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Einmal durch den Sarek

Berthold Kogge

Copyright © 2016 Berthold Kogge

Druck und Verlag: BookRix GmbH & Co. Kg, München

 

Berthold Kogge

Einmal durch den Sarek

Ritsem, Padjelantaleden, Ruohtesvágge, Bierikdalen,

Gähppo, Tjiráktjåhkkå, Kungsleden, Saltoluokta

August 2013

 

Vorbereitungen

 

Da ich letztes Jahr mit meinem rechten Knie durchaus größere Probleme gehabt habe, hatte ich mir dieses Jahr (2013) vorgenommen, einige Kompromisse einzugehen. Letztes Jahr wog mein Rucksack vor der Fahrt, als ich ihn auf die Waage stellte, 27,1 kg, wobei dann später noch 2 kg dazu kamen, sodass ich mit 29 kg + Kameraausrüstung losgelaufen bin. Dieses Jahr sollte es weniger werden.

 

Ich verzichtete dieses Jahr beim Schlafsack auf Isolierung, und nahm meinen alten Sommerschlafsack mit. Einsparung 700 Gramm.

 

Statt unterwegs Brot zu backen, nahm ich dieses Jahr auch für das Frühstück Trockennahrung, in Form von Pastagerichten, mit. Einsparung bei den Lebensmitteln ca. 500 Gramm, und außerdem konnte ich dadurch auf einen Liter Spiritus verzichten. Also ein weiteres Kilo weniger.

 

Ansonsten hatte ich noch vier Rollen Doppelkekse mit Schokoladenfüllung (a. 500 Gramm) und zwei Dosen Erdnüsse (a. 200 Gramm) mit. Das war das Gleiche wie im Jahr davor. Da war also nichts, mit sparen beim Gewicht.

 

Mit einigen anderen Kompromissen konnte ich insgesamt 3 kg einsparen, sodass der Rucksack, als ich ihn auf die Waage stellte, statt 29 kg, 27 kg schwer war. Das entsprach zwar nicht ganz den mathematischen Theorien von Adam Riese, belegt aber nur, dass es zwischen mathematischer Theorie und deren gelebter Praxis durchaus Differenzen geben kann.

 

Da ich aber auch bei mir selbst 1,5 kg eingespart hatte, konnte ich mein rechtes Knie auch in der Praxis um ca. 3,5 kg weniger belasten als im Jahr davor. Das linke Knie na klar auch.

 

Nachdem die Vorbereitungen abgeschlossen waren, machte ich mich also auf den Weg. Erst einmal ganz unspektakulär, den großen Rucksack auf dem Rücken, den kleinen Tagesrucksack mit dem Reiseproviant in einer Hand, über den Altstadthügel, am Holstentor vorbei, zum Bahnhof. Alles ganz ohne Karte, Kompass und ohne irgendwelche Pausen, außer mal an einer roten Fußgängerampel. Dann war ich auch schon im Bahnhof und ging dort, wie eigentlich jedes Jahr, zum Bahngleis 5, da genau dort, wie immer, der Zug in Richtung Norden abfahren sollte.

 

Der Zug kam auch, wie erwartet, und verließ auch pünktlich, mit mir als Passagier, den Bahnhof, Richtung Puttgarden. Dort ging es mit der Fähre nach Rødby, und von dort weiter nach Kopenhagen. In Kopenhagen musste ich in den Zug nach Stockholm umsteigen, wo ich dann, dort angekommen, statt der geplanten 2 Stunden, insgesamt 10 Stunden auf den Nachtzug nach Gällivare warten musste. Aber letztendlich konnte ich dann doch in den Norden fahren.

 

 

12. August

 

Um 13:30 Uhr kam ich, nach einer etwas turbulenten Zugreise, mit dem Bus von Gällivare kommend, an der Bootsanlegestelle in Ritsem an.

 

 

Da das Boot erst in einer Stunde fahren sollte, kochte ich mir erst einmal meine erste warme Mahlzeit auf dem Trangia, während unter Sonnenbestrahlung vor dem Áhkká ein Regenschauer herunter kam.

 

Um 14:30 Uhr brachte das Boot die Wanderer und Tagesausflügler auf die Südseite des Sees, und ich wanderte auf dem Padjelantaleden los.

 

Das Wetter war toll, aber ich war müde, da die letzten beiden Nächte relativ schlaflos abgelaufen waren. Da ich fast nur im Halbschlaf ging, verschlief ich fast die große Brücke über den Vuojatädno.

 

 

Bei der nächsten Brücke, die über den Bach, der vom Áhkká-Gletscher kommt, führt, hatte ich genug. Ich baute mein Zelt auf und packte mich in meinen Schlafsack. Schon der Aufbau des Zeltes lief mehr routinemäßig, im Halbschlaf ab. Kaum war ich im Zelt, war ich auch schon weg. Erst nach 14 Stunden erblickte ich wieder das Licht der Welt. Und die Welt sah toll aus, als ich aus dem Zelt schaute.

 

 

13. August

 

Trotz 14 Stunden Schlaf war ich immer noch ein bisschen angeschlagen. Die Zeiten, in denen man eine Nacht mal so durchmachen konnte, und dann nur einfach den fehlenden Schlaf nachholen musste, um gleich wieder fit zu sein, sind schon lange vorbei. Ich hatte leicht dicke Augen, aber ansonsten ging es. Auf einer Wanderung genieße ich immer den gemütlichen Morgen. Keine Hektik, sondern alles wird schön in Ruhe gemacht. Dabei auch, in vielen Pausen, einfach nur die Landschaft genießen, sich umschauen, gucken, durchatmen, ab und zu ein Foto schießen. In aller Ruhe gab es Frühstück. Dann wurde, unter Pausen, um sich die Landschaft anzusehen, gepackt.

 

Es war schon fast 12 Uhr als ich los wanderte, was mich aber nicht störte, und so zwischen 10:30 und 11:30 Uhr bin ich dann eigentlich fast immer, während der ganzen Wanderung, erst los gekommen.

 

Der Weg ging ohne große Steigung weiter in Richtung Südwesten, ab und zu oberhalb der Baumgrenze, ab und zu in einem aufgelockerten Birkenwald. Links von mir war ständig, zumindest wenn ich oberhalb der Birken ging, das Áhkká-Massiv, das immerhin, mit 2016 m, Schwedens achthöchsten Gipfel hat, zu sehen. Auf einer Anhöhe, von der ich einen schönen Ausblick hatte, machte ich meiner erste Rast für heute.

 


Kurz hinter der nächsten Brücke, als ich gerade in einem Birkenwald unterwegs war, kam mir ein Rentier entgegen, das irgendwie der Ansicht schien, er/sie hätte hier Vorfahrt, und ich hätte zu weichen. Das Tier hatte vielleicht einmal bei einem Elch gesehen, wie so etwas gemacht wird, und dachte, dass auch er/sie hier einen auf dicken Max machen konnte. Erst als ich langsam auf ihn/sie zuging, trottete er/sie langsam zur Seite. Aber wirklich nur ganz langsam, richtig widerwillig und so, als ob er/sie eigentlich den eigenen Rückzug nicht einsah, um dann, ca. zwei Meter vom Trampelpfad entfernt stehen zu bleiben, und mich strafend anschaute, während ich an ihm vorbeiging.

 

Wurde es sumpfig, gab es die bekannten Holzbohlen. Noch war ich eben auf dem Padjelantaleden, nicht im Sarek.

 

Gegen 16:00 Uhr kam ich dann langsam in einen Birkenwald, der an dem Abhang lag, wo es hinunter zum Fluss Sjnjuvtjudisjåhkå ging.

 

Ich wanderte den Abhang hinunter zum Fluss und ging dort über die Hängebrücke, die über den Fluss gespannt ist.

 

Von der Brücke aus machte ich ein Foto in Richtung Osten. Richtung des Sarek-Nationalparks. Dorthin wollte ich.

 

Hinter der Brücke, wo ich den Padjelantaleden verlassen wollte, gab es viele Trampelpfade, die grob in die Richtung führten, in die ich wollte. Ich schaute mir erst einmal diesen Platz, der weitläufig war und eindeutig, auch wenn außer mir niemand dort anwesend war, ein viel besuchter Ort war, was man an Lagerfeuerplätzen sehen konnte, an und suchte dann den Trampelpfad, der in den Sarek führen sollte. Wie üblich verdaddelte ich dabei mit meiner Kamera wieder so viel Zeit, dass ich, als ich, nachdem ich den gesuchten Weg gefunden hatte, auch noch einen wunderbaren Zeltplatz fand, beschloss, gleich hier zu bleiben.

 

Für heute reichte es mir, dass ich wusste, wo es morgen weiter gehen sollte. Ich baute daher in aller Ruhe mein Zelt auf, holte mir Wasser vom Fluss, kochte mein Abendessen, genoss mein Pastagericht auf einem abgestorbenen Ast sitzend, und schaute mir danach noch, mit meiner Kamera bewaffnet, die Gegend an. Dabei fiel mir so nebenbei ein, dass, laut „www.smhi.se“, es hier schon seit gestern regnen sollte. Meine Enttäuschung darüber, dass das Wetter sich nicht an die Vorhersage hielt, hielt sich in Grenzen.

 

Auf dem Platz schaute ich mir auch noch die drei Hinweisschilder, die jeweils einen der drei Nationalparks, die sich hier treffen (Padjelanta-Nationalpark, Sarek-Nationalpark, Stor-Sjofallet-Nationalpark), beschrieben, an.

 

Danach zog ich noch einmal in aller Ruhe eine Runde über den Platz und genoss die Stille, bis ich mich dann zum Schlafen in mein Zelt verkroch.

 

 

14. August

 

Gegen

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Verlag: BookRix GmbH & Co. KG

Tag der Veröffentlichung: 23.08.2016
ISBN: 978-3-7396-7020-1

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