier ist es voll, sind sie denn blind?
Wie sie sehen, sind sie nicht der einzige Gast,
warten sie gefälligst und fallen sie mir nicht zur Last!


Richtig:

Aber gerne mein Herr, bringe sie gleich vorbei,
sie sind unser Gast und uns nicht einerlei.
Wir bitten um Nachsicht, doch wir tun, was wir können,
um Ihnen noch die Extra-Speisen zu nennen.


GAST



Falsch:

Zahlen bitte und zwar ein bischen plötzlich,
Zehn Minuten warte ich nun schon an diesem Tisch.
Glauben sie, ich hab meine Zeit gestohlen,
ich lasse mir gleich den Besitzer holen.

Richtig:

Herr Ober, könnt' ich bitte die Rechnung haben,
ich würde dann gerne bald zahlen.
Es hat mir vorzüglich gemundet bei Ihnen,
ließ mich gerne von Ihrem Hause bedienen.





FAZIT



Es geht auch anders liebe Leute,
stressig war gestern und Höflichkeit heute.
Seid freundlich und nett, ob Gast oder nicht,
denn ein liebes Wort hat noch immer Gewicht.



Höflichkeiten



Wichtige Tugend zu allen Zeiten,
ist Austausch von Höflichkeiten!

Wichtig wie die Luft zum atmen,
oder Gewürze, beim Kochen und Braten,
Stunden, Tage ~ ja, die Zeit sie verschönt
wenn diese von Höflichkeiten gekrönt.

Man kann sie ohne viel Bedenken
reichlich und überall verschenken!

Beim Einkaufen im Supermarkt,
wenn ein Fremder nach dem Wege fragt,
Türen zu öffnen wenn jemand beladen,
einem Schwachen helfen zu tragen.
Wie ich es gemeint ist wohl zu verstehn,
man sollte mit freundlichen Augen sehn,
durchs Leben schlendern, statt zu eilen,
zuhören können, wenn Not ruft verweilen.

Dann ist das Leben erst lebenswert,
eigene Erfahrung hat mich dies gelehrt,
so wie ich aus Höflichkeit jetzt schweige,
dankend für Lesen mich vor dir verneige.

© Celine Rosenkind





Höflichkeit in aller Welt Dieses Wort klingt wirklich...




Höflichkeit in aller Welt


Dieses Wort klingt wirklich nett,
in Frankreich heisst es politesse


In Holland sagt man beleefdheit
In Deutschland einfach Höflichkeit


In Spanien und Italia
Das heißt es cortesia.


Der Türke nennt es nezaket
Der Schwede nennt es hövlighet.


In Portugal da heisst es polidez
Der Engländer nennt es politeness.


Der Lateiner sagt civilitas
Und manchmal auch humanitas.


Egal in welcher Sprache auch,
alle Länder haben ihren Höflichkeitsbrauch.

(c) Achtsamkeit


Höflichkeit des Herzens.



So oft hört man
nah und fern
Herr Knigge?
Der ist doch nicht mehr modern!

Ich bin sicher,
wenn Höflichkeit
aus dem Herzen
kommt, überdauert sie die Zeit.

Denn Höflichkeit
aus Achtung geübt
zeigt, dass man
das Menschliche in sich selber liebt.

Nur wer unzufrieden
mit sich selber ist
auch gegen andere
häufig den richtigen Ton vergisst.

(c) Petitpoint



Was Hänschen nicht lernt.....



Als kleiner Mensch der nicht viel denkt
man seine Augen auf die Eltern lenkt!
Weil Mama und Papa doch Vorbilder sind,
lernt das kleine Menschenkind geschwind,
es orientiert sich, schaut und versteht,
macht alles so, wie ihm gezeigt und vorgelebt!

Schon früh lernt so das Menschlein klein
ein Flegel oder kleiner Kavalier zu sein,
freche Göre oder Prinzesschen liebenswert,
eine gute Erziehung ist bestimmt lobenswert.

So lernt Kind dann höflich die Hand zu geben,
bei Gesprächen nicht einfach dazwischen zu reden.
Wenn das Näschen läuft ins Taschentuch schnauben
auch seine Wünsche ab und zu herunter zu schrauben.

Einen Diener zu machen oder gar einen Knicks,
das lernen unsere kleinen Menschen ganz fix,
Kaugummi nicht eklig auf die Straße zu spucken,
nicht ewig vor Fernseher und PC rum zu glucken.

Gemeinschaft zu pflegen, um teamfähig zu sein,
das alles ist wichtig ist man auch noch klein,
könnt noch seitenlang darüber weiterschreiben
will es aus Höflichkeit nicht übertreiben!

Nur eine Botschaft will ich noch laut sagen,
der Leser kennt diese aus seinen Kintertagen,
was Hänschen nicht lernt,lernt Hans nimmermehr
und Höflichkeit zu lehren ist gar nicht so schwer.

© Celine Rosenkind





Zum Schluß eine Parabel des großen Philosophen Arthur Schopenhauer:




Die Stachelschweine



Eine Gesellschaft Stachelschweine drängte sich an einem kalten Winterrage recht nah zusammen, um sich durch die gegenseitige Wärme vor dem Erfrieren zu schützen. Jedoch bald empfanden sie die gegenseitigen Stacheln, welches sie dann wieder von einander entfernte. Wann nun das Bedürfnis der Erwärmung sie wieder näher zusammenbrachte, wiederholte sich jenes zweite Übel, so da? sie zwischen beiden Leiden hin und her geworfen wurden, bis sie eine mäßige Entfernung voneinander herausgefunden hatten, in der sie es am besten aushalten konnten.

So treibt das Bedürfnis der Gesellschaft, aus der Leere und Monotonie des eigenen Innern entsprungen, die Menschen zueinander; aber ihre vielen widerwärtigen Eigenschaften und unerträglichen Fehler stoßen sie wieder voneinander ab. Die mittlere Entfernung, die sie endlich herausfinden, und bei welcher ein Beisammensein bestehen kann, ist die Höflichkeit und feine Sitte. Dem, der sich nicht in dieser Entfernung hält, ruft man in England zu: keep your distance! - Vermöge derselben wird zwar das Bedürfnis gegenseitiger Erwärmung nur unvollkommen befriedigt, dafür aber der Stich der Stacheln nicht empfunden.

Wer jedoch viel eigene, innere Wärme hat, bleibt lieber aus der Gesellschaft weg, um keine Beschwerde zu geben, noch zu empfangen.

(Copyright: Arthur Schopenhauer)

Beitrag von Cassandra2010


Impressum

Texte: Ein Gemeinschaftswerke der Gruppe "Kurzgeschichten & Gedichte" Design und Gestaltung: Roswitha Wilker Text: Urheberrechte liegen bei den Autoren Bilder/Copyright: http://www.manchic.com/photos/uncategorized/2008/04/10/redux003.jpg http://www.atelier-nermin.de/mediac/400_0/media/Alter~Mann~klein.JPG http://view.stern.de/de/picture/1364694/2008-Dezember-Aida-cadiz-mann-alt-marktimpressionen-510x510.jpg http://www.onlineservice-total.de/knigge_htm_files/kellner.gif http://nl.toonpool.com/user/208/files/auskunft_121305.jpg http://files.tradoria.de/211432287050de6b782bfcb856ef0750/thumbs/300/18/f9d7b53417e588bc3a6ae7f34deadbf0/fahne-flagge-europa-25-laender.jpg http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/6/6b/Arthur_Schopenhauer_Portrait_by_Ludwig_Sigismund_Ruhl_1815.jpeg
Tag der Veröffentlichung: 03.08.2011

Alle Rechte vorbehalten

Widmung:
Autoren: Roswitha Wilker Celine Rosenkind Petitpoint Achtsamkeit Uhei48 Lakiegitte Cassandra2010 Traumwanderer

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