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Der wilde Ruf des Blutes

Texas Wolf - Die große Westernserie

von Glenn Stirling

Band 3

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 117 Taschenbuchseiten.

 

Richter Standford hat Angst. Vor einem Mann namens Suwak, der ihm blutige Rache geschworen hat und seinen Tod will. Texas Ranger Tom Caldburn soll ihn beschützen und verhindern, dass er aus dem Hinterhalt erschossen wird.

Aber das Schicksal hat eine andere Entscheidung für Stanford getroffen. Das weiß aber Tom Cadburn nicht, denn er hat zwischenzeitlich Suwak entdeckt und herausgefunden, dass dieser seinerzeit unschuldig war. Nun will er ihm zu einem fairen Prozess verhelfen, gerät dabei aber selbst in Lebensgefahr und wird schwer verletzt. Und er wird von seinem Wolfshund Sam getrennt. Ob sie sich jemals wiedersehen werden …?

 

„Einer der schönsten und emotionalsten Tierwestern, die ich jemals gelesen habe.“

Alfred Wallon

 

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Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

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Cover by Klaus Dill

© dieser Ausgabe 2016 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

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1

Tom Cadburn schob den Perlenvorhang beiseite, trat in die gleißende Helligkeit hinaus. Er blinzelte hinauf zum Berg, wo oben, einer Burg gleich, jenes weißgekalkte Haus stand, das er suchte.

„Da oben, das ist es, da hat er sich verkrochen“, sagte die brüchige Stimme des Wirtes hinter Tom.

Tom wandte sich halb um, sah in das faltige, hagere Gesicht des Mannes und fragte:

„Seit wann ist er da?“

„Seit einer Woche, seit er weiß, dass ihn Suwak erschießen will. Was sage ich? Erschießen? Vielleicht will er ihn aufhängen! Oder abstechen wie ein Schwein! Haha!“ Der Wirt lachte. Offenbar bereitete ihm die Vorstellung, dass Richter Stanford wie ein Schwein abgestochen würde, großes Vergnügen.

Tom Cadburn musterte ihn misstrauisch. „Ist das so erheiternd?“, fragte er missbilligend. „Schließlich geht es um ein Menschenleben!“

Der Wirt zuckte die Schultern. „Wissen Sie, Ranger, ich weiß nicht, wieviel Menschen von Stanford zum Tode verurteilt wurden. Und Suwak war auch einer davon. Dass er ausgebrochen ist, hat ihn doch nur vor dem Strick bewahrt. Und wir alle hier sind nicht ganz ohne Schadenfreude. Er hat doch immer den Herrn gespielt da oben. Sie haben ja keine Ahnung, wie er sich manchmal aufgeführt hat, wenn er hiergewesen ist. Ja, Amy, die könnte Ihnen ein Lied davon singen!“

Der Wirt wandte sich um, schob mit der Hand die Perlen des Vorhangs beiseite und brüllte in den Saloon hinein:

„Amy, komm doch mal raus! Erzähl doch mal dem Ranger, wie es Stanford vor dir getrieben hat. Erzähl ihm mal, was er von dir gewollt hatte, als er mal hier war.“

Tom hörte die Schritte, leichtfüßige Schritte, als das Mädchen aus dem Raum zu ihnen trat. Er wandte sich um und blickte sie an. Sie war schlank und hatte langes, dunkles Haar. Aber hier draußen in der gnadenlosen Sonne half auch kein Puder mehr. Amy war nicht mehr achtzehn. Was vielleicht abends beim Kerzenlicht oder im Schein der Kerosinlampen im Saloon nicht auffiel, hier draußen und jetzt bei Tage war es zu erkennen. Sie blieb dennoch nicht ohne Wirkung auf Tom, weil sie ein Weib war, durch und durch.

Sie musterte Cadburn, wie sie es schon gestern Abend getan hatte. Es war ein Abschätzen und Taxieren.

„Ja“, sagte sie, lächelte und blickte zu Cadburn auf. Der Blick allein war eine einzige Herausforderung. Ein Lockruf.

„Er hat viel gewollt, der dicke Richter. Hier in diesem kleinen Ort ist er ein Gott. Nicht nur für mich, für alle hier. Aber oft war er ein böser Gott. Schadet ihm gar nichts,

dass er jetzt etwas zittert, dass er um sein Leben bangt. Wissen Sie, Ranger, ich sage es nicht gern, aber denken tun es hier alle. Der Richter mag zwar in Austin gute Freunde haben, hier im Ort hat er keine. Für uns ist er ein machtsüchtiges, tyrannisches, ekelhaftes fettes Schwein.“

Tom war so verblüfft, dass er sie überrascht ansah, als könnte er es nicht fassen, dass solche Worte aus ihrem Munde gekommen waren. Aber bevor er etwas antworten konnte, meinte der Wirt:

„Mit dem Pferd können Sie die Stufen nicht hinauf!“ Er lachte. „Ich habe sie mal gezählt. Dreihundertfünfzig Stufen sind es. Ich selbst habe dabei geholfen, sie in den Felsen zu hauen. Und damals, wenn ich daran denke, da waren wir alle richtig stolz, einen so wichtigen, einen so mächtigen Mann in unserem Ort zu haben, hier in diesem kleinen Bergnest, einen richtigen Richter! Aber jetzt, pfui Teufel! Jetzt wollte ich, wir hätten diesen Mann nie gesehen.“

Tom Cadburn maß ihn durchdringend.

„Soll ich etwa annehmen, dass Suwak hier im Ort Unterstützung findet?“

„O nein! So ist das auch nicht zu verstehen. Für uns ist Suwak ein Bandit. Wir würden ihm nie helfen! Keiner hier würde ihm helfen. Nicht freiwillig. Auf der anderen Seite sind wir schadenfroh. Wissen Sie, was sich Stanford hier erlaubt hat, das geht auch weit über die Hutschnur. Er hat sich hier die Mädchen genommen, er hat sie betrunken gemacht und dann hat er mit ihnen geschlafen. Junge Mädchen, die seine Töchter sein konnten. Und er hat hier viele unter Druck gesetzt, weil er der große Richter ist, der große, mächtige Mann. Vor ihm haben sie gezittert. Viele von unseren Männern hier haben für ihn gearbeitet, für sein Haus, haben daran mitgebaut, aber es sind einige dabei, die haben ihr Geld bis heute nicht. Sie trauen sich gar nicht, ihn nach dem Geld zu fragen. Auf dem Ohr hört er schlecht. Und dann wird er noch frech. Sie haben Angst vor ihm. Er war auch schon bei mir hier. Wollte Amy mit hinaufnehmen, wollte Getränke haben, alles umsonst, weil er der große Richter ist. Es sei eine Ehre, sagte er, wenn er seinen Fuß über meine dreckige, mit Kuhmist beschissene Schwelle setzen würde.“

„Also gut“, meinte Tom Cadburn, „wenn ich das Pferd hierlassen kann, gehe ich jetzt hinauf.“

Er warf einen Blick auf jenen schattigen Winkel auf der anderen Straßenseite. Genau vor jenem dornenumrankten Stall, dort lag Sam im Schatten. Seine grünen Augen leuchteten im Halbdunkel.

Der Wirt blickte in dieselbe Richtung und meinte:

„Ihren Wolf können Sie auch ruhig unten lassen. Für den ist es eine Viecherei, die Treppe hinauf bis zum Haus zu gehen. Glauben Sie mir, dort oben flimmert die Luft in der Hitze. Und staubig ist es auch. Ha, ich hätte nie ein Haus dort oben hingesetzt, aber er, er wollte hier der König sein. Diese Burschen wollen immer der König sein. In seinem Gericht, da sitzt er obendrauf, hier wollte er auch obendrauf sitzen. Jetzt, jetzt macht er sich bald in die Hosen vor Angst. Jetzt möchte er sich verkriechen. Ich will Ihnen was sagen: Wissen Sie, was seine Haushälterin erzählt hat? Die Alte, die ihm alles macht, die er prügelt, mit der er umgeht wie mit dem letzten Dreck und die trotzdem für ihn arbeitet, was keiner hier versteht. Sie sagte uns, dass ihm der Gouverneur eine ganze Schwadron Texas Ranger schicken will. Sind Sie davon die Vorhut?“ Er grinste Tom Cadburn an.

Tom Cadburn lächelte.

„O nein! Ich bin diese Schwadron!“, meinte er. Und er sagte es so, als sei keine Sekunde daran zu zweifeln, dass er diese Worte ernst meinte.

„Sie sind sehr von sich überzeugt, Mister!“, meinte der Wirt. Und Amy Hampton, das Mädchen, lachte leise und sagte:

„Er ist auch ein schöner Mann. Bisher hat er wohl viel Glück gehabt. Aber ich weiß nicht, ob er Suwak kennt.“

Tom zuckte herum.

„Kennen Sie ihn, Amy?“

„Ja, ich kenne ihn! Und er ist kein halber Mann!“

„Wenn Sie das sagen, muss es wohl stimmen“, sagte Tom. Er wandte sich um, hob die Hand und drüben im Schatten richtete sich Sam, der schwarze Halbwolf, auf und trabte herüber. Seine Zunge hing heraus, er hechelte. Diese Gluthitze hier oben machte ihm zu schaffen.

Amy sah ihn an und meinte:

„Ein herrliches Tier! Aber Sie haben mir ja gestern Abend erzählt, wie Sie ihn gefunden und aufgezogen haben. Ein halber Wolf, ein halber Hund. Mein Gott, ist der groß!“

Sam legte seinen Kopf in Tom Cadburns Hand, und als Tom ihn streichelte, da rekelte er sich, knurrte wie ein schnurrender Kater und Tom sagte:

„Also dann, besuchen wir mal unseren Schützling!“ Er sah hinauf zu diesem weißen Hausklotz oben am Berghang, zu dem, wie der Wirt gesagt hatte, dreihundertfünfzig Stufen führten.

Und er war gespannt, den Mann kennenzulernen, der dort oben um sein Leben bangte und den die Menschen hier im Ort so fürchteten und verachteten zugleich. Und dem der zum Tode verurteilte Sträfling Suwak nach dem Urteilsspruch Rache, tödliche Rache angekündigt hatte, die er jetzt nach seiner Flucht aus dem Gefängnis Leavenworth in die Tat umsetzen wollte. Suwak, wegen Überfall auf eine Kutsche und wegen angeblichen Mord auf einen Begleitfahrer zum Tode verurteilt, verurteilt von Richter Stanford, jenem Mann, der jetzt da oben um sein Leben zitterte.

Der Gouverneur hatte Captain McNelly, den Chef der Texas Ranger, gebeten, dem Richter ausreichend Schutz zu bieten.

Captain McNelly hatte mit dieser Aufgabe Tom Cadburn beauftragt, einen der besten Leute, die die Truppe der Texas Ranger hatte.



2

Als er oben an der Pforte angekommen war, blieb Tom Cadburn stehen und sah hinab ins Tal. Er blickte über die grauen Stufen, die in unsäglich mühsamer Arbeit in den Felsen geschlagen worden waren. Rechts und links davon ragten Felsen wie in einer Schlucht auf. Und über ihnen flimmerte die Luft wie vor einem geöffneten Backofen. Die Hitze hier oben, kaum von einem Lüftchen gekühlt, war fast unerträglich. Unten im Tal lag der winzige Ort Ardeen, dieses bunte Sammelsurium von Dächern, mit der kleinen Kirche, deren winziger Turm aussah wie ein Taubenschlag. Vor Tom hatte sich Sam auf die heißen Steinstufen gelegt, hechelnd, denn diese Hitze bekam ihm gar nicht.

Tom zog an der Kette, und er hörte, wie innen eine große Glocke anschlug. Kurz darauf scharrten Schritte über den Felsboden, etwas klapperte metallisch am Türinnern, ein Riegel wurde zurückgeschoben. Dann flog eine kleine Klappe auf. Tom Cadburn gewahrte ein Gitter. Dahinter ein stahlblaues, kaltblickendes Augenpaar.

„Wer sind Sie?“, fragte eine schnarrende Stimme.

„Tom Cadburn, TexasRanger.“ Tom zeigte sein Abzeichen. Daraufhin knallte die Klappe zu, wieder wurden Riegel zurückgeschoben und dann schwang die schwere Eisenholztür knarrend auf.

Tom Cadburn sah sich zwei Männern gegenüber, die Gewehre in die Hüften gepresst hielten, deren Mündungen genau auf Tom gerichtet waren. Sie waren zu dritt. Jener, der die Tür geöffnet hatte und die zwei Gewehrschützen. Zwei von ihnen glichen sich wie Brüder. Beide waren blond, beide hatten diese kalten stahlblauen Augen, sie waren mittelgroß und schienen so Mitte Zwanzig zu sein. Der dritte Mann, einer der beiden, die die Gewehre an die Hüften gepresst hielten, war älter, etwa um die Vierzig, überragte die beiden Blonden um Haupteslänge und war auch wuchtiger und breiter als sie. In seinem Gesicht hatten viele harte Erlebnisse ihre Spuren hinterlassen. Sein Blick wirkte prüfend, unbestechlich.

Zu diesem Mann empfand Tom Cadburn auf Anhieb eine starke Sympathie. Mit ihm fühlte er sich auf eine unerklärliche Weise verwandt, fühlte sich hingezogen, als kennte er ihn schon seit langer Zeit oder als würde er ihn schon seit langer Zeit kennen.

Jener große, bullige Mann sagte langsam und bedächtig, als müsse er jede Silbe abwägen, die er sprach: „Sie also sind Cadburn. Und das hier ist der berühmte Hund, von dem ich schon eine Menge gehört habe. Übrigens ist mein Name Mitchum. Sie können mich Mitch nennen, weil Sie Tom Cadburn sind. Sind Sie die ganze Streitmacht, die der Gouverneur geschickt hat?“

„Vorläufig ja. Und wie ich sehe, hat sich der Richter seinerseits auch schon eingedeckt.“

Mitchum lächelte schief. „Sie wissen also, wer ich bin?“

Tom Cadburn lächelte, nickte. „Nicht gleich, aber als ich den Namen hörte ...“

Ja, der Name Mitchum war ihm vertraut. Ein Mann, der seine Revolver und Gewehre für Geld vermietete, ebenso seine Erfahrungen, seine Härte, seine Kaltblütigkeit, aber der nie in seinem Leben auf der falschen Seite gestanden hatte. Ein guter Mann. Was für die beiden Blonden galt, wusste Tom nicht. Er kannte sie nicht, er wusste auch noch nicht, wie sie hießen. Mitchum sagte es ihm.

„Die beiden hier, Mel und Dave, mit Nachnamen heißen sie Proud, sind Brüder, aber ich glaube, das sieht man auch so. Harte Jungs, ich habe sie extra mitgebracht, weil ich mir dachte, sechs Augen sehen mehr als zwei. Und wie ich sehe, sind wir jetzt erst acht Augen.“

„Sie irren sich“, meinte Tom Cadburn, „Sie haben ihn vergessen!“ Er deutete auf Sam. „Er zählt, was die Wachsamkeit angeht, mindestens für sechs, wenn nicht noch mehr. Da steckt er uns alle in die Tasche. Aber ich glaube, der Richter wird mich sehen wollen.“

Mitchum nickte. „Oder wollen Sie ihn sehen? Im Moment macht er seinen Mittagsschlaf. Wir können ihn nicht stören. Vielleicht zeige ich Ihnen inzwischen mal unsere Burg. Wir haben da ein paar Vorbereitungen getroffen, die werden es Suwak nicht leicht machen.“

„Ich glaube nicht, dass Suwak so gefährlich ist. Und Captain McNelly teilt meine Ansicht.“

Mitchum schüttelte den Kopf. „Sie irren sich. Ein Mann, der in der Todeszelle gesessen hat, mein, lieber Cadburn, der jede Minute seines Wachseins an den Tod hat denken müssen, der hat überhaupt nichts mehr zu verlieren. Der ist von Hass von oben bis unten beseelt, der kennt jetzt nur noch eines: seine Rache. Denn mit dem Tod, damit hatte er sich womöglich schon abgefunden, denn irgendwann müssen wir uns alle einmal damit abfinden. Aber seine Rache, seinen Hass, das beflügelt einen Menschen, einen Menschen, der in der Todeszelle für etwas gesessen hat, was noch nicht einmal einwandfrei nachgewiesen werden konnte. Die Indizien sprachen gegen ihn, aber er hat es nie gestanden, und es waren schließlich noch zwei andere dabei. Stanford hat ihn verurteilt zu Recht oder zu Unrecht, das ist nicht meine Aufgabe. Ich werde von Stanford dafür bezahlt, sein Leben zu schützen, Suwak davon abzuhalten, die Rache auszuüben, womöglich Suwaks Skalp an den Zaun des Richters zu nageln. Dafür bezahlt er gut, dafür bezahlt er auch die beiden Proud-Jungs, und am Ende sind Sie auch zu nichts anderem hier.“

„Nein, zu nichts anderem.“



3

Er lehnte in einem Schaukelstuhl, der Schweiß rann ihm nur so vom Gesicht, und mit der Rechten fächelte er sich mit einer vergilbten Zeitung Kühlung zu. Ein Gebirge von Mensch, das in diesem Schaukelstuhl auseinanderzufließen drohte, eine riesige Qualle, bei der man befürchten musste, dass die Hitze sie gänzlich zerlaufen ließ.

Seine Augen standen tief in diesem feisten Mondgesicht, über das der Schweiß jetzt rann, als wäre der Richter mit Wasser begossen worden. Die hastigen Bewegungen, mit denen er sich Luft zuwedelte, sollten eigentlich nur das Zittern seiner Hand vertuschen. Die andere Hand hatte er in die Tasche seiner Hose gesteckt. Doch Tom Cadburn durchschaute den Mann und das, was ihn beseelte.

„Nur einen Mann hat er geschickt, nur einen einzigen Mann!“, keuchte Stanford. „Da kann man sehen, was man dem Gouverneur wert ist. Ein Dreck ist man wert. Fünfundzwanzig Jahre habe ich Recht gesprochen, fünfundzwanzig Jahre lang habe ich diesem Staat gedient. Und jetzt brauche ich einmal Hilfe. Ha, jetzt sehe ich, was rauskommt! Ein Dreck! Man ist ein Dreck wert!“

„Mister Stanford, vielleicht unterschätzen Sie mich ein bisschen! Im übrigen haben Sie sich ja schon selbst eine wunderbare Schutztruppe zusammengestellt. Mr. Mitchum ist mir bestens bekannt. Ich glaube, er allein wäre schon eine Garantie. Darüber hinaus bin ich ja doch nicht allein gekommen.“

Stanfords Blick senkte sich zu Sam hinab, der harmlos wirkend zu Cadburns Füßen lag.

„Glauben Sie etwa, dass der Köter eine Garantie ist?“

Tom Cadburn blieb ganz ruhig. „Sie sollten nicht Köter sagen. Ich möchte das nie mehr von Ihnen hören. Also besprechen wir jetzt, wie wir Sie wirklich schützen können. Von Suwak fehlt jede Spur. Und keiner von uns weiß, wann er auftauchen wird und wo er auftauchen wird; und wie er es tun will. Ich weiß nur eines, denn ich habe mit dem Gefängnisbeamten gesprochen, ich bin ja extra deshalb dort gewesen: Suwak hat geschworen, Sie umzubringen und er hat geschworen, dass es innerhalb der nächsten drei Wochen geschehen wird. Es gibt also nur eines: wir müssen Suwak erwischen, bevor es ihm irgendwie gelingt, in nächste Nähe Ihres Hauses zu kommen. Und Sie, Sie dürfen dieses Haus nicht verlassen, bis Suwak unschädlich gemacht worden ist.“

„Wie wollen Sie ihn davon zurückhalten, in die Nähe des Hauses zu kommen, wenn Sie selbst hier sind?“, fragte Stanford.

Tom Cadburn blickte zu Mitchum hinüber, der ebenfalls im Raum stand. „Ich glaube, das Problem haben wir schon gelöst, Mr. Mitchum und ich. Wir haben beschlossen ...“ „Beschlossen? Beschlossen? Sie haben überhaupt nichts zu beschließen!“, keuchte der Richter. „Ich bin hier der Herr!“

„Da irren Sie sich“, sagte Tom Cadburn. „Mein Herr sind Sie nicht! Ich bin hier zu Ihrem Schutz, aber nicht als Ihr Untergebener.“

„Und ich habe mit Ihnen einen Vertrag“, sagte Mitchum, „in dem steht kein Wort davon drin, dass Sie mir etwas zu befehlen haben.“

Beide hatten sehr ruhig gesprochen. Stanford war nicht dumm genug, um zu übersehen, dass die Trümpfe jetzt ganz und gar bei den beiden und nicht bei ihm lagen. Er verzichtete darauf, dazu noch einmal Stellung zu nehmen und meinte nur:

„Also gut, was haben Sie beschlossen?“

„Ich werde“, meinte Tom Cadburn, „nach Suwak suchen. Sie haben Ihre Schutztruppe hier, aber nichts bewacht Sie besser als Sam.“

Er blickte auf Sam hinab; der hob den Kopf, als er seinen Namen gehört hatte, und knurrte leise. Mitchum räusperte sich und sagte: „Mr. Stanford, das ist kein gewöhnlicher Hund, er ist ein halber Wolf, und Cadburn hat aus ihm etwas gemacht, was die gefährlichsten

Impressum

Verlag: BookRix GmbH & Co. KG

Texte: (C) ALFRED BEKKER CASSIOPEIAPRESS
Tag der Veröffentlichung: 20.02.2016
ISBN: 978-3-7396-3857-7

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