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Leseprobe

Ugly Fat Thing?

Annie Stone

Inhalt

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Epilog

Nachwort

Engelspost

Leseprobe von Ella McQueen

Für Mama

Danke für Wurzeln und Flügel.

1

Ashleys. Das sind so große, blonde Sportskanonen, die in der Highschool die Cheerleader angeführt haben, deren Körper heute Sports Illustrated und Cosmopolitan zieren, die im Bikini am Strand eine ebenso gute Figur machen wie auf den roten Teppichen der Welt.

Ashleys. Sie waren immer die Beliebtesten, haben jeden Jungen rumbekommen, sogar den Quarterback, und waren natürlich auch Prom Queen.

Ashleys.

Warum meine Eltern mir diesen Namen gegeben haben, weiß ich nicht. Vielleicht, um mich auf den richtigen Weg zu bringen. Wie enttäuschend war es für sie, festzustellen, dass ihre blonde Sportskanone das genaue Gegenteil wurde. Klein, dunkle Haare und zu allem Übel auch noch dick. Aus den paar Kilos zu viel, die ich als Kind hatte, wurden im Laufe der Zeit viel zu viele. Das Leben ist nicht immer sanft zu Mädchen, die nicht wie die typischen Ashleys aussehen.

»Willst du das wirklich essen?«, fragt Mom mich, als sie in die Küche kommt.

Ja, ich bin achtundzwanzig und wohne noch bei meinen Eltern. Erschießt mich jetzt.

»Ich hab Hunger.«

»Aber ein Salat wäre doch viel besser für dich.«

»Das macht aber nicht satt.«

»Kind, wenn du alles so in dich hineinstopfst, wirst du nie einen Mann finden. Deine neue Hose kneift auch schon wieder. Das ist kein sehr vorteilhafter Look.«

Innerlich zähle ich bis zehn, um meinen Zorn zu unterdrücken. Wütend werden bringt rein gar nichts. Dann fängt sie an zu weinen, fragt, was sie denn falsch gemacht habe, sie wolle doch nur helfen, und Dad sagt dann: »Ashley, es ist nicht richtig, mit den Gefühlen anderer zu spielen.«

Tausendmal durchgespielt.

Stattdessen nicke ich nur und nehme meine Pizza mit in mein Zimmer. Ich lege mich auf mein Bett, schalte den Fernseher an, gucke Wiederholungen von Gossip Girl und frage mich einmal mehr, wie mein Leben aussähe, wenn ich den anderen Ashleys ähnlicher wäre. Größer, blonder und vor allem schlanker.

Den Pizzakarton schiebe ich unter das Bett, als ich mit dem Essen fertig bin. Die entsorge ich immer dann, wenn niemand zu Hause ist, und niemals in unserer Mülltonne. Mein Blick fällt auf den Schreibtisch, und ich sehe die halbfertige Wickelbluse dort liegen. Mit einem leisen Stöhnen stehe ich auf und setze mich auf meinen knarrenden Schreibtischstuhl. Ich habe die Armlehnen abgeschraubt, weil sie mir in die Seiten gestochen haben. Die Nähmaschine, die ich bereits habe, seit ich dreizehn bin, stelle ich an, bevor ich den Stoff durch die Hand gleiten lasse. Es ist grauer, fester Baumwollstoff, der ein wenig meliert ist. Er hat einen geringen Anteil an Elasthan, so ist er schön anschmiegsam. Er fühlt sich schön an, fest, ein wenig rau, aber trotzdem nicht kratzig.

Ich liebe es, Stoffe anzufassen. Manche sind so weich, dass man sie direkt an die Wange drücken will. Manche sind schwer und geben einem dieses besondere Tragegefühl, als wäre man in eine Umarmung gehüllt. Andere sind so glatt, dass sie ohne Widerstand durch die Finger gleiten, als wären sie schon wieder verschwunden, wenn man sie doch gerade erst gefunden hat. Mein Lieblingsstoff ist Samt, aber gleichzeitig hasse ich ihn auch, weil er so dick ist, dass dicke Menschen darin nur noch dicker aussehen.

Ich suche nach den bereits abgesteckten Stellen, schiebe den Stoff unter das Füßchen der Nähmaschine und betätige das Fußpedal. Vorsichtig erst, dann etwas stärker. Es ist jedes Mal wie ein Wunder, wenn plötzlich eine gerade Naht erscheint, da wo vorher nur lose Stoffstücke waren.

Ruhig werde ich. Entspannt. Alles fällt von mir ab. Ich höre kaum noch das Gedudel des Fernsehers, sondern bin in meiner eigenen Welt, in der ich schöne Dinge erschaffe. Als ich schließlich den letzten Faden abschneide, durchflutet mich Stolz, weil ich es wieder geschafft habe, etwas fertig zu stellen. Ich habe etwas kreiert. Das ist so ein erhabenes Gefühl, auch nach fast fünfzehn Jahren, in denen ich jetzt meine eigene Kleidung nähe. Das meiste zumindest. Manchmal träume ich davon, mir auch eigene Unterwäsche zu nähen, aber Lingerie trägt man doch eigentlich nur, damit jemand anderes sie sieht. Und wer würde schon ein Walross in Dessous sehen wollen?

Ich ziehe mein Oberteil aus und wickele mich dann in meine Bluse. Leise schleiche ich mich ins Schlafzimmer meiner Eltern, um in den Spiegel zu sehen. Ich habe keinen. Das Elend will ich nicht in Endlosschleife sehen.

Das Licht mache ich an, bevor ich mich begucke. Ich versuche es, so weit wie möglich zu vermeiden, aber ich muss ja sehen, ob die Bluse an mir auch gut aussieht oder ob es eine Verschwendung von Zeit, Stoff und Liebe war. Ich habe die Hoffnung aufgegeben, dass ich jemals so wunderschöne Kleidung tragen werde wie Blair und Serena, aber ich will auch keine Säcke anziehen, auch wenn die Öffentlichkeit das wohl als angemessene Kleidung für Dicke betrachtet.

Alles, was ich mir nähe, bedeckt mich vollständig. Ich zeige keine nackte Haut, nur die Hände und das Gesicht. Aber trotzdem haben meine Stücke eine Form, meine Form eben. Es sind keine Klamotten für den Runway, aber sie sind aus hochwertigen Stoffen und die Schnitte sind vorteilhaft.

Als ich mich im Spiegel betrachte, konzentriere ich mich nur auf den Sitz der Bluse. Sie sieht toll aus. Ich vermeide jeden Blick in mein Gesicht, will das Doppelkinn nicht sehen, das sich da gebildet hat, will die prallen Wangen nicht sehen, in die mich meine Großtante als Kind immer gekniffen hat.

Bevor ich versehentlich doch hinschaue, schleiche ich zurück in mein Zimmer. Vorsichtig ziehe ich die Bluse aus, nur um schnell mein Oberteil überzuziehen, bevor mein Blick auf die ganzen Schwabbelstellen fallen kann, die meinen Oberkörper bedecken. Dann bügele ich meine neue Bluse. Eigentlich ist es ja eine Schande, dass kaum jemand das gute Stück sehen wird.

Es klopft an der Tür, und ich sehe mich um, ob auch alles verborgen ist, was irgendwie Unmut bei meiner Familie hervorrufen könnte. Obwohl es je nach Besucher eigentlich vollkommen unnütz ist, denn für Mom ist meine bloße Existenz ein rotes Tuch.

»Herein.«

»Hey«, sagt mein Bruder Chad lächelnd, als er hereinkommt.

Manchmal frage ich mich, ob es nicht unfair ist, dass er all die guten Gene abbekommen hat und ich nur den Abfall. Er ist groß, blond, hat ein Sixpack und ist Instagram-Influencer. Vier Millionen Follower.

Ich hatte auch mal einen Instagram-Account, aber das perfekte Leben der anderen, unter ihnen mein Bruder, hat mich deprimiert. Daher habe ich ihn gelöscht. Was für Fotos sollte ich auch posten? Wer will meinen unförmigen Körper schon sehen?

»Hi, wie war Cancun?«

»Wahnsinnig schön. Du solltest auch mal hinfahren. Türkises Wasser, weißer Strand, Palmen.«

Wir beide wissen, dass ich niemals nach Cancun fahren würde. Wozu auch? Ich lege mich ja nicht einmal hier in Santa Monica an den Strand und um dort hinzukommen muss ich nicht stundenlang in einem winzigen Flugzeug eingesperrt sein, in dem ich wirke wie eine Sardine in der Büchse. Es ist mein persönlicher Albtraum, dass irgendjemand mich mit einem Wal verwechseln könnte.

»Irgendwann vielleicht.«

»Wie geht es dir?«

»Wie immer.«

»Nichts Neues?«

»Nein.«

»Das ist traurig.« Er sieht ein wenig verlegen aus. »Hey, Mom hat mich gefragt, ob ich dir nicht mal ein Sportprogramm zusammenstellen kann.«

Ich muss mich wappnen. Schnell schließe ich die Schotten, ziehe die Mauern hoch, die eigentlich immer oben sind, nur nicht, wenn man mich in meinen eigenen vier Wänden erwischt. Hier hatte ich keinen Angriff erwartet. Was vielleicht naiv ist. Schließlich wohnen auch Mom und Dad in diesem Haus und beide können das Wort Privatsphäre nicht einmal buchstabieren.

»Ich hab ihr gesagt, dass Sport allein nicht reicht, dass du auch deine Ernährung umstellen musst.«

Es ist nicht so einfach, mir zu sagen, dass er es nicht böse meint. In dieser Familie weiß nur niemand, wie man nicht übergriffig ist. Oder sagen wir lieber, wie man mir gegenüber nicht übergriffig ist. Denn sie würden es sich immer verbitten, wenn ich mich so in ihr Leben einmischen würde. Aber wenn man dick ist, hat man offenbar nicht die gleichen Rechte. Wie sonst ließe es sich erklären, dass sich so viele fremde Menschen bemüßigt fühlen, den Körper anderer zu kommentieren?

»Hey, ich mach das gern für dich. Aber wir können nur hier trainieren.«

Eigentlich will ich es nicht wissen, aber meine masochistische Ader ist stark ausgeprägt. »Wieso?«

»Nun ja …« Wenigstens ist er verlegen. »Ich muss an meinen Ruf denken. Du verstehst schon. Nichts gegen dich.«

»Natürlich nicht.«

Was ich verstehe ist, dass es meinem Bruder, dem Fitnessguru, peinlich ist, eine dicke Schwester zu haben. Wundern tut es mich nicht, aber gehofft hatte ich doch was anderes.

»Ich wusste, dass du es verstehst. Ich komme dann morgen früh vorbei.«

»Wozu?«

»Zum Training natürlich, du Dummchen.« Er lacht.

»Ich muss arbeiten.«

»Aber erst um neun. Ich komm um halb sieben, dann haben wir eine Stunde und du hast noch Zeit zum Duschen.«

Wahrscheinlich meint er es vollkommen harmlos, ohne irgendwelche Hintergedanken. Aber ich verstehe, dass er denkt, dass ich schwitzen werde, als hätte ich einen Marathon hinter mich gebracht.

Nicht dass das weit von der Wahrheit entfernt wäre. Ich schwitze schon, wenn ich die Stufen in die erste Etage hinaufgehe, aber es ist was anderes, wenn man darauf hingewiesen wird.

»Oh, okay.«

»Gut, dann bis morgen. Wäre doch gelacht, wenn wir es nicht schaffen würden, dich in eine Schönheit zu verwandeln.« Er küsst mich auf die Wange, bevor er geht.

Und ich? Ich weine.

Selbst halte ich mich nicht für eine Schönheit, eher das genaue Gegenteil, aber die eigenen Befürchtungen von anderen, noch dazu meiner Familie, gespiegelt zu bekommen, löst totale Verzweiflung aus. Ein wenig unbeholfen lasse ich mich auf die Kante meines Bettes sinken und wische mir die Tränen ab. Auch wenn ich solche Kommentare inzwischen von meiner Familie gewohnt bin, stechen sie mir immer noch ins Herz. Ist es denn so unverständlich, dass ich mir erhoffe, dass mich irgendjemand schön findet, auch dann, wenn ich es nicht tue? Glauben würde ich es dennoch nicht, muss ich zugeben, sondern wahrscheinlich denken, dass sie das ja sagen müssen, weil sie mit mir verwandt sind. Manchmal wünschte ich, ich müsste einfach niemanden sehen. Aber meistens sind tatsächlich meine eigenen Gedanken der größte Feind.

Den Rest des Abends verkrieche ich mich in meinem Zimmer, plündere meine Ration für schlechte Zeiten und hoffe auf eine gute Fee, die vorbeikommt und mir drei Wünsche erfüllt.

Ich klicke mit der Maus auf den Button, um den nächsten Anrufer aus der Hölle der Warteschleife zu erretten.

»U-Mobile. Ich bin Ashley. Wie kann ich Ihnen helfen?« Während ich der Anruferin zuhöre, schweift mein Blick durch das Großraumbüro des Telefonanbieters. Ein klein wenig könnte man das alles updaten, durch die grauen Wände und den abgewetzten Linoleumboden wirkt es ein wenig heruntergekommen, aber die Priorität dieses Unternehmens ist es nicht unbedingt, seinen Callcenter-Mitarbeitern eine angenehme Umgebung zu bieten.

»Das Internet funktioniert nicht«, meldet sich eine brüchige Stimme.

»Was genau ist denn das Problem?«

»Ich mache mein … wie heißt noch das Ding? Mein Tablett?«

»Tablet.«

»Ja, genau. Ich mache es an und dann passiert nichts.«

»Sind Sie denn mit dem Internet verbunden?«

»Das bin ich immer.«

»Welche Lichter an Ihrem Router sind denn an?«

»An meinem was?«

»An der kleinen Internetbox.«

»Ach so. Ich schau mal.« Ich höre das Schlurfen von schweren Füßen. »Alle sind an.«

»Okay, und an Ihrem Tablet, sehen Sie da oben das WLAN-Zeichen?«

»Was für ein Ding?«

»So ein kleines Zeichen, das wie ein Regenbogen mit einem Punkt darunter aussieht.«

»Wo muss das sein?«

»Am oberen Rand Ihres Tablets.«

»Da ist nichts. Nur schwarz.«

»Ich meine, auf dem Bildschirm am oberen Rand.«

»Dann sagen Sie das doch. Da ist die Uhrzeit, Batterieanzeige und da steht iPad.«

»Okay, neben dem Wort iPad ist kein WLAN-Zeichen?«

»Der Regenbogen?«

»Genau.«

»Nein.«

»Gut, dann gehen Sie mal in die Einstellungen.«

»Wo finde ich die?«

»Da muss eine viereckige Kachel mit einer Art Zahnrad sein, in grau. Darunter steht Einstellungen.«

»Finde ich nicht.«

»Dann wischen Sie mal nach links oder rechts.«

»Oh da.«

»Genau, klicken Sie drauf, dann sehen Sie einen Reiter WLAN.«

»Ja.«

»Klicken Sie darauf. Ist der Schalter grün?«

»Nein.«

»Dann drücken sie drauf bis er grün ist.«

»Jetzt ist er grün.«

»Super. Wählt sich das iPad …?«

»Oh, der Regenbogen ist da!«

»Perfekt. Versuchen Sie jetzt mal Ihre Mails zu öffnen.«

»Moment. Oh, da ist eine von meiner Tochter. Ich danke Ihnen.«

»Sehr gerne. Dafür bin ich doch da.«

Bevor ich auf den nächsten Anrufer klicken kann, sagt mein Boss neben mir: »Miss Delaney.«

»Ja?« Ich drehe mich zu ihm um. Er ist mittelgroß, schlank und trägt teure Anzüge, von denen ich nicht weiß, wie er sie sich mit seinem Gehalt leisten kann. Außer, man verdient als Teamleiter mehr, als ich mir vorstellen kann.

»Wir hatten das doch besprochen. Sie können nicht so lange mit einem Kunden in der Leitung bleiben.«

»Aber sie brauchte doch nur Hilfe, um das WLAN wieder einzuschalten.«

»Technische Probleme, die wir nicht innerhalb von dreißig Sekunden lösen können, schicken wir weiter an die Technikabteilung.«

»Aber sie war alt, Mr Coulten. Sie konnte nicht so schnell.«

»Das ist nicht unser Problem. Sie haben zwölf Minuten und achtzehn Sekunden auf einen einzelnen Anrufer verschwendet.«

»Es tut mir leid.«

»Halten Sie sich an unsere Regeln. Wir haben sie nicht ohne Grund.«

»Verstanden.«

»Dann, husch. Machen Sie weiter.« Er dreht sich um und marschiert die Reihen der Arbeitsplätze entlang, an denen emsig gearbeitet wird. Anfangs hat mich die Geräuschkulisse gestört. Ich hatte das Gefühl, meine eigenen Gedanken nicht mehr hören zu können. Mittlerweile habe ich mich so sehr daran gewöhnt, dass ich die anderen Geräusche gar nicht mehr wahrnehme.

Auch wenn ich behauptet habe, dass ich es verstanden habe, erinnere ich mich lieber an die Worte der alten Dame, die voller Dankbarkeit war, weil sie nun die E-Mail ihrer Tochter lesen kann. Alte Menschen haben es in unserer sich so schnell entwickelnden Welt auch nicht immer leicht. Was sind schon zwölf Minuten und achtzehn Sekunden, wenn man einem Menschen helfen konnte?

Aber das war noch der netteste Anruf an diesem Tag. Dreimal wurde ich als unfähig betitelt, einmal als Schlampe bezeichnet und einmal als dumme Kuh. Der Vorteil ist, dass mich niemand sehen kann, denn sonst wären noch ganz andere Dinge gesagt worden.

Am Ende meiner Schicht zwänge ich mich in meinen kleinen Beetle, den mir meine Eltern zum College-Abschluss geschenkt haben. Er ist babyblau, und ich habe ihn Richard genannt. Ich weiß nicht einmal wieso. Aber der Name tauchte in meinem Kopf auf und es fühlte sich richtig an.

Ich bin mit meiner besten – und auch einzigen – Freundin Staci verabredet. Ich fahre zu ihr, wie eigentlich immer. Zu mir nach Hause kann ich sie nicht nehmen, weil sie zu beschützend ist. Sobald Mom irgendwas Gemeines sagt, was mir mittlerweile gar nicht mehr auffällt, verteidigt sie mich. Kein Wunder, dass Mom sie hasst.

Raus gehen wir meist nicht, weil mir die Blicke nicht gefallen. Ich vermeide es, in Restaurants zu gehen, weil ich mir immer so verurteilt vorkomme. Viele andere Sachen sind mir unangenehm, weil ich so schnell anfange zu schwitzen. Ein Glück macht es Staci nichts aus, wenn wir in ihrem schönen Haus rumhängen. Sie arbeitet für ein großes Filmstudio als Produktionsleitung, daher hat sie ganz merkwürdige Arbeitszeiten, die dafür sorgen, dass sie phasenweise beinahe rund um die Uhr arbeitet, und zwischen einzelnen Projekten ein paar freie Tage am Stück hat.

Als wir zusammen auf dem College waren, haben wir uns ständig gesehen. Zuerst haben wir uns ein Zimmer geteilt, später dann eine WG. Es war die beste Zeit meines Lebens. College ist so viel besser als Highschool. Es gibt viel weniger Mobbing und die ganzen Cheerleader-Königinnen begreifen langsam, dass Aussehen nicht alles ist. Während viele der Footballer auch weiterhin hofiert werden und manche Sportstipendien eher lax sind, müssen ehemalige Cheerleader erfahren, dass es an der Uni auf Fleiß und gute Noten ankommt. Darüber hinaus bekommt man auch nicht unbedingt was von dem ganzen Rummel mit. Man kann sich ja in seinem Labor einnisten oder in der Bibliothek, kann das Stadion und Menschenansammlungen meiden. Klar, gab es manchmal schräge Blicke, aber es war eindeutig die beste Zeit meines Lebens. Zum ersten Mal habe ich mich frei gefühlt. Ein bisschen zumindest. Es war wie im Wasser sein. Die Trägheit der Flüssigkeit sorgt für ein beinahe schwereloses Gefühl.

Dennoch muss ich zugeben, dass ich mir selbst oft im Wege stehe, auch wenn ich glaube, dass es das Universum ist, das mir keine Chance gibt. Obwohl das College besser war als die Highschool, sind aus Bekanntschaften keine Freundschaften geworden, weil ich zu viel Angst vor Verletzungen hatte. Nur Staci hat sich nicht abwimmeln lassen. Sie hat so lange an der Tür gehämmert, bis ich sie reingelassen habe, wofür ich ihr bis heute dankbar bin.

Nur, wenn man aus dem Pool steigt, muss man sein ganzes Gewicht, all die Kilos zu viel, wieder selber tragen. Das war das Gefühl, als ich mit dem College fertig war und niemand mich einstellen wollte. Das Callcenter war nur eine Notlösung. Bei meinen Eltern zu wohnen ebenfalls.

Vor ein paar Jahren hätte ich mir nie vorstellen können, dass ich da mal wieder einziehe. Aber mit einem Abschluss in BWL, den man nur halbherzig angestrebt hat, um auf Nummer sicher zu gehen, und unzähligen Absagen, hatte ich keine andere Wahl. Banken, Versicherungen, die Stadtverwaltung und andere Firmen wollten mich nicht einstellen. Es kann natürlich sein, dass das gar nichts mit meinem Gewicht zu tun hat, aber womit denn sonst?

Als ich vor Stacis Haus parke und aussteige, kommt sie heraus. Sie ist all das, was ich gerne wäre. Schön, schlank, selbstbewusst. Staci sieht aus wie das blühende Leben, ohne sich anstrengen zu müssen. Und dazu ist sie einfach auch der großartigste Mensch, den ich kenne. Ich würde sie hassen, wenn ich sie nicht so sehr lieben würden.

»Hey, Love! Wie schön, dass wir uns wiedersehen.« Vor Freude strahlend umarmt sie mich, als ich bei ihr ankomme. »Ich hab dich vermisst.« Sie legt mir die Hände auf die Schultern, tritt einen Schritt zurück. »Wow! Das Kleid sieht super aus. Was ist das für ein Stoff?« Sie greift an den Saum. »Das ist keine Baumwolle, oder?«

»Doch, aber eine schwerere Qualität. Leider nicht bügelfrei.«

Sie grinst. »Aber du musst ja eh die Säume bügeln, dann kannst du den Rest direkt mitmachen.« Sie schließt die Tür hinter uns, nachdem wir reingegangen sind.

»Niemand bügelt nur die Säume, außer beim Nähen vielleicht.«

Sie grinst, bevor sie meinen langen Ärmel entlang streichelt. »Aber wie immer versteckst du alles.«

»Heute bitte nicht.«

»Was hat die böse Hexe des Westens wieder getan?«

»Sie ist einfach nur ihr charmantes Selbst.«

»Du solltest ausziehen. Die Umgebung ist toxisch.«

»Würde ich sofort tun, nur leider hab ich kein Geld, um mir was Eigenes zu leisten.« Ich setze mich auf das graue Ecksofa, das einen Großteil des hellen Wohnzimmers einnimmt. Es ist eher schlicht gehalten. Staci ist nicht der Typ für Souvenirs und Staubfänger, wie sie sich ausdrückt, aber dieser minimalistische Chic hat etwas.

Lächelnd setzt sie sich neben mich. »Du weißt, dass du hier jederzeit einziehen kannst.«

»Danke, aber das ist doch auch keine Lösung.«

»Eigentlich schon. Schließlich musst du dir hier keine dummen Sprüche anhören.«

»Aber es wäre trotzdem nichts Eigenes.« Ich winke ab. »Weißt du, so schlimm ist sie auch gar nicht mehr. Das meiste höre ich gar nicht.« Aber wir wissen beide, dass es eine Lüge ist. Der eigentliche Grund, warum ich nicht bei Staci einziehen will, ist, dass mir ihr Apartment einfach zu teuer ist. Aber wenn ich ihr das sagen würde, würde sie darauf bestehen, dass ich keine Miete zahle oder – noch schlimmer! – würde vorschlagen, dass wir uns eine günstigere Wohnung suchen. Sie liebt diese Wohnung und ich würde mich weder von ihr aushalten lassen wollen, noch sie dazu zwingen, ihr kleines Paradies zu verlassen.

»Hey, das ist ganz allein deine Entscheidung, aber ich wollte es dir einfach noch mal anbieten. Die Einladung steht.« Sie beugt sich zu mir und küsst mich auf die Wange.

Es ist so merkwürdig, weil ihre Umarmung und dieser Kuss die einzigen Zärtlichkeiten sind, die mir in den letzten sechzehn Tagen zuteilwurden. Da haben wir uns das letzte Mal gesehen. Jedes Mal merke ich, dass ich ihre körperliche Nähe aufsauge wie eine Wüstenblume. Sie ist wohl der einzige Mensch, der mich berührt, ohne angeekelt zu sein, was mir sowieso unbegreiflich ist.

»Was möchtest du trinken?«

»Nur Wasser.«

»Habe ich das richtig verstanden? Du möchtest einen Mojito?« Sie springt auf und klatscht begeistert in die Hände.

Ich grinse. »Ich muss fahren.«

»Einer geht. Und wenn du doch mehr trinkst, schläfst du hier, und fährst morgen früh nach Hause.«

»Okay, aber nicht so stark.«

»Hey, ich kann ja nichts dafür. Die Kubaner haben das so entschieden.« Ihr verschmitztes Lachen bedeutet nichts als Unheil, das weiß ich aus unserer gemeinsamen Vergangenheit.

»Nicht so stark!« Aber es ist natürlich hoffnungslos.

Ich greife nach der Fernbedienung, mache ihren Fernseher an, zappe zu Netflix und suche Alias Grace, die Serie, die wir gemeinsam schauen. Obwohl man eigentlich sagen muss, die Serie, die den Soundtrack zu unseren Gesprächen bildet, denn mitbekommen tun wir eigentlich nicht so viel.

»Hier, Chica. Ein Mojito für deine Gedanken.«

Ich lache auf. »Die sind so schwarz wie meine Seele.«

»Wenn jemand keine schwarze Seele hat, dann du.«

»Du weißt auch nicht alles.«

»Aber mehr als genug. Du, meine Süße, bist der liebste Mensch auf dieser Welt.«

»Ach, du.« Ich schaue nach unten, weil ich nie weiß, wie ich mit Komplimenten umgehen soll. Es ist mir unangenehm, wenn jemand etwas Positives sagt. Es fällt mir viel leichter, negativen Kommentaren zu glauben.

Sie zuckt mit den Schultern und lässt sich neben mir nieder. »Nur die Wahrheit. Cheers!«

Wir stoßen an, und ich trinke den ersten Schluck. Als ich aufhöre zu husten, sage ich: »Du weißt echt nicht, was stark und was schwach bedeutet.«

»Oh, wolltest du ihn stärker?«

»Unverbesserlich.«

Sie grinst. »Erzähl mir, wie es dir in den letzten zwei Wochen ergangen ist.«

»Es gibt nichts zu erzählen.«

»Ach, komm. Es gibt immer was zu sagen.«

»Mr Coulten findet, dass ich zu nett am Telefon bin. Ich soll alle schneller abwimmeln.«

»Siehst du?« Sie deutet mit ihrem Drink auf mich. »Du bist so nett.«

»Aber daran ist ja auch nichts verkehrt, oder?«

»Da dran ist rein gar nichts verkehrt, wenn du dir nicht immer alles so zu Herzen nehmen würdest.« Staci spielt mit dem Strohhalm, der in ihrem Glas steckt. Ich mag alles an ihr, aber ihre Hände und Finger, die scheinbar niemals stillstehen, faszinieren mich besonders. Vielleicht weil sie so vollkommen anders aussehen als meine; so schlank und lang und elegant.

»Tu ich nicht.«

»Reden wir über was anderes. Was hast du diese Woche geschneidert?«

Ich lächele. »Ich hab diese Wickelbluse beendet, von der ich dir erzählt habe.«

»Oh, wie sieht sie aus?«

»Sie ist echt schön geworden.«

»Hat sie einen tiefen Ausschnitt?«, fragt sie ein wenig lasziv.

»Das Original hatte einen, aber ich hab sie abgewandelt, sodass man sie draußen tragen kann.«

»Man kann auch tiefe Ausschnitte draußen tragen. Mach ich die ganze Zeit.«

»Ja, du. Du bist aber auch schlank wie eine Elfe und siehst auch sonst so aus.« Manchmal frage ich mich, wieso sie nicht einfach aufgibt. Sie weiß, dass sie mich nicht umstimmen kann, wieso versucht sie es immer und immer wieder?

Sie setzt sich auf, beugt sich zu mir. »Nichts an dir ist verkehrt.«

Weil mir die Tränen in die Augen steigen, wedele ich mit der Hand zwischen uns durch die Luft. »Was gibt es denn bei dir Neues?«

Sie drückt meine Hand, bevor sie sagt: »Wir haben vorgestern ein Projekt finalisiert und übermorgen beginnt das neue. Darauf bin ich schon echt gespannt, weil ich glaube, dass es eine wichtige Message hat, gerade in der ganzen #Metoo-Debatte. Es geht um eine Transfrau, die für den Kongress kandidiert. Und das Besondere ist, dass die Schauspielerin auch tatsächlich trans ist. In den Vorgesprächen hat sie mir Dinge erzählt, oh Mann! Sie bekommt all den Sexismus ab, den beinahe jede Frau abbekommt, aber zusätzlich muss sie sich noch mit Transphobikern herumschlagen. Also muss sie nicht, aber tut sie. Du solltest ihr auf Twitter folgen. Sie macht das mit so viel Klasse, man kann ihr echt nur applaudieren. Niemals lässt sie sich auf das niedrige Niveau ein, sondern schlägt all diese Hater mit Intelligenz, Charme und Witz. Es ist einfach beeindruckend, dass es Menschen gibt, die sich freiwillig in den Sturm stellen und diesen nicht nur aushalten, sondern ihn jagen.« Staci geht immer so vollkommen in ihren Projekten auf. Wenn ich mal groß bin, möchte ich auch einen Job, für den ich so richtig brenne.

»Anders als ich.«

»Das meinte ich nicht. Jeder ist anders. Ich glaube auch nicht, dass ich das könnte.«

»Du machst es doch.«

Sie zuckt mit den Schultern. »Aber doch nur unter vereinfachten Umständen. Ich hab noch nie negative Bemerkungen zu meinem Körper oder meinem Aussehen bekommen. Klar, es gab immer mal ein paar sexistische Bemerkungen, aber im Grunde muss ich nicht aushalten, was andere aushalten müssen.«

»Mit hübschen Frauen will es sich halt niemand verscherzen.«

Sie wiegt den Kopf hin und her. »Weiß ich nicht. Erinnerst du dich an diesen Typen, der mich mal auf einen Drink eingeladen hat, und als ich ablehnte schrie er: ›Du bist eh hässlich, du Fotze.‹?«

»Oh ja, an den erinnere ich mich. Am liebsten hätte ich mich auf ihn gesetzt.«

»Mach nicht so gemeine Scherze.«

»Sorry, es ist auch wirklich gemein, wenn ich mich auf jemanden setze.«

»Das mein ich gar nicht. Du sollst nicht so despektierliche Scherze über dich selbst machen.« Ich hatte sie natürlich verstanden, aber es ist einfacher, so zu tun, als wüsste ich nicht, was sie meint. Die ganze Zeit nur an den Fransen der grauen Decke zu zupfen, ist auch keine gute Idee.

»Aber das ist eine echt gute Verteidigungsstrategie.«

»Witze machen, damit niemand merkt, wie verletzt du bist?«

»Nein, sich auf Menschen draufsetzen, die einem blöd kommen.«

»Hör auf. Nicht hier, okay? Ich verstehe, dass das Selbstschutz ist, aber hier gibt es keine Angreifer.«

»Ich weiß.« Sie ist der einzige Mensch, bei dem ich mich wohlfühle. Aber es ist nicht immer leicht, das Kettenhemd abzulegen, wenn man es den ganzen Tag trägt.

»Es ist schon zweite Natur, nicht?«

Ich zucke mit den Schultern. »Erste, würd ich sagen.«

»Du weißt, dass du großartig bist.«

»Nicht, bitte.« Die Tränen steigen schon wieder auf.

»Wenn ich es dir nicht sage, wirst du es nie glauben.«

»Ich glaub es auch nicht, wenn du es sagst.«

»Ash …«

»Nicht, wirklich. Es gibt auch wieder bessere Tage.«

Sie nickt. »Okay, dann trinken wir noch mehr Mojitos.«

»Ja, bitte.« Ich trinke den letzten Rest aus meinem Glas und halte es ihr hin.

Während sie in die Küche geht, konzentriere ich mich auf die Serie, aber ich habe gar keine Ahnung, um was es da eigentlich geht. Die Stimmen erfüllen dennoch ihren Zweck. Mein Kopf wird leichter, all die trüben Gedanken verblassen, zumindest so weit, wie sie können. Irgendwo tief in mir drinnen bleiben all diese fiesen, aber doch so realen Gedanken immer da.

»Hier kommt Ihr Drink, Milady. Was hab ich verpasst?«

»Ich hab nicht hingesehen.«

»Ach, Ash, du musst doch wenigstens aufpassen, wenn ich es nicht tue!« Sie grinst, bevor wir anstoßen. »Mir ist übrigens was Megatolles eingefallen.«

»Wenn du das in einem solchen Tonfall vorträgst, sage ich direkt Nein.«

»Wir melden dich bei einer Dating-Plattform an!«

»Nein.«

»Aber …«

»Nein.«

»Ich …«

»Nein.«

»Ashley!«

»Nein.«

Sie lacht. »Trink aus.«

»Wenn ich betrunken bin, sage ich immer noch Nein.«

»Wir werden sehen.«

»Ich mein es ernst. Ich will das nicht.« Ich kann mir ehrlich gesagt nichts Schlimmeres vorstellen, als zu daten. So masochistisch bin ich auch nicht.

»Aber sehnst du dich nicht nach einem Mann, der dich auf Händen trägt?«

»Falsches Bild. Jeder Mann, der mich auf Händen trägt, bricht zusammen.«

»Schon wieder.«

»Sorry.«

»Bei mir musst du dich nicht entschuldigen. Vielmehr bei dir selbst.«

»Von mir selbst bin ich nichts anderes gewohnt.«

»Das ist so traurig.«

Ich beende meinen Mojito. »Ich brauch noch mehr.«

Sie steht auf. »Aber dieses Mal passt du auf.«

Als sie wiederkommt, bringt sie eine Flasche Baileys mit. »Mojito ist alle. Nach diesem hier trinken wir Baileys.«

»Du willst mich echt abfüllen.«

»Vielleicht, vielleicht auch nicht.«

Ich grinse, bin schon leicht angeschickert. So häufig trinke ich nicht, dass es spurlos an mir vorbei gehen würde. Alkoholtechnisch kann man mich als Leichtgewicht bezeichnen. Das finde ich so amüsant, dass ich laut loslache.

Staci lacht mit, auch, wenn sie keine Ahnung hat, was ich so lustig fand. Wenn sie es wüsste, würde sie wahrscheinlich nicht lachen.

Als ich mich beruhigt habe, sage ich: »Natürlich hätte ich gerne einen Freund, aber wie realistisch ist das für so eine dicke, hässliche Frau wie mich?«

»Hör auf, so was über meine beste Freundin zu sagen!« Ihr treten Tränen in die Augen.

»Was denn, Stace? Ich bin nun mal dick.«

»Aber du bist nicht hässlich! Und ich kann es nicht ertragen, wenn du dich selbst immer so niedermachst.« Sie hat leicht reden. So sehr ich sie liebe, sie kann eben nicht verstehen, was ich jeden Tag durchmache. Manchmal bin ich einfach so müde, alles einfach so leid.

»Schön bin ich eben nicht. Ich hab mich schon lange damit abgefunden.«

»Du redest so einen Scheiß, Delaney. Du bist wunderschön.« Ihre blauen Augen funkeln mich an, aber ich weiß, dass sie nicht sauer ist, sondern nur leidenschaftlich. Das ist sie immer, wenn es um die Menschen geht, die sie liebt.

»Du musst mich nicht anlügen. Okay? Ich hab selbst Augen im Kopf.«

»Dann lügen sie dich an. Ich tue es nicht.«

»Jetzt kommst du wieder mit deinem ›schöneren Inneren‹.«

Sie schüttelt den Kopf. »Dein Inneres ist wunderschön, aber das ist auch dein Äußeres.«

»Ach, hör auf.«

»Nein, du hörst mir jetzt mal zu! Das muss dringend gesagt werden. Deine Mutter ist ’ne Riesenbitch. Seit Jahren macht sie dich fertig, und du glaubst ihr jedes Wort! Warum glaubst du mir nicht jedes Wort? Wenn ich dir sage, dass du schön bist, denkst du, ich mache Witze. Die ganze Zeit machst du dich selbst nieder. Ich ertrage das nicht. Wieso sagst du so schlimme Dinge über meinen Lieblingsmenschen?« Wenn ich mich selber niedermache, muss es niemand anderes tun, schießt es mir durch den Kopf. Wie in einer endlosen Schleife ziehen Erinnerungsfetzen vor meinem geistigen Auge vorbei, in denen fremde Menschen und auch solche, die ich kannte, abfällige Kommentare über mein Aussehen vom Stapel ließen. Zu dick, zu hässlich, zu dumm, zu ekelig … Jedes einzelne Wort hat sich in mein Herz gebohrt, hat dafür gesorgt, dass meine Haut dicker wurde, und doch war sie niemals dick genug.

»Ich sag diese Sachen über mich. Ich würde niemals jemand anderen beleidigen.«

»Aber es verletzt mich, wenn du so von dir denkst. Du bist so ein besonderer Mensch, intelligent, witzig, gutherzig und liebenswert. Ich wüsste nicht, was ich ohne dich tun würde. Du bist mein Anker und ich liebe dich. Und deswegen tut es mir weh, wenn du solche gemeinen Sachen zu dir selbst sagst.«

»Staci …«

»Nein! Wie hast du dich gefühlt, als der eine Typ mich als Fotze bezeichnet hat? Du warst wütend und du bist ja gerade immer noch wütend gewesen.«

»Das ist doch was anderes.«

»Nein, ist es nicht. Ich liebe dich und ich will nur gute Dinge über dich hören, weil ich nur gute Dinge über dich sagen kann.«

Und dann fallen wir uns weinend in die Arme.

»Es tut mir leid, dass ich dich zum Weinen gebracht habe.«

»Ich hab dich so lieb.«

»Ich wüsste nicht, was ich ohne dich tun würde.«

»Ohne dich würde ich sterben.«

»Ich auch.«

»Toll, wir zwei emotionalen Hühner mal wieder.« Ein wenig unsicher kichern wir beide, schauen uns an, und müssen dann doch wieder lachen.

Staci löst sich von mir. »Trinken wir noch was.«

Sie schüttet Baileys in die Gläser, die sie mitgebracht hat. Nicht gerade Trinkgläser, aber Shotgläser sind auch etwas anderes.

»Ich hab dich lieb«, sagt sie und hebt ihr Glas.

»Ich dich auch. Du bist auch mein Lieblingsmensch.«

Als die erste Flasche leer ist, kommt irgendwoher eine zweite und mehr weiß ich nicht.

2

Oh … Au … Mein Kopf. Ich greife an dieses viel zu große Gebilde auf meinen Schultern, das wie bescheuert pocht. Was ist geschehen?

Mein Blick fällt auf den Tisch voller leerer Gläser und Flaschen. Haben wir auch noch Bier getrunken? Und Sekt? Ich versuche einen klaren Kopf zu bekommen, aber das scheint utopisch zu sein, wie mir das Sammelsurium an verschiedenen Gefäßen zeigt.

Ich setze mich auf, wobei ich meinen Kopf festhalten muss, sonst würde er vielleicht auf der Armlehne der Couch liegen bleiben. Als ich aufrecht sitze, sehe ich Staci mit wirren Haaren am anderen Ende des Sofas liegen. Unverantwortlich. Zwei erwachsene Frauen, die sich mitten in der Woche betrinken.

Suchend taste ich nach meinem Handy, checke die Uhrzeit und sehe, dass ich viel zu spät zur Arbeit kommen werde. Mist. Schnell rufe ich an und melde mich krank, was ich hasse. Ich will nicht wissen, was Mr Coulten jetzt wieder denkt.

Und dann lege ich mich wieder zurück.

Ich werde wieder wach, weil es an meiner Schulter ruckelt.

»Aufstehen. Wir haben verschlafen.«

Ich öffne ein Auge. »Ich hab mich krank gemeldet.«

Sie atmet auf. »Dann ist ja gut. Ich hab heute eh frei.«

»Perfekt.«

Ich will die Augen wieder zumachen, aber sie hantiert am anderen Ende des Sofas herum, sodass sich die Couch immer wieder bewegt.

»Was machst du da?«

»Ich guck mal im Internet.«

»Was guckst du da?« Schwerfällig setze ich mich auf. Und sehe ihren schuldbewussten Blick. »O Gott, was hast du getan?«

»Gar nichts.«

»Sag.«

»Nun ja, wir haben gestern doch noch ein Profil für dich erstellt.«

»Was?«

»Auf dieser Datingseite.«

Ich schließe die Augen, begreife ihre Worte erst gar nicht, oder wünschte zumindest, dass ich sie nicht verstehen würde. »Das hast du nicht getan.«

»Hey, ich war es nicht alleine. Wir waren das zusammen.«

»Ja, klar. Ich bin auf die Idee gekommen.«

»Vielleicht hatte ich die Idee, aber du hast mitgemacht.«

»Weil du mir mal wieder keine Wahl gelassen hast.«

»Das ist nicht fair … oh.«

»Was?«

Sie schaut mich an und reicht mir den Laptop. »Du hast einhundertvierzehn Anfragen.«

»Häh?«

»Einhundertvierzehn! Einhundertvierzehn Männer wollen dich kennenlernen. Okay, wahrscheinlich wollen sie dich flachlegen, aber einhundertvierzehn Männer haben Interesse.«

»Du lügst.«

»Nein, schau, da!« Sie zeigt auf das kleine Mail-Icon, das die Zahl einhundertvierzehn ziert. Während ich darauf starre, geht plötzlich ein Fenster auf. Sie haben eine neue Nachricht und einhundertfünfzehn ungelesene Nachrichten.

Diese Zahl ist unbegreiflich.

»Bestimmt wollen sie mir alle nur sagen, dass ich fett bin.«

»Das ist eine Datingseite für Menschen mit mehr dran. CurvyLove.«

»Du hast mich auf einer Datingseite für Dicke angemeldet? Aber ich stehe gar nicht auf dicke Männer.«

Sie lächelt. »Es ist für Dicke und Liebhaber von Dicken.«

Ich lache auf, wobei mir der Schädel dröhnt. »Es gibt doch keine Liebhaber von Dicken.«

Sie zeigt auf die einhundertsechzehn. »Offensichtlich schon.«

»Ich wette, da stehen nur Gemeinheiten drin.«

»Mach mal eine auf.«

Widerwillig drücke ich den Button und öffne dann die erste Nachricht.

Hi Butterblume,

mein Name ist Teddy. Ich suche nach einer echten Frau mit Kurven, die aber auch etwas im Kopf hat. Ich würde gerne mehr von dir sehen.

Schöne Grüße

Teddy

»Siehst du?«, kreischt Staci ungefähr vier Oktaven zu hoch.

»Nicht so laut. Mein Kopf.«

»Sorry«, schreiflüstert sie. »Aber ich hatte recht! Alle wollen dich. Und mich wundert das gar nicht. Du bist ja auch phänomenal.«

Ich klicke auf die nächste Nachricht. »Wer ist eigentlich auf Butterblume gekommen?«

»Ich«, gibt sie zu.

»Kreativ.« Und dann fällt mir noch etwas ein. »Hab ich ein Foto?«

»Natürlich! Hältst du mich für eine Amateurin?«

»Oh nein. Welches?«

Sie legt die Finger aufs Touchpad und navigiert zu einem kleinen Kreis. Sie klickt drauf, und das Foto erscheint. Ich stehe im Sonnenschein, trage eines meiner selbstgeschneiderten Kleider – genauer mein absolutes Lieblingskleid, das einen schönen weitschwingenden Rock hat, und aus einem so satten Lila ist, dass es als Sommerkleid schon fast zu dunkel ist – und lache. Ich erinnere mich an die Situation. Wir waren ins Hinterland gefahren, um einfach mal ein bisschen raus aus der Stadt zu kommen. Wir sind spazieren gegangen, langsam, aber dennoch eine weite Strecke durch spärliche Vegetation, versetzt mit vielen Felsbrocken und diesem atemberaubend blauen Himmel. Der Himmel in Südkalifornien ist manchmal nicht sehr leuchtend, aber an diesem Tag hat er geradezu gestrahlt. Und irgendwann hat Staci einen so albernen Witz erzählt, dass ich laut losgelacht habe.

»Ich wusste gar nicht, dass du davon ein Foto gemacht hast.«

»Doch, hab ich. Es ist mein Lieblingsfoto von dir.«

»Es ist nicht ganz so furchtbar«, gebe ich zu, nachdem ich all die Problemzonen abgesucht habe. Kein Doppelkinn, keine Speckfalten zu sehen. Für meine Verhältnisse also ein gutes Foto. Besser wäre es noch, wenn ich nicht drauf wäre.

»Es ist wunderschön. So wie du.«

Statt ihr zu antworten, kehre ich zur zweiten Nachricht zurück.

Wow, Butterblume! Du hast so eine Wahnsinnsausstrahlung. Ich würde dich unheimlich gerne kennenlernen. Du bist eine echte Traumfrau.

Bei diesen Worten fühle ich die Hitze in meine Wangen steigen. Niemand hat mich je eine Traumfrau genannt. Aber dann erinnere ich mich selbst daran, dass er es gar nicht ernst meinen kann. Was er damit erreichen will, weiß ich nicht, aber ehrlich ist es auf keinen Fall gemeint, so wie es Derek Hanson in der achten Klasse auch nicht gemeint hat, als er mir ständig Komplimente machte, nur um sich dann über mich lustig zu machen, als ich dachte, sie seien ernst gemeint.

»Vielleicht glaubst du ihm die Worte. Klick mal auf sein Profil und schau, wie er aussieht.«

Ich mache, was sie sagt, aber als ich das Bild von dem glatzköpfigen Mann Mitte Fünfzig sehe, muss ich leider sagen, dass er nicht mein Typ ist. Und es tut mir leid, dass ich ihn aufgrund seines Äußeren ablehne, wenn es mich doch verletzt, wenn andere es bei mir tun.

»Nee, der nicht«, meint Staci.

»Aber ist es nicht falsch, jemanden nur aufgrund seines Äußeren abzulehnen?«

Sie zuckt mit den Schultern. »In einer idealen Welt würde es nicht um Äußerlichkeiten gehen, aber jeder hat nun mal seine Präferenzen. Du musst nicht jeden attraktiv finden, nur weil er dich gutfindet. Dich findet ja auch nicht jeder attraktiv, zu dem du dich hingezogen fühlst. Oder?«

»Ja, weil ich fett bin. Aber …«

»Wenn du jetzt sagst, du musst dich mit dem zufrieden geben, was du kriegen kannst, werde ich dich leider schlagen müssen. Du darfst auch deinen eigenen Geschmack haben.«

Ich wollte tatsächlich sagen, dass ich mit dem zufrieden sein muss, was ich kriegen kann, denn bisher hatte ich ja einfach noch gar nichts. Aufmerksamkeit von irgendwem ist auf jeden Fall besser als gar keine. Oder?

»Ich guck mir die anderen Nachrichten zu Hause an.«

»Aber wehe du löschst deinen Account. Hast du verstanden?«

Sie kennt mich einfach zu gut. »Aber das ist so entwürdigend.«

»Wieso entwürdigend? Du schreibst mit ein paar Männern, sonnst dich in ihren Komplimenten, triffst vielleicht mal einen …«

»Treffen?«, quietsche ich.

»Ja, treffen. Vielleicht auch mit mehreren.«

»Gleichzeitig?«

»Nicht zeitgleich, aber man kann mehrere Männer daten.«

»Ich weiß ja nicht.«

»Solange man keine Exklusivität verspricht, kann man treffen, wen man will.«

»Fändest du es nicht komisch, wenn sich der Typ noch mit anderen treffen würde?«

»Nein.«

»Und wenn du in ihn verliebt bist?«

»Dann sage ich ihm, dass ich exklusiv sein will.«

»Hm. Okay. Ich muss wohl noch viel lernen.«

Sie grinst. »Aber du willst es lernen. Das ist doch ein gutes Zeichen.«

Verdammt, sie hat mich erwischt. Denn ich bin schon neugierig auf all die Nachrichten. Ich denke zwar immer noch, dass sie nicht ernst gemeint sind, dass sie einen anderen Hintergrund haben, dass viele von den hundert Nachrichten nur gemeine Worte enthalten werden. Aber neugierig bin ich trotzdem. Vielleicht auch nur masochistisch.

»Ich fahr mal lieber nach Hause.«

»Alles klar. Meld dich, wenn du Flirttipps brauchst.«

»Niemand wird mit mir flirten. Vielleicht wollen sie nur mal ausprobieren, wie es ist, mit einer Dicken zu schlafen.«

»Du bist einfach unverbesserlich.«

Aber wie kann ich es auch nicht sein? Es war ja nicht nur Derek Hanson, der mir etwas vorgegaukelt hat. Auch zwei Jahre danach gab es so einen Typen. Ich würde gerne sagen, dass ich mich nicht an seinen Namen erinnere, aber er wird wahrscheinlich für den Rest meines Lebens in mein Gedächtnis gebrannt sein. Connor Bartlett. Oh Gott. Ich war so verliebt in ihn. So lange schon. Derek war mir immer egal gewesen, aber Connor … Und als er mir dann Avancen machte, habe ich mein Gehirn ausgeschaltet. Anders kann man es gar nicht ausdrücken. Es war die Erfüllung eines langgehegten Wunsches.

Ich schließe die Augen, und versuche die Erinnerungen zu vertreiben, weil sie mich schwach machen. Jedenfalls glaube ich seitdem einfach nicht, dass es Männer gibt, die auf dicke Frauen stehen. Es ist ja auch einfach eklig. Ich mag mich selbst nicht anfassen, wie kann ich das von jemand anderem verlangen?

Staci bringt mich zur Tür. »Sei ein bisschen netter zu dir selbst. Du bist nämlich ziemlich großartig.«

Bevor ich wieder in Tränen ausbrechen kann, fliehe ich lieber in mein babyblaues Auto. Ich weiß, dass sie es nett meint, aber diese ganzen unwahren Worte tun mir weh. Ich wäre gerne großartig, aber ich bin es einfach nicht. Wieso muss sie da immer wieder drauf rumreiten?

Mom und Dad haben nicht gemerkt, dass ich die Nacht woanders verbracht habe. Wundern tut es mich nicht, einen Stich versetzt es mir trotzdem, weil ich ihnen so egal bin und sie nicht einmal für einen kleinen Moment echtes Interesse an mir zeigen können.

»Dein Vater wurde für einen Emmy nominiert!«, ruft Mom, als ich in die Küche komme.

Mein Vater, der Regisseur von vielen Fernsehserien, nickt bescheiden. Seit Jahren wünscht er sich schon durchschlagenden Erfolg und Anerkennung durch seine Kollegen. Und obwohl viele seiner Serien kommerziell erfolgreich waren, hat es doch nie für eine Nominierung gereicht.

»Das ist so großartig«, sage ich und meine es auch. Ich wünsche mir Erfolg für meine Familie. Und ich habe dabei auch nicht den Hintergedanken, dass sie mich in Ruhe lassen, wenn sie vom Erfolg vereinnahmt sind.

»Chad war übrigens nicht erfreut, dass du heute Morgen nicht zu deiner Sportstunde da warst«, sagt Mom dann. »Wie willst du abnehmen, wenn du nicht mal zwei Tage lang dein Sportprogramm durchhältst?«

Ich hatte meine Mauern nicht oben, weil ich mich so für Dad gefreut habe, daher zwicken ihre Worte mehr als üblich. Statt zu antworten, gehe ich zur Treppe, um mich in meinem Zimmer zu verstecken.

»Ich weiß, du findest, dass ich gemein bin. Aber ich will doch nur dein Bestes. Du hast so ein schönes Gesicht, aber der Rest ist eben nicht so schön. Gesund ist das ja auch ganz sicher nicht«, ruft sie mir hinterher.

Langsam gehe ich die Stufen hinauf. Wenn ich für jedes Mal, dass meine Mom ›Du hast so ein schönes Gesicht, aber …‹ gesagt hat, einen Penny bekommen hätte, wäre ich heute schon Millionärin.

Es macht mich traurig. Nicht weil ich denke, ich wäre so schön, aber weil man für seine Mom doch immer schön sein sollte. Sie sollte die eine Person sein, die auch das hässlichste Kind schön findet, egal was die Realität ist. Aber vielleicht haben all die Bücher und Filme, die Serien und Lieder einfach Unrecht, und Mutterliebe ist gar nicht so bedingungslos, wie alle uns weismachen wollen. Bevor mich diese Idee auffrisst, schiebe ich sie in eine Ecke. Dorthin, wo meine Truhe mit all den schlimmen Erinnerungen steht, an die ich nicht denken will. Mit Ketten und Schlössern habe ich sie gesichert, um bloß nicht ständig den Boden unter den Füßen weggezogen zu bekommen. Und jetzt stopfe ich auch diesen Gedanken hinein, so tief, wie es eben geht.

Als ich in mein Zimmer komme, fällt mein Blick auf meine Schneiderpuppe. Roter Stoff umwickelt sie. Ich wollte mal etwas Bunteres ausprobieren. Normalerweise nehme ich nur gedeckte Farben, weil ich nicht auffallen will. Aber ein rotes Oberteil ist etwas, was ich schon immer gerne haben wollte. Gleichzeitig habe ich Angst vor der knalligen Farbe. Wenn man rot trägt, kann man sich nicht verstecken, auch dann nicht, wenn man es will.

Als mich das Rot jetzt aber so anstarrt, halte ich es plötzlich für eine ganz schlechte Idee. Bevor ich den Stoff verbrennen kann, nehme ich lieber meinen Laptop und logge mich bei CurvyLove ein. Es muss meine selbstzerstörerische Ader sein, anders kann ich es mir nicht erklären. Ich glaube nicht, dass es mir besser gehen wird, wenn ich die ganzen Lügen lese. Trotzdem zieht es mich wie magisch an. Ich will wissen, was sie schreiben, auch dann, wenn ich nichts weiter tun werde, als die Nachrichten zu lesen.

Ja, klar, treffen. Manchmal ist Staci einfach verrückt.

Als mir auffällt, dass ich die Login-Daten gar nicht habe, texte ich Staci. Zum Glück ist sie handysüchtig und daher bekomme ich sie beinahe sofort.

Mittlerweile sind es einhundertdreiundvierzig ungelesene Nachrichten. Wieso machen sich so viele Menschen einen Spaß daraus, jemand anderen zu quälen?

Und wieso mache ich mit?, frage ich mich, während ich auf die dritte Nachricht klicke.

Damit du was von mir weißt: 1,89m, 95kg, schwarze Haare, grüne Augen.

Ich bin sehr dominant, sadistisch nur, wenn du es möchtest. Ich will dich zur Sklavin ausbilden.

Mir fallen beinahe die Augen aus dem Kopf, aber ich kann auch nicht aufhören, den Text zu lesen.

Ich hab viel Erfahrung damit. Nicht dass du denkst, ich wäre so ein Möchtegern-Dom. Hab auch schon Sklavinnen für andere ausgebildet. Bin erfahren. Es geht dabei nicht ums Ficken, sondern ums Spiel von Vertrauen und Unterwerfung, Demütigung und Dominanz.

Aber keine Sorge, wirst auch gefickt werden, so gut wie nie zuvor.

Ich mag es auch, meine Sklavinnen anzukleiden, nuttige Klamotten, Zellophanfolie, Korsagen, High Heels. Und dann will ich dich zeigen. Keine Sorge, nur da, wo uns keiner kennt.

Ich will keinen One-Night-Stand, sondern eine feste Dom-Sklavin-Beziehung, denn nur so kann das Vertrauen entstehen, das du brauchst, um dich von mir an deine Grenzen bringen zu lassen und darüber hinaus.

Und das war es. Kein Hallo, kein Tschüss, kein Name. Offensichtlich braucht der Dom von Heute keine Manieren. Ich habe wie alle Fifty Shades of Grey gelesen, daher weiß ich, dass es so etwas gibt, aber ich sehe mich wirklich nicht als Sklavin. Als ich auf sein Profil klicke, finde ich kaum Angaben, keine Fotos. Unter sexuelle Vorlieben steht bizarr. Manche Sachen kann man einfach nicht ungesehen machen. Schnell weg. Nachricht vier.

Hey, ich würd dich gerne mal was fragen. Es ist schon ziemlich krass, will daher nicht mit der Tür ins Haus fallen, will schließlich nicht, dass du dich erschreckst. Darf ich fragen?

Diese Nachricht verstört mich irgendwie. Zum einen verstehe ich den Sinn der Frage nicht. Entweder man stellt seine Frage oder man lässt es eben, aber wieso sich die Erlaubnis holen, eine krasse Frage stellen zu dürfen, ohne dass man weiß, was für eine krasse Frage es sein soll. Ich lösche die Nachricht lieber sofort.

Nachricht fünf besteht aus Hi. Das ist schon ein bisschen armselig.

Während ich die Nachrichten durchklicke, ploppt auf einmal ein Fenster auf und zeigt mir an, dass ich eine neue Nachricht von Teddy habe, dem Mann, der mich als Traumfrau bezeichnet hat. Ich klicke darauf.

Hallo Butterblume, ich hab gesehen, dass du meine Nachricht gelesen hast. Leider hast du dich nicht gemeldet. Schade. Was habe ich falsch gemacht?

Man kann sehen, wenn jemand die Nachricht gelesen hat? Im Ernst? O mein Gott. Das setzt mich jetzt viel zu sehr unter Druck. Ich klappe den Laptop zu und rufe Staci an.

»Ja?«

»Die sehen, wenn ich die Nachricht gelesen habe und nicht antworte!«

»Klar, du siehst auch, ob jemand deine Nachricht gelesen hat.«

»Aber der eine hat mich angeschrieben, wieso ich nicht geantwortet habe und was er falsch gemacht hat.«

»Was? Also, das geht gar nicht. Dem antwortest du auf keinen Fall. Ich hasse es, wenn sie versuchen, einem ein schlechtes Gewissen aufzudrängen.«

»Passiert das oft?«

»Manchmal, aber die meisten reagieren nicht darauf. Ich zum Beispiel schaue nicht mal nach, ob jemand meine Nachricht gelesen hat oder nicht.«

»Du schreibst manchmal jemanden an?«

Sie lacht. »Na klar. Aber momentan bin ich meist auf Tinder unterwegs, da ist das Swipen ja die erste Kontaktaufnahme.«

»Hm, ich weiß echt nicht, Staci.«

»Wieso denn nicht?«

»Da will mich einer zur Sklavin ausbilden.«

»Verrückte gibt es überall.«

»Ich weiß nicht. Echt.«

»Dann gib doch bei deinen sexuellen Vorlieben an, dass du nur auf Vanilla stehst.«

»Was steht denn da jetzt? Doch hoffentlich nicht bizarr?«

»Ich glaub, wir haben nichts angegeben. Du sagtest, dass du ja nicht weißt, worauf du stehst.«

»Stimmt ja auch. Allerdings glaube ich nicht, dass ich mit irgendeinem der Typen auch nur ansatzweise zu Sex komme.«

»Sag niemals nie.«

»Ich leg jetzt auf.«

»Hast du schon alle Nachrichten gelesen?«

»Nein. Ich hab nach fünf eine Pause gebraucht.«

»Lies weiter. Und wenn eine sympathische Nachricht dabei ist, dann antworte. Mindestens auf eine Nachricht musst du antworten. Okay? Probier es einfach mal aus.«

»Ich schau mal.«

»Versprich es!«

»Tschüss.«

Ich lege auf, bevor sie mich festnageln kann. Aber dann kommt eine Textnachricht. »Versprich es!« Sie kann es einfach nicht lassen.

Ich schnappe mir meinen Laptop, lösche die Nachrichten von Teddy und mache mich daran, die anderen Nachrichten zu lesen.

Hey, darf ich mal was fragen? Ziehst du den Männern gerne das Geld aus der Tasche? Will mal so richtig ausgenutzt werden von einer geilen Geldhure.

Bei solchen Nachrichten weiß ich nicht, ob sie überhaupt ernst gemeint sein können. Und was ist eine Geldhure?

Hallo Butterblume, dein Bild gefällt mir sehr. Dein Lachen ist einfach umwerfend. Man sieht dir an, wie viel Spaß du am Leben hast. Vielleicht hast du ja Lust zu schreiben? Ich bin Jordan, zweiunddreißig, Anwalt aus L.A. Ich geh gern Surfen, wandern und unternehme einfach gerne was. Ich würd mich freuen, wenn du Lust hättest, mich kennenzulernen. Ich habe kein Foto in meinem Profil, aber ich habe dich für meine Privatsektion freigeschaltet. Keine Sorge, die Bilder sind alle jugendfrei. Liebe Grüße Jordan

Veröffentlichen Menschen wirklich so einfach nicht-jugendfreie Fotos auf einer Datingseite? Ich meine, so als erste Kontaktaufnahme erscheint mir das ein wenig forsch. Je mehr ich vom organisierten Dating erfahre, desto bewusster wird mir, dass ich eigentlich gar nicht mehr wissen will. Ich klicke auf sein Profil, und lese mir durch, was da geschrieben steht. Gott sei Dank steht er nicht auf bizarr. Oder ist zumindest so schlau, es nicht zu verkünden.

Jeder, wie er will, aber für mich ist das einfach nichts. Zumindest glaube ich das. Meine eigene Erfahrung geht ja gegen null. Oder ist besser gesagt gleich null.

Ich klicke auf das kleine Wörtchen privat und falle beinahe in Ohnmacht, als ich die Bilder von ihm sehe. So ein Mann steht auf Dicke? Auf mich? Schnell sage ich mir, dass das nicht stimmen kann, aber Holy Guacamoly. Der Mann ist heiß.

Drei Fotos hat er in seinem Profil, und ich screenshotte sie alle direkt, damit ich sie mir so oft ansehen kann, wie ich möchte. Auf dem ersten Foto trägt er Jeans und T-Shirt, ein Basecap und eine Sonnenbrille. Seine Daumen stecken in seinen Hosentaschen und er grinst. Seine weißen Zähne heben sich von seiner dunklen Haut ab. Auf dem zweiten Bild steht er mit dem Rücken zum Fotografen, oben ohne, kein Cappy, sondern kurze dunkle Haare. Aber dieser Rücken! Also, der ist doch gephotoshopt. Mir kann niemand erzählen, dass so etwas in Wahrheit existiert. Auf dem dritten Foto trägt er Anzug und Krawatte. Sein Business-Outift, denke ich. Er lächelt leicht, nicht zu viel. Er sieht wie der professionelle Anwalt aus, der er zu sein vorgibt.

Heiß. Was anderes kann man nicht sagen. Aber so jemand steht doch nicht auf mich Schwabbelmonster.

Ich klicke noch einmal zu seinem Profil. 1,93 m und fünfundneunzig Kilo. Hört sich sexy an. Er hat ein Zitat des Dalai Lama dort stehen. Er mag Rock und R’n’B, Jazz und Soul. Seine Lieblingsfilme sind Blind Side – Die große Chance mit Sandra Bullock, Hidden Figures – Unbekannte Heldinnen mit Taraji P. Henson und Black Panther.

Das hört sich alles zu gut an, um wahr zu sein an. Wieso ist er Single? Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendeine Frau ihn gehen lassen würde.

Noch einmal betrachte ich die Fotos.

Nie im Leben meint er es ernst. Nie im Leben.

Ich schicke Staci die Fotos.

Wow! Wie heiß ist der denn? Hat er dir geschrieben? HAST DU GEANTWORTET?

Nein, hab ich nicht. So einer kann überhaupt nicht auf mich stehen.

Wieso denn nicht? Du bist witzig und klug und schön und jeder Mann kann sich glücklich schätzen, dich zu haben. Ich such mal eben in der Bildersuche.

Ich weiß nicht, was die Bildersuche ist, daher antworte ich nicht. Erst recht nicht, weil sie schon wieder so einen Blödsinn verzapft. Kann sie das nicht mal lassen? In ihrer nächsten Nachricht ist ein Link, den ich anklicke. Neugier wird irgendwann mein Untergang sein.

Der Link führt mich auf eine Seite mit dem Anzugfoto. Daneben steht sein Name: Jordan Preston, Anwalt für Medienrecht bei Warner, Connelly und Winters.

Das sind ganz offensichtlich seine eigenen Bilder. Du wärst schön blöd, wenn du dich nicht an ihn ranschmeißen würdest.

Wenn ich mich an jemanden ranschmeiße, dann ist er platt.

ASHLEY! Antworte ihm jetzt oder ich muss dich enterben!

Damit ich etwas erbe, müsstest du tot sein, und das lehne ich entschieden ab.

Wenn du ihm nicht zurückschreibst, dann tu ich es. Ich hab deine Login-Daten.

Das würdest du nicht tun!

Probier es lieber nicht aus!

Die Wahrheit ist, dass sie genau das tun würde. Ganz genau. Sie kann ganz schön gemein sein. Vielleicht sollte ich ihm lieber selber schreiben, dann kann ich wenigstens bestimmen, was ich erzähle. Staci würde es fertigbringen, ihm sofort meine Telefonnummer und meine Adresse zu geben, damit er hier auftauchen kann, um mir ins Gesicht zu sagen, dass so ein heißer Kerl wie er niemals mit so einer Dicken wie mir ausgehen würde.

Aber was soll ich schreiben? Ich glaube ja nicht, dass er es ernst meint. Aber trotzdem ist da auch noch dieser Funken Hoffnung. Wieso eigentlich? Was in meinem bisherigen Leben ist für diesen einen Funken verantwortlich? Eigentlich sollte keiner mehr leben, weil noch nie etwas Gutes aus solchen Situationen gekommen ist. Das habe ich schon in der Grundschule gelernt, als die Kinder angefangen haben, mich wegen meines Gewichts aufzuziehen. Um nicht in diesen Erinnerungen zu versacken, konzentriere ich mich auf die absurde Idee, diesem heißen Mann zu antworten.

Hi Jordan.

Das ist doch schon mal gut. Wenn nur die nächsten Worte auch so einfach wären.

Hi Jordan,

danke für deine Nachricht. Ich bin geschmeichelt, dass ein so gutaussehender Mann wie du mir schreibt, aber was hast du dir dabei gedacht? Ist das dein Ernst?

Ich lösche die letzten beiden Sätze wieder. Das hörte sich in keiner Weise nett an. Also noch mal von vorne.

Hi Jordan,

danke für deine Nachricht. Ich habe mir deine Bilder angesehen, vielen Dank dafür. Du bist echt heiß.

Ich debattiere mit mir, ob ich das Ego eines Mannes, der offensichtlich nur mit mir spielt, auch noch streicheln will, denke dann aber, was soll es denn? Er wird ja wissen, dass er gut aussieht.

So richtig kann ich nicht glauben, dass ein Mann wie du eine Frau wie mich anschreibt. Falls es ein Versehen gewesen sein sollte, kein Problem. Falls es aus Böswilligkeit geschah, bitte schreib nicht erneut. Alles Gute für dich. Ashley.

Ich denke, die Nachricht ist ganz gut. Nett, aber doch auch bestimmt. Das kann er mir nicht übelnehmen und er wird bestimmt nichts Böses schreiben. Hoffe ich.

In Gedanken noch bei Jordan klicke ich durch die weiteren Nachrichten und zucke zusammen, als ich mich plötzlich Auge in Auge mit einem steifen Penis wiederfinde. Mit einem leisen Aufschrei klappe ich den Laptop zu. Also, das ist doch … Ich habe nicht einmal Worte dafür! Wieso macht jemand so etwas? Wenn ich einen steifen Penis sehen wollte, wäre ich auf RedTube oder YouPorn oder so. Bin ich aber nicht, weil ich so was nicht sehen will. Also, live vielleicht schon mal, aber dafür müsste ich mich ja auch ausziehen, und das wird nie passieren. Ergo, keine steifen Penisse für mich.

Dann klappe ich den Laptop aber doch wieder auf. Diese Neugier wird mich irgendwann umbringen. Wirklich. Ich betrachte den Penis, aber mir kommt er recht klein vor. Ich habe keine Vergleichswerte, aber muss das so? Na ja, nicht beachtenswert, würde ich sagen.

Ich lese weitere Nachrichten, die teilweise aus kurzen Phrasen bestehen (›Geile Titten‹), teilweise aus vollständigen Sätzen (›Hi Butterblume, wie geht’s? Hast du Lust zu schreiben?‹) und teilweise aus doch recht merkwürdigen Angeboten (›Willst du dich auf mein Gesicht setzen?‹). Es gibt auch ein paar Nachrichten, die ebenso nett sind wie Jordans, aber von Männern, die nicht aussehen, als könnte ihr Bild auf dem Cover eines Magazins abgedruckt werden. Ihnen antworte ich ebenfalls. Es kommt mir wahrscheinlicher vor, dass jemand tatsächlich Interesse haben könnte, wenn er normal aussieht.

Die Komplimente, so wenig ernst sie auch gemeint sind, geben mir ein warmes Gefühl. Nie zuvor haben Männer nette Dinge zu mir gesagt, nicht mal Dad oder Chad, und sie wären ja schon beinahe verpflichtet, mal etwas Nettes zu sagen.

Ich glaube diesen Männern kein Wort, aber es tut trotzdem gut. Der Funken Hoffnung glüht vor sich hin, ist stärker als jemals zuvor. Ganz vielleicht gibt es doch einen Menschen, der mich nicht abstoßend findet.

Hi Butterblume,

du bist so geil, aber da geht doch noch was, oder? Ich würde dich gerne füttern, bis du noch mal dreißig Kilo mehr auf die Waage bringst. Momentan bist du noch ein bisschen zu dünn. Darf ich mit einer Torte bei dir vorbeikommen?

Zu dünn? Das ich nicht lache! Und nein, darfst du nicht, du, du Perversling!

Ich schicke Staci die Nachricht.

Süße, pass auf jeden Fall bei Feedern auf. Sie ergötzen sich nur am körperlichen Verfall einer anderen Person. Blockier ihn sofort.

Es gibt Menschen, die wollen andere füttern?

Ja, gibt es. Das ist eigentlich auch nur so ein Machtspielchen. Sie wollen dich kontrollieren. Blockier alle solche Anfragen.

Auf was muss ich noch aufpassen?

Bei Fat-Admirern ist ebenfalls Vorsicht geboten. Sie wollen dich dick haben, aber sie sind nicht wirklich an dir als Person interessiert, sondern nur an der Fülle deines Körpers. Du willst einen Ashley-Admirer, jemanden, der genau dich will. Dem es egal ist, ob du dicker oder dünner wirst, dem es mehr um deine Person geht als um deinen Körper. Klar ist körperliche Anziehungskraft wichtig, aber das ist doch nur am Anfang so. Nach ein paar Treffen solltest du als Mensch überzeugt haben, nicht als Kiloanzeige auf einer Waage.

Aber wenn ich alle Fat-Admirer ausschließe, ist vielleicht niemand mehr übrig.

Dann haben sie dich auch nicht verdient. Verkauf dich bloß nicht unter deinem Wert. Sie bekommen ein Juwel und sollen dich auch so behandeln.

Weil ich ihren Worten wieder keinen Glauben schenken kann, antworte ich nicht. Stattdessen blocke ich diesen Feeder, ebenso wie die anderen, die ich noch finde. Als ein Fenster aufgeht, dass ich eine neue Nachricht habe, befürchte ich schon, dass Teddy mir noch mal geschrieben hat. Stattdessen ist es Jordan.

Hi Ashley,

das Kompliment kann ich nur zurückgeben. Du bist auch echt heiß. Was meinst du damit, dass ein Mann wie ich keine Frau wie dich anschreiben würde? Was für eine Frau bist du denn? Bisher kann ich mir ja nur ein Bild von deinem Bild machen (entschuldige, das Wortspiel), aber was ich sehe, gefällt mir sehr gut. Ich hoffe, du schreibst mir erneut. Ich würde mich geehrt fühlen. Liebe Grüße Jordan.

Ich komme mir verarscht vor. Natürlich weiß er, von was für einer Art Frau ich spreche, aber na klar, er will, dass ich es ausspreche und dass ich mich vor ihm demütige. So ein Arsch.

Du weißt genau, von was für einer Art Frau ich spreche. Von einer fetten Frau wie mir. Ja, du hast gewonnen. Ich hab es ausgesprochen. Jetzt kannst du dich lustig machen.

Als ich diese Worte abgeschickt habe, überlege ich, ob ich ihn direkt blockieren soll. Irgendetwas hält mich davon ab. Neugier. Ich will wissen, was er dazu sagt, dabei ist das doch purer Masochismus. Vielleicht sollte ich mich doch zur Sklavin ausbilden lassen. Als das Fenster erscheint, wappne ich mich.

Whoa! Ganz langsam, Baby. Zum einen bist du nicht fett und zum anderen stehe ich darauf, wenn ich was zum Anfassen habe. Ich habe nicht gelogen, ich find dich megaheiß, daher habe ich dir geschrieben, um herauszufinden, ob hinter der wunderschönen Fassade auch eine liebenswerte, warmherzige Frau steckt. Wieso sollte ich mich über dich lustig machen? Es gäbe überhaupt keinen Grund.

Seine Worte nehmen mir den Wind aus den Segeln, gleichzeitig wird mir aber auch bewusst, dass jede Hoffnung darauf, dass er vielleicht wirklich Interesse an mir hat, verflogen ist. So ein Mann kann einfach nicht existieren.

Ja, klar. Verarschen kann ich mich selber. Du siehst aus, als gehörtest du auf das Cover von GQ. Ich dagegen könnte höchstens für Schweinshaxe Werbung machen.

Es schmeichelt mir, dass du mich so attraktiv findest, ganz enorm sogar, aber ich finde es schade, dass du meine Motive infrage stellst. Kann ich dir versprechen, dass wir zusammenkommen? Nein, aber ich wollte einfach mit dir schreiben, dich kennenlernen, weil mir deine Ausstrahlung gefallen hat. Du wirkst so lebenslustig und stark. Aber es scheint, dass das nur eine Fassade ist. Übrigens würde ich jedes Produkt sofort kaufen, für das du Werbung machst.

Er hört sich aufrichtig an. Es ist natürlich totaler Schwachsinn, dass ich das denke, weil es ja einfach ist, online etwas vorzugeben, was man

Impressum

Verlag: BookRix GmbH & Co. KG

Texte: Annie Stone
Bildmaterialien: Shutterstock - fennywiryani und Depositphotos - Ensuper
Cover: Grit Bomhauer
Lektorat: Ruth Pöß
Tag der Veröffentlichung: 10.08.2020
ISBN: 978-3-7487-5307-0

Alle Rechte vorbehalten

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