Cover

Das Geheimnis um Cranstone Manor

Romantic Thriller von Frank Rehfeld

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 118 Taschenbuchseiten.

 

Nach einigen Startschwierigkeiten schweben Robert und Caroline im siebenten Himmel ihres Liebesglücks. Der Millionär nimmt die Journalistin mit zu seinem Heim, nach Cranstone Manor, und alles scheint gut. Bis die Alpträume beginnen. Caroline leidet sehr darunter, und sie hat Angst: Ein gespenstisches Geheimnis liegt über dem prunkvollen Cranstone-Anwesen, glaubt sie. Ausgerechnet als Robert seinen Geburtstag mit einem großen Fest feiern will, gerät Caroline in tödliche Gefahr, und ihr Schicksal hängt an einem seidenen Faden.

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker.

© by Author

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de



1

Deprimiert brütete Caroline Stafford an ihrem Schreibtisch vor sich hin. Es gab keinen konkreten Anlass für ihre Niedergeschlagenheit, sondern viele kleine Einzelheiten, die zusammenkamen. So grübelte sie über das schon seit Tagen anhaltende Regenwetter nach, über ihren letzten Steuerbescheid, die Tatsache, dass sie in nicht mal zwei Wochen schon sechsundzwanzig wurde, den Artikel, den sie über einen völlig langweiligen und arroganten Schauspieler namens Beaumont schreiben musste, mit dem sie vorgestern ein Interview geführt hatte, und über die Ungerechtigkeiten des Lebens ganz allgemein.

Und natürlich über Robert Cranstone. Ganz besonders über Robert Cranstone, auch wenn sie sich bemühte, jeden Gedanken an ihn sofort wieder aus ihrem Kopf zu verbannen.

Sie blickte auf, als eine Sekretärin durch das Großraumbüro auf sie zu kam, vor ihrem Schreibtisch stehenblieb und ihr eine Ausgabe von Pulse reichte, dem Lifestyle-Magazin, für das sie schrieb.

„Hier, ein erstes druckfrisches Exemplar. Habe ich gerade bekommen.“

Caroline bedankte sich, schlug das Magazin auf und blätterte bis zu einem bestimmten Artikel vor, den sie selbst geschrieben hatte. Er handelte von dem Paladine, einem Luxushotel, das der aufgrund seiner Öffentlichkeitsscheu als geheimnisumwittert und verschroben geltende Millionär Robert Cranstone in Wales erbaut hatte. Anlässlich ihrer Reportage über das Hotel hatte Caroline ihn vor knapp drei Wochen kennengelernt und sich bis über beide Ohren in ihn verliebt.

Auch er erwiderte ihre Gefühle – zumindest hatte sie das bislang geglaubt –, doch war ihnen nichts anderes übriggeblieben, als sich zumindest vorläufig wieder zu trennen. Caroline hatte zu ihrer Arbeit nach London zurückkehren müssen, während Cranstone für mehrere Tage nach Amerika musste, um wegen irgendwelcher Firmenbeteiligungen dort vor Ort zu verhandeln. Allerdings hatte er versprochen, sich nach seiner Rückkehr direkt wieder bei ihr zu melden.

Fast drei Wochen war das nun her, ohne dass ein Lebenszeichen von ihm gekommen war, und diese Zeit kam ihr mittlerweile wie eine Ewigkeit vor. Noch hatte sie die Hoffnung nicht völlig aufgegeben, aber nachdem so viel Zeit verstrichen war, glaubte sie inzwischen selbst nicht mehr richtig daran, dass er sie noch anrufen würde. Offenbar waren seine Gefühle für sie doch nicht so stark gewesen, wie sie gedacht hatte, und er hatte es sich anders überlegt.

Das Telefon auf ihrem Schreibtisch klingelte, und sie nahm den Hörer ab.

„Caroline, kommen Sie doch bitte mal zu mir“, vernahm sie die Stimme von Jeffrey Bernstein, ihrem Chefredakteur.

„Bin schon unterwegs.“

Sie legte auf und machte sich auf den Weg zu seinem Büro, das ein Stockwerk höher lag. Ohne anzuklopfen trat sie ein, da Bernstein auf solche Formalitäten keinerlei Wert legte. Er war ein großer, dunkelhaariger Mann Ende vierzig. Seiner kräftigen Statur zufolge hätte man in ihm eher einen Holzfäller als den Redakteur einer Zeitung vermutet, da er viel Zeit im Fitnessstudio verbrachte. Sein Schreibtisch war im Gegensatz zu den meisten anderen in der Redaktion geradezu penibel sauber und aufgeräumt.

„Caroline, ich beginne mir allmählich Sorgen um Sie zu machen“, kam er ohne lange Umschweife zur Sache, kaum dass sie sich gesetzt hatte. „In den letzten Wochen laufen Sie nur noch mit einer Trauermiene herum, die schon nicht mehr feierlich ist, und Ihre Arbeit geht Ihnen auch nicht mehr so leicht von der Hand wie früher. Wie ich gehört habe, ist Ihr Artikel über diesen Beaumont immer noch nicht fertig. So etwas haben Sie doch früher mit links erledigt.“

„Früher hatte ich es auch noch nicht mit einem Typen wie ihm zu tun“, verteidigte sie sich. „Der Kerl ist ein absoluter Langeweiler und dazu ein aufgeblasener Angeber. Er hat keinerlei Kultur oder Allgemeinwissen, in dem ganzen Gespräch hat er nur von sich selber geschwärmt. Narziss war gegen ihn geradezu ein kleines Licht, aber das kann ich so natürlich nicht schreiben.“

„Bloß nicht. Immerhin hat er in den letzten eineinhalb Jahren in zwei der erfolgreichsten Hollywoodfilme die Hauptrolle gespielt und eine Menge weiblicher Fans.“

„Die Filme sind aber nur aufgrund der Handlung und der Spezialeffekte zu Blockbustern geworden“, erinnerte Caroline. „Beaumonts Leistung wurde von allen Kritikern übereinstimmend als lachhaft bezeichnet. Für ihn ist das allerdings nur neiderfüllte üble Nachrede. Er hält sich nämlich für den begnadetsten Schauspieler seit Lawrence Olivier und eine Art Geschenk Gottes an die Menschheit. Aber das will ich nur dezent andeuten, um eine Beleidigungsklage zu vermeiden und seine Fans nicht allzu sehr zu verprellen. Gleichzeitig will ich aber nicht lügen. Die Wahrheit soll schon zwischen den Zeilen anklingen, und das ist nicht leicht. Ich muss um jedes einzelne Wort ringen.“

„Schön und gut, doch dann beeilen Sie sich mit diesem Ringkampf, denn wir brauchen den Artikel.“ Bernstein beugt sich ein bisschen vor und blickte sie eindringlich an. „Aber wir wissen beide, dass das eigentliche Problem ganz woanders liegt. Dieser Cranstone hat Ihnen ein Exklusiv-Interview versprochen, das erste, das er je gibt, doch – “

„Er hat es mir nicht versprochen, sondern nur in Aussicht gestellt“, korrigierte Caroline.

„Und was ist daraus geworden? Warum bleiben Sie nicht am Ball? Sie haben sich persönlich kennengelernt und sich sogar angefreundet. Das ist die Chance. Als gute Journalistin müssen Sie sofort nachhaken, wenn sich Ihnen eine solche Gelegenheit bietet.“

„Cranstone hat gesagt, er würde sich melden, wenn er zu so einem Interview bereit wäre.“

„Wenn wir Journalisten uns mit einer solchen Aussage jedes Mal abspeisen ließen, wären die Hälfte unserer Interviews und Artikel niemals erschienen, das wissen Sie doch so gut wie ich. Also haken Sie nach, drängen Sie ihn, seien Sie notfalls so lästig, bis er endlich nachgibt.“

„Das wäre bei Robert Cranstone der völlig falsche Weg“, widersprach Caroline. „Er lässt sich nicht drängen. Wenn ich das versuchen würde, würde ich alles bisher Erreichte zerstören.“

„Na gut, aber nach mehreren Wochen können Sie doch zumindest mal unverbindlich nachfragen, wie es mit dem Interview nun aussieht.“

Caroline senkte den Blick und knetete nervös ihre Hände. Im Grunde hatte Bernstein recht. Sie beherrschte ihren Beruf, und bei jedem anderen Prominenten hätte sie sich auch entsprechend verhalten.

Bei Cranstone hingegen lag der Fall anders. Hier ging es nicht nur um den Beruf. Zwischen ihnen war viel mehr gewesen, und sie war überzeugt, dass er sie nicht vergessen hatte. Der erste Schritt musste von ihm kommen. Er hatte gesagt, er würde sich melden, und – Beruf hin, Beruf her – sie würde auf keinen Fall als erste bei ihm anrufen. Das sähe so aus, als würde sie ihm nachlaufen, und diesen Eindruck wollte sie unbedingt vermeiden.

„Sie kennen Cranstone nicht so gut wie ich“, brachte sie zu ihrer Verteidigung vor. „Wenn er wirklich über seinen Schatten springen und ein Interview geben will, dann wird er sich bei mir melden. Bis dahin könnte ich anrufen, so oft ich will, es würde nichts nützen, sondern höchstens schaden.“

„Ich kann Sie zu nichts zwingen. Aber ich will dieses Interview unbedingt haben. Damit haben Sie mich schon vor drei Wochen geködert, Ihren Aufenthalt im Paladine zu verlängern.“

„Und Sie haben dafür eine erstklassige Exklusiv-Reportage darüber bekommen, wie sein früherer Geschäftspartner durch Sabotageakte versucht hat, das Hotel in den Ruin zu treiben“, erinnerte Caroline.

„Das muss ich Ihnen zugutehalten, das war ausgezeichnete Arbeit“, gab Bernstein zu. „Aber trotzdem will ich zusätzlich noch das Interview. Und sehen Sie zu, dass Sie endlich den Artikel über Beaumont fertigbekommen.“

„Werde ich tun“, versprach Caroline. Seufzend erhob sie sich und kehrte wieder an ihren Schreibtisch zurück.

Wäre ich diesem Robert Cranstone doch bloß niemals begegnet, wünschte sie sich.



2

Zwei Tage nach Erscheinen von Carolines Artikel betrat ein hochgewachsener, schlanker Mann mit gelockten schwarzen Haaren die Redaktion. Sein Gesicht war männlich markant, und seine schmale Nase über den sinnlich geschwungenen Lippen verlieh ihm einen aristokratischen Zug. Kleine Grübchen um seine Mundwinkel verrieten, dass er Humor besaß und gerne lachte. Er war leger aber stilvoll gekleidet. Suchend blickte er sich mit seinen tiefblauen Augen in dem Großraumbüro um.

„Wow“, murmelte Hillary Johnson, eine Sekretärin, die gerade an Carolines Schreibtisch stand und sich mit ihr unterhielt. „Welch ein Glanz in diesen sonst trostlosen Räumlichkeiten. Den würde ich bestimmt nicht von der Bettkante schubsen.“

„Robert“, stieß Caroline überrascht hervor, als sie ebenfalls zur Tür blickte.

„Du kennst ihn? Wie wäre es, wenn du uns mal miteinander bekannt machen würdest? He, er kommt direkt auf uns zu.“

„Das ist Robert Cranstone“, erklärte Caroline.

„Der Robert Cranstone?“, hakte Hillary nach. „Der Millionär? Und den kennst du?“

„Ich habe ihn vor ein paar Wochen bei der Reportage über dieses Hotel kennengelernt. Wir haben uns angefreundet.“

Hillary stieß einen leisen Pfiff aus.

„Dann verziehe ich mich lieber. Ich will ja nicht stören.“ Sie zwinkerte Caroline zu. „Tu nichts, was ich nicht auch tun würde.“

Sie drehte sich um und ging auf ihren eigenen Schreibtisch zu, wobei sie so dicht an Cranstone vorbeiging, dass sie ihn noch streifte. Gleich darauf hatte er Carolines Platz erreicht.

„Hallo“, sagte er mit einem unschuldigen, etwas verlegenen Lächeln.

„Hallo“, gab Caroline reserviert zurück. Nachdem er sie wochenlang hatte warten lassen, bemühte sie sich, nach außen hin möglichst kühl zu wirken, doch in ihrem Inneren tobte ein wahrer Orkan von Gefühlen.

„Ich hatte versprochen, mich wieder bei dir zu melden“, sagte er reichlich unbeholfen. offensichtlich verunsicherte ihn ihre defensive, kühle Reaktion. „Tut mir leid, dass es etwas gedauert hat.“

„Etwas ist gut“, entgegnete sie. „Du hast gesagt, dass du mich anrufen würdest, sobald du aus Amerika zurück wärst, spätestens nach ein paar Tagen. Jetzt ist fast ein Monat vergangen.“

„Das hatte ich auch vor, aber es ist ... anders gekommen. Ich habe etwas Zeit gebraucht.“

„Zeit? Wofür? Um mich wenigstens mal anzurufen und ein paar Worte am Telefon mit mir zu wechseln? Ich hätte mich auch über eine ganz unverbindliche kurze Nachricht von dir gefreut. Und wenn es nur eine Karte gewesen wäre. Dann hätte ich wenigstens gewusst, dass du mich nicht vergessen hast, statt wochenlang im Unklaren zu bleiben.“

„Ich sagte ja, es tut mir leid, wirklich. Was hältst du davon, wenn wir diese Gespräche woanders fortsetzen? Wir könnten heute Abend zusammen Essen gehen.“

Er blickte sie bittend an. Caroline hatte ihn als starken, selbstbewussten Mann kennengelernt, der genau wusste, was er wollte. Jetzt jedoch wirkte er eher wie ein schüchterner Schuljunge. Offenbar war er sich vollauf bewusst, dass er sich nicht korrekt verhalten hatte, und backte deshalb erst einmal kleine Brötchen.

„Zuerst möchte ich wissen, warum du dich so lange in Schweigen gehüllt hast“, bohrte sie unerbittlich nach, obwohl es ihr immer schwerer fiel, dem Blick seiner blauen Augen standzuhalten, in denen sie zu versinken glaubte. Aber noch war sie nicht dazu bereit, ihre Abwehrhaltung aufzugeben. Sein Verhalten hatte sie verletzt und ihr weh getan. Das sollte er zu spüren bekommen und nicht glauben, dass er mit einem freundlichen Lächeln alle Unstimmigkeiten einfach aus der Welt räumen könnte. „Wofür brauchtest du Zeit? Wichtige Termine? Dringende Geschäfte, die sich nicht aufschieben ließen? Noch ein paar Millionen mehr, die du verdienen musstest?“

Robert zuckte unter den Vorwürfen zusammen, und ihr scharfer Ton tat Caroline fast schon wieder leid. Allerdings nur fast.

„Jetzt wirst du unfair“, warf er ihr vor und setzte sich auf eine freie Ecke ihres Schreibtischs.

„Und? Habe ich dazu vielleicht kein Recht? Du warst es schließlich, der sich nicht an unsere Vereinbarung gehalten hat. Dafür möchte ich zumindest eine Erklärung.“

„Also gut.“ Robert seufzte. „Ich habe Zeit gebraucht, um in Ruhe nachzudenken. Als wir zusammen in Wales waren, ist alles so schnell gegangen. Wir haben uns kennengelernt, und vom gleichen Moment an haben sich die Ereignisse überschlagen, ohne dass ich noch zum Überlegen gekommen wäre. ich musste erst einmal abschalten und ein bisschen Distanz zu allem gewinnen, um den Kopf wieder frei zu bekommen. Es tut mir leid, wenn ich dich dadurch verletzt habe.“

„Ich hatte schon die Hoffnung aufgegeben, überhaupt noch mal von dir zu hören.“

„Ich habe mich doch schon entschuldigt. Was kann ich denn noch tun, um dir zu beweisen, dass es mir leidtut?“

„Das brauchst du mir nicht zu beweisen. Es reicht mir schon, wenn du es mir erklärst.“

Er seufzte erneut.

„Wie du meinst, obwohl ich lieber woanders mit dir darüber gesprochen hätte. Sieh mal, das alles war nicht einfach für mich. Ich bin ein ziemlicher Einzelgänger. Ich bin als Einzelkind quasi mit einem goldenen Löffel im Mund aufgewachsen, umgeben hauptsächlich von Angestellten, zu denen ich stets ein distanziertes Verhältnis wahren sollte, wie man mir schon früh eingetrichtert hat. Meine Eltern hatten nur wenig Zeit für mich. Mein Vater war ständig beruflich unterwegs, und meine Mutter kümmerte sich fast nur um irgendwelche Wohltätigkeitsveranstaltungen, so dass ich meistens allein war, und das hat mich wohl geprägt.“

Er machte eine kurze Pause und atmete tief durch.

„Nach den schlechten Erfahrungen mit Morrell, meinem früheren Partner, habe ich auch meine Unternehmen allein geleitet“, fuhr er dann fort. „Da blieb nicht mehr viel Zeit für ein Privatleben, zumal ich festgestellt habe, dass die meisten Leute eher an meinem Geld und meiner gesellschaftlichen Stellung interessiert waren. Abgesehen von flüchtigen Affären haben Frauen bislang keine große Rolle in meinem Leben gespielt. Und dann lerne ich plötzlich dich kennen und bin von meinen Gefühlen völlig überrumpelt worden. Damit musste ich erst einmal fertig werden und mir darüber klarwerden, dass es sich um mehr als eine flüchtige Schwärmerei handelt.“

„Und jetzt bist du dir dessen sicher?“ Carolines Herz schlug unwillkürlich schneller, und ihre abweisende Haltung verflüchtigte sich. Immerhin hatte Robert ihr gerade ziemlich deutlich seine Liebe gestanden.

„Ich denke schon, deshalb bin ich ja auch persönlich hergekommen, statt nur anzurufen. Aber wir sollten dieses Gespräch wirklich heute Abend beim Essen fortsetzen. Außerdem habe ich zwei Theaterkarten für Phantom der Oper bekommen, und du willst doch bestimmt nicht, dass ich allein hingehe und die andere Karte zurückgebe, oder?“

Caroline musste lächeln.

„Nein, das kann ich wohl nicht verantworten.“ Ihr wurde bewusst, dass mehrere ihrer Kolleginnen und der Sekretärinnen völlig unverhohlen zu ihr und Robert herüberstarrten. Es war wohl wirklich besser, wenn sie sich irgendwo weiter unterhielten, wo sie ungestört waren. „Du hast ja meine Adresse. Was hältst du davon, wenn du mich um kurz nach sechs abholen kommst?“

„Einverstanden“, sagte er und stand auf. „Bis heute Abend also.“

Er lächelte ihr zum Abschied zu und verließ das Büro wieder. Caroline blickte ihm nach, bis sich die Tür hinter ihm geschlossen hatte.

Für den Rest des Tages war sie mit ihren Gedanken viel zu weit weg, um sich noch richtig auf ihre Arbeit konzentrieren zu können.



3

Wie verabredet kam Robert Cranstone um wenige Minuten nach sechs, um sie abzuholen und bewies damit eine Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit, die Caroline in den letzten Wochen an ihm vermisst hatte.

Sie hatte sich am Nachmittag früher freigenommen, um rechtzeitig fertig zu sein, doch lange war sie sich unschlüssig gewesen, was sie anziehen sollte. Schließlich hatte sie sich für ein dunkelblaues Abendkleid entschieden, das zwar elegant, aber nicht allzu feierlich war. Robert trug einen maßgeschneiderten schwarzen Anzug, der ihm hervorragend stand.

Als sie das Haus verließen, und Caroline den Wagen sah, mit dem er gekommen war, machte sie große Augen. Es handelte sich um einen zweisitzigen Sportwagen, einen silberfarbenen Porsche Carrera. Am liebsten hätte sie Robert direkt gefragt, ob er sie fahren ließe, aber das traute sie sich dann doch nicht.

„Ich war vor einigen Monaten geschäftlich in London und bin damals in ein hervorragendes Restaurant in der Nähe des Trafalgar Square eingeladen worden“, erklärte er, nachdem sie eingestiegen waren und er den Motor gestartet hatte. „Dort habe ich für uns einen Tisch reservieren lassen.“

„Etwa im Flamingo?“

„Ja. Warst du schon mal dort?“

„Leider nicht, ich habe nur davon gehört. Einer meiner Kollegen hat bei der Eröffnung vor rund einem Jahr einen Artikel darüber geschrieben. Das Essen dort soll wirklich sehr gut sein.“

„Das ist es, verlass dich drauf.“

Wenig später hatten sie ihr Ziel erreicht. Wie Robert gesagt hatte, war ein Tisch für sie reserviert worden, was Caroline einigen Respekt abnötigte. Trotz der horrenden Preise war das Restaurant gewöhnlich auf Wochen im Voraus ausgebucht, und auch mit Geld allein ließ sich kurzfristig kein Tisch bekommen. Ähnlich verhielt es sich mit Karten für das Phantom der Oper. Robert musste sich mächtig ins Zeug gelegt haben und hatte eine Menge Beziehungen

Impressum

Verlag: BookRix GmbH & Co. KG

Texte: (C) ALFRED BEKKER CASSIOPEIAPRESS
Bildmaterialien: Firuz ASkin
Tag der Veröffentlichung: 02.02.2018
ISBN: 978-3-7438-5413-0

Alle Rechte vorbehalten

Nächste Seite
Seite 1 /