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Verraten




Ein kühler Wind wehte mir Strähnen meines Haares ins Gesicht und ich genoss den Duft von Kokos in der Nase. Ganz leise schloss ich die Haustür hinter mir damit ich die Vögel, die ihre Melodien in den Bäumen sangen, nicht erschrak. Als ich langsam die Stufen durch den Vorgarten ging, fielen mir zärtlich warme Sonnenstrahlen auf mein Gesicht. Ich blieb stehen, atmete tief durch und legte meinen Kopf in den Nacken sodass mich jeder einzelne Strahl sanft über die Wangen streicheln konnte.


Die Luft war klar und frisch, es war der erste Frühlingstag. Ich begann den Vorgarten zu verlassen und in die lange Straße, die direkt zu ihrem Haus führte, einzubiegen. Meine Schritte waren nun schneller und meine Arme verschränkt. Außerdem versuchte ich nun mein Gesicht hinter meiner Kapuze des Sweatshirts zu verstecken, was mir nur bedingt gelang, da meine Haare einfach zu dick waren und die Kapuze nach hinten zu rutschen drohte. Den Frieden, den ich im Vorgarten spürte war sofort verlogen, ich spürte nur noch die pochende Wut in meiner Brust.

Sie hatte mich verraten.


Ich lief viel zu schnell und würde eher bei ihrem Haus ankommen als mir lieb war. Aber wenn Kontrollverlust drohte musste ich laufen, so schnell ich konnte. Als ob mein rasender Herzschlag die Gefühle aus dem Körper pumpen könnte. Andere waren ungewollt witzig, ich ungewollt naiv. Aber so war ich und ich akzeptierte mich so wie ich bin. Das war nicht immer so, aber seitdem er mich liebte, fühlte ich mich vollständig. Ob es nach dem was mich nun erwartet anders werden würde? Es war mir gleich. Ich war zwar naiv wenn es um mich ging aber nie wenn es um andere ging.

Er hatte mich verraten.


Da stand ich nun vor ihrem Haus, und sein Wagen tatsächlich in der Einfahrt. Ich hoffte auf eine vernünftige Erklärung aber mein Gefühl warnte mich bereits, dass es diese nicht geben wird. Und mein Gefühl hatte immer Recht. Das Schrillen der Klingel durchfuhr jede Faser meines Körpers und mein Herz fühlte sich so an als würde es auf der Stelle aufhören zu schlagen. Eine schmerzende Wärme durchfuhr langsam meine Beine, als ob sie nicht länger gewillt waren meinen Körper aufrecht zu halten. Jede Sekunde in der nichts geschah wurde mir schwindeliger, meine Hände pochten, mein Kopf glühte. Aus Sekunden wurden Minuten, bis ans Ende der Zeit würde ich hier stehen. Meine Gedanken drehten sich im Kreis, auf alles wollte mich mein Verstand vorbereiten, auf alles, so dass ich doch auf nichts vorbereitet sein würde. Plötzlich riss mich ein vergnügtes Kichern aus meinen Gedanken. Wie lange hatte ich schon vor der Tür gewartet?
Ich lief in Richtung des Gartens, der sich hinter dem Haus befand. Und da war er, zurückgelehnt in einem weißen Gartenstuhl. Seine D&G Sonnenbrille lässig aufgesetzt, die Beine überkreuz nach vorne ausgestreckt. Sein ärmelloses T-Shirt würde es der Sonne erlauben, seine braunen, durchtrainierten Arme noch brauner werden zu lassen, aber diese waren fest um ihre Taille geschlungen. Ihr Gesicht ganz eng an seinem, sie flüsterten glückliche Worte und waren sich so nah, dass sie den Atmen des anderen auf der Haut spüren konnten.

Sie hatten mich verraten.

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Texte: Text Copyright dem Autor
Tag der Veröffentlichung: 12.02.2009

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