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In stiller Sehnsucht,
erfüllt von den Stunden der letzten Tage,
sitze ich eingekauert zwischen Gedanken
im Refugium der Vier Wände,
während der letzte Rauch langsam zum Fenster rauszieht.
Kälte eines nahenden Winters zirkuliert in meiner Lunge
und mit dem erhaschen des Lichts der Straßenlaternen,
zerspringt ein Gedanke in meinem Herzen:

Barmherziges Feuer,
die Glut verbrennt das Fleisch
eines gedanklichen Epos,
der das moderne Proletariat in Mark & Bein erschüttern würde,
würden tausende Ohren nicht nur angelegt
und für Werbungen offengeschaltet sein.
Computerchips,
für jede einzelne Seele
und Vergebung.
Oh süße Abbitte,
trage deinen Segen in jede unbedarfte Minute
und schenke Leichtigkeit;
gute Menschen, die wie Federn, erst einmal emporgeworfen,
dem Boden schwerelos entgegengleiten
und vielleicht eines Tages nie wieder aufkommen müssen.
Wir zünden Kerzen an und falten die Hände,
eine unendliche Andacht,
immer neu,
immer vorne mit dabei.
Das alte ist eine Lüge,
zur Verdrängung verdammt.
Augen schauen wie gebannt nacht vorn
und sehen keine Scheuklappen mehr
und einsame Gesänge verstummen im Agesicht des Feuersturms,
dem längst nicht mehr mit Wasser beizukommen ist.
Ihr liebt die Wärme,
schmiegt euch rund um das Feuer.
Lechzt, wie die Flammen bereits an den Säumen eurer Kleider.
Doch wer der Phönix ist, das ist das eigentlich wichtige.

Beruhigende Erde,
Betriebsfeiern
und Sparangebote von Krankenversicherungen.
Kein Anschluss unter dieser Nummer.
Kein Anschluss an diese Vereinigung.
Den Rest in den Händen,
mit den Gedanken schon woanders,
eine einsame Träne,
Überrest einer grünen Zivilisation.
Und große Ideale sterben wie am Boden zertretene Blumen.
Blütenblätter wie einzelne, sinnlos ausgesprochene Sätze
und Einzelne, die wie sinnlos Sätze aussprechen.
Kinderhände in Zahnrädern, Blut,
ehemals am Holz der ersten Baumhäuser,
nun vermischt mit Glitter,
zähflüssig
und der Boden färbt sich nicht mehr,
er hat es satt, bleibt grau,
leblos, wie die Gesichter anonymer Passanten.
Shoppingmeilen, Monatsgehälter,
synthetischer Dünger, technologisierte Agrarwirtschaft.
Und erst wenn der letzte Atemzug getan,
fängt das Leben an zu atmen.

Gütige Luft,
mikroskopische Ablagerungen bedecken Lungen,
wie Wolken den Himmel.
In geschlossenen Räumen stellt sich hinter verschwitzten Stirnen die Frage,
wie lange wir noch atmen können.
Und das was keiner ausspricht
fliegt wie schwerelos durch die Atmosphäre,
grelle Neonlichtpartikel, menschlicher Ekel.
Mit meerblauen Gesichtern fallen die ersten um,
in einen tiefen, beruhigenden Schlaf
und Menschen gehen vorrüber,
in der Gewissheit, dass Atemschutzmasken ein weiterer Tropfen auf dem ungemein heißen Stein sind.
Längst atmen wir durch Augen und Ohren,
ölige Farben ziehen schlierig ihre Bahnen,
über Gerüche aller Kontinente hinweg
und mehr.
Und die Luft legt sich wie eine schwere, vorwurfsvolle Last auf unsere Schultern,
das Echo ihrer Schreie verklingt ungehört zwischen Hochhäusern
und den arroganten Fanfaren unserer eigenen Ignoranz.
In ruhigen Momenten, insofern wir sie wahrnehmen,
flüchten wir und lauschen bei Mondnacht an einsamen Strandabschnitten ihren leisen Klagegesängen.
Ein Foto gemacht,
und genug Klicks gesammelt,
um sich selbst auf die Schulter zu klopfen.
Ich vermute,
dass geschlossene Augen mich aufatmen lassen.

Seeliges Wasser,
Essenz des Lebens,
ein grausamer Scherz im Angesicht aufgeblähter Bäuche verhungerter Kinder,
deren Eltern verschlissene Kleider in Seen aus Leichen waschen.
Ich öffne die Flasche und gieße die Naivität,
doch sie ist leer, noch ehe ich den ersten Kopf erreiche.
Wir sind still,
wir sind medium,
wir sind prickelnd,
wir entspringen tiefen, verworrenen Quellen
und niemand zahlt uns unseren Preis.
Die Selbstverständlichkeit lässt einen erblinden,
wie der Anblick der durstigen Sonne;
mit nackten Füßen über heißen Sand
und gerade noch genoßen, die Fotos des letzten all in inclusive Urlaubs,
dann raus in den Nebel.
Und die eisige Unbarmherzigkeit einer Novemberrealität
greift mit ihren Leichenfingern in die letzten Nischen des Vorstadtbahnhofs.
Verkrochen in der Jacke,
den Blick erstarrt auf erste, vorsichtige Eiskristalle,
die mutig
in der Gewissheit nicht die Mittagspause zu überleben
ihr vorherbestimmtes Massaker an allem Leben versuchen auszuüben,
wird dir klar,
wonach wir streben,
worum es geht,
wonach man sucht:
Leben heißt auf den Tod zu warten.

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Tag der Veröffentlichung: 29.11.2011

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