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Alternative 1453

Alfred Bekker

Alternative 1453: DER HERR DES SCHWARZEN TODES

 

 

Wie wäre die Geschichte verlaufen, wenn die Türken Konstantinopel 1453 nicht erobert hätten? In dem alternativen Zeitstrom, in dem die vorliegende Geschichte spielt, hat es ein genialer Pestdoktor geschafft, aus dem Schwarzen Tod eine biologische Waffe des Spätmittelalters zu machen…

 

Ein CassiopeiaPress E-Book

© 2001 by Alfred Bekker

Die Printversion erschien ursprünglich in der Anthologie “Alte Götter sterben nicht”, hrsg. von

D. Kenlock im Scherz-Verlag, Bern - München - Wien, 2002.

© der Digitalausgabe 2014 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen

www.AlfredBekker.de

www.postmaster@alfredbekker.de

 

 

 

Der Herr des Schwarzen Todes

Venedig, 1466...

Das Scharren der Ratten treibt mich noch zum Wahnsinn. Es ist beinahe schlimmer als die Schmerzensschreie, von denen diese grauen, modrigen Gemäuer widerhallen. Der Geruch des Kohlenfeuers, in dem die Foltereisen glühend gemacht werden, dringt bis in das dreckige Loch, in dem man mich gefangen hält. Die Aura des Todes ist hier so allgegenwärtig, wie sie es sonst wohl nur in der Hölle selbst zu sein vermag.

Manchmal glaube ich, den Verstand zu verlieren.

Vielleicht habe ich das auch schon.

 

*

 

"Ich dachte, Ihr wolltet vielleicht Eure Seele erleichtern, Graf Cagliari", sagte der Priester, den man vor kurzem in mein Verlies schickte.

"Noch weiß ich nicht einmal genau, was man mir eigentlich vorwirft", erwiderte ich. "Aber wahrscheinlich werde ich am Ende alles gestehen, was man von mir verlangt."

"Ihr habt Euch aufgegeben, wie mir scheint."

"Habe ich nicht allen Grund dazu? Ist das Urteil nicht längst gefällt, auch wenn es noch keine Anklage gibt?

"Es geht nicht um die irdischen Richter, die über Euer Schicksal beschließen werden, Graf." Ein beinahe mildes Lächeln erschien in dem aufgedunsenen, feisten Gesicht. "Euer bleicher Leib ist rettungslos verloren und wird dem Handwerk des Henkers anheimfallen. Aber für Eure Seele gibt es vielleicht Läuterung und Rettung vor der ewigen Verdammnis."

"Ich glaube kaum", erwiderte ich.

"So seid ihr doch ein Diener des Satans? Verstockt bis ins Mark? Ich mag es kaum glauben."

Ja, dachte ich, vielleicht bin ich das --- und bin es immer gewesen. Ein Diener des Bösen. Ein Sendbote der Hölle. Manche nennen mich den Herrn des Schwarzen Todes. Und sie haben recht!

 

*

 

Ich bin ein Mensch der zutiefst an der Erkenntnis der Naturgesetze interessiert ist. Viele meiner Zeitgenossen können mit einer solchen Haltung nichts anfangen.

Aber das stört mich nicht.

Es kann mich nicht beirren, in dem was ich tue, in meinen Streben nach Erkenntnis und danach, in das tiefste Wesen der Dinge einzudringen. Nicht wenige meiner Zeitgenossen sehen allein dieses Streben bereits als einen furchtbaren Frevel am Allerheiligsten an. Aus der Bibel wissen wir, dass im Tempel zu Jerusalem das Allerheiligste immer hinter einem Vorhang verborgen war. Das Göttliche ist ein

Impressum

Verlag: BookRix GmbH & Co. KG

Texte: Alfred Bekker
Bildmaterialien: Steve Mayer
Tag der Veröffentlichung: 26.01.2014
ISBN: 978-3-7309-7841-2

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