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Shopping Queen

Es ist Mitte des Monats. Das heißt ich schaue auf meinen Kontostand. Erstaunt stelle ich fest, dass ich mich im Plus befinde. Das muss ich schnellstens ändern. Also auf ins Kaufhaus.

Mein Herz macht einen Freudensprung als ich durch die Glastür schreite. Und bleibt dann kurz stehen als ich die Weihnachtsdekoration und die Lebkuchen in den Auslagen entdecke. Leute, ernsthaft jetzt? Es ist September!

Frohen Mutes steuere ich auf den ersten Laden zu. Es ist mein Lieblingsladen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich hier auch heute was Passendes finden werde. Schon nach zehn Minuten ist es soweit und ich begebe mich schwer bepackt in Richtung der Umkleiden. Der Hinweis „Bitte nur 5 Teile mit in die Kabine nehmen“ hat mich noch nie interessiert.Warum sollte er also dieses Mal Wirkung zeigen? Ich probiere die erste Hose. Da ich das Los eines kleinen Mädchens gezogen habe, ist sie natürlich wie immer viel zu lang. Das stört mich aber nicht weiter. Hosen, die ungefähr 20 Zentimeter zu lang sind, sind eben mein ganz eigener, unverwechselbarer Stil. Weiter oben aber entdecke ich etwas viel Schlimmeres. Es ist ein Muffintop! Es quillt wabbelig über den Hosenbund. Ich schnappe mir die Fettmassen und klatsche mit einer Hand dagegen. Ich muss lachen. Einerseits weil es so schön wabbelt, andererseits weil es nicht mehr aufhören will zu wabbeln. Mir wird klar, dass die Hose, mein Fett und ich keine Freunde werden. Also auf in den nächsten Laden.

Frauen kaufen ja gerne Schuhe, sagen Männer. Offensichtlich bin ich keine Frau. Ich liebe Schuhe… wenn ich sie aus sicherer Entfernung betrachten kann. Trotzdem wage ich mich in den Schuhladen. Plötzlich erwacht irgendein lange totgeglaubtes Frauengen in mir. Ich sehe diese Schuhe und muss sie sofort haben. Der royalblaue Stoff schimmert verführerisch und diese Blume, die die Knöchel überhaupt nicht fett aussehen lässt, sieht richtig süß aus. Spontan probiere ich die Schuhe. Die 20-Zentimeter-Hacken haben ja schon vom bloßen Hinschauen weh getan, als ich aber dann bäuchlings auf dem Teppichboden liege, tun auch noch ganz andere Stellen an meinem Körper weh. 'Weg mit den Mörderschuhen', beschließe ich. Da bleib ich dann doch lieber bei meinen Turnschuhen. Auf in den nächsten Laden.

Zu guter Letzt geht es in die Drogerie. Ich stehe unentschlossen zur dem Make-up-Angebot, swatche was das Zeug hält und packe dann alles, wirklich alles, was mir da in der grell beleuchteten Plastikauslage angeboten wird, in mein Körbchen. Danach gehe ich überglücklich und mit Unterarmen bunt vom Lippenstift zur Kasse. Die Kassiererin nennt dann eine Summe bei der ich erst einmal schlucken muss. Aber man gönnt sich ja sonst nichts und außerdem arbeite ich sehr hart und hab mir das verdient.

Nach diesem Shoppingmarathon weiß ich nicht wer erschöpfter ist, ich oder meine Geldbörse. Fest steht, nächsten Monat beginnt das gleiche Spiel von vorne. Denn man gönnt sich ja sonst nichts.

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Tag der Veröffentlichung: 14.09.2017

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