Cover

Dangerous Love

Protect Me – Sammelband 1-4




Allie Kinsley


Bereits erschienen:

 

Fire&Ice 1 – 16

 

Weil wir wir sind (Sweet like Candy)

 

Cinderella 1&2

 

Single Bells – Ein Professor zum Verlieben

 

Protect Me 1 - 8

 

Yearn for Adam

Yearn for Slade

Yearn for Deacon

 

Hollywood Badboys 1 – 4

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Copyright © 2020 Allie Kinsley

All rights reserved.

SW Korrekturen e.U., www.swkorrekturen.eu

Covergestaltung © NaWillArtDesign

Protect Me

Band 1

Brian Cruise







Allie Kinsley









1 Der Auftrag



BRIAN


"Brian, ich habe einen Auftrag für dich." Die Stimme von Tyler Moreno, seinem Vorgesetzten in der Sicherheitsabteilung bei JB-Industrials, riss ihn aus seinen Gedanken.

"Für mich?" Das war wirklich ungewöhnlich. Er hatte keine zusätzlichen Aufträge mehr bekommen, seit er zu Skyler Blacks Personenschützer befördert worden war. Sky war nicht nur eine gute Freundin für ihn geworden, sie war außerdem die Frau des Firmeninhaber Ryan Black. In der Anfangszeit hatte er noch viel zu tun gehabt, doch seit Sky ein Baby bekommen hatte, war es sehr ruhig für ihn geworden.

Zu ruhig, um genau zu sein. Über die Hälfte seiner Arbeitszeit saß er nur in der Zentrale und wartete darauf, irgendetwas zu tun.

"Ja, für dich. Ich hab es mit Ryan abgesprochen. Wir sind gerade etwas schlecht besetzt. Marietta ist krank, also wird Sky sowieso nicht außer Haus gehen."

Ty zog sein Handy heraus und sah nervös darauf. Er hoffte wohl wie immer stark darauf, dass auch seine Frau Nina nicht allein unterwegs war.

"Sehr gut. Um was geht es?" Brian stand auf und schloss die Knöpfe seines schwarzen Jacketts.

Es war die Standard Kleidung, die er in seinem Job als Buddy, die Kurzbezeichnung für Personenschützer in der Firma, trug. Um die Schultern spannte es. Noch vor einem Jahr hatte es ihm perfekt gepasst.

Um vor Langeweile beim Warten auf einen Anruf von Sky nicht einzugehen, verbrachte er viele Stunden im firmeneigenen Fitnessraum.

Wo er vorher schon fit und gut durchtrainiert gewesen war, konnte man jetzt deutlich definierte Muskelstränge sehen.

Breite Schultern, starke Arme und einen perfekten Sixpack. Eigentlich sollte er sich darüber freuen … wenn der Grund dafür nicht so verdammt langweilig wäre.

"Ty?", hakte er nach, nachdem er noch immer keine Antwort erhalten hatte.

Verwirrt sah dieser auf. "Ähm … ja, entschuldige. Ich muss weg, Nina schreibt gerade, dass sie mit Bella in den Park will und ich weiß, dass Dario noch mit Carry beim Arzt ist." Dass Nina ohne ihren Buddy Dario, dafür mit ihrer kleinen Tochter raus gehen wollte, glich für Ty einem Super-GAU.

"Sag einfach wer und wo!"

"Amy Altera, Alex‘ kleine Schwester." Alex war Ryan Blacks Freund aus Deutschland, soviel wusste Brian noch. Leider war das auch schon alles.

In diesem Moment ging Ty bereits zur Tür. "Halt! Ty, wo soll ich sie abholen? Oder ist sie schon da?", rief er ihm hinterher.

"Ach so, sorry, nein. Sie kommt gegen elf Uhr am Logan International Airport an." Dann fiel die Tür hinter ihm ins Schloss.

Amy Altera also … gut immerhin wieder etwas zu tun!

Zufrieden ging er nach vorn, um sich von Tracy, Ty's Sekretärin, eines der Schilder machen zu lassen, mit denen er Miss Altera am Flughafen ausfindig machen konnte.


AMY


Innerlich verfluchte sie sich selbst für die beschissene Idee das sechsmonatige Praktikum in Boston zu machen.

Vor vier Monaten war ihr das Ganze noch wirklich genial vorgekommen.

Einmal nach Amerika, weg von ihren Eltern und ihrem Bruder, raus in die große weite Welt.

Nur dass die große weite Welt wirklich verdammt weit entfernt war! Fast 15 Stunden hatte sie im Flugzeug gesessen. Sie fühlte sich schwach und elend. Genauso sah sie auch aus, wie ein Blick in ihren kleinen Handspiegel ihr bestätigte.

Notdürftig versuchte sie ihre langen, schwarzen Haare in den Griff zu bekommen. Wirklich etwas retten können würde sie an ihrem Aussehen aber nicht. Ohne Dusche keine Chance.

Ihr einziger Lichtblick war, dass ihr großer Bruder Alex ihr versichert hatte, dass man sie vom Flughafen abholen würde. Zumindest würde sie sich so die Suche nach einem Taxi ersparen.

Den riesigen Rollkoffer in der Hand und die Tasche mit ihrem Handgepäck über der Schulter, suchte sie den Raum nach ihrem Fahrer ab.

Ein Schild mit ihrem Namen fand sie nicht, dafür einen verdammt sexy aussehenden Mann. Genau ihr Beuteschema! Groß, blond und breite Schultern.

Der schwarze Anzug saß ziemlich eng an seinem trainierten Körper, die kurzen Haare waren leicht verstrubelt.

Sein glattrasiertes Gesicht war maskulin und wirkte durch das schelmische Lächeln, das um seinen Mund lag, während er auf seinem Handy tippte, irgendwie jünger und weicher.

Seine Nase war gerade und die Oberlippe schmäler als die Unterlippe.

Amy schätze ihn auf Ende 20. Bestimmt ein Geschäftsmann auf der Durchreise. So gut wie der Anzug saß, musste er eine wichtige Position in seinem Unternehmen haben.

Wäre ihr nicht bewusst gewesen, wie verheerend sie selbst in diesem Moment aussah, würde sie ihn einfach ansprechen. So würde er sie im besten Fall auslachen, im schlechtesten einfach schreiend davon rennen.

Diese Blöße wollte sie sich nicht geben. Mit 24 Jahren empfand sie sich eindeutig zu alt, um sich lächerlich zu machen.

Genau in diesem Moment sah der blonde Sexgott auf und ihre Blicke trafen sich. Seine strahlend blauen Augen musterten sie ausführlich.


BRIAN


Wow! Für einen Moment verschlug es Brian die Sprache. Er konnte sich nicht daran erinnern, jemals eine so schöne Frau gesehen zu haben.

Ihr Gesicht war makellos. Große, ausdrucksstarke braune Augen, eine zierliche Nase und volle rosa Lippen. Ihr Teint war südländisch und ebenmäßig. Die schwarzen Haare hatte sie zu einem lockeren Knoten nach hinten genommen.

Sie war schlank mit kleinen Kurven an den richtigen Stellen.

Rock und Jackett waren verknittert, als hätten sie eine lange Reise hinter sich. Alles in allem sah sie ein wenig mitgenommen und erledigt aus, und dennoch wie eines der schönsten weiblichen Wesen des Planeten.

Er wollte gerade zu ihr gehen, um sie anzusprechen, als sie sich abrupt abwandte und in die andere Richtung ging. Brian wollte ihr folgen, sie zu einem Date überreden, doch als er losging, fiel das Schild, mit dem er seinen neuesten Schützling vom Flughafen holen sollte, klappernd zu Boden.

Ein Blick darauf genügte, um ihn daran zu erinnern, was er tun musste.

Widerwillig hob er das Schild auf und hielt nach jemandem Ausschau, der abgeholt werden wollte.


AMY


Genervt streifte sie durch die sich leerende Empfangshalle auf der Suche nach dem Fahrer, der sie eigentlich abholen sollte.

Irgendwann kam sie schließlich wieder am Ausgangspunkt ihrer Suche an. Augenblicklich fand sie wieder den Blick der blauen Augen, die sie so sehr fasziniert hatten.

Erst ihr zweiter Blick fiel auf das große, weiße Schild in seinen Händen:


"AMY ALTERA"


Verdammt! Das durfte doch nicht wahr sein. Resigniert ließ sie den Kopf hängen. Sie atmete mehrmals tief ein und aus, ehe sie die Schultern straffte, das Kinn hob und ihr Gewinnerlächeln aufsetzte.

Seine Augen weiteten sich, als sie mit großen, sicheren Schritten auf ihn zuging.

"Hätten Sie dieses Schild von Anfang an in die Höhe gehalten, hätte ich mir die Suche sparen können", sagte sie lächelnd und streckte ihm ihre Hand entgegen. "Ich bin Amy Altera, die neue Praktikantin, schön Sie kennenzulernen."

Der Blonde starrte sie noch immer an, schüttelte dann kurz den Kopf und nahm ihre Hand. "Miss Altera, ich freue mich ebenfalls. Mein Name ist Brian Cruise, JB-Industrials Security."

Bei seinem Lächeln verschlug es ihr kurzfristig den Atem. Es war umwerfend. Offen, ehrlich, breit und ohne das geringste Fünkchen Zurückhaltung.

Augenblicklich wurden Amys Knie weich. Sie konnte sich gerade noch beherrschen, nicht zusammenzuzucken, als er noch näher kam, um ihr das Gepäck abzunehmen.

"Hier entlang bitte", sagte er und deutete mit einer Handbewegung zum Ausgang.

Vor dem Gebäude stand eine schwarze Audi Limousine. Brian hielt ihr die Tür zum Fond des Wagens auf und half ihr beim Einsteigen.

Das "Danke" bekam sie gerade noch über die Lippen, so durcheinander brachte sie der blonde Schönling.

Nachdem er die Taschen im Kofferraum verstaut hatte, setzte er sich auf den Fahrersitz und lenkte den Wagen zurück auf die Straße.

"Wie lang werden Sie hier bleiben, Miss Altera?", fragte er mit freundlicher Stimme. Seine Augen funkelten sie im Rückspiegel an.

"Nennen Sie mich bitte Amy. Mein Praktikum geht über sechs Monate. Ich bin mir aber noch nicht sicher, was ich im Anschluss machen werde."

"In welcher Abteilung werden Sie arbeiten?" Es schien ihn wirklich zu interessieren, oder er war ein verdammt guter Schauspieler.

"Internationales Marketing. Das war mein Schwerpunkt während meines Studiums in Deutschland."


BRIAN


Ihre Stimme faszinierte ihn. Warm und weich, wie süßer Honig. Er könnte ihr stundenlang zuhören, leider kamen sie in diesem Moment in der Tiefgarage von JB-Industrials an.

Er parkte den Wagen in der zugewiesenen Parkbucht und half ihr dann beim Aussteigen. Ihre Hand war schmal und elegant. Sie fühlte sich perfekt in seiner an.

Leider entzog sie sich ihm viel zu schnell.

Nachdem Brian ihr Gepäck aus dem Kofferraum geholt hatte, führte er sie zu den Aufzügen. Über sein Headset informierte er die Zentrale über die Ankunft.

"Hab ich schon gesehen. Warum bekommst eigentlich immer du die Jobs mit den heißen Mädels und ich muss immer die alten, reichen Säcke holen?", witzelte sein Freund Ray, der ebenfalls für den Secret Service arbeitete.

"Weil Ty genau weiß, dass du deine Finger nicht bei dir behalten kannst", antwortete er so leise wie möglich, damit Amy ihr Gespräch nicht mitbekam.

"Das sind nur Gerüchte!" Er hörte die Jungs im Hintergrund lachen.

"Du hast seine Schwester gevögelt, Ray!", schrie Chase dazwischen.

Brian schmunzelte. "Immerhin Tia und nicht die schwarze Witwe. Ich muss Schluss machen, Jungs."

Dann drückte er ohne eine Antwort abzuwarten auf off und widmete sich wieder Amy. Sie sah ihn belustigt an.

"Die schwarze Witwe? Ich finde es übrigens gut zu wissen, dass du mich nicht vögeln wirst, sondern Ray."

"Du hast alles gehört?", stöhnte er.

"Ja, ich höre ziemlich gut und dein Headset ist sehr laut eingestellt.

Verdammt.

Er hatte vergessen die Lautstärke wieder zu regulieren, nachdem er gestern mit Sky und Maya in Chris Club gewesen war. Immerhin schien es ihr nichts auszumachen.

"Es tut mir leid … sie sind manchmal ein bisschen …"

"Kein Problem. Ich kenne das aus meiner Clique. Es bereitet mir mehr Sorgen, dass es völlig abwegig zu sein scheint, dass du mich attraktiv finden könntest." Sie sah ihn nachdenklich an, konnte aber das Schmunzeln um ihre Mundwinkel nicht verbergen.

Brian lächelte erleichtert. "Daran liegt es bestimmt nicht, Amy. Ich finde dich sehr attraktiv."

"Hm … vergeben?"

"Nein." Krampfhaft überlegte er, was er sagen sollte, damit er sich nicht um Kopf und Kragen redete.

"Sag mir nicht, dass du schwul bist! Das wäre wirklich schade für die Frauenwelt!"

Auf dem Weg zum Empfang wäre er beinahe gestolpert. "Nein. Nein! Ich bin ganz und gar nicht schwul!"

Als er sie ernst ansah, begann sie zu lachen. "Warum reagiert ihr hetero Männer immer so empfindlich auf solche Aussagen?"

"Tue ich doch gar nicht!"

Verdammt … das war eindeutig schon wieder empfindlich.

Amy lächelte nur und widmete sich dann Willson, dem Mann am Empfang, der bereits mit den nötigen Unterlagen und Informationen über die Wohnung und das Gebäude auf sie wartete.

Nachdem sie alle Sicherheitsinformationen durchgegangen waren, bekam Amy noch ihre Zugangskarten, dann fuhren sie mit dem Aufzug nach oben zu ihrer Wohnung.

Brian öffnete die Tür und ließ ihr den Vortritt.

"Wow. Sehr schön", sagte sie und sah sich im Raum um.

Das war sie. Brian gefiel jedes Mal, was er sah, wenn er einen seiner Schützlinge hierher brachte. Das Wohnzimmer war ungefähr 30 Quadratmeter groß. Die Möbel waren allesamt in weiß gehalten und das dunkle Kirschholzparkett bildete einen starken Kontrast dazu.

Die Küche war technisch perfekt ausgestattet und in den Wohnraum integriert.

Er führte sie zum Schlafzimmer. Es war quadratisch und der Boden mit flauschigem, hellem Teppich ausgelegt. Das Kingsize Bett war mit den vielen Kissen sehr einladend und der begehbare Kleiderschrank wirkte eher wie ein weiteres kleines Zimmer.

Das angrenzende Badezimmer war durch und durch in weiß gehalten.

Es gab sowohl eine große Badewanne, als auch eine separate Dusche.

"Okay, das war es soweit. Ich lass dich jetzt erst mal ankommen. Wenn du irgendwas brauchst, melde dich einfach über das Haustelefon bei der Zentrale, die Nummer ist gespeichert. "

Amy nickte, ohne ihn anzusehen. Ihr Blick war auf die Badewanne geheftet und er verbat sich sofort daran zu denken, wie sie darin aussehen würde.

Nackt … nass … Stopp!

"Ach ja, das hätte ich beinahe vergessen. Fast die gesamte Führungsriege ist für ein paar Tage in einem Strategie Meeting. Tyler Moreno hat mir noch eine Nachricht geschrieben, dass Ryan sich bei dir meldet, sobald sie zurück sind."

Wieder nickte sie, ohne ihren Blick zu heben. Ihr schmaler Zeigefinger fuhr langsam am Rand der Badewanne entlang.

Verdammt! Raus hier!

"Ich komme dann morgen früh und hole dich ab, damit ich dir die Gegend ein wenig zeigen kann. Laut Plan ist dein erster Arbeitstag erst am Montag, also hast du ja noch drei Tage um anzukommen", sagte er und schluckte dann hart. Sie war einfach zu verführerisch.

Sie sah auf und lächelte ihn an. Ein umwerfendes Lächeln, das ihn in seinem Monolog innehalten ließ.

"Danke Brian."

Er brauchte einen Moment, um die Starre, in die er gefallen war, abzuschütteln.

"Klar, kein Problem … also, ich geh dann mal", stammelte er, drehte sich auf dem Absatz um und verließ fluchtartig die Wohnung.

Diese Frau würde ihm noch Probleme bescheren. Große Probleme. Probleme, die ihn seinen Job kosten könnten.

Er musste sich von ihr fernhalten!








2 Kennenlernen



AMY


"Wie war deine erste Nacht, Kleines?" Amy schmunzelte, als sie Alex‘ besorgte Stimme hörte. Er war nicht der Typ Überbruder, aber er machte sich immer Sorgen um sie. Für ihn war sie eher sein Baby als seine kleine Schwester. Nicht verwunderlich, da sie fast acht Jahre auseinander waren.

"Alles super. Die Wohnung ist spitze und Brian hat mich sehr nett empfangen."

"Brian?"

"Ein Typ von der Security."

"Ah ja, darüber hatte ich mit Ryan gesprochen. Das ist wichtig Amy. Boston ist nicht Deutschland, jemand muss auf dich aufpassen."

"Kein Problem, solange ich trotzdem alles unternehmen kann, was ich will, nehme ich ihn gerne mit."

Wie gern, das würde sie ihrem Bruder nicht auf die Nase binden. Sie lächelte bei dem Gedanken und noch breiter, als sie Alex‘ erleichterten Seufzer hörte.

"Du bist ein gutes Mädchen, Amy. Melde dich wieder, okay?"

"Mach ich. Küsschen."

"Mhm. Bye", brummte er.

"Nein. Gib mir auch ein Küsschen!" Er hasste es und genau deshalb liebte Amy es umso mehr.

"Amy …"

"Alex! Was, wenn das unser letztes Telefonat ist, weil ich vom Bus überfahren werde?"

"Mal den Teufel nicht an die Wand!"

"Küsschen, Alex!"

"Ich bin beim Arbeiten!"

Amy schwieg und wartete. Dann hörte sie ihn genervt seufzen und bekam ihr Küsschen, bevor er wortlos auflegte.

Sehr gut gelaunt bereitete sie sich auf ihren ersten Tag in Boston vor.


Zwei Stunden später kam Brian um sie abzuholen. Wie schon am Vortag sah er in diesem Anzug einfach zum Anbeißen aus. Verdammt schade, dass er überhaupt kein Interesse an ihr hatte.

"Bereit?"

"Immer", sagte sie und grinste dabei leicht anzüglich.

Brian schloss die Augen und schüttelte den Kopf, dann schob er sie zu den Aufzügen.

"Weißt du, Amy, wenn du mit diesem Praktikum fertig bist, würde ich gern mal mit dir ausgehen, aber solange wir zusammen arbeiten müssen, ist das für unsere Abteilung leider verboten."

Verwirrt runzelte sie die Stirn. "Warum?"

"Weil es ein Sicherheitsrisiko ist, wenn wir Beziehungen zu unseren Schützlingen haben." Sie stiegen in den Aufzug und Brian drückte die Taste für das Parkhaus.

"Hm … einleuchtend", antwortete sie, weil ihr nichts Besseres einfiel.

Sie fand es schade. Ein Date mit Brian hätte ihr durchaus gefallen.

"Gut. Brauchst du noch etwas von unterwegs? Oder soll ich die üblichen Punkte durchgehen?", fragte er dann.

"Nichts Spezielles. Danke."

"Okay. Dann besorgen wir dir als Erstes ein Firmenhandy und klappern die nähere Umgebung ab, damit du dich hier zurechtfindest. Danach können wir etwas essen gehen. " Er klang sachlicher jetzt. Leider, aber für ihn war das Thema anscheinend damit abgeschlossen.



BRIAN


Den ganzen Vormittag mit Amy zu verbringen, brachte ihn in Sachen Abstand von ihr halten nicht weiter.

Sie war nicht nur umwerfend schön, sie war dazu auch noch witzig und unkompliziert. Jede Minute, die er länger mit ihr verbrachte, verfiel er ihr mehr.

Alles an ihr faszinierte ihn und er wollte ständig mehr von ihr wissen. Mehr hören, fühlen, riechen … ja sogar schmecken, obwohl er genau wusste, dass er sie sich für die nächsten sechs Monate aus dem Kopf schlagen sollte.

Es war Mittagszeit und Brian war mit Amy zu dem besten Griechen der Umgebung gefahren.

"Das schmeckt traumhaft! Eindeutig das beste Souflaki, das ich jemals gegessen habe", sagte sie und schob sich einen weiteren Bissen in den Mund.

Genießerisch schloss sie die Augen, während sie kaute. Brian schloss seine ebenfalls, aber eher um sich von ihrem Anblick zu erholen, als dass er sein eigenes Essen genoss. Genaugenommen schmeckte es nach gar nichts, weil er sich nicht darauf konzentrieren konnte.

"Was steht als Nächstes auf dem Programm?", fragte sie und riss ihn aus seinen Gedanken.

"Wir fahren zu Sissy's und besorgen dir ein Kleid für den Samstag in zwei Wochen. Da findet eine Gala im Hotel von Ryans Schwester statt. Er meinte, dass du mitgehen sollst, damit du die restlichen Fire&Ice Mitglieder kennenlernst."

Auf Amys Gesicht breitete sich ein Strahlen aus. "Super! Wenn Alex sie schon immer vor mir versteckt hält, kann ich so wenigstens einmal seine Freunde kennenlernen!"

Brian war sich sicher, dass sie sich super mit allen verstehen würde. Amy war offen, lebenslustig und kommunikativ. Sie war nicht kompliziert oder zickig … eigentlich die perfekte Frau, wenn sie nicht gerade sein Schützling wäre.

Verdammt!


AMY


Die ersten beiden Wochen bei JB-Industrials waren mehr als anstrengend gewesen. Es war eine Sache, die ganzen Dinge theoretisch an der Uni zu lernen, aber eine ganz andere, sie dann auch wirklich in Projekten umzusetzen.

Das Team, in dem sie arbeitete, war sehr nett und sie verstand sich mit allen gut. Die Nachmittage und Abende verbrachte sie oft mit Brian. Außer ihm kannte sie niemanden, weshalb sie sich noch viel mehr auf den Abend mit Alex‘ Freunden freute.

Brian war nett, aber er versuchte immer sie auf Abstand zu halten. Rein geschäftlich, keine Freundschaft. Doch genau das fehlte ihr in Boston: Freunde!

Oft schaffte er es nicht und verhielt sich wie ein echter Freund. Wie jemand, mit dem man Pferde stehlen konnte. Sie lachten über dieselben Dinge, mochten dieselben Filme und liebten faule Abende auf der Couch.

Auch als er sie zu Ryans Gala abholte, war sein Lächeln alles andere als geschäftlich. Ihm gefiel eindeutig, was er sah, was Amys Laune nur noch weiter hob.

Sie fühlte sich sexy in dem bodenlangen, enganliegenden, rauchgrauen Kleid, das sie zusammen mit Brian am Nachmittag vor zwei Wochen ausgesucht hatte.

Brian sah in seinem obligatorischen schwarzen Anzug auch nicht schlecht aus. Okay, mehr als das, aber sie durfte nicht vergessen, dass er nur neben ihr stand, weil es sein Job war und nicht, weil er es wollte.

Gemeinsam fuhren sie zu dem Hotel CB Resorts, in dem die Gala stattfinden sollte.

Das Gebäude war riesig und sowohl die Empfangshalle als auch der Saal, in dem die Veranstaltung bereits in vollem Gange war, hatten beeindruckend hohe Decken.

Ryan begrüßte sie und stellte sie dann nach und nach seinen Freunden vor, ehe er sie zu ihrem Platz führte.

Jeder einzelne Gang der ihnen serviert wurde, schmeckte vorzüglich. Vom Salat über die Suppe bis hin zum Filet Wellington und der Crème Brulée.

Das Dinner hatten sie bald hinter sich gebracht, nun wurde der steife Abend etwas lockerer.

Viele von Alex' Freunden hatte sie bereits kennengelernt. Sie war froh, dass sie sich mit allen gut verstand und ebenso froh, dass sie nicht die Einzige in ihrem Alter auf dieser Veranstaltung war.

Sie hatte befürchtet, dass es trocken und langweilig werden würde, doch zusammen mit Trish und Nicky hatte sie viel Spaß.

Alex hatte die beiden schon das ein oder andere Mal erwähnt, aber nie gesagt, dass sie ihr charakterlich so ähnlich waren.

Mit diesen beiden konnte sie sich sogar vorstellen, dass das Mittelalterfest, zu dem Alex und seine Freunde jedes Jahr fuhren, Spaß machen könnte.


Etwas später stand sie zusammen mit ihrem Begleiter an der Bar und trank ein Glas Champagner.

"Sie sind also Brians neuster Auftrag. Ich wäre entzückt, wenn Sie meiner wären, Miss Altera", sagte ein gutaussehender Mann, der neben Brian und sie getreten war.

Er grinste sie frech an und seine blauen Augen funkelten schelmisch.

"Lass den Quatsch, Ray. Amy, das ist mein Kollege Ray Porter. Ray, Amy Altera."

Brian schien eher belustigt als genervt zu sein.

"Freut mich Sie kennenzulernen, Ray."

"Die Freude liegt ganz auf meiner Seite." Lächelnd wandte er sich an Brian und verwickelte ihn in ein Gespräch über Football, von dem Amy nur die Hälfte verstand.

Um die beiden nicht zu stören, machte sie sich unauffällig auf den Weg zu den Toiletten. Sie hatte den Raum gerade halb durchquert, als ein äußerst attraktiver schwarzhaariger Mann zu ihr aufschloss.

"Miss Altera, ich bin Ash Living, Secret Service. Kann ich Sie begleiten?" Seine Stimme war voll und dunkel. Sie klang sinnlich und nach purem Sex.

Schnell schüttelte sie den Gedanken ab.

Ein Mann beim Secret Service, den sie anhimmelte, aber nicht haben konnte, war mehr als genug.

Freundlich lächelte sie ihn an, ohne stehen zu bleiben. "Das wird nicht nötig sein, Danke schön."

Er legte seinen Kopf schräg und einige seiner dunklen Strähnen fielen ihm in die Stirn. "Sicherheitshalber bleibe ich bei Ihnen, bis mein Kollege sich wieder an seine Pflichten erinnert."

Er klang ein klein wenig bissig, also entschloss Amy, ihm besser nicht zu widersprechen. Weit war es nicht mehr bis zu den Toiletten, die sie bereits beim Betreten des Hotels gesehen hatte.

Sie verließen die Haupthalle durch eine große Flügeltür, dann entschuldigte sie sich lächelnd und betrat die Damentoilette.


BRIAN


"Verdammt!"

Er sah Amy gerade noch mit Ash durch die Tür zum Flur verschwinden.

"Was ist los?", fragte Ray verwirrt und sah sich um.

"Amy …" Brian lief schon los.

"Wo ist sie hin? Sie war doch gerade noch neben mir", sagte Ray, der ihm folgte.

Er bog um die Ecke und sah Ash an der Wand vor der Toilette lehnen. "Wo ist sie?", blaffte er.

Ash lächelte träge, wie er es immer machte, wenn er dachte, dass er alle Karten in der Hand hatte. "Auf der Toilette. Mach dir keine Sorgen, ich hab deinen Job für dich gemacht."

"Du musst überhaupt nichts für mich machen! Ich schaff das sehr gut allein", knurrte Brian zurück.

"Ja, du hast gerade eindrucksvoll bewiesen, was für ein hervorragender Buddy du bist, Brian. Dein Schützling geht weg und du bekommst es noch nicht einmal mit."

"Du bist nur sauer, weil du nicht befördert worden bist. Finde dich damit ab, Ash, es war einfach nicht deine Zeit. Und jetzt sag mir wo sie ist!"

"Wo wer ist?" Amys Stimme ließ ihn herum fahren.

"Wo warst du?", fuhr er sie an.

Amy runzelte die Stirn. "Auf der Toilette. Was ist denn los mit dir, Brian?"

"Ja, Brian", ätze Ash. "Was ist nur los mit dir? Erst machst du deine Arbeit nicht, dann blaffst du Miss Altera noch schwach an. Ich frage mich wirklich, wie du überhaupt zu dieser Beförderung gekommen bist."

Ärgerlich knurrte er Ash an. Leider hatte er recht. Das alles war sein Fehler, aber er hatte jetzt einfach keinen Nerv dazu, sich damit auseinander zu setzen.

Er packte Amy am Oberarm und zog sie den Flur entlang zur Garderobe.

"Brian, was soll das? Wo willst du hin?"

"Ich bringe dich nach Hause." Er gab dem Mann an der Garderobe die Nummer von Amy's Jäckchen und wartete ungeduldig.

"Hast du in Erwägung gezogen, dass ich noch nicht gehen möchte, Brian?"

Hatte er, aber es interessierte ihn nicht, weil er sauer war. Auf sie, weil sie sich davon geschlichen hatte, aber vor allem auf sich selbst, weil er unaufmerksam gewesen war. So konnte er das natürlich nicht sagen.

"Wir gehen jetzt und auf dem Weg werde ich dir die genauen Regeln noch mal erklären."

Er nahm die Jacke entgegen und hielt sie ihr hin. Amy reagierte nicht, sie stand lediglich mit vor der Brust verschränkten Armen da und funkelte ihn wütend an.

Ihre Haltung betonte ihren perfekten Busen noch mehr und ließ ihn die Zähne zusammenbeißen.

Da sie noch immer nicht reagierte, legte er ihr einfach das Jäckchen um die Schultern und schob sie zur Tür hinaus auf seinen Wagen zu.

Widerwillig ließ sie sich auf den Rücksitz fallen. Brian schloss die Tür hinter ihr und ging dann um den Wagen herum.

Er setzte sich hinters Steuer und lenkte den Wagen auf die Hauptstraße.

Das Schweigen war drückend und überhaupt nicht Amys Art, also musste sie wirklich sauer sein.

Diese Erkenntnis sickerte nur ganz langsam durch seine eigene Wut. Er hatte sich nicht richtig verhalten, das war ihm durchaus klar.

Meter für Meter, die er sich von der Party und vor allem von Ash entfernte, wurde seine Wut weniger. Im selben Maße stieg sein schlechtes Gewissen.

"Es tut mir leid, Amy", sagte er, als er den Wagen in der Tiefgarage von JB-Industrials parkte.

"Was genau?" Sie stieg aus, ohne darauf zu warten, dass er ihr aus dem Wagen half.

"Mein Verhalten. Komm schon, Amy, es tut mir leid."

Sie ging in langen Schritten vor ihm her zum Aufzug. Das Klacken ihrer hohen Absätze klang scharf in seinen Ohren.

Stöhnend folgte er ihr und drückte dabei den Verbindungsknopf zur Zentrale an seinem Headset. "BC, Wagen elf zurück im Tower", meldete er, als er das Klicken in der Leitung hörte.

"Alles klar bei dir, Brian?", fragte Dean, der heute Nachtschicht in der Zentrale hatte.

"Ja, alles klar." Er hörte das Summen, als eine der Kameras in der Garage geschwenkt wurde.

"Sieht nicht so aus … eher so als wäre sie verdammt sauer."

"Ich bin sauer", schnappte Amy und drückte hart auf den Knopf des Aufzugs.

"Verdammte Lautstärkenregelung!", fluchte Brian und stellte das Headset ab.

Dann stiegen sie in den Aufzug.

"Muss man eigentlich kranker Stalker in seinem Lebenslauf stehen haben, um hier eingestellt zu werden?", fragte sie bissig und drehte sich mit vor der Brust verschränkten Armen zu ihm um.

"Mach mal langsam, Amy. Ich war sauer, weil du dich einfach davongeschlichen hast. Mein Ton war falsch. Sorry."

"Du hast nie was davon gesagt, dass ich innerhalb eines Gebäudes nicht hingehen kann wo ich will. Du warst im Gespräch, alles kein Grund mich von dieser wirklich lustigen Party zu zerren", zischte sie und wippte ungeduldig auf den Zehenspitzen.

Der Aufzug hielt und die beiden gingen zu ihrer Wohnung.

"Vielleicht hat Ash mich ein wenig provoziert", gab er widerwillig zu.

"Was zwischen dir und Ash ist, geht mich nichts an, Brian, aber ich will nicht darunter leiden." Sie schloss die Tür auf und trat ein.

Er konnte die Tür gerade noch abfangen, bevor sie sie ihm vor der Nase zuschlug. "Du hast recht, es tut mir leid."

Er schloss die Tür hinter sich und drehte sie an ihren Schultern zu sich um. "Amy … bitte", sagte er drängend.

Ihre Schultern entspannten sich. "Es ist okay. Entschuldigung angenommen."

"Danke."

Er drückte seine Lippen auf ihre Stirn und ließ sie dort einen Moment länger verweilen als er sollte.

Ihre Haut fühlte sich so gut an. Warm und weich, genau wie ihre Stimme sich in seinen Ohren anhörte.

"Trish hat mich eingeladen nächsten Samstag mit ihnen in den Chasing Club zu gehen", sagte sie, nachdem er sich von ihr gelöst hatte.

"Ich glaube, es wird dir gefallen." Der Club war sogar genau das Richtige für sie.

"Bist du dabei?"

"Klar. Sag mir im Laufe der Woche einfach, wann ihr euch treffen wollt, dann hole ich dich hier rechtzeitig ab", antwortete er lächelnd. Um nichts in der Welt würde er einen der anderen mit ihr dorthin schicken.

"Okay. Danke. Dann … gute Nacht."

"Gute Nacht, Amy", gab er leise zurück und konnte sich nicht davon abhalten, sie leicht auf die Wange zu küssen.

Ohne einen weiteren Blick zu ihr verließ er die Wohnung. Länger würde er es nicht aushalten, ohne ihre vollen Lippen zu küssen.

Denn genau das war es, wonach er sich sehnte. Seine Lippen auf ihren, sein Körper dicht an ihren geschmiegt und ihre Zunge, die über seine streichelte.












3 Chasing Club



BRIAN


Eine Woche nach dem Desaster auf der Galaveranstaltung im Hotel stand Brian vor Amys Tür, um sie abzuholen.

Amy hatte ihm verziehen, aber Ash hatte ihn bei Ty in die Scheiße geritten. Natürlich war dieser weder davon begeistert, dass Brian Amy aus den Augen verloren hatte, noch davon, wie er mit ihr umgesprungen war.

Warum dieser Wichser es ausgerechnet Ty auf die Nase binden musste, war Brian schleierhaft. Ash war ein Volltrottel, aber keine Petze … eigentlich.

"Bist du soweit?", fragte Brian, als Amy ihm die Tür öffnete.

Sie sah absolut umwerfend aus in diesem viel zu kurzen Rock und dem viel zu engen Shirt.

In diesem Outfit würde sie ihm heute noch einiges an Ärger einbringen, befürchtete er.

"Klar", gab sie lächelnd zurück, schnappte sich ihre Handtasche und kam aus der Wohnung.

Gemeinsam gingen sie zu den Aufzügen. "Okay, die Regeln für heute, damit der Abend nicht so endet wie der Letzte…", sagte er und versuchte unbeschwert zu lächeln.

Er wollte sie nicht an das Theater erinnern, aber wenn dieser Abend funktionieren sollte, mussten sie das jetzt klären.

"Regeln?", fragte sie und schnaubte angewidert.

"Regeln. Beziehungsweise eine Regel: Du kannst so ziemlich alles machen, solange du in Reichweite bleibst."

"Hält sich ja in Grenzen. Und wenn ich irgendwo hingehen möchte?"

"Sagst du mir Bescheid, und ich begleite dich", gab er ruhig zurück.

"Okay. Damit komme ich klar", sagte sie, klang aber zweifelnd.

Brian betete, dass alles gut gehen würde. Noch mehr Ärger mit Ty oder seinem Stellvertreter Dario Benson konnte er absolut nicht gebrauchen.

Die gesamte Fahrt zum Club lachten und scherzten sie, wie sie es schon in den vergangenen Wochen getan hatten.

Brian freute sich, dass ihr Verhältnis zueinander so entspannt war, das machte die Arbeit deutlich einfacher.

Wobei entspannt das falsche Wort war. Entspannt war sein Verhältnis zu Sky … bei Amy war er meistens angespannt, weil er sich nicht erlauben durfte, ihr zu nahe zu kommen.

Er führte sie in den Club und durch die Menge zum VIP-Bereich. Trish, Candy, Nicky und Destiny warteten bereits auf sie.

Ausgelassen begrüßten sie sich, ehe sie an die Bar gingen, um einen ersten Drink zu nehmen.

Anschließend gingen Trish und Amy zu den Toiletten.

Brian folgte ihnen und wartete gefühlte Stunden vor der Tür. Die beiden hatten ihn bestimmt schon vergessen und quatschten ausgiebig über Gott und die Welt.

Weiber!


AMY


"Ich bin mir nicht sicher, ob ich es gut oder schlecht finden soll, dass Brian uns den ganzen Abend über verfolgen wird", sagte Amy zu Trish, während sie sich ein letztes Mal im Spiegel kontrollierten.

"Man gewöhnt sich daran. Und wenn du ihnen erst einmal bewiesen hast, dass du vorsichtig bist und keinen Blödsinn machst, dann beruhigen sie sich auch … zumindest ein Stück weit." Trish rollte mit ihren großen, braunen Augen.

"Das sind ja verlockende Aussichten. Also dann, lass uns rausgehen, er wartet bestimmt auf uns."

Amy öffnete die Tür und ihr Blick fiel sofort auf Brian, der gegenüber an der Wand stand.

Die Beine waren hüftbreit gestellt und die Hände hinter dem Rücken verschränkt.

"Ihr habt ganz schön lange gebraucht", sagte er lächelnd.

"Möchtest du das nächste Mal mit reinkommen? Du könntest meine Tasche halten, während ich pinkle", gab Amy zuckersüß zurück.

Brian verzog das Gesicht. "Nein danke. Mein Job funktioniert von hier aus ganz gut."

"Und was, wenn ich über das Fenster fliehen will?"

"In den Toiletten im Chasing gibt es keine Fenster", antwortete Brian ernst.

"Du hast nachgesehen?", fragte Amy entsetzt.

Da lächelte er wieder dieses breite unverwechselbare Brian-Lächeln. "Nein, aber ich war schon sehr oft hier." Er machte eine einladende Handbewegung.

"Kommt schon, ich hab einen Platz für euch reserviert."

Amy seufzte resigniert. Sie hatte das Gefühl, dass dieser Abend ziemlich anstrengend werden würde.

Zusammen mit Trish und ihren Freundinnen Nicky, Candy und Destiny setzte sich Amy an den reservierten Tisch.

Er lag weit hinten im VIP-Bereich. Sie konnten kaum sehen, was weiter vorne vor sich ging, geschweige denn die Tanzfläche überhaupt erspähen.

Eine Zeit lang unterhielten sie sich. Es hätte beinahe ein netter Mädelsabend sein können, wenn Brian nicht permanent hinter dem Sofa gestanden hätte.

"Könntest du dich nicht wenigstens zu uns setzen? Es ist so ungemütlich, wenn du da wie angewurzelt stehst." Nicky nahm ihr die Worte aus dem Mund.

In diesem Moment kam ein Mann in Amys Alter hinzu. Er quetsche sich zwischen Candy und Destiny. "Hey Babe", sagte er und küsste De auf den Mund.

"Julien, sag Brian, dass er sich setzen soll", verlangte Candy und streckte kurz darauf ihre Hand einem anderen jungen Mann entgegen, der an den Tisch trat.

"Entspann dich, Brian, wir sind doch nur unter uns", sagte Julien.

Amy wurde die Diskussion zu dumm und sie beschloss, sich etwas zu trinken von der Bar zu holen.

Sofort stand Brian neben ihr. "Wo willst du hin?"

"Mir etwas zu trinken besorgen", antwortete Amy mittlerweile leicht genervt.

"Die Bedienung kommt sicher bald."

"Ich möchte jetzt etwas trinken, nicht bald, oder gar nicht, weil uns hier hinten überhaupt keine Bedienung bemerken wird."

Brian wirkte ebenfalls genervt. "Setz dich, ich hol dir was."

"Das ist eine gute Idee, Brian, hol doch eine Flasche Sekt und fünf Gläser für uns Mädels", sagte Trish und lehnte sich grinsend zurück.

Amy zuckte mit den Schultern und ließ sich wieder auf das Sofa fallen, während Brian sich fluchend auf den Weg zur Bar machte.

"Er ist irgendwie süß", sagte Trish und lehnte sich grinsend zurück.

"Lass das mal nicht Logan hören", warf Nicky lachend ein.

"Mich was nicht hören lassen?" Der schwarzhaarige Mann, der Trish auf den Mund küsste, musste Logan sein, sie hatte ihn auch schon einige Male bei JB-Industrials gesehen. Aber an dem Abend, an dem sie Alex‘ Freunde kennengelernt hatte, war er nicht dabei gewesen. Trish hatte ihr erzählt, dass er länger arbeiten musste.

"Nichts, nichts", gab Trish zurück und errötete, als Logan ihr etwas ins Ohr flüsterte.

Alle am Tisch schienen sich gut zu kennen, nur Amy kam sich ein wenig verloren vor.

Darum freute sie sich besonders, als Brian mit dem Sekt zurückkam. Er schenkte jeder Frau ein Glas ein und stellte sich dann wieder hinter das Sofa.

Es dauerte nicht lang, da war die Flasche schon wieder leer und Brian musste ein weiteres Mal zur Bar laufen um Nachschub zu holen.

Beim dritten Mal fand Amy langsam Gefallen daran, wie genervt er davonstapfte.

Es gesellten sich noch einige Frauen der Runde hinzu, sodass die Flasche noch schneller geleert wurde.

Nachdem die vierte Flasche leer war, wurde ihr langsam heiß. Dennoch bestellte sie eine weitere bei Brian, nur um ihn noch einmal genervt davon stapfen zu sehen.

Er ging aber nicht, sondern setzte sich zu ihr auf die Armlehne des Sofas und beugte sich nah an ihr Ohr.

"Meinst du nicht, du hast langsam genug?", fragte er und Amy genoss seinen heißen Atem auf ihrer Haut.

Sie hatte ihn vom ersten Moment an begehrt, doch ihn so nah bei sich zu haben löste Gefühle in ihr aus, die sie zu unterdrücken versuchte.

"Nein. Noch lange nicht." Nur für sie selbst war dieser Satz zweideutig. Brian wusste nicht, wie sehr sie ihn begehrte … einen Bruchteil davon vielleicht, aber das volle Ausmaß hatte sie ihm niemals mitgeteilt.

Für ihn war jede Minute mit ihr zusammen Arbeit. Nicht mehr und nicht weniger. Schade eigentlich, denn sie hätte gern so viel mehr von ihm gehabt.

Seufzend stand er auf und ging ein weiteres Mal zur Bar.


Nachdem auch die fünfte Flasche geleert war, stand Amy auf.

"Wo willst du hin?", fragte Brian und beäugte sie misstrauisch.

"Zur Toilette, willst du meine Tasche halten?", fragte sie und zog provokant eine Augenbraue nach oben.

"Nein, aber ich begleite dich."

Schulterzuckend wandte sie sich ab.


Brian wartete bereits vor der Tür, als sie zurückkam.

"Du bist noch hier?", fragte sie lächelnd. Er sah einfach zum Anbeißen aus in diesem Anzug.

Ein sanftes Lächeln umspielte seine Lippen. "Natürlich, ich warte immer auf dich."

"Bist du dir sicher? Ich möchte jetzt tanzen gehen."

Gequält verzog er das Gesicht. "Muss das sein, Amy?"

"Natürlich. Ich gehe doch nicht in einen Club, um dann den ganzen Abend nur rumzusitzen!"

"Ehrlich gesagt wäre mir das lieber."

"Pech gehabt. Der Deal ist, dass ich dich überall mit hinnehme, ich aber machen kann was ich will. Erinnerst du dich?"

"Ja, leider", murmelte er.

Amy achtete nicht auf seinen Einwand, sondern packte einfach seine Hand und zog ihn hinter sich her auf die Tanzfläche.

Mitten im Getümmel angekommen ließ sie ihn los und sog den Rhythmus des Liedes in sich auf. Sie fand sofort den Takt des Basses und begann die Hüften passend zum Lied zu bewegen.

Mit den Armen über dem Kopf drehte sie sich um ihre eigene Achse, tanzte mit sich selbst und verlor sich in dem Gefühl, sich frei zu bewegen.

Es dauerte einen Moment bis sie registrierte, dass Brian bewegungslos neben ihr stand und abwechselnd sie und ihr Umfeld beobachtete.

"Was ist los? Tanz mit mir!", forderte sie und zog an seiner Hand.

"Ich kann nicht mit dir tanzen, Amy, schon vergessen? Ich arbeite." Er klang ernst, hatte wieder diesen geschäftsmäßigen Ton.

"Gehört dazu nicht, dass ich zufrieden bin?", fragte sie und grinste ihn schelmisch an.

"Bis zu einem gewissen Maß, ja." Auch Brian lächelte jetzt.

Langsam tanzte sie auf ihn zu. "Um zufrieden zu sein, bräuchte ich einen Tanzpartner", sagte sie und strich dabei mit einem Finger über seinen Oberkörper.

"Amy …"

"Sei kein Spielverderber, Brian, es ist nur ein Tanz oder?", fragte sie unschuldig, drehte ihm den Rücken zu und ließ ihre Hüften gegen ihn kreisen.

Sie hörte ihn unterdrückt fluchen, dann drehte er sie an ihren Schultern zu sich und schob sie ein wenig zurück.

"Okay. Tanzen."

Er wirkte angespannt, als er die ersten Bewegungen ausführte.

Einen Moment ließ sie ihn gewähren, dann schmiegte sie sich enger an ihn.

"Amy …", protestierte er abermals, doch sie ignorierte ihn. Sie wollte, nein, sie musste seinen Körper enger an sich spüren.

Eigentlich sollte sie mehr Selbstbeherrschung haben und ihn nicht in diese für ihn schwierige Situation bringen, doch der Alkohol umnebelte ihre Gedanken und ließ ihre Instinkte über ihren Kopf siegen.

Sie tanzte sich langsam näher, bis sie direkt vor ihm stand, dann griff sie nach seinen Armen und legte sie um ihren Körper.

"Komm schon, Amy, du weißt, dass das nicht gut ist", raunte er direkt in ihr Ohr und schickte ihr dadurch nur noch mehr heiße Schauder über ihren Körper.

"Oh doch, das ist verdammt gut", gab sie zurück und genoss das Gefühl, als seine Arme sich enger um sie schlossen.

Einige Minuten schwiegen sie beide, tanzten lediglich eng umschlugen. Er fühlte sich heiß und hart an. Sie wünschte sich nichts sehnlicher, als ihn endlich aus diesem Anzug zu schälen und jeden Zentimeter seines Körpers zu genießen.

Seufzend presste sie sich noch enger an ihn.


BRIAN


"Du hast keine Ahnung, wie viel Selbstbeherrschung es mich gerade kostet, dich nicht einfach zu küssen, Amy", raunte er und streichelte leicht über ihren unteren Rücken.

Sie so nah bei sich zu spüren, ihren Körper an seinen gepresst, ihre vom Tanzen erhitzte Haut, all das machte es unendlich schwierig für Brian sich zurückzuhalten.

Er begehrte sie seit dem ersten Moment, in dem er sie gesehen hatte. Sie jeden Tag um sich zu haben machte es nicht gerade leichter.

"Vielleicht möchte ich geküsst werden." Ihre Stimme klang langsam und träge vom Alkohol. Leider schien sie dadurch nur noch verführerischer.

Als ob das überhaupt noch möglich wäre!

"Amy … ich darf dich nicht küssen. Das verstehst du doch …"

Er stöhnte frustriert auf, als ihre kleinen, heißen Hände auf seiner Brust unter seinen Anzug fuhren.

"Mhm … aber ich werde ja nicht ewig bei JB arbeiten. Wer weiß, ob es überhaupt mit uns klappen würde."

Ihre Hände fuhren nach oben und verschränkten sich schließlich in seinem Nacken.

"Ich weiß es, weil ich verdammt noch mal an nichts anderes mehr denken kann." Er presste sie enger an sich, ließ sie spüren wie erregt er war.

Sie stellte sich auf die Zehenspitzen und brachte ihre Lippen ganz nah an seine.

Als sie zu sprechen begann, konnte er ihren Atem auf seinen Lippen fühlen. "Nur einmal kosten", flüsterte sie und er konnte sie über die Musik hinweg kaum noch verstehen.

Dann zwickte sie ihn mit ihren Zähnen leicht in die Unterlippe.

"Nur ein Mal", stöhnte er, nicht länger fähig ihr zu widerstehen.

Er senkte seinen Kopf die letzten Millimeter und presste seine Lippen auf ihre. Warm, weich, süß. Er brauchte mehr von ihr, musste wissen, wie ihre Zunge schmeckte und wie es sich anfühlen würde mit seiner über ihre zu streicheln.

Sanft leckte er über ihre Unterlippe. Beinahe sofort öffnete Amy ihren Mund für ihn. Immer noch süß, mit einem Hauch von Minze. Noch heißer und weicher, als er es sich vorgestellt hatte.

Er verlor sich vollkommen in dem Kuss, schob eine Hand von ihren Rücken in ihren Nacken, um sie noch tiefer, noch intensiver küssen zu können.

Amy bog sich ihm entgegen, gab sich seinem harten Griff hin und genoss es sichtlich genauso sehr wie er.

Niemals wieder würde er aufhören wollen. Dieser Kuss war perfekt. Amy war perfekt und er wollte sie nicht wieder gehen lassen. Wollte ihre Lippen und ihren Körper für immer weiter spüren, mehr von ihr bekommen und behalten.

"Also prinzipiell habe ich ja kein Problem damit, aber in meinem VIP-Bereich, während deiner Arbeitszeit, Brian … vielleicht ist das keine so gute Idee." Als er Chris Turner‘s Stimme hörte, unterbrach er den Kuss sofort.

Amy schwankte ein wenig und vergrub ihr Gesicht schließlich lächelnd an seiner Brust.

"Ähm … ja, klar. Sorry", stotterte Brian. Chris lächelte, sah aber ein wenig besorgt aus.

Schnell ließ Brian den Blick durch den Club wandern, um zu sehen, ob er irgendein Sicherheitsrisiko übersehen hatte.

Nichts. Gott sei Dank!

Dann zog er Amy an ihrem Oberarm hinter sich her aus dem Club.

"Verdammte Scheiße!", fluchte er auf dem Weg zum Wagen. Dieser Ausrutscher konnte ihm richtig Ärger einbringen.

Aber noch schlimmer war, dass er bei Weitem nicht genug von ihr hatte. Er wollte mehr von ihren Küssen, mehr von ihrem Körper, mehr Amy!

Er begehrte die einzige Frau, die er nicht haben durfte!

"Zerrst du mich jetzt in deine Höhle?", kicherte Amy, die nicht zu bemerken schien, wie verrückt seine Gefühle in diesem Moment spielten.

"Ich fahre dich in deine eigene. Steig ein!", knurrte er.

Lächelnd streichelte sie über seinen Oberarm. Die Haut unter seinem Anzug brannte, wo sie ihn berührte. Am liebsten hätte er sie gleich hier gegen das Auto gepresst und genommen.

"Komm schon, schwing deinen süßen Hintern ins Auto", sagte er sanfter. Sie konnte schließlich nichts dafür, dass er sich überhaupt nicht unter Kontrolle hatte.

"Mhm, ich mag ihn auch ganz gern", sagte sie grinsend.

Dann drehte sie sich um und krabbelte, den Kopf voran, auf den Rücksitz. Ihren entzückenden Hintern in diesem viel zu kurzen Rock streckte sie ihm dabei demonstrativ entgegen.

Er konnte ein Aufstöhnen gerade noch unterdrücken und war mehr als froh, als er die Tür endlich hinter ihr schließen konnte.

Er fuhr sie zurück zu JB-Industrials, auch wenn es das absolute Gegenteil von dem war, was er eigentlich wollte. Er wollte sie bei sich haben. In seiner Wohnung, seinem Bett, unter seinem Körper und optimaler Weise seinen Schwanz in ihr.

Hör auf damit! Davon wird es nicht besser!

Über sich selbst den Kopf schüttelnd setzte er sich auf den Fahrersitz und fuhr zu JB-Industrials.


Dort angekommen lenkte er den Wagen auf den Parkplatz in der Tiefgarage. Er half ihr aus dem Auto.

Kichernd lehnte sie sich schwer gegen ihn, während er sie durch die Tiefgarage zum Eingang führte.

Sie fühlte sich verdammt gut in seinen Armen an. Lieber wäre er noch einmal mit ihr um den Block gelaufen, als sie jetzt schon in ihrer Wohnung abzusetzen. Aber es war besser so. Er musste sie loswerden. Solange sie so weich und anschmiegsam war, konnte er ihr kaum noch widerstehen.

Er meldete sich in der Zentrale zurück und fuhr dann mit Amy im Arm mit dem Aufzug nach oben.

Mit ihrer Schlüsselkarte öffnete er die Tür und schob sie langsam hinein.

"Gute Nacht, Süße", sagte er und küsste sie auf die Wange. Er konnte es sich einfach nicht verkneifen.

Leider oder zum Glück, so ganz konnte er sich nicht entscheiden, schmiegte sie sich seufzend an seine Brust.

Dann stellte sie sich auf ihre Zehenspitzen und ließ ihre Lippen über seinen Hals wandern.

Es fühlte sich himmlisch an. Perfekt, genauso, wie er es sich vorgestellt hatte.

Aber er durfte das nicht zulassen. Mit aller Kraft riss er sich zusammen und schob sie sanft von sich.

"Bleib noch ein bisschen", murmelte sie.


AMY


"Hör auf, Amy. Ich habe immer noch Probleme wegen letzter Woche, ich kann mir nicht noch mehr Ausrutscher erlauben!", stöhnte er frustriert und trat einen weiteren Schritt zurück.

"Ärger?" Verwirrt runzelte sie die Stirn. Niemand hatte mitbekommen was auf dem Flur passiert war, warum sollte er also Ärger bekommen haben?

"Ja. Ash hat mich verpfiffen."

"Warum?"

"Wenn ich das nur wüsste!" Er rieb sich mit einer Hand über das Gesicht.

"Es ist nicht gut, Amy. Es ist einfach gegen die Regeln. Lass uns Freunde sein."

"Freunde? Meinst du nicht, dafür ist es zu spät?"

"Dafür war es vom ersten Moment an zu spät, aber wir müssen es versuchen, okay?"

Er wirkte so unzufrieden wie Amy sich fühlte. Sie wollte mehr als nur Freundschaft von ihm. Sie begehrte ihn.

"Okay", antwortete sie dennoch, weil er nicht aussah, als würde er sich umstimmen lassen.

"Okay. Gute Nacht, Süße", sagte er und küsste sie erneut auf die Wange. Sie liebte das Gefühl seiner Lippen auf ihrer Haut und hätte es gern am ganzen Körper gespürt. Doch das war ja leider gegen die Regeln.

Scheiß Regeln!

Dann verschwand er den Flur entlang zum Aufzug und Amy schloss die Tür.

Verdammte Scheiße!











4 MEhr!



AMY


Während der vergangenen Nacht und dem Morgen konnte Amy Brian nicht aus dem Kopf bekommen.

Sie begehrte ihn und hatte noch nie viel dafür übrig gehabt, sich an Regeln zu halten.

Sie wusste, dass auch Brian sie wollte. Vielleicht sogar genug, um diese verdammten Regeln zu vergessen.

Nachdem sie über eine Stunde auf dem Laufband des hausinternen Fitnessstudios verbracht hatte, war die Entscheidung gefallen, es heute Abend einfach noch mal zu versuchen.

Neu beschwingt, ausgepowert vom Laufen und abgekühlt von der Dusche nach dem Training, durchquerte sie die fast leere Eingangshalle von JB-Industrials. Es war Sonntag und kaum ein Mitarbeiter war bei der Arbeit.

"Miss Altera!" Sie erkannte die Stimme sofort. Ash, der Typ, wegen dem Brian Ärger hatte. Der Typ, wegen dem Brian sie noch resoluter abwies, als er es sowieso schon getan hatte.

Sie wollte nicht mit ihm sprechen, also ging sie einfach weiter.

"Miss Altera!", rief er abermals und holte sie ein.

"Ash?", fragte sie kühl, hielt an und zog eine Augenbraue nach oben.

Er legte wieder den Kopf schräg und musterte sie. Und wie schon beim letzten Mal fiel ihm dabei eine Strähne seiner wirklich weich aussehenden Haare in die Stirn.

"Ich weiß nicht genau warum, aber ich habe das Gefühl, dass Sie nicht gut auf mich zu sprechen sind."

"Sie sind ein ganz schlauer Fuchs, Ash", sagte Amy und setzte ihren Weg fort.

Ash folgte ihr auf dem Fuße. "Warum, Miss Altera?"

Amy platze der Kragen. Für dumm verkaufen brauchte er sie nicht.

"Weil du Brian in die Scheiße geritten hast!", sagte sie aufgebracht.

"Das habe ich nicht!"

"Ach, und wie kommt Ty dann zu diesen Informationen? Ray hätte Brian bestimmt nicht verraten." Sie war wütend auf ihn.

"Miss Altera …"

"Hör auf mit diesem Miss Quatsch, Ash. Wenn ich dich anfauche, darfst du nicht höflich sein!"

Er zog die Augenbrauen zusammen und lächelte dann leicht. "Darf ich nicht?"

"Und mit Charme brauchst du es auch nicht zu probieren. Das war eine echte Scheißaktion, Ash!"

Sein Blick verfinsterte sich. "Vielleicht solltest du dir lieber erst beide Seiten anhören, bevor du dir eine Meinung bildest?"

"Dann lass mal hören", sagte sie herausfordernd.

"Ty kam zu uns, als ich mich gerade mit Ray wegen Brians Auftritt gestritten habe. Ray ging noch bevor Ty uns erreichte. Ich glaube, er hat noch nicht einmal mitbekommen, dass er auf dem Weg zu uns war."

Ash zupfte an den Manschetten des weißen Hemdes, das unter seinem schwarzen Anzug hervorblitzte.

"Ty fragte was los ist, weil er genau weiß, dass ich mit Brian und seinen Freunden nicht besonders gut klarkomme."

"Und da hast du sie angeschwärzt?"

"Amy? Willst du meine Version hören oder nicht?"

Sie seufzte und nickte schließlich.

"Er fragte was los war und ich sagte nichts. Dann meinte er, er könne auch einfach die Videos anschauen und das konnte ich ja schlecht verhindern. Ich mag Brian nicht sonderlich, aber ich bin keine feige Petze, Amy."

Amy entspannte sich. "Oh … dann … sorry."

"Kein Problem. Was ich eigentlich sagen wollte, dein Ausweis fürs Gebäude lag draußen vor der Tür. Ich hab ihn am Empfang abgegeben, wenn du ihn brauchst."

Amy wurde noch ein Stückchen kleiner. Sie hatte ihn völlig falsch eingeschätzt.

"Danke und es tut mir wirklich leid, Ash. Du hast recht, man sollte sich wirklich erst beide Seiten einer Geschichte anhören, ehe man Schlüsse zieht, die völlig falsch sind."

"Es ist in Ordnung, Amy. Ich verstehe das. Wenn du mal was brauchst, sag einfach Bescheid, okay?"

"Gerne. Danke."

Ash verbeugte sich spöttisch und sagte: "Ich wünsche einen angenehmen Nachmittag, Miss Altera." Lächelnd schüttelte sie den Kopf und ging.


BRIAN


Brians Nacht und auch der darauffolgende Tag waren grauenhaft gewesen. Seine Gedanken kreisten nonstop um Amy, obwohl er genau wusste, dass sie absolut tabu war.

Er dachte an ihren kleinen, runden Hintern, die schmale Taille, die langen, dunklen Locken, sobald er einen Moment unaufmerksam war und seine Gedanken wandern ließ.

Er war mehr als froh, dass er heute seinen freien Tag hatte. Zum einen, weil er so zumindest ein klein wenig Abstand von Amy bekommen würde, zum anderen, weil er in der Hoffnung war, dass seine Freunde ihn ablenken würden.

"Brian? Woran denkst du schon wieder?", fragte Cliff und stieß mit seiner Bierflasche gegen seine.

Sie hatten sich an diesem Abend im Meets verabredet. Eine kleine Kneipe, in der er sich gern mit seinen Freunden traf.

"Nichts."

"Das tust du häufig die letzten Tage", warf Ray dazwischen und lachte laut. "Ich glaube dein Nichts hat große, braune Augen, einen Schmollmund und hübsche, kleine Titten."

"Ray!" Brian stöhnte genervt. Eine Erinnerung an diese festen, kleinen Hügel war das Letzte, was er in diesem Moment brauchte.

Schnell trank er sein viertes Bier auf ex und bestellte ein neues bei Eric, dem Barkeeper.

Noch bevor er es bekam, läutete sein Handy. Fluchend nahm er ab, nachdem er Amys Namen auf dem Display gesehen hatte.

"Amy?"


AMY


"Brian? Wo bist du? Ich möchte noch ein bisschen ausgehen."

Eigentlich wollte sie das nicht, aber sie wollte Brian wiedersehen. Nachdem er sie am vergangenen Abend in ihrer Wohnung abgesetzt hatte, konnte sie ihn einfach nicht mehr aus ihrem Kopf bekommen … schon gar nicht, nach diesem atemberaubenden Kuss, der sie nur noch mehr an ihn gebunden hatte.

"Ich hab heute meinen freien Abend, Amy, bleib Zuhause."

Das sollte wohl ein schlechter Scherz sein! Sie würde nicht in dieser Wohnung sitzen, nur weil er frei hatte. Auch wenn er es nicht zugeben wollte, er begehrte sie genauso, wie sie ihn.

Nur warum er sie dann nicht sehen wollte, blieb ihr ein Rätsel. Ein Treffen allein war nicht gegen die Regeln und er konnte schließlich nicht ahnen, was sie sich vorgenommen hatte.

"Frei, hmm … okay, dann rufe ich in der Zentrale an", sagte sie, mehr um eine Reaktion von ihm herauszufordern, als dass sie es ernst meinte.

Sie wollte aus ihrer Wohnung, um ihn zu sehen, und nicht, um die Stadt unsicher zu machen.

"Das wirst du nicht tun!" Er klang ärgerlich.

Sie hoffte darauf, dass er nicht wollte, dass sie mit jemand anderem um die Häuser zog, also provozierte sie ihn weiter.

"Warum? Ist das nicht der übliche Weg?"

"Amy …", knurrte er warnend.

"Ich geh ja nicht alleine. Ich frage einfach nach einer anderen Begleitung, kein Problem, Brian", sagte sie betont fröhlich.

"Das wirst du verdammt noch mal nicht tun, Amy!" Langsam wurde er ernsthaft wütend und sie beschloss, es auf die Spitze zu treiben.

"Das ist doch kein Problem, Brian. Ich frage einfach nach Ash, er nimmt sich bestimmt die Zeit." Sie hatte extra Ash ausgewählt, weil sie genau wusste, wie wenig Brian ihn mochte und dass Ash durchaus der Typ war, der mit ihr durch die Clubs ziehen würde.

"Mein Gott, Frau! Bleib wo du bist, ich besorge jemanden, der dich zu mir bringt!"

"Warum holst du mich nicht einfach ab?", fragte sie verwundert.

"Ich hab bereits getrunken, ich kann nicht mehr fahren", murmelte er und hörte sich dabei alles andere als zufrieden an.

"Okay." Brian legte auf und Amy war sich nicht mehr sicher, ob sie die richtige Entscheidung getroffen hatte.

Was, wenn er sie wirklich nicht sehen wollte? Es war zu spät, um ihm jetzt noch abzusagen.

Sie kontrollierte ihr Aussehen noch ein letztes Mal im Spiel im Flur.

Das enganliegende, dunkelblaue Kleid schmiegte sich perfekt an ihre Kurven. Die langen, dunklen Locken fielen weich über ihren Rücken. Auch das dezente Make-up war ihr wirklich gelungen.

Im Gegensatz zu dem Anblick, den sie am Flughafen geboten hatte, würde sie sich heute als wirklich guten Fang einstufen.

Blieb nur noch zu hoffen, dass Brian es genauso sehen würde.

Kurze Zeit darauf klingelte es an der Tür. Cliff, einer von Brians Freunden, stand davor.

"Hey Amy, bereit für die Party?"

Amy lächelte. "Danke, dass du mich abholst. Wo gehen wir hin?"

"Wir sind zusammen im Meets und versuchen Brians schlechte Stimmung aufzubessern. Ich bin mir nur noch nicht sicher, ob deine Anwesenheit uns helfen wird oder alles nur noch

Impressum

Verlag: BookRix GmbH & Co. KG

Texte: Allie Kinsley
Tag der Veröffentlichung: 28.08.2020
ISBN: 978-3-7487-5537-1

Alle Rechte vorbehalten

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