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Travers und die Operation Schwarze Schlange

Ein Roman aus der Serie: „Ihr Auftrag, Travers!“

von Uwe Erichsen

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 121 Taschenbuchseiten.

 

Uwe Erichsen, Film-, Tatort- und Fahnder-Autor, ist auch ein Meister des Spionagekrimis. Der vorliegende Roman ist einer von Erichsens Agenten-Thrillern um Travers, den kaltschnäuzigen, hartbeinigen und intelligenten Spezialagenten aus Washington, und Jo Anne, seinen smaragdäugigen Schatten. An den Brennpunkten des Weltgeschehens sind sie anzutreffen, und immer steht der Friede auf des Messers Schneide...

 

 

Calvin Travers, der smarte Spezialagent einer Sonderheit der amerikanischen Regierung und direkt dem Außenministerium unterstellt, erhält den Auftrag, Naida Ubagwe, UNO-Botschafterin des afrikanischen Königreiches Njonga, in ihr Land zu begleiten, um dessen Herrscher Quoumo Terrida zu heiraten. Doch das erweist sich als schwieriges Unterfangen, da bereits in New York ein Anschlag auf die „Schwarze Rose“ verübt wird, den der clevere Geheimagent im letzten Moment verhindern kann. Wird es Travers gelingen, die ihm Anvertraute auf einer Odyssee durch diverse Länder, Wüste und Rebellengebiet wohlbehalten in ihre Heimat zu bringen? – zumal ein knallharter russischer KGB-Agent hinter ihnen her ist.

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

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Die Romane spielen zur Zeit des Kalten Krieges.

© dieser Ausgabe 2016 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

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1

Die Hitze, die jedes Leben um den Regierungspalast hatte ersterben lassen, drang nicht in das Arbeitszimmer des Herrschers. Große Steinplatten in kühlem Blau und die schweren Holzjalousien vor den hohen Fenstern drückten die Temperaturen selbst um die Mittagszeit auf ein erträgliches Maß hinab.

General Iketo Mkata, dem in seiner Eigenschaft als Armeechef und Verteidigungsminister gleichzeitig der Geheimdienst unterstand, schwitzte trotzdem. Große, helle Tropfen glitzerten auf seiner breiten schwarzen Stirn, und die gelbe Uniformjacke wies runde, dunkle Flecken unter den Armen auf. Mkata war fett, doch seine Körperfülle war nicht die Ursache seines heftigen Schweißausbruchs.

Der General fürchtete, dass ihn der Zorn des Herrschers treffen könnte. Ihn, der die schlechte Nachricht nicht gemacht hatte. Der sie nur brachte.

Mkatas Befürchtungen verdichteten sich, als der König von seinem Fellsessel sprang.

Quoumo Terrida deutete mit dem Griff der geflochtenen Bullpeitsche auf den Verräter, der mit gesenktem Kopf einen halben Schritt hinter Mkata stand. »Wer außer ihm weiß davon?«, fragte er. Die mächtige Stimme des Königs füllte den großen Raum.

»Niemand«, antwortete der General. »Nur er. Er weiß es von einem Vertrauten des ...«

»Nimm den Namen nicht in den Mund!«, schrie der König. Seine Augen quollen aus den Höhlen. Immer noch wies der Stiel der Peitsche auf den schlanken Burschen neben Mkata. Jetzt nahm Terrida die runde Mütze aus Leopardenfell vom Kopf. Etwas leiser sagte er: »Töte ihn!«

Der Befehl hallte nach wie ein Echo. Töte ihn!

Der Kopf des Verräters ruckte in die Höhe. Sein dunkles Gesicht wurde grau, er hob die Arme. Die Enden der schweren Peitsche pfiffen durch die Luft, die dünnen Riemen wirbelten um den Hals des Mannes. Der Herrscher riss den Griff zu sich heran, und der unglückliche Mann stürzte zu Boden.

»Töte ihn!«, schrie der König noch einmal.

Der General öffnete hastig die Lasche über dem schweren Revolver, dann zerrte er die Waffe heraus. Der Verräter hatte die Hände über dem Kopf zusammengelegt und das Gesicht auf die kühlen Steine gedrückt.

Mkata schoss. Der Körper zuckte, die Beine bewegten sich, und der General schoss noch zweimal auf den nackten Rücken des Verräters, bis der Körper endlich still lag.

Er sah auf. Die Waffe hing in seiner Hand.

Der König stand noch. »Sie darf nicht ins Land«, sagte er.

»Aber wir können sie hier vor Gericht ...«

»Damit überall in der Welt das große Heulen erklingt? Nein, sie darf nicht ins Land, hier darf ihr nichts zustoßen. Es muss draußen geschehen. Du musst das erledigen. Schnell. Dann haben es die anderen getan. Sie muss sterben, hörst du? Und für ihren Tod muss der verantwortlich gemacht werden, dessen Namen ich nicht hören und nicht aussprechen will!«

Der General verzog die breiten Lippen zu einem verstehenden Lächeln. »Ja, mein König. Sie ist die hervorragendste Tochter deines Stammes und unseres Landes. Sie bekommt ein Staatsbegräbnis, zu dem viele ihrer ausländischen Freunde kommen werden. Und dann«, Mkatas Lächeln wurde breiter, »können wir endlich zuschlagen, mit der ganzen Härte unserer Macht. Wir können sie jagen wie Ungeziefer ...«

Quoumo Terrida ließ sich auf seinen Sitz nieder. Er nickte kühl. »Du bist verantwortlich, Iketo. Wenn sie lebt, wirst du sterben. Wie der da.« Mit dem Peitschenstiel deutete er auf die reglose Gestalt am Boden, um deren Kopf sich eine kleine Blutlache gebildet hatte.



2

Travers schritt über den Flur im Westflügel der Parc Vendome Apartments, in dem die UNO-Botschafterin von Njonga ihre Residenz unterhielt. West 57th Street, Manhattan, 19, New York.

Travers wusste, dass der ganze Westflügel des Apartment Hotels vom Königreich Njonga gemietet war. In einem Vorraum zeigte er einem UNO-Polizisten ein Papier, das eine vom Außenministerium abgestempelte Vollmacht darstellte. Der Beamte drückte einen Knopf, und kurz darauf erschien ein junger Schwarzer, der Travers durch einen zweiten Flur führte, gegen eine Walnusstür klopfte, sie öffnete und mit dem Finger schnippte.

Eine junge Schwarze erschien. Sie trug eine bunte Bluse und einen eng sitzenden grünen Rock, und als sie dann vor ihm herging, hatte er Gelegenheit, ihr aufreizendes Hinterteil zu bewundern.

Sie öffnete eine dunkel schimmernde schwere Tür und ließ Travers an sich vorbei. Travers sah sich einem hochgewachsenen Schwarzen gegenüber, der nach europäischer Mode gekleidet war. Travers wusste, wer der Mann war. Sekenke Kahama, der Sekretär der Botschafterin. Zweiundvierzig Jahre alt, in Paris erzogen und studiert, Intellektueller, konservativ, königstreu und homosexuell.

Kahama erhob sich und kam Travers entgegen. Er streckte die Hand aus, die Travers nahm und kurz drückte.

»Sie sind Mr. Travers«, stellte der Sekretär fest. Er rückte an seiner Brille, nickte, wie um seine Feststellung selbst zu bestätigen. »Bitte, ihre Exzellenz erwartet Sie bereits.« Er ging vor Travers her auf eine zweiflügelige Tür zu. Bevor er sie öffnete, wandte er sich noch einmal Travers zu. »Bitte, Mr. Travers, ihre Exzellenz die Botschafterin liebt es, mit ihrem Titel angeredet zu werden.«

Travers schluckte den jäh aufsteigenden Unwillen hinunter. Er nickte sanft. Dieser große Mann mit dem eckigen Kinn und der kleinen Nase konnte ungemein sanft wirken. Diese Sanftheit war wie eine Maske, mit der er seine Härte verdeckte, manchmal sogar vor sich selbst.

Wie für einen Staatsbesucher stieß Kahama jetzt die Flügeltür auf, und Travers schritt hindurch.

Der Raum war von Licht durchflutet. Die ganze äußere Wand war aus Glas, und an den Türmen des General-Motors-Building vorbei hatte man einen herrlichen Ausblick auf die Columbus Säule und den Central Park.

Der Ausblick vermochte jedoch nicht Travers' Aufmerksamkeit zu fesseln. Er sah die Frau an, die mitten im Raum stand. Auch den Mann bemerkte er kaum. Er kannte ihn. James Gullo vom CIA, ein plattfüßiger Bulle mit grauem Haar und zynisch blickenden Augen.


*


Travers sah nur die Frau. Sie trug ein locker den schlanken Körper umfließendes rotes Hauskleid, das die Arme und den Ansatz der Brüste frei ließ. Ihre Haut war wie warmes glattes Holz von einem gleichmäßigen schwarzbraun. Auf einem langen, schmalen Hals saß ein ovaler Kopf mit hochgetürmtem Haar, das die strengen Linien ihres zarten Gesichtes betonte. Er hatte ihr Gesicht schon oft im Fernsehen und an diesem Morgen auf einem Hochglanzfoto in ihrem Dossier gesehen, doch die Bilder hatten ihm weder einen Eindruck von ihrer Lebendigkeit noch von ihrer Schönheit vermittelt.

Sie war groß, fast einsachtzig, ihre Nase war gerade und schmal, die Augen standen weit auseinander und wurden von zarten, dünnen Brauen überspannt, die sich kaum von der dunklen Haut abhoben.

Travers ging auf sie zu, blieb einen Schritt vor ihr stehen und neigte knapp den Kopf. »Guten Tag, Exzellenz«, sagte er. James Gullo grinste.

Naida Ubagwe reichte Travers die Hand. Er drückte sie. Die Haut war weich und kühl und fühlte sich angenehm an. Unwillkürlich richtete er seine Augen auf die glatten Ansätze der Brüste und die deutlich erkennbaren aufgerichteten Brustwarzen, die sich unter dem weichen Stoff abzeichneten, und er konnte die Begeisterung der Leute verstehen, wenn diese Frau vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen ihre Stimme erhob.

Naida Ubagwe lächelte. »Sie sind Travers«, sagte sie. »Travers ... welch ein Name!«

Travers lächelte ebenfalls, wobei er es vermied, in Gullos höhnisch verzogenes Gesicht zu sehen.

»Wir werden einige Tage miteinander verbringen«, sagte sie mit warmer Stimme. »Sie dürfen mich Naida nennen.«

»Exzellenz!« James Gullo schob sich in den Vordergrund. »Ich überlasse Sie Travers. Goodbye!« Er gab ihr nicht die Hand. Gullo sah Travers aus rotgeäderten Augen an. »Ich verstehe nicht, wie man ausgerechnet auf Sie verfallen ist, Travers.« Er schüttelte den Kopf.

Travers lächelte zäh, und er bewegte die Finger, weil er sie nicht zu Fäusten ballen wollte. Er kannte Gullo von seiner CIA-Zeit her. Ein zynischer Menschenhasser.

»Na ja, vielleicht hat Ihr Boss sich etwas dabei gedacht. Ein Wilder wie Sie ...«

»Das genügt«, sagte Travers. In seiner Stimme schwang ein metallischer Unterton.

»Was denn? Empfindlich? Seit wann? Was wollen Sie denn tun, wenn ich Sie und die Lady hier beleidige?«

Travers sah Sekenke Kahama an, der in der Nähe der Tür stehengeblieben war. »Schmeißen Sie ihn raus«, sagte er ruhig.

Gullo grinste schief. »Ich gehe schon.« Er hob wie abwehrend eine Hand, als Kahama Travers' Aufforderung befolgen wollte. »Sie bekommen sie nicht heil nach Njonga, niemals.« Er lachte hämisch und stapfte auf seinen großen Füßen an Kahama vorbei. An der Tür blieb er noch einmal stehen. »Seien Sie auf alles gefasst, Travers, auf alles. Ich wünsche Ihnen viel Glück — um der alten Kameradschaft willen ...«

Der Sekretär führte ihn hinaus, die Türen wurden lautlos geschlossen.

Naida sah Travers an. In den großen Augen stand so etwas wie eine Frage, eine Frage, die Travers kannte.

Würde er es schaffen?

Er sollte diese Frau nach Njonga bringen, in ein Land, dessen Name er bis gestern kaum jemals gehört hatte. Ein Königreich irgendwo in Ostafrika, eingezwängt zwischen Länder wie Ruanda, Kongo und Uganda. Mit unübersichtlichen politischen Verhältnissen. In ein Land mit einem selbsternannten König und einer Rebellenbewegung, die von den Roten indirekt unterstützt wurde. Der König, Herrscher über vier Millionen Menschen, die auf drei Dutzend untereinander verfeindeter Stämme aufgeteilt waren, wurde von den USA unterhalten und gestützt. Die Lage seines Landes war politisch von einiger Wichtigkeit, da die Regierungen der angrenzenden Staaten selbst nicht fest im Sattel saßen oder mit dem Ostblock liebäugelten. Njonga stellte eine geographisch außerordentlich günstige Ausgangsbasis für amerikanische Unterstützungsaktionen US freundlicher Bewegungen in den Nachbarländern dar, aber nur, wenn das Regime in Njonga handlungsfähig war. Handlungsfähig war es im Augenblick gewiss nicht.

In dieses Land sollte Travers nun reisen, weil das Außenministerium in Washington einen ganz schlauen Plan ausgeheckt hatte. Es war ein verzweifelter Plan, wie Travers ihn einschätzte. Im Mittelpunkt stand Naida Ubagwe. Sie war die UNO-Botschafterin von Njonga, und aufgrund ihrer westlichen Erziehung, ihrer Schönheit und ihrer Intelligenz genoss sie ein außerordentlich hohes Ansehen in der ganzen Welt, gleichermaßen in Ost und West und bei den blockfreien Nationen. Sie sollte den König heiraten und gleichzeitig Premierminister werden. Damit sollte sie die Hoffnungen auf gemäßigte Reformen wecken und den Rebellen den Boden unter den Füßen wegziehen.

So lautete der Plan.

Der König war einverstanden, diese Frau seinem Harem einzuverleiben. Quoumo Terrida nannte bereits drei Frauen sein eigen, und nach islamischem Recht durfte er eine vierte nehmen. Und Naida war ebenfalls einverstanden.

Naida fasste ihn am Arm und führte ihn zu einem unendlich langen Sofa am Fenster. Sie drückte ihn in die tiefen Lederpolster und setzte sich neben ihn. Sie schlug die Beine übereinander, wobei der Saum hochrutschte und ein schlankes schwarzbraunes Bein und glatte, in Ledersandalen steckende Füße enthüllte. Sie breitete die Hände aus. »Ich begebe mich in Ihre Gewalt, Mr. Travers. Nur Sie sind für meine Sicherheit da. Eine schwere Aufgabe?«

»Es wird sich herausstellen.« Travers zog eine zerdrückte Zigarettenschachtel aus seiner Tasche, schnippte ein Stäbchen heraus, das er ihr hinhielt. Als sie den Kopf schüttelte, steckte er es zwischen seine Lippen und zündete es an. Er hatte sie absichtlich nicht um Erlaubnis gefragt. Sie war schon jetzt nicht mehr die UNO-Botschafterin, nicht mehr die Exzellenz. Sie war eine Frau, die er von einem Ort zu einem anderen zu bringen hatte. Nichts anderes und nicht mehr.

Unter halbgeschlossenen Lidern hervor beobachtete sie jede seiner langsamen Bewegungen, es war ein Blick, der Travers irritierte, und er begann, sich ernsthafte Sorgen zu machen. Sie war eine Frau, ein Vollweib. Die intellektuelle junge Dame, die gelegentlich vor der UNO oder im Fernsehen auftrat, war eine Rolle, gespielt von einer heißblütigen Frau.


*


»Was werden Sie tun? Welchen Weg nehmen wir?«

»Nicht hier«, sagte Travers.

Naida riss die Augen auf. »Oh«, machte sie leise, doch dann lächelte sie übermütig. »Sie sehen Gespenster! Alle Räume werden regelmäßig vom Sicherheitsbüro der UN-Verwaltung untersucht! Elektronische Apparate! Nein!« Sie lachte schallend, wobei sie sich zurücklegte. Wieder sah Travers, wie sich die Brustspitzen unter dem weichen Stoff aufrichteten, und rasch wandte er den Blick ab. Er zerdrückte die halb aufgerauchte Zigarette im Aschenbecher.

»Sind Sie fertig?«, fragte er.

»Ja, ich habe gepackt. Einen kleinen Koffer. Alles andere wird mir nachgeschickt, wenn ...« Sie verstummte plötzlich. Auch ihr wurde jetzt, unmittelbar vor der Abreise, die Gefahr bewusst. Der König von Rebellen umlagert, der Flughafen geschlossen, Verrat überall. Sie stand auf und strich das Kleid mit den Händen glatt. Eine Bewegung voll unbewusster Erotik.

»Ziehen Sie ein unauffälliges Kleid an«, sagte Travers.

»Sie meinen, keins dieser bunten Kattunkleidchen, wie sie unsere Weiber anziehen, wenn sie zum Markt gehen?«

»Das habe ich weder gemeint noch gesagt«, knurrte Travers barsch. »Ich will nur vermeiden, dass sich jeder Mann nach Ihnen umsieht. Ich will wenigstens heil mit Ihnen aus New York herauskommen.« Er presste die Lippen zusammen. Er traute niemandem, weil er die Zusammenhänge noch zu wenig kannte und durchschaute. Wer in der UNO-Botschaft Njongas sympathisierte mit den Rebellen? Wer aus der Umgebung des Königs hatte den Rebellen den famosen Plan verraten? Und wussten die Russen schon Bescheid? Travers ging davon aus, dass die Rebellen den Plan kannten und die Russen um Hilfe angegangen waren. Denn eine Frau wie Naida Ubagwe, Königin und Regierungschefin des Landes, musste die Augen der Weltöffentlichkeit auf ihr Land lenken, und wenn sie dann noch Reformen durchsetzte, würde die Rebellenbewegung tatsächlich zerbröckeln. Die Russen würden also so früh wie möglich versuchen, Naidas Reise zu verhindern.



3

Naida hatte den Raum verlassen. Travers zündete eine neue Zigarette an, während er durch das breite Fenster nach draußen starrte, wo die ersten Lichter aufflammten und der Central Park im Abenddunst zu verschwimmen begann.

»Ist es so richtig?«, fragte sie plötzlich.

Travers fuhr herum. Er hatte sie nicht zurückkommen gehört.

Sie stand hinter dem Sofa. Sie trug jetzt ein dunkelgraues Kostüm mit einem hellgrauen taillierten Mantel darüber. Das wilde Haar hatte sie mit einem ebenfalls grauen Tuch umwickelt.

Sie sah atemberaubend aus, und seufzend gestand Travers sich ein: Auch jetzt würden die Männer sich nach ihr umdrehen. Genauso häufig, als wenn sie nur mit einem Leopardenfell bekleidet über die Fifth Avenue flanieren würde.

»Okay«, sagte er und stand ebenfalls auf.

Sie drückte einen Klingelknopf. In der Flügeltür erschien Sekenke Kahama.

Der Sekretär blieb in der Tür stehen.

Travers entdeckte den Lichtschalter und legte ihn um. Die Deckenbeleuchtung flammte auf.

Travers sah in Kahamas Gesicht, und etwas an seinem Ausdruck warnte ihn. Der Schwarze schloss einen Augenblick vor dem harten Licht die Augen, und Travers bemerkte den dünnen Schweißfilm auf der hohen Stirn. Und die Hand, die dieser korrekte Mann in der Hosentasche versenkt hielt.

Er hechtete auf Naida zu, er prallte hart gegen sie und schleuderte sie über das Sofa.

Er stürzte vor der Couch zu Boden, fiel hart auf den rechten Arm, und als er versuchte, an seine MKIV zu kommen, zog Sekenke Kahama die Hand aus der Hosentasche und richtete die Mündung einer kleinkalibrigen Pistole auf Travers.

Travers rollte sich herum, als dünn der erste Schuss aufpeitschte. Seine Hand glitt unter die Jacke, die Finger spürten schon die geriffelte Griffschale der schweren Colt-Pistole, aber er hatte noch keine Schussposition. Er lag zu nah ah dieser verdammten Couch.

Er rollte über seine Schultern rückwärts, stemmte sich mit den Armen ab und stand geduckt im Raum.


*


Kahama hatte noch zweimal geschossen, und wieder hatte er den sich blitzschnell bewegenden Agenten verfehlt. Jetzt zielte er sorgfältig auf Travers.

Travers sah das Weiße im Auge seines Gegners. Seine Hand flog unter der Jacke hervor, der Daumen glitt über den Spannabzug, und dann brüllte die schwere Pistole auf.

Travers hatte auf die Brust gezielt. Beide Schüsse hatten getroffen. Die Wucht der Einschläge warf den Mann zurück, er breitete die Arme aus, eine Hand packte die Türkante. Er brach in die Knie. Travers ging auf ihn zu, die Pistole schussbereit in der Faust. Kahama sah ihm entgegen. Travers bemerkte das Blut, das in schnellen Stößen aus einer der beiden Wunden herausgepumpt wurde und sich über das weiße Hemd ausbreitete.

Travers bückte sich und nahm die Pistole an sich. Kahama fiel nach vorn, aber er verlor noch nicht das Bewusstsein. Er stützte sich mit den Händen auf. Das Blut schoss auf den hellbraunen Teppich, wo es eine feuchtglänzende Lache bildete, bevor es im dicken Stoff versickerte.

Travers sah sich nach Naida um, deren Kopf in diesem Augenblick hinter der Sofalehne auftauchte. Sie hielt eine Hand vor den Mund gepresst, die

Impressum

Verlag: BookRix GmbH & Co. KG

Texte: (C) ALFRED BEKKER CASSIOPEIAPRESS
Tag der Veröffentlichung: 13.02.2016
ISBN: 978-3-7396-3762-4

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