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Bount Reiniger und die Todesfalle: N.Y.D. - New York Detectives

Krimi von Hans-Jürgen Raben

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 118 Taschenbuchseiten.

 

Ein äußerst heikler Fall bringt den New Yorker Privatdetektiv Bount Reiniger nach Washington - mitten hinein in eine hochbrisante politische Affäre. Von einer renommierten Anwaltskanzlei erhält er den Auftrag, ihren Klienten, von dem es nur den Decknamen „Igor“ gibt, an einen sicheren Ort zu bringen, ohne dass es Zeugen gibt. Doch sowohl der amerikanische Geheimdienst als auch die Regierung des Überläufers lassen diesen nicht aus den Augen. Selbst für den erfahrenen Detektiv ist dieser Spezialauftrag eine kleine Herausforderung, zumal es bereits zwei Leichen gibt ...

 

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Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

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© dieser Ausgabe 2017 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

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Die Hauptpersonen des Romans:

Der Mann aus der Botschaft - Er will fliehen, und dazu braucht er die Hilfe von Bount Reiniger, denn wenn man ihn entlarvt, ist er tot.

Bogdanow und Suwarow - Die KGB-Agenten stellen die Falle auf, mit der sie das menschliche Wild fangen wollen.

Kyrillow - Der Restaurant-Besitzer ist der Einzige, der hilft, und deswegen muss er sterben.

Susan Kyrillow - Seine Tochter gerät, ohne es zu wissen, in eine mörderische Auseinandersetzung.

Fenton und Lester - Der amerikanische Geheimdienst ist ebenfalls in das tödliche Spiel verwickelt.

June March - unterstützt Bount Reiniger bei seinen Ermittlungen.

Bount Reiniger - ist Privatdetektiv.



1

Brad Taylor blieb stehen, die Hände hinter sich an die raue Fassade eines Bürogebäudes gestützt.

Er hatte gehofft, hier sicher zu sein, aber der Platz war fast menschenleer. Zu dieser Stunde fuhren selbst in Washington wenige Autos.

Sein Herz schlug bis zum Hals, als die Scheinwerfer des Wagens, der ihn nun schon seit zehn Minuten verfolgte, näher kamen. Immer wieder war es ihm gelungen, Haken zu schlagen und dorthin zu rennen, wohin ihm das Fahrzeug nicht folgen konnte.

Aber das ging jetzt nicht mehr. Sie hatten ihn. Die verdammten Hunde hatten es geschafft.

Taylor stiegen Tränen in die Augen. Er wusste nicht, ob es Wut oder Trauer war. Es spielte auch keine Rolle mehr, denn er würde in wenigen Minuten tot sein.

Wie ein gehetztes Tier sah er sich um. Die Straßenlampen warfen ein trübes Licht, aber hell genug, um jede Einzelheit zu erkennen. Wenn er jetzt losrannte, befand er sich auf einem Präsentierteller.

Taylor tastete unter seine Achsel. Das Leder des leeren Holsters knarrte nur. Wer weiß, wo er die Waffe verloren hatte. Die Flucht war sehr überstürzt gewesen.

Seine rechte Hand schloss sich wie eine Klaue um den Zettel, der darin steckte. War es das wert? Ein Leben für diesen Zettel?

Verdammt! Warum musste diese blöde Geschichte so schiefgehen!

Es hatte so einfach ausgesehen. Ein reiner Routinefall. Er wusste selbst nicht mehr genau, was dann passiert war. Nur eines war ganz sicher: Er hatte fliehen müssen. Er hatte um sein Leben laufen müssen. Niemand sollte erfahren, was auf diesem Zettel stand. Dieses Wissen bedeutete den Tod!

Der Wagen rollte sehr langsam am Straßenrand. Sollten sie ihn doch noch nicht gesehen haben?

Eine wilde Freude stieg in ihm auf.

Sollte er noch eine Chance bekommen? Aber die Hoffnung zerstob sofort wieder. Sie fuhren so langsam, um einen aussteigen zu lassen. Der Widerschein der Lampen blitzte auf der Tür, die für einen Augenblick geöffnet wurde.

Ein schwarzer Schatten sprang heraus und verschmolz mit der Dunkelheit, aber Taylor wusste jetzt, dass sie ihn gesehen hatten.

Sie wollten nur sichergehen!

Seine Gedanken rasten wie verrückt. Es musste doch einen Ausweg geben! Irgendetwas, das sie ihm während der Ausbildung beigebracht hatten!

Aber da war nichts mehr. Er besaß keine Waffe, keine Möglichkeit, Hilfe zu holen. Keine Hoffnung.

Er konnte nur noch versuchen, ihnen einen Strich durch die Rechnung zu machen. Seine Finger fanden den Bleistiftstummel in der Tasche. Dann riss er ein Blatt aus seinem Taschenkalender, und als der Wagen nur noch wenige Meter entfernt war, schrieb er das, was auf dem anderen Zettel stand, sorgfältig auf das neue Blatt.

Als er darunter seinen Namen schrieb, hatten sie ihn erreicht. Er ließ das Blatt fallen und trat es mit den Füßen eng gegen die Hauswand, bis es in einer Ritze festklemmte. Der Wagen fuhr schräg auf den Bürgersteig, die Türen flogen auf, und die Männer wuchsen wie Schatten aus dem Boden.

Taylor hob in einer abwehrenden Geste die Arme, aber das war zu wenig gegen die Geschosse aus schallgedämpften Pistolen, die ihn trafen und gegen die Wand warfen.

Sein erstickter Schrei erstarb im Ansatz. Langsam rutschte Brad Taylor an der Hauswand herunter.

Die Killer waren bei ihm, ehe er ruhig lag. Hastige Hände durchsuchten ihn. Es fielen keine Worte. Die Männer wussten, was sie zu tun hatten, und sie wussten, was sie suchten.

Dann kam ein halblauter Ruf der Befriedigung, und einer der Männer zwängte die Finger des Toten auseinander, zwischen denen ein Fetzen Papier herausragte.

Der Mann strich den Zettel glatt und hielt ihn den anderen hin. Alle nickten, als sie lasen, was auf dem Zettel geschrieben stand.

Zwei Worte.

Ein Name.

Die Killer stiegen in ihren Wagen, und ehe die Türen zuklappten, raste der Fahrer los.

An der Hauswand blieb eine verkrümmte Gestalt liegen, um die sich langsam eine dunkle Lache ausbreitete.



2

Gleißende Scheinwerfer auf tragbaren Stativen rissen den Körper aus der ihn umgebenden Dunkelheit. Zusätzlich erhellten zahlreiche Autoscheinwerfer die Szene.

Uniformierte Männer brüllten Anweisungen und hielten das halbe Dutzend Neugierige fern, das sich trotz der nächtlichen Stunde eingefunden hatte. Nachtschwärmer aus Bars oder geheimen Spielhallen.

Der Notarzt war bereits fertig mit der ersten Untersuchung. Er hasste diese nächtlichen Einsätze, aber gerade Washington besaß eine der höchsten Mordraten des Landes.

Er schüttelte bedauernd den Kopf und trat von der Leiche zurück.

Der Polizei-Captain tippte ihm auf die Schulter. „Was können Sie sagen, Doc?“

Der Notarzt zuckte mit den Schultern. „Er ist zweifellos tot.“

Der Captain lief leicht an, und auf seiner Stirn bildete sich eine Zornesader. „Doc, ich habe diese verdammten Nachteinsätze nicht erfunden, und Sie können mir glauben, dass auch ich etwas Besseres zu tun hätte, als mir hier neben einem Toten die Beine in den Bauch zu stehen. Also, was ist passiert?“

Der Arzt machte eine müde Handbewegung. „Er ist erschossen worden. Großes Kaliber vermutlich. So wie es aussieht, hätte ihn jeder der Treffer töten können. Aber der oder die Mörder wollten wohl sichergehen. Der Tote weist fünf Einschüsse auf.“

„Stammen sie aus der gleichen Waffe?“

„Das lässt sich erst bei der Autopsie sagen. Aber mindestens drei Geschosse haben den Körper durchschlagen. Sehen Sie an der Hauswand nach. Die Kugeln müssen irgendwo geblieben sein. Dann haben Sie den ersten Hinweis. Ich glaube, es waren mindestens zwei Schützen. Das schließe ich aus den verschiedenen Winkeln der Einschüsse.“

Der Captain salutierte. „Danke, Doc.“

Dann beugte er sich selbst zu dem Toten nieder. Der Mann war noch jung, vielleicht Mitte zwanzig. Auf seinem Gesicht lag ein leichtes Lächeln im Tod wie festgefroren.

„Warum grinst er denn so?“, fragte einer der Beamten der Mordkommission, der neben ihn getreten war.

Der Captain erhob sich. „Er wird was Lustiges gesehen haben. Los, machen Sie sich an die Arbeit.“

Der Mann nickte und durchsuchte den Toten. Er fand eine Brieftasche und klappte sie auf. Dann stieß er einen erstaunten Laut aus und fuhr hoch. „Captain! Sehen Sie mal!“

„Was ist?“

„Der Tote trägt einen sehr merkwürdigen Ausweis bei sich.“

Der Captain riss ihm das Dokument aus der Hand und klappte es auf. Seine Miene wurde starr. „Verdammter Mist!“, knurrte er.

Dann wandte er sich an die Polizisten. „Keiner kommt mir mehr als fünf Schritte an den Toten. Das gilt auch für die Jungs von der Mordkommission! Für die sogar ganz besonders!“

„Los!“, herrschte er einen seiner Beamten an. „Geben Sie mir ein Mikrofon und verschwinden Sie aus meiner Nähe!“

Der Polizist reichte ihm das Mikrofon aus dem Streifenwagen und ging ein paar Schritte zur Seite.

Mit grimmigem Gesicht sprach der Captain. Dann gab es eine Pause, in der er düster seine Leute musterte.

Endlich sprach er wieder, diesmal wohl mit einem anderen Gesprächspartner. Das heißt, er hörte mehr zu. Dann legte er das Mikrofon wieder in die Halterung.

„Es bleibt zunächst alles, wie es ist“, teilte er dann seinen Leuten mit.

„Und der Tote?“, fragte einer.

„Der bleibt noch lange genug tot. Die paar Minuten werden ihm nicht schaden!“, entgegnete der Captain bissig.

Er drehte sich um. „Und schaffen Sie mir die Zuschauer vom Leib. Ich wünsche eine lückenlose Absperrung. Wenn einer dieser Typen von der Presse auftaucht, möchte ich umgehend benachrichtigt werden. Noch besser wäre es, wenn ich hier überhaupt keinen Fotoapparat zu sehen bekomme.“

Seine Leute hatten verstanden und dehnten den Sperrkreis aus. Den meisten Zuschauern war es ohnehin zu langweilig geworden, und sie hatten sich bereits verdrückt. Die zwei oder drei restlichen Nachtschwärmer verzogen sich rasch, als die Polizisten die Handschellen vom Koppel nestelten.

Es dauerte eine knappe Viertelstunde, bis sich ein Wagen mit hoher Geschwindigkeit näherte.

Zwei Männer stiegen aus und zeigten dem Captain irgendwelche Papiere. Er nickte und ließ sie zu dem Toten.

Es gefiel ihm nicht, dass sich diese Burschen in seine Kompetenzen mischten, aber er konnte nichts dagegen tun. Und wenn er ganz ehrlich war, war es ihm eigentlich auch egal. Er wurde in ein paar Jahren pensioniert. Und deshalb würde er sich ganz sicher nicht mit diesen Burschen anlegen.

Obwohl die Frage schon erlaubt gewesen wäre, was sie eigentlich hier zu suchen hatten. Er verdrängte den Gedanken und fragte sich, ob es hier irgendwo eine heiße Tasse Kaffee geben mochte.

Die beiden Männer untersuchten den Toten mit professioneller Gründlichkeit, und selbst der Captain musste zugeben, dass sie ihr Handwerk verstanden. Sie drehten den Toten herum und suchten den Boden ebenso gründlich ab. Das Licht der Scheinwerfer war hell genug.

Der Captain hoffte, dass er von weiteren Morden in dieser Nacht verschont bleiben möge. Vielleicht fand er doch noch ein paar Stunden Schlaf. Einer der Männer entdeckte den zusammengeknüllten Zettel in der Mauerritze. Er strich ihn glatt und erstarrte.

Dann zeigte er ihn seinem Kollegen. Sie nickten sich beide zu, und dann war ihr Interesse für den Toten auch schon erloschen.

Sie erhoben sich und traten auf den Captain zu. „Der Mann gehört Ihnen. Wir haben gesehen, was es zu sehen gab.“

Der Captain deutete auf den Zettel, den der eine in der Hand hielt. „Es sieht so aus, als würden Sie Beweismittel beiseite schaffen.“

Die beiden grinsten sich an, dann sagte der Wortführer. „Es ist nur ein Zettel!“ Er hielt ihn kurz hin und schob ihn dann in die Tasche. „Er trägt zur Aufklärung des Verbrechens wirklich nichts bei.“

Der Captain hatte nur flüchtig ein Wort lesen können. „Wollen Sie das Urteil darüber nicht vielleicht lieber mir überlassen?“

Die Gesichter der beiden Männer wurden hart. „Nein, das wollen wir nicht. Sie haben einen Toten. Begnügen Sie sich damit.“

Sie gingen zu ihrem Wagen und stiegen ein.

Der Captain starrte ihnen mit zusammengekniffenen Lippen nach. „Verdammte Regierungsbande!“, murmelte er.

Seine Leute standen regungslos herum und sahen ihn an.

„Weitermachen!“, brüllte er plötzlich. „Worauf wartet ihr denn noch!“



3

Bount Reiniger stand am Fenster seines Büros und starrte in die Straßenschlucht hinunter. Er überlegte, ob er auf einen Sprung zu Musis Bar & Grill hinuntergehen sollte, verwarf den Gedanken aber wieder, denn June March hatte ihm einen ganzen Stapel Unterlagen hingelegt. Vorgänge, wie sie das hochtrabend bezeichnete.

Bount hatte nur einen flüchtigen Blick darauf geworfen. Es handelte sich um Abrechnungen, Steuersachen, Anfragen, Bankauszüge und allerlei sonstige Korrespondenz. Wenn Bount ehrlich war, hatte er jedoch keine Lust, sich mit diesen Dingen auseinanderzusetzen.

Ein kühler Drink in seinem Stammlokal würde ihm wesentlich besser bekommen. Er steckte sich zunächst eine Pall Mall an und stieß den Rauch in Form von Ringen in die Luft.

Die Tür zum Vorzimmer wurde aufgerissen, und June stand in der Tür. Sie schüttelte ihre blonden Locken und deutete hinter sich. „Da ist ein Besucher, der sich nicht abweisen lässt. Er sagt, er will mit dir reden, und wenn er den ganzen Tag warten muss.“

„Bitte ihn doch herein. Du sollst dich um meine Klienten kümmern und sie nicht abwimmeln“, fügte er flachsend hinzu.

June wurde rot und trat wortlos zur Seite.

Auf der Schwelle erschien ein Typ, wie man sich den Gentleman vorstellte. Um die Vierzig, Nadelstreifenanzug, maßgeschneidert natürlich. Auf Hochglanz polierte Schuhe wahrscheinlich handgefertigt. Auf dem spärlichen grauen Haar eine teure Kopfbedeckung, die er jetzt abnahm.

Das Gesicht des Mannes mit dem feinen Lächeln wirkte irgendwie gütig, aber in den Augen lag eine unübersehbare Härte.

Bount streckte die Hand aus. „Nehmen Sie bitte Platz.“

Der Mann nickte dankend und ließ sich in dem Besuchersessel nieder. Er schlug seine Beine übereinander und zog dabei sorgfältig die Bügelfalten glatt.

Bount ließ sich auf der anderen Seite des Schreibtisches nieder. Es juckte ihn, die Füße auf den Tisch zu legen, aber er ließ es bleiben. Sein Besucher hätte vermutlich die Augenbrauen hochgezogen. Und als Privatdetektiv war man schließlich auf seine Klienten angewiesen.

„Was kann ich für Sie tun?“, erkundigte sich Bount schließlich.

Der Besucher schob ihm eine Visitenkarte über den Tisch. Osborne, Osborne & Stevenson stand darauf. Anwaltskanzlei. Und darunter eine Adresse in Washington. Bount kannte sich nicht sehr gut in der Hauptstadt aus, aber er wusste, dass es eine feine Adresse war.

„Ich bin Victor Osborne“, stellte sich der Besucher vor. „Der zweite Osborne auf der Karte.“

„Aha“, bemerkte Bount dazu.

„Ich komme in einer sehr heiklen Angelegenheit zu Ihnen“, setzte Osborne das Gespräch fort.

„Das tun alle meine Klienten“, stellte Bount fest.

Der Anwalt schien verwirrt. „Natürlich. Aber die Sache, in der ich Sie aufsuche, verlangt äußerste Diskretion. Es geht um Leben und Tod, und wenn ich nicht die Gewissheit habe, dass ich bei Ihnen die entsprechende Diskretion finde, hätte es keinen Sinn, das Gespräch fortzusetzen.“

„Warum sind Sie dann hier?“, fragte Bount kühl.

„Nun, ich habe Erkundigungen eingezogen und so bin ich schließlich auf Ihren Namen gestoßen.“

„Erkundigungen worüber?“

Osborne schien erstaunt. „Ich suchte einen vertrauenswürdigen Mann, der bestimmte Aufgaben erledigen kann. Mit Behutsamkeit, aber vor allem mit Erfolg.“

„Und jetzt sind Sie hier. Also müssen Sie doch annehmen, dass Sie in mir diesen Mann gefunden haben.“

Osborne zuckte vor so viel Direktheit fast zurück. „Ja, Ihr Name wurde mir verschiedentlich genannt. Ich wollte mir selbst ein Bild machen, bevor ich Sie mit der bewussten Angelegenheit betraue.“

Bount hob die Hand. „Man betraut mich nicht mit Aufgaben, wie Sie sich ausdrücken. Ich übernehme sie, wenn es mir richtig erscheint und wenn das Honorar stimmt.“

„Das Geld dürfte in dieser Angelegenheit nur eine untergeordnete Rolle spielen“, sagte der Anwalt rasch.

Bount lehnte sich zurück. „Sagen Sie mir zuvor noch, weshalb ein Anwalt aus Washington einen New Yorker Privatdetektiv beschäftigen will. Auch in Washington gibt es ausgezeichnete Detektive.“

Osborne nickte. „Das ist richtig, aber der Grund dafür hängt schon unmittelbar mit dem Fall zusammen.“

„Dann müssen wir wohl über diesen Fall reden“, meinte Bount.

„Darf ich Sie zuerst fragen, ob Sie bereit sind, den Fall anzunehmen, bevor ich darüber rede?“

„Das ist außerordentlich ungewöhnlich. Meine Zusage gebe ich in der Regel erst dann, wenn ich alle notwendigen Einzelheiten kenne. Es gibt nämlich Fälle, die ich grundsätzlich nicht übernehmen werde. Scheidungen gehören zum Beispiel dazu.“

Osborne gestattete sich ein Lächeln. „Sie können davon ausgehen, dass mein Fall nicht in diese Kategorie gehört.“

„Nun gut.“ Bount war interessiert, wie er sich insgeheim zugestehen musste. Osborne hatte etwas an sich, dass ihn neugierig machte. Sein Instinkt sagte ihm, dass er hier auf etwas Besonderes gestoßen war. Und sein sechster Sinn verriet ihm ebenfalls, dass es gefährlich war. Es gab dafür nicht den geringsten Anhaltspunkt, aber er wusste es.

„Ich bin grundsätzlich interessiert“, sagte Bount nach einer Pause. „Sie erzählen mir jetzt, worum es geht, und ich garantiere Ihnen, dass nichts von dem, was Sie sagen, diesen Raum verlässt, selbst wenn ich Ihren Fall nicht übernehmen sollte.“

Osborne dachte ein paar Sekunden nach. Schließlich nickte er. „Einverstanden. Meine Gewährsleute sagten mir, dass es sich bei Ihnen um einen vertrauenswürdigen Mann handelt. Im Übrigen bin ich der festen Überzeugung, dass Sie den Fall übernehmen werden.“

Bount lehnte sich zurück und zündete sich eine Pall Mall an. „Ich höre.“

„Es geht um einen Klienten in Washington, dessen Namen ich Ihnen jetzt noch nicht sagen werde. Nur so viel: Es ist kein Amerikaner.“

Bount runzelte die Stirn. „Weiter.“

„Dieser Mann braucht Hilfe. Er muss unbeobachtet in ein sicheres Versteck gebracht werden.“

„Warum geht er nicht

Impressum

Verlag: BookRix GmbH & Co. KG

Texte: (C) ALFRED BEKKER CASSIOPEIAPRESS
Bildmaterialien: Firuz Askin
Tag der Veröffentlichung: 15.12.2017
ISBN: 978-3-7438-4626-5

Alle Rechte vorbehalten

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