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DER HERZINFARKT

Die Stimmung war angespannt. Zwischen Herrn und Frau Bullock lagen Unsicherheiten, Ressentiments, unausgesprochene Klagen. Dennoch hieß es, sich zusammenzureißen, um das große Sylvester-Turnier 2016 zu gewinnen. Es lag ihnen so viel daran. Einmal noch wollten sie der Bridgewelt zeigen, wie geschickt und erfahren sie die Kunst des Spiels beherrschten. Zu Ehren des besonderen Anlasses hatte sich das Ehepaar in Schale geschmissen. Die Austragung fand im nachbarschaftlichen Heckenheim statt. Sicherlich kein großer oder gar bekannter oder berühmter Bridgeclub, doch es ging hier herzlich zu und das allgemeine Niveau war dem des Ehepaares gut angeglichen. Na ja, so würde Frau Gerda Bullock das zumindest behaupten. Er hielt sich ohne Frage für überdurchschnittlich begabt und selbstverständlich wesentlich talentierter als seine Frau.


Jedenfalls trafen sie frühzeitig im Club ein. Immerhin gab es Kaffee und Kuchen und eine gute Aussicht auf einen angenehmen Platz vor Turnierbeginn. Frau Schöneberger saß bereits auf WEST an einem Tisch neben dem Fenster. Herr Bullock zögerte nicht lange und näherte sich ihr ungeniert, nahm Platz auf NORD und schmachtete ihre saftigen, vollen und rotgeschminkten Lippen an.


„Schönen guten Tag, Frau Schöneberger… Sie machen heute ihrem Namen wieder alle Ehre.“ Heimlich vergötterte er diese Frau schon seit langem.


Sie lächelte verhalten.


„Was für einen Blödsinn habe ich denn jetzt gesprochen“, grübelte er, „nicht, dass diese tolle Frau glaubt, ich bewundere ihre schönen Berge… sprich Rundungen… obwohl, ich muss gestehen, dass diese schon sehr fantasieanregend sind. Aber eigentlich wollte ich ja nur charmant sein.“


Frau Bullock schaltete sich ein. „Gunther, Liebling, du weißt doch, dass dir die Zugluft hier am Fenster so sehr schadet. Du kriegst doch so leicht einen Pips und deinem Rheuma tut es auch nicht gut. Lass uns doch lieber nach drüben gehen.“


„Oh neeeeeeee wie peinlich!!!!!!!! Diese Frau hat ja gar keine Manieren. Wie kann sie mich nur vor Frau Schöneberger so blamieren!“


„Du übertreibst, Gerda, der Platz hier ist perfekt für uns. Setz dich hin.“ Er war verärgert.


„Na gut, Liebling, hier habe ich ein Stück Kuchen für dich, aber check erst einmal, ob du den auch vertragen kannst. Du weißt doch …..mmmh?…… dein Blutzucker?….. hast du überhaupt dein Messgerät dabei?“


Er hätte sie würgen können. Das war der absolute Gipfel der Empörung. Seine tiefsten Gefühle waren verletzt und hätte nicht der Gong die erste Runde eingeläutet, wäre er ihr sicher an die Gurgel gesprungen.


Frau Schönebergers Partnerin kam an den Tisch und Gerda holte die Boards.
Die ersten Runden verliefen unspektakulär. Gerda rollte öfter ihre Augen und so manches Mal schnalzte sie mit der Zunge. Warum sie das tat, wusste er nicht. Er fand es nur widerlich. Jede einzelne ihrer Schnalzattacken erschien ihm wie ungebändigte Peitschenhiebe, die fortwährend auf sein Hirn herniederprasselten. Hin und wieder verzog sie auch die Lippen ganz schräg. Warum hatte er diese Frau nur vor 36 Jahren geheiratet? Er horchte in die Abgründe seines Unterbewusstseins… und bekam keine Antwort.


Sein Blut wallte. Wieso schaffte sie es wieder und wieder ihn so zu provozieren? Bekanntlich sind es ja die ständigen kleinen Unzulänglichkeiten, die eine große Liebe zerstören. Bei ihr musste es sich allerdings um Heerscharen von Verhaltensverstößen handeln, sonst wäre die Auswirkung nicht so dramatisch.


„Halt, ich muss mich konzentrieren!“ Ein innerer Aufschrei rettete Herrn Bullock von seinen düsteren Gedanken. Die Gegner waren gerade dabei einen Schlemm zu reizen. 6 SA - na, sowas! Er hatte nur Luschen in der Hand. Gerda zog die Brauen hoch, das schien kein gutes Omen zu sein. Sie hatte Ausspiel. „Ach, nein! Da kommt sie doch mit dem Coeur Ass raus“ Verdammt, gerade Coeur war Gunthers schwache Farbe. Der Dummy kommt auf den Tisch…. und siehe da…. die Coeurs sind zu 6. mit dem König an der Spitze gefolgt von der Dame.


Gunther Bullock musste nach Luft schnappen. Er spürte Druck auf seiner Brust...ein Engegefühl, das ihm Angst machte. Wie nur konnte seine Frau so unbedacht sein. Für die Opponenten war der Weg zur Vertragserfüllung nun frei. Wie war das noch mit der Gurgel? „Beruhige dich, Gunther“, sprach er zu sich selbst. „Beruhige dich!“


Die Lüftungspause wurde eingeläutet. Gottseidank, denn Holland war in Not. Gunther musste seine Frau endlich auf all ihre Fehler hinweisen, denn während des Spiels würdigte sie ihn keines Blickes. Gerade wollte er seinem Seelenkummer Ausdruck verleihen… er räusperte sich… zog die Augenbrauen hoch…schob die Lippen zur Seite bis sie eindrucksvolle Grübchen formten… hob den Finger andächtig… schaute seiner Frau durchdringlich in die Augen und sprach mit ersten Ton: „GERDA, ich muss……“


„Ich weiß mein Schatz“, unterbrach sie ihn “ Du hast einen hochroten Kopf, du regst dich auf, das ist nicht gut für dich… denk doch nur an deinen hohen Blutdruck.“


Es war nicht zu fassen! Genau in dem Augenblick… in just diesem Augenblick kommt Frau Schöneberger in ihrem allesbetonenden Wollkleidchen mit Ausschnitt an ihm vorbeigerauscht. Ihre hohen Absätze unterstützten die Wogen ihres grazilen Ganges, die Hüften schwangen rhythmisch von rechts nach links und von links nach rechts… alles wippte… oben und unten…oooh, ein Blick für die Götter! Und er…er wurde von seiner Frau niedergemacht!!!! Gunther hätte in den Erdboden versinken mögen.


„Liebling, ist alles ok?“ Wie von fern hörte er diese schrille Stimme. „Du bist so blass im Gesicht und hast Schweiß auf der Stirn. Kann ich etwas für dich tun?“


Wenn sie nur wüsste, wie sehr sie mir auf die Nerven geht. Verzeih mir, lieber Gott, ich will nur noch dieses Turnier gewinnen und dann ins Bett versinken mit der Decke über dem Kopf und meine Frau nicht mehr hören müssen.
Vielleicht gönne ich mir dann noch ein oder zwei süße Gedanken zu Frau Schöneberger. Im Geiste könnte ich ja meine Lippen ganz fest auf ihren lüsternen Mund drücken und mir vorstellen wie sie…..“


Das Turnier ging weiter. Jetzt oder nie. Wollten die Bullocks noch einen der oberen Ränge belegen, mussten sie sich konzentrieren. Das nächste Blatt war ausschlaggebend.


REIZUNG………………… siehe Beiblatt


Natürlich geht der Kontrakt verloren – 4 down im Kontra und in Gefahr = 1100 Miese… Gunther ist außer sich. Gerda versucht zu beruhigen: „Herzilein“…. Also, dieses Kosewort nützt sie eigentlich nur in Krisensituationen … „ist doch nicht so schlimm…. Die Anderen hätten doch sonst einen Großschlemm gehabt.“


Ihm wird schlecht. Großschlemm sind 990 Punkte. Sie haben aber nun 1100 Miese. Das ist zu viel für sein Herzilein. Aaaahhhhh… seine Brust zieht sich zusammen… Engegefühl… Qual …. Angst … sowas kennt er gar nicht. Schmerzen bis in die Schulter, in den linken Arm und sogar bis in den Unterkiefer. Gunther sackt zusammen. Er hat keine Kraft mehr. Er flüstert: „Mir ist schlecht“ … hält sich die Brust fest. Sein Gesicht ist aschgrau, Schweißperlen rinnen ihm von der Stirn und er gleitet einfach vom Stuhl.


Zum Glück war sein Gegenspieler Herr Messmer geistesgegenwärtig und hielt ihn fest, sodass er noch sanft auf den Boden rutschen konnte. Plötzlich war der ganze Saal mobil. Jemand rief: „Das ist ein Herzinfarkt, ruft den Rettungswagen….schnell!“ Herr Messmer setzte Gunther auf, lagerte ihn mit erhöhtem Oberkörper gegen die Wand. Er lockerte seine Kleidung, nahm seinen Gürtel ab, die Krawatte auch und öffnete sein Hemd. Währenddessen ermutigte und beruhigte er Gunther. Er kannte sich aus. „Macht die Fenster auf!“ rief er den anderen zu, die alle wie ohnmächtig dumm herumstanden und das Geschehen verfolgten. Gerda schien als Einzige gefasst und sie konnte es sich nicht verkneifen zu sagen: „Siehst du, ich hab es dir doch gesagt, du sollst dich nicht so aufregen….“


Der Notarzt traf ein und dann ging alles sehr schnell. Gunther wurde per Nasensonde mit Sauerstoff versorgt, über einen venösen Zugang bekam er ein Medikament verabreicht, dann wurde er auf eine Trage gehievt und abtransportiert. Auf dem Weg zum Krankenwagen erschien plötzlich Frau Schöneberger neben ihm. Er war nicht sicher, ob sie wirklich da war, ob er träumte, oder ob er vielleicht schon gestorben war und sich gerade im Jenseits befand…..


Und sie…..ach sie….. sie war sein Engel….. Zaghaft drückte sie seine Hand, während ihr zuckersüßer, roter Mund sich zu einem Gewölbe der Zärtlichkeit verformte und ihm die Worte zuhauchte, die er nie mehr in seinem Leben vergessen wird: „Alles wird gut….. Alles, alles wird wieder gut, lieber Herr Bullock…. “ OOOOOOOOhhhhhhhhhhhh wie klang das himmlisch!

DIE EXEN VOM GRUNEWALD

 Gunthers Krankenhausaufenthalt nahm einen unkomplizierten Verlauf. Auf Station war er nur 3 Tage. Im Programm waren Kreislauf - und Blutdrucküberwachung, EKG-Monitoring sowie medikamentöse Weiterbehandlung. Er erhielt leichte Kost und ihm wurde eine sofortige Reha angeraten. Schnell ging es im besser und ehe er sich versah, befand er sich in der Reha-Klinik „Großgrauen“ in Berlin Grunewald.


Sein Zimmer war freundlich mit Blick auf den Grunewald. Er war gespannt auf seine Anwendungen und erhoffte sich ein paar nette Damenbekanntschaften von diesem Aufenthalt. Immerhin war er ja ein äußerst attraktiver Endfünfziger mit einem jungenhaften, leicht schelmischen Zauber, der das schwache Geschlecht zum Dahinschmelzen veranlasste.


Auf dem Tisch lag eine Tageszeitung. In sein Auge sprang direkt die fettgedruckte Überschrift der Titelseite: Die Exen vom Grunewald. Während er las, ergoss sich ein Schauer über seinen Rücken. Die Polizei suchte derzeit nach einem Mörder, der sein Unwesen im und um den Grunewald herum trieb. Es handelte sich hierbei um einen Schwerenöter, der den Frauen in diesem Revier reihenweise den Hof machte, eine Romanze inszenierte bis sie ihm bedingungslos verfielen und sich ihrer danach sukzessive entledigte. Seine Masche blieb dabei undurchschaubar. Manche der Frauen wurden vergiftet, andere gewürgt oder sogar in der Badewanne ertränkt. Angeblich benutzte dieser Mann ständig wechselnde Vornamen… gesehen wurde er allerdings von einigen Zeugen, die alle behaupteten, er trüge einen dunkelblauen Trenchcoat und einen sportlich-eleganten Herrenhut im klassischen Schnitt mit geflochtenem, 3-farbigen Lederband. Sein Gesicht war nur schwer zu erkennen….das Haar blieb unter dem Hut verborgen….er war von mittelgroßer, schlanker Statur und bewegte sich schnellen Schrittes vorwärts.


Gunther war starr vor Angst. Sein Fenster lag im Erdgeschoss. Wie schnell konnte so ein Mörder sich in finsterer Nacht Einlass verschaffen, durch sein Zimmer huschen um dann in aller Gemütsruhe eine Exe nach der anderen aus der Reha abmurksen. Kein Auge würde er zumachen können in dieser Klinik. Aus unerfindlichen Gründen verspürte er eine tiefe Sehnsucht nach Gerda. Er schickte ein Stoßgebet zum Himmel: „Lieber Gott, hilf mir, diese Zeit in der Reha ungeschoren zu verleben. Ich schwöre, ich werde auch keiner einzigen Frau zu nahe treten…. ich will leben…leben…leben… und auch ganz lieb zu meiner Gerda sein… bitte gib mir ein Zeichen“….


In diesem Moment öffnete sich die Tür und ein schwarzhaariges Monsterweib stieß Ihre Fäuste in die Taille und fragt: Was ist denn hier los? Mit wem unterhalten Sie sich denn da? „Huch“… Gunther zuckte vor lauter Schreck zusammen…“Ich dachte, Sie wären der Mörder vom Grunewald.“ Nun mach dir mal nicht in die Hose, Kleiner. Ich bin die gute Schwester Rabiata ….dein Schutzengel. Wenn ich in der Nähe bin, dann wagt sich kein Mörder in dein Zimmer...drück nur hier aufs Knöpfchen und ich komme zur Rettung, alles klar?“


Die erste Nacht verlief ruhig, obwohl Gunther immer wieder in Panik aufwachte, sobald sich die Gardinen leicht im Wind bewegten… und jedes Mal verkroch er sich schutzsuchend unter seiner Bettdecke…. „Joseph und Maria steht mir bei“!


Bereits vor dem Frühstück sah er seinen Schutzengel wieder. Er brauchte nicht mal aufs Knöpfchen zu drücken. Da stand sie in all ihrer bedrohlichen Pracht… diese von Gott gesandte Schwester…. und las ihm die Leviten. „Bullock… ab heute nur gesunde Kost, viel frische Luft, Atemtherapie, Physiotherapie, Meditation, Gesprächskreis. Keine Aufregung...keine Zigaretten...keinen Alkohol...keinen Sex... kein Bridge...Basta“. Schon war sie wieder verschwunden. Irgendwie war sie ihm unheimlich.


Haferschleim und Kamillentee gab es für ihn. Direkt danach kaufte er die Grunewald-News im Bücherladen. Hat der Mörder wieder zugeschlagen? Zwei Exen hatten sich bei der Polizei gemeldet um Einzelheiten über die Vorgehensweise des Täters zu enthüllen. Außerdem baten sie um Polizeischutz und eine neue Identität, da sie ja potentielle Opfer waren. Die Polizei berichtete von geheimen Aktionen, es gab neue Hinweise zum Fall. Der Grunewald war angeblich bei Tag und Nacht von militärischen Kampftruppen überwacht.


Gunther machte sich auf den Weg zur Physiotherapie. Da wartete noch so eine Horrorfigur auf ihn... Paul Hanke, ein Kleiderschrank von 2,02 m, kräftig und mit riesigen Wurstfingern. „Sicherlich ist der in der Lage, mich wie eine Fliege zu zerquetschen“ ging es Gunther durch den Kopf.


„Na, Kumpel... noch mal von der Schippe gesprungen“? grinst der Riese… „was ist denn passiert“? Gunther erzählt vom Bridgeturnier. „Ja, ja, diese Weiber, die können einem schon die letzte Kraft rauben. Wie war denn die Reizung?“


Während der Riese fragte, drückte und verbog er Gunthers Glieder… merkwürdigerweise ziemlich einfühlsam und geschmeidig. „Guck mal an“ denkt Gunther „wir Männer gehören doch eher zum schwachen Geschlecht“. Paul war ihm direkt sympathisch und es dauerte nicht lange, bis beide erkannten, dass sich hier zwei leidenschaftliche Bridgespieler gefunden hatten.


Kurz bevor die Therapiestunde endete, blitzten Pauls Augen auf: „ich kenne noch zwei Patienten, die Turniere spielen und im Keller gibt es einen ungenutzten Raum mit Tisch und Stühlen….mehr darf ich dazu nicht sagen….weißt du….sonst kriege ich Ärger. Versuchen wir´s mal so...kennst du den Club der toten Dichter? Stell dir mal vor...im Tiefgeschoss direkt hinter der Treppe … in dem kleinen, unbenutzten Raum ….. da würden sich die vom Club heute Nacht um 22.00 Uhr treffen...nur mal angenommen...das wäre doch interessant …. oder? „ja“ sagte Gunther „ das wäre wahrlich sehr interessant... ich würde kommen“. „Wirklich? Na dann, bis später… Merk dir noch das Passwort: „Oh Captain, mein Captain“.


Gunther konnte kaum abwarten bis der Tag vorbei war. Schwester Rabitata stattete ihm mehrere unaufgeforderte Besuche ab, um zu sehen, ob er noch nicht umgebracht worden war. Dabei nahm sie einmal Blut ab, verabreichte ihm ein paar Blutgerinnungshemmer, checkte seinen Blutdruck und ermahnte ihn immer wieder, nicht zu naschen, nicht zu rauchen schön das Bettchen zu hüten und auf keinen Fall Bridge zu spielen.
Ihre Worte gingen ihm durch und durch.


Kurz nach 21.30 Uhr war es totenstill in der Klinik. Alles schien zu schlafen. Er hatte noch 25 Minuten bevor er sich zum Club aufmachte. Seine Gedanken kreisten um Schwester Rabiata. Zum Glück war sie nicht mehr im Einsatz. Bestimmt hätte sie ihn schon beim Gedanken ans Bridgespielen erwischt… sie war so scharf und schroff wie eine Rasierklinge. Aber … auf der anderen Seite, fühlte er sich mit ihr tatsächlich sicher, wenn es um den Exen-Mörder ging. Jetzt musste er allein durch die leeren Gänge. Was wenn er plötzlich vor ihm stand. Natürlich würde er laut schreien…. doch wenn vor Schreck sein Stimme versagte? Was dann? …. Treten…. er musste ihn treten… oder vielleicht springen… ungebändigt hin und her springen, sodass er ihn nicht fassen konnte… und sich dann mit Anlauf auf den glattpolierten Boden werfen, um Vorsprung zu gewinnen, bevor er eilig weglaufen konnte. Das schien ein guter Plan. Etwas beruhigter machte er sich auf ins Tiefgeschoss.


Die Tür hinter der Treppe war verschlossen. Klopf…klopf…“Oh Captain, mein Captain“… es wurde geöffnet. Die anderen Mitspielen waren schon da und saßen bei Kerzenschein am runden Tisch. Paul wollte das Licht nicht einschalten…. Vorsichtsmaßnahme! Schnell wurden die Karten gemischt und verteilt. Der Abend verging wie im Fluge. Die Mischung aus Angst und Entzücken war für Gunther irgendwie faszinierend. Klar war er am nächsten Tag wieder mit dabei. Der Termin stand.


Nichts Neues vom Exen-Killer. In der Klinik machte sich allerdings eine merkwürdige Stimmung breit. Alle Frauen schlossen sich zu Gruppen zusammen und unterhielten ein sogenanntes Sicherheits-Nachrichtensystem über Handy und Notebook. Ein paar von ihnen hatten auch schon mal ein Techtelmechtel im Grunewald und befürchteten das Schlimmste. Um allen Gefahren vorzubeugen, hatten die Gruppenführerinnen außerdem ein striktes Männerverbot verhängt. Die Atmosphäre in der Großgrauen-Klinik war eiskalt.


Schwester Rabiata wunderte sich über Gunthers innere Ausgeglichenheit. Irgendwas war hier im Busch. Sie stellte ihrem Patienten trickreiche Fragen, doch sie erhielt keine zufriedenstellenden Antworten. Sie würde ihn observieren müssen. Zusammen mit einer ihr untertanen, jungen Pflegerin verfolgten sie Gunther heimlich auf Schritt und Tritt. Bis zum Feierabend ergab sich jedoch nichts Ungewöhnliches. Vielleicht würde sie heute mal einen kleinen Nachtbesuch auf der Station einlegen, um den Dingen gründlichst auf die Spur zu kommen.


„Oh Captain, mein Captain“ es war wieder soweit. Spannung lag in der Luft. Die Hände waren heute besonders rasant. Alle 4 Spieler waren in ihrem Element. Gunther auf NORD hatte einen Zweifärber….. Eröffnung Stopp 2 Pik……
Währenddessen machte Schwester Rabiata ihren Zimmercheck. Gunthers Bett war leer. Alarm… Die gesamte Station wurde abgesucht…. kein Gunther. Eine verschüchterte Nachtwache bemerkte: „ nicht, dass Gunther der Exen-Mörder ist, ich habe solche Angst“. In Rabiatas Gehirn tickte es: „Ich habe keinen Trenchcoat und auch keinen Hut gesehen… kein Gift und auch keinen Würgeschal.“ Aber er benimmt sich schon sehr merkwürdig. Erst macht er einen auf unschuldig und dann schlägt er zu. Dieser gemeine Lump! Den knöpf ich mir vor. Schnell wählte sie die Nummer der Polizei. Ich glaube, wir haben den Exen-Mörder hier in der Klinik. Kommen Sie schnell“


Nach Gunthers 2 Pik erhöhte Paul auf 4 Pik. Die Hände der beiden passten perfekt zusammen. Ausspiel war Karo 5. Ein versuchter Schnitt misslang… Gunther überlegte, wie er den Kontrakt noch retten konnte. Paul hörte Geräusche von draußen und war auf der Hut. „Raus hier flüsterte er verzweifelt ….da kommt jemand.“ Immer auf das Schlimmste vorbereitet, hatte Paul bereits vorher das Fenster zum Garten einfach angelehnt…. husch auf den Stuhl und durch die Luke quetschen, galt es. Paul war weg…. die beiden anderen Spieler folgten….Gunther dachte noch über den nächsten Zug nach, als die Tür mit Gewalt aufgestoßen wurde. “ Hände hoch…POLIZEI!“ Die Handschellen klickten… Gerne hätte er noch schnell gezeigt, dass er den Vertrag gewinnen kann. Ärgerlich! Was wollten die überhaupt von ihm? Ein Spind in der Ecke des Raumes wurde aufgebrochen … und zum Vorschein kamen… ein dunkelblauer Trenchcoat und eine sportlich-eleganter Herrenhut im klassischen Schnitt mit geflochtenem, 3-farbigen Lederband, eine Dose Rattengift und ein Würgeschal. „Gunther ahnte Böses…. die würden ihm doch wohl nicht all die Morde in die Schuhe schieben… „Oh Gott ….ich brauche meine Gerda… sofort!“


„Sind Sie der Exen-Mörder?“ fragte ein Beamter. „Ich muss erst mit meiner Gerda sprechen“….. stotterte Gunther. „Nichts ohne meine Gerda.“ Die Spurensicherung traf ein…. Gunthers Fingerabdrücke wurden verewigt… eine kalte Gefängniszelle diente als sein neues Nachtquartier.


Gerda reiste unverzüglich an….Sie wirbelte die Beamten durcheinander und brachte sie dazu, ihre Untersuchungen auf das komplette Klinikgelände auszubreiten „und das mal zackig“…. wie sie sagte. Dabei wurde schließlich der eigene Gärtner als Mörder entlarvt. Paul war ihm auf seiner Flucht direkt in die Arme gelaufen… dies erzählte er bei seiner Vernehmung am Tage darauf der Polizei. Seine Fingerabdrücke waren mit denen auf der Exen-Mörder-Kleidung identisch und er war nach anfänglichem Zögern schließlich auch geständig.


Alle Patienten waren glücklich. Schwester Rabiata wurde wegen ihrer allumfassenden Aufmerksamkeit und ihrer furchtlosen Eisatzbereitschaft zur Oberschwester erkoren. Die Frauengruppen lösten sich auf und schlossen innigste Freundschaft mit den Herrengruppen. Paul wurde gelobt und gefeiert, denn durch ihn wurde der Unhold entlarvt. Und Gunther und Gerda waren verliebt wie noch nie ihn ihrem Leben….

VALENTINSTAG

 Die Dinge liefen wieder gut zwischen dem Ehepaar Bullock. Nach der Verhaftung im Grunewald hielten beide fest zusammen. Sie besuchten sogar die Oper gemeinsam und gingen hin und wieder mal shoppen. Da Gunther auf Schonkost war und um etliche Pfunde leichter, brauchte er ein paar neue Klamotten. Gerda suchte alles für ihn aus. Sie wollte angeben mit ihrem neuen Mann an der Seite und sorgte für extravagante Designs und ausgefallene Farben. Gunther genoss diesen Komfort, er brauchte sich um nichts zu kümmern und verließ sich ganz auf Gerdas Geschmack. Im Bridgeclub machte man ihm ständig Komplimente. Allen fiel auf, dass er immer jünger und eleganter wirkte.


Gerda hatte neulich von einem „Wunderseminar“ gehört. In einem Wochenend-Crashkurs konnte man die Kunst des „Ultimativen Glücklichseins“ erlernen. Schritt für Schritt wurde den vom Meister persönlich ausgewählten Jüngern (so nannte er seine Kursteilnehmer) der spirituelle Durchbruch zur immerwährenden Lebensfreude aufgezeigt… bis hin zur kosmischen Erleuchtung. Im Verhältnis war dieser Workshop sehr preisgünstig… schließlich bekommt man für 535.00 Euro nicht so ohne weiteres einen Zutritt in die erhabenen Ebenen der Bewusstseinserweiterung. Zudem würde nicht nur sie selbst, sondern ganz besonders Gunther davon profitieren. Bedachte man den Preis dann erneut, waren es ja nur noch 267,50 pro Person. Also…. ein Schnäppchen!


Schwupps meldete sie sich an. Der große Guru hatte sie als einen seiner Jünger auserkoren und zum Seminar eingeladen. Welche Erleichterung! Gunther würde sie vorerst nichts davon erzählen. Sie wollte ihn nach dem Seminar mit all ihren neuerworbenen Energien überschütten und ihn somit zu seinem ersten spirituellen Höhepunkt bringen.
Der Guru… mit dem Namen „Wibschagulu“ begrüßte seine Jünger mit gefalteten Händen und einem Tashi Delek…. einem tibetanischen Gruß. Der Mann wirkte einfach souverän und Gerda spürte, wie eine unerschöpfliche Kraft durch ihn strömte.


Nach der Begrüßungszeremonie vergab der Schamane jedem Kursteilnehmer einen spirituellen Namen, eine neue Seelenidentität, um die eigenen Energien durch einen inneren Urton zum göttlichen Ausdruck zu erheben. Für jeden einzelnen eine Aufforderung, sein höchstes Bewusstsein zu entwickeln und nach dem vollkommenen Schicksal zu streben. Gerda bekam den Namen: „Zikibala“. Er gefiel ihr sehr gut und sie spürte sich bereits erhaben.


Danach gab es einen Blick in die eigenen irdischen Abgründe… das Karma wurde aufpoliert ….die Energiekörper in Schwung gebracht…. die Sinnhaftigkeit des Seins wurde analysiert…. zentrale Lebensfragen ergründet….die Intuition gesteigert… Urvertrauen gefestigt…die Verwandlung zur unbegrenzten Liebe vollzogen. Zum Schluss waren alle Jünger nur noch Bewusstsein ohne Gedanken und schwebten in sakralen Sphären und erlebten die totale Befreiung des Gewahrseins.


Dieses Seminar hatte sich wirklich gelohnt. Mit der Berührung des Geistesfunken im Herzen kehrte Zikibala heim. Sie fühlte einen Heiligenschein über ihrem Haupte und wusste, sie hatte die Wiedervereinigung mit dem Göttlichen erlebt.


Am folgenden Samstag gab es Valentinsbridge im Club. Gunther wollte unbedingt hin… Gerda stimmte sich auf Liebesfrequenz ein und begleitete ihn. Vorher hatte sie noch ein paar Kleinigkeiten für ein romantisches Après-Bridge vorbereitet.


Gunthers Augen suchten direkt nach Frau Schöneberger. Wo war sie denn nur? Wurde sie etwa von einem Geliebten ausgeführt an diesem Valentinstag? Seine Stimmung sank. Es war so trostlos ohne sie. Selbst die Bridgehände waren langweilig. Selten nur hatte er ein Vollspiel. Einzig Gerdas Blicke glänzten ihn verzückt an und er wunderte sich warum. Heute gab es nichts, worüber man sich hätte freuen können. Doch dann kam sie… die Traumhand 28 Punkte in der eigenen Hand…hatte er das jemals schon erlebt? Hoffentlich reagiert Gerda entsprechend. Sie war mit ihrer Euphorie heute irgendwie im Nirwana und nicht so ganz bei der Sache.


Reizung…………………………


Sie hatten es geschafft. 6 Treff war der Kontrakt. Gerda spielte. „Lieber Gott…mach, dass sie den Vertrag nach Hause bringt!“


Tatsächlich gelang ihr der große Coup. Vor Freude war sie kaum noch zu bändigen. Auch Gunther war tief berührt… bis er das Score-Board der anderen Spieler sah. Alle hatten einen Überstich gemacht. Umgehend brachte er seine Enttäuschung zum Ausdruck. Die Auswertung des Turniers wollte er gar nicht mehr abwarten. Sofortige Heimkehr war angesagt.


Gerda war verzweifelt. Doch sicherlich war der Abend noch nicht verloren. Die kleinen Liebesbekundungen zuhause würden ihn schon wieder erheitern. Sie nutzte die Zeit, während er den Wagen in die Garage fuhr und zündete die Kerzen fürs Candlelight Dinner an. Romantik pur! Das Hors d’œuvre war angerichtet und die Rosenblätter auf dem Tisch enthüllten ihren aphrodisischen Duft. Zwei rote Liebesschlösser mit Namensgravur lagen innig vereint in der Mitte des Tisches. Die Stimme von Rod Steward klang zärtlich aus dem CD-Player: „Have I told you lately that I love you“…


Gunther kam durch die Tür. „Was ist denn hier los?“


„Aber Liebling, es ist Valentinstag!“


„Haben wir den jemals gefeiert“? fragte er schroff.


„Wir sollten ihn wieder feiern, Liebling, nach all dem, was wir neulich durchgemacht haben.“


„Mir ist wirklich nicht danach. Ich will jetzt erst noch mal das Abspiel unserer letzten Bridgehand analysieren.“ Und ehe sich Gerda versah, verschwand er in sein Büro.


Gerda blies die Kerzen aus. Den Braten fürs Candlelight Dinner stellte sie für den nächsten Tag in den Kühlschrank; die Rosenblätter und die Liebesschlösser schmiss sie wütend in den Abfalleimer; den CD-Player schaltete sie ab und die KamaSutra auf Gunthers Nachttisch schlug sie voller Verachtung zu und schlüpfte frustriert unter ihre Bettdecke.

KARNEVAL

Noch lange hielt die Enttäuschung der Valentinsnacht an. Allerdings hatte Gunther bisher davon nichts mitbekommen. Ihm gingen ganz andere Dinge durch den Kopf. Karneval stand bei ihm ganz oben auf der Liste. In der Bridgezeitung hatte er etwas über ein mystisches Bridgespiel am Rosenmontag gelesen. Bohèmian Masquerade-Bridge in gepflegter Abendgarderobe mit vielen Specials, einem 5-Gänge-Menü und anschließender Party auf dem Dancefloor. Das Tragen einer stilvollen Maske war Pflicht… Gunther konnte also „Inkognito“ erscheinen. Er buchte gleich das volle Paket einschließlich der Abholung durch eine Limousine. Als Alibi für diese intrigante Nacht, erzählte er Gerda von einem Besuch bei seiner Großtante Adelheid, die sich angeblich in Schmerzen krümmte und Verlangen nach seiner Gesellschaft hatte. Da Gerda mit der Großtante auf Kriegsfuß lag, war nicht zu befürchten, dass sie ihn begleiten wollte. Ohnehin hatte sie sich mit einigen Bridgefreundinnen zu einem privaten Spielchen verabredet. Die Luft war also rein.


Am Rosenmontag schlich sich eine nervöse Anspannung durch Gunthers Gemüt. Zum Glück war Gerda so sehr mit sich selbst beschäftigt, dass sie davon nichts mitbekam. Sie verließ ihn schon am späten Nachmittag, somit hatte er genügend Zeit, um den neuen Smoking, die glattpolierten Schuhe aus feinstem Lackleder und seine silberne Seidenfliege anzulegen. Als Maske für den besonderen Anlass hatte er einen Silberfuchs gewählt. Darin wirkte er sehr distinguiert und interessant. Er war total mit sich zufrieden.


Ein Hauch von Dunkelheit lag über Spitzbeuren.. Gunthers Heimatort… als das Telefon klingelt. Eine Robotstimme befahl ihm, sich nach draußen zu begeben und verkündete sein Passwort für den Maskenball: „Rote Rose“. Die Limousine stand bereit und nach Abruf seines Passworts, öffnet der Chauffeur ihm stillschweigend die Tür zur VIP-Lounge, wo der Barmann schon an der eingebauten Cocktailbar auf ihn wartete. Ein bekömmlicher Jack Daniels beruhigte Gunthers ausufernde Emotionen. Das zweite und dritte Gläschen brachten ihn wieder zu sich selbst. Nach einer etwa 35-minütigen Fahrt wurde er an einem großräumigen Wasserschloss des Spätbarocks mit ausgedehntem Landschaftspark und Herrenhaus abgesetzt. Nach Überprüfung seines Namens auf der Gästeliste wurde er an eine hübsche Hostess übergeben, die ihm ein Namensschild an sein Spitze Reverse vom Smoking heftete: „Silberfuchs“. Dann wurde er dem fürstlichen Ambiente des Schlosshofs übergeben. Er erhielt ein Glas Champagner, Fastfood und Trüffelspezialitäten von einer namhaften Schweizer Confiserie. Ein Lautsprecher präsentierte ein einzigartiges Potpourri aus Ballroom Sounds, Swing und Chansons. Gunther ergab sich dem Flair dieser ereignisreichen Nacht. Pünktlich zum Spielbeginn eröffnete man den Bridgesaal. Die Gäste wurden auf drei golden-glitzernde, barocke Salons aufgeteilt. Er wurde auf WEST platziert… sein Partner war „der Joker“. Die Dame auf NORD schien eine etwas ältere Dame mit einer filigranen Maske aus Federschmuck zu sein „Ordelia“… und auf SÜD setzte sich „das Phantom der Oper“. Man begrüßte sich karg und schon begann das Spiel.


Gunther war hingerissen von den offenbarenden Reizen vieler Spielerinnen und mitunter war er gar nicht so richtig auf sein Karten konzentriert. Eigentlich freute er sich schon auf die Mitternachtsparty und schwebte in Gedanken bereits mit der einen oder anderen Kurtisane im Tangoschritt über die Tanzfläche. Gerade waren 3 fesche Kolumbinen an seinem Tisch. Jetzt musste er zeigen, was für ein toller Silberfuchs er war. Sein Glück verließ ihn nicht. Er hatte Eröffnung…16 Punkte… ausgeglichene Hand…1SA. Seine Gegnerin…NORD… stört die Reizung mit 2 Coeur…
Das Spiel war gewonnen. Seine Partnerin schmetterte ihm als Dank ein Handküsschen zu. Entzückend!


Noch ein Board…eher uninteressant… danach folgte das 5-Gänge-Menü. Man plauderte und lachte. Der Champagner floss in Strömen. Die Stimmung war gelockert. Hier und da flirtete er mit einer Amazone, einer verschmusten Katze oder einem zarten Täubchen. Perfektes Szenario.


Exakt um Mitternacht wurde der Dancefloor für alle zugänglich gemacht. Man begann mit einer Damenwahl. Hmmmmm… wie gut war das denn! Inka forderte ihn zum Tanze auf ….ein heißes Ewas mit vielen Federn und sprühendem Charme. Gunthers Hüften zirkelten im Rhythmus. Er fühlte sich wie „Elvis the Pelvis“. Vor allem konnte er sich ja hier gehen lassen….niemand kannte ihn…hemmungslos tanzte er, was das Zeug hielt. Nach der 2. Salsa-Einlage war ihm jedoch ein wenig schwummerig zumute. Er erinnerte sich an seinen Herzanfall…. und verabschiedete sich standesgemäß von der jungen Dame.


Bei seiner Rückkehr vom Erfrischungsraum, erfassten seine Augen ein paar sinnliche Rundungen, die sich geschmeidig im Takte der Melodie bewegten. Oijoijoi … das gefällt mir aber… schmunzelte er so vor sich hin. Und wie von selbst schoben sich seine Hüften zum Objekt der Begierde vor und stießen mit süßer Wucht gegen die ihren. Sie war empfänglich. Ihr Name war „ Zikibala“…wie bemerkenswert! Nach venezianischer Fasson fasste er ihre… in goldene Handschühchen gehüllten Hände… und entführte sie in den beheizten Pavillon und versprach, ihre höchsten Ansprüche für die Nacht zu erfüllen. Es knisterte zwischen den beiden. Im Park eröffnete man ein glamouröses Feuerwerk. Es hätte keine bessere Inszenierung für ein trautes Tête-à-Tête geben können. In Gunther erwachten tief-vergrabene Sehnsüchte. Unter dem Auflodern ungebändigter Begierde ergriff er ihre schmeichelhafte Taille, schmiegte die Schöne eng an sich und verzauberte sie mit einem einfühlsamen langsamen Walzer. Zikibala schmolz dahin wie Wachs in seinen Händen. Jeglicher Widerstand war verloren….unter ihrer Maske rollte eine Träne des Glücks.


„Bist du verheiratet“? fragte sie plötzlich… Gunther antwortete geistesgegenwärtig: “Nein, ich bin schon lange geschieden….alleinstehend sozusagen. Und du?“


„Mein Mann ist über Nacht bei seiner Großtante. Sie ist sehr krank und er leistet ihr etwas Gesellschaft, dann fühlt sie sich besser. Er ist erst morgen wieder zurück. Die Nacht kann uns gehören, wenn du willst“.


Das war wie ein Schlag in Gunthers Magen. Er lehnte sich sacht in die Beuge seines Sessels und unterzog Zikibala einer genaueren Überprüfung. „Das klingt gut“, sagte er geistesabwesend. Die Rundungen….die Stimme ….die Gangart….der Geruch….nicht zu fassen! Das war Gerda! Was hatte ihn nur so verblendet. „SCHNELL weg hier…aber ganz schnell“ schoss es ihm durch den Kopf. Sie darf mich nicht erkennen. „Entschuldige mich für einen Augenblick“, hauchte er Zikibala zu „ich bin gleich zurück“ ….und schon war er verschwunden…auf Nimmerwiedersehen.


Ein Taxi brachte ihn auf direktem Wege nach Hause… während Zikibala noch etwa 2 Stunden auf seine Rückkehr wartete. Bevor sie die Heimfahrt antrat, trocknete sie zum unzähligen Male ihre wässrigen Augen… die erfüllt waren mit den bitteren Tränen der Enttäuschung.

 

 

DER GEBURTSTAG

Noch lange nach dieser mystischen Nacht, war Gerda extrem melancholisch. Gunther versuchte geschickt dem Dunstkreis ihrer Schwermut zu entfliehen und widmete sich einem neuen Hobby, der Rosenzucht. Da er Gerda gegenüber irgendwie ein schlechtes Gewissen hatte, überzeugte er sie davon, dass er es nur für sie tat und dass er seine erste eigene Rose nach ihr benennen würde. Schließlich lag ihm viel daran, sie wieder glücklich zu machen. Gerda war gerührt.


Auf ging es zum Gartencenter. Er fand ein Buch über die Kunst der Rosenzucht und vertiefte sich an Ort und Stelle in die darin beschriebenen Grundtechniken zu den modernsten Zuchtverfahren.


Ein außerirdischer Duft strömte in seine Nase. Etwas Bekanntes, tief Vertrautes, Wohliges, Sinnliches, das sein Herz wie wild schlagen ließ. Er hob seine Blick und… wowwww… das war ja Frau Schöneberger. Sicherlich hatte sie ihn nicht bemerkt. Sie wippte an ihm vorbei und steuert geradewegs auf die schönste aller Rosen zu „der Black Magic“. Verzückt nahm sie diese in ihre zarten Fingerchen und führte ihre wohlgeformten Nüstern ins Herz der Blüten um einen leidenschaftlichen Zug des gehobenen Odeurs tief in ihr Näschen einzuatmen. Was für ein Anblick! Ihr anmutiges Popöchen stupste sie dabei andächtig nach hinten und die Einschnittspuren in ihrem Dekolleté ließen ihre Begierde erweckenden, weiblichen Formen so richtig zur Geltung kommen.


„Hallöchen“ …so näherte er sich ihr zaghaft. „Tolle Rose!“


„Oh ja, ich liebe sie einfach. Für mich ist es die schönste Rose auf der ganzen Welt“.


„War das ein Wink des Himmels“? fragte sich Gunther. Sofort war er wild drauf diese Rose zu züchten.


„Ich gehöre neuerdings zum Verband der Rosenfreunde“ beteuerte er „und ich hatte mich schon mit dem Gedanken getragen, die Black Magic durch veredelte Zucht-Raffinessen mit einem goldenen Samtschimmer zu belegen. Etwas noch nie Dagewesenes. Gerne würde ich diese Rose nach ihnen benennen, Frau Schöneberger. Würde ihnen das gefallen“?


„Aber Herr Bullock, das kann ich wirklich nicht annehmen. Sie sollten diese Rose lieber Gerda nennen“.
„Für Gerda werde ich eine andere Rose kreieren … eher etwas Pompöses mit grellen Farben“. „Darf ich sie auf ein Tässchen Rosentee im Wintergarten einladen?“


„Wie süß von Ihnen, Herr Bullock, doch ich bin in 10 Minuten mit meiner Nageldesignerin verabredet. Gerne ein anderes Mal…Tschaui“.


Nur ungern ließ er die hübsche Betty gehen. Kaufte jedoch an Ort und Stelle ein Buch über die Wunderwirkung der Black Magic und beschäftigte sich fortan mit der Vervollkommnung und Kultivierung derselben.


Gerda plante unterdessen Gunthers 60. Geburtstag. Im Bridgeclub grübelte sie mit den anderen Frauen über eine besondere Partyeinlage. Jemand erwähnte den Sprung einer Bauchtänzerin aus einer Riesentorte. Das wäre der GAG! Die Witwe Müller-Falkenstein hatte gehört, dass Frau Schöneberger an einem Kurs für orientalische Tänze teilnahm. Sie wäre die perfekte Tortenbesetzung. Nach anfänglichen Bedenken stimmte Gerda zu. Was konnte schon passieren… in der Anwesenheit aller Clubteilnehmer würde sich ihr Gunther schon gesittet benehmen. Außerdem machten ihr seine außerhäuslichen Gebärden beim anderen Geschlecht keine Kopfzerbrechen mehr. Derzeitig war sie noch viel zu sehr mit ihren ausschweifenden Fantasien über ein heimliches Stelldichein mit Silberfuchs beschäftigt.


Frau Schöneberger war zu allen Schandtaten bereit. Am Samstag, dem 21. März wurde der Bridgesaal rechtzeitig vor Spielbeginn feierlich geschmückt. Gunther blieb ahnungslos… suchte sich jedoch zum Anlass seines Geburtstages ein kesses Outfit. Unter anderem hatte er von Gerda am Morgen einen Pullover aus reiner Schurwolle geschenkt bekommen …olivfarben…von Joop. Ein Prachtstück! Dazu wählte er eine elegante, hochwertig verarbeitete Anzughose … ebenfalls aus reiner Schurwolle mit dezentem Karo… von Hugo Boss. Damit stand einem stilsicheren Auftritt im Bridgeclub nichts mehr im Wege. Leider gab es kein Knopfloch für eine „Black Magic“. Zu gern hätte er Frau Schöneberger auf diese Weise einen kleinen Hinweis auf seine innige Verehrung gegeben.


Heute war der Club gut besucht. Alle Vereinsmitglieder wollten Gunthers 60-jährigen Geburtstag mitfeiern. Zur Begrüßung gab es für jeden Spieler ein Glas Sekt und als Gunther das Vereinshaus betrat, wurde ihm ein Ständchen dargebracht: „Happy Birthday to you… “ Gunther fühlte sich geschmeichelt. Man übergab ihm einen Gutschein aus der Parfümerie und verwies auf ein nettes Beisammensein im Anschluss an das Turnier.


Enttäuschenderweise waren die Boards ziemlich langweilig… bis auf eine Reizung: Gerda auf SÜD eröffnete 1 Karo – Pass von West – Gunther mit seinen 9 Punkten und einem 5er Coeur antwortete: 1 Coeur – Gerda: Stopp 2 SA Sie musste also 18/19 Punkte haben.


Reizung geht weiter………………..


Gerda spielte ausgezeichnet. Das war das beste Geburtstagsgeschenk für Gunther. Mit sich selbst zufrieden, half er beim Aufräumen der Boards und beobachtete, wie die einzelnen Spieler wie die Heinzelmännchen in den großen Festsaal verschwanden. Üblicherweise wurde dieser nur für besondere Anlässe geöffnet. Vielleicht hatte man da ja etwas für ihn speziell vorbereitet.


„Dada“…die Türe öffnete sich … „Zum Geburtstag viel Glück“….klang aus dem CD-Player. Eine Fülle selbstzubereiteter Speisen… eine kulinarisches Melange von pikanten Spezialitäten und originellen Desserts bis hin zu weißen und schwarzen Trüffeln sorgten für Aufsehen. Und da war noch diese Riesentorte in der Mitte des Saales. Was hatte es nur damit auf sich?


Herr Messmer hielt zum Auftakt der nun folgenden Feier eine beeindruckende Rede. Mit rhetorisch Überzeugung und gezielter Sprechgeschwindigkeit lobhudelte er Gunthers Einsatz beim Bridge, erklärte ihn als einen begnadeten Spieler und als eine äußerst angenehme und interessante Persönlichkeit, auf die man im Verein niemals freiwillig verzichten wollte. Danach machte er auf die Riesentorte aufmerksam und bewegte Gunther dazu, die oberste Schicht sachte anzuheben.


Voller Spannung näherte sich Gunther seiner Geburtstagsüberraschung. Im schwante Merkwürdiges. Ist darin vielleicht eine Stripperin versteckt? Wie sollte er sich nur verhalten? In Gerdas Gegenwart durfte er nicht zu viel Freude erkennen lassen. In einem privaten Rahmen… so nur unter Männern… wäre das allerdings ein willkommenes Geschenk.


„Lass es einfach auf dich zukommen“, flüsterte er sich selbst zu „es kommt, wie es kommt“ und schon hob er den Deckel der Torte an.


Er staunte nicht schlecht, als seine angebetete Frau Schöneberger in einem Bauchtanzkostüm aus der Torte hüpfte. Ihr Körper zuckte und bebte und es schien, als wollte sie mit ihren Bewegungen eine Geschichte erzählen. Gunther begann zu träumen… er befand sich gerade in einem Märchen von 1001 Nacht. Bettys Arme wollten ihn an sich reißen, sie schwangen auf ihn zu und sanft wieder zurück, fast wie der verführerische Lockruf Evas bevor sie Adam in den Apfel beißen ließ. Ihr Büstenhalter war verziert mit zahlreichen Applikationen aus Perlen, Fransen und Pailletten, die erotisch auf ihrer feinporigen Haut hin und her baumelten. Ihr gelbes Satinröckchen schlug haltlose Wellen in denen Gunther am liebsten versunken wäre. Und dann noch ihr fester Bauch mit dem glitzernden Nabelbrillanten… oh… wie zuckte der aufregend zum Takt der Melodie. Und das Becken… meine Güte…sowas Hemmungloses hatte er noch nie zuvor beobachtet… rotierendes Auf- und Abkippen der Pomuskulatur … dann plötzlich riss sie ihre Arme auseinander und schüttelte die Brüste. Es war eine wahre Wonne. Gunther war wie in Trance. Er vergaß seine Schüchternheit und fühlte nur noch das starke Verlangen, mit den gleichen Bewegungen auf sie zuzutanzen. Den coolen Hüftschwung hatte er ja drauf. Er breitete die Arme aus, schleuderte seine Pelvis wie Elvis und …fiel über das Lautsprecherkabel zu Boden… direkt mit der Nase vor seiner geliebten Betty.


Der Saal lachte. Die Überraschung war vorbei… und Gunther fühlte sich blamiert. Auf seiner Nase war nun ein dicker Bluterguss. Frau Schöneberger holte ihm ein Pflaster aus der Erste-Hilfe-Box und klebte es ihm mit ein paar tröstenden Worten auf sein Näschen.


Gerda meinte nur: „Ja Liebling, jeder kriegt, was er verdient“!
 

OSTERN IN WOLLEBÜTTEL

 Über Gunthers Bauchplatscher wurde im Club noch lange gelacht. Mittlerweilen betrachtete er diesen Vorfall selbst als gelungenen Höhepunkt zum Geburtstag, zumal die Atmosphäre im Club anschließend sehr locker und heiter war. Selbst Frau Schöneberger bemerkte: „Gunther, das fand ich ja ganz süß wie, Sie versucht haben, mir entgegen zu tanzen. Bestimmt hätte das kein anderer gewagt. Ich bewundere Sie Gunther“. Und das tat wahrlich gut.


Was die Rosen betraf, so hatte er eine Menge zu bedenken. Zuerst einmal brauchte er den richtigen Boden, ein Gemisch aus Ton, Humus, Sand und Steinen, eine Bodentiefe von mind. 60 cm und selbst der pH-Wert musste stimmen. Ausreichend Dünger mit Stickstoff, Kalium, Phosphor, Kalzium und Spurenelementen. Die Rosen verlangten einen sonnigen Platz … jedoch ohne brennende Sonne… und nicht im Schatten von Bäumen oder Mauerwerk. Uff… na dann… für die Black Magic war ihm keine Anstrengung zu viel. Als Immobilienmakler konnte er sich seine Zeit so ziemlich frei einteilen und nutzte den Frühlingsanfang für die notwendigen Vorbereitungen. Jedes Mal wenn er im Garten buddelte, stellte er sich die Black Magic vor, wie sie sich aus dem Boden empor hob und nach und nach die Formen von Frau Schöneberger annahm.


Eines Nachts, kurz vor dem Osterfest, hatte Gunther einen schrecklichen Alptraum. Er sah den Osterhasen mit schlappen Ohren und struppigem Fell eingesperrt in einem Zug aus aneinandergereihten Käfigen mit Gitterstäben. Er war nackt… sein Körbchen mit den schönen, bunten Ostereiern war verloren und er saß zitternd und unglücklich in seinem Zwinger. Der Zug stockte… eine unsagbare Panik ergriff ihn. Plötzlich löste sich sein Käfig und glitt in rasendem Tempo einen Abhang hinunter. Er stieß einen grellen Hilferuf von sich, versuchte sich an den Gitterstäben festzuhalten, doch seine Pfoten schlugen nur wie wild um sich. Er hatte total die Kontrolle verloren. Schweißgebadet wachte Gunther auf.


„Liebling, was ist los?“ fragte Gerda, die von Gunthers Tritten fast aus dem Bett geworfen wurde.


„ Der Osterhase ist abgestürzt“ sagte er schlaftrunken“.


„ Wie? Der Osterhase?“


„Ja, er ist in seinem Käfig einen riesigen Abhang runtergefallen. Ich glaube, er ist tot.“


„Gunther, du hast nur geträumt. Schlaf weiter“.


Jetzt erst kam Gunther wieder zur Besinnung. Er mochte jedoch nicht mehr schlafen und goss sich zur Beruhigung in der Küche einen heißen Kamillentee auf. Tatsächlich linderte das Getränk seine Qualen und als ihm bewusst wurde, dass es sich ja nur um einen Traum handelte und nicht er, sondern der Osterhase in Gefahr war, kehrte er ganz gelöst wieder in sein Bettchen zurück.


Gerda hatte ihre Tochter Chanel am Telefon. Wie jedes Jahr, wurden sie und Gunther zum Osterfest ins hanseatische Wollebüttel eingeladen. Auch ihre Tochter Gucci und ihr Sohn Boss Bullock waren mitsamt Ehepartnern und Kindern geladen. Nur Lancôme, die im australischen Brisbane lebte, würde diesmal nicht dabei sein. Chanel organisierte jedes Jahr ein fantastisches Ostermärchen für die Kinder. Gründonnerstags wurden immer und immer wieder die schelmischen Geschichten vom Häschen Wackelzahn vorgelesen … Karfreitags ging Gerda mit den Kleinen ins Kino, während daheim die Eier gefärbt wurden. Am Samstag war emsiges Shoppen angesagt und sonntags gab es dann die aufregende Begegnung mit dem Osterhasen.


Gerda freute sich schon riesig darauf, die Familie wiederzusehen. Gunther polierte seinen metallic blauen Bentley Continental GTC, den er eigens in England hatte anfertigen lassen. Die wunschgerechten Veredelungen seines Schmuckstücks durch Jochen Arden waren sein besonderer Stolz. Auf das Interieur legte er speziellen Wert …somit war es Gerda nur gestattet mit einem Schuhüberzug den Wagen zu betreten. „Mach mir bloß keine Flecken“ , sagte er ihr wiederholte Male.


Das Wetter war gut, die Autobahn frei. Vergnügt machte sich das Ehepaar auf den Weg. Eine 4½-stündige Fahrt lag vor ihnen. Nach Gerdas Empfinden war die Strecke etwas strapaziös, doch Gunther genoss seine Bentley-Touren. In seinem tollen Wagen war er König und hier durfte er es auch sein. Bis zum Elbtunnel verlief die Fahrt einwandfrei… dann kam der dicke Stau. Gunther war entnervt und trommelte unentwegt auf seine Oberschenkel. Gerda war eingeschlafen und bekam von all dem nichts mit.


Es wurde schon dunkel. Fast hätte er die Auffahrt verpasst, drehte in letzter Sekunde das Steuer herum und schaffte gerade noch den Schnitt auf die linke Spur. Irgendetwas war merkwürdig. Einige Schilder zeigten in die falsche Richtung…von vorne kam ihm ein Scheinwerfer entgegen… „neiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiinnnnn! Ich bin ein Geisterfahrer. Hiilllllllllllfeeeeeeeee“ schrie er so laut, dass Gerda davon erwachte. „Was ist los, Liebling?“, fragte sie benommen. „Ich bin auf der falschen Spur… auf der Autobahn! „Ach du Gott, ach du Gott!“ stöhnte Gerda. „Mach sofort die Warnblicklampen an… alle… und fahr ganz nah an den Rand… Tempo runter. Ich rufe die Polizei… wo genau sind wir gerade?“ „Guck doch auf den Navi … ich muss mich auf den Verkehr konzentrieren.“


Gesagt, getan… Gerda war flott … doch sie zitterte am ganzen Leib, als sie mit der Polizei sprach. In Gedanken verabschiedete sie sich von ihren Kindern und Enkelkindern… sie sah alle bereits am Friedhof vor ihrem Sarg stehen und weinen. Sogar Silberfuchs war da… etwas im Hintergrund… und er schmiss ihr einen Handkuss zu. Ein Meer von Blumen zierte ihr Grab. Ach ja, Gunther lag natürlich neben ihr…es hatte sie beide erwischt. Der Pastor gab eine fantastische Trauerrede zum Besten… er sprach von einer langen, glücklichen Ehe und wohlerzogenen Kindern, von beruflichem Erfolg und tadellosen Charaktereigenschaften …


Hup…hup…Gunther hupte, wie die Polizei empfohlen hatte. Die Falschfahrerwarnung kam bereits durchs Radio. Gunther war nassgeschwitzt. Er konnte kaum noch etwas erkennen… zu viele Scheinwerfer waren auf ihn gerichtet, jedoch schienen alle Fahrzeuge hintereinander auf der rechten Spur zu fahren. Doch was, wenn so ein Idiot plötzlich alle schnell überholen wollte? Dann … crash… war´s das…


Bevor ich sterbe, sollte ich schnell noch mal die Hand von neulich durchgehen. Wie war das noch. Ich war WEST… NORD hatte 1 Treff eröffnet…


Tatütata…Tatütata… Die Sirenen klangen wie Musik in Gunthers Ohren.


Von weitem sah er eine Kelle blitzen, die ihn zum Stoppen aufforderte. Die Polizei hatte die Situation bereits voll im Griff. Die linke Fahrspur war durch ein Warnschild abgesperrt. Gunther wurde per Polizeieskorte zum nächsten Revier gebracht und zum Fall verhört. Die Folgen waren 2 Punkte in Flensburg, 240 Euro Strafe und 1 Monat Fahrverbot. „Na dann: Frohe Ostern“ wünschte sich Gunther selbst. Jetzt, wo alles vorbei war, schlotterten ihm die Knie.
„Lass uns hier direkt ein Hotelzimmer nehmen“ sagte er zu Gerda. Für heute bin ich erledigt“.


„Gut, mein Schatz, das machen wir“… auch Gerda war fix und fertig.


Das Osterfest war dennoch ein voller Erfolg. Die Familie war so glücklich über die unversehrte Ankunft von Gunther und Gerda, dass sie den beiden zur Erholung für den Ostersamstag einen Wellnesstag mit Massagen und anderen kosmetischen Anwendungen schenkten. Sonntags spielte Gunther …wie jedes Jahr… den Osterhasen im hellbrauen Kostüm mit langen, hängenden Ohren und hatte eine wahre Freude an den glänzenden Augen der Enkelkinder, als er ihnen mitteilte, wo er für jeden die Ostereier versteckt hatte.


Boss Bullock und seine 11-jährigen Zwillinge Tutan und Chamun machten Gunther zum Feste die größte Freude überhaupt. Sie wollten Bridge-spielen lernen und er… Gunther…. sollte ihr Lehrmeister sein.


Nur zu gerne nahm er diese Herausforderung an. Sein Sohn und dessen Kinder waren extrem clever. Neulich erst hatten die Zwillinge an einem Hochbegabten Test teilgenommen. Tutan hat einen IQ von 139 und Chamun von 138. Beide hatten bereits eine Klasse der Grundschule übersprungen und waren nun auf dem neusprachlich / musikalischen Gymnasium die Besten ihres Jahrgangs. Sie lernten Englisch, Französisch und Latein ohne sich anzustrengen und sie hatten ihre Talente für die Musik entdeckt. Tutan spielte Piano und Chamun das Saxophon. In ihrem Repertoire waren bereits Werke von Bach und Schubert, sowie eine Etüde von Chopin. Ihre Liebe galt allerdings dem Rock und Pop, Blues und Soul. Später wollen sie einmal eine Big Band gründen.


Gunther zögerte nicht. Noch am gleichen Abend brachte er den Jungs ein paar Basisbegriffe fürs Spiel bei und versprach… für sie speziell… ein Handout mit den notwendigen Bridgeregeln zusammenzustellen. Sie freuten sich darauf.


So ganz nebenbei erwähnte Gunther seinen Alptraum vom Osterhasen. „Stellt euch vor, ich habe geträumt, der Osterhase ist mitsamt seinem Käfig aus einem stockendem Zug abgestürzt …einen tiefen Hang hinunter. Ganz schön blöd, was?“


„Wann hattest du den Traum?“ fragte Chamun.


„Na, kurz vor Ostern, warum!“


„Ist doch klar“, antwortete Thutan, „der Traum hat dich vor deiner Geisterfahrt gewarnt. Noch nie was von Sigmund Freud oder Carl Gustav Jung gehört? Der Osterhase steht symbolisch für die Osterzeit. Der Zug ist deine Reise zu uns nach Wollebüttel, doch du bist in einem Käfig… gefangen in einer Situation, der du nicht entfliehen kannst… der Stau! Dann… ganz plötzlich… stürzt du einen Abhang hinunter. Das war die Katastrophe, in die du dich dann als Geisterfahrer begeben hattest. Doch du kämpfst …mit Händen und Füßen versuchst du der Notlage zu entkommen. Noch während des Fliegens wachst du in Panik auf. Der Traum lässt offen, ob du überlebst oder nicht, denn die Entscheidung hierfür liegt bei dir. Da du gewarnt warst und dich bewusst der Sachlage gestellt hattest, hat sich dein Unterbewusstsein zum Glück fürs Überleben entschieden…somit konntest du der Gefahr entrinnen.“


„Na so was!“ sagte Gunther „was ihr so alles wisst! Das ist ja wirklich interessant.“


Das Osterfest ging zur Neige. Die Heimfahrt verlief reibungslos. Gunther konnte kaum erwarten, seinen Bridgefreunden von seiner ereignisreichen Tour nach Wollebüttel zu erzählen. Er liebte es, im Mittelpunkt zu stehen.


BEIM HAIRSTYLISTEN

Während Gunther unaufhörlich damit prahlte, dass er die Geisterfahrt unversehrt überstanden hatte und die Aufmerksamkeit seiner Zuhörer genoss, wurde Gerda zusehends besinnlicher und tiefgründiger. Das Leben hatte ihr noch einmal eine Chance gegeben, spürte sie und diese Chance musste sie nutzen. Wozu war sie überhaupt auf der Welt? Welche Aufgaben standen für sie bereit? War sie glücklich und erfüllt? Sie nahm sich vor, diese Fragen zu ergründen.


Am Montagmorgen hatte sie einen Friseurtermin bei Guislain de Montparnass, einem renommierten Hairstylisten aus Paris, der sich erst kürzlich in Spitzbeuren niedergelassen hatte. Sein nobler Salon mit individuellem und persönlichem Ambiente war der neue Geheimtipp der Hautevolee. Hier fühlte man sich geborgen und vertraute dem kreativen Können des Künstlers, der es… wie keiner… verstand, typgerechte Formhaarschnitte für jede Haarlänge zu zaubern. Zudem war er auch noch äußerst attraktiv … und ….man glaubte es kaum….single. Somit war es nicht verwunderlich, dass sein Terminkalender gut gefüllt war und es wurde schnell bekannt, dass die Reichen und Schönen von fern und nah, um seine Sympathien buhlten.


Bereits beim Betreten des Salons ergoss sich eine bewundernde Energie über Gerdas Gemüt. Sie war hingerissen von dem extravaganten Flair der Räumlichkeiten, von dem entgegenkommenden Lächeln der Empfangsdame und als der große Meister sie persönlich begrüßte, da wusste sie, hier war sie zuhause.


Mit berufener Geschicklichkeit glitten seine langen, zarten Hände durch Gerdas Haar, ein Blick in den Spiegel folgte und spontan schlug er vor: „Um Ihr schönes Gesicht noch mehr zur Geltung zu bringen, brauchen Sie ein paar helle Strähnchen ins Haar, die Länge kürzen wir, damit ihre grazilen Wangenknochen strahlen können…. Mit ein wenig Haargel werden wir der Frisur zum Schluss den letzten Pfiff verabreichen….frech und sexy, die Augenbrauen werden wir formschön anpassen und wenn Sie mögen, wird sich unsere Giselle später ums Makeup kümmern. Was meinen Sie?“


Gerda war Guislains Charme direkt verfallen. Sie liebte seine sonore Stimme mit dem französischen Akzent, seine Entschlossenheit und seine sanften dunkelbraunen Augen, welche sie so vertraut anschauten. Eigentlich hatte sie auch gar keine besondere Vorstellung von irgendeinem neuen Haarstil, sie wollte sich nur verwöhnen lassen und ging ohne zu zögern auf seine Empfehlung ein.


Es wurde ihr ein Glas Veuve Clicquot gereicht, sie nippte ehrfürchtig ein paar Male an ihrem Glas bevor sie sich dem Wellnessprogramm unterzog. Anti-Stress Haarwäsche mit ausgedehnter Kopfhautmassage. Eine Wohltat! Im Hintergrund hörte sie die Stimme von Edith Piaf die da sang: Non, je ne regrette rien!“ Gerda war im siebenten Himmel!
Und schließlich war der ersehnte Augenblick gekommen….Guislain strich ihr zärtlich durch das nasse Haar … eine Gänsehaut bildete sich auf ihren Armen…
„Madame, sind Sie bereit?“


„Ganz und gar“, antwortete Gerda und gekonnt griff Guislain zu Kamm und Schere und …schnipp, schnipp…. fielen die Strähnen zu Boden. Sie beobachtete ihn ausführlich im Spiegel. Was für ein Mann! Jeder einzelne Griff in ihr Haar war wie eine angenehme, elektrische Ladung auf ihre Sinne, jede seiner Bewegungen wirkte wie ein erotischer Zugriff auf ihre tiefste Seele. Und seine herzzerbrecherische Stimme entlud ein unbändiges Verlangen nach seiner Berührung.


„Jetzt machen wir eine Balayage“ sagte er verführerisch. „Wissen Sie was das ist?“


„Nein“, sagte Gerda verlegen.


„Das ist eine Freihandtechnik, um hellere Strähnen individuell und in variierender Stärke und Intensität aufzutragen. Ich male sie mit einem Pinsel auf das Haar, dadurch erreichen wir einen richtig schönen und natürlichen Effekt und es entsteht kein harter Bruch. Außerdem wirkt Ihr Haar dadurch noch voluminöser. Sie werden so schön sein, dass man Sie auf dem Laufsteg sehen möchte.


Gerda war fasziniert. Sie ergab sich seinen Vorstellungen und ließ ihn walten.


Während der Haar-Colourierung, erzählte Guislain, dass er kürzlich eine Rückführung bei einem Hypnotiseur gemacht hatte. Er meinte: „Sie glauben es nicht, aber ich war ein Schamane auf einer Südseeinsel. Ich lebte mit der Natur und hatte überhaupt keine Angst. Wir Menschen und Tiere lebten friedlich miteinander und wir konnten uns sogar mittels Gedanken unterhalten. Solch eine Harmonie habe ich in diesem Leben noch nie erlebt. Durch diese Rückführung habe ich die Erkenntnis gewonnen, dass es Zeit für uns alle ist, den Weg der Liebe zu gehen.“


Gerda war innigst gerührt und fragte schüchtern nach der Adresse des Hypnotiseuren. Sie wollte auch solch eine Rückführung erleben. Vielleicht würde sie Silberfuchs wiedersehen, oder eventuell gab es ja auch in der Vergangenheit eine nette Romanze mit Guislain auf welcher man wieder aufbauen könnte. Die heutige Begegnung mit diesem wunderbaren Mann war schicksalhaft, davon war Gerda überzeugt.


Die neue Frisur war wirklich chic und frech. Gerda fühlte sich wie neugeboren und nachdem ihre Augenbrauen gezupft und das Gesicht mit natürlichen Farben ein wenig aufgefrischt war, verabschiedete sie sich herzlich von ihrem neuen Freund. Guislain ließ es sich nicht nehmen, der neu-gestylten Gerda ein sachtes Küsschen links und ein Küsschen rechts auf ihre geröteten Wangen zu geben.


„Es war mir ein Vergnügen, Madame. Bitte beehren Sie uns bald wieder.“


Gerda schwebe aus dem Salon. Sie fühlte sich leicht wie eine Feder und so schön wie ein Model. In einer nahegelegenen Boutique kaufte sie sich ein elegantes Kleid mit floralen Ornamenten, welches ihr durch einen perfekten geraden Schnitt eine umwerfende Silhouette verlieh.
Anschließend machte sie sich geradewegs auf zum Bridgeclub, um ihre Wirkung auf Mitglieder zu testen.
Ein allgemeines „Aha… Olala“ kam ihr entgegen. Die Mitglieder waren offensichtlich von ihrem neuen Look begeistert. Selbst Gunther blickte seine Frau erstaunt an: “Was ist denn mit dir passiert? Hast du heute noch was vor?“
„Man sollte jederzeit auf alles vorbereitet sein,“ antwortete Gerda ihm fröhlich und setzte sich ihm wohlgemut gegenüber. „Lass uns heute einmal in aller Harmonie miteinander spielen“, meinte sie. „Ich möchte diesen Tag so gerne in guter Erinnerung behalten.“ Gunther war total verwirrt.


Durch ihre Leichtigkeit gelang es Gerda heute tatsächlich sich prima auf die Reizungen einzustellen. Eine besonders schwierige Hand spielte sie sogar so gut, dass sie dafür ein Top Score erhielt.


Gunther eröffnete 1Pik…………….. Reizung


Gunther war hingerissen. Was war nur mit Gerda los?


Zufrieden kehrten die beiden heim. Gunther war nach einem Glas Wein zumute und er fragte Gerda, ob sie ihm Gesellschaft leisten würde. Das hatte es schon lange nicht mehr gegeben. Verzückt ließ sich Gerda von ihrem Gatten hofieren und genoss den Rest der Nacht mit ihm in vollen Zügen.
 

TANZ IN DEN MAI

 

Schon lange herrschte Aufregung um das nächste Ereignis im Bridgeclub. Der „Tanz in den Mai“. Wochenlang im Voraus wurde über das Programm, die Speisen und die Dekoration für den Tanzsaal diskutiert. Gunther bot sich an, als Kabarettist aufzutreten. Er verfügte über ein großes Repertoire an pfiffigen Witzen und wollte so die Mitglieder des Clubs etwas auflockern und natürlich zum Lachen bringen. Gunthers Humor war allerseits beliebt und sein Auftritt stand kurz bevor.


Schwungvoll bewegte er sich auf die Bühne… lächelte sein Publikum an und sagte verschmitzt: „Ich weiß doch, worauf ihr alle neugierig seid. Ihr möchtet wissen, wie ich meine sehr geschätzte Gerda damals….. vor langer, langer Zeit…. kennengelernt habe. Stimmt´s?“ Fast eintönig klang es aus dem Saal zurück. Jaaaaaaaaaaaaaaaa. „Na bitte. Dann werde ich es euch jetzt mal in allen Einzelheiten erzählen. Aber bloß nicht lachen!“ Und schon ging das Gelächter los.


Ja, ja ….nun beruhigt euch mal. Ich war damals jung und unverdorben. Liebte die Natur und ging so ganz allein durch die Felder. Da…… auf einmal …. erschien aus einer schwarzen Rauchwolke eine düstere Gestalt… ganz in Rot…mit zwei Hörnern und einem Dreizack. Er grinste mich an und sagte: Junge, ich gewähre dir drei Wünsche. Verlange von mir, was immer du willst. Ich garantiere, ich werde dir deine Träume auf der Stelle erfüllen. Es gibt allerdings eine Bedingung: Sollte ich all das Erbetene für dich realisieren können, dann bekomme ich dafür deine Seele. Nur dann, wenn ich einen deiner Wünsche nicht erfüllen kann, darfst du deine Seele behalten. Ist das in Ordnung?
„Klar doch“, sagte ich.


Natürlich wollte ich erst einmal Reichtum. Und zwar so viel Geld, dass ich ein Leben lang prima von den Zinsen leben konnte. Schwupp die Wupp… hielt ich meinen neuen Bankauszug in Millionenhöhe in der Hand.


Dann fiel mir ein, dass ich eigentlich sehr einsam war… eine hübsche, liebe Frau in meinem Alter wäre jetzt genau das Richtige für mich. Das sagte ich dieser Gestalt… und ….. Schwupp die Wupp …. da stand die junge Gerda vor mir.


Nun musste ich allerdings vorsichtig sein, damit ich meine Seele nicht verlor. Ich ließ ganz schnell einen lauten Furz und schrie… „Einfangen und grün anstreichen!“


Uff…..Meine Seele war gerettet und Gerda und ich sind seitdem ein glückliches Paar.


Natürlich liebte ich meine immer Gerda sehr. Bei ihr bin ich mir allerdings nicht so sicher.


Neulich saßen wir auf der Terrasse. Gerda nippte ein einem Gläschen Wein und seufzte: „Ach, wie ich dich liebe. Ich kann mir ein Leben ohne dich gar nicht mehr vorstellen.“ Ich guck sie an und frage: „Gerda… bist du das, oder spricht aus dir der Wein?“ Sie schaut mich verdutzt an und antwortet: „Ich bin es…… ich unterhalte mich gerade mit dem Wein!“

All meine Hoffnung ist seither geschwunden.


Gunthers Publikum grölte. Frau Schöneberger kullerten vor lauter Lachen die Tränchen über ihre hübschen Wangen.
Vor einigen Wochen hat ein gelangweilter Rentner in unserem Ort eine neue Klinik eröffnet. An der Hauswand hat er ein Schild angebracht. Neue Klinik Dr. Gieser. Ich heile sie von Ihrem Leiden und sie zahlen 500 Euro. Kann ich Ihnen nicht helfen, dann bekommen Sie von mir 1.000 Euro.


Kar, da bin ich hingegangen, um die 1.000 Euro zu kassieren. „Herr Doktor“, sagte ich, „ich habe keinen Geschmack mehr im Mund. Ich kann überhaupt nichts mehr schmecken. Können Sie mir helfen?“


Dr. Gieser drauf: „Schwester… holen Sie mir bitte die Medizin aus der Box 22 und träufeln Sie dem Patienten davon 3 Tropfen in den Mund.“


Die Schwester tat wie ihr befohlen wurde.


„Iiiiiih“ schrie ich auf…. „Das ist ja Gasolin!“


Dr. Gieser: „Herzlichen Glückwunsch, Herr Bullock“, sagte er zu mir, „Sie haben Ihren Geschmack zurück. Das macht 500 Euro.“


Man, war ich wütend. Zwei Tage lang konnte ich nicht mehr schlafen. Ich grübelte lange darüber, wie ich doch noch an die 1.000 Euro kommen konnte. Dann ging ich wieder zu Dr. Gieser.


„Herr Doktor, ich habe mein Gedächtnis total verloren. Ich kann mich an nichts mehr erinnern. Können Sie mir helfen?“


„Schwester“, rief Dr. Gieser: „Bitte holen Sie die Medizin aus der Box 22 und träufeln Sie dem Patienten 3 Tropfen davon in den Mund.“


„Neeeiiiiiiiiiin“…. rief ich. „Das ist doch Gasolin!“


Dr. Gieser: „Herzlichen Glückwunsch. Sie haben Ihr Gedächtnis wieder, lieber Herr Bullock. Das macht 500 Euro.“


Unglaublich! Hat mich dieser falsche Doktor doch schon wieder reingelegt. Jetzt aber! Jetzt werde ich mir was ganz Besonderes für ihn ausdenken, damit ich meine 1000 Euro wiederbekomme.


2 Tage später war ich wieder bei ihm. „Herr Doktor. Irgendetwas ist mit meinen Augen. Ich kann überhaupt nichts mehr sehen. Können Sie mir helfen?“


Dr. Gieser: „Nein, dafür habe ich leider keine Medizin. Da muss ich Ihnen wohl 1.000 Euro zahlen.“


„Ja, gerne“, sagte ich. Und Doktor Gieser drückte mir einen 10 Euro-Schein in die Hand.


„Das sind aber nur 10 Euro“, sagte ich empört zu ihm.


Dr. Gieser lächelte mich an. „Na, prima …herzlichen Glückwunsch, Sie können wieder sehen. Das macht 500 Euro.“


Ist wohl klar, dass ich zu diesem Doktor nie mehr gegangen bin.


Doch ich wurde danach ziemlich depressiv und suchte einen Psychiater auf. Ich wollte einfach wissen, wie schlimm es um mich stand. Der Psychiater führte mich in sein Badezimmer. Er hatte wohl gerade frisches Wasser in seine Wanne einlaufen lassen. Es roch nach Lavendel. Vor der Wanne befand sich ein Eimer, eine Tasse und ein Löffel. Er sagte zu mir: „ Ich möchte nun von Ihnen wissen, wie Sie am schnellsten die Wanne leeren. Entsprechend wird Ihr Befund ausfallen.“


„Ist doch klar, sagte ich zu ihm. Natürlich nehme ich den Eimer, das geht doch am schnellsten.“
Der Psychiater sah mich schräg von der Seite an. „Sind Sie sicher? Ein gesunder Mann würde einfach den Stöpsel ziehen.“


Ich war schockiert und rannte schnell aus der Klinik – auf direktem Weg in den Park und ich setzte mich dort zur Erholung auf eine Bank.


Da beobachtete ich zwei Mücken. Mutter und Tochter. Die Tochter war wohl gerade zum ersten Mal alleine ausgeflogen und kam freudig zur Mutter zurück. „Wie war denn dein erster Ausflug, Kleines“, fragte diese. „ Na, ganz toll. Ich war zu Gast bei einer Grillparty. Als ich da so rumflog haben alle Leute vor lauter Freude geklatscht.“
Das hat mich dann noch mehr deprimiert… war doch diese kleine Mücke viel erfolgreicher als ich.


In der Zwischenzeit hat sich ein Penner neben mich auf die Bank gesetzt. „Können Sie auch die Stimmen der Tiere wahrnehmen?“ fragte er mich. Ich habe bemerkt, dass Sie die Mücken belauscht haben. Ich hatte eben auch eine merkwürdige Begegnung.


Da liefen zwei Tiere durch den Park. Sagt das eine zum anderen: „Was bist du eigentlich für ein Tier?“


„Ein Wolfshund.“
„Wie geht denn das?“


„Ja, meine Mutter war ein Hund und mein Vater ein Wolf!“


„Und was bist du für ein Tier?“ – „Ein Ameisenbär.“


Der Penner erzählt weiter
Neulich bin ich sogar Zeuge eines Mordes geworden. Ich gehe ganz unbedarft mit meinem Hund Gassi. Über die Felder natürlich. Da stehen da drei Kühe auf der Wiese. Sagt die erste Kuh: „Muh!“ Sagt die zweite Kuh: „Muh!“ Sagt die dritte Kuh: „Muh, muh!“ Da erschießt die erste Kuh die dritte. Fragt die zweite Kuh: „Was sollte das denn?!?“ Sagt die erste Kuh: „Sie wusste zu viel ...“

 

Also jetzt reichte es mir. Ich verließ den Park und ging auf eine Tasse Kaffee zu meiner Mutter. Die war ganz aufgebracht und sagte zu mir: „Jungchen, ich muss dir unbedingt erzählen, was gestern bei unserer Nachbarin passiert ist. Die hatte ein Klassentreffen mit 3 Freundinnen von damals. Die Frauen hatten sich 40 Jahre nicht mehr gesehen. Meine Nachbarin… die Anne… war in der Küche um ein paar Snacks zuzubereiten während die anderen 3 sich über ihre Söhne unterhielten. Sagt die 1.: „Also mein Sohn hat Betriebswirtschaft studiert und ist Banker geworden. Der ist soooo reich, der hat seinem besten Freund gerade einen Ferrari geschenkt.“


Sagt die zweite: „Mein Sohn ist Pilot und hat eine Airline übernommen. Der ist soooo reich, der hat seinem besten Freund ein Flugzeug geschenkt.“


Ach, das ist noch gar nichts, sagt die 3. Mein Sohn hat Ingenieurwesen studiert und hat nun ein großes Bauunternehmen. Der ist soooo reich, der hat seinem besten Freund ein Schloss geschenkt.“


In dem Moment kommt die Anne aus der Küche und fragt: Na, Was habt Ihr denn da für aufregende Themen?


Wir unterhalten uns gerade über unsere Söhne.


„Was macht denn dein Sohn so?“


„Ach“, sagt Anne, „mein Sohn ist schwul und der arbeitet in einer Schwulenkneipe.“


„ Ohhhhh, da bist du aber sicher sehr enttäuscht.“


„Nee“, sagt sie, „eigentlich geht es ihm sehr gut. Er hatte vorige Woche Geburtstag und seine 3 besten Freunde haben ihm einen Ferrari, ein Flugzeug und ein Schloss geschenkt.“


Und Gunther …du glaubst es nicht… die anderen Frauen fielen alle 3 in Ohnmacht.“

Kurz darauf kam der Krankenwagen.


Der Bridgeclub bebte. Die Leute waren vor lauter Lachen nicht mehr zu bändigen.
Zugabe….Zugabe….Zugabe…. Es klang wie Musik in Gunthers Ohren.


Sein Kehlkopf vibrierte…sein Herz schlug wild… er war auf dem Höhepunkt einer Ektase. Die Worte blubberten ihm wie von selbst aus dem Mund.


Übrigens ist diese Anne… also meine Nachbarin… eine Witwe. Es ist etwa 10 Jahre her, da schlug sie beim Golfen ihren Ball in den Wald. Sie ging in den Wald, um nach dem Ball zu suchen und fand einen Frosch, gefangen in einem Netz.
Der Frosch sagte zu ihr: "Wenn Du mich aus dem Netz befreist, so will ich Dir 3 Wünsche erfüllen."
Die Anne befreite den Frosch und der sagte: "Danke, doch ich vergaß zu erwähnen, dass es bei der Erfüllung der Wünsche eine Bedingung gibt. Denn was immer du Dir wünschst, wird auch Dein Ehemann bekommen, und zwar 10 mal besser."


Anne sagte: "das ist okay."


Für ihren ersten Wunsch wollte sie die schönste Frau der Welt sein. Der Frosch warnte sie: „Vergiss nicht, das dein Mann durch diesen Wunsch der hübscheste Mann der Welt sein wird. Ein Adonis, dem die Frauen in Scharen hinterher laufen werden". Anne antwortete: "Das ist schon in Ordnung, denn ich werde die schönste Frau der Welt sein und er wird nur Augen für mich haben"


so- ... KAZAM ... - sie wurde die schönste Frau der Welt !!!!


Mit ihrem zweiten Wunsch wollte sie die reichste Frau der Welt werden…


Der Frosch sagte: "Dann wird dein Mann der reichste Mann der Welt sein und er wird 10 mal reicher sein als du."

Anne antwortete: "Damit bin ich einverstanden, denn was mein ist, ist auch sein und was sein ist, ist auch mein."


so- ... KAZAM ... - sie wurde die reichste Frau der Welt !!!!


Nun fragte der Frosch nach ihrem dritten Wunsch und sie sagte:
"Ich will einen leichten Herzinfarkt haben."

 

so- ... KAZAM ... hihi :o)

 

Tja… leider hat ihr Ehemann das nicht überlebt.

 

Schnell muss ich Euch noch von meinem Abenteuer in den Alpen erzählen.


Mein Freund Walter und ich hatten voriges Jahr die Zugspitze erklommen. Das waren fast 3000 Meter. Wir waren erschöpft und wurden Gottseidank direkt nach unserem Abstieg von einer privaten 6-sitzigen Cessna abgeholt. War alles vorher organisiert worden. Mit uns waren noch ein älterer Bergsteiger sowie der Pilot und der Co-Pilot im Flieger. Schnell ging es in die Luft. Mir fielen vor Müdigkeit schon fast die Augen zu, als ich den Piloten rufen hörte:

„Achtung, Achtung, liebe Fluggäste…wenn Sie aus dem rechten Fenster schauen, werden Sie sehen, dass die rechte Tragfläche brennt. Wenn Sie aus dem linken Fenster schauen, werden Sie sehen, dass auch die linke Tragfläche brennt. Wir werden also abstürzen. Doch bleiben Sie bitte ruhig. Wir haben Fallschirme an Board. Es gibt nur ein kleines Problem. Wir sind 5 Personen, und es gibt nur 4 Fallschirme. Sie werden verstehen, dass ich als Pilot als Erster springen muss, um den Leuten im Tower da unten Bericht zu erstatten.“ Schon nahm er sich einen Fallschirm und sprang.

Darauf der Co-Pilot: „Liebe Leute, dem Piloten ist nicht zu trauen, der hat schon öfter mal die Unwahrheit erzählt. Sie werden verstehen, dass ich als Nächster springen muss, um da unten alles klarzustellen.“ Schwupp… nahm er den Fallschirm und war weg.

Plötzlich sagte der ältere Herr: „Gestatten, ich bin Professor Dr. Dolle. Physiker. Ich hab einen IQ von 172 und hab der Menschheit noch so viel zu geben. Sie werden verstehen, dass ich als Nächster springen muss.“ Und schwupp …. war er weg.


Ich gucke meinen Freund an und frage: Und nun? Was machen wir.


„Wir nehmen die Fallschirme und springen auch“


„Es ist aber nur noch einer da!“


„Nein, der mit dem IQ von 172 hat meinen Rucksack genommen.“


Wir waren also nochmals mit dem Leben davon gekommen.

 

So ... liebe Leute …. Gleich wird das wunderbare Buffet eröffnet … deshalb will ich Euch nur noch einen Schwank aus dem Leben meiner Großmutter erzählen. Sie war damals schon über 90.


Sie lag mit meinem Großvater im Bett. Er war gerade dabei einzuschlafen… sie war jedoch in romantischer Stimmung und wollte reden. Da sagt sie zu ihm: „Früher hast du immer meine Hand gehalten.“


Erschöpf legt er seine Hand eine Sekunde lang in ihre und versucht weiterzuschlafen.


Einen Moment später murmelt sie: „Danach hast du mich immer geküsst.“


Er dreht sich um und drück ihr einen Schmatzer auf die Wange. Fängt schon leicht an zu schnarchen.
Sie wartet nicht lange und flüstert ihm ins Ohr: „Dann hast du mir immer in den Nacken gebissen.“


Wie von der Tarantel gestochen, schmeißt Großvater die Decke weg und eilt zur Tür.
„Was ist los, Liebling?“ fragt meine Großmutter.

„Ich hol nur meine Zähne.“

 

Viel spielte sich da aber nicht mehr ab zwischen den beiden. Großmutter war jedoch noch sehr fidel und besorgte sich kurzerhand einen jungen Liebhaber. Ihr Arzt war darüber informiert und machte sie besorgt darauf aufmerksam, dass so viel Aufregung schnell zum Herzinfarkt führen könnte.


„Na, dann stirbt er eben“ sagte sie kühl.

 

Vielen Dank für Eure Aufmerksamkeit. Gunther verabschiedete sich unter brausendem Applaus von der Bühne. Er war mit sich selbst zufrieden.


Nach dem Essen wurde der Saal zum Tanz in den Mai eröffnet. Die Nacht auf dem Parkett begann mit einer Damenwahl. Frau Schöneberger forderte Gunther zum Einweihungstanz auf. Endlich durfte er dieser schönen Frau beim Foxtrott ein klein bisschen näher kommen.

Impressum

Texte: Coco Mudany
Tag der Veröffentlichung: 21.05.2016

Alle Rechte vorbehalten

Widmung:

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