Cover

Blut an den Händen

Was passiert, wenn US-Agenten das Recht in die eigene Hand nehmen?“

Thriller von Steven W. Kohlhagen

Der Umfang dieses Buchs entspricht 417 Taschenbuchseiten.

 

In naher Zukunft wird Amerika einen dramatischen Anstieg terroristischer Überfälle erleben --- von Dschihadisten, weißen Rassisten und mexikanischen Kartellen. Angesichts des Scheiterns der U.S.Geheimdienste und der Strafverfolgungsbehörden ist sehr schnell eine Szene aus Bürgerwehren, aus Vigilanten entstanden. Und was überrascht, diese geheimnisvolle und mörderische Gruppe von Vigilanten wird offensichtlich angeführt von einer Person in einer leitenden Stellung innerhalb der Terrorabwehr. Der Präsident ruft eine Task Force zusammen, deren Mitglieder der Öffentlichkeit nicht bekannt sind. Ihre Aufgabe ist es, eine Untersuchung zu betreiben, wer der Verräter innerhalb der eigenen Reihen ist. Arbeitet er für die CIA? Ist er ein FBI-Spezialagent, dessen Aufgabe die Terrorabwehr ist? Oder ist er innerhalb der Army zu suchen, wo er ebenfalls mit der Terrorabwehr befasst ist? Der Präsident besetzt die Task Force mit leitenden Personen aus allen drei Bereichen und hofft, dass dadurch der oder die Schuldigen gefunden werden können. Der sich immer weiter drehenden Spirale aus Gewalt und Chaos soll ein Ende gesetzt werden. Wird dieses Spiel das Morden beenden? Oder wird die Gewaltwelle gänzlich außer Kontrolle geraten? Und dann gewinnt die Geschichte an Fahrt. Immer mehr Anschlagsversuche werden unternommen, immer öfter unterbindet die Vigilantengruppe diese Versuche und schreckt nie vor Morden zurück. Doch der Leser, der Präsident, die unschuldigen Mitglieder der Task Force und auch der Spezialermittler des Präsidenten wissen nicht, wer die Anführer dieser geheimnisvollen und illegalen Bürgerwehr sind.

Je enger die Task Force den Kreis um den Verräter zieht, desto mehr steigt die Zahl der versuchten terroristischen Anschläge und der Interventionen durch die Vigilanten. Der Präsident steht vor der Frage: Was geschieht in Amerika, wenn die Öffentlichkeit Wind davon bekommt, dass hier Mörder am Werk sind? Und was wird der Präsident unternehmen, wenn die Vigilanten erst einmal gefunden worden sind?

Steven W. Kohlhagen, Bestsellerautor von “Wo man dich begräbt” und “Häuptling der Diebe”, hat neue Maßstäbe gesetzt für aktions- und temporeiche Thriller und für Romane zu einem Thema unserer Zeit: dem Terrorismus. Das müssen Sie gelesen haben!

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© Titelbild/Illustration: With Courtesy of Steven W. Kohlhagen, 2017

© dieser Ausgabe 2017 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de



Dank

Ich möchte Joe Kiehl danken, der lange unserem Land gedient hat und der mir wichtige Einsichten und Informationen vermittelt hat. Er kennt die Geheimdienste, die sich mit der Terrorabwehr befassen. Ohne seine Kenntnisse und Tipps wäre das Buch leider nur ein phantastisches Märchen geworden.

Ich möchte auch den Lektoren und dem Verlagsleiter von Edition Bärenklau danken, ohne deren Unterstützung dieses Werk niemals hätte fertiggestellt werden können. Und ich möchte auch meinem Freund Manfred Quintus danken, der immer wieder meine Romane ins Deutsche überträgt und dadurch zur Verbreitung und zur Vergrößerung meiner Leserschaft beigetragen hat. Zudem hat durch ihn meine Arbeit und die Geschichte meiner aus Deutschland stammenden Familie eine größere Würdigung erfahren.

Darüber hinaus möchte ich May Kung danken, dass sie mir ihren Namen für eine der handelnden Personen im Roman geliehen hat. Ihre ständige Unterstützung in einer meiner früheren beruflichen Tätigkeiten und das zweistündige militärische Training an einem Nachmittag in den Wäldern von North Carolina brachten mich dazu, eine Person nach ihr zu benennen. Natürlich entspricht die May Kung im Buch nicht der wahren May.

Und mein Dank geht auch an Charles O’Reilly, dessen Kommentar tausend Worte wert waren.

Wie bereits erwähnt, ist “Blut an den Händen” ein Werk der Fiktion. Ich möchte Ron Star und seinem Team bei Arnold und Porter dafür danken, dass sie immer wieder verhindert haben, dass beim Schreiben Pannen passiert sind. Für alle Fehler, die trotz der Hilfe der oben genannten Personen aufgetreten sind, bin ich alleine verantwortlich. Alle Ähnlichkeiten mit realen oder fiktiven Ereignissen oder Personen (lebenden oder toten) sind nicht beabsichtigt und sind Teil des vorliegenden Werkes der Fiktion.

Und natürlich möchte ich Gale danken, der ich dieses Buch gewidmet habe. Sie hat mich ein Jahr lang zu Samms und den Mördern in ihrer Bürgerwehr entlassen. Vielen Dank dafür. Und außerdem, vielen Dank für alles.



Cover der amerikanischen Originalausgabe


















Teil I

Die Paladine


Kapitel 1

Sie fühlte den Adrenalinkick und ihr Herz schlug schneller, weil sie wusste, was sie hinter der Ecke erwartete. Sie verlangsamte auf 80 Meilen, als sie spürte, wie der alte Chevy abbog.

Sie griff nach unten und drehte den Lautsprecher auf. „A Thousand Miles from Nowhere“ dröhnte aus den Lautsprechern.

Und da stand er. Mit ausgestrecktem Daumen. Rucksack auf dem Rücken. Kapuze bis fast über die Augen heruntergezogen. Sie bremste unvermittelt, glitt mit quietschenden Bremsen zur gelben Mittellinie hin und musste lachen, weil sie ganz gewohnheitsmäßig nach ihrer Glock 17 gegriffen hatte. Die würde sie auch noch brauchen. Sie schob sie zurück ins Holster, das sie auf dem Rücken und in ihren Jeans trug.

Sie fuhr auf den Seitenstreifen und beobachtete im Rückspiegel, wie der Junge, der ihr als Abdul bekannt war, seinen Rucksack packte und neben der Straße zu ihrem Wagen lief.

Sie drehte die Lautstärke wieder herunter und öffnete das Fenster neben dem Beifahrersitz.

„Und wohin?“

„Boise.“

Mist.

„Das sind aber zehn Stunden von hier. Was hast du in Laramie gemacht?“

„Eigentlich bin ich in Chicago losgefahren.“

„Und irgendwer hat dich hier auf der Straße raus gelassen? Hier, wo nichts ist?“

Er zuckte mit den Schultern. „Der Typ war irre. Ein richtiger Jerk.“ Er sprach das englisch Wort „Jerk“ wie „herk“ aus, aber sein spanischer Akzent und seine Aussprache des Wortes waren alles andere als überzeugend.

Du hast nichts kapiert, Abdul.

„Wie heißt du denn?“

„Jose. Jose Gonzalez.“ Er wollte wie ein harmloses mexikanisches Kerlchen wirken.

Sie unterdrückte ein Lächeln. „Ich bin Bobbi Sammons. Aber überall heiße ich nur Samms. Mit Doppel-m.“

Sie sah ihn durchs Fenster an. „Ich kann dich ein Stück des Wegs mitnehmen. Ich fahre in deine Richtung, biege aber dann in Pocatello ab.“

Abdul, der sich als Jose ausgab, sah sich um und fuhr mit der Zunge über seine Lippen.

„Du musst nicht mitkommen. Du kannst entweder auf den nächsten Irren warten oder einsteigen. Wie du willst.“

Er öffnete die Hintertür und wollte sich auf die Rückbank schieben.

„Ne, Ne!“, sagte sie. „Vorne, oder du wartest auf die nächste Mitfahrgelegenheit.“

Er sah sie drohend an und benahm sich einen Augenblick lang gar nicht mehr wie ein verschüchterter Mexikaner. Aber sein Gesicht verriet, dass er sich die Sache doch anders überlegte und dass er lieber die Rolle des scheuen Jose spielen wollte. Er legte sein Gepäck auf die Rückbank, schloss die Tür und stieg neben ihr ein.

„Sicherheitsgurt!“ kommandierte sie, als er die Tür schloss. Sie drehte die Musik von Dwight Yokum wieder auf und beschleunigte den Wagen auf 90 Meilen.

Aus den Augenwinkeln heraus konnte sie beobachten, dass Abdul jetzt weder den scheuen Mexikaner spielte noch sein wirkliches Ich zeigte, den bösartigen jungen Mann voller Selbsthass. Er sah so aus, wie jemand, der sich verzweifelt fragte: „Warum fährt diese Frau wie eine Irre?“

Sie warf einen Blick nach hinten auf sein Gepäck und wusste, was sich darin befand. Abdul wollte morgen in Hanford, Washington, seinen Partner treffen und er transportierte eine Bombe. In Hanford wollten die beiden einen Anschlag auf das Lager mit nuklearen Abfällen durchführen.

Sie blickte auf das Display ihres Handys und drückte auf „Senden“: „Auftrag ausgeführt … bis in fünf Minuten.“

„Darf man das?“, fragte Abdul. „Texten beim Fahren?“ Der spanische Akzent war verschwunden, er sah sie genauer an und lächelte etwas unbeholfen.

„Es ist nicht verboten, eine ungewollte Nachricht zu löschen oder einen Finger beim Fahren einzusetzen, Jose. Du kannst jederzeit auch wieder aussteigen.“

Er zuckte nur mit den Schultern, dann drehte er sich zu seinem Rucksack um, griff nach hinten und richtete ihn so auf, dass er an der Rückseite des Sitzes lehnte.

Samms riss das Lenkrad nach rechts und dann nach links, als er sich nach hinten lehnte. Sie beobachtete, wie er gegen das Armaturenbrett geworfen wurde.

„Was willst du denn in Boise machen, Jose?“ Mit etwas spöttischem Unterton betonte sie „Jose“, damit er seinen Namen nicht vergaß.

„Freunde.“ Er zögerte, dann fügte er hinzu: „Amigos aus Mexico City.“

„Und was tun die in Boise?“

„Studenten. Sie gehen in Boise aufs College.“

„Wie heißt denn das College, Jose?“, fragte sie und erhöhte den Druck auf ihn. Jetzt spielte sie mit ihm, quälte ihn sogar.

Er zog die Augenbrauen hoch, wollte etwas sagen, schwieg aber dann.

„Welches College, Jose?“

„Mit einer fremden Frau will ich nicht über meine Freunde sprechen.“

„Ich bin aber keine fremde oder merkwürdige Frau. Alle meine Freunde halten mich für normal. Langweilig, aber normal.“

Er verzog sein Gesicht zu einer Grimasse und schien sich zu überlegen, wie er aus der Geschichte mit der Verrückten herauskam.

„Warum fahren Sie nach Pocatello?“, fragte er.

„Das geht dich nichts an. Aber ich besitze mehrere Reinigungsunternehmen. Es gibt Niederlassungen in jeder Stadt. Kennst du jemanden, der Motels und Häuser in Boise reinigt? Wir beschäftigen häufig illegale Mexikaner.“

Er warf ihr einen raschen fragenden Blick zu. „Nein, ich kenne niemanden. Können Sie die Musik etwas herunter drehen?“

„Nein. Soll ich anhalten und dich raus lassen?“

Er antwortete nicht.

„Ich kenne viele Mexikaner in Boise, Jose. Aber keiner davon studiert. Bist du dir sicher, dass niemand von denen in Boise für mich arbeitet? Häuser oder Motels reinigt?“

Er schüttelte den Kopf.

„Vielleicht wollte es das Schicksal ja, dass wir uns heute treffen. Willst du einen Job und in Boise illegale Mexikaner bei der Arbeit kontrollieren, Jose?“

Jedes Mal, wenn sie den falschen Namen „Jose“ benutzte, wurde ihre Stimme lauter. Sie betonte ihn, und sie quälte ihn damit.

Schweiß lief jetzt über seine Stirn. Er schüttelte den Kopf wieder. Sein ganzer Körper wollte sagen: „Wie komme ich hier raus?“

Eine Raststätte tauchte vor ihnen auf, gerade als sie um einen Hügel gefahren waren. Ein einzelnes Auto stand an den Tanksäulen.

Abdul schaute auf die Raststätte und deutete mit dem Finger dort hin.

„Ich muss mal, außerdem muss ich nachtanken“, sagte Samms, bremste unvermittelt und bog zur Raststätte ab. Sie wusste, dass es hinter Laramie keine weiteren mehr gab. Andere Gebäude in der Nachbarschaft waren nicht zu sehen.

Mit kreischenden Bremsen hielt sie vor der Toilettentür an und stieg aus. „Geh auch mal lieber zu el bano, Jose. Wir haben in den nächsten vier Stunden keine Gelegenheit mehr dazu.“

Sie öffnete die Tür, stieg aus und ging vorne um den Wagen herum zur Damentoilette. Während sie einen Augenblick ihre Schritte verlangsamte, um die Türe aufzudrücken, nahm sie aus den Augenwinkeln heraus wahr, dass er etwas zögerte und einen Blick auf seinen Rucksack warf.

Dann öffnete auch er die Beifahrertür, stieg aus, blickte immer noch etwas unentschlossen auf sein Gepäck, ging dann die zehn Yards hinüber zur Herrentoilette und drückte die Tür auf.


*


Der Mann auf dem Fahrersitz des Wagens an der Pumpe beobachtete sie beide genau. Er warf einen Blick auf das junge Mädchen hinter der Theke des Tankstellenshops. Die beiden Reisenden, die zu den Toiletten gegangen waren, hatte sie so wenig beachtet wie ihn selbst. Er stand mit seinem Wagen an der Pumpe, benutzte sie aber nicht. Er rührte sich nicht. Er saß nur im Wagen und beobachtete, was vor sich ging. Das Mädchen blätterte in einem Modemagazin. Er saß nur da und sah zu.


*


Als Abdul in den Toilettenraum eingetreten war, setzte Samms hinter der offenen Tür der Damentoilette den Schalldämpfer auf ihre Glock und trat dann aus dem Schutz heraus, den die Tür geboten hatte.

Dann stand sie vor dem Herrenklo, dessen Tür sich hinter Abdul ganz langsam schloss. Mit einem Blick vergewisserte sie sich, dass niemand in der Nähe war.

Sie sah niemanden außer dem einsamen Auto an der Zapfsäule und dem Fahrer darin.

Mit ein paar Schritten erreichte sie die Tür, riss sie wieder ganz auf und stieß gegen Abduls Rücken, als der sich gerade umdrehen wollte. Er fiel gegen die Wand neben dem Urinal.

„Als Mexikaner bist du nicht überzeugend, Abdul!“

Verwirrt sah er sie an, dann packte ihn Panik angesichts der auf ihn gerichteten Pistole.

Zu spät.

Die ersten beiden Kugeln töteten ihn sofort, als sie in seinen Körper einschlugen.

Dann beugte sie sich über ihn und feuerte ein drittes Geschoss in seine Stirn.

Anschließend warf sie eine Karte auf die blutige Masse, die einmal sein Kopf gewesen war, verließ die Herrentoilette, warf im Vorübergehen einen Blick auf das Gepäck auf dem Rücksitz, legte im Vorbeigehen ihre Schlüssel und die Glock in den Wagen und begab sich zu den Zapfsäulen.

Dort öffnete sie die Beifahrertür, sah den Fahrer an und sagte: „Jose, was für ein blöder Name!“

‚Man muss schon ehrlich sein‘, dachte sie, während sie sich auf dem Sitz niederließ. ‚Mein Name ist ja auch nicht Bobbi Sammons. Und auch nicht Samms.‘


*


Drei Stunden später läutete ein Telefon im FBI-Hauptquartier in Washington.

Der Beamte, der den Anruf entgegennahm, hörte, wie die Stimme eines Mannes sagte: „Sie hat es wieder getan.“

„Sie sind sicher, dass sie es war?“

„Sie hat eine Karte zurückgelassen.“

„Was stand darauf?“

„Dasselbe wie immer. ‚Samms’.“

„Sonst noch was?“

„Ein paar Buchstaben auf der Rückseite. ‚BOBS‘.“

„Bob, wie der Name?“

„‚BOBS‘, wie in vielen Männernamen.“

„Wer könnten die Bobs sein?“

Aber er hörte nur, wie aufgelegt wurde.


Kapitel 2

„Ich brauche die Erlaubnis dafür, dass ich die zwei Drecksäcke erledigen kann“, sagte der Ex-Navy-Seal, der früher einmal als Andy Teeter bekannt gewesen war. Er hatte sein TAC-338, ein Gewehr für Scharfschützen, auf sein Ziel gerichtet.

„Du hast die Erlaubnis, Cheese“, sagte die Stimme in seinem Ohr.

„Das reicht mir nicht. Keine Erlaubnis vor dir, Tom. Wenn ich Samms Stimme nicht höre, schieße ich nicht.“

„Das entspricht aber nicht den Regeln.“

„In dem Falle sind das eben meine neuen Regeln“, antwortete er und hielt das Gewehr auf sein Ziel gerichtet.

Er hörte ein Läuten. Es wurde unterbrochen. Es läutete wieder, brach dann ab, begann zum dritten Mal. Das war das Notsignal an Samms.


*


Der Präsident betrat den Konferenzraum des Weißen Hauses und schloss die Tür hinter sich.

„Guten Morgen an alle“, sagte er in die Stille hinein.

Alle Anwesenden nickten.

Anwesend waren der Kommandeur der JSOC (des Kommandos für Spezialoperationen) und die Direktoren der Antiterrorismus-Einheit des Weißen Hauses, des FBI, des DHS (des Heimatschutzes)und der CIA. Jede dieser fünf Behörden war angewiesen worden, den jeweiligen Chef der Abteilung, die sich mit Terrorismusabwehr befasste, zu entsenden. Diese fünf Abteilungsleiter sollten auf Dauer der Task Force zugeteilt werden, die sich mit dieser bestimmten Aufgabenstellung, nämlich dem Kampf gegen den Terrorismus, befasste. Der Sicherheitsberater des Präsidenten war ebenfalls anwesend. Zehn Männer und zwei Frauen hatten sich in dem Saal versammelt. Eine von ihnen war Samms.

„Alle sind unterrichtet worden“, sagte der Präsident. „Nur um es noch einmal klar zu machen, der Direktor der Nationalen Nachrichtendienste und wir zwölf in diesem Besprechungsraum sind die einzigen Menschen in der Welt, die wissen, warum wir zusammengekommen sind und welche Aktionen wir beschließen. Klar?“

Noch mehr Kopfnicken.

„Nur ich kann das ändern. Jede Terrorismusabwehrabteilung soll ihren Chef vorstellen, falls Sie sich untereinander noch nicht kennen.“

Überall Gelächter.

Er bat Ted Noose, den Chef der Abwehrabteilung des Weißen Hauses, die Tagesordnung vorzustellen. Diese spezielle Task Force des Weißen Hauses war vom ersten Tag an scherzhaft WTF! genannt worden. Den Namen von Ted Noose hatte man zu „Moose“ abgewandelt.

„Wie Sie wissen, und da setze ich voraus, dass Sie das Dokument entschlüsseln konnten, stehen wir vor einem ziemlich ungewöhnlichen Problem.“ Moose blickte von seinen Notizen auf und kicherte, sah aber nur unbewegte Gesichter vor sich.

Er schaute wieder auf seine Notizen und warf einen Blick in die schweigende Runde.

So ein Blödmann, dachte Samms. Sie sah sich die vier anderen Abteilungsleiter an und konnte mit ziemlicher Sicherheit sagen, was in ihren Köpfen vor sich ging. Vor allem war es wohl die allgemeine Ablehnung Moose gegenüber. Die Existenz und die Genauigkeit der vorliegenden Dokumente hatten sie überrascht, deshalb wusste sie, dass sie ein Schock für all die sein mussten, die keine Kenntnis davon hatten, mit was sie und die anderen sich beschäftigt hatten. Es war vermutlich unvermeidlich gewesen, dass irgendjemand alle diese Aktivitäten einmal zusammenfassen würde. Dann war es also jetzt geschehen. Ob heute oder irgendwann, das spielte keine Rolle.

„Im Verlauf der letzten sieben Monate“, fuhr Moose fort, „sind siebenundachtzig Menschen, die von Ihnen oder Ihren Behörden im Rahmen der Terrorabwehr als Gefährder eingestuft worden sind, ermordet worden.“

„Waren Leute von uns daran beteiligt?“, fragte der CIA-Direktor.

„Uns sind keine Täter bekannt“, antwortete der Präsident. „Und nach meiner Kenntnis ist niemand berechtigt, Mordanschläge in unserem Lande zu verüben. Sollte jemand in unserer Runde etwas darüber wissen, wäre das jetzt der geeignete Zeitpunkt für einen Bericht dazu.“

Er sah sich in der Runde um, aber wie erwartet schüttelten die Anwesenden nur die Köpfe.

Unautorisierte Mordanschläge im Inland. Die Herren werden enttäuscht sein, wenn sie die Meinung des Präsidenten über ihre Aktionen erfahren.

„Es ist die Aufgabe des NCSC, die Maßnahmen zur Terrorismusabwehr zu leiten und zu unterstützen“, sagte der FBI-Direktor. „Sind Sie sich sicher, dass das Büro des Direktors der Nationalen Sicherheitsdienste (ODNI) keine Erkenntnisse weitergegeben hat? Und wenn ja, warum nicht?“

Moose sah den Präsidenten an und der nickte ihm bestätigend zu.

„Wir sind uns sicher, dass im Zentrum für Nationale Sicherheit und Gegenspionage (NCSC) niemand mit diesen Anschlägen zu tun oder davon Kenntnis hat“, erklärte Moose. „Es wird Teil meiner Arbeit sein, den Direktor der Nationalen Sicherheitsdienste (DNI) täglich über unsere Bemühungen zu informieren. Wir sind überein gekommen, die Informationen über unsere Aktivitäten auf die dreizehn Anwesenden hier zu beschränken. Sollte der NCSC von unserem Tun erfahren, muss dem Direktor sofort darüber berichtet werden und wir werden wissen, dass etwas schiefgelaufen ist.“

„Mir scheint das Ganze kein Problem zu sein, Moose“, sagte Samms, die Chefin der Terrorismusbekämpfung innerhalb der CIA. „Das ist eine günstige Gelegenheit für uns. Wir sollten das Beste daraus machen!“

„Nun“, entgegnete Moose, „ Linda und ich könnten trefflich streiten über das Für und Wider von Bürgerwehren und Kopfgeldjägern, aber ich nehme an, dass wir alle einer Meinung sind. Wir müssen unbedingt herausfinden, wie diese Menschen, wer auch immer sie sein mögen, Zugang zu geheimen Informationen über Terroristen im Inland bekommen haben. Das betrifft auch Ihre Behörden.“

Er sah die Behördenleiter an.

„Informieren Sie uns doch bitte einmal darüber, wo diese Morde begangen wurden und welcher Art die geheimen Erkenntnisse darüber waren“, erkundigte sich der Nationale Sicherheitsberater.

„Natürlich. Das ist nicht schwer. Die Morde wurden überall im Land begangen. Die Mörder scheinen nicht an einem bestimmten Ort zu leben. Sie sind mobil und wirklich sehr gut. Mit Sicherheit ehemalige Soldaten. Mir wäre es lieber, wenn es wirklich Ehemalige wären, nicht Aktive.“

„Gibt es irgendein Vorgehensmuster?“, fragte der FBI-Chef. „Könnten es auch Zufallsmorde sein?“

„Wir haben hochspezialisierte Techniker damit beauftragt herauszufinden, ob es eine ganz spezielle Vorgehensweise gibt. Aber es blieb alles im Dunkeln. Ein Handlungsmuster oder bevorzugte Zeiten für die Morde lassen sich nicht erkennen.“

„Mörder?“, fragte Nancy Moffat, die Chefin der Terrorismusabwehr des FBI. „Ist es mehr als einer? Wissen wir, wie viele beteiligt sind?“ Sie nahm zwei M&M-Erdnüsse aus einer der stets um sie herumliegenden gelben Tüten. Sie waren rot und blau und verschwanden in ihrem Mund.

„Es kann nicht nur eine Person sein“, antwortete Moose. „Dafür ist alles zu gut organisiert und die Vorgehensweisen zu unterschiedlich. Da ist Ihre Frage zuvor: Die Informationen über die Mordopfer stammen wohl aus all Ihren Behörden. Mal aus dieser, mal aus jener. Sie sind zu unterschiedlichen Zeitpunkten gehackt worden. Oder es gibt undichte Stellen.“

„Aber die Hacker haben keine Spuren hinterlassen?“, fragte der Präsident.

„Um es kurz zu machen, wir nehmen an, dass die Taten von einem Insider verübt werden.“

Verblüfftes Schweigen war die Reaktion auf diese Vermutung.

„Also dann“, stellte der JSOC- Kommandeur fest, „ dann hat jemand in einer der Sicherheitsbehörden die Erkenntnisse zu den Terroristen im Inland von uns allen abgeschöpft, sie irgendwo zusammengeführt und dazu benutzt, mutmaßliche Terroristen auszuschalten.“

„Tja“, antwortete Moose nachdenklich, „das Vertrackte daran ist, dass man diese Ermordeten nicht so sehr als bloß verdächtig bezeichnen kann. Sie waren unmittelbar davor, Terrorhandlungen zu verüben.“

„In einigen Fällen standen wir kurz vor der Festnahme“, führte der Präsident aus. „Einige der Mordopfer wurden geradezu vor den Augen unserer Beamten getötet.“

„Die Verhaftung stand unmittelbar bevor, sagen Sie?“, fragte Colonel Tom Edwards, Leiter des Kommandos für Spezialoperationen.

„Nein“, antwortete Moose. „In allen Fällen hatten die Beamten noch keinen Haftbefehl. Bei einigen hätte es nicht mehr lange gedauert, aber in keinem der Fälle lag bereits genug vor, um eine Verhaftung vornehmen zu können.“

„Dann ist Ihr Insider vermutlich ein sehr hochgestellter Beamter“, vermutete der CIA-Direktor.

„Warum sagen Sie das?“, fragte Moffett.

„Keiner der rangniedrigeren IT-Spezialisten oder eine ganze Gruppe dieser Leute könnten so viele Informationen zusammentragen und sie dann in einem zeitlich so enggesteckten Rahmen verwenden. Das kann nur jemand mit einer sehr hohen Stellung tun oder eine Gruppe solcher Leute. Nur die haben Zugang zu den Informationen und können sie in dieser effizienten Weise einsetzen.“

„Dazu kommen die exakt ausgeführten Ermordungen“, fügte Moose hinzu. „Das sind keine Täter, die von einer Behörde aus am Schreibtisch agieren. Die verstehen was von Waffen. Sehr viel sogar. Diese Bürgerwehrangehörigen hatten ein militärisches Training.“

Samms musste wiederwillig einräumen, dass die Anwesenden ihre Hausaufgaben gemacht hatten. Darin sind sie jedenfalls besser als vermutet.

„Und jetzt müssen wir mit den fünf Chefs der Antiterrorabteilungen sprechen“, sagte der Präsident und sah die fünf Leute vor sich an.


*


„Ja?“, sagte Samms im Ohr von Cheese.

„Cheese schießt nicht ohne dein Einverständnis“, antwortete Tom.

„Cheese?“

„Eines der Ziele ist eine wunderschöne Frau, Samms.“

„So eine bin ich auch, Cheese. Hast du gedacht, dass alle deine Ziele nur miesepetrige alte Dschihadisten wären?“

„Auf den Bildern, die ich von ihr habe, sieht sie jedenfalls anders aus. Ich brauche deine persönliche Autorisierung, oder ich schieße nicht.“

„Ist der Mann bei ihr dein anderes Ziel? Der vom mexikanischen Drogenkartell?“

„Ja. Eindeutig.“

„Könnte die Frau bei ihm diejenige sein, die wir als die Leiterin eines Kindersexringes in Phoenix identifiziert haben? Schau genau hin, Cheese?“

Cheese tat das. „Stimmt. Sie ist es. Unsere Bilder zeigen sie nicht so genau.“

„Dann töte sie beide, Cheese!“

Er ahnte, dass sie die Verbindung nicht abbrechen würde. Er konnte sogar ihren leisen Atem hören.

Er atmete aus und betätigte den Abzug. Atmete ein. Dann atmete er wieder aus und schoss zum zweiten Mal.

Er hörte genau, wie ihr Atmen auf jeden seiner beiden Schüsse reagierte.

„Beide tot. Ich komme zurück.“

Er hörte, wie Samms die Verbindung abbrach.

„Dann zählt mein Wort also nicht mehr, Cheese?“, fragte Tom.

„Bis morgen, Tom. Das überstehst du schon. Ich werde dir bei der nächsten Besprechung vor allen einen großen dicken Kuss geben.“


*


Fünf Stunden später waren Nancy Moffat, FBI, und Colonel Tom Edwards im „Gibson“, ihrer Lieblingskneipe, und nahmen noch ein Glas zu sich. Edwards war im vierten Jahr beim Kommando für Spezialoperationen. Ihm unterstanden alle Aktivitäten, die mit der Terrorismusbekämpfung zu tun hatten, und seine Behörde trug die harmlose Bezeichnung „Operationsstudiengruppe.“

Die beiden waren dreiundvierzig Jahre alt und seit ihrer gemeinsamen Schulzeit in El Paso, Texas, wie Bruder und Schwester. Nancy war damals die erfolgreichste Schülerin gewesen. Tom hingegen erzählte seinen Freunden immer, dass er das High School-Abschlusszeugnis nur mit Mühen bekommen habe. In Wahrheit waren sie in Schulzeiten stets die Leistungsträger gewesen und auch die besten Schützen am College in der Ausbildung zum Reserveoffizier. Später dienten sie gemeinsam in der Army.

Ihre Freundschaft war so eng, dass sie sogar der Wahl des Ehepartners des jeweils anderen zugestimmt hatten und ihren Dienst in der Army am selben Tag begonnen hatten.

Eigentlich hatten sie immer wie Bruder und Schwester gelebt, bis Nancy eines Tages vorgeschlagen hatte, dass man ein gemeinsames Wochenende am Strand verbringen könne. Aber dort war ihnen aufgegangen, dass ein Liebesverhältnis zwischen ihnen nicht funktionieren würde.

Seit jenen beiden Nächten waren sie bloß Freunde.

Das Wissen um diese enge Freundschaft hatte so manchem Regierungsbeamten ziemliches Kopfzerbrechen bereitet, nachdem sie die Army verlassen hatte und er immer höhere Dienstränge bei den Spezialeinheiten bekleidete. Aber jedes Mal konnten beide die Sorgen um eventuelle Konflikte entkräften. Man kannte sie und ihre wahre Beziehung, und das wurde mittlerweile in den Sicherheitsbehörden akzeptiert.

„Du fängst an“, sagte Nancy. „Ich sage dir die Wahrheit, wenn du mir zuerst zeigst, welchen Eindruck du hast.“

Sie lachte.

Er nicht.

„Machen wir mal einen großen Schritt in die Vergangenheit“, begann er. „Sie …“

„Wer sind ‚sie‘?“

„ ‚Sie‘ eben. Die Regierung. Der Präsident. Dein Direktor. Mein Kommandeur. ‚Sie‘ eben.“ Er nippte an seinem Cocktail. „Sie verdächtigen Linda, dich oder mich, Samms zu sein und eine ganz geheime landesweit operierende inoffizielle Bürgerwehr zu lenken.“

„Glaubst du wirklich, dass sie jemals das Weiße Haus verdächtigen würden oder die Clowns von der Inneren Sicherheit, die sie heute zu uns geschickt haben?“ Sie griff nach ihrer Tüte mit den M&M-Erdnüssen. „Wenn dem so wäre“, meinte er, „dann hätte derjenige, der die Liste zusammengestellt hat, schlampig gearbeitet. Wie du und Linda den beiden ziemlich deutlich erklärt haben, hatte niemand das Wissen, das Training oder die logistischen Fähigkeiten, solche verdeckten Antiterroroperationen durchzuführen. Weder zu beruflichen Zwecken noch aus persönlichen Motiven.“

„Und es wurde auch niemand umgebracht.“

„Genau.“

„Nun, darum geht’s. Vielleicht hielten sich der Präsident, Moose und die Direktoren für Superdetektive?“

Sie machte eine abweisende Handbewegung. „Ich vermute fast, dass sie einen von uns dreien für verdächtig halten, aber mit ihren eigentlichen Vermutungen noch hinter dem Berge halten.“

„Ich glaube immer noch, es wurde schlampig gearbeitet.“

„Warum sollte nur einer von uns verdächtig sein und nicht wir zwei oder gar wir alle drei?“ Sie nippte an ihrem Martini. „Und ich habe immer angenommen, die Regierung wären wir.“

„Das waren wir einmal. Wir können es wieder sein, wenn sich herausstellt, dass die wahren Schuldigen nicht du und ich sind. Wenn sie allerdings vermuten, da könnten mehr Leute dahinterstecken und nicht nur einer, dann wird der Verdacht auf dich und mich fallen. Sonst würde keiner von den neun Leuten, die heute dem Präsidenten während der Konferenz gegenübersaßen, jemals mit den anderen an solch einem Problem zusammenarbeiten. Sie sind aber die Behördenleiter, der Präsident hat sie beauftragt und will Ergebnisse sehen.“

„Hoover hat immer geheime Aktionen durchgeführt und den Präsidenten nie um Erlaubnis gebeten.“

„Trotzdem wusste der Präsident immer Bescheid“, antwortete er und schien auf ihren Widerspruch zu warten.

Sie wirkte nachdenklich, ging auf seine Bemerkung aber nicht ein.

„Könnten diese Morde vielleicht sogar vom Präsidenten befohlen worden sein?“, fragte sie. „Und der Einsatz von uns dreien soll so aussehen, als ob für Aufklärung gesorgt würde?“

„Nein.“ Er schüttelte den Kopf.

„Glaubst du, dass sie uns gar nicht verdächtigen und dass das Ganze nur ein behördlich veranstaltetes Scheinmanöver ist, wo wir die Trottel sind?“

„Kaum. Dann würde sich der Präsident nicht darum kümmern. Zweitens, man ist ja gar nicht auf uns drei losgegangen. Wenn sie wirklich keinen von uns verdächtigen würden, dann hätten sie den INS eingeschaltet. Die Abwesenheit der TSA und der NSA deutet an, dass sie zumindest ein wenig bei der Auswahl der Anwesenden nachgedacht haben.“

„Bei der Transortsicherheitsbehörde und der NSA gibt es niemanden, der gut genug wäre, so etwas zu Wege zu bringen.“

„Denen fehlt es am militärischen Training und am Problemverständnis. Außerdem würde bei denen nichts geheim bleiben.“

Ihr Kellner unterbrach sie mit der Frage, ob sie noch etwas trinken möchten. Sie hatten ihn immer in dem Glauben gelassen, dass sie ein freundliches Washingtoner Ehepaar wären, das in irgendeiner Behörde arbeiten würden. Beide nickten ihm zu und bestellten noch zwei Drinks.

„Okay“, sagte Nancy. „Ich verstehe schon, warum der Präsident, der DNI, der Kommandeur, die Direktoren und der Nationale Sicherheitsberater auf uns beide gekommen sind. Wir sind kampferprobt, sind immer im Training geblieben, waren in vielen Einsätzen. Heute haben wir Zugang zu den allergeheimsten Erkenntnissen im Antiterrorkampf. Wir bekleiden hohe Posten und kennen uns seit ganz langer Zeit. Unsere Verbindung erstreckt sich mittlerweile auf zwei Behörden. Alles passt zueinander. Sollte es sich um einen Insidejob mit zwei oder mehr Beteiligten handeln, dann sind wir diejenigen, die zuerst für verdächtig gehalten werden. Und man darf meinen persönlichen Einsatz für unsere Aufgabe nicht unterschätzen.“

Er streckte ihr den Mittelfinger entgegen.

„Nachdem der Verdacht auf uns gefallen ist“, fuhr sie fort, „musste man nur noch nach weiteren Personen suchen, auf die die Kriterien, die uns verdächtig erscheinen lassen, auch zutreffen. Linda hat einen ähnlichen Werdegang hinter sich und wie wir auch Zugang zu den Geheimdokumenten. Zudem hat sie mit uns ein Nahkampftraining absolviert. Andererseits kann sich alles ganz anders verhalten. Vielleicht verdächtigen sie vor allem Linda und wir sollen sie überführen.“

„Uns beide in der Task Force einzusetzen ist einleuchtend, solange einer von uns verdächtigt wird“, sagte er. „Aber wenn Linda die Hauptverdächtige sein sollte, heißt das noch lange nicht, dass wir beide in der Task Force aufgenommen werden.“

Ihr Martini und sein Jack & Ginger kamen.

„Was soll denn die Serie von Visitenkarten mit Samms‘ Namen darauf?“

„Sie will gefasst werden?“

„Oder er.“

„Das kann natürlich ein gefälschter Hinweis sein“, sagte er. „Oder es steckt mehr als eine Person dahinter.“

„Stimmt. Ich glaube nicht, dass sie gefasst werden wollen. Sie werden schon wissen, dass das früher oder später passieren kann, aber ich bezweifle, dass sie geschnappt werden wollen.“

„Aber warum die Karten und neuerdings die Initialen?“ fragte Tom.

„Ich nehme an, dass derjenige – wer auch immer das ist – die Regierung herausfordern will. Dann kriegt mich doch! Irgend so was.“

„Und die Initialen auf der Rückseite?“

„Keine Ahnung. Moose sagt, dass mithilfe von Computern nach einer Verknüpfung gesucht wird. Bisher erfolglos.“

„Vielleicht will Samms nur eine Spur legen, damit wir erkennen, wie man erfolgreich terroristische Angriffe stoppen kann.“

„Glaube ich nicht“, widersprach sie. „Wir wissen, wie man das macht. Man kann das Kriegsrecht verhängen oder mutmaßlichen Terroristen einen ordnungsgemäßen Prozess und vollen Schutz durch das Gesetz versagen.“

„Aber was sollen denn die Initialen auf den Karten?“

„Ich habe keine Ahnung, aber ich kann mir nicht ernsthaft vorstellen, dass sie zur Identifikation von Samms führen werden.“

„Ich muss schon sagen, das Ganze ist schon ein höchst interessanter Einsatz“, bemerkte Tom, gerade als der Kellner noch einmal vorbeikam. Er schickte ihn weg. „Aber ich glaube immer noch, dass sie uns beide verdächtigen.“

Sie lächelte und trank durch ihren Strohhalm. „Da wir fünf das ganze Thema bis zum Erbrechen diskutiert haben, ahnt jeder von uns, dass die Wahrscheinlichkeit dafür bei hundert Prozent oder bei null liegt. Wenn es bei null liegt, dann verdächtigt jeder die anderen. Wenn es bei hundert Prozent liegt, dann wissen sie, dass die anderen unschuldig sind.“

„Wenn nicht einer der anderen ihr Partner ist“, sagte er. „Dann wissen die beiden anderen aber, wer was damit zu tun hat.“

Nancy lachte. „Vielleicht hat Linda recht. Vielleicht sollten wir das berühmte Detektivspiel Cluedo zu unseren Drinks spielen. Dann wissen wir, wer der Schuldige ist. Oder die Schuldigen.“

„Im Pokern bin ich besser.“

„Aber das hilft nur, wenn du nicht bei dieser Bürgerwehr bist.“

„Damit wären wir wieder bei uns, Nan.“

„Uns?“

„Wenn du und ich unschuldig sind, dann wissen wir das.“

Sie nickte.

„Aber wenn ich weiß, dass ich es nicht bin“, sagte er, „dann weiß ich nicht, dass du es auch bist.“

Sie nickte wieder. „Und umgekehrt.“

Sie griff nach der Rechnung, zeigte mit dem Finger auf in und sagte: „Ich, Colonel Edwards, weiß hingegen nur, dass du es nicht bist, wenn ich es bin.“


*


Nachdem sie bezahlt und das „Gibson“ verlassen hatten, fuhren sie weiter zum „Palm“ zum längst verabredeten Dinner mit Toms Stellvertreter.

Der hatte mit Nancy und Tom zusammen in der Army gedient. Ihre gemeinsame Arbeit und ihre Ausbildung umfasste zwei Jahrzehnte. In dieser Zeit hatten sie zahllose militärische Kurse, Nahkampftrainings und Lehrgänge zu geheimdienstlichen Operationen besucht. Sie hatten an so vielen Orten stattgefunden, dass keiner von ihnen noch ganz genau wusste, wo sie überall gewesen waren. Der letzte Kurs hatte im Zentrum für Terrorabwehr in West Point stattgefunden.

Wenn Tom Nancy erzählt hätte, dass er die bevorstehende Operation vor seinem Vertreter geheim halten wollte, hätte sie ihm nicht geglaubt.

Also unterrichteten beide ihn beim Essen über den Einsatz, der auf sie zukam.

„Und der Präsident hat nichts dagegen, dass ich die vierzehnte Person auf der Erde bin, die Bescheid weiß?“

„Wir sind doch alle gleichermaßen unverdächtig!“, sagte Tom und tätschelte den Kopf seines Stellvertreters. „Solche bürokratischen Hindernisse haben uns bisher noch nicht aufhalten können. Der Präsident ist nicht so naiv, dass er glaubt, dass sich der Kreis der Mitwisser nicht erweitern würde.“

„Und es ist unvermeidlich“, sagte Nancy, „dass dein Boss nicht seinen Boss oder andere Vorgesetzte über die Verdachtsmomente informiert.“

„So ist das“, pflichtete Tom ihr bei, „und nicht anders.“

„Wie viele der hochrangigen Leute kennt das FBI bisher?“, fragte der Stellvertreter.

„Darüber reden wir ein anderes Mal“, antwortete Tom.

„Kein Kommentar dazu“, fügte Nancy hinzu.

„Dann sollten wir anders anfangen. Ihr solltet mir versichern, dass niemand von euch damit zu tun hat“, meinte der Stellvertreter.

„Meinst du das ernst?“, fragte Nancy. „Das fragst du uns wirklich? Wir beide sollen gleichermaßen darin verwickelt sein? Darauf können wir jeder nur eine Antwort geben: Natürlich habe ich nichts damit zu tun.“

Sie sah Tom an, der zustimmend lachte und seinen Arm um die Schultern seines Stellvertreters legte.

„Natürlich bin ich nicht beteiligt, mein Lieber.“

Und er bekam den erwarteten Knuff in die Seite.

Der Stellvertreter sah Tom an, dann Nancy. Dan sagte er in ernstem Ton: „Ich will nur wissen, ob ihr beide in der Sache drinsteckt. Wenn nur einer damit zu tun hat, würde ich meine Hilfe anbieten. Aber nicht, wenn ihr beide drinsteckt.“

„Wieso das?“, fragte Nancy.

„Wo ich jetzt über diese Bürgerwehrleute Bescheid weiß, über diese Vigilanten, sagt mir mein Bauchgefühl, dass die dem Land einen großen Dienst erweisen. Die stehen auf der Seite der Guten. Ich weiß ganz genau, dass ihr beide hart und verantwortungsbewusst arbeitet, damit die Terroristen zur Strecke gebracht werden. Aber es ist so, wie wir es schon tausend Mal diskutiert haben. Man ist frustriert und bekommt durch die Bürokratie immer wieder Knüppel zwischen die Beine geworfen bei dem Versuch, das amerikanische Volk zu beschützen. Trotz all deiner Bemühungen gibt es immer mehr und immer erfolgreichere terroristische Anschläge. Menschen sterben, und jeden Monat gibt es mehrere Attentate. Und wir haben den Eindruck, dass wir trotz all unseres Einsatzes immer weniger ausreichten können.“

Angesichts dieser unerwarteten Worte sahen sich alle drei an.

„Wenn einer von euch mich gefragt hätte, ob ich in einer Bürgerwehrgruppe mitmache“, fuhr er fort, „ich hätte sofort zugestimmt.“

„Du lieber Gott!“, seufzte Tom. „Vielen Dank für dein Vertrauen.“

„Euch beiden vertraue ich ja. Aber es geht hier nicht um meinen Respekt vor euch oder mein Vertrauen in euch. Es geht hier darum, wie die Welt aussieht. Wir wissen, dass Angriffe durch Einzeltäter nicht völlig unterbunden werden können. Aber angesichts der weißen Rassisten, der Hacker aus Osteuropa, der Drogenbarone im Südwesten und natürlich der moslemischen Gotteskrieger und des ISIL wird es immer schwieriger, unsere wichtigste Aufgabe wahrzunehmen, den Schutz der Bürger unseres Landes.“

„Das wird in der Tat immer schwieriger“, murmelte Nancy.

„Ich möchte die Gelegenheit ergreifen, euch beide an etwas zu erinnern“, sagte Tom. „eigentlich uns drei, dass der Präsident der Vereinigten Staaten uns streng untersagt hat, mit irgendjemandem über den Auftrag zu sprechen. Diese Unterhaltung hat niemals stattgefunden.“

„Das stimmt“, sagte auch Nancy. „Aber er muss auch wissen, dass er mit seinen Worten in allen Anwesenden am Tisch im Weißen Haus etwas ausgelöst hat. Wir haben verstanden, dass der Terrorismus immer erfolgreicher wird. Dessen sind wir uns wohl bewusst. Auch unseres Versagens. Und wir wissen auch, dass die Bürgerwehr uns allen einen großen Dienst erweist. Wir haben das diskutiert.“

„Bei dem Treffen, das heute Nachmittag eigentlich gar nicht stattfand“, fügte Tom hinzu, „und während der Diskussion, die genauso wenig stattfand und mit meinem Stellvertreter nichts zu tun hat.“

„Richtig“, bestätigte ihn Nancy und sah den Stellvertreter an. „Aber du hast die Frage nicht beantwortet, die ich dir gestellt habe. Ich möchte wissen, warum du hoffst, dass wir beide nicht darin verwickelt sind, wir beide, die immer zusammenarbeiten.“

„Oh. Ich glaube, dass es sehr edel von euch wäre, wenn ihr damit das Land besser vor Angriffen schützen würdet. Und diesen patriotischen Akt würde ich unterstützen. Aber wenn ihr beteiligt wärt, hätte ich zwei Probleme.“

„Nämlich?“, fragte Tom.

„Zweitens, Colonel, wer auch immer diese Taten begangen hat, wird gefasst werden. Das wird nicht schön werden. Für die Verräter wird es böse enden. Für solche Taten bekommt man auf dem Broadway keine Konfettiparade. Das endet entweder als nationaler Skandal mit einem öffentlichen Gerichtsverfahren oder die Bürgerwehrmitglieder werden getötet. Entweder durch die Terroristen oder durch die Regierung. Vielleicht könnte ich mit dem Verlust von einem von euch leben, wenn er bei einem heroischen Einsatz umkäme. Aber ich glaube nicht, dass ich damit zurecht käme, wenn ich herausfände, dass ich einem von euch nicht mehr vertrauen könnte. Dann würde ich euch beide nach alle den Jahren verlieren.“

„Und das erste Problem?“; fragte Nancy, die ahnte, was jetzt kommen würde.

„Ich wäre böse, wenn ihr mich nicht gefragt hättet, bei der Aufklärung mitzumachen.“


Kapitel 3

May Kung sah über den oberen Rand ihres Monitors hinüber zu dem Mann, den sie nur als Tom kannte, und räusperte sich.

Tom blickte von seinem Bildschirm auf, dann auf seine Uhr. Zwei Uhr morgens.

„Du hast sie?“, fragte er.

„Alle bis auf einen.“

„Sicher?“

„Ziemlich sicher.“

„Also rufen wir Samms an.“

„Noch nicht. Aber bald.“

„Kann ich dich einmal etwas fragen, während du weiterarbeitest?“

„Sicher. Ich bin immer noch Multitaskerin.“

„Warum wolltest du mit uns zusammenarbeiten, May? Ursprünglich?“

„Du meinst vor einem Jahr?“

„Ja. Du bist gut im Hacken und Entschlüsseln. Warum war dir der Job nicht gut genug, den du bei der NSA hattest?“

Sie blickte ihn an, zog eine Grimasse und arbeitete weiter.

„Im Ernst, May. Wir drei kommen alle vom Militär und haben Erfahrungen in der verdeckten Antiterrorermittlung. Töten, das war doch nichts Neues für dich.“

„Das nehmt ihr also alle an“, sagte sie und sah nicht auf.

„Cheese sagt, du bist gut begabt, aber im Training hat sich gezeigt, dass du noch nicht viele Erfahrungen gemacht hast.“

„Wie meinst du das? Das Mädelchen, dass sich an die Schulter eines großen starken bösen Soldaten anlehnen muss?“, antwortete sie mit einer gespielt piepsigen Stimme.

Er musste lachen.

Sie tippte immer weiter auf den Tasten und sah nicht auf.

Tom sagte für eine Weile nichts.

„Jeder von euch hat mich all das tausend Mal gefragt und habe angenommen, ihr hättet alles über mich gründlich recherchiert.“

„Haben wir. Nichts hat darauf hingedeutet, dass du die perfekte Mörderin bist. Dazu gab es nur das, was du gesagt hast. Darum haben wir dich so hart rangenommen. Darum bestanden wir auf dem ganzen Training mit Cheese.“

„Ich bin wohl nur die kleine verrückte asiatische Systemanalytikerin, oder?“

„Genau.“

„Und ein Mädchen.“

„Sieh mal, May, ich misstraue dir nicht. Da sind keine bösen Hintergedanken. Du hast all unsere Erwartungen bei weitem übertroffen. Ich habe mir bloß ein paar Gedanken über deine Motivation gemacht.“

„Du weißt, dass meine Eltern aus Myanmar eingewandert sind.“

„Natürlich.“

„Weißt du warum?“

„Das haben wir schon alles besprochen. Mit deinen Eltern verhält es sich so wie mit allen Immigranten. Sie wollen in einem freien Land leben.“

„Das haben sie dir erzählt?“

„Ja. Du eigentlich auch. Das steht auch in deinen NSA-Akten.“

Sie sah auf und sagte: „Ihr seid mir schöne Detektive.“

„Du warst etwa elf, als ihr herkamt.“

„So in etwa.“

„Was haben wir übersehen?“

Sie blickte von ihren beiden Computern auf. Erst drückte sie eine Taste auf einem, dann dem anderen. Dann lehnte sie sich zurück.

Sie starrten einander an.

„Ah, du hast uns belogen, als es um die Frage nach Gewalt ging.“

„Sagen wir mal, Cheese hat sich geirrt. Ich war keine Jungfrau mehr, als er mich traf.“

„Sexuell, meinst du?“

Sie lachte. „Das auch. Nein, Tom. Ich möchte es mal so ausdrücken: Es gibt in meinem früheren Leben und in meinen inneren Neigungen etwas, das meine Eltern und ich lieber für uns behalten.“

„Bis heute Abend.“

„Irgendwie. Ich möchte keine Einzelheiten ausplaudern, die meine Familie belasten würden. Aber es gibt keinen Grund mehr, ganz allgemein gesprochen, warum ich mich euch dreien nicht offenbaren sollte. Besonders, wenn dir etwas an mit merkwürdig vorkommt. Dann solltest du hinter die Fassade blicken. Außerdem will ich nicht ständig darauf warten, ob du mich wieder danach fragst.“

„Warum bist du denn nicht in die Army eingetreten? Oder bei den Marines?“

„Habe ich gemacht. Ich war bei den Marines. Ich habe meine Identität mehr als einmal gewechselt, und das ist euch nicht aufgefallen. Der NSA auch nicht.“

„Da müssten wir jetzt irgendeinen Verdacht schöpfen?“

„So spät? Nein. Nach meiner Zeit bei den Marines wollte ich meine Fähigkeiten im Umgang mit dem Computer zur Terrorismusbekämpfung einsetzen. Und dann kamt ihr. Mir reichte es, dass ich so arbeiten durfte und dass meine Vergangenheit in Myanmar und in Quantico begraben war. Nach diesen Dingen hast du gefragt. Aber Samms und du, ihr habt mir nicht gesagt, dass ich mich an euren Gewaltakten beteiligen soll. Damit kamt ihr erst raus, als es so wie war. Ihr habt mir ein aufregenderes Leben als bei der NSA versprochen. Ich glaube, dass meine Beteiligung an unseren Attentaten nur eine natürliche Entwicklung ist.“

„Oder eine ganz unerwarteter natürlicher Schritt zurück. Wir waren überrascht. Angenehm überrascht.“

„Da ist nichts Überraschendes. Zumindest nicht für mich, Tom. Ihr habt mich immer wieder überprüft. Ich arbeite Tag und Nacht für dich und Samms, um diese Hacker aufzuspüren und ihre Kommunikation zu entschlüsseln. Ich habe persönlich vor deinen Augen einen mexikanischen Menschenhändler mit dem Messer erstochen, und in Gegenwart von Cheese mindestens drei muslimische Dschihadterroristen erschossen. Du und Samms, macht ihr euch meinetwegen Sorgen? Habe ich einen Fehler gemacht, den ich jetzt erklären soll?“

„Nein, es war nur Neugierde. Reden wir nicht mehr drüber. Tut mir leid, dass ich das Thema aufgebracht habe.“

„Du weißt unheimlich viel mehr über mich als ich über einen von euch weiß.“

Er lächelte ihr zu, als sie sich wieder ihrem Computer zuwendete.

Sie bearbeitete die Tasten und blickte ständig zwischen den beiden Bildschirmen hin und her.

„Das scheint so zu sein“, murmelte er.

„Ja, das scheint so zu sein“, antwortete sie und lächelte. Dann fuhr sie den Computer herunter. „Ich habe soeben den letzten aufgespürt. Ruf Samms an.“


*


Samms beantwortete den Anruf nach einer Stunde.

„Guten Morgen, Leute“, sagte sie.

„Morgen“, riefen alle gleichzeitig in Toms Handy.

„Können wir loslegen?“, fragte Samms.

„Ja“, antwortete Tom.

„Alle elf sind aufgespürt“, erklärte May. „Wir haben die Daten und die Zielangaben und können damit jeden der Hacker ausschalten.“

„Woher wisst ihr, ob es nicht noch mehr gibt?“

„Das weiß ich genau“, antwortete May. „Es sind elf.“

„Wie gehen wir vor? Gleichzeitige Angriffe?“

„Nein. Am Mittwoch schalten sie die Netze in Houston, L.A. und Miami ab. In Philadelphia zwei Tage später. Dann kommen Dallas, Denver, Boston …“, sie sah noch einmal auf ihren Monitor, „ … Atlanta, dann Chicago. Alle paar Tage. Soll nach Zufall aussehen.“

„Und pro Netz gibt es einen Typen?“

„Genau. Irgendwie fühlen sie sich wie Lizenznehmer, jeder verantwortlich für sein Gebiet.“

„Leuchtet ein. Da gibt es keine Koordinationsschwierigkeiten. Keine Konflikte wegen Kontrollen. Und wenn ein Problem auftaucht, helfen sie einander und kommen sich nicht gegenseitig in die Quere.“

„Und ihr Ziel ist es, das Land lahmzulegen? Und hoffen dabei auf einen spontanen Aufstand?“

„Das erzählen sie sich.“

May und Tom warteten darauf, dass Samms weitersprach.

„May?“

„Ja?“

„Erkläre mir doch noch einmal, warum du dir deiner Sache so sicher bist. Können wir uns darauf verlassen, dass dir bei all den vielen Personen nicht Verwechslungen unterlaufen sind?“

May sah Tom an, voller Verärgerung an, dann das Telefon. Sie seufzte.

Samms Stimme kam aus dem Telefonhörer. „Mädchen. Ich weiß, wir haben dich ins Team geholt, weil du die Expertin für Entschlüsselungen bist. Aber was im Augenblick läuft, ist die größte Operation, die wir je unternommen haben. Wenn das schiefgeht oder sich zurückverfolgen lässt, sind wir erledigt. Tu mir den Gefallen. Nur dieses eine letzte Mal.“

„Es geht nicht nur ums Entschlüsseln, Samms.“

„Was meinst du?“

„Ihr habt mich schlussendlich wegen meiner Bereitschaft zu töten dazu genommen. Wir sitzen doch im selben Schützenloch.“

Tom lächelte über die Bemerkung. „Stimmt. Du, warst die einzige ehemalige NSA-Mitarbeiterin, von der wir erwarten konnten, dass sie bereit war, diesen menschlichen Abschaum zu beseitigen. Das war ein wichtiger Faktor. Besonders für Cheese.“

„Okay“, antwortete May und sah gequält aus. „Sie reden miteinander über Facebook, Twitter und Instagram. Dazu kommen noch andere soziale Plattformen.“

„Alle verschlüsselt?“, fragte Samms.

„Ja, alle verschlüsselt. Einer der Trottel dachte, er wäre nicht zu fassen. Deshalb hat er immer wieder mal eine harmlose irreführende Bemerkung gegenüber den anderen Zehn fallen lassen. Die waren nie verschlüsselt. Er sieht sich wohl als das Genie in der Gruppe.“

„Brauchtest du einen Kontakt auf jeder der sozialen Plattformen, um alles zu entschlüsseln?“

„Nein. Ich bin nach dem Triangulationsprinzip vorgegangen. Ich habe zwei meiner internen Freunde benutzt und meine externe Quelle. Aber bitte, wir sind übereingekommen, dass ich meine Quellen nicht preisgebe.“

„Und alle sind sicher? In sich abgeschlossen? Es gibt kein Risiko?“

May zuckte mit den Schultern. „Das liegt im Interesse der Gruppe, Samms!“

„Sogar die externe Quelle?“

„Ganz besonders die externe Quelle.“

Tom mischte sich ein. „Wir haben mit unserem Anruf an dich gewartet, bis wir hundertprozentig sicher waren.“

„Richtig“, sagte May. „Hundert Prozent.“ Ihre Stimme wurde lauter.

„Haben sie einen Anführer?“, fragte Samms.

„Nein. Ich glaube nicht. Es gibt darauf keinen Hinweis.“

„Und du glaubst, dass alle elf sich an einem Ort befinden?“

„Ich weiß, wo sie sind.“ Sie suchte bei Tom nach Bestätigung.“

Er nickte.

„Sie sind in Colorado Springs. Wo sonst würdest du eine Gruppe von selbsternannten durchgeknallten Milizionären vermuten?“

„Eigentlich im Westen. Sitzen sie an verschiedenen Orten oder in einem Gebäude?“

„Jeder hat seinen eigenen Server, aber sie sind entweder in einem Gebäude am Stadtrand oder in mehreren benachbarten.“

„Merkwürdig, dass sie sich zu so einem leichten Ziel machen lassen.“

„Die sehen das nicht so. Die halten sich für eine richtige Miliz. Im Ernstfall ist der Weg durch die Wet Mountains ein leichter Fluchtweg.“

„Samms?“, fragte Tom.

„Ja?“

„May hat recht, wenn sie die Zahl elf nennt. Aber es gibt noch viel mehr Milizangehörige insgesamt. Es geht nicht nur um die Hacker. Was uns bisher noch nicht gelungen ist, wir konnten ihre genaue Zahl noch nicht ermitteln.“ Dabei sah er hinüber zu May. Sie nickte ihn bestätigend zu.

„Vor Ort gibt es vielleicht nur die elf, die wir kennen“, sagte May. „Das werden wir aber bald wissen. Cheese wird morgen früh dort eintreffen.“

„Noch eine letzte Sache“, meldete sich Samms wieder.

„Bitte?“

„Du hast neun Orte für die Netzabschaltungen genannt. Ich denke, ihr habt elf gesagt?“

„Wirklich, Samms, sollen wir dir das erklären?“

Schweigen. Sie konnten hören, wie Samms etwas kaute.

„Was isst du um vier Uhr morgens?“, fragte Tom.

„Einen Schokoriegel. Das Frühstück für Champions. Sonst noch was?“

„Ach.“ Das war Mays Stimme. „Kannst du dir die Antwort vorstellen, Samms?“

„Eigentlich schon. Hab verstanden, May. Gleichzeitig?“

„Ja. Es waren New York und D.C. am letzten Tag. Um acht Uhr.“



Kapitel 4

Nancys Telefon läutete in ihrem Büro. Die Anruferkennung war ausgeschaltet.

Sie antwortete.

„Hey, Nancy. “

„Hey, Moose. Was gibt’s?“

„Wie läuft die Sache bei der Task Force zur Schurkenbekämpfung?“

„Heißen wir jetzt so?“

„Nur hier im Weißen Haus.“

„Beim Präsidenten auch?“

„Jetzt wo Sie es erwähnen, irgend so einen Namen verwendet er. Er will nur wissen, ob die drei vorankommen.“

„Wie oft hat er schon gefragt? Wir sind doch erst vor vier Tagen zusammengekommen!“

„Es ist ihm sehr wichtig. Nancy, wir sind übereingekommen, dass ich nominell die Task Force leite.“

„Leuchtet ein. Ihre Nummer Zwei ist überflüssig, und der Typ von Homeland Security will wohl entweder nichts damit zu tun haben, oder er hat keine Ahnung, was er tun soll.“

Schweigen.

„Moose? Sind Sie noch da?“

„Ja. Ich wollte mal Ihre Meinung über dieses erste Treffen hören.“

„Es war schon ein bisschen frustrierend. Ihr habt uns einfach in einen Raum gepfercht und dann gesagt, dass einer oder mehrere von uns Verräter und eine Gefahr für die nationale Sicherheit seien. Sofort seid ihr über uns hergefallen. Kein Wunder, dass niemand freiwillig die Leitung übernehmen wollte.“

„Sind Sie eine Verräterin, eine Gefahr für unser Land oder die oberste Bürgerwehranführerin, Nancy?“

„Nein, Moose. Sie vielleicht?“

„Nein. Und Colonel Edwards?“

„Nicht, dass ich wüsste, aber vielen Dank für Ihr Vertrauen.“

Schweigen.

„Ist das jetzt ein Verhör, Moose? Ich bin beim FBI. Wir können das besser als Sie.“

„Ich möchte wissen, was Sie von Lindas Weigerung halten, den Vorsitz zu übernehmen, als Sie ihn ihr auferlegen wolltest.“

„Sie dankte mir höchst sarkastisch für die große Ehre, aber erklärte, dass sie von uns allen diejenige sei, die am wenigsten Gelegenheit hätte, diese Aktivitäten auszuführen. Sie hat uns das erklärt, was wir ohnehin schon wussten. Die CIA kann im Inland nicht handeln. So wie es aussieht, kann sie bei uns nicht aggressiv nach einem Verräter im Inneren der Behörden suchen.“

„Das hat sie gesagt, Nancy. Aber ich wollte Ihre Einschätzung hören.“

„ Und wenn sie dieser Maulwurf ist, dieses Mitglied der Bürgerwehr, das Informationen im Inneren unserer Behörden sammelt?“

„Und wenn Linda unschuldig ist, was hätte sie denn sonst sagen sollen?“

„Genau dasselbe. Unschuldig oder schuldig, die CIA kann auf Befehl des Präsidenten mitarbeiten, aber nicht die Leitung übernehmen. Wie man es auch sieht, Linda hat recht. Sie konnte das so nicht annehmen. Aber warum kommen Sie damit zu mir, Moose, warum fragen Sie nicht die anderen?“

„Hab ich schon.“ Er legte auf.


Kapitel 5

„Liebling?“ Linda Simmons lag neben ihrem Mann im Bett in ihrem Stadthaus in Georgetown. Sie drehte sich zu ihm.

„Ja?“ Auch er drehte sich um und sah sie an.

„Hast du irgendeine Idee, wie ich mich in dieser Task Force am besten verhalten soll? Wie ich mit den anderen umgehen soll? Ich befürchte, dass das Ganze eine ungeheure Zeitverschwendung werden wird.“

George Simmons war ein pensionierter General der Eliteeinheit der Marines. Die beiden waren seit vierundzwanzig Jahren verheiratet. Ihr einziger Sohn, George Jr., studierte Rechtswissenschaften in Stanford.

„Ich habe darüber nachgedacht. Wie siehst du das Ganze denn?“

„Ich möchte so wenig Zeit wie möglich bei der Task Force verbringen. Das ist ein Auftrag für Deppen.“

„Dann will der Präsident der Vereinigten Staaten dich also zum Deppen machen? Ich bin zutiefst geschockt!“

Sie streckte ihm die Zunge raus.

„Willst du dich auf das Spiel einlassen?“, fragte er. „Oder willst du die Spielregeln vorgeben?“

„Nancy und Tom scheinen das so machen zu wollen. Sie zeigen Moose und der ganzen Angelegenheit gegenüber keine große Toleranz. Sie müssen sich dafür entscheiden, wie das Spiel laufen soll. Sie können so tun, als ob sie beide die Vigilanten wären. Oder dass sie beide darüber beleidigt sind, dass der jeweils eine den jeweils anderen nicht miteinbezogen hat.“

„Können sie sich denn nicht gegenseitig fragen?“

„Ob sie Freunde sind oder nicht, in diesem Spiel kann keiner dem anderen trauen. Schuldig oder unschuldig.“

„Die Agency sollte da nicht mit hineingezogen werden, Linda. Das wissen alle.“

„Deswegen habe ich den Vorsitz in der Task Force nicht übernommen.“

„Aber warum wollte dann der Präsident, dass du dabei bist?“

„Entweder verdächtigt er mich, die Verräterin zu sein, oder er glaubt, ich wäre diejenige, die am besten mit Nancy und Tom zusammenarbeiten und dabei herausfinden kann, ob beide die Verräter sind oder nur einer von ihnen.“

„Dann arbeitest du also gegen Nancy und Tom?“

Sie zuckte mit den Schultern.

„Dann bist du also auch mit im Spiel?“

„Ja, so ist das. Ich sehe das auch so.“

Sie war einen Blick auf ihr halbvolles Glas mit Pinot Noir und die Pralinenschachtel, zuckte wieder mit den Schultern, machte das Licht aus und kuschelte sich an ihren Mann. Sex oder Schlafen? Das wollte sie heute Abend dem General überlassen.


Kapitel 6

„Ich habe soeben eine Nachricht erhalten von jemandem, der behauptet, einer unserer Vigilanten zu sein“, sagte Moose.

„Was steht drin?“, fragte der Präsident.

„Es handelt sich um ein Angebot, mit uns zusammenzuarbeiten.“

„Darauf können wir uns nur einlassen, wenn er seine Identität offenlegt. Wir sind sonst an illegalen Exekutionen beteiligt, Moose. Offiziell oder inoffiziell.“

„Darüber spricht er.“

„Und?“

„Er sagt, Sie bräuchten danach nicht zu fragen. Er ist der Meinung, dass er und seine Leute den Job alleine durchführen könnten, er aber gefährlich sei. Er habe keine Möglichkeit, mit den örtlichen Polizeikräften zusammenzuarbeiten. Sie könnten das.“

„Ich?“

„Sie. Er hat Sie namentlich erwähnt.“

„Merkwürdig.“ Er runzelte die Stirn und schaute durch das Fenster des Oval Office hinaus auf den Rasen. „Woher wissen Sie, dass es sich um einen Mann handelt?“

„Sicher bin ich mir nicht. Aber er hat im Text von sich selbst als Mann gesprochen. Vielleicht stimmt das, vielleicht auch nicht. Vielleicht ist es Samms. Oder ein Komplize. Ich habe das hier noch an niemanden weitergeleitet und analysieren lassen. Sie sollten das zuerst sehen. Ich glaube, er ist sehr vorsichtig. Indem er Sie namentlich erwähnt, verrät er uns noch lange nicht, zu welcher Behörde er gehört. Er spricht Sie nicht direkt an oder drückt seine Meinung über Sie aus.“

„Sehr vorsichtig!“, meinte er Präsident. „Vielleicht ist es gar keine Aktion von Insidern.“

Beide lachten.

„Herr Präsident, da gibt es etwas, über das ich lange nachgedacht habe. Ich weiß, Sie wollen das nicht hören, aber wer auch immer diese Typen sind, sie tun uns wirklich einen Gefallen.“

„Das haben wir schon erörtert, Moose. Wer auch immer dahinter steht, begeht Verbrechen. Nur weil sie bisher noch keine Fehler gemacht haben, …“

„Jedenfalls noch keine, die uns aufgefallen wären.“

„Richtig. Nur weil sie nach unseren Erkenntnissen noch keinen unschuldigen amerikanischen Bürger ermordet haben oder große Kollateralschäden angerichtet haben, heißt das noch lange nicht, dass das nicht passieren kann. Mein Amt darf und wird niemals etwas Konkretes über diese Menschen oder eine ihrer Operationen erfahren.“

„Ja, Sir.“

„Das bleibt auch so.“

„Ja, Sir. Ich werde das jetzt dem DNI übergeben. Vielleicht bekommen die etwas über ihn heraus.“

„Oder über sie. Linda oder Nancy. Oder über eine andere Frau, die ihre Identität als Frau verschleiern möchte. Vielen Dank, Moose. Sonst noch was?“

„Sie wissen, Sir, dass wenn wir eine falsche Spur legen, wir ihn oder sie entlarven können, wenn er oder sie dieser Spur folgt?“

„Ja, Moose, das ist mir klar. Wenn wir erkennen, dass unsere 'Schurken –Task-Force' mit ihrer Arbeit nicht vorankommt, dann werde ich Sie darauf ansprechen. Wir können dann auf unserer Suche auch ganz anders vorgehen. Okay?“

„Ja, Sir.“

Er verließ das Oval Office mit der Information, nach der er gesucht hatte.


Kapitel 7

„Was gibt’s, Linda?“, fragte der Direktor, als sie in seinem Büro Platz nahm. Sie hatte um ein kurzes Gespräch gebeten.

„Ich wollte nur kurz über meine Arbeit bei der 'Schurken-Task-Force' informieren“, antwortete sie.

„Habt ihr schon einen der Vigilanten ausfindig machen können?“

„Nein. Und durch eine Unterredung mit Ihnen wird das auch nicht möglich sein.“

„Ich hätte vermutlich auch schon Nachrichten vom Präsidenten oder von Moose bekommen. Besonders, wenn Sie die Verräterin gewesen sein sollten.“

Sie verzog das Gesicht.

„Der Präsident hat mir gesagt, Sie hätten den Vorsitz abgelehnt, und das ohne Rücksprache mit mir.“

„Stimmt. Die CIA darf sich an Untersuchungen im Inland nicht beteiligen.“

„Aber wenn ich das angeordnet hätte?“

Sie sah ihn nachdenklich an. „Herr Direktor, wenn Sie das anordnen wollen, dann müssen wir zuvor einen ausgedehnten Spaziergang durch die Wälder von Langley unternehmen.“

Er starrte sie nur an.

„Dann ist es also so“, fuhr sie fort, „dass Sie mich auch verdächtigen?“

„Ich glaube, der Präsident und Moose haben recht mit ihrer Vermutung, dass die Informationen aus dem Inneren der Behörden kommen. Es wurde lange darüber nachgedacht, wie wir das Gremium von fünf Leuten besetzen sollen, die die Vorgänge untersuchen sollen. Ich habe den Hintergrund der anderen vier sorgfältig studiert. Ich muss zugeben, entweder sind Sie alle fünf darin verwickelt, oder einer von Ihnen wird den Maulwurf schnell finden.“

„Zwei Leute entsprechen also nicht Ihren Vorstellungen?“

Er zuckte mit den Schultern. „Ist wohl so. Schauen Sie, Linda, Ich kann Sie so gut wie jeden anderen Geheimdienstler in der Welt beurteilen. Zwanzig Jahre lang habe ich immer wieder mit Nancy oder ihrem Kumpel, diesem JSOC- Colonel, zusammengearbeitet. Darum vermute ich, dass es einer von ihnen ist. Aber nachdem ich weitere sehr ausgedehnte Nachforschungen angestellt habe scheint mir, dass Sie alle fünf über jeden Verdacht erhaben sind. So läuft die Suche weiter, und in unseren Erkenntnissen liegen wir alle gleichauf.“

„Gut zu wissen, dass Sie uns vertrauen.“

Er zuckte mit den Schultern. Man muss sich aufeinander verlassen können, und Sie, Linda, wissen das am besten.“


*


Weniger als zwanzig Meilen entfernt besprach der Direktor des FBI mit Nancy Moffat dasselbe Thema.

Er beugte sich vor. „Sehen Sie, Nancy, wenn Sie nicht so intensiv mit Colonel Edwards befreundet wären, wären Sie vermutlich nicht in der Task Force. Aber vermutlich brauchen diese Vigilanten zwei hochrangige Leute, damit sie an ihre Informationen kommen. Sollten es wirklich zwei sein, dann sind Sie und Tom im Fadenkreuz. So einfach ist das. Und wenn Sie beide aber nichts damit zu tun haben, dann sind Sie die idealen Leute, die Täter ausfindig zu machen.“

„Es könnte allerdings auch nur einer von uns beiden sein.“

„Natürlich. Ist Ihre Freundschaft so stark, dass einer den anderen nicht ans Messer liefern würde, wenn sich herausstellen würde, dass der andere schuldig ist?“

„Ah, eine Fangfrage. Vielen Dank dafür, dass Sie mich das nicht beiläufig bei einem Drink gefragt haben.“

„Und die Antwort lautet?“

„Für den Colonel kann ich nicht sprechen.“

„Das nehme ich zur Kenntnis.“

„Wenn es Tom ist, dann lasse ich Sie es wissen.“

„Wenn Sie nicht seine Partnerin sind.“

„Oder ich mich dazu entschließe, auf seiner Seite zu stehen.“

Sie sahen einander direkt an.

Der Direktor konnte das Lachen nicht unterdrücken.

„Vielen Dank für das Gespräch, Nancy. Es war sehr unterhaltsam. Ich glaube nicht, dass Sie darin verwickelt sind. Das wäre meine Antwort auf Ihre Frage.“

„Noch eine Frage, Sir.“

„Bitte.“

„Wie ernst nehmen Sie eigentlich die Suche nach diesen Maulwürfen und das Problem der Festnahme der Vigilanten?“

„Ich kann da nicht für alle sprechen.“

Jetzt musste Nancy lachen.

„Wie intensiv sollen wir uns um Aufklärung bemühen, Herr Direktor?“

Er erhob sich, nahm eine Handvoll seiner M&M-Erdnüsse aus der Schale auf seinem Tisch und antwortete: „Ich nehme das so ernst wie der Präsident.“


Kapitel 8

May und Samms waren am Abend zuvor in Colorado Springs angekommen und mit Tom und Cheese zusammengetroffen. Es war jetzt 8.00 Uhr und die vier blickten vom Hügel in der Nähe der Quonset-Hütte durch ihre Ferngläser nach unten.

„Wie viele sind da unten in der Hütte?“, fragte Samms.

„Alle“, antwortete Cheese.

„Nur die elf?“

„Nein, alle sind da“, sagte May. „Alle zweiundzwanzig.“

„Sind auch Personen dabei, die nicht zu dieser Miliz gehören?“

„Das nehmen wir nicht

Impressum

Verlag: BookRix GmbH & Co. KG

Texte: (C) ALFRED BEKKER CASSIOPEIAPRESS
Tag der Veröffentlichung: 19.10.2017
ISBN: 978-3-7438-3696-9

Alle Rechte vorbehalten

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