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Haben Sie kein Herz, Dr. Ramberg?

von A. F. Morland

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 110 Taschenbuchseiten.

 

Die Ärzte der Wiesen-Klinik, allen voran Chefarzt Dr. Richard Berends, sind nicht nur ausgezeichnete Mediziner, sondern haben auch ein Herz für ihre Patienten. Als Will Berghoff nach einem Verkehrsunfall eingeliefert wird, werden sie jedoch auf eine harte Probe gestellt. Trotz Not-OP können sie den Patienten nicht retten: Maschinen halten ihn künstlich am Leben. Berghoffs Tochter Nadja, die nicht ertragen kann, dass ihr geliebter Vater dahinvegetiert, verlangt, dass die Apparate abgeschaltet werden – doch das ist gegen das Gesetz! Assistenzarzt Dr. Ramberg, der sich in Nadja verliebt hat, muss eine schwierige Entscheidung treffen ...

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Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker.

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© dieser Ausgabe 2016 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

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Die Hauptpersonen des Romans:

Dagmar Lobeck - unglückliche Patientin.

Nadja Berghoff - Angestellte in einer Leihbücherei.

Dr. Erwin Ramberg - Assistenzarzt.

Gottfried Beckmann - Freund von Dagmar.

Will Berghoff - Nadjas Vater.

Sowie Chefarzt Dr. Richard Berends, seine Frau Charlotte und das Team der Wiesen-Klinik.




1

„Herr Dr. Berends! Herr Dr. Berends!“

Dr. Richard Berends, der Chefarzt der Wiesen-Klinik, blieb stehen und wandte sich um. Schwester Rita eilte den Flur entlang. Sie war eine resolute Person mit einer manchmal etwas barschen Art. Wer sie kannte, liebte sie, denn sie hatte förmlich ein Herz aus purem Gold.

„Was gibt’s?“, fragte der Chefarzt. „Schwester Sabine rief soeben an und fragte, ob ich für zwei Stunden in die Gynäkologie kommen könnte. Sie braucht dringend Hilfe.“

„Ist doch selbstverständlich“, sagte Dr. Berends. „Ich komme später hinüber und sehe selbst nach dem Rechten. Wie lange wird es dauern?“ Schwester Rita nannte die Zeit.

„In Ordnung“, sagte Dr. Berends lächelnd. „Ich denke, dass wir Sie auf Ihrem Platz für zwei Stunden gerade noch entbehren können und hoffe, dass ohne Sie alles reibungslos weiterlaufen wird.“

Die Schwester strahlte. Ein solches Lob aus diesem berufenen Munde war für sie schon eine ganz besondere Auszeichnung. „Vielen Dank, Herr Chefarzt.“

Sie wandte sich um und begab sich mit raschen Schritten zum Aufzug. Dr. Berends' Lob war durchaus berechtigt. Schwester Rita war eine tüchtige Angestellte der Wiesen-Klinik, wenn nicht die tüchtigste überhaupt, außer den Ärzten natürlich. Sie war eine wertvolle Hilfe für jeden Mediziner, konnte mit Menschen hervorragend umgehen und blieb selbst unter stärkstem Stress ebenfalls Mensch.

Der Chefarzt, ein sportlicher, dynamischer Mann, dunkelblond, mit blauen Augen, setzte seinen Weg fort. Es ging auf den Abend zu, und morgen sollte Dagmar Lobeck, eine junge Patientin, operiert werden. Dr. Berends wollte ihr mit einem kleinen Gespräch die Angst vor der Operation nehmen.

„Na, Fräulein Lobeck“ sagte er beim Eintreten und schob die Hände in die Taschen seines Kittels. Jene Hände, die mit dem Skalpell so Großartiges zu leisten vermochten. „Wie geht’s uns denn?“

Dagmar Lobeck, neunzehn Jahre jung, hübsch, mit madonnenhaften Zügen, lächelte dünn. „Na ja, wie soll es einem schon gehen, wenn man weiß, dass man auf die Schlachtbank muss.“

Dr. Berends schüttelte vorwurfsvoll den Kopf. „Was ist denn das für ein hässlicher Ausdruck?“

„Entschuldigen Sie, aber ich bin ein wenig nervös.“

„Das kann ich zwar verstehen, aber es liegt dafür überhaupt kein Grund vor, das können Sie mir glauben. Eine Appendektomie, also die Entfernung des Blinddarms, ist nur ein kleiner Eingriff, den Sie leicht überstehen werden.“

„Das hört sich beruhigend an.“

„Sie brauchen sich vor der Operation wirklich nicht zu fürchten.“

„Kann es keine Komplikationen geben?“, fragte sie ängstlich.

„Sie sind ein kräftiges junges Mädchen, Fräulein Lobeck ...“

„Es kann immer etwas passieren. Wo gearbeitet wird, da werden hin und wieder auch Fehler gemacht, und auch Ärzte - wenn man sie auch die weißen Götter nennt - sind nur Menschen.“

„Das gebe ich zu, doch wir Ärzte wissen, was für Folgen ein Fehler haben kann, deshalb arbeiten wir gewissenhafter und konzentrierter als Menschen in anderen Berufen. Unser Verantwortungsbewusstsein ist auf jeden Fall wesentlich stärker ausgeprägt, darauf können Sie vertrauen, Fräulein Lobeck. Sie scheinen kein sehr optimistischer Mensch zu sein.“

Dagmar Lobeck schaute an Dr. Berends vorbei zum Fenster. „Ach, wissen Sie, das Leben hat mir meinen Optimismus genommen.“

Der Chefarzt schüttelte lächelnd den Kopf. „Na, hören Sie, das hört sich ja schrecklich an. Wenn ich Sie nicht sehen wurde, müsste ich meinen, ich hätte es mit einer Frau zu tun, die den größten Teil ihres Lebens bereits hinter sich hat. Aber das trifft doch bei Ihnen überhaupt nicht zu. Mein Gott, mit neunzehn Jahren sollte man anders reden, sollte man meinen, die ganze Welt erobern zu können.“

„Es gibt Menschen, denen hat das Leben nach neunzehn Jahren schon mehr Wunden geschlagen als anderen nach fünfzig Jahren.“

„Und zu dieser bedauernswerten Minderheit zählen Sie sich?“

„Leider ja“, gestand die junge Patientin leise.

„Was für einen Grund haben Sie dafür, Fräulein Lobeck?“

„Gründe“, korrigierte Dagmar Lobeck. „Es sind eine ganze Reihe von Gründen; Dr. Berends.“ Sie seufzte und senkte den Blick. „Meine Mutter war nicht gerade das, was man einen Tugendengel nennt - da waren immer fremde Männer, die sie mit nach Hause nahm und zu denen ich Onkel sagen sollte. Mutter liebte mich, ihr einziges Kind, aber ich wollte ihre Liebe nicht, konnte nichts damit anfangen, war nicht imstande, sie zu erwidern. Ich hörte sie im Schlafzimmer mit diesen sogenannten Onkeln kichern und tollen, war noch zu klein, um mir vorstellen zu können, was sich hinter der geschlossenen Tür abspielte, sagte mir aber, dass es etwas Schmutziges sein müsse. Wenn ein neuer Onkel kam, musste ich den andern vergessen ... Keiner dieser Männer blieb so lange, dass ich mich an ihn gewöhnen konnte. Manche waren gut zu mir, und wenn sie nicht mehr kamen, heulte ich. Andere mochten keine Kinder, das spürte ich sofort. Wenn sie gingen, war ich froh und atmete auf. Da war mal einer, der wollte sich sogar an mir vergreifen. Das war das einzige Mal, dass meine Mutter einen Mann hinauswarf ...“

„Hatten Sie keinen Vater?“, fragte Dr. Berends, dem die Geschichte der jungen Patientin zu Herzen ging.

„Doch, aber den sah ich so gut wie nie.“

„Wieso nicht?“, hakte der Chefarzt nach.

„Meine Eltern waren nicht geschieden, lebten aber getrennt. Vater war ein schwacher Mann. Er ertrug Mutters zahlreiche Affären auf die Dauer nicht.“

„Warum beendete er die Beziehung nicht mit einem glatten Schnitt?“ Dagmar Lobeck schmunzelte. „Jetzt spricht der Chirurg aus Ihnen. Ich weiß nicht, warum sich mein Vater zu diesem glatten Schnitt nicht aufraffen konnte. Vielleicht hoffte er insgeheim, dass meine Mutter ihren Lebenswandel mit der Zeit ändern würde, doch das Gegenteil war der Fall. Je älter sie wurde, desto schneller drehte sich das Karussell, unter dem wir alle - paradoxerweise auch Mutter - litten. Eines Tages kam sie mit einem Mann nach Hause, dessen brutales Aussehen mir Angst machte. Er gab mir Geld und sagte, ich solle ins Kino gehen. Das wollte ich auch tun, aber die Vorstellung war ausverkauft, und so kam ich nach einer halben Stunde wieder zurück und hörte Mutter entsetzlich schreien.

Heute noch verfolgen mich manchmal diese gellenden Schreie. Und dann ... war es plötzlich still. So still, dass ich weinte. Es wollte mir das Herz abdrücken, denn dieses abrupte Enden der Schreie konnte nur eines bedeuten: Mutter lebte nicht mehr. Der Mann kam zerkratzt und verstört aus dem Schlafzimmer. Als er mich sah, dachte ich, er würde auch mich ... Aber dann sagte er, ich solle nicht ins Schlafzimmer gehen, sondern einen Nachbarn holen, denn Mutter ginge es nicht gut. Als er die Wohnung verlassen hatte, betrat ich doch das Schlafzimmer ... Nie werde ich diesen schrecklichen Anblick vergessen... Mutter lag halb entkleidet auf dem Bett, Augen und Mund weit auf gerissen..

Dagmar Lobeck zitterte.

„Quälen Sie sich nicht damit“, riet ihr Dr. Berends.

Doch Dagmar schüttelte den Kopf. „Ich möchte darüber sprechen, Herr Doktor.“

„Es regt Sie sehr auf“, entgegnete der Mediziner besorgt.

„Ja, immer noch.“

„Wie lange liegt das alles zurück, Fräulein Lobeck?“

„Zehn Jahre, ich war damals neun. Vater war mir entfremdet. Er hatte keine Beziehung zu seinem Kind, wollte mich nach Mutters Tod in ein Heim abschieben, warum er es dann doch nicht tat, kann ich nur vermuten. Ich nehme an, es war ihm zu teuer. Ich war sehr viel allein. Vater duldete nicht, dass ich Freundinnen hatte. Er sagte, bei solchen Freundschaften käme nichts Gutes heraus, ich solle mich lieber aufs Lernen konzentrieren. Das habe ich auch ehrlich versucht, brachte aber dennoch eine schlechte Zensur nach der andern nach Hause.

Bei Mutter war Vater schwach, aber bei mir spielte er den starken Mann. Er sagte, ich wolle nicht lernen, aber er würde meinen hartnäckigen Trotz schon brechen. Er schlug mich, gab mir nichts zu essen, redete nicht mit mir, was für mich die schlimmste Strafe war. Vor zwei Jahren starb er, und ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich seinen Tod nicht beweinte. Ich ... ich konnte keine Trauer empfinden, es war mir einfach nicht möglich. In den letzten beiden Jahren verdiente Vater sehr gut. Er hinterließ mir eine ansehnliche Summe. Der Anwalt musste mir lange zureden, bis ich bereit war, das Erbe anzunehmen. Ich wollte nichts, was meinem Vater gehört hatte, haben, verstehen Sie das?“

Dr. Richard Berends nickte ernst. „Natürlich verstehe ich das, Fräulein Lobeck. Das Leben hat Ihnen wirklich übel mitgespielt.“

„Und das Pech wird mir treu bleiben.“

„Das dürfen Sie sich nicht einreden“, meinte der Chirurg.

„Ich weiß es. Ich bin die geborene Verliererin, Dr. Berends. Solche Menschen gibt es leider. Denen ist das Recht auf Glück versagt.“

„Ich bin sicher, dass es in Ihrem Leben bald aufwärts gehen wird“ sagte der Chefarzt.

„Aufwärts“, sagte Dagmar leise. „Dieses Wort gibt es für mich nicht. Ich liege hier in Ihrer Klinik, muss mich operieren lassen ...“

Der Mediziner lächelte. „Sehen Sie das etwa auch als einen Tiefschlag Ihres Schicksals an? Da kann ich Sie beruhigen. Auch Glückspilze müssen manchmal unters Messer.“

„Ich bin in Ihren Augen wohl ein sehr dummes Mädchen, wie?“, sagte die junge Patientin verlegen.

„Sie sind nicht die Einzige, die sich vor der Operation fürchtet. Ich bin hier, um Ihnen die Angst zu nehmen und Ihnen zu sagen, dass Sie uns vertrauen können.“

Dagmar Lobeck lächelte hilflos. „Sie sind ein wunderbarer Mensch, Dr. Berends. Der erste Mensch, zu dem ich - glaube ich - rückhaltloses Vertrauen haben werde. Wann beginnen die Vorbereitungen für die Operation?“

„Nun, zunächst bekommen Sie zwölf Stunden davor keine feste Nahrung und acht Stunden vorher nichts Flüssiges mehr. Das ist in allen Kliniken oberstes Prinzip.“

Dagmar nickte, „Und dann?“

„Schwester Rita wird sich Ihrer annehmen, sobald sie Zeit hat. Sie muss im Moment etwas Wichtiges erledigen. Dann werden Sie in Phisohex gebadet und schlafen in einem frisch überzogenen Bett. Auf diese Weise halten wir die Bakterien von Ihnen so weit wie möglich fern.“

„Schlafen ... Ich werde in dieser Nacht bestimmt kein Auge zu tun, Herr Doktor.“

„Machen Sie sich nichts draus. Die meisten Patienten sind so nervös, dass wir ihnen ein Medikament zur Beruhigung geben müssen. Sie brauchen es nur Schwester Rita sagen. Möchten Sie hören, wie es morgen weitergeht?“

Dagmar Lobeck schüttelte rasch den Kopf. „Nein, ich glaube, das reicht vorerst einmal. Wenn ich noch mehr erfahre, können mich nicht einmal eine Handvoll Tabletten beruhigen, und ich soll ja schlafen.“

„Das wäre sehr gut für Sie.“

„Ich werde mich bemühen, Ihnen diesen Gefallen zu erweisen, aber versprechen kann ich nichts.“

Dr. Berends nickte zuversichtlich. „Sie werden schlafen, Fräulein Lobeck. Tief und traumlos. Und Sie werden ausgeruht und entspannt an einem Tag erwachen, der für Sie ein ganz besonderer ist.“

„Können Sie mit allen Menschen so wunderbar umgehen, Herr Doktor?“

„Ich versuche es“, erwiderte der Chefarzt.

„Ich glaube, meine Angst beginnt dahinzuschmelzen wie Schnee in der Sonne.“

Dr. Richard Berends schmunzelte. „Wenn das so ist, habe ich erreicht, was ich wollte. Wir sehen uns morgen wieder.“

„Werden Sie mich operieren, Dr. Berends?“, fragte Dagmar Lobeck, und ihre Augen flehten um ein Ja.

Der Chefarzt nickte. „Und Dr. Ramberg wird mir assistieren.“

„Ist er ... ein guter Doktor?“

„Sie können in ihn ebenso viel Vertrauen setzen wie in mich“, sagte Dr. Berends überzeugt und ging.



2

Die amnioskopische Fruchtwasseruntersuchung, die der frühzeitigen Erkennung kindlicher Gefahrenzustände am Ende der Schwangerschaft und während der Geburt dient, hatte eine deutliche Grünfärbung des Fruchtwassers gezeigt.

Durch die routinemäßige Überwachung der Risikofälle mittels Fruchtblasenspiegelung ist es gelungen, die Kindersterblichkeit erheblich zu senken, und die Maßnahmen, die Oberarzt Dr. Herbert Hansen an diesem Tag traf, um das Leben des gefährdeten Kindes zu retten, würden fruchten, das wusste die erfahrene Schwester Rita.

Die zwei Stunden waren um, und Schwester Rita trat mit Stationsschwester Sabine aus dem Behandlungsraum. „Nun muss ich mich aber wieder meinen eigenen Aufgaben zuwenden.“

„Du warst uns hier eine große Hilfe“, sagte Stationsschwester Sabine. „Wenn ich mich mal revanchieren kann ... Anruf genügt.“

„Ich bin froh, dass wir das Kind der Patientin retten konnten. In solchen Augenblicken erfüllt mich ein unglaubliches Gefühl der Dankbarkeit, und mir wird einmal mehr klar, dass ich einen der schönsten Berufe ausübe, die es gibt. Oder gibt es etwas Erhebenderes, als Menschen zu helfen, die Hilfe brauchen, und mitzuhelfen, ein Leben - dieses wertvollste Gut - zu retten?“

Schwester Sabine gab ihr recht. Der Beruf war manchmal sehr anstrengend. Hin und wieder arbeiteten sie bis zur Erschöpfung, aber wenn sie in diesem Kampf einen Sieg errungen hatten, waren sie für alle Mühen entschädigt.

Schwester Rita kehrte auf ihre Station zurück und suchte Dagmar Lobecks Zimmer auf. „Na, Prinzessin, wollen wir ein königliches Bad nehmen?“

„Sie werden mich in eine Wanne voll Phiso-Dings stecken.“

„Ja, meine Liebe, ich gebe zu, dass ich das vorhabe.“

„Riecht dieses Phiso-Dings unangenehm?“

„Sagen Sie doch nicht immer Phiso-Dings, meine Güte. Hex! Es heißt Phisohex. Denken Sie an eine Hexe. Denken Sie an mich.“

Dagmar lachte. „Sie sind doch keine Hexe.“

Die Schwester schmunzelte. „Es soll ja auch gute Hexen geben. Also dann wollen wir mal. Würden Sie die Güte haben, aufzustehen? Sie werden die Nacht in einem frisch überzogenen Bett verbringen.“

„Das weiß ich bereits.“

„Sagen Sie bloß, Sie sind medizinisch vorgebildet?“

„Das nicht. Ich habe Dr. Berends gefragt, was mit mir passieren wird, und er hat es mir gesagt.“

„Aha, weil Sie Schwester Rita nicht trauen, oder wie sehe ich das?“ Dagmar Lobeck verließ das Bett. „Dr. Berends ist ein echter Glücksfall für die Klinik.“

„Endlich sind wir mal einer Meinung“, sagte die Krankenschwester, „Ihren guten Ruf hat die Wiesen-Klinik vor allem ihm zu verdanken. Dieser Mann ist in meinen Augen einmalig. Ich hoffe, Sie denken jetzt nicht, alle Schwestern himmeln den Chefarzt an, und ich tue es eben auch. Meine Achtung und mein Respekt vor dem großen Können dieses Mannes basieren auf einer jahrelangen Erfahrung. Was Dr. Berends schon geleistet hat, ist sehr beeindruckend, und ich schätze mich glücklich, mit ihm arbeiten zu dürfen.“

„Ist er verheiratet?“

Die Schwester warf der Patientin einen gestrengen Blick zu. „Moment, Sie sind doch hoffentlich nicht in unsere Chefarzt verliebt.“

„Aber nein, ich bin neunzehn, und ich glaube, er ist doppelt so alt.“

„Das wäre kein Hindernis.“

„Ich schätze ihn als Mensch.“

„Fräulein Lobeck, Sie werden mir immer sympathischer. Ja, unser Chefarzt ist verheiratet. Dr. Charlotte Berends ist eine hervorragende Internistin.“

„Arbeitet sie auch in der Wiesen-Klinik?“

„Allerdings. Aber nur halbtags. Schließlich soll der kleine Michael Richard auch etwas von seiner Mutter haben.“

„Ist Dr. Charlotte Berends eine schöne Frau?“

Die Krankenschwester schüttelte den Kopf. „Was Sie alles wissen wollen. Ich denke, Sie sind hier, damit man Ihnen den Blinddarm herausnimmt. Dabei spielen Sie Privatdetektivin.“

„Gehört Ihnen Dr. Berends allein? Darf sich sonst niemand für ihn interessieren?“

„Großartig pariert“, sagte Schwester Rita. „Also gut, Frau Dr. Berends ist eine blonde, braunäugige Schönheit. Wie ein Filmstar sieht sie aus, und Make-up hat sie nicht nötig. Sonst noch Fragen?“

„Das wäre im Augenblick alles“, sagte die Patientin.

„Fein, dann können wir ja jetzt gehen.“



3

Dr. Erwin Ramberg arbeitete erst

Impressum

Verlag: BookRix GmbH & Co. KG

Texte: (C) ALFRED BEKKER CASSIOPEIAPRESS
Bildmaterialien: 123rf(dot)com /edhar yuralaits
Tag der Veröffentlichung: 06.04.2016
ISBN: 978-3-7396-4728-9

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