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Zur Zeit der Herbstzeitlosen nehme ich mir Zeit, in Zeitschriften, auf Ausstellungen oder Flohmärkten nach zeitlos schönen Dingen zu fahnden. Zeitweilig gelingt es mir sogar, etwas zu finden, nach dem ich zeitlebens schon gesucht habe. Auf einer Ausstellung fand ich eine Sammeltasse, an der zwar schon der Zahn der Zeit etwas genagt hatte, die aber dem entsprach, was mir gefiel, denn sie spiegelte den Zeitgeist einer Epoche wider, die Ende des 19. Jahrhunderts ihren Anfang nahm und ungefähr 20 Jahre anhielt. Es handelt sich um die Zeit des Jugendstils. Zeitgenössische Künstler waren unter anderem van de Felde, Endell, Klimt und von Hoffmann. Diese Tasse hatte zwar keine Zeitzone überbrücken müssen wie die in meinem Besitz befindliche Vase aus China, war aber ein Zeitzeuge künstlerischer Darstellungsmöglichkeit des Jugendstils.

Sicherlich ist das Sammeln von Tassen nicht zeitgemäß. Ein zeitkritischer Zeitgenosse würde fragen: „Warum betreibt sie diesen Zeitaufwand wegen einer Tasse?“ Doch von Zeit zu Zeit packt mich die Sammelleidenschaft. Vermutlich ist dieser Trieb ein Überbleibsel aus grauer Vorzeit, als wir noch Jäger und Sammler und nicht so zeitbewusst wie heute waren, sondern zeitgleich mit der Sonne aufstanden und bei Anbruch der Dunkelheit zur Ruhe gingen.

Nun ist für mich die Zeit gekommen, dieses Zeit(wortspiel) zu beenden, was ich hiermit tue!


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Tag der Veröffentlichung: 02.09.2009

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