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Wozu nutzt der Steuerberater?



Wozu nützt der Steuerberater?


1. Akt: Die Hoheit über Belege


Fast jeder Selbständige hat einen. Wozu? Um an ihm herumzumosern? Denn wirklich zufrieden ist fast keiner. Doch Trennungen sind selten. Da ist die Ehescheidung weit wahrscheinlicher. Warum? Fehlt vielleicht die Hoffnung auf einen Besseren? Fragen über Fragen.


Was stört uns am Steuerberater? Vieles! Im Regelfall ist bereits die Berufsbezeichnung falsch. „Leiter einer Buchführungskanzlei“ wäre treffender. Haupttätigkeit: Kundenakquisition, Personalführung, Bilanzproduktion. Die Mitarbeiter des Steuerbüros arbeiten meist emsig: Belege prüfen, verbuchen, BWAs und Jahresabschlüsse erstellen und die Steuererklärungen ausfüllen. Im Regelfall legt der Meister nur in der letzten Phase selbst Hand an. Und präsentiert das Ergebnis dann persönlich seinen Mandanten.


Der Kontakt zwischen Mandant und Steuerbüro reduziert sich im Tagesgeschäft daher auf das Personal. Das geht dann gut, wenn auf Unternehmerseite ebenfalls Personal sitzt. Und so schieben sich die Angestellten beider Seiten dann die Belege hin und her, bis alles ordnungsgemäß ist.


Das Steuerpersonal prüft Belege akribischer als das Finanzamt. Das Unternehmerpersonal legitimiert mit dem Hin und Her sein Dasein oder gar die Überstunden. Nur keinen Beleg durchlassen, auf dem „was nicht stimmt“. Seitdem die Finanzbehörden die Anforderungen an die Rechnungsstellung erheblich verschärft haben, kann viel nicht stimmen.


Und wenn ich die Rechnung für 10,88 ¤uro gebucht haben möchte, obwohl der Leistungszeitraum fehlt? „Geht nicht! Denn dadurch ist der Vorsteuerabzug nicht möglich!!“ So bleibt nur eine nachgebesserte Rechnung zu beschaffen. Geschätzter Aufwand 10 ¤uro bei einem „Ertrag“ von 1,74 ¤uro Vorsteuer.


Hier beginnt die Problematik. Die Steuerkanzlei hat Angst. Vor allem vor dem Kunden. Denn wenn das Finanzamt bei einer Außenprüfung ausgerechnet diese Rechnung findet, müssen die 1,74 ¤uro nachentrichtet werden. Und am Ende beschwert sich der Kunde dann. „Und wenn ich das Risiko auf mich nehme?“ In manchen Steuerbüros setzt jetzt Vernunft ein. Ein paar haben sogar ein Haftungsausschluss-Formular dafür entwickelt. So oder so. Verlustreich ist die Aktion längst. Meist aber zwingt uns das von uns bezahlte Steuerbüro seinen Willen auf. Na, wir könnten ja auch ein wenig aufmerksamer sein und Belege penibel prüfen, bevor wir sie weitergeben. Hmm. Wie penibel muss es denn sein? Na, das hängt vom Steuerberater ab. Also von seiner Akkuratesse. Oder von seiner Angst? So bekommen wir gerade einen Hinweis, unsere Rechnungen seien bedenklich:

1. „Betriebswirtschaftliche Beratung“ sei zu unspezifisch.

2. „1. Quartal 2011“ sei ein zu ungenauer Leistungszeitraum.


Nun – warten wir, bis ein zweiter Steuerberater mosert?
Oder geben wir ängstlich den Drohungen eines Ängstlichen nach?


Doch arbeiten Steuerbüros denn so ordentlich, wie sie es von uns erwarten?


Wozu nützt der Steuerberater? – Eine Gemeinheit in sechs Akten


2. Akt: Die Verbuchung der Belege


Arbeiten denn Steuerbüros, die uns zur Ordnung zwingen wollen, selbst auch ordentlich?
Gewiss bei der Belegprüfung. Doch was kommt dann?


Jedes Unternehmen ist anders. Und jeden Unternehmer interessieren andere Zahlen, ob bei Umsatz oder bei Kosten. Doch individualisieren mag das Steuerbüro nicht. „Geht nicht. Gibt’s nicht. Braucht’s nicht.“ Schauen Sie mal auf Ihre BWA: Sehen Sie die Konten „Betriebliche Steuern“, „Besondere Kosten“, „Reparatur und Instandhaltung“? Und sind diese drei Konten mit sehr geringen Summen bebucht? Aha. Und jetzt Konto „Sonstige Kosten“. Eine deutlich höhere Summe? Nun, dann hat Ihr Steuerbüro nach Schema F gebucht, wie die meisten. Schlecht! Denn die „Sonstigen Kosten“ in vermutlich fünfstelliger Höhe sind intransparent, während andere Kosten in vielleicht dreistelliger Höhe monatlich transparent sind. Sonstige Kosten sind der Müllhaufen jeder nicht individualisierten BWA. Steigen sie, ärgern wir uns, fallen sie, freuen wir uns. Und wollen wir die Ursachen wissen, haben wir Zusatzaufwand. Den meiden wir im Regelfall.


Doch etwas mehr Neugier wäre anzuraten. Das wird allerdings dann aufwändig. Um herauszubekommen, was sich hinter sonstigen Kosten verbirgt, müssen wir wühlen. Klar, wir finden es, aber dann fehlt uns der Vorjahresvergleich. Klar, wir finden auch das Vorjahr und können dann selbst vergleichen. Aber dann fehlt uns der Bezug zum Umsatz. Logisch. Dafür können wir ja den Taschenrechner einsetzen. Merken Sie, wer auch hier wem die Arbeit macht?


Unsere Erfahrung: Meistens dominieren drei oder vier Positionen die sonstigen Kosten. Würden wir die schwach bebuchten Konten in die sonstigen Kosten und die wichtigsten Positionen der sonstigen Kosten als eigenständige Konten in die BWA nehmen, wie schnell hätten wir mehr Transparenz auf einen Blick.


Doch was müssen wir uns für diese Forderung von Steuerberatern alles anhören. Eine Darmstädter Steuerkanzlei brachte es auf den Punkt: „Individualisierte BWAs macht keiner gern. Aus Dummheit, Faulheit, Bequemlichkeit.“ Vermutlich liegt das Problem noch ein paar Zentimeter tiefer. Stereotype Buchungen lassen sich von stereotypen Arbeitskräften bewältigen. Individualisierung dagegen braucht ein klein wenig mehr Hirn und Anstrengung.


So weit vorgedrungen, machen Sie den Lackmustest. Will der Steuerberater Sie als Kunde behalten, oder ist es ihm gleichgültig, weil sie eh zu wenig Deckungsbeitrag bringen? „Ja, Sie wollten ja nie eine individualisierte BWA“ heißt als Signal: „Dann machen wir es halt.“ „Geht nicht, gibt’s nicht, braucht’s nicht“ heißt: …..!


Doch die meisten Büros sind noch viel träger. Schauen Sie mal auf das Konto „Abschreibungen“ Viele schleppen es 12 Monate mit 0 durchs Jahr. Begründung: „Abschreibungen lassen sich erst im Jahresabschluss exakt ermitteln.“ Doch bis wir den Jahresabschluss vorliegen haben, ist das Ergebnis fast schon Wirtschaftsgeschichte. 12 Monate lang werden wir mit zu hohen „vorläufigen Ergebnissen“ getäuscht. Oder, wie ein Kunde mal rätselte: „Komisch, 12 Monate lang hatte ich positive Ergebnisse, und in der Bilanz steht jetzt ein Verlust.“ Antwort des Steuerberaters: „Die Bilanz ist der 13. Monat.“


Warum aber nicht die Abschreibung auf der Basis des Vorjahres monatlich einspeisen? Der Lohn der guten Tat: Das vorläufige Ergebnis ist je nach Bedeutung der Abschreibung näher an der Realität. Gleiches lässt sich mit einer Reihe von weiteren nachträglich anfallenden Kostenpositionen treiben, z.B. mit der Rechnung des Steuerberaters für Herstellung des Jahresabschlusses. Gezwölftelt belastet sie jeden Monat gleichmäßig und führt ebenfalls zu einer höheren Genauigkeit des vorläufigen Ergebnisses.


Ein Steuerberater-Argument machte selbst uns zunächst stutzig. „Individualisierte BWAs verhindern die Möglichkeit des Vergleichs.“ Hm, klingt logisch. Jedoch dann stellt sich die Frage: Vergleich mit wem? Bäcker mit ITler? Es müsste ja mindestens die gleiche Branche sein. Und das Steuerbüro müsste mehrere dieser Branche betreuen. Möglichst noch in ähnlicher Betriebsgröße. Und die Steuerberater müssten die Betriebsvergleiche den Klienten transparent machen. Da scheint uns Freitag, der 13. weit häufiger vorzukommen. Dann wäre das in der Tat ein Argument. Aber wer als Steuerberater so engagiert ist, könnte doch dann die gesamte Gruppe individualisieren. Oder?!


Wozu nützt der Steuerberater? – Eine Gemeinheit in sechs Akten

3. Akt: Die Erstellung der Bilanz


Die Bilanz ist für viele Steuerberater so etwas wie der 13. Monat. Da allein entscheidend für die Steuerlast, wird sie meist strikt auf das Finanzamt ausgerichtet. Eigentlich schade. Die neuen Bilanzrichtlinien geben nämlich einen breiten Spielraum für eine Ausrichtung der Bilanz nach den Adressaten: Steuerbilanz für das Finanzamt, Handelsbilanz für Bank und Registergericht. Gute Steuerberater nutzen diese Spielräume und entwicklen hier wirklich Kreativität. Von Abschreibung über Abgrenzung zu Rückstellung.
Und so sitzen wir in manchen Bilanzvorbesprechungen und bewundern die virtuellen Möglichkeiten, aus Gewinn Verlust und aus Verlust Gewinn zu machen. Chapeau! Die meisten Steuerberater jedoch räumen mit dem Jahresabschluss nur auf und fordern nur nach, was im Laufe des Jahres verschludert wurde. Dabei geht’s gemütlich zu. Meistens setzen die ersten Aktivitäten nicht vor Sommer ein. Die Erstellung und Abgabe der Bilanz erfolgt häufig erst zu Weihnachten oder später. Dann stets in durch Abgabestichtage geprägter Hektik. Liegt uns die Bilanz fix und fertig vor, ist sie also oft schon Wirtschaftsgeschichte. Da tröstet auch nicht, dass der Steuerberater sich eine Stunde Zeit nimmt, sie mit uns zu besprechen (Jahresbesprechung).


Besonders tragisch sind die späten Erkenntnisse, wenn das ganze Jahr über unter dem Motto „Unterjährig ist doch egal.“ gebucht wurde. Und noch eine kleine Frage: Können wir lange nach Abschluss des Geschäftsjahres noch viel gestalten? In der Überschussrechnung garantiert nicht. In der Bilanz eingeschränkt. Wäre es daher nicht gerade für Kleinbetriebe notwendig, dass der Steuerberater bereits im Altjahr die Ergebnisse hochrechnet und uns steuersparende Ratschläge gibt?


Wer hat Schuld an den späten Bilanzen? Hört man die Steuerberater, ist es natürlich stets der Mandant. Der bringt einfach die geforderten Belege, Aufstellungen und Antworten nicht bei. Aber manchmal verhalten sich Steuerberater auch wie Kreditbanker: „Haste keine Zeit oder Lust, einen Antrag zu bearbeiten, fordere einfach neue Unterlagen nach.“
Nicht selten schlampen die Mandanten jedoch wirklich. Unsere Erfahrung: Je mehr Zeit vergangen ist, umso geringer die Erinnerung, umso höher der Aufwand der Beschaffung, umso geringer die Motivation. Und: Umso geringer der eigene Nutzen am Erkenntniswert der Bilanz.
Doch einige unserer Mandanten beherrschen ihre Akten und drängen ihre Steuerberater zu schnellen Abschlüssen. Lustig zu sehen, wie die dann reagieren.
Eine Begründung für Verzögerungen wird regelmäßig genannt: „Je später wir die Bilanz einreichen, desto mehr Zeit haben wir für die Steuernachzahlung.“ Na ja, dann erstellen wir doch zeitig eine vorläufige Bilanz, die wir dann später zur endgültigen machen und einreichen.
Aber auch hier fehlt dem Steuerberater meistens der Dienstleistungsgedanke.


Wozu nützt der Steuerberater? – Eine Gemeinheit in sechs Akten

4. Akt: Die Bedeutung von BWA und Bilanz


All unsere Kritik an den betriebswirtschaftlich sinnlosen bis gar anarchistischen Kontenverbuchungen, an dem schematischen Standardkontenrahmen und den eintopfartigen Umsatzausweisungen ficht die Bedeutung von BWA oder Bilanz nicht an. Und mit ihr die Bedeutung ihrer Produzenten, der Steuerberater.


Die meisten Kunden verstehen ihre BWAs oder Bilanzen nur oberflächlich. Wir merken’s stets, wenn wir Fragen stellen. Warum?
Der Kleinunternehmer hat weder Ahnung noch Lust. Und ein wenig schämt er sich auch. Er ist froh, wenn Finanzamt und Bank befriedigt sind. Und dafür reicht’s allemal. Schließlich hat er im Alltagssumpf genug zu tun. Daher glaubt er halbblind.
Warum fragt der Banker nicht? Weil er häufig genauso gläubig ist.
So bilden alle gemeinsam eine Gemeinschaft von tiefen Gläubigen, wie sie in großen Kirchen kaum noch zu finden sind. Am kritischsten gebärdet sich noch das Finanzamt, dem es aber nur um die Endsummen geht.
Warum können viele Banker keine BWA lesen?
Machen wir uns nichts vor: Die Ausbildung von Bankmitarbeitern hat im letzten Jahrzehnt sehr gelitten. Aus Kostengründen haben viele Institute bei der internen Ausbildung gekürzt und auf das kostengünstige Duale System gesetzt. Die Qualität ihrer Titelmühlen für Unstudierte ist umstritten. Zumindest ihre Praxisnähe. Zudem werden immer mehr junge, unerfahrene Kräfte in Filialen und Kompetenzzentren eingesetzt, weil die billiger sind.
In manchen Instituten ist das Niveau mittlerweile erschreckend. Eine Vielzahl von Fragebögen und Formularen soll Fehler verhindern. Das steigert nicht gerade die Motivation. Überhäuft mit Bürokratie und getrieben von Umsatzvorgaben erkennt der Banker schnell, dass es keine Punkte für BWA-Kritiken gibt. So erleben wir das seltsame Phänomen, dass Kreditbanker zwar permanent nach frischen Zahlen rufen, die dann aber mit bestenfalls flüchtigem Blick abheften. Sauber dokumentiert = Pflicht erfüllt. Geht es um neue Engagements, tüten die Frontleute die Unterlagen ein und geben sie über die interne Post ans Backoffice oder die Risikoanalyse. Dort sitzen häufig Mitarbeiter, die sich noch Gedanken machen. Aber auch hier sind die reinen „Einhacker“, die mit den Zahlen des Steuerbüros unreflektiert die Ratingmaschine speisen, in der Mehrzahl. So oder so gibt es ein generelles Problem: Die Risikoanalyse kennt das Geschäftsmodell des Unternehmens nicht. Selbst wenn der Frontoffice-Banker es kennt und auch begreift, entsteht dennoch ein Kommunikationsverlust bei der Weiterleitung. Das alles muss man sich unter dem Zeitdruck des Massegeschäfts vorstellen. Da geraten die unbedeutenden Kunden zwangsläufig unter die Ratingmaschine.


Doch das bietet umgekehrt Chancen. Je besser die Arithmetik des Steuerberaters in BWA und Bilanz auf das Ratingprogramm der Bank eingestellt ist, umso höher die Chance auf problemlosen Durchmarsch.
So wurde ein Unternehmen, das im Mai Konkurs anmeldete, noch im Februar von zwei unterschiedlichen Bankengruppen positiv geratet. Doch das geht auch umgekehrt.

Drei fachlich fitte junge Frauen aus Bad Gastein gründen eine Import-GmbH für spezielle Lebensmittel. Der Laden läuft. Die Kunden strömen. Nur die Liquidität ist eng. Weil die Lieferanten Akkreditive, sprich Zahlungsgarantien, fordern, bevor sie die Ware auf die Reise schicken. Und die Kunden die Ware erst zahlen, wenn sie sie haben. Akkreditive fallen bei der Bank unter die Abteilung Kredit.
Kaufmännisch sind die Gründerinnen wenig versiert. „Dafür haben wir unseren Steuerberater.“ Zusammen mit ihrer Ausbildung als Groß- und Einzelhandelskauffrauen reicht das der Bank. Trotz dieser bemerkenswerten Berufsschulausbildung wissen die drei stolzen Geschäftsführerinnen wenig von den Grundzügen des GmbH-Rechts oder gar des Bilanzrechts. Bei der Beantragung einer neuen Akkreditivkreditlinie ist es dann passiert. Die Bank forderte eine aktuelle BWA, der Steuerberater erstellte sie und ab damit zur Bank. Ein flüchtiger Blick hätte stutzen lassen: 140.000 ¤ vorläufige Verluste, verursacht von negativen Roherträgen.


Die Kreditanalysten der Bank – wahre Meister ihres Faches – schlagen Alarm. Sie sehen die Kapitaldienstfähigkeit des Unternehmens gefährdet und lehnen nicht nur den Neukredit ab, sondern nehmen das Unternehmen in die erhöhte Überwachungsstufe. Da kommt Freude auf.


Schalten wir das Licht an: Die stolzen Damen hatten die Ausgangsrechnungen nicht zum Steuerbüro gegeben („Die sind ja noch nicht bezahlt.“). Wohl aber hatten sie die – bezahlten – Eingangsrechnungen buchen lassen. Dadurch zeigte die BWA keine Forderungen, wohl aber Wareneinsatz. Ergebnis: Negativer Rohertrag!
Der Steuerberater wusste von nichts, kommentierte aber lässig: „Unterjährig ist doch egal.“ Sein Buchhalter: „Was ich nicht habe, kann ich nicht buchen.“ Die tollen Kreditanalysten: „Wir haben die BWA-Daten in die Ratingmaschine eingegeben und aus der Auswertung die vorgeschriebenen Konsequenzen gezogen.“
Das Ergebnis: Ein mittleres Desaster.


Und so stellten wir unsere Lieblingsfrage: „Wer ist schuld?“ Diese Frage ist in Deutschland schon lange nicht mehr beliebt: „Alle sind schuld.“ Na, da wäre uns zumindest die Formulierung „Keiner hat nachgedacht.“ noch lieber. Denn: Wie können in einem Geschäftsmodell, das Einkäufe nur auf Bestellung tätigt, negative Roherträge entstehen? Aber welcher Gläubige beachtet schon Geschäftsmodelle?


Wozu nützt der Steuerberater? – Eine Gemeinheit in sechs Akten.

5. Akt: Die Steuerberater


Schärfe lässt sich in Scoville messen. Der höchste Schärfegrad ist 20. Für Angst gibt es noch keine Maßeinheit. Schade. Führen wir sie eben ein. Hasel: 1 H heißt wenig Angst, 5 H heißt viel Angst. Steuerberater sind im Regelfall zwischen 3 und 5 H angesiedelt.

Ihre wichtigsten Ängste:
1. Fehler machen und dafür haften müssen.
2. Beim Finanzamt unbeliebt zu werden.
3. Die Zulassung zu verlieren.

Das meiste davon sind Phobien. Wir haben während unserer langen Tätigkeit noch nie einen Zulassungsentzug erlebt oder auch nur selten davon gehört. Und wenn, dann spielen zumeist persönlicher Ruin und Veruntreuung die entscheidende Rolle. Die Betriebshaftpflichtbeiträge der Steuerberater sind so gering, dass Schadensregulierungen offensichtlich nicht sehr häufig sein können. Und ob das Finanzamt mehr als nur die schlimmsten Auswüchse registriert, wissen wir nicht. Entscheidend für die Einschätzung der Steuerberater scheint uns die Frage, woher sie kommen.

Da gibt es die Studierten (meist BWLer & Co.), die in einer Kanzlei als Angestellte arbeiten, bis sie die Steuerberaterprüfung bestanden haben. Dann werden sie Partner oder machen sich selbständig.
Mehr Weitblick, geringere H-Stufe, geringere Verwaltungspraxis, keine warmen Beziehungen zum Finanzamt.


Es gibt die Finanzbeamten, die nach Lehre und vielfacher interner Weiterbildung, gekrönt oft mit dem Titel Diplom-Finanzwirt, sich zur Prüfung wagen. Ziel: Nichts wie weg vom Finanzamt. Meist landen sie in größeren Konzernen. Aber manchmal machen sie sich auch selbständig.
Starke Beamtenmentalität, höhere H-Stufe, hohe Vewaltungspraxis, extrem gute Kenntnisse der Finanzverwaltung.

Und es gibt – seltener – den Lehrling-Praktiker. Er macht eine Ausbildung im Steuerbüro, kämpft sich über diverse Stufen hoch und krönt seine Karriere mit der Prüfung. Sehr praxisorientiert, stark vom Lehrherrn geprägt, eher hohe H-Stufe, meist extrem fleißig, neigt zu Minderwertigkeitskomplexen, da weder studiert noch Finanzamtsadel.


Das Bewusstsein, dass Steuerberatung oder sagen wir besser Buchführung eine Dienstleistung ist, fehlt Finanzbeamten und Praktikern meistens. Und der Studierte kann sie in seinem Laden meistens nicht durchsetzen. Ein bisschen vergleichbar mit den Ärzten – nur ohne Krankenschein.


Wozu nützt der Steuerberater? – Eine Gemeinheit in sechs Akten.

6. Akt: Die Optimierung der Beziehung


Nur sehr wenige Unternehmer kommen ohne Steuerberater aus. Also gilt es statt folgenlosem Lamento die Beziehung zu optimieren. Doch ähnlich wie in der Ehe: Je länger sie bereits besteht, desto unrealistischer – ohne Scheidung.


Gründer dagegen haben alle Chancen der Welt. Sie müssen sie nur begreifen und ergreifen. Das Ziel: Minimierter Aufwand und eine Gestaltung, die einfache Transparenz verschafft. Am Anfang steht die Entscheidung: Wozu brauche ich den Steuerberater?
1. Vollwaschgang: Von Kontierung bis Erklärung.
2. Nur Hauptwäsche: Kontieren mache ich selbst.
3. Ohne Schleudern: Verbuchen mache ich auch selbst.
4. Nur Trocknen: Den Abschluss bekomme ich auch hin – mithilfe von Beratung des Steuerberaters.

Es hängt von der eigenen Fähigkeit, der Zeit, aber auch der Lust ab, welche Stufe man wählt. Wir raten zu Realismus.
Und wir raten zu externer Beratung, bevor man mit dem Steuerberater verhandelt. Oft können auch Buchhaltungskräfte auf Teilzeitbasis helfen, eine Buchführung im Haus zu etablieren. Aber besser vorher prüfen, was die wirklich können. Mit Bilanzbuchhalterinnen, die auf selbständiger Basis arbeiten, haben wir die Erfahrung gemacht, dass sie schnell die Hausbesuche meiden. Ahnlich wie der Hausarzt, sobald er im Geschäft ist.


Beim Steuerberater den Lackmustest machen: Wie steht er zur individualisierten BWA? Die besten Steuerberater freuen sich, wenn sie auch beraten dürfen. Und der Klient die Buchführung selbst macht. Und unterstützen ihn sogar.


Einen Aspekt haben wir völlig unterschlagen: Die Kosten des Steuerberaters. Nun, da ist die Kundschaft sehr wach und braucht unsere Unterstützung nicht. Steuerberater sind meistens gar nicht zu teuer. Aber gelegentlich ihr Geld nicht wert.

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Tag der Veröffentlichung: 22.10.2011

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