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Auftrag für RR 343

GLOBAL TASK FORCE #5

von Conrad Shepherd

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 116 Taschenbuchseiten.

 

Der Verlust von gleich mehreren Space Shuttles und der Tod eines Kollegen einer anderen Einsatzgruppe rufen das Team von Commander Jennings von der GTF auf den Plan. Anscheinend steckt ein Totgeglaubter als Drahtzieher hinter den Anschlägen. In diesem Fall scheint jedoch nichts unmöglich, wie die Agenten schon bald darauf feststellen müssen.

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker.

© by Author

Erstveröffentlichung 1971

© dieser Ausgabe 2017 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

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1

Die Nacht war finster und ohne Sterne. Dunst deutete auf Regenwetter hin. Die Neonlichter der Bars, der Hotels und die Straßenleuchten verloren in den Schwaden die Konturen.

Der Mann im dreißigsten Stockwerk des Clarion-Hotels nahm sein Auge vom gummigefederten Okular des Zielfernrohrs und wischte sich über die schweißbedeckte Stirn. Er hatte bohrende Kopfschmerzen. Aber die würden verschwinden, sobald er seinen Auftrag ausgeführt hatte.

Er brannte sich mit bebenden Fingern eine Zigarette an und rauchte hastig.

Vielleicht sollte er sich eine Extraspritze gönnen, nur eine kleine …

Nein, nicht jetzt. Das würde nur seine Sinne abstumpfen und seine Reflexe hemmen. Er atmete tief durch den Mund und wartete, dass die augenblickliche Übelkeit abklang.

Er schob den Ärmel zurück und warf einen Blick auf seine Chronomatic: Es war zwei Uhr morgens.

Langsam wurde es Zeit, dass sein Beobachtungsobjekt erschien.

Wieder beugte er sich zu dem Okular des Zielfernrohrs hinunter und starrte über die tiefe Straßenschlucht hinüber zum Bedfort-Hotel. Die Entfernung betrug exakt vierhundertundzehn Meter. Diese Distanz war unbedeutend. Er hatte eine Dreibeinauflage für sein Gewehr direkt vor dem Fenster und ein Zielfernrohr mit siebzehnfacher Vergrößerung und einer Infrarotlinse. Der Mann konnte trotz der Dunkelheit jede Einzelheit hinter den noch schwarzen Scheiben des gegenüberliegenden Apartments erkennen.

2.15 Uhr …

Das kleine Funksprechgerät in der Brusttasche seiner Jacke aus Wildlederimitation zirpte.

„Ich höre“, sagte er mürrisch.

„Das Objekt betritt eben das Hotelfoyer“, kam eine quäkende Stimme aus dem Lautsprecher.

„Allein?“

„Allein.“

Mit einem Knacken schaltete sich der unbekannte Sprecher aus.

Der Killer stieß das Fenster auf. Die Nacht war bestens für diesen Job. Völlig windstill, was sehr wichtig war. Er hatte seinem unbekannten Auftraggeber gleich gesagt, dass er die Aktion abblasen würde, falls Wind aufkäme.

Er holte die Patronen aus der Tasche. Die schlanken tödlichen Projektile waren seine eigene Anfertigung. Auch darin war er sehr eigen. Die wenigsten Leute wussten, dass jede Entfernung eine andere spezielle Ladung erforderte.

Der Killer steckte eine davon ins Magazin — falls er beim ersten Schuss nicht traf, was sehr unwahrscheinlich war —, schob die zweite in die Kammer, schloss den Riegel und entsicherte. Er hockte sich vor das Gewehr auf den klappbaren Feldstuhl und brachte die noch immer dunkle Scheibe des Apartments ins Gesichtsfeld. Dahinter sah er so deutlich wie am helllichten Tag die Zimmereinrichtung. Egal, ob das Opfer Licht machte oder nicht — es würde ihm nichts nützen.

Der Mann schwenkte den Lauf ein paar Grad nach links und rechts, um das Schussfeld abzugrenzen. Ein dünnes Lächeln nistete in seinen Mundwinkeln. Es war ein ausgezeichneter Platz. Sein unbekannter Auftraggeber hatte gut vorgearbeitet, wie er neidlos anerkennen musste, auch, was seine Wahl betraf. Es war nicht so einfach, heutzutage Killer zu finden, die ihr Metier mit absoluter Könnerschaft beherrschten und dennoch den internationalen Polizeiorganen unbekannt waren.

Drüben wurde Licht gemacht.

Der Killer pfiff tonlos durch die Zähne, als er sah, dass es sich um ein Mädchen handelte, unverkennbar. Das Okular mit der Infrarotlinse davor zog sie direkt ins Zimmer herein. Für den Bruchteil eines Augenblicks fühlte er so etwas wie Bedauern darüber, dass dieser prachtvolle Körper in wenigen Sekunden leblos am Boden liegen würde. Dann verbannte er diese Anwandlung aus seinen Gedanken. Für ihn war jede Person nur ein Objekt, das Geld brachte. In diesem Fall war es sehr viel Geld, das in einem Schließfach des Center Terminal auf ihn wartete.

Die Kopfschmerzen des Killers waren wie weggeblasen. Er holte tief Luft. Durch das Okular sah er, wie das Girl drüben vor dem Einbauschrank stehenblieb und etwas darin suchte.

Er ließ langsam die Luft aus und richtete den Zielstachel auf den Nacken des Mädchens, genau dort, wo die schmale Goldkette verlief. Dann nahm er Druckpunkt am Abzug und zog langsam und völlig ruhig an.

Der Schuss ging los. Die Pulverladung beschleunigte das Geschoss auf sechzehnhundertachzig Metersekunden, mehr als vierfache Schallgeschwindigkeit. Der Rückstoß prellte ihm die Schulter und riss das Zielfernrohr für einen Moment nach oben. Dank des Schalldämpfers wurde aus dem sonst üblichen Krach nur ein dumpfes Blaffen.

Der Killer brachte das Girl wieder ins Gesichtsfeld. Der Einschlag hatte es gegen den Schrank geworfen, an dem es nun langsam herunterrutschte und zu Boden fiel. Der Schrank besaß dort, wo das Mädchen gestanden hatte, ein faustgroßes Loch mit ausgezackten Rändern.

Links und rechts des Apartments wurde es in den anderen Zimmern hell. Das Bersten der großen Panoramascheibe hatte die Gäste aus dem Schlaf gestört.

Höchste Zeit zu verschwinden.

Der Mann schloss das Fenster und zog die Vorhänge vor. Dann machte er Licht, aber er knipste nur die kleine Nachttischlampe an, deren Schein nicht durch den Vorhang nach draußen dringen würde. Er klappte das Dreibein und den Feldstuhl zusammen, zerlegte mit drei in Fleisch und Blut übergegangenen Bewegungen das Gewehr und legte die Teile in den flachen schwarzen Aktenkoffer. Er warf auch die ausgeworfene Hülse hinein und befestigte Stuhl und Dreibein mit den Federspangen am Deckel des Koffers.

Sekunden später trug ihn der Expresslift in die Tiefgarage des Clarion.

Zwischen den Reihen abgestellter Triller und Pubs suchte und fand er seinen Wagen, stieg ein, warf den flachen Koffer auf die Rückbank, und startete das Aggregat.

Mit leisem Brummen glitt der Wagen mit seinem Antrieb auf Elektrolysebasis die schräge Rampe hinauf, die auf die Straße mündete. Das hämische Grinsen nistete noch immer in den Mundwinkeln des Killers.

Auch dann noch, als das Fahrzeug wie eine riesige Magnesium-Bombe aufflammte …



2

Schräg gegenüber auf der anderen Straßenseite hockte ein Mann hinter einem Drink und der Panoramascheibe der Spacemen-Bar. Die war trotz der späten Stunde brechend voll. Von seinem Platz aus konnte der Mann sowohl den Hoteleingang überblicken, als auch die Ausfahrt aus der Tiefgarage im Auge behalten. Nur ab und zu liefen draußen Passanten vorbei und nahmen für Sekunden dem Beobachter die Sicht, der unauffällig auf die Uhr an seinem stark behaarten Handgelenk blickte. Seine Lippen bewegten sich, als zählten sie einen unhörbaren Countdown mit.

Was im übertragenen Sinn stimmte.

Plötzlich brach ein wahrer Lichtorkan aus dem Rechteck der Garagenausfahrt und machte die Nacht zum Tag.

Der Lärm der Detonation versetzte die Scheibe der Bar in Schwingungen. Die Gäste stürmten aufgeschreckt hinaus auf die Straße. Jemand schlug den Feuermelder an der Hauswand ein. Rundum wurde es laut.

Auch der Mann stand auf, starrte mit gerunzelten Brauen durch die Scheibe nach draußen.

Niemand bemerkte seinen zynischen Blick.

Der Mann war Anfang der Dreißig, trug einen modisch geschnittenen Anzug, der die großkalibrige Waffe unter der linken Achsel raffiniert kaschierte. Er verwendete ein unaufdringliches Rasierwasser, und er lächelte ständig. Ein bestimmter Gesichtsmuskel war ihm von einem Messer verletzt worden.

Dieses Lächeln war der Preis für einen der wenigen Fehler, die ihm in seinem Beruf unterlaufen waren. Und es brachte ihm den Namen Joyboy ein. Die Erinnerung daran ließ Falten auf seiner Stirn entstehen. Doch dann erhellte sich seine Miene wieder. Das dort drüben war saubere Arbeit gewesen. Daran gab es nichts zu rütteln. Mit einem Minimum an Aufwand ein Maximum an Wirkung erzielt. Er brauchte dazu nur einen der alten unverwüstlichen Säurezünder und eine Thermitladung. Sein Auftraggeber konnte beruhigt sein. Blieb nur noch zu hoffen, dass sein Partner drüben im Bedfort-Hotel ebenso erfolgreich gewesen war.

Der Mann hörte den ersten Feuerwehrwagen heranpreschen und ging nach draußen. Polizeisirenen gellten durch die Nacht. Vier Wagen tauchten auf und stoppten mit kreischenden Bremsen. Eine Szene wie aus einem Krimi.

Joyboy ging langsam weiter bis zur nächsten Tiefgarageneinfahrt und tauchte dort unter. Er ging durch die Reihen der parkenden Fahrzeuge zu seinem Wagen. Der war nicht abgeschlossen. Er stieg ein, steckte den Schlüssel ins Zündschloss, als sich etwas im Fond regte. Wie der Blitz drehte sich Joyboy um. Seine Finger krümmten sich und fanden einen Hals. Dann begann er wütend zu fluchen.

„Ich dachte schon, du kämst überhaupt nicht mehr“, brummte sein Partner.

„Mach das nicht noch einmal, Sonny“, sagte Joyboy wild, „wenn du noch ‚ne Weile am Leben bleiben willst.“

„Reg’ dich ab, Mann“ knurrte sein Partner. „Fahr zu!“

Zehn Minuten später, und kilometerweit vom Ort der Explosion entfernt, hielten sie neben der halbtransparenten Säule einer Telvibox. Joyboy warf einen Dime in den Schlitz, nachdem er den Hörer abgenommen hatte. Er wählte eine mehrstellige Zahl und wartete geduldig auf das Sprechzeichen.

Das kam. Und erst als er die Stimme identifiziert hatte, legte er den Hebel um, der die Bildübermittlung dazuschaltete. Er war nun für seinen Gesprächspartner zu sehen, während dieser seine Telvioptik ausgeschaltet ließ.

„Alles okay?“, fragte der unsichtbare Gesprächspartner.

„Und wie!“

„Noch was übrig von ihm?“

Joyboy dachte an den Haufen verglühten Schrotts, den eine Thermitbombe von einem Auto übrigließ, und schüttelte den Kopf.

„Und?“

„Hinsley hatte leider nicht so viel Glück.“ Der Killer bedachte seinen Partner mit einem unfreundlichen Blick.

„Was heißt das?“, knallte es wütend aus dem Hörer.

„Ihm blieben nur zwei Minuten, um das Apartment dieser UN-Agentin zu durchsuchen. Der Schuss hat leider die Panoramascheibe durchbrochen, laut genug, um eine Herde Elefanten in Panik geraten zu lassen. Er konnte sich gerade noch rechtzeitig absetzen, ehe die Polypen auftauchten.“

Schweigen. Dann: „Darüber reden wir noch.“ Drohung schwang in der Stimme mit. „Und jetzt kümmert euch um Forrester! Und wehe, es klappt nicht!“

Ehe Joyboy etwas erwidern konnte, wurde die Verbindung getrennt. Mit einem Schulterzucken gingen beide zu ihrem Wagen zurück und fuhren davon.

Der Fahrer des verbeulten Turbo auf der anderen Straßenseite wartete, bis sie außer Sichtweite waren, dann wendete er auf der Straße und entfernte sich in entgegengesetzter Richtung.



3

Wie ein riesenhaft vergrößertes futuristisches Kunstwerk leuchtete die Projektion einer Weltkarte auf dem mächtigen, konkav gekrümmten Schirm eines Standviphos. Die Projektion war von den leuchtenden Linien eines Gradnetzes überzogen, zwischen dem perlengroße Lichtpunkte im satten Grün flimmerten. Jeder einzelne dieser Punkte bedeutete den Einsatzort eines der vielen Teams der GLOBAL TASK FORCE (GTF). Diese Teams sollten, kontrolliert von einem fünfzehnköpfigen Richtergremium des International Court of Justice (ICJ) und mit modernstem technischen Gerät ausgerüstet, überall an den Brennpunkten dieser Erde einspringen und die Flammen löschen.

Campbell, der entscheidungsfreudigste Mann unter seinen Wissenschaftler-Kollegen, warf noch einen Blick auf die Projektion, dann drehte er sich um.

„Tut mir leid“, beschied er dem Mann knapp, „aber der ICJ hat Ihr Gesuch abermals abschlägig beurteilt.“

Der schwarzgekleidete Mann in dem wuchtigen Sessel vor dem Tisch schüttelte den Kopf.

„Damit gebe ich mich nicht zufrieden.“

Campbell lächelte dünn.

„Werden Sie müssen, Commander Dyk“, sagte er hart.

Die beiden Männer waren in XORIT, der geheimen Zentrale der GLOBAL TASK FORCE.

XORIT lag, als U-Labor getarnt, in 2345 Metern Tiefe unter den Wogen des Atlantiks auf einem Granitsockel. Diese versteckte Zentrale der Weltpolizei, einem fünfzehnköpfigen Gremium von Richtern des Internationalen Gerichtshofes in Chicago unterstehend, war zuständig für die Bereiche Europa, Afrika und Asien.

UP 3, wie XORIT in den wissenschaftlichen Verzeichnissen benannt wurde, stand in informierten Kreisen nicht in hohem Ansehen. Es war nur eines von vielen anderen Tiefseelabors in den Ozeanen der Erde und fast bedeutungslos. Aber das konnte den Männern und Frauen nur recht sein, die dort ihren Dienst verrichteten. Sie hatten nicht einmal etwas dagegen, dass ihre sporadisch erscheinenden Berichte und Forschungsergebnisse niemandem in Fachkreisen auch nur ein müdes Lächeln entlocken konnte. Dadurch wurde gewährleistet, dass kein Mensch übermäßig viel Interesse für dieses U-Labor zeigte. Denn dass sich unter diesem Laboratorium, verborgen im Granit des Sockels, eine der beiden Zentralen der GTF verbarg, wusste nur eine ausgewählte Gruppe. Und die setzte sich aus Mitgliedern der GTF zusammen — zum Großteil.

Commander Dyk, Leiter eines der vielen GTF-Teams, blieb störrisch wie ein Muli.

„Und wenn ich mich über die Anordnungen des ICJ hinwegsetze?“

„Würde ich Ihnen nicht raten, Commander.“

Campbells Lächeln wurde noch knapper.

Dyk thronte gewichtig wie ein japanischer Sumo-Ringer vor Campbell und dessen spiegelndem Arbeitstisch. Das Bild seines massigen Oberkörpers wurde von der schwarz polierten Fläche zurückgeworfen. Der Commander steckte sich eine Zigarette an und paffte nervös.

Campbell rümpfte die Nase. Es roch ungefähr so, als hätte man einen Vogel mitsamt den Federn verbrannt.

„Ein phantastisches Aroma“, bemerkte der Wissenschaftler bissig. „Sind Sie sicher, Commander, dass das ’ne Zigarette ist und kein Insektenvertilgungsmittel?“

„Ziemlich, Sir“, gab der massige Commander ungerührt zurück. „Aber um noch einmal auf die Ablehnung der ,Five men‘ zurückzukommen …“

„Stopp!“, bremste Campbell. „Wann endlich sehen Sie ein, dass da nichts mehr zu machen ist, Dyk?“

„Aber Sharon gehörte zu meinem Team. Jeder meiner Leute — und ich an erster Stelle — brennt darauf, den heimtückischen Mord an dem Mädchen zu rächen.“

„Genau dieser Umstand ist es, der das Richtergremium zu seiner Ablehnung bewog, Commander. Persönliche Rachegelüste haben innerhalb der GTF nichts zu suchen. Alter Grundsatz, wissen Sie selbst ganz genau, Mann. Es ist uns oft genug eingetrichtert worden.“

„Objektivität hin, Objektivität her“, tobte Commander Dyk. „Wenn der ICJ nicht einsehen will, dass dieser Mord an einem Team-Mitglied von eben diesem Team selbst geklärt werden muss, dann wäre es vielleicht besser, die Konsequenzen zu ziehen.“

Das war selbst für den Kummer gewohnten Campbell ein starkes Stück. Er fuhr auf. In der letzten Zeit neigte er ein wenig zu cholerischen Anfällen.

„Was bedeutet das, Dyk?“, fauchte er.

Der Commander zuckte die Schultern.

„Wollen Sie vielleicht Ihren Dienst quittieren?“ Campbells Stimme schnellte eine Oktave höher.

Commander Dyk schwieg verdrossen und musterte sein Spiegelbild in der Tischfläche.

„Ausgezeichnet!“, knallte ihm sein Gegenüber an den Kopf. „Ihnen passt es nicht, dass ein anderes Team auf Ihren Fall angesetzt wird, und Ihre einzige Reaktion besteht darin, den Krempel hinzuschmeißen. Fabelhaft! Genau der richtige Typ eines verantwortungsbewussten Commanders!“

„Halten Sie die Luft an, Campbell“, antwortete Dyk verärgert. Der zwei Zentimeter lange Aschenkegel seiner mörderisch stinkenden Zigarette fiel auf den Boden. „Ich renne nicht weg. Keine Angst. Meine Leute und ich haben in mindestens vierhundert sehr schwierigen Einsätzen bewiesen, dass es uns nicht an Verantwortungsbewusstsein mangelt — das nur zu Ihrer Information.“

Die beiden Männer musterten sich schweigend. Im Moment schien es, als könnte der eine den anderen nicht leiden.

Campbell schlug mit der flachen Hand auf den Tisch und grollte: „Nun regen Sie sich doch mal ab, Dyk. Ich kann ebenso wenig an den Entscheidungen des ICJ etwas ändern wie Sie.“

Dyk holte tief Atem zu einer Antwort, kam aber nicht mehr dazu, etwas zu sagen.

Hinter Campbell erlosch die Projektion der Weltkarte, und das überdimensionierte Gesicht einer der vielen Technikerinnen innerhalb der geheimen Zentrale ersehen auf der Fläche.

„Was ist los?“, wollte Campbell wissen.

„Sir … Notrufe von RR 323! Wieder einmal scheint eine der Raum-Raketen in Schwierigkeiten zu stecken … Bitte schalten Sie Ihr Gerät ein! Die Notrufe werden vom Raumfahrt-Zentrum in Mirage Field übernommen.“

Campbell hatte bereits nach dem ersten Satz eine bestimmte Anzahl breiter Tasten an der Tischkante heruntergedrückt. Die Technikerin verschwand vom Schirm, und die große Fläche gab ein total verzerrtes Bild wieder. Aus den Lautsprechern tönten abgehackte Wort und Satzfetzen.

„Ich rufe Mirage Field und alle Stationen, die mich hören können: Hier ist Space Shuttle 323 unter Commander Haig. Notrufzeichen bestätigen … Notrufzeichen bestätigen!“

Eine explosionsartige Tonstörung ließ Campbell und Dyk zusammenzucken. Betroffen starrten sie sich sekundenlang an. Panik und Furcht klangen aus den Worten des Space Shuttle-Commanders.

„Hier Mirage Field. Raumfahrt-Zentrum an RR drei-zwo-drei: Wir hören Sie, Commander Haig.“

Eine undeutliche Stimme war es, die sich eingeschaltet hatte.

Haig schrie: „Sind ohne Navigationsmöglichkeit — Bordcomputer spielt verrückt. Befinden uns gerade in der absteigenden Phase und …“

Eine krachende Tonstörung machte den Satz unverständlich.

Impressum

Verlag: BookRix GmbH & Co. KG

Texte: (C) ALFRED BEKKER CASSIOPEIAPRESS
Bildmaterialien: Steve Mayer
Tag der Veröffentlichung: 19.04.2017
ISBN: 978-3-7438-0865-2

Alle Rechte vorbehalten

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