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Godwin – Freund der Götter

Godwin und die große Schlacht – Teil 8

Roman von Pete Hackett

 

Ein CassiopeiaPress E-Book

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© der Digitalausgabe 2015 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen

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Der Umfang dieses Ebook entspricht 52 Taschenbuchseiten.

 

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Der Abzug der Truppen vom großen Fluss nahm zwei Tage in Anspruch. Nur einige Spähtrupps blieben zurück, außerdem hatte sich Godwin entschlossen, hier an der Grenze zum Ostreich die weitere Entwicklung abzuwarten. Und während Fürst Farold mit einigen Soldaten der Westheruler, die er als seine Begleiter ausgewählt hatte, aufbrach, um die strategische Positionierung der Truppen einige Tagesreisen entfernt im Osten, wo sich die Sümpfe und der schier endlose Urwald erstreckten, zu übernehmen, blieben Godwin, Landogar, Mutbrecht und Ramgar zurück. Auch bei ihnen befanden sich einige Krieger, die sie gegebenenfalls auch als Kuriere einsetzen konnten.

Die Heboniter hatten vier Brücken über dem breiten Strom errichtet, sie ruhten auf mannsdicken Stämmen und sie gewährleisteten, dass sie sowohl dem Gewicht marschierender Zenturien und der schweren Kriegsmaschinen als auch der schwer beladenen Fuhrwerke des Trosses und der Pferde- und Maultierherden standhielten. Gewaltige, imposante Konstruktionen, wie sie nur erfahrene Architekten geplant und Zimmerleute, die Meister ihres Fachs waren, errichtet haben konnten. Godwin empfand Hochachtung vor dieser architektonischen und handwerklichen Meisterleistung.

Am Westufer waren auch einige Boote vertäut, die vor Fertigstellung der Brücken wohl den Spähtrupps der Heboniter gedient hatten, den Fluss zu überqueren um die Lage auf der Ostseite des Stroms zu erkunden.

Der Abzug der Truppen war ziemlich offensichtlich erfolgt, sodass er den Hebonitern gar nicht entgehen konnte. Und wenn Godwins Rechnung aufging, dann würden sie sehr bald eine Vorhut über den Fluss schicken. Was hinter den Wällen und Palisaden der Kastelle auf der Westseite vor sich ging, blieb allerdings den Beobachtern am Ostufer verborgen, doch sie konnten es sich an fünf Fingern abzählen.

Die Heboniter mobilisierten ihre Legionen für den Marsch ins Ostreich. Und sicher waren die Fuhrwerke des Trosses längst fix und fertig beladen. Godwin schwor sich, dass die Invasion der hebonitischen Gruppen im Chaos von Untergang und Verderben enden sollte.

Die Götter waren mit ihm. Sie gaben ihm die Kraft und die Stärke für den glorreichen Sieg, Eigenschaften, die sich auf die Krieger des Ostreichs übertragen würden.

Der Spähtrupp kam schon am Morgen des übernächsten Tages über eine der Brücken. Es waren zwanzig Reiter, die von einem Offizier mit niedrigem Dienstrang angeführt wurden. Die Hufe der Pferde riefen ein knallendes Echo auf den dicken Bohlen wach, die Soldaten waren mit Schwertern und Lanzen bewaffnet, trugen Kettenhemden unter lederne Harnische, lederne Helme und an den Sätteln hingen mit gefärbtem Leder bespannte Rundschilde, höchstens anderthalb Ellen im Durchmesser, mit einem Schildbuckel aus Eisen und eisernen Beschlägen.

„Wir ziehen uns zurück“, sagte Godwin, „versuchen aber, die Heboniter nicht aus den Augen zu lassen.“

Er und seine Gefährten befanden sich in einem Waldstück, am Waldrand war das Unterholz dicht und bot gute Deckung gegen Blicke von der anderen Flussseite. Jetzt liefen sie zu ihren Pferden und führten sie tiefer in den Wald hinein. Zwei Kriegern hatte Godwin aufgetragen, die hebonitische Vorhut zu beobachten und ihm von Zeit zu Zeit Bericht zu erstatten. Die anderen Krieger folgten ihm und seinen Kameraden.

Der Tag war schwül, der Himmel grau und mit Wolken verhangen. Aggressive Stechmücken und Bremsen piesackten Mensch und Tier. Nachdem sie eine Weile die Pferde geführt hatten, saßen sie auf und ritten etwa zwei Stunden lang nach Osten. Dann lagerten sie in einer Buschgruppe und warteten. Ihre Geduld wurde auf eine ziemlich harte Probe gestellt, aber im Laufe des Nachmittags erschien einer der beiden Krieger, die sie zurückgelassen hatten, und meldete: „Es sind weitere Truppen über die Brücken gekommen. Schätzungsweise tausend Soldaten, die sich verteilt und Position bezogen haben, wahrscheinlich um den Übergang der Legionen und des Nachschubs zu sichern. Sicherlich kommen sie im Schutz der Nacht über den Fluss, und im Laufe des morgigen Tages dürfte die Überquerung abgeschlossen sein.“

„Gut“, sagte Godwin. „Reite zurück. Und wenn die Legionen der Heboniter auf der Ostseite des Flusses sind, dann erstatte mir Bericht, wie viele Soldaten es sind und welche Art von Kriegsmaschinen sie mit sich führen.“

„In Ordnung“, sagte der Mann, schwang sich auf sein Pferd und trieb es an. Es dauerte drei Tage, dann kamen er und sein Gefährte zurück und er berichtete: „Es sind drei Legionen mit ungefähr fünfzehntausend Soldaten. An Kriegsgerät führen sie lediglich zehn Katapulte mit sich. Der Tross gesteht aus mehr als fünfzig schweren Fuhrwerken, die von jeweils sechs Maultieren gezogen werden, und wohl an die zweitausend Männern.“

„Der Zug wird sich über viele tausend Klafter erstrecken“, gab Landogar zu verstehen.

„Hat er sich schon in Bewegung gesetzt?“ fragte Godwin.

„Nein, aber ein Spähtrupp von zwanzig Reitern ist der Spur unserer Truppen gefolgt. Wahrscheinlich befürchten die Heboniter, dass sie in einen Hinterhalt gelockt werden sollen. Sie sind sehr vorsichtig, und es ist zu vermuten, dass sie wieder eine Vorhut von tausend oder mehr Soldaten dem Hauptheer vorausschicken werden, damit sie strategisch wichtige Positionen besetzt und die Flanken der nachrückenden Armee sichert.“

„Wir warten hier, bis sie kommen“, erklärte Godwin.

Es dauerte sechs Tage, dann erschien in der Ferne der Spähtrupp. Godwin und seine Begleiter wichen nach Norden aus und verbargen sich auf einem dicht bewaldeten Hügelrücken. Von dieser Position aus konnten sie die Ebene, über die sie gekommen waren, in ihrer gesamten Breite bis weit nach Süden überblicken, wo sie von Hügelland begrenzt wurde.

Der Spähtrupp zog in großer Entfernung an ihnen vorüber. Zwei Stunden später näherten sich auf der deutlich sichtbaren Spur, die die nach Osten rückenden Weststämme nach ihrem Abzug vom großen Fluss hinterlassen hatten, einige Zenturien Fußsoldaten. Die Hundertschaften waren so aufgestellt, dass jeweils vier Soldaten in fünfundzwanzig Gliedern marschierten. Jeder der Soldaten trug einen gewölbten, rechteckigen Schild von zweieinhalb Ellen Höhe und anderthalb Ellen Breite.

Es waren jeweils fünf Hundertschaften, die im Norden und Süden der Ebene ostwärts marschierten. In dem breiten Korridor dazwischen kam eine Stunde später das Hauptheer. Zunächst tauchten Fußtruppen auf …

Es war ein nicht enden wollender Zug, der sich wie ein riesiger Wurm nach Osten bewegte und der eine Schlagkraft vermittelte, die in dem einen oder anderen Beobachter auf dem bewaldeten Hügel Zweifel entstehen ließen, ob diese Armee überhaupt zu besiegen war. Tausende von Soldaten; schwer- und leichtbewaffnete Fußtruppen sowie die Reitereinheiten, ihnen folgten die Katapulte, die wie die Fuhrwerke des Trosses von Maultieren gezogen wurden, um die sich die Bedienungsmannschaften kümmerten, schließlich kam der Tross und dann eine Nachhut, die wiederum aus Fußtruppen und Reiterei bestand.

Unwillkürlich dachte Godwin an seinen Traum, in dem eine riesige Schlange von Wölfen zerfleischt worden war.

Vielfältige, verworrene Geräusche begleiteten den Marsch der Heboniter ins feindliche Land; das Trampeln der Schritte, das Pochen der Hufe, das Mahlen der Räder, das Quietschen der Achsen in den Naben, Knarren, Ächzen Poltern und Rumpeln. Befehle wurden gebrüllt, Pferde wieherten, Peitschen knallten und in all das hinein erklang das heisere Geschrei der Fuhrleute. Obwohl sie über Grasland zogen, glaubte man eine dünne Staubwolke wahrnehmen zu können, die die Füße, Hufe und Räder aufwirbelten.

Es dauerte länger als einen Tag, bis an Godwin und seinen Begleiter die Nachhut vorüber marschierte. Dort, wo sie gezogen waren, war das Gras bis in die Wurzeln zerstört, der Boden aufgewühlt und von Spurrinnen zerfurcht.

Der Harier und seine Kameraden

Impressum

Verlag: BookRix GmbH & Co. KG

Texte: (C) ALFRED BEKKER CASSIOPEIAPRESS
Bildmaterialien: Steve Mayer
Tag der Veröffentlichung: 30.01.2015
ISBN: 978-3-7368-7447-3

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