Cover

Kapitel Eins

 

Brandon drehte sich im Bett um, und erwartete, dass seine Hand auf Laureens nackten, warmen Körper landen würde. Stattdessen landete sie auf einem leeren Platz, und ihm fiel ein, dass seine Verlobte es sich in den Kopf gesetzt hatte, bis zur Hochzeit dem Sex abzuschwören. Er hatte auch vergessen, dass sie so früh am Morgen nicht mehr da war, weil sie wieder bei sich zuhause schlief. Brandon Harrington und Laureen Kellogg waren seit vielen Jahren ein Paar und hatten immer jede Menge Sex gehabt. Zumindest bis zu dem Moment, in dem er ihr einen Ring an den Finger gesteckt hatte. Da wurde sie mit einem Schlag prüde. Sie behauptete, dass sie nach der langen Wartezeit etwas hätten, worauf sie sich in der Hochzeitsnacht freuen könnten. Da Brandon Laureen von ganzem Herzen liebte, war er sich sicher, dass er schon mit dieser Unannehmlichkeit zurechtkommen würde, wenn sie darauf bestand. Kalte Duschen am Morgen und seine eigene Hand würden helfen, und so machte er sich auf dem Weg in ein geliebtes Badezimmer.

Dieser Raum war seine Oase und der einzige Ort in dem großen Haus, an dem er komplett alleine sein konnte. Er nahm nie sein Telefon mit, es gab keine Sprechanlagen oder Kameras und außer ihm hatte niemand Zutritt. Das stimmte zwar nicht ganz, denn einmal am Tag kam sein langjähriger Assistent Tom vorbei und überwachte den Haushälter Fred bei seiner Arbeit. Es war wichtig, dass keine Abhörgegenstände hereingeschmuggelt wurden und dafür war Tom verantwortlich. Die zwei Glaswände boten Brandon einen traumhaften Panoramablick auf die Buffalo D Ranch. Diese war das größte Grundstück in Wyoming, das sich in Privatbesitz befand. Eine gut gepflegte, enorme Anlage erstreckte sich bis zu den weiten Feldern und zerklüfteten Felsen in der Ferne. Brandon kniff die Augen zusammen und spähte in die Weite. Er konnte die Umrisse der Rinder, der Stallungen und eine Herde wandernder Bisons erkennen. Er genoss diesen Ausblick, bevor er den Tag begann. Es zeigte ihm, dass jedes Hindernis oder Drama, das unweigerlich auftreten würde, die ganze Mühe wert war. Und es gab immer genug davon.

Brandon trat durch die Glastür in die marmorne Dusche und ließ sich von den warmen Wasserstrahlen seine stählernen Muskeln massieren. Als Eigentümer der Buffalo D Ranch und Geschäftsführer der damit verbundenen Unternehmen war körperliche Arbeit eigentlich nicht Bestandteil seines Tagesablaufs. Nichtsdestotrotz bestand er darauf, mindestens ein paar Mal in der Woche Zeit auf seinem Pferd zu verbringen und Dreck unter seine Fingernägel zu bekommen. So, wie sein Urgroßvater Jacob Harrington, der den enormen Besitz und den Grundstein des immensen Reichtums mit einzigen Pferd und nur einem halben Morgen Land begonnen hatte. Stets hatte Dean Harrington, Brandons verstorbener Vater, ihn daran erinnert, es sich nie zu bequem zu machen und nie seine Herkunft zu vergessen.

Nach seiner Dusche zog er sich ein Baumwollhemd und Jeans an und ging zum Frühstück hinunter. Am Morgen machte er kein großes Aufheben um sein Outfit, weil es nicht nötig war. Seine Haare waren dicht, gewellt und dunkelbraun. Er schüttelte den Kopf und warf einen Blick in den Spiegel. Er und sein Vater hatten die gleichen blauen Augen, ein paar Sommersprossen auf der Nase und ein Grübchen im Kinn. Brandon grinste sein 35 – jähriges Spiegelbild an und ging flotten Schrittes das Treppenhaus aus Kirschholz hinab, um zu frühstücken. Zu seiner Überraschung fand er Laureen in der Küche sitzen.

„Guten Morgen, Liebste. Wie schön, dich zu sehen. Aber du musst nicht jeden Tag extra herkommen und mit mir frühstücken“, sagte er, beugte sich zu ihr, küsste sie auf den Mund und nippte an seinem Kaffee.

„Das tue ich gerne, Brandon", Laureen kicherte. „Ich komme auf meinem Weg zur Arbeit sowieso hier vorbei, da ist es ganz praktisch. Ich muss heute mit dir etwas Wichtiges besprechen, ich bin also froh, dass wir diese Zeit hier gemeinsam haben.“

„Na, worum geht's denn? Hast du einen neuen Schuhdesigner entdeckt, der die Modewelt revolutionieren und uns einen Haufen Geld bescheren wird?“, fragte er lächelnd. Er hatte Laureen eine hochklassige Schuhboutique in Cheyenne geschenkt, damit es nicht so aussah, als ob sie nur sein Geld verprassen würde. Laureen hatte einen Abschluss in Modemarketing, also machte das Geschäft Sinn und beide waren sehr zufrieden damit.

„Nein, Brandon. Wir müssen unsere Hochzeit planen. Das heißt, wir müssen uns auf einen Hochzeitsplaner einigen. Wen auch immer wir auswählen, es muss jemand sein, mit dem wir beide gut klarkommen, denn er oder sie wird schließlich eine Menge Zeit mit uns verbringen.“, sagte Laureen und nippte an ihrem Kräutertee. Laureen verkörperte alles, was man sich unter der Verlobten eines Milliardärs vorstellte: Sie war so schön wie ein Supermodel der 1990er. Ihre blauen Augen leuchteten intensiv in ihrem von den langen, blonden Locken umrandeten Gesicht. Ihre kleine Nase war sanft geschwungen und ihre Wangenknochen waren ebenso hoch wie ihre Stirn. Sie war sehr sportlich, weil sie beinahe jeden Tag ins Fitnessstudio ging; außerdem hatte sie Kohlehydrate und Zucker abgeschworen.

„Irgendwie ahne ich, dass du bereits jemand Bestimmten im Auge hast und nur noch meine Zustimmung brauchst", schmunzelte er. "Ich überlasse das meiste der Hochzeitsplanung dir, Laureen. Du weißt, dass ich dir an deinem besonderen Tag alles geben werde, was du möchtest.“

„Das ist lieb von dir. Du kennst mich einfach gut und ich weiß, dass ich mich immer auf dich verlassen kann.“

„Das möchte ich hoffen, denn ich plane, den Rest meines Lebens mit dir zu verbringen.“

Laureen stand von ihrem Platz auf, ging zu Brandon und begann, seine Schulter zu massieren, was ihn dazu veranlasste, seine Tasse auf den Tisch zu stellen. Er griff nach ihrem Gesicht und bekam eine Strähne ihres blonden Haares zu fassen, an dem er sie zu einem Kuss herzog. Sie ließ ihre manikürten, mandelförmigen Nägel über seine definierte Brust gleiten und Brandon glaubte, dass sie sich seinem Verlangen hingab. Doch Laureen zog sich zurück und strich ihr Haar ihr Ohr. „Hoho, immer schön langsam, Cowboy! Wow. Dieses Zölibat vor der Hochzeit wird härter, als ich gedacht habe. Puh! Wir werden eine Anstandsdame brauchen, die uns voneinander abhält", sagte sie lachend.

Brandon fuhr sich mit seinen Händen durch sein dunkles Haar und seufzte. „Deine Regel ist doof, Laureen.“ Bittend sah er sie an.

„Das glaube ich nicht, Brandon", sagte sie ernst."Du hast mich noch nie zuvor so begehrt. Ich kann von weit sehen, wie erregt du bist ....“ Sie lächelte verschmitzt und warf ihm eine Serviette auf den Schoß. „Die Hochzeitsnacht wird gewaltig, da bin ich mir sicher.“

„Wie du meinst", seufzte er und wandte seinen Blick ab. "Dann also zum Geschäftlichen. Ich verbringe den Vormittag auf der Ranch und dann habe ich einen Termin mit der Handelskammer. Sie wollen die Fotos der Ranch für eine neue Tourismuskampagne verwenden. Jeder weiß ja, dass wir eine umher wandernde Herde Büffel hier haben und das zieht natürlich Touristen aus aller Welt an.“

„Ach, die wollen doch nur dein schönes Gesicht in den Anzeigen“, witzelte Laureen. Brandon sah einfach umwerfend aus mit seinen 1 meter 90, seinen breiten Schultern und seiner aufrechten Haltung. Aber er war zurückhaltend und hasste es, wenn er fotografiert wurde. „Als Eigentümer von Buffalo D sind wir die Botschafter von Wyoming, wenn nicht sogar des ganzen Westens der Vereinigten Staaten. Es wäre sinnvoll, wenn wir uns da draußen mehr als Paar präsentieren würden …" Sie ließ den Rest ungesagt, doch ihm wurde zum ersten Mal bewusst, wie liebend gern sie sich in sämtlichen Hochglanzmagazinen als First Lady von Buffalo Ranch D sehen würde.

„Es ist ja nicht so, als ob ich ein Politiker wäre oder der Öffentlichkeit irgendetwas schulde“, entgegnete er halbherzig lachend und verdrängte den Gedanken.

„Nein, das bist du nicht. Du bist einfach ein toller reicher Mann und gehörst mir ganz allein." Sie zog einen Kussmund und hielt ihn ihm entgegen, ohne sich tatsächlich küssen zu lassen. "Ich fahre jetzt zur Boutique, wo ich weiterhin tapfer versuche, die Welt über den Fuß der Frauen zu verschönern.“ Laureen warf Brandon eine Kusshand zu und nahm sich den Schlüssel für ihren Escalade vom Tisch. „Ich liebe dich, Schatz. Ich rufe dich wegen dem Abendessen an.“

Als Brandon wieder alleine in der Küche war, stemmte er die Ellbogen auf den Tisch, vergrub seinen Kopf in den Händen und seufzte abgrundtief. Er saß eine Weile so da, bis er hinter sich eine vertraute Stimme hörte.

„Nanu? Was ist denn mit dir los? Gibt es etwas das ich für dich tun kann, Brandon? Du wirst die Antwort auf deine Probleme nicht in deinen Händen finden, außer, du bist ein Handleser", sagte Tom mitfühlend, der gerade in die Küche kam.

„Spannungskopfschmerzen, Tom. Es gibt nichts, was nicht mit einem Tag auf der Ranch gelöst werden könnte", wich Brandon aus.

„Soll ich bei den Stallungen unten anrufen, damit Sue für dich gesattelt wird?“ Tom wusste, dass Brandon nichts glücklicher machte als ein Ritt auf seinem Hengst Sue. Der hieß so, weil Brandon ein großer Fan von Johnny Cash war und alle beide immer einen Jungen namens Sue wollten.

„Bitte. Und lass auch eines für dich satteln. Ich bin nicht in Stimmung, alleine zu reiten und du hörst dir mein Jammern ja immer brav an.“

„Nun, ich kann ja auch nicht anders! Du bist schließlich mein Boss,“ gab Tom lachend zurück und versetzte Brandon einen freundschaftlichen Rempler.

Tom war zwar offiziell Brandons Assistent, jedoch war er mehr eine Vaterfigur. Als Brandons Vater Dean an Krebs starb, nahm er den damals 18-jährigen Brandon unter seine Fittiche. Tom hatte Dean versprochen, dass er seinem Sohn niemals gestatten würde, sich wie ein verwöhntes reiches Kind aufzuführen und er hielt sein Wort. Heute stand Brandon mit beiden Beinen nicht nur im Leben, sondern auch auf der Erde. Auf der seiner Ranch in Wyoming, um genau zu sein. Nichts und niemand auf der Welt würde ihn hier jemals wegbekommen.

Kapitel Zwei



An diesem schönen Frühlingstag machten sich Tom und Brandon zu Fuß auf den rund fünf Minuten langen Weg zu den südlichen Stallungen. In der Ferne schimmerten die schneebedeckten Gipfel, welche den tosenden Fluss speisten, der viele Meilen quer durch die Ranch floss. Der Anblick hörte niemals auf, Brandon zu verzaubern. Dies war der einzige Platz, den er jemals sein Zuhause genannt hatte und den er jemals sein Zuhause nennen wollte. Es war ein kraftvoller Ort, mit leicht wechselndem Wetter. Viele Tiere zogen auf der Suche nach Wasser, Futter und Schutz durch die Prärie. Wenn sich das Laub von rotbraun zu grün verfärbte, kam die Gabelantilope von den Bergen herab. Die wandernden Büffel hätten zwar die Kraft, es locker mit ihr aufzunehmen, aber stattdessen sahen sie ihnen nur gleichgültig beim Grasen zu. Insgeheim wünschte Brandon sich, dass die Menschen genauso respektvoll mit einander umgingen manche Tiere, doch das sagte er nicht laut. Auch jetzt war der Boden noch kalt und so hart vom Winter, dass die beiden Männer beim Gehen keine Fußabdrücke in der Erde hinterließen.

„Worüber denkst du denn nach, Brandon?“, fragte Tom in mitfühlendem Ton.

„Ach, über nichts Besonderes“, log Brandon.

„Ja?", Tom runzelte die Stirn. "Normalerweise nehmen wir den Truck zu den Stallungen; wir gehen immer nur, wenn du reden willst", gab er zu bedenken.

„Hmmm … Mir war gar nicht bewusst, dass ich über irgendetwas reden will, aber nun, da du es erwähnst, Tom, da fällt mir auf, dass mich wirklich so einiges bedrückt: Mir wird zurzeit einfach alles ein wenig zu viel." Brandon zog seine Sonnenbrille hervor, um sich vor der Sonne zu schützen, die nun über den Bergen aufging.

„Hm, du hast viel um die Ohren, das stimmt. Aber was genau meinst du denn? Die Geschäfte? Also, ich kann mir gut vorstellen, dass der enorme Besitz und die Aufgaben als Geschäftsführer des Ölunternehmens, einem einfachen Mann wie dir schon nahegehen können.“

Brandons Kopf schnellte in Toms Richtung. Fragend sah er ihn an und widersprach ihm. „Ich bin nicht einfach, Tom. Ich habe einen Abschluss in Stanford gemacht und ich habe schon mit vielen wichtigen Geschäftsführern verhandelt. Einfach klingt, als ob ich ein einfältiger oder idealistischer Cowboy wäre.“

„Einfältig bist du sicherlich nicht. Aber in deinem Herzen bist du sehr wohl ein idealistischer Cowboy, genau wie dein Vater es war. Bist du vielleicht nervös wegen der bevorstehenden Hochzeit?“

„Laureen ist mit Sicherheit eine Naturgewalt und hat ihren eigenen Kopf", murmelte Brandon und wandte den Blick zur Seite. Dann hob er ergeben die Schultern. "Aber ich liebe sie nun mal.“

„Das weiß ich doch, Brandon, aber bist du bereit, sie zu deiner Frau zu nehmen und den Rest deines Lebens mit ihr zu verbringen? In guten wie in schlechten Zeiten? Nichts gegen Laureen, aber ich hoffe, sie hat keine Pläne, von denen du vielleicht noch nichts ahnst und mit dem du vielleicht nicht einverstanden bist“, wandte Tom in ernstem Ton ein.

„Du denkst an meine Eltern und wie perfekt sie als Paar waren, richtig?“

„Da hast du recht, aber das war etwas Besonderes. Sogar wenn deine Mutter zehn Meter von Dean entfernt war, konnte man ihre Verbindung noch spüren. Wenn Dean sauer war, konnte Ora ihn mit einem einzigen Blick besänftigen. Dein Vater war nur wegen, und mit, deiner Mutter so erfolgreich. Sie hat ihn zur Ruhe gebracht und vielleicht kann es mit Laureen genauso sein. Aber ich sehe das einfach nicht kommen.“ Tom seufzte und schüttelte den Kopf. „Entschuldige, wenn ich dir zu nahegetreten bin. Es steht mir nicht zu, das zu sagen.“

„Doch Tom, das tut es. Ich bin froh, dass du so offen bist. Ich möchte es nicht anders haben. Mit Laureen und mir wird alles gutgehen, da bin ich mir sicher. Ich kann nicht so werden wie meine Eltern. Wenn eine Partnerschaft wie ihre mein Ziel wäre, müsste ich für immer Single bleiben.“ Brandon seufzte und grub die Hände in die Hosentaschen.

Nun kamen sie bei den großen südlichen Stallungen an, welche nur von Freunden und der Familie genutzt wurden. Die anderen Gebäude waren für Pferdeshows, Rodeos und für die Verpflegung der Tiere. Brandon hielt Sue und ein Dutzend anderer Pferde in diesem privaten Gebäude, zu der die Öffentlichkeit nur selten Zutritt erhielt. Tom drückte das Tor zu dem höhlenartigen Stall auf, welchen Brandon so restauriert hatte, dass der Charakter des alten Westens mit viel Holz erhalten geblieben war. Es roch nach Pferden, nach Dung, nach Natur. In vielen anderen Ställen wurden Entlüftungen und sogar Beduftungen eingesetzt, aber nicht bei Brandon. Aber was waren Pferde, wenn es nicht nach Pferden roch!

„Howdy Sam, Tom und ich sind zum Reiten hier“, rief Brandon zu seinem Stallmanager, den er noch vom College kannte. Sam hatte eine schwere Zeit hinter sich und Brandon hatte ihn aufgenommen, obwohl er damals noch nicht wusste, wie gut er mit Pferden umgehen konnte. Er gehörte inzwischen fest zur Ranch und zu seiner kleinen Familie, auch wenn Laureen sich nicht sonderlich für ihn begeistern konnte.

„Morgen, Jungs! Wie geht's, wie steht's? “ grüßte Sam und führte Sue und Mystic Led zu ihnen. „Sue ist sehr lebhaft heute Morgen. Ich würde sagen, er brennt nur so darauf, auszureiten.“

„Er wusste eben, dass ich komme“, witzelte Brandon und tätschelte sein Pferd. „Ich habe nur ein paar Stunden Zeit, Tom; wie wäre es, wenn wir zum Bach hinab reiten. Schon die ganze Zeit über brenne ich darauf, mal wieder Fliegen zu fischen. Ich möchte sehen, wie das Wasser fließt, damit ich bei nächsten Mal meine Angel mitbringen kann.“

„Also, ich stelle es mir sehr interessant und lustig vor, wie du zusammen mit Laureen fischst“, bemerkte Tom trocken.

Brandon lachte, als sie aus dem Stall ritten. „Der Tag, an dem ich meine Verlobte in ein Paar Fischerstiefel bekomme, wird der Tag sein, an dem ich sterbe. Kannst du sie dir mit einer Angel in den Händen vorstellen?“

„Sobald sie ferngesteuerte Fliegenruten erfinden, die man aus dem Spa heraus bedienen kann, sehe ich eine realistische Chance dafür," lachte nun auch Tom.

„Oder Fischerstiefel mit Absätzen.“ Brandon gluckste. „Die Gute liebt ihre Schuhe, aber ich glaube, das ist ihre einzige Schwachstelle, wenn ich Glück habe.“

Tom sah Brandon eine Weile an und antwortete nicht.

Brandon schwang sich in den Sattel und kurze Zeit später galoppierten die Cowboys über die Weiten seines Landes. Nun schien es so, als ob all seine Sorgen mit dem Wind davonfliegen würden. Nichts konnte ihn belasten, wenn er sich der überwältigenden Natur-Schönheit um sich herum bewusstwurde und sich restlos frei fühlte. Der endlose Himmel über den Wolken, Falken, Adler und andere Vögel glitten, war Brandon Harringtons Heimat. Das war alles, was er wollte, wonach er sich sehnte und was er zum Glücklichsein brauchte. Abgesehen von Laureen, natürlich.

Kapitel Drei



Nach dem Ausritt zog Brandon sich für sein Treffen mit der Handelskammer im Zentrum von Cheyenne um. Er schlüpfte in ein frisches Paar Jeans und ein sauberes Shirt. Dank seines Ansehens in der Stadt konnte er sich als der Ranchbesitzer kleiden, der er war. Er zog sich angemessen an, wenn er ein Treffen außerhalb des Staates hatte, aber zu Hause waren es immer Jeans, ein lässiges Hemd und ein Cowboyhut. Er sprang in seinen Pickup, weil er spät dran war und es das Auto war, das am nächsten beim Haus parkte.

Am Ziel bog er in einen Parkplatz für Elektroautos ein, weil er sich wirklich beeilen musste. Er hoffte, dass die Polizei von Cheyenne zu viele andere wichtige Sachen zu tun hatte, um ihm für dieses kleine Vergehen einen Strafzettel zu verpassen. Dann jedoch haute ein lautes Piepen Brandon beinahe aus seinen schwarz-weißen Stiefeln. Eine genervte Frau sprang fluchend aus ihrem kleinen, silbernen Elektroauto. Eine sehr schöne und sehr genervte Frau.

„Ist das Ihr Ernst? Finden Sie es okay, meinen Parkplatz mit ihrem Diesel Pickup zu blockieren? Bewegen Sie Ihren Truck sofort hier weg oder wir haben Problem!“, schimpfte sie wie ein Rohrspatz.

Der Wutanfall dieses Hitzkopfes amüsierte Brandon weit mehr, als dass er sich darüber ärgerte. „Und was sind unsere Probleme, wenn ich mein Auto nicht wegbewege? Nebenbei, es ist gar kein Diesel; er ist nur alt und laut. Man hat mir schon gesagt, ich soll es verschrotten, aber ich bin einfach zu sentimental.“ Belustigt grinste er sie an.

„Sehen Sie, ich komme zu spät zu meinem Termin und deswegen danach wieder zu spät bei meinem nächsten. Ich muss meine … Bella um halb drei von der Schule abholen. Wollen Sie wirklich meinen ganzen Tag ruinieren?“ Ihre Stimme zitterte leicht, sie bekam feuchte Augen und Brandon sprang sofort in seinen Truck, um ihrem Elektroauto Platz zu machen.

Ohne ein weiteres Wort parkte die großgewachsene Frau mit den kinnlagen schwarzen Haaren und blauen Augen ihr Auto und hastete zum Eingang des Gebäudes. So schön sie war, so ulkig ging sie in ihren Absatzschuhen. Fasziniert rief Brandon ihr nach: „Entschuldigung, ich wollte Ihren Tag wirklich nicht ruinieren. Es war sehr egoistisch von mir zu denken, dass meine Zeit wertvoller sei als Ihre. Wie heißen Sie?“

Sie hielt an und lehnte sich gegen die Wand, um ihre Schuhe auszuziehen. „Ich bin Holly. Und Sie beeilen sich auch besser, ich möchte nicht, dass Sie zu spät zu Ihrem Termin kommen.“

„Ich hoffe, dass Sie es schaffen, Bella rechtzeitig abzuholen“, sagte Brandon, als sie in der Tür verschwand.

Brandon zuckte die Schultern über diese eigenartige Frau. Sie musste neu sein in der Stadt, denn sie hatte ein Gesicht, das man nicht so schnell vergaß. Sie trug einen langen schwarzen Bleistiftrock und eine pinke Bluse und sah so aus, als sei sie bei der Arbeit. Holly hasste es offensichtlich, Schuhe mit Absätzen zu tragen, was ihn lächeln ließ. Er verstand Laureens Obsession mit den Dingern einfach nicht. Seine Verlobte hätte ihre helle Freude mit der Frau hier!

Das Treffen mit dem Kammerpräsidenten lief wie erwartet. Er wollte eine Crew zur Ranch schicken um die Gegend zu fotografieren. Brandon war etwas zögerlich, er wollte zwar, dass durch mehr Tourismus mehr Geld nach Wyoming kam, aber nicht über Buffalo D. Yellowstone sollte die große Attraktion bleiben und der Park war sehr gut geführt. Brandon würde lieber dem Nationalpark Geld spenden und dafür in Ruhe gelassen werden. Allerdings sah Laureen das anders und hatte schon öffentliche Versprechungen gemacht, denen zufolge Buffalo D als Touristenmagnet funktionieren sollte. Da war es schwierig für ihn, zurück zu rudern.

Als das Gespräch voranschritt, ertappte sich Brandon dabei, dass er an Holly und ihre Tochter dachte. Sie konnte nicht älter als 25 sein, was jung dafür war, dass sie bereits ein Kind im Schulalter hatte. Er fühlte sich noch schlechter, weil er sie zum Weinen gebracht hatte, und fragte sich, ob sie nicht nur eine junge, sondern auch noch eine alleinerziehende Mutter war.

„Wir bleiben in Verbindung, Brandon", hörte er da Neal Chagall, der eben seine Schulter berührte, weil Brandons Geist abgeschweift war.

Brandon sprang auf. „Entschuldige, Neal. Es war bislang schon ein anstrengender Tag. Du kannst mit meinem Assistenten Tom alles Weitere bereden.. Er weiß Bescheid, wann die Ranch für die Fotografen zur Verfügung steht. Danke, Neal."

"Alles klar bei dir, Brandon?"

"Ja, danke. Ich bin nur ein wenig müde. Und gleich muss ich mich mit Laureen treffen, um unsere Hochzeit zu planen. Dabei sollte ich besser hellwach sein, sonst gibt sie mein ganzes Geld aus!“, scherzte Brandon halbherzig und setzte seinen Hut auf. Nach einem Boxenstopp auf der Toilette warf er noch einen Blick auf das Schild der Tür, durch die Holly gegangen war. Werbung las er da. Brandon schüttelte den Kopf, um die Gedanken an diese junge Frau einzudämmen. Dann ging er zu seinem Truck und fand einen Zettel an der Windschutzscheibe.

Ich hatte einen schlechten Tag und meine Füße schmerzen. Entschuldigen Sie bitte, dass ich überreagiert habe. Holly B

Brandon lächelte und schob das Stück Papier in seine Tasche. Nun wusste er, dass der Nachname der mysteriösen Frau mit B begann.

Sein Telefon klingelte.

„Hey, Laureen. Ich bin schon auf dem Weg zu Rumbas. Hat sich etwas geändert?“

Sie kicherte und summte in ihrer hohen Stimme: „Nein, Dummerchen, hat es nicht. Ich will dich immer noch heiraten. Ich würde doch nicht im Traum auf diesen 3,5 karätigen Diamanten verzichten!“

Brandon lachte. „Ich meinte, ob sich die Pläne bezüglich des Abendessens geändert haben?“

„Oh, ja. Die Pläne sind aufregender geworden, weil wir uns mit einer Frau von Elizabeth Flanders (EF) treffen werden, das ist das Hochzeitsplanungsunternehmen. Bitsy Flanders ist eine Freundin von mir. Sie ist jedoch leider verhindert ist, schickte uns aber ihre beste Assistentin.“

„Aha. Und isst diese Frau mit uns zu Abend?“

„Tut sie und wir geben ihr ein paar in Frage kommende Termine. Sie wird für uns herausfinden, wann die Kirche verfügbar ist. Bitte, Schatz, sag mir, dass du genauso aufgeregt bist wie ich!“

„Och, Liebes. Du musst mir aber nachsehen, dass mein Enthusiasmus gerade etwas zurückhaltender ist. Es war ein langer Tag und ich wäre jetzt einfach lieber ganz allein mit dir.“

„Du bist süß. Wenn du als erstes ankommst, nimm einen großen Tisch, damit wir die Papiere ausbreiten können. Ich habe auch Pläne von unseren öffentlichen und privaten Ställen ausgegraben, die wir für die Wochenendfeierlichkeiten nutzen können.“ Laureen hatte schon aufgelegt, bevor Brandon ihr noch sagen konnte, dass sie den privaten Stall nicht nutzen und die Hochzeit kein ganzes Wochenende dauern würde.

Wenig später parkte er und schaute zu den Parkplätzen, die für Elektroautos reserviert waren, was ihn an Holly erinnerte. Er war nicht der Typ Mann, der an viel

Impressum

Verlag: BookRix GmbH & Co. KG

Tag der Veröffentlichung: 25.12.2019
ISBN: 978-3-7487-2446-9

Alle Rechte vorbehalten

Nächste Seite
Seite 1 /