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Der Tod sitzt mit am Pokertisch

Western von Thomas West

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 112 Taschenbuchseiten.

 

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Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

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© dieser Ausgabe 2015 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen

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1

Manchmal blickte Pedro Amarillo von den Karten auf und lauschte den Pianoklängen. Er sah dann an Winstons Schulter vorbei auf den schmächtigen Rücken des Pianisten. Es klang hübsch, was der Mann da spielte.

Von Zeit zu Zeit, wenn der Pianist seinen Kopf wandte, konnte Pedro die geschlossenen, tief in den Höhlen liegenden Augen und das fahle, hohlwangige Gesicht sehen. Er wunderte sich, dass ein derart kränklich aussehender Mann solch kraftvollen Melodien aus einem Piano herausholen konnte.

"Zwei Silberdollar", knurrte Winston Hearsh. Er schob die Silberstücke in die Mitte des Spieltisches. Der Mann neben ihm fluchte. Und knallte die Karten auf den Tisch.

"Was's los, Pete - entweder wir pokern oder, wir hören Musik!" Winston bedachte Pedro mit einem bösen Blick. Er war gereizt, der junge Kerl in dem weißem Rüschenhemd und der schwarzer Seidenweste.

An seine Stelle hätte Pedro längst aufgehört. Zweihundertfünfunddreißig Dollar hatte Winston mindestens verloren. Der Löwenanteil davon stapelte sich vor Pete auf dem Tisch. Pete - so nannten sie Pedro Amarillo zwischen Ellsworth und Salina.

Pete schob seine Karten zusammen. Sehr langsam, als wollte er sie weglegen und aussteigen. Sein stoppelbärtiges Gesicht blieb ausdruckslos. Niemand merkte ihm an, wie sehr er die Anspannung des jungen Hearshs genoss. Der hielt den Atem an und belauerte jede Geste des Texaners.

Dann schob er zwei Silberdollar in die Mitte des Tischs. Er hörte, wie Winston Hearsh scharf den Atem einsog. Gelangweilt blickte Pedro wieder an ihm vorbei zum Pianisten. Eine junge Frau stand neben dem Piano. Blond, schlank, in einem knöchellangen schwarzen Kleid. Pedro hatte sie nicht den Saloon betreten sehen.

Der Cowboy aus Wichita neben Pedro stieg aus. Allerdings ohne zu fluchen. Er war ziemlich betrunken. Und neben ihm, der Pistolenmann aus Santa Fe - Pedro wusste dass er Charley genannt wurde und für die Wells Fargo arbeitete - erhöhte noch einmal um drei Dollar.

Die Frau neben dem Pianisten drehte sich um. Ihre Blick traf sich mit Pedros. Sie lächelte. Pedro erwiderte es nicht. Aber unter seinem Zwerchfell schien ein Sperlingsschwarm aufzuflattern. Doch er deutete nur ein Kopfnicken an.

Winston Hearsh zog gleich, und auch Pedro schnippte drei weitere Silberdollar in den Pot. Er wusste, dass genau hundertsechsunddreißig Dollar darin lagen. Er wusste, dass Winston noch höchstens neunzig Dollar vor sich auf dem Tisch liegen hatte. Er wusste, dass die junge Frau neben dem Piano schön war. Und er wusste, dass vier der fünf zusammengeschobenen Karten in seiner Hand nahezu identisch waren - Damen. Ein gutes Omen. Pedro betrachtete den schlanken Rücken der Blonden.

Charley, der Mann aus Santa Fe, warf einen zwanzig Dollarschein in die Tischmitte. Pete tat, als würde er es gar nicht sehen. Der Pianist spielte ein Stück, das ihm ins Blut ging. Irgendwas Europäisches. Von einem Mann namens Strauß, wenn Pedro sich den Namen richtig gemerkt hatte. Die Blonde wiegte sich in den Hüften.

Winston Hearsh legte zwanzig Dollar in die Tischmitte. Pete zog gleich.

Zuhause, in Ellsworth, hatten sie kein Piano im Saloon stehen. In Ellsworth kam auch selten eine Pokerrunde zusammen, bei der man nennenswerte Gewinne einfahren konnte. Und in Ellsworth bekam man auch keine Frauen zu sehen, wie die dort neben dem Pianisten. Wie Ellsworth allerdings lag auch Salina am Smoky Hill River - das war alles, was die beiden Städte gemeinsam hatten.

Wieder drehte die Frau sich um, und diesmal lächelte Pete zurück.

Charley, der Revolvermann aus Santa Fe, legte seine Karten weg. Er zog einen Tabaksbeutel aus seiner Westentasche und drehte sich eine Zigarette. Seelenruhig. Winston Hearsh, der ihn beobachtete, begann mit den Fingern auf die Tischplatte zu trommeln. "Was ist los, Mann? Steigst du aus?"

"Hab ich das gesagt?" Der Mann grinste den jungen Viehzüchter an. Da, wo sein rechter, oberer Eckzahn hätte sein müssen, klaffte eine Lücke in seinem Gebiss. Er riss ein Schwefelholz unter dem Tisch an und entzündete seine Zigarette. "Ich erhöhe."

Er griff in den Geldhaufen vor sich auf dem Tisch, zählte ein paar Scheine und Münzen ab und legte sie in den Pot. "Siebzig Dollar." Hearshs Kiefermuskeln pulsierten.

Pedro wusste, dass der Mann aus Santa Fe falsch spielte. Und er wusste, dass Winston Hearsh sich für einen abgebrühten Kartenhai hielt. Beides war ihm Recht. Nur Spieler, die sich in Sicherheit wiegten, riskierten hohe Einsätze.

Die Linke auf seinem zusammengeschrumpften Dollarhaufen, mit der Rechten auf den Tisch trommelnd belauerte Winston Hearsh den Texaner. Pete hielt seinem Blick stand. Fragend zog Hearsh die Brauen hoch.

Das Piano verstummte. Pete legte die Karten weg und applaudierte. Der Wirt stellte ein Glas Whisky auf das Klavier. Der Pianist steckte sich einen Zigarillo an. Und die Blonde kam mit schwingenden Hüften zum Spieltisch und stellte sich hinter Winston Hearsh. Wieder bekam Pedro ein zuckersüßes Lächeln geschenkt.

"Der Mann, der mich blufft, muss erst noch geboren werden, Amarillo!", zischte Hearsh. Er zählte siebzig Dollar ab und schob sie in den Pot.

"Mehr als zwei Wochenlöhne", lallte der betrunkene Cowboy. "Du bist übergeschnappt, Winnie - mehr als zwei Wochenlöhne..."

"Und ich erhöhe um fünfhundert Dollar", verkündete der Viehzüchter. Pedro schürzte die Lippen. Er konnte seine Verblüffung nicht verbergen. Winston Hearsh und sein älterer Bruder Larry hatten schlechte Geschäfte in Wichita gemacht. Jeder zwischen Ellsworth und Salina wusste davon. Der Sommer war höllisch trocken gewesen und hunderte von Rindern waren den Hearsh-Brüdern eingegangen.

Winston zückte einen Stift und ließ sich vom Wirt einen Bogen Papier bringen. "Ich habs nicht bar", sagte er, während er schrieb. "Es ist ein Stück Land. Ich habs letztes Jahr gekauft." Er nahm den Schuldschein auf, blies die Tinte trocken und ließ ihn auf den Pot segeln. "Zum Sehen."

Alle Blicke hefteten sich nun an Petes stoppelbärtiges Gesicht. Das Lächeln der Blonden hatte plötzlich etwas Bedauerndes. Die beiden ausgestiegenen Spieler glotzten ihn an, wie man einen angeschlagenen Boxer vor der letzten Runde anglotzt. Der Revolvermann und Hearsh belauerten ihn misstrauisch.

Pedro legte die Karten neben seine Dollars, beugte sich über den Tisch und griff nach dem Schuldschein. Aufmerksam las er ihn. "Ein Waldstück am Walnut Creek - so, so. Sieben Morgen groß." Seine kräftige Rechte fuhr in sein schwarzes, zersaustes Haar und schabte seine Kopfhaut.

"Es liegt in der Nähe von Great Bend", lockte Winston. "Zu beiden Seiten des Flusses. Oak Hill heißt es."

Pedro reichte den Schuldschein an Charley weiter. Er schob seine Karten auseinander und dachte nach. Was sollte er als Pferdezüchter mit einem Waldstück anfangen. Andererseits: Holz war nicht zu verachten. Er spielte seit längerem mit dem Gedanken, seine große aber windschiefe Blockhütte am Kanopolis Lake abzureißen und ein vernünftiges Haus zu bauen. Auch die Stallungen wurden langsam zu klein.

"Zier dich nicht, Pete!" Winston schlug auf den Tisch. "Wir alle wissen, wie gut deine Geschäfte laufen. Die Kavallerie hat dreißig Pferde bei dir bestellt wie man hört!"

Das stimmte nicht ganz. Zwanzig Pferde waren es, die ihm die Army abkaufen wollte. Und im August hatte Pedro zwölf Appaloosas in Kansas City verkauft. Der Deal hatte sich noch nicht in Salinas herumgesprochen. Über zweitausend Dollar hatte er ihm unterm Strich gebracht.

"Ein Blatt Papier und einen Stift!", rief Pete. Winston grinste, und Charley, der Mann aus Santa Fe, blickte finster zwischen dem Viehzüchter und Pete hin und her. Die Entwicklung gefiel ihm nicht, das konnte jeder sehen.

Der Wirt brachte Feder und Papier, und Pete stellte einen Schuldschein über fünfhundert Dollar aus. Schweigend betrachteten die anderen den Mann in der speckigen Lederweste und dem grauen Unterhemd. Hinter Pete, auf der Lehne seines Stuhles, hing sein dunkler Poncho. Er trug Mokkassins, natürlich ohne Sporen, und eine Hose aus schwarzem Wildleder.

Pedro Amarillo war in San Angelo, Texas aufgewachsen. Sein Vater war Texaner mit mexikanischem Blut gewesen, seine Mutter eine Indianerin aus dem Stamm der Pueblo-Apachen. Im Bürgerkrieg hatte Pete auf Seiten der Südstaaten gekämpft. Deswegen begegneten ihm die Leute in der Gegend von Ellsworth und Salina nicht nur mit Misstrauen, sondern auch mit Respekt.

Pete legte den Schuldschein in den Pot. Jetzt richteten sich alle Blicke auf Charley. Der schob sein restliches Geld in die Mitte des Spieltisches. "Dazu meine Büchse." Er griff neben sich, hob sein Gewehr hoch und legte es auf den Tisch. Eine Winchester, ein ziemlich neues Modell. "Und das hier." Aus seinem linken Hüftholster zog der Mann aus Santa Fe einen seiner beiden Revolver und schob in ebenfalls in den Pot. Es war ein Colt .45er mit elfenbeinbeschlagenem Kolben.

Pedro und Winston nickten. "Hosen runter", lallte der betrunkene Cowboy aus Wichita. Von der Theke und von den Tischen kamen Männer und Frauen und stellten sich um den Spieltisch herum auf. Auch der Pianist war dabei.

Die Luft im Saloon schien sich von einem Augenblick auf den anderen in brüchiges Pergamentpapier zu verwandeln. Pete legte nacheinander drei seiner Damen auf den Tisch. Er blickte auf und sah in das Gesicht der Blonden. Sie kaute auf ihrer Unterlippe herum. Blass wirkte sie plötzlich.

Charley knallte drei Könige auf den Tisch. Und Winston eine große Straße. "Sorry, Gentleman", grinste er. Ein Raunen ging durch die Menge.

"Bullshit!", zischte Charley und legte zwei Neunen neben seinen Drilling. Pedro war nicht überrascht über das Fullhouse. Er hatte beobachtet, wie der Schwarzgekleidete eine Karte aus seiner Hemdmanschette gezaubert hatte.

"Los, Pete!", rief Winston. "Ich will sehen, was du da noch auf der Hand hast!" Pete legte ein Ass neben seine drei Damen. Totenstille auf einmal um den Spieltisch herum. Winstons Gestalt spannte sich an.

Pete drehte die vierte Dame herum - die Herzdame - und zeigte sie ihm. Ein Aufschrei ging durch die Menge. Winston Hearsh erbleichte und sackte zusammen. Der Revolvermann belauerte ihn aus sehr schmalen Augen.

"Eine Lokalrunde!", rief Pete. Er grinste dem Pianisten ins Gesicht. "Und für den Gentleman eine ganze Flasche vom besten Whisky!"

 

 

2

"Du hast was...?" Laramie Hearsh wollte schreien. Aber mehr als ein Flüstern brachte er nicht zustande. Was sein Bruder ihm da eben eröffnet hatte, raubte ihm den Atem.

"Ich hatte ein todsicheres Blatt..." Winston hockte auf der Verandatreppe des Hauptgebäudes der Hearsch-Ranch. Schon als Laramie mit seinen Männern in den Hof geritten war, hatte er seinen Bruder mit einer Flasche Whisky dort sitzen sehen. Inzwischen war es stockdunkel. "...ich hätte schwören können, dass er..."

"Du hast was?", schrie Larry. Er beugte sich zu Winston herunter, packte ihn am Kragen seines weißen Hemdes und riss ihn hoch. "Du hast Oak Hill verspielt!?" Winston nickte stumm. "Sag, dass das nicht wahr ist, Winnie! Sag es, los!"

"Ich machs wieder wett, Larry, ich schwörs dir..." Der Ältere rammte ihm die Faust in den Magen. Die Luft blieb Winston weg, er krümmte sich. Der nächste Faustschlag seines Bruders traf ihn mitten ins Gesicht. Er prallte rücklings auf die Stufen. Zusammen mit der Whiskyflasche kullerte er die Treppe hinunter in den Staub.

"Weißt du, was du da getan hast?!" Larry trat nach Winston. "Du verfluchter Idiot, du!"

Winston rollte sich ab, um den Tritten seines Bruders auszuweichen. "Es ist doch nur ein gottverlassenes Waldstück", jammerte er. "Ich machs wieder wett..." Schützend hob er die Arme über den Kopf.

"Du Hohlkopf, du Verfluchter!" Larry riss seinen Revolver aus dem Halfter. Die Schüsse schlugen neben Winston im Staub ein. "Du Stück Scheiße, du! 'Ein gottverlassenes Waldstück'! Warum fällt einer wie du nicht schon als Kind vom Pferd und bricht sich den Hals! Warum!? Warum?!"

Schwer atmend stand er über Winston. Er knirschte mit den Zähnen. Zorn und Verachtung brannten in seinen grauen Augen. Ein paar Gestalten schälten sich aus der Dunkelheit. Cowboys der Hearsh-Ranch. Das Geschrei und der Schusslärm hatten sie aufgescheucht.

"Alles in Ordnung, Mr. Hearsh?" Larrys Vorarbeiter, Sam Perlman, blickte unsicher auf den am Boden liegenden Winston.

Laramie Hearsh antwortete nicht. Er steckte die Waffe weg, packte seinen Bruder an der Weste und zerrte ihn hinter sich her die Treppe hinauf durch die offene Tür des Hauses. Dort stieß er ihn neben dem Tisch auf den Holzboden. "Idiot!", fauchte er. "Hohlkopf!" Fluchend tigerte er um den Tisch.

Larry war siebzehn Jahre älter als Winnie. Irgendwie hatte er seinem jüngeren Bruder nie verziehen, dass ihre Mutter bei seiner Geburt gestorben war. Andererseits empfand er so etwas wie väterliche Verantwortung für ihn.

Seit der alte Hearsh gleich in den ersten Wochen des Bürgerkriegs gefallen war - fast zehn Jahre her war das - kümmerte Laramie sich darum, dass Winston frische Wäsche und wenigstens zweimal in der Woche ein warmes Essen auf dem Tisch hatte.

Winston stemmte sich an einem Stuhl hoch und ließ sich darauf fallen. Seine Nase blutete. "Ich zahl dir deinen Anteil an dem Waldstück", krächzte er. "Du kriegst die zweihundertfünfzig Dollar zurück... Mensch, Larry - es geht doch nur um zweihundertfünfzig Dollar für dich..."

Larry blieb vor ihm stehen. Wieder packte er ihn am Kragen. "Zweihundertfünfzig Dollar!?" Er stieß einen Wutschrei aus. "Zweihundertfünfzig Dollar, sagtst du?! Soll ich dir sagen, was Oak Hill wert ist? Das 'gottverlassene Waldstück', wie du es nennst?! Zehntausende von Dollar!!"

"Wieso... ich kapier nicht..." Winston wand sich im Griff seines Bruders. "Was redest du da...?"

"Unter dem gottverdammten Waldboden versteckt sich eine Silberader im Fels." Laramie Winston zog seinen jüngeren Bruder so nah an sich heran, bis sich ihre Stirnen berührten. "Silber, du Idiot, Silber, weißt du, was das ist? Silber, du blödes Arschloch! Silber! Silber!" Er schüttelte ihn und stieß ihn zurück in den Stuhl.

"Silber?" Winston machte ein begriffsstutziges Gesicht. "Aber..." Er versuchte zu lächeln. "Aber wie kommst du denn darauf?"

"Anders als du, verschwende ich meine Zeit nicht mit Weibern und Kartenhaien", zischte Larry. "Als die Jungs Anfang September das Vieh nach Wichita brachten bin ich nach Great Bend geritten. Drei Tage lang habe ich mir Oak Hill genau angeschaut, hab den Waldboden untersucht und den Fels mit der Spitzhacke aufgeschlagen. Silber, du Idiot, Silber in Hülle und Fülle..."

"Ich glaubs nicht..." In einer hilflosen Geste hob Winston beide Arme über den Kopf. "Du hättest es mir sagen sollen...!" Seine Stimme klang weinerlich. Er raufte sich das blonde Haar. "Du hättest es mir sagen müssen, Larry!"

"Du kannst doch dein loses Maul nicht halten!", schrie Larry. "Nach drei Tagen hätte es ganz Salina gewusst!" Er schnaubte böse, stopfte beide Hände in die Taschen und stapfte Raum auf und ab.

"Was machen wir jetzt..." Winston schlug sich die Hände gegen die Wangen. Das Starke-Männer-Gehabe, das er sonst so gern an den Tag legte, war vollständig von ihm abgefallen. Nicht einmal so alt wie er war - einundzwanzig - sah er aus. Ein Halbwüchsiger, der versehentlich ein Pferdegespann im Treibsand versenkt hatte, hätte eine bessere Figur gemacht.

"Amarillo, dieser Scheißkerl! Ich geh und schieß ihn über den Haufen..." Winnie sprang auf.

"Nichts dagegen, dann bin ich dich endlich los!", zischte Larry böse. "Aber selbst wenn du am Galgen baumelst und Amarillo das Unkraut von unten anglotzt, bringt mir das Oak Hill nicht zurück! Wir brauchen den Schuldschein!"

Winston sank zurück auf den Stuhl. Laramie tigerte um den Tisch herum. Eine Zeitlang sprach keiner von ihnen ein Wort. Irgendwann schnappte sich Laramie eine Whiskyflasche aus dem Regal neben dem Herd. Mit zwei Gläsern und der Flasche kehrte er zum Tisch zurück. Er setzte sich und schenkte ein.

"Okay, Winnie, du hast Mist gebaut - jetzt müssen wir das Ding wieder gerade biegen. Ich werde morgen mit Amarillo reden und ihm fünfhundert Dollar in bar auf den Tisch legen."

"Und wenn er nicht darauf eingeht?"

"Dann..." Larry starrte in sein Glas. "Der Typ aus Santa Fe, der sein Gewehr und seinen Revolver verloren hat..."

"...Charley Telurian..."

"...er wird auf schnelles Geld scharf sein, schätz ich mal..."



3

Seite an Seite hockten sie an der Theke und tranken Whisky. Es ging auf Mitternacht zu. "Nenn mich Josh, Junge..." Der hohlwangige Pianist schwankte, während er sich das Whiskyglas erneut füllte. "Ich heiße Joshua Sanders, doch alle meine Freunde nennen mich Josh." Er hob sein Glas und stieß mit Pete an.

"Pedro Amarillo", sagte der Texaner. "Nenn mich Pete." Der Pianist wollte nicht mehr von seiner Seite weichen. Je mehr Whisky der Mann in dem schwarzen Frack und mit der speckigen Melone in seinen dürren Hals schüttete, desto nervtötender wurde sein Gequatsche. Er hockte zwischen Pete und der Blonden und bemerkte die Blicke nicht, die zwischen beiden hin und herflogen.

"Pete, aha..." Josh Sanders rülpste und sog an seinem Zigarillo. "Siehst aus, als hätten sie dich südlich des Rio Grande ans Licht dieser schönen Welt gezerrt."

"Mein Urgroßvater war Mexikaner." Die Blonde hatte hellblaue Augen. Augen, die Petes Blicke wie magisch anzogen. Jedesmal wenn er sie mit seinem Blick festhielt lächelte die Frau. "Und meine Mutter gehörte zum Stamm der Apachen am Rio Grande."

"Und was treibst du hier am Fuß der Rocky Moutains?" Obwohl er sich manchmal an der Theke festhalten musste, um nicht vom Barhocker zu rutschen, sprach der Pianist noch mit erstaunlich flinker Zunge.

"Das ändert sich alle

Impressum

Verlag: BookRix GmbH & Co. KG

Texte: (C) ALFRED BEKKER CASSIOPEIAPRESS
Bildmaterialien: Firuz Askin
Tag der Veröffentlichung: 20.11.2015
ISBN: 978-3-7396-2414-3

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