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Das Vermächtnis von Santo Toribio

Western von Luke Sinclair

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 123 Taschenbuchseiten.

 

Santo Toribio, uralte, längst verlassene Missionsstation in den Bergen Arizonas. Ein geheimnisumwitterter Ort, um den sich zahlreiche Legenden von Reichtum und Tod ranken. Ein gewaltiger Silberschatz soll in Santo Toribio liegen, doch die wenigen Männer, die den Weg dorthin gefunden haben, blieben verschollen. So auch Tom Fallons Vater Matthew, auf dessen Fährte Tom Fallon nach zehn Jahren stößt. Doch diese Spur führt Tom mit der mörderischen Horde von Jose Vargas zusammen. Und Tom weiß, dass sie ihn töten werden, sobald sie den Schatz von Santo Toribio gefunden haben...

 

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Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker.

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© dieser Ausgabe 2017 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen.

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1

Das Haus lag düster und ohne Leben auf dem kleinen Hügel wie ein schlafendes Tier. Tom Fallon drehte sich im Sattel um und schaute zu den Lichtern der Stadt zurück, die in der emporsteigenden Wärme, die die Nacht aus dem Boden sog, leicht flimmerten.

Der schwache Streifen am Horizont war gerade verdämmert, also noch keine Zeit zu schlafen. Aber Patrick Maville war vermutlich schon ein alter Mann.

Tom Fallon zuckte mit den Schultern und ritt mit klappernden Hufen den steinigen Hang hinauf, hielt vor dem Haus an und schaute sich prüfend um.

Es gab kein Licht in diesem verdammten Haus und auch sonst nichts, was auf ein lebendes Wesen hingedeutet hätte.

Er glitt aus dem Sattel.

Die Tür ließ sich leicht öffnen und knarrte in den Angeln. Er trat in die Dunkelheit und lehnte sich einen Moment an die Wand neben der Tür. Die Luft war muffig und abgestanden.

Draußen kam der Mond über eine Wolkenbank und ließ die schwachen Umrisse eines Tisches aus der Finsternis erstehen.

Tom Fallon durchschritt entschlossen den Raum.

„Matthew? Matthew Fallon? Herr des Himmels, das kann doch nicht möglich sein..“

Die Stimme kam von irgendwo aus der Dunkelheit, die wie klebriger Brei in diesem Raum hing, und klang dünn und brüchig wie alles an diesem Haus, so als würde sie keinem Lebenden gehören.

Tom Fallon konnte nicht verhindern, dass ihn eine eisige Kälte beschlich. Seine Mutter hatte ihm oft gesagt, wie sehr er seinem Vater ähnelte, aber es war stockdunkel in diesem verdammten Haus, und dieser Mann, wer er auch immer sein mochte, konnte ihn unmöglich erkennen. Außerdem wusste hier in der Gegend jeder, dass Matthew Fallon seit zehn Jahren tot war. Am besten musste es Patrick Maville wissen.

Tom Fallons Hände glitten hastig über den Tisch. Gab es denn kein Licht hier?

Der Mann in der Finsternis schien seine Gedanken erraten zu haben, denn er sagte:

„Es gibt keine Lampe in diesem Haus.“

Tom drehte sich herum, obwohl er noch immer nichts erkennen konnte. Seine Hand näherte sich unwillkürlich dem Revolver.

„Wer bist du?“

„Patrick Maville.“

„Dann müsstest du wissen, dass ich nicht Matthew Fallon sein kann.“

„Natürlich.“ Die Stimme klang erschöpft, als müsste sie sich von einem Schrecken oder einer ungewohnten Erregung erholen. „Aber du hast denselben Schritt. Mein Gott, für einen Moment glaubte ich, Matthew Fallon käme hier herein.“

„Ich bin sein Sohn."

Einen Augenblick lang herrschte Schweigen, dann fuhr der Mann in der Dunkelheit fort: „Du hast lange gebraucht, um hierher zu finden.“

„Mutter starb vor zwei Wochen, und ich fand jenen Brief, den du vor zehn Jahren geschrieben hattest. Bis dahin hatte ich keine Ahnung von alledem.“

„Hast du dich vorher nie für deinen Vater interessiert?“

„Sie ließ mich in dem Glauben aufwachsen, dass er tot sei. Sie wollte nicht, dass ich jemals nach Mexiko zurückkehrte.“

„Ja“, die Stimme schien plötzlich weit fort zu sein, „für sie war er damals gestorben, als sie mit dir in die Estados Unidos zurückging. Sie hat dieses Land nie verstanden.“

Die Dunkelheit ging Tom auf die Nerven. Es war ihm, als würde er sich mit einer Stimme unterhalten, die zu niemandem gehörte. Er ging auf diese Stimme zu und nestelte sein Rauchzeug aus der Tasche.

„Hast du nie versucht, nach Santo Toribio zurückzukehren?“, fragte er, während er sich geschickt eine Zigarette drehte.

„Viele haben das versucht, und keiner von ihnen ist je zurückgekommen.“

Tom Fallon riss ein Zündholz an, und seine Blicke tasteten schnell mit dem Licht der kleinen, auf zischenden Flamme umher. Er sah einen alten Mann mit einem langen weißen Bart und flaumigen, ebenso weißen Haaren ruhig in einem Lehnstuhl sitzen. Eine grässliche, wulstige Narbe zog sich quer über sein Gesicht und verschmolz mit der leeren Augenhöhle, die Tom rot und feucht glänzend anstarrte. Das andere Auge war milchig und tot.

Die kleine Flamme verbrannte Tom Fallons Fingerspitzen, und er ließ das Zündholz fallen, ohne seine Zigarette angezündet zu haben.

„Ich hatte Glück“, fuhr Patrick Maville ruhig fort, „ich verlor dabei nur mein Augenlicht.“

Tom riss ein neues Zündholz an und setzte damit seine Zigarette in Brand.

„Die Leute in Mesa Piedra sagen, der Ort sei seit jenem Tag verflucht.“

„Vielleicht war er das schon immer“, sagte der alte Mann.

„Und du glaubst das?“, fragte Tom mit leisem Spott. Er hörte, wie Maville sich erhob und mit schlürfenden Schritten zu einem der Fenster ging. Seine Silhouette hob sich wie der Kopf eines Löwen vor dem schimmernden Mondlicht ab.

„Nur ein einziger Mann entkam damals, ein Mann namens Crooks, und wenn ich selbst nicht zufällig an jenem Tag in Mesa Piedra gewesen wäre, würde ich heute bestimmt nicht mehr am Leben sein. Ich jedenfalls werde nie mehr nach Santo Toribio zurückkehren.“

„Aber ich.“

Der alte Mann drehte sich zu ihm um. „Und was hoffst du dort zu finden?“

„Ich will sehen, wo mein Vater lebte und starb.“

„Und das Silber finden.“

„Vielleicht.“

„Es liegt ein Fluch auf diesem Silber. Vielleicht wirst du es finden, aber es wird dir kein Glück bringen. Auch deinem Vater hat es kein Glück gebracht.“

„Die Mimbrefios haben damals den Ort überrannt, keine Geister“, erwiderte Tom spöttisch.

„Natürlich. Aber es gibt so vieles, Junge, von dem du nichts weißt und hoffentlich nie etwas erfahren wirst. Ich jedenfalls werde dir den Weg nicht beschreiben. Und jetzt müssen wir unsere Unterhaltung unterbrechen. Es kommen Reiter. Ich kann sie hören. Wahrscheinlich Jose Vargas mit seinem üblen Haufen. Sie kommen öfter hier vorbei und tränken ihre Gäule, weil sie sich nicht in die Stadt wagen. Es ist besser, wenn du jetzt von hier verschwindest.“

„Wenn dieser Vargas vor einer gezogenen Waffe steht, ist er nicht gefährlicher als ein Schaf“, sagte Tom Fallon unbeeindruckt.

„Du bist genauso stur, wie dein Vater, aber ich habe meine Gründe, wenn sie dich hier nicht sehen sollen.“

Tom zuckte mit den Schultern.

„Hält deine Bude noch stand, wenn man auf das Dach steigt?“

„Du kannst es ja versuchen, aber bring dein Pferd hinter das Haus.“

Das Dach war noch verhältnismäßig stabil und hielt stand. Tom Fallon hockte sich in den Schatten des Kaminaufbaues und wartete. Der alte Mann hatte ein verdammt gutes Gehör, denn es dauerte noch eine Weile, bis die Reiter in Sicht kamen. Tom konnte in der Dunkelheit nicht genau erkennen, wie viele es waren, aber auf jeden Fall waren es mehr als ein halbes Dutzend, und es war auch eine Frau dabei. Die meisten waren Mexikaner.

Sie hielten bei dem Brunnen und tränkten ihre Tiere. Ein großer Mann mit einem bunten Poncho schaute zum Haus.

„Der Alte hockt wieder wie eine Spinne in seiner Ecke und belauert uns.“

„Lass ihn in Ruhe“, sagte ein anderer Mann, dessen schmalkrempiger Hut von denen der Mexikaner abstach. Dieser Mann war zweifellos ein Gringo.

Der große Mexikaner ging auf das Haus zu und entschwand Toms Blicken. Wenn er nach hinten ging, musste er das Pferd sehen. Und das geschah nur wenig später.

„He, Crooks!“, rief er, „der alte Geier hat Besuch.“

Tom erhob sich mit einem Ruck.

Es war noch nicht lange her, seit der Alte diesen Namen erwähnt hatte. Maville wollte nicht, dass sie ihn bei ihm sahen, aber jetzt hatten sie sein Pferd ohnehin entdeckt.

Er trat in das helle Mondlicht und sagte: „Wer von euch ist Crooks?“

Sie schauten alle wie auf Kommando nach oben.

„Wer will das wissen?“, fragte der Mann mit dem schmalkrempigen Hut.

„Also du“, stellte Tom, ohne auf dessen Frage einzugehen, fest.

„Bist du ein Spie?“, fragte Crooks.

Tom Fallon antwortete auch diesmal nicht. Er lief auf dem Dach entlang und beobachtete die Männer unter ihm dabei aus den Augenwinkeln. Er sprang auf den Holzstapel hinunter, von dem aus er vorhin auf das Dach geklettert war, und von dort auf den Boden. Er kümmerte sich nicht um die zahlreichen Waffen, die ihn anstarrten. Er wusste, dass sie nicht schießen würden, jetzt noch nicht, so lange sie nicht wussten, wer er war und was er hier wollte.

„Was hast du da oben gemacht?“, fragte Jose Vargas. „Schlafwandelst du?“

„Zuweilen, wenn ich böse Träume habe.“

Ein junger Bursche hatte sein Pferd von der Rückseite des Hauses gebracht.

„Er hat ein gutes Pferd und einen teuren Sattel, aber er scheint kein Spie zu sein.“

Sam Crooks grinste ihn an. „Wir nehmen immer gern Geschenke.“

„Manche sind schon daran gestorben“, erwiderte Tom eiskalt. Er drehte sich ein wenig, und der Mond schien ihm ins Gesicht.

Das Grinsen in Crooks’ Gesicht fand plötzlich ein jähes Ende, und seine Hand tastete nach dem Revolver, aber es war nur eine unkontrollierte Reflexbewegung, denn er ließ die Waffe stecken.

„Fallon, um Himmels willen, ich war doch dabei, als sie dich in die Grube legten.“

Er machte ein Gesicht, als ob er einen Geist sehe, aber dann schüttelte er den Kopf. „Nein, Matthew Fallon müsste viel älter sein, aber der Teufel soll mich holen...“

„Vielleicht tut er’s noch“, sagte Tom ungerührt.

„Irgendwann holt er jeden“, sagte Vargas wie entschuldigend hinter ihm und spannte den Hahn seines Gewehres.

Tom wirbelte mit einer knappen Drehung herum, und sein Stiefel traf den Lauf der Waffe. Die Kugel pfiff in den dunklen Himmel.

„Wenn du so weitermachst, wirst du eines Nachts den Mond herunterschießen“, sagte das Mädchen mit beißendem Spott. Vargas lief dunkelrot an, und er brachte die Waffe wieder in Anschlag.

„Lass das!“, schrie Crooks ihn an. „Er muss Fallons Sohn sein.“

„Mir ist es egal, wer er ist“, sagte der Junge schräg hinter Tom, „wenn niemand ihn umlegt, dann tue ich es. Die Beute gehört dem Sieger, so haben wir es immer gehalten.“

„Crooks will mit ihm plaudern“, sagte Vargas, „also warten wir. Ihr jungen Gringos habt es immer so verflucht eilig. Ihr schlingt sogar euer Essen hinunter, ohne es zu genießen.“

Tom schaute die Gestalten der Reihe nach an, aber er konnte nicht wählerisch sein bei dem, was er vorhatte. Er wusste, dass es kein gutes Ende nehmen würde, aber bis dahin würde noch viel Zeit vergehen. Kein Grund, also, sich jetzt schon Sorgen zu machen.

„Weshalb kommst du gerade jetzt hierher?“, wollte Crooks wissen.

. Tom zuckte mit den Schultern. „Jetzt oder ein andermal, was spielt das für eine Rolle?“

„Was der Alte dir auch erzählt haben mag, ,vergiss es wieder. Er kann dir nichts nützen, gar nichts.“

Tom hielt den Kopf schief.

„Aber du, oder fürchtest du dich auch vor Fledermäusen und Eulen?“

Sam Crooks sah ihn beinahe mitleidig an.

„Hast du den Alten bei Licht gesehen? Das waren weder Eulen noch Fledermäuse.“

Aber dann kam ein plötzliches Interesse in seine Augen. Er wandte sich ab und ging zu seinem Pferd. Er wollte dort nichts, aber er brauchte Zeit zum Überlegen.

„Wovon redet ihr eigentlich?“, wollte Vargas wissen.

„Hast du doch gehört“, hetzte Lesty, „von irgendwelchem Nachtgetier.“

Tom schien es, als brauche der Junge mal dringend eine Tracht Prügel, aber das hatte Zeit bis später.

Crooks legte seine Hände auf das polierte Leder seines Sattels und schaute über die Schulter zurück.

„Unser Freund will nach Santo Toribio. Was hältst du davon, wenn wir mit ihm reiten?“

„Heilige Mutter Gottes“, stammelte Ortiz und machte das Zeichen des Kreuzes, aber Vargas sagte ärgerlich: „Ich habe keine Lust, mich mit Hirngespinsten abzugeben.“

„Ein paar Tonnen reines Silber, von den Padres in Barren gegossen“, murmelte Crooks halb zu sich selbst, „das ist mehr, als man damals in der ganzen Zeit aus der Mine gekratzt hat.“

Vargas kam ein Stück näher. In seinen schwarzen Augen funkelte die Gier, aber auch Zorn war in seinem hageren Gesicht, Zorn darüber, weil es etwas gab, was selbst er sich nicht holen konnte.

„Und weshalb hast du es nicht längst geholt, eh?“

Crooks drehte sich um und lehnte sich gegen sein Pferd.

„Weil ich nie eine wirkliche Chance hatte. Damals waren wir nur zu dritt. Und vor allem hatten wir niemanden bei uns, der Matthew Fallon glich wie ein Ei dem anderen.“

Jose Vargas schwieg einen Moment, dann ließ er ein gurgelndes, hässliches Lachen hören.

„Du warst schon immer ein durchtriebener Bursche, aber gerade das gefällt mir an dir.“



2

Sie waren den ganzen Tag unterwegs gewesen, und Lesty war sehr enttäuscht, noch immer auf seinem eigenen Pferd zu reiten und in seinem alten, schäbigen Sattel zu sitzen. Tom wusste, dass sie ihn nur am Leben ließen, weil sie irgend etwas mit ihm vorhatten.

Zu irgend etwas brauchten sie ihn, und wenn er ihnen nichts mehr nützen konnte, würden sie ihm eine Kugel in den Rücken schießen und ihn am Wegrand liegenlassen. Er musste den Zeitpunkt erkennen, wenn es soweit war, und dann musste er höllisch auf der Hut sein.

Sie lagerten an der Basis einer großen, flachen Mesa und hatten ein Feuer angezündet, denn das Gebiet der Mimbrefios begann erst einige Meilen weiter nördlich.

Tom hielt sich abseits und beobachtete die anderen, und was er sah, gefiel ihm ganz und gar nicht. Seine Finger spielten abwesend mit dem silbernen Talisman, der eine Art Sonne darstellte und an einem Lederband um seinen Hals hing. Patrick Maville hatte ihm das Ding gegeben, bevor er ihn verlassen hatte. Es hätte seinem Vater gehört Und der Alte hatte ihm eingeschärft, es ständig zu tragen, sonst würde er in Santo Toribio nicht am Leben bleiben. Tom glaubte zwar nicht an Spukgeschichten, aber irgendwie hatte er den Eindruck gehabt, dass der Alte wusste, was er sagte.

Er hob den Kopf und begegnete dem Blick des Mädchens. Wenn ein Mädchen ihrer Sorte einen Mann so ansah, dann war es besser für ihn, sein Pferd gesattelt zu halten. Sie hatte zweifellos Indianerblut in den Adern, und die anderen nannten sie Estrellita.

Sie ging zum Feuer, um sich ihre Zigarette anzuzünden, und ihre Bewegungen waren geschmeidig und aufreizend. Sie war ein Aas, aber ihr Körper gefiel ihm.

Er war lange unterwegs gewesen, und sie war eine Frau.

Sam Crooks kam herüber und brachte Tom einen dampfenden Becher.

„Trink noch einen Schluck Kaffee“, sagte er, „ist das letzte Feuer vorläufig, vielleicht das letzte in unserem Leben.“

Tom nahm den Kaffee und schaute Crooks einen Moment an. Dieser war nicht gerade ein fürsorglicher Typ. Es hatte bestimmt einen anderen Grund, weshalb er zu ihm kam.

„Es gibt keinen, der um mich heulen würde“, sagte Tom gleichgültig und nahm einen Schluck aus dem Becher.

„Hat der Alte dir einen Tipp gegeben, wo dein Vater das Silber versteckt haben könnte?“

Das war es also. Tom schüttelte den Kopf.

„Dann können wir ewig danach suchen.“

„Er sprach nur von einem Fluch, der auf dem Ort liegen soll.“

Crooks lachte verächtlich.

„Alles Geschwätz. Ein Fluch, ein verhexter Berg, und nachts gehen die Toten um. An diesen Quatsch glauben doch nur die Mexikaner. Du wirst dich noch wundern, was sie alles für Dinge ersinnen, bis wir dort sind.“

„Aber, es ist doch wahr, dass nie jemand lebend zurückgekehrt ist.“

„Das ist ganz einfach erklärt. Die Mimbrefios. Sie passen auf wie die Spürhunde, dass sich .niemand den Ruinen nähert, und bis jetzt hat es auch noch niemand geschafft.“

„Aber weshalb das alles? Man hat doch jahrelang nach Silber geschürft, ohne dass die Indianer sich gerührt haben.“ Crooks nickte.

„Dein Vater kam gut mit den Mimbrefios aus. Er war der einzige Weiße, den ich kenne, von dem man sagen könnte, er war ihr Freund, und das will schon was heißen.“

„Aber weshalb haben sie dann...?“

„Es begann mit dem Mord an deinem Vater.“

„Er wurde ermordet?“

„Ja. Wusstest du das nicht?“

„Nein.“

„Ermordet von einem Mann aus seiner engeren Umgebung. Er musste herausgefunden haben, wo das Silber der Padres steckte, und schoss Matthew Fallon in den Rücken.

Matthew war der große Mann in Santo Toribio. Es war seine Stadt, und er bekam einen Anteil von allem, was dort geschürft wurde. Als man ihn umgebracht hatte, fielen alle wie die Hyänen über seinen Besitz her. Zwei Tage später kamen die Mimbrefios und machten alles nieder, was noch am Leben war. Das war ihre Rache für Matthews Tod, den sie sehr verehrt hatten. Sie glauben, dass dadurch sein Geist frei wurde und noch heute dort lebt. Und deshalb lassen sie niemand an seine Stadt und sein Silber heran.“

Sam Crooks goss den Rest aus seinem Becher in den Sand und wandte sich ab.

„Crooks.“

Er blieb stehen und drehte sich halb um.

„Wieso glaubst du, dass Patrick Maville wissen könnte, wo das Silber ist?“

„Weil er bis zum Schluss mit deinem Vater zusammen war.“

„Aber er war nicht in Santo Toribio, als das alles passierte.“

Sam Crooks grinste schief.

„Dann hat er dich angelogen.“ Er deutete auf den Talisman auf Toms Brust. „Was meinst du wohl, wie er sonst zu dem Ding gekommen ist, das dein Vater bis zu seinem Tode ständig getragen hat.“

Tom Fallon starrte dem Mann nach, und seine Gedanken drehten sich im Kreise.



3

Tom Fallon hatte schlecht geschlafen in dieser Nacht, und die trockene Hitze machte ihm ein wenig zu schaffen. Er war froh, als sie am Mittag im dürftigen Schatten einiger Cottonwoods rasteten. Die Pferde standen mit hängenden Köpfen und rührten sich nicht mehr von der Stelle.

Sie rasteten zwei Stunden und brachen dann wieder auf. Einmal hatten

Impressum

Verlag: BookRix GmbH & Co. KG

Texte: (C) ALFRED BEKKER CASSIOPEIAPRESS
Bildmaterialien: Firuz Askin
Tag der Veröffentlichung: 03.11.2017
ISBN: 978-3-7438-3939-7

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