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Eine Reihe aufeinanderfolgende Schläge erschütterte Revyn. „Deine Schläge sind zu schwach, du musst mehr Schwung reingeben!“, schrie sein Lehrmeister.Revyn war, wie üblich, mit seinem täglichen Übungskamf beschäftigt. Seinen Lehrmeister Skalkin hatte er sich selbst ausgesucht. Das hatte ihn beinahe Kopf und Kragen gekostet. Denn Skalkin war ein Hjirianer und diese wurden in Azshara überhaupt nicht gerne gesehen. Von Gesetzes wegen waren sie Bürger wie jeder andere und man hatte sie gerecht zu behandeln. Jedoch verabscheute sie das ganze Volk und die Vollstrecker des Gesetzes entschieden selten gerecht wenn es um sie ging. Revyn wich tänzelnd zurück und holte seinerseits auf. Funken sprangen als sein gegenüber in letzter Sekunde das Schwert hochriss.Revyn vollführte eine geschickte Drehung um sich selbst und setzte einen Schlag gegen das Knie Skalkins an. Dieser parierte ohne Mühe, was Staunen bei der Menschenmenge hervorrufte. Gekämpft wurde öffentlich und es hatte sich ziemlich schnell eine grosse Menschenmenge gebildet die das Spektakel mitverfolgte. Revyn fiel auf das Skalkin nur noch parierte und auswich das hiess, dass er seine Strategie studierte. Revyn änderte seine Strategie und liess einige einzelne Schläge ohne Kombination auf Skalkin hinunterprasseln. Er stellte zufrieden fest das Skalkin stutzte, da er begriff das Revyn seine Strategie durchschaut hatte. Revyns Triumph hielt jedoch nicht lange. Skalkin fing nun auch an anzugreifen. Mit einem seitlichen Hieb lenkte er Revn ab und trat nach seinem Knie. Revyn konnte den Schlag noch parieren, dem Tritt konnte er jedoch nicht entgehen. Mit grosser Wucht traf der Tritt das gewünschte Ziel und Revyn sackte zusammen. Noch ein Hieb folgte und sein Schwert flog in hohem Bogen davon. Er spürte die kalte Spitze des Schwertes an seiner Kehle. Ja, Skalkin war wahrlich ein grosser Fechter. Die Menge fing an zu buhen. Er spürte wie sich das Schwert von seiner Kehle entfernte und eine Hand erschien in seinem Blickfeld. Dankbar ergriff er Skalkins Hand die ihn auf die Füsse zog. Sein Bein schmerzte
"Du machst Fortschritte".
"Trotzdem konnte ich Euch nicht besiegen."
Skalkin lachte.
"Junge, ich bin ein erfahrener Krieger der schon in vielen Schlachten gedient hat. Du magst des Königs Sohn sein, aber du bist nach wie vor erst vierzehn Jahre alt. Es wird wohl noch ein wenig dauern bis du gegen mich ankommst."
Revyn grinste ihn an.
"Lasst uns gehen mein Vater wartet schon.", sagte Revyn.
Zusammen schritten sie weg vom Marktplatz in Richtung Innerer Ring. Man konnte förmlich spüren das man dem Palast näher kam. Die Häuser wurden stabiler, die Leute denen man begegnete waren sauberer und besser gekleidet und der Marktgeruch schwand. Im Inneren Ring angekommen gingen sie an der Kirche vorbei. Die Mönche waren, wie fast immer, am beten.
"Ein scheiss Leben", lachte Revyn.
"Du wirst es später noch begreifen, wieso sie so leben.", antwortete Skalkin freundlich.
Sie waren nun beim Palast angekommen. Der Palast bestand eigentlich nur eus den sieben herausragenden Türmen und der Schlossmauer die auf der hinteren Seite durchging. Der Palast war riesig. Sie schritten durch den Eingang, welcher mindestens vier ausgewachsene Männer hoch war. Er musste so hoch sein, damit die Kutschen Platz fanden. Sie mussten ein wahrliches Labyrinth durchqueren bis sie zum Audienzsaal des Königs kamen.
"Der König wartet bereits", sagte die Wache die vor der Tür stand.
Er öffnete die Tür und führte sie hinein. Der Saal war riesig. Überall an der Wand hingen rot-goldene Banner mit dem Königswappen in der Mitte: ein eiserner Hammer. Der König Dekar sass auf seinem goldenen Thron. Der König war ein schlanker Mann in den mittleren Jahren. Er konnte nicht sehr gut mit Waffen umgehen, er verstand sich einzig auf den Kriegshammer, welchen er stets mit sich trug. Er war eher durch politische Intelligenz an die Macht gekommen, als durch seine Fähigkeit im Kampf. Er hatte einen gestutzten braunen Bart und hellblaue Augen. Sein Haupthaar färbte sich langsam weiss.
"Hier sind Prinz Revyn und der Hjirianer, mein Herrscher.", sagte die Wache, verbeugte sich und verliess den Saal wieder.
Der König bestrachtete Skalkin einige Sekunden lang hasserfüllt, dann begann er schallend zu lachend.
"Ich habe nie verstanden wieso du einen Hjirianer als Lehrmeister gewählt hast." Er legte so viel Verachtung in das Wort "Hjirianer" wie möglich. "Klar er hat in einigen Schlachten gegen an unserer Seite gekämpft und so weiter. Trotzdem hättest du lieber einen Lehrmeister vom Hofe gewählt. Lord Ur hätte alles dafür gegeben um dein Lehrmeister zu werden. Durch deine Wahl habe ich seine Gunst verloren."
"Skalkin lehrt mir alles was ich wissen muss. Und ich bin mir sicher seine langjährige Kriegserfahrung ist mehr als genug für meine Ausbildung.", antwortete Revyn.
Der König richtete seine Worte nun an Skalkin.
"Nun Skalkin. Wie läuft die Ausbildung?".
"Euer Sohn schlägt sich gut. Er ist schnell, flink und beweglich. Jedoch mangelt es ihm noch an Kraft. Seine bevorzugten Waffen sind Kurzschwerter und Dolche."
"Ein richtiger Krieger muss massig sein und Kraft haben. So wie ich es bin. Was bringt es schnell und flink zu sein, wenn man bevor man zur Tat schreiten kann von einem kräftigem Hammerschlag niedergetreckt wird?".
"Was bringt es massig und kräftig zu sein, wenn man, bevor man seinen Hammer auch nur erheben kann, bereits erdolcht wird?", entgegnete Skalkin schlagfertig.
"Das ist feige. Ein ehrenhafter Kampf ist Mann gegen Mann ohne irgendwelche Tricks oder Wurfmesser. Ihr könnt gehen.", sagte er langsam wütend. Skalkin und Revyn schritten gemeinsam aus dem Raum.
"Tut mir Leid...", murmelte Revyn.
"Wegen was? Dein Vater besitzt einen scharfen Verstand. Deswegen ist er König geworden. Aber er hat keine Ahnung vom Krieg. Im Krieg gibt es keine Ehre. Will man ehrenhaft kämpfen wird man als Erster getötet. Der Krieg ist eine schmutzige Sache."
Revyn dachte noch lange über diese Worte nach als sie sich trennten.


Nachdem Die Diebe geflüchtet waren ergriff Revyn zuerst das Wort. Er legte seinen Arm in die richtige Position und setzte sich gegen die Wand.
"Bei Wem arbeitest du?", fragte er Seehra.
"Bei Ram Schumacher Mylord", sagte sie neigte leicht den Kopf zur Seite und hielt ihren Blick gesenkt.
"Erwartet dich eine Strafe wegen der Einkäufe?", hakte er nach.
Seehra bestätigte dies mit einem Kopfnicken.Innerliche Wut türmte sich in Revyn. Nur weil sie Hjiranerin war, wurde sie überall wie Termiten behandelt. Doch plötzlich kam ihm eine Idee. Damit würde er seinen Vater grausam erzürnen. Und nebenbei verstiess er somit auch gegen ein Gesetz. Jedoch setzte er damit auch ein Zeichen.
"Wenn ich Ram Schumacher das Geld für die Einkäufe geben würde, würdest du bereit sein bei uns im Palast zu leben? Du hast mein Leben gerettet und ich möchte dir gerne auf die Weise dafür danken."
Revyn spürte wie die Überraschung in ihr hochstieg. Sie hob überrascht den Kopf und blickte ihm mit grossen Augen an.Er spürte auch wie sie mit sich selbst kämpfte.Eine unbehagliches Schweigen brach herein das ihm schwer auf die Schulter drückte.
"Tut mir Leid Mylord ich kann dieses Angebot nicht annehmen sogern ich auch würde. Damit würdet ihr nur eurem Volk schaden und es würde mehr Konflikte geben.", antwortete sie respektvoll. Revyn sackte ein wenig in sich selbst ein.
"Ich akzeptiere diese Antwort vorerst. Doch wir beide gehen jetzt zusammen zu einem Arzt im Palast. Und Übrigens. Nenn mich nicht Lord.", sagte er bestimmt.
Ohne ihre Antwort abzuwarten stand er auf und hielt ihr einen Arm hin. Sie ergriff seinen Arm und stand auf.Als sie aus der Gasse hinaustraten waren es noch ungefähr zwei Stunden bis zum Sonnenuntergang und es liefen nur wenige Menschen auf der Strasse herum.
"Unheimlich", flüsterte Seehra, die dicht an seiner Seite ging und den Blicken der Menschen auswich. Er verstand ihre Angst, wahrscheinlich war sie nie um diese Zeit in diesem Teil der Stadt gewesen.Als die jedoch mehr in Nähe des Palastes kamen gab es auch immer mehr Menschen auf der Strasse.Sie gingen in den Palast. Als sie in den Inneren Ring kamen blieb Seehre plötzlich stehen. „Der Innere Ring... ich darf nicht hier sein.“, stotterte sie. Der Aufenthalt im Inneren Ring benötigte eine Erlaubnis, oder man war hoch angesehen. Doch Revyn schüttelte nur den Kopf und sagte ihr sie solle weitergehen.
Das Hospital war direkt links neben dem Palast, also tief im Inneren Ring. Sie schritten durch die breite Eingangstür und gingen direkt zum Podest. Im Hospital gab es einen Buchhalter der alle Namen der Kunden aufschrieb und was genau ihre Verletzung war. Auch die Kosten wurden notiert. Der Buchalter sah sie mit einem abwertenden Blick an, doch als er Prinz Revyn sah machte er grosse Augen.
"Du", er zeigte mit dem kleinen dicken Finger auf Seehra "wartest hier und Ihr Prinz Revyn kommt mit mir.“
Seehra atmete überrascht auf. Das war Prinz Revyn! Ein Prinz war ihr Retter. Sie konnte es kaum glauben. Und noch dazu hatte sie ihm das Leben gerettet. Er machte Anstallten aufzustehen doch Revyn ergriff das Wort. "Nein bleibt sitzen. Ich weiss wo es lang geht. Und diese Junge Frau kommt mit mir.", sagte er und ging mit Seehra um den Buchhalter herum.Sie kamen in den Wartesaal, der abgesehen von einem Mann völlig leer war. Es ging auch nicht lange, da kam ein Pfleger herein und wischte sich die Hände an einem Handtusch sauber. Sein Blick richtete sich auf Sheera, Verachtung lag darin, doch als er seine Aufmerksamkeit Revyn zuwandte holte er überrascht Luft. "Prinz.. darf ich bitten?", Er machte eine elegante Handbewegung und wies Revyn an, ihm zu folgen. Es schien ihm nicht zu gefallen das er die junge Hjirianerin mit sich nahm. Doch er widersprach nicht, bis sie in seinem Behandlungsraum ankamen. Als erstes kümmerte sich der Bruder sorgenvoll und mit grösster Konzentration um dem Prinzen. Das überraschte Seehra nicht. Sie sah sich im Behandlungraum um. Es war recht gross, ganz anders als das öffentliche Spital, im Äusseren Ring. Neben dem Behandlungsbett aufdem Revyn sass, befand sich ein Silbertablett mit etlichen Operationswerkzeugen, deren Zweck Seehra nicht zwingend kennelernen wollte. In der Ecke des Zimmers stand ein grosser hölzerner Schreibtisch. Er war kunstvoll gearbeitet und hatte einige Verzierungen, hauptsächlich ein Wappen. Seehra vermutete das es das Familienwappen des Mannes war. Als sie sich wieder umdrehte hatte der Mann Revyn das Oberteil ausgezogen. Sie schätzte Revyn höchstens fünfzehn Jahre alt, er hatte jedoch für sein Alter eine beträchtliche Körperstatur und war trotzdem sehr schlank. Flink und stark. Zu spät merkte sie, dass sie ihn geradezu angaffte. Revyn schaute ihr in die Augen. Beschämt senkte sie den Blick. Revyn Wunde wurde gesäubert, genäht und verbunden. Als sie draussen waren sagte Seehra dankbar:
"Vielen Dank Lord Revyn. Äh, meine Revyn".
"Mein Angebot von vorhin steht noch. Willst du es dir nicht anders überlegen?"
Seehra dachte lange nach. sie könnte leben wie eine Prinzessin. Und sie würde nicht mehr verprügelt werden und nicht wie eine Made behandelt werden. Da traf sie ihre Entscheidung.
"Ich würde liebend gerne im Palast bei euch wohnen Lord Revyn. Ich hoffe ich gehe euch dort nicht auf die Nerven.", sagte sie.


Während Seehra Revyn durch den Palast folgte, waren ihre Gedanken weit weg vom Geschehen. Wie sollte sie das Ram, ihrem Arbeitgeber, erklären? Wenn er, der sowieso schon einen gewissen Groll gegen sie hegte, von dieser Sache erfuhr, würde die Nachricht das Prinz Revyn eine Hjirianerin in den Palast aufgenommen hatte, in Windeseile im ganzen Land zum Gesprächsthema werden. Da Ram schon gewisse Beziehungen zu Kaufleuten hat würde das ganze noch schneller von statten gehen. Sie musste Revyn bitten mitzukommen und das für sie zu klären. Der Gedanke war ihr zuwider, aber es war auch zu Revyns Wohl. Die Menschen die ihnen entgegenkamen schauten Revyn und Seehra schräg an. Nicht wenige wandten sichtlich geekelt den Blick ab. Sie schaute sich um. Sie liefen in einem langen Korridor, indem in einem zwanzig Fuss Abstand immer wieder eine auf Hochglanz polierte Tür folgte. Der Korridor war mit Teppichen und Kerzenständern an der Wand herrlich geschmückt. Plötzlich blieb Revyn so unerwartet stehen, dass sie beinahe mit ihm zusammenstiess. Sie stolperte Rückwärts und viel hin. Ihre Wangen erhitzten sich und sie spürte wie sie rot wurde. Rasch setzte sie sich auf und strich ihr dreckiges Kleid glatt. Revyn drehte sich zu ihr um und lächelte.
"Tut mir Leid. Ich hätte dir ein Zeichen geben sollen."
Er warf einen Blick auf ihr verschmutztes Kleid.
"Ich werde natürlich veranlassen, dass ihr neue Kleider bekommt.", sagte er, als ob es selbstverständlich wäre.
Obwohl sie innerlich etwas anderes fühlte, nickte sie. Sie fragte sich wieso er angehalten war. Als hätte er ihre Gedanken gelesen hätte sagte er:
"Ich werde dir kurz meine Gemächer zeigen, damit du weißt wo du mich auffinden kannst."
Er schritt auf das Ende des Korridors zu und öffnete die massive Holztür. Zum Vorschein kam ein riesengrosses Zimmer. An den Wänden war es geschmückt mit goldenen und silbernen Kerzenständer, in welchen je drei perfekt gearbeitete Wachskerzen ihren Platz fanden. An den vier Wänden standen je zwei wunderbar verarbeitete Möbelstücke, die eingeölt wurden, so dass sie im Licht der Kerzen förmlich glitzerten. Auch der Fensterrahme was aus geöltem Holz. Im linken Teil es Raums stand ein riesengrosses Bett das genug platz für zwei Menschen bot. Das Bettzeug hatte eine Braune Farbe und war kunstvoll verziert. Um das Bett herum War ein ebenfalls brauner Vorhang angebracht.
"Du bist beeindruckt, wie ich sehe", sagte Revyn.
Sie nickte nur, da sie ihrer Stimme nicht traute. Es beschwor Wut in ihr auf wenn sie sah, welchen Reichtum die Herrscher besassen. Während in den Armenviertel Azsharas die Armut regierte. Die Strassen waren verschmutzt, es gab Rattenprobleme, Seuchen und von den Magiern und den Herrschern kam keine Unterstützung.
"Ich zeige dir nun dein Zimmer", sagte er freundlich.
Wenn doch alle nur so wären wie er, dachte sie.Sie seufzte und folgte ihm. Sie liefen schweigend den Weg den sie gekommen sind zurück. Sie versuchte sich den weg genau einzuprägen, weiss Gott wann sie ihn brauchen würde.Sie stiegen die Wendeltreppe hinauf in den zweiten Stock. Seehra war nervös. Sie würde bald ihren neuen Wohnort zum ersten Mal sehen. Sie stiegen wieder ein Stockwerk hinauf und bogen nach rechts ab.
"Kannst du lesen?", fragte er.
Sie nickte.
"Ich bin jedoch ein wenig aus der Übung. Es ist schon ein gutes Jahr her seit ich letztes Jahr etwas lesen musste", antwortete sie.
"Im Erdgeschoss ist eine Bibliothek. Dort kannst du dich nach Belieben aufhalten. Aber ich bitte dich nicht zuviel alleine herumzulungern. Du weißt ja allein dein Aufenthalt hier ist verboten und wird bestraft. Natürlich wird das nicht passieren", fügte er eilig hinzu, um sie zu beruhigen.
Jedoch machte sie dies nur noch nervöser.
"Kann ich euch was fragen?", fragte sie vorsichtig.
Er nickte.
"Beherrscht ihr Magie?", flüsterte sie.
Er blieb schlagartig stehen. Langsam drehte er sich zu ihr herum.
"Es tut mir leid falls ich euch beleidigt habe", stotterte sie.
Er wirkte abwesend.
"Nein kein Problem. Ich weiss es nicht“, sagte er.
Sie nickte verängstigt. Hatte er etwas zum verbergen? Ein eigenartiges Gefühl suchte sie heim. Sie hielten vor einer hölzernen Tür mit einem Rahmen aus Stahl.Er hielt ihr einen goldenen Schlüssel hin.
"Er gehört dir."
Sie nahm ihn, steckte ihn ins Loch und drehte. Die Tür ging nach innen auf. Ihr stockte der Atem als sie den Raum sah. Er war genau gleich eingerichtet wie das Zimmer von Revyn. Nur Die Wände waren in einem tiefen Ton von Rot angemalt. Sie schritt langsam hinein. Am Boden lag ein weicher Wollteppich mit einem Tiger als Zeichen darauf. Sie ging zu einem Schwarzen glänzenden Schrank hin und öffnete ihn langsam. Ihr Herz setzte einen Schlag aus. Der Schrank war in drei Teile eingeteilt. Im grössten Teil waren wunderschöne Kleider für grosse Anlässe aufgehängt. Alle beschmückt, weiss und elegant. Im zweiten Teil waren Oberteile und Röcke aufgehängt. Diese waren für den alltäglichen Gebrauch gedacht.Im letzten Teil war Unterwäsche untergebracht. In einem Nebenzimmer war das Badezimmer. Es roch herrlich nach Rosmarin. Eine grosse Badewanne, in die man warmes Badewasser lassen konnte stand im hinteren Teil des Raumes.
"Gefällt es dir?", fragte Revyn.
"Sogar sehr", sagte sie schüchtern.
"Wir treffen uns morgen drei Stunden nach dem Sonnenaufgang in der Bibliothek. Schlaf gut!", verabschiedete er sich.
"Bis morgen", sagte sie.


In Gedanken versunken streifte Revn durch die Stadt Azshara. Er wusste nicht wohni er gehen sollte, also stieg er auf die Stadtmauern, wie immer wenn ihn etwas ebschäftigte. Schweigend stieg er die Holzgerüste hoch. Eine Patrouille kam ihm in ihrer scheppernden Rüstung entgegen. Der Mann begrüsste Revyn tonlos und schritt weiter. Als Revyn noch ein kleines Kind war, hatte man ihn imer umarmt und geknufft. Die Zeiten hatten sich stark geändert. Seit man die Magie entdeckt hatte, wurde sie im Land der Ebenen geächtet. Nur ein Dutzend Leute durften sie beherrschen - Der Rat. Der Rat war die rechte Hand des Königs. Sie berieten ihn, erliessen Gesetze und vollstreckten diese auch. Jedes Kind das in Azshara geboren wurde, wurde von ihnen auf Magie geprobt. Fand man Magie wurde diese sofort blockiert. Jedes Kind im ganzen Land der Ebenen musste bis zum dritten Lebensjahr beim Rat gewesen sein um sich auf Magie prüfen zu lassen. Revyn selbst war nie dort gewesen, was er nur seinem hohen Rang zu verdanken hatte, also wusste er auch nicht ob er magisches Talent besass oder nicht. Fand man bei Hjirianern Magie wurden sie sofort getötet. Leider gab es viele Hjirianer die Magie besassen. Deshalb versuchten viele Eltern ihre Kinder geheim zu halten, im Untergrund leben zu lassen. Das wäre ein klägliches Leben, jedoch besser als der Tod. Im Untergrund zu leben war ziemlich schwer denn: die Räte spürten Magie. Nichtmagier konnten sich nicht erklären lassen wie nur ein ausgebildeter Magier wusste das. Spürten sie blockierte Magie interessierte sie das nicht. Heutzutage war über die Hälfte der dyranischen Kinder beim Rat gewesen und ihre latente Magie wurde blockiert. Spürten sie jedoch nichtblockierte Magie war ihr Auftrag diese Person sofort ausfindig zu machen und das Gesetz walten zu lassen. War man gegen das Gesetz nicht zum Rat gegangen wurde man beinahe ausnahmslos hingerichtet. Der Rat wurde vo König gewählt. Es waren meistens die Kinder der vorangehenden Räte. Was auch ein Grund war warum das Volk den Rat verachtete. Kein Aussenstehender hatte eine Chance im Rat zu sein. Die Räte durften mit Magie unbestraft umgehen. Nicht selten wurde ein Bewohner des Volkes, der gegen das Gesetz in der Stadt lebte von einem Rat gnadenlos getötet. Die Hjirianer waren eigendlich Menschen aus Azshara. Vor vielen hundert Jahren, als man die Magie entdeckte, wurden die latenten Magier nich getötet und ihre Kräfte wurden auch nicht blockiert. Sie wurden verstossen. Damals gab es auch keinen Rat, die Magier wurden vom König selber verstossenWas man jedoch nicht bedachte, war das sich die ausgestossenen zusammentan und in ein fremdes, weit entferntes Land reisten. Nicht viele starben bei der gefährlichen Reise. Eine rieige Wüste musste durchquert werden - Das Land der Wüste, danach ein riesiger Wald in dem unbekannte Gefahren lauerten - das Land des Waldes. Danach wurde der Weg immer steiniger und man musste ein riesiges Gebirge durchqueren - das Land der Berge. Dann werden die Temperaturen immer eisiger und es beginnt zu schneien. Man kommt in das Land des Eis, wo die Hjirianer lebten. Das Land des Eises gehört nicht zu den Verbündeten Ländern. Man sagt die Ausgestossenen trafen dort auf die Einheimischen und hatten ein friediches Verhältnis. Bei den Einheimischen war die Magie nicht geächtet sondern viel eher erwünscht. Die ins Exil getriebenen Magier wurden dort ausgebildet. Als sie sich stark genug fühlten, begannen sie eine Invasion zu planen - sie wollten Azshara erobern. Nicht alle, viele dachten sich man sollte im Land des Eises bleiben. Schlussendlich fanden sich nur wenige, unerfahrene Magier. Dies führte dazu das die Invasion scheiterte. Die Invasion öffnete dem König in Azshara jedoch die Augen. Er besprach sich mit seinen Untertanen und sie kamen zusammen zur Entscheidung den Rat zu gründen. Mit dem Rat wure das Gesetz verändert. Um nicht Teile des Volkes zu verlieren brachte man die Blockade von der Magie ins Spiel. Man erlaubte zudem den Kindern Ausgestossenen in das Land der Ebenen zurückzukehren, falls sie ihre Magie blockieren liessen. Aus allen Ausgestossenen suchte der König den vertrauenswürdigsten Magier aus und stellte ihn in den Rat. Er wollte damit ein Zeichen setzen. Es kamen jedoch trotz diesem Zeichen sehr wenige zurück den sie waren mit ihrem Leben im Land des Eis zufrieden. Diejenigen die zurückkamen wurden vom König offiziell als Bürger von Azshara gekennzeichnet. Das Volk jedoch hatte seinen eigenen Willen und sie machten die Hjirianer zu der untersten Bürgerschicht. Denn das Aussehen der meisten hatte sich verändert, weil sich ihre eltern mit den Einwohner des Land des Eis gepaart haben.
Plötzlich stellte Revyn sich die Frage ob er selber Magie beherrschte. Beherrschte er sie könnte er vielleicht sogar Mitglied des Rats werden. Nein, dachte er sich, mein Vater würde das nie erlauben. Er will das ich den Thron besteige. Mitglied des Rats und König, das geht sehr wahrscheinlich nicht. Aber wie sollte er sich prüfen lassen ohne das sein Vater das mitbekam? Magie kann nur von anderen Magiern gespürt werden. Es muss eine andere Möglichkeit geben, dachte er. Ob es wohl einen anderen Magier in Azshara gibt der ihn untersuchen könnte? Er nahm sich fest vor Seehra zu fragen und sich in den ärmeren Vierteln zu informieren. Dazu könnte er noch Kabil fragen, einen alten Freund von Revyn, mit dem er in seiner Kinderzeit viel gespielt hat. Dann fiel Kabils Vater jedoch bei König Errek in Ungnade und Revyns Vater verbot ihm weiteren Kontakt mit Kabil. Die Sonne war nun schon fast untergegangen. Er machte sich auf den Rückweg. Er nahm die Öllampe von der Wache dankend an und stieg die Holzgerüste hinunter. Er war weit vom Palast entfernt, am anderen Ende der Stadt. Das hiess, dass er die Armenviertel durchqueren musste. Schweigend lief er los. Als er an einem Pub Namens "Entdecker" vorbeilief, stürzte ihm ein stark betrunkener Mann entgegen. Er roch sehr stark nach Pork, dem favorisiertem alkoholischen Getränk der ärmeren Bevölkerung. Reyvn wollte kommentarlos an dem betrunkenen Mann vorbeigehen, offensichtlich war dieser jedoch nicht ganz damit einverstanden. "Was machst du hier kleiner? Müsstest du nicht schon lange im Bettchen sein?", sagte der Fremde lachend. Ihm fehlten einige Zähne und aus seinem Mund drang ein fauliger Gestank.
"Ja, aber ich habe mich verspätet. Wenn ihr nicht wollt das ich grössere Probleme bekomme, lasst mich bitte meinen Weg gehen."
"Nein, wieso sollte ich das auch wollen? Gegen einen kleinen Zoll kannst du weiter, Kleiner."
Es erzürnte Revyn, das dieser Trunkenbold, ihn "Kleiner" nannte.
"Ich habe auch einen Namen", sagte er, langsam wütend.
"Hast du plötzlich Eier in der Hose, Kleiner?" Zu seinem Entsetzen zückte der Fremde einen Dolch. Revyn hatte sein Schwert in seinen Gemächern gelassen, er hatte nicht gedacht das er es brauchen würde.
Das Lachen des Fremden wurde breiter. "Jetzt gib mir deinen verdammten Geldbeutel, oder muss ich dich zuerst aufschlitzen?"
Revyn sah sich um. Eine Fluchtmöglichkeit gab es nicht. Klar er könnte in den Pub rennen und nach Hilfe rufen, doch er bezweifelte, dass er welche erhalten würde. Mit einem Wutschrei stürzte sich der Betrunkene auf Revyn. Im letzten Moment konnte dieser noch ausweichen. Der Fremde stolperte über seine eigenen Füsse, was er sicher dem Alkohol zu verdanken hatte. Er fing sich jedoch noch und drehte sich zu Revyn um. Er fletschte die Zähne und wischte sich den Speichel mit dem Unterarm vom Kinn. Erneut stürzte er sich wutentbrannt auf Revyn, Revyn war jedoch erneut schneller. Er trag beiseite und verpasste dem Angreifer einen Triffen gegen das Knie. Er strauchelte und fiel. Ein dumpfes und hohles Geräusch ertönte, als der Verbecher mit dem Kpf voran gegen die Wand stiess. Ein Gück das die Strassen in den Armenviertel nicht besonders breit sind, dachte Revyn. Offensichtlich war er ohnmächtig. Zuerst überlegte Revyn ob er ihm den Dolch abnehmen sollte, aber das wäre schlussendlich nicht viel besser als Diebstahl. Er gab sich mit einem kräftigem Tritt in den Hintern zufrieden. Der Rest seines Heimweges verlief langweiliger. Niemand stellte sich ihm in den Weg.


Bevor Revyn die Tür schloss wollte Seehra noch fragen wo sich die Bibliothek überhaupt befand, bevor sie jedoch den Mund geöffnet hatte, war die Tür schon geschlossen gewesen.
Erschöpft liess sie sich auf das Bett fallen. Er war viel zu weich, denn sie war es sich gewohnt
auf dem Boden zu schlafen. Es waren auch viel zu viele Decken auf dem Bett. Sie nahm sich alle weicheren Decken und breitete sie auf dem Boden, neben dem Bett, aus. Auf dem Bett waren noch drei dünnere Decken gebleben. Alle aus Seide. Seide. Sie schaute aus Fenster. Noch eine Stunde bis zum Sonnenuntergang, schätzte sie. Ich sollte mich waschen, dachte sie. Sie ging richtung Badezimmer und öffnete die auf Hochglanz polierte Holztür. Die Tür schwang nach innen auf. Das Badezimmer war mehr als doppelt so gross, als ihr Zimmer beim Schuhmacher. Und das Schlafzimmer hatte sie sich mit drei anderen teilen müssen. Das Waschbecken war auf Porzellan gefertigt und es waren herrliche Verzierungen in goldener Farbe an den Rändern angebracht. Der Wasserhahn war auf Gold gefertig und bot zwei Knöpfe. Der eine - rot umrandet - war für warmes Wasser und der Andere - blau umrandet - bot kaltes Wasser. Am Rande des Beckens wurden roe Handrücher gestapelt. Der Boden war mit Fliesen ausgelegt, ein flauschiger rot-goldiger Teppich lag darüber. Sie schritt nach links, in Richtung Badewanne. Die Badewanne war ungefähr fünf Fuss tief in den Boden eingelegt. Eine silberne Leiter führte ins innere. Im Innern war sie - wie fast alles hier - rot-golden gefärbt. Dutzende Löcher waren eingelassen, um das Wasser hineinspritzen zu lassen. Am Rande war nur ein Knopf eingelassen. Daneber war ein Hebel um die Wärme des Wassers zu regulieren. Sie drückte den Knopf und ein dumpfer Schlag erklang. Aus allen Löchern die in der Wanne eingelassen waren begann Wasser zu spritzen. Seehra hielt ihre Hand vor eins der oberen Löcher. Das Wasser war pefrekt gewärmt. Sie schälte sich aus den schmutzigen Kleidern und legte sie neben sich auf den Teppich. Durch die grosse Anzahl an Löchern war die Wanne schon zu einem Viertel gefüllt. Sie kletterte die Leiter hinunter und liess sich ins Wasser fallen. Das Wasser reichte ihr inzwischen bis zu den Oberschenkeln. Sie stand unter die wasserspritzenden Löcher und liess das Wasser auf ihren Rücken fallen, einem Wasserfall nicht unähnlich. Schliesslich nahm sie die Seife und begann sich zu schubben. Die Seife duftete herrlich nach Rosmarin. Zum ersten Mal in ihrem Leben fühlte sie sich wirklich sauber. Nachdem sie siech den Schutz abgewaschen hatte ging sie auf die Leiter zu und kletterte wieder heraus. Sie bediente sich der Handtücher die auf dem Rand der Wanne waren. Damit das Wasser nicht Abfloss hatte man in das grosse Loch unten einen Stecker hineingesteckt. Am Stecker war eine Metallkette befestigt die wiederrum am äusseren Rand der Wanne befestigt war. Sie zog kräftig daran und der Stecker löste sich aus dem Loch und lies das schmutzige Wasser hineinfliessen. Sie begann sich trocken zu rubbeln. In ihren schmutzigen Klamotten konnte sie keinesfalls schlafen. Sie wickelte sich in dem roten Badetuch ein und verliess das Badezimmer. Auf dem königlichen Bett lag ein Schlafgewand ausgebreitet. Schnell schlüpfte sie in das Gewand hinein. Es war weiss, schneeweiss. Schon fast zu schade um darin zu schlafen. Es war schöner und eleganter als jedes Kleidungsstück das sie besass. Sie liess sich ihre langen braunen Haare nach hinten fallen und begann sie trocken zu rubbeln. Eine der Nachteile an langen Haaren war, dass man die lange trocknen lassen muss. Sie entdeckte einen Spiegel der an der Schranktüre hing und ging neugierig auf ihn zu. Ihr stockte der Atem als sie hineinsah. Sie sah nicht ein kleines dreckiges Strassenmädchen. Sie sah eine selbstbewusste, langsam erwachsenwerdende Dame. Sie fand sich sogar beinahe schön. Vielleicht süss oder gar hübsch, aber nicht schön fand Seehra. Ihr fielen auch zum ersten Mal die Auswirkungen der Pubertät auf. Sie bekam langsam weibliche Rundungen zu ihrem schlanken Körper. Sie fühlte sich wie eine Prinzessin als sie sich schlafen legte.


Verwirrt setzte Seehra sich auf. Sie sah sich um und alles kam ihr völlig fremd vor. Erst nach und nach fielen ihr die gestrigen Erlebnisse wieder ein. Sie war von zwei Banditen überfallen worden und hatte gedacht ihr Leben sei dort zu Ende. Doch ein junger Mann hatte sie gerettet. Prinz Revyn. Danach war er mit ihr zum Heiler gegangen und hatte ihr ein Zimmer im Palast angeboten. Sie keuchte vor Schreck. Sie war im Inneren Ring! Der Aufenthalt dort ohne Genehmigung hatte Gefängnis zur Folge. Was hatte Revyn gesagt? Er wolle sich drei Stunden nach dem Sonnenaufgang mit ihr in der Bibliothek treffen? Sie stand auf und schaute aus dem Fenster. Die Sonne stand schon sehr hoch, gewiss waren schon drei Stunden vergangen. Und sie wusste nicht Einmal wo die Bibiothek war. Mist, dachte sie, schon am ersten Tag komme ich zuspät. Schnell rannte sie ins Badezimmer. Sie sah aus wie eine zerzauste Maus. Und im Schlafgewand konnte sie auch nicht umherirren. Sie ging wieder in das Schlafzimmer und öffnete den Schrank. Sie stockte. Der ganze Schrank war gefüllt mit königlich aussehenden Gewändern. Auch Roben waren da. Seehra griff sich eine grüne Robe, da diese einfacher zum anziehen waren. Geschwind schlüpfte sie aus dem Schlafgewand und zog sich die grüne Robe über den Kopf. Die blaue Schärpe war mit wunderschönen Edelsteinen besetzt. Die Robe reichte bis zu ihren Knöcheln. Sie band ihr Haar zu einem einzigen langen Zopf zusammen. Neben der Tür stand eine grosse Auswahl an Schuhen, Sandalen und Stiefeln. Seehra zog sich die braunen Stoffschuhe an und eilte aus ihrem Gemach. Revyn wollte sich mit ihr in der Bibliothek treffen. Gesagt hatte er nur das diese im Erdgeschoss ist. Wie sollte sie die Bibliothek finden. Sie hatte schon Schwierigkeiten die Treppe zu finden. Sie irrte im Palast umher ohne eine einzige Treppe zu finden. Sie fluchte im Stillen. Nach einer halbstündigen Suche fand sie endlich wonach sie suchte; die Wendeltreppe. Sie stieg bis ins Erdgeschoss hinab, dort begann die Suche jedoch von Neuem. Nun galt es die Bibliothek zu finden. Sie kam in einen breiten Korridor, an dessem Ende eine Wache war. Zuerst wollte Seehra davon rennen, besann sich jedoch eines Besseren. Sie ging zur Wache um sie zu fragen, wo die Bibliothek war.
"Könnt Ihr mir vielleicht sagen wo die Bibliothek ist?", fragte die höflich.
Die Wache musterte sie. Sie erkannte das Seehra eine Hjirianerin war.
"Hier bist du total falsch. Du gehörst nicht in den Palast."
Seehras Herz fiel ihr in die Hose.
"Ich bin mit Prinz Revyn hier... ich sollte mich mit ihm in der Bibliothek treffen...",stammelte sie.
"Und ich habe heute Abend ein Rendezvous mit dem König." Er packte sie an der Schulter, wobei sich seine eisernen Handschuhe in ihr Fleisch gruben. "Komm mit, wir gehen zum General!"
Seehra versuchte sich seinem Griff zu entziehen doch es hatte keinen Sinn. Sie war ihm hilflos ausgeliefert.
Während er sie mitschleppte gingen ihr tausende Gedanken durch den Kopf, was mit ihr nun passieren könnte. Würde man sie einkerkern? Würde man sie auspeitschen? Auf jeden Fall würde sie bestraft werden. Da war auch noch Revyn. Auch er würde bestraft werden, wenn sein Vater erfuhr, dass er sie mit in den Palast genommen hatte. Sie nahm sich fest vor seinen Namen ncht zu erwähnen.
Die Wache schleppte sie durch eine Vielzahl an Korridoren bis sie schliesslich vor einer grossen, geölten Holztür stehen blieb.
"Du wartest hier!".
Die Wache klopfte mit den Knöcheln an die Holztür. Wenige Zeit später öffnete sie sich und ein General trat heraus.
"Guten Tag General Aye, ich habe hier eine Streunerin erwischt. Sie hat sich ohne Bewilligung im Palast bewegt.", sagte die Wache.
"Vielen Dank Soldat. Euch erwartet eine Lohnerhöhung. Ihr könnt gehen. Und du, meine Kleine, kommst mit mir."
Mit einem Lachen im Gesicht verabschiedete sich die Wache.
"Tritt ein.", sagte Aye kalt.
Er wies mit einer Hand auf einen Holzstuhl, der vor seinem Schreibtisch stand. Der General schritt um sie herum und stand hinter den Schreibtisch.
"Warum hast du dich ohne Erlaubnis im Palast bewegt?", fragte er, während er sich Tee in eine Porzellantasse einschenkte.
Seehra schwieg vorerst und musterte Aye.
Der General musste ungefähr dreissig Jahre alt sein, hatte einen gestutzen Bart und einen verhöhnenden Gesichtsausdruck. Er war nicht viel grösser als Seehra. Sie hatte bereits von ihm gehört. Er sei nicht dafür bekannt Gnade walten zu lassen, schon gar nicht wenn es um Hjirianer ging.
"Wir geben keine Antwort?", sagte er tonlos.
Seehra schwieg weiterhin.
"Ich frage dich nun zum letzten Mal. Hat dir jemand Erlaubnis erteilt hier zu sein? Und wenn ja, wer?".
Er war nun aufgestanden.
Schweigen.
Er ging um den Schreibtisch herum und blieb vor ihr stehen.
"Wie du willst. Dann kommst du eben in den Kerker bis du dein hübsches kleines Maul öffnest."
Panik stieg in Seehra auf. Das hatte sie mit ihrem Schweigen sicher nicht bezwecken wollen.
Er packte sie am Arm und zerrte sie auf die Füsse. Plötzlich griff er an ihren Hinterkopf und steckte ihren Kopf in einen Sack. Sie wehrte sich, strampelte mit den Füssen, doch er war schlichtweg stärker. Sie spürte wie der Sack zugeschnürt wurde. Wird er mich töten?, dachte sie verzweifelt. Sie hörte wie eine Tür geöffnet und geschlossen wurde. Dann wurde sie durch etliche Gänge gezerrt. Sie versuchte sich die Abzweigungen zu merken, doch Aye hatte das wohl erwartet. Nach jeder dritten Abzweigung blieb er stehen und drehte Seehra im Kreis bis ihr schwindelig wurde. Dann gingen sie weiter. Aye war wirklich sehr klug, das musste sie ihm lassen. Sie kamen nur zu einer Treppe. Sie war nicht besonders gut gemacht, was wahrscheinlich daran lag, das sie in den Kerker führte. Seehras Verdacht verstärkte sich als ihr die Höhere Luftfeuchtigkeit auffiel. Es fing allmählich an zu stinken. Plötzlich machte Aye Halt. Seehra hörte Geflüster, dann wurde ihr der Sack weggerissen. Ihre Befürchtung bestätigte sich. Sie war im Kerker. Der Mann mit dem Aye geredet hatte war der Kerkermeister. Er hatte eine Glatze und reichlich Fett. Er lächelte sie böses wollend an. Aye verabschiedete sich und ging wieder zurück. Der Kerkermeister packte sie an Kragen und schleifte sie mit. Sie gingen an vielen Zellen vorbei und es sassen die eigenartigsten Geschöpfe in den Zellen. Der Kerkermeister mache vor einer Zelle halt. Er griff in seine Hose und holte einen Schlüsselbund heraus.
"Viel Spass!", murmelte er ihr ins Ohr, öffnete die Zelle und schubste sie hinein.
Sie war gefangen.


Schmerz zuckte durch Revyns Schulter, als er sich aufsetzte. Er war in seinem Gemach. Eingeschlafen war er sogar in seinen Kleidern. Er zog sein Wams aus und besah sich seiner Schulter. Die Wunde war drauf und dran sich zu entzünden. Sie war gerötet und die Fäden hatten sich gelöst. Ein unangenehmer Geruch ging von der Wunde aus. Nicht mehr lange und sie würde beginnen zu eitern. Er schaute aus dem Fenster. Die Sonne war erst gerade aufgegangen. Er ging ins Bad und sah sich im Spiegel an. Seine glatten braunen Haare fielen ihm langsam in die Augen, es wurde wieder Einmal Zeit sie zu schneiden. Er würde später zu einem Friseur gehen. Er zog seine Hose aus und wusch sich. Die Seife brannte teuflisch in der Wunde. Als er wieder aus dem Bad heraus kam war die Wunde noch geröteter als zuvor. Er würde sie später erneut untersuchen lassen. Nun musste er seine Pläne von gestern erfüllen. Er wollte nun endlich wissen ob er selber über Magie gebot. Dazu würde er zuerst seinen alten Freund Kabil aufsuchen. Doch er wusste nicht wo er anfangen sollte.
Plötzlich fiel ihm Ram wieder ein. Ram war Seehras Arbeitgeber. Er musste so oder so zu ihm gehen, um ihm mitzuteilen, dass Seehra fortan nicht mehr bei ihm arbeitete und er musste ihm noch die Einkaufe ersetzen. Er zog sich ein Unterhemd an und darüber einen Braunen Kittel. Zudem schlüpfte er in eine Lederhose. Schnell warf er sich noch einen Umhand über die Schultern und schritt aus seinem Gemach. Er wurde in Das Geschäftsviertel gehen, dort wusste man sicher wer Ram war. Auf dem Marktplatz angekommen ging er zu einem Obststand. Er kaufte sich einen Apfel und sah dann den Mann an.
"Wisst ihr wo Ram Schuhmacher arbeitet?", fragte er.
"Natürlich Mylord. Sein Geschäft ist im nördlichen Teil des Viertels. Direkt neben dem Kräutergeschäft von Daun. In seinem Schaufenster stehen prächtige Schuhe. Ihr Könnt es gar nicht verfehlen, Mylord.", sagte der Händler.
Revyn liess ihm als Dank ein Kupferstück liegen.
Der nördliche Teil des Viertels war eher für die reicheren Kaufleute. Das war nicht gut. Ram könnte Einspruch gegen Revyns Entscheidung erheben. Wäre Ram nur ein unbedeutender Kaufmann wäre das kein Problem. Keiner würde ihm zuhören. Wenn Ram aber ein reicher und einflussreicher Kaufmann war, war das kein gutes Zeichen. Demzufolge was Revyn bereits über Ram gehört hatte, war er ein erbarmungsloser Mann. Es hiess er liesse sogar Kinder unbezahlt für sich arbeiten. Es hiess er besässe sogar ein Bordell.
Der Marktplatz war überfüllt. Etliche Ehemänner arbeiteten für ihr Tageseinkommen, unzählige Ehefrauen kauften für Haushaltszwecke ein und Gruppen von Kindern spielten. Die Kinder hatten ein schäbiges Leben. Die Meisten von ihnen lebten in der Armut, mussten häufig hungern und sie wurden häufig krank. Trotzdem waren wie glücklich. Wahrscheinlich weil sie nichts Anderes kennen, dankte Revyn. Das Treiben wurde nun geringer. Er näherte sich dem Nordteil. Die Leute die ihm begegneten waren nun wohlhabender und anständiger. Eine angespannte Ruhe herrschte jedoch. Das Treiben des Marktplatzes war ihm friedlicher vorgekommen. Hier war jeder wachsam und eiskalt was seine Geschäfte anging. Er war nun Tief im Geschäftsviertel. Die Luft roch nun angenehm nach Kräutern. Er schaute sich um. Er war vor einem Kräutergeschäft. Der Mann hatte gesagt Rams Geschäft wäre direkt daneben. Tatsächlich, links des Kräutergeschäftes war ein Schaufenster indem die prachtvollsten Schuhe ausgestellt waren. Ram hatte wirklich Geld.
Revyn trat in das Geschäft ein. Sofort schlug ihm der Geruch von Leder entgegen. In Sekundenschnelle war ein Angestellter bei ihm. Es war noch ein Junge. Er konnte nicht älter als zehn Jahre alt sein.
"Was wünscht Ihr zu kaufen, Herr?", sagte er.
"Ich will nichts kaufen."
Er hielt dem Jungen drei Kupfermünzen hin.
"Ich möchte mit Ram sprechen."
Der Junge wirkte verunsichert.
"Er wünscht nicht gestört zu werden...", begann er.
Aus drei Münzen wurden fünf.
Der Junge fing allmählich an zu begreifen, das er Revyn nicht loswurde, bevor er mit Ram gesprochen hatte.
Er steckte die Münzen ein und bedeute Revyn ihm zu folgen.
Das Geschäft war fast überfüllt von Schuhen, dessen Wert er gar nicht schätzen konnte. Das ganze Geschäft hatte einen unermesslichen Wert. Das war nicht gut. Dem Geschäft zufolge war Ram ziemlich reich.
Er führte Revyn in den hinteren Teil des Geschäfts.
Der Junge blieb vor einer hölzernen Tür stehen. Zögernd klopfte er.
Es verging eine Weile, doch als der Junge ein zweites Mal klopfen wollte öffnete sich die Tür.
"Habe ich nicht gesagt ich will nicht gestört werden?", schrie der Mann.
"Tut mir Leid, Herr... aber dieser Mann... er wollte mit euch sprechen."
Er musterte Revyn.
"Das ist mir egal, meine Zeit ist wertvoll. Verzieh dich!"
"Seid ihr Ram?", fragte Revyn.
"Wer will das wissen?".
"Also seid ihr Ram. Es geht um eine eurer Angestellten. Seehra heisst sie."
"Was ist mit ihr? Ich habe sie ausgeschickt um meine Einkäufe zu erledigen, aber sie ist nicht zurückgekommen."
Revyn sah nun den Jungen an.
"Ich würde vorziehen, dieses Gespräch unter vier Augen weiterzuführen.", sagte Revyn bestimmt.
"Wer glaubst du zu sein, dass du hier Befehle erteilen kannst? Aber wie du willst. Goran, an die Arbeit!", fauchte Ram.
Er bedeutete Revyn einzutreten und der Junge - Goran - ging zurück an die Arbeit. Im Büro war es ziemlich stickig. Es mass gerade Mal fünf Schritt in der Länge und drei in der Breite. An der Wand stand ein Regal, das bis zum bersten mit Dokumenten gefüllt war.
"Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich dir gerne einen Stuhl anbieten würde, das aber nicht geht, weil ich auf dem Einzigen sitze. Also, was willst du?", sagte er unfreundlich.
"Eure Arbeiterin Seehra wird von nun an nicht mehr bei euch arbeiten. Sie gehört nun zu mir. Die Einkäufe die abhanden gekommen sind, werden natürlich ersetzt. Anfügen möchte ich noch, dass Seehra keinerlei Schuld zukommt. Sie ist überfallen worden und wäre beinahe ermordet worden.", sagte Revyn und holte seinen Geldbeutel hervor. Er zählte vier Silbermünzen ab und liess sie auf den Tisch kullern.
"Das ersetzt viellecht meine Einkäufe. Aber wer ersetzt mir meine Dienerin?", fragte Ram.
Diese Frage überrumpelte Revyn. Damit hatte er nicht gerechnet.
"Was schwebt euch im Sinne?", fragte Revyn.
"Straferlass. Ich will mit meinen Geschäften umgehen können wie ich will. Verkaufen und kaufen was ich will".
Das bestätigte Revyns Verdacht. Ram hatte also doch Dreck an den Fingern.
"Tut mir Leid das kann ich euch nicht gewähren.", sagte Revyn wahrheitsgemäss.
"Das ist aber schade. Ich hatte gehofft wir können uns einigen. Dann muss ich dich wohl anklagen, meine Dienerin gestohlen zu haben.", meinte er lächelnd.
Verdammt. Genau das hatte Revyn versucht zu verhindern.
"Das würdet ihr nicht wagen. Und ich kann Seehra immernoch dazu überreden bei euch zu kündigen, dann habt ihr nichts gegen mich in der Hand!", sagte Revyn triumphierend.
"Da hast du Recht. Aber es wäre doch ein Jammer wenn Seehra etwas zustossen würde, oder?"
Revyn stockte.
"Das würdet ihr nicht wagen."
"Gewiss... Ich würde das nie wagen. Nun für mich sieht es nicht so aus als ob du meine Bitte akzeptieren würdest. Nun... Ich werde Beschwerde einlegen und dich anklagen. Es ist mir egal ob du Prinz bist oder nicht. Für mich bist und bleibst du nur ein kleiner Junge. Ich nehme das Geld für die Einkäufe und danke dir dafür. Du hast meine Gastfreundschaft lange genug strapaziert. Hau ab!", rief er.
Revyn blieb nichts anderes übrig als ihm zu gehorchen.

BUCH IST NOCH IN ARBEIT!

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Tag der Veröffentlichung: 27.08.2011

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