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Ein Grab im Beton

von A. F. Morland

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 97 Taschenbuchseiten.

 

Clive Barrington und Mick Hancock haben durch jahrelange Bestechungen beim New Yorker Bauamt ein Vermögen gemacht. Als der Bauamtsleiter an einem Herzinfarkt stirbt und sein Nachfolger sich auf solch üblen Machenschaften nicht einlässt, wird er von den Killern der beiden Bauunternehmer ermordet. Als auch noch June March von den Gangstern zusammengeschlagen wird, mischt Bount Reiniger die kriminelle Truppe auf... zusammen mit seinem Freund Captain Toby Rogers von der New Yorker Mordkommission.

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

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© dieser Ausgabe 2016 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

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Die Hauptpersonen des Romans:

Judy Dark - Sie ist entsetzt, als sie hört, dass man sie als Mittel zum Zweck benutzt hat...

Patrick Swift - Als man seinen Vorgesetzten ermordet, gerät er in Schwierigkeiten ...

Clive Barrington, Mick Hancock - Die beiden Unternehmer gehen über Leichen, wenn es darum geht, die besten Aufträge zu bekommen ...

Matt Thackeray, George McDougall - Ihr Geschäft ist Mord. Wer sich ihnen in den Weg stellt, wird beseitigt ...

Bount Reiniger ist Privatdetektiv.

June March ist seine Sekretärin, Assistentin und manchmal hilft sie Bount beim Lösen der Fälle.


1

Manhattan, 20 Uhr 30.

Der schiefergraue Thunderbird bog um die Ecke, kroch wie ein Raubtier auf Beutesuche noch ein Stück näher und blieb dann stehen.

Matt Thackeray schaltete die Fahrzeugbeleuchtung ab und beugte sich vor, um zur siebten Etage des Bürohochhauses hinaufsehen zu können.

„Es brennt noch Licht“, sagte er zufrieden.

George McDougall, der neben ihm saß, lächelte kalt. „Er ist ein arbeitsamer Mann.“

„Kreuzbrav.“

„Zu brav“, sagte McDougall. „Dass das auch ein Fehler sein kann, wird er gleich erfahren.“ Er prüfte den Sitz seiner Pistole.

„Wollen wir?“, fragte Thackeray.

McDougall nickte.

„Also dann“, sagte Matt Thackeray und stieß den Wagenschlag mit Schwung auf. Augenblicke später waren die Killer auf dem Weg zu ihrem Opfer...



2

Harry Walters fuhr sich mit den Fingern durch das sandfarbene Haar. Er war ein mittelgroßer, schlanker Mann, der seine Arbeit über alles liebte. Wie im Akkord konnte er schuften, wenn es sein musste. Er war bei seinen Kollegen beliebt und genoss auch bei seinen Vorgesetzten großes Ansehen.

Man sah es als eine anerkennenswerte Leistung an, dass er es mit seinen vierzig Jahren bereits bis zum Leiter des New Yorker Kommunal-Bauamts gebracht hatte.

Walters war stets gut gekleidet - ein Mann von untadeligem Aussehen. Seine gesellschaftlichen Kontakte reichten bis weit nach oben, und es 1 war allgemein bekannt: Auf diesen Mann kann man sich verlassen, der würde niemals ein krummes Ding drehen, dem gehen Ehrlichkeit und Loyalität über alles.

Vor zwei Jahren war ihm die Frau gestorben. Bei einem relativ harmlosen Verkehrsunfall war sie unerheblich verletzt worden. Ein paar Tage Krankenhausaufenthalt und alles wäre wieder in Ordnung, hatte man ihm versichert.

Aber dann stellten sich Komplikationen ein, und Aretha verließ das Hospital in einem Sarg.

Walters dachte, diesen schweren Schicksalsschlag nicht überwinden zu können. Er hatte eine glückliche Ehe geführt. Unzertrennlich waren er und Aretha gewesen - und plötzlich diese Leere.

Eine Leere, in der es immerhin zum Glück noch Tina gab, Walters’ zwanzigjährige Tochter, die nach dem Tod ihrer Mutter die Rolle der Hausfrau übernahm und bestrebt war, das Familienleben in einer etwas geänderten Form weiterbestehen zu lassen.

Ohne Tina wäre Walters vor zwei Jahren wahrscheinlich seelisch zusammengebrochen.

Sie war es, die ihn wieder aufrichtete, die ihm zeigte, dass es trotz allem noch einen Sinn hatte, weiterzuleben.

Walters lehnte sich seufzend zurück. Er massierte die brennenden Augen. Es würde sich wohl nicht mehr lange hinausschieben lassen, er musste sich demnächst einmal zum Augenarzt begeben.

Die Brille - das erste Anzeichen dafür, dass man den Zenit des Lebens überschritten hatte - ließ sich kaum noch vermeiden.

Die Gegensprechanlage summte. Walters drückte auf den Knopf. „Ja, Susan?“

„Ihre Tochter, Harry“, meldete Susan Best, seine Sekretärin. „Auf Apparat zwei.“

„Danke, stellen Sie durch.“

„Dad“, meldete sich Tina am anderen Ende der Leitung. „Du bist immer noch im Büro.“ Es klang enttäuscht.

„Kindchen, ich habe dir doch heute Morgen gesagt, dass es etwas länger dauern wird.“

„Ich hatte gehofft, dass du dich schon auf der Heimfahrt befindest. Der Schmorbraten...“

„Stell ihn warm.“

„Wie lange wird’s denn noch dauern?“

„Das kann ich schwer sagen, Tina.“ Walters seufzte. Sein Blick glitt über den großen Schreibtisch, auf dem Baupläne und -beschreibungen lagen, die er noch begutachten musste. „Eine Stunde“, sagte er. „In einer Stunde bin ich zu Hause, okay?“

„Kann ich mich darauf verlassen?“

„Natürlich. Du weißt, dass mir unpünktliche Menschen verhasst sind.“

„Gut, dann richte ich es so ein, dass wir in einer Stunde essen können.“ Harry Walters lächelte. „Du bist ein Engel Tina.“ Er sog die Luft ein, schloss die Augen und meinte: „Mmmh, ich kann den Schmorbraten durchs Telefon riechen. Er wird mir ausgezeichnet schmecken.“

„In einer Stunde liegt das Anschnittstück auf deinem Teller“, versprach das Mädchen.

„Mir läuft schon das Wasser im Mund zusammen“, erwiderte Walters und legte auf. Er drückte auf den Knopf der Gegensprechanlage. „Susan.“

„Ja, Harry?“

„Mein Gott, warum gehen Sie denn nicht endlich nach Hause?“

„Ich dachte, Sie würden mich noch brauchen.“

„Ehrlich gesagt, ich hab’ Sie ganz vergessen. Nun machen Sie aber schnell.“

Zwei Minuten später erschien Susan Best in der Tür. Groß, schlank, hübsch. Sie hatte mit ihrer Ehe Pech gehabt. Geblieben waren ihr von dieser Verbindung nur ihr kleiner Sohn Billy, den sie sehr liebte.

„Also dann gehe ich jetzt“, sagte sie.

„Wie geht es Billy?“, fragte Harry Walters mit aufrichtiger Anteilnahme. Er wusste, dass der Junge an Ziegenpeter erkrankt war. „Schon besser?“

Susan nickte. „Das Schlimmste hat er hinter sich. Nur noch ein paar Tage, dann ist er über dem Berg.“

„Sie hätten sich die Woche frei nehmen sollen.“

„Bei dem Arbeitsanfall? Das wäre von mir unverantwortlich gewesen.“

„Ach was, tun Sie nicht so, als wären Sie unersetzlich“, sagte Walters lächelnd. „Wenn Billy Sie braucht, muss der Job eben zurückstehen.“

„Meine Mutter ist eine wunderbare Krankenpflegerin, und sie weiß herrliche Geschichten zu erzählen. Billy fehlt es bestimmt an nichts. - Gute Nacht, Harry.“

„Gute Nacht. Grüßen Sie den Jungen von mir.“

„Mach’ ich. Arbeiten Sie nicht mehr zu lange. Morgen ist auch noch ein Tag.“

„Ich erledige nur noch das Wichtigste, dann mache ich Schluss. Daheim warten Tina und ein köstlicher Schmorbraten auf mich.“ Er küsste seine Fingerspitzen.

Susan lachte. „Dann wünsche ich guten Appetit.“

„Der ist jetzt schon vorhanden.“

Die Sekretärin ging. Sie fuhr mit dem Lift nach unten. Als sie im Foyer aus der Kabine trat, glitten die Türen des Nachbarfahrstuhls gerade zu. In diesem befanden sich Matt Thackeray und George McDougall, die beiden Gangster!



3

Walters studierte die Baubeschreibungen und machte auf einem Blatt Notizen. Er sah sich zwischendurch immer wieder die eingereichten Pläne an, nahm darauf Eintragungen vor.

Draußen öffnete sich die Tür. Walters dachte sich nichts dabei. Wahrscheinlich hatte Susan irgendetwas vergessen. Seit Billy krank war, war sie ein bisschen zerstreut.

Walters hatte Verständnis dafür. Es kam niemals ein Wort der Rüge über seine Lippen.

Schritte. Männerschritte! Das machte ihn stutzig. Er hob den Kopf, und im gleichen Moment wurde die ledergepolsterte Tür aufgestoßen.

Sie schwang zur Seite und knallte gegen die Wand. Zwei Männer traten ein. Harry Walters kannte sie nicht, aber er konnte sich vorstellen, was sie von ihm wollten, denn sie hielten Pistolen in ihren Händen, die mit klobigen Schalldämpfern versehen waren.

„Je später der Abend...“, sagte Thackeray spöttisch.

„... desto netter die Gäste“, fügte McDougall hinzu.

Walters schluckte trocken. Er wollte nicht recht glauben, dass diese Männer ihn wirklich hier an seinem Schreibtisch erschießen würden.

Ruhig bleiben!, sagte er sich. Du darfst keine Furcht zeigen! Das macht sie gewiss unsicher.

„Ist er nicht ein fleißiger Mann?“, höhnte Thackeray.

„Bis spät in die Nacht arbeitet er. Er geht in seiner Arbeit und im Dienst an seinen Mitmenschen völlig auf“, bemerkte McDougall im gleichen Tonfall.

Walters unterschätzte die Gefahr nicht, in der er sich befand. Er hob dennoch unwillig den Kopf und herrschte die Gangster an: „Was wollen Sie von mir?“

„Du weißt es“, sagte Thackeray.

„Du warst verdammt unvernünftig, mein Junge“, sagte McDougall.

„So etwas rächt sich“, brummte Matt Thackeray. „Los! Auf stehen!“

„Sie werden mich nicht erschießen!“, sagte Harry Walters schroff. Hier war der Wunsch Vater des Gedankens.

„Tja, vielleicht tun wir’s wirklich nicht“, meinte Thackeray. „Mal sehen. Fürs erste kommst du mit.“

„Wohin?“

„Kleine Spazierfahrt.“

„Und wo endet die?“

„Lass dich mal überraschen“, erwiderte Thackeray.

„Soll ich jemanden treffen? Will mich euer Auftraggeber sehen? Warum kommt er nicht hierher?“ George McDougall kam um den Schreibtisch herum und schlug Walters mit dem Handrücken ins Gesicht. „Hast du was mit den Ohren? Mein Freund sagte vorhin, du sollst auf stehen!“

Walters starrte ihn hasserfüllt an. „Schlagen Sie mich nicht noch mal!“

McDougall grinste. „Was würde passieren, wenn ich dich noch mal in die Fresse haue? Würdest du dich dann auf mich stürzen und mich in der Luft zerfetzen? Mir zittern die Knie. Ehrlich.“ Der Killer krallte seine Finger in Walters’ teuren Anzug und riss ihn hoch. Er stieß ihn auf Thackeray zu.

„Abmarsch!“, kommandierte dieser. „Und keine Zicken, Freundchen, sonst nieten wir dich auf der Stelle um.“

In Harry Walters’ Magen entstand ein schmerzhafter Druck, als er an Tina dachte. Wenn er nicht zur versprochenen Zeit nach Hause kam, würde sie sich um ihn Sorgen machen.

Dabei war es fraglich, ob er die Chance hatte, überhaupt noch einmal heimzukommen...



4

Er saß im Fond des Wagens. George McDougall hockte neben ihm und bedrohte ihn mit seiner Pistole. Matt Thackeray lenkte den schiefergrauen Thunderbird. Sie fuhren am Central Park, der grünen Lunge Manhattans, vorbei. Richtung Norden.

Als sie die 125. Straße erreichten, bog Thackeray nach Osten ab. Im Wagen wurde kein Wort gesprochen.

Harry Walters glaubte zu wissen, wohin ihn die Gangster brachten. In dieser Gegend sollte ein supermodernes Riesenhallenbad errichtet werden. Die Stadt New York beteiligte sich mit einem Drittel an den Baukosten. Der Rest floss aus den privaten Mitteln einer neu gegründeten Aktiengesellschaft zu.

Die Aushubarbeiten waren bereits abgeschlossen, und nun ging man daran, das mächtige Fundament zu betonieren.

Da die Baufrist lange genug war, brauchte nachts nicht für teures Geld gearbeitet zu werden.

Das hieß, dass die große Baustelle ab 18 Uhr menschenleer war. Wer sich ungestört und unbeobachtet mit jemandem treffen wollte, konnte dies hier tun.

Tatsächlich steuerte Thackeray auf dieses finstere Gelände zu. Bauhütten, Mischsilos, Förderbänder, aufgetürmtes Baumaterial... Aber keine Menschenseele.

Thackeray stoppte den Thunderbird in der Dunkelheit. Die Scheinwerfer hatte er bereits gelöscht, bevor er hier eingebogen war.

Harry Walters war zuversichtlich, dass ihn die Gangster nicht umbringen würden. Ihr Boss wollte ihm nur noch einmal ins Gewissen reden.

Seine Brauen zogen sich störrisch zusammen. Er würde bei seinem Nein bleiben. Welchen Zug würde der andere aber dann tun?

Die nächste Stufe musste folgerichtig sein, dass ihn diese beiden Kerle zusammenschlugen. Was aber, wenn er dann immer noch beim Nein blieb?

Walters stieg aus, als es die Verbrecher von ihm verlangten. Er blickte sich um. Seine Nerven spannten sich.

Du musst dir jetzt etwas einfallen lassen, dachte er. Und die einzige Idee, die er hatte, war: Flucht!

Thackeray wedelte mit seiner Kanone. „Da lang! Vorwärts!“

Walters stolperte über den von grobprofiligen Truckreifen aufgewühlten Boden. Flucht, Flucht, FLUCHT! hämmerte es in seinem Kopf.

Bestimmt rechneten die Gangster nicht damit, dass er den Mut aufbrachte, sie anzugreifen. Folglich musste er genau das tun.

Gedacht - getan! Zehn Schritte ging er noch lammfromm vor ihnen her. Dann explodierte er urplötzlich und es gelang ihm wirklich, Thackeray und McDougall, diese erfahrenen Hasen, zu überraschen.

Er schnellte herum und schlug aus der Drehung heraus zu. Seine Faust traf Thackeray. Gleichzeitig trat er nach McDougall. Die Gangster taumelten zurück. Matt Thackeray stürzte.

Und Harry Walters gab Fersengeld.

McDougall zerbiss einen Fluch zwischen den Zähnen. Er feuerte auf den Davonlaufenden. Dreimal ploppte seine Pistole.

Die Kugeln verfehlten ihr Ziel nur knapp. Walters duckte sich und schlug mehrmals blitzschnell einen Haken.

Thackeray sprang zornig auf und schoss dem Fliehenden ebenfalls nach. Walters’ Gesicht verzerrte sich, zum Teil war es die Anstrengung, zum Teil die Angst vor einer lebensgefährlichen Verletzung.

Er musste damit rechnen, dass ihn eine der Gangsterkugeln erwischte. Würde er dann noch weiterrennen können?

Er bemühte sich, so schnell wie möglich aus der Reichweite der Pistolen zu kommen. Doch das ließen Thackeray und McDougall nicht zu. Sie hetzten hinter ihm her. Dadurch vergrößerte sich die Distanz nicht.

Ein Kran. Atemlos sprang Harry Walters dahinter in Deckung. Großer Gott, was hätte er jetzt für eine Waffe gegeben.

Es ist eine schlimme, ja beinahe aussichtslose Sache, sein Leben mit bloßen Händen verteidigen zu müssen.

Eine Killerkugel traf das Krangestänge und zirpte als Querschläger davon. Walters hatte das Gefühl, sein Herz würde hoch oben im Hals schlagen. Er beobachtete die Verfolger. Sie trennten sich. Dunklen Phantomen gleich huschten sie durch die Finsternis.

Weiter!, sagte sich Walters. Hier kannst du nicht bleiben! Er richtete sich vorsichtig auf. Die Dunkelheit hatte die Gangster verschluckt. Harry Walters wollte wieder etwas tun, womit die Verbrecher nicht rechneten. Wenn er Glück hatte, klappte auch das.

Er musste seinen Gegnern ein Schnippchen schlagen. Langsam pirschte er sich zurück. Er wollte zum Thunderbird laufen und mit dem Wagen der Gangster verschwinden. Ein tolldreister Streich - wenn er gelang.

Walters startete. Aber die Verbrecher waren diesmal auf der Hut. Er konnte sie kein zweites Mal überrumpeln. Sie durchschauten seinen Trick, tauchten aus der Finsternis auf und nahmen ihn sofort wieder unter Beschuss.

Er rannte um sein Leben - bis ein verflucht harter Schlag seine Hüfte traf. Er spürte keinen Schmerz, aber das Bein gehorchte ihm auf einmal nicht mehr. Er schrie

Impressum

Verlag: BookRix GmbH & Co. KG

Texte: (C) ALFRED BEKKER CASSIOPEIAPRESS
Bildmaterialien: Firuz Askin
Tag der Veröffentlichung: 01.03.2016
ISBN: 978-3-7396-4055-6

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