Cover

Warten auf Kempowsky

Die Agentin – Heiße Fälle im Kalten Krieg

Band 23

von A. F. MORLAND

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 116 Taschenbuchseiten.

 

Nancy Boomer bittet ihre alte Schulfreundin Natalia Ustinov um Hilfe, weil man auf sie geschossen hat. Sofort begibt sich die erfahrene Spezial-Agentin nach Chicago, obwohl ein Auftrag ihres Chefs Charles Newton auf sie wartet: Der König eines bedeutenden afrikanischen Zwergstaates wird in New York erwartet und Natalia soll sich persönlich um seine Sicherheit kümmern. Als ihre Freundin Nancy tot aufgefunden wird, setzt die schöne Agentin alles daran, den Mord aufzuklären. Da offensichtlich der KGB dahintersteckt, hofft Natalia, dass ein alter Bekannter, der Exil-Russe Wladimir Kempowsky, ihr Informationen geben kann …

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author / Cover by Firuz Askin

© dieser Ausgabe 2016 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

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1

Die beiden Männer standen im Schatten eines Rhododendronstrauches, als Nancy Boomer den nächtlichen Parkplatz überquerte. Hinter dem schmalen Streifen des Elliott Parks glitzerte die weite glatte Fläche des Michigansees. Der Mond war fast voll. Es regte sich kein Lüftchen. Es war mild. Eine Bilderbuchnacht.

Einer der beiden Männer, ein baumlanger Kerl mit Blumenkohlohren und vernarbten Brauen, starrte dem hübschen blonden Mädchen, das mit schwingenden Hüften auf seinen Dodge Charger Special zuging, mit grimmiger Miene entgegen.

Der Typ neben ihm hatte unverwechselbare slawische Züge, Mongolenaugen und einen dicken schwarzen Schnauzbart unter der Nase, durch den er kaum Luft zu bekommen schien. Er war um einen Kopf kleiner und wesentlich unruhiger. Es fiel ihm schwer, stillzustehen und zu warten.

Nancy Boomer erreichte in diesem Augenblick ihren silbermetallicfarbenen Dodge.

Als sie den Schlüssel ins Schloss schob, zog der Mann mit dem Schnauzbart seine Kanone, ein überlanges Ding mit aufgesetztem Schalldämpfer.

Sein Begleiter legte ihm die Hand auf den Arm. »Noch nicht«, raunte er ihm auf Russisch zu.

»Willst du warten, bis sie abgefahren ist?«, meckerte der andere in derselben Sprache.

»Ich will warten, bis sie im Wagen sitzt.«

»Warum denn das?«, fragte der Kleine flüsternd. Sein Name war Iwan Sobor.

»Ich bin dafür, dass wir’s sofort hinter uns bringen. Warten verzögert nur alles, Dimitri.«

Nancy Boomer öffnete den Wagenschlag und glitt hinter das Lenkrad. Sie ließ den Motor an. In diesem Augenblick sagte Dimitri Stonowoi: »Jetzt!« Und dann sprangen die beiden Russen mit schussbereiten Waffen aus dem Schatten.



2

Es war ein herrlicher Abend gewesen. Einer der wenigen, die Natalia Ustinov zur freien Verfügung standen. Ansonsten hatte die rassige Agentin zumeist an allen Brennpunkten der Erde zu tun, und für ein Privatleben blieb ihr höchstens einmal zwischen zwei brisanten Aufträgen Zeit.

Doch diesmal schien es prächtig mit dem Amüsement auf privater Ebene zu klappen.

Die schlanke schwarzhaarige Superpuppe mit den King-Size-Maßen war mit ihrem Kollegen Charly Kennedy aus gewesen, hatte mit ihm zunächst das japanische Restaurant NIPPON, 45 East End Street, besucht und war mit ihm anschließend in einer kleinen intimen Bar gewesen, wo sie sich bei weichem, sanft flackerndem Kerzenschein sehr viel nähergekommen waren.

Kennedy war ein gutaussehender Junge mit sehr guten Manieren, und Natalia hatte erfahren, dass er ein ausgezeichneter Liebhaber war, deshalb ließ sie sich, ein wenig neugierig, von ihm nach Hause fahren, und gestattete ihm, noch mit auf einen Drink nach oben zu kommen.

Seit zwei Stunden befand sich Charly Kennedy nun schon in Natalias mondänem Penthouse, und er hatte es verstanden, die Stimmung dermaßen anzuheizen, dass Natalia sich in ihrer Wäsche nicht mehr so richtig wohl fühlte.

Sie hauchte ihm einen Kuss auf die Lippen und verschwand im Schlafzimmer. Charly war kein Dummkopf. Er hatte längst bemerkt, dass sie nicht abgeneigt war, und wenn sie sich ins Schlafzimmer zurückzog, wäre er ein Idiot gewesen, wenn er draußen im Livingroom sitzen geblieben wäre. Seine Chance lag dort drinnen, hinter der halb geschlossenen Tür.

Er erhob sich und ging darauf zu.

Seltsamerweise war er ein wenig aufgeregt.

Das passierte ihm selten. Er hatte sehr viel Routine in diesen Dingen, aber Natalia war ein Mädchen, wie man es nicht alle Tage trifft. Sie wusste genau, was sie wollte. Sie war nicht bloß ein zierliches Weibchen. Sie hatte darüber hinaus auch verdammt viel Grips unter dem bläulich schwarzen Haar.

Sie war nackt, als er die Tür aufstieß.

Sie schämte sich dessen nicht. Er kam lächelnd näher und erkannte die Leidenschaft, die in ihren Kohleaugen flackerte.

Charly Kennedy betrachtete sie mit brennenden Blicken. Er musste zugeben, dass sie ein ganz erlesenes Werk der Natur war. Ihr Gesicht war atemberaubend schön und ihr Körper makellos.

Ihre Haut war honigfarben, ausgenommen das dunkle Dreieck zwischen ihren Beinen.

Natalia sah zu, wie Charly sich auszog, seine Sachen unbekümmert auf dem Boden verstreute und dann auf sie zutrat.

»Ich werde dir nicht erzählen, wie schön du bist, das hast du schon viel zu oft gehört«, sagte er leise. »Ich werde gar nichts sagen, und dich nur so lieben, wie du es von mir erwartest.«

Sie sanken auf das breite Bett. Natalia merkte sofort, dass er sehr erfahren war. Sie lächelte verträumt. Er küsste sie auf die Lippen, seine Zunge schoss mit einer schnellen Bewegung in ihren Mund.

Sie löste sich von ihm, und nun bewegte sich ihre Zunge über seinen Leib. Ihr pechschwarzes Haar strich wie leichte, zarte Finger über seinen Körper. Er atmete schwer, und als das schöne Mädchen ihn endlich in sich aufnahm, wollten sie beide vor Wonne beinahe vergehen.

Es war eine Nacht, von der sie sich beide wünschten, sie möge nie zu Ende gehen.

Dennoch sollte diese herrliche Zeit eine abrupte Unterbrechung erfahren.

Doch noch nicht in diesem Augenblick. Noch durften die beiden sich umarmenden Menschen glücklich sein.



3

Nancy Boomer sah die Männer hinter dem Busch hervorspringen und stieß einen krächzenden Schrei aus. Gleichzeitig ließ sie sich instinktiv zur Seite fallen. Dabei rutschte sie vom Kupplungspedal ab. Der Rückwärtsgang war eingelegt. Eine Angewohnheit von Nancy, noch aus der Zeit, als sie in San Fransisco gewohnt hatte, denn dort gibt es viele steile Berg und Talstraßen, und es ist nicht ratsam, einen Wagen nur mit angezogener Handbremse zu parken.

Dadurch, dass Nancy von der Kupplung abrutschte, machte der 238 PS starke Dodge einen kraftvollen Sprung zurück, und dieser Sprung rettete dem blonden Mädchen das Leben.

Sobor und Stonowoi feuerten gleichzeitig.

Sobors Kugel bohrte sich in den Dachholm. Stonowois Projektil zertrümmerte die Windschutzscheibe. Ein glitzernder Glashagel ging auf Nancy Boomer nieder. Sie drückte hastig auf das Gaspedal.

Der Dodge Charger Special raste im Rückwärtsgang von den beiden Schützen weg. Die Russen versuchten den Wagen mit einigen Kugeln zu stoppen, doch sie ballerten an den Pneus immer einige Millimeter vorbei.

Tränen kollerten über Nancy Boomers kreidebleiches Gesicht.

Warum? Warum?, schrie es in ihr.

Sie hatte keine Ahnung, weshalb diese Männer mit Pistolen auf sie schossen. Sie war nicht reich. Sie hatte keine Feinde. Sie stand nicht im öffentlichen Leben. Also warum?

Nancy warf sich auf den Schaltknüppel. Gleichzeitig stemmte sie das rechte Bein gegen die Bremse. Der Wagen quietschte, und sobald er stand, knallte das verstörte Mädchen den ersten Gang ins Getriebe.

Mit aufheulendem Motor, geduckt, damit man sie nicht treffen konnte, raste sie vom Parkplatz. Sie sah im Rückspiegel noch ein paar Mündungsfeuer, dann bog sie scharf rechts ab und knüppelte den Wagen der Sheridan Road entgegen.

Ihre Kniescheiben flippten.

Ihre Nerven waren angespannt wie Klaviersaiten. Der Schweiß brach ihr aus allen Poren. Sie war so fassungslos, wie sie es in ihrem ganzen Leben noch nicht gewesen war.

Angst hockte in ihren Eingeweiden. Wie eine Ratte fraß sie sich durch ihren Bauch. Ein scheußliches Gefühl. Sie fragte sich, ob diese Männer sie mit jemandem verwechselt hatten.

Das war die einzige Erklärung für diesen Mordanschlag auf sie. Panik stieg in ihr hoch. Sie hatte keinen blassen Schimmer, wohin sie fahren sollte. Nach Hause? Auf gar keinen Fall. Möglicherweise wussten diese Kerle, wo sie wohnte, und warteten dort auf sie.

Wohin aber?

Hilfe!, schoss es ihr durch den Kopf. Sie brauchte Hilfe, denn sie würde sich auch morgen und übermorgen nicht nach Hause wagen. Sie würde erst wieder den Mut haben, ihre Wohnung zu betreten, wenn geklärt war, wer diese Männer waren und weshalb sie sie umzubringen versucht hatten. Und natürlich mussten die Killer bis dahin auch auf Nummer sicher sein.

Nancy warf einen Blick in den Spiegel. Die Kerle waren nicht mehr zu sehen.

Das Mädchen verringerte deshalb aber nicht das Tempo. Lieber von einem Speed Cop gestoppt als von diesen Männern eingeholt werden, dachte sie beunruhigt.

Sie schlug ein paar Haken in Evanston, fuhr dann in südliche Richtung, kam am Rosehill Cemetery vorbei, drehte nach Osten ab und fuhr wenig später ziel und planlos den Lake Shore Drive entlang.

Natürlich waren ständig Fahrzeuge hinter ihr. Wenn eines länger als normal in ihrem Rückspiegel war, wurde sie beinahe hysterisch. Dann versuchte sie alles, um den Wagen so schnell wie möglich abzuschütteln.

Also nach Hause konnte sie nicht.

Sie konnte aber auch nicht die ganze Nacht durch Chicago rasen. Sie musste sich irgendetwas einfallen lassen. Nelson Easton war der erste Name, der ihr in den Sinn kam. Nelson war Maler und Gebrauchsgraphiker. Ein wahrer Freund. Er hatte immer wieder betont, dass Nancy zu ihm kommen solle, wenn sie auf irgendeine Weise in der Klemme steckte.

Nun, sie steckte bis zur Halskrause darin.

Sie wusste, dass Nelson Easton sie nicht abweisen würde, wenn sie ihm erzählte, was geschehen war. Er würde sie bestimmt bei sich aufnehmen.

Er wohnte in Cicero, einem südlichen Vorort von Chicago. Nancy hatte zweimal mit ihm geschlafen, aber das war nicht richtig in die Tiefe gegangen. Sie waren einander zwar ungemein sympathisch, jedoch das Tüpfelchen auf dem i fehlte in ihrer Beziehung zueinander. Es war nicht zu diesem Erdbeben gekommen, auf das sie beide - wenigstens beim zweiten Mal, als sie nicht mehr so verkrampft und nervös waren wie beim ersten Mal - gewartet hatten.

Dennoch wusste Nancy, dass Nelson sich für sie in Stücke reißen lassen würde. Das Mädchen atmete erleichtert auf. Endlich wusste sie, wohin sie fahren sollte.

Okay, jetzt war klar, wo sie für die nächste Zeit unterschlüpfen konnte.

Aber war damit auch die Wurzel des Übels beseitigt? Keinesfalls.

Nelson Easton war zwar ein hilfsbereiter junger Mann, aber er war kein Kämpfer. Das konnte Nancy Boomer von ihm nicht verlangen. Ihm konnte man in diesem Mörderspiel nur eine passive Rolle übertragen. Zu mehr taugte er nicht, was keinesfalls abwertend gemeint war.

Es gibt eben solche und solche Menschen, und Nelson Easton war leider kein Fighter.

Natalia Ustinov war das!

Ein Mädchen mit der Figur eines Supermannequins - und trotzdem hart wie Granit, was ihr kein Mensch ansehen konnte. Natalia arbeitete für eine kleine schlagkräftige Geheimdienstgruppe, die ihren Sitz in New York hatte, wie Nancy Boomer wusste.

Natalia und Nancy hatten zusammen die Oberschule besucht und waren die dicksten Freundinnen gewesen, die man sich vorstellen kann. Sie hatten einander nie ganz aus den Augen verloren, und wenn Natalia mal in Chicago zu tun hatte, dann kam sie, darauf konnte man wetten, bestimmt auch zu Nancy. Natürlich galt das auch umgekehrt. Wenn Nancy mal in New York war, fuhr sie garantiert nach Richmond, um sich für ein paar nette Stunden bei der Freundin blicken zu lassen.

Im vergangenen Monat hatten die beiden attraktiven Mädchen sogar zusammen Urlaub in den Schweizer Alpen gemacht. Die Männerwelt hatte dort während dieser drei Wochen verrückt gespielt. Natalia und Nancy hatten so viel Spaß gehabt, dass sie sich fest vorgenommen hatten, auch im Winter zusammen wegzufahren. Dann vielleicht nach Kitzbühel oder Sankt Anton.

Aktive Hilfe würde Nancy Boomer bestimmt von ihrer Freundin Natalia Ustinov bekommen - wenn sie sich zur Zeit in New York aufhielt, was ja nicht immer der Fall war, und wenn sie nicht gerade einen brandheißen Fall am hübschen Hals hatte.

Eine Telefonzelle.

Nancy trat sofort auf die Bremse. Die Pneus schmierten dicke schwarze Striche auf den Asphalt. Der Dodge stand auf kürzeste Distanz.

Nancy lief die paar Meter bis zur Telefonbox zurück. Sie fütterte den Automaten mit einigen Dimes und wählte sodann die Vorwahlnummer von New York …



4

Sie lagen nackt nebeneinander und rauchten genießerisch zusammen eine Zigarette. Charly Kennedy wandte den Kopf. »Du warst eine Wucht, Natalia.«

»Dieses Kompliment kann ich dir ohne Gewissensbisse zurückgeben«, schmunzelte die hübsche Agentin.

»Werden wir uns von nun an öfter sehen?«

»Kann sein. Das kommt auf die Jobs an, die uns Newton überträgt.« Charles Newton war ihr Chef. Der clevere Leiter einer kleinen gut ausgebildeten Agenten-Crew, deren Erfolgsquote jene der CIA-Leute beachtlich überragte. Newtons weitreichende Verbindungen waren sagenhaft. Er machte nahezu alles möglich, wenn ihn seine Agenten darum baten. Und Natalia war Newtons besonderer Renner. Sie setzte er zumeist dann ein, wenn er wusste, dass seine anderen Leute - die gewiss ebenfalls über durchschnittliche Leistungen zu erbringen imstande waren - ins Schleudern kommen würden.

»Vielleicht setzt Newton uns mal gemeinsam ein«, träumte Charly.

»Wir können ihn ja mal wissen lassen, dass wir das begrüßen würden«, sagte Natalia.

Charly Kennedy rümpfte die Nase. »Da kennst du den boshaften Dicken aber schlecht. Wenn der spannt, dass zwischen uns mehr besteht als nur kollegiale Freundschaft, setzt er dich in Alaska und mich in Feuerland ein. Du kennst doch seine Überzeugung: Verliebte Agenten sind schlechte Agenten. Sie sind zu vorsichtig. Sie sind nicht wagemutig genug. Sie riskieren nicht genug. Außerdem kann sich die Gegenseite eine solche Liebe zunutze machen: Sie könnte einen von uns beiden kidnappen, um den anderen unter Druck zu setzen. Um dieser Gefahr von vornherein die Spitze zu nehmen, versucht Newton, es erst gar nicht zu einer solchen Liebe kommen zu lassen.«

Natalia richtete sich auf.

Sie schob sich auf Charly. Ihre vollen Brüste streiften über seinen behaarten Brustkorb. Sie küsste ihn zärtlich. »Wir werden es schon irgendwie einrichten, dass wir nicht zu kurz kommen, okay?«

»Okay«, grinste Kennedy.

Er schlang seine Arme um das raubkatzenhafte Mädchen.

Da schlug im Livingroom das Telefon an. Charly wollte protestieren, doch Natalia hatte sich bereits aus seiner Umarmung gelöst und war nackt, wie Gott sie geschaffen hatte, auf dem Weg zum Telefon.

Er schaute ihr nach und stellte fest, dass ihre Kehrseite ebenso hübsch war wie die Vorderfront.

Natalia meldete sich mit ihrer Telefonnummer: »Richmond zweitausend.«

Ein Knistern und Knacken in der Leitung. Schweres, aufgeregtes Atmen. Der Anruf kam nicht aus New York City. Eine gepresste Mädchenstimme. Leise, verzerrt, undeutlich.

»Natalia?«

»Ja.«

»Nat, hier ist Nancy. Nancy Boomer!«

»Nancy!«, rief Natalia Ustinov erfreut aus. Sie schüttelte ihre lange schwarze Mähne zurück. Das Mondlicht, das zum Panoramafenster hereinschien, übergoss ihren makellosen Körper mit einem silbrigen Glanz. »Wie geht’s dir denn?«

Nancy Boomer lachte gequält. »Mir geht es furchtbar. Nat. Deshalb rufe ich dich an ...«

»Was ist passiert?«, fragte Natalia aufhorchend.

»Zwei Männer haben versucht, mich umzubringen!«

.Natalia überlief es eiskalt bei dieser Nachricht. »Großer Gott, wieso denn?«

»Ich weiß es nicht. Ich war bei einer Bekannten, und als ich mich in meinen Wagen setzen wollte, traten sie hinter einem Gebüsch hervor und fingen an, auf mich zu schießen. Es ist ein Wunder, dass ich noch lebe. Ich weiß selbst nicht, wie ich es geschafft habe, ihnen zu entkommen. Nat, du kannst dir nicht vorstellen, wie ich mich jetzt fühle ....«

»Doch, Nancy, das kann ich.«

»Ich bin mit den Nerven völlig down. Ich glaube, mich erschreckt bereits mein eigener Schatten.«

»Du möchtest, dass ich dir irgendwie helfe, nicht wahr?«, sagte.Natalia.

»Ja, wenn du kannst.«

»Wenn die Lage so ernst ist, kann ich selbstverständlich. Wozu hat man schließlich Freunde? Damit sie einen in der Not im Stich lassen?«

»Ich wage mich nicht nach Hause«, krächzte Nancy Boomer verzweifelt.

»Es wäre auch nicht vernünftig, jetzt heimzugehen«, erwiderte Natalia. »Hör mal, möchtest du dich ins nächste Flugzeug setzen und hierherkommen?«

»Dein Angebot ist zwar furchtbar nett, Nat, aber glaubst du wirklich, dass sich das Problem damit lösen lässt?«

»Nein. Da hast du recht.«

»Irgendwann würden mich diese Kerle vielleicht in New York aufstöbern, und dann würde der ganze Horror von Neuem beginnen.«

»Da ist was dran«, sagte Natalia nachdenklich. Sie betrachtete angelegentlich ihre Zehen, die sie ununterbrochen bewegte. »Die bessere Lösung wäre, wenn ich nach Chicago kommen würde«, meinte Natalia schließlich.

»Diesen Vorschlag wollte ich dir gerade machen«, antwortete Nancy Boomer. Ihre Stimme war jetzt lauter. So als ob ihr ein schwerer Stein von der Brust gefallen wäre.

»Ich habe den Flugplan zwar nicht im Kopf, aber ich denke, dass ich bis morgen früh um neun bei dir sein könnte«, sagte Nat. »Was machst du inzwischen?«

»Ich verkrieche mich bei einem Freund. Nelson Easton heißt er. Schreib dir seine Adresse auf.«

Impressum

Verlag: BookRix GmbH & Co. KG

Texte: (C) ALFRED BEKKER CASSIOPEIAPRESS
Tag der Veröffentlichung: 14.10.2016
ISBN: 978-3-7396-7864-1

Alle Rechte vorbehalten

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