Cover

Die Diktatur Terras

Science Fiction von Harvey Patton

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 129 Taschenbuchseiten.

 

Der Navigator Kit Bronson befand sich in den Händen des Psychologischen Verhördienstes, der große Macht auf Terra und in der Galaktischen Union besaß. Seit zehn Tagen unterzog man ihn einem gnadenlosen Verhör. Die PVD-Kommissare glaubten, er habe etwas mit einer vermeintlichen Verschwörung gegen die Herrschaft des Großmeisters von Terra zu tun. Als Bronson die Flucht gelingt, begibt er sich – durch den PVD neugierig gemacht – nach Zenta, einer erdähnlichen Welt, von wo aus der angebliche Komplott angezettelt worden sein soll. Dort versucht er, die Widerstandsbewegung zu finden – er weiß nicht, dass er unter hypnotischem Einfluss steht ...

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© Cover: Nach Motiven von Pixabay mit Steve Mayer, 2018

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

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1

„Stehen Sie auf und kommen Sie mit, Bronson!“, befahl die barsche Stimme des Wächters.

Kit Bronson fuhr von seinem harten Lager auf und musste sich erst einen Augenblick darauf besinnen, wo er eigentlich war. Seine Träume hatten ihm eine gänzlich andere Umgebung vorgespiegelt als die, in der er sich tatsächlich befand.

Sie bestand in einer Zelle, nicht größer als zwei zu zweieinhalb Meter, deren einziges Mobiliar aus einem kleinen Tisch, einem winzigen Waschbecken und der Plastikliege bestand, auf der er im bleiernen Schlaf der Erschöpfung gelegen hatte. Von oben her ergoss sich das kalte Licht der Leuchtdecke über ihn, in der ein winziges Viereck für die Luftzufuhr ausgespart war. Wie sehr hatte er dieses Licht in den vergangenen Tagen hassen gelernt!

Ununterbrochen hatte es geleuchtet, hatte ihn auch nach den zahlreichen, bis an den Hand der Erschöpfung führenden Verhören kaum schlafen lassen. Am vergangenen Abend hatte man es erstmalig gelöscht, und das hatte Kit die Hoffnung gegeben, seine Peiniger hätten nun wohl doch erkannt, dass es aus ihm nichts herauszuholen gab. Erlöst hatte er sich dem Schlaf hingegeben, und nun musste er erkennen, dass er nur getäuscht worden war.

Sie nannten sich eben nicht umsonst Psychologischer Verhördienst, die Schergen des Großmeisters von Terra. Wahrscheinlich hatten sie gehofft, ihn nun, da die dauernde geistige Anspannung für eine Weile von ihm genommen worden war, umso leichter überrumpeln zu können. Kit Bronson seufzte, schlüpfte unter den wachsamen, misstrauischen Blicken des Wächters in die Plastikschuhe und die Jacke ohne Taschen, wusch sich rasch den Schlaf aus den Augen und nickte dann dem Mann in der schwarzblauen Uniform zu.

„Wir können gehen, Psychoknecht.“

Sein Bewacher grinste nur.

„Dir wird das Lästern heute noch vergehen, Bronson“, versprach er und trat einen Schritt zurück, um Kit durch die Tür zu lassen, die sich an der vorderen Schmalseite der Zelle befand. Seine Schockwaffe blieb dabei stets in der gleichen Höhe, der Zeigefinger lag am Abzug, um beim geringsten Anzeichen eines Widerstandes losdrücken zu können. Sie verstanden ihr Handwerk, die Handlanger des selbstherrlichen Großmeisters.

Und wozu das alles?, dachte Kit Bronson resigniert. Ich weiß doch wirklich nichts von dem, was sie aus mir herauszuholen versuchen.

Der hochgewachsene junge Mann mit dem kurz geschorenen blonden Haar und den krass dazu kontrastierenden dunklen Augen ging mit müdem Schritt an dem Wächter vorbei. Er hatte bereits jede Hoffnung aufgegeben, dieser Mühle eines unerbittlichen, aber rätselhaften Gesetzes noch entgehen zu können.

Doch — was war das?

Im Vorbeigehen hatte er aus den Augenwinkeln etwas erspäht, das ihm einen Schauer der Erregung über den Rücken trieb. Nur ruhig weitergehen!, hämmerte er sich ein. Nur nichts von dem anmerken lassen, was ich entdeckt habe, ehe ich nicht sicher bin, diese Entdeckung auch ausnützen zu können ...

Kit Bronson war blass geworden, und seine Hände zitterten, doch das konnte der hinter ihm gehende Wächter nicht bemerken. Er gab sich alle Mühe, die ihn beherrschende Erregung zu unterdrücken und teilnahmslos erscheinend dahinzuschlurfen, und die Täuschung schien zu gelingen.

Der Gang war leer und zur Nachtzeit nur spärlich durch, kleine quadratische Leuchtflächen von der Decke her erhellt. Kit war ihn bereits zwanzigmal hin und zurück geschritten, denn bisher hatte jeder Tag seiner Gefangenschaft zwei Verhöre gebracht. Sie hatten in jeweils wechselnden Räumen stattgefunden, je nachdem, welche neue Schikane sich die Kommissare des PVD gerade ausgedacht hatten. Es fiel daher nicht auf, als Kit an der nächsten Kreuzung stehen blieb und sich halb zu seinem Begleiter umwandte.

„Wohin geht es denn heute, Psychoknecht? Hell oder dunkel, kalt oder warm oder Elektroschock?“

Der Wächter grinste erneut.

„Etwas ganz Neues, Freundchen. Es geht zur Abwechslung einmal geradeaus, und dann ...“

Die Worte blieben ihm im Hals stecken, als Kit Bronsons Faust ihm entgegenfuhr.

Auch die beste Schockwaffe kann ihrem Träger nichts nützen, solange sie nicht aktiviert ist.

Der Wächter hatte vergessen, den Sicherungsknopf seines Schockers zu drücken, ehe er zu Kit Bronson in die Zelle trat. Schon auf der Raumkadettenschule hatten die Ausbilder Kit gelehrt, auch auf die geringsten Kleinigkeiten zu achten, und das machte sich jetzt für ihn bezahlt. Die Leuchtmarkierung, die immer dann Grün anzeigte, wenn eine Schockwaffe schussbereit war, hatte Rot angezeigt, und das war eine Gelegenheit, die Kit sich einfach nicht entgehen lassen durfte.

Als der Gefangene stehen blieb, hatte der Wächter noch einen weiteren Schritt gemacht und war damit fast bis auf Tuchfühlung an ihn herangekommen. Kit hatte damit gerechnet und zögerte nun nicht mehr, zum Angriff überzugehen.

Er drehte sich vollends herum, und seine Rechte schoss unter das Kinn des Wächters, während seine Linke gleichzeitig nach der Waffe griff. Sein Gegner war etwa zwanzig Jahre älter als er und seine Reaktionszeit entsprechend länger. Ehe er noch begriffen hatte, was vorging, lag er bereits auf dem Kunststeinboden und Kit Bronson hatte seinen Schocker in der Hand. Jetzt war er es, der grinste.

„So, Psychoknecht, jetzt sind die Rollen einmal vertauscht!“

Er aktivierte die Schockwaffe und überzeugte sich davon, dass sie auf eine Intensität eingestellt war, die keinesfalls tödlich wirken konnte. Ein kürzer Druck auf den Abzug, und die Gestalt des Wächters bäumte sich kurz auf und fiel dann schlaff auf den Boden zurück.

Kit schickte wachsame Blicke in alle Richtungen, doch die vier kreuzförmig abzweigenden Gänge lagen ruhig und menschenleer vor ihm. Er bückte sich rasch und löste ein kleines Schlüsselgerät vom Gürtel des Bewusstlosen. Dann huschte er zur nächsten Tür und drückte das Gerät gegen den Öffnungskontakt. Die Tür schwang lautlos auf, und das gleichzeitig aufflammende Licht zeigte ihm, dass diese Zelle zurzeit leer war.

Kit war durch die Strapazen der vergangenen Tage geschwächt, doch mit einiger Anstrengung gelang es ihm, den Wächter in die Zelle zu schleifen. Er zog die Tür gerade so weit zu, dass sie nicht zuschnappen konnte, legte den Schocker griffbereit auf die auch hier vorhandene Liege und begann dann hastig, dem Bewusstlosen die Uniform auszuziehen.

Anschließend warf er seine Gefängnistracht ab, ließ sie achtlos zu Boden fallen und schlüpfte in die Wächteruniform. Sie war ihm wohl etwas zu weit, passte aber wenigstens in der Länge. Mehr Mühe machten ihm die engen Stiefel. Nach kaum einer Minute hatte sich Kit Bronson dem Aussehen nach in einen Wächter des Psychologischen Verhördienstes verwandelt.

Er schnallte sich den Gürtel um, drückte die Mütze mit dem dreizackigen Stern schief auf den Kopf und warf dann seinem Opfer einen letzten Blick zu.

„Hoffentlich holst du dir auf dem Steinboden wenigstens eine anständige Erkältung!“

Mit diesem gemurmelten Wunsch auf den Lippen zog er die Tür der Zelle hinter sich ins Schloss und begab sich auf den Weg ins Abenteuer, der ihm, wie er hoffte, die Freiheit wiederbringen würde.



2

Zehn Tage lang hatte sich Kit Bronson im Gewahrsam des PVD befunden, und er hatte in dieser Zeit die Augen gut offen gehalten.

Man hatte ihn zu allen möglichen Tages und Nachtzeiten aus der Zelle zum Verhör geführt, und so hatte er nach und nach einen guten Überblick erhalten, was die räumlichen Verhältnisse wie auch den Dienstbetrieb anging. Er wusste nicht nur aus schmerzlicher Erfahrung, wo die einzelnen Verhörräume lagen, sondern auch, wo sich die Wachzentrale befand. Sie lag vorn am Ende des längsten Korridors, wo der einzige Zugang zu dem unterirdischen Gefängnistrakt des KyD war.

Irgendwo in einem der Verhörzimmer würden jetzt zwei oder drei Kommissare auf ihn warten, doch das bereitete ihm wenig Sorge. Er wusste, dass es hier unten in den Gängen keine Spionaugen oder Abhöranlagen gab, der Vorfall also von niemandem beobachtet worden sein konnte. Die Kommissare des Psychologischen Verhördienstes waren aber viel zu selbstherrlich, um auch nur einen Gedanken auf derartige Unwahrscheinlichkeiten, wie sie der Ausbruchsversuch eines Gefangenen darstellte, zu verschwenden. Es würden noch fünf oder gar zehn Minuten vergehen, bis sie ungeduldig werden mussten, und bis dahin hatte er Zeit.

Am Tage hätte er nicht daran denken können, ein solch kühnes Unternehmen zu starten, denn dann war fast ständig jemand zwischen Zellen, Verhörräumen und Wachzentrale unterwegs. Nachts aber war der Dienstbetrieb auf ein Minimum reduziert, und man holte immer nur einzelne Gefangene zu Verhören. Das Gefühl unbedingter Überlegenheit beherrschte auch die Wächter; nur so hatte es geschehen können, dass einer von ihnen vergaß, seine Waffe zu aktivieren ...

Kit Bronson gedachte diese Vergesslichkeit nach Kräften für sich auszunutzen.

Die Stiefel des Wächters an seinen Füßen verursachten wohl Schmerzen an den kleinen Zehen, aber keine Geräusche auf dem Boden. Rasch bewegte Kit sich vorwärts, bis er den Zugang zur Wachzentrale erreicht hatte. Zwar befand sich in der Tür ein kleines Sichtfenster, doch es war niemand da, der den Korridor beobachtete.

Kit Bronson lächelte leicht und griff nach dem erbeuteten Schlüsselgerät. Es war ein Universalgerät, das alle Türen hier unten öffnete, das wusste er aus Erfahrung. Er drückte es an den Kontakt des Eingangs, ließ es dann sofort wieder fallen und ergriff stattdessen den Schocker.

Die Tür der Wachzentrale öffnete sich geräuschlos und gab ihm den Blick auf drei sorglose Wächter frei. Sie saßen um den Tisch in der Mitte und würfelten; die aufgestapelten Münzen vor ihnen zeigten, wie eifrig sie ihre Pflicht vernachlässigten. Mit grimmigem Lächeln hob Kit die Schockwaffe und ließ deren lautlosen Strahl von einem zum anderen wandern, ehe sie überhaupt bemerken konnten, dass ein Fremder in der Uniform ihres vierten Kollegen steckte ...



3

Die erste Etappe war geschafft!

Vermutlich war es die leichteste, darüber war sich Kit Bronson klar. Er wusste nicht, wie es oben im Hauptquartier des Psychologischen Verhördienstes aussah, denn er war bewusstlos gewesen, als man ihn hereingebracht hatte. Von jetzt ab bestand die Gefahr, dass er Fehler machte, die einem echten Wächter nie unterlaufen wären, das war ihm bewusst. Nun konnte nur schärfstes Überlegen weiterhelfen.

Kit verschwendete keinen Augenblick auf die bewusstlosen Wächter; sie waren für Stunden ausgeschaltet, das stand fest. Ihm wäre wohler gewesen, hätte er die Kommissare weiter hinten im gleichen Zustand gewusst. Zweifellos besaßen diese Videophonverbindungen hinauf zum Hauptquartier und würden dort Alarm schlagen, sobald sie Verdacht geschöpft hatten. Noch hatte er einen Vorsprung, doch dieser verringerte sich mit jeder verstreichenden Minute, also hieß es rasch handeln.

Rasch — aber doch überlegt!

Er fand an der Tür hinter sich einen Knopf, der sie blockierte, sodass sie vom Gefängnistrakt her nicht mehr zu öffnen war. Kit betätigte ihn, um zumindest eine Verfolgung vom Rücken her auszuschließen, nicht zuletzt aber auch, um seine bisherigen Peiniger wenigstens für eine Weile ebenso gefangen zu setzen, wie er es noch vor Minuten gewesen war.

Dann wandte er sich dem Inventar der Wachzentrale zu, um die Möglichkeiten für sein ferneres Vorgehen zu fixieren.

Die Auswahl war nicht groß. Bald schon hatte er erkannt, dass es für ihn nur einen Weg gab, um dieser Unterwelt zu entfliehen. Die einzige Verbindung nach oben bestand in einem Lift, der hier endete und dessen Zugang sich in einem der beiden Nebenräume befand.

Im zweiten gab es zwei Liegebetten, einen Schrank für die persönlichen Sachen der Wächter und einen Waffenschrank. Kit begutachtete dessen Inhalt und entschloss sich, zusätzlich einen kleinen Handstrahler mitzunehmen. Es war eine Waffe, wie sie nur die Kommissare trugen, und er musste sie in die Hosentasche stecken. Er war nicht sicher, dass sein Schlüsselgerät auch auf die Türen der Räume weiter oben wirkte, war dies nicht der Fall, konnte er sie mittels des Strahlers aufbrennen. Auf Menschen wollte er keinesfalls damit schießen. Zwar war sein Vorgehen in den Augen der PVD-Kommissare so oder so todeswürdig, doch es widerstrebte ihm, Männer ohne Not umzubringen, die ebenso an ihrem Leben hingen wie er auch.

Der Lift war nicht besonders gesichert. Kit setzte das Schlüsselgerät an den dafür vorgesehenen Kontakt, und die Tür glitt zur Seite und schloss sich hinter ihm wieder. Ein Knopfdruck, ein kaum vernehmbares Summen, und die Kabine glitt mit ihm nach oben. Es handelte sich um einen Separataufzug, der nur bis zum Erdgeschoss fuhr. Kit wäre es lieber gewesen, weiter hinauffahren und erst einmal vorsichtig die Lage erkunden zu können, doch vielleicht war es so besser. Waren die Kommissare erst einmal auf seine Flucht aufmerksam geworden, musste jede gewonnene Sekunde doppelt zählen.

Nach etwa vier Sekunden hielt die Kabine an, und die Tür schob sich zur Seite. Kit Bronson sah in eine große halbdunkle Halle, von der zahlreiche Gänge abzweigten, während zur Rechten Stufen hinab zum Ausgang führten. Vor diesem standen todsicher Posten, und Kit wusste noch nicht, wie er an diesen würde vorbeikommen können. Er wusste nur, dass er es schaffen musste.

Er würde irgendetwas improvisieren, je nach Lage der Dinge, irgendwelche Ausreden erfinden. Schließlich trug er ja eine Wächteruniform, so bald würde also wohl niemand Verdacht schöpfen, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zuging. Und wenn doch — dann musste der Schocker helfen.

Kit holte noch einmal tief Atem und trat dann entschlossen aus dem Lift. Er lief genau einem PVD-Kommissar in die Arme, der sich im selben Moment von der Seite her näherte ...



4

War das bereits das Ende seines Ausbruchsversuchs?

Kit Bronson war zu Tode erschrocken. Abrupt blieb er stehen, bereit, die Schockwaffe von der Schulter zu reißen und abzudrücken. Trotzdem konnte er den Zusammenstoß nicht vermeiden, und bald bemerkte er auch, warum. Der Kommissar war so betrunken, dass er sich kaum noch auf den Beinen halten konnte.

Geistesgegenwärtig griff Kit zu und hielt den Schwankenden fest. Der Kommissar sah ihn aus schwimmenden Augen an, wackelte mit dem Kopf und murmelte: „Geht nicht mehr — geht einfach nicht mehr. Sind Sie dienstfrei, W...Wächter?“

Kit nahm Haltung an, soweit ihm das unter diesen Umständen möglich war. „Jawohl, Sir.“

„Gut, dann — dann kommen Sie mit!“, bestimmte der Offizier mit einer unsicheren Handbewegung in Richtung des Ausgangs. „Brauche ... brauche einen Gleiter, muss ... muss nach Hause.“ Seine weitere Rede verlor sich in einem unsicheren Gestammel.

Der Flüchtling erkannte seine Chance. Fast hätte er laut aufgelacht, nachdem er seinen Schock überwunden und die Lage erkannt hatte.

Der Kommissar des PVD brauchte einen Begleiter, um das Gebäude verlassen zu können — nichts konnte Kit Bronson willkommener sein! An seiner Seite konnte er ungehindert ins Freie kommen, denn kein Posten würde ihn behelligen, solange er sich in dieser hohen Gesellschaft befand. Der Alkoholdunst benahm ihm fast den Atem, doch entschlossen packte er den Arm des Betrunkenen und dirigierte ihn dem Portal entgegen.

Die Stufen bereiteten einige Mühe, doch dann standen beide vor dem Glasfenster der Wachstube, die sich rechts des Ausgangs befand. Der Wächter, der sich hinter demselben befand, sprang eilfertig auf, obwohl er den Zustand seines Vorgesetzten bemerkte.

„Ihren Gleiter, Sir?“, fragte er devot, blinzelte Kit aber mit einem Auge zu. Der Kommissar versuchte zu nicken, aber es wurde nur ein haltloses Pendeln des Kopfes daraus.

Kit Bronson zwinkerte zurück.

„Welche Maschine ist es?“, fragte er entschlossen; „Ich bin noch neu hier und weiß nicht richtig Bescheid.“

„Die dritte von rechts“, gab der Wachhabende zurück. „Es ist die Privatmaschine des Kommissars, die Automatik ist eingestellt. Sie brauchen ihn nur einzuladen, er kommt dann von selbst nach Hause.“ In diesem Augenblick sackte der Betrunkene in Kits Armen zusammen, und der Wächter zog die Brauen hoch. „Wahrscheinlich wird es doch besser sein, wenn Sie mitfliegen, sonst bekommen wir morgen Schwierigkeiten. Soll ich Ihnen hinaushelfen?“

„Danke, es wird schon gehen“, wehrte Kit ab, der keinerlei Wert auf diese Begleitung legte. Der Wachhabende zuckte mit den Schultern und drückte auf den Öffnungskontakt des Portals, als Kit dieses erreicht hatte, den Kommissar mehr tragend als führend. Lautlos schwang ein Türflügel auf — und Kit schritt an den beiden Posten rechts und links vorbei in die Freiheit ...



5

So leicht war es gewesen, dem berüchtigten Psychologischen Verhördienst zu entfliehen!

Kit Bronson gestand sich aber ehrlich ein, dass ihm dies ohne die kräftige Nachhilfe des Zufalls nie gelungen wäre. Er war ihm zweimal begegnet, einmal in Gestalt eines vergessenen Sicherungsknopfes und einmal in der des betrunkenen Kommissars, und das war weit mehr, als man von diesem unberechenbaren Gesellen erhoffen konnte. Jetzt kam es darauf an, dieses Geschenk auch richtig zu nutzen.

Mit einiger Mühe verstaute er den fast hilflosen Kommissar in der Kabine des luxuriösen Gleiters und überlegte dabei bereits seine weiteren Schritte. Es gab zwei Möglichkeiten für ihn.

Die eine bestand darin, den Kommissar einfach allein abfliegen zu lassen, sich eines anderen Gleiters zu bemächtigen und mit diesem zu entfliehen. Die andere war, ihn nach Hause zu bringen, dann kurzerhand wieder zu starten und die Flucht mit dieser Maschine zu bewerkstelligen. Kit analysierte die Erfolgsaussichten beider Versionen und kam dann zu dem Schluss, dass keine davon etwas taugte ...

Bestimmt hatte man inzwischen in der PVD-Zentrale seine Flucht bemerkt, ohne aber zu wissen, wohin er sich dabei gewandt haben mochte. Man würde ihn zuerst innerhalb des Gebäudes suchen, denn niemand würde annehmen, dass er trotz der erbeuteten Wächteruniform hinausgelangt sein könnte. Bis der Wachhabende am Portal darauf kam, den Begleiter eines — wenn auch betrunkenen — PVD-Kommissars als den Flüchtling zu verdächtigen, mochte noch

Impressum

Verlag: BookRix GmbH & Co. KG

Texte: (C) ALFRED BEKKER CASSIOPEIAPRESS
Tag der Veröffentlichung: 29.05.2018
ISBN: 978-3-7438-7059-8

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