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Schneeflöckchen, der Schmetterling

Es war tiefster Winter. Die Schneeflocken fielen so dicht hinter einander vom Himmel, dass wenn man hoch sah, man den Eindruck gewinnen konnte, dass man davon erschlagen werden könnte. Es war klirrend kalt, so dass sich keine Tier freiwillig aus seinem Zuhause heraus getraut hätte. Auf einem Einsamstehenden Baum, der ganz viele Äste trug, und noch einige Stellen derer nicht eingeschneit wurden, hing ganz verloren, ein Cocon einer Raupe. Dieser schien eingefroren zu sein, denn im Licht des Tages, schimmerten die Tropfen der getauten Schneeflocken, wie eis. Doch gegen den Willen der Natur, war diese Hülle nicht eingefroren, und trotzte jeder Kälte.
Immer wieder bewegte sie sich im rauen Wind, so dass selbst wenn sie jemand beobachtet hätte, keinem aufgefallen wäre, wie sie sich auch so, langsam bewegt, und es leichte risse dein gab. Mit einem Ruck fiel der untere Teil des Cocons ab, und fiel schon fast elegant auf den Boden. Aus der Hülle heraus, bewegte sich langsam und noch nicht genau erkennbar, ein Wesen. Man konnte noch nicht so genau definieren was es ist. es breitete sich aus und wurde von Minute zu Minute grösser. Nun konnte man schon die grossen, schneeweissen Flügel erkennen. Nun war ganz klar sichtbar, dass es ein Schmetterling war.
Er sah sich um, zitterte am ganzen Körper um, und versuchte sich, so gut es eben ging, wieder zusammen zu kauern, damit er nicht gleich erfriert. Zum glück hatte er den Schutz des Baumes, der ihn doch etwas vor dem rauen Klima und den Schneeflocken, die immer heftiger vom Himmel fielen, schützte.
Verzweifelt sass das wundervolle, königliche, weisse Insekt ganz nah am Baumstamm, und klammerte sich mit aller kraft an den daran liegenden Ast. Seinem Eindruck nach zu urteilen, überlebte es nicht lange. Die Kälte brachte es fast schon um. Immer mehr zitterte es. Vor lauter Verzweiflung fing es an zu Weinen. Doch die Tränen froren an seine Wange fest, so dass ihm noch kälter wurde. Zu dem nahm ihm diese raue Kälte, die ganze Kraft die es hatte. Es ging nicht lange, liess sich der wunderschöne, weisse Schmetterling fallen, weil er keine Kraft mehr hatte, sich weiter am Baumstamm fest zu klammer. Durch den Wind getrieben, fiel er in den eisigen Schnee. Mit letzter Kraft versuchte er sich mit den Flügeln aufzurichten. Doch sie blieben am kalten Schnee kleben. Es war wohl eine der letzten Minuten seines kurzen Lebens, die er noch erleben konnte. Das viele Eis, und der Schnee bereiteten ihm Schmerzen, von den Flügeln bis zu den Füssen. Laut schrie er vor Schmerz : „Hilfeeeee.“ Doch wer hätte ihn schon hören können. Es war doch gar niemand da, der ihn hätte retten können. Vor Schmerz zerrissen, schloss er die Augen, in der Hoffnung, dass so, das ganze Leiden schneller ein Ende findet. Genau so, lag er nun eine unbestimmte Zeit da, im Warten auf den Tod. Er hatte sich schon so sehr darauf eingestellt, dass er nicht mehr hörte wie sich ihm mit leichtem Flügelschlag etwas näherte. Und sich genau vor ihm nieder liess.
Es war ein kleiner Engel, mit goldenem, lockigem Haar. Vorsichtig kauerte er sich vor dem Schmetterling nieder, umschloss ihn vorsichtig mit seinen Händen, und nahm ihn, ohne seine Flügel zu berühren, auf seine Hand. Achtsam hob er ihn hoch, und sprach mit sanfter Stimme zu ihm: “ Wer bist du denn, mein kleiner Freund? Weißt du denn nicht dass es Winter ist? Und um diese Jahreszeit keine Schmetterlinge fligen? Bestimmt hast du dich in der Zeit geirrt. Und wenn du länger hier im eisigen Schnee liegen würdest, könntest du das sicher nicht lange überleben, aber ich nehme dich jetzt mit in mein Zuhause hier auf der Erde.“ Der kleine weisse Schmetterling, öffnete nun unsicher die Augen. War das hier alles nur Einbildung? Einfach weil er kurz vor dem Tod stand? Vielleicht war das jetzt der besagte Engel, von dem man immer wieder gehört hatte, der die lieben wesen, zum Himmel trugen.
Wie wenn der Engel seine Gedanken hätte lesen können, lächelte er nun sanft, und sagte: „keine Angst, ich bin nicht der Engel der dich ins Tierparadies bringt. Ich bin ein Weihnachtsengel. Mein Name ist Benjamin, und meine Aufgabe ist es, den Menschen und Tieren auf dieser Erde, Freude und Glück zu bringen.“ Mit grossen Augen sah der Schmetterling nun den Engel an. Er hatte schon fast vergessen, dass ihm kalt war, und er fror, denn sein ganzes Erscheinungsbild war einfach atemberaubend. In seinem kurzen Leben, hatte der Schmetterling noch nicht viel gesehen, und doch, wenn die Welt so schön war, wie dieser Engel, lohnte es sich, für sein Leben zu kämpfen.
Vorsichtig hauchte nun Benjamin, den immer noch fast gefrorenen Schmetterling an, das gab ihm eine Wärme die er vorher noch nie gespürt hatte. Dann sagte dieser zu ihm:“ ich glaub du hast noch keinen Namen. Deswegen nenne ich dich von jetzt an, weil du so samtige, schneeweisse Flügel hast, einfach Schneeflöckchen. Du bist ein Wunder der Natur. Denn Schmetterlinge kommen nie im Winter auf die Welt. Somit bist du etwas ganz besonderes.“ Schon allein der klang des Engels Stimme, war berauschend für Schneeflöckchen, doch die Worte dazu, liessen ihn die Röte ins Gesicht treiben. Amüsiert musste nun der Engel lachen. Mit weicher Stimme sagte er: „Komm wir gehen jetzt in mein warmes Zuhause, sonst erfrierst du mir hier noch.“ Sachte erhoben sie sich, und der Engel flog ohne ruckartige Bewegungen durch den Sturm. Es schien, als ob sich eine Feder im Wind bewegte. Gleichzeitig war es das erste Mal, dass Schneeflöckchen flog. Und doch fühlte es sich sicher, in Wärme und Geborgenheit der Hände von Benjamin. Vor Emotion und Freude jubelte es. Leicht, und kichernd flog der Engel weiter. Der Schmetterling seinerseits, war gefesselt von diesem Erlebnis. Er wusste zwar eigentlich schon wofür er seine Flügel hatte, doch die waren im Moment noch zu gefroren, um sie wirklich einsetzen zu können.
Nach kurzer zeit kamen sie in einer Hütte an. Sie schien von Aussen unscheinbar. Da aber Schneeflöckchen sowieso noch nie eine Hütte gesehen hatte, war es sehr neugierig, was es darin erwarten würde. Immer noch in der Hand des Engels liegend, betraten sie das schlichte Holzhaus. Behutsam öffnete nun Benjamin seine grosse, zarte Hand, und liess den halb durchgefrorenen Schmetterling, den vollen Anblick des Inneren, der Hüte erkennen.
Mit leuchtenden Augen betrachtete er die vielen Kerzchen, die auf einem kleineren Baum fixiert waren und fröhlich vor sich hin brannten. Dabei spürte er die Wärme, die diese Lichter ausstrahlten. Nun war dem Schneeweissen Schmetterling nicht mehr kalt. Auch sein Zittern hatte, ohne dass er es bemerkte, aufgehört. An dem Baum hingen bunte, glänzende Kugeln, und glitzernde streifen die schon fast die Form der Schneeflocken hatten, die er eben noch draussen gesehen hatte. Auf der Spitze, war ein grosser, leuchtender Stern gut sichtbar, und kaum zu übersehen. Lange betrachtete Schneeflöckchen den besonderen Baum, bekam vor lauter Staunen den Mund nicht mehr zu, und seine Augen wurden von Moment, zu Moment grösser. Die Faszination stand ihm ins Gesicht geschrieben. Leise musste Benjamin grinsen, er hatte noch nie einen so faszinierten Schmetterling gesehen. Dieses Grinsen wiederum, weckte Schneeflöckchen aus seinem Staunen auf, und sah nun den Engel mit grossen Augen an. „Wo bin ich? Ist das hier das Paradies?“ fragte er ihn, immer noch fasziniert. Benjamin schüttelte seine goldenen Löckchen und grinste immer noch dezent. „Du bist in unserer Engelshütte gelandet. Denn heute ist Weihnachten. Das ist der Tag, an dem alle Menschen und Tiere glücklich sein sollten. Der Tag, an dem jeder nur Freude haben sollte. Der Tag der Liebe.“ Der Schmetterling verstand nicht ganz. Was war denn liebe? Wie wenn der Engel nun wieder seine Gedanken lesen könnte, versuchte er ihm die Liebe zu erklären. Was auf keinen Fall ein leichtes Vorhaben war. Immerhin wusste man nicht so genau, ob Insekten, so was wie Liebe überhaupt kannten, und fühlen konnten. Dennoch versuchte es Benjamin geduldig: „Liebe ist, wenn man Anderen etwas gutes will. Für den andern da ist. Nicht auf sich selber sieht, sondern auf den Andern. Ihm beisteht wenn es ihm schlecht geht. Ihm Geschenke macht, ohne dass es dieser erwartet. Ihm hilft, wenn er in Not ist.“ „Dann hast du Liebe für mich? Du hast mir doch das Leben gerettet.“ „Ja.“ Sagte der Engel. „Natürlich liebe ich dich. Ich bin ein Engel, und mir wurde die Gabe gegeben alle Wesen auf dieser Erde zu lieben.“ Bewundernd sah der Schmetterling, Benjamin nun an. Und sagte dann ganz spontan: „Gut, dann will ich das auch werden.“ Lachend schüttelte der Engel nun den Kopf. „So einfach geht das nicht mein liebes Schneeflöckchen. Um ein Engel zu werden, muss man auserkoren sein. Es ist ein Geschenk, das nicht viele bekommen. Und auch wenn es jetzt im Moment bestimmt dein grösster Wunsch wäre, den kann ich dir leider nicht erfüllen. Doch da du heute zur Welt gekommen bist, und somit Geburtstag hast, bist du etwas ganz besonderes. Ich werde mir auf jeden Fall noch ein Geschenk für dich einfallen lassen.“ Der Schmetterling hatte keine Ahnung, was ein Geschenk ist, doch er wollte nicht immer nur nachfragen, war aber davon überzeugt dass es etwas Gutes sein musste. Deswegen freute er sich insgeheim schon drauf. In seinem Herzen verspürte er eine seltsame Wärme, die ihm ein ganz besonderes Wohlgefühl gab. Strahlend sah er nun Benjamin an und sagte spontan aber von ganzem Herzen: „Ich liebe dich auch.“ Insgeheim hoffte er, dass er nun auch ein Engel werden dürfte. Dem Schmetterling war nämlich aufgefallen, dass Benjamin, draussen im Schneesturm weder zitterte noch fror. Engel zu sein, musste toll sein.
Es dauerte nicht lange, da ging die Hüttentüre wieder auf, da traten ganz viele fröhlich lachende Engel ein. Sie begrüssten Benjamin freundlich, dabei blieb ihnen der kleine Schmetterling auf seiner Hand nicht verborgen. Sie stellten sich kreisförmig im ihn herum auf und betrachteten ihn freudig. Wirr redeten sie dabei durcheinander, so dass Schneeflöckchen nichts mehr verstehen konnte. Nach einer kurzen Zeit aber, waren sie alle ruhig geworden, und betrachteten ihn immer noch andächtig. „Ist das nicht ein Wunder?“ strahlte sie nun Benjamin an. Alle Engel die um ihn herum standen nickten stumm. „Ich hab ihn Schneeflöckchen genannt, weil er so wunderschöne weisse Flügel hat, und ich ihn im Schnee gefunden habe.“ Die andern Engel stimmten ihm zu, und antworteten wie im Chor: „Ja, das ist eindeutig der richtige Name für ihn.“ Nun fingen sie alle vor lauter Freude an zu Singen. Es klang wie man sich singende Engel vorstellt. Einfach wunderschön.
Wieder war der Schmetterling zu tiefst beeindruckt. Gleichzeitig wurde er Benjamin immer dankbarer, dass er ihm sein Leben gerettet hatte. Sonst hätte er wohl nie so etwas Schönes, wie er jetzt erleben durfte, mitbekommen. Die Luft roch nach Zimt und frischen Backwaren. Doch erst jetzt hatte Schneeflöckchen diesen Duft wahrgenommen. Auch davon war er völlig überwältigt. Behutsam legte Benjamin den Schmetterling nun auf eine Blüte. „Wir müssen dich jetzt leider für einige Zeit allein lassen, denn es ist Weihnachten, und wir haben noch einige Aufgaben zu erledigen.“ Traurig sah nun Schneeflöckchen seinen Lebensretter an. „Ich würde doch so gerne mitkommen, und zusehen, wie ihr Helft. Bestimmt mache ich euch keinen Ärger dabei, werde mich auch ganz ruhig verhalten. So dass ihr mich gar nicht bemerkt.“ Skeptisch betrachtete der Engel nun den Schmetterling. „Wir müssen aber dafür, hinaus in die Kälte, das würde doch gefährlich für dich werden. Du könntest dabei erfrieren.“ „Aber in deiner Hand bin ich sicher. Da erfriere ich nicht.“ Widersprach ihm der Schmetterling. Unsicher sah Benjamin zu den anderen Engeln, zog sie auf die Seite und flüsterte mit ihnen, so dass der kleine Schmetterling kein Wort davon verstehen konnte. Ungeduldig hüpfte er von einem Bein auf das Andere. Vielleicht erbarmten sie sich ja seiner, und nahmen ihn mit. Voller Hoffnung starrte er auf die Engel, die eng zusammen standen, und immer noch flüsterten.
Ihm kam die Zeit des Wartens ewig vor. Endlich kam Benjamin wieder an, und setzte sich auf den Stuhl der neben dem Tisch stand, wo das Blatt mit Schneeflöckchen, drauf lag. Er räusperte sich leise: „Wir haben lange hin und her überlegt. Doch wir wollen das Risiko nicht eingehen, dass dir etwas zustösst. Es lauern so viele Gefahren in dieser Welt. Und da du sowieso nicht so ein langes Leben haben wirst, solltest du das was du hast, erst einmal geniessen können. Deswegen haben wir beschlossen, dass du hier bleiben sollst, in der Wärme. Du kannst in der Zeit ein Schläfchen machen. Einerseits ist es das Risiko, was wir nicht eingehen wollen, aber andererseits ist es eine Tatsache, dass wir viel schneller fertig sind, wenn wir nicht Acht auf dich geben müssen. Du bist immer noch erschöpft, von dem was du eben noch erlebt hast. Wir wissen dass so eine Geburt, sehr anstrengend ist. Aber du musst nicht traurig sein, denn sobald wir zurück sind, werden wir dir ein Geschenk machen das dich bestimmt freuen wird. Nun leg dich hin, ruh dich aus, und geniesse deine Ruhe, die du für kurze Zeit haben wirst. Wir werden nicht lange weg sein.“ Enttäuscht sah der Schmetterling nun den Engel an. Doch das, was er da gesagt hatte, stimmte wirklich. Vielleicht war es doch klüger, sich hier auszuruhen und zu warten. Immerhin war er noch nicht so bei Kräften, wie er s hätte sein sollen. Leise schlichen die Engel aus der kleinen Hütte, und schossen vorsichtig die Türe hinter sich. erschöpft, versuchte Schneeflöckchen nun etwas zu schlafen, dabei legte es seine schneeweissen Flügel vorsichtig auf einander. So waren sie fähig, sich gegenseitig den Halt zu geben, um nicht schwer tragen zu müssen. In der ganzen Entspannungsphase schlief es nun tief und fest ein. Es war der erste Schlaf, seit es auf dieser Erde war.
Es wurde schon langsam dunkel, als der Schmetterling seine Augen öffnete. Durch das Fenster sah er, dass es immer noch heftig schneite. Schon bei dem Gedanken an Schnee wurde ihm wieder kalt. Doch nun fühlte er sich so richtig ausgeruht und stark. Dieses Schläfchen hatte ihm offensichtlich gut getan. Wo waren nur seine Engelfreunde geblieben? Sie sagten doch, sie sind bald zurück. Hoffentlich war ihnen nichts zugestossen. Gleichzeitig mit diesen Gedanken, freute er sich aber wie ein kleines Kind, auf die Überraschung die ihm die Engel machen wollten. Angestrengt überlegte er, was es sein könnte. Doch egal wie sehr er sich anstrengte, ihm fiel nichts Passendes ein. Ungeduldig hüpfte er nun von einem Bein auf s andere. Er konnte es kaum erwarten.
Wie hypnotisiert starrte er aus dem Fenster, und beobachtete die Schneeflocken, die in immer gleichem Tempo auf die äussere Fensterbank fielen, und doch dabei eine Leichtigkeit hatten, die beeindruckend war. Ob er wohl auch so mit unbefangener Leichtigkeit fliegen konnte? Vielleicht sollte er es einfach austesten. Ohne lange zu überlegen, spreizte er seine makellosen Flügel, und fing etwas unsicher an, mit ihnen zu fächern. Erstaunt spürte er, wie er sich langsam vom Blatt erhob, und keinen Halt mehr unter den Füssen hatte. Obwohl keiner da war, freute er sich so sehr über seinen Erfolg dass er laut schrie: „Juhuuuuuuuu, ich kann fliegen!“ er wurde immer mutiger, und flog nun schon fast, wie wenn er es immer schon gemacht hätte, durch den nicht all zu grossen Raum. Nach kurzer Zeit merkte er aber, dass das Fliegen doch mehr Kraft benötigte, als er es sich vorgestellt hatte. Schon etwas erschöpft, setzte er sich auf die Spitze, des wundervoll geschmückten Baumes. Dabei dachte er über das Wort Weihnachten nach. Denn obwohl ihm der Engel erklärt hatte was Weihnachten ist, konnte er es noch nicht so ganz verstehen. Auf jeden fall, musste es etwas wunderschönes sein. Tief in Gedanken versunken, starrte er vor sich hin, und bemerkte dabei nicht, dass sich die Türe leise öffnete, und die Engel, mit strahlendem Gesicht, durch die Türe traten. Erst nachdem Benjamin nun anfing Schneeflöckchen zu suchen, und nach ihm rief, realisierte es, dass die vielen lieben Engel zurück waren von ihrer Arbeit. Als er in ihre fröhlichen Gesichter sah, war ihm vollkommen klar, dass Weihnachten wohl noch viel toller war, als es sich das ganze vorgestellt hatte. Leise lachend, breitete nun Schneeflöckchen seine Flügel aus, und flog Benjamin frech auf die Schulter, und landete da sogar unversehrt. „Oh, du hast fliegen gelernt.“ Staunte nun der Engel. „Ich hoffe, du hast dich genug ausgeruht, und bist voller Tatendrang, denn nun feiern wir Engel, unsere Weihnachten.“ Mit grossen Augen sah ihn Schneeflöckchen nun an und war gespannt was nun passieren würde. Feierlich zündeten nun die Engel, ohne sich abzusprechen, alle Kerzen an, die im Raum verteilt waren. Die Kerzen am Baum, die nun schon fast herunter gebrannt waren, wurden von den fleissigen Engeln ersetzt, und wieder neu angezündet. Jetzt wo es draussen dunkel war, sah die ganze Beleuchtung noch viel eindrücklicher aus.
Die Engel, setzten sich alle zusammen, und fingen im Chor an, wunderschöne, fröhliche Lieder zu singen. Entzückt lauschte Schneeflöckchen den sanften klängen, und hatte dabei sogar leichte Tränen in den Augen.
Nun sangen die Engel, ein schönes Lied nach dem Andern. Doch jedes der Lieder, empfand der Schmetterling als noch schöner. Bei den Klängen der Engelsstimmen, wurde ihm so warm um s Herz, und er fühlte sich so wohl, wie er sich noch nie gefühlt hatte. Weihnachten war wirklich sehr beeindruckend und wunderschön für ihn. Nach längerer Zeit, beendeten nun die Engel ihren schon fast himmlischen Gesang. Schneeflöckchen war überzeugt davon dass Weihnachten nun beendet war. Doch da stand Benjamin auf, er nahm ein Glöckchen und bimmelte damit, so dass alle ruhig wurden, und keiner nicht mal traute, laut zu atmen. „Liebe Engel, und liebes Schneeflöckchen.“ Fing er nun klar und deutlich an zu reden. „Leider ist unser Ehrengast noch nicht erschienen, aber wir werden die Zeit nutzen, um weitere, fröhliche Lieder zu singen. Und unserer Freude über Weihnachten, mehr Ausdruck zu verleihen. Erst wenn er da ist, gibt es die Bescherung.“ Alle Engel sangen, voller Kehle weiter. Und wieder bekam Schneeflöckchen fast Gänsehaut, bei den jubelnden Stimmen. In Gedanken war es aber in die Worte versunken, die Benjamin eben gesagt hatte. Ein Ehrengast? Also irgendetwas ganz besonderes? Die Neugierde des Schmetterlings, wurde von Minute zu Minute stärker. Es wurde langsam schon so stark, dass er sich kaum noch auf den Gesang konzentrieren konnte. Dabei quälte ihn die Frage, was ist eine Bescherung?
Unerwartet ging die Türe auf, und ein alter Mann, mit weissem, langen Bart, stapfte durch die Türe. Beim Eintreten riefe er laut: „Hohoho.“ Auf einen Schlag hörten alle Engel mit singen auf, und scharten sich eilig, um den etwas übergewichtigen Mann mit der roten Mütze. Er trug über seine Schultern hängend, einen grossen braunen Sack. Dieser schien sehr schwer zu sein.
Was da wohl drin sein würde? Wieso trug jemand freiwillig einen schweren Sack über die Schulten?
Diese Gedanken, gingen dem Schmetterling durch den Kopf, während er das Schauspiel beobachtete. Dieser alte Mann schien sehr beliebt zu sein, denn die Engel hatten Schneeflöckchen, offensichtlich ganz vergessen. Fröhlich redeten sie mit ihm, und lachten dabei immer wieder auf. Anscheinend war dieser Mann sogar witzig. Schneeflöckchen kam das alles wie eine Ewigkeit vor. Und doch, irgendwie fand es das ganze voll faszinierend. Es schnappte zwar nur einzelne Worte auf, aber das reichte ihm, um sich ebenfalls zu amüsieren.
Benjamin drehte sich nun zum Schmetterling um, und sagte liebevoll zu ihm: „Das, mein wunderschönes Schneeflöckchen, ist der Weihnachtsmann. Er arbeitet nur an Weihnachten, weil er da den Kindern die Geschenke bringt. Alle Menschen lieben ihn, weil er immer nett ist. Doch nun ist unsere Zeit zum Weihnachten feiern gekommen. Wir Weihnachtsengel, feiern, nach geleisteter Arbeit, jedes Jahr mit ihm zusammen. Das ist schon seit vielen Jahren Tradition. Und nun wird die Feier gleich beginnen.“
Erstaunt sah der Schmetterling nun den Engel an. Immer hin dachte er, dass das eben schon Weinachten feiern war. Und er fand das schon wunderschön. Wie wenn Benjamin seine Gedanken lesen könnte, sagte dieser nun: „ja, das singen, und fröhlich sein, gehört auf jeden fall zu der Weihnachtsfeier, jedoch gehört da noch einiges mehr dazu als viele Lichtchen und singen.“ Nun freute sich unser kleiner Schmetterling noch mehr, auf das was noch kommen würde. Obwohl er keine Ahnung hatte was ihn erwartet, freute er sich wie ein Kind darauf.
Benjamin klatschte laut in die Hände. Auf einen Schlag, waren alle ruhig und setzten sich mit Leichtigkeit, jeder an seinen Platz. Der Weihnachtsmann aber bekam den grossen roten Sessel, der mitten drin stand. Nur Benjamin blieb stehen. „Liebe Anwesende, wir sind heute, hier versammelt, zum gemeinsam das frohe Fest zu feiern. Ich freue mich, dass dieses Jahr wie alle anderen Jahre, der Weihnachtsmann wieder Zeit für uns gefunden hat, damit wir gemeinsam feiern können.“ Er unterbrach sich kurz selber, und setzte dann fort: „Wie jedes Jahr haben wir viele Leckerbissen vorbereitet, damit auch euer Magen sich freut. Aber da wir heute ein ganz spezieller Gast haben, der heute Geburtstag hat, weil er heute ganz früh am morgen aus seinem Cocon entschlüpft ist, haben wir etwas besonderes vorbereitet.“ Singend kamen nun zwei Engel aus dem Nebenraum, sie trugen eine schön geschmückte Torte, mit einem Kerzchen drauf. Damit gingen sie direkt auf den Schmetterling zu. Stellten den Teller mit der Torte vor ihn hin und sagten gleichzeitig: „puste das Kerzchen aus, schliess dabei die Augen und wünsch dir was. Dann wird es in Erfüllung gehen.“ Schneeflöckchen kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Es wusste gar nicht was es sagen, denken oder fühlen sollte. Das alles war einfach viel zu schön. Eine ganze Weile starrte es die Torte mit dem Kerzchen an, und konnte es immer noch nicht ganz begreifen. Ungeduldig fingen die Engel an von einem Bein auf das andere zu hüpfen. Sie befürchteten, wenn Schneeflöckchen so weiter macht, dass die Kerze abbrennt, bevor es sich etwas gewünscht hatte. Doch sie sagten nichts dazu. Nun endlich realisierte der Schmetterling. Er hatte schon am Anfang, wo er in die Hütte kam, den Wunsch gehabt, ein Engel zu werden. Also schloss er jetzt die Augen, pustete das Kerzchen aus und wünschte es sich. nun klatschten alle Engel, und der Weihnachtsmann sagte laut und fröhlich „Hohoho“. Nun schnitten sie die Torte in viele Stücke, und verteilten an jeden eins davon. Gleichzeitig brachte ein anderer Engel, eine Platte mit vielen Häppchen ins Zimmer, und stellte sie, ebenfalls auf den Tisch. Ohne zu drängen bedienten sich nun die Engel, nahmen sich einen Teller und legten da die Partyhäppchen drauf. Dann setzte sich wieder jeder einzelnen von ihnen, an den Platz. Nun unterhielten sich alle angeregt, und genossen dabei die Torte und die Häppchen. Nun stand Benjamin auf, nahm den Sacke es Weihnachtsmannes und kippte ihn unter dem schön beleuchteten Baum aus. Alle Engel freuten sich, und klatschten dabei in die Hände. Mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht, verteilte Benjamin nun jedem der Engel ein Geschenk. Dazu sagte er immer wieder: „Das ist ein Geschenk, um dir zu zeigen dass du wichtig bist für uns, und dass wir dir alle lieb haben.“ Die ganze Atmosphäre war atemberaubend. Der kleine Schmetterling genoss jeder Minute. Er fürchtete, er würde so was nie wieder erleben können. Immerhin war ihm bewusst, dass er als Schmetterling, nicht so lange zu leben hatte. Auf einen Schlag wurde er nun traurig. Wieso konnte er nur kein Engel sein? Er spürte wie ihm die Tränen über die Wangen kullerten, doch er konnte sie nicht aufhalten. In Tränen versuchen, sass Schneeflöckchen nun wie ein Häufchen Elend da und vergass dabei sogar die Umwelt, die es grade noch so schön fand.
Leise näherte sich Benjamin dem Schmetterling. Setzte sich zu ihm, ohne dass dieser es bemerkte, und redete mit sanfter Stimme zu ihm: „Wieso bist du denn so traurig? Weihnachten ist doch ein Tag der Freude. Du kannst stolz sein, genau an diesem Tag Geburtstag zu haben. Viele würden dich darum beneiden.“ Vorsichtig hob nun Schneeflöckchen den Kopf, und sah dem Engel direkt ins Gesicht. „Ich hab doch höchstens vierzehn Tage zu leben. Wie soll ich denn stolz darauf sein? In einigen Tagen bin ich tot.“ Laut schluchzte es weiter. Schnell huschte der Engel wieder weg vom weinenden Schmetterling. Dieser dachte im ersten Moment, der Engel würde das einfach nicht hören wollen, senkte den Kopf wieder, und weinte weiter. Doch eh er sich versah, stand der Engel wieder vor ihm, mit einem breiten Grinsen im Gesicht. War es möglich, dass dieser nette Engel, Schneeflöckchen nicht ernst nahm?
Benjamin bimmelte mit einem Glöckchen. Sofort waren wieder alle Engel um sie herum, ruhig. Wieder ergriff er das Wort: „So, da nun alle ihre Geschenke ausgepackt haben, und sich wie ich in den Gesichtern lesen kann, alle sehr freuen über ihre Geschenke, kommen wir nun zum Höhepunkt.“ Mit einem geheimnisvollen Blick, übergab er Schneeflöckchen ein kleines, wunderschön verpacktes Geschenk. Nun standen alle Engel, samt Weihnachtsmann um den weissen Schmetterling herum, und waren neugierig, zu sehen wie dieser das Geschenk öffnete. Doch Benjamin hatte noch nicht zu Ende geredet. „Dieses Geschenk, ist von uns allen, für dich. Es ist das Wertvollste aller Geschenke. Aber schliesslich hast du heute ja auch zwei dinge zu feiern. Einerseits deinen Geburtstag, und andererseits Weihnachten. Wir haben uns für dich, etwas ganz besonderes einfallen lassen. Und nun bitte ich dich, dieses Geschenk auszupacken.“ Zögerlich, packte nun der Schmetterling, das Geschenk aus. Weil es langsam, und ohne Eile machte, fingen die Engel um ihn herum, schon wieder an, ungeduldig zu werden. Doch Schneeflöckchen liess sich dadurch nicht aus der Ruhe bringen. Nun öffnete es die kleine Schachtel. Ein glitzernder Staub, kam ihm entgegen. Dieser Staub verschonte nichts, weder seine zarte Haut, noch die Flügel oder die Augen. Doch auf der Haut und den Flügeln, kribbelte der Staub. In den Augen hingegen, fing er an zu beissen, so dass der kleine Schmetterling nichts mehr sehen konnte. Er wusste nicht so richtig, ob er nun vom kribbeln lachen sollte, oder vom beissen der Augen weinen. Heftig rieb er sie. Ein Raunen ging durch die Menge. Doch Schneeflöckchen wusste nicht wieso. Die Zeit bis das beissen in den Augen verging, erschien ihm unendlich lange.
Endlich hörte hatte das beissen ein ende. erstaunlicherweise fühlte sich Schneeflöckchen nun wie neu Geboren. Es hatte Kräfte entwickelt, die es nicht mehr zerbrechlich machten. Doch wusste es natürlich nicht wieso. Alle Engel klatschten und jubelten laut. Immer noch wusste Schneeflöckchen nicht, wieso sie es taten. Benjamin streckte ihm geistesgegenwärtig einen Spiegel hin. Es nahm ihn, und sah ohne es wirklich zu wollen, hinein. Sprachlos sah es mit starrem Blick auf den Spiegel. Dann fing es an den Kopf zu schütteln. Die Tränen flossen ihm vor Rührung über die Wangen, und es fand einfach keine Worte. Genau konnte es noch nicht wissen, was aus ihm geworden war. Jedoch war es sich sicher, dass es kein Schmetterling mehr war. Stotternd sah es nun vom Spiegel auf, und fragte Benjamin direkt: „Was ist das? Ich bin wunderschön, aber ich weiss nicht was ich bin.“ Lachens sagte nun der Engel zu ihm: „ich weiss zwar, dass du dir gewünscht hast einen Engel zu sein. Leider geht das nicht so einfach, weil man da ganz viele Lebensprüfungen bestehen muss. Doch wir haben uns etwas ausgedacht, dass einem Engel in einer gewissen Weise sehr ähnlich ist. Wir haben die den Zauberstaub geschenkt, damit du zur Elfe wirst. Eine Elfe ist ein kleines Wesen, das wunderbare Dinge vollbringen kann. Das den Menschen Freude bereitet indem sie genau dann gutes tut, und Wünsche erfüllt, wenn der Mensch denkt, es gäbe keine Chance mehr für ihn. Du bist das Fabelwesen dass alle bewundern. Und du kannst sehr sehr alt werden. Also wirst du noch ganz viele Geburtstage erleben.“ Fassungslos vor Glück, sah sich nun Schneeflöckchen nochmals im Spiegel an. Es hatte immer noch schneeweisse Flügel. Nur diesmal waren sie anders geformt. Dazu hatte es noch zierliche Hände, Arme, Beine und Füsse. Und ein wunderschönes, Gesicht mit einer sanften, liebevollen Ausstrahlung. Nun stand es da, wie gelähmt. Wusste nicht was es sagen sollte. Lange stand es einfach regungslos da. Auf einen Schlag fing es an zu hüpfen, und voller Freude mit den Flügeln zu fächern. Ohne es zu bemerkten, hob es vom Boden ab, und flatterte fröhlich in der Luft herum. Als das Elfchen aber bemerkte dass es am Fliegen war, setzte es sich ganz schnell wieder auf den Tisch. Nun zeigte Benjamin ihm das kleine, unscheinbare silberne Säckchen, das an seiner Seite hing. „Sieh da, das ist dein Zauberstaub. Damit kannst du Wünsche der Menschen erfüllen. Allerdings für jeden Menschen nur einen pro Jahr. Der Wunsch des Menschen darf aber nicht bösartig sein, sonst wirkt der Zauberstaub nicht.“ Aufmerksam hatte ihm Schneeflöckchen zugehört. Vor lauter Freude jubelte es laut, ohne es wirklich steuern zu können. Die Engel aber, die den Beiden die ganze zeit zugesehen hatten, jubelten nun laut mit ihm. „Danke euch allen. Ich weiss nicht wie ich euch das je wieder zurück geben soll. Ich hab euch aber alle sehr lieb!“ „Deine Freundschaft kannst du uns schenken.“ Sagte nun Benjamin, und fuhr dann fort „Und das versprechen, dass du nun jedes Jahr mit uns Wünsche erfüllst, und anschliessend mit uns Weihnachten feierst.“ Vor laute Freude hüpfte nun die kleine Elfe durch den Raum, dass man hätte glauben können sie ist ein Grashüpfer geworden. Völlig ausser Atem blieb sie nun stehen und sagte laut und völlig überzogen, mit ihrer piepsigen Stimme: „Ja das verspreche ich euch. Ich danke euch für alles, und werde immer eure Freundin sein, und jedes Jahr auf s neue mit euch los ziehen, um Menschen zu überraschen.“ Immer noch strahlte die Elfe über s ganzen Gesicht. Von nun an waren sie Freunde, und blieben es ein Elfenleben lang.


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Tag der Veröffentlichung: 04.01.2010

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