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Jesse Trevellian und der tote Ermittler

Krimi von Thomas West

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 115 Taschenbuchseiten.

 

Ein Bandenkrieg versetzt das FBI in Alarmbereitschaft. Nachdem bei einem verdeckten Einsatz ein Kollege getötet wird, muss Jesse Trevellian selbst in den Undercover-Einsatz. Zwei Banden liegen im Krieg um das einträgliche Geschäft des Drogenhandels und anderer Verbrechen. Jede Sekunde kann auch der FBI-Agent auffliegen. Ein tödliches Spiel beginnt...

 

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Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker.

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© dieser Ausgabe 2017 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

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1

Chester Bowlings setzte den Blinker und bog von der Hamilton Avenue nach rechts in einen vollgestopften Parkplatz ein. Gleich in der ersten Parkreihe entdeckte er den Van der Kollegen.

Er ließ seinen fabrikneuen Siebener-BMW kreuz und quer durch die Blechkolonnen auf dem ehemaligen Fabrikgelände rollen, bis er endlich einen Parkplatz fand.

Er zog den Zündschlüssel ab. Durch die Windschutzscheibe blickte er über die Wagendächer hinüber zu dem alten vierstöckigen Backsteingebäude. Old Factory verkündeten die grellbunten Neonbuchstaben auf dem Flachdach. Der Abendwind wehte dumpfe Bassbeats durch Bowlings offene Seitenfenster. Menschen strömten durch die Parkreihen auf den Eingang der alten Fabrik zu.

Früher, als Sunset Park noch eine blühende Industrielandschaft war, wurden hier Textilien produziert. Heute traten Newcomer-Bands in der Fabrikhalle auf. Und in nicht einmal vierzig Minuten würde die Hölle in dem hässlichen Gemäuer losbrechen.

Chester Bowlings drückte einen Knopf auf der Mittelkonsole. Summend stiegen die Seitenfenster aus der Tür. „Okay, ich hab′ euch gesehen – es kann losgehen.‟

Ein zufälliger Beobachter hätte ihn vielleicht für einen Spinner gehalten, der mit sich selbst oder den Trugbildern seines kranken Hirnes redete. Aber Chester Bowlings war alles andere als ein Spinner. Und er neigte auch nicht zu Selbstgesprächen.

Der hochgewachsene Mann strich sich eine Strähne seines langen, blonden Haares aus dem braungebrannten Gesicht und stülpte sich einen breitkrempigen, schwarzen Lederhut auf den Kopf.

Die schrille Musik aus der Fabrik schwoll an, als er die Wagentür öffnete. Er betätigte die Zentralverriegelung und ging mit großen Schritten auf den Eingang zu. Die hohen Absätze seiner Cowboystiefel knallten auf den Asphalt. Mit routiniertem Griff zauberte er eine Sonnenbrille aus seinem Jackett und setzte sie auf.

Wenn alles glatt lief, würde sein Job hier in New York City in ein paar Tagen erledigt sein. Vielleicht schon morgen früh. Und dann nichts wie nach Hause. Zurück nach L.A. Zurück zu Weib und Kind. Zu Motorrad und Surfbrett.

Hing ganz von Tendall, diesem windigen Hund ab. Bowlings hatte sich in geduldiger Kleinarbeit bis zu dem Dealer herangearbeitet. Keines der großen Tiere, weiß Gott nicht! Aber auch kein ganz kleines.

Die Narcotics Division des New York City Police Departments lagen konkrete Hinweise vor, dass Bobby Tendall direkten Kontakt zur Spitze der Drogenmafia in Brooklyn hatte. Und das FBI hoffte, dass ihm über Bowlings Kontakt zu dem Dealer in dicker Fisch des organisierten Verbrechens ins Netz ging.

Bowlings hatte eine Menge Heroin bei Tendall bestellt. Mehr als eine mittlere Nummer wie Bobby Tendall organisieren konnte. Das ungefähr war der Hintergrund der Show, die er heute Abend in der Old Factory abziehen wollte.

Die Ordner am Einlass musterten ihn misstrauisch. Am finstersten guckte ein schmalgesichtiger Schönling mit blauschwarzen Haaren. An jedem Finger ein Ring, weiße Leinenhosen, weißes Muskelshirt und ein Goldkettchen um den Hals. Das Kreuz daran versank im schwarzen Brusthaar.

Chester Bowlings kannte den Mann flüchtig. Ein Kollege. Den Namen konnte er sich nicht merken. Hatte irgendwie indianisch geklungen.

Umständlich fischte er ein paar Banknoten aus seinen engen Lederhosen und bezahlte das Eintrittsgeld. Dann der obligatorische Stempel auf den Handrücken, und hinein ins Vergnügen.

Ein farbenprächtiges Gewitter tobte in der alten Fabrikhalle: Grellbunte Blitzte zuckten aus der Beleuchtungsanlage, dröhnende Bassrhythmen donnerten aus den mannshohen Boxen.

Sechs schwarze Jungs auf dem Volleyball-Platz-großen Holzpodest: Einer bearbeitete verbissen die Klaviatur seines Keyboards, einer bediente in stoischer Ruhe den Bass, ein Dritter prügelte auf die Trommeln des Schlagzeuges ein, und drei drängten sich vor dem Mikrofon zusammen und bellten ihren Frust in die Zwanzigtausend-Watt-Anlage.

Vor der Bühne krümmte und schüttelte sich eine wogende Menschenmasse. Die violetten, roten oder weißen Blitze prasselten auf sie herab wie Peitschenhiebe.

Chester Bowlings nahm die Sonnenbrille ab und versuchte sich zu orientieren. Gar nicht einfach in dem unübersichtlichen Getümmel. Rechts, nicht weit vom Eingang entfernt, hatten sie eine Bar improvisiert. Aus Holzbohlen, Metallböcken und alten Fässern.

Auf einem der Fässer schon wieder ein Kollege. Dessen Namen kannte Bowlings – Milo Tucker. Sie hatten ein paar gemeinsame Kurse in Quantico belegt. Prächtiger Bursche.

Links im Halbdunkel mehrere Türen. Die Toiletten. Dort irgendwo war er mit Bobby Tendall verabredet.

Chester Bowlings arbeitete sich durch die Menschenmenge auf den Toilettentrakt zu. Die schlaksige Gestalt des Dealers lehnte lässig an der Wand vor der Damentoilette. Er trug einen alten schwarzen Stetson. Auch Hosen und Trenchcoat in den traditionellen Farben der Dealer. Schwarz – die Leuchtfarbe der Junkies. Jedenfalls in den guten alten Zeiten.

Bowlings schob sich an ihm vorbei. Ein paar Schritte vor ihm blieb er stehen und schaute gelangweilt zur Bühne, über die zuckenden Leiber davor und zurück zum Eingang. Wie zufällig begegneten sich ihre Blicke.

Das Schwarz seiner Klamotten betonte die Blässe von Tendalls Gesicht. Bleich wie ein Vampir wirkte der Dealer. Ein Stein glitzerte im Ohrläppchen hinter seinen dichten Koteletten, ein kleiner Goldring in seinem Nasenflügel.

Chester Bowlings schätzte ihn nicht älter als Ende zwanzig. Doch mit den schwarzen Schatten unter den Glubschaugen und den tief eingekerbten Falten zwischen Nasenrücken und Mundwinkel sah er aus wie ein alter, kranker Mann.

Bowlings nahm an, dass er selbst an der Nadel hing.

Tendall nickte kurz. Weiter nichts.

Chester Bowlings wandte sich ab und schlenderte der Tür mit dem Gentleman-Symbol entgegen. Mit einer gleichgültigen Geste zog er eine Schachtel Camel aus der Jackentasche und steckte sich eine Zigarette zwischen die Lippen …



2

Diesmal hatte es Clive und mich erwischt: Eingepfercht in einen Van koordinierten wir den Einsatz in der ehemaligen Textilfabrik. Ein Spezialfahrzeug, vollgestopft mit elektronischem Gerät.

Der Kopfhörer vermittelte mir nur einen blassen Eindruck von dem Musikfeuerwerk in der Old Factory: Undeutlich der Rap, dumpf die Bässe, verwaschen die Musik.

Heiser und gepresst im Vordergrund: Die Stimme meines Partners. „Chester hat jetzt Kontakt zu unserem Mann aufgenommen.‟

„Verstanden.‟ Ich versuchte, mir Milo in dem Spektakel da drin vorzustellen. Wie er an der Bar hockte, sich an einem Glas Cola festhielt, und so tat, als würde er das eine oder andere Mädchen beobachten.

„Wie ist die Stimmung da drin?‟, wollte Clive wissen.

„Ziemlich aufgekratzt‟, sagte Milo. „Eine Menge Jungvolk.‟

Nicht zuletzt wegen dieses Jungvolks waren hierher nach Sunset Park gekommen. Dollar gierige Mobster erweiterten seit Monaten im abgehalfterten Industriegebiet Westbrooklyns den Absatzmarkt für ihre Gifte. Die Old Factory war nur ein Umschlagplatz unter vielen.

Clives und mein Job war es, hier in diesem Van zu schwitzen. Zwischen Empfangsgeräten, Tastaturen und Monitoren. Niemand hatte sich um den Part gerissen. Auch Clive und ich nicht. Wir hatten gelost.

Clive und ich hatten den Kürzeren gezogen. Egal. Jemand musste den Job machen. Außerdem kamen wir auf diese Weise mal wieder dazu, das Knowhow zu vertiefen, das wir in etlichen Kursen über Rundfunkelektronik und Kommunikationstechnik inhaliert hatten.

„Sie gehen jetzt zu den Toiletten.‟ Wieder Milos Stimme. „Chester hat sich eine Zigarette in den Mund gesteckt. Der Kerl steigt also auf den Deal ein.‟

Die Kippe war das vereinbarte Zeichen.

Und der Kerl war Bob Tendall, einer von vielen Burschen in dieser Gegend von Brooklyn, die sich ihren Lebensunterhalt mit Crack, Koks und Heroin zusammen dealten.

Und Chester Bowlings war Undercover-Agent. Wir hatten ihn aus L.A. einfliegen lassen. Vom dortigen FBI District Office ausgeliehen, wenn man so will. Der Mann war Spezialist für genau das Milieu, in dem Leute wie Bobby ihren Markt bedienten.

Clive griff zum Mikro und informierte die anderen. Leslie Morell und Jay Kronburg, die den Parkplatz vor der Factory überwachten. Und Medina – er drückte sich im Eingangsbereich der Fabrik herum und machte einen auf Ordner. Ein Polizeispitzel aus der Lower East Side hatte ihm den Job besorgt.

„Ihr könnt jetzt auf Empfang gehen.‟ Wieder Milos Stimme.

Ich wechselte die Frequenz und schaltete den Empfänger ein. Chesters Stimme drang aus dem Lautsprecher. „Wann krieg ich die Süßigkeiten?‟

Und die seines Kontaktmannes. „In zwei Tagen. Auf mich kannst du dich verlassen, Alter ...‟

Die Ingenieure des Offices hatten Chester einen Kugelschreiber verpasst. Spezialausführung mit Mikrofon. Steckte in der Brusttasche seines Jacketts.

„Ich hab′ dir zehn Gramm mitgebracht.‟ Immer noch Tendalls Stimme. „Damit du siehst, dass wir erstklassige Ware liefern können.‟

Wir waren durch einen V-Mann auf Tendall gestoßen. Einen Junkie mit einer „confidential informant‟-Nummer. Hunderte aus dem kriminellen Milieu waren mit so einer Nummer in unseren Datenbanken registriert.

Wer ein bisschen schlau war, ließ ab und zu ein paar Informationen über die Kollegen durchsickern. Und kassierte dafür Strafmilderung, wenn′s mal brenzlig werden sollte. Irgendwie mussten Polizei und FBI sich ja auf dem Laufenden halten über das, was auf der Straße abging.

Der gute Bobby war nichts Besonderes. Auch wenn er dazu neigte, sich dafür zu halten. Allerdings schien er einen heißen Draht zu Leuten zu halten, die etwas Besonderes waren. Leute, die ganz oben in der Hierarchie des organisierten Verbrechens standen.

Um solche dicken Fische ging es uns. Um die Hechte und Haifische der Branche. Nicht um Sardellen wie Bobby.

Clive rief die Zentrale an, um den Chef auf dem Laufenden zu halten. Ich schaltete das Aufnahmegerät ein und nahm das Gespräch zwischen Chester und Bobby Tendall auf …



3

Er lehnte neben dem Feuerlöscher vor der eisernen Flügeltür zur Fabrikhalle. Die drei Kollegen an der Wand gegenüber hockten auf dem schmutzig-grauen Estrich und würfelten um Quarters. Selbst hier draußen verstand man kaum sein eigenes Wort, solange die sechs Exoten da drin auf der Bühne ihre Show abzogen.

Der Job war Routine für Medina. Was hatte er als Special Agent nicht schon alles für Maskeraden getragen: Fischhändler in Chinatown, Penner in der Grand Central Station, Parkwächter in der Downtown – warum also nicht mal Ordner bei einem Rap-Konzert in Sunset Park?

Er ließ sich die Eintrittskarten der Gäste oder den Stempel auf ihren Handrücken zeigen. Gestalten darunter, die vermummt und geschminkt waren, wie Kinder an Halloween. Er warf Randalierer hinaus, und Leute, denen das Messer oder die Faustfeuerwaffe gar zu auffällig das T-Shirt ausbeulten.

Der Walkman am Gürtel seiner weißen Hose war kein Walkman, und aus den Kopfhörern in seinen Ohren drang keine Musik. Dafür hörten die Kollegen jedes Wort mit, das er sprach.

Leslie und Jay auf dem Parkplatz, Jesse und Clive vor der Elektronik und Milo irgendwo im Gewimmel hinter der Tür. Und er konnte hören, was sie ihm zu sagen hatten.

So wie jetzt zum Beispiel.

„Merkwürdiger Besuch, Orry – halt die Ohren steif.‟ Jay Kronburgs knurrige Stimme.

Orry zog eine Zigarette aus seiner Hemdtasche. Er beobachtete die anderen Ordner, während er sie anzündete. „Wie viel?‟, flüsterte er. Der große Stein an am Ring seines rechten Mittelfingers sah nur aus wie ein synthetischer Edelstein.

„Vier kommen durch den Haupteingang‟, diesmal Leslie Morell. „Aber ein gutes halbes Dutzend geht hinter die Fabrik.‟

„Gefällt mir nicht.‟ Clives Stimme. „Wir geben der Federal Plaza einen Wink.‟

Orry sah vier Männer die Vortreppe hochsteigen. Die anderen Ordner ließen ihre Würfel fallen und sprangen auf, Orry stieß sich von der Wand ab – die Männer sahen nicht so aus, als würden sie auf Rap stehen.

Sie waren älter, als die meisten Leute da drinnen hinter den Eisentoren. Und sie trugen andere Klamotten – cremefarbene Sommeranzüge der kleine, drahtige Schwarze und der massige Weiße. Und Lederjacken über weißen Leinenhosen die beiden Latinos.

Orry beschloss, sich zurückzuhalten. Es roch nach Ärger.

Die Latinos kümmerten sich nicht die Bohne um die Ordner. Als wären Orry und die drei anderen Luft, steuerten sie das metallene Portal an.

„Eintrittskarten, ihr Wichser!‟, bellte einer der Ordner. Orry war mit drei Schritten vor der Tür und pflanzte sich vor den Lederjacken auf. Der erste der beiden kaffeebraunen Burschen reagierte ohne Umweg über seine grauen Zellen – blitzschnell holte er aus.

Aber Orry war noch flotter: Der rechte Haken, der ihm zugedacht war, donnerte gegen die Tür. Ächzend sank sein Absender auf den Estrich, als Orrys Faust sich ihm in die Magengrube bohrte.

Schneller als Orry gucken konnte, hatte der zweite Latino ein Messer aus seiner Jacke gezaubert. Ein Bursche mit dem Gesicht eines Totschlägers. Eine quastige Narbe überwucherte fast ganz seine linke Braue. Auch über seine rechte Wange zog sich eine Narbe. Fast bis zu seinem Hals hinunter.

Als würde er auf ein Kommando warten, spähte der Messermann aus den Augenwinkeln zu den Burschen in den Anzügen rechts hinter ihm. Die standen in Angriffshaltung vor Orrys verdatterten Ordner-Kollegen. Der kleine Schwarze hielt plötzlich einen kurzläufigen Revolver in der Hand.

Der bullige Weiße entspannte sich. „Wir sind Freunde des Hauses‟, grinste er und breitete die leeren Handflächen aus. „Oder werden es bald sein.‟

Er zog ein paar Geldscheine aus der Jackentasche seines viel zu engen Anzuges. „Und wenn es so weit ist, könnte es sich für euch lohnen, unsere Freunde zu sein.‟

Orrys Kollegen fackelten nicht lange. Sie steckten das Geld ein und hockten sich wieder zu ihren Würfeln und Münzen. Der zu Boden gegangene Mann rappelte sich auf und durchbohrte Orry mit feindseligen Blicken.

Der Weiße hielt immer noch eine Zwanzig-Dollar-Note in der ausgestreckten Hand. Orry nahm sie, ohne den Blick von den beiden Latinos zu wenden. Bissige Hunde sollte man nie aus den Augen zu lassen.

„Kann sein, wir brauchen noch Leute wie dich‟, sagte der Schwerathlet im Sommeranzug. Orry fiel der blaue Siegelring an seiner rechten Hand auf. Der John-Wayne-Verschnitt stank nach Whisky, und die Marlboro, die er sich jetzt aus der Hemdtasche angelte, steckte er in ein weißes Mundstück. Elfenbein, schätzte Orry. Die rosige Haut des Mannes war von alten Pockennarben übersät.

Der hagere Schwarze stand die ganze Zeit schweigend dabei und musterte Orry aus lauernden, schmalen Augen. Orry steckte die Dollars ein.

„Warum nicht?‟ Er zuckte mit den Schultern.

Der Latino mit dem vernarbten Totschlägergesicht ließ sein Messer verschwinden, half seinem Kollegen auf die Beine, und die vier Männer verschwanden im Inneren der Old Factory.

Die würfelnden Kollegen grinsten zu Orry hoch.

„Gute Reaktion, Kumpel‟, sagte der eine.

„Und gutes Geschäft‟, der andere. Sie wandten sich wieder ihrem Zeitvertreib zu.

Orry ging die Vortreppe hinunter und ein paar Schritte in den Parkplatz hinein. Karosse an Karosse glänzte in der Flutlichtbeleuchtung. Hunderte von Fahrzeugen. „Mitgehört?‟, zischte er in den dicksten seiner Ringe.

„War deutlich genug.‟ Jays Stimme aus dem Ohrknopf. „Klingt nach handfesten Geschäftsinteressen.‟

„Sie sind bewaffnet‟, sagte Orry leise, „Revolver und Messer.‟

„Sieht aus, als wollte hier jemand um Marktanteile kämpfen.‟ Jesses Kommentar aus dem Kommunikationszentrum.

„Sie haben die Dealer im Eingangsbereich angesprochen.‟ Milo schaltete sich ein. „Nicht besonders höflich. Einer liegt schon am Boden. Die Latinos steuern die Toiletten an.‟

„Ich ruf′ den Chef an.‟ Clives Stimme. „Könnte sein, dass Chester unsere Hilfe braucht. Verstärkung muss her ...‟



4

Chester Bowlings untersuchte das weiße Pulver. „Scheint okay zu sein.‟ Er drehte sich und gab Bobby das Zeug zurück. „Quanta costa?‟ Ohne den anderen eines Blickes zu würdigen, ging er zu einem der Pissoirs und zog den Reißverschluss seiner Lederhose herunter.

„Das Geschäft kann ich nur vermitteln‟, sagte der Dealer. „Auch die Preisverhandlung will mein Händler selbst führen.‟

Chester pinkelte seelenruhig. Innerlich jubelte er. Tendall hatte angebissen! Und der nächstgrößere Fisch schien auch schon an der Angel zu hängen!

Er drückte die Spüle und wandte sich um.

„Schon klar, Bobby‟, er sprach gedehnt und leise, als würde die Gegenwart Tendalls ihn anöden. „Aber ich hab’s eilig. Wenn mir das Geschäft durch die Lappen geht, seh′ ich ziemlich alt aus, wenn du verstehst, was ich meine ...‟

Im Spiegel sah er Tendall eifrig nicken.

„Wann also seh′ ich deinen Mann?‟ Er wusch sich die Hände. „Und wo sehe ich ihn?‟

„Morgen, von mir aus.‟ Das fahle Gesicht des Dealers wirkte zufrieden. „Kennst du Tennessee′s?‟

Chester Bowlings trocknete sich die Hände ab und schüttelte den Kopf. „Diese irische Kneipe in ...‟

Die Toilettentür wurde aufgestoßen. Zwei lateinamerikanisch aussehende Männer in schwarzen Lederjacken und weißen Leinenhosen stürmten herein. Ehe Bobby

Impressum

Verlag: BookRix GmbH & Co. KG

Tag der Veröffentlichung: 05.07.2017
ISBN: 978-3-7438-2125-5

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