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Schriftsteller werden?

 

Aller Anfang ist schwer, so ein Sprichwort. Das trifft natürlich auch für das Verfassen eines Manuskriptes, Artikels oder in unserem Fall für Bücher zu. Erfahrene Leser merken schnell, ob der Autor ein Einsteiger oder Profi ist. Unendlich lange Sätze, die dermaßen verschachtelt sind, dass man sie vielleicht zweimal lesen muss, um den Inhalt zu verstehen oder vielleicht nur einen Absatz pro Seite verraten schnell, dass der Verfasser noch unerfahren ist. Deshalb will der kleine Ratgeber ein paar wichtige Hilfestellungen besonders für Neueinsteiger geben, um grobe Fehler zu vermeiden.

 

Wir alle kennen die durchaus geniale Story von Harry Potter und seiner Erfinderin. Joanne K. Rowling fing eines Tages an, in einem Cafe diese Geschichte zu schreiben, die ihr auf einer Bahnfahrt eingefallen war. Nachdem der erste Buch fertig war, begann die schwierige Suche nach einem Verlag. Viele wollten es nicht, lehnten es ab. Doch irgendwann fand sie einen Agenten, der es schließlich veröffentlichte. Der Rest ist bekannt. Sie wurde nicht nur berühmt, sondern nebenbei auch sehr reich (was ja nicht unvorteilhaft ist).

Was will ich damit sagen? Es kann ja durchaus sein, dass in vielen Menschen eine Miss Rowling steckt und solche, die auch leicht und locker schreiben können. Aber nur wenige haben auch eine Story in der Tasche, die Erfolg verspricht. Gibt es etwas, über das noch nicht geschrieben wurde? Kann man das Denkgerüst, das man vielleicht aufgebaut hat, weiter ausbauen? An welche Leser richtet sich der Inhalt? Fragen über Fragen..

 

Eine Alltagsfliege wird selten den gewünschten Erfolg haben. Krimis, Fantasie- und Liebesschnulzen gibt es schließlich zu Hauf... Und das ist das eigentliche Problem. Hinzu kommt noch, dass es inzwischen eBooks zusätzlich zu den Printmedien gibt, was die Sache für Autoren nicht unbedingt einfacher macht.

Man sollte sich also keine Flausen in den Kopf setzen. Die wenigsten Schriftsteller können von ihren Büchern auch richtig leben. Will sagen: Man braucht (anfangs) in jedem Fall ein anderes Standbein, um sich „über Wasser“ zu halten, sei es als Journalist, Texter oder mit einem anderen gelernten Beruf. Es muss ja nicht immer die schreibende Zunft sein.

Treffen sich zwei Freunde. Sagt der eine: "Du, ich bin jetzt Schriftsteller."
Fragt der andere: "Und, hast du schon was verkauft?"
"Ja, mein Auto, mein Haus und meine Schreibmaschine!"

 

Der Wunsch, beruflich als Schriftsteller tätig zu werden, ist nicht verwerflich, aber man muss sich immer im Klaren sein: Der Weg dort hin ist ziemlich beschwerlich und kantig. Viele erreichen das gewünschte Ziel nie. Es soll sogar Menschen geben, die davon besessen sind, unbedingt Schriftsteller zu werden. Die sind in der Regel leider arm dran, denn ohne Vitamin B (Beziehungen und Kontakte) hat man es heutzutage überhaupt nicht leicht.

Erhalten Verlage zum Beispiel unaufgeforderte Manuskripte, hat man meist schlechte Karten. Das Buch kann noch so gut sein, es wird einfach nicht gelesen, weil der Schreibtisch des Lektors vor vielen ähnlichen Einsendungen fast zusammenbricht. Das ist leider die Realität. Arschkarten werden nicht mutwillig von Verlagen ausgegeben, die Flut von Manuskripten ist einfach zu groß, und dem Stapel Papier sieht man nicht an, ob sich dahinter eine zweite Joanne Rowling verbirgt.

 

Es gibt aber auch Verlage, die nehmen jedes Manuskript mit Kusshand, egal, was man für einen Mist geschrieben hat. Der Haken: Für eine Gebühr von etwa 4000 € werden die ersten 500 Exemplare gedruckt, den Vertrieb aber muss der Autor selbst erledigen bzw. organisieren. Na, wenn das mal keine echte Hilfe ist? Wie fürsorglich! Um die Seriosität solcher Verlage braucht man sich wohl keine Gedanken zu machen...

In diesem Zusammenhang fällt mir auch ein Satz ein, den ich in einem Interview gelesen habe: "Schriftsteller werden, das geschieht von ganz allein, das nimmt man sich nicht vor, es sei denn, man ist ein Narr oder vielleicht blond."

Da lobe ich mir die Menschen, die dieses Ziel erst einmal nicht im Auge haben und einfach nur aus Lust und Laune gern schreiben. Sie können ohne jeglichen Druck ihren Gedanken freien Lauf lassen und können sich freuen, wenn ihre Geschichten auch gut ankommen. Das ist ein sehr guter Anfang! Und wenn man die ersten verkauften eBooks in seiner Statistik hat, kann man stolz sein, steigert damit den Ehrgeiz, ständig weiter zu machen, um letztendlich besser zu werden. Und vielleicht kann man irgendwann auch davon leben...

 

Schreiben ist leicht. Man muss nur
die falschen Wörter weglassen

Mark Twain

Die Handlung

 

 

„Ich möchte unbedingt ein (tolles) Buch schreiben, aber habe nicht die richtige Idee.“ Vielleicht kennt der eine oder andere angehende Autor diese Worte. Dieser Vorsatz ist zwar prima, aber niemand kann einem diese schwierige Arbeit abnehmen. Entweder man hat eine gute Idee oder nicht. So einfach ist das.

Verzweifelt über eine geeignete Story nachzudenken, bringt meist keinen Erfolg. Und sich Ideen aus anderen bereits veröffentlichen Büchern zu holen, ist zwar nicht verboten, hinterlässt aber immer einen bitteren Nachgeschmack des Plagiats. Schließlich ist es dann kein eigenes geistiges Werk mehr. Und auf die Ebene eines Herrn von Guttenberg möchte man sicher nicht sinken.

 

Nun weiß man aber, in welchem Genre die gewünschte Geschichte angesiedelt sein soll. Jeder hat ja da seine Vorlieben, was Bücher und Filme betrifft. Das ist schon mal ein erster Ansatz. Vielleicht hat der eine oder andere auch schon genauere Vorstellungen der Protagonisten (die „Guten“) und Antagonisten (die „Bösen“), die die Handlungen bestimmen.

Das ist gut, also sofort Notizen machen. Ob man sich dafür eine kleine Kartei anfertigt oder im PC die Namen und Charaktereigenschaften ablegt, ist egal. Hauptsache, die Daten liegen beim Schreiben parat. Im übrigen sollte jeder, der schreibt, immer ein Notizbuch dabei haben! Man weiß ja nie, wann und wo einem die richtig guten Ideen zufliegen. Das ist genau das gleiche wie bei Musikern, denen plötzlich eine tolle Melodie einfällt. So etwas muss sofort festgehalten werden, wenn man es nicht im Tal des Vergessens begraben will.

Jede Person einer Geschichte besitzt einen individuellen Charakter, mit dem sich der Leser identifizieren muss bzw. kann. Und diese Merkmale sollten in jedem Fall in einer Notiz abgelegt werden. Das kann zum Beispiel auch eine Kurzbiografie des Protagonisten sein. Nur, wenn sich der Autor wirklich Gedanken um diese unterschiedlichen Charaktere macht, kann eine individuelle Welt geschaffen werden, die auch authentisch wirkt. Er erweckt sie sozusagen zum Leben.

 

Man muss nicht unbedingt alle Merkmale einer Person in der Story beschreiben, aber nur „groß, blond und attraktiv“ ist viel zu oberflächlich. Da würde man am Ende nur sterile formlose Charaktere im Buch finden, die aus einer Retorte stammen könnten. Abgesehen von äußerlichen Attributen, sind Charaktereigenschaften noch wichtiger. Ein jähzorniger Mensch wird in der Story ganz anders handeln als ein sanftmütiger Typ, und aus einem Melancholiker kann der Autor schlecht einen kühnen Held erschaffen.

Allerdings sollte man die Eigenschaften einer Person nicht alle auf einmal aufzählen, sobald sie in der Story auftaucht. Diese Beschreibung sollte man nach und nach vervollständigen, so kann die Spannung im Laufe der Geschichte auch erhalten werden.

 Eine geeignete Handlung für eine Geschichte zu finden, ist schon etwas schwieriger. Man benötigt eine Inspiration, die einem gefällt und auch ausbaufähig ist. Hierfür gibt es leider keine Gebrauchsanweisungen oder Rezepte. Dennoch kann man seine Story finden, indem zum Beispiel die Medien zu Hilfe genommen werden. Heutzutage bieten Zeitungen und Fernsehen ziemlich viel Anregungsstoff.

Auch das Internet kann inspirieren, wenn man geeignete Suchwörter eingibt. Krimiautoren können zum Beispiel Ideen aus den aktuellen Pressemeldungen der Polizei gewinnen. Mir persönlich helfen auch Fotografien, die ich mir in entsprechenden Foren anschaue.

 

Eigentlich hat jeder Mensch seinen eigenen bevorzugten Ideenpool. Der eine findet meist in Gesprächen mit Menschen immer wieder Inspirationen, der andere, wenn er Musik hört oder lange spazieren geht. Auch der Urlaub bietet gute Möglichkeiten, Geschichtsstoff zu finden.

Ein anderes Umfeld kann da durchaus sehr hilfreich sein. Ob es nun ein Museumsbesuch ist oder ein Ausflug in eine Galerie, die Möglichkeiten zur Ideenfindung sind da sehr vielfältig. Selbst von einem Grillabend mit guten Freunden kann man profitieren, wenn man (s)eine Storyidee einfach mal in die Runde wirft. Wenn sie einigermaßen Esprit besitzt, werden von den anderen Gästen bestimmt einige Ideen dazukommen.

Ein bekannter schwedischer Autor wurde im Interview gefragt, wie er auf die Ideen zu seinen Krimis kommt und was ihn inspiriert. Håkan Nesser: „Das weiß ich selbst nicht so genau. Es ist ein automatischer Prozess, der da abläuft. Du brauchst natürlich eine gute Geschichte zum Erzählen. Aber ich jage nicht danach. Manchmal habe ich eine gute Idee, die ich versuche im Kopf zu behalten, um sie später umzusetzen. Eine Idee reicht ja. Wichtig ist eben immer, dass man schreiben muss, bevor man den Gedanken wieder verliert. Das gilt auch beim Entstehungsprozess selbst.“
Wie man sieht, hat jeder Autor so seine eigene Art und Weise, um zu einer Idee zu gelangen. Aber viele haben eines gemeinsam: Sie schreiben diese erst einmal auf, um daraus später eine Handlung zu entwickeln.

 Noch etwas zu Fernschulen, so genannten Akademien oder sonstigen Lehreinrichtungen, die jedem einreden, dass der Erfolg greifbar nahe liegt, wenn man das eine oder andere kostenpflichtige Semester absolviert. In erster Linie wollen sie Kunden, und um ein Studium zu absolvieren, setzt es in der Regel ein Abitur voraus. Da diese Schulen aber jeden Hinz und Kunz nehmen, der die teilweise stattlichen Kosten bezahlt, sollte man es sich vorher genau überlegen, einen Vertrag zu unterschreiben.

Wenn man unbedingt Geld ausgeben möchte, bitte schön. Des Menschen Wille ist sein Himmelreich. Sicher kann man einige Dinge nach Schema F lernen, die sind aber auch im Internet kostenlos zu finden. Aber leider nicht alles: Zum Schreiben gehört in erster Linie viel Übung, Motivation, ein möglichst großer Sprachschatz, wenigstens etwas Lebenserfahrung und – das ist leider so – auch ein gewisses Talent und viel Disziplin. Und letzteres kann man für Geld nicht erwerben.

Ich habe in den vielen Jahren als Journalist festgestellt, dass nicht alle Artikel, die über meinen Schreibtisch gingen, gut waren. Selbst die von  manchen Akademikern nicht. Aus einer Eule macht man nun mal keine Nachtigall, so ist es mit der Malerei und auch beim Schreiben.

 

 Die beste Schreibschule ist immer noch die eigene, ob man nun viele Geschichten selbst schreibt oder auch häufig Bücher liest. Die Erfahrungen, die man damit und auch im Leben sammelt, sind eigentlich unbezahlbar.

Nachfolgend noch zehn kleine Tipps:

1. Man wird nicht täglich schreiben können, das ist völlig normal. Aber wenn die Zeit es ermöglicht, ist es gut, wenn man ein Ziel anvisiert, dass zu schaffen sein sollte. Ob nun zwei Seiten oder mehr. Schafft man mehr, ist das natürlich super.

2. Disziplinierte Autoren vermeiden beim Schreiben äußere Einflüsse, die sie ablenken können. Also Fernsehgerät und Radio ausschalten. Gegen leise Hintergrundmusik, die entspannend wirkt, ist nichts einzuwenden.

3. Zwinge Dich zu nichts, vor allen Dingen nicht zum Schreiben. Keine richtige Lust dazu? Bleiben lassen und was anderes tun! Belohne Dich mit dem Schreiben, sage: „Schön, dass ich jetzt Weiterschreiben kann.“ Finde heraus, wann Du am besten schreiben kannst.

4. Wenn es gerade gut läuft, einem die Sätze nur so zufliegen, dann schreibe weiter und trauere nicht um Deine Lieblingsserie, die Du eventuell verpasst. Die wird sicherlich noch einmal wiederholt.

5. Kümmere Dich beim Schreiben erst einmal nicht so sehr um die Rechtschreibung. Du wirst Deine Story noch oft genug korrigieren. Schreibe einfach drauf los.

6. Belohne Dich, wenn Du das Gefühl hast, etwas Schönes geschafft zu haben. Koche oder lass Dir Dein Lieblingsgericht kochen (was anderes geht natürlich auch :-) ).

7. Vergiss das Abspeichern Deiner Arbeit nicht, eine ordentliche Textverarbeitung macht es für Dich automatisch.

8. Nehme an Schreibwettbewerben teil und tausche Dich mit Gleichgesinnten aus.

9. Mache immer Notizen, wenn Dir eine Idee einfällt, egal, ob im Bus oder in einer Gaststätte. Ideen haben die Eigenschaft sich schnell wieder zu verabschieden.

10. Gönne Dir auch mal eine schreibfreie Zeit. Ein Tag zum Entspannen, den jeder Mensch mal benötigt, um abzuschalten. Wenn Dir dabei Ideen kommen, hast Du ja (hoffentlich) Dein Notizbuch dabei.

 

Zum Schluss des Kapitels habe ich einmal ein Beispiel eines kleinen Ablaufplans vom Kriminalroman skizziert, wie er in etwa aussehen könnte, um jederzeit die Übersicht beim Schreiben zu behalten. Natürlich ist das kein Dogma. Jeder wird nach seinem Geschmack einen Handlungsplan erstellen bzw. die einzelnen Personen noch genauer charakterisieren.
Ob man sich so etwas auf einem Blatt Papier aufzeichnet oder mit einem geeigneten Programm notiert, ist eigentlich egal. Das ist reine Geschmacksache.
Es gibt spezielle Software für Autoren auf dem Markt, aber auch da gehen die Meinungen auseinander. Nämlich, ob man so etwas tatsächlich braucht. Ich persönlich habe nur einen Notizblock, in dem ich alles aufschreibe. So etwas geht irgendwie schneller. Und beim Schreiben liegt er stets neben der Tastatur. Ein Blick darauf genügt, und ich brauche nicht ständig zwischen Text- und Autorenprogramm wechseln.

 

 

 

 

Wer die Zeit hat zu lesen, der kann
auch Schriftsteller werden!

Stephen King

 

Roman oder Kurzgeschichte

 

Ab wann wird aus einer Geschichte ein Roman? Wie lang bzw. kurz muss eine Kurzgeschichte sein? Ab wie viel Wörtern wird aus kurz lang? Sicher interessante Fragen, Fakt ist leider, dass sich eine (Kurz-)Geschichte nicht in einer bestimmten Länge definieren lässt. Es existieren also keine generellen Vorgaben. Einer schreibt dafür nur drei DIN-A4-Seiten, der andere 20. Vorrangig ist immer ein bestimmtes Thema, welches dann als Lesestoff vom Autor aufbereitet wird. Für eine Kurzgeschichte allerdings so kompakt wie möglich.

 

Im Normalfall besteht so etwas aus einem Konflikt, der vom Protagonisten zu lösen ist. Und idealerweise bringt man diesen Konflikt schnell zum Höhepunkt. Auch die Anzahl der Charaktere ist im Gegensatz zu einem Roman meist auf wenige beschränkt. Wollte man Erich Maria Remarques „Im Westen nichts Neues“ als Kurzgeschichte schreiben, müssten sämtlich dort enthaltene Konflikte auf vielleicht einen reduziert werden. Ebenso die handelnden Personen. Da der Hauptkonflikt Krieg und Mensch ist, würde die Geschichte damit beginnen, dass sich die Hauptfigur Paul Bäumer bereits im Feld befindet und am Ende sinnlos stirbt.

Dagegen lässt ein Roman auch Zeitsprünge zu, ebenso wie verschiedene Handlungsorte und Konfliktsituationen. Aber wie bei den Geschichten keine definierte Länge. Ich kann die gesamte Handlung auf 200 Seiten, ebenso aber auch auf 800 unterbringen. Das steht jedem Autor und seinem Talent frei. Wichtig ist nur, dass die Spannung nicht verloren geht und keine Langeweile aufkommt. Ich hatte deswegen auch schon Romane beiseite gelegt und nie wieder etwas von diesem Autor gekauft.

 

Mit der Erschließung von eBooks als neues Medium kommt sicherlich auch die Frage auf, ab wann man sein geschriebenes Werk als Buch bezeichnen kann. Im Sinne der UNESCO gelten nur Druckwerke als Buch, die mindestens 49 Seiten inklusive Cover umfassen, wobei diese Angabe bei eBooks formatbedingt natürlich größer sein müsste. Dadurch schafft man einen Unterschied zu Broschüren, Prospekten o.ä. Ich persönlich denke, dass dies auch für eBooks gelten sollte. Zumindest ist es ein guter Ansatz bzw. Richtwert.
Bei Kurzgeschichten liegt der Fall sicher etwas anders, aber auch hier sollte man schon mehr als nur zwei oder drei Seiten parat haben, sonst liest irgendwann keiner mehr diese mageren Kurzgeschichten (Lyrik und Prosa ausgenommen). Ich persönlich klicke nur ganz selten auf Storys, die weniger als 1000 Wörter haben. Dies entspringt einfach meinem persönlichen Anspruch, denn ich werde nie ein Buch mit weniger schreiben. Sicherlich bin ich da nicht der einzige Leser, der sich ein bestimmtes Limit in dieser Richtung gesetzt hat. Ein gewisses Mindestniveau sollte man schon einhalten. sonst ist die Bezeichnung Autor eventuell schnell verfehlt.

 

Leider geht die Tendenz dahin, dass immer mehr "Bücher" auf BookRix zu finden sind, die nur eine klägliche Anzahl von Wörtern (Seiten) besitzen. Da werden teilweise Geschichten veröffentlicht, die eigentlich keine sind. In sich geschlossene Handlungen findet man dann nicht, sondern nur szenenhafte Fragmente. Das erklärt auch die schnell wachsende Anzahl von kostenlosen eBooks. Leider sinkt damit auch das Durchschnittsniveau der Plattform stetig. Leser freuen sich sicherlich nicht darüber, auch wenn das Buch kostenlos ist. Will sagen: Wer würde sich freuen, wenn er in einem Online-Shop ein schönes Kaffeeservice bestellt, und erst einmal nur die Untertassen geliefert werden.

Noch schlimmer sind eBooks, die nur einen Link auf eine andere Webseite zum Inhalt haben, was ja nun wirklich nicht Sinn der Sache ist. Ebenso Bücher, die weder abgeschlossen sind oder - ganz krass - noch nicht einmal begonnen wurden (gesamter Text: "Kapitel 1 folgt.."). Wie kommt man auf eine solche Idee? So etwas geht gar nicht.

 

Die Schriftsteller können nicht so schnell
schreiben, wie die Regierungen Kriege
machen; denn das Schreiben verlangt Denkarbeit.

Bertolt Brecht

 

 

 

 

Fehler vermeiden

Damit meine ich keine Grammatik- oder Rechtschreibfehler, sondern andere. Ein einfaches Beispiel sind Krimis im Fernsehen, wo der Drehbuchautor nicht einmal den Unterschied zwischen einem Revolver und einer Pistole kennt, ebenso den von Flinte oder Büchse. Solche „Patzer“ dürfen nicht passieren. Das wirkt ebenso unglaubwürdig wie eine Tatort-Kommissarin, die bei normaler Kleidung (ohne Jacke) für jeden sichtbar eine Waffe am Gürtel trägt. Das ist völlig unreal.

Und genau diesen Punkt meine ich, nämlich, dass sich ein Autor in ein Gebiet begibt, in das er sich nicht auskennt. Ich kann keinen Roman schreiben, der in einem Umfeld spielt, der mir unbekannt ist. So zum Beispiel über eine Person schreiben, die an Krebs erkrankt ist, wenn die Symptome, die Behandlung und der Verlauf dieser Krankheit unbekannt sind. Oder ich müsste dem Schreiben erst einmal eine gründliche Recherche voranstellen.

 

Dem Leser sollte eigentlich immer vermittelt werden, dass der Autor kompetent ist und weiß, worüber er schreibt. Deshalb macht sich besonders bei persönlichen Konflikten, die man beschreiben will, Lebenserfahrung echt bezahlt. Jeder Mensch reagiert in Ausnahmesituationen nun einmal anders, der eine ängstlich, der andere vielleicht aggressiv. Und das sollte man für seine Handlung gut nutzen.

Ein anderer Fehler, den manche Autoren machen, ist, dass alle Protagonisten mit der gleichen Sprache ausgestattet werden. Wie im richtigen Leben sprechen nicht alle Menschen mit ein und derselben Wortwahl. Jeder besitzt seinen eigenen Ausdruck. Eine Lehrerin spricht total anders als ein Bauarbeiter, ein Techniker erklärt viel genauer als eine Verkäuferin, eine Oma wählt Worte anders als ein Teenie usw. Man sollte als Autor schon zwischen den verschiedenen Typen und Charakteren differenzieren.

 

Und da wir schon einmal bei der Sprache sind: Es gibt auch einen gewissen Unterschied zwischen der Romansprache und der, die im Alltag gesprochen wird. Das übersehen viele Einsteiger.

Viele junge Autoren schreiben Fantasie- oder Vampirgeschichten, was ja durchaus auch Leser findet. Wenn man einige Geschichten liest, merkt man manchmal, dass sich irgend etwas seltsam liest. Schließlich findet sich das Übel: Mal wird auktorial (aus der Gesamtperspektive) erzählt, dann plötzlich in Ich-Form usw. Ständig wechselt die Erzählform und das geht nicht. Jede hat ihre eigenen Regeln und die sollte man beherzigen. Bei einem Roman oder einer Geschichte ist nicht nur allein die Handlung wichtig. Vor allem auch, wie sie erzählt wird!

Und was besonders wichtig ist: der Einstieg in eine Geschichte. Ein Buch sollte von Anfang an spannend sein und die Neugier auf mehr wecken. Denn hat der Leser schon bei der ersten Seite das Gefühl, dass es ihn langweilt, wird er zwar noch weiterlesen, aber spätestens bei der dritten Seite aufhören, wenn es so öde weitergegangen ist.

Es gibt auch einige Autoren, die allen Lesern zeigen, was sie an Wissen so alles drauf haben. Sie werfen mit Fremdwörtern herum, dass einem schwindlig wird. Ich kann nicht verlangen, dass jeder lesende Mensch auch ein wandelndes Fremdwörterbuch ist. Hier und da ein treffender Fachbegriff ist sicherlich nicht verkehrt, ansonsten hat so etwas in der Belletristik nichts zu suchen.

Ebenso wie Fremdwörter sollten ellenlange Sätze vermieden werden, womöglich noch dergestalt verschachtelt, dass man am Ende nicht mehr genau weiß, was der Autor eigentlich meinte. In der Kürze liegt die Würze, und dieses Sprichwort trifft haargenau auch auf die Satzbildung zu. Kein Mensch spricht im normalen Leben so unnatürlich, es sei denn, er ist ziemlich verstört oder verwirrt.

Genauso wie ellenlange Sätze sollte ein Autor auch auf genügend Absätze achten. Es liest sich verdammt schlecht, wenn man eine Seite ohne solche lässt. Absätze erleichtern nicht nur das Lesen. Sie strukturieren den Text und geben dem Leser die Möglichkeit, das Gelesene zu ordnen. Solche "Gedankenpausen" sind sehr wichtig und sollten nicht unterschätzt werden.

Auch, wenn es vielleicht nicht alle Leser merken, ein Autor sollte ständige Wortwiederholungen vermeiden. So genannte „Wirtshaussätze“, scherzhaft genannt, wenn viele Sätze mit wird, würde, würden, werden usw. auftauchen, wirken unschön und sind meist ein Indiz dafür, dass der Autor sich (noch) nicht gut ausdrücken kann.

 

Kleines Beispiel:

"Sie werden schon sehen, was daraus wird. Das würde ich mir an ihrer Stelle genau überlegen!"

kann man vielleicht auch etwas eleganter ausdrücken:

"Die Konsequenzen tragen sie am Ende allein. Überlegen sie sich das genau!"

 

Dies gilt natürlich für alle oft vorkommenden Wörter. Hier sollte man auf die so genannten Synonyme zurückgreifen, die die Gefahr vor ständigen Wortwiederholungen verringern.

Es gibt natürlich noch andere Fehler, zum Beispiel, wenn mehrere Autoren an einer Serie schreiben. Dann ist der Protagonist einmal 1,80 m groß, in einem anderen Band plötzlich auf 1,90 m gewachsen. So etwas liegt dann aber an der Absprache untereinander. Peinlich ist es aber trotzdem.

Übrigens: Einem jungen angehenden Autor kann man nur helfen, wenn man ihm auch die Fehler zeigt, die er macht. Ihm selber nützt es wenig, wenn man nur einseitige und nette Kommentare hinterlässt, ohne ein paar Hinweise, wo er sich verbessern müsste. Das bringt insofern nichts, weil er sich dann nicht weiterentwickeln kann. Von allein kommt man selten darauf, dass es notwendig ist, an seiner Orthografie oder am Schreibstil zu arbeiten.

 

Ich bin Schriftsteller geworden aus Liebe
zur Welt und den Menschen und nicht,

weil ich mich berufen fühle,
zu verfluchen und anzuprangern.

Albert Camus

Korrekturlesen

 

Um es vorweg zu sagen: Jeder Mensch macht Fehler, ob er will oder nicht. Und hier sind nun wirklich Grammatik- und Rechtschreibfehler gemeint. Nicht umsonst hat man das Lektorat erfunden. Leider hat nicht jeder Autor eines an seiner Seite, sodass man oft auf freiwillige Helfer zurückgreifen muss, wenn man nicht dafür bezahlen möchte. Seien es Kollegen, Freunde oder Familienangehörige, denen man so etwas zutraut.
Diese Hilfe sollten Autoren in jedem Fall annehmen, denn nichts ist schlimmer, als ein Buch, das von Fehlern nur so strotzt. Hilfreich kann auch sein, das Buch ein paar Tage nicht zu bearbeiten und dann nach eventuellen Fehlern zu suchen. Allerdings Eigene zu finden ist nach meinen Erfahrungen nicht ganz einfach. Da ist man meist blind wie ein Maulwurf, man übersieht sie sogar mehrfach.

 

Hier mal ein kleines Beispiel aus dem Alltag eines Journalisten: Ich sitze vor dem Bildschirm und schreibe einen wichtigen Artikel. Eine Kollegin kommt vorbei, um mich zum Mittagessen abzuholen. Dabei schaut sie flüchtig auf meinen Text, deutet auf eine Stelle und sagt: "Du hast da einen Tippfehler." Ich nicke nur als Dank und korrigiere, weil es völlig normal ist.
Was will ich damit sagen? Ganz einfach: Dass man eigene Fehler oft nicht sieht. Ein Anderer, der rein zufällig auf den Text schaut, sieht sie sofort. Zeige mir einen jungfräulichen Text, der absolut fehlerfrei ist und Du bist der Held des Tages :-). Deshalb wird in seriösen Redaktionen immer vor der Druckabgabe von anderen Kollegen Korrektur gelesen. Einen Artikel oder gar ein Buch ohne zu veröffentlichen, und vielleicht noch mit Entschuldigungen wie "keine Zeit" o.ä. zu agieren, ist eine Sünde. Immerhin können tausende Menschen Deinen Text lesen (hoffentlich!), dies sollte man sich immer vor Augen halten!

 

Es ist schon erstaunlich, wie viele bereits veröffentlichte eBooks es gibt, die voller Fehler stecken. Selbst bei kurzen Klappentexten, die ja eigentlich den Leser animieren sollen, das Buch zu lesen. Und wenn man die Sache nicht so ganz ernst nehmen will: Es ist schon erstaunlich, wie viel (junge) Schreiberlinge es gibt, die ganz normale deutsche Wörter in ihrer Schreibweise neu erfinden.
Wenn man unbedingt Autor werden will, sollte man sich strengstens davor hüten, mit dem Duden auf dem Kriegsfuß zu stehen. Wer denkt, dass allein nur der Inhalt das Wichtigste ist, sollte keine Geschichte oder gar Romane veröffentlichen, sondern nur für das stille Kämmerlein schreiben. Früher oder später bekommt man dann nämlich den Senf in Form von negativen oder niederschmetternden Kritiken auf´s Brot geschmiert. Und das artet bei sensiblen Autoren dann in Frust aus, der sich dann langsam zu einer gewaltigen Depression steigern kann.

 

Es soll ja (junge) Autoren geben, die sich bereits im Klappentext für ihre Rechtschreibfehler entschuldigen. Das ist sicher gut gemeint, aber ziemlich sinnlos. Leser wollen so etwas nicht wissen, auch nicht, wenn das Buch von einem Legastheniker geschrieben worden ist. Wenn man weiß, dass solch eine Schwäche vorhanden ist, ist es zwar sehr gut, Schreiben und Lesen zu üben, aber doch nicht in der Öffentlichkeit. Letztens habe ich in einem Klappentext einen Satz gelesen, der sage und schreibe acht Fehler hatte. Wenn jemand das Wort "Welt" als "weld" schreibt, ist das schon mehr als peinlich, auch wenn vielleicht eine Schreib- und Leseschwäche vorhanden ist. Wer unbedingt mit aller Gewalt sein erstes Buch veröffentlichen will, der sollte es vorher von anderen lesen lassen, die sich in der Orthografie auskennen.

 

Mir fast unverständlich ist es, dass es Fehler in Büchern gibt, die jedes Office-Programm von allein findet. Da kann es doch nur so sein, dass der Autor kein richtiges Schreibprogramm benutzt, obwohl es inzwischen mehrere vollkommen kostenlos gibt. Ich nenne da nur mal LibreOffice oder OpenOffice. Jeder, der ein Buch schreiben will, sollte sich so etwas installieren und damit arbeiten! So werden schon beim Schreiben etliche Fehler eliminiert. Auch ein so genannter Thesaurus ist integriert, damit man Synonyme finden kann, wenn zu viele Wortwiederholungen vorkommen.  

Wie man vielfach feststellen muss, hapert es jungen Autoren oft auch beim Setzen von Kommata. Meist werden sie dann überhaupt nicht benutzt, sodass zum Teil wüste Satzbildungen herauskommen. Dabei sind sie wichtig, denn sie können Sätzen eine vollkommen andere Bedeutung geben. Hier mal zwei Beispiele:

Jasmin erbte die Villa nicht, aber Opas Geld.
Jasmin erbte die Villa, nicht aber Opas Geld.

Oder etwas lustiger:

„Komm wir essen jetzt, Mutter!“
„Komm, wir essen jetzt Mutter!“

 

Anhand dieser beiden Beispiele sieht man ziemlich genau, wie wichtig das richtige Setzen bzw. der Einsatz von Kommata ist. Und richtig gesetzt erleichtern sie auch das Lesen. Mit etwas Übung können alle die wichtigsten Kommaregeln erlernen, so viele sind es nun auch wieder nicht.

Fehler in der Groß- und Kleinschreibung machen ebenso einen schlechten Eindruck, denn so etwas korrekt zu schreiben, setzt jeder Leser voraus. Das ist eine Selbstverständlichkeit, denn jeder lernt das in der Schule von klein auf. Auch wenn viele Suchmaschinen im Internet generell alles Kleingeschriebene akzeptieren, um dem User die Worteingabe zu erleichtern, kann man es in Büchern nicht tolerieren. Es gehört einfach „zum guten Ton“, dass der Autor das nicht durchgehen lässt.

 

Ein kleiner Tipp, um eigene Fehler besser und sicherer ausfindig zu machen, ist der, sich seinen Text auszudrucken, um ihn Schwarzweiß auf Papier zu haben. Man findet dann wesentlich mehr Ausdrucks- und Grammatikfehler, als wenn der Text am Bildschirm durchgelesen wird. Klingt vielleicht seltsam, ist aber in der Praxis tatsächlich so. Der zweite Vorteil ist, dass man das Buch auch anderen zum Lesen in die Hand drücken kann, ohne dass die gleich einen PC oder ähnliches benutzen müssen. Es ist einfach viel bequemer.

 

Mal abgesehen von Grammatik- oder Rechtschreibfehlern kann es auch passieren, dass inhaltliche Fehler vorkommen. Besonders dann, wenn man sich kein ordentliches Konzept gemacht hat, in dem die Protagonisten mit ihren Namen und Kurzcharakteristiken aufgeführt sind. Da kann es schon mal vorkommen, dass Namen, Charaktereigenschaften oder sogar Orte verwechselt werden. Besonders bei Romanen. Das ist nicht nur tragisch, sondern auch peinlich. Deshalb immer jemanden suchen, der Erfahrung im Korrekturlesen besitzt.

 

Merke: Bücher sind keine SMS, bei denen es nur auf den Inhalt ankommt.  Als Autor sollten Grammatik- oder Rechtschreibfehler nicht akzeptiert werden! Tut man das nicht, zeugt das von Respektlosigkeit gegenüber denen, die das Buch lesen (wollen). Die Leser sind immer noch die schärfsten „Lektoren“ und Kritiker! Aber dann ist es meist schon zu spät. Wer nach einem Jahr nicht einmal 50 Leser hat, der machte vielleicht irgend etwas falsch. Vielleicht sind es "nur" die Schwächen in der Orthografie.

Schreibstil verbessern

 

Was immer Du schreibst - schreibe kurz,

und sie werden es lesen,

schreibe klar, und sie werden es verstehen,

schreibe bildhaft, und sie werden es im Gedächtnis behalten.

Joseph Pulitzer (1847 - 1911)

 

Es ist gar nicht so einfach zu beschreiben, was eine spannende Geschichte ausmacht, die einen guten Schreibstil besitzt. Es ist wie eine Melodie, die man sofort mag. Der Text liest sich flüssig und ohne große Schnörkel, er geht sofort ins Blut, und ist bildhaft sofort erfassbar. Einen guten Stil erkennt man auch daran, dass er lebendig und abwechslungsreich geschrieben ist und der Inhalt leicht erfassbar ist. Wenn man ihn beherrscht, findet sich vielleicht auch ein eigener individueller Stil. Franz Kafka zum Beispiel hatte solch einen, der unverkennbar seine Züge trägt.

Ich will versuchen, einige wichtige Beispiele zusammen zu fassen. Einiges hatte ich ja schon erwähnt.

 

1. Locker schreiben, bedeutet eigentlich nichts anderes, als beispielsweise lange verschachtelte Sätze und Fremdwörter zu vermeiden. Beides ist schlecht gedanklich zu erfassen. Das eine versteht man nur, wenn der Satz vielleicht zweimal gelesen wird, und unbekannte Begriffe sollten nicht erst in einem Fremdwörterbuch nachgeschlagen werden. Also lieber lange verschachtelte Sätze in mehrere aufteilen und möglichst einfach schreiben.

 

2. Modeerscheinungen sind meist nicht von Dauer. Schließlich ändern sich auch die Menschen mit der Zeit, sie werden (hoffentlich) reifer. Eine aktuelle „Babysprache“, die heute bei E-Mails o.ä. zu finden ist, kann sich vielleicht lustig anhören, aber wenn sie dauerhaft in Büchern auftaucht, wirkt so etwas ziemlich lächerlich. „Lol“ oder so etwas wie „ungläubig guck“, „verhalten kicher“ bzw. „schnell gucken geht und einpack“ sind nicht nur orthografisch ziemlich bedenklich.

Man sollte auch Wörter vermeiden, die es nicht gibt. Zum Beispiel „Das ist am optimalsten.“ Es gibt keine Steigerung von optimal, denn wenn etwas optimal ist, ist es bereits perfekt, mehr geht nicht. Am perfektesten gibt es ja auch nicht.

 

3. Texte gliedern. Lasse dem Leser genügend Raum. Biete ihm Gelegenheit, seine Gedanken schon beim Lesen zu ordnen, strukturiere die Sätze. Nichts ist schlimmer als eine Seite, auf der Sätze meterlang hintereinander folgen. Kurz gesagt, man sieht den Wald vor lauter Bäume nicht, und beim Lesen kann es durchaus passieren, dass man sich in den Zeilen verirrt. Für Autoren heißt es ganz simpel: schaffe genügend Absätze.

Punkte, Kommata und Gedankenstriche helfen ebenfalls, einen Text gut zu strukturieren. Der Gedankenstrich bietet eine gute Abwechslung im Satzaufbau – solange er nicht zu oft eingesetzt wird.

 

4. Überflüssiges und Wiederholungen streichen. Nichts ist schlimmer als ein langer Text, der aufgeblasen wirkt und bei dem man nicht „zum eigentlichen Punkt“ kommt. Ein Weg der nie endet und auf dem nichts passiert, wird langweilig. Genauso kann es auch dem Leser ergehen, wenn der Autor kein Ende findet, viele unnütze Füllwörter oder abgedroschene Redewendungen wie zum Beispiel Floskeln benutzt, die so abgenutzt sind wie Opas Stiefel. Lese den Text zum Schluss immer gut durch und kürze alles, was nicht unbedingt nötig ist.


Ein paar Füllwörter als Beispiel:
Allenfalls - allesamt - bei weitem - bekanntlich - demgegenüber - demgemäß - durchaus - erheblich - ergo - folglich - fraglos - hinlänglich - insbesondere - jedenfalls - lediglich - letztlich - mithin - naturgemäß - schlichtweg - sozusagen - überhaupt - wohlgemerkt - zweifelsohne.

Floskeln und Phrasen sind alltägliche Redewendungen, die eigentlich jeder benutzt. Beispiele:


Das kannst du drehen und wenden, wie du willst. So ist das Leben. So einfach ist das.
Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Willkommen im Club! Ich will ja nichts sagen, aber...
Kommst du heute nicht, kommst du morgen. Man wird nicht jünger. Nichts für ungut.
Das wird schon werden. Kann jedem mal passieren. Stimmt's oder hab ich recht?
Langsam wie eine Schnecke. Damit kannst du mich jagen. Wer lesen kann, ist klar im Vorteil.
Die Spitze des Eisbergs. Jedem das seine. Lass gut sein. Alter Schwede! So sieht's aus.
Im Grunde genommen. Ich hab' da mal 'ne Frage. Das wird schon wieder. Geht nicht, gibt's nicht.
Stell dich nicht so an. Nichts hält ewig. Die Chemie stimmt. Ende gut, alles gut... usw.

 

5. Zu viele Adjektive sind einfach nutzloses Zeug, man sollte sie auf das notwendige Übel beschränken. Ein Satz wie „Dieses überaus große, in einem wunderschönem Blau angestrahlte und mächtig massiv aussehende hohe Gebäude flößte ihm einen unerhörten wahnsinnigen Respekt ein.“ ist natürlich übertrieben, aber verdeutlicht in etwa, was gemeint ist. Bei einem großen breitschultrigen Mann muss ich nicht noch betonen, dass er vielleicht stark und kräftig ist. Das kann sich jeder denken. Dumm oder klug wäre da sicherlich interessanter :-).

Ganz überflüssig sind Adjektive bei Dingen, deren Eigenschaften sowieso jeder kennt. Bei einem Satz wie: "Sie verzog das Gesicht als ob sie in eine saure Zitronenscheibe beißen würde" kann das Wort "saure" weggelassen werden, da allein beim Begriff Zitronenscheibe einem schon das Wasser im Mund zusammen läuft. Genauso sinnlos ist eine süße Zuckerstange oder ein hoher Fernsehturm. Weniger ist mehr, sagt ein Sprichwort. Man muss nur das geeignete Adjektiv finden, wenn es denn unbedingt sein muss.

 

6. Emotionen und Gefühle sollten konkret beschrieben werden. Die richtigen Worte finden ist ja die eigentliche Schreibkunst. Ich kann sagen: „Martina ging zum Training.“ Ein Satz, der ziemlich emotionslos ist und deshalb wenig Spannung erwarten lässt. Sage ich jedoch: „Martina eilte freudig mit einem strahlenden Gesicht zum Training.“ ist jedem klar, dass sie sich darauf riesig freut. Ein Mensch kann zwar traurig sein, aber das ist ziemlich verallgemeinert. Lassen wir den Leser doch mitfühlen, wenn wir ihm stattdessen mitteilen, dass er traurig ist, weil er wieder keinen Gewinn im Lotto hatte. Dieses Pech kann sicher jeder nachvollziehen und der Grund bleibt nicht außen vor.

 

7. Sätze wie „Sie ist nicht unbegabt.“ oder „Das ist nicht unmöglich.“ finden sich ziemlich oft. Es sind doppelte Verneinungen, die im ersten Augenblick eigentlich nicht richtig zugeordnet werden können. Bleiben wir doch gleich konkret. Im ersten Fall wäre das: „Sie ist (durchaus) begabt.“ und im zweiten „Das ist möglich.“ Diese Aussagen sind klar und eindeutig. Also lassen wir besser gleich solche Floskeln wie „Kein Kind von schlechten Eltern.“ oder ähnliches.

 

8. Abkürzungen sind durchaus zulässig, wenn jeder sie kennt. Agent beim FBI zum Beispiel. Wer kennt von den (älteren) Lesern nicht Jerry Cotton. Wenn ich aber in einem Krimi schreibe, dass die Kollegen der KT anwesend sind, weiß nicht jeder sofort, dass damit die Kriminaltechniker gemeint sind, die nach Spuren suchen. Oder wer kennt schon die Abkürzung AFIS (automatisches Fingerabdruck-Identifizierungssystem)? Eigentlich nur Fachleute. Also lassen wir so etwas einfach weg und schreiben statt RA lieber Rechtsanwalt und für KOK gleich Kriminaloberkommissar. Damit kommt dann jeder sofort klar.

 

9. Sammelbegriffe möglichst nicht so oft verwenden. „Dort standen viele Bäume.“ Schön, also ein Wald. Oder doch nur eine Allee? Der Satz sagt allein nicht viel aus. Genauso wenig wie „Sie hat Angst vor Insekten.“ Vor Mariechenkäfern? Pardon, das ist unser Berliner Ausdruck für Marienkäfer. Oder etwa vor Schmetterlingen? Also nicht gleich verallgemeinern. Schreiben wir doch gleich, dass es Spinnen sind, von denen sie immer Gänsehaut bekommt. Damit lässt man den Leser nicht dumm sterben und trifft den Nagel auf den Kopf.

Begriffe, die man bedenkenlos nehmen kann, gibt es natürlich auch. "Mittags gibt es Eintopf." Hier wird es dem Leser völlig egal sein, ob es sich um eine Erbsen- oder Linsensuppe handelt. Das interessiert nicht mal den Autor.  

 

10. Bildlich schreiben. „Er schoss sie über den Haufen.“ geht sicherlich auch, regt die Fantasie des Lesers aber nicht besonders an. Hier fehlen vielleicht ein paar aussagekräftige Adjektive. Brutal, wütend, gnadenlos usw. passen da sehr gut dazu. Besser ist es allerdings, wenn man einen Mord etwas genauer als in einem einzigen Satz beschreibt, denn es ist etwas, was nicht alltäglich ist, und bestimmt für die Story eine entscheidende Handlung.

Bildlich schreiben kann jeder lernen. Eine hilfreiche Methode ist zum Beispiel die, dass wir einfach mal unser Wohnzimmer in einem Text beschreiben. Oder den Blick aus dem Fenster. Das kann durchaus spannend werden, wenn wir noch Passanten integrieren, die eine Handlung ausführen.

 

11. Und zum Schluss der wichtige Rat: schreibe und lese viel. Übung macht den Meister! Beim Lesen prägt sich unser Unterbewusstsein viele Worte ein, die später beim Schreiben wieder genutzt werden können. Fast automatisch erhöhen wir damit unsere Wortvielfalt. Je größer das Repertoire des Sprachschatzes ist, desto geringer werden störende Wortwiederholungen und wir verbessern damit auch unseren Schreibstil.

Und als Tipp: Lasse Dir den Text von jemanden einfach mal vorlesen. Kommt er (sie) dabei häufig ins Stocken? Dann ist das der Beweis, dass er noch nicht perfekt ist.

 

Die alten Wörter sind die besten,

und die kurzen alten Wörter sind die allerbesten.“

Winston Churchill

Schreibblockaden

 

Oh ja, oft gehört... Man sitzt vor dem PC und will unbedingt mit (s)einer Story weiterkommen, aber die „Eingebungen“ sind nicht existent. Es fehlen einfach die Ideen oder die passenden Wörter sind nicht zur Stelle. Aber man will unbedingt schreiben und das Buch schnell beenden. Solche Situationen haben bestimmt schon einige Autoren erlebt, aber lassen Sie sich nichts einreden, es gibt schlimmeres. Menschen sind nun mal nicht jeden Tag genial und sprühen förmlich vor Ideen über! Wir sind eben keine schreibenden Roboter.

 

Zu einer guten Geschichte gehört auch ein gutes Konzept. Sich einfach hinzusetzen und sich selbst zu befehlen, so, jetzt schreibe ich an meiner Story weiter, ist ohne einen vernünftigen Leitfaden fast unmöglich. Keiner kann beispielsweise einen Kriminalroman ohne einen solchen schreiben. Ich brauche Personen und eine interessante spannende Handlung, eine gute Idee für den „perfekten“ Mord und einen schlüssigen Ablauf der Story bis zur Aufklärung. Morden kann man auf dem Papier viel und gerne, aber den Leser neugierig darauf zu machen, wie es weiter geht, das ist ein entscheidender Punkt!


Besonders in diesem Genre kann es sich fatal auswirken, wenn der Autor sich keinen ordentlichen Handlungsablauf (Plot, Storyboard o.ä.) zurecht geschneidert hat. Dann ist irgendwann Schluss mit Lustig, weil man nicht mehr weiß, wie es weitergehen soll. Einen guten Krimi kann man nicht wie eine Kurzgeschichte aus dem Stehgreif schreiben. Das gilt für viele Romane, die eine komplexe Handlung besitzen.

 Besitzt man aber einen in sich schlüssigen Handlungsablauf und ist trotzdem nicht in der Lage, momentan die passenden Sätze zu finden, sollte man es sein lassen! Abschalten heißt das Zauberwort, einfach etwas anderes machen und diesen selbst auferlegten Schreibzwang ablegen.

 

Das ist wie bei einer wichtigen Prüfung. Vorher dafür büffeln ist vollkommen in Ordnung, aber nicht am letzten Tag. Den Tag vor dem entscheidenden Ereignis sollte man entspannen, etwas tun, was man gern macht, und sich nicht die Rübe mit Fachbegriffen voll hauen. Das geht meistens schief.

Also kein Drama daraus machen, wenn es mal nicht so läuft wie gewünscht. Zum Schreiben muss man Lust haben! Und die kommt immer wieder, ganz sicher. Zumindest ist es total falsch, sich einen Zwang aufzuerlegen. Denn das bedeutet Stress und der ist der Tod jeglicher Kreativität!

 

Ein schlechter Schriftsteller wird manchmal
ein guter Kritiker, genauso wie man aus einem
schlechten Wein einen guten Essig machen kann.
Henry De Montherlant

Cover - ein Thema für sich

 

Das Cover eines Buches ist sozusagen das visuelle Vorzeigekriterium, welches häufig darüber entscheidet, ob man ein Buch kauft oder nicht. Schließlich achtet (fast) jeder Mensch auf die optische Gestaltung eines Produktes. Ich hänge mir auch keine Bilder an die Wand, die mir nicht gefallen, das ist in etwa vergleichbar. Entweder die Titelgestaltung gefällt einem auf den ersten Blick oder man übersieht das Buch einfach. Letzteres möchte natürlich kein Autor, vor allem dann nicht, wenn er viel Mühe und Zeit in den Inhalt investiert hat. Deshalb folgen an dieser Stelle einige hilfreiche Tipps aus meiner langjährigen Praxis.

   

Ich möchte nicht unbedingt alles wiederholen, was auf BookRix als Ratgeber und Tipps bereits veröffentlicht worden ist. Warum also das Fahrrad zweimal erfinden? Macht eigentlich wenig Sinn.

Okay, auf einen Punkt muss ich aber unbedingt hinweisen, da der wirklich wichtig ist: das Urheberrecht. Immer wieder sehe ich Fotos auf Cover, wo ich mit Sicherheit annehmen muss, dass der Autor nicht das Recht hatte, es für sich in Beschlag zu nehmen. Meist sind es junge Autoren, die nicht wissen, dass es dafür Gesetze und Bestimmungen gibt, und dann eines Tages erschreckt aufwachen, wenn sie eine Abmahnung von einem Anwaltsbüro bekommen, verbunden mit einer kräftigen Geldforderung. Dann aber ist das Kind leider schon in den Brunnen gefallen. Fotos ohne Erlaubnis für sich zu beanspruchen oder sie nach eigenem Geschmack zu bearbeiten ist kein Kavaliersdelikt! Das sieht auch das Gesetz so, und der Satz "Unwissenheit schützt vor Strafe nicht." hat in diesem Fall eine große Bedeutung.

Ich hatte schon gelesen, dass eine junge Autorin im Impressum schrieb: „Die Fotos sind alle von Google und somit legal.“ Leider ist das mehr als naiv, da Google keine Urheberrechte auf Fotos hat, die die Suchmaschine findet. Also vorher genau informieren, wie und wann man Fotos aus dem Internet kostenlos für sich benutzen darf und unter welchen Bedingungen. Auf BookRix ist schon einiges darüber zu lesen!

Auf der sicheren Seite ist man immer, wenn es eigene Fotos oder Grafiken sind, die man für das Cover verwendet. Selbst mit ein paar Wolken, die man mit dem Handy aufnimmt, kann man schon einiges gestalten. Einfach mal einen Spaziergang machen und sich die Gegend genau ansehen, vor allem Details. Irgendein Motiv findet sich da schon, dass man für ein Titelbild nutzen kann.

 

 Zur Gestaltung eines guten Covers braucht es sicher etwas grafisches Talent, tatsächlich aber viel Übung, gepaart mit Erfahrungen im Umgang mit Grafik- oder Bildbearbeitungsprogrammen. Da stoßen viele Einsteiger schnell an ihre Grenzen. Denn „einfach mal so“ ein kostenloses Programm wie zum Beispiel Gimp zu installieren und sofort loszulegen, ist schlicht und einfach nur Illusion. Gimp ist, obwohl kostenlos erhältlich, ziemlich komplex und wer eine gute Gestaltung will, muss sich auch mit den Funktionen des Programms vertraut machen. Das ist ziemlich zeitaufwändig und deshalb stoßen damit viele an ihre Grenzen.

 Schön ist es aber, dass es BookRix-Mitglieder gibt, die sich auf Cover spezialisieren, gern mit Foto- oder Grafikprogrammen arbeiten und bereit sind, zu helfen. Warum nicht ihre Hilfe in Anspruch nehmen. Das ist der einfachste Weg.

 Das Bild des Covers ist nur die eine Seite. Wichtig ist aber auch der Titel selbst und deren Schriftgestaltung. Leider mehrfach zu sehen sind viele Titel in englischer Sprache. Soll wohl besonders cool wirken. Was nützt mir aber ein englischer Titel, wenn ihn nur wenige der gesamten Leserschaft korrekt lesen und übersetzen können? Oder der Text grammatisch falsch ist, weil man doch nicht so gut die englische Sprache beherrscht? Bei vielen eBooks fällt dann gleich das Interesse, es zu lesen gegen Null. Besonders in der Kategorie Kinder- und Jugendbücher nützen sie wenig, sprich, sind vollkommen sinnlos, da Kinder bekanntlich noch kein Englisch beherrschen. Immerhin sind wir in Deutschland, und da wird immer noch die Sprache Goethes gesprochen.


Oder mal ein umgekehrtes Beispiel: Ich sehe auf einer englischen Webseite ein Buch mit einem deutschen Titel. Als ich es lesen will, sehe ich, dass der gesamte Inhalt in englischer Sprache geschrieben ist... Da würde sich ein Engländer doch veralbert vorkommen, oder? Aber so etwas kommt wohl in der Praxis nicht vor. Jedenfalls ist es mir noch nie passiert. Warum wohl? Jeder rational denkende Mensch erwartet bei einem englischen Titel auch einen Inhalt in derselben Sprache, sonst fühlt er sich, gelinde gesagt, einfach verarscht.

 

 Und noch ein ausschlaggebender Punkt: Es gibt viel mehr Bücher in englischer Sprache als deutsche. Schon deshalb ist die Gefahr groß, einen englischen Titel zu wählen, den es bereits schon gibt. Besonders diejenigen, die ihr Buch verkaufen wollen, sei es ans Herz gelegt, vorher im Internet zu recherchieren, ob der Titel schon existiert.

 Abzuraten sind übrigens Titel, in denen Wörter vorkommen, die nicht im normalen Sprachalltag gebräuchlich sind oder gar Fäkalien-Ausdrücke. Das beweist, dass der Autor dumm, naiv oder unreif ist. Dies ist nicht "cool", so eine Trivialsprache ist einfach nur grottenschlecht. So etwas wie „Scheiße, mein Mann ist eine Sau!“ oder „Fick dich Arschloch“ wird wohl Leser mit Niveau und Bildung nicht dazu bewegen, das Buch zu lesen. Ein Zeugnis von gutem sprachlichem Ausdruck ist das keineswegs. Provozierende Titel mögen durchaus ihre Berechtigung haben, wichtig ist aber die richtige Wortwahl. Allerdings ist gerade bei Kinder- und Jugendbüchern so etwas total unangebracht. Auch wenn der Umgangston dieser Lesegruppe sich inzwischen stark zum Negativen geändert hat, ist es nicht gerade empfehlenswert, die Familie als Arschlöcher o.ä. zu bezeichnen. 

 

Titel sollten natürlich auch inhaltlich stimmen. Ich las kürzlich und das wörtlich: "Der Internet Freund, der zum Freund wurde". Man ahnt zwar, was vielleicht damit gemeint ist, aber korrekt ist es nicht, da ja ein Freund nicht zum Freund werden kann. Ein Bekannter oder auch Kollege kann zum Freund werden, aber niemand, der es schon ist. Dieser Widerspruch fällt sofort auf, wenn man den Titel liest. Ich weiß, das ist ein triviales Beispiel, aber es existiert tatsächlich.

 

 Die Wahl des Titels ist angesichts der vielen Buchtitel, die auf dem eBook-Markt vorhanden sind, nicht einfach. Zugegeben, das ist wirklich nicht leicht! Schließlich soll er ja prägnant sein und neugierig auf den Inhalt machen. Und wenn man nach dem fünften Versuch feststellt, dass es ihn schon gibt, kann sich schon etwas Verzweiflung einnisten. Man achte auch bei der Wahl des Titels, dass er nicht ellenlang, also textlastig ist. Wenn dann der Untertitel noch länger ist, wird es schlicht und einfach langweilig. Und das will schließlich kein Autor.

Sicherlich ist es besser, den Titel erst dann zu wählen, wenn das Buch fix und fertig ist. So kann man sich wichtige Stichpunkte aus dem Inhalt machen und gelangt dann besser zu einem vernünftigen Ergebnis. Oder man fragt Freunde, die es gelesen haben. Vielleicht hat einer von ihnen eine gute Idee.

 

 Natürlich sollte der (deutsche) Titel auch gut lesbar, also leicht erfassbar sein. Was nützt es, wenn ich einen super Titel gefunden habe, die Leser ihn aber nicht genau entziffern können, weil ich bei der Cover-Gestaltung eine „exotische“ Schriftart gewählt habe. Auf BookRix gibt es leider auch negative Beispiele. Man muss sich einige Cover einfach mal genauer ansehen. Besonders in der kleinen Übersichtsdarstellung sind manche Titel überhaupt nicht lesbar, was natürlich schade ist.

Bei gotischen oder ähnlichen verschnörkelten Schriftarten kann man den Titel oft nur raten, weil er auf einen Blick nicht erkennbar ist. So etwas weckt keine Aufmerksamkeit und wird dann häufig links liegen gelassen. Auch ist es manchmal die Schriftgröße oder -farbe, die das Lesen erschwert. Zum Beispiel macht es sich meist nicht gut, bei einem dunklen Schwarzweiß-Foto eine schwarze Schrift zu wählen.

Auch die Position des Textes ist nicht unwichtig. Ist auf dem Cover zum Beispiel ein Mensch oder ein Tier abgebildet, sollte der Titel nicht unbedingt das Gesicht der abgebildeten Person bzw. den Kopf des Tieres überschreiben, sprich unkenntlich machen. Das macht sogar die Bild-Zeitung selten. Und wo wir schon bei Fotos mit Personen sind: Nach Möglichkeit Ausschnitte bzw. Details wählen (Porträts, Hände usw.). Die wirken wesentlich spannender als ganze Personen, die einfach nur in irgendwelchen Posen dastehen.

 

Ein absolutes No Go sind natürlich Rechtschreibfehler auf dem Cover. Auch sie findet man (wenn man will) leider auch auf BookRix. So manch einer würde persönlich vor Scham in den Erdboden versinken, wenn jemand trotz der wenigen Wörter auch nur einen Fehler findet. Deshalb sollte man besonders, wenn es um die Gestaltung und den Text des Covers geht, Freunde oder Bekannte fragen, ob es denen gefällt.

 

 

Exposé und Klappentext

 

Was ist eigentlich ein Exposé? Es handelt sich dabei - grob gesagt - um eine Übersicht bzw. Zusammenfassung. Manche nennen es auch Plan oder Entwurf. Es kommt immer darauf an, auf was es sich bezieht, also vor dem Schreiben oder danach. So kann das Exposé eine chronologische Schreibhilfe sein oder als Werbung bzw. Repräsentation für einen Verlag dienen.

Letzteres ist vor allem dann wichtig, wenn ich mein Manuskript zum Kauf anbiete. Man sollte sich also vor dem Verfassen eines Exposés Gedanken darüber machen, welchem Zweck es förderlich ist, und sich beim Schreiben in denjenigen hineinversetzen, der es lesen soll. Wenn ich es nur für mich benutze, um meinen Handlungsablauf zu strukturieren, dann ist es ziemlich egal, wie ich schreibe. Ich sollte damit möglichst einen Spannungsbogen aufzeichnen, der sich durch die ganze Story zieht, also den Leser dazu zwingt, „bei der Stange“ zu bleiben.

 

Ein Exposé (Darstellung) ist nicht mit einem Klappentext zu verwechseln, für Verlage sollte es aber trotzdem nicht länger als zwei DIN-A4-Seiten sein. Ein kompakter sachlicher Überblick über die Handlung, dessen Thema und Genre sind das wichtigste. Mitunter können kurze Hintergrundinformationen von Nutzen sein, die die Kompetenz des Autors unterstreichen. Man sollte es unbedingt so anfertigen, dass das Interesse des Lektors geweckt wird, in die Leseprobe zu schauen. Und natürlich sollte in diesem Zusammenhang hervorgehoben werden, warum sich das Manuskript von allen anderen Büchern mit der gleichen Thematik positiv unterscheidet bzw. abhebt.

 

 Der Klappentext, der bei Printmedien auf der Rückseite angesiedelt ist, kann ziemlich entscheidend sein, ob jemand Interesse hat, ein Buch zu lesen (kaufen) oder nicht. Deshalb sollte man ihm besondere Aufmerksamkeit schenken, denn man will ja sein Produkt optimal vermarkten. Ein grober aber spannender Überblick über den Inhalt gibt dem Leser Auskunft über die Handlung, eventuell auch über die Personen.

Auch ein grober Lebenslauf des Autors kann hilfreich für den Leser sein, besonders dann, wenn es sich um ein Sachbuch handelt. Hier möchte man doch sicher sein, dass der Schreiberling auch kompetent und glaubwürdig ist.

 

Die große Preisfrage

Nach Umfragen bei Lesern von elektronischen Büchern sind denen die meisten eBooks noch zu teuer, zumal wie sie meinen, diese den Verlagen ja nicht viel Arbeit machen. Und selbst die Preise von Bestsellern sind in der vergangenen Zeit gesunken. Das klingt sicher etwas ketzerisch, zumal wir als Autoren ja wissen, wie viel Zeit und Mühe es gekostet hat, die Zeilen zu schreiben.

Aber leider scheint es wohl eine Schmerzensgrenze zu geben, wo keiner mehr das Produkt kauft. Als Beispiel nehme ich mal ein Fachbuch. Kostet das eBook fast genauso viel wie die Printausgabe, wird man wohl zum Papier greifen, da man das Buch nach dem Lesen immer noch bei eBay o.ä. verschachern kann. Mache ich es richtig preiswert, so könnte Skepsis zum fachlichen Inhalt und an der Kompetenz des Autors aufkommen. Also keine leichte Aufgabe. Letztendlich bleibt das Problem an uns allein hängen, den „richtigen“ Verkaufspreis festzulegen.

 

Und da sollte man auf dem Boden der Tatsachen bleiben. Beispiel aus der Praxis: Ein Gedichtband mit nicht einmal 2500 Wörtern zu einem Verkaufspreis von 29,49 € anzubieten, ist schon mehr als gewagt, Charles Dickens Roman "Oliver Twist" für 1,99 € schon ziemlich reell. Man darf den Käufer auf keinen Fall enttäuschen, denn wenn der Inhalt dem verlangten Preis nicht gerecht wird, rächt der sich mit schlechten Rezensionen oder gibt das Buch wieder zurück, was bei manchen eBook-Shops möglich ist.

Keinesfalls sollte sich ein unbekannter Autor an Grenzen wagen, die weltbekannten Schriftstellern vorbehalten sind. Ein Maximum von 3,99 € ist wohl angemessen, wenn es sich um einen umfangreichen Roman handelt. Bei Sach- und Fachbüchern ebenso. Wenn sich dann das Buch gut verkauft, man mit der Zeit bekannter geworden ist, und auch die Rezensionen in den Shops gut und reichlich sind, kann man den Preis beim nächsten Roman sicherlich etwas steigern.

 

Zu guter Letzt...

Ein kleines Schlusswort zur Persönlichkeit eines Autors. Sicherlich ist man stolz, wenn eine eigene Geschichte, ein Ratgeber oder ähnliches veröffentlicht wird, das gilt besonders für die Printmedien. Und umso mehr, je öfter sie gelesen bzw. gekauft wird. Dies ist ganz natürlich, denn in vielen Menschen stecken still und heimlich kleine Narzissten. Dennoch sollte man stets auf dem Teppich bleiben und nicht sofort abheben. Das überlässt man am besten einigen Schauspielern.

Ein guter Autor rühmt sich nicht über seine Veröffentlichungen oder gar Verkäufe, er bleibt bescheiden. Damit meine ich auch, dass man nicht pausenlos für sein Produkt wirbt und anderen Mitgliedern damit auf den Geist geht. Das kann nämlich auch in einen negativen Effekt umschlagen.


Genauso macht es einen schlechten Eindruck, wenn man stur auf seine Meinung verharrt, die in einem Buch vertreten wird, obwohl viele Leserkommentare mit logischen Argumenten dagegen sprechen. Wenn man dann noch die anderen als intolerante Heuchler o.a. hinstellt, muss man sich nicht wundern, wenn man keine Resonanz mehr erhält. Dann schalten nämlich die Leser auf stur und ignorieren den eigensinnigen Autor.
Gleiches kann natürlich auch passieren, wenn ein Autor auf Kommentare nicht oder sehr selten antwortet. Immerhin hat sich der Leser die Mühe gemacht, nicht nur das Buch zu lesen, sondern es auch zu beurteilen. Eine solche Handlung verdient keine Missachtung, und ein kleines Dankeschön kostet nicht viel Zeit.

 

Ein Autor/Schriftsteller trägt Verantwortung. Egal, ob es nur eine kleine Geschichte oder gar ein Roman ist. Sobald sie/er veröffentlicht ist, steht auch die Person, die ihn geschrieben hat, im Blickpunkt der Öffentlichkeit. Jeder kann die Story lesen und sich auch ein Bild über den Autor zurechtschneidern. Die Art und Weise wie er schreibt, die soziale oder politische Aussage oder gar Fehler, die er/sie macht - damit wird man in eine bestimmte Schublade gesteckt. Und dieses Image bleibt meist bestehen.

Eine Charlotte Roche (u.a. "Feuchtgebiete") bleibt wohl immer die Schmuddelfrau, die sie vielleicht im wirklichen Leben nicht ist. Aber es hängt ihr immer an, dass sie zwei umstrittene Bücher geschrieben hat, die für viel (negativen) Diskussionsstoff gesorgt haben. Und mit dem Internet ist es noch schlimmer, denn das vergisst nicht so schnell.

Google oder andere Suchmaschinen sind da gnadenlos, und offenbaren noch nach vielen Jahren Sünden, die man vielleicht irgendwann mal begangen hat. In der Jugend mag das viele nicht stören, aber später, wenn man eventuell eine gute berufliche oder gar politische Position eingenommen hat, kann so etwas durchaus ein Eigentor werden. Auch hier sollte der Name Guttenberg zur Abschreckung dienen.

In diesem Zusammenhang will ich noch auf den Autorennamen hinweisen. Der ist auf jeden Fall eine Überlegung wert. Benutze ich meinen eigenen Namen oder wähle ich ein Pseudonym? Letzteres wird man wählen, wenn die wahre Identität nicht erkannt werden soll. Das kann zum Beispiel dann der Fall sein, wenn ich in der Regel Sachbücher unter meinem eigenen Namen schreibe und vielleicht auch mal Abstecher in die Erotikliteratur o.ä. machen möchte, ohne dabei erkannt zu werden. Das macht durchaus Sinn, wenn man schon einen hohen Bekanntheitsgrad mit guten Büchern erreicht hat und sich auf anderer Ebene "austoben" will. Oder man möchte die Steuer über´s Ohr hauen, auch eine Möglichkeit.

Ansonsten gibt es eigentlich keinen Grund, nicht seinen Familiennamen zu benutzen, da sonst kein Wiedererkennungswert vorhanden ist. Wenn ich ein gutes Buch geschrieben habe, sollte es schon unter eigenem Namen zu finden sein. So bleibe ich eventuell auch über meinen Tod hinaus noch als Autor in den Köpfen einiger Menschen. Auch meine Freunde oder Bekannten finden das Buch schnell. Nicht aber, wenn ich beispielsweise "Lissy Gehirnlos" oder ähnliches wähle. Denn wer tatsächlich dahinter steckt, weiß dann eigentlich kein Schwein. Und besonders bei Kaufexemplaren, die in den Shops angeboten werden, ist so etwas auch ein Nachteil, da die potenziellen Käufer sofort wissen, dass dahinter ein Hobbyschreiber steckt, der anonym bleiben will. Das könnte man früher oder später vielleicht bedauern.

 

Also bleibt man am besten auf dem Boden der Tatsachen. Vorher genau überlegen, was man veröffentlichen will und unter welchem Autorennamen. Wer weiß, wer das alles früher oder später liest? Und: Auch, wenn man bei BookRix viele Geschichten veröffentlicht hat, bedeutet es noch lange nicht, dass viele sie lesen bzw. vollständig gelesen haben. Viele Leser brechen schon nach einigen Seiten ab, weil ihnen vielleicht der Schreibstil oder die schlechte Orthografie nicht gefällt.
Nicht die Anzahl der Bücher zählt, sondern dessen Resonanz bei den Lesern. Bestseller-Autoren werden nicht als solche geboren, neben Bescheidenheit gehört auch Liebe zur Literatur, Talent und Fantasie, viel Disziplin und Fleiß dazu. Und natürlich auch eine Portion Bildung, Lebenserfahrung und etwas Glück!

Nun kann ich eigentlich nur noch viel Kreativität und Spaß beim Schreiben wünschen. Und natürlich: Viel Erfolg und eine große Leserschaft und Anhängerzahl!

 

Die echten Schriftsteller sind
Gewissensbisse der Menschheit
Ludwig Feuerbach

 

Jörg Wernicke, Berlin 2013

Impressum

Texte: Jörg Wernicke
Bildmaterialien: Jörg Wernicke
Lektorat/Korrektorat: Gisela, Ina
Tag der Veröffentlichung: 02.08.2013

Alle Rechte vorbehalten

Widmung:
Dieser Ratgeber ist allen Journalisten und Freunden gewidmet, die mir beruflich den Weg zur schreibenden Zunft geebnet und mir kollegiale Hilfe geleistet haben.

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