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Ein Mann geht durch die Hölle

Kriminalroman von Theodor Horschelt

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 214 Taschenbuchseiten.

 

Nach 24 Jahren unschuldig im Zuchthaus will sich Gordon Pascal das Leben nehmen. Ausgerechnet Detektiv Lester Crane und seinem Mitarbeiter Sammy Householder fällt der frisch Entlassene vor die Füße – und das am Heiligabend. Spontan lädt Crane den Lebensmüden nach Hause ein und hört sich dessen tragische Geschichte an. Damals hatte der Mineningenieur eine glänzende berufliche Zukunft vor Augen, doch als er sich in die Tochter seines Bosses verliebte und sie von ihm ein Kind erwartete, wurde er entlassen, der Unterschlagung und Mordes bezichtigt. Er hat nie erfahren, was aus seiner Angebeteten Imogen Brooks wurde, noch, ob er ein Kind hat … Der clevere Detektiv mit dem Herzen am rechten Fleck erklärt sich bereit nachzuforschen und Pascal zu rehabilitieren. Das wollen einige Leute mit aller Macht verhindern – zur Not auch mit Gewalt ...

 

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Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker.

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© dieser Ausgabe 2017 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

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Prolog

Ist Ihnen schon mal am Heiligen Abend ein Mann vor den Bug Ihrer Luxuslimousine gelatscht? In selbstmörderischer Absicht? Nein? Dann kann ich Ihnen gratulieren, Kollege. Ich jedenfalls wäre auf diese Weise beinahe in die Bredouille gekommen. Hätte dem Knaben am liebsten die Visage mit Waschpulver gesäubert, well. Als ich aber seine Story geschluckt hatte, sah ich alles in einem milderen Licht. Diesen Gordon Pascal hatte das Schicksal in seine Bestandteile zerlegt; aber wie! Die geliebte Frau flöten, keine Nachricht vom Kind und dann für vierundzwanzig Jahre ins Zuchthaus. Hält der stärkste Mann nicht aus, so was.

Well, ich hatte die Spendierhosen an. Ging den Ereignissen des Jahres einunddreißig so 'n bisschen nach. Zuerst in Newville. Hätte besser Mord v i 1 1 e geheißen, die kleine Minenstadt. Beinahe hätten sie uns dort die Hosenträger elegant gelüftet. Ging gerade noch gut, aber etliche andere Volksgenossen mussten das U-Boot-Spiel spielen. Hatten wir nur noch als Hinweis Cincinnati. Flogen mal hin. Wären beinahe auf die Schnauze geflogen. Plötzlich wimmelte es von lieben Bekannten aus Newville. Die lockten uns schön auf den Rollmops. Wäre Pamela Suren nicht gewesen, wär ich jetzt beerdigt. Ohne Klimbim, serious. Konnten uns gerade noch rausmogeln. Stieß aber Pamelas Vater sauer auf, und wie! Außerdem war da noch Leutnant Marble. Über den können Sie sich im Buch informieren.

Well, wir hatten an sich die Hoffnung schon aufgegeben, noch fündig zu werden. Kriegten einen Job angeboten, einen sagenhaften Job. Aber der, der ihn mir anbot, stand im Verdacht, “ne giftige Spinne auf meinen werten Luxusrevuekörper losgelassen zu haben. In so einem Dingen versteh ich keinen Bahnhof, können es glauben!

Am Ende kamen wir doch noch an. Die Schuldigen konnten den Gerichten übergeben werden. Nach fast fünfundzwanzig Jahren. Hatte aber Pascal nichts von. Für ihn war die Wahrheit niederschmetternd. War sie das wirklich?

Was dann noch kam, hätt' ich selbst nicht für möglich gehalten. Aber Detektivarbeit ist weiter nix als Intelligenz, Körperkraft, und Eingebung plus Glück. Und dieses Glück hatte ich wieder mal.

Alles in allem genommen war der Fall Pascal mein tollster, aber auch mein menschlich rührendster.

Womit für mich klar ist, dass ich eben doch eine Seele habe, wenn auch 'ne bescheidene.


1

Ich weiß nicht, ob es Ihnen auch so geht, für mich ist der Heilige Abend immer ein außerordentlich unangenehmer Tag. Wissen Sie, ich bin unverheiratet, ich habe keine Familie. Aber ich hab ja meinen Kleinen. Sammy. Aber am Heiligen Abend ist der kleine Rollmops auch nur ein fragwürdiger Familienersatz.

Bliebe noch Helo. Heloise, unser früheres Kindermädchen.

Aber den Fall kennen Sie ja auch, Amigo. Heiraten will ich nicht, aus Gründen, die Sie respektieren werden, und für was anderes ist Helo in jedem Fall zu schade.

Was bleibt also übrig? Man feiert Weihnachten in außerordentlich trister Stimmung, bedauert Dinge, die man früher einmal ganz gern getan hat, und fasst Vorsätze, die sich am Ende doch als Windei entpuppen.

Aber das hatte ich Ihnen eigentlich alles gar nicht ans Bruchband kleistern wollen. Die Geschichte fängt ja ganz woanders an.

Immerhin, Helo ist das Stichwort. Helo hatte sich eine ganz verrückte Schweizer Uhr gewünscht, und die war erst im letzten Augenblick eingetroffen. Der Juwelier, der diese teuren Dinger importierte, saß in Glendale droben, und gegen sechzehn Uhr des Heiligen Abends versuchte ich mir durch blühende Orangenhaine von Pasadena aus einen Weg nach Glendale zu erkämpfen.

Ich hatte in Pasadena irgend so einen kleinen Fünfminutenjob zu erledigen gehabt, und die Sache hatte mir auch dreihundert Dollar eingebracht. Warum also nicht mitnehmen? Als ich schon drauf und dran gewesen war, nach Süden zu fahren und endlich meinen Bungalow wieder anzupeilen, da hatte mich Sammy grinsend daran erinnert, dass die Uhr in Glendale immer noch nicht abgeholt sei.

So war das Ganze zustande gekommen.

Wie gesagt, es war jetzt sechzehn Uhr und ziemlich viel Jubel, Trubel, Heiterkeit auf der Straße. Sie kennen diesen merkantilen Weihnachtsrummel ja. Kauft dieses, kauft jenes und kommt ja nicht auf die Idee, etwa ans Christkind denken zu wollen.

Mit einem Wort, ich hatte die Schnauze gestrichen voll bis zur Eichmarke, und ich hatte recht wenig Lust, mir den ganzen Rummel bis La Canada anzusehen und von dort aus nach Südwesten in Richtung Glendale zu fahren.

Also suchte ich mir einen direkten Weg zwischen Pasadena und Glendale, und das hätte ich besser sein lassen.

Warum, das können Sie am Ende selber entscheiden.


*


Well, es gab da einen elenden Karrenweg. So was haben Sie noch nicht gesehen. Links war ein steiler Gebirgsabhang — so was gibt's nämlich mitten in Los Angeles und Umgebung — rechts zog sich eine Wiese mit Oleanderbäumen hin, und hinten und vorne waren Orangenhaine. Orangenhaine am Heiligen Abend sind direkt ein Hohn.

Ich musste mir irgendeine Verbindung zwischen den Straßen 118 und 11 suchen, und das gelang mir auch. Ich fuhr durch einen Hohlweg und erreichte eine längst aufgelassene Eisenbahnbrücke.

„Wenn man dir so beim Autofahren zusieht“, höhnte Sammy, „dann könnte man meinen, du wolltest Reserveoffizier bei der Panzertruppe werden. Gleich werden die letzten Bohlen durchkrachen, und wir landen fünfzig Meter tief im Abgrund.“

Ich wollte eine treffende Bemerkung machen, aber es ging mir in diesem Augenblick, wie es einem Menschen oft geht, mir fiel keine treffende Bemerkung ein. Außerdem tauchte vor uns eine lange Gestalt auf.

Der Mann schwankte so komisch auf der geländerlosen Eisenbahnbrücke.

„Geh vom Gas, Langer“, knurrte der Kleine, „oder du nimmst diese traurige Figur auf die Hörner!“

Ich ging tatsächlich vom Gas und fuhr gleich darauf auf einer Höhe mit dem entgegenkommenden Mann.

Ich konnte gar nichts von ihm erkennen.

Zu meinem namenlosen Entsetzen machte er plötzlich einen Sprung nach rechts, also auf mich zu, und legte sich direkt vor den Reifen meines superfeinen Mercury lang.

Ich riss den Car nach links, latschte auf die Bremse und geriet mit dem linken Vorderrad über den Abgrund. Dann stand der Car. Kann Ihnen sagen, mir ging ein gewisser südpolarer Körperteil in rasender Geschwindigkeit auf Grundeis.


*


„Das wäre beinahe 'ne bonfortionöse Weihnachtsfeier geworden“, murmelte ich.

Dann stieg ich vorsichtig aus und besah mir den Schaden.

Unser Mercury hing, wie gesagt, mit dem linken Vorderrad über den Abgrund. Die Doppelpfeife, die uns zum eigenen Selbstmord hatte verwenden wollen, lag immer noch zwischen den alten Bohlen und sagte keinen Ton.

Ich ging zu dem Mann hin und sah ihn mir an. Sah eigentlich gar nicht so unflott aus, der Mann. Er war mindestens sechzig Jahre alt, schmal, und hatte ein zerfurchtes, vom Leid gezeichnetes Gesicht, über dem schneeweiße Haare wie ein frisch beschneiter Kilimandscharo standen.

Man sah dem alten Burschen an, dass ihm das Leben schon manchen Schlag versetzt hatte, und vermutlich meist auf den Kopf.

Gekleidet war der Bursche gar nicht unflott, aber nach der Mode von etwa 1935. Vielleicht hatte ich einen Sektenpriester oder sonst einen komischen Heiligen vor mir, der ausgerechnet am Heiligen Abend durch mich Aufsehen erregen wollte.

Der Mann richtete sich langsam auf und sah mich an. Vermutlich glaubte er, im Himmel zu sein und erkannte nun die niederschmetternde Tatsache, dass er sich noch im schlechteren Diesseits befand.

„Hören Sie, Kumpan“, schnaufte ich empört. „Was fällt Ihnen denn ein, mir plötzlich in den Wagen zu laufen? Wenn Sie Selbstmord verüben wollen, dann springen Sie doch in Hugos Namen von der Brücke! Was glauben Sie, wie bildschön Sie sich den Hals brechen.“

„Eigentlich haben Sie recht“, sagte der Mann und sah mich aufmerksam an. Er hatte eine überraschend wohllautende und gebildete Stimme. Das war kein Pfeifenkopf aus der Downtown. Der Mann stand auf, und ich sah nun, welch elegante Figur er einst gehabt hatte und wie gebeugt er sich jetzt hielt.

„Tatsächlich. Auf diese Idee bin ich gar nicht gekommen“, wiederholte er kopfschüttelnd. „Die Jahre der Einsamkeit haben mich etwas weltfremd gemacht. Im Übrigen bitte ich Sie sehr herzlich um Verzeihung. Es war sehr charakterlos von mir, Sie in mein Unglück mit hineinzuziehen.“

Der Mann wandte sich überraschend gelenkig um, nahm einen Anlauf und wollte tatsächlich von der Brücke springen. Und das Schlimmste war, ich hätte ihn nicht hindern können.

Aber Sammy kam dagegen. Er sprang ihm wie ein Gummiball gegen den Latz, und da schlugen die beiden hin.

Sekunden später war ich dort und hob sie auf.

„Passen Sie auf, Kollege“, sagte ich zu dem Mann. „Sie sehen nicht wie 'n Landstreicher aus. Sonst würde ich Ihnen die Schnauze polieren. Sie helfen mir jetzt, meinen Wagen aufs feste Land zurückzutransportieren, und dann trinken wir 'nen Whisky zusammen, und Sie erzählen mir, was bei Ihnen stimmt oder was bei Ihnen nicht stimmt.“

Der Mann verbeugte sich höflich. „Sie scheinen ein rührender Menschenfreund zu sein. Halten Sie diese freundliche Einladung auch aufrecht wenn ich Ihnen verrate, dass ich die letzten vierundzwanzig Jahre meines Lebens im Zuchthaus verbracht habe?“

„Im Zuchthaus habe ich seinerzeit die reizendsten Menschen getroffen“, sagte Sammy und kicherte fröhlich.

Ich verpasste ihm einen linken Nierenhaken, da hatte er zu tun, um nach Luft zu ringen. Dieser Mann hier hatte es nicht verdient, dass man ihn verhöhnte. Vielleicht war er ein großer Verbrecher, aber dann hatte er gebüßt. Und wenn er vierundzwanzig Jahre Zuchthaus abgesessen hatte und die irdische Gerechtigkeit ließ ihn laufen, dann brauchte ich nicht päpstlicher zu sein als der Papst. Den Rest hatte der Mann nur noch mit seinem himmlischen Richter abzumachen. Und der war ich nicht.

„Well“, sagte ich. „Kommen Sie mit. Mein Name ist Crane. Der Kleine hier, der aussieht wie 'ne Kreuzung zwischen Fesselballon und Zirkusmanege, ist Mr. Householder, mein Assistent.“

„Sie sind Arzt oder Rechtsanwalt?“

„Nein, Detektiv.“

Der Weißhaarige mit dem zerfurchten Gesicht lachte bitter. „Da bin ich ja in den besten Händen!“

„Ich bin Privatdetektiv“, sagte ich. „Was Sie verbrochen haben, geht mich gar nichts an. Wir gehen jetzt jedenfalls einen trinken. Ich lade Sie ein. Vielleicht kann ich Ihnen 'nen Hinweis geben? Vielleicht kann ich Ihnen irgendwie den Start in ein neues Leben ermöglichen. Versprechen will ich Ihnen allerdings nichts. Ich weiß ja gar nicht, was bei Ihnen anliegt.“

Der Mann verneigte sich geradezu europäisch. „Ich heiße Gordon Pascal“, sagte er leise. „Ich bin von Beruf Mineningenieur gewesen. Ich glaube allerdings nicht, dass ich in meinem alten Beruf noch einmal sesshaft werden kann. Ansonsten habe ich nicht die Absicht, Ihnen in irgendeiner Weise zur Last zu fallen.“

Well, wir nahmen den schmalen Koffer des Mannes auf und verstauten ihn. Dann setzte sich Sammy ans Steuer und rangierte den Wagen vorsichtig zurück, während wir zwei beiden am linken vorderen Kotflügel den Wagen anhoben, damit er sich nicht doch noch in einen verhinderten Hubschrauber verwandelte.

Fünf Minuten später war das wirklich unangenehme Abenteuer überstanden.


*


Etwa zwanzig Minuten nach diesen Ereignissen saß ich mit meinem sonderbaren Gast beim Dicken in Glendale.

Sammy war weitergefahren, um Heloises Uhr zu holen.

Der Mann hatte sich aus seinem altmodischen Mantel gepellt, und ich sah nun, dass sein Anzug genau so altmodisch war, aber gut gepflegt. Kunststück. Die Brocken hatte er ja die letzten vierundzwanzig Jahre nicht gebraucht, sondern vermutlich die Zebraanzüge von Sing-Sing oder sonst einer staatlich geförderten Kulturinstitution getragen.

Pascal trank einen echten Bourbon, und man sah, dass er so was Gutes lange nicht mehr gepichelt hatte.

Er sah unter seinen buschigen Augenbrauen auf und schielte mir direkt in die Pupillen.

„Mr. Crane“, sagte er. „Sie sind gegen mich ein junger Mann. Sie könnten fast mein Sohn sein. Trotzdem glaube ich, Ihnen eine Erklärung schuldig zu sein. Ich bin die letzten vierundzwanzig Jahre allein durch den Gedanken aufrechterhalten geworden, unschuldig verurteilt gewesen zu sein. Ich weiß nicht, ob Sie mir folgen können, aber ich hätte die Zuchthaushaft nicht in so guter Haltung überstanden, wenn ich mir einer juristischen Schuld bewusst gewesen wäre. Eine schwere moralische Schuld habe ich allerdings auf mich geladen.“

„Sie brauchen mir gar nichts zu sagen, Pascal!“, erwiderte ich gütig. „Ob Sie schuldig sind oder nicht, geht mich nichts an. Die irdische Gerechtigkeit hat Sie für schuldig befunden, und was sonst noch übrig bleibt, müssen Sie mit einem Höheren ausmachen.“

„Natürlich. So fasse ich die Sache auch auf“, stimmte Gordon Pascal zu. „Immerhin hätte ich Sie beinahe zum Mörder gemacht. Wer weiß, ob man Ihnen später geglaubt hätte, dass ich Ihnen direkt in den Wagen gesprungen sei? Unter Umständen hätten Sie die schlimmsten Verwicklungen gehabt. Durch meinen alten, dummen, sentimentalen Querkopf.

Mr. Crane, nicht einmal mein Rechtsanwalt hat mir damals geglaubt, der mich verteidigte. Ich kann nicht annehmen, dass Sie mir glauben, wenn ich Ihnen jetzt meine Geschichte erzähle. Ich werde sie Ihnen trotzdem erzählen. Und ich schwöre Ihnen beim Leben meiner Mutter, dass ich die reine Wahrheit sage. Dass ich nichts weglasse und nichts hinzufüge.“

Die Mundwinkel des Mannes zuckten spasmisch. Ich wusste genau: Wenn ich ihn jetzt nicht sprechen ließ, dann würde ein Zusammenbruch erfolgen. Und ich hatte ja nicht die Absicht, den Burschen erneut seinem Unglück zu überlassen und in dem unangenehmen Gefühl nach Hause zu fahren, seinen Selbstmord nur um ein oder zwei Stunden aufgeschoben zu haben. An sich gelüstete mich nach seiner Geschichte überhaupt nicht. Aber ich ermunterte ihn trotzdem und sagte forsch:

„Nun, Mr. Pascal, erzählen Sie. Ich bin Kriminalist, ich werde Ihnen hinterher sagen, was ich von der Sache halte.“

Pascal stützte sein Kinn in die gefalteten Hände und stierte vor sich hin. Dann nippte er erneut an seinem Bourbon, strich sich wie erwachend mit der Handfläche über die Stirn und setzte sich bequem zurecht.

„Ich habe meine Eltern früh verloren“, begann er. „Ich fing eine typische Millionärskarriere an. Dass ich sie nicht als Millionär beendete, liegt an den Tatsachen, die Sie noch erfahren sollen. Mit einem Wort, ich begann als Zeitungsträger und Tellerwäscher, bildete mich in Abendkursen weiter, lernte Sprachen, ein bisschen Geographie, Mathematik, später höhere Mathematik und all das, was dazu gehört, um den Ingenieurberuf zu erlernen.

So lange ich denken kann, hatte mich nur die Geologie gefesselt, und es stand für mich schon in meinem sechsten Lebensjahr fest, dass ich eines Tages Mineningenieur werden würde.

So kam es, dass ich erst mit vierunddreißig Jahren mein Studium beendet hatte. Ich volontierte da und dort und kam im Jahre 1931 im Alter von fünfunddreißig Jahren nach Newville zur Brooks-Mine.

Die Brooks-Mine war damals ein ungewöhnlich ergiebiges Kupferbergwerk, und ich hätte dort unter Umständen eine Lebensstellung gehabt.

Ich will mich nicht besser machen als ich bin, aber ich glaube, ich habe meinen Mann gestanden. Hervey Brooks, der Minenbesitzer, wurde auf mich aufmerksam und zog mich immer enger an sich heran. Das war außerordentlich schmeichelhaft für mich. Ich kam auch in gesellschaftlichen Kontakt mit der Familie Brooks und verkehrte im Hause des Minenbesitzers. Die übrigen Ingenieure oder oberen Beamten wurden immer nur zwei- oder dreimal im Jahr zu einer Massenparty eingeladen.

Brooks hatte eine achtzehnjährige Tochter Imogen, außerdem einen Sohn. Der war fast so alt wie ich.

Imogen verliebte sich in mich, und ich verliebte mich in sie. Es war einer der Herzensbünde, die im Himmel geschlossen werden. Dieser aber sollte mich in die Hölle stürzen.

Ich war gegen Brooks ein Niemand, und ich war fast doppelt so alt wie Imogen. Wir trafen uns heimlich. Ich wollte mich zurückziehen, aber Imogen riss mich immer mit fort. Es war alles schön und rein zwischen uns. Wir sprachen immer davon, wie es sein würde, wenn wir eines Tages verheiratet wären. Und eines Nachts, da müssen wir wohl beide geglaubt haben, wir seien schon verheiratet. Imogen fühlte sich Mutter...“

Der alte Mann stöhnte.


*


Ich habe selten einen Mann so verhalten über die Frau seines Herzens sprechen hören. Ich blickte Pascal mitleidig an. „Ich verstehe Sie! Jetzt begannen Ihre Schwierigkeiten. Sprechen Sie ohne Scheu weiter, auch wenn ich Ihr Sohn sein könnte!“

Pascal fuhr sich übers Haar. — „Well, was blieb mir als Ehrenmann übrig? Ich ließ mich bei Brooks melden, und ich sagte ihm die Wahrheit. Seine Reaktion war schrecklich. Wenn er getobt und gebrüllt hätte, wenn er nach mir geschlagen hätte, wäre mir dies verständlich gewesen. Mein Chef blieb aber wider Erwarten unnatürlich ruhig. Ich weiß noch jedes Wort dieser Unterredung!

Pascal, sagte er, ich könnte jetzt große Worte machen. Aber das liegt mir nicht. Ich achte Sie. Aber als Schwiegersohn bringen Sie nicht die Qualitäten mit, die ich mir vorstelle ...

Aber das Kind, wagte ich zu erwidern.

Brooks wischte mich einfach fort. Das lässt sich regeln. Sie werden heute noch aus der Mine ausscheiden. Lassen Sie sich ein Jahresgehalt auszahlen. Dann gehen Sie!

So wollte ich mich nicht abspeisen lassen.

Imogen ist noch nicht mündig, hielt ich Widerpart. Aber sie wird es werden. Eines Tages werden wir heiraten. Ich kann eine Frau ernähren, wenn auch nicht so, wie Sie das zu tun gewohnt sind!

Brooks wurde noch eisiger. Tun Sie, was Sie nicht lassen können, erwiderte er. Und jetzt gehen Sie. Wenn Sie sich in meinem Haus oder in meinem Betrieb noch einmal blicken lassen, dann hole ich die Polizei!

Well, ich ging. Ich nahm sogar das Almosen eines Jahresgehaltes an, denn ich musste an Imogen denken. An Imogen und das Kind.

Ich drang bei Nacht und Nebel auf einem geheimen Weg in Brooks Grundstück ein. Ich sah, wie ein Auto vorfuhr. Manuel Brooks saß am Steuer. Dann kam der Vater. Er führte Imogen an der Hand. Imogen bewegte sich wie eine Marionette. Vater und Tochter stiegen ein. Ich wollte vorstürzen, aber da ließen die Diener Bluthunde los. Ich musste um mein Leben rennen und konnte mich gerade noch in Sicherheit bringen.

Tags darauf hieß es in Newville, Imogen sei spurlos verschwunden. Die Brooks-Familie machte einen mächtigen Staub. Man setzte Polizei und Detektive ein. Ich, ich allein wusste es besser. Ich lief zu den Behörden. Dort war meine Geschichte inzwischen bekannt geworden. Man behandelte mich als sanften Irren. Man verlachte mich.

Mit einem Wort, diese nächtliche Szene, an die ich noch auf meinem Totenbett denken werde, war das letzte Mal, dass ich Imogen sah. Ich weiß bis heute nicht, was aus ihr geworden ist, ich weiß bis heute nicht, was aus meinem Kind geworden ist!“

Pascal stockte. Er beugte sich über den Tisch und vergrub das Gesicht in den Händen. Ich stellte dem Mann einen neuen Bourbon hin.


2

„Moment mal, Moment mal“, schnaufte ich nach einer ganzen Weile. „Das ist doch fast nicht möglich. Sie werden doch Mittel und Wege gefunden haben, die Spur Imogens aufzunehmen. Sie waren doch finanziell flott.“

Pascal lächelte. Er lächelte schmerzlich. „Selbstverständlich. Das dachte ich damals auch. Ich blieb in meinem Quartier wohnen und versuchte Nachforschungen anzustellen. Aber in Newville war Brooks der ungekrönte König. Der Bürgermeister, der Sheriff, sämtliche staatlichen und kommunalen Stellen mussten sich seinem Willen beugen, wenn sie nicht die größten Schwierigkeiten gewärtigen wollten. Mir gab niemand eine Auskunft.

Ich engagierte einen Privatdetektiv und verbutterte mein ganzes Geld; aber auch dieser Mann hat nichts erreicht.

Wenig später wurde mir meine Wohnung gekündigt, Brooks übte auf meine Wirtin, sie war die Witwe eines Bergwerksingenieurs und von der Mine abhängig, einen Druck aus, und so blieb der guten Alten nichts anderes übrig, als mich tränenden Auges aus dem Haus zu werfen. Buchstäblich tränenden Auges.

Ich wollte mich im Hotel einmieten, aber niemand hatte ein Zimmer für mich. Nach etwa vier Wochen blieb mir nichts anderes übrig, als den Ort zu verlassen, wenn ich nicht im Straßengraben hätte übernachten wollen. Und dort hätte mich vermutlich die Leibwache Mr. Brooks aufgespürt und zusammengeschlagen. Ich hatte keine Chance, Mr. Crane.“


*


Dem Mann hatte das Leben übel mitgespielt. Das heißt, sofern er mir eben nicht ein halb weiches Geseich ans Bruchband wand. Sofern er tatsächlich die Wahrheit sprach. Aber als Menschenkenner hätte ich in dem Moment schon sagen mögen, dass er tatsächlich die Wahrheit sprach.

Ich bestellte eine neue Runde und forderte Pascal zum Trinken auf.

Seine bleiche Gesichtsfarbe belebte sich etwas. Der Alkohol tat ihm richtig gut.

Er trank ein halbes Glas so vorsichtig leer, als handle es sich um eine besonders erlesene Kostbarkeit, und berichtete dann weiter.

„Trotz der eben erst überstandenen Weltwirtschaftskrise herrschte in Montana ein fühlbarer Mangel an wirklich qualifizierten Fachkräften. Ich war fest überzeugt, recht schnell einen neuen Job zu finden. Aber da sollte ich mich täuschen. Mr. Brooks Beziehungen reichten weit, und der Mann ließ es einfach nicht zu, dass ich irgendwo neuen festen Fuß fasste. Wo ich mich persönlich vorstellte, waren die Leute ganz begierig auf mich, aber wenn ich meine Zeugnisse vorlegte und meinen Namen sagte, dann wurden sie sofort eisig und hatten plötzlich für mich keine Verwendung.

Ich lebte ungefähr neun Monate mehr schlecht als recht und empfand es als einen unerhörten Glückszufall, als ich plötzlich bei der Des-Moines-Mine eine Anstellung fand. Diese Mine war von Newville weit genug entfernt, und ich konnte dort ein neues Leben beginnen. Was man halt so ein neues Leben nennt, Mr. Crane. Sie müssen sich vorstellen, ich hatte neun Monate nichts von Imogen Brooks gehört. Unser Kind musste längst geboren sein. Stellen Sie sich vor, welch bohrender Schmerz im Herzen eines Mannes sitzt, der weiß, dass die geliebte Frau von ihm ein Kind bekommt, aber nicht weiß, wo die Frau ist, und er kann ihr und dem Kind nicht helfen.“

„Ich bin selbst Kindernarr“, erwiderte ich. „Ich kann es Ihnen ungefähr nachfühlen. Wenngleich ich nicht selbst Vater bin. Berichten Sie weiter.“

Pascal stöhnte auf und tupfte sich mit dem Taschentuch die Stirn. Dann gab er sich einen innerlichen Ruck und nahm den Faden seiner Erzählung wieder auf.

„Ich will nicht in Einzelheiten gehen. Ich arbeitete drei Monate ganz ordentlich bei der Des-Moines-Mine; eines Tages kam dann der große Knall.

Der Besitzer der Mine stellte umfangreiche Schwarzverkäufe von Kupfer fest und außerdem Unterschlagungen in einer Kasse, zu der ich rein theoretisch Zugang hätte haben können.

Ein Aufseher, ein gewisser Miller, ein treuer Mann, brachte den Stein ins Rollen. Aber ehe er seine Aussage machen konnte, wurde er mit einer Spitzhacke erschlagen.

Diese Hacke fand man später in meiner Behausung. Außerdem gab der Prokurist der Mine, ein gewisser Alan Lacey, an, er habe mich in der fraglichen Zeit in dem Raum der Kasse der Mine gesehen und es sei zu vermuten, dass ich der Mann sei, der die Unterschlagungen, besser gesagt, den Gelddiebstahl, begangen hätte.

Diese Aussage und die Mordwaffe, die man bei mir gefunden hatte, reichten aus. Man stellte mich unter Anklage, die Geschworenen fanden mich für schuldig, erkannten aber nur auf Mord zweiten Grades. Es blieb mir also erspart, an den Galgen zu gehen. Ich glaube, damals hing man in Montana die Gefangenen noch.

Vielleicht wäre es besser gewesen, man hätte mich zum Tode verurteilt und mein nutzloses Leben beendet. So aber verurteilte man mich gewissermaßen zum Leben, genauer gesagt, zu fünfundfünfzig Jahren Zuchthaus.

Sie kennen ja die amerikanische Zuchthauspraxis, ich brauchte die fünfundfünfzig Jahre nicht ganz abzusitzen und hätte das vermutlich auch gar nicht lebendig überstanden. Ich saß also vierundzwanzig Jahre lang im Zuchthaus und wurde heuer plötzlich eine Woche vor Weihnachten begnadigt. Das war die übliche Amnestie. Ich hatte mich immer gut geführt, ich hatte meinen Gefängniswärtern keine Schwierigkeiten gemacht, also entließ man mich.“

„Nun gut“, sagte ich. „Sie haben also fünfundzwanzig Jahre lang Unmenschliches erduldet, Pascal. Eines ist mir unverständlich. Warum wollen Sie jetzt, da Sie in Freiheit sind, da Sie unter Umständen noch einmal ein neues Leben anfangen können, diesem wiedergeschenkten Leben ein Ende bereiten?“

Der Mineningenieur lächelte traurig. „Auch dieses Geheimnis kann ich Ihnen entschleiern, Mr. Crane. Ich hatte eine Schwester. Sonstige Angehörige gab es nicht. Meine Schwester Wanda hat immer treu zu mir gehalten. Sie konnte mir alle halbe Jahre schreiben, und ihre Briefe waren gewissermaßen der einzige Kontakt mit der Außenwelt. Als ich entlassen wurde, fuhr ich natürlich sofort nach Los Angeles. Meine Schwester wohnte in Pasadena.

Ich bin heute Morgen hier angekommen und habe mich sofort zur Wohnung meiner Schwester begeben. Ich vergaß zu sagen, dass sie Witwe war und weiter keinen Anhang hatte.

Als ich die Wohnung betrat, sagte mir der Hausverwalter, dass meine Schwester vorgestern beerdigt worden sei. Sie ist Knall und Fall an einer Infektion gestorben, und die Nachricht von ihrem Tode hat mich nicht mehr erreicht, weil ich unterdessen bereits auf Achse gewesen war.“

Ich streckte dem armen Teufel spontan die Hand hin.

„Donnerwetter“, sagte ich. „Das Schicksal hat es besonders bös mit Ihnen gemeint. Hier, meine Hand, Pascal. Ich bin Ihnen nicht mehr böse. Ich kann verstehen, dass Sie dieses Leben wie ein dreckiges Hemd ausziehen wollten. Und trotzdem kann ich Ihren Entschluss nicht billigen. Das Leben ist etwas, das man sich nicht selbst gegeben hat, man ist also auch nicht berechtigt, es selbst wieder abzulegen. Das mag Ihnen wie eine Binsenweisheit erscheinen, aber wenn Sie als gebildeter Mensch darüber nachdenken, dann werden Sie meinen Worten beipflichten müssen.“


*


Der Dicke mochte meinem Schützling vielleicht ansehen, dass er lange nichts gegessen hatte, er brachte ungefragt Frikadellen und Kartoffelsalat.

Pascal machte sich heißhungrig über die Sache her, und daraus ersah ich, dass er vielleicht doch wieder neuen Lebensmut schöpfte. Ein Selbstmörder pflegt sich nämlich nicht satt zu essen.

Ich blickte dem Mann schweigend zu. Er hatte ausgezeichnete Manieren und aß wie ein Herr.

In diesem Augenblick öffnete sich die Tür, und Sammy quoll herein.

Den kleinen Rollmops hatte ich ganz vergessen.

„Hast du die Uhr?“, fragte ich.

Sammy nickte. „Du hast ja 'nen Knall mit Freilauf, Langer, für Heloise so viel Geld auszugeben! Wenn sich die Sache wenigstens rentieren würde, dann möchte ich nichts sagen ...“

Ich sah auf. „Und wenn Heloise dir gestattet hätte, ihr die Uhr zu schenken?“

Sammy feixte. „Dann hätte ich sie ihr selbstverständlich genau so geschenkt wie du. — Was wird nun aus unserem verunglückten Freund hier?“

„Er steigt mit uns ins Auto“, sagte ich, „und kommt mit in unseren Bungalow am Echo Park. Ob wir zu dritt oder zu zweit Weihnachten feiern, spielt keine Rolle. Das Schicksal hat ihm böse mitgespielt. Er verdient es, nach zweieinhalb Jahrzehnten endlich einmal wieder in Freiheit und in Ruhe das Christfest zu begehen.“

Pascal sah mich an. Täuschte ich mich oder rann ihm eine Träne vom Augenwinkel in die scharfe Furche zum Mund?

Ich sah weg. Ich war diskret.

Pascal erhob sich. „Ich weiß gar nicht, wie mir ist. Mir ist, als sei mir der Christ heute selbst begegnet, Mr. Crane. Und sofern Sie Ihr Angebot tatsächlich aufrechterhalten und Ihren Weihnachtstisch mit einem alten Zuchthäusler teilen wollen, dann nehme ich tatsächlich an.“


*


Unsere Aufwartefrau hatte uns aus einem Hotel eine prächtige kalte Platte besorgt, für Weine und Schnäpse war Sammy zuständig, und die üblichen Geschenke lag auf einem Tisch. Wir saßen um zwanzig Uhr beisammen und warteten auf Heloise.

Sie wissen ja, Helo ist inzwischen Ärztin geworden und arbeitet in einem großen Hospital. Wir sehen uns nur verhältnismäßig selten, aber wir sind immer noch dicke Tinte, alle drei.

Punkt zwanzig Uhr fünf schrillte das Telefon.

Sammy dehnte seine verfetteten Glieder. „Pass mal auf, Langer“, knurrte er. „Falls jetzt jemand kommt und seine Frau beobachtet wissen möchte oder falls sich jemand meldet, der durch uns einen Mord klären lassen will, dann gehe ich in die Luft und schrei Juhu wie frisch importierte Salontiroler! Arbeit kommt heute überhaupt nicht infrage!“

Er sprach mir ganz aus der Seele, der Kleine.

Ich ging zum Telefon und hob ab.

„Hier ist Helo“, sagte eine melodische Frauenstimme. „Lieber Lester, ich darf dir alles Gute zum Weihnachtsfest wünschen.“

„Ich nehme an, dass ich das noch persönlich von dir höre?“, konterte ich.

Helo lachte verärgert auf. „Im Gegenteil. Ich hatte heute meinen dienstfreien Tag, wollte mich aber noch nach einem Patienten umsehen. Und dabei hat mich das Schicksal ereilt. Der heute eingeteilte Nachtdienst ist plötzlich krank geworden und da hatten die Halbgötter in der Führung der Klinik nichts anderes zu tun, als mich außer der Reihe einzuteilen. Da kann man nichts machen.“

„Da kann man tatsächlich nichts machen. Wann sehen wir uns also?“

„Ich komme morgen Nachmittag zu euch.“

„Okay, Helo. Wir werden die Minuten zählen. Wir haben auch ein wunderschönes Geschenk für dich!“

„Oh, Lester, du sollst dich nicht in Unkosten meinetwegen stürzen!“

„Aber du weißt doch, dass ich's gern tue, Helo. Nun, ich wünsche dir einen recht besinnlichen Christabend! Wir haben einen Gast. Wir werden es uns so gemütlich wie möglich machen!“

Sammy sackte das Doppelkinn in den Kohlenkeller, als ich ihm Heloises Absage vorsichtig beibrachte. Der Kleine hängt an Helo nicht weniger als ich, das wissen Sie längst, und war nun ziemlich traurig.

Wir begaben uns allein zu Tisch. Es wurde ein stummes Mahl.

Im Übrigen hatte ich Sammy reich beschenkt, und er hatte auch tief in die Tasche gegriffen und mir allerlei Sachen gekauft, die man einem notorischen Junggesellen schenkt. Elektrischen Rasierapparat, eine neue Pfeife, Krawatten jede Menge und so weiter und so weiter.

„Mr. Pascal wird 'ne schöne Vorstellung von unserer Gastfreundschaft haben“, meinte der Kleine am Ende nachdenklich. „Jetzt sitzt er da wie das fünfte Rad am Wagen und wir haben nicht einmal ein Geschenk für ihn.“

Pascal hob beschwörend die Hände. „Aber meine Herren! So wollen Sie das bitte nicht auffassen. Ihre Güte, ihre Menschlichkeit, Ihr Anstand mir gegenüber ist mir das köstlichste Geschenk, das ich mir überhaupt vorstellen könnte.“

Ich erhob mich und klopfte dem alten Mann auf die Schulter.

„Mr. Pascal“, sagte ich. „Sie geben mir Ihr Ehrenwort, dass jedes Wort von dem, was Sie mir erzählt haben, wahr ist?“

Pascal erhob sich langsam. Er sah mir mit einem sonderbaren Ausdruck ins Gesicht. Dann streckte er mir seine Hand hin, und ich schlug ein.

„Mein Ehrenwort. Mein Schwur, Mr. Crane.“

„In Ordnung“, sagte ich. „Sprechen wir nicht mehr darüber. Und jetzt, da ich Ihnen tatsächlich glaube, kommt für Sie die Bescherung. Ich habe im Gegensatz zu den Worten meines Freundes tatsächlich ein Geschenk für Sie. Unser Geschenk an Sie, Mr. Pascal, wird sein, dass wir sofort nach den Feiertagen versuchen werden, jetzt, nach fünfundzwanzig Jahren, Imogen Brooks Schicksal zu klären. Und wenn die Frau noch lebt, wenn das Kind noch lebt, dann werden wir etwas erfahren. Inzwischen haben sich die Verhältnisse geändert.

Ich kann Ihnen nicht hundertprozentig versprechen, dass wir recht bald zu einem positiven Ergebnis kommen, aber ich verspreche Ihnen das

Impressum

Verlag: BookRix GmbH & Co. KG

Texte: (C) ALFRED BEKKER CASSIOPEIAPRESS
Bildmaterialien: Firuz Askin
Tag der Veröffentlichung: 24.04.2017
ISBN: 978-3-7438-0945-1

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