Cover

Wort wird Wesen


Vor allem Anfang dieser Erde
und aller Welt, die er sich schuf,
bevor der Schöpfer sprach: "Es werde!"
bevor ertönte Gottes Ruf
nach Licht, womit die Welt begann,
war er: Von allem Anfang an.

Er ist selbst Gottes eignes Wesen
nicht unterschieden, nicht getrennt.
Sie sind es vormals nicht gewesen.
Wer einen wahrnimmt, beide kennt.
Doch niemand je den Höchsten sah.
Man kommt ihm durch das Wort nur nah.

Das Wort als Licht und Leben strahlt
hinein in seine düstre Welt.
Die trübe mit sich selbst nur prahlt,
den Schöpfer hat sie abgemeldt.
Der Dunkelheit verfiel sie gern.
Sie lebt wie ein erloschner Stern.


Das wahre Licht in Gottes Wort
erschien im wahren Menschensohn.
Er leuchtet auf am düstern Ort
und erntet fast nur Spott und Hohn.
Er hat sich freundlich offenbart,
kaum jemand sich um ihn geschart.


Sie wiesen den vor ihre Türen,
der tiefen Frieden hat gebracht.
Sie ließen den Verachtung spüren,
der Gott für uns zum Freund gemacht.
Ich bin genau so: Mensch, natur.
Sie, das sind nicht die andern nur.


Gott kommt zu uns als Menschenkind,
verlässt den ewigen Palast.
Taucht auf, wo Leut geschunden sind,
gehetzt, zerrieben von der Hast.
Wer hat den Blick, erkennt ihn hier?
Schaust du nicht weg zeigt er sich dir.


Um dich und mich an sich zu ziehen,
kommt Gott zur Welt so arm, so klein.
Nimmst du ihn auf, werd ich nicht fliehen,
dann werden wir Familie sein;
er Vater/Mutter, wir die Kinder,
die Liebe zwischen uns als Binder.


Kein andrer Weg führt uns zum Leben,
nur die Beziehung, die er schenkt.
Die kann sich kein Mensch selber geben,
drum sei drauf aus, dass er dich lenkt.
Gott bietet uns die Freundschaft an:
Mach ihn zum Lebens-Steuermann.

 

Weihnachtsmarkt

Ein Fremder übern Markt hin schlendert,
zunächst noch ohne ein Bedenken.
Die Masse sucht hier nach Geschenken.
Das Straßenbild wirkt sehr verändert.

 

Zunächst noch ruhig und bedächtig
sucht der Passant nach Orientierung.
Der große Platz, die ganze Vierung,
scheint ihm erst gar nicht sehr verdächtig

 

Doch mehr und mehr keimt der Verdacht:
Hier läuft etwas nicht ganz normal.
Das Einkaufstrei­ben wächst global.
Es wird viel Kitsch zu Geld gemacht.

 

Der Unbedarfte möchte wissen:
Was heizt denn so die Stim­mung an?
Wer hat den Leuten was getan,
dass sie so hek­tisch rennen müssen?

 

Drum fragt er einen Ruten­schläger,
den mit dem Kittel, diesem roten:
Was wird hier eigentlich geboten?
Weshalb die vielen Päckch­en­träger?

 

HoHo, da kommt er an den Rechten,
der kann ihm sagen, was hier läuft,
weshalb er fast im Schund ersäuft,
für was für’n Fest die Leut sich knech­ten.

 

Ich bin bloß eine Randfigur,
sagt dieser rote Rutenmann.
Ich weis auf den, der helfen kann.
Wir all sind seine Zeichen nur.

 

Wen du auch hier an Zeugen síehst,
ja wen man aus der Meute fragt,
ein jeder dir das selbe sagt,
der Heiland stets die Hauptsach ist.

 

Doch wie man merkt, stehn wir im Licht
und nehmen uns schon viel zu wichtig.
Du liegst mit deiner Frage richtig,
man schaut den Rand, die Mitte nicht.

 

Ich darf, um das Manko kleiner zu machen,
das ein und andere erzählen.
Ich werd die bekann­ten Figuren wählen,
mit diesen erklärn sich auch weitere Sachen.

 

Ganz unbescheiden fang ich gleich mit mir an.
Ich stelle den Niklaus von Myra dar.
Der liebte die Menschen alle gar,
erwies sich als gottesfürchtiger Mann.

 

Das Rot meines Mantels, den ich trage
gilt als des Bischofs Würdenzier.
Das Zeichen des Lehrers, die Rute hier,
streichelt nur sanft, ganz ohne Frage.

 

Der Rüpel von Knecht an meiner Seite
begleitet mich auf langen Wegen.
Es ist ihm genau wie mir dran gelegen,
die Näh unsrers Gotts zu künden der Weite.

 

Vom Nikolaus finden sich Typen ganz viel.
Die Völker, sie machen sich Bilder en masse.
Wir lassen ihnen gerne den Spaß,
wenn sie nur mit uns auch kommen ans Ziel.

 

Nun sieh mal den Engel, da auf dem Balkon.
Eine weitere Rolle im Weihnachtsgeschehn.
Die göttlichen Boten, sie singen sehr schön,
sind Brücke vom Himmel zum Menschensohn.

 

 

Ein weiteres Bild kannst du drüben erblicken,
da hängt so ein Kranz ganz aus Tannengrün.
Unendliche Güte läßt die Sünder erblühn,
der Schöpfer des Alls nie vom Mensch will abrücken.

 

Siehst du den Lichterbaum, grün und geschmückt?
Ein weitres Symbol für die Güte des Herrn.
Er leuchtet ins Dunkel, erhellt es uns gern.
Das Licht wird in jeden Winkel gerückt.

 

Das Schenken ist auch eine Predigt an alle.
So wie sich die Leute an Gaben erfreun,
so will Gott der Herr die Berührung nicht scheun
und gibt sich dem Menschen sogar in die Kralle.

 

Die Kälte strenger Winterszeit
verdeutlicht zeichenhaft den Graben,
den schuldhaft wir aufgerissen haben,
der trennt von Gottes Herrlichkeit,

 

Wir Kinder Gottes, ohne Not,
ein Jedes von uns gerne entfaltet,
sein eigenes Leben, selbstverwaltet.
Wir meiden des Herren Lebensbrot.

 

So hat er uns im Dunkeln zu suchen,
weil wir sein Licht nie selbst wollen sehn.
Er muss zu uns ins Finstre gehn,
stellt sich mit unter der Sünde Verfluchen.

 

Ganz in der Mitte finden wir,
das größte, wichtigste der Zeichen.
Damit will der Vater uns endlich erreichen:
Das Kind der jung Frau Marja hier.

 

Vertrau dich dem, der so begonnen,
der wurde ein Mensch. Er ward wie du.
Er bringt dich zum Höchsten zurück im Nu
noch ehe der heutige Tag ist verronnen.

 

Sehnen, Muskeln, Haut und Geist

Mir dröhnt der Kopf, es lahmt mein Arm.
Ich bin per Zahnfleisch hergekrochen.
Noch friert das Herz. - Wird‘s wieder warm?
Kein Wunder nach vier harten Wochen.

 

Ich komm nicht einfach so zur Ruhe.
Musik und Licht soll‘n Andacht schenken.
Ohne dass ich was dafür tue
seh Bilder ich, kann sie nicht lenken.

 

Die Kinder lassen sich jetzt scheiden.
„Es geht nicht mehr.“ Sie müssten’s wissen!
Sie schaffen sich seit länger‘m Leiden.
Man schreit am Tag, heult nachts in‘s Kissen.

 

Im großen Wohnturm fallen Müttern
die eignen Kinder auf die Nerven,
so dass sie bei der Arbeit zittern
und oft mal was zu Boden werfen.

 

Ein Nachbar sucht schon Jahre Arbeit.
Kein Werk hat für ihn mehr Verwendung.
Er wär‘ zu allem fast bereit
und fürchtet keine Image-Schändung.

 

Dafür weiß Schwager Heinrich nicht
wo ihm vor Druck das Haupt grad steht.
In seinem Büro brennt noch Licht,
wenn seine Frau zu Bett schon geht.

 

Die halbe Straße schnieft und schneuzt,
das ist zwar lästig, doch nicht schlimm.
Wenn Krankheit jeden Plan durchkreuzt,
hat dann das Leben noch ‘nen Sinn?

 

Da gibt es manchen Klinikflur,
den müde Schritte überziehen.
Wer tröstet diese Leute nur?
Wohin kann krank ein Mensch noch fliehen?

 

Was sag‘ ich dem, der dieser Tage
den liebsten Partner sehr vermisst?
Mir stockt das Denken, ohne Frage.
Ich weiss ja selbst wie trauern ist.

 

Und ich sitz hier und wart‘ auf Gott.
Kann das denn wirklich richtig sein?
Wo anders schlägt man sich halb tot,
hat Zoff, ist böse und gemein.

 

Die Braune Brut im eignen Lande
schürt Hass und Neid und fackelt ab.
Vordenker führ’n die Glatzenbande
und schaufeln lustvoll unser Grab.

 

In Israel herrscht blanker Hass.
Abu sprengt Abi in die Luft.
Mit Kindern führ‘n sie Krieg, wie krass.
Abrahams Söhne trennt die Kluft.

 

Im großen Indien zündet Glaube
dem andern Glauben Häuser an,
Muslim dem Hindu, Christ mit Taube
dem Muslim - ist dann selber dran.

 

Und im Sudan wie andern Ortes
bekriegen sich Nord gegen Süd.
Es geht im wahren Sinn des Wortes
um’s Ganze, das dem Sieger blüht.

 

Wer hat die Macht, wer will sie haben?
Die Religion ist nur wohlfeil.
Die Wirtschaft hat das große Sagen,
wer mitregiert, der kriegt sein Teil.

 

Wenn Qaida [IS] bombt, dann sterben Väter,
und Mütter. Nein, auf diesem Grund,
ihr Ober-Überzeugungstäter,
wächst keine Freiheit je gesund.

 

Halb Afrika hat größten Kummer,
schon Kinder kommen krank zur Welt.
AIDS macht Unzählige zur Nummer
in Todeslisten: Es fehlt Geld.

 

Behandeln kann man nur die Reichen.
Die Medizin ist viel zu teuer.
Die Politik scheut kaum die Leichen,
reißt jedenfalls nicht ‘rum das Steuer.

 

Doch liegt die Not nicht nur so fern.
Ich komm‘ gedanklich grad zurück.
Auch hier bei uns, ich sag’s nicht gern,
läuft mancher Amok, stirbt das Glück.

 

Die Spannungen in unserm Leben
verkraften gar nicht alle Leute.
Sie können sich nicht d‘rüber heben
und werden eines Wahnsinns Beute.

Zum Wahn braucht es kein Stückchen Rind.
Mir fällt es schwer, damit zu scherzen.
Meine Gedanken grad jetzt sind
bei Bauern und bei deren Schmerzen.

 

Mensch fürcht‘ sich panisch, krank zu werden,
isst mal kein Rind, kein Fisch, kein Schwein.
Wir töten ganze Großviehherden,
woll’n vor dem Leiden sicher sein.

 

Und auf der andern Seit‘ erheben
wir Alltagsdinge hoch zur Sucht.
Wir essen, trinken, rauchen, leben
wie Halbverrückte, wie verflucht!

 

Die mal mit mir zur Schul‘ gegangen,
sie war ein ganz gescheites Haus,
ist oft in Depression gefangen.
Sie hält ihr Dasein meist nicht aus.

 

Ich will mit manchen meiner Seiten
nicht wirklich einverstanden sein.
Ich möcht‘ gern anders, kann nicht leiden,
dass ich nicht groß schein’ sondern klein.

 

So bin ich letztlich angekommen
bei mir und meinen Schwächen jetzt.
Ich hab‘ mich noch nicht angenommen.
Wie kann so heilen, was verletzt?

 

Was ist denn auf der Welt gegeben,
wer hat die Kraft, das Recht, den Mut?
Zu wem soll’n alle Schwachen streben?
Wer macht es mit uns Menschen gut?

Da liest mir jemand den Profeten:
[Bibel: Hesekiel 37 (1-14) 24-28]
„Ihr liegt wie tot in einem Grab.
Ihr traut nicht recht, um Hilf‘ zu beten.
Ich helf‘ weil ich’s versprochen hab.“

 

An seiner Macht, den Tod zu brechen
erkennen wir den wahren Gott.
Herr über Krankheit, Dummheit, Schwächen
ist er das Ende aller Not.

 

Dazu ist uns sein Kind geboren
in Betlehem im Judenland.
Wir sind nicht wirklich mehr verloren.
Der Friedensfürst reicht uns die Hand.

 

Der Vater allen Erdenlebens,
des Universums bis zum Ende,
er ist die Macht, tut nichts vergebens,
der kommt als Mensch in Menschenhände.

 

Aus einem Volk, das sehr verachtet
von Davids Stamm, der kleinster war,
hat er sich, wenn man’s recht betrachtet
den größten Fürst erwählt fürwahr.

 

Aus längst schon toten Menschenbeinen
formt sich der Schöpfer neues Heer.
Er stellt den aufgelebten Seinen
den Herzog vor, der ist wie er.

 

Der Herrscher, den uns Gott gegeben,
der führt uns nicht in eine Schlacht,
um selbst auf Ruhmgewölk zu schweben.
Der leitet uns durch Nebelnacht.

 

Der Wundertäter stärkt die Müden,
baut auf, was sonst nur mickrig blieb,
baut Brücken zwischen Nord und Süden
verschafft dem Menschen Gottes Lieb.

 

Der Hirt’ hält zu uns, seinen Schafen.
Der sichert uns auf jedem Weg.
Er mag die Bösen und die Braven,
verachtet nicht, wenn ich auch träg’.

 

Mit diesem Herrn ist Gott im Haus.
Mit uns verbündet sich die Macht.
Der Heilige macht sich was d’raus,
dass Sündern wahres Glück nun lacht.

 

An Israel und Christenleuten
soll alle Welt erkennen bald:
Die sich am Judenkönig freuten,
die leiden länger nicht Gewalt.

 

Die Liebe Gottes zahlt die Schuld.
Er macht, was uns auch fehlt, komplett.
Der Himmel demonstriert Geduld:
Christus, der kommt aus Nazaret.

 

An Gottes Kind, dem Jesusknaben,
kann sich aufrichten, was verlor’n.
Wir können wieder Hoffnung haben:
Uns ist der Heiland heut’ geborn.

 

Frieden der Nacht (Gebet)

In dieser Nacht, Christus unser Herr,
freuen sich weltweit Millionen
von Menschen darüber,
dass du einer von uns geworden bist.

 

Menschen machen sich gegenseitig
eine Freude, weil du uns zur Freude
in diese Welt gekommen bist.

 

Kindern wendet man sich
in diesen Tagen besonders zu,
im Andenken an deine Geburt als Kind.

 

Du bist einzigartig,
Herr der Welt.
Nichts im Universum
reicht an deine Herrlichkeit heran.

Wir danken dir, unserem Bruder,
für deine Nähe.
Du bist uns allen ganz zugewandt.

 

Stärke in uns die Bereitschaft,
diese Freude weiterzugeben
und damit die Freude zu vervielfältigen.

 

Richte unseren Blick
auf das Wesentliche
und auf die Kleinen,
die leicht übersehen werden,
auf alle diejenigen,
die unsere Aufmerksamkeit
noch mehr brauchen.

 

Begegne du spürbar
allen Leidenden und Traurigen
gerade in diesen Tagen.

 

In der Vorbereitung
auf die Festtage
erlebten wir besonders hart
manche Gegensätze:
Hoffnung und Enttäuschung,
Wunsch neben Wirklichkeit,
Romantik gegen Realität.

 

In uns selbst wurzeln
diese Spannungen.
Wir sind nicht frei
von Mängeln und Fehlern.
Vieles wird uns dazu
noch aufgedrängt oder gar
aufgezwungen
von einer entfremdeten Arbeitswelt,
von Obrigkeiten und Mitmenschen,
von unseren eigenen Sehnsüchten.

 

Danke, dass du uns damit
nicht allein lässt.
Du stehst auf unsrer Seite.

 

Heile die Risse
in unseren Seelen,
damit wir dein Lob
verlauten lassen.

 

Wende uns
den schwierigen Verhältnissen zu
in uns selbst,
in unsrer Umgebung und
in dieser Welt.
Mit deiner Hilfe können wir
etwas verändern.

 

Erweise dich
der ganzen Menschheit
als Herr ihrer Lage,
der Trost und Hilfe,
Schutz und Befreiung
zu bieten hat.

 

In dieser Nacht,
liebevoller Vater im Himmel,
weinen Kinder, weil sie hungern.
Mütter haben keine Tränen mehr
vor Schwäche.
Es sterben Menschen einsam
in ihren Wohnungen,
andere auf den Straßen,
im Kugelhagel und
unter den Trümmern von Häusern.
Da fällt es uns schwer,
den Blick zu erheben und
auf dich zu vertrauen.

 

Aber dein Friede ist stärker
als all der Hass dieser Welt.
Dein Leben hält wirklich Stand
dem vielfältigen Tod.

 

Mache uns offen, Vater,
für deinen Sohn, den Christus,
der das irdische Leid
nicht nur ertragen hat,
sondern wegträgt.


Öffne uns, Heiliger Geist,
erneuere unsre Sinne und Gedanken
und verbinde uns miteinander
wie du uns als Gott
mit Gott verbindest.

 

Belebe die,
denen das Leben ausgeht.
Erfrische die Erledigten,
schenke den Weinenden
die Freude an der Geburt
des Erlösers.
Ersetze vollständig
und für alle Zeit
die Stille des Todes
durch den Frieden deiner heiligen Nacht.

 

Stern

Ein Stern ging auf im Morgenland
am blauen Himmelszelt.
Ein Jakobssohn für 's All erstand
und funkelt auf die Welt.

 

Ein kleiner Anfang wars derzeit,
fand gar nicht viel Beachtung.
Die Machtzentrale lag so weit
und hatte nur Verachtung

 

für Israel, das Lumpenpack,
den unzufriednen Haufen,
der sich in Asche hüllt und Sack,
mit Rom versucht zu raufen.

 

Der einstmals alle Sterne schuf
und hing sie auf zum Scheinen,
der richtet seines Sternes Ruf
an die, die heimlich weinen:

 

Ich suche euch, ich mach euch Licht,
die ihr im Finstern wartet.
Mir seid ihr wichtig. Ich will nicht,
dass ihr vergeblich startet.

 

Der Segen gilt dem Staub, den Steinen,
den Menschen, die Gott liebt.
Er macht sie groß, die mickrig Kleinen
und seinen Stern er gibt.

 

Wer sich den Stern zum Leitbild wählt,
der leuchtet bald wie er.
Der leidet mit, wird auch gequält,
wie der Verlornen Herr.

 

Doch das ist nur der äußre Schein,
fürs Auge so zu schaun.
Der Glaube sieht tiefer hinein,
kann auf die Wahrheit baun.

 

Von diesem Stern der Glaube weiß:
Der leuchtet allen Welten.
Er macht dem Tod die Hölle heiß
und läßt die Sünder gelten.

 

Der Stern schenkt Trost in deiner Trauer,
weist dir den Weg durchs Meer,
stellt deiner Klage eine Mauer
und wehrt der Sorgen Heer.

 

Vertrau dem Stern, der dir erschienen.
Richt deinen Blick auf ihn.
Dein Leben wird dann andern dienen,
führt sie zum Himmel hin.

 

Gott besucht seine Menschen

Die Welt war voller Kriegsge­schrei
und roch nach Blut und Haß,
wer stark war, lebte schön und gut,
indem er andre fraß.

 

Die einen liefen diesen Weg
mit List und Schlichen hin,
verkauften ihren Nächsten gern,
wenn es nur aufwärts ging.

 

Die andern redeten gewandt
den Mächt’gen nach dem Maul
und kamen so voran geschwind,
als säßens auf nem Gaul.

 

Und wieder andere - ganz krass -
die schlugen sich empor,
zertraten das, was schwächer war
und kamen so hervor.

 

Die Kleinen sehnten sich zumeist
zu’ n Besseren hinauf.
Wer so vermeintlich Gutes will,
nimmt Opfer gern in Kauf.

 

Im Dreck fiel eins das andre an,
um selbst ganz vorn zu sein.
Man buckelte und trat sich durch,
wollt groß sein, nicht mehr klein.

 

Ein winzger Haufe Leute hofft,
es werde anders bald:
Die Menschen würden liebevoll,
nicht mehr so hart und kalt.

 

Die hoben ihre Hände auf
zum Vater in der Höh.
Er mußte wenden das Geschick.
Ihm klagten sie ihr Weh.

 

Schon lange warteten sie zu.
Noch hatt’ sich nichts getan.
War denn der Herr im Himmel taub?
War Hilfe auf der Bahn?

 

Wollt Gott die Menschheit nicht befrei’n?
Hat er dazu kein Freud’?
Gab’s nicht zuviel an Unrecht hier?
War’s nicht genug an Leid?

 

Mit eigner Macht war nichts getan,
das wußten sie genau.
Das Böse steckt im Menschen drin,
in Kind und Mann und Frau.

 

Kaum einer ist im Ernst bereit
von sich mal abzusehn,
zu fragen, was ein andrer braucht
und dem zur Seit zu stehn.

 

Nicht alle hielten dieser Zeit
am Gottesglauben fest.
So mancher kam ganz davon ab,
entfernte sich vom Rest.

 

Die Wenigsten im Dunkeln drin
war’n standhaft, blieben treu.
Sie trauten ihrem Vätergott:
„Er schafft einst alles neu.”

 

Da machte sich der Himmelsherr
zu ihnen auf die Bahn.
Er kam als Mensch auf diese Welt
und fing ganz unten an.

 

Als Kind musst er geboren sein
so wurde er uns gleich.
Nicht anders konnte es geschehn,
so macht er Arme reich.

 

Er wurde arm wie unsereins,
verließ sein Glanz und Licht.
Er beugte sich bis her zu mir,
dem allerletzten Wicht.

 

Wir saßen in der Finsternis
und sahen nirgends Licht.
Da kam zu uns der Schöpfer selbst,
ließ uns im Dunkel nicht.

 

So hat er uns den Pfad gezeigt,
der aus dem Dunkel führt.
Hat an dem Beispiel seiner Lieb
zur Umkehr uns gerührt.

 

Doch nützt es mir, was er getan
erst wenn ich folge ihm.
Nur wer sich Gottes Hand vertraut,
der ändert eignen Sinn.

 

Werd’ völlig neu als Mensch und geh
dem Herrn zu folgen nur.
Sonst bleibst du ewig weit entfernt
von seiner Lebensspur.

 

Er hat mir seine Lieb gezeigt
und will mich zu sich ziehn.
Nun liegts an mir: Was antwort ich?
Bleib’ fern ich, geh ich hin?

 

Hier hast du meine beiden Händ’,
ich fasse dich fest an.
Ich weiß: Bei keiner Macht der Welt
bin ich je besser dran.

 

Sie alle wollen bloß von mir.
Nur du gibst, was ich brauch.
Zwar bin ich selbst ein schwacher Mensch,
hilfst du mir, schaff’ ich’s auch.

 

Krippenkind

 Es begab sich aber,
so schreibt es Lukas auf,
vor fast zweitausend Jahren,
- nun's g'schah dann öfter drauf -
dass alle röm'schen Länder
für Steuerzwecke wohl
sie schrieben ein in Listen.
Den Aufwand trieb man toll.

 

Ein jeder Mann des Landes
mußt sich, wo er geborn
eintragen in die Rolle,
so ging keiner verlorn.
Quirinius war Verwalter
von Syrien, dieser Zeit.
Drum steht er in der Bibel.
Hätt ihn der Ruhm erfreut?

 

Josef aus Galiläa,
dem Städtchen Nazaret,
verließ zum Zählenlassen
sein Haus, den Tisch, das Bett.
Er stammt' von König David
drum zwang man ihn hinauf
nach Betlehem in Juda.
Das gab ein' langen Lauf.

 

Maria ging wohl mit ihm,
obwohl es ihr nicht recht.
Für ihre andern Umständ'
war weites Reisen schlecht.
Gern hätt' er 's ihr erlassen.
Versucht hat er es schon.
Armselig, bei den Tieren,
kriegt sie den ersten Sohn.

 

Ein Bettchen gab es nirgends,
in keinem Herbergshaus,
drum setzten sie ihr Kindchen
der Futterkrippe aus.
So kam der Herr der Himmel,
so kam Gott selbst zur Welt,
als obdachloser Kleiner
und nicht als Herrscher, Held.

 

Willst du auf seine Seite?
Dann sagt dir die Geschicht':
Du findest Gott beim Menschen.
Dort oben wohnt er nicht.
Weil's Licht ins Dunkel kommen,
fürchte das Dunkle nicht.
Wer hier zu ihm sich wendet,
hat auch in Nacht das Licht.

 

Es waren grad' die Hirten
der alten Davidsstadt,
die hörten in der Nacht noch,
was sich ereignet hat.
Sie galten als nicht redlich,
nicht ehrenhaft und drum
ihr Ruf als eher schädlich.
Ihr Lebensweg schien krumm.

 

Und gradewegs zu denen
schickte aus Himmelshöh'n
der Herr Gott seine Boten
und ließ sie Wunder sehn.
Die Hirten hörten Singen,
sah'n Licht und staunten an,
denn ihnen wurd' verkündigt:
Gott kommt zu uns heran.

 

Die armen Hirtenbuben
war'n durch die Bank verschreckt,
als würde unsereiner
vom Alptraum aufgeweckt.
Den Burschen war es mulmig,
doch hielt der Schock nicht lang.
Sie hörten klar und deutlich:
Mensch, seid doch nicht so bang.

 

Ihr braucht euch nicht zu fürchten,
's gibt keinen Grund dazu.
Wir Gottesboten bringen
euch echte Seelenruh'.
Nicht nur für euch, für alle
kommt nun das Heil der Welt.
Das kann sonst keiner schaffen,
für keine Summe Geld.

 

In Betlehem, dem Städtchen,
das früher mal 'nen Rang
und einen Namen hatte,
der recht nach König klang,
'dort kam im Augenblicke
ein Kleinkind für euch an,
das alles das erfüllet,
was man nur wünschen kann.

 

Das Bündel in der Krippe
so unscheinbar und klein,
soll euer Herr und Heiland
und euer Friede sein.
Mit ihm wird's euch gelingen,
was ihr allein nicht schafft.
Gebt ihr ihm euer Leben,
schenkt er euch seine Kraft.

 

Die Hirten rannten eilig
zum angesagten Ort.
Sie fanden alles richtig
nach Gottes Botenwort.
Josef und auch Maria
die staunten gar nicht schlecht,
als sie's von ihnen hörten,
s' war beiden nicht so recht.

 

Es mußt' den Eltern scheinen
zu viel, zu hoch, zu schwer.
Kann denn ein Mensch ertragen,
was das an Last ihm wär'?
Wer sollte die Berufung,
die diesem Kind gestellt,
als Sterblicher erfüllen:
Heil sein für alle Welt?

 

Sie konnten es nicht fassen,
es ging ihnen durchs Herz.
Ein jeder mußte merken:
Die Nachricht ist kein Scherz:
Was auch das neue Leben
für uns noch bringen mag,
Gott ist kein Ding unmöglich.
Er bring' es an den Tag."

 

Die Hirten kehrten wieder
vom Kind zurück zum Vieh.
Was sie erfahren hatten,
vergaßen sie doch nie.
Solange sie auch lebten
erzählten s' weit und breit,
dass Gott für seine Menschen
die Zukunft hat bereit'.

 

Die kleinen Leute damals,
die Gauner, Strolche, Hur'n,
die sollten sich einfahren
in Gottes Segensspur'n.
Von denen keiner dachte,
dass sie beachtet sei'n,
holt sich der Herr Gott selber
in seine Herde 'rein.

 

Jetzt gilt es allen Leuten,
nicht nur von Judas Stamm.
Auch wir sind aufgerufen,
zu folgen diesem Lamm.
Uns hat sich der geopfert,
der Huldigung verdient.
Am Kreuz wurde vollendet,
was unsre Schuld versühnt.

 

Verheißung

Alle deprimierten Leute,
solche, die nur Feinde sehn,
Menschen die, seis gestern, heute,
ständig auf dem Zahnfleisch gehn,
wer sich klein gemacht durch bücken,
welche, die nichts Gutes kennen,
die sich stets die Wand lang drücken,
ständig vor Gefahr wegrennen,
denen allen scheint das Licht,
das durch dunkle Wolken bricht:

 

Welches Herz hats nicht zerrissen?
Wer hat nicht den Schmerz gespürt?
Jeder Nerv war schon verschlissen,
von dem tiefen Leid berührt.
Freude, Frieden, Schutz und Stärke
schenkt der Himmel dieser Welt.
Längst schon ist die Kraft am Werke,
die den Riss zusammenhält.
Groß kommt Hilfe uns entgegen.
Hell erscheint sie auf den Wegen.

 

Denn uns ist ein Kind geboren.
Gott hat sich uns gleich gemacht.
Wir sind länger nicht verloren.
Leuchtend strahlts in unsre Nacht.
Der, den wir nicht fassen können,
den wir nur von ferne schaun,
läßt sich nicht mehr von uns trennen.
Er will sich uns anvertraun.
Unser aller höchster Richter
wird für uns zum wahren Schlichter.

 

Alle stolzen Ehrennamen,
die man sich nur denken kann,
sind zu wenig ihn zu rahmen,
nähern sich nur etwa an.
Diesem gottgesandten Kind,
das in unsre Welt geboren,
das ganz klein und schwach beginnt,
neigt sich zu, was sonst verloren.
Alles wird ihm untertan,
lobt in ihm, was Gott getan.

Jesaja 9,1-6

 

Erfüllung

Matthäus gibt uns den Bericht
wie es sich damals zugetragen
in jenen Zeiten, fernen Tagen
als Gottes Liebe kam ans Licht.

 

Marie war Josef fest versprochen.
Beisammen warn die beiden nicht.
Sie trägt ein Kind kam da ans Licht.
Es schien, als hätt sie was verbrochen.

 

Der fromme Mann mocht nicht streng richten.
Er war gerecht und liebevoll,
legt keinen Wert auf harten Groll,
zog sich zurück, wollte verzichten.

 

In seine traurigen Gedanken
kam eine Botschaft seines Herrn:
»Nimm sie zu dir und hab sie gern.
Halt zu Maria ohne Wanken.«

 

So hört er Gottes Boten sagen
in einem Traum, der ihn geweckt:
»Dies Kind, das in Maria steckt,
bringt Gottes Reich in euren Tagen.

 

Du sollst den Knaben Jesus nennen.
Das Kind bringt Gottes Geist zur Welt.
In ihm zeigt sich, was Menschen hält.
Er wird das Licht vom Dunkel trennen.

 

Einst wird er heilen aller Wunden,
versöhnt die Menschheit mit dem Herrn.
Der Mann hat selbst die Armen gern.
Sein End hat jetzt der Tod gefunden.«

Evangelium nach Matthäus 1,18-21

 

Herr, zu dir (Gebet)

Herr, zu dir sind wir gekommen.
Wir, die Zweifler und die Frommen,
sind jetzt hier bei dir zu Gast,

 

wollen nicht nur Zeit absitzen,
diese Stunde mit dir nützen,
nicht nur hören, was uns passt.

 

Hin zu dir geht nun der Blick,
weiter vorwärts, nicht zurück,
ganz in Ruhe, ohne Hast.

 

Was uns umgetrieben heute,
Schwächen, Stärken, Dinge, Leute,
was uns nervt und was du hasst,

 

werfen wir jetzt ab und hoffen,
frei zu werden, für dich offen,
ledig von manch schwerer Last.

 

Unser Segel ist die Liebe
auf der Fahrt durchs Weltgeschiebe
und dein heilger Geist der Mast.

 

Wir wolln hören deinen Willen,
lernen, ihn nur zu erfüllen;
sägen ab sonst unsern Ast.

 

Hilf, dass Heimat uns hier werde,
sind wir auch nur Gast der Erde,
die du anvertraut uns hast.

 

Weg nach Bethlehem

Wo bist du, Gottes-Kind,
wo findet man dich heute?
der Engel künd’t mir nicht,
was Maria einst erfreute.

 

Ich träume nicht von dir,
wie Josef es passierte.
Wie krieg ich dich zu sehen,
was mich sehr intressierte?

 

Wer hört die Engel singen
von deinem ersten Schrei?
Kein Hirte bringt mir Nachricht.
Hat wohl grad keiner frei.

 

Wann kommt ein Sternendeuter
und sagt, was da geschehn,
was ihm der Stern verraten,
was er hat selbst gesehn?

Mit Ochs und Esel stehe
ich neben der Geschicht,
erkenne nur die Nöte,
jedoch den Retter nicht.

 

Bin ich selbst gar nicht offen?
Was hab ich nicht geblickt?
Fehlt mir die richtge Brille?
Bin ich zu ungeschickt?

 

In großen Kuchenbergen
fand ich kein Stück von dir.
Du fehlst den Weihnachtsmännern
und ganz besonders mir.

 

In blinkend bunten Lampen,
in dauernd Dudelsang
vermisse ich das Wahre,
den rechten Himmelsklang.

 

Nur wer dich selbst gefunden,
Kind Gottes, Weltenboss,
kann mir den Weg auch zeigen.
Ein Wink, schon lauf ich los.

 

Auf eine solche Hilfe
wart ich, schick sie mir zu.
Hast du auch heut noch Leute,
stehn sie nicht all in Ruh?

 

Was gilts bei mir zu richten?
Wie werde ich bereit?
Verlangst du Frack, Zylinder,
ein Super-Festtagskleid?

 

 

Hier bist du, Gottes-Kind? -
So findet man dich wieder:
In elend armen Leuten
kommst du auch heute nieder.

 

Wer hätte das gedacht?
Wer konnt sich das ersinnen?
Seit es die Menschen gibt,
kann nur wer kriegt gewinnen.

 

Und jetzt, ganz überraschend,
gilt’s nicht mehr, wie bisher.
Die Regel ist verändert,
der Wechsel fällt mir schwer.

 

Es steckt den Menschen allen
ganz tief unter der Haut,
wer nicht gewaltig zuschlägt,
stets in die Röhre schaut.

 

Nun müssen wir uns ändern.
Du legst die neue Spur,
führst uns auf andre Wege.
Dir gilt der Friede nur.

 

Du hältst nicht zu den Großen,
wirst selbst ein kleiner Fisch.
Auch wenn man dich verspottet,
haust du nicht auf den Tisch.

 

Dir darin recht zu folgen,
das ist nicht ganz so leicht.
Doch wer sich nach dir ausstreckt,
die Hand von dir erreicht.

 

Ein Engel des Herrn

[In der Hand eine Leuchte]

Ich hatte
mit den Boten Gottes
zu verkündigen.

Ich habe lange nicht verstanden,
was da passiert ist.

Der Allerhöchste
liegt da unten im Dreck.

Der Himmel und Erde
geschaffen hat,
läßt sich
von den unwissenden Menschen
betatschen.

Der größer ist als
dieses Mosaiksteinchen
von Universum,
der kommt durch eine Frau
zur Welt.

Das Licht selbst senkt sich
in die grausige Finsternis,
um dort hell zu machen,
wo fast keiner
sich dafür interessiert.

Das Leben
begibt sich in die Hände
der Sterblichen;
begibt sich in Todesgefahr,
diesen Eintagsfliegen zuliebe.

Die Freude des Himmels wird
so billig, dass die Irdischen
einen Anteil daran erhalten.

Ich habe nicht verstanden,
was den Herrn an diesem Gewürm
von Menschen so interessierte,
dass er sich in ihren Abgrund
herabgelassen hat.

Gott erhebt
durch seine Verbrüderung
die Sterblichen über uns Engel.
Er macht sie zu seinesgleichen.

Mir kam es so vor, als
sei er blind vor Liebe,
als könne er nicht sehen,
was für ein Unheil ihm
unter den Menschen droht.

Ich konnte nicht
auf Befehl jubeln, als das
Gotteskind geboren wurde.
Ich habe erst viel später
begriffen, dass die Erlösung
der Schöpfung,
zu der ich auch gehöre,
nur durch die Erlösung
des Menschen geschehen kann.  
Seit dem freue ich mich endlich mit
und kann gar nicht
laut genug den Herrn preisen.

Er ist wunderbar,
denn er scheut kein Opfer,
um das Verlorene wiederzufinden.

Der Herr drückt das Böse
mit Macht nieder
und erhebt die Gefallenen.

Er kommt zur Hilfe
in jeder Not
und läßt keines seiner Kinder
in Verzweiflung allein.

Gott wendet sich heute
euch zu,
die ihr seine Nähe sucht.
Preis sei dem Herrn.

Halleluja.

Die Wirtin im Karawanenhof

[Sie trägt einen Schlüsselbund oder einen Krug]

Als Wirtin bin ich Geschäftsfrau
aber kein Unmensch.
Noch nie habe ich jemand
vor die Türe gewiesen.

Auch die jungen Leute
sind bei mir untergekommen.
Das ist doch klar.
Aber in einem Nest wie Betlehem
gibt es eben keinen größeren Gasthof.
Wer kommt hier schon durch?
Mit privaten Quartieren war es
zu der Zeit auch Essig.
Alles belegt.
Auch die orientalische Gastfreundschaft
kann keine Betten vergeben,
die sie nicht hat.

Ihr habt davon gehört,
dass die Volkszählung
nach Sippen durchgeführt worden ist.
Über das System kann man streiten,
aber Befehle von Rom
sind nun mal Befehle.
Es war eine kleine
Völkerwanderung damals.
Die kargen Gegenden,
aus denen Leute abgewandert sind,
mußten für kurze Zeit
alle aufnehmen,
die von dort stammten.
Die Davidsstadt hatte
viele Sprößlinge
in die Welt entlassen.
Jetzt sollten die alle
zur Erfassung hier antanzen.

Also blieb für
die beiden aus Galiläa nur
eine Notunterkunft
zwischen den Tieren.
Für die paar Tage war das
schon zumutbar.
Auf dem Weg hierher waren sie
teilweise schlechter untergebracht
als bei mir.
Außerdem hätten sie zu Hause
das Kind auch nicht viel besser
versorgen können.
Sicher, in einer Krippe hätte es
dort nicht liegen müssen.
Aber das ist noch nicht das Schlimmste,
was einem zustoßen kann.

Tut doch nicht so,
als wäre euch das nicht passiert,
den König der Welt
zu übersehen.
Die meisten Kinder,
die in diese Welt
hineingeboren werden,
sind mehr Last als Freude,
auch bei euch heute.
Überall heißt es:
Das Boot ist voll.
Kein Platz in der Herberge.

Werft uns nicht vor,
wir hätten den Sohn Gottes
unangemessen behandelt.
Jeden Tag sterben
in eurer Welt
40.000 Kinder Gottes
an den Begleiterscheinungen
der Armut.

Wie könnt ihr
mit dieser brutalen Wirklichkeit
leben?

Habt ihr mehr Platz
in euren Herzen
und Häusern
für die Unbehausten und Bedürftigen?

Aber werfen wir uns
nicht gegenseitig etwas vor.
Schauen wir lieber danach aus,
wer uns die Lasten abnimmt,
die wir allein
nicht tragen können.

 

Ein Hirte aus Bethlehem

[Er ist erkennbar am Stab]

Das war eine Freude für uns Hirten.
Fast wären wir ausgeflippt,
so tobte in uns die Überraschung.
Erst der Schock
und dann die Ausgelassenheit.

Als die Erscheinung der Engel
vorüber war, sind wir
losgelaufen.
Keine Frage,
wer mitdurfte
und wer bleiben mußte.
Das ist bei uns organisiert.

Auf dem Weg
merkten wir,
dass niemand sonst
von der himmlischen Botschaft
gehört zu haben schien.
Wir waren ganz unter uns.
Wohl trafen noch andere
Hirten im Städtchen ein.
Aber keine Bürger,
keine Handwerker,
keine Bauern
waren auf der Suche.
Sollten sie alle
an den Chören und
der Verkündigung
kein Interesse haben?

Der anfängliche Jubel,
in dem wir über die Hochfläche
zur Stadt gerannt waren,
verstummte heimlich.
Wir wurden immer stiller.
Wir wollten niemanden wecken,
wollten keine Konkurrenten
heraufbeschwören.
Wenn der Retter
der Welt
uns geschenkt wurde,
brauchten wir nicht
mit anderen zu teilen.
Wir verbündeten uns
ohne Verabredung
gegen die schlafende Welt.

Und dann fanden wir
das Kind in einem Futtertrog
der Karawanserei.
Das sah den Stadtleuten ähnlich.
Jede Woche ins Bethaus rennen,
an allen Türrahmen
fromme Sprüche anschlagen,
aber den Heiland
in der Scheune einquartieren.

Als wir aber eine Weile
verschnauft hatten,
da verging uns
die hochfahrende Einbildung.

Mich traf es
wie ein Schlag vor den Kopf.
Obwohl uns die Fundstelle
und die Umstände
der Kinderstube
vorher beschrieben worden waren,
konnte ich es auf einmal
nicht mehr fassen.  

Das soll der Messias sein?
Gott als armer Teufel?
Nicht zu glauben.

Ich mußte heulen.
Den andern ging es
nicht besser.
Was wurde jetzt
aus unseren himmelstürmenden
Plänen und Wünschen?
Wenn Gott sich so klein macht,
wie sollten wir dann
auf große Herden
und Geldsäcke hoffen?
Was wird dann
aus unseren Träumen
von Ansehen und Macht?

Ich kann es nun
nicht mehr für mich behalten.
Meine Zukunft liegt nicht
in seidenen Kissen,
sondern auf Heu und Stroh.
Ich kann nicht mehr
ein großer Scheich werden,
sondern werde da bleiben,
wo Vater und Großvater
schon hergekommen sind.
Meinen Geschichten
werden leider nicht
die Weisen vom Königshof
sondern eher
die rotznasigen Hütebuben
lauschen.

Aber denen werde ich
was zu erzählen haben.
Ihnen sollen
die Augen aufgehen.
Schließlich habe ich
den Herrn der Welt selbst
auf dem Arm gehabt.

 

Vater Josef

[Mit einem Rucksack über der Schulter]

Das Kinderkriegen
ist für einen Mann
niemals leicht.
Und wenn er dann
so wenig Einfluß
darauf hat wie
in meinem Fall,
wird es noch schwerer.

Manche meinen ja,
ich, Josef, sei
vom Allmächtigen,
dessen Name ewig währt,
nur als Statist
in die Heilsgeschichte
eingesetzt worden.
Die täuschen sich
aber gewaltig.
In aller Bescheidenheit
darf ich doch anmerken, dass
ohne mich das ganze
Weihnachtsgeschehen
nicht möglich gewesen wäre.

Ich bin nicht überheblich,
auf keinen Fall.
Ich weiß ja, dass
der Herr der Heerscharen
nicht auf mich angewiesen war,
um seinen Plan durchzuführen.
Aber er hat mich gebraucht.
Versteht ihr den Unterschied?
Er hat mich dazu
brauchbar gemacht.
Meine Frömmigkeit
und Rechtschaffenheit,
meinen Gehorsam
und meine Hilfsbereitschaft
hat er verwendet.
Lobet den Herrn, alle Völker!
Sein Ruhm umspannt
die ganze Welt.

Es hat mich viele
schlaflose Nächte gekostet,
mit diesen Erlebnissen
zurechtzukommen,
vorher und nachher.
Auf der einen Seite
die himmlische Berufung:
Die Sonne der Gerechtigkeit
will aus unserer Mitte
aufstrahlen und
die ganze Welt
soll ihre Augen auf
unser kleines Leben,
unsere Hütte
unter den Palästen
der Menschen richten.

Auf der anderen Seite
das Unverständnis,
eigenes und fremdes.
Wer kann je begreifen,
was wir Großes erlebt haben,
von dem Herrn,
woran wir winzigen
Staubkörner beteiligt sind?

Manche Menschen meinen,
ich sei der Blamierte
bei der ganzen Geschichte.
Sie haben
nichts von dem kapiert,
was zu unserer Zeit
geschehen ist
und zu jeder Zeit
wieder geschehen soll,
solange der Barmherzige
noch Geduld
mit den Unwürdigen hat.

Ich verstehe
dich auch nicht,
Herr im Himmel
und auf Erden.
Ich stehe da,
verwundert,
mit offenem Mund
und staune.
Mein Verstand
reicht nicht
für den Herrscher
der Ewigkeit und
seine Gedanken aus.
Ich kann nur
stammelnd
anbeten:
Der Herr hat Großes
an uns getan.

Wir bezeugen
die Wahrheit:
Er ist unbeschreiblich nahe.
Wer es fassen kann,
fasse es!

 

Am Anfang das Wort

Vor allem Anfang dieser Erde
und aller Welt, die er sich schuf,
bevor der Schöpfer sprach: "Es werde!"
bevor ertönte Gottes Ruf
nach Licht, womit die Welt begann,
war er: Von allem Anfang an.

 

Er ist selbst Gottes eignes Wesen
nicht unterschieden, nicht getrennt.
Sie sind es vormals nicht gewesen.
Wer einen wahrnimmt, beide kennt.
Doch niemand je den Höchsten sah.
Man kommt ihm durch das Wort nur nah.

 

Das Wort als Licht und Leben strahlt
hinein in seine düstre Welt.
Die trübe mit sich selbst nur prahlt,
den Schöpfer hat sie abgemeldt.
Der Dunkelheit verfiel sie gern.
Sie lebt wie ein erloschner Stern.

 

Das wahre Licht in Gottes Wort
erschien im wahren Menschensohn.
Er leuchtet auf am düstern Ort
und erntet fast nur Spott und Hohn.
Er hat sich freundlich offenbart,
kaum jemand sich um ihn geschart.

 

Sie wiesen den vor ihre Türen,
der tiefen Frieden hat gebracht.
Sie ließen den Verachtung spüren,
der Gott für uns zum Freund gemacht.
Ich bin genau so: Mensch, natur.
Sie, das sind nicht die andern nur.

 

Gott kommt zu uns als Menschenkind,
verlässt den ewigen Palast.
Taucht auf, wo Leut geschunden sind,
gehetzt, zerrieben von der Hast.
Wer hat den Blick, erkennt ihn hier?
Schaust du nicht weg zeigt er sich dir.

 

Um dich und mich an sich zu ziehen,
kommt Gott zur Welt so klein.
Nimmst du ihn auf, werd ich nicht fliehen,
dann werden wir Familie sein;
er Vater/Mutter, wir die Kinder,
die Liebe zwischen uns als Binder.

 

Kein andrer Weg führt uns zum Leben,
nur die Beziehung, die er schenkt.
Die kann sich kein Mensch selber geben,
drum sei drauf aus, dass er dich lenkt.
Gott bietet uns die Freundschaft an:
Mach ihn zum Lebens-Steuermann.

 

Das Wort wurde Mensch

Ich will euch hier von früher was
aus alter Zeit berichten.
Vielleicht könnt ihr mir hinterher
behilflich sein zu sichten:
Brauch ich, braucht ihr auch heute noch
die Hilfe ganz von oben?
Hat sich der Menschen verändert so,
dass wir uns könnten loben?

 

Es machte sich der Himmelsherr
von seiner Höh herab.
Er wandte sich der Erde zu
sah ganz von Größe ab.
Wir saßen in der Finsternis
und sahen nirgends Licht.
Da kam zu uns der Schöpfer­gott,
ließ uns im Dunkel nicht.

 

Das Leben wurde angreifbar,
begab sich in Gefahr.
Das Licht drang in die Finsternis,
ein Wunder wurde wahr.
Doch wer erblickte dieses Licht?
Wer wend’t sich zu ihm hin?
Wer intressiert sich denn dafür?
Kommt’s niemand in den Sinn?

 

Der, dessen Wort die Welten schuf,
der sich den Erdkreis baute,
dem Mächte, Geister untertan,
den nie, was sterblich, schaute,
der wurde klein und angreifbar,
ein Kind - eins unter andern.
Es lernte, der uns lehren sollt,
musst, wie Gesellen, wandern.

 

Der wilde Mann vom Jordanfluss,
der Täufer, der Johannes,
der weist zu Gottes Licht und Wort:
“Der rettet euch, der kann es.
Dem traut, der ist des Glaubens Ziel.
Ich bin nur Wegbereiter.
Sein Reich besteht in Ewigkeit.
Für eure Sache streit’ er.”

 

Das Licht kommt für die Menschen her
aus kosmisch größter Ferne.
Der Schein, der's All geschaffen hat,
sucht die auf, die ihm gerne
die Türen, Herzen auftun woll'n.
Bei diesen nimmt er Raum,
gestaltet Neues mit und durch.
So treibt der Hoffnung Baum.

 

Simeon und Hanna

Simeon

Die Eltern stolz zum Tempel kamen:
Marias Kind kriegt hier sein'n Namen.
Jesus, wie ihn der Engel nannte,
der ihn als Gottes Sohn bekannte.

 

Als sie das Heiligtum betreten,
den großen Platz, wo viele beten,
da kommt ein Mann zu ihnen ran,
dem grad ein Ausblick aufgetan.

 

"Mein Name der ist Simeon,
ich hoffe auf euch lange schon.
Ich wart' seit Jahren unverwandt,
auf Gottes Trost für unser Land.

 

Mir ist versprochen, dass ich sehe,
bevor ich von der Welt weg gehe,
dass Gott seinen Gesandten schickt,
der von uns nimmt, was uns bedrückt.

 

In eurem Sohn erkenn ich klar:
Was ich erhoffe macht er wahr.
Das Kind ist Heiland dieser Welt.
Auch wenn euch das nicht nur gefällt.

 

Euch wurde Schweres aufgetragen.
Als Eltern wird euch manches plagen.
Was euer Kind da mit sich bringt,
wie'n Schwert durch euer Leben dringt.

 

Der Gottesmann wird Menschen fällen,
die sich ihm strack entgegen stellen.
Die sich an ihn in Nöten wenden,
die trägt er dafür wie auf Händen.

 

O Gott, mein Hoffen ist erfüllt.
Mein Sehnen wurde heut' gestillt.
Für dein Volk endet bald das Grämen.
Nun kannst du mich gern zu dir nehmen.

 

Du schaffst den Frieden für die Welt,
die sich doch gar nicht zu dir hält.
Du schenkst den Deinen neuen Mut
und machst was schlecht war alles gut.

 

Ich preise deine große Gnade.
Dir ist für Menschen nichts zu schade.
Du wendest dich uns zu zum Glück
und holst Verlorene zurück.

 

Du fast vergess'ner Gott der Väter
wirst für die Welt zum Wundertäter.
Vergisst dein Volk im Dunkel nicht.
Du bist für Israel das Licht."

 

 

Hanna

Jósef und Marja opferten
im Tempel in Jerusalem.
Sie brachten Tauben für ihr Kind,
vor Gott, von dem die Kinder sind.

 

Die Eltern nannten ihren Jungen
Jesus, wie es sich ausbedungen,
der Engel Gottes, der sie segnet,
als er der Mutter jüngst begegnet.

 

Profetin Hanna, hier zu Hause,
sie hatt' im Tempel ihre Klause,
die fand zum Opferfest sich ein,
Das Kind musste gesegnet sein.

 

Sie sagt es gern, so oft sie kann:
"Das Kind, der Jesus, wird zum Mann,
den Gott uns hat zum Heil gesandt.
Seht nur auf ihn ganz unverwandt.

 

Mit ihm sind wir auf Gottes Seite.
Und ohne ihn geht jeder Pleite.
Er ist Erfüllung unsres Lebens.
Ohne ihn müh'n wir uns vergebens.

 

Bei meinem Vater Phanuel,
glaubt mir: Das ist Immanuel,
der Gute Hirte, der uns weidet,
der Gottesknecht, der für uns leidet."

 

Die alte Dame hat Erfahrung,
das Gotteswort ist ihre Nahrung.
die lebt jahrzehntelange schon
nur noch für Gott, von Gotteslohn.

 

Keine Familie, keine Pflichten.
Sie wollte ganz darauf verzichten.
Nicht mehr zu andrem sich bequemen,
ausschließlich seinen Dienst annehmen.

 

Verheirat' war sie sieben Jahr,
nun ist sie vierundachtzig gar.
seit ihr der Mann damals gestorben
hat sie nur noch für Gott geworben.

 

Der Heil'ge Geist läßt sie erkennen,
das Kind, das wir Herr Jesus nennen.
Bevor die Nägel ihn verwunden,
hat sie in ihm den Herrn gefunden.

 

Mit Augen sieht das Heil man nicht:
Der Gottesgeist macht Hanna licht.
Der Rest der Welt steht noch im Dunkeln,
doch Hanna sieht den Stern schon funkeln.

 

 

Na und?

Was kann für dich und mich bedeuten,
das Zeugnis von zwei alten Leuten?
Sie haben ganz auf Gott vertraut,
ihr Dasein anders aufgebaut.

 

Lasst uns mit ihnen uns zuwenden
dem Herrn mit Herzen, Mund und Händen.
Das Kind, das Gott uns hat geboren,
es rettet alle, die verloren.

 

Wir meinen, es sei schwach und klein
und lassen uns nicht leicht drauf ein.
Doch ihm ist alle Macht gegeben.
An ihm entscheidet sich mein Leben.

 

Sternen-Weise

Als Jesus einst geboren ward
in König Davids Betlehem,
da hat fast niemand das gemerkt.
Kaum einer wollte nach ihm seh’n.
Herodes saß auf Judas Thron.
Den Meisten war er unbequem.

 

Doch kamen Magier von weit
aus Osten nach Jerusalem.
Sie fragten nach ’nem Königskind.
Sie hätten dessen Stern geseh’n,
der leuchtete für läng’re Zeit
ganz hell am Himmel, wunderschön.

 

Sie schockten das Establishment.
Der Schreck ist recht gut zu versteh’n:
Herodes fürchtet’ Konkurrenz.
Konfus war ganz Jerusalem.
Man hatte sich doch eingericht’.
An Herrschaft kann man sich gewöhn’n.

 

Die Sternendeuter merkten kaum,
was ihre Frage angericht’.
Herodes rief Berater ein
und forschte, forderte Bericht.
„Was sagt die Lehre, sagt das Wort?
Sag’ keiner mir, ihr wisst es nicht.“

 

„Der König, den uns Gott versprochen,“
ein Rabbi endlich ’s Schweigen bricht,
„der stammt aus Betlehem bestimmt,
was anderes ist nicht in Sicht.
Die Davidsstadt seit frühster Zeit
gilt als der Herd, von dort kommt’s Licht.

 

So steht bei Micha, dem Profet’:
Du Betlehem versteck’ dich nicht.
Bist keineswegs die kleinste Stadt.
Auf dich wird niemals je verzicht’.
Von dir kommt einst der Hirte her,
der mir mein Volk führt, zugericht’.

 

Herodes ist den Juden fremd,
aus Edom, Heidenland stammt er,
erzählt den Magiern flugs das Märchen,
er intressiere sich auch sehr,
den neuen König anzubeten.
Das sei sein wichtigstes Begehr.

 

„Wenn ihr das Kind heraus gefunden,
weist mir den Weg dann ungefähr.
Ich schulde ihm auch meine Huld,
drum kommt doch bitte wieder her.“
So schleimt der falsche Fünfziger,
der tut als ob er fromm nun wär’.

 

Die Reisenden hören sich an:
Nach Betlehem geht, bitte sehr.
Sie machen sich gleich auf den Weg,
vertrödeln keine Stunde mehr.
Das Sternenlicht kommt wieder auf.
Zu finden ist das Haus nicht schwer.

 

Maria’s Kind in seinem Heim
wird königlich sogleich geehrt.
Die Magier sich zur Erde neigen.
Wer hätte ihnen das verwehrt?
Die Fremden bringen Gaben mit,
die haben sie dem Kind verehrt.

 

Gold, Weihrauch, Myrrhe schenken sie,
wie man von Lukas sagen hört.
Wohl war’s nicht viel, doch zeigt es klar:
Den Heiden war der Herr recht wert.
Sie hatten nur den Stern geseh’n
und sich d’rauf Jesus zugekehrt.

 

Dass sie nur seinen Anfang sah’n,
die Magier hat dies nicht beschwert.
Ein neuer Mose wird erweckt.
Herodes hätte gern gestört.
Vom Traum bestimmt die Fremden sind
doch andern Weges heimgekehrt.

 

Weise

Im Betlehem Juda’s kam Jesus zur Welt,
Herodes war König im Land.
Da sahen im Osten die Weisen `nen Stern,
der hat sie erregt und gebannt.

 

Sie deuteten klar, was am Himmel sich tat:
Ein Herrscher wird Juda geborn.
Ein ausser-gewöhnlicher Mensch wächst heran,
ein Retter für das, was verlor’n.

 

Ein’ge Sterndeuter machten sich bald auf den Weg.
Es ließ sie nicht los, was gescheh’n.
Sie verstanden sich nicht als Beobachter nur,
wollten, was sie erkannt, selber seh’n.

 

Wochenlang quälten sie Meil’ um Meile sich durch
auf dem Marsch in die Bildungsprovinz.
Die Vertreter der klassischen Astronomie
suchten nach einem jüdischen Prinz.

 

In der Hauptstadt des Landes, in Jèrusalem,
waren sie die Saison-Sensation.
Als sie harmlos und neugierig fragten bei Hof:
Was wißt ihr von nem neu’n Königssohn?

 

Grad Herodes den Großen hat das tief geschockt.
Er war scharf wie ein Hund auf der Hut.
Wer sein’ Herrschaft gefährdet, den kostet es gleich,
sei’s die eigene Mutter, das Blut.

 

Fromm zum Schein ruft der König die Schriftkundigen:
Was sagt ihr, woher kommt einst das Heil?
Was verkündet das Wort von dem Haus der Geburt?
Dies zu wissen ist doch euer Teil.

 

Wen auch immer im Volk er gefragt, hätte das
gleich gewußt. O Herodes, du Tor.
Nur aus Betlehem, kleinster judäischen Stadt,
kommt der Heiland, der Retter hervor.

 

King Herodes macht nun mit den Weisen ’nen Deal:
Ihr geht hin und ihr huldigt dem Kind.
Dann kommt ihr wieder her und setzt mich auf die Spur,
damit ein’s in Verehrung wir sind.

 

Haarklein läßt sich der Herrscher den Zeitpunkt erklär’n,
Wann das Himmelslicht anfing zu schein’n.
Er vermittelt den Sterndeutern durchaus das Bild,
hoch erfreut von dem Neuen zu sein.

 

Diese Männer der Wissenschaft hörten sich an,
was der König gewünscht sich so sehr.
Und dann zogen sie los, seiner Auskunft gemäß,
denn ihr Ziel war nun klar - ungefähr.

 

In dem Städtchen, das ihnen Profetenwort wies,
fanden sie aus der Höhe gelenkt,
auch das Kind, das die Sterne zum Leuchten gebracht,
das der Himmel der Erde geschenkt.

 

Voller Freud war ihr Herz als sie endlich am Ziel,
hier zuhause bei Mutter und Kind.
Und sie beugten sich tief vor dem Kleinen zur Erd:
Wir sind froh, dass wir nah bei dir sind.

 

Was wir haben, das legen wir dir, Herr, hier vor.
Was wir sind, nehmen wir von dir an.
Unser Leben ist dein, unsre Kraft bist nur du.
Was wir schaffen sei dir nur getan.

 

Auf die Ränke des Herren von Jerusalem
fielen unsere Weisen nicht rein.
Ihnen sagt Gott im Traum: Auf das heimliche Woll’n
des Despoten geht ihr gar nicht ein.

 

Und so reisten sie direkt zurück in ihr Land,
hatten Kosten und Müh’n nicht gescheut.
Sie war’n ärmer geworden an äußerem Gut,
aber geistlich erwärmt und erfreut.

 

Der Messias ist Herr über jede Nation,
er beherrscht alles, was es nur gibt.
In der Fern’ und der Näh’ lebt kein einz’ges Geschöpf,
welches Jesus, der Christus nicht liebt.

 

Dein Friede (Segen)

Dein Friede, Herr, sei mit uns allen,
den Menschen, die dir wohl gefallen.
Wir sind nicht gut, wir sind nicht schlecht,
du sprichst uns durch dein Wort gerecht.

 

Der Glaube, das Vertraun zu dir,
kommt nicht von selbst, das wissen wir.
Du schenkst ihn uns, weils dir gefällt.
Dein Heilger Geist uns führt und hält.

 

Die Hoffnung fehlt der Menschheit ganz.
Das kommt: Sie folgt dem kalten Glanz.
Der Menschensohn lenkt unsren Blick
auf dich, das wahre Gut, zurück.

 

Die Liebe, die uns fehlt, bringst du
und kehrst dich den Verlornen zu.
Wir sehn zuerst und allermeist
uns selbst, drum du das Netz zerreißt.

 

Nun sind wir länger nicht gefangen.
Wir können, Herr, zu dir gelangen.
Dein Segen wendet uns dir zu.
All Unrast kommt durch dich zur Ruh.

 

Es segne und behüte euch
der dreieine Gott:
Der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.
Ihm sei Ehre und Preis
wie im Anfang,
jetzt und alle Zeit
und von Ewigkeit zu Ewigkeit.

 

Segen der Heiligen Nacht

Gott wende sich mit seinem Licht
Dir zu, erhell’ Dein Angesicht
beleuchte, was dir Angst einjagt
und dich selbst noch in Träumen plagt.
Vor ihm bestehen Schatten nicht.

 

Er lenke seiner Wärme Strahl
auf heimliche und off’ne Qual,
heil’ was dich kränkt, dir Schmerzen bringt,
damit Dein Lob ihn rühmt, ihm singt.
Errichte täglich ihm ein Mal.

 

Gott bringt Dir mehr als die Million,
Er schenkt Dir seinen einz’gen Sohn,
gibt sich in Menschenhände.
Das ist die größte Wende.
Die neue Zeit beginnt jetzt schon.

 

Du weißt noch nicht, was werden soll.
Die Zukunft scheint geheimnisvoll,
der Pfad vor Dir verschlungen.
Doch ist die Nacht durchdrungen
vom Leuchten Gottes wohl.

 

Geh auf den neuen Weg mit ihm.
So bringt Dein Leben nur Gewinn.
Auch du sollst glücklich werden.
Sein Geist regiert auf Erden.
Sieh’ nur auf Gottes Spuren hin.

 

 

Impressum

Texte: Alfred Mignon
Bildmaterialien: Eva-Maria Mignon; Natanael Mignon
Tag der Veröffentlichung: 13.11.2014

Alle Rechte vorbehalten

Widmung:
Meinem großen "Bruder" Peter Leimcke

Nächste Seite
Seite 1 /