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Wanderer (erwachend):



Goldne Lichter sah ich fließen
von dem Scheitel wunderbar,
hörte lieblich sich ergießen
Redestrom wie Sonne klar.

Wie gekommen, so entschwunden,
hoheitsvolle Lichtgestalt,
wieder hab ich tief empfunden
deines Wesens Allgewalt.

Dein Wort vernahm ich, Herrliche, den Hauch
noch deines Kusses spür ich auf den Wangen,
seh dort von jenem blütenvollen Strauch
Lichttropfen noch von deinem Glanze hangen.
Mit neuen Blumen, junger Farben Pracht
hat sich um mich die Matte hier geschmückt,
da sich in dieses Waldes schattige Nacht
die Lichtspur deines Fußes eingedrückt.

Wie anders klingt der Vögel süßes Lied
dem Ohre jetzt; den Duft, der aufwärts zieht
aus tausend Kelchen, atme ich wonnig ein
und fühle nun im Herzen mein
sich gleichfalls tausend Blüten regen,
fühl es im Innern sich bewegen,
als wollte das begrenzte Feld
erweitern sich zu einer frühlingsschönen Welt.

Ja, eine Welt mit Schaffensgewalt
drängt nach Gestalt.
Es regen sich des Lebens Säfte,
es bilden sich geheimnisvolle Kräfte,
ein Lichtermeer, bald sternenklar und kühl,
bald lodernd heiß wie tausend Sonnen,
erschließt mir seinen Strahlenbronnen.

Und tief im Schacht
geheimnisvoller Nacht
nur Geisteraugen bloß.
Schätze groß
harren des Lichts.
Aus tausend Quellen bricht's
belebend nach oben.
Aus tausend Kehlen loben
herrliche Töne
das ewig Schöne.

Muse, Begeisterin,
himmlische Meisterin,
bleibe mir hold.
Führe zur Klarheit mich,
leit' zu der Wahrheit mich
leuchtendem Gold.

Fülle mit klingendem,
Herzen bezwingendem
Stoff meinen Geist,
daß er in zündenden,
Liebe verkündenden
Werken dich preist.

Liebe, Begeisterin,
Allesbemeisterin,
Muse, bist du.
Führest aus dunkelnden
Tälern den funkelnden
Sternen uns zu.

Wo über Welten, noch
reiner erhellten, hoch
glänzt der Thron,
winket dem Ringenden,
endlich Vollbringenden
Herrlicher Lohn.

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Tag der Veröffentlichung: 16.03.2011

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