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Meine geliebte Frau




Ich möchte Dich wieder glücklich sehen.
Das Stahlen in Deinem Gesicht wieder finden, wenn Du mich anlächelst.
Das Funkeln in Deinen Augen vor Glück.
Deine Verliebtheit in Deinem Blick, wenn Du mich ansiehst.
Einfach in Deine lieben Augen sehen.

Ich möchte Dich wieder spüren, Dich wieder umarmen.
Meine Arme um Dich schlingen und Dich ganz fest halten.
Deinen warmen Körper empfinden, wie er sich an mich preßt und nach mir verlangt.
Deine Hände auf meinem Körper fühlen.
Und es genießen, wie Du mich streichelst und liebkost.
Mein Verlangen und mein Begehren nach Dir wieder erleben.

Ich möchte Deine warmen Lippen wieder auf meinen schmecken.
Sie auf meinem Gesicht und Hals wandern lassen,
hinunter über mein Dekolletè, zu meinen Brüsten.
Ich möchte deine Brüste wieder liebkosen und zärtlich küssen.
Sie in meinen Händen wiegen und an Deinen Knospen nuckeln.

Ich möchte Dich wieder mit den Federn am ganzen Körper streicheln und kitzeln.
Anschließend Dich mit Massageöl liebevoll einreiben und den Duft einatmen.
Ich möchte Dir wieder Zungenküsse voller süßer Schokolade geben, bis wir beide total verschmierte Münder haben.
Ich habe ein solches Verlangen nach Dir, daß die Sehnsucht mich fast umbringt.


Als die Diagnose kam, war das wie ein Schlag ins Gesicht.
Warum ausgerechnet wir?
Warum ausgerechnet jetzt?
Jetzt, wo ich Dich doch gerade erst gefunden habe.


Ich habe solche Angst Dich zu verlieren.
Angst, Dich für immer zu verlieren.
Meine geweinten Tränen kann man nicht mehr zählen.
Sie sind inzwischen zu einem reißenden Sturzbach geworden.


Ich möchte Dich wieder glücklich sehen.
Dieses Glück und die Liebe, die Du brauchst und auch verdienst, will ich Dir geben.
Erst dann kann ich auch wieder glücklich sein und strahlende Augen haben, wenn ich in Deine Augen blicke.


Weißt Du, daß Du manchmal ein richtiger Stinkstiefel sein kannst?
Daß ich Dich ab und zu nehmen und an die Wand klatschen könnte?
Wird man nach einer Chemo so?
Verändert eine Chemo den Charakter?


Du kannst manchmal unausstehlich sein und ich weiß dann oft nicht, wie ich darauf reagieren soll und sehr unglücklich darüber bin?
Soll ich darüber hinwegsehen und hoffen, daß nach der Chemo alles besser wird?
Oder soll ich Dir all meine Verzweiflung ins Gesicht schreien?
Meine Tränen werden noch lange nicht versiegen.

Mir ist klar, daß der Alltag des Zusammenlebens anders aussieht und daß es nicht ohne Reibereien abgehen wird.
Wo gibt es das schon?
Aber Differenzen sind normal und kommen in jeder Beziehung vor.
Sie lassen sich wieder beheben.

Ich weiß, daß Du mich liebst und daß Du alles tust um uns ein Heim zu schaffen.
Und dafür bin ich Dir unendlich dankbar.
Ich möchte so gerne mit Dir wieder ein normales Leben führen, ohne Krankenhaus, ohne Ärzte, ohne Untersuchungen, ohne Notarzt, ohne Nebenwirkungen, ohne Krebs, ohne Angst.

Angst um Dich!
Angst um uns!
Angst zu versagen!
Angst keine Kraft mehr zu haben!
Angst Dir nicht mehr voll zur Seite stehen zu können!

Weil auch ich bald keine Kraft mehr habe.
Weil auch ich keine lederne Haut mehr habe, von der alles abprallt.
Weil auch ich jedes unbedachte Wort nicht mehr so einfach von mir schieben kann.
Weil auch ich schwach geworden bin.


Aber ich habe auch wieder Mut gefunden.
Vor allem durch Gespräche mit Anderen, die den Krebs seit längerer Zeit überwunden haben.
Mutig in die Zukunft zu blicken und Hoffnung zu schöpfen, daß alles wieder gut wird.


Ich habe solche Sehnsucht nach Dir, mein Schatz.
Sehnsucht, Dich wieder in den Arm zu nehmen und mit Dir zu kuscheln.
Ich wünsche mir, daß Du wieder bei mir ankommst und ich bei Dir.
Daß wir uns gegenseitig stützen, wo wir nur können.
Daß wir gemeinsam unsere Zukunft gestalten, unseren Frieden finden und zusammen glücklich sind.
Gemeinsam werden wir alle Widrigkeiten meistern und uns zusammenraufen.


Vor allem wünsche ich mir, daß Du wieder ganz gesund wirst und wir noch viele, viele Jahre zusammen sind.


Ich liebe Dich von ganzem Herzen, Du meine geliebte Partnerin

Dein Schneggle



(© geschrieben 2012, überarbeitet 20.01.2013 und 11.02.2013 von Schneggle. Alle Rechte bei Schneggle, keinerlei Abschrift erlaubt)



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Texte: buecherwurm116
Bildmaterialien: Bilder Google

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