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Die Brücke

 

Fiktiver Lebensroman eines Mystikers

 

 

Alfred Ballabene

alfred.ballabene@gmx.at

gaurisyogaschule@gmx.de

 

 

Worte der Yogini Gauri

 

 

 

 

Wenn du vor der Schwelle stehst,
und man dich dort fragt:
Sag, was hast du geleistet im Leben?

Dann werde ich sagen:

"ich habe angezündet! Das innere Licht habe ich in denjenigen zum Leben erweckt, deren Herz fruchtbar war und voll der Liebe.
Ich habe sie zu Lichtern gemacht und für sie gekämpft!"
(Gauri)

 

 

Einleitung

 

 

Es gibt Mystiker, die einen schmalen, beschwerlichen Weg gehen. Weisheitsbücher zählen für sie nicht, sie haben das Bedürfnis Spiritualität selbst zu erleben und aus diesen eigenen Erfahrungen ihr Weltbild aufzubauen. Solch ein individueller Weg ist einsam. Selbst verschuldet, könnte man sagen, denn jene Menschen fühlen sich oft unverstanden und haben es aufgegeben mit anderen zu diskutieren und zu kommunizieren. Weshalb sie so sind? In erster Linie ist es eine individuelle Eigenart. Des weiteren müssen sie aus einem inneren Zwang heraus einen solchen Weg gehen; eine ungewisse Sehnsucht treibt sie.

 

Die vorliegende Schrift wendet sich an jene, welche ihre Schritte einem solchen schmalen Weg zu gelenkt haben. Logischer Weise ist die vorliegende Schrift keine Anleitung. Anleitungen sind bei solchen Individualisten nicht möglich. Die Schrift ist nur ein Beispiel, wie so ein Weg aussehen könnte. Der vorliegende Roman ist keine Wiedergabe meines Lebens, wenngleich ich so manche eigene spirituelle Erfahrung hier eingebaut habe. Dadurch hat mir das Schreiben mehr Freude gemacht.

 

Bei den meisten mystischen Individualisten beginnt der spirituelle Weg mit einem Heimweh aus einer dunklen und kaum greifbaren Ahnung heraus. Sie möchten wieder dorthin zurück, wo sie hergekommen sind. Nennen wir ihren spirituellen Weg "Rückfindung in die Heimat". Oft kommt im Laufe der Zeit ein weiterer Aspekt hinzu, den man "innere Berufung" nennen könnte. Diese Berufung ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Sie muss nicht einmal etwas mit Spiritualität oder Religion zu tun haben. Es kann vieles sein, soziales Engagement, Kunst, Heilen, geistige Hilfe und anderes mehr.

 

Selten finden jene einsamen Wanderer Gleichgesinnte oder Gefährten, die den Weg ein wenig voraus gegangen sind, um Ratschläge geben zu können. Ihrem Naturell entsprechend bleiben sie auch dann meist einsam und Einzelkämpfer.

 

 

Wenn Du fern der Straße gehst auf schmalen Wegen,

so wird durch manches Hindernis Dein Geh'n erschwert,

doch ebenso wirst Wunderbares Du entdecken,

und bald begleitet Dich so mancher Segen.

 

Viel Unbekanntes wirst Du auf Deiner Reise sehn,

und von andren unverstanden wird Dein Wissen.

Anders denkt und spricht der Stimmenchor der Straße,

was Du erzählst wird niemand mehr versteh'n.

 

In der vorliegenden Geschichte erhält die Hauptperson Boris den ersten Impuls zu einer mystischen Orientierung durch einen russisch orthodoxen Priester. Der Priester übertrug so etwas wie einen Funken, aus dem allmählich bei Boris das innere Herzensfeuer entflammte, die Quelle des inneren Leuchtens eines jeden Mystikers. Zwar erwies es sich für Boris, dass dieser kirchliche Weg für ihn nicht passend war, dennoch war er diesem Priester durch sein ganzes Leben dankbar, denn er hatte ihn zu einen Weg geführt, der sein Leben mit Erfüllung und Glück bereicherte.

 

 

Für Boris galt das, was für viele Mystiker gilt. Der innere Weg eines Mystikers beginnt mit einer Sehnsucht nach einer Heimat, die einerseits fern und doch nah erscheint. Diese Sehnsucht wird erweckt durch einen inneren Ruf, der zwar vernommen wird, dessen Richtung aber unklar ist. Erst recht nicht weiß ein Suchender in der Anfangsphase, was ihn dort, von wo her der Ruf ertönt, erwarten würde. Alle üblichen Wünsche und Begehrlichkeiten werden zu einem Nichts im Angesicht dieser großen Sehnsucht.

Oft aber, wenn der Ruf noch zu leise ist, erfolgt die Suche danach im eigenen Inneren, sondern in der Außenwelt. Es zieht den Betreffenden in ferne Länder, macht ihn zu einem rastlosen Wanderer und lässt ihn irgendwann resigniert in einem Winkel der Welt stranden. Andere suchen nach versunkenen Schätzen oder nach der großen Liebe in einer anderen Person.

 

Häufig geht dem angehenden Mystiker ein schweres Leben voran, eine Schulung, welche lehrte das Leben nicht in üblicher Oberflächlichkeit zu sehen und welche diesen Menschen durch die Härten des Lebens stark machte im Ertragen und Kämpfen. Diese wenigen Menschen, seien sie nun Mystiker, Yogis oder spirituell orientierte Menschen genannt, sie erkennen, dass die Welt nicht viel zu bieten hat und sehr leicht mancher ersehnte Wunsch in Nichts zerfließt. Kurz gesagt, jene Menschen erkennen, dass alles Irdische vergänglich ist, inklusive jener Menschen, die einst heiß geliebt wurden und ohne die man sich ein Leben nicht vorstellen konnte. Ein oft schmerzlicher Prozess, der zu einer zunehmenden Innenkehr führt. In der Folge werden jene Menschen stiller, haben andere Interessen und finden sich in Gesellschaft schwer zurecht.

 

Der Titel dieses Buches bezieht sich einerseits auf ein Ereignis in der Handlung, zum Zweiten auch auf einen Leitsatz meiner Gurini (weiblicher Guru). Auch sie war eine Mystikerin, auch wenn sie sich selbst als Yogalehrerin bezeichnete. Wie viele andere, die diesen Weg gehen, hatte auch sie zuvor ein schweres Leben, schon ab der Kindheit. Ihr Leitsatz, den sie von ihrem Großvater, einem chassidischem Wunderrabbi, übernommen hatte, hatte sich für sie in ihrem Leben bewahrheitet. Er wurde zu einer bestätigten Lebenserfahrung und sie gab diese an mich weiter. Es war der Leitsatz, der auch zu meinem Leitsatz wurde:

 

"Die Welt ist eine Brücke, bau Dir kein Haus darauf."

 

 

 

Boris und seine Sehnsucht

 

 

 

Boris

 

Die Eltern von Boris stammten aus Russland. In seinen durchaus europäischen Gesichtszügen konnte man auch einen mongolischen Einschlag sehen. Seine Eltern übergaben ihm nicht nur dieses Erbe sondern auch eine tiefe Frömmigkeit, die Boris seit seiner Kindheit durch das ganze Leben beibehielt.

 

Als Boris sechzehn Jahre alt war, hatte er zwei bemerkenswerte Träume. Sie hinterließen ihm durch die folgenden Jahre ein unauslöschliches Heimweh.

 

Beide male gelangte Boris unvorhergesehen ohne Traumübergang in eine Szene eines ihm fremden Lebens in einem fernen Land.

Im ersten Traum saß Boris auf einem Pferd. Unter ihm der Grasboden einer weiten Steppe mit weit entfernten Hügeln und schneebedecktem Gebirge dahinter. Boris fühlte sich als Mongole. Er stieg ab und ließ seinen schwarzbraunen Sommerrappen grasen, damit er sich erholen und gestärkt die Reise fortsetzen könne. Boris war auf einer Reise zu einem weit entfernten Kloster. Allerdings sind einige Tage Ritt für einen Mongolen keine weite Reise. Das Ziel war ein kleines Kloster, angeschmiegt an einen steilen Felsenhang des Vorgebirges. Von diesem idyllische gelegenen Kloster aus hatte man einen weitem Blick in die Ebene. Heute am Abend noch würde er es erreichen.

 

In einer nächsten Szene des gleichen Traumes stand Boris vor der Klosterpforte. Er öffnete die Pforte und trat ein. Es war ein kleiner Andachtsraum, in den er gelangt war. Hier wartete er auf den Lama, dem er sein Anliegen vorbringen konnte. Boris wollte im Kloster bleiben und hier seine Sehnsucht nach Vervollkommnung verwirklichen. Er wurde zum Klostervorsteher geführt. Nachdem dieser das Anliegen gehört hatte, lächelte er den Anwärter gütig an und nahm ihn auf. Damit war der Traum zu Ende.

 

Im zweiten Traum sah sich Boris auf dem Weg vom Kloster zu seiner Felsenherberge. Er war ein Eremit, der dem Kloster angehörte. Schon zeitig am Morgen war er aufgebrochen, um nur ja nicht in die Dämmerung oder den Abendnebel zu kommen. Der Weg war gefährlich. Nach einem noch relativ angenehmen Steinweg gelangte er zu einer Hängebrücke, die über einen tiefen Felseneinschnitt zur anderen Seite der Kluft führte. Von dort aus schlängelte sich ein schmaler Pfad zwischen Abgrund und einer senkrechten Wand zu seiner Eremitage. Diese war ein roh gemauertes, windschiefes Steinhaus, mit einem kleinen Fenster und einer Brettertür. Hinter der Hütte erhob sich eine senkrechte Felswand. Vor der Hütte war ein kleines Felsenplateau, das von Gras, vielen Blumen und einigen niederen Sträuchern roter Alpenrosen bewachsen war. Am Rand dieser kleinen Gebirgswiese konnte man in der Ferne die Schneegipfel einer anderen Gebirgskette erblicken und in den tiefen, nebelumhangenen Tälern die klein gewordene Welt der Menschen sehen. Mit einem Glücksgefühl erreichte Boris seine Eremitage. Dann erwachte er aus dem Traum.

 

Impressum

Verlag: BookRix GmbH & Co. KG

Tag der Veröffentlichung: 17.07.2017
ISBN: 978-3-7438-2335-8

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